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Vorwort

In den letzten Jahrzehnten sind doch bestimmt in zunehmender Zahl Bücher über das prophetische Wort der Bibel veröffentlicht worden, viele davon durfte ich mit manchmal sogar sehr großem Segen lesen. Es war deshalb ursprünglich überhaupt nicht meine Absicht, zu dem teilweise so verwirrenden Angebot noch ein eigenes Buch hinzuzufügen. Im Laufe der Jahre ist aber in mir immer mehr das Bedürfnis entstanden, die empfangenen Erkenntnisse in geordneter Weise niederzuschreiben und weiterzugeben. Am Tage meiner Bekehrung lautete die Losung: Der Herr hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott. (Psalm 40, 4).

Bei meiner Glaubenstaufe, die einige Zeit später stattfand, wurde ich dann zum Dienst am prophetischen Wort eingesegnet, da man diese Gabe bei mir erkannt hatte. Da ich nicht so gut singen kann, könnte es durchaus sein, daß dieses neue Lied in Form von Gedanken in diesem Buch zum Lobe Gottes zu vernehmen ist. Jedenfalls war es von Anbeginn mein Wunsch, mit meinem Mund unseren Gott zu loben, was ich nun durch die mir geschenkten Erkenntnisse, die der Herr in meinen Mund gegeben hat, zum Ausdruck bringen möchte. Es ist mein Herzensanliegen und Gebet, daß durch das vorliegende Buch möglichst viele andere Menschen, seien es gläubige oder ungläubige, gleichfalls wie ich gesegnet werden mögen.

Ich bin mir bewußt, daß alle Propheten der Bibel nicht nur Gnade, sondern mehr noch das Gericht Gottes verkündet haben, das die Unbußfertigen aller Zeiten getroffen hat und trifft. Gotteskinder jedoch, die nach Gottes Willen ihr Leben ausrichten, brauchen nichts zu befürchten. Trotzdem erfährt man von unwissenden Glaubensgeschwistern meistens mehr Anfechtungen, als von Ungläubigen, was wohl eine Begleiterscheinung des prophetischen Wortes darstellt. Es war und ist, menschlich gesehen, keine dankbare Aufgabe, sich mit dem prophetischen Wort der Bibel überhaupt zu beschäftigen. Für viele Menschen ist es nun unangenehm, zu erfahren, daß die eigenen Zukunftsvorstellungen möglicherweise durch andere Pläne durchkreuzt werden. Somit kann ich durchaus bestätigen, daß ich ähnliche Erfahrungen gemacht habe wie der Prophet Amos damals in Israel zur Zeit Usias, als der Herr durch ihn diese Worte redete: Ihr gebietet den Propheten und sprecht: Ihr sollt nicht weissagen! (Amos 2, 12). Heute ist die Unterdrückung kaum anders als damals, da der Herr zum Hause Israel sagen mußte: Darum muß der Kluge zu dieser Zeit schweigen; denn es ist eine böse Zeit. (Amos 5, 13). Aber darauf kommt es ja nicht an, sondern einzig und allein Gottes Willen zu tun, auch in der Verkündigung des ganzen Wortes Gottes, so unangenehm es auch für manchen sein mag.

Stephanus, der erste Märtyrer der Gemeinde Jesu Christi, bezeugte kurz vor seinem Tode: Welchen Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet, die da zuvor verkündigten das Kommen des Gerechten. (Apg. 7, 52). Nun, ich bin zwar kein Prophet, doch was mein heutiges Zeugnis anbetrifft, so kann es ebenfalls nicht anders sein: Der Herr kommt bald!

Diese wiederholt in der Offenbarung erwähnte Botschaft von der baldigen Wiederkunft Jesu Christi bereitet den einen tiefe Freude, den anderen jedoch unsägliche Angst. Je nach dem geistlichen Zustand des Hörers ist diese hier bekundete Nachricht für ihn entweder überaus wunderbar oder vielleicht dermaßen erschreckend. Wie man damals den prophetischen Wächter oder Hüter Israels nach dem Ende der Nacht der Unterdrückung fragte, so mag man sich heute Gedanken über das Ende der Finsternis dieser Welt machen, die ohne Gott keine Hoffnung für die Zukunft birgt:
Hüter, ist die Nacht schier hin?
Hüter, ist die Nacht schier hin?
Der Hüter aber sprach:
Wenn der Morgen schon kommt,
so wird es doch Nacht sein.
(Jes. 21, 11-12 - Luthertext von 1914).

Inzwischen bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Gemeinde Jesu Christi nun in eine besondere Zeit der Erfüllung prophetischer Verheißungen eingetreten ist. Es war zuvor doch sicherlich nicht notwendig, daß die Gläubigen wenigstens etwas die grundlegenden Dinge der biblischen Prophetie kennen mußten. Heute aber, da viele Menschen nach der Zukunft fragen, ist es eine deutliche Botschaft, welche die Aufmerksamkeit auch desjenigen auf sich zieht, der sich sonst gewöhnlich nicht für das Christentum interessiert. Meine Erfahrung ist, daß Gott sie durchaus gebraucht, um Menschen für das Evangelium zu öffnen. Daher ist es jetzt angebracht, die Wichtigkeit des prophetischen Wortes zu erkennen und sich darüber genügend klar zu sein, daß man dadurch Menschen ansprechen, ihr Interesse gewinnen und sie schließlich so zum wahren Glauben und zur entschiedenen Nachfolge Jesu Christi führen kann.

Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der Himmel und Erde geschaffen hat und auf diese Erde zu unserer Erlösung gekommen ist (= 1. Advent = Ankunft), wird nun wiederkommen, um

Es ist daher auch sehr begreiflich, daß die Menschen der Wiederkunft Jesu Christi mit ganz verschiedenen Gefühlen entgegensehen. Wer meint, bereits ein Christ zu sein, der muß dies unzweifelhaft bekunden durch sein christliches Leben in dieser dreifachen Äußerung:
Im ersten Brief des Paulus an die Gemeinde zu Thessalonich heißt es: Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gehabt haben und wie
1. ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Götzen,
2. zu dienen dem lebendigen und wahren Gott
3. zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferweckt hat von den
Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet. (1. Thess. 1, 9-10).

In der Tat wäre ein Christ noch völlig unvollendet, der sich bekehrt hätte und Gott nur für dieses Leben dienen wollte. Der Apostel Paulus geht noch so weit, zu sagen: Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. (1. Kor. 15, 19). Möge darum niemand es versäumen, des Sohnes Gottes vom Himmel zu warten, denn das gibt der Frömmigkeit das Gleichgewicht und die Ausrichtung, die für ein gesundes Wachstum im Glauben unentbehrlich sind.

Wenn sich allerdings ein fleischlich Gesinnter der Heiligung entzieht und so den vom Heiligen Geist angebotenen Sieg über alle Bindungen ablehnt, die er irgendwie hütet, beweist er damit, daß er unaufrichtig und in Wirklichkeit nicht richtig wiedergeboren ist. Er ist dann bestenfalls noch ein Säugling im Glauben, der die rechte Speise verweigert hat, deshalb nicht gewachsen ist und ein kümmerliches Dasein in seinem Glaubensleben fristet. Für einen entschlossenen Neuanfang mag es noch nicht zu spät sein, wenn man jetzt fürwahr kompromißlos der Welt absagt. Der Apostel Petrus erklärte in seinem ersten Brief: Darum so begürtet die Lenden eures Gemütes, seid nüchtern und setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi. Solches tut als gehorsame Kinder und bleibt nicht bei dem, was vormals war, da ihr in Unwissenheit nach den Lüsten lebtet; sondern wie der, der euch berufen hat und heilig ist, seid auch ihr heilig in allem eurem Wandel! (1. Petr. 1, 13-15).

Es besteht deshalb kein Zweifel daran, vom Gesamtzeugnis der Bibel her gesehen, daß dieser Jesus Christus bei seiner Wiederkunft zuerst alle wahren Gotteskinder, die alle Glieder seines Leibes sind, zu sich holen wird. Die Gemeinde Jesu Christi ist eine Einheit, und sein Leib bildet ein Ganzes. Es ist deshalb auch nicht denkbar, daß ein Teil seiner Glieder noch auf Erden schmachten sollte, während im Himmel die Hochzeit des Lammes gefeiert wird. (Offb. 19, 7). Demgemäß heißt es alsdann: Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind. (Offb. 19, 9).

Dazu sind eigentlich alle Menschen berufen, alle, die bereit sind, ihr Leben völlig diesem Jesus Christus anzubefehlen. Gott erwartet zweifellos eine bedingungslose und uneingeschränkte Hingabe zu ihm, die er dann auch überaus reichlich segnen wird. Im Hinblick auf dieses ersehnte Ziel kann man alle Schwierigkeiten leichter ertragen. Im ersten Brief des Apostels Petrus schrieb dieser dann: Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht an dem Hause Gottes. Wenn aber zuerst an uns, was will's für eine Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? Und wenn der Gerechte kaum gerettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? (1. Petr. 4, 17-18).

In seiner Gerechtigkeit bietet Gott einem jeden Menschen immer zuerst die Gnade an. Wer diese dann allerdings nicht will, trotz seiner langen Geduld, der bekommt danach unweigerlich auch das Gericht Gottes zu spüren. Hoffentlich nicht umsonst ergeht deshalb zugleich auch hier, wie seit eh und je, die sehr dringende Mahnung: Heute, so ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht. (Hebr. 3, 7-8 + 15, Hebr. 4, 7, Psalm 95, 7-8).

Ein Dichter hat es dann so ausgedrückt:

Heut' lebst du, heut' bekehre dich!
Eh's morgen ist, kann's ändern sich:
Wer heut' gesund und frisch und rot,
Ist morgen krank - vielleicht schon tot!

Gerd Müllenheim
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