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Kapitel 22

Der Apostel Johannes empfing dann weitere Einzelheiten über die heilige Stadt:

Und er zeigte mir einen Strom des lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes. Auf beiden Seiten des Stromes mitten auf der Gasse ein Baum des Lebens, der trägt zwölfmal Früchte und bringt seine Früchte alle Monate, und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker. Und es wird nichts mehr unter dem Bann sein. Und der Thron Gottes und des Lammes wird darinnen sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sehen sein Angesicht, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Und wird keine Nacht mehr sein, und sie werden nicht bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Offb. 22, 1-5).

Der Ausdruck: "Und er zeigte mir" läßt erkennen, daß jetzt ein neuer Abschnitt beginnt: nach dem Zeigen der Stadt (Offb. 21, 9) folgt nun das Zeigen des Stro-
mes in ihrem Innern. Der Engel ist immer noch der eine von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, der bereits einige Male zuvor in Erscheinung trat, zuletzt im vorigen Kapitel (Offb. 21, 9 + 15). Was dieser zeigt, läßt aufhorchen.

Keine "gesegneten Tropfen Weihwasser" werden dem Apostel Johannes gezeigt, auch kein spärlich sprudelndes Brünnlein oder gar dürftiges Rinnsal, sondern der Seher bekommt ... einen Strom des lebendigen Wassers, klar wie Kristall, ... vor Augen geführt. In Kapitel 21 (Offb. 21, 6) wurde das schon angekündigt: Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. (Elbf.).

Dabei gehen unsere Gedanken zu dem wunderbaren Strom aus dem Tempel, den der Prophet Hesekiel bemerkte. In Kapitel 47 seines Buches beschreibt Hesekiel, wie er unter der östlichen Tür des Tempels einen Wasserstrom hervorquellen sah. Dieser Strom nahm seine Richtung weiter gen Süden. Der Prophet wurde nun begleitet von einem Mann mit einer Meßschnur. Nachdem dieser tausend Ellen des Stromes abgemessen hatte, forderte er den Propheten auf, in den Strom hineinzusteigen. Das Wasser reichte Hesekiel bis an die Knöchel. Der Mann maß weitere tausend Ellen ab, und wieder trat der Prophet ins Wasser, und es reichte ihm nun bis an die Knie, dann bis an die Hüfte, und am Ende fand er keinen Grund mehr, sondern mußte schwimmen. Der Wasserstrom ist gewiß ein sehr geeignetes Bild der Gnade Gottes, und der Herr wollte dem Propheten damit zeigen, wie überaus reich seine Gnade sein wird. So wird es schon im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi sein, denn zweifellos nur davon handelte diese Vision des Propheten.

Johannes sah hier einen ähnlichen Strom. Es ist ein lauterer und klarer Strom des lebendigen Wassers. Von dem lebendigen Wasser hatte der Herr Jesus damals zu dem samaritischen Weibe am Jakobsbrunnen gesprochen. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken! du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser. (Joh. 4, 10).

In den Versen 13 und 14 jenes Kapitels fügt der Herr Jesus noch erklärend hinzu: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Was-
ser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. So haben wir demzufolge unter diesem Strom ohne jeden Zweifel eine lebenspendende Kraft zu verstehen, die von dem erhöh-
ten Herrn ausgeht und die die Gläubigen in alle Ewigkeit in Gottes Gnade erhält.

So geht dieser Wasserstrom in dem neuen Jerusalem "von dem Thron Gottes und des Lammes" aus. Er fließt durch die Straße der Stadt, wobei man vermutlich annehmen darf, daß sich der Thron Gottes am oberen Ende der Stadt befindet. Dennoch ist augenfällig, daß die Visionen des Apostels Johannes in Kapitel 4 erst bei dem Throne Gottes beginnen und schließlich bei dem Thron Gottes und des Lammes enden. Throne steigen auf dieser Erde empor und werden wieder gestürzt, jedoch der Thron Gottes steht immerdar an seinem Platz von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Auf beiden Seiten des Stromes mitten auf der Gasse ein Baum des Lebens, der trägt zwölfmal Früchte und bringt seine Früchte alle Monate, und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker. Wie kann ein Baum sowohl mitten auf der Gasse oder Straße als auch auf beiden Seiten eines Stromes stehen? Vermutet wird, daß Straße und Strom parallel verlaufen und der Baum (oder möglicherweise die Bäume) zwischen ihnen stehen, oder daß der Baum mitten auf der Straße steht an einer Stelle, an der sich der Strom teilt. Überaus wichtiger als die Lage ist die Bedeutung des Baumes: Wie einst Adam hätte immer leben können, wenn er von diesem Baum hätte essen können (1. Mose 3, 22), so werden später die Heiligen innerhalb und außerhalb der Stadt kraft dieses Baumes ewig leben.

Franz Eugen Schlachter hat jedoch nun übersetzt: ... und inmitten ihrer Straßen und zu beiden Seiten des Stromes den Baum des Lebens. Das könnte bedeuten, daß er damit vielleicht eine besondere Baumsorte meinte. Von dieser Sorte, von dem Baum des Lebens, könnten dann sogar ganze Baumalleen auf beiden Seiten des Stromes stehen. Diese Vorstellung entspricht sicherlich unserem Verständnis.

Der Prophet Hesekiel berichtete nun weiter von dem wunderbaren Strom aus dem Tempel, der ihm gezeigt wurde: Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, hast du das gesehen? Und er führte mich zurück am Ufer des Flusses entlang. Und als ich zurückkam, siehe, da standen sehr viele Bäume am Ufer auf beiden Seiten. (Hes. 47, 6-7). Die Übereinstimmung mit dem vorliegenden Text ist leicht zu erkennen.

Man kann dabei aber ebenfalls an den ersten Psalm denken: Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit. (Psalm 1, 3). Der Herr sprach durch den Propheten Jeremia, der mit ähnlichen Worten erklärte: Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. ... und er sorgt sich nicht ... sondern bringt ohne Aufhören Früchte. (Jer. 17, 8). Der Baum des Lebens wird allezeit getränkt von dem lebendigen Wasser.

In Kapitel 2 (Offb. 2, 7) stand bereits diese Verheißung des erhöhten Herrn zu lesen, die sich gewiß hierauf bezieht: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist. Dazu lautete die Anmer-kung in der Scofield-Bibel: "Der Baum des Lebens" ist einer der vielen Hinweise auf das 1. Buch Mose, die wir in der Offenbarung haben. Um den gefallenen Menschen davon abzuhalten, von "dem Baum des Lebens" zu essen, trieb Gott ihn aus Eden hinaus und stellte die Cherubim an den Eingang, um den Weg zu diesem Baum zu bewahren (1. Mose 2, 9; 3, 22. 24). "Der Baum des Lebens" erscheint dreimal in Offb. 22 (VV. 2. 14. 19. [griechisch]), wo das neue Paradies beschrie-ben wird. In dem N.T. wird das Wort, das übersetzt wird "Baum" (griechisch: xulon = xulon, Anm.) von dem Kreuz gebraucht (Apg. 5, 30; 10, 39; 13, 29; Gal. 3, 13; 1. Petr. 2, 24). Durch den Tod Jesu an dem Baum kann die Menschheit ewiges Leben erhalten. Er "trug unsere Sünden an seinem eigenen Leibe auf das Holz".

Es wird eine wunderbare Eigenart dieses einmaligen Baumes genannt: ein Baum des Lebens, der trägt zwölfmal Früchte und bringt seine Früchte alle Monate. Das verbindende Wörtchen "und" steht nicht im Urtext. Es wäre daher besser, an dessen Stelle "nämlich" zu lesen. Hans Bruns hat deshalb einfach so übersetzt: ... der zwölfmal Früchte trägt; jeden Monat bringt er Frucht hervor. Dieser Baum bringt jeden Monat seine Ernte, d. h. zwölf Ernten im Jahr. Es könnte vielleicht sogar bedeuten: zwölf verschiedene Ernten. Im Konkordanten Neuen Testament lautet dieser Teil des Verses: ... war Holz des Lebens, das zwölferlei Früchte trägt: in jedem Monat gibt es seine Frucht her. Diese Bildersprache illustriert anschaulich den in unserer Welt unbekannten Überfluß an Segen. Es kann in der heiligen Stadt und auf der neuen Erde niemals eine Not geben, denn Gott ist in ihrer Mitte.

Die Erwähnung von Monaten scheint darauf hinzuweisen, daß es die Zeit noch geben wird. Das würde allerdings bedeuten, daß an dem neuen Himmel noch Sonne und Mond vorhanden sein müßten, um an deren Stellung die Zeit abzulesen. Nun heißt es jedoch andererseits, die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen. Dennoch könnte man vielleicht daraus schließen, daß dann neue Gestirne zur Zeitmessung dienen müßten, die möglicherweise fast unsichtbar wären. Allerdings werden diese künftig nicht mehr benötigt, um das neue Jerusalem zu erleuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes ist da, und ihre Leuchte ist das Lamm.

Nun wird erklärt: ... und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker. In Kapitel 21 (Offb. 21, 24) wurde bereits festgestellt, daß auf der neuen Erde gewiß noch Völker leben werden. Es kann sich dabei eigentlich nur um die Gerech-ten handeln, die während des Tausendjährigen Friedensreiches Jesu Christi schon lebten und ein biblisches Alter erreichten. Manche Ausleger nehmen nämlich an, daß Gott diese Gerechten, die wahrscheinlich dann noch nicht vollendet und verklärt sind, bei der Erneuerung der alten Erde von dieser wegnehmen und auf die neue Erde versetzen wird. Das wäre eine weitere Entrückung, mit der diese Menschen in die Nähe des neuen Jerusalems gebracht würden. Dort könnten sie dann in einem Zustand leben, der dem des Adam vor dem Sündenfall gleichen würde.

Einst stand der Baum des Lebens im Garten Eden, im Paradies. Der erste Mensch sollte sich im Gehorsam gegen Gottes Gebot üben, und dann von dem Baume des Lebens essen. Dadurch sollte sich an ihm die Verwandlung des Leibes vollziehen, wodurch er fähig geworden wäre, hinfort ewig in der Nähe Gottes zu leben. Nach dem Sündenfall mußte der Mensch allerdings aus dem Garten vertrieben werden. Der Weg zu dem Baum des Lebens wurde von den Cherubim (= Thronengeln) bewacht, auf daß Adam als sündiger Mensch nicht auch von dem Baum des Lebens esse und lebe ewiglich. In diesem Zustand wäre keine Erlösung möglich gewesen.

Nun aber ist nicht nur das Werk der Erlösung des Menschen durch den Tod Jesu Christi vollbracht, sondern außerdem die Erneuerung des Himmels und der Erde durch ihn abgeschlossen. Da sieht man auf einmal in dem neuen Jerusalem auch den Baum des Lebens wieder, der noch immer seine Bestimmung hat. Zwölfmal, d. h. jeden Monat, trägt dieser Baum seine Früchte. Damit soll gewiß gesagt werden: ohne Unterbrechung kann man die Früchte dieses exklusiven Baumes genießen. Jedoch nicht nur die Früchte, sondern ebenso die Blätter des Lebensbaumes werden gegessen, und zwar letztere dann von den Völkern zu deren Gesundung.

Durch den Genuß dieser Blätter des Baumes des Lebens werden die Völker dann wahrscheinlich stufenweise verwandelt und vollendet werden und ziehen sodann ebenfalls in die heilige Stadt ein. Es könnte sein, daß Gott diesen Plan schon mit Adam hatte. Auf dem Wege des Gehorsams und durch das Essen von dem Baum des Lebens sollte er auf diese Weise das ewige Leben erlangen. Das geschieht jedoch zukünftig mit den Völkern auf der neuen Erde, die nun durch das Genießen der Blätter von dem Baum des Lebens ebenso verwandelt und vollendet werden.

Dazu sei noch bemerkt, daß im griechischen Urtext hier an dieser Stelle das Wort: Jerapeia = therapeia steht, wovon unser modernes Wort Therapie abgeleitet ist. Es muß nicht nur als Heilung verstanden werden, sondern kann auch "Gesundheit gebend" bedeuten. Deshalb heißt es wohl auch bei dem Propheten Hesekiel: Und wenn es ins Meer fließt, soll dessen Wasser gesund werden. (Hes. 47, 8). So kann man wiederum einen Zusammenhang mit dem Tempel im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi erkennen, von dem hier jedoch nicht mehr gesprochen wird.

Johannes stellt noch einmal fest: Und es wird nichts mehr unter dem Bann sein. Die Elberfelder Übersetzung lautet: Und keinerlei Fluch wird mehr sein. Im Luthertext von 1912 heißt es: Und es wird kein Verbanntes mehr sein. Franz Eugen Schlachter hat übersetzt in der Fußnote: Verfluchtes. Fluch, eine Folge der Sünde, wird dort nicht mehr sein. Wegen der Sünde der ersten Menschen hat Gott einmal die Erde unter seinen Fluch gestellt. Einst mußte Gott um ihres Ungehorsams willen sagen: So sei der Erdboden verflucht um deinetwillen. (1. Mose 3, 17 - Elbf.). Christus ... er ward ein Fluch für uns, denn es steht geschrieben (5. Mose 21, 23): "Verflucht ist jedermann, der am Holz hanget". (Gal. 3, 13). Nun ist dieser Fluch endgültig aufgehoben, und der Mensch und die neue Schöpfung stehen diesmal in voller Harmonie mit Gott da. Dabei kann es nicht irgend etwas Verbanntes geben.

Der Prophet Sacharja weissagte das auch bereits über das Jerusalem im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi: Und man wird darin wohnen; es wird keinen Bann mehr geben, denn Jerusalem wird ganz sicher wohnen. (Sach. 14, 11). Das war jedoch nur ein Abbild des himmlischen Jerusalem, das noch viel schöner ist. Der Endzustand ist in jeder Hinsicht das Gegenstück zum Anfangszustand. Nachdem Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde geschaffen hat, gleicht nichts mehr der alten. Das neue Jerusalem ist viel herrlicher als das Paradies auf Erden.

Der Seher bestätigte zudem: Und der Thron Gottes und des Lammes wird darinnen sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sehen sein Angesicht, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Im neuen Jerusalem befindet sich der Mittelpunkt alles Segens, der Thron Gottes und des Lammes. Die heilige Stadt ist der Inbegriff aller Herrlichkeit, der Thron Gottes die Quelle des Lebens und aller Segnungen. Um ihn herum entfaltet sich jetzt der priesterliche Dienst seiner Knechte.

Deshalb erklärte Johannes: ... und seine Knechte werden ihm dienen und sehen sein Angesicht. Hier schon auf Erden taten sie es gerne nach dem Maß der ihnen verliehenen Gnade und Gabe. Jedoch so kostbar ihnen der Dienst auch war, trotzdem blieb er doch nur Stückwerk. Jetzt ist es anders: sie besitzen das glückselige Vorrecht, auf ewig bei Gott und dem Lamme zu weilen und ihm in Vollkommenheit zu dienen. Sie werden es tun, ohne zu ermüden; denn Licht und Leben umgeben sie. In Gottes Herrlichkeit und Nähe haben sie völliges Genüge und Seligkeit.

Als die Zeit gekommen war, daß des Menschen Sohn würde verherrlicht werden, sagte Jesus: Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. (Joh. 12, 26). Jetzt ist es soweit, daß die Nachfolger Jesu allezeit bei ihm sein dürfen. Deshalb wird es ihnen außerdem ermöglicht, Gott den Vater zu schauen: Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder sollen heißen; und es auch sind! Darum kennt uns die Welt nicht; denn sie kennt ihn nicht. Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder; und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. (1. Joh. 3, 1-2). Bei der Hinwegnahme erhielten die Heiligen einen Herrlichkeitsleib, mit dem sie Gottes Angesicht sehen können.

In dieser Hinsicht werden sie den Engeln gleich sein, von denen Jesus sagte: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. (Matth. 18, 10). Wie früher die Fürsten am Hofe eines Königs werden dann auch die Heiligen sein, die das Angesicht Gottes sehen dürfen. Von solchen Fürsten berichtet bereits das Buch Esther: ... die sieben Fürsten der Perser und Meder, die das Angesicht des Königs sehen durften und obenan saßen im Königreich. (Esther 1, 14).

Es war zuvor keinem sündigen Menschen irgendwie möglich, Gott gleich zu sein. Im Paradies hatte die Schlange zwar schon doppeldeutig gesagt: ... an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott ... (1. Mose 3, 5). Das führte allerdings zu Ungehorsam, der erst nach siebentausend Jahren mit erneuerten Menschen im neuen Jerusalem ein glückliches Ende findet.

Außerdem wurde noch bekräftigt: ... und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Das bedeutet, diese Gläubigen werden sichtbar Gottes Eigentum sein. Den Überwindern der Gemeinde zu Philadelphia wurde diese Verheißung zuteil: Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. (Offb. 3, 12).

Die Verheißung geht nun für alle Erlösten in Erfüllung. Zum Zeichen der ewigen Zugehörigkeit zu Gott werden sie sichtbar den Namen Gottes an ihren Stirnen tragen. Man wird es einem jeden von ihnen sofort ansehen, daß er Gott gehört. Dies ist sicherlich ein deutlicher Unterschied zu der unsichtbaren Versiegelung, die zuvor durch den Geist Gottes erfolgte. Dabei fällt dann ebenfalls auf, daß im Urtext für "Knecht" immer das griechische Wort: douloV = doulos steht, welches richtiger mit "Sklave" übersetzt wird. Deshalb heißt es im Konkordanten Neuen Testament: ... und Seine Sklaven werden Ihm Gottesdienst darbringen. Damals hatte man Sklaven mit dem Namen ihres Besitzers versehen, um sie dadurch als Eigentum und Untertan ihres Herrn zu kennzeichnen. So wird es auch im neuen Jerusalem sein; denn diese tragen seinen Namen, schulden ewiglich nur ihm Gehorsam.

Dieser Name, der über alle Namen erhaben ist, wird auf den Stirnen aller Kinder Gottes stehen, die schon auf Erden ihm gehörten. Das ist das Gegenstück zu dem Namen des Tieres, der einmal dessen Anhängern zum Verhängnis werden sollte. Deshalb hat der Name auf der Stirn der Knechte Gottes eher dieselbe Bedeutung wie die schon mehrmals erwähnte goldene Platte an der Stirn des Hohenpriesters mit der eingravierten Schrift: "Heilig dem Herrn" (2. Mose 28, 36). Er brachte damit zum Ausdruck, daß er Gottes Untertan war und für dessen Gesinnung eintrat.

Und wird keine Nacht mehr sein, und sie werden nicht bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten. In der Stadt werden keine natürlichen Lichtquellen mehr nötig sein. Es besteht auch kein entsprechendes Bedürfnis mehr, denn es wird zweifellos sowohl in der Stadt wie zugleich auf der ganzen neuen Erde immer hellichter Tag sein. Ausgehend von dem Throne Gottes wird alles erleuchtet, so daß man weder eine Lampe noch Sonnenlicht braucht. Das wurde auch schon im vorhergehenden Kapitel gesagt: Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. (Offb. 21, 23). Deshalb wurde dazu noch erwähnt: ... denn da wird keine Nacht sein. (Offb. 21, 25).

Nun heißt es jedoch: ... denn Gott der Herr wird sie erleuchten. Das erinnert an den Segen Aarons, nämlich an das, was Israel und später die Gemeinde durch deren Priester viele Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende, von Gott herabflehte: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. (4. Mose 6, 24-26). Das alles geht jetzt auf der neuen Erde wörtlich in Erfüllung.

In der revidierten Elberfelder Übersetzung lautet es noch deutlicher: ... denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten. Das Leben dort ist ein nie endender, herrlicher Tag in Gottes und des Lammes seliger Nähe. Dazu wird dann noch gesagt:
... und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. Bereits im Tausendjähri-gen Friedensreich Jesu Christi hatten die Heiligen mit ihm regiert (vgl. Offb. 20, 6). Nach dem Weltgericht vor dem großen, weißen Thron (vgl. Offb. 20, 11-15) wird Jesus jedoch dieses Reich dem Vater übergeben, wie der Apostel Paulus es schon damals in seinem ersten Brief an die Korinther geschrieben hat: ... danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater überantworten wird, wenn er vernichtet haben wird alle Herrschaft und alle Obrigkeit und Gewalt. (1. Kor. 15, 24). Jetzt wird allerdings bestätigt, daß die Gläubigen auch danach noch mit ihm regieren werden, also gleicherweise im neuen Jerusalem und auf der neuen Erde.

In anderen Übersetzungen heißt es aber: ... und sie werden herrschen von Ewig-keit zu Ewigkeit. (z. B. Elbf. und Schlachter). Dabei gehen die Gedanken wieder zurück zum Anfang der Welt, da Gott einen Beschluß faßte und sprach: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer ... und über die ganze Erde. (1. Mose 1, 26 - Luthertext von 1912). Was durch den Sündenfall unvollkommen wurde und ins Verderben führte, wird jetzt auf der neuen Erde vollkommen sein. Allerdings erinnert das ebenso an das Prophetenwort über den verheißenen Friedefürsten: ... auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, daß er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. (Jes. 9, 6). Die Herrschaft des Friedefürsten wird also kein Ende haben.

Jesus Christus wird als König aller Könige regieren, und auch seine Knechte werden "in alle Ewigkeit" mit ihm herrschen. Dieses in Vers 3 erwähnte "dienen" beinhaltet das hier vorausgesagte "regieren" oder "herrschen", es greift schlichtweg ineinander. Die Gläubigen werden regieren "in die Äonen der Äonen", immerdar.

Zu der Bedeutung der Ewigkeit meinte dann ein Dichter:

Ewigkeit,
In die Zeit leuchte hell hinein,
Daß uns werde klein das Kleine
Und das Große groß erscheine,
sel'ge Ewigkeit!

Hiermit schließt die Schilderung der Herrlichkeit des neuen Jerusalem. Damit ist auch der prophetische Teil der Offenbarung abschlossen. Mit diesem großartigen Ausblick in die Ewigkeit, der uns bis hierher gegeben worden ist, wird das mächtige Panorama der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen beendet. - Dabei ist mir immer wieder bewußt geworden, daß es Jesus Christus ist, der mich befähigt hat, diese Gedanken niederzuschreiben. Möge der Herr somit jene Gedanken, die ich wirklich von ihm empfangen habe und hier weitergeben durfte, zu seiner großen Ehre und überwältigenden Verherrlichung für viele Leser zu überaus reichen Segnungen gedeihen lassen. Das Buch diene daher zur Auferbauung im Glauben.

Damit kommen wir dann zu den abschließenden Worten der Offenbarung. Nachdem der Apostel Johannes beim Betrachten der letzten Dinge im Geiste auf diese neue Erde und die heilige Stadt, das neue Jerusalem, entrückt worden ist, wird er bei den jetzt noch folgenden Worten wieder zurück auf die alte Erde, in das Zeitalter der Gemeinde, gestellt. Nun ergänzte der Seher sein glaubwürdiges Zeugnis:

Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiß und wahrhaftig; und der Herr, der Gott der Geister der Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muß. Siehe, ich komme bald. Selig ist, der da hält die Worte der Weissagung in diesem Buch. (Offb. 22, 6-7).

Die Offenbarung endigt also nicht mit dem großartigen, ziemlich ausführlich dargestellten Schlußbild der Wege Gottes (Offb. 21, 1-27 und Offb. 22, 1-5). Zudem holt sie uns vielmehr mit einem verheißungsvollen Schlußwort wieder zurück ins Heute. Fürs Heute will uns das Buch ja stärken, anleiten und gewiß machen. Etli-che Gedanken des Anfangs werden jetzt zum Schluß wieder aufgenommen. Deshalb ist das ganze Buch vielfach von großer Geschlossenheit und klarer Ordnung.

Und er sprach zu mir. Damit ist sicherlich immer noch derselbe Engel gemeint, der bis jetzt mit Johannes redete. Möglicherweise ist es der Engel von Kapitel 1, der von Anfang an die Worte Gottes weitergab (vgl. Offb. 1, 1). Allerdings kann man in den nachfolgenden Versen ebenfalls einen Wechsel zwischen dem Engel und dem erhöhten Herrn Jesus erkennen, was aber nicht unbedingt so sein muß.

Wichtiger als der Sprecher sind die Worte, die er spricht: Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiß und wahrhaftig; und der Herr, der Gott der Geister der Propheten, hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muß. Immer wieder hat Gott sein Wort besonders bekräftigt, schon bei Daniel: Der Traum ist zuverlässig, und die Deutung ist richtig. (Dan. 2, 45). Daneben schon zweimal in den letzten Kapiteln der Offenbarung: Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes. (Offb. 19, 9). Ebenso: Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! (Offb. 21, 5). Der Seher und damit alle Knechte Gottes können ganz sicher sein, daß Gott wahrhaftig ist. Daher hat jemand gesagt: Was er sagt, trifft alles ein, es muß Ja und Amen sein!

Der Herr hat wohl gewußt, daß die Menschen zu allen Zeiten gerade das prophetische Wort in Zweifel ziehen würden. Wieso kam man denn beispielsweise auf solche absurden Gedanken wie den, daß das Buch des Propheten Jesaja von eini-gen Schreibern verfaßt sei und nicht von Jesaja allein? War es nicht, wenigstens zum Teil, aus dem Grunde, weil Jesaja in seinem Buche Dinge voraussagte, von denen man glaubte, daß es unmöglich gewesen sein müsse, sie vorher zu wissen? Man denke da insbesondere an die Weissagung bezüglich des Cyrus, des Perserkönigs Kores, von dem Jesaja redete, als lebte er, obwohl der damals noch nicht geboren war (vgl. Jes. 44, 28 und Jes. 45, 1). Solche Beispiele gibt es genügend.

Aus diesem Grunde betonte der Apostel Petrus in seinem zweiten Brief: Und wir haben desto fester das prophetische Wort, und ihr tut wohl, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr vor allem wissen, daß keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern von dem heiligen Geist getrieben haben Menschen im Namen Gottes geredet. (2. Petr. 1, 19-21). Er wußte auch, daß die Menschen dem prophetischen Wort keinen Glauben schenken würden, besonders in der letzten Zeit. In diesem Brief schrieb er dann, nur etwas weiter: So wisset aufs erste, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, des Spottes voll, die nach ihrem eignen Gelüste wandeln und sagen: Wo bleibt die Verheißung seines Kommens? denn nachdem die Väter entschlafen sind, bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist. (2. Petr. 3, 3-4).

Alles, was der Herr durch seinen Engel dem Johannes hatte sagen lassen, ist eindeutig die Wahrheit und aus diesem Grunde unerschütterlich zuverlässig. Daher kann es einem schon bange werden, wenn man hört, wie manche Leute mit dem prophetischen Wort umgehen. Zunächst ist es heute sehr modern, an den prophetischen Wahrheiten mit einem überlegenen Lächeln vorüberzugehen. Zweifellos wurde mit der Prophetie auch in den vergangenen Jahrzehnten viel Unfug getrieben, und das geschieht heute noch. Man sagt außerdem gerne, daß die Beschäftigung mit der Zukunft nicht unsere Aufgabe heute sei. Vielmehr müßten sich die Christen mit der Gegenwart befassen und ihren Einfluß jetzt in der Welt geltend machen. Mit anderen Worten: Das würde das Reich Gottes zu der Welt bringen.

Hier kann man gewiß das weltliche Sprichwort anführen: Besser wird's nimmer, nur schlechter wird's immer. Das mag zwar stark pessimistisch klingen, ist aber gerade das, was uns die Bibel im Hinblick auf die Zukunft der Menschheit ohne Gott voraussagt. Nur im Blick auf den wiederkommenden Herrn spricht die Hei-lige Schrift mit großem Optimismus, mit einer untrüglichen Zuversicht. Es wird keine andere Hoffnung für die Welt geben, als nur die Wiederkunft Jesu Christi.

Dann heißt es hier: ... und der Herr, der Gott der Geister der Propheten. Das ist der Gott, der über die Geister der Propheten, das geistliche Innere der Propheten, herrschte. Dieser Vers ist nur scheinbar das Gegenstück zu 1. Kor. 14, 32, wo die Geister der Propheten einfach den Propheten selbst unterworfen sind. So steht es jedoch da zu lesen: Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.

Beides stimmt aber: Es ist Gott, der das geistliche Leben (die natürlichen Kräfte und Verrichtungen des Geistes) der Propheten und deren Äußerungen durch sei- nen Geist steuert. Andererseits ist jedoch auch der Prophet selbst verantwortlich für das, was in ihm vorgeht und aus ihm hervorkommt. Darum wird im Hebräer-Brief zudem die Frage gestellt: ... sollten wir dann nicht viel mehr untertan sein dem Vater der Geister, auf daß wir leben? Gott ist dieser Vater der Geister, d. h. der Vater der Gläubigen in geistlicher Hinsicht (vgl. 4. Mose 16, 22 und 27, 16).

Außerdem wird noch einmal deutlich bestätigt: ... hat seinen Engel gesandt, zu zeigen seinen Knechten, was bald geschehen muß. Das geht wiederum auf den Anfang der Offenbarung zurück, denn in Kapitel 1 (Offb. 1, 1) wurde bereits gesagt: ... seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt. Beide Male heißt es nun in der konkordanten Übersetzung: ... was in Schnelligkeit geschehen muß. Für Gott ist es eine kurze Zeit.

Nun folgt abermals die untrügliche Verheißung des Herrn an alle seine Knechte: Siehe, ich komme bald. Das Wörtchen "bald" ist zweifellos sehr wichtig in der Offenbarung, denn der Herr Jesus sagt viermal: "Ich komme bald". Das hatte er zuerst der Gemeinde zu Philadelphia versprochen (Offb. 3, 11), jedoch jetzt am Schluß dieses Buches wird sogar gleich dreimal die Verheißung gegeben: Siehe, ich komme bald (in den Versen 7, 12 und 20). Damit sollen wir immer rechnen.

Gottes Wille war es wohl immer, daß jede Generation auf die Wiederkunft Jesu Christi warte, sich damit tröste und sich zum heiligen Wandel und zum eifrigen Dienst für den Herrn anspornen lasse. Jedoch für die Gläubigen, die mit Sicher- heit am Ende der Kirchengeschichte leben, ist diese Zusage nun umso aktueller.

Keine Generation vor uns hatte nämlich soviel Grund, diese Worte, die der Herr Jesus hier spricht, äußerst ernst zu nehmen. In den etwa zweitausend Jahren, die seit der Niederschrift der Offenbarung nun inzwischen vergangen sind, hatte das "bald" hauptsächlich eine moralische Bedeutung. Für die jetzige Generation gilt aber wörtlich, daß das Kommen des Herrn nahe ist. Der diesbezügliche Hinweis müßte dazu führen, das Wiederkommen Jesu mit größerer Hingabe zu erwarten.

Dann folgt wieder eine Seligpreisung: Selig ist, der da hält die Worte der Weissagung in diesem Buch. Dieses "halten" bedeutet, daß man sich verläßlich voll und ganz dazu bekennt, sie kindlich-gläubig annimmt, im Herzen bewahrt. Gott helfe dann, sich auf das Kommen Jesu einzustellen und wachsam zu sein. Dann wird man wieder an den Beginn der Offenbarung denken, wo es ähnlich lautete: Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe. (Offb. 1, 3). Das ist sicherlich zu verstehen: Wer es hält, wird gehalten; wer es bewahrt, wird bewahrt werden!

Hat aber die Kirche oder die Kirchen "die Worte der Weissagung" im Laufe der Jahrhunderte bewahrt? Nein, keineswegs, denn die Offenbarung Jesu Christi ist für sie ein dunkles Buch geworden. Dennoch darf man annehmen, daß die Gläubigen zu allen Zeiten aus diesen Worten ein gewisses Maß der "Glückseligkeit" erfahren durften, die darin verheißen ist. Wenn sie auch die geweissagten Ereignisse nicht immer richtig deuteten durch den Nebel, der über dem Buch lagerte, haben sie doch sicherlich alle die Sonne gesehen: Jesus Christus, dem Gott nun den Sieg gibt und das Himmelreich. Das zu wissen, war für sie Hilfe und Segen.

Der Apostel Johannes bekräftigte das Zeugnis durch seine ganze Persönlichkeit:

Und ich, Johannes, bin es, der solches gehört und gesehen hat. Und da ich's gehört und gesehen, fiel ich nieder, anzubeten zu den Füßen des Engels, der mir solches zeigte. Und er spricht zu mir: Siehe zu, tu es nicht! denn ich bin dein Mitknecht und deiner Brüder, der Propheten, und derer, die da halten die Worte dieses Buches. Bete Gott an! (Offb. 22, 8-9).

Johannes stand noch so tief unter dem Eindruck von dem, was er gehört und gesehen hatte. Daher man kann sicherlich verstehen, daß Gefühle der Anbetung in ihm aufstiegen. Jedoch ist er jetzt wiederum geneigt, diese Anbetung jemandem zu weihen, der kein Recht darauf hat. Wie schon in Kapitel 19 (Offb. 19, 10) ist er dabei niedergefallen zu den Füßen des Engels, um ihn anzubeten. Es ist zweifellos derselbe Engel, der ihm solches zeigte, denn der Seher bestätigte es selbst.

Dort ist es wohl einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, ähnlich wie auch in Kapitel 21: Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten voll der letzten sieben Plagen, und redete mit mir und sprach ... (Offb. 21, 9). Das muß zwar nicht notwendigerweise derselbe Engel sein, doch ist er es höchstwahrscheinlich, weil Johannes es deutlich sagte.

Es ist sicherlich wichtig, daß wir diese Szene zweimal in der Offenbarung haben, denn auch wir könnten sonst vielleicht Gefahr laufen, Gottes berufene Diener zu bewundern anstatt den, der sie berufen hat. Durch diese Wiederholung wird abermals betont, daß es darauf ankommt, auf den zu sehen, der uns durch den Diener gezeigt wird. Der Heilige Geist will unsere Aufmerksamkeit nie auf einen Engel, Boten oder auf Johannes richten, sondern immer einzig und allein auf den Herrn Jesus Christus. Wenn wir die Anbetung nicht dem bringen, dem sie gebührt, verfehlen wir das Ziel der Offenbarung. Mit ganzem Herzen sollen wir den anbeten, der da sagt: "Ich komme bald!" Darauf will uns die Offenbarung nun zubereiten.

Der Engel wehrte also das unbedachte Ansinnen des Johannes entschieden ab mit den Worten: Und er spricht zu mir: Siehe zu, tu es nicht! denn ich bin dein Mitknecht und deiner Brüder, der Propheten, und derer, die da halten die Worte dieses Buches. Diese Worte sind jenen gewiß ähnlich, die er schon in Kapitel 19 (Offb. 19, 10) sprach, jedoch diesmal sind sie ergänzt durch die Aussage: ... und deiner Brüder, der Propheten. Johannes selbst ist ein Prophet, und nicht der geringste. Alle Propheten, die des alten und des neuen Bundes, werden nun Brüder des Johannes genannt und als Mitknechte des Engels bezeichnet. Genauso nennt sich der Engel aber auch ein: ... Mitknecht ... derer, die da halten die Worte die- ses Buches. Ein Knecht Gottes ist, wer die Worte dieses Buches behält und hält!

Der Engel schließt abermals mit der kategorischen Aufforderung: Bete Gott an! Daß diese nochmalige Ermahnung durchaus nötig ist, lehrt auch uns, Person und Vision deutlich zu unterscheiden. Daraus erkennt man drei wichtige Wahrheiten: 1. Ein Engel ist auch ein Knecht Gottes, wie alle wahren Gläubigen. Er ist nicht über sie gestellt, sondern er steht mit ihnen auf einer Stufe, er ist ihr Mitknecht. - 2. Bei Gott gibt es keine solche Forderung zur Verehrung von Engeln, und noch weniger eine solche zur Anbetung von lange verstorbenen Menschen. Wer einen Engel oder einen Menschen, mag man ihn auch "heilig" nennen, göttlich verehrt, versündigt sich gegen Gott. Damit ist der Kirche jeglicher Engel- und Menschenkult, alle Heiligenverehrung wie auch immer, eindeutig von Gott untersagt. Eine derartige Anweisung Gottes läßt alle Menschengebote in den Hintergrund treten. 3. Außerdem lernt man aber vor allem aus den Worten des Engels, daß nur Gott allein angebetet werden darf. Das richtige Gebet ist jedoch nur durch Jesus Chri-stus möglich, da es keinen anderen Weg zu Gott gibt (Joh. 14, 6). Weiter schrieb Johannes: Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater. (1. Joh. 2, 23). Einfach: Jesus ist der Sohn Gottes!

Albert Einstein, der berühmte Physiker (14.3.1879-18.4.1955), soll irgendeinmal gefragt worden sein, ob er das Neue Testament gelesen habe. Darauf habe er mit einem Ja geantwortet. Danach gefragt, was er von seinem Inhalt halte, soll er ge-sagt haben, daß er sich beim Lesen des Neuen Testamentes des Eindruckes nicht habe erwehren können, daß der Inhalt doch ganz anders sei, als der aller anderen Bücher und daß es weiterhin von solch einer Wahrhaftigkeit zeuge, daß man die-ses Buch als einzig bezeichnen könne. Hat er aber Jesus als Gottes Sohn erkannt?

Johannes sagte zwar, er hat alle diese Worte gehört und er hat die Gesichte gesehen. Ist er aber deshalb ein zuverlässiger Zeuge? Nun, man sollte es wohl prüfen: Entweder waren sie nämlich alle, er und die anderen Schreiber des Neuen Testamentes, die schlimmsten Betrüger und Verführer, die es je gegeben hat, oder ihr Zeugnis ist wahr. Ein aufmerksamer Leser der Bibel wird gewiß sehr bald davon überzeugt sein, daß er es mit wahrhaftigen Schreibern zu tun hat. Man achte nur darauf, wie sie sich selbst einschätzen und über sich schreiben. So spricht sicher-lich kein Betrüger von sich selbst! Nein, wir haben es zweifelsfrei mit wahrhafti-gen Zeugen zu tun und dürfen ihrem Wort ohne weiteres voll und ganz glauben.

Zudem hat Gott ihr Wort auch noch mit Zeichen und Wundern begleitet, die sich nicht einfach wegleugnen lassen. Außerdem kann jeder erfahren, daß Gott selbst sogar heute zu seinem Wort steht. Wer Gott ehrlich und ernsthaft anruft, der darf sicher sein, daß Gott ihm gewiß und nicht minder ehrlich und ernsthaft antwortet.

Nachdem der Seher die Worte der Weissagung, die er empfangen hatte, in einem Buch zusammenfaßte, bekam er nun noch weitere Anweisungen von dem Engel:

Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung in diesem Buch; denn die Zeit ist nahe! Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sind. Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Selig sind, die ihre Kleider waschen, auf daß sie teilhaben dürfen an dem Baum des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt. Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Totschläger und die Götzendiener und jeder, der Lüge lieb hat und tut. (Offb. 22, 10-15).

Johannes sollte also den Inhalt des Buches, alles das, was er gehört und gesehen hat, nicht etwa unter Verschluß und Siegel legen. Genau das aber mußte der Prophet Daniel einst auf Gottes besonderen Befehl hin tun, den er in gleicher Weise von einem Engel empfangen hatte, von dem Engel Gabriel. Der Name dieses besonderen Engels wird übrigens mehrmals in der Bibel ausdrücklich erwähnt, und zwar je zweimal bei Daniel (Dan. 8, 16 + 9, 21) und bei Lukas (Luk. 1, 19 + 26).

Dieser Engel Gabriel gab damals die eindeutige Anweisung: Und du, Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und große Erkenntnis finden. (Dan. 12, 4). Im Gegensatz zu Daniel soll nun der Apostel Johannes den Inhalt dieses Buches nicht versiegeln, sondern ihn vielmehr der Gemeinde kundtun. Das hat dann in einer Weise zu erfolgen, daß jeder Leser das Buch hinreichend verstehen kann, folglich nach dem Maße der ihm gegebenen Einsicht. Die Begründung für diese Anweisung lag sicherlich in der Tatsache, daß die Zeit der Erfüllung dieser Weissagungen bereits sehr nahe war. Das apostolische Zeitalter neigte sich so allmählich mit Johannes seinem Ende zu. Damit hatte die Urgemeinde, die Gemeinde zu Ephesus, gewiß auch ihren Höhepunkt bald erreicht oder sogar schon überschritten. Es war wohl deshalb sehr wichtig, daß die sieben Sendschreiben zu ihren Adressaten kämen.

Die Worte der Weissagung in diesem Buch sollten also nicht versiegelt, sondern offen gepredigt werden. Das Gegenteil ist eingetreten: Bis auf den heutigen Tag wird dieses Buch nämlich mit einem Siegel des Schweigens versehen, anstatt es zur Erbauung der Gemeinde weit zu öffnen. Allerdings sollte man aber auch bedenken, daß es in vielen Bereichen bis vor gar nicht so langer Zeit dennoch "ein versiegeltes Buch" blieb, selbst beim besten Willen, es allen Gläubigen kundzu- tun. Es ist interessant festzustellen, daß in unserer Zeit, besonders seitdem Israel wieder "Weltgeschichte" macht, dieses Buch nun mehr und mehr "durchsichtig" und verständlich wird. Dies ist ebenfalls ein untrügliches Zeichen, daß wir heute vor der Vollendung der Dinge stehen, die das Ende unseres Zeitalters einläuten.

Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817) meinte zu seiner Zeit: Diese Offenbarung sollte allen Getreuen des Herrn, von ihrer Bekanntmachung an bis ans Ende, zum Wegweiser dienen; dazu mußte sie aber auch nun dienen können - sie mußte zwar so verblümt und verdeckt gegeben werden, daß nicht jedermann sogleich die ganze zukünftige Geschichte des Reichs Jesu hienieden mit aller Gewißheit und Deutlichkeit daraus erkennen konnte ... aber für erleuchtete Augen mußte sie doch verständlich sein, daß sie die Erfüllung des Geschehenen und die allgemeinen Winke zur nahen Zukunft daraus erkennen konnten ... . Wer kann es nach der Rede des Engels verantworten, dieses Buch noch immer von der christlichen Lehrunterweisung fernzuhalten und es damit gleichsam zu verschließen?

Der Engel bestätigte außerdem: ... denn die Zeit ist nahe! Diese Endzeit begann bereits mit dem ersten Kommen Jesu in Bethlehem, als die Zeit erfüllt war. Deshalb schrieb der Apostel Paulus: ... auf welche das Ende der Zeitalter gekommen ist. (1. Kor. 10, 11 - Elbf. und Schlachter). Das Ende der Endzeit ist, gemäß dem prophetischen Wort der Bibel, inzwischen erreicht. Die heutige Generation kann gewiß bald die Wiederkunft Jesu erwarten. Allerdings hat Jesus gerade auch vor "Zu-früh-Alarmen" gewarnt, die man hin und wieder vernehmen konnte. Er aber sprach: Sehet zu, lasset euch nicht verführen. Denn viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin's, und: Die Zeit ist herbeigekommen. - Folget ihnen nicht nach! (Luk. 21, 8). Die Weissagung wird dann in Mißkredit gebracht.

Dazu wurde nun erklärt: Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Wenn die Zustände in der Welt noch verworrener werden, die Ungerechtigkeit weiter überhand nimmt, dann reifen erst recht Unkraut und Weizen zur Ernte. Wenn die Zeit der Gnade abgeschlossen ist, wer-den die Menschen meistens in dem Zustand verbleiben, in dem sie sich befinden, sei es zum ewigen Gericht, sei es zu ewigem Segen. In dieser Zeit wird es immer schwerer, sich zu bekehren, fast unmöglich: Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. (Matth. 25, 29). Das ist heute schon überall festzustellen.

Während sich die Kinder der Bosheit und Unreinigkeit nicht belehren lassen und sich nicht bekehren wollen, mögen die Kinder Gottes jedoch auf ihrem frommen und heiligen Weg immer entschiedener vorwärts und aufwärts streben. Der Lauf der Welt und ihre Moral wird sich nicht ändern, wie nun auch das Kommen Jesu nicht einen einzigen Tag aufgehalten, noch beschleunigt werden kann. Die Gläubigen sollten allerdings durch dieses Wort der Offenbarung ermuntert werden, in ihrem Wandel in Gerechtigkeit und Heiligkeit immer stärker ein Vorbild zu sein.

Der erhöhte Herr läßt es wiederum verkünden: Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sind. Die Verheißung seines Kommens wird jedoch mit der zugesagten Belohnung verbunden und nicht mehr mit bestimmten prophetischen Ereignissen. Einmal wird jeder Mensch aber das empfangen, was seinen Werken entspricht. Auch wenn es während des Erdenlebens oft den Anschein hat, daß der Gottlose ungestraft ausgeht, andererseits der Gläubige aber unverdient viel leidet, der gerechte Lohn wird jedem zuteil werden.

Die Ungläubigen haben ihren "Lohn" teilweise schon auf der Erde empfangen, so z. B. die Ehre von ihren Mitmenschen. Desgleichen auch die Heuchler, denn über sie urteilte Jesus bereits dreimal mit denselben Worten: Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. (Matth. 6, 2 + 5 + 16). Diese begehrten ebenfalls beachtet zu werden, deshalb haben sie keine Belohnung mehr zu erwarten. Dagegen jedoch Gläubige, die nach Heiligkeit und Gerechtigkeit streben, werden meistens von anderen gering geachtet und haben hier dann keinen Lohn. Es ist etwa so, als würde der Herr gerade zu ihnen sagen: Seid geduldig, mein Lohn kommt mit mir.

Vielleicht würde er sogar dazu bemerken: Ich habe all die Schmach gesehen, die ihr ertragen mußtet, und ich werde bald kommen, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sind. Deshalb hat der Apostel Paulus gewiß geschrieben: Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, wie er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. (2. Kor. 5, 10). Daran kann jeder erkennen, daß Gott nicht im geringsten ungerecht handelt.

Es sei hier allerdings noch einmal ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß nach dem Weltgericht vor dem großen, weißen Thron (Offb. 20, 11-15) keinerlei Gerichte mehr stattfinden werden. Zu dem Zeitpunkt wird auch kein Preisgericht für Gläubige mehr abgehalten, denn alles das liegt dann gewiß hinter uns. In diesem Zusammenhang ist eher an das in der nahen Zukunft erwartete Kommen des Herrn zu denken, wenn er demnächst kommt, um sein Tausendjähriges Friedensreich aufzurichten. Bei dieser Gelegenheit werden alle noch lebenden Menschen belohnt werden, die zuvor Gutes getan hatten. Bei der Aussendung seiner Jünger erklärte Jesus: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt darum, daß er ein Prophet ist, der wird eines Propheten Lohn empfangen. Und wer einen dieser Geringen nur mit einem Becher kalten Wassers tränkt darum, daß er mein Jünger ist, wahrlich, ich sage euch: es wird ihm nicht unbelohnt bleiben. (Matth. 10, 40-42). Diese Gedanken wurden allerdings schon ausführlich am Schluß von Kapitel 19 erwähnt. Es ist daher nicht nötig, nun noch einmal darauf einzugehen.

Jetzt vernahm Johannes noch einmal diese majestätische Erklärung: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Das A und das O ist nichts anderes als der erste und der letzte Buchstabe im griechischen Alphabet, A = alja = alpha und W = wmega = omega. Zuletzt sprach der Herr, der auf dem Thron saß, zu ihm: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. (Offb. 21, 6). Das führt uns jedoch auch wieder zurück zu Kapitel 1, in dem der erhöhte Herr sich mehrmals so vorstellte: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. (Offb. 1, 8). Außerdem steht im Luthertext von 1912 abermals: Die sprach: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte. (Offb. 1, 11). Jesus erklärte aber auch zugleich von sich selbst: Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. (Offb. 1, 17-18). Er ist demnach "der Erste und der Letzte", ein Titel, der in Jes. 44, 6 und 48, 12 auch für Gott erwähnt wurde. Er ist der Herr und Gott, der vor allem war und nach allem sein wird, und der jetzt, in der Gegenwart, alles wahrnimmt und so die Geschicke der Welt lenkt.

Daraufhin folgte dann die letzte der sieben Seligpreisungen, die vom Himmel her gegeben wurden, aber alle in der Offenbarung enthalten sind: Selig sind, die ihre Kleider waschen, auf daß sie teilhaben dürfen an dem Baum des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt. Im Luthertext von 1912 lautet die Übersetzung dieses Verses: Selig sind, die seine Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz des Lebens ... . Das ist sehr wahrscheinlich richtiger, wie denn auch in Dächsels Bibelwerk bestätigt wird. Dort wird ohne Zweifel die Ansicht vertreten, daß es nicht "Kleider waschen" sondern "Gebote halten" heißen müsse, da nämlichauf den zweiten Teil von Vers 11 Bezug genommen wird: ... aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Für mich macht beides jedoch einen guten Sinn. Wichtig ist die Gegenwartsform, die man unbedingt beachten sollte: Sie "waschen" ihre Kleider oder "halten" ihre Gebote.

Wer das tut, der lebt täglich in der Reinigung durch das Blut des Lammes und hat nun Anteil an dem Baum des Lebens und darf zu den Toren eingehen in die Stadt. Diese werden glückselig gepriesen, denn sie haben dann das Ziel ihres Lebens erreicht. Die sieben Seligpreisungen, die in der Offenbarung enthalten sind, lauten:

  1. Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe. (Offb. 1, 3).
  2. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach. (Offb. 14, 13).
  3. Selig ist, der da wacht und bewahrt seine Kleider, daß er nicht nackt wandle und man nicht seine Blöße sehe. (Offb. 16, 15).
  4. Selig sind, die zum Abendmahl * des Lammes berufen sind. (Offb. 19, 9).

  5. (* Wörtlich: "Hochzeitsmahl").
  6. Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. (Offb. 20, 6).
  7. Selig ist, der da hält die Worte der Weissagung in diesem Buch. (Offb. 22, 7).
  8. Selig sind, die ihre Kleider waschen, auf daß sie teilhaben dürfen an dem Baum des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt. (Offb. 22, 14).
Diese letztere Seligpreisung, die letzte überhaupt im Buch der Bücher, wollen wir ganz besonders zu uns sprechen lassen. Zudem noch die Elberfelder Übersetzung: Glückselig, die ihre Kleider waschen, auf daß sie ein Recht haben an dem Baume des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen! Ist dieses "Recht" aber von ihren Werken abhängig? Natürlich können unsere Werke nicht die Grundlage unserer Rechtfertigung und unserer himmlischen Berufung sein. Der Apostel Paulus schrieb im Römer-Brief: So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. (Röm. 3, 28). Wer durch die Gnade Gottes gerecht wurde, durch das Blut des Lammes, der muß trotzdem weiterhin seine Kleider waschen und sie dauernd im Blut des Lammes weiß machen.

Die Kleider reden von unserem Wandel, von unserem äußerlichen Verhalten. Daher muß man immer durch den Wandel beweisen, daß die Kleider wirklich gewaschen sind. "Waschen" ist Präsens (= Gegenwartsform), und bezeichnet demnach eine andauernde Handlung, während nun jedoch "gewaschen haben" in Kapitel 7 (Offb. 7, 14) ein sogenannter Aorist ist und eine Handlung bezeichnet, die nur zu einem bestimmten Augenblick getan wird. Dort wurde es so gesagt: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes. Es geht dort eindeutig zunächst um die Bekehrung und danach um die Lebensweise, das "hell machen".

An unserer Lebensweise wird man also deutlich erkennen, wie ernsthaft und ehr-lich wir die Gebote Gottes halten. Das betrifft aber nicht nur die "Zehn Gebote", sondern alle Worte des Herrn: Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der mich liebt. (Joh. 14, 21 - Luthertext von 1912). Denen läßt Gott Anteil haben an dem Baum des Lebens. Gott ist es nämlich, der ihnen dieses "Recht" zuerkennt.

Selig sind die Menschen, weil sie Vollmacht haben werden, von dem Holz oder Baum des Lebens zu genießen und einzugehen in das neue Jerusalem. Daher bedeutet diese herrliche Verheißung nichts anderes, als ewiges Leben in der golde-nen Stadt. Weshalb zögern eigentlich noch so viele Menschen, dieses Ziel ihres Lebens als das schönste Geschenk Gottes anzunehmen? Müßte es mehr kosten?

Nach diesem Hinweis auf die Gnade, wiederum eine ernste Warnung vor Gericht. Wer sich selbst ausschließt, der ist schon gerichtet. Wer draußen bleibt, der ist in der ewigen Verdammnis. Dort wird es keine Rettung mehr geben: Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Totschläger und die Götzendiener und jeder, der Lüge lieb hat und tut. An vielen Geschäften ist die-ser Hinweis zu lesen: Hunde müssen draußen bleiben! Sind diese damit gemeint?

Nein, mit Sicherheit ist das nicht wörtlich zu verstehen. Mit "Hund" wird in dem Gesetz des Mose ein männlicher Prostituierter bezeichnet. In einem Teil, der die Gebote für das Leben des Volkes enthält, hatte Gott gesagt: Es soll keine Tempeldirne sein unter den Töchtern Israel und kein Tempelhurer unter den Söhnen Israel. Du sollst keinen Hurenlohn noch Hundegeld in das Haus des Herrn, deines Gottes, bringen aus irgendeinem Gelübde; denn das ist dem Herrn, deinem Gott beides ein Greuel. (5. Mose 23, 18-19). Nun versteht man wohl besser, was die Elberfelder Übersetzung ganz wörtlich übertrug: Du sollst nicht den Lohn einer Hure, noch den Preis eines Hundes in das Haus Jahwes, deines Gottes, bringen zu irgend einem Gelübde; denn auch diese beiden sind ein Greuel für Jahwe, deinen Gott.

Im Brief des Apostels Paulus an die Philipper bedeutet "Hund" in allgemeinerem Sinn einer, der Böses tut: Gebt acht auf die Hunde, gebt acht auf die bösen Arbeiter, gebt acht auf die falsche Beschneidung! (Phil. 3, 2). (Vgl. Psalm 22, 17 + 21).

Nach den Worten des Propheten Jesaja werden mit "Hunde" allerdings die Hirten des Volkes Israel bezeichnet: Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts. Stumme Hunde sind sie, die nicht bellen können, sie liegen und jappen und schla-fen gerne. (Jes. 56, 10). In der Lutherbibel erklärt heißt es dann dazu: Eine scharfe Anklage gegen untaugliche Verantwortliche in Gemeinde und Kirche. Sie sehen die der Gemeinde drohenden Gefahren nicht - sie verschweigen die Warnung, auch wenn sie die Gefahr erkannt haben. Denn sie lieben Schläfrigkeit und sinnliche Genüsse. Gott sagt: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! (Hes. 34, 2).

Draußen sind ... die Zauberer. Das sind nicht nur solche, die sich mit ausgesprochen okkulten Dingen beschäftigen, auch Magier, Zeichendeuter (= Astrologen), Wahrsager, Besprecher, Spiritisten, Beschwörer, sogar Geistheiler sind damit gemeint. Der Prophet Samuel erklärte einst dem König Saul, als dieser der Stimme des Herrn nicht gehorcht hatte: ... denn Ungehorsam ist eine Zaubereisünde, und Widerstreben ist Abgötterei und Götzendienst. (1. Sam. 15, 23 - Luthertext von 1912). Das Beharren im Ungehorsam und fortgesetztes Widerstreben sind Sünde.

Draußen sind ... die Unzüchtigen. In anderen Übersetzungen heißt es deutlicher: Draußen sind ... die Hurer. (Luthertext von 1912, Elbf. u. a.). Das schließt nicht nur die Hurerei mit dem anderen Geschlecht oder ebenso mit gleichgeschlechtlichen Partnern ein, sondern vor allem auch die geistliche Hurerei. Deshalb mußte der Prophet Hosea damals dem Volke Israel verkünden: ... denn du läufst mit dei-ner Hurerei deinem Gott weg. (Hos. 9, 1). Die Freundschaft und der Flirt mit den Dingen dieser Welt, betreffe es nun Mode, Vergnügen, Gewinnsucht u.s.w., kön-nen ebenfalls geistliche Hurerei sein. Hängt unser Herz mehr an solchen Dingen?

Draußen sind ... die Totschläger. Andere übersetzten: Draußen sind ... die Mörder. (Bruns, Schlachter, Elbf. u. a.). Das betrifft zum Beispiel den Mord im Mutterleib, aber ebenso den sogenannten Rufmord, gerade auch unter den Gläubigen. Johannes sagte: Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Totschläger, und ihr wisset, daß ein Totschläger nicht hat das ewige Leben in ihm bleibend. (1. Joh. 3, 15).

Draußen sind ... die Götzendiener. Das sind die Abgöttischen, die sich durch andere Dinge von Gott abhalten lassen. Das eigene Ich, die eigene Ehre, sind in unseren Kreisen wohl die verheerendsten Abgötter. Andere polieren den Chrom auf Hochglanz an ihren auf vier Rädern dahinsausenden Götzen, vielleicht mit einem Stern versehen. Dabei denken sie gerne an das Lied: Stern auf den ich schaue ... .

Wie viele Gläubige huldigen aber dem Sport? Wenn sie häufig nicht selbst hinter dem "runden Leder" nachjagen oder sonst in einer aktiven Sparte mithalten können, so lassen sie dann wenigstens vor dem Fernseher ihren Puls auf Hochtouren steigen. Das sind sicherlich alles Gefahren, denen auch Gläubige ausgesetzt sind.

Man denke außerdem an den Geiz, der jedoch nach den Worten der Schrift ebenfalls Abgötterei ist. Der Apostel Paulus schrieb an die Kolosser: So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind, Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei. (Kol. 3, 5 - Luthertext von 1912). Der Brief des Apostels war an Gläubige gerichtet, die er auffordert, ihr Verhalten zu ändern.

Zum Schluß heißt es: ... und jeder, der Lüge lieb hat und tut. Es besteht da auch kein Unterschied zwischen Unwahrheit, Halbwahrheit und Scheinwahrheit; alles ist Lüge. Der Apostel Johannes schrieb außerdem: Wer ist ein Lügner, wenn nicht, der da leugnet, daß Jesus der Christus sei? ... Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater. (1. Joh. 2, 22-23). Viele belügen sich selbst, die da meinen: Es ist egal, an welchen Gott man glaubt.

Draußen oder drinnen, das ist die Frage, von der die Ewigkeit abhängt. Es sei deshalb noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, daß dieser Ausschluß aus der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem, bereits jetzt auf dieser Erde vollzogen wird. Auf die neue Erde kommt niemand, der nicht jetzt schon seinen Willen bekundet, daß er später einmal dorthin kommen möchte. Dort gibt es nur Freiwillige, wie in der Hölle übrigens auch. Jesus Christus ist der Weg ... und das Leben.(Joh. 14, 6).

Nicht nur der Apostel Johannes, sondern außerdem noch der erhöhte Herr selbst, Jesus Christus, besiegelt dieses wichtige Buch zum Abschluß mit seinem Namen:

Ich, Jesus, habe gesandt meinen Engel, solches euch zu bezeugen für die Gemeinden. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. (Offb. 22, 16-17).

Ich, Jesus ... - das ist immer der Name des erniedrigten Menschen, des Lammes, das auf Erden geschlachtet wurde, des Gekreuzigten. So ward er genannt, ehe er als der Sohn Gottes von der Jungfrau geboren wurde. Das ist aber auch sein persönlicher Name, in dem wir die Vergebung der Sünden und das ewige Leben erlangt haben, der höchste aller Namen. Es ist gerade so, als wollte der Herr Jesus nun noch seinen Namen als Siegel und Unterschrift unter das Buch der Offenbarung setzen. Damit würde dann der Menschheit eine amtliche Urkunde gegeben.

Leider wurde es jedoch nie so verstanden, denn sogar noch bis auf den heutigen Tag hält man nicht viel davon. Erst aus dem Inhalt dieses Buches vernimmt die Menschheit aber in vollem Umfange, was sie an Jesus hat, der nun bald kommt!

Ich, Jesus, habe gesandt meinen Engel, solches euch zu bezeugen für die Gemeinden. Damit ist nicht nur Johannes angesprochen, denn "euch" ist Mehrzahl. Das ist derselbe Gedanke wie in Kapitel 1 (Offb. 1, 1 + 4); dadurch werden An-fang und Ende der Offenbarung wieder miteinander verknüpft. Der Herr wendet sich an die Gemeinden, die Versammlungen der Heiligen. Das sind gewiß in er- ster Linie die sieben Gemeinden in Kleinasien, aber darüber hinaus zugleich die Gemeinden in aller Welt und zu allen Zeiten. Ebenso erkennt man dabei jedoch, daß die Offenbarung das Trostbuch der Gemeinde ist in einer vergehenden Welt.

Jesus Christus spricht: Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern. Das bestätigt die Aussage von Kapitel 5 (Offb. 5, 5): Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom Geschlecht Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel. Allerdings der Prophet Jesaja, der fast 300 Jahre nach David lebte, bezeugte von dessen Vater Isai: Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist derWeisheit und des Verstandes, der Geist desRates und der Stärke,der Geist derErkenntnis und der Furcht des Herrn. (Jes. 11, 1 + 2). Außerdem weissagte er etwas weiter: Und es wird geschehen zu der Zeit, daß das Reis aus der Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Heiden fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein. (Jes. 11, 10). Jesus ist der Sohn Davids, der aus dessen Wurzel kam.

Schon mehrfach wurde jedoch auch schon diese Stelle aus dem zweiten Brief des Apostels Petrus erwähnt: Und wir haben desto fester das prophetische Wort, und ihr tut wohl, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. (2. Petr. 1, 19). Daran kann man gewiß ebenfalls erkennen, daß Jesus dieser helle Morgenstern ist, der den kommenden Heilstag einleitet, bis er dann als Sonne der Gerechtigkeit für Israel aufgeht. (Mal. 3, 20). Daher wird Israel ihn auch nicht als Morgenstern wahrnehmen, sondern erst später als Sonne der Gerechtigkeit. Denn Jesus kommt als Morgenstern, um die Gläubigen von der Erde hinwegzunehmen.

Dr. H. H. Janzen hat das allerdings ebenfalls so gesehen, wie er darum auch in seinem Kommentar niedergeschrieben hat: Er ist auch der helle Morgenstern, der vor Tagesanbruch aufleuchtet und den kommenden Tag ankündet. Als solcher wird Er kommen, um Seine Gemeinde zu entrücken, ehe denn der Tag des Herrn anbricht.

W. J. Ouweneel äußerte gewiß ähnliche Gedanken, als er in seinem Buch schrieb: Der Herr wendet sich hier an alle, die begreifen, was der Morgenstern darstellt. - Diese freuen sich auf Jesus, den glänzenden Morgenstern, der, für die schlafende Welt unsichtbar, für die Seinen erscheinen wird, ehe der Tag des Reiches anbricht.

In der Jubiläums-Bibel wird das dann auch in etwa übereinstimmend erklärt: Mit Jesu Geburt aus dem Hause Davids ist der Grund zu unsrem Heil gelegt; mit seiner Wiederkunft wird er gleich dem hellen Morgenstern den Tag der Heilsvollendung heraufführen. Dieser wird für Israel jedoch erst mit dem Sonnenaufgang beginnen.

Dazu paßt auch das Adventslied, das Jochen Klepper (22.3.1903-11.12.1942) gedichtet hat:

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Der helle Morgenstern ist gleichzeitig aber auch das Licht der Welt. Wie der Morgenstern den neuen Tag ankündigt, also gleichsam dann Nacht und Tag voneinander scheidet, so bewirkt der Herr Jesus eine kompromißlose Scheidung in uns. Etwa wie bei der Schöpfung, wo es heißt: Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis. (1. Mose 1, 3-4). Ebenso will er in unseren Herzen auch Licht und Finsternis scheiden. Der Apostel Johannes schrieb: Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. (1. Joh. 1, 7). Wer ehrlich mit sich selbst ist, der merkt ganz deutlich, wie jede Sünde unser Herz verfinstert.

Diese Worte Jesu: Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern, sind aber auch eine Beschreibung seiner Persönlichkeit. Im Evangelium des Johannes ist ebenfalls zu lesen, wie der Herr zuvor während seines Erdenwandels sein innerstes Wesen offenbart hat, seine ganze Persönlichkeit beschrieb, mit knappen Aussagen, und zwar gleich sieben Mal:
Ich bin das Brot des Lebens. ... (Joh. 6, 35).
Ich bin das Licht der Welt. ... (Joh. 8, 12).
Ich bin die Tür zu den Schafen. ... (Joh. 10, 7).
Ich bin der gute Hirte. ... (Joh. 10, 12).
Ich bin die Auferstehung und das Leben. ... (Joh. 11, 25).
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. ... (Joh. 14, 6).
Ich bin der rechte Weinstock. ... (Joh. 15, 1).

Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Sobald sich dann der Herr als der helle Morgenstern ankündigt, rufen der Geist und die Braut ihm entgegen: Komm! Der Geist, der die Braut aus der Welt geworben hat, sehnt sich weg von hier in die Geborgenheit des Vaterhauses. Die Braut verspürt Sehnsucht nach dem Bräutigam um ihrer Liebe willen. Beide zieht es aus dieser argen Welt in die ewige Herrlichkeit. Sie freuen sich darauf, gemeinsam das Hochzeitsmahl des Lammes zu feiern.

Der Geist Gottes kam in diese Welt nach Christi Himmelfahrt. Dazu hatte der Herr in seinen Abschiedsreden den Jüngern dieses Kommen angekündigt: Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist euch gut, daß ich hingehe. Denn wir ich nicht hingehe, so kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. (Joh. 16, 7). Bei seiner Himmelfahrt hat Jesus das dann aber noch einmal bestätigt mit den verheißungsvollen Worten: ... ihr werdet aber die Kraft des heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. (Apg. 1, 8). Seit dem ersten Pfingstfest in Jerusalem hat sich das alles inzwischen erfüllt.

Der Apostel Paulus stellte seinerzeit diese Frage: Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? (1. Kor. 3, 16). Danach erklärte Paulus zudem: ... der es jetzt aufhält, erst muß hinweggetan werden; und alsdann wird der Frevler offenbart werden. (2. Thess. 2, 7-8). Der es jetzt aufhält, das ist der Heilige Geist, der in den Gläubigen wohnt. Die Hinwegnahme der Gläubigen bewirkt, daß der Heilige Geist gleichzeitig mit ihnen von der Erde entrückt wird.

Die Braut des Lammes, das ist die Gemeinde Jesu Christi. Alle wahren Gläubigen gehören zu dieser Braut, auch wenn nicht jeder einzelne recht sehnsüchtig auf das Kommen Jesu wartet. Je mehr man sich jedoch dann dem Wirken des Geistes öffnet, desto stärker wird das Verlangen nach der Ankunft des Bräutigams. Es ist ein erhabenes Gefühl, überwältigt von der Sehnsucht nach der himmlischen Herrlichkeit, wenn man gemeinsam mit dem Heiligen Geist in den Ruf einstimmt: Komm!

Ach, mein Herr Jesu, wo bleibst Du so lange,
Komm doch, es wird mir auf Erden so bange, so bange ...

Zugleich wendet sich nun der Geist sowie das Herz derer, welche die Gefühle des Heiligen Geistes teilen, auch anderen zu, mit der Bitte: Und wer es hört, der spreche: Komm! Wer sich durch die Gemeinschaft mit Gläubigen angesprochen fühlt und meint, nun auch selbst dieses zarte Rufen zu vernehmen, der stimme jetzt mit ein in diesen seligen Ruf und spreche: Komm! Das Herz der Braut wirbt inständig um jede Menschenseele, damit sie zu Jesus komme, dem Erlöser. Denn das ist indes das glückselige Teil aller, ohne Furcht auf das Kommen des Herrn zu warten.

Wenn dann ein Echo aus dem eigenen Herzen kommt, ist es eine Gnade Gottes zu später Stunde. Noch ist Gnadenzeit, noch steht die Gnadentür weit offen, aber wie lange noch? Die Zeit kommt, wo keine Gnade mehr sein wird. Dann werden allerdings nur noch göttliche Gerichte über die Erde fegen. Heute ist jedoch noch Gna-de erhältlich für jeden, der seinem Herzen einen Stoß gibt und nun endlich kommt.

Das führt uns jedoch in Gedanken auch wieder zurück an den Anfang der Offenbarung. In dem letzten der sieben Sendschreiben, dem an die Gemeinde zu Laodicea, hat der erhöhte Herr gesagt: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. (Offb. 3, 20). Wir leben jetzt in der Zeit des letzten Sendschreibens, was man gewiß daran erkennen kann, daß der Herr Jesus draußen ist. Er ist weitgehend außerhalb der Kirche, die ihn mit allerhand gottlosem Kram verdrängt und hinauskomplimentiert hat. Es ist hauptsächlich für ihn, den Herrn der Gemeinde, der da wandelt unter den sieben Leuchtern, für den diese Kirche keinen Platz mehr in ihrer Mitte hat. Sie hat längst den Raum frei gemacht in der Gemeinde für den Zeit- und Weltgeist, dem sie bereitwillig Tür und Tor öffnete. Der ist, ohne zu zögern, in diese christuslose Kirche der Endzeit eingezogen.

Es ist die unergründliche Liebe Gottes und des Lammes, daß dieses letzte Gnadenangebot am Ende der Bibel nochmals so klar gegeben wird: Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. So streckt sich der Arm des Herrn weiter zu denen aus, die ihm noch nicht angehören. Sogar die Letzten müssen kommen, damit die Vollzahl der Heiden endlich erreicht wird.

Je weiter die Welt und ihre Kultur voranschreiten, desto mehr wird dann aber die Nichtigkeit aller Dinge hienieden offenbar und ebenso das Unvermögen der Menschen, durch ihre Weisheit und Künste die Sehnsucht der Herzen nach Frieden zu stillen. Immer klarer wird es, wie wahr das Wort Jesu sogar heute noch ist, das er zu der Samariterin am Jakobsbrunnen gesagt hat: Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. (Joh. 4, 13-14 - Schlachter). Darum ruft die Braut mit dem Geist allen denen zu, die da dürsten, daß sie doch zu Jesus kommen möchten. Ja, ihr Ruf ergeht selbst an alle, die keinen Durst verspüren, aber ohne das Wasser des Lebens gleichfalls verloren gehen. Gott schenkt ewiges Heil aus Gnade allen, die es "wollen" und annehmen.

Deshalb sei hier noch einmal wiederholt: Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. In Kapitel 21 hatte der Herr schon verkündet: Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. (Offb. 21, 6). Das wird jetzt noch einmal besonders bekräftigt, denn völlig umsonst sollen sie alle das Wasser des Lebens empfangen. Wie doch Gott seit eh und je den Menschenkindern die wichtigsten Dinge des Lebens gibt, ihnen Licht, Luft und Wasser frei verfügbar macht, so bietet er zudem auch noch das allerhöchste Gut umsonst an. Gratis kann man Vergebung und ewiges Leben aus freier Gnade empfangen, das dem Sohn Gottes zuvor das Leben gekostet hat.

Der Apostel Paulus bestätigte das: Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christo Jesu, unserem Herrn. (Röm. 6, 23 - Elbf.). Den Lohn der Sünde hat der uns liebende Herr am Kreuz von Golgatha bezahlt. Deshalb schrieb der Apostel Paulus außerdem: Und er ist darum für alle gestorben, damit die, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. (2. Kor. 5, 15). Wer wiedergeboren ist, der wird glaubwürdig bezeugen, daß es das alte Leben kostet, das man hingeben muß.

Bei der ersten Aussendung der zwölf Jünger hatte Jesus gesagt: Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch. (Matth. 10, 8). In geistlichen Dingen gilt dieser Grundsatz uneingeschränkt, deshalb vertrauen christliche Werke auch rückhaltlos diesem Worte Jesu und betätigen sich überwiegend auf freiwilliger Spendenbasis.

Auf dem Laubhüttenfest in Jerusalem, im Oktober vor seinem Tode, trat Jesus auf, rief und sprach: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verherrlicht. (Joh. 7, 38-39). Wer es ehrlich wissen will, dem bezeugt der Heilige Geist die volle Wahrheit.

Darum ergeht zum Schluß eine ernste Warnung an alle, die an dem Buche der Offenbarung arbeiten. Wer die Worte der Weissagung in diesem Buch liest und hört, wer sie gleichwie übersetzt oder auslegt, ist beständig zu größter Genauigkeit verpflichtet. Deshalb war der Apostel Johannes auch aufgefordert, hier dieses folgenreiche Wort niederzuschreiben, denn er war ja angehalten zu besonderer Sorgfalt:

Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun seinen Anteil vom Baum des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben steht. (Offb. 22, 18-19).

Jeder Prediger oder Lehrer des Wortes Gottes, auch wer sonst mit diesem Buche umgeht, sei sich immer und allezeit bewußt, mit was für einer wahrlich Heiligen Schrift er es rechtens dabei zu tun hat. An dieser Stelle wird aber auch zum vier- ten und fünften Male in der Offenbarung gesprochen von "den Worten der Weissagung dieses Buches" (Offb. 1, 3, dann Offb. 22, 7 + 10 + 18 + 19). Durch diese Bezeichnung wird gewiß die prophetische Bedeutung des ganzen Buches hervorgehoben. Wie oft wurde jedoch dieser wichtige Hinweis einfach nicht beachtet.

Wie wichtig ist es jedoch für alle Gläubigen, das ganze Wort Gottes zu bewahren und daran festzuhalten, nicht nur an diesem letzten Buch der Bibel. Sehr schlimm ist es allerdings, wenn in neueren "Bibelübersetzungen" das Wort sogar angepaßt wird an die saloppe Sprache von heute. Die Ausdrucksweise der meisten Jugendlichen ist inzwischen dermaßen verkümmert, so daß sie oft kaum noch einen längeren Satz zustande bringen. Für sie ist alles einfach "super", "cool" und "mega".

So jemand etwas dazusetzt, zu dem Inhalt des Buches, dem wird von Gott ebenso mit Plagen zugesetzt. Wie oft wird dennoch das Wort Gottes verändert, Abstriche gemacht oder Zusätze eingefügt. Ist es denn nicht vielsagend, daß der Text dieser Offenbarung Jesu Christi zu den am schlechtesten überlieferten aller Bibelbücher gehört? Es sieht doch so aus, als habe es der Teufel vor allem auf dieses Buch abgesehen. Der größte Teil der Abschreibfehler läßt sich zum Glück berichtigen, so daß wir mit einiger Sicherheit den richtigen Grundtext besitzen, für den sich Gott gewiß verbürgt hat. Alle, die das Wort irgendwie wiedergeben, sind aber gewarnt.

Es hat wohl bisher manchen sogenannten Propheten gegeben, der zu den Weissagungen der Bibel noch seine eigenen hinzufügte und dadurch viele Menschen unweigerlich in die Irre führte. Man behauptete, Gesichte gehabt und neue Offenbarungen bekommen zu haben, die in der Bibel nicht zu finden seien. Diese würden aber genauso wichtig sein, wenn nicht sogar noch bedeutsamer. Durch solche Irrlehren sind dann die meisten Sekten entstanden, die noch zusätzliche Weissagungen haben. Diese sind in ihren eigenen Schriften enthalten, die ihnen aber immer wertvoller sind, als die Bibel. Außerdem verändern sie ohne irgendwelche Scheu das Wort Gottes für ihre Zwecke, so daß in ihren Augen das alles zusammen paßt.

In seiner Ölbergrede hatte Jesus zu seinen Jüngern gesagt: Denn mancher falsche Christus und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden. Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt. (Matth. 24, 24-25). Er hat es auch uns zuvor gesagt.

Wer also etwas davonnimmt oder dazutut, der besiegelt sein eigenes Geschick. In der Zeit der Wüstenwanderung hatte der Herr schon durch Mose geboten: Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf daß ihr bewahrt die Gebote des Herrn, eures Gottes, die ich euch gebiete. (Deuteronomium = 5. Mose 4, 2). In den Sprüchen Salomos wird das gesagt: Alle Worte Gottes sind durchläutert; er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. Tu nichts zu seinen Worten hinzu, daß er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst. (Sprüche 30, 5-6). Außerdem sollte man auch beachten, was am Anfang der Offenbarung verheißen wurde: Selig ist, der da liest und die da hören die Wor-te der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe. (Offb. 1, 3). Sogar in "frommen" Kreisen hört man oft: "Ach, es gibt so viele sich widersprechende Auslegungen ...". Selbst wenn dieses zutreffen würde, so ist niemand entschuldigt, der die Weissagung verachtet! Es bedeutet doch auch, daß der Inhalt des Buches geschmälert wird; denn man nimmt das Wort Gottes nicht ernst.

Andere dagegen lesen die Weissagungen der Heiligen Schrift mit einem überlegenen Lächeln, deuten sie auf ihre Weise und schwächen damit ihre Bedeutung. Oft betrachtet man die Offenbarung beispielsweise als erfüllte Geschichte, aber damit lehnt man ihre Bewandtnis für unsere und die letzte Zeit ab. Gewiß kann man daraus dann noch manche Lehre ziehen, aber das, wozu sie uns gegeben wurde, kann so nicht erreicht werden. Einige behaupten gar: Was vor uns liegt, ist die Zukunft! Da sie ja nicht abergläubig seien, wollen sie darüber auf keinen Fall etwas wissen.

Deshalb heißt es jetzt aber auch: Und wenn jemand etwas davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun seinen Anteil vom Baum des Lebens und von der heiligen Stadt, davon in diesem Buch geschrieben steht. Diese Feststellung bezieht sich nicht auf wahre Gläubige, gewiß aber auf Ungläubige. Seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt hätte man sich aneignen können, wenn man nur an dem Wort Gottes nicht achtlos vorübergegangen wäre. Durch daß sie völlig auf Jesus Christus als ihren Erlöser vertraut hätten, würden sie in dem Buche des Lebens stehen. Dann hätten sie auch ihren Anteil an dem Baum des Lebens und an der heiligen Stadt. Gott hat es doch allen verheißen!

Jetzt ist es allerdings zu spät, denn sie haben nun endgültig den für sie vorgesehenen Teil vom Baum des Lebens und von dem neuen Jerusalem verspielt. Damals, zur Zeit ihres Erdenlebens, hatten sie das Heilsangebot Gottes verschmäht, indem sie es als für sie nicht lohnenswert erachteten. Nun ist es Gott, der ihnen bezeugt: Sie haben ihren Lohn dahin. Hinfort von Gott verwehrt ist ihnen der Zutritt dahin.

Das Heilsangebot Gottes ist einmalig und wiederum auch nicht, denn er bietet es einem jeden Menschen mehrmals im Leben deutlich an: Siehe, das alles tut Gott zwei- oder dreimal mit einem jeden, daß er sein Leben zurückhole von den Toten und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen. (Hiob 33, 29-30). Daher konnte Hiob danach gewiß auch ausrufen: Gott hat mich erlöst, daß ich nicht hinfahre zu den Toten, sondern mein Leben das Licht sieht. (Hiob 33, 28). Dieser kam später und gab sich so zu erkennen. Er sprach: Ich bin das Licht der Welt. ... (Joh. 8, 12).

Dieses Licht werden einmal alle Erlösten in dem neuen Jerusalem mit überwältigender Klarheit sehen, denn von der heiligen Stadt ist ihnen zugesagt: ... denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht ... . (Offb. 21, 23-24). Alle, die vorher nicht durch Jesus Christus erlöst worden sind, werden dann nachher hinfahren zu den Toten - in die ewige Hölle. Von dort gibt es keinen Weg zurück und auch keinen Ausweg.

Wer jedoch an diesen meinen Auslegungen auch nur den geringsten Zweifel hat, der ist hiermit noch einmal nachdrücklich aufgefordert, es so zu machen, wie die Juden zu Beröa. Lukas, der Arzt, hat in der Apostelgeschichte dieses Erlebnis bezeugt: Die Brüder aber ließen alsbald bei der Nacht Paulus und Silas nach Beröa ziehen. Da sie dahin kamen, gingen sie in die Synagoge der Juden. - Diese aber waren besser als die zu Thessalonich; die nahmen das Wort auf ganz willig und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte. So glaubten nun viele von ihnen, auch nicht wenige von den angesehenen Frauen und Männern unter den Griechen. (Apg. 17, 10-12). Das ist aber ein nachahmenswertes Beispiel für alle.

Noch einmal folgt die ausdrückliche Beteuerung seitens unseres erhöhten Herrn:

Es spricht, der solches bezeugt: Ja, ich komme bald. Amen, ja komm, Herr Jesus! Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! (Offb. 22, 20-21).

Mit Vers 7, Vers 12 und nun dem zweitletzten Vers der Bibel verspricht der Herr dreimal sein baldiges Kommen. So beschließt Jesus Christus dieses Buch der Offenbarung als der Erste und der Letzte. Er hat hierin sein Zeugnis abgelegt, obendrein Ereignisse vorausgesagt und Dinge offenbart, die vorher noch nie so genau bekannt waren. Gemäß seinen Worten ist anzunehmen, daß er manche Einzelhei-ten sogar erst nach seiner Himmelfahrt weitergeben durfte. In diesem Sinne sind gewiß auch die prophetischen Aussagen in den Briefen der Apostel zu verstehen.

An Christi Himmelfahrt hatte er zu den versammelten Aposteln gesagt: Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Va-ter in seiner Macht bestimmt hat. (Apg. 1, 7). Insbesondere Paulus, Petrus sowie Johannes haben in ihren Schriften wertvolle Hinweise weitergegeben, die gewiß zum besseren Verständnis der zuvor empfangenen Weissagungen dienen sollten.

Umgekehrt sind auch viele Stellen der Offenbarung nur durch die prophetischen Bücher des Alten Testamentes richtig zu verstehen. Die Bibel als Ganzes ist einmalig und in sich geschlossen, deshalb kann man nichts davon weglassen. Wenn man das aber versucht, dann versteht man plötzlich die Welt nicht mehr. Wer zu-vor Gottes Wort einigermaßen kannte, der findet es auf einmal völlig verwirrend.

Der Apostel Johannes bekannte so bereits in Kapitel 1 in dem Gruß an die sieben Gemeinden: ... und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge. (Offb. 1, 5). Er hat in diesem Buch sein Zeugnis abgelegt, und er selbst ist es auch, der an die-ser Stelle, nun zum dritten Male in diesem Kapitel, nochmals die Verheißung sei-nes baldigen Kommens ausspricht: Ja, ich komme bald. Vor nunmehr fast 2 000 Jahren hat Jesus das doch gesagt, trotzdem ist er bis heute noch nicht gekommen.

Wie soll man das denn verstehen? Zuerst ist es einmal eine Aufforderung zur Geduld, wie wir es ja auch manchmal sagen: Ja, ich komme bald. Habt nur Geduld, es dauert nicht mehr lange. Außerdem bedeutet es aber auch, daß Jesus nach Got-tes Maßstab in Kürze kommen wird, gleichzeitig jedoch für einige ganz plötzlich.

Wer allerdings sein Kommen sehnsüchtig erwartet, für den vergeht die Zeit nicht schnell genug. Wie die Kinder auf Weihnachten warten, so warten die Gläubigen auf das Wiederkommen Jesu. Jetzt ist die größte Adventszeit der Weltgeschichte, denn wir stehen kurz vor dem zweiten Advent, dem zweiten Kommen Jesu. Demnach ist es gewiß angebracht, daß wir uns beständig die Frage stellen: Bist Du bereit, wenn Christus erscheint? Darum hat der Herr seine Jünger dringend ermahnt: Sehet euch vor, wachet! denn ihr wisset nicht, wann die Zeit da ist. (Mark. 13, 33).

Wir haben es doch bei der Betrachtung der Offenbarung gewiß eindrücklich gesehen: Die Zeichen der Zeit reden eine deutliche Sprache. Daraus läßt sich in jedem Falle schließen, daß auch das dreimalige Versprechen des Herrn in diesem letzten Kapitel jetzt unmittelbar vor seiner Erfüllung steht: Ja, ich komme bald. Mit großer Gewißheit und Freude können wir in diesen Tagen unbedingt daran festhalten.

In der Zwischenzeit sollten wir jedoch das Wort des Petrus beherzigen: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es etliche für eine Verzögerung achten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. (2. Petr. 3, 9). Jesus selbst hat zudem seinen Jüngern einprägsam verheißen: Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. (Luk. 21, 28).

Wir haben es doch bei der Betrachtung der Offenbarung gewiß eindrücklich gesehen: Die Zeichen der Zeit reden eine deutliche Sprache. Daraus läßt sich in jedem Falle schließen, daß auch das dreimalige Versprechen des Herrn in diesem letzten Kapitel jetzt unmittelbar vor seiner Erfüllung steht: Ja, ich komme bald. Mit großer Gewißheit und Freude können wir in diesen Tagen unbedingt daran festhalten.

Außerdem können wir uns noch uneingeschränkt auf dieses Psalmwort verlassen: Denn des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß. (Psalm 33, 4). Dieser ganze Psalm ist ein einziges Loblied auf Gottes Allmacht und Hilfe.

Mit einem feierlichen Schlußgebet antwortete der Seher auf der Insel Patmos auf die Verheißung des Kommens seines geliebten Herrn und Heilandes. Diesem Ge-bet möchte ich mich nun bewußt, wie bestimmt jetzt auch jeder Leser, mit großer Freude anschließen: Amen, ja komm, Herr Jesus! Amen, ja komm, Herr Jesus!

Das erinnert an den Schluß des ersten Briefes an die Gemeinde Gottes zu Korinth, den der Apostel diesmal so beendete: Hier mein, des Paulus, eigenhändiger Gruß. Wenn jemand den Herrn nicht lieb hat, der sei verflucht. Mananatha!* Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch! Meine Liebe ist mit euch allen in Christus Jesus! (1. Kor. 16, 21-24). * V. 22: d. h. "Unser Herr, komm!". Dazu heißt es nun in der Lutherbibel erklärt: Maranatha: Offb. 22, 20. Ein aus der aramäisch sprechenden Urgemeinde von Jerusalem stammendes Kennwort der Christen, mit dem jeder Gottesdienst geschlossen wurde (vgl. unseren Segen). Auf Griechisch: marana Ja.

Oscar Cullmann, ein evangelischer Theologe, sieht hierin einen Verweis auf Offb. 1, 10 ("Tag des Herrn"). Die frühe Kirche sah nämlich in der Formulierung "Tag des Herrn" den Tag der Auferstehung, also den ersten Tag der Woche. So wie Je-sus Christus an jenem Tage seinen Jüngern lebendig erschien (Luk. 24, 36-49 und Joh. 20, 19-23), so glaubte die Kirche, daß er auch am ersten Tage der Woche bei der Feier des Abendmahles dann in ihrer Mitte gegenwärtig sei (vgl. Apg. 20, 7). Am Ende des Abendmahles standen in der Liturgie der frühen Kirche die Worte: "Amen, komm, Herr Jesus!", weil Jesus Christus bei seiner Wiederkunft genauso seiner Gemeinde erneut erscheinen werde und das Abendmahl dann gleichsam in das messianische Festmahl übergehe (vgl. 1. Kor. 11, 26 und auch Offb. 19, 6-9).

Was aber bedeutet dieses Gebet eigentlich genau für uns: Amen, ja komm, Herr Jesus! Damit sprechen wir erstens aus, daß uns sein persönliches Kommen wirklich lieb ist. Wir sagen weiter, daß wir für sein Kommen bereit sind, daß wir uns davor nicht mehr fürchten, denn wir haben doch ihn und seine Gnade gläubig angenommen. Wir sagen drittens damit, daß wir so für uns, wie für die ganze Welt, keine andere Hoffnung haben, als einzig und allein die persönliche Wiederkunft Jesu Christi, des Königs aller Könige und des Herrn aller Herren in alle Ewigkeit.

Wird es nicht herrlich sein, alle zusammen diesen erhabenen Augenblick mitzuerleben, wenn der Herr Jesus wiederkommt? Er wird dann alle, die ihm wirklich gehören, von der Erde hinwegnehmen und in die himmlische Herrlichkeit einführen. Es wird für die übrigen Menschen in dieser Welt zwar schrecklich sein, aber trotzdem muß dieser Tag einmal kommen. Die Gläubigen werden immer bei ihm sein.

Der Apostel Johannes beendete dieses Buch der Offenbarung Jesu Christi mit diesem Gnadenzupruch: Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! Genauer heißt es im Luthertext von 1912: Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch allen! Amen. Das entspricht wieder dem Textus receptus, der einzigen Arbeitsgrundlage der Reformatoren. Gott hatte diesen Text über viele Jahrhunderte bewahrt und ihnen nur diesen zur Verfügung gestellt. Sollte er nicht auch für uns gut genug sein?

Es ist übrigens außergewöhnlich, daß ein apokalyptisches Buch mit einem solchen Gnadenwunsch endet. Wie die Offenbarung als Brief beginnt (Offb. 1, 4 u. a.), so endet sie auch, wie die Briefe des Paulus. Dies sind nun die letzten Worte der Offenbarung, aber zugleich das letzte Wort Gottes in der Bibel, der Heiligen Schrift.

Das Buch der Offenbarung gibt wie kein anderes Buch der Bibel ein umfassendes Bild der Herrlichkeit Jesu Christi, des Planes Gottes, seiner Erhöhung, seines Sieges über die Sünde und alles Böse und damit der Voraussage einer herrlichen Zukunft der Kinder Gottes. Die abschließenden Worte der Offenbarung sind ein passender Höhepunkt der Heiligen Schrift. Kein anderer Teil der ganzen Bibel zeichnet einen größeren Gegensatz auf, nämlich zwischen dem unendlichen Segen der Erretteten und der furchtbaren Hoffnungslosigkeit der Verlorenen für alle Zeiten.

Im Einklang mit der Verheißung, die zu Beginn der Offenbarung gegeben wurde, wie auch mit der Wiederholung derselben in diesem Kapitel, werden alle diejenigen, die das Buch lesen und bewahren, einen besonderen Segen erfahren (vgl. da- zu Offb. 1, 3 und Offb. 22, 7). Dieses Buch schließe ich ab mit diesem eindringlichen Wunsch für alle Menschen: Möge die Gnade unseres Herrn Jesu Christi mit allen sein, mit meinen lieben Lesern und auch mit mir. Denn aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. (Eph. 2, 8). Jeder sei sich bewußt, daß wir alles nur der Gnade Gottes verdanken.

* * * E n d e * * *

eMail an den Autor: Gerd Müllenheim

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