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Kapitel 21

Der Seher bezeugte, wie die neue Schöpfung entstand, er sah das neue Jerusalem:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet wie eine geschmückte Braut ihrem Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott, wird mit ihnen sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Der feigen Verleugner aber und der Ungläubigen und Frevler und Totschläger und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod. (Offb. 21, 1-8).

Das Ende der alten Welt ist die Geburtsstunde der neuen Welt. Bis jetzt wurde in den vorhergehenden Kapiteln die ganze Geschichte der Menschheit betrachtet. In einem überwältigenden Panorama wurde so Gottes Heilsplan gewissermaßen vor unseren Augen ausgebreitet. Dabei wurde ein Zeitraum von insgesamt etwa 7000 Jahren überblickt, in denen die Menschen diese alte Welt zum Nutzen der gesam-ten Schöpfung erforschen und zu ihrem Wohle untertan machen sollte (1. Mose 1, 28). Durch den Sündenfall der ersten Menschen wurde dieses erhabene Ziel allerdings von Anfang an verfehlt, so daß sich durch die Sünde eher die Schwierigkei-ten immer wieder steigerten. Jedes Mal mußte Gott durch Gerichte eingreifen, indem er alles Böse vernichtete und gleichzeitig einen Neuanfang versuchte. Doch eine Besserung war nie von langer Dauer, denn die Schöpfung wurde nun weiter-hin durch das sündhafte Verhalten der Menschen verunreinigt und sogar zerstört.

Einen kleinen Überblick lassen die einzelnen Kapitel der Offenbarung erkennen:

In Kapitel 1 stellte sich Jesus Christus zunächst seinem Apostel Johannes als der Ewige vor, als derjenige, der tot war und lebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.

In den Kapiteln 2 und 3 wurde die Entwicklung der weltweiten Kirche oder Gemeinde Jesu Christi beschrieben, angefangen am Pfingsttage zu Jerusalem, über die letzten 2000 Jahre hindurch, bis zu der in Kürze bevorstehenden Entrückung.

Ab Kapitel 4, im Hauptteil dieses prophetischen Buches, wurden dann die Ereignisse betrachtet, die zum größten Teil in diesem Jahrhundert begannen, in jedem Falle aber bis zum Abschluß dieses Zeitalters der Gnade noch eintreffen werden.

In Kapitel 12 wurde in einem Zwischengesicht eine Rückschau bis zu Adam gewährt, sowie der Fall Satans und des dritten Teiles der Engel vor einer uns unbekannten Zeit. Immerhin wurden dadurch die 4000 Jahre vor Christus betrachtet.

Ab Kapitel 13 wurde dann der Aufstieg und Untergang des Antichristen und des kommenden Weltreiches beschrieben, das dereinst aus der Europäischen Union hervorgehen wird. Dadurch wird das römische Reich in Zukunft wiedererstehen.

In Kapitel 20 wurde uns dann mit wenigen Worten das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi vor Augen geführt, allerdings mit dem anschließenden letzten Gericht über die ungläubigen Menschen. Deren Ende war in dem feurigen Pfuhl.

In den Kapiteln 21 und 22 wird nun noch ein Blick in die ferne, zukünftige Herrlichkeit gewährt, von der uns etwa tausend Jahre trennen. Man kann diese Dinge nur andeutungsweise erfassen, denn sie übersteigen unser Vorstellungsvermögen.

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen, und das Meer ist nicht mehr. So sah Johannes damals eine völlig neue Welt auf sich zukommen. Es scheint, als ob Gott mit dieser neuen Schöpfung dann nicht lediglich jene herrliche Erde und jenen strahlenden Himmel neu schaffen wird, so wie diese vor dem ersten Sündenfall sicherlich bestanden haben. Vielmehr wird er gewiß abermals ein ganz neues Weltwunder bewirken, das nun die erste Schöpfung an Herrlichkeit bei weitem übertroffen wird.

Am Ende des vorigen Kapitels (Offb. 20, 11) wurde bereits angekündigt, daß die Erde und der Himmel entfloh, ... und ihnen ward keine Stätte gefunden. Dies hat der Apostel Petrus dann so beschrieben: So auch werden der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufbewahrt, daß sie zum Feuer behalten werden auf den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen. Eines aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es etliche für eine Verzögerung achten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen. Wenn das alles soll so zergehen, wie müßt ihr da geschickt sein in heiligem Wandel und gottesfürchtigem Tun, die ihr wartet und eilet zu der Ankunft des Tages Gottes, an welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt. (2. Petr. 3, 7-13). Ein Trost für uns!

Jesus hatte auch schon in seinen Endzeitreden zu seinen Jüngern gesagt: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. (Matth. 24, 35, jedoch ebenso mit fast gleicher Satzstellung in Mark. 13, 31 und Luk. 21, 33).

Johannes ergänzte nun: ... denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen, und das Meer ist nicht mehr. Diese alte Welt war jedoch dazumal ... aus Wasser und im Wasser entstanden durch Gottes Wort (2. Petr. 3, 5), außerdem bedeckten Meere dauernd den größten Teil der Oberfläche der Erde. In dieser neuen Schöpfung werden dann allerdings andere Naturgesetze gelten. Nämlich, biologisch gesehen, wäre in der Welt, so wie wir sie jetzt kennen, ohne das Meer grundsätzlich kein Leben denkbar. Auf der neuen Erde wird nun aber das Meer überflüssig sein.

Im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi wird das Meer noch da sein. Über die Grenzen des Landes Israel zu der Zeit weissagte damals der Prophet Hesekiel: Und an der Seite gegen Westen ist das große Meer die Grenze bis gegenüber Hamath. Das sei die Grenze gegen Westen. (Hes. 47, 20). Das bestätigte der Prophet Zephanja: Und das Land am Meer soll den Übriggebliebenen vom Hause Juda zuteil werden, daß sie darauf weiden, und am Abend sollen sie sich in den Häusern von Askalon lagern, wenn nun der Herr, ihr Gott, sie wiederum heimsuchen und ihre Gefangenschaft wenden wird. (Zeph. 2, 7). Außerdem der Prophet Sacharja: Zu der Zeit werden lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, die eine Hälfte zum Meer im Osten und die andere Hälfte zum Meer im Westen, und so wird es sein im Sommer und im Winter. (Sach. 14, 8). Daran gibt es also überhaupt keine Zweifel.

Der Prophet Jeremia sagte: ... die am Meer wohnen, sind so erschrocken, daß sie nicht Ruhe haben können. (Jer. 49, 23 - Luthertext von 1912). Allerdings wird es auf der neuen Erde keinen Schrecken mehr geben, vielmehr verspürt man Gottes ewige Sabbatruhe. Diese Ruhe erhoffte der Schreiber des Hebräer-Briefes: So ist also noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. (Hebr. 4, 9). Dann ergänzte er noch: So lasset uns nun Fleiß tun, hineinzukommen zu dieser Ruhe. (Hebr. 4, 10).

In einer letzten großen Schau wurde dem Apostel Johannes nun etwas von der unvergleichlichen Herrlichkeit des Himmels gezeigt: Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet wie eine geschmückte Braut ihrem Mann. Der Luthertext von 1912 beginnt hier mit: Und ich Johannes sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren ... . Damit wird noch ausdrücklich bezeugt, daß Johannes selbst diese heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabfahren sah. Dieser überwältigende Anblick war für ihn wohl ebenso erhaben wie auch überraschend.

So herrlich wird das neue Jerusalem sein, daß Johannes diese heilige Stadt zuerst einmal mit einer Braut an ihrem "schönsten Tag", am Hochzeitstag, verglich. Allerdings ist dabei aber auch wiederum auf das Wörtchen "wie" zu achten, das immer nur auf einen unzulänglichen Vergleich hinweist, mangels einer passenderen Beschreibung. Der Seher konnte keine geeigneteren Worte finden, um diese herrliche Stadt in ihrer einmaligen Schönheit zu beschreiben. Es ist wohl unmöglich, himmlische Dinge mit unserem Wortschatz in allen Einzelheiten wiederzugeben.

Ab Kapitel 19 begegneten wir zusammen neunmal dem Ausdruck: "und ich sah" (Offb. 19, 11 + 17 + 19; 20, 1 +4 + 11 + 12; 21, 1 + 2), der erneut auf eine streng chronologische Reihenfolge hinweist. Für alle diejenigen, die vielleicht meinen, daß wir schon längst im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi leben, ist es wichtig, diese Reihenfolge zu beachten: Was hier jetzt gezeigt wird, ist zunächst die Wiederkunft des Herrn in Herrlichkeit, dann erst beginnt das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi, anschließend folgt das letzte Gericht vor dem großen weißen Thron und zum Schluß der ewige Zustand, der sodann beschrieben wird.

Allerdings erfahren wir über diesen ewigen Zustand gegenwärtig nur ganz wenig, wahrscheinlich deshalb, weil wir uns jetzt doch noch nichts Genaues unter dieser neuen Schöpfung vorstellen können. Es gibt deshalb wohl auch nur einige Verse, die ein wenig Licht darauf werfen. So ist in 1. Kor. 15, 24 und 28 zu lesen, daß Jesus Christus das Reich einst Gott dem Vater übergeben wird, und in 2. Petr. 3, 13 ist die Rede von neuen Himmeln und einer neuen Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt. Das sind einige Hinweise auf die neue Schöpfung, zu den hier gegebenen.

Dazu muß man auch erkennen, der Name Jerusalem bleibt ewiglich bestehen. Es war und ist die Hauptstadt Gottes und des Volkes Gottes. Jeder Versuch der Ara-ber, diese Stadt weiterhin "El Kuds = die Heilige" zu nennen, ist in Zukunft zum Scheitern verurteilt. Es kann daher auch keine Hauptstadt eines Staates Palästina werden. Der Heiden Zeit ist erfüllt (Luk. 21, 24), da die Juden in Jerusalem sind.

Der Apostel Paulus beschrieb zudem noch den geistlichen Zusammenhang: Diese Worte bedeuten etwas. Denn das sind zwei Testamente: eins von dem Berg Sinai, das zur Knechtschaft gebiert, welches ist die Hagar; denn Hagar heißt in Arabien der Berg Sinai und ist ein Gleichnis für das Jerusalem dieser Zeit, das dienstbar ist mit seinen Kindern. Aber das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; die ist unsre Mutter. (Gal. 4, 24-26). Das irdische Jerusalem diente damals dem Gesetz.

Die Anfänge Jerusalems gehen auf Melchisedek zurück. Von ihm sagt die Bibel: Dieser Melchisedek aber war ein König von Salem, ein Priester Gottes, des Allerhöchsten; der ging Abraham entgegen, da er von der Könige Schlacht wiederkam, und segnete ihn; ihm gab Abraham auch den Zehnten aller Güter. Aufs erste wird sein Name verdolmetscht: König der Gerechtigkeit; danach aber heißt er auch: König von Salem, das ist: König des Friedens. (Hebr. 7, 1-2). Salem ist eine Abkürzung des Namens Jerusalem, der Stadt oder Gründung des Friedens (1. Mose 14, 18; Psalm 76, 2). Das hebräische Wort: mwlv = Schalom = Friede, der allgemeine Gruß in Israel, steht in einem direkten Zusammenhang mit diesem Namen.

Jerusalem sollte eine Stadt des Friedens sein, doch im Laufe der Geschichte war keine Stadt jemals so umkämpft wie diese. Das war schon etwa 2000 v. Chr. so; nicht anders wird es sein etwa 2000 n. Chr., denn auch alle noch bevorstehenden Weltkriege haben nur Jerusalem zum Ziel. Das ist offensichtlich bei dem Dritten Weltkrieg der Fall, den Posaunengerichten (Offb. 8, 2 - 11, 19), ebenfalls bei der Schlacht von Harmagedon, dem Vierten Weltkrieg (Offb. 16, 1 - 19, 21). Als der Fünfte Weltkrieg wird dann der letzte Kampf bezeichnet (Offb. 20, 7-10), der erneut gegen die geliebte Stadt gerichtet ist. Das wird sogar in tausend Jahren sein.

Demnach wird sich die Menschheit bis dahin also keinesfalls ändern. Von alters her hieß es schon: Als aber der Herr sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen. (1. Mose 6, 5-6). Das war schon vor der Sintflut so, daher wurde damals auch nur Noah und seine Familie gerettet, gerade acht Menschen.

Der Apostel Johannes setzte sodann sein Zeugnis fort: Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Es ist der Herr selbst, der vom Thron aus zu Johannes sprach. Anfänglich war die Wohnung Gottes bei den Menschen in der Stiftshütte vorgeschattet, da-nach im ersten Tempel in Jerusalem. Gott wohnte schon inmitten seines Volkes.

Im neuen Jerusalem wird das dann sichtbar wieder so sein: Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott, wird mit ihnen sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. In einigen Übersetzungen steht "Völker", aber so steht das nicht im Textus receptus, dem griechische Text des Neuen Testamentes, der ursprünglich als Übersetzungsvorlage herangezogen wurde. Für Gottes Volk lautet das besondere Wort: laoV = laos = Volk. So heißt es infolgedessen in fast allen Minuskeln (= mit Kleinbuchstaben) und antiken Übersetzungen und ebenso bei vielen Kirchenvätern, nicht: laoi = laoi (Mehrzahl) und nicht: eJnh = ethné im Sinne von Nationen. Man vergleiche dazu das parallele hebräische: me = "AM" oder Am = "Volk" in Jes. 42, 5, für das in der Septuaginta = LXX: laoV = laos, dann in der Elbf.: "Volk" steht. Damit wird allemal das Volk Gottes bezeichnet.

Jesus hatte zuvor in seinen Abschiedsreden zu seinen Jüngern gesagt: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, würde ich dann zu euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? - Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. (Joh. 14, 1-3). Kurz darauf hatte Jesus in seinem hohenpriesterlichen Gebet geäußert: Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward. (Joh. 17, 24). Das war das einzige Mal, daß Jesus dem Vater gegenüber seinen Willen kundtat.

Diese Herrlichkeit hatte der Apostel Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus gegenüber so beschrieben: Ich gebiete dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Christus Jesus, der unter Pontius Pilatus bezeugt hat das gute Bekenntnis, daß du haltest das Gebot unbefleckt, untadelig, bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesus Christus, welche uns wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann, welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. Dem sei Ehre und ewiges Reich! Amen. (1. Tim. 6, 13-16). ... so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. (1. Kor. 15, 49).

Johannes hörte in Vers 4 noch einmal die höchst trostvolle Verheißung, die man schon in Kapitel 7 (Offb. 7, 17) vernehmen konnte: ... und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Jetzt fügte er jedoch noch hinzu: ... und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Der Prophet Jesaja versuchte schon, dieses Unbeschreibliche zu beschreiben: Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat's gesagt. (Jes. 25, 8).

Einstmals hatte schon David ausgerufen: ... sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie. (Psalm 56, 9). Wörtlich: ... fasse meine Tränen in deinen Krug; sind sie (d. h. stehen sie) nicht in deinem Buch? Später heißt es in den Stufenliedern: Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. (Psalm 126, 5). Das sind keine Träumereien, sondern gewaltige Realitäten! Wenn man oft durch Leid und Not geht, dann soll man sich daran erinnern, daß Gott selbst einmal alle Tränen abwischen wird. Die Tränen werden von Gott gesehen und sogar gezählt.

Dieses schöne Bild erinnert an die Mutter, die dem traurigen Kind die Tränen abwischt. Man könnte hier beinahe von einem "mütterlichen" Zug der Liebe Gottes sprechen (vgl. Luk. 13, 34). Das heißt natürlich nicht wörtlich, daß Gläubige mit Tränen im Gesicht in die Ewigkeit eingehen, sondern eher, daß für sie das Glück der Ewigkeit allem Schmerz ein Ende bereiten wird. Kein Gedanke mehr daran!

Wenn man die ganze Weltgeschichte in fünf Worten zusammenfassen müßte, so könnte man doch gewiß kaum treffendere Worte finden als die fünf, die hier genannt werden: ... Tränen ... Tod ... Leid ... Geschrei ... Schmerz ... . Das sind seit dem ersten Sündenfall im Garten Eden die deutlichsten Kennzeichen der gegenwärtigen Welt, und das wird sich nun bis zum Kommen Jesu in großer Kraft und Herrlichkeit auch nicht ändern. Sogar danach, im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi, kann längst nicht alles eitle Freude sein. Solange der Tod, der letzte Feind, nicht endgültig verschwunden ist, wird es immer wieder Trauer geben. Es muß also noch einiges geschehen, bis das in jeder Hinsicht dann Friede einkehrt.

Nun heißt es: ... und der Tod wird nicht mehr sein. Der Tod ist eine Person, der grausame Würgengel. Der Apostel Paulus schrieb über Jesus: Denn er muß herrschen, bis daß er "alle Feinde unter seine Füße lege" (Psalm 110, 1). Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. (1. Kor. 15, 25-26). Beim Weltgericht im vorigen Kapitel wurde das gesagt: Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl. (Offb. 20, 14). - Der Tod mit all seinen Schrecken wird nun für immer beseitigt sein. Darum muß alles Leid und Geschrei, aller Schmerz, ebenfalls aufhören. Jetzt erst ist das alles vergangen. Von da an wird es in alle Ewigkeit nun auch wirklich nicht mehr den geringsten Anlaß geben zu irgendeiner Betrübnis. Auf der neuen Erde wird dann, wie schon zuvor im Himmel, allezeit Friede und Freude alle Menschen erfüllen.

Nun ist jeder Wunsch erfüllt,
Unser Sehnen ganz gestillt.

In dieser neuen Schöpfung werden allerdings Menschen leben, die nicht aus dem "Stand der Unschuld" stammen, wie einst Adam, sondern solche, die vorher alles Elend als Folge der Sünde durchlebt und durchlitten haben. Sie haben das jedoch alles überwunden und sind daher nun in der Lage, alles zu genießen, was Gott für sie bereitet hat. Endlich wird die Welt mit den Gedanken Gottes übereinstimmen.

Sodann hörte Johannes diese eindrucksvollen Worte: Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! Gerade deswegen kann man auch nicht mehr darüber sagen. Wie man sich kaum einen neuen Körper, den Auferstehungsleib, vorstellen kann, so wenig ist auch die neue Schöpfung mit menschlichen Worten zu beschreiben. Der auf dem Thron saß, fügte deshalb zur Bestätigung hinzu: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! Das genügt, keine weiteren Einzelheiten.

Schon mehrmals zuvor erhielt Johannes den ausdrücklichen Auftrag: schreibe, zuletzt in Offb. 14, 13 und Offb. 19, 9. Hier in diesem Vers kann es sich ferner beim Wechsel der Verbtempora (= Zeitformen des Tätigkeitswortes), nämlich "sprach" bzw. "spricht", möglicherweise einfach um eine stilistische Variation (= Abwandlung) handeln; in allen drei Fällen ist es dann Gott, der spricht. In Kapitel 1 (Offb. 1, 19) war es auf jeden Fall der erhöhte Herr, Jesus Christus, der den Auftrag zum Schreiben erteilte. Insgesamt erging nun zum vierten Male eine solche Verfügung.

Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Mit dem Wort "siehe" wird in der Bibel immer ein besonderes Augenmerk genau darauf gelenkt, daß die nachfolgende Aussage keinen Zweifel zuläßt. Jetzt spricht Gott selbst ein solches weltbewegendes Wort. Auf diese Weise kommt nun das ganze Erlösungs- und Versöhnungswerk in universalen Ausmaßen zum Abschluß. Im Blick auf das innere Leben konnte der Gläubige schon im voraus mit Freuden bezeugen: Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor. 5, 17, rev. Elbf.). Früher wurde meistens übersetzt: Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden! (Luther, Schlachter, ähnlich Elbf. u.a.).

Siehe, ich mache alles neu! Kein Mensch kann das, weder ein gottloser noch ein frommer. Gott ist es, der das macht. Es ist das erste Wort in der Offenbarung, das Gott selbst spricht. Es ist Schöpferwort, das zugleich Tat ist (vgl. 1. Mose 1, 3 ff.).

Der Apostel Johannes bestätigte erneut: Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Gott selbst ist die Garantie, daß sich alles nach seinem heiligen Plan ereignen und erfüllen wird. Im prophetischen Perfekt sprach er dann zu Johannes: Es ist geschehen. So hieß es schon in Kapitel 16 (Offb. 16, 17), aber dort bezog es sich auf den endgeschichtlichen Abschluß unseres Zeitalters. Dieser derzeitige Ausspruch Gottes weist hingegen auf die Endvollendung seiner Wege hin. Das ist dadurch möglich geworden, weil der Sohn Gottes, der am Kreuz gestorben ist, ausrief: Es ist vollbracht! (Joh. 19, 30).

Das A und das O sind der erste und letzte Buchstabe im griechischen Alphabet, A = alja = alpha und W = wmega = omega. Es geht hier um den ewigen Gott - eine Ewigkeit, die nicht nur charakteristisch ist für Gott, sondern auch für Jesus selbst, was sich aus Kapitel 1 ergibt: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. (Offb. 1, 8). Im Luthertext von 1912 steht dort abermals: Die sprach: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte. (Offb. 1, 11). Das sagte Jesus allerdings auch zugleich von sich: Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. (Offb. 1, 17-18). Beide, der Vater und der Sohn, sind ewig.

Johannes bezeugte dann noch, daß er auch dieses vernommen hatte: Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Dort in der Ewigkeit spricht Gott allerdings keine Aufforderung mehr aus, zu ihm zu kommen, um den Durst zu stillen. Diese Zeit wird dann für immer vorbei sein; sie ist jetzt hier auf Erden. Er wirkte in den Seelen den Durst und das Verlangen nach ewigem Leben. Jesus hatte der Samariterin erklärt: ... das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. (Joh. 4, 14). Solange sie aber auf Erden waren, wurde dieses Begehren nach ewiger Gemeinschaft mit Gott nicht völlig gestillt. Die Verheißung ist eingefügt, gewiß um noch zu zeigen, wie man daran Anteil erhalten kann.

Deshalb heißt es jetzt: Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Im Sendschreiben an die Gemeinde zu Philadelphia in Kapitel 3 wurde zudem bereits angekündigt: Wer überwindet, ... und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neu-en Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott. (Offb. 3, 12). Dieser Ruf richtete sich jedoch an alle Gläubigen im Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi. In allen Sendschreiben hieß es: Wer überwindet.

Der Apostel Paulus schrieb in seinem zweiten Brief an die Gemeinde zu Korinth: ... wie denn Gott spricht (3. Mose 26, 11-12): "Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein." Darum "... so will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein", spricht der allmächtige Herr (Jes. 52, 11; Jer. 31, 9). (2. Kor. 6, 16-18). In seinem Brief an die Römer bestätigte er außerdem: Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn anders wir mit leiden, auf daß wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. (Röm. 8, 17). Das wird dann eingetreten sein, wenn das himmlische Erbe ausgeteilt wird. Der Titel "Sohn Gottes" ist darüber hinaus in der Offenbarung umso auffälliger, wenn man bedenkt, daß dies ein üblicher Titel der römischen Kaiser zur damaligen Zeit war.

Nochmals sei festgehalten: In der heiligen Stadt, im neuen Jerusalem, werden nur Menschen sein, die sich bereits hier in diesem Leben durch das Blut des Lammes reinigen und heiligen ließen. Deshalb wird an dieser Stelle noch einmal bestätigt: Der feigen Verleugner aber und der Ungläubigen und Frevler und Totschläger und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod. Unter den Korinthern gab es schon ähnliche Sünder, wie der Apostel Paulus feststellte: Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten werden das Reich Gottes nicht ererben? Lasset euch nicht irreführen! Weder die Unzüchtigen noch die Götzendiener noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder noch die Diebe noch die Geizigen noch die Trunkenbolde noch die Lästerer noch die Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind euer etliche gewesen. Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unsers Gottes. (1. Kor. 6, 9-11). Heute ist jedoch noch Gnadenzeit, wie Paulus später den Korinthern schrieb: Siehe, jetzt ist die angenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2. Kor. 6, 2).

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder als Überwinder dereinst teilzuhaben an der ewigen Herrlichkeit Gottes, oder als feiger Verleugner in dem ewigen Gericht, dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt, dauernd gepeinigt zu werden. Es gibt keine dritte Möglichkeit: Wer den Segen nicht ererben will, der landet in dem feurigen Pfuhl. Daraus gibt es dann keine Rettung mehr, die jetzt noch möglich ist.

Nun heißt es: ... das ist der zweite Tod. Der zweite Tod wurde schon eingehend in dem vorigen Kapitel besprochen (Offb. 20, 14). Zum jetzigen Zeitpunkt findet jedoch kein Gericht mehr statt, da das Weltgericht am Jüngsten Tage zum Abschluß des Weltzeitalters abgehalten wurde. Das wird allerdings noch einmal wiederholt, um an dieser Stelle erneut die große Bedeutung der Entscheidung hervorzuheben.

Der Apostel Johannes setzte dann sein Zeugnis fort, indem er jetzt dies beschrieb:

Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten voll der letzten sieben Plagen, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir das Weib zeigen, die Braut des Lammes. Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederfahren aus dem Himmel von Gott, die hatte die Herrlichkeit Gottes. Und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall. Und sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben, nämlich der zwölf Geschlechter der Kinder Israel: von Morgen drei Tore, von Mitternacht drei Tore, von Mittag drei Tore, von Abend drei Tore. Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. (Offb. 21, 9-14).

Nun werden wir in Gedanken nach Kapitel 17 zurückgeführt. Der Seher Johannes bezeugte dort so ähnlich: Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir zeigen das Gericht über die große Hure, die an vielen Wassern sitzt. (Offb. 17, 1) Es handelt sich dabei um einen von den: ... sieben Engel, die hatten die letzten sieben Plagen, denn mit denselben ist vollendet der Zorn Gottes. (Offb. 15, 1). Das war also einer von den sieben Engeln, der damals dem Seher zuerst die große Hure und dann ebenso eine Stadt zeigte, die große Stadt Babylon. In gleicher Weise bekommt nun dieser Johannes die mit der Herrlichkeit Gottes geschmückte Braut des Lammes und zur selben Zeit eine Stadt zu sehen, die heilige Stadt Jerusalem. Darin kann man eine augenscheinliche Parallele erkennen. Dort war es die große Hure, die in irdischer Herrlichkeit, in Purpur und Scharlach gekleidet ist. Um sie zu sehen, wurde Johannes im Geiste in die Wüste gebracht. Einer von den sieben Engeln führte ihn allerdings auch dieses Mal, aber jetzt im Geiste auf einen großen und hohen Berg. Dadurch wurde es dem Apostel dann ermöglicht, die Braut des Lammes zu schauen.

Der eigentliche Gegensatz ist in der Offenbarung deutlich zu erkennen: Babylon steht gegen Jerusalem. Höchst bemerkenswert ist dann, daß der Name Jerusalem alle Gerichtskatastrophen überlebt, während Himmel und Erde vergehen. Das erinnert aber ebenfalls an das Wort des Herrn: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. (Matth. 24, 35, jedoch ebenso mit fast gleicher Satzstellung in Mark. 13, 31 und Luk. 21, 33). So wie seine Worte nicht vergehen werden, wird diese Stadt des großen Königs ewiglich bestehen bleiben.

Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederfahren aus dem Himmel von Gott. - Daran kann man wohl auch ersehen, daß es auf der neuen Erde wiederum Berge geben wird, wahrscheinlich sogar sehr hohe. Möglicherweise werden es viel hö-here sein, als wir heute kennen. Wie wir bald feststellen werden, würde sich der höchste Berg dieser Erde, der Mount Everest mit 8848 m Höhe, überhaupt nicht eignen, um die heilige Stadt von oben her zu betrachten. Ein Vergleich wäre geradezu unmöglich: ein riesiger Berg steht einem kleinen Sandhaufen gegenüber!

Es erinnert jedoch auch daran, daß Mose einst von einem Berge aus das heilige Land gezeigt bekam. Und der Herr zeigte ihm das ganze Land. ... Und der Herr sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. (5. Mose 34, 1 +4). Da bekam nun Johannes, gleichfalls von einem Berge aus, die heilige Stadt gezeigt.

Der Prophet Hesekiel hatte auch von einem Berge aus das zukünftige Jerusalem und den vierten Tempel, der erst im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi erbaut werden wird, vom Herrn gezeigt bekommen. Er berichtete seinerzeit: - in göttlichen Gesichten führte er mich ins Land Israel und stellte mich auf einen sehr hohen Berg; darauf war etwas wie der Bau einer Stadt gegen Süden. (Hes. 40, 2).

In seinen Visionen befand sich Johannes, jedenfalls soweit er das mitteilte, nacheinander an zumindest drei verschiedenen Orten: zuerst in Kapitel 4 (Offb. 4, 1) stieg er in den Himmel auf, später in Kapitel 17 (Offb. 17, 3) wurde er sodann in eine Wüste geführt und zuletzt befand er sich überdies noch im Geiste auf einem großen und hohen Berge, um von dieser erhöhten Warte aus das Weib, die Braut des Lammes, zu betrachten. Es war immer eine erhabene Stellung für Johannes!

In Vers 9 wurde angekündigt, daß Johannes das Weib sehen wird, die Braut des Lammes, und was er dann sieht, ist das neue Jerusalem. Daß die Stadt gleichbedeutend mit der Braut ist, wird von Vers 2 gestützt und durch die Tatsache, daß deren Gegenteil, das große Babylon, ebenfalls ein Weib ist, die große Hure. Die Stadt ist der Wohnort der himmlischen Heiligen, die an der ersten Auferstehung teilgenommen hatten. Es sind demzufolge alle Heiligen aller Zeiten, also gleichzeitig die des Alten und des Neuen Testamentes, ohne irgendeinen Unterschied.

Das neue Jerusalem ist zudem auch noch in alle Ewigkeit die Wohnstätte für die Heiligen aller Zeiten und erfüllt gerade dadurch die Hoffnung Abrahams auf die himmlische Stadt: Durch den Glauben ist er ein Gast gewesen in dem verheiße-
nen Lande wie in einem fremden und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung; denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. (Hebr. 11, 9-10). Das ist ge-wiß die Erfüllung der sehnsüchtigen Hoffnung, die alle Gläubigen in sich hegen.

Die heilige Stadt Jerusalem, ... die hatte die Herrlichkeit Gottes. Das ist es ja gerade, was dieser Stadt ihr besonderes Gepräge gibt. Das ist ein gewaltiger Gegensatz zu damals, als dem Volke Israel die Bundeslade weggenommen worden war. Die Schwiegertochter des Priesters Eli gebar daraufhin einen Sohn: Und sie nannte den Knaben Ikabod, das ist "Die Herrlichkeit ist hinweg aus Israel!". (1. Sam. 4, 21). Der Luthertext von 1912 lautet: Und sie hieß den Knaben Ikabod und sprach: Die Herrlichkeit ist dahin von Israel! Die Herrlichkeit war dahin, jetzt ist sie da!

Dann heißt es: Und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall. Der Jaspis ist bekanntlich ein undurchsichtiger Edelstein. Viele Ausleger sind deshalb der Meinung, daß es nichts anderes sein könne als ein Diamant. Jedenfalls seinen Eigenschaften gemäß würde die Stadt gewiß mehr einem Diamanten als einem Jaspis ähneln, so wie wir ihn heute im allgemeinen kennen.

Es werden nun noch weitere Einzelheiten genannt: Und sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben, nämlich der zwölf Geschlechter der Kinder Israel: von Morgen drei Tore, von Mitternacht drei Tore, von Mittag drei Tore, von Abend drei Tore. Aus dieser Beschreibung geht eindeutig hervor, daß die Stadt einen quadratischen Grundriß haben wird. Die angegebenen vier Himmelsrichtungen, die wie-der Osten, Norden, Süden und Westen bezeichnen, machen zudem auch deutlich, daß die Erde wie heute sphärisch (= rund, gewölbt) sein wird. Tore in einer Stadtmauer weisen außerdem darauf hin, daß man die Stadt von außen betreten kann.

So kann man auch mehrere Gemeinsamkeiten mit der heiligen Stadt im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi erkennen, allerdings wird diese wohl deutlich kleiner sein. Der Prophet Hesekiel schrieb: Und dies sollen die Ausgänge der Stadt sein: an der Nordseite mit ihren viertausendfünfhundert Ellen drei Tore: das erste Tor Ruben, das zweite Juda, das dritte Levi; denn die Tore der Stadt sollen nach den Namen der Stämme Israels genannt werden. So auch an der Ostseite mit ihren viertausendfünfhundert Ellen drei Tore: nämlich das erste Tor Joseph, das zweite Benjamin, das dritte Dan. An der Südseite mit ihren viertausendfünfhundert Ellen auch drei Tore: das erste Tor Simeon, das zweite Isaschar, das dritte Sebulon. So auch an der Westseite mit ihren viertausendfünfhundert Ellen drei Tore: das erste Tor Gad, das zweite Asser, das dritte Naphthali. So soll der ganze Umfang achtzehntausend Ellen sein. Und alsdann soll die Stadt genannt werden "Hier ist der Herr". (Hes. 48, 30-35). Die Anzahl der Tore und deren Namen stimmen überein.

In vielen Städten wurden die Tore nach den Orten (oder Nachbarstädten) benannt, zu denen sie führten, und das ist auch in obiger Beschreibung bildlich der Fall. Es erinnert andererseits an die Wüstenwanderung des Volkes Israel; denn zu der Zeit waren in alle Himmelsrichtungen je drei Stämme aufgestellt, mit der Stiftshütte in der Mitte. Die Kinder Israel sollen um die Stiftshütte her sich lagern, ein jeder bei seinem Banner und Zeichen, nach ihren Sippen. (4. Mose 2, 2). In der Lutherbibel erklärt ist dazu vermerkt: Bileam hat diese bewegliche Lagerstadt Gottes gesehen und sie gelobt (24, 5; vgl. die neue Ordnung des himmlichen Jerusalem Offb 21).

Die Engel stehen allenfalls nur als Diener an den Toren; sie sind die Wächter. Sie sind nicht mehr dazu da, das Gesetz zu übermitteln, wie sie das in der Vergangenheit taten (Apg. 7, 53; Gal. 3, 19). Das steht im Hebräer-Brief: Denn nicht den Engeln hat er untertan gemacht die zukünftige Welt, von der wir reden. (Hebr. 2, 5).

Johannes ergänzte noch: Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. Paulus schrieb in seinem Brief an die Heiligen zu Ephesus: ... erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist. (Eph. 2, 20). Die heilige Stadt, das neue Jerusalem, entspricht dem geistlichen Tempel, von dem Paulus hier schrieb.

Die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes sind wohl hinreichend bekannt: Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: der erste Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, des Zebedäus Sohn, und Johannes, sein Bruder; Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, des Alphäus Sohn, Lebbäus, mit dem Zunamen Thaddäus; Simon von Kana und Judas Ischariot, welcher ihn verriet. (Matth. 10, 2-4 - Luthertext von 1912). Allerdings ohne Judas Ischariot, welcher ihn (Jesus) verriet. An seiner Stelle wurde der Apostel Paulus von Jesus selbst berufen (Apg. 9, 17). Die vorausgegangene Wahl des Matthias war wohl etwas voreilig und entsprach deshalb nicht dem Willen Gottes.

Daraus ersieht man zugleich aber auch, daß es nur insgesamt zwölf Apostel gibt, die alle zwölf von dem Lamme Gottes, von Jesus Christus, berufen worden sind. Das allein widerlegt schon die Irrlehre der Neuapostolischen Kirche, die vorgibt, noch heute in der Tradition der Apostel zu stehen, daher Apostel hat und ernennt.

Die Beschreibung der heiligen Stadt setzte der Apostel Johannes fort und erklärte:

Und der mit mir redete, hatte einen Meßstab, ein goldnes Rohr, daß er die Stadt messen sollte und ihre Tore und Mauer. Und die Stadt liegt viereckig, und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr auf zwölftausend Feld Wegs. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. Und er maß ihre Mauer hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das der Engel gebrauchte. Und ihre Mauer war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Golde, gleich dem reinen Glase. Und die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelgestein. Der erste Grundstein war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalcedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, und ein jegliches Tor war von einer einzigen Perle, und die Gassen der Stadt waren lauteres Gold wie durchscheinendes Glas. Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen. Und ihre Tore werden nicht verschlossen des Tages; denn da wird keine Nacht sein. Und man wird die Pracht und die Herrlichkeit der Völker in sie bringen. Und wird nicht hineingehen irgendein Unreines und nicht, der da Greuel tut und Lüge, sondern allein, die geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes. (Offb. 21, 15-27).

Nachdem Johannes von der beeindruckenden Stadt mit ihrer Mauer und anderen Eigenschaften erfahren hatte, fuhr der Engel fort, ihm die Größe der Stadt anzuzeigen. Es handelt sich untrüglich um eine wirkliche Stadt, denn so wird sie wenigstens elfmal bezeichnet. Sie ist daher keineswegs eine "Stadt der Träume", so etwas wie eine "Fata Morgana", eine Luftspiegelung in der Wüste. In Kapitel 11 (Offb. 11, 1) wurde dem Johannes ein Rohr gegeben, einem Meßstab gleich. Der Engel gab ihm dabei den ausdrücklichen Auftrag, den Tempel Gottes zu messen.

Der Prophet Hesekiel sah damals nur eine Meßrute (Hes. 40, 3), mit der man den Tempelbezirk maß. Danach verkündete der Prophet Sacharja, daß gar eine Meßschnur über Jerusalem gespannt werden soll (Sach. 1, 16). Jedoch auch das Rohr, das dem Apostel Johannes gegeben wurde, war ebenfalls kein goldener Maßstab.

Das griechische Wort: tetragonoV = tetragonos in Vers 16 bedeutet jedoch nicht nur "viereckig", sondern auch "würfelförmig"; es wird gebraucht, um damit würfelförmige Felsblöcke und Bausteine zu bezeichnen. Das wird gewiß unwiderleg-bar dadurch bestätigt, daß doch gesagt wurde: Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. Das schließt alle anderen geometrischen Formen aus.

Einen solchen Kubus (= Würfel) können wir uns kaum vorstellen. Das neue Jerusalem ist sehr groß in jeder Richtung. Johannes berichtete: Und er maß die Stadt mit dem Rohr auf zwölftausend Feld Wegs. Wie bereits in Kapitel 14 (Offb. 14, 20) erklärt, handelt es sich dabei um das griechische Stadion, das Luther hier mit Feld Wegs übersetzte. Die Meile, lateinisch: milia passuum, war früher das römische Längenmaß; es entsprach 1000 Doppelschritten oder 8 Stadien. Eine solche Meile war 1480 m lang, demnach ein Stadion 185 m. Damit ergibt sich folgende Rechnung: 12 000 Feld Wegs x 185 Meter = 2 220 000 m oder 2 220 Kilometer.

Das wird meistens so verstanden, daß die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt jeweils 2 220 Kilometer betragen, damit die Kanten dieses würfelförmigen Gebildes alle gleich sind. Wenn man sich nun eine Europakarte zur Hand nimmt, dann erkennt man leichter die Größe dieser einzigen Stadt. Man könnte sich vorstellen, daß tatsächlich die folgenden vier Linien darauf wären. Vielleicht hat jemand mehr Freude daran, einfach mit Lineal und Bleistift vier Striche zu ziehen:

Im Westen von Madrid bis Glasgow in Schottland, im Norden von Glasgow bis südlich der Insel Gotland in der Ostsee, im Osten von der Ostsee bis Taranto in Süditalien (ist am Absatz des Stiefels), dann im Süden von Taranto bis Madrid. - Dabei fällt dem aufmerksamen Beobachter dann vielleicht sogar auch noch auf, daß Luxemburg ziemlich in der Mitte liegt, was jedoch nicht unbeabsichtigt ist.

Nun hat man gewiß erst eine Vorstellung der Grundfläche des neuen Jerusalems. Die heilige Stadt hat jedoch nicht nur diese flächenmäßige Ausdehnung, denn deren Höhe beträgt ebenfalls 2 220 km. Das kann man sich kaum vorstellen, da ein Verkehrsflugzeug nur etwa 10 km hoch fliegt. Wie bereits weiter oben gesagt, ist der Mount Everest der höchste Berg der Erde; aber der ist noch keine 9 km hoch.

Um eine solche Höhe von 2 220 km zu erreichen, müßte man also rund 250 Mal immer wieder einen Mount Everest auf den anderen stellen, und dann wäre man etwa auf der Zinne des neuen Jerusalems, der wahrlich großen und heiligen Stadt.

Jetzt stelle man sich nach ganz menschlicher Art noch ein Straßennetz vor. Angenommen, jede Straße verlaufe in einem Abstand von 1 km, nur schnurgerade von Norden nach Süden und überkreuz von Osten nach Westen. Allein auf der Grundfläche der Stadt hätte man dann 4 440 Straßen zu je 2 220 km Länge. Wenn diese Stadt zudem noch wie eine Hochgarage stockwerkartig angelegt wäre und die einzelnen Stockwerke großzügigerweise ebenfalls 1 km von einander entfernt wären, dann ergäbe das bei den 2 220 Stockwerken zu je 4 440 Straßen die große Anzahl von annähernd 10 Millionen Straßen zu je 2 220 km Länge, demnach ungefähr 22 Milliarden Kilometer. Nun ein Vergleich: Der kleinste Abstand von der Erde zum Mars beträgt 55,5 Millionen km. Andererseits würde das Straßennetz der Stadt jedoch 4 000 Mal länger sein, als diese Entfernung zum nächsten äußeren Planeten.

Es ist sicherlich verständlich, daß dies lediglich menschliche Gedanken sind, die von einer noch unverklärten und somit irdischen Begrenztheit geprägt sind. Deshalb sollte man in diesem Zusammenhang wohl auch bedenken, was der Apostel Paulus geschrieben hat: Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jes. 64, 3): Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben. (1. Kor. 2, 9). In der Ewigkeit wird es viele Dinge geben, die wir uns jetzt nicht vorstellen können.

Und er maß ihre Mauer hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das der Engel gebrauchte. Manche Ausleger nehmen an, daß das eher die Dicke der Mauer ist, andere sind wahrscheinlich überzeugt, daß es dabei um die Höhe geht. Es ist auf jeden Fall ein vollkommenes Maß, 12 x 12 Ellen. Wenn man eine Elle mit knapp 50 cm rechnet, dann sind 144 Ellen ungefähr 70 m. Ein Vergleich mit den riesigen Ausmaßen der Stadt läßt diese große und hohe Mauer sicherlich als ein "Mäuerchen" erscheinen; deshalb kann es eine symbolische Abgrenzung sein.

Wieder andere Ausleger weisen darauf hin, daß im Altertum die Zahlen noch mit Buchstaben geschrieben wurden. Die griechischen Zeichen: R M D, somit R M D, (R = 100, M = 40, D = 4) drückten beides aus, sowohl 144 als auch 144 000. Das ändert jedoch nichts daran, daß selbst 70 km wenig ist gegenüber 2 220 km Höhe.

Interessant ist, daß das Gegenstück der Stadt, das frühere Babylon, auch als viereckig beschrieben wird, und daß Herodot die Maße der Stadt mit Stadien angibt, die der Mauer in Ellen, so wie es auch hier geschieht. Babylon hatte ebenfalls in der Mitte der Stadt eine große Straße. Herodot, der von etwa 490 v. Chr. bis nach 430 v. Chr. lebte, war ein griechischer Geschichtsschreiber, der viele Gebiete bereiste und neun Bücher schrieb. Der Prophet Daniel lebte zu der Zeit in Babylon.

Der Seher setze nun fort mit: Und ihre Mauer war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Golde, gleich dem reinen Glase. Und die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelgestein. Der erste Grundstein war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalcedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Im Luthertext von 1912 beginnt dieser Textabsatz mit: Und der Bau ihrer Mauer war von Jaspis und die Stadt von lauterm Golde gleich dem reinen Glase. Hermann Menge übersetzte ganz genau, so auch Franz Eugen Schlachter: Und der Baustoff ihrer Mauer ... . Somit ist das Mauerwerk wie die Stadt, die zuvor als "klar wie Kristall" beschrieben wurde. Dies entspricht offenbar der Gesamtansicht der Stadt, die auch "aus reinem Golde, gleich dem reinen Glase" besteht. Wer kann sich das vorstellen, Gold, das wie Glas ist?

Um die Farben der Edelsteine zu beschreiben, bezieht man sich meistens auf den römischen Schriftsteller Secundus Plinius, den Älteren (Gaius Plinius Secundus), Historiker (um 23-24.8.79 n. Chr.), der einige davon bedeutungsvoll bezeichnete.

1. Jaspis: Plinius erwähnte mehrere Jaspisarten; die Alten schätzten ihn mit etwas Purpurfarbe am höchsten.
2. Saphir: Plinius und Theophrast sahen in dem blauen Lasurstein, der mit Schwefelkieskörnern oder goldfarbenen Punkten übersät ist, den Saphir.
3. Chalcedon: Plinius nannte eine besondere Art Smaragd, der grünlich schillert, "chalcedonisch", d. h. aus der bithynischen Stadt Chalcedon (jetzt in der Türkei).
4. Smaragd: Plinius erklärte, das Smaragdgrün übertreffe jedes andere Grün in der Natur und biete die angenehmste Augenstärkung.
5. Sardonyx: Nach Plinius war ein solcher Stein im Ring des Polykrates, aber nach Herodot war es ein Smaragd. Ursprünglich war es ein durchscheinender "Karneol" mit fingernagelähnlich weißem und durchscheinendem Glanz überzogen. (vom Griechischen: wnux = onyx = Fingernagel).
6. Sarder: Es ist der von den Alten nach der Stadt "Sardes" benannte und am meisten verwandte Karneol, die gleichmäßig, schön rot gefärbte Chalcedonart. Dieser Edelstein wurde auch schon in Kapitel 4 (Offb. 4, 3) erwähnt und erklärt.
7. Chrysolith: Viele denken wie Plinius an den "Topas", der sich durch seinen schönen Glanz und seine lichtere Färbung von dem dunkleren Gelb des Goldes abhebt, also leicht goldfarben und durchsichtig ist.
8. Beryll: Die Alten verstanden darunter einen durchsichtigen, blassen Edelstein, welchen die Juweliere heute "Aquamarin" nennen, eine Nebenart des Smaragd. - Eine Ableitung von Beryllos ist "Brillant", ein geschliffener Diamant, dem die um 1300 n. Chr. erfundene "Brille" Name und Ursprung verdankt, deren Linse damals aus Beryll geschliffen wurde, bis man Glas ohne Bläschen herstellen konnte.
9. Topas: Die griechischen Schriftsteller Strabon (= "Schieler") aus Amaseia (63 v. Chr. - 19 n. Chr.) und Diodor aus Agyrion, genannt Diodorus Sicilus (um 80 - um 29 v. Chr.), beschrieben ihn als gelb. Sein Fundort ist nach Diodor die im Roten Meer gelegene Insel, deren Topasenreichtum die Könige Ägyptens ausbeuteten. - Sie wird von Plinius oft als Topaseninsel bezeichnet. Er beschrieb den Topas als einen grünen Edelstein, obgleich ihm wohl auch ein rauchgrauer und honiggelber bekannt war. Plinius erklärte außerdem das Wort nach der Sprache der troglodytischen Bewohner der Topaseninsel, wonach "topazin" = "suchen" bedeutet.
10. Chrysopras: Ein durch Nickeloxyd apfelgrün gefärbter Achat, den Plinius für den edleren "Chrysoberyll" hielt.
11. Hyazinth: Ein gelb- bis rotbraun gefärbter "Zirkon". Nach seiner Anmerkung zu 2. Mose 26, 1 kannte Luther den Stein und die gleichnamige Blume jedoch nur als gelb oder goldfarben.
12. Amethyst: Ein purpurfarbener bis violetter, durchsichtiger Quarz. Plinius bevorzugte die indischen Edelsteine dieser Art. Der Name kommt anscheinend von dem Aberglauben her, der Stein würde vor Trunkenheit schützen. So sah man ihn als eine Art Gegenmittel an, von griechisch: meJuw = methuo = berauscht. Daher bedeutet die griechische Bezeichnung: ameJustoV = amethystos = unberauscht.

Obwohl in einigen Fällen die Farbe des Edelsteins nicht ganz sicher ist, ergibt jedoch das allgemeine Bild, das hier gemalt wird, eines in den herrlichsten Farben. Ab dem Sarder könnte man, bei einigem guten Willen, nacheinander alle sieben Farben des Regenbogens erkennen. Das erinnert auch an die Brusttasche des Hohenpriesters, die mit Edelsteinen besetzt war. Es heißt da: Zwölf sollen es sein in Siegelstecherarbeit nach den Namen der Söhne Israels, daß auf jedem ein Name stehe nach den zwölf Stämmen. (2. Mose 28, 21, außerdem noch 2. Mose 39, 14).

Bedenkt man, daß die ganze Stadt ein großer Tempel ist und ihre Bewohner alles Priester, dann ist die Parallele zwischen diesen Grundsteinen und der Brusttasche des Hohenpriesters umso auffälliger. Wenn man dann noch die Steine in der Reihenfolge von Vers 13 (Osten, Norden, Süden, Westen) als Viereck denkt, ist ihre Reihenfolge genau umgekehrt wie die seinerzeit mit diesen Edelsteinen assoziierten Tierkreiszeichen, wie sie nach Philon von Alexandria (etwa 25 v. Chr. - 50 n. Chr.) und Flavius Josephus (37-100 n. Chr.), den jüdischen Geschichtsschreibern, auf den Fahnen der zwölf Stämme Israels abgebildet waren. Man kann sicherlich annehmen, daß Johannes davon wußte und nun bemerkte, daß Gott diese Reihenfolge umkehrte. Die heilige Stadt hat nichts mit der Astrologie seiner Zeit zu tun.

Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817) schrieb dazu: Es würde eine sehr vergebliche Mühe sein, wenn man die zwölf Edelsteine mit den zwölf Aposteln vergleichen, und da physische und charakterliche Ähnlichkeiten ausfindig machen wollte; denn wir wissen von den Aposteln viel zu wenig, als daß bei einer solchen Vergleichung nur einigermaßen erträgliche Wahrscheinlichkeiten herauskommen könnten; wir staunen vielmehr mit tiefer Ehrfurcht unsere himmlische Vaterstadt an, und ringen mit allem Ernst darnach, daß wir dort das Bürgerrecht erlangen mögen ...". Soweit diese Erklärung von Johann Heinrich Jung-Stilling.

Nun ergänzte er die Beschreibung noch weiter: Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, und ein jegliches Tor war von einer einzigen Perle, und die Gassen der Stadt waren lauteres Gold wie durchscheinendes Glas. Unsere Gedanken gehen jetzt vielleicht zu Matth. 13, 46, wo der Herr Jesus die Gemeinde mit einer kostbaren Perle verglich. Wie ein Tor eine Perle sein kann, wird dann aus einer Vorhersage aus dem Talmud deutlich, nach der Gott an den einzelnen Toröffnungen Jerusalems Juwelen und Perlen von 30 x 30 Ellen (= 15 x 15 m) anbringen wird, in die er Öffnungen von zehn Ellen Breite und zwanzig Ellen Höhe (= 5 x 10 m) aushöhlen wird (Bab Bathra 75 a; Sanhedrin 100 a). Das wird sich später zeigen.

Ein jedes der zwölf Tore besteht demnach aus einer großen Perle. Das ist etwas, was selbst die Reichen dieser Welt noch nie gesehen, geschweige denn besessen haben. Ein ziemlich bekanntes Negro spiritual beginnt mit den Worten: Open up them pearly gates ... . Dazu sind die Straßen aus reinem Gold, das sich allerdings von dem irdischen Gold dadurch unterscheidet, daß es durchsichtig ist. So ist es kristallklares Gold, auf dem die Bewohner jener Stadt wandeln werden. Als eine Mutter einmal ihrer kleinen Tochter vor dem Schlafengehen von dieser Stadt erzählte und auf die goldenen Straßen zu sprechen kam, sagte die Kleine plötzlich recht nachdenklich: "Mutti, denkst du nicht auch, daß die Leute, die dann einmal auf diesen goldenen Straßen wandeln werden, sehr reine Füße haben müssen?".

Wie richtig hatte die Kleine doch die Bedeutung dieses Glanzes erfaßt! Das Material, aus dem die Stadt erbaut ist, wie auch die Grundsteine, Tore und Straßen, reflektiert nur die innere Heiligkeit und Reinheit der Bewohner dieser Stadt. Da-rum werden nur die Menschen dort sein, die sich durch Jesu Blut reinigen ließen.

"Straße" (griechisch: plateia = plateia) entweder als Mehrzahl dieser einen Art, d. h. alle Gassen oder als Hauptstraße zu verstehen, in diesem Falle unter Umständen eine breite Straße, die für Städte im Morgenland charakteristisch ist und vom Tor der Stadt zum Palast des Königs führt. Das wäre leicht vorzustellen gewesen, denn die Bildersprache der Bibel (und besonders der Offenbarung) berücksichtigt immer das Umfeld der Ereignisse, demzufolge auch die örtlichen Gegebenheiten.

Der Apostel Johannes bezeugte dann weiter: Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, daß sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Es mag zunächst befremden, daß in dem neuen Jerusalem jetzt kein Tempel als solcher zu sehen ist. In Kapitel 7 (Offb. 7, 15) hieß es doch: Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Diese Schwierigkeit besteht hinterher nicht mehr, wenn man bedenkt, daß die ganze Stadt ein großer Tempel ist. Im Epheser-Brief wird das von Paulus so erklärt: ... auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn; auf welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist. (Eph. 2, 21-22). In deren Mitte wird dann allerdings kein zusätzlicher Tempel mehr sein - kein sichtbares Tempelgebäude, ... denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, und das Lamm.

Da es also in dem neuen Jerusalem gewiß kein sichtbares Tempelgebäude mehr gibt, wird dadurch dann auch die Aussage widerlegt, daß es sich bei diesem Abschnitt der Offenbarung nur um eine weitere Beschreibung des Tausendjährigen Friedensreiches Jesu Christi handeln könnte. Das himmlische Jerusalem ist aber das neue Jerusalem, die heilige Stadt, nicht die erneuerte Stadt hier auf der Erde.

Die Stadt bedarf auch nicht weiter der Sonne und des Mondes, sie zu erleuchten, denn in ihr wohnt die Herrlichkeit Gottes, und das Lamm ist ihre Leuchte. Ob in dem neuen Himmel dann noch Gestirne vorhanden sind, wird nicht ausdrücklich gesagt. Jedenfalls werden Sonne und Mond überflüssig sein, und sie müssen verblassen vor der Herrlichkeit Gottes. Alles erschaffene Licht, das zuvor auf Erden nötig war, ist nicht mehr erfordert, wenn das vollkommene Licht sie erleuchtet.

Dazu dann dieses Gedicht:

Alle Bürger dieses Landes
Leben nur von einem Brot,
Hungrig stets und stets gesättigt,
Trübt ihr Sehnen keine Not;
Fühlen nie der Sattheit Ekel,
Auch die Qual des Hungers nie,
Atmend essen sie beständig,
Und im Essen atmen sie!
...
Und nicht Sonne, Mond und Sterne
Wechseln dorten mehr ihr Licht;
Denn ihr Licht, das nimmer schwindet,
Ist des Lammes Angesicht.

Jetzt heißt es: Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen. Im Luthertext von 1912 und auch im Textus receptus, der Arbeitsgrundlage der Reformatoren, lautet der An-fang dieses Verses allerdings: Und die Heiden, die da selig werden, wandeln in ihrem Licht. Das könnte zu einer Erklärung führen, um welche Völker oder Nationen es sich dabei handelt. Welche Heiden werden da selig, die noch nicht vor-her entrückt worden sind? Die Hinwegnahme der Gläubigen wird jedoch nur ein-mal stattfinden, gewiß vor dem Beginn der Trübsal. Danach wird zwar dann die Auferstehung der Toten noch abgeschlossen, aber lediglich die der selig verstorbenen. Diese werden wieder lebendig, allerdings ebenfalls vor dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi. Die anderen Toten werden dann erst später auferweckt, um gleich darauf vor dem großen, weißen Thron gerichtet zu werden.

Das betrifft jedoch nur die Toten, von den Lebenden wird dort nicht gesprochen. Im Tausendjährigen Friedensreich leben und vermehren sich die Menschen aber wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Die Sterblichkeit ist nun auf ein Minimum reduziert. Der Tod wird nur über die kommen, die da sündigen, weissagte bereits der Prophet Jesaja eindeutig über diese Zeit: Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. (Jes. 65, 20). Demzufolge zählt er zweifellos zu den anderen Toten, die danach vor dem großen, weißen Thron gerichtet werden.

Die Gerechten werden dann allerdings das biblische Alter der Menschen vor der Sintflut erreichen. Manche Ausleger nehmen deshalb an, daß Gott diese Gerech-ten, die sicherlich noch nicht vollendet und verklärt sind, bei der Erneuerung der alten Erde von dieser wegnehmen und auf die neue Erde versetzen wird. Es han-delt sich demnach um eine weitere Entrückung, die diese Menschen in die Nähe des neuen Jerusalems bringen wird. Hier nun werden sie in einem Zustand leben, der dem des Adam vor dem Sündenfall gewiß in jeder Hinsicht gleich sein wird.

Durch das Genießen von Blättern des Baumes des Lebens, der auch im neuen Jerusalem stehen wird (wie demnächst in Kapitel 22 genauer erklärt wird), werden sie wahrscheinlich stufenweise verwandelt und vollendet werden und ziehen alsdann ebenfalls in die heilige Stadt ein. Es scheint, als habe Gott diesen Plan vielmehr auch mit Adam gehabt. Er sollte sicherlich auf dem Wege des Gehorsams, durch das Genießen der Früchte von dem Baum des Lebens, auf diese Weise verwandelt werden und so das ewige Leben erlangen. Deshalb mußte es auch später verhindert werden, daß er nach dem Sündenfall von diesem Baum essen konnte.

Der Schaden der Sünde ist jedoch auf der neuen Erde geheilt und der Erlösungs-plan Gottes für die Menschheit und die alte Welt durch Jesus Christus vollendet.

Was Gott sich vorgenommen und was Er haben will,
Das muß doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel.

Daher wird bekundet: Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen. Nach diesem Text-wort zu urteilen, werden sich die Menschen auf der neuen Erde abermals in Nationen oder Völker aufteilen, und sie werden auch ihre Könige haben. Alle Glie-
der der "nachgelesenen" Nationen sind willige und dankbare Untertanen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die Völker alle im Frieden miteinander leben.

Jesus hat in der Bergpredigt zu seinen Jüngern gesagt: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. (Matth. 5, 14). Die Gläubigen sollten also schon immer das Licht der Welt sein. Jetzt ist das neue Jerusalem, wie eine Stadt auf einem Berge, das Licht, in dem die Völker wandeln. Die Gemeinde Jesu Christi sollte das heute schon sein mit ihrem Wort, Werk und Wesen. Wie oft ist dieses Licht aber kaum zu sehen. Wie die Botschaft, so ist das Licht. Eine schwache Verkündigung kann auch nur schwache Zeugen hervorrufen.

Was alle Völker heute brauchen, das sind nicht Weltverbesserungspläne, sondern das lautere und volle Evangelium. Nur Jesus Christus, der gekreuzigte, auferstandene und wiederkommende Herr, er allein, bewirkt neue Menschen, gesundes Familienleben und blühende Staatswesen. Überall, wo allein das wahre Evangelium verkündigt wird, das Sünder zur Buße ruft und auf das Gericht hinweist, da entstehen menschenwürdige Zustände. Da wird die Frau auf eine höhere Stufe gehoben, die Kinder als eine Gabe Gottes angesehen, da wird im Herzen, in der Familie und in der Umgebung alles neu. Die Erfahrung der letzten Jahre ist eher das Gegenteil.

Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man's salzen? (Matth. 5, 13 - Luthertext von 1912). Das ist der Zustand vieler Gemeinden, mehr Finsternis als Licht. Verdunkelt durch Verführer sind sie statt eine Behausung Gottes im Geiste, religiöse Unterhaltungsstätten. Mögen alle Kinder Gottes ihre vom Herrn ausgeteilte Gabe recht erkennen und diese in unserer Zeit von ganzem Herzen einzusetzen suchen!

Und ihre Tore werden nicht verschlossen des Tages; denn da wird keine Nacht sein. Und man wird die Pracht und die Herrlichkeit der Völker in sie bringen. Die Völker werden Herrlichkeit und Ehre (Luthertext von 1912) besitzen, die sie zur gegebenen Zeit in die heilige Stadt bringen werden. Der Zutritt wird allezeit frei sein; die Tore zu dem neuen Jerusalem werden immer geöffnet sein. So war das schon vorgesehen in dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi: Deine Tore sollen stets offen stehen und weder Tag noch Nacht zugeschlossen werden, daß der Reichtum der Völker zu dir gebracht und ihre Könige herzugeführt wer-den. (Jes. 60, 11). Im neuen Jerusalem wird es dagegen keine Nacht mehr geben.

Bei dem Vater des Lichtes ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichtes und der Finsternis (Jak. 1, 17). Somit wird es in der Ewigkeit möglicherweise keinen Wechsel der Zeit, kein Gehetze der Zeit von Tag und Nacht mehr geben, demzufolge wahrscheinlich überhaupt keine Zeit mehr, keine Jahre, keine Jahrtausende.

Johannes betont noch einmal: Und wird nicht hineingehen irgendein Unreines und nicht, der da Greuel tut und Lüge, sondern allein, die geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes. Wie bereits mehrfach erklärt, erfolgt die Eintragung in dieses Buch bei der geistlichen Wiedergeburt. Dies wurde zuerst in dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Sardes erwähnt und demzufolge in Kapitel 3 (Offb. 3, 5) schon eingehend betrachtet. Da nur die in die heilige Stadt eingehen werden, die in dem Lebensbuch des Lammes geschrieben sind, kann man gewiß annehmen, daß es auf der neuen Erde keine anderen Menschen mehr geben wird.

Das neue Jerusalem müßte sonst Tag und Nacht auf das schärfste bewacht wer-
den, damit sich nicht "irgendein Unreines" dort hineinschleichen könnte. Dabei sollte man auch noch beachten, daß in dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi die Menschen wieder so alt werden wie vor der Sintflut. Andererseits ist für diese Zeit auch geweissagt: ... und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. (Jes. 65, 20). Die Ungläubigen scheinen also sehr früh zu sterben.
 

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