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Kapitel 20

Der Apostel Johannes setzte dann sein einzigartiges Zeugnis fort mit den Worten:

Und ich sah einen Engel vom Himmel fahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und Satan, und band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und verschloß ihn und tat ein Siegel oben darauf, daß er nicht mehr verführen sollte die Völker, bis daß vollendet würden die tausend Jahre. Danach muß er los werden eine kleine Zeit. (Offb. 20, 1-3).

Dieses Geschehen folgt chronologisch (= zeitlich) auf die Ereignisse von Offb. 19, 19-21. Dort fand das Gericht über die Könige auf Erden und ihre Heere statt, dann wurde das Tier und der falsche Prophet in den feurigen Pfuhl geworfen. In Kapitel 16 (Offb. 16, 13-16) wurden diese Könige der ganzen Welt nach Harmagedon versammelt durch die Teufelsgeister, die von dem Drachen, sowie dem Tier und dem falschen Propheten ausgingen. Nun folgt hier sodann das (vorläufige) Gericht über den Drachen. Daraus ergibt sich zweifellos, daß auch dieser Abschnitt direkt nach der Wiederkunft Jesu Christi stattfindet, bei der alle Feinde ausgeschaltet werden.

Bei diesem Engel scheint es sich wiederum um einen "starken" Engel zu handeln, den Johannes vom Himmel fahren sah, siehe Kapitel 18 (Offb. 18, 21). In Kapitel 12 (Offb. 12, 7-9) wurde der Drache auf die Erde geworfen, deshalb muß jetzt ein Engel aus dem Himmel herunterkommen, um ihn zu ergreifen. Es ist eine Gestalt wie Michael, möglicherweise ist er es sogar selbst. Vielleicht ist dabei dann ebenfalls noch eine gewisse "Kampferfahrung" erfordert, über die er ja bereits verfügt.

In Kapitel 12 wurde darüber so berichtet: Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten wider den Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel und siegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward gestürzt der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. (Offb. 12, 7-9). Judas, einer der leiblichen Brüder des Herrn Jesus, wußte von einem weiteren Streit dieser beiden verfeindeten Engel, der ebenfalls im Himmel ausgetragen wurde: Michael aber, der Erzengel, als er mit dem Teufel stritt und mit ihm rechtete über den Leichnam des Mose, hat nicht gewagt, gegen ihn ein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich! (Judas 9). Nun wird das Strafgericht über den Teufel vollstreckt.

Wie auch bereits zuvor erwähnt wurde, ist in der Bibel eine Verwerfung Satans in fünf Stufen zu erkennen. Die erste erfolgte unmittelbar nach seinem Fall (Jes. 14, 9-15; Hes. 28, 11-19), die zweite zwischen dem Tode auf Golgatha und der Auferstehung Jesu Christi (Kol. 2,15; Eph. 4, 8-9). Die dritte ist zu Beginn der Trübsalszeit zu erwarten (Offb. 12, 7-9), die vierte am Anfang und die fünfte am Ende des Tausendjährigen Friedensreiches (vorliegender Text und schließlich Offb. 20, 10).

Dieser Engel hier ... hatte den Schlüssel zum Abgrund. In Kapitel 9, beim Gericht der fünften Posaune, wurde einem besonderen Engel dieser Schlüssel gegeben, da der Seher dort feststellte: Und der fünfte Engel posaunte; und ich sah einen Stern, gefallen vom Himmel auf die Erde; und ihm ward der Schlüssel zum Brunnen des Abgrunds gegeben. (Offb. 9, 1). Wahrscheinlich wurde dieser Schlüssel von Jesus selbst übergeben; denn das kann man mit Sicherheit aus den Worten des erhöhten Herrn schließen, da er sprach zu Johannes: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. (Offb. 1, 18). Den Schlüssel der Hölle hat der Herr Jesus zeitweilig diesem Engel gegeben.

Der Apostel Petrus schrieb außerdem in seinem zweiten Brief: Denn Gott hat die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen und übergeben, daß sie zum Gericht behalten werden. (2. Petr. 2, 4 - Luthertext von 1912). Demzufolge ist es völlig normal, daß es jetzt heißt, der Engel hatte ... eine große Kette in seiner Hand. Der Teufel und Satan, der Anführer aller gefallenen Engel, wird nun ebenfalls mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen, dort vorübergehend verschlossen und zum Gericht behalten.

Der Apostel Johannes beobachtete dann wie bisher den Engel und bezeugte: Und er griff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und Satan, und band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und verschloß ihn. Diese Ortsbezeichnung "Abgrund" (griech. abussoV = abyssos, vgl. engl. abyss) kann man insgesamt siebenmal in der Offenbarung finden: als Bereich von Abaddon (Offb. 9, 1 + 2 + 11; vgl. Luk. 8, 31), dem Ort, aus dem das Tier aufstieg (Offb. 11, 7; 17, 8) und als Ort, in den jetzt der Satan tausend Jahre eingeschlossen wird (Offb. 20, 1 + 3). In Röm. 10, 7 bezeichnet "abyssos" die Welt der Geister. Nach dem 1. Henoch-Buch ist "abyssos" der Aufenthaltsort Satans, der gefallenen Engel (Dämonen) sowie der gefallenen Menschen (Verlorenen). In der Lutherbibel erklärt ist ebenfalls darüber bemerkt: Nicht der Ort der endgültigen Verdammnis (Matth. 25, 41; Offb. 20, 10 + 15), sondern des vorläufigen Verschlusses böser Mächte (Offb. 20, 1 + 3).

Der Engel ... tat ein Siegel oben darauf. Der Abgrund wird nun auch noch versiegelt wie die Löwengrube bei Daniel (Dan. 6, 18) und eigens das Grab Jesu Christi (Matth. 27, 66). Es wird also alles getan, um ein Entweichen bzw. eine Befreiung Satans zu verhindern. Dieses völlige Einschließen Satans macht es unmöglich, an ein nur teilweises Binden des Teufels zu denken. Victorinus von Aquitanien (gest. 465 n. Chr.) war der Ansicht, Satan sei im Leben der Gläubigen "gebunden", aber noch "frei" für Ungläubige, die verführt werden. Das erklärt aber nicht, warum in unserer Zeit auch Gläubige sehr wohl vom Satan verführt werden können (so z. B. wie in Matth. 16, 23 oder Apg. 5, 3). Ketten, Abgrund, u.s.w. reichen allemal aus, um so jede Beeinflussung der Menschheit durch Satan vollständig zu verhindern.

Dann gab Johannes den Grund dafür an, daß der Teufel jetzt nur zeitweilig gebunden wurde: ... daß er nicht mehr verführen sollte die Völker, bis daß vollendet würden die tausend Jahre. Es besteht keine Veranlassung, diese Zeitangabe symbolisch zu verstehen. Im Gegenteil, in der Offenbarung ist der angegebene Zeitabschnitt grundsätzlich buchstäblich gemeint, deshalb ohne jeden Zweifel auch hier.

Sechsmal wird in diesem Kapitel "tausend Jahre" erwähnt, je einmal in Vers 2-7. Es ist eine Zahl mit einer bestimmten Botschaft: Zehn ist die Zahl der Reiche der Welt (Offb. 17, 12). Sie ist hier dreimal mit sich selbst multipliziert (= vervielfältigt). Drei ist die Zahl des dreieinigen Gottes: Weltreich wird so zum Gottesreich.

Nach 6000 Jahren Weltgeschichte folgt das Millennium, das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi. Wie der siebte Schöpfungstag, ist es der große Ruhetag für die Schöpfung. Der Hebräer-Brief: Denn wenn Josua sie hätte zur Ruhe gebracht, würde Gott nicht hernach von einem andern Tage geredet haben. So ist also noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken gleichwie Gott von den seinen. (Hebr. 4, 8-10).

Der Prophet Hosea weissagte dieses über Israels Zukunft: Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, daß wir vor ihm leben werden. (Hos. 6, 2). Das bedeutet, daß Israel nach 2000 Jahren wieder lebendig wird und am Tage danach aufgerichtet da sein wird. Nach Psalm 90, 4 wie auch 2. Petr. 3, 8 sind bei Gott tausend Jahre wie ein Tag. Das menschlich für unmög-lich erachtete geschah: Die Juden sind wieder in ihrem Lande, dem Lande Israel.

In Kapitel 12 wurde vom Hinauswurf Satans aus dem Himmel berichtet: Und es ward gestürzt der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er ward geworfen auf die Erde. (Offb. 12, 9). Das geschah nach der Entrückung der Gemeinde, zu Beginn der siebenjährigen Trübsalszeit für Israel. Bis dahin konnte der Teufel die Gläubigen zunächst verführen und daraufhin anklagen, jedoch wurde ihm dann dieser Weg versperrt. Dies kann man ersehen aus dem Buch Hiob, wo nämlich gesagt ist: Der Herr aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. Der Herr sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse. (Hiob 1, 7-8). Zudem heißt es: Seid nüchtern und wachtet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. (1. Petr. 5, 8). Jetzt, am Ende der Trübsal, wird der Teufel vorläufig gebunden und für tausend Jahre in den Abgrund geworfen und verschlossen. Das ist die vierte Stufe der Verwerfung Satans, die vorletzte, wobei jedoch jedesmal auch sein ganzes Reich davon betroffen ist.

Daß mit seiner Gefangennahme auch alle anderen gefallenen Engel, die Dämonen, für tausend Jahre gebunden werden, wird zwar in der Bibel nicht ausdrücklich erwähnt, dennoch ist es aus gewissen Gründen eine sichere und logische Schlußfolgerung. Satan ist nicht allgegenwärtig und kann deshalb schon gar nicht allein die Völker verführen. Er tut dies vielmehr mit den Dämonen, diesen ... Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel (Eph. 6, 12). Um eine Verführung aller Völker zu verhindern, ist es unumgänglich, auch alle Helfer des Teufels zu binden.

Damit sind alle Feinde Gottes wenigstens vorübergehend ausgeschaltet. Nun kann das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi beginnen, ebenfalls Millennium genannt, wie man es manchmal bezeichnet. Das Wort "Millennium" kann man übersetzen mit "Tausendjahrsperiode", von lat. "mille" = tausend und "annus" = Jahr. Die Frage nach dem Beginn dieses Reiches, der zukünftigen Herrschaft Jesu Christi, ist sicherlich eine der wichtigsten für die richtige Auslegung der Offenbarung.

Allerdings haben die frühen Kirchenväter, z. B. Justinus, genannt Justin der Märtyrer (gest. um 165 n. Chr.), sowie Irenäus, Bischof von Lyon (140-202 n. Chr.), diese Stelle so ausgelegt, daß deutlich auf eine zukünftige, wörtlich zu nehmende Zeit hingewiesen wird. Das entspricht auch der jüdischen Tradition, die bestätigt: Es gibt eine Lehre entsprechend Rab Qattina:
Ebenso wie beim Brachjahr ein Jahr in sieben brachliegt,
so wird die Welt tausend Jahre von 7000 Jahren brachliegen;
denn es heißt: "Der Herr allein ist erhaben an jenem Tag." (Jes 2, 11).
Und [die Bibel] sagt: "Ein Psalm. Ein Lied für den Sabbattag." (Ps 92, 1)
- ein Tag, der ganz Sabbat ist.
Und [ferner] sagt [die Bibel] (Ps 90, 4):
"Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist.".

Das bedeutet demgemäß, daß nach 6000 Jahren Weltgeschichte der große Sabbat der Schöpfung folgt, der in christlichen Kreisen jedoch meistens als das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi bezeichnet wird. Manche Ausleger bevorzugen dafür das lateinische Wort "Millennium" - oft falsch geschrieben mit einem "n".

Nicht nur in der jüdischen Tradition, sondern auch noch in den Apokryphen zum Neuen Testament findet sich der Gedanke, daß nach 6000 Jahren Weltgeschichte ein kosmischer Sabbat anbrechen werde, entsprechend den sieben Schöpfungstagen (Barn. 15). Grundsätzlich gibt es keine Argumente gegen diese Auffassung.

Dazu ist jedoch noch zu bemerken, daß in unseren deutschen Bibeln überall statt "Königreich", wie es eigentlich gemäß dem Urtext heißen müßte, bedauerlicherweise nur "Reich" steht. Das ist sicherlich ein großer Mangel, da es auch Reiche ohne einen König gibt. Allerdings setzt ein Königreich wohl immer einen König voraus. Das Neue Testament enthält deshalb nur den einen Ausdruck: basileua = basileua (von basileus = König), der 163 Mal vorkommt. Die englischen Übersetzungen kennen überall im Neuen Testament nur das Wort: Kingdom = Königreich. Warum nun dieser Ausdruck in der deutschen Sprache nicht so genau wiedergegeben ist, scheint aber völlig unverständlich zu sein. Wenn an allen Stellen das Wort "Reich" verschwinden und dafür allein das richtige Wort "Königreich" erscheinen würde, wäre das ein großer Gewinn für alle Bibelleser. Diese müßten sich dann fragen: Wenn das Königreich bald kommt, wo bleibt denn der König?

Der Apostel Johannes erklärte dann: Danach muß er los werden eine kleine Zeit. Nach der Hinwegnahme der Gläubigen konnte der Teufel noch zeitweilig die Völker verführen. Das ist ihm dann allerdings während des Tausendjährigen Friedensreiches Jesu Christi verwehrt, denn sonst könnte doch überhaupt kein Friede sein. Vom Satan ging die Ursache alles menschlichen Elends aus, der Sünde, die in die Welt kam. Dem Teufel gelingt danach jedoch nicht etwa ein Ausbruch aus seinem Gefängnis, sondern er muß alle noch versteckte Gottfeindschaft offenbar machen.

Dazu hat der Prophet Jesaja dann ebenfalls geweissagt: Zu der Zeit wird der Herr das Heer der Höhe heimsuchen in der Höhe und die Könige der Erde auf der Erde, daß sie gesammelt werden als Gefangene im Gefängnis und verschlossen werden im Kerker und nach langer Zeit heimgesucht werden. Und der Mond wird schamrot werden und die Sonne sich schämen, wenn der Herr Zebaoth König sein wird auf dem Berg Zion und zu Jerusalem und vor seinen Ältesten in Herrlichkeit. (Jes. 24, 21-23). Das Heer der Höhe ist das Engelheer, die himmlischen Heerscharen. Alle sind verschlossen an ihrem Ort und werden dann nach tausend Jahren abgeurteilt.

Jetzt sieht Johannes, daß Gericht gehalten wird. Es handelt sich jedoch noch nicht um das sogenannte Jüngste oder Letzte Gericht, das erst in der Zukunft stattfindet:

Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und ihnen ward gegeben das Gericht. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier noch sein Bild und nicht genommen hatten sein Malzeichen an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis daß die tausend Jahre vollendet wurden. - Dies ist die erste Auferstehung. Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über solche hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. (Offb. 20, 4-6).

Wenn Jesus sichtbar wiederkommt, ... dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit (Matth. 25, 31). Anstelle des himmlischen Vaters übt er das Gericht aus. Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben. (Joh. 5, 22). Allerdings sah Johannes nicht nur einen, sondern mindestens mehrere Throne. Wer sind wohl die anderen, die dort mit Jesus als Richter sitzen werden? Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir seid nachgefolgt, werdet dereinst bei der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels. (Matth. 19, 28). Diese "Wiedergeburt" bezieht sich sowohl auf die geistige Neugeburt Israels, als auch auf den damit verbunde-nen Anbruch eines völlig neuen, herrlichen Zeitalters für alle Völker der Welt.

Im Evangelium nach Lukas, dem Arzt, wird bei den Gesprächen Jesu mit seinen Jüngern ganz ähnlich berichtet: Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir's mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt an meinem Tische in meinem Reich und sitzen auf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels. (Luk. 22, 29-30). Da das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi auf dieser Erde ist, müssen die zwölf Stämme Israels auch dort gerichtet werden. Das wird bestätigt durch den Propheten Daniel: Aber das Reich und die Macht und die Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben werden, dessen Reich ewig ist, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen. (Dan. 7, 27). Alle Macht und Gewalt über die Königreiche unter dem ganzen Himmel wird dem Volk der Heiligen des Höchsten, den Juden, gegeben werden. Dieser Gedanke ist auch vielen Christen fremd, doch dies ist gewiß.

Außerdem schrieb der Apostel Paulus an die Korinther: Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? (1. Kor. 6, 2). Zusätzlich hat der erhöhte Herr selbst gleichermaßen verheißen: Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt mit meinem Vater auf seinen Thron. (Offb. 3, 21). Throne sind demgemäß auch Richterstühle.

Und ich sah Throne ... , sagte Johannes, wie Jahrhunderte vorher Daniel. Damals sah Daniel aber noch niemanden auf den Thronen sitzen: Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden ... (Dan. 7, 9). Nun heißt es jedoch: ... und sie setzten sich darauf, und ihnen ward gegeben das Gericht. Wer könnten wohl diese "sie" sein? In Kapitel 4 hatte Johannes bereits berichtet: Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste. (Offb. 4, 4). Mit großer Gewißheit wurde dort festgestellt, daß diese vierundzwanzig Ältesten vollendete Heilige sind, demzufolge wahrscheinlich die Stammväter der zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel, die wohl eine Vorausauferstehung erfahren durften.

Auf den Thronen sitzen also zumindest die vierundzwanzig Ältesten. Dennoch ist anzunehmen, daß es noch viel mehr Throne sein werden, als nur die vierundzwanzig. Da nämlich die Heiligen die Welt richten werden (1. Kor. 6, 2), könnten es sicherlich unzählige sein, auf denen sich nun das ganze Heer im Himmel (Offb. 19, 14) hinsetzen würde. Wie schon dort erklärt, handelt es sich dabei nicht um Engel.

Engel kommen nicht in Betracht, da in der Bibel nirgends gesagt wird, daß sie auf Thronen sitzen. Sogar Gabriel steht vor Gott (Luk. 1, 19), so denn auch die sieben Engel in Kapitel 8 (Offb. 8, 2), von denen Johannes damals sagte: Und ich sah die sieben Engel, die da stehen vor Gott, und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. Außerdem werden die Engel wahrscheinlich mit den Lebenden zu dieser Zeit von den Heiligen gerichtet. Der Apostel Paulus stellte schon seinerzeit den Korinthern diese Frage: Wisset ihr nicht, daß wir über Engel richten werden? (1. Kor. 6, 3).

Der Apostel Johannes bemerkte dann jedoch noch einige weitere Gläubige: Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier noch sein Bild und nicht genommen hatten sein Malzeichen an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Es sind demzufolge eindeutig alles Märtyrer, die während der siebenjährigen Trübsalszeit vom Antichristen enthauptet wurden. Diese erwähnte Johannes in Kapitel 7 (Offb. 7, 9) zum ersten Male, allerdings vorausschauend auf diese Zeit:Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen. Der Apostel ergänzte das sodann gleich anschließend in Vers 14, indem er bestätigte: Und er sprach zu mir: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal. In der Bibel gibt es auf jeden Fall nur eine große Trübsal, die mit der sichtbaren Wiederkunft Jesu in Herrlichkeit endet.

Diese Überwinder, die nicht angebetet hatten das Tier, die waren dem Seher vorher auch bereits in einer weiteren Vorausschau gezeigt worden: Und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen. (Offb. 15, 2). Das Ergebnis der Gerichte wurde dem Johannes immer im voraus dargestellt. Dabei fiel auf, daß diese das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, sangen. Demzufolge sind die Märtyrer sich auch der Bedeutung des Alten Testamentes für ihr Heil bewußt.

Dazu zählen dann möglicherweise auch die gläubigen Juden, die nicht rechtzeitig vor der Verfolgung durch den Antichristen fliehen konnten. Es heißt, dessen Herr, der Teufel, ward zornig ... und ging hin, zu streiten wider die übrigen von ihrem Geschlecht, die da Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu. (Offb. 12, 17). Darum sagte Johannes wohl auch: ... die enthauptet sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen. Dazu zählen nun Juden und Heiden.

Außerdem gehören auch die im Laufe der Jahrhunderte und besonders in den KZ der Nationalsozialisten getöteten Juden dazu, von denen in Kapitel 6 (Offb. 6, 9) ebenso bezeugt wurde: ... die Seelen derer, die getötet waren um des Wortes Got-tes und um ihres Zeugnisses willen. Hier heißt es gleichfalls: ... die Seelen derer, die enthauptet sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen. Es wird an dieser Stelle das Zeugnis von Jesus betont. Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung. (Offb. 19, 10). Wer den hatte, den betrifft es dann.

Für "enthauptet" steht an dieser einzigen Stelle das griechische Wort: pelekizw = pelekizoo, das von: pelekuV = pelekys abgeleitet ist, dem zweischneidigen Beil der Liktoren (= Amtsdiener der Magistrate), mit dem in Rom anfänglich Hinrichtungen durchgeführt wurden. Später geschah das mit dem Schwert (wie u. a. bei Paulus). Das Verb wurde jedoch weiterbenutzt und bedeutet deshalb hier einfach "töten". Zu diesen Märtyrern gehören auf jeden Fall mehr als nur diejenigen, die im wörtlichen Sinne "enthauptet" wurden. Dies diene zum besseren Verständnis.

Von dem Antichristen wurde ebenfalls bereits gesagt: Und ihm ward gegeben, zu streiten wider die Heiligen und sie zu überwinden; und ihm ward gegeben Macht über alle Geschlechter und Völker und Sprachen und Nationen. Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen nicht geschrieben sind von Anfang der Welt in dem Lebensbuch des Lammes, das erwürget ist. (Offb. 13, 7-8). Des weiteren wurde von dem falschen Propheten noch ferner bemerkt: ... und sagt denen, die auf Erden wohnen, daß sie ein Bild machen sollen dem Tier. (Vers 14). Dann hieß es von diesem: Und es macht, daß sie allesamt ... sich ein Malzeichen geben an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn. (Vers 16.). Im Gegensatz dazu wird jetzt allerdings von den Märtyrern gesagt: ... und die nicht angebetet hatten das Tier noch sein Bild und nicht genommen hatten sein Malzeichen an ihre Stirn und auf ihre Hand. Das bestätigt wieder ganz eindeutig, daß sie dem Antichristen bis zu ihrem Tode widerstanden hatten. Außerdem herrscht dieser nur in der siebenjährigen Trübsalszeit. Daher kommen die Märtyrer auch aus keiner anderen Zeit.

So heißt es: ... diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Jedoch nicht nur diese wurden lebendig, sondern der Apostel Paulus sprach auch bereits von einer gewissen Reihenfolge: Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeglicher aber in seiner Ordnung: der Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird. (1. Kor. 15, 22-23). Dazu ist dann die Betonung der Herrschaft der Märtyrer eine besondere Ermutigung für sie, ohne jedoch zu besagen, daß andere von dieser Herrschaft ausgeschlossen sein werden. Vielmehr werden alle wiedergeborenen Gläubigen im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi mitbeteiligt.

Der Aorist ("wurden lebendig") unterstreicht hier den Augenblickscharakter des Lebendigwerdens. Die Vergangenheit weist auf das hin, was Johannes "sah"; die Erfüllung liegt jedoch in der Zukunft. Am Ende von Vers 6 steht dann das Futur.

In der Heiligen Schrift gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, daß die Märtyrer oder gestorbene Heilige im allgemeinen jetzt schon mit Jesus Christus herrschen. Erstens: Obwohl natürlich Jesus als Gottes Sohn auch derzeit an der Herrschaft beteiligt ist, heißt es aber immer wieder, daß seine herrliche, öffentliche Herrschaft über die Erde als Menschensohn zukünftig ist (siehe auch Hebr. 2, 5: die zukünf-tige Welt; 10, 13: und wartet hinfort ... bis). Zweitens: Es geht in den Versen 4-6 nicht um nur gestorbene, sondern um auferweckte Heilige, nämlich ausnahmslos um die, die an der ersten Auferstehung teilhaben. Ihre Herrschaft kann daher erst dann anbrechen, wenn sie auferstanden sind, so bei der Wiederkunft Jesu Christi.

Es ist das sechste und nun auch das letzte Mal, daß Johannes das Malzeichen des Tieres erwähnt (Offb. 13, 16-17; 14, 9 + 11; 16, 2; 19, 20; 20, 4). Wenn Gott ein bestimmtes Wort auch nur ein einziges Mal spricht, so ist es in alle Ewigkeit verbindlich. Das mehrfache Wiederholen ist ein besonderer Ausdruck seines Ernstes.

Johannes bestätigte dann: Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis daß die tausend Jahre vollendet wurden. Jesus hatte schon damals den Juden geantwortet: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht. (Joh. 5, 24). Wer Jesus in dieser Gnadenzeit ablehnt, der hat sich selbst gerichtet und geht mit dem Tode ewig verloren. Unsere jetzige Entscheidung in diesem irdischen Leben ist deshalb so wichtig, weil Gott sich ganz genau an unseren Entschluß hält: Wer jetzt nicht zu Jesus will, kommt in der Ewigkeit nicht zu ihm.

Dann hatte Jesus noch erklärend hinzugefügt: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören werden, die werden leben. (Joh. 5, 25). - Diese Stunde ist demzufolge schon längst gekommen durch die laufende Vorausauferstehung und die Entrückung der Gemeinde Jesu Christi. Sie findet jetzt endgültig ihren Abschluß mit der Auferweckung der Märtyrer am Ende der Trübsal.

Johannes bekräftigte alsdann: Dies ist die erste Auferstehung. Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über solche hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. Damit ist ganz eindeutig der Abschluß der ersten Auferstehung gemeint, deren letzten Phasen die Entrückung der Gläubigen sowie jetzt die Auferweckung der Märtyrer darstellen. Der Herr Jesus hatte zuvor schon auf den Unterschied bei der Auferstehung hingewiesen, indem er zu den Juden sagte: Verwundert euch des nicht. Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. (Joh. 5, 28-29). Die erste Auferstehung hat nunmehr ihr Ende erreicht. Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis daß die tausend Jahre vollendet wurden.(So lautete nämlich der Anfang diese Verses).

Der Prophet Daniel hatte das ebenfalls schon mit ähnlichen Worten vorausgesagt: Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. (Dan. 12, 2). Man erkennt auch darin einen deutlichen Unterschied bei der Auferstehung der Toten.

Die Bibel kennt auch sonst zweierlei Auferstehung von den Toten. Darauf hat der Apostel Paulus an mehreren Stellen hingewiesen. Im ersten Brief an die Thessalonicher schrieb er doch: ... und die Toten in Christus werden auferstehen zuerst. (1. Thess. 4, 16). Die anderen Toten hat er dort nicht erwähnt. Dafür heißt es dann in seinem ersten Brief an die Korinther: ... danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater überantworten wird, wenn er vernichtet haben wird alle Herrschaft und alle Obrigkeit und Gewalt. (1. Kor. 15, 24). Das betrifft dann wohl auch die anderen Toten, da die gottfeindlichen Mächte alle ausgeschaltet und gerichtet werden.

Der Ausdruck "erste Auferstehung" meint nicht unbedingt denselben Augenblick, sondern eindeutig eine Auferstehungsordnung mit verschiedenen Phasen. Zu die-ser ersten Auferstehung vor dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi zäh-len alle Gläubigen. Nach den tausend Jahren werden die Ungläubigen auferweckt.

Viele Christen, die durch einen unerfreulichen Mangel in der Verkündigung ihrer Kirche noch nie etwas von der Entrückung oder der Hinwegnahme der Gläubigen gehört haben, kennen nur die Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, in dem es heißt: ... von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Sie denken dann ganz ähnlich wie Martha in dem Gespräch mit Jesus bei der Auferweckung des Lazarus: Martha spricht zu ihm: Ich weiß wohl, daß er auferstehen wird in der Auferstehung am Jüngsten Tage. (Joh. 11, 24). Das betrifft jedoch nur "die andern Toten", allein die Ungläubigen, nicht die der "ersten Auferstehung"!

Justinus, genannt Justin der Märtyrer (gest. um 165 n. Chr.), nahm mit Sicherheit eine leibliche Auferstehung vor dem Millennium (Dial. Tryph. 80) und dann eine allgemeine Auferstehung nach dem Millennium (ebd. 81) an. Irenäus, damals Bischof von Lyon (140-202 n. Chr.), glaubte wohl an ein Tausendjähriges Friedensreich Jesu Christi auf der Erde, in dem nur die Heiligen und die Märtyrer belohnt würden (Adv. Haer. 5, 32), und brachte die "Auferstehung der Gerechten" in Luk. 14, 14 mit der "ersten Auferstehung" in Offb. 20 in Verbindung (ebd. 39, 3-10).

Im Evangelium nach Lukas sagte Jesus im Gleichnis: ... es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten. (Luk. 14, 14). Außerdem berichtete er in seiner Apostelgeschichte in der Verteidigungsrede des Apostels Paulus vor dem Landpfleger Felix: Das bekenne ich dir aber, daß ich nach der Lehre, die sie eine Sekte heißen, dem Gott meiner Väter so diene, daß ich glaube allem, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten, und habe die Hoffnung zu Gott, auf welche auch sie selbst warten, nämlich daß es geben wird eine Auferstehung der Gerechten und Ungerechten. (Apg. 24, 14-15). Das Konkordante Neue Testament übersetzt genauer: ... nämlich daß es künftig eine Auferstehung der Gerechten wie auch der Ungerechten geben wird. Daraus kann man schließen, daß zwischen der Auferstehung der Gerechten und einer der Ungerechten genau unterschieden wird.

Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Das bestätigt jedenfalls, daß kein ungläubig Gestorbener dabei sein wird. Diese Seligpreisung erinnert an die Bergpredigt, die ausschließlich an die Jünger Jesu gerichtet war und ist. Darin wird beispielsweise verheißen: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles wider euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel wohl belohnt werden. Denn also haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind. (Matth. 5, 11-12). Das betrifft ausnahmslos nur die Nachfolger Jesu. Deshalb hat er eigens auf den notwendigen Gehorsam aufmerksam gemacht: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. (Matth. 7, 21). Die Seinen trachten danach.

Das griechische Wort: anastasiV = anastasis für "Auferstehung" kommt insgesamt zweiundvierzig Mal (= 6 x 7 Mal) im Neuen Testament vor und so bedeutet es immer (vielleicht mit Ausnahme von Luk, 2. 34) eine leibliche Auferstehung.

Bei der Vorankündigung der letzten Gerichte hatte der Apostel Johannes alsdann sein Zeugnis fortgesetzt mit den Worten: Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach. (Offb. 14, 13). Das sind die Toten, die jetzt den Abschluß der ersten Auferstehung bilden. Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung.

Weiter heißt es dann: Über solche hat der zweite Tod keine Macht. Dieser Vers preist alle diejenigen selig oder "glückselig", die an der ersten Auferstehung teilhaben. Einer der Gründe dafür ist gleich hinzugefügt, denn es gibt nämlich noch einen zweiten Tod, den ewigen Tod oder die ewige Verdammnis. Wer aber vom Tode zum Leben hindurchgedrungen ist (Joh. 5, 24), über den hat dann auch der zweite Tod keine Macht. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl. (Vers 14).

Johannes bestätigte abermals: ... sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. So hatte er allerdings schon in seinem Gruß an die sieben Gemeinden gesagt: ... und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Offb. 1, 6). Mit ähnlichen Worten hat der Apostel Petrus verheißen: Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. (1. Petr. 2, 9).

Damit ist nun das herrliche Reich gekommen, für dessen Ankunft der Herr seine Jünger beten lehrte: "Dein Reich (eigentlich: Königreich) komme!". Bereits von alters her bildete dieses Reich die Hoffnung Israels. Jakob, der Patriarch (= Erzvater), drückte das schon in seinem Segen über Juda aus: Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, bis daß der Held komme, und ihm werden die Völker anhangen. (1. Mose 49, 10). Außerdem ist oft von diesem kommenden Reich in den Psalmen und Propheten geweissagt.

Als Beispiel sei der Psalm 72 angeführt, überschrieben: Der Friedefürst und sein Reich. Er beginnt sogleich mit einem Gebet: Von Salomo. Gott, gib dein Gericht dem König und deine Gerechtigkeit dem Königssohn, daß er dein Volk richte mit Gerechtigkeit und deine Elenden rette. (Psalm 72, 1-2). So erging es dem Salomo wie seinem Vater David: auch er mußte erkennen, daß er nicht ein solcher König ist, wie er gerne sein wollte. Darum sucht er im Geiste den Gesalbten Gottes, der einst kommen soll. Salomo wünscht sich Seine Gerechtigkeit, die er nicht schafft.

Dazu einige verheißungsvolle Worte des Herrn, die der Prophet Jesaja niedergeschrieben hat: Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. ... Und es soll geschehen: ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muß Erde fressen. (Jes. 65, 18-20 + 24-25). Dann ist Friede auf Erden!

Das hatte er auch bereits vorher gesagt: Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, daß ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. (Jes. 11, 6-8).

Die ganze Schöpfung, also nicht nur die Erde, wird dann völlig erneuert werden: Und des Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein, und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird. (Jes. 30, 26). Das ist kaum vorstellbar!

Diese Verheißung eines gerechten Königs empfing schon der Prophet Jeremia zu seiner Zeit: Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich dem David einen gerechten Sproß erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: "Der Herr unsere Gerechtigkeit". Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der Herr, daß man nicht mehr sagen wird: "So wahr der Herr lebt, der die Kinder Israel aus Ägyptenland geführt hat!", sondern: "So wahr der Herr lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel herausgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte." Und sie sollen in ihrem Lande wohnen. (Jer. 23, 5-8). Das ändert keiner!

Der Prophet Micha hat damals das kommende Friedensreich mit diesen Worten angekündigt: In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen, und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Er wird unter großen Völkern rich-ten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Micha 4, 1-3). Dieses Verheißungswort hatte der Prophet Jesaja ebenso schon vom Herrn empfangen, möglicherweise etwa zur selben Zeit (Jes. 2, 1-4).

Zudem hat der Prophet Hesekiel in den letzten neun Kapiteln seines Buches auch noch einen neuen Tempel beschrieben, den vierten Tempel an historischer Stätte in Jerusalem. Hesekiel sah diesen Tempel zu der Zeit in einer großartigen Vision, in der er alle seine Grundmaße erfuhr (Kap. 40-43), danach die Ordnung des neu- en Gottesdienstes hörte (Kap. 44-46) und schließlich eine Beschreibung des heiligen Landes bemerken konnte (Kap. 47-48). Es ist die Schau des Priesters, der damals in der Fremde das Heiligtum entbehren mußte. Der hernach unter Serubabel gebaute zweite Tempel hatte diese Angaben Hesekiels jedoch nicht zum Vorbild.

Mit größter Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem von Hesekiel geschauten Heiligtum um den vierten Tempel, ebenso Tempel im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi genannt. Das ergibt sich ganz deutlich aus diesem Vers: Und er führte mich wieder zu der Tür des Tempels. Und siehe, da floß ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels nach Osten; denn die vordere Seite des Tempels lag gegen Osten. Und das Wasser lief unten am Altar vorbei. ... Und er sprach zu mir: Dies Wasser fließt hinaus in das östliche Gebiet und weiter hinab zum Jordantal und mündet ins Tote Meer. Und wenn es ins Meer fließt, soll dessen Wasser gesund werden, und alles, was darin lebt und webt, wohin der Strom kommt, das soll leben. Und es soll sehr viele Fische dort geben, wenn dieses Wasser dorthin kommt; und alles soll gesund werden und leben, wohin dieser Strom kommt. (Hes. 47, 1 + 8-9). Gleich an zwei Stellen im Alten Testament gibt es eine Bestätigung.

Der Prophet Joel weissagte davon: Und es wird eine Quelle ausgehen vom Hause des Herrn, die wird das Tal Schittim bewässern. (Joel 4, 18). Hierzu sei bemerkt, daß Schittim der letzte Lagerplatz des Volkes Israel vor der Überquerung des Jordans war (4. Mose 25, 1). Bis dorthin soll dann die Tempelquelle fließen und das Tal bewässern, das jetzt mit seinen toten Gewässern trostlos aussieht. Die Lutherbibel erklärt gibt diesen Hinweis: Selbst das unfruchtbare Tal Schittim, das wüste Jordantal am Toten Meer, wird bewässert. Der Schluß von Kapitel 4 handelt vom zukünftigen Heil Israels, daher vom kommenden Tausendjährigen Friedensreich.

Das wird ebenfalls bestätigt durch den Propheten Sacharja, der damals weissagte: Zu der Zeit werden lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, die eine Hälfte zum Meer im Osten und die andere Hälfte zum Meer im Westen, und so wird es sein im Sommer und im Winter. (Sach. 14, 8). Dieses ganze Kapitel beschreibt die Heilsvollendung Israels. Weiter heißt es nämlich: Zu der Zeit wird auf den Schellen der Rosse stehen "Heilig dem Herrn". (Sach. 14, 8). Das ist wie zuvor auf dem Stirnblatt des Hohenpriesters (2. Mose 28, 36). Nach Hesekiel (40, 46; 43, 19; 44, 15; 48 ,11) dürfen dann auch nur die Söhne Zadoks (1. Kön 1,7 ff.; 1. Chron. 5, 34 ff.) Priester am Altar sein. Daher sind diese Bibelstellen im Zusammenhang zu sehen.

In der Apostelgeschichte des Lukas ist noch zu lesen, daß Petrus zu den Männern von Israel über Jesus als den Gesalbten Gottes gesprochen hatte: Ihn muß der Himmel aufnehmen bis auf die Zeit, da alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn. (Apg. 3, 21). Diese Zeit, da alles wiedergebracht wird, ist jetzt mit der Wiederkunft Jesu angebrochen.

Der langersehnte Weltfrieden ist dann gekommen, nicht durch die Bestrebungen einer Friedensliga oder durch das Haager Schiedsgericht, sondern durch die Wiederkunft Jesu. Mit seiner Herrschaft auf Erden wird zudem für alle Welt sichtbar, was alle Gläubigen schon heute erfahren: Denn er ist unser Friede. (Eph. 2, 14).

Es kann nicht Frieden werden,
Bis Jesus hat gesiegt,
Der ganze Kreis der Erden
Zu seinen Füßen liegt!

Das Zeugnis des Johannes ging weiter, indem er einen letzten Kampf beschrieb:

Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan los werden aus seinem Gefängnis und wird ausgehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde, den Gog und Magog, um sie zu versammeln zum Streit; deren Zahl ist wie der Sand am Meer. Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie. Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, da auch das Tier und der falsche Prophet war, und werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Offb. 20, 7-10).

Welch ein Abschluß dieses goldenen Zeitalters! Wer hätte das erwartet? Die Freilassung Satans weist darauf hin, daß Gott immer gerecht ist und die Menschen im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi nicht bevorzugt. Darum müssen sogar sie nicht nur von ihrem eigenen Wesen, sondern auch von dem Feinde ihrer Seele versucht werden und sich in dieser Versuchung entweder für Gott oder den Teufel entscheiden. In Vers 3 wurde dieses Geschehen schon angekündigt und außerdem hinzugefügt, daß es für "eine kleine Zeit" sein soll. Es geschieht nach Gottes Plan.

Die Völker müssen sich nun bewähren, nachdem sie lange genug den Himmel auf Erden erlebt hatten. Zu diesem Zwecke wurde dem Satan vorher ein Freiraum gelassen im ersten Paradiese, in der Folge zur Anfechtung des Hiob, zur Versuchung Jesu und zur Läuterung der Apostel. Es ist die göttliche Methode der Prüfung, um damit eine sorgfältige Sichtung und Vollendung der Menschheit herbeizuführen.

Durch die Freilassung Satans wird auch bewiesen, daß er sich trotz seiner langen Haft nicht verändert hat. Dies obwohl er eine qualvolle Zeit hinter sich hat, denn er war ja tausend Jahre im Abgrund, der Vorstufe zur Hölle. In den Gefängnissen zur Zeit der Apostel war man gebunden, wie oftmals von ihnen bezeugt ist: ... in derselben Nacht schlief Petrus zwischen zwei Kriegsknechten, gebunden mit zwei Ketten, und die Hüter vor der Tür hüteten das Gefängnis. (Apg. 12, 6). So erging es auch dem Teufel; der war ebenso angekettet in seinem Gefängnis und erstmals zu völliger Untätigkeit verurteilt. Nun endet diese vierte Stufe seiner Verwerfung.

Von ihm wird gesagt: ... und wird ausgehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde, den Gog und Magog, um sie zu versammeln zum Streit. Dieser Ausdruck bedeutet gewiß: über die ganze Erde verbreitet, in alle vier Windrichtungen und bis in die letzten Winkel. Der Prophet Jesaja weissagte so ähnlich: ... und zusammenbringen die Verjagten Israels und die Zerstreuten Judas sammeln von den vier Enden der Erde. (Jes. 11, 12). "Gog und Magog" sind ebenfalls in einem weiteren Sinn zu verstehen als bei Hesekiel. Dort war "Gog" der Name des Anführers von Rußland und seinen Verbündeten. ... Gog, der im Lande Magog ist. (Hes. 38, 1). "Magog" umfaßt hier sicherlich mehr als Rußland, die Völker im allgemeinen. In den tausend Jahren haben sie sich jedoch nicht verändert; sie haben immer noch die gleiche Gesinnung. Deshalb gilt auch weiterhin: Aber fleischlich gesinnt sein ist der Tod, und geistlich gesinnt sein ist Leben und Friede. (Röm. 8, 6). Wen wundert es, daß sich die Menschen trotz aller Segnungen keineswegs veränderten?

Deswegen heißt es nun: ... deren Zahl ist wie der Sand am Meer. Jesaja aber ruft aus über Israel (Jes. 10, 22-23): "Wenn die Zahl der Kinder Israel würde sein wie der Sand am Meer, so wird doch nur der Rest gerettet werden; denn in Kürze wird der Herr sein Wort vollenden und ausrichten auf Erden." (Röm. 9, 27). Der Ausdruck "wie der Sand am Meer" ist selbstverständlich in diesen beiden Fällen nicht wörtlich, sondern sinnbildlich zu verstehen. Das ist eine unvorstellbar große Zahl.

Und sie zogen herauf auf die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Mit der "Breite der Erde" kann nur die Vorbereitung auf die Schlacht um Jerusalem gemeint sein. Sie versammelten sich womöglich um diesen Breitengrad der Erde. So spricht Gott der Herr: Das ist Jerusalem, das ich mitten unter die Heiden gesetzt habe und unter die Länder ringsumher! (Hes. 5, 5). Es liegt vielleicht näher, so zu übersetzten, daß Heerlager und Stadt identisch sind: "Sie umzingelten das Heerlager der Heiligen, und zwar die geliebte Stadt". Man kann das nämlich, wie einige es auch machen, die den griechischen Ausdruck: kai hoitineV = kai hoitines, meist "und die", als "und zwar die" lesen.

Adolf Pohl bemerkte hierzu: Die Innigkeit, die in dem Ausdruck "geliebte Stadt" liegt, ist unüberhörbar. Sie macht die Nennung des Namens der Stadt überflüssig. Jedenfalls gibt es gewiß keinen Zweifel daran, daß "die geliebte Stadt" doch nur Jerusalem sein kann, der "heiligen Stadt" oder der "großen Stadt" von Kapitel 11 (Offb. 11, 2 bzw. 11, 8). Ob nun das "Heerlager der Heiligen" außerhalb oder innerhalb der Stadt ist, darüber kann man jetzt noch geteilter Meinung sein. Trotzdem kann man daraus im weiteren Sinne auf das Land und Volk Israel schließen.

Jerusalem wird der Mittelpunkt der Erde sein (Jes. 2, 2-4), und in der Stadt (oder vielleicht auch um sie herum) werden die Heiligen wohnen, geographisch und sicherlich moralisch deutlich getrennt von den Völkern. Diese werden sich mittlerweile erneut bis an die vier Enden der Erde, bis in alle Welt, ausgebreitet haben.

Dieser letzte Kampf richtet sich also wieder gegen Jerusalem, wie auch die schon die beiden Kriege vorher. Nach meiner Zählung ist es demgemäß der Fünfte Weltkrieg. Die Beschreibung dieses letzten Kampfes ist aber noch kürzer als die in Kapitel 19 (Offb. 19, 11-21). Hier ist keine Rede vom Kommen Jesu Christi, sondern ein direktes und überwältigendes Gericht Gottes wird diese Heere niederstrecken.

Es scheint vielleicht allzu einfach, den Gog aus Hesekiel zu eindeutig von dem in der Offenbarung zu unterscheiden. Jedoch ist es wohl unverkennbar, daß der Gog von Hesekiel vor dem Beginn der siebenjährigen Trübsalszeit geschlagen wird. In der chronologischen (= zeitlichen) Reihenfolge der Offenbarung wird Gog nun allerdings nach dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi vernichtet. Zudem kommt der erste Gog aus dem "äußersten Norden", der letzte Gog aus allen Richtungen. Die Heere des ersten Gog werden auf den Bergen Israels geschlagen, dort auch in der Nähe begraben; die des letzten Gog werden durch Feuer vom Himmel verzehrt. Beim ersten Gog wird Satan nicht erwähnt, beim letzten ist er allerdings die treibende Kraft. Die Unterschiede sind also ganz eindeutig. Trotzdem wird in beiden Fällen der Name Gog gebraucht, um die moralische Übereinstimmung der beiden Angriffe in Absicht und Ziel deutlich zu machen. Wie Napoleon einst bei Waterloo geschlagen wurde und danach auch andere Machthaber ihr "Waterloo" erlebten, so ähnlich ergeht es später diesen Völkern als neuem "Gog und Magog".

Das Ende dieser Völker wird dann ganz kurz beschrieben: Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie. Die jüdische Überlieferung schildert ein dramatisches dreimaliges Anstürmen der Völker Gog und Magog und ferner eine wild wogende Schlacht. Hier wird nichts Derartiges ausgesagt, nicht die geringste Einzelheit vermerkt. Es ist schlicht ein plötzliches Eingreifen vom Himmel her. Gott macht nunmehr kurzen Prozeß mit seinen Feinden: Mit Feuer vom Himmel werden sie plötzlich verzehrt. Wie zuerst bei Sodom und Gomorra (1. Mose 19, 24-25) werden die Völker dahingerafft. Damit sind diese Menschen keineswegs endgültig vernichtet, sondern lediglich getötet. Sie werden auferstehen, aber nicht zum ewigen Leben!

Im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi, wenn einstmals ... der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind ... (Jes. 65, 25), dann wird es ebenso keine Raubvögel mehr auf Erden geben. Ein anderes Gericht wäre deshalb gewiß auch nicht möglich, etwa wie durch den Propheten Hesekiel geweissagt: Sage den Vögeln, allem was fliegt ... und freßt Fleisch und sauft Blut! (Hes. 39, 17). Ganz ähnlich auch in Kapitel 19: ... und er rief mit großer Stimme und sprach zu allen Vögeln, die unter dem Himmel fliegen: Kommt, ... daß ihr esset das Fleisch der Könige. (Offb. 19, 17-18). Darum werden diese feindlichen Heere mit Feuer vom Himmel verzehrt.

Die Verführung der Völker zum letzten Kampf gegen Gott und seinen Gesalbten, sowie gegen das Heerlager der Heiligen ist Satans letzter Triumph und Sieg über die gefallenen, abtrünnigen Menschenkinder. Dieser Aufstand ist zugleich der allerletzte Ausbruch von Feindschaft auf unserer blutbefleckten Erde. Das der jüdischen Überlieferung entsprechende dreimalige Anstürmen der erwähnten Völker auf Jerusalem könnte gewiß in gleicher Weise auf den Dritten, Vierten und Fünften Weltkrieg hinweisen. Diese Kriege zielen alle auf die Vernichtung Israels ab.

Der Apostel Johannes durfte auch dies voraussehen: Und der Teufel, der sie verführte, ward geworfen in den Pfuhl von Feuer und Schwefel, da auch das Tier und der falsche Prophet war, und werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Jetzt ist die Zeit für Satan endgültig abgelaufen. Seine falsche "Dreieinigkeit", die er während der Trübsalszeit aufgebaut hatte, wird bald wieder "vereinigt" sein, aber nun in der Hölle! Es kommt nämlich der Nachsatz, der zudem eine Verbindung zu Kapitel 19 (Offb. 19, 20) herstellt: ... da auch das Tier und der falsche Prophet war. Es steht hier nicht, daß sonst noch jemand da wartete. Es ist daher anzunehmen, daß nur der Antichrist und sein Prophet diese tausend Jahre dort verbrachten. Das entspricht so dem Gesamtzeugnis der Bibel.

Weiter heißt es: ... und werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Der Ausdruck "Tag und Nacht" wurde bereits in Kapitel 4 (Offb. 4, 8) in einem ganz anderen Zusammenhang verwendet. Dort hieß es von den vier Engeln am Throne Gottes: ... und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht. Das ist aber eine "himmlische" Ruhe, im Gegensatz zu den "unendlichen" Qualen, denen der Teufel hinfort im doppelten Sinne ausgesetzt sein wird. Da Satan sich in tausend Jahren nicht verändert hatte, bedeutet die Zeitangabe "von Ewigkeit zu Ewigkeit" auch nur "von einem Äon zu anderen". Es wird bestimmt keine Änderung seiner Gesinnung eintreten. Er muß über alle Zeitalter hinweg an seinem Ort verweilen.

Das stellt nunmehr die fünfte und letzte Stufe der Verwerfung Satans dar. Kein Entkommen oder gar Freilassung wird irgendwann möglich werden, selbst eine geringe Linderung der Strafe nicht. Der Teufel und seine Helfer werden zu kei- nem Zeitpunkt irgendein Zugeständnis erwarten können. Weder in der näheren oder ferneren Zukunft, noch in alle Ewigkeit, wird Gott eine Änderung zulassen.

Bei der dritten Stufe seiner Verwerfung, als der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, auf die Erde gestürzt wurde, brach ein Freudenju-
bel im Himmel aus. In dem Lobpreis zur Ehre Gottes erschallte eine große Stim-
me im Himmel, die diesbezüglich voller Freude feststellte: ...weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. (Offb. 12, 10). Der Feind Gottes hatte bis dahin noch begrenzten Zutritt als Verkläger vor Gott; allerdings nutzte er jede Gelegenheit bei Tag und Nacht, um sei-
ne vermeintlichen Ansprüche gegenüber den Gläubigen vor dem Throne Gottes geltend zu machen. Deren Schuld ist jedoch abgetan durch Jesu Sühnetod, ihres Herrn. Getilgt hat er den Schuldbrief, der wider uns war. (Kol. 2, 14). Daher ist es gewiß nur recht und billig, wenn der Teufel jetzt Tag und Nacht gequält wird.

Der Apostel Paulus bezeugte von sich selbst: ... da ward derselbe entrückt bis an den dritten Himmel. (2. Kor. 12, 2). Ebenso gibt es eine dreifache Verdammnis, eine dreifache Hölle. Die erste Stufe davon ist der Hades, das Totenreich. Das ist der vorläufige Aufenthaltsort aller unselig Verstorbenen. Es heißt beispielsweise in den Sprüchen Salomos: Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich. (Sprüche 5, 5). Am Anfang dieses Kapitels wurde bereits erklärt, daß der Abyssos, der Abgrund, das vorübergehende Gefängnis der bösen Geistesmächte darstellt, die zweite Stufe. In Kapitel 19 (Offb. 19, 20) konnte man etwas über die Gehenna erfahren, den "Feuersee", den feurigen Pfuhl. So wird der Ort der endgültigen Verdammnis bezeichnet, die ewige Hölle. Diese dritte und letzte Stufe ist für alle Feinde Gottes bestimmt; da wird sein Heulen und Zähneklappen.

Viele nun sind irrtümlich der Meinung, daß Satan in der ewigen Verdammnis die Verlorenen quälen wird. Dabei quält der Teufel die Menschen nur hier auf Erden und verführt sie, damit auch sie an jenen Ort der ewigen Qual kommen, aber dort wird er selbst mehr als alle anderen gequält. Deshalb ist es wichtig, in diesem Leben die einmalige Entscheidung zu treffen, wo man die Ewigkeit verbringen will!

Der große Kampf zwischen Licht und Finsternis, der größte Kampf im gesamten Kosmos, der sich durch die ganze Weltgeschichte gezogen hat und oft genug mit einer erschöpfenden Niederlage und völligen Besiegung des Lichtes auszugehen schien, ist nun zu Ende: Gott hat triumphiert über Satan und seine Macht. An dieses Wort wird man sich mit Freude erinnern: Die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg! (Psalm 118, 16). Ja, sie hat den Sieg behalten!

Der Blick des Apostels Johannes wurde wieder auf ein neues Geschehen gelenkt:

Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; und vor seinem Angesicht floh die Erde und der Himmel, und ihnen ward keine Stätte gefunden. Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Und ein andres Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was geschrieben steht in den Büchern, nach ihren Werken. Und das Meer gab die Toten, die darin waren, und der Tod und sein Reich gaben die Toten, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeglicher nach seinen Werken. Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl. Und so jemand nicht gefunden ward geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl. (Offb. 20, 11-15).

Diese Beschreibung der Eröffnungsszene des letzten Gerichtes ist gewiß eine der eindrucksvollsten und dramatischsten in der Bibel, vielleicht sogar in der gesam-
ten Weltliteratur. Im Geiste nimmt der Seher wahr, wie schlagartig die Erde und der Himmel entschwinden, ein Ereignis, das im Volksmund bestimmt schon von jeher als "das Ende der Welt" bezeichnet wird. Dabei gehen die Meinungen auseinander, ob nun mit "Himmel" der gesamte Sternenhimmel oder das Milchstraßensystem oder nur unser Sonnensystem gemeint sei. Viele wiederum schließen dabei auch den Aufenthaltsort Gottes und seiner Engel mit ein, so daß ihrer Meinung nach das Gericht im offenen Weltraum stattfinden müßte. Man sollte allerdings bei der Betrachtung dieser Bibelstelle auf vorherige Kapitel zurückgreifen.

Dieser "große, weiße Thron" ist in Wirklichkeit derselbe, dem man zu verschiedenen Gelegenheiten in der Bibel begegnet. Es ist nicht der Herrscherthron Got-
tes, denn hier geht es um ein Gericht. Der erste ist ständig da, denn Gottes Herrschaft besteht ununterbrochen. Jedoch der zweite Thron, der wird nur bei besonderen Anlässen aufgestellt. Die hoheitliche Würde des Gerichtes wird durch das Wort "weiß" oder "strahlend" (griech. leukoV = leukos) betont (Gott ist Licht - 1. Joh. 1, 5). Vor dem göttlichen Gericht finden insgesamt drei Sitzungen statt.

Der Richter ist Gott, aber nicht der Vater, sondern der Sohn. Jesus hatte zu den Juden gesagt: Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben. (Joh. 5, 22). Die erste Sitzung des Gerichtes war im Himmel, vor dem Hochzeitsmahl des Lammes (Offb. 19, 7-8). Dort erschienen die auferstandenen Heiligen vor dem Richterstuhl Christi (Röm. 14, 10; 2. Kor. 5, 10). Allerdings nur Gläubige erschienen dort, und ihr Los stand schon fest: Sie sind ihres Heils gewiß, für ewig errettet, müssen sich nur noch im Lichte Gottes erkennen.

Die zweite Sitzung vor dem Richterstuhl fand bei der Wiederkunft Jesu Christi statt (Matth. 25, 31). Dort ging es um die Völker, die auf der Erde leben. Diese durften einerseits in das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi eingehen, andererseits müssen sie nun vor dem großen, weißen Thron erscheinen. Dort wird ihre Sache abschließend geprüft und sie empfangen so ihr Urteil wie alle Toten.

Da diese beiden Sitzungen vor dem Richterstuhl Christi gewiß bei dem Throne Gottes im Himmel stattfanden, deshalb wird auch die dritte und letzte dort stattfinden. Damit ist der obere, ewige Gotteshimmel gemeint, in einem deutlichen Gegensatz zu dem vergänglichen Sternenhimmel. In der Bibel bedeuten deshalb das hebräische: schamajim, wie auch das griechische Wort: ouranoV = ouranos sowohl den sichtbaren und die unsichtbaren Himmel. Schon zur Zeit des Alten Testamentes kannte die jüdische Vorstellung eine Mehrheit der Himmelsräume (schamajim ist Mehrzahl), die im späteren Judentum dann allerdings auf sieben Himmel festgelegt wurde. Im Neuen Testament ist diese Zahl jedoch unbekannt, denn Paulus bezeugte von sich selbst: ... da ward derselbe entrückt bis an den dritten Himmel. (2. Kor. 12, 2). Jedenfalls ist darin eine Mehrzahl zu erkennen.

Im Hebräer-Brief wird sodann von der Erhöhung Jesu Christi noch gesagt: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zu der Rechten des Thrones der Majestät im Himmel. (Hebr. 8, 1). Damit ist aber die andere Aussage verbunden: Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat ... (Hebr. 4, 14). Es heißt nicht "den Himmel", denn dort steht "Himmel" in der Mehrzahl. Dadurch hat Jesus dann den eigentlichen Himmel erreicht, wo er vor Gottes Angesicht jetzt für uns erscheint (Hebr. 9, 24).

Nun erfolgt der große Szenenwechsel. Der bisherige Schauplatz des Geschehens, die alte Schöpfung, Himmel und Erde, die sichtbare und unsichtbare Welt, ist inzwischen so verunreinigt durch die satanische und dämonische Rebellion und die menschliche Sünde, gerade auch jetzt durch den letzten Aufruhr (Offb. 20, 7-10).

Der Jüngste Tag, das Ende der Welt, ist also gekommen. Auf einem hohen, erhabenen Richterstuhl, der im strahlenden Licht der unbestechlichen Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes hell, rein und weiß glänzt, sitzt der Weltenrichter. Obschon sein Name nicht genannt ist, kann es jedoch kein anderer sein als Jesus Christus.

Und ich sah einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß; und vor seinem Angesicht floh die Erde und der Himmel, und ihnen ward keine Stätte gefunden. Der Apostel Petrus beschrieb dieses Ereignis in seinem zweiten Brief so: Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen. (2. Petr. 3, 10). Da-bei muß man jedoch wieder an die prophetische Perspektive denken. Es liegt ein Zeitraum von tausend Jahren zwischen diesem Kommen Jesu und dem Vergehen von Himmel und Erde. Das wurde schon wiederholt an anderen Stellen erläutert.

Weiter hat er gesagt: Wenn das alles soll so zergehen, wie müßt ihr da geschickt sein in heiligem Wandel und gottesfürchtigem Tun, die ihr wartet und eilet zu der Ankunft des Tages Gottes, an welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! (2. Petr. 3, 11-12). Der Apostel Petrus hat damit eine ernste Ermahnung ausgesprochen, die speziell den Gläubigen gilt.

Im Hebräer-Brief heißt es dazu: Sehet zu, daß ihr den nicht abweiset, der da redet. Denn wenn jene nicht entronnen sind, die Gott abwiesen, als er auf Erden redete, wieviel weniger wir, wenn wir den abweisen, der vom Himmel redet. Seine Stimme hat zu jener Zeit nur die Erde bewegt, nun aber verheißt er und spricht (Hagg. 2, 6): "Noch einmal will ich bewegen nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel." Solches "Noch einmal" zeigt an, daß das Bewegliche soll verwandelt werden, weil es geschaffen ist, damit allein das Unbewegliche bleibe. (Hebr. 12, 25-27). Die neue Erde und der neue Himmel werden demzufolge unwandelbar sein.

Der Prophet Jesaja hat geweissagt: Es wird die Erde mit Krachen zerbrechen, zerbersten und zerfallen. Die Erde wird taumeln wie ein Trunkener und wird hin und her geworfen wie eine schwankende Hütte; denn ihre Missetat drückt sie, daß sie fallen muß und nicht wieder aufstehen kann. (Jes. 24, 19-20). Die Erde mit all ih-rer Ungerechtigkeit muß mit allem, was heute noch sichtbar ist, gleich entfliehen.

An anderer Stelle sagte er dann: Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. (Jes. 65, 17). Das wird also nochmals deutlich bekundet.

Dann hat der Apostel Petrus abschließend bestätigt: Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt. (2. Petr. 3, 13). Nach dieser Gerechtigkeit sehnt sich die ganze Schöpfung.

Das Ende der Welt ist das letzte Ereignis am "Tage des Herrn", der Abschluß dieses Tages. Damit verbunden sind 7000 Jahre Menschheitsgeschichte, die hier auf dieser Erde zu Ende gehen. Dann wird auch alles Gottfeindliche beseitigt werden.

Dazu wieder ein ernstes Gedicht zur Ermahnung: Oh, wie kurz ist doch die Zeit!

Wie im Turm der Uhrgewichte
Rücket fort die Weltgeschichte,
Und der Zeiger schweigend kreist,
Niemand rät, wohin er weist.

Aber wenn die eh'rnen Zungen
Nun zum letzten Mal erklungen,
Auf den Turm der Herr sich stellt,
Um zu richten diese Welt.

Und der Herr hat nichts vergessen,
Was geschehen, wird er messen
Nach dem Maß der Ewigkeit,
Oh, wie kurz ist doch die Zeit!

Der Apostel Johannes berichtete: Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor dem Thron, und Bücher wurden aufgetan. Heute würde man sagen, eine himmlische "Datenbank", bei der es aber keinen persönlichen Datenschutz gibt. Das ganze Leben jedes einzelnen Menschen ist lückenlos registriert, festgehalten und "gespeichert". Alles, sogar was im privatesten und verborgensten Bereich geschehen ist, wird dort offenbar vor Gott, den Engeln und allen Heiligen. Keiner vermag mehr, auch nur ein einziges, winziges Detail seines Lebens ungeschehen zu machen. Dann gibt es wirklich kein Entrinnen mehr, einfach zu spät!

Alle Klassen von Menschenkindern finden wir also hier, von den größten bis zu den geringsten, die in der Welt waren. Jetzt, da sie vor Gott stehen, sind sie alle gleich, denn bei ihm gilt kein Ansehen der Person. Daher werden nun alle Menschen, von Anbeginn der Welt an, zur Verantwortung gezogen, die sich nicht in Wahrheit vor Gott gebeugt haben. Das betrifft auch diejenigen, die in ihrem Le-
ben nie etwas von Jesus Christus und vom Evangelium der Gnade gehört haben.

Der Apostel Paulus erklärte das so im Römer-Brief: Welche ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verloren gehen; und welche unter dem Gesetz gesündigt haben, die werden durchs Gesetz verurteilt werden. Denn vor Gott sind nicht, die das Gesetz hören, gerecht, sondern die das Gesetz tun, werden gerecht sein. Denn wenn die Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun des Gesetzes Werk, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz; denn sie beweisen, des Gesetzes Werk sei geschrieben in ihren Herzen, da ja ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen, an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird, wie es mein Evangelium bezeugt. (Röm. 2, 12-16). Diese Menschen werden also lediglich nach ihrem Gewissen beurteilt.

Der Prophet Daniel hatte dieses Gericht auch schon vorausgesehen: Tausendmal Tausende dienten ihm, und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht wurde gehalten, und die Bücher wurden aufgetan. (Dan. 7, 10). Eine ungenannte Zahl von Engeln diente vor dem Richterstuhl und anscheinend hundertmal mehr Menschen standen vor ihm, um ihr letztgültiges Urteil zu empfangen.

Und ein andres Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Dieses Buch des Lebens wurde zuerst in dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Sardes erwähnt und demzufolge in Kapitel 3 (Offb. 3, 5) schon eingehend betrachtet. So ist, nach den Aussagen des Neuen Testamentes, das Buch des Lebens und das anderwärts genannte Buch des Lammes ein und dasselbe Buch, das im Himmel ausgelegt ist. Man kann dieses Buch wohl am ehesten mit einem Geburtsregister vergleichen, in das man bei der Geburt eingetragen wird. In dieses Buch im Himmel wird man nur bei der geistigen Wiedergeburt zu einem neuen Leben eingetragen.

Wer sich jedoch aus irgendeinem unechten Beweggrund dort einschreiben lassen wollte, ohne wirklich von seiner Verlorenheit überzeugt zu sein, der ist als Totgeburt nicht in diesem himmlischen Lebensbuch verzeichnet. Bei der Eintragung erhält man nämlich sofort eine Bestätigung durch den Heiligen Geist, denn es heißt: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. (Röm. 8, 16). Wer also jetzt beim Lesen diese Gewißheit nicht hat, der sollte sich ernsthaft überlegen, diese lebenswichtige Entscheidung möglichst heute noch nachzuholen.

Johannes bestätigte: Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was geschrieben steht in den Büchern, nach ihren Werken. Man könnte leicht zu der Schlußfolgerung gelangen, daß manche durch ihre Werke selig werden, andere dagegen verlorengehen. Das wäre aber ein Trugschluß, der im Widerspruch zur gesamten Lehre der Bibel stünde. So wie es im Himmel dereinst nur Gläubige geben wird, werden es bei diesem Gericht nur Ungläubige sein, die Jesu Versöhnung abgelehnt hatten. Wie denn geschrieben steht: Und derselbe ist die Versöhnung für unsre Sünden ... (1. Joh. 2, 2). Durch den Glauben an Ihn und sein Werk allein wird man selig, wie es wiederholt im Neuen Testament bezeugt ist: Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. (Eph. 2, 8-9 - Luthertext von 1912).

Im Evangelium nach Johannes steht: Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. (Joh. 3, 18). Hier wird nur das Urteil verkündet. Das Buch des Lebens ist dann auch da, um denen zu antworten, die meinten, daß ihre Werke für ihre Rechtfertigung genügen müßten, beispielsweise insbesondere solche, wie die in Matth. 7, 22-23 erwähnt sind. Es scheint allerdings eine furchtbare Leere in diesem Buch zu sein, gerade da, wo ihr Name hätte stehen müssen.

Gott ist jedoch überaus gerecht. In der Ewigkeit gibt es viele Abstufungen für die Geretteten wie auch die Verlorenen, im Himmel und in der Hölle. Das wurde bereits in Kapitel 19 (Offb. 19, 8) betrachtet, im Zusammenhang mit der Gerechtigkeit der Heiligen. Die Werke der Verlorenen hingegen entscheiden über das Ausmaß ihrer Strafen; böse Werke erschweren sie, jedoch gute Werke erleichtern sie.

Das Maß ihrer Strafen wird jedoch auch dem Maß ihrer Erkenntnis angepaßt, die sie auf Erden besaßen. Wie viele Millionen in den christlichen Kirchen hatten allerdings den Namen, daß sie lebten, waren aber tot (Offb. 3, 1). Vielleicht waren sie in vieler Hinsicht ehrbar, brav und religiös, aber nicht wiedergeboren und versöhnt. Wie viele Millionen waren auch beinahe überzeugt von der Botschaft Jesu Christi, aber sie antworteten wie einst Felix: Gehe hin für diesmal; wenn ich gelegene Zeit habe, will ich dich wieder rufen lassen. (Apg. 24, 25). Dazu kam es nie!

Dazu eine Erklärung: In der Bibel ist mit dem Begriff "Tod"
a) der moralische Tod der Ungläubigen jetzt,
b) der körperliche Tod von Gläubigen und Ungläubigen und
c) der ewige Tod von Ungläubigen gemeint.
Mit anderen Worten ausgedrückt: Von den Gläubigen wird sogar nach ihrem körperlichen Tode gesagt, daß sie "leben" (Matth. 22, 32; Luk. 20, 38; Joh. 11, 25 f.). Jedoch die Ungläubigen sind auch vor ihrem leiblichen Tode schon "Tote" (Eph. 2, 1; Kol. 2, 13) und das zudem noch nach ihrer Auferstehung, denn es heißt hier: Und die Toten wurden gerichtet ... . Diese werden auch jetzt nicht als Lebendige bezeichnet, obwohl sie doch nach Vers 5 inzwischen "wieder lebendig" wurden.

In Offb. 20, 5 hieß es: Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis daß die tausend Jahre vollendet wurden. Die Verse 6 und 12 unterstellen sodann eine zweite Auferstehung, die von allen Auslegern wörtlich verstanden wird. So bedeutet das ebenfalls, daß auch die erste Auferstehung wörtlich gemeint ist. Es gibt daher keinen Grund, die Ausdrücke "lebendig werden" und "Auferstehung" das erste Mal vielleicht bildlich und das zweite Mal dann wörtlich zu verstehen.

Es wird in der Offenbarung nicht ausdrücklich berichtet, was mit den Gläubigen geschieht, die im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi auf der Erde wohn-ten. Man kann nur annehmen, daß diese ebenfalls verwandelt werden und teilha-ben an der ersten Auferstehung, auch wenn das nirgendwo so genau gesagt wird.

Der Seher fuhr fort: Und das Meer gab die Toten, die darin waren, und der Tod und sein Reich gaben die Toten, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeglicher nach seinen Werken. Für "sein Reich" heißt es richtiger "Hades", demnach sind beide wieder personifiziert wie in Kapitel 6 (Offb. 6, 8). Der Tod ist indessen der grausame Würgengel; sein Reich ist das Totenreich. Dazu gehören Legionen böser Geister, womöglich ein Heer höllischer Dämonen aus dem Abgrund.

Diese alle müssen jetzt die Toten freigeben. Keiner bleibt mehr zurück bei dieser Auferstehung zum Jüngsten Gericht. Nicht nur die normalen Gräber in der Erde, sondern auch die "Seemannsgräber" müssen ihre Toten hergeben. Anders ausgedrückt: Sogar wo das Meer die Körper vollkommen vernichtet hat, wird Gott imstande sein, "sterbliche Leiber lebendig zu machen" (Röm. 8, 11), d. h. den Auferstehungsleib ihnen zu geben (1. Kor. 15, 44). Darum spricht das apokryphische erste Henoch-Buch von Menschen, die von den Fischen des Meeres verschlungen wurden (1. Henoch 61, 5). Das ist wohl nicht so bei der Feuerbestattung, da nämlich in diesem Falle der Nukleus, lat. für Zellkern, zerstört wird. Den nackten Zustand ihrer verdammten Seelen werden diese Menschen dann in alle Ewigkeit beklagen. Andererseits kann Gott natürlich ebenso aus dem Nichts etwas schaffen.

Es ist jedoch erstaunlich, daß Gott allen Menschen einen Auferstehungsleib verheißen hat, auch den Ungläubigen. Allerdings werden diese nach nur kurzer Zeit mit Leib, Seele und Geist in die Hölle geworfen. Nur wer vorher seinen Leib bewußt und absichtlich durch eine Feuerbestattung verbrennen ließ, um so Gott zu täuschen und hereinzulegen, der wird dann selbst unangenehm überrascht sein. -Niemand kann sich irgendwie der Verantwortung vor diesem Gericht entziehen!

Jesus hatte zuvor schon gesagt: Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter: Das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage. (Joh. 12, 48). Manche meinen deshalb, daß diese Verlorenen ausnahmslos durch das Wort Gottes, die Bücher der Bibel, gerichtet werden. Doch das einfachste ist anzunehmen, diese "Bücher" enthalten alle Gedanken, Worte und Werke der Menschen, die nicht bei Lebzeiten durch das Blut Jesu getilgt worden sind. Die Taten und "Daten" sind alle sorgfältig und untrüg-
lich in den "Büchern" verzeichnet. Daher erklärte Jesus: Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, was man nicht wissen werde. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. (Matth. 10, 26 + 28). Das ist der, der das Gericht ausübt, er selbst!

Dann bezeugte Johannes: Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl. Der Tod ist der grausame Würgengel und sein Reich ist der "Hades", das Totenreich. Damit werden alle Mächte der Finsternis beseitigt, alle bösen Geister, alle Dämonen. Das hatte der Prophet Jesaja schon längst vorausgesagt: Er wird den Tod verschlingen auf ewig. (Jes. 25, 8). Der Prophet Hosea weissagte auch so ähnlich: Tod, ich will dir ein Gift sein; Totenreich, ich will dir eine Pest sein; Rache kenne ich nicht mehr. (Hos. 13, 14). Es wird eine Erleichterung sein, wenn dieser Fluch aufgehoben ist.

Der Apostel Paulus schrieb über Jesus: Denn er muß herrschen, bis daß er "alle Feinde unter seine Füße lege" (Psalm 110, 1). Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. (1. Kor. 15, 25-26). Damit ist auch der letzte Feind vernichtet, der Tod. Wieviel Leid, wieviele Tränen hat doch dieser Feind durch all die Jahrtausende über die Menschen gebracht. Es war dies eine Folge des Sündenfalles.

Nachdem also zuletzt der Teufel in den Pfuhl von Feuer und Schwefel geworfen wurde (Offb. 20, 10), da auch das Tier und der falsche Prophet war, wird nun unmittelbar danach auch der Tod dorthin verbracht. Der zweite Tod, außerdem der "andere" Tod genannt, ist der Feuersee (Luther übersetzte: der feurige Pfuhl), zunächst bereitet dem Teufel und seinen Engeln (Matth. 25, 41). Das besagt gewiß, daß dieser zweite Tod nicht ertötet. Wie es bestimmt ein zweites und höheres Leben gibt, so gibt es auch einen zweiten und tieferen Tod. Genauso wie es nach jenem Leben keinen Tod mehr gibt, so gibt es nach jenem Tode kein Leben mehr.

Niemand aber denke, daß der Feuersee, d. h. der zweite oder ewige Tod, nun eine Vernichtung sei. "Feuer" bedeutet "Gericht", aber durchaus nicht immer vollständige Zerstörung. Es wurde zuvor nämlich auch schon gesagt, daß sie dort: ... werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Offb. 20, 10). Das hatte Jesus damals ebenfalls bereits angekündigt: ... wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht. (Mark. 9, 44, 46 + 48). Nirgendwo steht in der Bibel etwas davon, daß man irgendwann aus diesem Feuer wieder herauskommen könnte.

Judas, ein Bruder Jesu (Matth. 13, 55), schrieb auch über den zweiten Tod: Diese Schandtäter prassen bei euren Liebesmahlen ohne Scheu, weiden sich selbst; sie sind Wolken ohne Wasser, vom Winde umgetrieben, kahle, unfruchtbare Bäume, zweimal erstorben und ausgewurzelt. (Judas 12). Zweimal erstorben, doppelt tot.

Und so jemand nicht gefunden ward geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl. Das will nicht heißen, "für den Fall, daß", sondern "jedesmal wenn". Das bedeutet infolgedessen: "jeder, der nicht geschrieben gefunden wurde im Buch des Lebens", was auf jeden zutrifft, der vor diesem
großen, weißen Thron steht. Die Gerechtigkeit Gottes geht so weit: Zuerst liefert er den unwiderlegbaren Beweis dafür, daß die Verlorenen ihren verdienten Lohn erhalten. Damit bekommen die Gottlosen außerdem, was sie eigentlich schon immer wollten: eine Welt ganz ohne Gott, die gottlos ist, die Gott los geworden ist.

So wird begründet, warum das Buch des Lebens geöffnet werden mußte. Diesbezüglich sagte der Prophet Jesaja voraus: Aber wenn dem Gottlosen Gnade widerfährt, so lernt er doch nicht Gerechtigkeit, sondern tut nur übel im Lande, wo das Recht gilt, und sieht des Herrn Herrlichkeit nicht. - Mit dem Feuer, mit dem du deine Feinde verzehrst, wirst du sie verzehren. (Jes. 26, 10 + 11). Mit diesem Urteil, daß gewiß schrecklich ist, wird dereinst die Gerechtigkeit Gottes vollendet.

Viele unserer Zeitgenossen, darunter oft nicht wenige, die sich Christen nennen, glauben nicht an eine Hölle. Ihr Unglaube ändert jedoch überhaupt nichts daran, daß es diesen Ort tatsächlich gibt. Manche anderen mögen sich zeitlebens selbst betrügen und vielleicht damit trösten, wenn es diese Höllenqualen gibt, so könn-
ten diese doch unmöglich ewig dauern. Das biblische Zeugnis ist allerdings diesbezüglich ganz deutlich. Der Ausdruck "von Ewigkeit zu Ewigkeit" (griechisch: eiV touV aionaV ton aionon = eis tous aionas ton aionon) wird in der Offenbarung zehnmal im Zusammenhang mit Gott gebraucht (also in Offb. 1, 6, 18; 4, 9, 10; 5, 13, 14; 7, 12; 10, 6; 11, 15; 15, 7). Dann beschreibt jedoch genau derselbe Ausdruck nun die Dauer der Qual Satans, des Tieres und des falschen Propheten.

Außerdem ist eine gerechte Bestrafung jeder Gesetzesübertretung die Grundlage jeder rechten Ordnung und Regierung. Das Fehlen der Strafe führt zu vermehrter Übertretung, zum Chaos und zur Anarchie, wie es heute zunehmend der Fall ist. Wenn Gott demgegenüber alle Menschen ohne Ausnahme begnadigte und in den Himmel aufnähme, dann wäre dieser Ort gewiß schnell in eine Hölle verwandelt.

Wie heißt es doch in einem Lied:

Steht dein Name dort schon, vor dem goldenen Thron,
In dem Buche des Lebens, steht dein Name dort schon?
 

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