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Kapitel 19

Der Seher Johannes wird sodann mit einbezogen in einen großen Jubel im Himmel:

Danach hörte ich eine große Stimme vieler Scharen im Himmel, die sprachen: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Kraft sind unsers Gottes! Denn wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte, daß er die große Hure verurteilt hat, welche die Erde mit ihrer Unzucht verderbte, und hat das Blut seiner Knechte von ihrer Hand gefordert. Und sie sprachen zum andern Mal: Halleluja! Und ihr Rauch steigt auf in Ewigkeit. Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier Gestalten fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Thron saß, und sprachen: Amen, Halleluja! Und eine Stimme ging aus von dem Thron: Lobet unsern Gott, alle seine Knechte, die ihn fürchten, beide, klein und groß! (Offb. 19, 1-5).

Auch dieses Kapitel beginnt wieder mit: Danach ..., womit in der Offenbarung immer ein neuer Abschnitt eingeleitet wird. Für danach oder nach diesem steht daher im griechischen Urtext beide Male: meta tauta = meta tauta. Jedoch beginnt hier zwar wieder ein neuer Teil, der sich aber direkt an den vorhergehenden anschließt. Daran ist auch deutlich die chronologische Reihenfolge oder die zeitliche Abfolge der Ereignisse der Endzeit zu sehen, die in den Kapiteln irgendwie zu erkennen ist.

Im griechischen Urtext steht außerdem wieder einmal das Wörtchen: hwV = hoos, das "wie" bedeutet. Deshalb lautet dieser Vers in der Elberfelder Übersetzung genauer: Nach diesem hörte ich wie eine laute Stimme einer großen Volksmenge in dem Himmel, welche sprach: Halleluja! Dieses "wie" heißt jedoch nicht, daß es sich nicht um eine menschliche Stimme handeln kann. Es soll wahrscheinlich nur eine gewisse Unsicherheit beim Erkennen der Stimme ausdrücken (wie in Vers 6).

Im ganzen Buch der Offenbarung erscheint kein Ausbruch der Freude so groß und allgemein, wie dieser anläßlich des furchtbaren Gerichtes über Babylon. Ebenfalls ist man erfreut über das schnelle Ende von Babylon, der "großen Stadt" (Offb. 18, 10 + 18), die zugleich die "große Hure" ist (Vers 2). Ja, sie war beides: "groß" als "Stadt" und "groß" als "Hure". Es wurde schon in früheren Kapiteln darauf hingewiesen, daß Satan ein Zerrbild hergestellt hat von der wahren Kirche, der Gemeinde Jesu Christi auf Erden. Dieses ist für den Gläubigen zu erkennen in "Babylon", dem Papsttum und dessen Sitz in Rom. Die "große Stadt" ist eindeutig das Gegenteil einer "heiligen Stadt" geworden, obwohl Rom noch immer vorgibt, es zu sein.

Es kann deshalb auch weder die Herabkunft der "heiligen Stadt" vom Himmel auf die Erde geschehen (Offb. 21, 2), noch die Hochzeit des Lammes mit der Braut im Himmel stattfinden (Vers 7), bis das Spottbild von beiden, die "Stadt" und "Hure", zuletzt durch Gottes gerechtes Gericht auf Erden völlig und für immer beseitigt ist.

Im vorigen Kapitel (Offb. 18, 20) erging die Aufforderung zum Jubelruf, der jetzt entsprochen wird, nachdem nun das Gericht über Babylon vollzogen ist. Sie rufen: Halleluja! Mit diesem Ausbruch der Freude leiten die vielen Scharen im Himmel ihren Jubel ein. Im griechischen Urtext steht jedoch: allhlouia = allélouia. Dieses Wort begegnet uns hier zum ersten Mal im Neuen Testament und ist ursprünglich ein nicht übersetzter hebräischer Ausdruck. Dieser kommt dann insgesamt 23 Mal ausschließlich in den Psalmen vor, sonst jedoch nirgends im Alten Testament.

Schon in der Septuaginta (= LXX) wurde das Wort ins Griechische aufgenommen; es steht dort als Überschrift über verschiedenen Psalmen (z. B. 105-107, 111-114). Damit wird ausgedrückt: Preiset-JaH, preist (oder lobt) JaH, d. h. JaHWeH (= den Herrn). Es ist infolgedessen ein Ausruf des Lobes, allein und ausschließlich als Erwiderung auf die Ausführung göttlicher Gerichte gebraucht. Heute wird das in vielen Kreisen jedoch nicht sonderlich beachtet und man verwendet ihn daher oft bei jeder unpassenden Gelegenheit, manchmal so ungefähr nach jedem zweiten Satz.

Dort, wo dieses Wort zum ersten Mal in der Bibel vorkommt, am Schluß des Psalmes, heißt es sodann: Die Sünder sollen ein Ende nehmen auf Erden und die Gottlosen nicht mehr sein. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja! (Psalm 104, 35). - Es wird so der endliche Sieg über die Gottlosen gefeiert, deren Vertilgung von der Erde. Dem Durchbruch der Macht unseres Gottes wird dort mit Beifall zugejubelt.

Im Neuen Testament kommt dieser Ausruf: Halleluja! nur in diesem Kapitel vor, und zwar viermal, in den Versen 1, 3, 4 und 6. Das ist gewiß bezeichnend für den Charakter der Freude. Die Tatsache, daß das letzte Halleluja in Vers 6 steht, zeigt auch, daß dieser Vers die unmittelbare Fortsetzung der Verse 1-5 ist. Unsere Einteilung, die einen Abschnitt zwischen Vers 5 und 6 macht, ist denn wohl bedingt; der Jubel über den Untergang der falschen Braut (Verse 1-5) und dann darauf die Ankündigung der wahren Braut (Verse 6-10) bilden ohne Zweifel ein zusammenhängendes Ganzes. Eine Variation dieses Halleluja finden wir ergänzend noch in Vers 5: Lobet unsern Gott. Daher handelt es sich um einen fünffachen Lobpreis.

Man hat diesen Abschnitt (Offb. 19, 1-6) deswegen auch den neutestamentlichen Halleluja-Chor genannt, nach Händel. Es mag gewiß etwas Überwältigendes sein, dieses "Halleluja" aus dem Oratorium "Messias", dem großen Werke von Georg Friedrich Händel (23.2.1685-14.4.1759), das im Jahre 1742 entstanden ist. Allerdings wird auch dieses herrliche Werk einmal verblassen, gegenüber dem großen Jubel der vielen Scharen im Himmel: Halleluja! Ja, gerecht sind deine Gerichte.

Einer der alten Männer Gottes, Anselm von Canterbury (geb. 1033-21.4.1109), er wurde im Jahre 1093 n. Chr. Erzbischof von Canterbury, betrachte bereits damals das Wort "Halleluja" als Engelssprache. In gleicher Weise sagte der Kirchenvater Augustinus (Aurelius Augustinus), geb. 13.11.354, gest. 28.8.430 n. Chr., Bischof von Hippo Regius (Nordafrika), früher Bône, jetzt Annaba in Algerien, daß dieses Wort alles beinhalte, was zum Lobpreis des Ewigen gehöre. Die Apokryphen, die nützlich zu lesen sind, wie Dr. Martin Luther sagte, enthalten diesen Hinweis auf die Lobgesänge im himmlischen Zion: Jerusalems Tore werden erbaut mit Saphir und Smaragd, mit Edelsteinen deine Mauern; Jerusalems Türme werden erbaut in Gold und ihre Mauern in Feingold. Jerusalems Straßen werden belegt mit Rubinen und Ophirsteinen; Jerusalems Tore hallen wider von Jubelgesängen, und alle ihre Häuser werden sprechen: Halleluja! Gepriesen sei der Gott Israels! In dir preise man den heiligen Namen in alle Ewigkeit! (Tob. 13, 16-17). Das ist doch genauso.

Er hörte die Stimmen im Himmel hernach weiter sprechen: Denn wahrhaftig und gerecht sind deine Gerichte, daß er die große Hure verurteilt hat, welche die Er-de mit ihrer Unzucht verderbte, und hat das Blut seiner Knechte von ihrer Hand gefordert. Und sie sprachen zum andern Mal: Halleluja! Darin ist man sich dort schon immer einig gewesen, denn es wurde bereits vorher gesagt: Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, daß du solches Urteil gesprochen hast; denn sie haben das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind's wert. Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht. (Offb. 16, 5-7). Das wurde deshalb auch zuvor ausdrücklich von Babylon bestätigt: ... und das Blut der Propheten und der Heiligen und aller derer, die auf Erden getötet sind, ward in ihr gefunden. (Offb. 18, 24). Wie bei einem weltlichen Gericht erfolgt die Urteilsverkündung erst nach der Beweisaufnahme und der Überprüfung des Gesetzes. In diesem Falle steht nun allerdings deutlich im Gesetz des Mose geschrieben: Und schändet das Land nicht, darin ihr wohnt; denn wer des Blutes schuldig ist, der schändet das Land, und das Land kann nicht entsühnt werden vom Blut, das darin vergossen wird, außer durch das Blut dessen, der es vergossen hat. Macht das Land nicht unrein, darin ihr wohnt, darin auch ich wohne; denn ich bin der Herr, der mitten unter den Kindern Israel wohnt. (4. Mose 35, 33-34). Das ist klar.

Das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi kann deshalb auf dieser Erde nicht aufgerichtet werden, bis das Land komplett entsühnt ist. Und das Land kann nicht entsühnt werden vom Blut, das darin vergossen wird, außer durch das Blut dessen, der es vergossen hat. Daher heißt es im Lied des Mose auch: Preiset, ihr Heiden, sein Volk; denn er wird das Blut seiner Knechte rächen und wird an seinen Feinden Rache nehmen und entsühnen das Land seines Volks! (5. Mose 32, 43). Nicht nur für das Land Israel gilt das, sondern für die ganze Welt, die so verunreinigt ist.

Außerdem geschah ebenso dieses Wort des Herrn zu dem Propheten Hesekiel: Du wirst aus meinem Munde das Wort hören und sollst sie in meinem Namen warnen. Wenn ich dem Gottlosen sage: Du mußt des Todes sterben! und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Wege zu warnen, damit er am Leben bleibe, - so wird der Gottlose um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. (Hes. 3, 17-18). Demnach ist dieses Gericht Gottes auch gerecht in Anbetracht der falschen Lehren der Hure Babylon. Diese hat die Gottlosen nicht gewarnt, sondern in ihrem bösen Tun bestärkt.

Und sie sprachen zum andern Mal: Halleluja! Für "sprachen" steht im Griechischen: eirhkan = eirékan, ein sogenanntes dramatisches Perfekt wie das "nahm" in Offb. 5, 7 und Offb. 8, 5, das ein Ereignis auf eine so ungewöhnlich lebendige Weise beschreibt. Die Worte klingen sozusagen noch nach, schallen in den Ohren.

Und ihr Rauch steigt auf in Ewigkeit. Das Gericht über Babylon wurde so angekündigt: ... werden sie mit Feuer verbrennen. (Offb. 17, 16). Dann wurde genauer beschrieben, wen es besonders treffen wird: Und es werden sie beweinen und sie beklagen die Könige auf Erden, die mit ihr Unzucht und Frevel getrieben haben, wenn sie sehen werden den Rauch von ihrem Brand; und werden von ferne stehen aus Furcht vor ihrer Qual und sprechen: Weh, weh, du große Stadt Babylon, du starke Stadt, in einer Stunde ist dein Gericht gekommen! (Offb. 18, 9-10). Ebenso hieß es dann noch: Und alle Schiffsherren und alle Steuerleute und die Seefahrer und die auf dem Meer hantieren, standen von ferne und schrien, da sie den Rauch von ihrem Brande sahen, und sprachen: Wer ist gleich der großen Stadt? (Offb. 18, 17-18). Gottes Gerichte sind immer vollkommen gerecht. Das wurde in den vorhergehenden Kapiteln bereits deutlich festgestellt. Allerdings fällt jetzt auf, daß gesagt ist: Und ihr Rauch steigt auf in Ewigkeit. Das bestärkt die Schwere des Gerichtes. Dieses "und" entspricht vielleicht eher dem Hebräischen, hier zu lesen als "denn".

Das zweite Halleluja steht in Verbindung mit der Tatsache, daß das schreckliche Babylon nie wieder auf der Erde in Erscheinung treten wird. Es wird ewiglich im Feuer des Abgrundes festgehalten werden. So stand es ebenfalls schon in Kapitel 14 zu lesen: Und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbeten und sein Bild, und wer das Malzeichen seines Namens annimmt. (Offb. 14, 11). Die Qual wird ohne Ende sein; das Gericht über Babylon ist endgültig. Jetzt gibt es keine Gnade mehr.

Ähnlich heißt es auch von Gottes Strafgericht über Edom: Denn es kommt der Tag der Rache des Herrn und das Jahr der Vergeltung, um Zion zu rächen. Da werden Edoms Bäche zu Pech werden und seine Erde zu Schwefel; ja, sein Land wird zu brennendem Pech werden, das weder Tag noch Nacht verlöschen wird, sondern immer wird Rauch von ihm aufgehen. Und es wird verwüstet sein von Geschlecht zu Geschlecht, daß niemand hindurchgehen wird auf ewige Zeiten. (Jes. 34, 8-10). Der Prophet Jesaja gibt in diesem ganzen Kapitel eine erschreckende Schilderung des Gerichtes über alle Völker, unter denen das Nachbarland Edom (= Jordanien) eigens erwähnt wird, und zeigt, wie Gott seine Ankündigung erfüllt und sein Zorn über Gottlosigkeit, Hochmut und alle Sünden hereinbricht, sogar für ewige Zeiten.

Der Blick des Johannes ging dann wieder in Richtung des Thrones Gottes: Und die vierundzwanzig Ältesten und die vier Gestalten fielen nieder und beteten Gott an, der auf dem Thron saß, und sprachen: Amen, Halleluja! Wie schon in Kapitel 4 (Offb. 4, 4) erklärt, sind diese vierundzwanzig Ältesten allemal vollendete Heilige. Nach meiner Erkenntnis sind es wahrscheinlich die Stammväter der zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel, die stellvertretend sind für den ganzen Leib Christi, die Gemeinde Jesu. Dort wurde ebenfalls schon gesagt, daß die vier Gestalten oder Lebewesen die göttlichen Thronengel darstellen, die auf Hebräisch mit Cherubim bezeichnet werden. Diese fielen alle nieder (auf ihr Angesicht, selbstverständlich) und beteten Gott an, der auf dem Throne saß. Nun sprachen sie: Amen, Halleluja!

"Amen" ist ebenfalls ein geweihtes und bedeutungsvolles Wort. Zu Recht wird angenommen, daß solche Worte ihren Ursprung im Himmel haben. Zum ersten Mal kommt dieses "Amen" im 4. Buch Mose (lateinisch: Numeri = Zahlen, Zählungen) vor: Und die Frau soll sagen: Amen! Amen! (4. Mose 5, 22). Zum allerletzten Mal steht es im zweitletzten Vers der ganzen Bibel, wo es heißt: Es spricht, der solches bezeugt: Ja, ich komme bald. Amen, ja komm, Herr Jesus! (Offb. 22, 20). "Amen" wird als Ausdruck heiliger Zustimmung und Bestätigung verwendet. Dieses hebräische Wort "Amen" ist das göttliche Siegel der absoluten Wahrheit und Gewißheit, und ist gleichbedeutend mit dem griechischen: amhn, amhn (= wahrlich, wahrlich).

Zuvor in den Kapiteln 4 (Offb. 4, 10-11), 5 (Offb. 5, 14) und 11 (Offb. 11, 16-17) haben diese vierundzwanzig Ältesten wiederholt die Wege des Herrn in seinen Gerichten vom Himmel aus mit ihrer Zustimmung und ihrem Lob begleitet. Zugleich mit den vier Thronengeln bestätigen sie jetzt ebenfalls durch das einstimmige und laute Amen, daß Gott heilig ist und seine Gerichte gerecht sind. So sagen sie nicht: "Halleluja, Amen", sondern zuerst Amen und dann Halleluja. Es entspricht durchaus der Bedeutung von Halleluja, diesem Ausruf des Lobes. In allen Fällen wird er als Erwiderung auf die Ausführung göttlicher Gerichte gebraucht. An dieser Stelle erschallte dieser Lobpreis nun bereits zum dritten Mal. Jedoch erscheinen die vierundzwanzig Ältesten als solche hier zum letzten Mal; dann hören wir nicht wieder von ihnen. Der Grund dafür ist begreiflich und im nächsten Abschnitt ersichtlich.

Dann erklärte er: Und eine Stimme ging aus von dem Thron: Lobet unsern Gott, alle seine Knechte, die ihn fürchten, beide, klein und groß! Die zuvor in Kapitel 18 (Offb. 18, 20) erfolgte Aufforderung zum Jubelruf wird nun ausgedehnt auf die Knechte Gottes, alle, die ihn fürchten, beide, klein und groß. Es ist bestimmt nicht die Stimme Gottes, auch nicht die von Jesus Christus, sondern es ist mit großer Sicherheit die Stimme eines der himmlischen Wesen um den Thron, der Thronengel.

Der Herr Jesus hätte nicht "unser", sondern "mein" gesagt, wie schon in Kapitel 3: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. (Offb. 3, 20). Oder vielleicht auch, wie Johannes ebenso bezeugte: Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. (Joh. 20, 17). Das ist klar und wird auch bestätigt in Vers 10, in dem die Aufforderung ergeht: Bete Gott an!

Wie bereits erwähnt, kann man in diesem: Lobet unsern Gott durchaus ein viertes Halleluja erkennen. Mit der Ausdrucksform: alle seine Knechte, die ihn fürchten, beide, klein und groß! sind alle Gläubigen gemeint. Das Konkordante Neue Testament gibt jedoch diese genauere Übersetzung wieder: alle Seine Sklaven und die Ihn fürchten, die Kleinen und die Großen! Darin kann man auch eine Bewertung des geistlichen Zustandes erkennen, ob jemand im Glauben ein kleineres oder größeres Wachstum erreicht hat. Diese Formulierung wurde auch schon in Kapitel 11 (Offb. 11, 18) gebraucht. Alle Heiligen im Himmel und auf Erden sind aufgerufen.

Einige Ausleger meinen daneben noch besonders die "vollendeten Gerechten" des Alten Testamentes ausmachen zu können. Es wird sodann erklärt: Denn der Seher kennt auch außer den Gläubigen noch Gottesfürchtige ... (Lange). Sie denken dann aber insbesondere an einen Vers in Kapitel 12: ... die da Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu. (Offb. 12, 17). Dies ist kaum miteinander zu vereinbaren.

Nun erfolgt die Antwort auf den Aufruf: Lobet unsern Gott. Sie ist überwältigend, gemäß dem Zeugnis des Johannes, das er sodann gehört und niedergeschrieben hat:

Und ich hörte, und es war wie eine Stimme einer großen Schar und wie eine Stimme großer Wasser und wie eine Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat das Reich eingenommen! Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet! Und es ward ihr gegeben, sich anzutun mit schöner reiner Leinwand. Die köstliche Leinwand aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Abendmahl * des Lammes berufen sind. Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes. Und ich fiel ihm zu Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu mir: Siehe zu, tu es nicht! Ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung. (Offb. 19, 6-10).
(* Vers 9: Wörtlich: "Hochzeitsmahl").

Um das Gehörte zu genau zu beschreiben, gebrauchte Johannes hier sogar dreimal das Wörtchen "wie". Er fand gewiß nicht die richtigen Worte, um dieses erhabene Geschehen im Himmel anders auszudrücken. Möglicherweise ist die Aussagekraft aller unserer menschlichen Worte nicht ausreichend, wenn es darum geht, Vorgänge im Himmel wiederzugeben. Dazu bedarf es vielleicht der Fähigkeit, mit Engelszungen reden können. Dann sind alle unsere Vorstellungen immer nur mangelhaft.

Eines ist jedoch sicher: Was die Könige, Kaufleute und Seeleute in Kapitel 18 als Weh und Katastrophe empfunden hatten und beweinten, wird im Himmel als göttliche Erlösung gepriesen und bejubelt. Diese Freude mag jetzt bis zu den Kindern Gottes und Gerechten auf Erden hin durchdringen, wenngleich das "Tier" und sei-ne "Hörner" vorläufig auch noch dort wüten. Diese hatten zwar zuvor das Gericht über die "Hure" ausgeführt (vgl. Offb. 17, 16), dennoch sind deren Tage nun auch gezählt. Und ich hörte, und es war wie eine Stimme einer großen Schar und wie eine Stimme großer Wasser und wie eine Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat das Reich eingenommen! In Kapitel 14 (Offb. 14, 2) hatte Johannes ganz ähnliche Dinge vernommen: ... Und ich hörte eine Stimme vom Himmel wie eines großen Wassers und wie eine Stimme eines großen Donners. ... Laut wie ein Donnerhall dröhnt es in den Ohren.

Erfüllt von der Genugtuung über den Untergang Babylons und den Sieg Gottes, sowie der herrlichen Vorfreude auf die Vereinigung der Braut mit dem himmlischen Bräutigam, ertönt nun der Jubelruf: Halleluja! denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat das Reich eingenommen! Der Herr, der Allmächtige, lautet auf Hebräisch: El-Schaddai. Der Ausdruck "unser Gott" besagt deutlich, wem sie gehören.

"Hat das Reich eingenommen" ist eine einzige Verbform, nämlich: ebasileusen = ebasileusen, wörtlich: "hat regiert", hier: "hat angefangen zu regieren" (ein sogenannter ingressiver Aorist). Der ingressive Aorist verweist überdies gerade auf die Tatsache, daß Gott im Begriff steht, seine Herrschaft in "seinem Christus" anzutreten (vgl. Offb. 11, 15). Diese Prophetie über den Allmächtigen ist umso treffender, wenn man bedenkt, daß sie unter dem sehr mächtigen Kaiser Domitian (von 81-96 n. Chr.) geschrieben wurde, der sich zu der Zeit "Unser Herr und Gott" ("Dominus et Deus noster") nennen ließ. Durch diese göttliche Verehrung entsprach Domitian dem "Tier", das sich anbeten läßt. Wie sehr ähnelte dieser römische Kaiser bereits dem kommenden Antichristen! Darüber mag auch Johannes erstaunt gewesen sein.

Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet! Eine irdische Eheschließung ist allemal nur ein schwaches Vorbild für die Hochzeit des Lammes. Es ging zunächst in vielen Fällen eine lange Verlobungszeit voraus. Die Verlobung ist ein gesetzlich bindender Akt. Verlobung im biblischen Sinne ist, wenn ein Mensch Jesus als seinen Erlöser annimmt und sich so mit ihm "auf ewig" verbinden möchte. Dadurch wird er als einzelnes Glied zur Gemeinde Jesu Christi hinzugetan, hinfort zur Braut des Lammes gezählt. Die Vorbereitung der Braut erfolgte auf Erden.

Es ist keineswegs ein Zufall, daß der Herr Jesus hier wieder als das "Lamm" dargestellt wird. Dadurch soll die Gemeinde gewiß nochmals an die Höhe des Preises erinnert werden, mit dem er sie erlöst und zu seinem Eigentum erworben hat. Das geschah dann ... nicht mit vergänglichem Silber oder Gold ... sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. (1. Petr. 1, 18-19).

Diese Gemeinde hat der Herr Jesus sodann liebevoll auf diese Hochzeit vorbereitet: ... auf daß er sie sich selbst darstellte als eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen, sondern daß sie heilig sei und unsträflich. (Eph. 5, 27). Es ist allein sein Werk, alles seine große Liebesmühe.

Zudem hat der Herr Jesus diese Gemeinde bewahrt vor der Stunde der Versuchung:Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. (Offb. 3, 10). Damit war nicht eine buchstäbliche Stunde gemeint, dennoch eine besondere Zeit, nämlich die große Trübsal auf Erden. Die Gemeinde wird nicht darin, jedoch "davor" bewahrt, das heißt also vorher entrückt. Daß diese Verheißung dann über die damalige Gemeinde zu Philadelphia hinaus von Bedeutung war, geht bestimmt aus den Worten hervor: ... über den ganzen Weltkreis. Es ist eine Prophetie für das Ende des gegenwärtigen Zeitalters.

Damit wird die Gemeinde Jesu gleichfalls bewahrt vor dem göttlichen Zorngericht: ... und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet. (1. Thess. 1, 10). Des weiteren auch noch: Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern das Heil zu gewinnen durch unsern Herrn Jesus Christus. (1. Thess. 5, 9). Mit dem Zorn sind die Zornesschalengerichte gemeint, die nach der Entrückung der Gläubigen stattfinden.

Die ersten Glieder seiner Gemeinde hatte Jesus aber ebenso dringend aufgefordert: Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung und dieser Tag nicht schnell über euch komme wie ein Fallstrick; denn er wird unversehens hereinbrechen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wach allezeit und betet, daß ihr stark werden möget, zu entfliehen diesem allem, was geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. (Luk. 34-36). Diese werden vorbereitet sein und zur Braut des Lammes gezählt und entrückt.

Ein Dichter hat dieses Geschehen dann so ausgedrückt:
Die sel'ge Braut frohlocket laut,
Wenn heim sie geführet, mit Dir triumphieret
Und droben, wie Du bist, Dich schauet.

Die wahre Braut war allezeit das "Aschenbrödel", das immer wieder gegenüber allem Prunk und Macht der "Hure" hintenan stand, hat sich gerüstet auf ihren Ehrentag. Zur wahren Gemeinde oder Kirche gehören alle Glieder am Leibe Jesu Christi. Dennoch: Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. (Röm. 8, 9). Wer ihm jedoch gehört, der nimmt auch teil an dieser Auferstehung des Lebens (Joh. 5, 29).

Nach der orientalischen Hochzeitssitte entspricht das Kommen des Bräutigams für seine Braut dem Geschehen bei der Entrückung der Gemeinde. Das Hochzeitsmahl des Lammes findet demnach in Verbindung mit dem zweiten Wiederkommen Jesu Christi statt, wenn er kommt, um sein Tausendjähriges Friedensreich aufzurichten.

Die Einladung zu jener Hochzeit des Lammes ergeht auch heute noch an jeden, der bereit ist, sie anzunehmen. Im Evangelium nach Matthäus, Kapitel 22, bis Vers 14, beschrieb der Herr Jesus dieses kommende Ereignis durch ein Gleichnis. Dort wird Gott der Vater als ein "König" dargestellt, der seinem Sohn Hochzeit machte. Dazu sandte er seine Knechte aus mit dem ausdrücklichen Auftrag: Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet. (Vers 9). Das gilt zweifellos jedermann, und wohl dem, der diese königliche Einladung annimmt! Viele haben sie leider schon ausgeschlagen und verachtet. Jedoch während der Sohn mit der Braut im Himmel die Hochzeit aller Hochzeiten feiert, wird gewiß gleichzeitig das "Tier" auf der Erde mit der "Hure" die Bluthochzeit feiern und sie dabei schlachten. Deshalb sollte man bestimmt vorziehen, die königliche Einladung anzunehmen und so durch die Gnade des Heilandes besser an der himmlischen Hochzeit teilzunehmen.

Zuvor wurde dann gesagt: ... und seine Braut hat sich bereitet! Was gehört zu dieser Vorbereitung? Eine Braut macht sich nämlich für die Hochzeit fertig, wenn sie ihr prächtiges Brautkleid anzieht. Deshalb heißt es nun: Und es ward ihr gegeben, sich anzutun mit schöner reiner Leinwand. Die köstliche Leinwand aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Diese Übersetzung ist etwas ungenau, besser ist wohl: Und es ward ihr gegeben, daß sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend [und] rein; denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen. (Elbf.). Im Griechischen: dikaiwma = dikaiooma, was allgemein "gerechte Werke" bedeutet.

Durch den Gebrauch der Mehrzahl des Wortes ("Gerechtigkeiten") wird dann unverkennbar gezeigt, daß der kostbare Stoff die gerechten Werke der Erlösten sind.
Daraus wird von Gott das prächtige Brautkleid angefertigt, damit die Braut unvergleichlich schön zur Hochzeit erscheinen kann. Gott wird also noch vor der Hochzeit offenbar machen, welche Werke dazu geeignet sind. Diese müssen unbedingt zur Ausstattung des Bräutigams passen, der sich selbst erniedrigte und sein Leben als Lösegeld für die Braut dahingab. Die Werke müssen von der gleichen Art sein.

Der Hochzeit muß also erst noch etwas vorausgehen, nämlich das Erscheinen vor dem Richterstuhl. Darum heißt es nun: Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, wie er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. (2. Kor. 5, 10). Die Frage der Verdammnis wird dort nicht mehr entschieden, diese hat man zur Zeit des Erdendaseins beantwortet.

So gibt es also jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind. (Röm. 8, 1 - Menge). Es handelt sich daher nicht um das ewige Heil, denn es kann nicht durch Werke verdient werden. Deshalb wird auch zweifelsfrei bezeugt: Denn aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen. (Eph. 2, 8-10). Diese guten Werke aus dem Glauben will Gott nun belohnen, obwohl er niemals dazu verpflichtet ist.

Daher ist auch gesagt: Denn Gott ist nicht ungerecht, daß er vergäße eures Werks und die Liebe, die ihr erzeigt habt seinem Namen, da ihr den Heiligen dientet und noch dienet. (Hebr. 6, 10). Er wird unser Verhalten unserem Nächsten gegenüber beurteilen, ob wir ihm mit liebevollem Wort und hilfreicher Tat begegnet sind. Er wird darüber befinden, ob wir bemüht waren, ein Zeugnis zu Gottes Ehre zu sein, ein Licht und ein Segen für andere - oder ob uns das Los unserer Mitmenschen so gleichgültig war, nicht einmal in der Fürbitte daran zu denken. Er wird unser Verhalten in seiner Gemeinde beurteilen; unsere Treue, nicht nur im Besuch der Gottesdienste, sondern auch in der tätigen Mitarbeit, im Gebrauch unserer Gaben, unserer Zeit und auch unserer Mittel. Unsere Treue im Gebet wird bewertet werden.

Gott wird weiter beurteilen, inwiefern unser Leben ihm geweiht war und wir dem Heiligen Geist in uns Raum gegeben haben, uns in echte, biblische Heiligung hineinzuleiten. Haben wir dabei in Anfechtungen den Kampf gegen die Sünde aufgenommen oder nicht? War die Freude am Herrn unsere Stärke (Neh. 8, 10) und wir konnten daher der Welt mit ihrer Lust widerstehen? Hatten wir die Gesinnung unseres Herrn oder haben uns die Werke des Fleisches, wie etwa Zank, Neid, Selbstsucht, Stolz und dergleichen mehr, beherrscht? Nicht nur die Werke an sich, auch die Beweggründe dazu, wird Gott beurteilen. Geschah das alles aus Liebe zu ihm?

Zusammenfassend kann man sagen: Die Erlösung empfängt der Sünder durch die Gnade Gottes allein; die Belohnung empfängt der Erlöste für seine Werke allein. - Dabei ist auch die Lohnzuteilung, genau genommen, ebenso ein Geschenk Gottes.

Bei unserem Erscheinen vor dem Richterstuhl Christi werden unsere Werke allerdings nicht einfach in eine Waagschale gelegt, denn was könnte Gott dann als Gegengewicht dagegen halten? Sollte er die guten Werke gegen die bösen abwägen? Das lehrt zwar die römisch-katholische Kirche, doch so wird niemand gerecht. Es steht geschrieben: Der Gerechte wird aus Glauben leben. (Hab. 2, 4 / Röm. 1, 17).

Deshalb heißt es: Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund baut Gold, Silber, edle Steine, Holz, Heu, Stroh, so wird eines jeglichen Werk offenbar werden; der Tag wird's klar machen. Denn mit Feuer wird er sich offenbaren; und welcherlei eines jeglichen Werk sei, wird das Feuer bewähren. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. (1. Kor. 3, 11-15). Das bedeutet ganz einfach: Wie einer, der bei einem Brand nur mit dem nackten Leben davonkommt.

Dann heißt es auch noch: Darüber freuet euch, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. (1. Petr. 1, 6-7). Was Gott für wert hält, wird nun ans rechte Licht gerückt werden.

An dieser Stelle sei nun ein passendes Gedicht eingefügt, das die Überschrift trägt: An jenem Tage.

An dem Tag, dem Tag der Wehen,
Wird die Welt im Brand vergehen,
Wie Prophetenspruch geschehen.

Welch' Entsetzen vor der Kunde,
Daß der Richter kommt zur Stunde,
Prüfend alles bis zum Grunde!

Die Posaun' im Wundertone,
Sprengt die Gräber jeder Zone,
Sammelt alle vor dem Throne.

Und ein Buch wird aufgeschlagen,
Drin steht alles eingetragen,
Wes' die Welt ist anzuklagen.

Ach wie werd' ich Armer stehen,
Wen zum Anwalt mir erflehen,
Wenn Gerechte schier vergehen?

Hehrer König Jesus, siehe,
Wie ich Ziel war Deiner Mühe,
Daß ich jenem Zorn entfliehe.

Bist so treu mich suchen gangen,
Hast am Kreuz für mich gehangen,
Nicht umsonst sei Müh' und Bangen!

Zu den Schafen mich geselle,
Fern den Böcken und der Hölle,
Mich zu Deiner Rechten stelle!

Wenn man auch über den zeitlichen Ablauf dieser Ereignisse in einigen Punkten gewiß anderer Meinung sein kann, so ist doch der Inhalt dieses Gedichtes als solcher über jeden Zweifel erhaben. Darin wird die ganze Wahrheit deutlich gesagt.

Und es ward ihr gegeben, sich anzutun mit schöner reiner Leinwand. Dieses ist eine Übersetzung für den feinsten, kostbarsten Stoff des Altertums. Dabei handelt es sich um edelste Leinwand aus seidenartiger Baumwolle. Das griechische Wort, das mit "reiner Leinwand" übersetzt wird, ist nicht dasselbe wie das für "Leinen". Die Gerechtigkeiten der Heiligen sind für Gott noch wertvoller als die Kleider der Engel in Kapitel 15 (Offb. 15, 6). Dort wurde gesagt, daß sie mit reinem, glänzenden Linnen (Elbf.) angetan waren. Das benutzte Wort ist: linon = linon, demnach die normale Bezeichnung für Leinen. Hier steht allerdings: bussoV = byssos, womit das teuerste Gewebe gemeint ist. Eine neuzeitliche Bezeichnung wäre: Batist. Das scheint aber keineswegs den wirklichen Wert des teuren Stoffes auszurücken.

Dann sagte der Seher Johannes: Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Abendmahl des Lammes berufen sind. Es ist wahrscheinlich wieder der andere Engel von Kapitel 18 (Offb. 18, 1), der vom Himmel herniedergefahren war, der jetzt mit Johannes sprach. Der Seher empfing eine neue, besondere Aufforderung, auch dies aufzuschreiben. Daher könnte es möglicherweise auch wiederum die große Stimme des erhöhten Herrn sein, die er in Kapitel 1 hörte, die sprach: Was du siehest, das schreibe in ein Buch ... (Offb. 1, 11), oder ebenso: Schreibe, was du gesehen hast, und was ist, und was geschehen soll danach. (Offb. 1, 19).

Es scheint so, als hätte der Herr Jesus auch in Kapitel 14 (Offb. 14, 13) die Seligpreisung ausgesprochen. Dort hieß es ebenfalls: Schreibe ..., wie nun zum vierten Male. Vielleicht hätte es der Seher sonst vor Staunen schier vergessen, weil es zu gewaltig war. Eigentlich lautet diese Seligpreisung wörtlich: Glückselig sind die zum Hochzeitsmahl des Lämmleins Geladenen! (laut dem Konkordanten Neuen Testament). So ähnlich auch: Glückselig, die geladen sind zum Hochzeitsmahle des Lammes! (Elbf.). Das ist jedoch nicht so wörtlich übersetzt, aber sinngemäß.

Wer sind nun diese "Glückseligen", die zur Hochzeit des Lammes geladen sind? - Ist es die himmlische Braut selbst, wie viele meinen? - Das kann doch nicht sein! Die Braut kann gewiß nicht damit gemeint sein, weil sie sich nicht selbst zu ihrer eigenen Hochzeit einladen kann. Im Gegenteil, mit dem Lamme Gottes, ihrem erhöhten Bräutigam, ist die himmlische Braut diejenige, die einlädt. Nun sieht man auf der einen Seite das Brautpaar und auf der anderen die zum Hochzeitsmahl geladenen "Gäste". Es besteht jedoch sicherlich kein Zweifel daran, daß es sich nur um Gläubige handeln kann. Auf welche anderen Gläubigen könnte sich die Einladung beziehen? Niemand, der auf der Erde wohnt, kann beim himmlischen Hochzeitsmahl dabei sein. Um dort mit anwesend zu sein, muß man sich gewiß bereits im Himmel befinden. Es müssen demnach Gläubige sein, die nicht zur Gemeinde gehören, also zur Braut, die aber trotzdem verherrlicht sind. Da bleibt doch sonst keiner übrig, der teilnehmen dürfte, als nur die Gläubigen des Alten Testamentes.

Johannes der Täufer sagte damals: Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund aber des Bräutigams steht und hört ihm zu und freut sich hoch über des Bräutigams Stimme. Diese meine Freude ist nun erfüllt. (Joh. 3, 29). Doch dieser Johannes der Täufer lebte und starb vor dem Pfingstfeste, an dem die Gemeinde entstand. Er gehörte deshalb noch zu den Gläubigen des Alten Bundes. Der Herr Jesus sagte aber damals zu dem Volke: Unter allen, die vom Weibe geboren sind, ist keiner aufgestanden, der größer sei als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er. (Matth. 11, 11). Das ist gleichsam ein etwas unscheinbarer Hinweis auf eine Vorausauferstehung dieser Gläubigen.

Dies ist auch eine Bestätigung dafür, daß die Gemeinde eine viel höhere Stellung als die alttestamentlichen Gläubigen hat. Der Kleinste aus der neuen Haushaltung (dem Zeitalter der Gnade) ist nun größer als der Größte aus der alten Haushaltung (dem Zeitalter des Gesetzes). Johannes der Täufer wird demzufolge bestimmt der wichtigste "Gast" bei der Hochzeit des Lammes sein. Unter den geladenen Gästen werden sich Mose, Elia und noch viele andere befinden. Sie alle werden sich zwar über die Stimme des Bräutigams freuen, jedoch ungeachtet dessen nicht zur Braut gehören. Die Einladung zur Hochzeit im Gleichnis Jesu in Matth. 22, 1-14 galt daher in erster Linie den Juden damals. Inzwischen hat die Gemeinde Jesu Christi in der neuen Heilszeit größere Vorrechte erhalten als diese erwähnten Gottesmänner.

Von Dora Rappard (1.9.1842-? 1923) stammt dieses Gedicht:

Wir sehnen uns, mit Dir zu sein
Bei Deiner Hochzeitsfreude.
O Jesus sieh', wir harren Dein,
Geschmückt in Deinem Kleide.
Wir schauen freudig himmelwärts,
Und immer lauter ruft das Herz:
O komme bald, Herr Jesus!

Johannes sagte dann: Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes. Eine andere Übersetzung lautet: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes. (Elbf.). Wozu diese Beteuerung? Sie ist gewiß bezeichnend für die Liebe des Herrn zu uns und zugleich nötig für unsere Herzen und Gewissen. Der Herr weiß, wie leicht wir all diese Dinge, von denen wir eben hörten, zwar aufnehmen und glauben können, obschon deren tiefere Bedeutung für unser tägliches Leben uns doch nicht bewußt ist. Deshalb erging diese Bestätigung, die Gott selbst aussprach, und das sollte uns volle Sicherheit geben. Wenn wir daran denken, dann brauchen wir uns auch nicht um unsere Zukunft zu sorgen. Der Augenblick wird wirklich kommen, daß wir als Braut an der Hochzeit im Himmel beteiligt sein werden, nicht als Gäste dabei sind.

Petrus schrieb nun: Darum, meine Lieben, weil ihr darauf wartet, so tut Fleiß, daß ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich im Frieden erfunden werdet. (2. Petr. 3, 14). Das sollte in uns die Bereitschaft wecken, die uns verbleibenden Tage in der Welt, in der wir leben, nur noch mit stetem Blick auf diese herrliche Zeit zu vollbringen.

Das alles machte auf Johannes einen starken Eindruck, und es ist wohltuend zu sehen, wie die Beschreibung der Ereignisse kurz angehalten wird, um ihn wieder zu Wort kommen zu lassen. In Kapitel 17 (Offb. 17, 6) war er sehr verwundert beim Anblick der Hure Babylon. Hier jedoch bewundert er die Schönheit der Braut mit ihrem Bräutigam bei der herrliche Hochzeit. Das bringt ihn außer sich vor Freude.

Johannes wird denn auch angesichts dieser kommenden Glückseligkeit einfach so überwältigt, daß er niederfällt, um den himmlischen Boten anzubeten, der ihm diese Herrlichkeit zeigt. Der Seher bekannte sodann: Und ich fiel ihm zu Füßen, ihn anzubeten. Und er sprach zu mir: Siehe zu, tu es nicht! Ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung. Daran erkennt doch jeder ohne den geringsten Zweifel, daß es nicht Jesus selbst ist, der zu Johannes sprach. Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit ist es wieder dieser andere Engel von Kapitel 18 (Offb. 18, 1), der vom Himmel herniedergefahren war. Da wohl sonst keine andere Stimme den neuen Schreibbefehl erteilt hat, kann man sicher annehmen, daß er ihn weitergab.

In Vers 9 heißt es zweimal wie hier in Vers 10: Und er sprach zu mir: ... . Darum kann es meines Erachtens immer nur der zuletzt erwähnte Engel sein, da nirgends von einer neuen Erscheinung berichtet wird. Vielleicht sah Johannes den himmlischen Boten als Jesus Christus an. Möglicherweise hörte er auch eine unerwartete Stimme, die er einfach mit der des Herrn verwechselte. Das alles könnte zutreffen. Lange erklärte: Der Verkündiger der Hochzeit enthüllt sich dem Seher als ein verklärter Heiliger in Engelsgestalt. Dieser läßt jedoch keine "Heiligenverehrung" zu!

Nachdem Johannes alsdann dem Engel zu Füßen gefallen war, um ihn anzubeten, wehrte dieser ihm mit den Worten: Siehe zu, tu es nicht! Ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht, die das Zeugnis Jesu haben. Bete Gott an! Der Seher wird sicherlich erschrocken gewesen sein, diese lehrreiche Antwort des Engels zu hören.

Wie groß ist doch die Gefahr, daß das menschliche Herz in seinen Gefühlen dann im Blick auf den Himmel und die ewigen Dinge zwischen Gott und sich gerne irgendwelche vermittelnde Wesen treten läßt! Nicht nur hier, auch schon die ersten Gemeinden warnte Gott ernstlich vor dieser Gefahr. Paulus schrieb zudem davon: Sehet zu, daß euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf der Menschen Lehre und auf die Elemente der Welt und nicht auf Christus. (Kol. 2, 8). Weiter heißt es dann: Lasset euch niemand das Ziel verrücken, der sich gefällt in falscher Demut und Verehrung der Engel und sich mit seinen Gesichten rühmt. (Kol. 2, 18). Gibt es nicht viele St. Michaels-Kirchen, die gewiß allein zur Verehrung des Erzengels erbaut und so benannt wurden? Das nur als ein Beispiel.

Es gilt daher unbedingt zu beachten: Gar nichts und niemand, kein Engel und kein "Heiliger" darf zwischen Gott und den Menschen gestellt werden. Man sollte auch nie meinen, vielleicht irgendeiner Vermittlung zwischen Gott und uns zu bedürfen. Deshalb schrieb Paulus auch ausdrücklich an Timotheus: Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung. (1. Tim. 2, 5). Dieser Mensch ist schon immer Gottes Sohn gewesen und bleibt es in alle Ewigkeit: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen! (Mark. 15, 39). Er ist der einzige Mittler für uns.

Wohl also dem, der durch Jesus Christus mit Gott versöhnt ist. Der kann das dann im Glauben bezeugen, wie es ein Dichter mit diesen schlichten Worten gesagt hat:

Tod, mein Hüttlein kannst du brechen,
Das ein Werk von Leiden ist,
Aber du hast nichts zu rächen,
Meine Sünden sind gebüßt,
Ja, gebüßt, doch nicht von mir,
Nein, mein Mittler starb dafür.

Der Engel stellt sich nicht auf die Ebene des Apostels, sondern betrachtet sich als Mitknecht von Johannes und dessen Brüdern. Er bezeichnete diese dann wie folgt: ... die das Zeugnis Jesu haben. Dieser Ausdruck wurde jedoch zum ersten Mal in Kapitel 1 (Offb. 1, 2) erwähnt, und Johannes erklärte daraufhin etwas weiter auch selbst (Offb. 1, 9), daß er auf der Insel Patmos sei ... um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. Das Zeugnis Jesu ist das, was er den Propheten gab.

Durch die Propheten redete der Geist Jesu Christi, und in diesem Sinne sind dann alle biblischen Autoren ebenfalls Propheten, wie der Hauptmann Kornelius in der Rede des Petrus über den Auftrag Jesu hörte: Und er hat uns geboten, zu predigen dem Volk und zu bezeugen, daß er ist verordnet von Gott zum Richter der Lebendigen und der Toten. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen. (Apg. 10, 43). Deshalb wird man im Himmel nur begnadigte Sünder antreffen. Wer diese grundlegende Wahrheit nicht erfaßt hat, wird das Wort Gottes niemals richtig verstehen.

Außerdem wurde dieses Zeugnis Jesu später in Kapitel 12 (Offb. 12, 17) erwähnt: Und der Drache ward zornig über das Weib und ging hin, zu streiten wider die übrigen von ihrem Geschlecht, die da Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu.; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Das bezog sich auf die Menschen, die alle aus der großen Trübsal gekommen waren und erst in dieser Zeit das Zeugnis Jesu erlangten, da sie dann zum Glauben an ihn kamen.

Engel dürfen nicht angebetet werden, denn sie sind nur Mitknechte von Propheten in dem Sinne, daß alle Geschöpfe nur das Zeugnis weitergeben, dessen Inspiration (= Eingebung) von Jesus kommt. Ihm allein gebührt alle Ehre und Anbetung, denn er allein ist die wahre und einzige Quelle der Prophetie. Demnach ist es grundsätzlich so, daß ein Engel oder ein Mensch, der prophetisch Zeugnis ablegt, allein das weitergibt, was er zuvor von Jesus empfangen hat. Dann wird es gewiß eintreffen.

Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung. Dieser Geist, der durch die Propheten der Bibel sprach, war der Geist Jesu. Das bestätigte der Apostel Petrus, der vom Ziel unseres Glaubens, nämlich der Seelen Seligkeit, schrieb: Nach dieser Seligkeit haben gesucht und geforscht die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die auf euch kommen sollte, und haben geforscht, worauf oder auf was für eine Zeit der Geist Christi deutete, der in ihnen war und zuvor bezeugt hat die Leiden, die über Christus kommen sollten, und die Herrlichkeit danach. (1. Petr. 1, 11). Ebenfalls bezeugte der Apostel Paulus: Der Herr ist der Geist. (2. Kor. 3, 17).

Die gesamte Heilige Schrift, gerade dieses kostbare letzte Buch, redet vom Herrn Jesus. Der Geist, der in der Bibel spricht, ist der Geist Gottes, der von Jesus zeugt. Wie herrlich ist es doch, das prophetische Wort in diesem Lichte zu lesen! Daher haben wir von den Weissagungen nichts verstanden, bis wir Jesus darin erkennen. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. (Joh. 1, 14). Dieses Wort lebt heute noch, denn es kann Menschen verändern.

Von Kapitel 17 bis hierher wird als ein langer Einschub betrachtet, der nötig war, um die große Hure Babylon und die wahre Braut Christi zu beschreiben. Zuvor in Kapitel 16 (Offb. 16, 13-16) wurden die Völker zum Kriege versammelt: Und er hat sie versammelt an einem Ort, der da heißt auf hebräisch Harmagedon. (Vers 16). Das Gericht über deren Könige ist zwar in Kapitel 17 (Offb. 17, 14) erwähnt, jedoch nur als Vorausschau: Sie werden streiten wider das Lamm, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige.

Wenn sich auch manche Prophetie oder Weissagung der Heiligen Schrift bis jetzt noch nicht erfüllt hat, so sollte man dennoch dieses Wort des Herrn beachten, das der Prophet Habakuk niedergeschrieben hat: Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiß kommen und nicht ausbleiben. (Hab. 2, 3). Ganz ähnliche Worte schrieb sodann auch der Apostel Petrus in seinem zweiten Brief: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es etliche für eine Verzögerung achten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. (2. Petr. 3, 9).

Nun wird die chronologische Reihenfolge oder die zeitliche Abfolge der Ereignis-se wieder fortgesetzt, nachdem Johannes seinen Bericht ergänzte mit den Worten:

Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß: Treu und wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Seine Augen sind eine Feuerflamme und auf seinem Haupt viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand wußte als er selbst. Und er war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Und ihm folgte nach das Heer im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer, reiner Leinwand. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen; und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren. (Offb. 19, 11-16).

Sobald die Hochzeit des Lammes im Himmel stattgefunden hat, wird nun anschließend unser Auge gerichtet auf die Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit. Damit schlägt dann eine der größten Stunden der ganzen Heilsgeschichte. Folgenschwere Gerichte waren bereits der Reihe nach, wie wir es in den vorhergehenden Kapiteln verfolgen konnten, über die gottlose Welt gegangen. Die auf Erden wohnen hatten jedoch nicht Buße getan, sich vielmehr verhärtet und Gott gelästert, der sie im voraus gewarnt hatte. Sie lebten weiterhin ohne Gott und wider Gott sorglos dahin. In den Tagen Noahs und Lots war es so, nichts hat sich geändert: ... sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag ... da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn wird offenbar werden. (Luk. 17, 27 + 30).

Die Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit bildet den End- und Höhepunkt aller Gerichte, der sieben Siegel, der sieben Posaunen und der sieben Zornesschalengerichte und ist der Anfangspunkt einer Reihe von sieben Schlußphasen, nämlich: a) die Wiederkunft Jesu Christi (Verse 11-16), b) das Gericht über das Tier und seine Anhänger (Verse 17-21), c) die Gefangennahme des Satans (Offb. 20, 1-3), d) das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi (Offb. 20, 4-6), e) der letzte Kampf gegen Gog und Magog (Offb. 20, 7-10), f) das Weltgericht am Jüngsten Tage (Offb. 20, 11-15) und dann g) das neue Jerusalem und der ewige Zustand (Offb. 21, 1-8).

Es ist ergreifend zu merken, wieviel Einzelheiten der Heilige Geist im Zusammenhang mit der Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit gibt, derweil schließlich das Tausendjährige Friedensreich doch vergleichsweise viel weniger Aufmerksamkeit erhält. Im Gegensatz zu der Entrückung der Gemeinde, von der die Welt bestimmt nichts merken wird, finden wir hier seine sichtbare Erscheinung auf der Erde, wie sie in Kapitel 1 (Offb. 1, 7) schon angekündigt worden ist: Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen.

Bei Sacharja heißt es dazu: Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen. (Sach. 12, 10). Jesus selbst hatte damals gesagt: Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. (Matth. 24, 30). Dieser Augenblick ist nun gekommen, also ein großes und herrliches Ereignis.

Paulus schrieb dann noch: Denn es ist recht bei Gott, Trübsal zu vergelten denen, die euch Trübsal antun, euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe zu geben mit uns, wenn nun der Herr Jesus sich offenbaren wird vom Himmel in Feuerflammen mit der Macht seiner Engel, Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen wollen, und an denen, die nicht gehorsam sind dem Evangelium unsers Herrn Jesus. (2. Thess. 1, 6-8). Dr. Emil Dönges bemerkte dazu in seinem Buch: "Was bald geschehen muß ...", Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 1987: Und während solche Zustände der Sittenlosigkeit und Verhärtung der Herzen wider Gott zur Zeit der Wiederkunft Christi auf Erden herrschen, wütet beim Eintritt dieses Ereignisses gerade ein furchtbarer Krieg im Gelobten Land; es handelt sich um dessen Besitz.

Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß: Treu und wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Insgesamt vier Mal wird im Neuen Testament vom geöffneten Himmel gesprochen: das erste Mal, bei der Taufe des Herrn Jesus (Matth. 3, 16 und Parallelstellen), als der Geist Gottes wie eine Taube auf ihn herabfuhr; das zweite Mal, als Stephanus die Herrlichkeit Gottes sah und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. (Apg. 7, 55). Hier in diesem Vers wird der Himmel zum dritten Male geöffnet, und zwar wegen der Wiederkunft Jesu Christi. Schließlich wird der Himmel noch ein viertes Mal aufgetan werden für die gläubigen Menschen, die ihn sodann in seinem Tausendjährigen Friedensreich anschauen dürfen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf und herab fahren auf den Menschen Sohn. (Joh. 1, 51).

Dazu heißt es in der Offenbarung dann auch noch: Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel ... (Offb. 4, 1). Außerdem: Und der Tempel Gottes im Himmel ward aufgetan ... (Offb. 11, 19). Zudem: Danach sah ich: da ward aufgetan der Tempel, die Stiftshütte im Himmel ... (Offb. 15, 5). Hier wird jedoch immer nur ein Teil im Himmel geöffnet, wohl ein Unterschied zum ganzen Himmel. Dann gibt es da noch eine Stelle im Alten Testament, wo der Prophet Hesekiel in seinem Buch schrieb: ... tat sich der Himmel auf, und Gott zeigte mir Gesichte. (Hes. 1, 1).

Johannes bezeugte nun: ... und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß: Treu und wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Das ist nicht das erste weiße Pferd, dem wir in der Offenbarung begegnen. Kapitel 6 begann bereits mit den Worten: Und ich sah, daß das Lamm eines der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus sieghaft und daß er siegte. (Offb. 6, 1-2).

Dieses erste weiße Pferd trug demgemäß einen Reiter, der einen Bogen hatte und dem eine Krone gegeben ward, und er zog aus sieghaft und daß er siegte. Das war deshalb eine geistlich-politische Eroberergestalt, die über die ganze Erde hinwegstürmte. Sie hatte bestimmt vieles mit Jesus Christus gemeinsam und war ihm daher auch täuschend ähnlich. Dieser verstellte sich aber und brachte unscheinbares Unheil in trügerischer Gestalt. Eine arglistigere Verführung des Teufels ist gewiß kaum vorstellbar, denn es handelte sich um eine Scheinreligion unter einem frommen Deckmantel. Darunter verbarg sich der Siegeszug des gottlosen Humanismus.

Im Altertum ritten und kämpften die Könige auf weißen Pferden. Wenn das Volk der Parther unter ihrem siegreichen König Vologaeses I., König von 51-76 n. Chr., in den Krieg zog, dann eröffnete der erste Reiter auf einem weißen Pferd den mörderischen Kampf. Ähnlich war es im antiken Rom, wo der Triumphator ebenfalls ein weißes Pferd hatte. In einem römischen Triumphzug ritt nämlich der Feldherr, der einen großen Sieg errungen hatte, auf einem weißen Pferd so an der Spitze seines Heeres durch Rom. Allerdings kann man gewiß einen auffälligen Unterschied darin sehen, daß der Triumphzug hier schon beginnt, bevor der Sieg errungen ist.

Das weiße Pferd ist das Sinnbild des Friedens, der Reinheit und der Schnelligkeit. Gewisse Ausleger sind deshalb auch der Ansicht, die Vorstellung eines Krieg führenden Christus stehe im Widerspruch zum Christentum. Allerdings stimmt es gewiß mit der ganzen Linie der Heiligen Schrift überein, daß der niedrige und sanftmütige Jesus von Nazareth, der die Gnade brachte, auch wirklich derselbe ist wie der in Herrlichkeit triumphierende Christus, der nun indessen das Gericht bringt.

Daher heißt es: Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, daß wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unsers Heilandes Christus Jesus, der sich selbst für uns gegeben hat, auf daß er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, daß fleißig wäre zu guten Werken. (Titus 2, 11-14). Wer allerdings bis heute diese Gnade noch nicht angenommen hat, der muß nun mit dem Gericht Gottes rechnen.

Weiß ist hier die Farbe der Gerechtigkeit seiner Gerichte; das Pferd ist ein Symbol für den Kampf, der mit seiner Wiederkunft einhergeht. Gleichzeitig ist es ein Ausdruck von königlicher Würde und Ehre, denn es ist das Reittier der Könige. Dieser Anblick steht in krassem Gegensatz zum damaligen Einzug Jesu in Jerusalem, den Sacharja zuvor prophezeite: Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. (Sach. 9, 9). In Sanftmut ritt Jesus damals in Jerusalem ein, jetzt kommt er als gerechter Kämpfer.

Es ist ein Bild des Triumphes: ... und der darauf saß, hieß: Treu und wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Die Christenheit ist inzwischen untreu geworden, er jedoch nicht. Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge ... (Offb. 1, 5), von dem es dann im letzten Sendschreiben an die Gemeinde zu Laodicea heißt: Das sagt, der da Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes ... (Offb. 3, 14). "Treu" bedeutet, daß er durch und durch zuverlässig ist, kein Vertrauen (derselbe Wortstamm) im Himmel und auf Erden je enttäuscht hat. "Wahrhaftig" ist er, denn er erfüllt wahrlich alle seine Verheißungen; er ist die Wahrheit in Person: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben ... (Joh. 14, 6). Deshalb kann nur er wahrlich richten und streiten mit Gerechtigkeit. Es werden hier die Namen aus dem Alten Testament aufgegriffen, die allein Gott zustehen: Emeth = Treu und Amen = Wahrhaftig; er hat also göttliche Majestät.

In Kapitel 15 (Offb. 15, 3) hieß es auch bereits: Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel; jedoch viele Menschen geben allein Gott die Schuld für alles Unglück in dieser Welt. Oft hört man von ihnen dann die Frage: "Wie kann Gott das zulassen?". Allerdings fragen sie nicht, warum Gott eigentlich noch immer die vielen Sünden zuläßt. Es besteht nämlich schon ein Zusammenhang mit der ersten Sünde und dem ganzen Unglück.

Da die Welt ihn verworfen hat, kommt Jesus jetzt, um dieses letzte Gericht auszuführen. Er selbst hatte es ja damals schon vorausgesagt: Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. (Matth. 24, 30). Der von der Welt längst Totgesagte kommt nun zu ihrem Entsetzen als der Lebendige.

Seine Augen sind eine Feuerflamme und auf seinem Haupt viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand wußte als er selbst. Das war gewiß nicht ungewöhnlich für Johannes, denn so hatte er den erhöhten Herrn auch schon zuvor gesehen: ... und seine Augen wie eine Feuerflamme ... (Offb. 1, 14). Ähnlich ebenso, wie er sich der Gemeinde zu Thyatira vorstellte: Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen ... (Offb. 2, 18). Diese Augen durchdringen alles.

Im Alten Testament wird uns gesagt, daß nach der Babylonischen Gefangenschaft der Hohepriester wohl ineinander verschlungene Kronen auf seinem Haupte getragen hatte. Der Prophet Sacharja berichtete seinerzeit von der Krönung Josuas: Und des Herrn Wort geschah zu mir: Nimm von den Weggeführten, von Heldai und von Tobia und von Jedaja, die von Babel gekommen sind, und geh an diesem selben Tage ins Haus Josias, des Sohnes Zephanjas, nimm von ihnen Silber und Gold und mache Kronen und kröne das Haupt Josuas, des Hohenpriesters, des Sohnes Jozadaks, und sprich zu ihm: So spricht der Herr Zebaoth: Siehe, es ist ein Mann, der heißt "Sproß"; denn unter ihm wird's sprossen, und er wird bauen des Herrn Tempel. (Sach. 6, 9-12). Für "Sproß" steht im Urtext: "Zemach", nach dem Biblischen Namen-Lexikon von Dr. Abraham Meister bedeutet dies: der Gerechte Sprößling, als Name für den Messias. Der Prophet Jesaja weissagte dann in Kapitel 11 seines Buches von dem Messias und seinem Friedensreich und begann dieses mit: Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. (Jes. 11, 1). Demnach beginnt ein allseits bekanntes Weihnachtslied ebenso mit den Worten: Es ist ein Ros' entsprungen aus einer Wurzel zart ... .

Von den Hohenpriestern auf Erden heißt es: Sie dienen aber nur dem Abbilde und Schatten des Himmlischen ... (Hebr. 8, 5). Deshalb erscheint jetzt der himmlische Hohepriester mit vielen Kronen auf seinem Haupte. Darum wird ebenfalls gesagt: Denn einen solchen Hohenpriester sollten wir haben, der da ist heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sünden abgesondert und höher, als der Himmel ist. (Hebr. 7, 26). Dennoch: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zu der Rechten des Thrones der Majestät im Himmel und ist ein Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, welche Gott aufgerichtet hat und kein Mensch. (Hebr. 8, 1-2).

Dazu sei noch bemerkt, daß der Papst, der sich als Stellvertreter Christi auf Erden bezeichnet und sich ebenso als diesen neutestamentlichen Hohenpriester versteht, sich zudem auch diese königliche Würde angeeignet hat. Indem er bei feierlichen Anlässen die Tiara trug, eine mit drei übereinandergesetzten Kronen geschmückte Kopfbedeckung des Papstes, bekundete er, daß der Papst über Kaiser und Könige gesetzt ist. Seit dem Jahre 1964 ist sie allerdings außer Gebrauch, als Paul VI. sie symbolisch ablegte. Zur Zeit des Johannes war der Pontifex Maximus, der Kaiser in Rom, der Herrscher über die Könige in den Provinzen, wie den König Herodes.

Johannes bemerkte alsdann auch noch: ... und er trug einen Namen geschrieben, den niemand wußte als er selbst. Im Alten Testament trug der Hohepriester eine Art Diadem, eine goldene Platte an seiner Stirn, nur mit der eingravierten Schrift: "Heilig dem Herrn". (2. Mose 28, 36). Mit dem Namen wird vielfach das Wesen einer Person bezeichnet. Jesu Name leuchtet wohl blitzend von seiner Stirn, aber keine Kreatur kann mit ihrem Geiste in das Innere seines Wesens eindringen. Nur er selbst und der Vater haben diese tiefgreifende Erkenntnis von einander. Er hat das schon bei seinem Erdenwandel gesagt: Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennt den Vater denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren. (Matth. 11, 27).

Über diesen unbekannten Namen gab es natürlich viele Vermutungen. Man dachte an den unaussprechlichen Namen Gottes, JaHWeH; an das Vorbild Jesu im Philipper-Brief: Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters. (Phil. 2, 9-11).

Meistens denkt man jedoch an einen geheimen, göttlichen Namen, der sodann vor aller Kreatur notwendigerweise verborgen sei. Dabei weist man wohl des öfteren auf eine Stelle im Buch der Richter hin: Aber der Engel des Herrn sprach zu ihm: Warum fragst du nach meinem Namen, der doch geheimnisvoll ist? (Richt. 13, 18).

Dr. P. de Benoit schrieb in seinem bereits mehrmals erwähnten Buch: Wahrscheinlich hat er eine Beziehung zum Namen der Überwinder, der auf einem weißen Stein geschrieben steht, und den niemand kennt, als wer ihn empfängt. (Offb. 2, 17).

Jedenfalls steht dieser Name in einem deutlichen Gegensatz zu dem Antichristen, von dem es heißt, er hatte ... auf seinen Häuptern lästerliche Namen (Offb. 13, 1) oder: ... das war voll lästerlicher Namen (Offb. 17, 3). Diese werden ausgelöscht.

Er sagte nun: Und er war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Es ist ein besonderer Name, dem wir vor allem in den Schriften des Johannes begegnen. So beginnt schon sein Evangelium: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. (Joh. 1,1). Dann bezeugte er: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh. 1, 14). In seinem ersten Brief schrieb er ebenso: Das da von Anfang war, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen, das wir beschaut haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens. (1. Joh. 1, 1). Es berührt uns tief, wenn wir nur daran denken, daß diese herrliche und göttliche Person, die Fleisch wurde auf Erden, das ewige und unvergängliche Wort Gottes war. Dieser war jedoch derjenige, der als solcher die Heiligkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Gnade und die ganze Herrlichkeit Gottes in seinem Leben so auch in seinem Tode offenbarte. Das erste Mal kam er in Niedrigkeit und bestätigte, was Gott zuvor von ihm verheißen hatte. Das ist die Bedeutung des Ausdrucks: Das Wort Gottes: Er selbst ist Gott, und er ist die Offenbarung Gottes in Ewigkeit.

Jesus hatte damals schon bei seinem Erdenwandel gesagt: Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter: Das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage. (Joh. 12, 48). Allerdings ist dieser Zeitpunkt jetzt noch nicht gekommen, aber es ist doch eine ernste Warnung.

Und er war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war. Sein mit Blut besprengtes Kleid dürfte auf ein Zwiefaches hinweisen: Zuerst auf sein Erlösungswerk am Kreuz von Golgatha. Dies bleibt bei seiner Wiederkunft nicht verborgen: Christus aber ist gekommen, daß er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, und ist durch die größere und vollkommenere Hütte eingegangen, die nicht mit Händen gemacht, das heißt: die nicht von dieser Schöpfung ist; er ist auch nicht mit der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigen Blut ein für allemal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben. Denn wenn der Böcke und der Ochsen Blut und die Asche von der Kuh, gesprengt auf die Unreinen, sie heiligt zu der leiblichen Reinigkeit, wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als ein Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! (Hebr. 9, 11-14). Dieses vergossene Blut erwarb ewiges Leben für viele Menschen.

Hippolytus oder Hippolyt, Kirchenschriftsteller, der erste Gegenpapst von 217-235 n. Chr., der dann in dem Jahre auf Sardinien verstorben ist und nun in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger gilt, war ebenso fest davon überzeugt, daß es sich um Christi eigenes Blut handelt. Zur gleichen Zeit vertrat diese Meinung Origenes, genannt Adamantios, ein griechischer Theologe (185-254 n. Chr.) aus Alexandria.

Sodann wurde ein blutiges Gericht schon im Alten Testament angekündigt, das in etwa mit diesem übereinstimmt: Wer ist der, der von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern von Bozra, der so geschmückt ist in seinen Kleidern und einherschreitet in seiner großen Kraft? "Ich bin's, der in Gerechtigkeit redet, und bin mächtig zu helfen." Warum ist denn dein Gewand so rotfarben und dein Kleid wie das eines Keltertreters? "Ich trat die Kelter allein, und niemand unter den Völkern war mit mir. Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Da ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe mein ganzes Gewand besudelt. Denn ich hatte einen Tag der Vergeltung mir vorgenommen; das Jahr, die Meinen zu erlösen, war gekommen. Und ich sah mich um, aber da war kein Helfer, und ich verwunderte mich, daß niemand mir beistand. Da mußte mein Arm mir helfen, und mein Zorn stand mir bei. Und ich habe die Völker zertreten in meinem Zorn und habe sie trunken gemacht in meinem Grimm und ihr Blut auf die Erde geschüttet." (Jes. 63, 1-6). Das in Offb. 14, 17-20 vorgeschattete Gericht führte ein Engel aus, doch kann es trotzdem als einen Hinweis auf dieses Geschehen betrachtet werden.

Dann fuhr der Apostel fort mit seinem Bericht: Und ihm folgte nach das Heer im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer, reiner Leinwand. Wie in Vers 8 erklärt, ist diese weiße, reine Leinwand nicht dasselbe wie das "Leinen", das die Engel tragen. Es handelt sich hier vielmehr um den feinsten, kostbarsten Stoff des Altertums, die edelste Leinwand aus seidenartiger Baumwolle. So ist das Gewand der Heiligen für Gott noch wertvoller als die Kleider der Engel, gemäß Kapitel 15 (Offb. 15,6). Dort steht nämlich das griechische Wort: linon = linon, die normale Bezeichnung für Leinen oder Linnen (Elbf.). Wie in Vers 8, so steht auch hier wiederum: bussoV = byssos, womit das teuerste Gewebe gemeint ist. Daraus können wir ziemlich sicher schließen, daß das Heer im Himmel nicht aus Engeln besteht.

Zunächst muß man davon ausgehen, daß auf den weißen Pferden des Sieges allein der Triumphator und seine Mitstreiter sind, was aber nicht gut zu Engeln paßt. Die mit ihm sind, hieß es in Kapitel 17 (Offb. 17, 14), sind Berufene und Auserwählte und Gläubige. Das sind alle Erlösten, doch hatte Jesus gesagt: Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. (Luk. 22, 14). Hier wird nun kein Unterschied gemacht zwischen der Braut und den Hochzeitsgästen, somit sind alle verherrlichten Heiligen des Alten und des Neuen Testamentes auf jeden Fall mit einbegriffen.

Aus mehreren Stellen der Bibel geht allerdings hervor, daß der Herr Jesus bei seiner Wiederkunft auch von Engeln begleitet wird. Bei seiner ersten Leidensankündigung sagte Jesus seinen Jüngern auch voraus: Denn es wird geschehen, daß des Menschen Sohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken. (Matth. 16, 27). - Ganz ähnlich lauten dann auch die Parallelstellen in den anderen Evangelien. So beispielsweise in Mark. 8, 38: ... mit den heiligen Engeln, sinngemäß Luk. 9, 26.

Ebenso sagte er bei der Ankündigung vom Weltgericht: Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit ... (Matth. 25, 31). Andererseits schrieb Paulus jedoch auch: ... wenn unser Herr Jesus kommt samt allen seinen Heiligen. (1. Thess. 3, 13). Zudem bestätigte er dies noch: Denn es ist recht bei Gott, Trüb-sal zu vergelten denen, die euch Trübsal antun, euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe zu geben mit uns, wenn nun der Herr Jesus sich offenbaren wird vom Him-mel in Feuerflammen mit der Macht seiner Engel, Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen wollen, und an denen, die nicht gehorsam sind dem Evangelium unsers Herrn Jesus. (2. Thess. 1, 6-8). Das steht so im Neuen Testament.

Außerdem Judas, der Bruder des Herrn, redete von Henoch, der schon prophetisch sagte: Siehe, der Herr kommt mit viel tausend Heiligen. (Judas 14). Denn so lautet es in der Einleitung zum Buch Henoch, Vers 9: Und siehe, er kommt mit Myriaden (= viel tausend) Heiliger, um über alle Gericht zu halten. Ein anderer Prophet hat-te es so geweissagt: Da wird dann kommen der Herr, mein Gott, und alle Heiligen mit ihm. (Sach. 14, 5). Das sind Worte aus dem Alten Testament. Man kann daher annehmen, daß die Heiligen im Himmel auf den weißen Pferden des Sieges reiten werden. Dennoch gehören alle heiligen Engel bestimmt zu Jesu weiterem Gefolge.

Daraufhin bezeugte der Apostel Johannes dann: Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen; und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren. Man darf nicht meinen, daß die himmlischen Heere kommen, um das Gericht auszuführen. Nur er wird das ganz allein machen, Jesus selbst, der Sohn Gottes. Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. (Joh. 5, 22-23). Das wird noch einmal bestätigt etwas weiter: ... und hat ihm Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. (Joh. 5, 27). Nun werden zuerst die Lebenden gerichtet, später dann die Toten.

Daher heißt es jetzt hier: Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlüge. Dieses Schwert ist das Wort Gottes, wie es doch fürwahr dann im Hebräer-Brief bestätigt ist: Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. (Hebr. 4, 12). So hatte Johannes schon den erhöhten Sohn Gottes zu Beginn auch gesehen: ... und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert ... (Offb. 1, 16). Damit stellte sich der Herr der Gemeinde zu Pergamon in seiner höchsten richterlichen Autorität vor: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert. (Offb. 2, 12). Ebenso warnte er dann auch: ... wo aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und mit ihnen streiten durch das Schwert meines Mundes. Daraus wurde klar, daß der Herr nicht mit der Gemeinde kämpfen will, sondern nur mit denen, die sich der falschen Lehre ergeben haben.

Das Wort Gottes, dieses scharfe, zweischneidige Schwert ist in seiner Eigenschaft mit keinem irdischen Schwert zu vergleichen. Darum bezeugte der Prophet Jesaja von sich selbst, was der Herr an ihm getan hat: Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht ... (Jes. 49, 2). Weiter erwähnte der Apostel Paulus in seinem Brief an die Epheser die geistliche Waffenrüstung, die für alle Gläubigen außerordentlich beachtenswert ist: ... und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6, 17). Das Schwert ist die einzige Angriffswaffe der Christen, die anderen können allemal nur als Schutzwaffen dienen.

Jesus hatte zu seinen Jüngern gesagt: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. (Joh. 6, 63). Bereits zuvor hatte er schon bestätigt: Wer mein Wort hört und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht. (Joh. 5, 24). Wer bis jetzt nicht geglaubt hat, der kommt in das Gericht. Nun wird er den Antichristen und alle Völker damit schlagen und so sie alle umbringen: ... und alsdann wird der Frevler offenbart werden, welchen der Herr Jesus umbringen wird mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. (2. Thess. 2, 8).

Das wird dann ebenfalls genau erklärt: Und dies wird die Plage sein, mit der der Herr alle Völker schlagen wird, die gegen Jerusalem in den Kampf gezogen sind: ihr Fleisch wird verwesen, während sie noch auf ihren Füßen stehen, und ihre Augen werden in ihren Höhlen verwesen und ihre Zungen im Mund. (Sach. 14, 12).

Der Seher erkannte dann weiter: ... und er wird sie regieren mit eisernem Stabe. Der Prophet Jesaja hatte schon vorausgesagt: ... und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und mit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten. (Jes. 11, 4). Dieses Regieren des Sohnes Gottes wird im ersten messianischen Psalm aufgezeigt: Kundtun will ich den Ratschluß des Herrn. Er hat zu mir gesagt: "Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen." (Psalm 2, 7-9).

Im Neuen Testament steht allgemein das griechische Wort: rabdoV = rhabdos, das sowohl Zepter, Stab, Rute, wie auch Keule bedeutet. Die Hirten hüteten mit eisenbeschlagenen Keulen. Dr. Martin Luther übersetzte Stab, Stecken oder auch Zepter.

So heißt es dann im Hebräer-Brief: ... aber von dem Sohn (Psalm 45, 7-8): "Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit", und: "Das Zepter der Gerechtigkeit ist seines Reiches Zepter. Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehaßt die Ungerechtigkeit; darum hat dich, o Gott, gesalbt dein Gott mit dem Öl der Freude wie keinen andern neben dir." (Hebr. 1, 8-9). Das wird im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi der Fall sein; dann wird Gottes Sohn mit Gerechtigkeit regieren.

Bereits am Anfang der Offenbarung verkündete der erhöhte Herr, der Sohn Gottes (Offb. 2, 18), im Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira: Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen, wie auch ich's von meinem Vater empfangen habe. (Offb. 2, 26-28). Später wurde dann bestätigt: Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Völker sollte weiden mit eisernem Stabe. Und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Thron. (Offb. 12, 5). Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird so kommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. (Apg. 1, 11). Dieses "Knäblein" Jesus, wie er oft dargestellt wird, ist inzwischen dabei, mit großer Macht und Herrlichkeit wiederzukommen. Viele werden dann erstaunt sein!

"Weiden" ist auf Griechisch: poimainw = poimainoo, das mit: poimhn = poimén, "Hirte" zusammenhängt, und: poimnh = poimné oder: poimnion = poimnion, das "Herde" bedeutet. Der Sinn ist: eine Herde wie ein Hirte hüten, und das umfaßt so die gesamte Fürsorge für die Schafe, weiden, pflegen, in Zucht halten, sowie auch vor Feinden schützen. Eine große Sorgfalt zeichnet immer einen guten Hirten aus. Wie sich guter Hirte verhält, erfährt man zudem in Psalm 23 oder in Joh. 10, 1-16.

Sodann wird wiederum gesagt: ... und er tritt die Kelter voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen. Dieses Gericht wurde bereits in Kapitel 14 (Offb. 14, 19-20) mit ähnlichen Worten vorhergesagt: Und der Engel schlug an mit seinem Winzermesser an die Erde und schnitt die Trauben der Erde und warf sie in die große Kelter des Zornes Gottes. Und die Kelter ward draußen vor der Stadt getreten. Der Prophet Jesaja hatte auch schon ein solches Gericht Gottes angekündigt: Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Da ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe mein ganzes Gewand besudelt. (Jes. 63, 3). Ebenso hatte der Prophet Jeremia auch diese Worte des Herrn zuvor geweissagt: Der Herr wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung. Er wird brüllen über seine Fluren hin; wie einer, der die Kelter tritt, wird er seinen Ruf erschallen lassen über alle Bewohner der Erde hin, und sein Schall wird dringen bis an die Enden der Erde. Der Herr wird mit den Völkern rechten und mit allem Fleisch Gericht halten; die Schuldigen wird er dem Schwert übergeben, spricht der Herr. (Jer. 25, 30-31). Der Herr wird allein den Sieg über die Völker erringen; das Heer im Himmel wird ihn begleiten.

Es geht hier um ein Gericht: durch Krieg zum Sieg! Die Völker werden gerichtet, danach werden sie mit einem eisernen Zepter regiert. Zuvor ist jedoch auch noch das Weltgericht über die Lebenden, die zu Beginn des Tausendjährigen Friedensreiches Jesu Christi alle vor ihm erscheinen müssen. Dieser Unterschied muß beachtet werden, damit man diese Ereignisse richtig verstehen und einordnen kann.

Nun bezeugt Johannes: ... und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren. In der Offenbarung wird insgesamt viermal betont, daß der Herr Jesus der König aller Könige ist. Zuerst wurde über den erhöhten Herrn bezeugt: ... von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborne von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! (Offb. 1, 5). Dann, im Lied der Überwinder, sangen sie das Lied des Mose: ... und das Lied des Lammes und sprachen: Groß und wundersam sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. (Offb. 15, 3). Danach hieß es ebenfalls noch: Sie werden streiten wider das Lamm, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Gläubige. (Offb. 17, 14). Zuletzt erfolgte an dieser Stelle der notwendige Hinweis.

Als Mose die neuen Tafeln des Gesetzes erhielt, hatte er die Kinder Israel eindringlich auf das aufmerksam gemacht, was der Herr von Israel fordert und hinzugefügt: Denn der Herr, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige und der Schreckliche, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk nimmt. (5. Mose 10, 17). Daran sollten auch wir immer denken.

Der König Nebukadnezar von Babylon hatte auch bereits etwa 500 v. Chr. von diesem allmächtigen Gott gesagt: Und der König antwortete Daniel und sprach: Es ist kein Zweifel, euer Gott ist ein Gott über alle Götter und ein Herr über alle Könige, der Geheimnisse offenbaren kann, wie du dies Geheimnis hast offenbaren können. (Dan. 2, 47). Wie viele "Könige", hatte er nicht die richtigen Folgerungen gezogen.

Mithradates I., der König der Parther (174-136 v. Chr.), nahm als erster Herrscher nach der Unterwerfung von Medien, Baktrien, Babylonien und Mesopotamien den persischen Titel "König der Könige" an. Als später Julius Cäsar (13.7.100-15.3.44 v. Chr.), römischer Feldherr und Staatsführer, im Jahre 63 v. Chr. nach der "Babylonischen Ordnung" den Titel "Pontifex Maximus" übernahm, wurde er als der erste römische Kaiser ebenfalls der Herrscher über die Könige in den Provinzen. Die Kaiser von Rom setzten diese Ausübung fort bis zum Jahre 376 n. Chr., als Gratian (Flavius Gratianus Augustus), römischer Kaiser (359-25.8.383 n. Chr.), Kaiser seit 367 n. Chr., wegen christlicher (!) Gründe diesen Titel ablehnte. Danach wurde im Jahre 378 n. Chr. der Titel "Pontifex Maximus" dem Bischof von Rom übertragen.

Dieser war damals Damasus I., Papst von 366-384 n. Chr., der sich hierbei auf die Konstantinische Schenkung berief. Dabei eignete er sich dann auch die königliche Würde an, indem von da an kein Kaiser mehr ohne die Zustimmung des Papstes ernannt werden durfte. Als ein deutlich sichtbares Zeichen dafür, daß der Papst über Kaiser und Könige gesetzt ist, trug er bei feierlichen Anlässen die Tiara. Diese ist eine mit drei übereinandergesetzten Kronen geschmückte Kopfbedeckung des Papstes, aber außer Gebrauch seit dem Jahre 1964, als Paul VI. sie symbolisch ablegte.

Nicht an der Krone, nicht an der Stirn, trägt der Herr Jesus diesen Namen, sondern wie eine vorübergehende Zierde auf seinem mit Blut besprengten Kleide. Weshalb aber trägt er den Namen dann auch auf der Hüfte? Weil ihn da die meisten Könige der Erde tragen, nämlich auf der Stelle des Schwertgriffes. Ebenso ziert der Name ihn dort als einem Titel, der sich meist auf Schwertrecht gründet, so jedenfalls bei dem Antichristen und die zehn Königen. Dieser Name dort ist die Kriegserklärung für den Kampf, der nun beginnen soll. Jetzt ist der Augenblick gekommen, den sogar Paulus ersehnte, als er an Timotheus schrieb: ... bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesus Christus, welche uns wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren ... (1. Tim. 6, 14-15).

Einst kam der Herr, wie verheißen war, in Demut und Sanftmut als der Friedefürst und Retter und hielt auf einem Eselsfüllen seinen Einzug in Jerusalem (Matth. 21, 1-9). Jetzt kommt er, da ihn sein Volk und die Welt verworfen hat, als der Richter und Rächer "auf einem weißen Pferde", wie sodann wiederum prophezeit ist, ... in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. (Matth. 24, 30). Diese trotzige Welt, in der er bitteren Haß und den Tod fand, muß sich ihm in Gerechtigkeit unterwerfen, da er mit dem gewaltigen Gefolge vom Himmel hernieder steigt.

Nochmals wird ein weiterer Name des kommenden Herrschers sichtbar, und damit auch das Urteil über die unbußfertige Menschheit mit ihrer Regierung gesprochen. Jesus war immer schon der König aller Könige und Herr aller Herren. Dem Pilatus hatte er geantwortet: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. (Joh. 18, 36) Außerdem: ... ich bin ein König. (Joh. 18, 37). Noch ist das Reich Gottes in den Gläubigen, daher inwendig. Trotzdem muß es durch den Wandel sichtbar werden, darf nicht verborgen bleiben. Muß man jedoch nicht oft fragen: Wo ist der König, der Herrscher, über dein Leben? Darum ist es so wichtig, sich selbst immer diese Frage zu stellen.

Der Seher Johannes fuhr sodann mit seinem Zeugnis fort, indem er jetzt berichtete:

Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen, und er rief mit großer Stimme und sprach zu allen Vögeln, die unter dem Himmel fliegen: Kommt, versammelt euch zu dem großen Mahl Gottes, daß ihr esset das Fleisch der Könige und der Hauptleute und das Fleisch der Starken und der Pferde und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch aller Freien und Knechte, der Kleinen und der Großen! Und ich sah das Tier und die Könige auf Erden und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde saß, und mit seinem Heer. Und das Tier ward gegriffen und mit ihm der falsche Prophet, der die Zeichen tat vor ihm, durch welche er verführte, die das Malzeichen des Tieres nahmen und die das Bild des Tieres anbeteten. Lebendig wurden diese beiden in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte. Und die andern wurden erschlagen mit dem Schwert, das aus dem Munde ging des, der auf dem Pferde saß. Und alle Vögel wurden satt von ihrem Fleisch. (Offb. 19, 17-21).

Das Gericht kommt auf jeden Fall und wird kaum beschrieben. Das Ende wird bereits angekündigt, noch bevor irgend etwas geschehen ist. Johannes bezeugte nun: Und ich sah einen Engel in der Sonne stehen. Diese erhabene Stelle ist der Platz der größten Macht. "In der Sonne" bedeutet nämlich nicht, daß der Engel sich tatsächlich im Sonnenball befand, sondern unzweifelhaft nur, daß er im Sonnenlicht stand, vom Lichte umstrahlt. Diese Sonne ist der Mittelpunkt unseres kosmischen Weltsystems, aber ebenso wird aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit (Mal. 3, 20).

Johannes hörte den Engel dann: ... und er rief mit großer Stimme und sprach zu allen Vögeln, die unter dem Himmel fliegen: Kommt, versammelt euch zu dem großen Mahl Gottes. Wörtlich heißt es: "im Mittelhimmel", wie auch in Offb. 8, 13 und Offb. 14, 6; auf Griechisch: mesouranhma = mesouranéma, demzufolge eigentlich der Zenit, der höchste Punkt der Sonnenbahn (= "mitten" im Himmel, am Mittag), was dann wiederum einen Zusammenhang mit dem vorhergehenden "in der Sonne" herstellt. Aus dem Bereich der höchsten Macht, der himmlischen Herrlichkeit, ergeht dieser Aufruf an alle Vögel. Wie furchtbar ist nun der Gegensatz zwischen diesem "großen Mahl Gottes", zu dem die unreinen Raubvögel der Erde geladen werden, und dem Hochzeitsmahl des Lammes. In Vers 7 lautete die andere Aufforderung: Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet!

Der Antichrist entfaltet seine ganze Macht; aber das widergöttliche Wesen ist gerade in seiner höchsten Steigerung, auf der Spitze seiner materiellen und geistigen Machtentfaltung, doch nur eine aufgeputzte Leiche, ein faulendes Aas, um welches sich die Adler sammeln müssen, so Prof. Dr. Carl August Auberlen (1824-1864). Der Herr Jesus hatte das auch schon in seiner Rede auf dem Ölberge den Jüngern damals vorausgesagt: Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier. (Matth. 24, 28). Dazu ist dann in der Lutherbibel erklärt diese Anmerkung enthalten, die auf diese Stelle hinweist: Alle werden ihn ohne weiteres bemerken, wie man Aas bemerkt an den Geiern (28): ein Bild auch für das Verderben seiner Gegner (Offb. 19, 17-21).

Dieses Festmahl von Leichen, das den Vögeln dargeboten wird, erinnert an die Gerichte der fünften und sechsten Posaune, so wie sie der Prophet Hesekiel vorausgesagt hatte: Auf den Bergen Israels sollst du fallen, du mit deinem ganzen Heer und mit den Völkern, die bei dir sind. Ich will dich den Raubvögeln, allem was fliegt, und den Tieren auf dem Felde zum Fraß geben. (Hes. 39, 4). Wenige Verse weiter gibt der Prophet sodann Einzelheiten: Du Menschenkind, so spricht Gott der Herr: Sage den Vögeln, allem was fliegt, und allen Tieren auf dem Felde: Sammelt euch und kommt herbei, findet euch zusammen von überall her zu meinem Schlachtopfer auf den Bergen Israels, und freßt Fleisch und sauft Blut! Fleisch der Starken sollt ihr fressen, und Blut der Fürsten auf Erden sollt ihr saufen, der Widder und Lämmer, der Böcke und Stiere, all des Mastviehs aus Basan. Und ihr sollt Fett fressen, bis ihr satt werdet, und Blut saufen, bis ihr trunken seid von dem Schlachtopfer, das ich euch schlachte. Sättigt euch von Rossen und Reitern, von Starken und all den Kriegsleuten an meinem Tisch, spricht Gott der Herr. (Hes. 39, 17-20). Furchtbar!

Kommt, versammelt euch zu dem großen Mahl Gottes, daß ihr esset das Fleisch der Könige und der Hauptleute und das Fleisch der Starken und der Pferde und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch aller Freien und Knechte, der Kleinen und der Großen! Hier haben wir nun dieses schreckliche Mahl, an dem sich doch alle Vögel sättigen sollen: an den Kadavern der Feinde Jesu Christi. Diese sind allerdings gleichzeitig auch die Feinde aller seiner Heiligen, die mit ihm erscheinen.

Die Elberfelder Übersetzung lautet so, nach dem Urtext: Kommt her, versammelt euch zum großen Mahl Gottes, damit ihr Fleisch von Königen freßt und Fleisch von Obersten und Fleisch von Mächtigen und Fleisch von Pferden und von denen, die darauf sitzen, und Fleisch von allen, sowohl von Freien als auch Sklaven, sowohl von Kleinen als auch Großen! Merril F. Unger sagte zu diesem Vers: Fünfmal wird das Wort "Fleisch" gebraucht zur Bezeichnung der Leichname, die den Raubvögeln als Futter dienen sollen. Daran erkennt man die Vergänglichkeit allen sündhaften Fleisches: Alles Fleisch ist Gras, und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. (Jes. 40, 6). Jetzt kommt es zu seinem schmachvollen Ende.

Dieses hatte der Prophet Maleachi dann so beschrieben: Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth, und er wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen. (Mal. 3, 19, andere Verszählung 4, 1).

Man kann hier eine sechsfache Aufzählung erkennen: ... daß ihr esset das Fleisch (1) der Könige und (2) der Hauptleute und das Fleisch (3) der Starken und (4) der Pferde und derer, (5) die darauf sitzen, und das Fleisch (6) aller Freien und Knechte, der Kleinen und der Großen! Die Kommunisten werden gewiß erstaunt sein, auch weiterhin noch Klassenunterschiede feststellen zu können. Sie sollten jedoch wissen, bei Gott gibt es kein Ansehen der Person, auch nicht im Gericht. Daher wird es im Himmel bestimmt nur Sünder geben, allerdings nur solche, die um Jesu Willen begnadigt wurden. Ansonsten macht Gott keine Unterschiede, da das Gericht jetzt alle trifft, die Könige, die Großen, die Freien und die Geknechteten.

Bevor wir dann endgültig über den Ausgang des Kampfes hören, wurden alle Vö-gel unter dem Himmel schon zum Mahle des Gerichtes gerufen. Es gab also überhaupt keine Zweifel an dem Sieg des Königs aller Könige und Herrn aller Herren.

Johannes erwähnte dann die Angreifer: Und ich sah das Tier und die Könige auf Erden und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde saß, und mit seinem Heer. Es ist kaum zu glauben, daß sich die Menschheit nach dem verlustreichen und verlorenen Dritten Weltkrieg noch zu solcher Vermessenheit steigern kann. Dennoch ist sie jetzt mehr als bereit, sich diesmal sogar gegen den König aller Könige und Herrn aller Herren zu versammeln. Zu diesem maßlosen Größenwahn wurde die verstockte Menschheit verführt durch ihren "überwältigenden" Führer, den Antichristen, mit seinen Gefolgsleuten und seinem Anhang.

Deren unrühmliches Ende wurde allerdings schon vorausgesagt, da Gott so etwas nicht verheimlicht. Deshalb wurde bereits in Kapitel 17 (Offb. 17, 14) gesagt: Sie werden streiten wider das Lamm, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Gläubige. Es sollte keine Überraschung für uns sein.

Vom eigentlichen Kampf aber gibt es an dieser Stelle keinerlei Beschreibung. Sogar der Ort, an dem die Schlacht stattfindet, wird nicht mehr erwähnt. Da müssen wir schon zurückschauen auf das sechste Zornesschalengericht in Kapitel 16, von dem es hieß: Und der sechste Engel goß aus seine Schale auf den großen Wasserstrom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, damit bereitet würde der Weg den Königen vom Aufgang der Sonne. Und ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister gehen, gleich Fröschen; diese sind Teufelsgeister, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Streit auf jenen großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und bewahrt seine Kleider, daß er nicht nackt wandle und man nicht seine Blöße sehe. Und er hat sie versammelt an einem Ort, der da heißt auf hebräisch Harmagedon. (Offb. 16, 12-16). Dieser "er" ist ohne Frage Gott selbst.

Während also die Dämonen der satanischen Dreieinheit alle Könige auf Erden verführt, um gegen Israel zu ziehen, ist es letztlich der Herr selbst, der sie nun dorthin lenkt. Hier wird jedoch vollends klar, was dann weltweit im Gange ist: Nicht etwa, daß die Völker es mit Gott und dem Lamme (Offb. 17, 14) aufnehmen wollen, sondern mit Israel. Deshalb sei noch einmal ausdrücklich betont: Wer gegen Israel eingestellt ist, der kämpft wider Gott und seinen Gesalbten. Daher hatte der Herr dem Volke Israel durch den Propheten Sacharja zugesagt: Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an. (Sach. 2, 12). Das bedeutet, der bekommt es mit Gott zu tun.

Das gilt natürlich auch im persönlichen Leben. Wer innerlich gegen die Juden eingestellt ist, der ist äußerlich gegen Gott. Kein wahrer Christ kann jemals das Volk Gottes wirklich hassen, denn sonst stimmt etwas mit seinem Glauben nicht. Allerdings gab und gibt es sicherlich immer viele Unwissende in dieser Beziehung. Oft ist es einfach ein Mangel an biblischer Kenntnis, insbesondere des Römer-Briefes. Gottes Weg mit Israel erklärte der Apostel Paulus dort ganz deutlich in Kap. 9-11.

Bereits heute kehren sich immer mehr Völker gegen Israel und damit gegen Gott. Bei den Abstimmungen in der UNO oder im Europäischen Parlament tritt das oft zutage. Man kann dann beobachten, wie alle Welt wieder gegen die Juden ist, genau wie damals vor und während des Zweiten Weltkrieges. Sogar danach wurden die überlebenden Juden aus den Konzentrationslagern noch daran gehindert, nach Palästina einzuwandern. Die Engländer als Besatzungsmacht wollten ihre den Juden gegebene Zusage aus dem Ersten Weltkrieg später nicht mehr einlösen. Juden wurden zurück über Hamburg in Richtung KZ Bergen-Belsen geschickt (Britische Zone in Deutschland), da sie den Arabern ebenfalls Versprechungen gemacht hatten, allerdings anderslautende. Heute gibt es gerade deshalb kein "British Empire" mehr, denn inzwischen hat das britische Weltreich einen gewiß beispiellosen Niedergang erfahren. Die Staatsgründung Israels konnten sie jedoch nicht verhindern.

Das zukünftige Geschehen hat uns der Prophet Sacharja ebenso ganz deutlich vor Augen geführt: Siehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker ringsumher, und auch Juda wird's gelten, wenn Jerusalem belagert wird. Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; denn es werden sich alle Völker auf Erden gegen Jerusalem versammeln. (Sach. 12, 2-3). Außerdem gab Sacharja dann noch weitere Einzelheiten dieses äußerst ungleichen Kampfes: Denn ich werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen Jerusalem. Und die Stadt wird erobert, die Häuser werden geplündert und die Frauen geschändet werden. Und die Hälfte der Stadt wird gefangen weggeführt werden, aber das übrige Volk wird nicht aus der Stadt ausgerottet werden. Und der Herr wird ausziehen und kämpfen gegen diese Heiden, wie er zu kämpfen pflegt am Tage der Schlacht. (Sach. 14, 2-3).

Der Prophet Jesaja weissagte genauso das zukünftige Gottesgericht über die Erde mit den Worten: Die Erde wird taumeln wie ein Trunkener und wird hin und her geworfen wie eine schwankende Hütte. (Jes. 14, 20). Demzufolge wird die ganze Erde ins Schwanken geraten. Dieses Geschehen kann man sich kaum vorstellen.

Johannes sagte: Und ich sah das Tier und die Könige auf Erden und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferde saß, und mit seinem Heer. Um es noch einmal zu betonen: Die Feindschaft Satans und derer, die auf seiner Seite stehen, die gegen Gott und die Seinen gerichtet ist, geht auf den Fall Satans zurück. Seitdem es Menschen gibt, versucht er auch diese zu Fall zu bringen. Sein abgrundtiefer Haß richtete sich zu allen Zeiten immer besonders gegen das Volk Gottes. Diese Feindschaft ist so alt, wie die Geschichte dieses Volkes. - Bei diesem gewaltigen Angriff auf Israel erreicht der bodenlose Haß Satans jetzt seinen absoluten Höhepunkt. Alle Heere des Feindes sind darum auch gerade wi-der Gott und seinen Gesalbten versammelt. Blind vor Haß durch die Feindschaft Satans wagen sie gegen den Herrn der himmlischen Heerscharen zu streiten. Die Völker wissen nicht, gegen wen sie da eigentlich ausgezogen sind! Sind sie heute nicht schon ebenso ahnungslos und selbstsicher in ihrer Anfeindung gegen Israel?

Daniel hatte bereits mehr als 400 Jahre v. Chr. die Ereignisse zur Zeit des Endes mit sehr vielen Einzelheiten vorausgesagt, die sonst aber nirgends zu finden sind: Und zur Zeit des Endes wird sich der König des Südens mit ihm messen, und der König des Nordens wird mit Wagen, Reitern und vielen Schiffen gegen ihn anstürmen und wird in die Länder einfallen und sie überschwemmen und überfluten. Und er wird in das herrliche Land einfallen, und viele werden umkommen. Es werden aber seiner Hand entrinnen Edom, Moab und der Hauptteil der Ammoniter. Und er wird seine Hand ausstrecken nach den Ländern, und Ägypten wird ihm nicht entrinnen, sondern er wird Herr werden über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kostbarkeiten Ägyptens; Libyer und Kuschiter werden ihm folgen müssen. Es werden ihn aber Gerüchte erschrecken aus Osten und Norden, und er wird mit großem Grimm ausziehen, um viele zu vertilgen und zu verderben. Und er wird seine prächtigen Zelte aufschlagen zwischen dem Meer und dem herrlichen, heiligen Berg; aber es wird mit ihm ein Ende nehmen, und niemand wird ihm helfen. (Dan. 11, 36-45). Diese Invasion zu Beginn der dreieinhalbjährigen Trübsalszeit war zunächst ein voller Erfolg für den Antichristen, der sich sodann in Israel breitmachte.

Wer ist denn Edom, Moab und der Hauptteil der Ammoniter? Edom (= "rot") war einst der Name eines Landes und Volkes, das östlich der Araba (im Süden des Toten Meeres) sein Gebiet hatte. Das Land grenzte im Norden an Moab und Ammon (daher: Amman). Moab (= Nachkomme des Vaters) war ein Volk und Land an der Ostseite des Toten Meeres. Alle drei Völker als solche bestehen jedoch seit vielen Jahrhunderten nicht mehr. Die Lage ihrer ehemaligen Gebiete ist fürwahr bekannt.

Moab und Ammon sowie ein Teil Edoms befanden sich ohne jeden Zweifel in der Gegend des heutigen Jordanien, der unbedeutendere Teil Edoms lag in Israel, und zwar in der Wüste südwestlich des Toten Meeres. Daraus läßt sich dann schließen, daß Jordanien und der südliche Teil Israels nicht vom Antichristen besetzt werden.

Es sei in diesem Zusammenhang auch noch daran erinnert, daß der gläubige Überrest des Volkes Israel gerade während dieser Zeit höchst wahrscheinlich dort seine Zuflucht finden wird. In Kapitel 12 (Offb. 12, 6) hieß es: Und das Weib entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hat, bereitet von Gott, daß sie daselbst ernährt würde zwölfhundertsechzig Tage. Das wurde alsdann etwas weiter noch einmal bestätigt: Und es wurden dem Weibe gegeben die zwei Flügel des großen Adlers, daß sie in die Wüste flöge an ihren Ort, wo sie ernährt würde eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit fern vom Angesicht der Schlange. (Offb. 12, 14). Das ist jetzt wohl der Fall, doch diese Zeit endet mit der sichtbaren Wiederkunft Jesu in Herrlichkeit.

Außerdem sei noch erwähnt, daß Edom ein anderer Name für Esau ist. Von seiner Geburt heißt es: Der erste, der herauskam war rötlich, ganz rauh wie ein Fell, und sie nannten ihn Esau. (1. Mose 25, 25). Danach wurde von dem Linsengericht erzählt und gesagt: Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde und sprach zu Jakob: Laß mich essen das rote Gericht; denn ich bin müde. Daher heißt er Edom. (1. Mose 25, 29-30). Edom bedeutet jedoch rötlich oder rot. Edom von rechts nach links gelesen heißt: "Mode"! So sind Modedamen Edomstöchter, die für einen zeitlichen Gewinn sicherlich den ewigen aufs Spiel setzen.

Allerdings prophezeite Daniel dann auch noch: Es werden ihn aber Gerüchte erschrecken aus Osten und Norden, und er wird mit großem Grimm ausziehen, um viele zu vertilgen und zu verderben. (Dan. 11, 44). Eine teilweise Parallele gibt es dazu ebenfalls in Kapitel 16 (Offb. 16, 12), die nun jedoch lautet: Und der sechste Engel goß aus seine Schale auf den großen Wasserstrom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, damit bereitet würde der Weg den Königen vom Aufgang der Sonne.

Hierbei darf man aber grundsätzlich keinen großen Gegensatz zwischen dem Norden und dem Osten sehen, weil östliche Heere doch notwendigerweise, durch die geographische Lage bedingt, sowieso bisher nur aus nördlicher Richtung in Israel eingedrungen sind. Auf demselben Wege von Norden aus über das ausgetrocknete Flußbett des Euphrat wird dann diese andere, bis dahin scheinbar neutrale Macht, die Könige vom Aufgang der Sonne, in Richtung Israel vorrücken. Die Könige der ganzen Welt (Offb. 16, 14) werden dann von Gott ... versammelt an einen Ort, der da heißt auf hebräisch Harmagedon. (Offb. 16, 16). Das ist "Berg von Megiddo", gemäß der Lutherbibel erklärt. Nähere Einzelheiten wurden in Kapitel 16 gegeben.

Der Prophet Sacharja hatte zudem dann geweissagt: Und dies wird die Plage sein, mit der der Herr alle Völker schlagen wird, die gegen Jerusalem in den Kampf gezogen sind: ihr Fleisch wird verwesen, während sie noch auf ihren Füßen stehen, und ihre Augen werden in ihren Höhlen verwesen und ihre Zungen im Mund. Zu der Zeit wird der Herr eine große Verwirrung unter ihnen anrichten, so daß einer den andern bei der Hand packen und seine Hand wider des andern Hand erheben wird. (Sach. 14, 12-13). Ähnlich hieß es auch zuvor bei Hesekiel, da er weissagte: Und ich will über ihn das Schwert herbeirufen auf allen meinen Bergen, spricht Gott der Herr, daß jeder sein Schwert gegen den andern erhebt. (Hes. 38, 21). Es war wohl in Zusammenhang mit den Posaunengerichten, da Gott auch so handelte.

Vom eigentlichen Kampf gibt es allerdings in der Offenbarung keinerlei Beschreibung. Statt dessen sieht Johannes ganz deutlich den Ausgang dieser "Schlacht von Harmagedon", die nach meiner persönlichen Zählung gewiß der Vierte Weltkrieg sein wird. Das "Waterloo" Napoleons oder das "Stalingrad" Hitlers entspricht nur bedingt dem "Harmagedon" des Antichristen. Das unbezweifelbare Ergebnis liegt nämlich in der unmittelbaren Verdammnis, die doch so unsagbar schrecklich sein muß. Der Apostel Johannes bezeugte das dann mit diesen eindringlichen und deshalb vielleicht warnenden Worten: Und das Tier ward gegriffen und mit ihm der falsche Prophet, der die Zeichen tat vor ihm, durch welche er verführte, die das Malzeichen des Tieres nahmen und die das Bild des Tieres anbeteten. Lebendig wurden diese beiden in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte.

Obwohl die Bibel zwar keinerlei Angaben über die Dauer der Kampfhandlungen enthält, kann jedoch auf Grund aller bekannten Einzelheiten mit Sicherheit gefolgert werden, daß diese Schlacht nicht nur die bis zu jenem Zeitpunkt größte, sondern auch eine der kürzesten sein wird. Es kommt nämlich nicht zu einem eigentlichen Kampf, denn die Anführer des Krieges werden kurzerhand sofort verhaftet.

Diese zwei "Tiere" sind uns zuvor in Kapitel 13 zum ersten Male begegnet. So bezeugte dort der Apostel Johannes zunächst einmal: Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. (Offb. 13, 1). Für "Tier" steht alsdann im griechischen Urtext: Jhrion = thérion, womit immer ein wildes Tier oder eine Bestie gemeint ist. Mit diesem Tier aus dem Meer wird zweifellos der Antichrist bezeichnet, der unumschränkte Weltherrscher des bis dahin wieder erstandenen römischen Reiches. Es kann in diesem Falle nämlich nur eine Einzelperson gemeint sein, denn das ganze Reich als solches wird nicht zur Hölle fahren.

Ebenso erwähnte dort der Apostel Johannes wenig später: Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen von der Erde, das hatte zwei Hörner gleichwie ein Lamm und redete wie ein Drache. Und es übt alle Macht des ersten Tieres vor ihm, und es macht, daß die Erde und die darauf wohnen, anbeten das erste Tier, dessen tödliche Wunde heil geworden war. (Offb. 13, 11-12). Dieses zweite Tier wird jedoch an insgesamt drei Stellen (Offb. 16, 13; Offb. 19, 20 und Offb. 20, 10) zur Unterscheidung der "falsche Prophet" genannt, so auch hier. Jedenfalls ist dadurch eine Verwechslung mit dem ersten Tier kaum möglich, jedoch erleiden beide dasselbe Schicksal.

Dieses Schicksal hatte der Prophet Daniel ebenfalls schon vor langer Zeit vorausgesagt: Ich merkte auf um der großen Reden willen, die das Horn redete, und ich sah, wie das Tier getötet wurde und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen wurde. Und mit der Macht der andern Tiere war es auch aus; denn es war ihnen Zeit und Stunde bestimmt, wie lang ein jedes leben sollte. Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende. Ich, Daniel, war entsetzt, und dies Gesicht erschreckte mich. (Dan. 7, 11-15). Das Feuer ist der feurige Pfuhl, der mit Schwefel brannte, der Feuersee.

So wurde nun übersetzt: Lebendig wurden die beiden in den Feuersee geschleudert, der mit Schwefel brannte. (Bruns). Ebenso: - lebendig wurden die zwei in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. (Elbf.). Der Feuersee "brennt mit Schwefel", einem gelben Stoff, der in der Natur in vulkanischen Gebieten gediegen (= rein, ohne Beimischung) und vor allem in zahlreichen Erzen und Mineralen gebunden vorkommt und an der Luft ziemlich leicht brennt. Demgemäß ist ein brennender Schwefelsee auf jeden Fall sehr heiß und stinkt dazu fürchterlich.

Zur Kombination "Feuer und Schwefel" hatte der Prophet Jesaja auch geweissagt: Denn die Feuergrube ist längst hergerichtet, ja, sie ist auch dem König bereitet, tief und weit genug. Der Scheiterhaufen darin hat Feuer und Holz die Menge; der Odem des Herrn wird ihn anzünden wie ein Schwefelstrom. (Jes. 30, 33). Dieser "Schwefelstrom" war jedoch ursprünglich ein Platz im Hinnomtal bei Jerusalem (von diesem Tal leitet sich das Wort "Gehenna" ab!), ein Schauplatz des Götzendienstes des Moloch (2. Kön. 23, 10; Jer. 7, 31 f., Jer. 19, 6 + 11-14), dennoch in Jesaja klingt die übertragene Bedeutung nun schon an: der Schwefelstrom ist die Hölle. Der "König" in diesem Vers ist dann gewiß der letzte überhebliche König Israels: der Antichrist. Wie in Offb. 19, 20 wird er schon für die Hölle bestimmt.

Das Hinnomtal oder Tal Ben-Hinnom zieht sich an der Südmauer Jerusalems entlang. Bis jetzt diente dieses verrufene Tal, eine Schlucht, als Ablagerungsstätte für Müll, Schutt und Aas. Das Stadttor, durch das der Weg von Jerusalem direkt dorthin führt, heißt das Misttor. Nach der Überlieferung wurde dort fortwährend Müll verbrannt, dadurch entstand so eine ständig schwelende und stinkende Brandstätte. Dieses Tal galt deshalb jedem Juden als der in jeder Hinsicht abscheulichste Ort.

Der "Feuersee" ist dasselbe, was an anderer Stelle "Hölle" (griechisch: gehnna = gehenna, siehe u. a. Matth. 10, 28), das "unauslöschliche Feuer" (Mark. 9, 43) und das "ewige Feuer" (Matth. 25, 41 und Judas 7) genannt wird. Dieser Ort darf allerdings nicht verwechselt werden mit dem "Hades", dem Totenreich, in dem alle anderen Verlorenen nach ihrem Tode zunächst verbleiben müssen, bis zu ihrer späteren Auferstehung zum Jüngsten Gericht. Diese Bezeichnung hatte Jesus damals gebraucht: Die Königin vom Süden wird auftreten im Jüngsten Gericht mit den Leuten dieses Geschlechts und wird sie verdammen; denn sie kam von der Welt Ende, zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe, hier ist mehr als Salomo. (Luk. 11, 31). In Luk. 16, 22-26 ist zu erkennen, daß der "Hades", das Totenreich, sowohl das "Gefängnis" wie auch das "Paradies" beinhaltet, allerdings räumlich getrennt. Das Alte Testament hat dafür das hebräische Wort: scheol, im Neuen Testament steht immer das griechische: hadhV = hadés für den vorläufigen Aufenthaltsort der Toten.

Vorab erhalten demnach die Anführer des Krieges ihre gerechte Strafe. Hier wird betont, daß sie ohne den Tod zu sehen in die Verdammnis fahren. Andererseits erklärte der Prophet Daniel alsdann jedoch: ... und ich sah, wie das Tier getötet wurde und sein Leib umkam und ins Feuer geworfen wurde. (Dan. 7, 11). Eines ist dabei allerdings sicher, daß beide leibhaftig in den feurigen Pfuhl geworfen wurden.

Dadurch sind sie die einzigen Menschen, die unmittelbar an jenem Ort der ewigen Qual landen, den die Bibel auch "Gehenna" nennt. Damit ist tatsächlich die wahre Hölle oder die ewige Verdammnis gemeint. Von dort gibt es keinen Weg mehr zurück. Die Anhänger der Allversöhnung irren gewaltig, wenn sie meinen, daß eventuell doch dermaleinst alle noch "selig" werden könnten. An keiner Stelle der Heiligen Schrift steht hingegen nur die geringste Andeutung, daß man aus dem "feurigen Pfuhl, der mit Schwefel brennt" in späterer Zeit wieder herauskommen würde.

Die Übersetzung Dr. Martin Luthers von 1. Samuel 2, 6 ist diesbezüglich eher irreführend: Der Herr tötet und macht lebendig, führt in die Hölle und wieder heraus. (Luthertext von 1912). Heute heißt es genauer: Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Damit ist nämlich das Totenreich gemeint, in dem die Seelen der selig Verstorbenen aufbewahrt werden, das Paradies.

Einer der Übeltäter hatte sich bei der Kreuzigung an Jesus gewandt: Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. (Luk. 23, 42-43).

Daß der Antichrist sowie der falsche Prophet leibhaftig in die Verdammnis fahren, läßt den Gegensatz bewußt werden zur Hinwegnahme, die Henoch und Elia mitgemacht haben. So wird von Henoch berichtet: Henoch war 65 Jahre alt und zeugte Methuschelach. Und Henoch wandelte mit Gott. Und nachdem er Methuschelach gezeugt hatte, lebte er 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, daß sein ganzes Alter ward 365 Jahre. Und weil er mit Gott wandelte, nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen. (1. Mose 5, 21-24). Dazu gibt es eine Bestätigung im Hebräer-Brief: Durch den Glauben ward Henoch weggenommen, daß er den Tod nicht sähe, und ward nicht mehr gefunden, darum daß ihn Gott wegnahm; denn vor seiner Wegnahme hat er das Zeugnis gehabt, daß er Gott gefallen habe. (Hebr. 11, 5). Ähnlich wurde Elia entrückt, da Elisa bei ihm war: Und als sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wetter gen Himmel. (2. Kön. 2, 11).

Auch die beiden Zeugen der Trübsalszeit werden leibhaftig in den Himmel aufgenommen, wie in Kapitel 11 erwähnt: Und nach drei Tagen und einem halben fuhr in sie der Geist des Lebens von Gott, und sie traten auf ihre Füße; und eine große Furcht fiel auf alle, die sie sahen. Und sie hörten eine große Stimme vom Himmel zu ihnen sagen: Steiget herauf! Und sie stiegen auf in den Himmel in einer Wolke, und es sahen sie ihre Feinde. (Offb. 11, 11-12). Lebendig stiegen diese auf in den Himmel und es sahen sie ihre Feinde, die lebendig in die Hölle geworfen werden.

So übervoll ist jedoch das Maß ihrer Bosheit, daß die beiden Anführer als einzige ohne Aburteilung sofort in den Feuersee geworfen werden. Beide werden "Tiere" genannt, der Antichrist und sein Prophet, das erste und das zweite Tier, die hohen Tiere der Endzeit. Der falsche Prophet bewog alsdann die Menschheit, ... daß die Erde und die darauf wohnen, anbeten das erste Tier (Offb. 13, 12), den Antichristen. Er sorgte dafür, daß die auf Erden wohnen sich ein Bild machen sollten von dem Tier ... und machte, daß alle, welche nicht des Tieres Bild anbeteten getötet würden (Offb. 13, 15). Beide sind zwar satanischen Ursprungs, stehen auch in enger Verbindung, dennoch werden sie immer deutlich voneinander unterschieden.

Der Apostel Paulus hat das Auftreten des Antichristen beschrieben und dabei gesagt: ... und alsdann wird der Frevler offenbart werden, welchen der Herr Jesus umbringen wird mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. (2. Thess. 2, 8). Durch sein Wort ver-leiht und entzieht er den Lebensodem, bewirkt darum Nähe oder Ferne von Gott.

So ergeht es nun auch tatsächlich den anderen, womit die Könige auf Erden und ihre Heere gemeint sind: Und die andern wurden erschlagen mit dem Schwert, das aus dem Munde ging des, der auf dem Pferde saß. Und alle Vögel wurden satt von ihrem Fleisch. Das Wort des Herrn führt alsdann das Gericht und Ende der Gottlosen herbei. Der Prophet Sacharja hat damals angekündigt: Zu der Zeit, spricht der Herr, will ich alle Rosse scheu und ihre Reiter irre machen, aber über das Haus Juda will ich meine Augen offen halten und alle Rosse der Völker mit Blindheit plagen. (Sach. 12, 4). Das erinnert außerdem noch an die große Kelter des Zornes Gottes: Und die Kelter ward draußen vor der Stadt getreten, und das Blut von der Kelter ging bis an die Zäume der Pferde tausendsechshundert Feld Wegs weit. (Offb. 14, 20). Das sind also 1600 Stadien, eine Strecke von 300 km.

Zur Zeit der Schlacht werden alle Heere der Völker auf einer Gesamtlänge von nahezu 300 km aufmarschieren. Wenn dann die Kelter "draußen vor der Stadt", nämlich vor den Toren Jerusalems, getreten wird, dann steht das Blut der Toten dort etwa 1,50 m hoch, "bis an die Zäume der Pferde". Ob die "Pferde" hier allerdings wörtlich oder sinnbildlich gemeint sind, ist wohl unwesentlich. Es gibt aber keinen triftigen Grund gegen eine buchstäbliche Auslegung. Dennoch muß damit nicht unbedingt gesagt sein, daß der Blutstrom nun auf der ganzen Länge des Schlachtfeldes diese Höhe erreicht. In Harmagedon und anderen Orten mag das gewiß ohne weiteres der Fall sein, denn Schwerpunkte wird es wohl überall in Israel geben. Auf dieser ganzen Kampflinie wird das Blut in Strömen fließen.

Und alle Vögel wurden satt von ihrem Fleisch. Das ist wie schon in Vers 18 angekündigt. In dem Zusammenhang stellte Wim Malgo dann aber auch die Frage: Sind die "Vögel" nicht Flugverbände der aufrührerischen Könige, die die antichristlichen Heere mit dem Tier an der Spitze bombardieren, während diese da- bei sind, sich in Harmagedon zu versammeln? Eine genaue Antwort darauf kann man jetzt nicht geben, obwohl eine wörtliche Auslegung nun eher angebracht ist.

Als Jesus mit seinen Jüngern auf dem Ölberge saß, hatte er ihnen vorausgesagt: Denn wie der Blitz ausgeht vom Aufgang und leuchtet bis zum Niedergang, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier. (Matth. 24, 27-28). Das deutet nun auf eine wörtliche Auslegung.

Der Herr Jesus hat dann aber noch hinzugefügt: Bald aber nach der Trübsal jener Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. (Matth. 24, 29-31). Im Evangelium nach Lukas sind diese Worte ergänzt:

Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Er-den wird den Leuten bange sein, und sie werden zagen, denn das Meer und die Wasserwogen werden brausen, und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn auch der Himmel Kräfte werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. (Luk. 21, 25-27). Die Menschen werden von Angst und Schrecken befallen.

Gar mancher Bibelleser ist über diese Sammlung der "Auserwählten" gestolpert. Man meinte, darin einen Beweis dafür zu sehen, daß die Entrückung der Gemein-de erst nach der großen Trübsal stattfinden wird. Doch in diesem Vers geht nicht die Rede von der Entrückung der Gemeinde, sondern im Gegensatz dazu von der Sammlung der "Auserwählten", von denen der Herr zuvor in den Versen 22 und 24 gesprochen hat, also vom Volke Israel. Es wäre gewiß völlig unlogisch, wenn Jesus in einer zusammenhängenden Rede mit dem Wort "Auserwählte" zweimal Israel und das dritte Mal die Gemeinde bezeichnet hätte. Vielmehr bestätigte der Herr die Weissagung des Propheten Hesekiel, die Gott ihm damals gegeben hatte.

Darum - so spricht Gott der Herr: Nun will ich das Geschick Jakobs wenden und mich des ganzen Hauses Israel erbarmen und um meinen heiligen Namen eifern. (Hes. 39, 25). Weiter heißt es dort: Dann werden sie erkennen, daß ich, der Herr, ihr Gott bin, der ich sie unter die Heiden weggeführt habe und wieder in ihr Land sammle und nicht einen von ihnen dort zurücklasse. Und ich will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen; denn ich habe meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen, spricht Gott der Herr. (Hes. 39, 28-29). Daher das Ende der Trübsal.

Der Prophet Joel hatte die Ausgießung des Heiligen Geistes über Israel am Ende der Zeit ebenfalls so vorausgesagt: Und ihr sollt's erfahren, daß ich mitten unter Israel bin und daß ich, der Herr, euer Gott bin, und sonst keiner mehr, und mein Volk soll nicht mehr zuschanden werden. Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. (Joel 2, 27- 3, 1). Eine Vorerfüllung in den Gläubigen hat mit dem ersten Pfingsten begonnen.

Inzwischen leben über drei Millionen Juden in Israel, jedoch sind beinahe zwölf Millionen noch immer in vielen Ländern verstreut. Wenn Jesus sichtbar wiederkommt, werden sie alle, bis auf den letzten, nach Israel zurückkehren. Das ist die Sammlung der "Auserwählten", von der Jesus in der Ölbergrede gesprochen hat.

Bei diesem von mir so bezeichneten Vierten Weltkrieg sollte man aber auch wie-der an die vier verschiedenen, sich gegenseitig ergänzenden Strafformen denken, die Gott zur Zeit großer Gerichte anwendet, daher sicherlich genauso dieses Mal: Denn so spricht Gott der Herr: Wenn ich meine vier schweren Strafen, Schwert, Hunger, wilde Tiere und Pest, über Jerusalem schicken werde, um darin auszurotten Menschen und Vieh, siehe, so sollen einige übrigbleiben und davonkom- men, die Söhne und Töchter herausbringen werden. (Hesekiel 14, 21-22). Es besteht somit kein Zweifel daran, daß einige im Volke Israel übrigbleiben werden.

Das wird dann ebenfalls eindeutig bestätigt durch eine Weissagung des Propheten Sacharja: Und es soll geschehen in dem ganzen Lande, spricht der Herr, daß zwei Teile darin ausgerottet werden sollen und untergehen, und nur der dritte Teil soll darin übrigbleiben. Und ich will den dritten Teil durchs Feuer gehen lassen und läutern, wie man Silber läutert, und ihn prüfen, wie man Gold prüft. Die werden dann meinen Namen anrufen, und ich will sie erhören. Ich will sagen: Es ist mein Volk; und sie werden sagen: Herr, mein Gott! (Sach. 13, 8-9). Das wird kommen.

Der Apostel Paulus hat dazu eine andere Prophezeiung im Alten Bund angeführt, da er im Römer-Brief schrieb: ... und alsdann wird das ganze Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jes. 59, 20; Jer. 31, 33): "Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der da abwende das gottlose Wesen von Jakob. Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden werde wegnehmen." (Röm. 11, 26-27). Es wird das "ganze Israel" gerettet werden, alle jedoch durch Buße und Bekehrung.

Der Prophet Daniel hatte Nebukadnezars Traum von den vier Weltreichen gedeutet und zu diesem König von Babel (= Babylon) gesagt: Das sahst du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, daß man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg, so daß er die ganze Welt füllte. (Dan. 2, 34-35). Anschließend gab Daniel dann die genaue Deutung:

Und daß die Zehen an seinen Füßen teils von Eisen und teils von Ton sind, bedeutet: zum Teil wird's ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein. Und daß du gesehen hast Eisen mit Ton vermengt, bedeutet: sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander vermischen, aber sie werden doch nicht aneinander festhalten, so wie sich Eisen mit Ton nicht mengen läßt. Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben, wie du ja gesehen hast, daß ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden vom Berg herunterkam, der Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte. So hat der große Gott dem König kundgetan, was dereinst geschehen wird. Der Traum ist zuverlässig, und die Deutung ist richtig. (Dan. 2, 42-45). Das geschieht bei der Wiederkunft Jesu Christi.

Der Prophet Joel hat zudem Gottes Strafgericht über die Heiden dann so beschrieben: Denn siehe, in jenen Tagen und zu selben Zeit, da ich das Geschick Judas und Jerusalems wenden werde, will ich alle Heiden zusammenbringen und will sie ins Tal Josaphat hinabführen und will dort mit ihnen rechten wegen meines Volks und meines Erbteils Israel, weil sie es unter die Heiden zerstreut und sich in mein Land geteilt haben; sie haben das Los um mein Volk geworfen und haben Knaben für eine Hure hingegeben und Mädchen für Wein verkauft und vertrunken. (Joel 4, 1-3). Weiter sagte er alsdann: Die Heiden sollen sich aufmachen und heraufkommen zum Tal Josaphat; denn dort will sich sitzen und richten alle Heiden ringsum. - Greift zur Sichel, denn die Ernte ist reif! Kommt und tretet, denn die Kelter ist voll, die Kufen laufen über, denn ihre Bosheit ist groß! Es werden Scharen über Scharen von Menschen sein im Tal der Entscheidung; denn des Herrn Tag ist nahe im Tal der Entscheidung. Sonne und Mond werden sich verfinstern, und die Sterne halten ihren Schein zurück. Und der Herr wird aus Zion brüllen und aus Jerusalem seine Stimme hören lassen, daß Himmel und Erde erbeben werden. Aber seinem Volk wird der Herr eine Zuflucht sein und eine Burg den Kindern Israel. (Joel 4, 12-16).

Das wird alles am Ende der 70. Jahrwoche nach Daniel 9, 27 geschehen, am Ende der zweiten Hälfte der siebenjährigen Trübsalszeit für Israel. Diese eigentliche große Trübsal dauert demnach dreieinhalb Jahre oder zweiundvierzig Monate, was gemäß der biblischen Rechnung dann genau 1260 Tage sind, da dort jeder Monat immer dreißig Tage zählt. Viele Einzelheiten darüber erfuhr zwar zuerst der Prophet Daniel, der damals jedoch damit nichts anfangen konnte, denn er verstand's nicht.

Er bezeugte allerdings dann: Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. ... Und ich hörte den Mann in leinenen Kleidern, der über den Wassern des Stroms stand. Er hob seine rechte und linke Hand auf gen Himmel und schwor bei dem, der ewiglich lebt, daß es eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit währen soll; und wenn die Zerstreuung des heiligen Volks ein Ende hat, soll dies alles geschehen. Und ich hörte es, aber ich verstand's nicht und sprach: Mein Herr, was wird das Letzte davon sein? Er aber sprach: Geh hin, Daniel; denn es ist verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit. Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden's nicht verstehen, aber die Verständigen werden's verstehen. Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft und das Greuelbild der Verwüstung aufgestellt wird, sind tausendzweihundertneunzig Tage. Wohl dem, der da wartet und erreicht tausenddreihundertfünfunddreißig Tage! (Dan. 12, 1 + 7-12). Das muß man erklären.

Der Name Josaphat bedeutet: JaHWeH richtet. Am Ende dieser dreieinhalb Jahre, zweiundvierzig Monate oder 1260 Tage wird der Herr sein Gericht halten, daraufhin folgt dann die Wiederkunft Jesu Christi in großer Kraft und Herrlichkeit. Dies könnte genau zum Schluß der zweiundvierzig Monate oder 1260 Tage stattfinden. Jedoch heißt es dann: Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft und das Greuelbild der Verwüstung aufgestellt wird, sind tausendzweihundertneunzig Tage. (Dan. 12, 11). Demnach geht das einen Monat oder 30 Tage über diese Zeit hinaus, daher sind es insgesamt dreiundvierzig Monate oder 1290 Tage (also 1260 + 30 = 1290 Tage). Das bedeutet bestimmt, daß das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi zunächst nicht unmittelbar nach seiner Wiederkunft aufgerichtet wird.

Außerdem wird bei Daniel allerdings noch eine andere Zahl genannt: tausenddreihundertfünfunddreißig Tage. Nachdem so das tägliche Opfer abgeschafft und das Greuelbild der Verwüstung aufgestellt wurde, sind es dann 44 ½ Monate bis diese glückselige Zeit anbricht. Das sind vom Ende der großen Trübsal (1260 Tage) an gerechnet also nochmals 75 Tage dazu (30 + 45 = 75 Tage oder ebenso 1 Monat + 1 ½ Monate = 2 ½ Monate), die dann zwischen der Wiederkunft Jesu Christi und der Aufrichtung seines Tausendjährigen Friedensreiches liegen. Am Ende der vorhergehenden Zeitalter findet ebenfalls der Abschluß der ersten Auferstehung statt.

Die Entweihung des dritten Tempels in Jerusalem, auch Tempel der Trübsalszeit genannt, durch den Antichristen geht demnach 30 Tage über das Ende der großen Trübsal (1260 Tage) hinaus. Diesbezüglich heißt es: Und in der Mitte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer abschaffen. Und im Heiligtum wird stehen ein Greuelbild, das Verwüstung anrichtet, bis das Verderben, das beschlossen ist, sich über die Verwüstung ergießen wird. (Dan. 9, 27). In den 30 Tagen wird dann der "Greuel der Verwüstung", wie Jesus es nannte (Matth. 24, 15), beseitigt werden. Warum der Herr sich dafür 30 Tage Zeit nimmt, ist ein Geheimnis. Möglich ist, daß wir vielleicht wieder im Zahlenwert einen Hinweis finden. Die biblische Bedeutung der Zahl 30 ist "Sonne", ein Bild für Jesus, die "Sonne der Gerechtigkeit" (Mal. 3, 20). Im Buch der Richter wird gesagt: So sollen umkommen, Herr, alle deine Feinde! Die ihn aber liebhaben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht! (Richt. 5, 31). Die ältere Übersetzung lautet, nun etwas stärker ausgedrückt: Also müssen umkommen, Herr, alle deine Feinde! Die ihn aber liebhaben, müssen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Macht! (Luthertext von 1912).

So wird der Herr Jesus auf dieser Erde erscheinen, und dann während 30 Tagen immer heller leuchten und dadurch die tiefen Schatten verdrängen, die das antichristliche Reich hinterlassen hat. Es wird dann sein, wie bei einem Sonnenaufgang: Am noch dunklen Horizont erscheint auf einmal die Sonne; sie geht lang- sam auf, strahlt immer heller und verdrängt alle Schatten der Finsternis. Nun erkennt man erst richtig, daß inzwischen ein neuer Tag angebrochen ist. Nach der schrecklichen großen Trübsal wird die Welt in diesen 30 Tagen wahrscheinlich langsam zur Ruhe kommen, und alles wird sich so auf den Menschensohn Jesus Christus besinnen. Vielleicht wird auch schon in diesen 30 Tagen das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi in einer Art Neuschöpfung erstellt, aber es beginnt noch nicht in diesen Tagen, sondern erst 45 Tage oder 1 ½ Monate später.

Ähnlich war es auch bei der Sintflut, der großen Flut in den Tagen Noahs, daß nämlich die Wasser des Gerichtes sich nur langsam verliefen (1. Mose 8, 5-14). Ebenso wird es sein mit dem Verlauf der Gerichte vor der Aufrichtung des Tausendjährigen Friedensreiches Jesu Christi auf Erden; es werden die Feinde dann nur nach und nach beseitigt werden und die Segnungen nach den Gerichten sich damit immer völliger einstellen. Dieser Zusammenhang wird deutlich sichtbar.

Bei Daniel heißt es dann: Wohl dem, der da wartet und erreicht tausenddreihundertfünfunddreißig Tage! (Dan. 12, 12). (1290 + 45 = 1335 Tage). Die biblische Bedeutung der Zahl 45 ist "irdisch". Diese Zeitspanne betrifft dann das irdische Gericht oder das Weltgericht, wo hier auf dieser Erde darüber entschieden wird, wer in dieses Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi kommt und wer nicht. - Demnach ist es gewiß so, daß weitere 45 Tage lang Gerichte stattfinden werden.

Zuerst wurde das Tier, der Antichrist, und mit ihm der falsche Prophet gegriffen und lebendig in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte. Die anderen wurden erschlagen, und alle Vögel wurden satt von ihrem Fleisch. Das ist geschehen bei der Schlacht von Harmagedon, sozusagen dem Vierten Weltkrieg.

Dieses Weltgericht der Lebenden auf der Erde hat der Herr Jesus gleichnishaft so beschrieben: Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleichwie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. (Matth. 25, 31-33). Es ist nämlich so, daß ein Hirte bei den Schafen die Milch sucht und findet. Bei den Menschen wird der gute Hirte danach suchen, ob sie erfüllt sind von seiner Liebe.

Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin gefangen gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dich gespeist? oder durstig und haben dich getränkt? Wann haben wir dich als einen Fremdling gesehen und beherbergt? oder nackt und haben dich bekleidet? Wann haben wir dich krank oder gefangen gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matth. 25, 34-40). Es geht insbesondere um Judenfreundlichkeit oder Judenfeindlichkeit bei diesem Gericht, ob man ganz praktische Dinge den Juden getan hat oder auch nicht. Die Juden, seine "geringsten Brüder" nach dem Fleisch, werden während der großen Trübsal den Verfolgungen des Antichristen ausgesetzt sein. Diese Bedrängnis wird noch entschieden schrecklicher sein als bei den Nationalsozialisten, auch für die Menschen aus anderen Völkern. Dieser "Menschen Sohn" hat seine Volkszugehörigkeit nie verleugnet. Jesus Christus, der Sohn Gottes, wurde als Jude geboren. Es wird betont: Daher mußte er in allen Dingen seinen Brüdern gleich werden ... . (Hebr. 2, 17).

Bei diesem Gericht wird demgemäß entschieden: Wer den Juden während dieser großen Trübsal geholfen hat, wird in das Tausendjährige Friedensreich Jesu Chri-sti eingehen (Matth. 25, 34). Die anderen werden später in die ewige Pein gehen:

Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Da werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder als einen Fremdling oder nackt oder krank oder gefangen und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige Leben. (Matth. 25, 41-46). Demnach gehen auch sie sofort lebendig in die Hölle.

Das wird nach der Bibel das grauenvolle Ende dieses Zeitalters sein. Es wird also nicht einem wunderschönen Sonnenuntergang gleichen, wie das so viele, die ihre Bibel nicht kennen und sie auch nicht glauben, glaubhaft machen wollen. Im Gegegenteil, es wird enden, wie man in den vorhergehenden Kapiteln sehen konnte, in Nacht und Grauen. Es heißt: ... auf das erfüllt würde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte (Jes. 53, 1): "Herr, wer glaubt unserm Predigen? ..." (Joh. 12, 38, ebenso Röm. 10, 16). Lachen und spotten nicht viele über solche Ansichten?

Wie ist die Welt so blind und tot,
Und schläft in Sicherheit.
Und meint, des großen Tages Not,
Ist noch so fern, so weit!

Leider trifft das heutzutage in zunehmendem Maße auch auf die "religiöse" Welt zu, denn die großen Kirchen und manche Gemeinschaften sind davon betroffen.

Doch bevor das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi anbrechen kann, wird auch noch der Teufel gebunden, wie wir dann im nächsten Kapitel sehen werden.
 

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