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Kapitel 18

Im Anhang, den die Kapitel 17 und 18 bilden, bezeugte der Apostel Johannes, was mit Babylon bezeichnet wird und warum es dann unbedingt gerichtet werden muß. Babylon wird, wie schon gesagt, auf zwiefache oder zweierlei Weise so dargestellt: zuerst in Gestalt eines Weibes (Kapitel 17) und danach im Bild einer Stadt (Kapitel 18). Das Weib symbolisiert die falsche religiöse Macht und die Stadt weist auf die wirtschaftlich-politische Macht, die zunächst darunter steht, dann jedoch das Weib überwindet. Der Untergang Babylons wird nun in diesem Kapitel näher betrachtet. Der Apostel Johannes hat dann sein Zeugnis wieder mit diesen Worten fortgesetzt:

Und danach sah ich einen andern Engel niederfahren vom Himmel, der hatte große Macht, und die Erde ward erleuchtet von seinem Glanz. Und er schrie mit großer Stimme und sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große, und ist eine Behausung der Teufel geworden und ein Gefängnis aller unreinen Geister und ein Gefängnis aller unreinen und verhaßten Vögel. Denn von dem Zorneswein ihrer Hurerei haben alle Völker getrunken, und die Könige auf Erden haben mit ihr Unzucht getrieben, und die Kaufleute auf Erden sind reich geworden von ihrer großen Üppigkeit. (Offb. 18, 1-3).

Das ist die Zeit, in welcher der Antichrist seine Macht festigen wird, indem er das Weib entmachtet. Etwa in der Mitte der siebenjährigen Trübsalszeit wird das sein, wenn nur der gläubige Überrest aus Israel sich vor dessen Zugriff verbergen kann. Darum wird von diesem Zeitpunkt an keine andere Religion mehr erlaubt sein, als allein der Götzendienst, den der falsche Prophet herbeiführen wird. Jeder Mensch wird alsdann verpflichtet sein, sich vor dem Bild des Antichristen niederzubeugen und ihm göttliche Verehrung zu erweisen. Was die Kaiser in Rom einst verlangten, das wird auch das Haupt des wiedererstandenen römischen Reiches beanspruchen.

Zu Anfang von Kapitel 17 rief einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen des Gerichtes hatten, zu Johannes: Komm, ich will dir zeigen das Urteil der großen Hure. (Offb. 17, 1 - Luthertext von 1912). Nun aber wird das Urteil vollstreckt und das Gericht vollzogen. Kapitel 18 beginnt daher mit den Worten: Und danach sah ich ..., was aber im griechischen Urtext genau mit dem Anfang von Kapitel 4 übereinstimmt. Darin heißt es hier und dort: Danach gewahrte ich ..., womit in der Offenbarung immer ein neuer Abschnitt angekündigt wird. Für danach oder nach diesem steht demgemäß im griechischen Urtext beide Male: meta tauta = meta tauta.

Der Seher bezeugte dann: Und danach sah ich einen andern Engel niederfahren vom Himmel, der hatte große Macht, und die Erde ward erleuchtet von seinem Glanz. Und er schrie mit großer Stimme und sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große. Der Engel ist zweifellos eine hoheitsvolle Erscheinung von großer Macht und erinnert deshalb wieder an den Engel, den wir in Kapitel 10 (Offb. 10, 1) vor dem Ertönen der letzten Posaune gesehen hatten. Dort hob er seine rechte Hand auf gen Himmel und schwur, daß hinfort keine Zeit mehr sein soll. Bei diesem "andern Engel", der große Macht hatte, handelt es sich demnach möglicherweise auch wieder um den "starken" Engel, der bereits in Offb. 5, 2 erwähnt wurde oder vielleicht ebenfalls um die "andern" Engel von Offb. 7, 2 und Offb. 8, 3. Manche Ausleger sind wiederum der Meinung, daß dieser "andere Engel" doch eventuell Jesus Christus selbst sein könnte. Vielleicht ist er ja auch persönlich der Vollstrecker des Gerichtes Gottes über "Babylon die Große", wobei dann das Tier und die zehn Hörner jedoch in jedem Falle seine Werkzeuge sind. Von dem Glanz der Herrlichkeit des Engels wird sogar vorübergehend die Erde erleuchtet wie von dem Frührot der kommenden Sonne der Gerechtigkeit, die nun bald aufgehen wird.

Johannes vernahm von dem Engel: Und er schrie mit großer Stimme und sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große. Schon vorher hatte ein Engel dieses ernste, aber gerechte Gericht angekündigt, so als wäre es da bereits geschehen: Und ein zweiter Engel folgte nach, der sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große Stadt; denn sie hat mit dem Zorneswein ihrer Unzucht getränkt alle Völker. (Offb. 14, 8). Die Form "ist gefallen" ist beide Male Aorist, womit das Plötzliche und Unmittelbare des Falles ausgedrückt wird. In Jesaja 21, 9 steht dann in der Septuaginta (= LXX) derselbe Ausdruck im Perfekt, was aber auf den andauernden Zustand des einmal Gefallenseins hinweist. Die Vergangenheitsform zeigt, daß die Prophetie absolut sicher ist, auch wenn sie nun noch immer nicht erfüllt ist.

Der Engel erklärte überdies: ... und ist eine Behausung der Teufel geworden und ein Gefängnis aller unreinen Geister und ein Gefängnis aller unreinen und verhaßten Vögel. Im Konkordanten Neuen Testament lautet dieser Versteil allerdings: Zu einer Wohnstätte für Dämonen wurde sie, zu einem Gefängnis für jeden unreinen Geist und zu einem Käfig für jeden unreinen und verhaßten Vogel. Nach Kapitel 12 sind der Teufel und seine (gefallenen) Engel bei der Hinwegnahme der Gläubigen auf die Erde geworfen worden: Er ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. (Offb. 12, 9). Jesus hatte bereits erklärt: Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. (Matth. 12, 43, ähnlich Luk. 11, 24).

Der Apostel Paulus schrieb dazu: Denn es regt sich bereits das Geheimnis des Frevels, nur daß, der es jetzt aufhält, erst muß hinweggetan werden. (2. Thess. 2, 7). - Der es jetzt aufhält, ist eindeutig der Heilige Geist in den Gläubigen, der mit ihnen hinweggenommen oder hinweggetan wird. Dann werden der Teufel und die Dämonen (seine Engel!) sofort auf die Erde geworfen und haben hinfort keine Wohnung. Die unsauberen Geister durchwandeln "dürre Stätten" und suchen "Ruhe", d. h. zumindest eine Notunterkunft. Da finden sie nun das Haus der "Babylon der Großen" weit geöffnet, ziehen dort ein und machen es sich wohl gemütlich. Die "Stadt" ist jetzt ihre Behausung und zugleich Gefängnis, da es keinen anderen Ort für sie gibt.

Der Prophet Jesaja hatte über das damalige Babylon geweissagt: So soll Babel, das schönste unter den Königreichen, die herrliche Pracht der Chaldäer, zerstört werden von Gott wie Sodom und Gomorra, daß man hinfort nicht mehr da wohne noch jemand da bleibe für und für, daß auch Araber dort keine Zelte aufschlagen noch Hirten ihre Herden lagern lassen, sondern Wüstentiere werden sich da lagern, und ihre Häuser werden voll Eulen sein; Strauße werden da wohnen, und Feldgeister werden da hüpfen, und wilde Hunde werden in ihren Palästen heulen und Schakale in den Schlössern der Lust. Ihre Zeit wird bald kommen und ihre Tage lassen nicht auf sich warten. (Jes. 13, 19-22). So wird es auch diesem Babylon = Rom ergehen.

Denn von dem Zorneswein ihrer Hurerei haben alle Völker getrunken, und die Könige auf Erden haben mit ihr Unzucht getrieben. Das ist abermals eine Bestätigung, daß das Gericht nicht unberechtigt oder ungerecht ist. Es kommt außerdem nicht unerwartet, denn in Kapitel 16 (Offb. 16, 19) wurde es bereits so angemeldet: Und Babylon, der großen, ward gedacht vor Gott, ihr zu geben den Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zornes. Schon vorher wurde in Kapitel 14 (Offb. 14, 8) das Gericht als vollendet angekündigt: Und ein zweiter Engel folgte nach, der sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große Stadt; denn sie hat mit dem Zorneswein ihrer Unzucht getränkt alle Völker. Im Urtext heißt es da nicht "Babylon, die große Stadt", sondern einfach "Babylon die Große", wie auch an dieser Stelle. Ganz ähnliche Worte wurden jeweils dabei benutzt, deshalb sind die Aussagen gewiß klar und deutlich. Allerdings hat Gott viel Geduld und Langmut, denn das verdiente Gericht über "Babylon die Große" erfolgt erst, nachdem alle zuvor gewarnt wurden. Dem göttliche Grundsatz entspricht: Zuerst die Gnade, dann das Gericht!

Wiederum wird hier gesagt: ... und die Könige auf Erden haben mit ihr Unzucht getrieben. Die Mächtigsten der Erde haben mit ihr Hurerei getrieben, damals wie heute. Sie sind zwar hin und wieder mit ihr zerfallen, haben sie aber dennoch immer geehrt und zudem stets neue Bündnisse und Verträge mit ihr geschlossen. So stellte sich auch Bismarck zuerst gegen Rom, um sich dann aber nach seiner Niederlage im sogenannten Kulturkampf einen päpstlichen Orden verleihen zu lassen!

Dann folgt jedoch eine neue Blickrichtung: ... und die Kaufleute auf Erden sind reich geworden von ihrer großen Üppigkeit. Peter de Rosa, ein früherer Priester, schrieb dazu in seinem Buch, auf Seite 464: Allerdings war selbst Luther in diesen Dingen ahnungslos. Hätte er nur die Geschäftsbücher des Vatikans sehen können ... Die wirkliche Macht in Rom war in der Hand von Bankiers, vor allem von Jakob Fugger. Fuggers Agent kassierte nicht nur die Hälfte von Tetzels Ablaßeinnahmen, sondern er lieh Päpsten und Kardinälen auch Geld zu exorbitanten (= überhöhten) Zinsen - im Widerspruch zu allem, was die Kirche über Wucher lehrte. Er brüstete sich, jeden Bischof in Deutschland "gemacht" zu haben, indem er ihm Geld lieh, um sein Bistum vom Papst zu kaufen. Manche Bischofssitze hatte er zweimal besetzt. Dieser Aasgeier starb im Geruch der Heiligkeit, als guter Katholik und Reichsgraf. Diese Angaben werden im Duden-Lexikon bestätigt: Jakob II. Fugger, der Reiche, Reichsgraf (seit 1514) (6.3.1459-30.12.1525), Handelsherr und Bankier ... wurde zum Bankier des Kaisers, der Päpste und der römischen Kurie; finanzierte 1519 die Wahl Karls I. von Spanien zum Kaiser und wurde weitgehend dessen Geldgeber. Dieser wurde als letzter Kaiser (Karl V. 1530) von einem Papst gekrönt.

Peter de Rosa schrieb außerdem noch über den mittelalterlichen Reichtum Roms: Die Kardinäle hatten riesige Paläste mit zahllosen Bediensteten. Ein Papstberater berichtete, er habe nie einen Kardinal besucht und ihn dabei nicht beim Zählen seiner Goldmünzen angetroffen. Die Kurie bestand aus Männern, die ihr Amt gekauft hatten und ihre enormen Auslagen unbedingt wieder hereinholen mußten ... .

In dem Buch: "Aufmarsch zur Apokalypse" von Prof. Kurt Becsi, Katholik und Generalsekretär der österreichischen UNESCO-Kommission, Wien, steht zudem der Satz: Die Hure ist keine Mänade (= verzückte Frau), die ekstatisch besessen im Gefolge des Dionysos (griechischer Gott des Weines) über diese Erde tanzt, nein, die Hure sitzt neben dem dicken Mammon auf der Truhe und berechnet das Kapital.

Neuere Beispiele dazu sind dem Buch: "Im Namen Gottes?" von David A. Yallop, Knaur Taschenbuch, 1988, zu entnehmen. An dieser Stelle seien nur einige Zitate daraus wiedergegeben. Auf Seite 430 heißt es: Roberto Calvi war die Zentralfigur einer wirtschaftlichen Betrugsaffäre von atemberaubenden Ausmaßen: des Diebstahls von mehr als einer Milliarde Dollar. ... Das Geldwaschen bewerkstelligte er mit Hilfe der Vatikanbank: "Schmutziges" Geld, Einkünfte aus Lösegelderpressungen, aus dem Drogenhandel, aus Waffengeschäften, Banküberfällen, Juwelen- und Kunstdiebstählen, wanderte von der Banco Ambrosiano aus auf ein italienisches Konto der Vatikanbank, von da an zur Banca del Gottardo oder zur Schweizerischen Bankgesellschaft.

Dann wird auf den Seiten 395-396 gesagt: Die Gründung kleiner Tarnfirmen mit einem nominellen Eigenkapital von meist nur 10 000 Dollar war eine Spezialität Calvis. Am Ende waren es 17. Die meisten davon gehörten einem in Luxemburg beheimateten Unternehmen mit dem treffenden Namen Manic S.A., das wiederum der Vatikanbank gehörte. ... Daß es möglich war, daß renommierte internationale Bankinstitute 450 Millionen Dollar nicht einer Bank aus ihren eigenen Reihen, sondern einer bloßen Holding-Gesellschaft namens Banco Ambrosiano Holdings mit Sitz in Luxemburg liehen - einer ganz offenkundig durch keine Zentralbank gedeckten Firma -, stellt den im internationalen Bankensystem üblichen Kreditvergabepraktiken ein vernichtendes Zeugnis aus.

Auf den Seiten 405-406 ist dann noch zu lesen: So lagen die Dinge, als Calvi und Marcinkus im August 1981 ihr größtes Betrugsmanöver inszenierten. Die Dokumente sollten als "die Patronatsbriefe" bekannt werden. Sie sind nicht geeignet, irgendeinem Katholiken Zutrauen in die moralische Lauterkeit derer im Vatikan einzuflößen. Die Dokumente tragen den Briefkopf des Istituto per le Opere Religiose und das Datum des 1. September 1981. Ihre Adressaten waren die Banco Ambrosiano Andino im peruanischen Lima und die Ambrosiano Group Banco Comercial in Nicaragua. Der von Luigi Mennini und Pellegrino de Strobel im Auftrag von Bischof Paul Marcinkus aufgesetzte und unterzeichnete Text lautet:
"Sehr geehrte Herren,
hiermit bestätigen wir, daß wir direkt oder indirekt die Anteilsmehrheit an den nachstehend genannten [Firmen] kontrollieren:
Manic S.A., Luxemburg
Astolfine S.A., Panama
Nordeurop Establishment, Liechtenstein
U.T.C. United Trading Corporation, Panama
Erin S.A., Panama
Bellatrix S.A., Panama
Starfield S.A., Panama
Belrose S.A., Panama
Wir bestätigen ferner die Tatsache der Verschuldung [dieser genannten Firmen]
bei ihnen, wie sie, bezogen auf den 10. Juni 1981, aus beiliegender Saldenaufstellung hervorgeht."
Wie aus der beiliegenden Aufstellung hervorging, betrug die Verschuldung der genannten Firmen allein bei der peruanischen Ambrosiano-Tochter 907 Millionen Dollar.

Dazu wird auf Seite 413 noch erwähnt: Aus den Bemerkungen Calvis geht eindeutig hervor, daß er es für die Pflicht der Vatikanbank hielt, die Fehlbeträge der Banco Ambrosiano zu decken, und sei es nur aus dem Grund, daß die fehlenden Millionen hauptsächlich dem Vatikan zugute gekommen waren.

Zudem führte der Autor, David A. Yallop, am frühen Abend des 9. Juni 1982 ein telephonisches Interview mit Roberto Calvi und beendete dann seinen Bericht auf Seite 414 mit der Feststellung: Acht Tage später wurde die Leiche Roberto Calvis gefunden; sie hing an einem Strick unter der Blackfriars Bridge in London, nur wenige Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Binnen Tagen kam das ganze Ausmaß der ungedeckten Schulden der Banco Ambrosiano Milano (= Mailand) ans Licht: Das Defizit belief sich auf 1,3 Milliarden Dollar.

Das stellte ein beträchtliche Summe dar, die Roberto Calvi eigens im Auftrage der Vatikanbank (Istituto per le Opere Religiose) auf betrügerische Weise erwirtschaftet hatte. Das beweist außerdem wieder einmal: Babylon ist nicht nur eine Kirche, sondern es ist auch eine große politische und wirtschaftliche Macht in dieser Welt.

Johannes setzte dann sein Zeugnis fort, indem er zusätzliche Einzelheiten erzählte:

Und ich hörte eine andre Stimme vom Himmel, die sprach: Gehet aus von ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen! Denn ihre Sünden reichen bis an den Himmel, und Gott denkt an ihren Frevel. Bezahlet ihr, wie sie bezahlt hat, und tut ihr zwiefältig nach ihren Werken; und mit welchem Kelch sie euch eingeschenkt hat, schenket ihr zwiefältig ein! Wie viel sie sich herrlich gemacht und ihren Übermut getrieben hat, so viel schenkt ihr Qual und Leid ein! Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich sitze da und bin eine Königin und keine Witwe, und Leid werde ich nicht sehen. Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen, Tod, Leid und Hunger, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist Gott der Herr, der sie richtet. (Offb. 18, 4-8).

Dächsels Bibelwerk gibt dazu diese Erklärung: Da die Stimme vom Himmel "mein Volk" sagt, so ist es des Herrn Stimme selbst; denn kein Engel noch Engelfürst, noch einer der Knechte Gottes kann und darf sich so ausdrücken. Er wird denn seine Getreuen auf eine für sie gewiß vernehmbare und unzweideutige Weise, bevor die Katastrophe über Babel hereinbrechen wird, von ihr ausgehen heißen; er wird diesen Befehl niemand sonst anvertrauen, sondern wenn irgend wann, so zu dieser Frist, unmittelbar selbst bezeugen, was sie tun und wohin sie sich wenden sollen. Einen analogen Vorgang haben wir an der Flucht der Christen aus Jerusalem unmittelbar vor dessen Zerstörung; als die Zeit gekommen, davon Christus in Matth. 24, 15 f. geredet, da ging durch die Gemeinschaft der Gläubigen die Stimme: "Gehet aus von ihr, mein Volk!", vom Geist bezeugt, und sie zogen alle aus nach Pella, keiner war zurückgeblieben, der Herr hat in seiner Fürsorge aller gedacht, deren Namen in seinem Lebensbuch geschrieben standen. Dieses Ausgehen hat auf der Seite Gottes ein gnädiges Ausführen zum Grunde; es geschieht 1) mit dem Herzen durch rechten Glauben und Erkenntnis der Wahrheit und Haß der falschen Lehre; 2) mit dem Munde durch öffentliches Bekenntnis der Wahrheit und Widersprechung der Irrtümer; 3) mit dem Leibe durch Wegziehen von den Örtern, darin Babel seinen Thron hat ... . Soweit nun die erklärenden Worte von August Dächsel.

Nicht erst jetzt ergeht diese Aufforderung: Gehet aus von ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden. Sie sollte schon längst überall bekannt sein, denn die Propheten des Alten Testamentes erwähnten sie bereits. Seit der Babylonischen Gefangenschaft (lat. captivitas babylonica) ist das Volk Gottes eindeutig dazu aufgerufen, Babel zu verlassen. Der Prophet Jesaja verkündete deshalb auch: Geht heraus aus Babel, flieht von den Chaldäern! (Jes. 48, 20). Er forderte außerdem: Weicht, weicht, zieht aus von dort und rührt nichts Unreines an! (Jes. 52, 11).

Ebenfalls sagte der Prophet Jeremia: Fliehet aus Babel und zieht aus der Chaldäer Lande und macht's wie die Böcke vor der Herde! (Jer. 50,8). Noch eindringlicher ist diese Weissagung vom Untergang Babels: Fliehet aus Babel, und rette ein jeder sein Leben, daß ihr nicht untergeht in seiner Schuld. Denn dies ist für den Herrn die Zeit der Rache, um ihm seine Taten zu vergelten. Ein goldener Kelch, der alle Welt trunken gemacht hat, war Babel in der Hand des Herrn. Alle Völker haben von seinem Wein getrunken; darum sind die Völker so toll geworden. (Jer. 51, 6-7). Dazu dann wiederum: Zieh aus von dort, mein Volk, und rette ein jeder sein Leben vor dem grimmigen Zorn des Herrn! (Jer. 51, 45). Heute wird das wenig beherzigt.

Einerseits ist es sehr erfreulich, daß es sogar in der Welteinheitskirche der Endzeit noch Gläubige geben wird, zu denen Gott sagt: Gehet aus von ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden. Andererseits fragt man sich, warum Gott eigentlich immer erst dazu besonders auffordern muß. Sein Wort ist doch ganz eindeutig, daß wir uns von der Sünde fernhalten sollen. Dabei denke man nicht nur an die Irrlehren und den Götzendienst der falschen Kirche, sondern an alle Verführungen mit oder ohne "frommen" Schein. Manches, was diese verdorbene Welt bietet, präsentiert sich als "harmlos" und sogar für Christen als "begehrenswert". Dies ist allerdings eine große Täuschung, denn man braucht oft nicht persönlich am Bösen teilzunehmen, um dadurch verunreinigt zu werden. Viele meinen, derartige Dinge würden ihnen keinesfalls schaden und behaupten deshalb unbekümmert, sie hätten nichts mit den Sünden der anderen zu tun. Die Gläubigen sind jedoch aufgefordert, sich weitestgehend von der Welt abzusondern und sich von dem Bösen zu trennen.

Der Apostel Paulus ermahnte ebenfalls eindringlich: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes gemein mit den Götzen? Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes. (2. Kor. 6, 14-16). Sind wir uns dessen wirklich immer bewußt?

Inmitten der Finsternis und Verwirrung, wie sie heute in so manchen Kirchen und Gemeinschaften herrscht, würden wir kaum Gläubige vermuten. Wenn es aber irgendwo solche gibt, dann kennt sie der Herr. Ihm ist es durchaus nicht, wie leider manche Christen meinen, gleichgültig und einerlei, wo die Seinen stehen und wohin sie sich zählen, wenn sie nur gerettet sind. Darum ist es gewiß unerläßlich für einen jeden Gläubigen, beständig zu prüfen, ob er noch weiterhin in seiner Kirche oder Gemeinschaft verbleiben kann. Gott segnet uns immer dort, wo er uns hingestellt hat. Wenn wir vielleicht unverhofft den Eindruck haben, keinen Segen mehr zu empfangen, dann sollten wir unbedingt diesen Standpunkt vor Gott überprüfen.

An seinen treuen Mitarbeiter Timotheus schrieb der Apostel Paulus diesbezüglich: Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es trete ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt. - In einem großen Hause aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, etliche zu Ehren, etliche aber zu Unehren. Wenn nun jemand sich reinigt von solchen Leuten, der wird ein Gefäß sein zu Ehren, geheiligt, dem Hausherrn brauchbar und zu allem guten Werk bereitet. (2. Tim. 2, 19-21).

Gottes eindringliche Warnung gilt deshalb allen, die bereit sind, auf ihn zu hören: Gehet aus von ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen! Man mag heute und zukünftig wirklich aufrichtig der Meinung sein, daß eine Weltkirche für alle Menschen sehr wünschenswert wäre, als die einzige Lösung aller Religionsprobleme. Alle damit verbundenen Streitigkeiten könnten dann auf einen Schlag beseitigt sein, so denkt man. Gott denkt darüber jedoch ganz anders! Die Vertreter der Ökumene begründen ihren Stand oft mit dem Gebet Jesu: ... auf daß sie alle eins seien. Doch dabei scheinen sie gar nicht zu bemerken, daß der Herr im selben Satz weiterbetete: ... gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns seien. (Joh. 17, 21).

Der Apostel Johannes, der diese Offenbarung Jesu Christi niedergeschrieben hat, bezeugte außerdem in seinem ersten Brief: ... was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. (1. Joh. 1, 3). Eine Gemeinschaft mit Götzendienern kann und darf es für Christen nicht geben. Jedes andere religiöse Einssein ist vor Gott nicht nur absolut wertlos, sondern zudem geistliche Hurerei, die er einmal streng richten wird. Jedoch wird er alsdann wohl sein Urteil bemessen nach dem Maß der Erkenntnis des einzelnen Gläubigen.

Hier vernehmen wir das Gebot und den Zuruf des Herrn, aus Babylon auszugehen, noch einmal und zum letzten Mal zur Warnung für alle. Das zeigt, wie sehr es dem Herrn ein Greuel ist und wieviel ihm daran liegt, die Seinen davon getrennt zu sehen. Babylon ist gewiß das verhaßteste Böse, das es je vor Gott gegeben hat, denn sie äffte das Gute nach, verderbte und verfolgte das Liebste, das er einmal auf Erden besessen, die Braut seines Sohnes, indem sie vorgab, die wahre Kirche zu sein.

Zudem enthält der Hebräer-Brief noch eine weitere Ermahnung, die ebenfalls dem Volke Gottes damals wie heute gilt: So lasset uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Hebr. 13, 13-14). Wer Jesus nachfolgen will, muß sich bewußt sein, daß er sich von der Allgemeinheit abzusondern hat. Sodann wird er nämlich von ihr zu spüren bekommen, was es heißt, die Schmach Jesu zu tragen.

Dazu wird in der Lutherbibel erklärt noch gesagt: Darum müssen auch wir uns von allem trennen, was nicht zentral mit Christus zusammenhängt, selbst wenn wir uns damit Feindschaft zuziehen. Wir sind ein wanderndes Volk ohne feste Bleibe, aber wir wissen von der Stadt Gottes, zu der Gott selbst uns hinführen wird. Es sei auch noch einmal darauf hingewiesen, daß der griechische Kirchenlehrer Eusebius oder Eusebios (260-340 n. Chr.), Bischof von Cäsarea, der Verfasser der ersten Kirchengeschichte, von einem ähnlichen Vorfall berichtete. Da sie diesen Vers im Hebräer-Brief beherzigte, konnte sich die christliche Gemeinde in Jerusalem rechtzeitig vor der Belagerung ihrer Stadt durch die Römer in Sicherheit bringen. Das geschah auf Grund einer göttlichen Offenbarung, die ihnen die Anweisung gab, auf die Berge zu fliehen. Als dann Jerusalem, der Sitz des "Lagers", zerstört wurde, waren indes keine Christen mehr dort; der Herr hatte sie alle herausgerufen und nach Pella geführt.

Und so wird, wenn einst das Gericht über Babylon kommt, der Herr die Seinen auf seinen Ruf aufmerksam machen, der nun hier steht: Gehet aus von ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen! Das war und ist sein heiliges Gebot, dem die Treuen immer entsprechen. Dann werden sie gewiß das "Lager" verlassen und diese Schmach tragen.

Denn ihre Sünden reichen bis an den Himmel, und Gott denkt an ihren Frevel. Im Konkordanten Neuen Testament heißt es hier allerdings: ... denn ihre Sünden türmen sich bis zum Himmel auf, und Gott hat ihrer Untaten gedacht. Das griechische Wort: kollaw = kollao, bedeutet wörtlich zusammengeklebt, mit Mörtel verbunden wie Steine in einem Gebäude; vielleicht auch eine Anspielung auf den Turmbau von Babel, daher: sich türmen bis zum Himmel auf. Damals nahmen die Menschen dann Steine und Mörtel: ... und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. (Genesis = 1. Mose 11, 4). Nicht der Stadt- und Turmbau als solcher, sondern ausschließlich die dahinterstehende Gesinnung wurde zur Herausforderung Gottes: Man meinte, durch Macht- und Bevölkerungskonzentration noch Größeres leisten und sich verewigen zu können. Diesen vermessenen Plan der Menschen machte Gott zunichte.

Inzwischen hat die Menschheit es geschafft, sich einen Namen zu machen, indem sich ihre Sünden bis zum Himmel auftürmen. Dieses von widergöttlicher Geisteshaltung zeugende Monumentalwerk, der geistliche Turmbau zu Babel, muß daher an Gottes Geschichtsplan zerbrechen. Den letzten Versuch, ein gottloses Paradies auf Erden zu schaffen, wird Gott am Ende unseres Zeitalters wiederum verhindern.

Dann heißt es wieder einmal: ... und Gott hat ihrer Untaten gedacht. So wurde es ganz ähnlich schon in Kapitel 16 gesagt: Und Babylon, der großen, ward gedacht vor Gott, ihr zu geben den Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zornes. (Offb. 16, 19). Dazu nun erneut eine Erklärung von August Dächsel, die in seinem Bibelwerk enthalten ist: Jahrhunderte hindurch schien Gott dieser großen Babel vergessen zu haben, so ungestört und ungestraft durfte sie ihr Wesen treiben; ja, wenn es auch etliche Mal sich anließ, als sollte ihre letzte Stunde geschlagen haben, erhob sie doch von der empfangenen Niederlage sich immer wieder mit desto größerer Macht und gelangte schließlich zu einer Stellung, bei welcher sie unmittelbar vor der Verwirklichung ihrer Ansprüche auf die geistliche Herrschaft im ganzen Umkreis der Erde stand. Da aber ereilt sie der Zorn Gottes und trifft sie nun in vollem Maße durch die Verwüstung, welche die zehn Könige ihr bereiten. Dann lautet es im Luthertext: ... und Gott denkt an ihren Frevel. So hat Babylons Frivolität dann den absoluten Höhepunkt erreicht, so daß Gott jetzt veranlaßt, Einhalt zu gebieten.

Bezahlet ihr, wie sie bezahlt hat, und tut ihr zwiefältig nach ihren Werken; und mit welchem Kelch sie euch eingeschenkt hat, schenket ihr zwiefältig ein! Dann trifft der volle Kelch von Babylons Hurerei zuletzt doch auf sein Gegenstück, sein "Doppel", im vollen Becher des Zornes Gottes. Hans Bruns übersetzte diese Stelle deshalb näher nach dem Urtext: ... zahlt ihr das Doppelte ihrer Taten zurück! Sie hat sich am Blut der Heiligen schuldig gemacht; sie hat überdies Gutes mit Bösem vergolten. Die wahre Kirche hat sie immer bekämpft, sich gegen Religionsfreiheit heftig gewehrt, die Menschen durch ihren Götzendienst und ihre Zauberei in ihren Bann gezogen. Darum wird sie am Ende ihren gerechten Lohn doppelt empfangen.

Das alles geschieht nach dem göttlichen Grundsatz für Erstattungen, der schon im zweiten Buch Mose (lat. Exodus = Auszug) nachzulesen ist: Wen Gott für schuldig erklärt, der soll's seinem Nächsten zweifach erstatten. (2. Mose 22, 8). Ebenso bei Hiob: Und der Herr wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat. Und der Herr gab Hiob doppelt soviel, wie er gehabt hatte. (Hiob 42, 10). Das gilt demnach sowohl im Guten wie auch im Bösen, daß Gott alles doppelt erstattet.

Deshalb heißt es zudem noch: Wie viel sie sich herrlich gemacht und ihren Übermut getrieben hat, so viel schenkt ihr Qual und Leid ein! Nachdem sie zuvor vie-le andere aus ihrem Becher trinken ließ, wird sie nun selbst den bitteren Kelch des Zornes Gottes trinken müssen. Sie bekommt ihn sogar zwiefältig eingeschenkt, damit sie keinesfalls zu kurz kommt. Diejenigen vergelten ihr jetzt auf diese Art und Weise, denen sie zuvor genauso den "goldenen Becher" (Offb. 17, 4) kredenzt hat.

Wie viel sie sich herrlich gemacht, ... als wäre sie selber das A und O, das Ein und Alles im Reiche Gottes hier auf Erden und der "Felsen, der von Ketzerei umwogt, fortwährend aufrecht steht und seinen Gipfel zum Himmel emporhebt"! (Dächsel). ... und ihren Mutwillen gehabt hat (Luthertext von 1912): in Selbstverherrlichung und Menschenquälerei durch Folter! ... so viel schenkt ihr Qual und Leid ein! So war es ebenso in der Weissagung vom Untergang Babels, die durch den Propheten Jeremia geschah: Übt Vergeltung an Babel, tut ihr, wie sie getan hat. (Jer. 50, 15).

Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich sitze da und bin eine Königin und keine Witwe, und Leid werde ich nicht sehen. Es gibt zahlreiche Verse bei Jesaja, aber vor allem auch bei Jeremia in Kap. 50 und 51, die vom Gericht Gottes reden, das über das geschichtliche Babylon kommen werde. Im Gericht über Babel heißt es: So höre nun dies, die du in Wollust lebst und so sicher sitzest und sprichst in deinem Herzen: "Ich bin's und sonst keine; ich werde keine Witwe werden noch ohne Kinder sein": Dies beides wird plötzlich über dich kommen auf einen Tag, daß du Witwe und ohne Kinder bist. (Jes. 47, 8-9). Dieses Bild einer Witwe unterscheidet sich deutlich von dem der Hure und auch des Weibes, das bis jetzt erwähnt wurde.

Als Witwe im eigentlichen Sinne erachtet die Heilige Schrift eine Frau, die ihren Mann verloren hat und allein auf der Welt ist, in Trauer über den Verlust und nun in vollkommener Abhängigkeit von Gott. Babylon sagt aber, daß sie keine Witwe ist und drückt damit gewiß aus, daß sie ihren Mann überhaupt nicht vermißt. Darüber hinaus fühlt sie sich auch nicht von Gott abhängig, sondern in dem, was die Welt ihr zu bieten hat, erfährt sie ihre Befriedigung. Im Lukas-Evangelium finden wir zudem insgesamt fünf Witwen, die allemal unsere Aufmerksamkeit auf diese Abhängigkeit von Gott lenken. Dessen sollten wir uns jedoch immer bewußt sein.

Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich sitze da und bin eine Königin. Die große Hure Babylon wähnt sich wohlbehalten und sicher auf dem Rücken des Tieres; es ist der Antichrist und sein mächtiges Reich, die sie wie in einer Sänfte tragen. Das erinnert gewiß an die Sänftenträger bei einer Papstkrönung, die den Papst mit der "Sede gestatoria" auf den Schultern trugen. Diese Zeremonie wird so beschrieben: Segnend erscheint der Papst in einem langen, goldenen Schultermantel und mit der Mitra als Kopfbedeckung. Der Chor der Basilika stimmt die antike Hymne: "Tu es Petrus" an, und es beginnt die lange Zeremonie, die sich um die päpstliche Messe aufbaut. Im Höhepunkt der Zeremonie, wenn nämlich der Papst auf den Hauptaltar zuschreitet, wird so vor seinen Augen dreimal eine Handvoll Leinen in einem vom Zeremonienmeister gehaltenen Glutbecken verbrannt, und dreimal werden ihm die Worte zugerufen: "Sic transit gloria mundi" (So vergeht irdischer Ruhm), während das Linnen in Asche und Rauch zerfällt. Ganz ähnlich wird nun Babylon verbrannt.

Ich sitze da und bin eine Königin. Und der große Kult der "Himmelskönigin", der abgöttisch und heidnisch ist, bestärkt sie in ihrer Prunk- und Ruhmsucht. Der Prophet Jeremia beschrieb in seinem Buch schon zu seiner Zeit die Auswirkungen dieses Kultes auf das Volk Gottes: Den Worten, die du im Namen des Herrn uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind, und wollen der Himmelskönigin opfern und ihr Trankopfer darbringen, wie wir und unsere Väter, unsere Könige und Oberen getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems. Da hatten wir auch Brot genug, und es ging uns gut, und wir sahen kein Unglück. (Jer. 44, 16-17).

... und Leid werde ich nicht sehen. Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4. 1817) sagte: "Diese Sprache kennen wir ... !". Gott antwortet aber auch darauf: Darum werden ihre Plagen auf einen Tag kommen, Tod, Leid und Hunger, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist Gott der Herr, der sie richtet.

"Auf einen Tag" bezeichnet nicht die Länge des Gerichtes, sondern die Plötzlichkeit, denn später heißt es "in einer Stunde", in den Versen 10, 17 und 19. Nun sind es die Könige auf Erden, die zuerst weinen und wehklagen werden, wenn sie dann den Untergang dieses wirtschaftlichen und kulturellen Zentrums der Welt schauen. Es ist gewiß auffallend, welchen großen Einfluß die römisch-katholische Kirche in der Kulturgeschichte hatte, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Malerei und Musik. Über viele Jahrhunderte (im Mittelalter zwischen 500 und 1500 n. Chr.) beherrschte die römisch-katholische Kirche die westliche Kultur. Rom war nicht nur religiöses Zentrum, sondern auch lange der Mittelpunkt allen kulturellen Wirkens.

Die größte italienische Zeitung: "Corriere della Sera" scheute sich nicht, offen den Papst anzugreifen und zu schreiben: Wenn der Vatikan (auf Deutsch: Zaubereigärten!) verschwände, wäre es eine wunderbare Sache ... . Siehe die "Rheinische Post" vom 22. Januar 1977 in einer Reportage: Der Kampf um Rom ist abermals voll entbrannt. Da heißt es auch noch: Schon wird in radikalen Kreisen, die von Garibaldi träumen, der 1870 alle Kardinäle in den Tiber werfen wollte, das Bild einer korrupten Institution Kirche gezeichnet, die mit Bauspekulationen, Aktiengeschäften und Bankbeteiligungen ein höchst unchristliches Gewerbe betreibe ... . Wie lange noch?

Und es werden sie beweinen und sie beklagen die Könige auf Erden, die mit ihr Unzucht und Frevel getrieben haben, wenn sie sehen werden den Rauch von ihrem Brand; und werden von ferne stehen aus Furcht vor ihrer Qual und sprechen: Weh, weh, du große Stadt Babylon, du starke Stadt, in einer Stunde ist dein Gericht gekommen! Und die Kaufleute auf Erden werden weinen und Leid tragen über sie, weil niemand mehr ihre Ware kaufen wird, Gold und Silber und Edelgestein und Perlen und köstliche Leinwand und Purpur und Seide und Scharlach und allerlei wohlriechendes Holz und allerlei Gefäß von Elfenbein und allerlei Gefäß von köstlichem Holz und Erz und von Eisen und von Marmor, und Zimt und Salbe und Räucherwerk und Myrrhen und Weihrauch und Wein und Öl und Semmelmehl und Weizen und Vieh und Schafe und Pferde und Wagen und Sklaven und Menschenseelen.

Und das Obst, daran deine Seele Lust hatte, ist dahin; und alles, was glänzend und herrlich war, ist von dir gewichen, und nimmermehr wird man es finden. Die Händler solcher Ware, die durch Babel sind reich geworden, werden von ferne stehen aus Furcht vor ihrer Qual, weinen und klagen und sagen: Weh, weh, du große Stadt, die bekleidet war mit köstlicher Leinwand und Purpur und Scharlach und übergoldet war mit Gold und Edelgestein und Perlen, in einer Stunde ist verwüstet solcher Reichtum! Und alle Schiffsherren und alle Steuerleute und die Seefahrer und die auf dem Meer hantieren, standen von ferne und schrien, da sie den Rauch von ihrem Brande sahen, und sprachen: Wer ist gleich der großen Stadt? Und sie warfen Staub auf ihre Häupter und schrien, weinten und klagten und sprachen: Weh, weh, du große Stadt, in welcher von ihrer Üppigkeit reich geworden sind alle, die da Schiffe auf dem Meere hatten, in einer Stunde ist sie verwüstet! (Offb. 18, 9-19).

Im Luthertext von 1912 wird aber die Sünde noch deutlicher beim Namen genannt: Und es werden sie beweinen und sie beklagen die Könige auf Erden, die mit ihr gehurt und Mutwillen getrieben haben. Der Seher Johannes vernahm nun ein dreifaches Klagelied. Zuerst die Politiker (hier die Könige), ihre Klage ist die kürzeste, sie haben jetzt ihre Diplomatensprache verloren: Ohnmächtig und voller Angst vor weiteren "politischen Entwicklungen" stellen sie entsetzt den Bankrott ihrer allumfassenden Existenz fest - von Treue ist keine Rede. Alsdann folgen die Männer der Hochfinanz, die Großindustriellen: Ihre Klage ist die längste, nur an sich und ihren Verlust denken sie - von Hilfe ist keine Rede. Besonders erschütternd mitten unter allen den Waren, die aufgezählt werden vom Parfüm bis zum Galawagen: die Menschen, wohl die Sklaven gemeint - der Mensch als "Ware" - der Mensch als "Nummer" - der Mensch ohne Seele - als "Masse" und "Material". Zuletzt kommen nun die großen Reeder: Ihre Klage ist die lauteste, ihr Lebensinhalt ist dahin, sie hatten keinen anderen als diesen - von neuem Wagemut kein Wort. Und immer wieder ist der eine Satz zu hören: in einer Stunde. Die ganze Armut und Hohlheit im Leben dieser vielen Menschen voller Klugheit und Geschäftigkeit wird am Ende offenbar.

Wer aus der Geschichte weiß, welchen unwürdigen Einfluß die hohen geistlichen Würdenträger dieses "Weibes, das auf den sieben Hügeln sitzt", im Mittelalter an den Höfen der Fürsten ausgeübt hatten, der weiß ohne Frage auch, welche großen Schätze und Reichtümer die Kirche von Rom im Laufe dieser vielen Jahrhunderte angesammelt hat. Die ausgesuchte Pracht, die sie entfaltete und noch heute entfaltet durch die üppige Verschwendung in Bauten, Kleidern und Festfeiern, in Glanz und Herrlichkeit, entspricht allemal dem Überfluß an einem feudalen Königshofe.

Wer überdies weiß, wie sie selbst Handel treibt mit "Menschenseelen", ausgerechnet da, wo ihre Missionen sind oder waren, aber nicht nur im Süden von Amerika und im dunklen Erdteil Afrika, der begreift wohl zu gut die Klage der Könige, der Kaufleute und Seefahrer. Im Luthertext von 1912 heißt es hier: Leiber und Seelen der Menschen. "Leiber" bedeutet "Sklaven"; vgl. 1. Mose 36, 6: Und Esau nahm seine Weiber, Söhne und Töchter und alle Seelen seines Hauses. Für "Seelen" hat die Septuaginta (= LXX) hier "Leiber". Die Übersetzung "Menschenseelen" kann im Hebräischen auch "Sklaven" bedeuten (Hes. 27, 13, vgl. 4. Mose 31, 35, ebenfalls 1. Chron. 5, 21). Man könnte genau übersetzen: "Leiber, nämlich Seelen von Menschen", d. h. Sklaven. Ein alter Ausleger erklärte dazu: Seelen der Menschen waren von jeher in Rom eine sehr gesuchte Ware, macht ja doch der Papst auf alle Seelen der Menschen, zumal der Getauften, Anspruch ... . So ist es bis heute noch.

Man kann insgesamt sieben Gruppen von Handelswaren ausmachen, die sich wie ein Zolltarif anhören und dazu eine Vorstellung vom Umfang des Handels geben. Das sind: (1) Schmuck (Edelmetall und Juwelen), (2) feine Kleiderstoffe, (3) kostbare Gegenstände (von Edelholz bis Marmor), (4) Gewürze und Räucherwerk, (5) Speisen und Getränke, (6) Transportmittel und sodann (7) "Leiber und Seelen der Menschen". Hierbei kann man ebenfalls an die Zeit des Ablaßhandels denken, als in der römisch-katholischen Kirche tatsächlich mit Seelen Handel getrieben wurde.

Ähnlich ist es noch heute bei den "Totenmessen", die bekanntlich nicht unentgeltlich sind. Wenn man auf die Reihenfolge der Handelswaren achtet, dann muß man zu dem Schluß kommen, daß der letzte Artikel, das heißt diese "Menschenseelen", für diese "Kirche" eher minderwertig ist, viel weniger wert als z. B. Gold und Perlen, die am Anfang stehen. Man sollte jedoch auch das moderne Sklaventum nicht vergessen, bei dem Frauen und Mädchen durch Drogenkartelle und andere zur Unzucht verkauft werden. Hat die römisch-katholische Kirche darauf keinen Einfluß?

Dreimal heißt es von den Klagenden, daß sie "von ferne" standen. Sie sind gewiß vorsichtshalber auf Distanz gegangen. Vielleicht wird dieses schaurige Schauspiel auch sofort "live" über Satellit in alle Welt übertragen. Dann sehen sie es fürwahr "von ferne", im Fernsehen. Sie sprechen sodann voll Trauer: Weh, weh, du große Stadt Babylon, du starke Stadt, in einer Stunde ist dein Gericht gekommen! - Auffällig ist dabei auch die Betonung der Eigenschaften Babylons durch die Wiederholung des Artikels im Griechischen: "die Stadt, die große, Babylon, die Stadt, die starke", d. h. ausgerechnet die Stadt, die als so groß und stark galt, ist dann in der einen Stunde ihres Gerichtes weder groß noch stark, sondern völlig machtlos.

Die Könige auf Erden, die mit ihr gehurt und Mutwillen getrieben haben, kennzeichnen diese Katastrophe jetzt als "dein Gericht". Außer den zehn Königen, die das Gericht über Babylon mitvollzogen haben (Offb. 17, 16), kommen wohl auch noch die sonstigen Herrscher in aller Welt in Betracht. Sie wissen um das Gericht Gottes, das die große Stadt Babylon trifft, hoffen aber, daß es nicht ihr Gericht ist.

Nach den Königen trauern alsdann die Kaufleute, diese Händler solcher Ware, um die große Stadt. Die Händler solcher Ware, die durch Babel sind reich geworden, werden von ferne stehen aus Furcht vor ihrer Qual, weinen und klagen und sagen: Weh, weh, du große Stadt, die bekleidet war mit köstlicher Leinwand und Purpur und Scharlach und übergoldet war mit Gold und Edelgestein und Perlen, in einer Stunde ist verwüstet solcher Reichtum! Die Könige, Kaufleute, Kapitalgeber, dazu wohl auch die Künstler, sind gleicherweise fassungslos. Gewiß wieder ein "schwarzer Tag" an der Börse, wo die Aktien und Wertpapiere nicht nur fallen, sondern wertlos werden. Die Händler werden ihre Ware nicht los, keiner kauft sie.

Immer wieder wird in Kapitel 18 betont, daß die Kaufleute und Händler nur durch Babylon reich geworden sind (Offb. 18, 3 + 9 + 11 + 15 + 19 + 23). Schon vom alten Rom sagte man, daß Händler, die dort ihren Handelsplatz hatten, eine Spitzenstellung erreichten, dann regelrechte Handelsfürsten wurden, während Rom seinerseits dadurch weltweiten Einfluß gewann. Diesen übte es jedoch immer zum Schaden anderer aus, weil nämlich alle Völker durch die Handelsbeziehungen mit Rom auch dessen verwerflichen Lebensstil und zudem noch seine Religion übernahmen.

Und sie warfen Staub auf ihre Häupter und schrien, weinten und klagten und sprachen: Weh, weh, du große Stadt, in welcher von ihrer Üppigkeit reich geworden sind alle, die da Schiffe auf dem Meere hatten, in einer Stunde ist sie verwüstet! Die Seefahrer, die rauh und abgehärtet sind, drücken zuletzt ihr Wehrufen und Jammern am leidenschaftlichsten aus. In einer Stunde ist alles vorbei.

Man kann sich heute schwer vorstellen, daß alles, was an diese "Kirche" erinnert, dann aus der Welt verschwunden sein wird. Auf einmal wird die Welt trauern, jedoch nicht wegen der Menschen, die zu dieser "Kirche" gehören und verloren gehen, sondern weil dieser ganze Reichtum plötzlich zunichte geworden ist. Das ist der eigentliche Grund für das Weinen und Wehklagen, der Seefahrer und anderer.

Der Prophet Hesekiel mußte ein Klagelied über Tyrus anstimmen, in dem es auch ganz ähnlich klingt: ... so daß dein Reichtum, dein Handelsgut, deine Ware, deine Schiffsleute, deine Steuerleute, deine Zimmerleute, deine Händler und alle deine Kriegsleute und alles Volk in dir, ... mitten auf dem Meer umkommen werden am Tag deines Falls. ... und laut über dich schreien und bitterlich klagen, werden Staub auf ihre Häupter werfen und sich in der Asche wälzen. (Hes. 27, 27 + 30).

Im Gegensatz aber zu dieser Trauer wird den Bewohnern des Himmels zugerufen, sich zu freuen:

Freue dich über sie, Himmel und ihr Heiligen und Apostel und Propheten; denn Gott hat sie gerichtet um euretwillen!

Und ein starker Engel hob einen Stein auf wie einen großen Mühlstein, warf ihn ins Meer und sprach: So wird im Sturm verworfen die große Stadt Babylon und nicht mehr gefunden werden. Und die Stimme der Saitenspieler und Sänger, Pfeifer und Posauner soll nicht mehr in dir gehört werden, und kein Handwerksmann irgendeines Handwerks soll mehr in dir gefunden werden, und die Stimme der Mühle soll nicht mehr in dir gehört werden, und das Licht der Lampe soll nicht mehr in dir leuchten, und die Stimme des Bräutigams und der Braut soll nicht mehr in dir gehört werden. Denn deine Kaufleute waren Fürsten auf Erden, und durch deine Zauberei sind verführt worden alle Völker; und das Blut der Propheten und der Heiligen und aller derer, die auf Erden getötet sind, ward in ihr gefunden. (Offb. 18, 20-24).

In der himmlischen Welt löst der Sturz der "Hure" eine manchen vielleicht geradezu befremdliche Genugtuung und Freude aus. Doch die Liebe Gottes erkannt und empfangen, ihr aber kalt den Abschied gegeben zu haben, das ist, was die "Hure" zur Hure macht und die Sünde aller Sünden ist. Das ist für alle, die Gott liebhaben, eine schier unerträgliche Schändung seiner Ehre. Die wahre Kirche dagegen wird zwar durchs Leiden geführt, aber im Innersten ist sie unüberwindlich. Für die, die sich selbst erhöht hat, folgt der Sturz. Für die, die willig gewesen ist, den unteren Weg zu gehen, folgt die Erhöhung; für jene der große Schrecken, für diese die unsagbar große Freude. Der Jubelruf im Himmel ist deshalb kein Racheruf, sondern nur die Zustimmung zum heiligen Gericht der höchsten Majestät. Nicht die Heiligen, auch nicht die Apostel, auch nicht die Propheten haben das Gericht durchgeführt, sondern Gott selbst. Es ist ein feierliches "Te Deum", das da intoniert wird.

Der nach den Anfangsworten: "Te Deum laudamus" ("Dich, Gott, loben wir") benannte Dankhymnus der (lateinischen) Liturgie der römisch-katholischen Kirche wurde beispielsweise zur Bartholomäus-Nacht in Frankreich am 24. August 1572 angestimmt. Immer dann, wenn es wieder einmal die "Ketzer" getroffen hatte, die Scheiterhaufen loderten und unsagbare Not, Jammer und Tränen über die Kinder Gottes gekommen waren, begann diese Hure Babylon solche Loblieder zu singen.

Im Luthertext von 1912 steht dann: ... denn Gott hat euer Urteil an ihr gerichtet. Euren Urteilsspruch, der der Gerechtigkeit Gottes entspricht. Himmel und Erde ... werden jauchzen über Babel, weil seine Verwüster ... gekommen sind, spricht der Herr. (Jer. 51, 48). So hat Gott selbst dieses Urteil an der Hure Babylon gerichtet. Man könnte diesen Vers auch übersetzen: Gott hat ihr das Urteil auferlegt, das sie über euch gefällt hat, nämlich das Todesurteil auf dem Scheiterhaufen der Kirche.

Und ein starker Engel hob einen Stein auf wie einen großen Mühlstein, warf ihn ins Meer und sprach: So wird im Sturm verworfen die große Stadt Babylon und nicht mehr gefunden werden. Ein Vorbild davon hatte der Prophet Jeremia ebenfalls schon zu seiner Zeit vorausgesehen: Und wenn du das Buch ausgelesen hast, so binde einen Stein daran und wirf`s in den Euphrat und sprich: So soll Babel versinken und nicht wieder aufkommen von dem Unheil, das ich über sie bringen will, sondern soll vergehen. (Jer. 51, 63-64). Das antike Babylon ist bis heute verwüstet.

Dieser "starke" Engel ist möglicherweise wieder derselbe, der bereits in Offb. 5, 2 erwähnt wurde, ansonsten handelte es sich auch um einen "andern starken Engel", den der Apostel Johannes in Offb. 10, 1 vom Himmel herabkommen sah. Dennoch könnte es wiederum auf einen "andern" Engel hinweisen, der jetzt erst zu sehen ist.

Der Mühlstein ist nach Matth. 18, 6 ein Strafmittel für angerichtetes Ärgernis. Deshalb hatte Jesus bemerkt: Weh der Welt der Ärgernisse halben! Es muß ja Ärgernis kommen; doch weh dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt! (Matth. 18, 7).

Das Meer (auf Griechisch: Jalassa = thalassa) deutet wahrscheinlich wieder auf das Völkermeer, das dadurch wohl noch mehr in Bewegung gesetzt wird. Dereinst wird dieses letzte Weltreich bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu Christi wie durch einen Stein zermalmt werden. Der Prophet Daniel erkannte den Traum des Königs Nebukadnezar und sprach: Das sahst du, bis ein Stein herunterkam, ohne Zutun von Menschenhänden; der traf das Bild an seinen Füßen, die von Eisen und Ton waren, und zermalmte sie. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Kupfer, Silber und Gold und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehte sie, daß man sie nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild zerschlug, wurde zu einem großen Berg, so daß er die ganze Welt erfüllte. (Dan. 2, 34-35).

Dann erklärte er auch die Deutung: Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben. (Dan. 2, 44). Das wird dann das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi sein, aber welches kein Mensch zerstören kann.

Und die Stimme der Saitenspieler und Sänger, Pfeifer und Posauner soll nicht mehr in dir gehört werden, und kein Handwerksmann irgendeines Handwerks soll mehr in dir gefunden werden, und die Stimme der Mühle soll nicht mehr in dir gehört werden, und das Licht der Lampe soll nicht mehr in dir leuchten, und die Stimme des Bräutigams und der Braut soll nicht mehr in dir gehört werden. Die Formulierung "nie mehr" (gefunden, gehört) ist hier mit kleinen Änderungen sieben Mal in den Versen 14 und 21-23 enthalten, zudem auch bei Daniel erwähnt: ... daß man sie nirgends mehr finden konnte. Es ist eine vollständige Vernichtung.

Es wird keinen Kirchengesang mehr geben, weder Orgel- noch Posaunenspiel. Es wird keine Heiligen- und Madonnen-Miniaturen und andere "Devotionalien" aller Art mehr geben. Den Handwerkern wird es dann ergehen, wie denen zu Ephesus: Denn einer mit Namen Demetrius, ein Goldschmied, der machte silberne Tempel der Diana und wandte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinn zu. Dieselben und die Beiarbeiter dieses Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer, ihr wisset, daß wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben. (Apg. 19, 24-25).

Diese Verdienstmöglichkeiten werden ihnen genommen werden, denn die Stimme der Mühle soll nicht mehr in Babylon gehört werden. Jegliches Arbeitsleben, jede Betriebsamkeit, wird dann dort aufhören. Und das Licht der Leuchte (Luthertext von 1912), das "Ewige Licht" in allen römisch-katholischen Kirchen, wird hinfort nicht mehr leuchten. Es brennt dann keine Kerze, Öl-, Gas- oder Glühlampe mehr.

Und die Stimme des Bräutigams und der Braut soll nicht mehr in dir gehört werden. Hans Bruns erklärte: ... man denkt nicht mehr an Verloben oder Heiraten. Das ist ganz deutlich gemäß diesem Worte des Herrn, das zu Jeremia geschah: Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will an diesen Ort vor euren Augen und zu euren Lebzeiten ein Ende machen dem Jubel der Freude und Wonne, der Stimme des Bräutigams und der Braut. (Jer. 16, 9). Das wird sich jetzt erfüllen.

Denn deine Kaufleute waren Fürsten auf Erden, und durch deine Zauberei sind verführt worden alle Völker; und das Blut der Propheten und der Heiligen und aller derer, die auf Erden getötet sind, ward in ihr gefunden. Die Übersetzung im Konkordanten Neuen Testament lautet: Denn deine Kaufleute waren Magnaten der Erde. Bruns, Elbf. usw. sprechen wörtlich von den "Großen der Erde". Das waren also keine Kleinkrämer, sondern Ölmagnaten, Großindustrielle, Großfinanziers und Bankiers, die über großen Einfluß in der Welt verfügten. Es war einfach das Großkapital, das diese Welt seit eh und je regierte, bis zu dieser Stunde des Gerichtes.

Und durch deine Zauberei sind verführt worden alle Völker. Bereits in Kapitel 9 (Offb. 9, 21) hieß es schon einmal "Zauberei", aber da wurde offenbar von "weltlicher" Zauberei, nicht von religiösen Zaubermitteln gesprochen. Das griechische Wort: jarmakeia = pharmakeia, das hier gebraucht wird, entspricht nahezu dem französischen "pharmacie" und bedeutet Giftmischerei, Verabreichen von pharmazeutischen Produkten (so Dr. P. de Benoit und Walter Schäble). Damit ist jedoch möglicherweise auch die Verabreichung von Brot und Wein in einer "Eucharistiefeier" einer "Heiligen Messe" gemeint, bei der eine Wandlung in den Leib Christi vorgetäuscht wird. Darüber muß der Priester dann sprechen: Hoc est corpus meus.

Aus diesen lateinischen Worten ist später die Zauberformel: Hocus-pocus entstanden. Da nun doch keine Veränderung erfolgt, bezeichnet man allen faulen Zauber so. Ähnlich verhält es sich mit den Reliquien, bei denen sich beispielsweise an bestimmten Tagen das Blut irgendeines "Heiligen" verflüssigt. Wenn tatsächlich so etwas geschieht, dann ist es immer dämonischen Ursprungs, wie auch die angeblichen Marienerscheinungen. Der Apostel Paulus schrieb deshalb: Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichtes. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen. (2. Kor. 11, 14 f.).

Und das Blut der Propheten und der Heiligen und aller derer, die auf Erden getötet sind, ward in ihr gefunden. Das sind die Märtyrer der Kirchengeschichte, zu unterscheiden von denen, die aus der großen Trübsal kommen werden. Ein bedeutender Historiker schrieb bewußt: Verglichen mit der Verfolgung von Ketzern von 1227 bis 1492, war doch die römische Christenverfolgung der ersten drei Jahrhunderte nach Christus ein sanftes und menschliches Unterfangen. Der Katholizismus wurde zur am meisten verfolgenden Religion, welche die Welt je sah. Die ersonnene Methode war die Inquisition, mit ihrer Zerstörung von Leben, Besitz und Moral.

Lord Acton (John Dalberg Acton), englischer Historiker (1834-1902), ein Katholik, nannte die Inquisition "mörderisch" und erklärte sogar, die Päpste waren "nicht nur Mörder im großen Stil, sondern sie machten Mord darüber hinaus zur Rechtsgrundlage der christlichen Kirche und zur Vorbedingung des Seelenheils". Von mehr als achtzig aufeinanderfolgenden Päpsten vom dreizehnten Jahrhundert an, hatte nicht einer die Theologie und den Apparat der Inquisition mißbilligt. Im Gegenteil, einer nach dem anderen setzte dieser tödlichen Maschinerie hernach noch seine eigenen Grausamkeiten hinzu. Man betrachte deshalb die Bulle: In coena Domini von Papst Urban VIII. (5.4.1568-29.7.1644), Papst seit dem 6.8.1623, aus dem Jahre 1627. Er hatte im Jahre 1626 den Petersdom eingeweiht und 1633 Galileo Galilei verurteilt.

Gregor XI., Papst von 1370-1378, hatte diese Bulle im Jahre 1372 als erster herausgegeben, und Gregor XII., Papst von 1406-1415, sie im Jahre 1411 bestätigt, so wie auch Pius V. (17.1.1504-1.5. 1572), Papst seit dem 7.1.1566, der im Jahre 1568 bekräftigte, sie solle in der Christenheit als ewiges Gesetz bestehen bleiben. Die Bulle ex-kommuniziert und verflucht alle Ketzer "... sowie diejenigen, welche sie aufnehmen, begünstigen und verteidigen, also alle Fürsten und Magistrate, welche Andersgläubigen Aufenthalt in ihren Ländern gestatten". - Diese Bulle ist auch heute noch in Kraft. Mit der Stützung dieser unfehlbaren Päpste kann es auch nicht anders sein.

Dieser Absolutismus bleibt bestehen, auch wenn Rom gegenwärtig nicht imstande ist, es so dreist durchzusetzen. Der CIC: Codex Iuris Canonici (= kanonisch-kirchliche Rechtssammlung), Kanon 333, Artikel 3, befiehlt: Gegen eine Entscheidung oder ein Dekret des römischen Papstes gibt es weder Berufung noch Widerspruch.

Der Besitz der Ketzer konfiszierte (= beschlagnahmte) man und teilte ihn dann unter den Inquisitoren und den Päpsten auf. Das 6. Ökumenische Konzil verfügte bereits im Jahre 680 n. Chr., sogar tote Ketzer sollten verhört und verurteilt werden. Schon jahrzehntelang in den Gräbern liegende Leichname wurden so ausgegraben, "verhört" und für schuldig befunden. Daraufhin wurde der Nachlaß der Verstorbenen eingezogen, wodurch die Hinterbliebenen dann ihre ganze Habe verloren. Oftmals wurden ihnen obendrein auch noch alle ihre bürgerlichen Rechte aberkannt.

Das größte Verbrechen dieser Christen bestand in ihrem Festhalten an der Freiheit des Gewissens und aller biblischen Vorstellungen, die dem Papst allerdings immer verhaßt waren. Es stehen zwar keine genauen Zahlen zur Verfügung, aber die Zahl der von den Päpsten während den etwa eintausend Jahren vor der Reformation hingerichteten Christen reicht an die Millionen heran. Im Zuge der Gegenreformation kamen noch etliche Hunderttausende hinzu. Die Geschichten der Märtyrer, die auf Grund ihres Glaubens allein an Jesus Christus und ihrer vorbehaltlosen Hingabe an ihn gefoltert und, zumeist durch Feuer, ermordet wurden, sind mit ihrer Traurigkeit und Tragik fast unglaublich. Wir können sowohl daraus lernen, wie sie dem Unheil dieser selbsternannten Diener Christi mutig ins Antlitz schauten, als auch noch aus ihrem Glauben, den sie in Erwartung ihrer Hinrichtung in Briefen bezeugten. Nachfolgend ist ein Auszug aus dem Abschiedsbrief, den Janneken Munstdorp aus dem Gefängnis von Antwerpen am 19. September 1573 für ihrer kleine Tochter schrieb. Nachdem ihr Mann hingerichtet worden war und sie dieses Kind im Gefängnis zur Welt gebracht hatte, verfaßte sie diese Ermahnung, dermaleinst für Jesus zu leben:

Die wahre Liebe Gottes und Weisheit des Vaters stärke dich in aller Tugend, mein liebstes Kind. (...) Ich befehle dich dem Allmächtigen, dem großen und furchtbaren Gott an, der allein weise ist, dich zu bewahren und in Seiner Furcht aufwachsen zu lassen (...) du, der du noch so jung bist und ich dich doch hier in dieser bösen, gottlosen und verkehrten Welt zurücklassen muß. Weil (...) du hier deines Vaters und deiner Mutter beraubt bist, werde ich dich dem Herrn anbefehlen; Er lasse dir nach Seinem heiligen Willen geschehen. (...)
Mein liebstes Lamm, ich, die ich hier gefangen bin (...) vermag dir auf keine andere Weise zu helfen; ich mußte deinen Vater um des Herrn Willen verlassen (...) [Wir] wurden gefangen genommen (...) [und] sie nahmen ihn mir fort. (...) Und nun, da ich dich nun neun Monate lang in großer Sorge unter meinem Herzen barg und dich hier im Gefängnis unter argen Schmerzen geboren habe, haben sie dich mir genommen. (...)
Weil ich nun dem Tode ausgeliefert bin und dich hier allein zurücklassen muß, ermahne ich dich mit diesen Zeilen, sobald du deine Verstandeskraft erlangt hast, danach zu trachten, Gott zu fürchten und danach zu fragen, weshalb und für wessen Namen wir beide sterben mußten; und schäme dich nicht (...) unseretwegen, das ist der Weg, den die Propheten und Apostel gingen, und der schmale Weg, der zum ewigen Leben führt. (...)

Und das Blut der Propheten und der Heiligen und aller derer, die auf Erden getötet sind, ward in ihr gefunden. Die zutreffendere Übersetzung im Konkordanten Neuen Testament lautet: ... die auf Erden hingeschlachtet worden waren. Im Urtext steht wiederum das Verb: sjazw = sphazoo, was "schlachten" bedeutet. Dies könnte ein wichtiger Hinweis darauf sein, daß dazu alle Geschlachteten auf Erden, die als Opfer von religiösen Blutgerichten überhaupt in Betracht kommen, gezählt werden müssen. Der Ausdruck "geschlachtet" ist nämlich der gleiche wie in Offb. 5, 6, wo allerdings die Rede ging von dem Lamm bei dem Throne Gottes. Mit diesem Verb wird jedenfalls ganz überwiegend die Schlachtung unter dem religiösen Gesichtspunkte bezeichnet. Deshalb ist gewiß auch die Frage durchaus berechtigt: Soll dann das Blut aller, die auf Erden geschlachtet sind, zur Blutschuld Babylons gerechnet werden? Man könnte sagen, allerdings insofern, als Babylon der Mittelpunkt aller menschlichen Blutschuld am Tage des Gerichtes bildet. Schließlich ist die wahre Kirche hier um Jesu Christi willen, sollte dann für ihn kämpfen und leiden. Der Apostel Paulus schrieb deshalb auch: Denn euch ist die Gnade gegeben, um Christi willen beides zu tun: daß ihr nicht allein an ihn glaubet, sondern auch um seinetwillen leidet und habet denselben Kampf, welchen ihr an mir gesehen habt und nun vor mir höret. (Phil. 1, 29-30). Dazu dann ebenfalls an seinen Mitarbeiter Timotheus: Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu. (2. Tim. 2, 3). Statt dessen hat die falsche Kirche Babylon gegen Christus und die Seinen gewütet, hat so Leiden, Verfolgungen und Tod über die Gläubigen, die Getreuen Jesu gebracht.

Das vielleicht größte Trauerspiel heute ist, daß man diese Märtyrer vergessen hat. Viele sagen jetzt, die Glaubenswahrheiten, für die sie ihr Leben gaben, seien nicht wichtig. Um der falschen Eintracht willen buhlen inzwischen alle großen Kirchen in der Ökumene weiterhin um die Gunst der großen Hure Babylon, dem Papsttum. Das Erschütternde ist: Die Menschheit ahnt heute schon was kommt, will aber die Wahrheit nicht hören. Die Entstehung der Welteinheitsregierung und -religion bedeutet den Anfang vom Ende dieser Welt. Die Vernichtung der Hure Babylon und der Untergang der ganzen Welt gehen einher, doch dieses Ende wird plötzlich eintreten. Inzwischen tanzen die Menschen weiterhin auf dem Pulverfaß, gehen ihren Vergnügungen nach. Dadurch betrügen sie sich jedoch um die Erkenntnis, daß das Leben hier auf Erden nichts ist, als ein Hineilen zu dem Augenblick, wo jeder von uns vor Gott erscheinen muß. Noch leben wir im Zeitalter der Gnade, denkt daran!
 

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