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Kapitel 17

Dem Apostel Johannes wurde sodann wieder etwas gezeigt, was ihn verwunderte:

Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir zeigen das Gericht über die große Hure, die an vielen Wassern sitzt, mit welcher Unzucht getrieben haben die Könige auf Erden; und die da wohnen auf Erden, sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht. Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sah ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbnen Tier, das war voll lästerlicher Namen und hatte sieben Häupter und zehn Hörner. Und das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und edlen Steinen und Perlen und hatte einen goldenen Becher in der Hand, voll Greuel und Unflat ihrer Hurerei, und an ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. Und ich sah das Weib trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu. Und ich verwunderte mich sehr, da ich das Weib sah. (Offb. 17, 1-6).

Dieser wichtige Engel ist einer von den zusammen: ... sieben Engel, die hatten die letzten sieben Plagen, denn mit denselben ist vollendet der Zorn Gottes. (Offb. 15, 1). Man kann aber nun nicht mit Sicherheit sagen, ob es auch einer von den sieben Thronengeln ist, denen vorher in Kapitel 8 (Offb. 8, 2) die sieben Posaunen anvertraut wurden. Möglich ist, daß es hier zwei verschiedene Gruppen von Engeln sind.

Wir wollen nun sehen, wer die große Hure ist. Die Begriffe Hurerei und Ehebruch werden in der Bibel sowohl im körperlichen als auch im geistlichen Sinne verwendet. Der Prophet Jesaja stellte diese Frage von Gott: Wie geht das zu, daß die treue Stadt zur Hure geworden ist? (Jes. 1, 21). In der Lutherbibel erklärt steht eine Antwort: Weil die Stadt Jerusalem von Gott abgefallen ist, wird sie mit einer Hure verglichen. Eine Stadt kann an sich nicht buchstäbliche, fleischliche Hurerei treiben.

Hier in diesem Text ist Babylon jedoch zunächst ein Weib, denn Johannes schrieb: Und ich sah ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbnen Tier ... (Vers 3). In Kapi-tel 12 (Offb. 12, 1-2) wurde mit "Weib" das Volk Israel bezeichnet, von dem auch der Heiland kam. Daher hatte Jesus zu der Samariterin am Jakobs-Brunnen gesagt: ... denn das Heil kommt von den Juden. (Joh. 4, 22). Deshalb heißt es dort in Offb. 12, 2 von Israel: Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. Dieses Weib kann also niemals die hier erwähnte Hure sein. Darum sei zur Erinnerung noch einmal wiederholt, was dort bereits erklärt wurde:

In der Offenbarung gibt es insgesamt vier Frauen, die alle jeweils eine Gruppe von Menschen und niemals eine einzelne Person darstellen, wie bisweilen gesagt wird: a) Das Weib Isebel (Offb. 2, 20) ist erwiesenermaßen das Papsttum in der römisch-katholischen Kirche. Wie damals die Gemeinde durch diese falsche Prophetin, so wird bis heute die Kirche durch falsche Propheten und deren lügenhaften Lehrsätze (= Dogmen) beherrscht, die weiter in ihren Reihen keine Andersgläubigen duldet. b) Das Weib, mit der Sonne bekleidet ... und eine Krone von zwölf Sternen, kann nur Israel sein. Die Sonne der Gerechtigkeit (Mal. 3, 20), das Licht der Menschen, scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's dann endlich ergriffen (Joh. 1, 4). Die zwölf Stämme werden ebenfalls scheinen als Lichter in der Welt (Phil. 2, 15). c) Das Weib bekleidet mit Purpur und Scharlach (Offb. 17, 4), diese große Hure Babylon, ist die Welteinheitskirche der Endzeit unter der Führung des Papstes und der Kardinäle sowie der Bischöfe und aller anderen Religionsführer. Nur die gläubigen Juden stehen außerhalb, werden danach erneut verfolgt und müssen fliehen. d) Die Braut des Lammes, angetan mit schöner reiner Leinwand (Offb. 19, 8). Die köstliche Leinwand aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Diese Heiligen stellen die entrückte und verherrlichte Gemeinde dar, also die allesamt an der ersten Auferstehung teilnehmen durften. Das ist der ganze Leib Christi, mit allen Gliedern.

Demnach versinnbildlicht diese große Hure Babylon alle untreuen Gläubigen, die anderen Göttern oder Götzen huldigen. Man könnte nun sagen, es sei eine Körperschaft, juristisch betrachtet. Die große Hure Babylon stellt nämlich ohne Zweifel die Welteinheitskirche der Endzeit dar, die unter der Führung des Papstes alle Religionen der Welt in sich vereinigen wird. Das ist eindeutig mehr als Ökumene, es ist womöglich die Erhörung des "Friedensgebetes" von Assisi. Dort waren am 27. Oktober 1986 alle 130 Religionsführer der Welt versammelt, um zu ihren Göttern für den Frieden zu beten. Den Frieden unter sich werden sie dann erreicht haben.

Im Jahre 1909 schrieb Dr. C. I. Scofield schon in einer Erklärung: Das kirchliche Babylon ist die gesamte abgefallene Christenheit, in der das Papsttum zweifellos überragend sein wird; es kann sehr wohl sein, daß diese Vereinigung alle Religionen der Welt umfassen wird. Inzwischen sind diese Bestrebungen weitergegangen.

Diese große Hure sitzt an vielen Wassern, so heißt es am Ende des ersten Verses. Der Seher Johannes hat im Hinblick darauf diese Erklärung des Engels niedergeschrieben: Und er sprach zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, wo die Hure sitzt, sind Völker und Scharen und Heiden und Sprachen. (Vers 15). Diese deutet auf die ganze Welt hin. P. Le Seur erklärte dann dazu: Eine Christenheit, die sich der Welt nicht anpaßt, wird schwer durchkommen in der Welt, aber sie nimmt so großen Einfluß auf die Welt. Eine Christenheit dagegen, die sich der Welt anpaßt, wird leicht durchkommen in der Welt, aber die Welt nimmt dann großen Einfluß auf sie! Die Lutherbibel erklärt bestätigt das ebenfalls mit ganz ähnlichen Worten: Die falsche "Kirche" übt großen Einfluß aus; überall will sie dabei sein. Doch die Welt mit ihrem Geist nimmt auch großen Einfluß auf sie. Das ist bereits jetzt so.

Dazu einige Informationen: Der Vatikanische Staat, italienisch: Stato della Città del Vaticano, ist ein Gebiet unter der Souveränität des Papstes in der Stadt Rom. Der frühere Kirchenstaat mit rund 26 000 qkm Fläche und 3,2 Millionen Einwohnern war 1870 dem Königreich Italien einverleibt worden; 1929 hat Italien durch Staatsvertrag mit dem Vatikan (Lateranverträge) die Oberhoheit des Papstes über ein kleines Gebiet wiederhergestellt. Dieses wird seit dem Staatsgrundgesetz vom 7.6.1929 wie eine absolute (Wahl-) Monarchie regiert. Die oberste gesetzgebende, vollziehende und richterliche Gewalt liegt in den Händen des Papstes. Das Gebiet wird von einem durch den Papst ernannten Gouverneur verwaltet. Die Gesamtfläche dieses Stadtstaates beträgt 0,44 qkm (km2) mit etwas über 1 000 Einwohnern (Kleriker) und ist am rechten Tiberufer im westlichen Teil der Stadt Rom gelegen.

Der Vatikan, wenn auch als Stadtstaat nur ca. 0,44 qkm groß, verfügt heute diplomatisch und damit auch politisch über die größte Infrastruktur (= Grundlage oder auch Grundeinrichtung), die keine andere Weltmacht vorweisen kann. Als monarchische Großmacht unterhält der Papst als ihr Oberhaupt diplomatische Kontakte zu 170 Staaten dieser Erde. Im "apostolischen" Vatikanspalast in Rom laufen alle Fäden zusammen. (siehe "Operation Vatikan", Dokumentation N.A.Z., 5.3.1998).

Dieser "apostolische" Vatikanspalast umfaßt an Sälen, Galerien, Wohnungen usw. ungefähr 1 400 Räume, von denen nur ein verhältnismäßig kleiner Teil vom Papst und seiner Hofhaltung benutzt wird. Der Bau beinhaltet 12 623 Fenster, sowie 997 Treppen, von denen 30 Geheim- und 15 Wendeltreppen sind. Ein großes Areal des Vatikangeländes nimmt dann die größte Kirche der Welt, die Basilika des heiligen Petrus ein. Diese ist 211 Meter lang und 140 Meter hoch. Der Tabernakelbaldachin über dem Hauptaltar ist so hoch wie der Louvre. Insgesamt 777 Säulen, 44 Altäre, 395 Statuen von Überlebensgröße schmücken die Basilika, die Kirche des Papstes.

Der Apostel Johannes bezeugte nun: ... mit welcher Unzucht getrieben haben die Könige auf Erden. Dazu einige Beispiele aus der Geschichte: Durch einen Volksaufstand gegen seine unterdrückende Herrschaft aus Rom vertrieben, floh damals Papst Leo III., der vom 27.12.795-12.6.816 regierte, an den fränkischen Hof Karls des Großen, um dessen Hilfe für die Rückeroberung der zuvor von den Päpsten beherrschten Gebiete in Anspruch zu nehmen. Dessen Heer nahm bald darauf Rom wieder ein und brachte Leo III. dann in Christi Namen auf den Papstthron zurück. Als Karl der Große am Weihnachtstage des Jahres 800 n. Chr. in der Peterskirche bei einer Messe in Gedanken versunken kniete, setzte der Papst ihm die Krone auf und ernannte ihn zum Kaiser des dadurch wiedererstandenen Römischen Reiches. Dieser Titel wurde später vom Kaiser des Ostreiches in Konstantinopel anerkannt.

Im Streit mit Berengar II. von Ivrea, König von Italien (um 900-gest. 966 n. Chr. in Bamberg), rief der damalige Papst, der Sohn eines Senators, im Jahre 957 n. Chr. Otto I., den Großen (23.11.912-7.5.973), um Hilfe. Der Papst, der seit dem 16.12. 955 n. Chr. regierte, vereinigte zu der Zeit die geistliche und weltliche Macht in Rom in seiner Hand und wechselte seinen Namen von Oktavian in Johannes XII. (937-14.5.964 n. Chr.). Otto der Große bestätigte dann dessen Herrschaft und den Kirchenstaat, woraufhin Johannes XII. ihn bald darauf zum Kaiser krönte, sicherlich nach dem Leitwort: "Machst du mich zum Papst, mache ich dich zum Kaiser".

Desgleichen handelte man nach diesem bewährten Muster unter Otto III. (Juli 980-24.1.1002 n. Chr.). Gerade in Rom angekommen, erhob Otto III. einstmals seinen Vetter Bruno von Kärnten als Gregor V. zum ersten deutschen Papst (von 996-999 n. Chr.) und wurde von diesem daraufhin am 21.5.996 n. Chr. zum Kaiser gekrönt.

Aus neuerer Zeit sei noch erwähnt: Es besteht kein Zweifel daran, daß die römisch-katholische Kirche Mussolini an die Macht brachte. Um den gewünschten Lateranvertrag zu erlangen, forderte der Papst die Katholiken zuerst auf, sich vorläufig aus der Politik herauszuhalten. In einer Ansprache an den Papst priesen sodann alle römischen Kardinäle Mussolini an als "diesen hervorragenden Staatsmann, der durch den Ratschluß der göttlichen Vorsehung Italien regiert". Es war offensichtlich eine gegenseitige Hilfeleistung, von der sich die Beteiligten viel versprachen. Mussolini benötigte die Kirche für den Aufbau seines Einflusses in Italien, und der Papst war seinerseits bereit, ihn für die Gegenleistung der Wiederherstellung eines Teiles seiner Macht und seines Ansehens zu unterstützen. "Hurerei mit Könige" ging weiter.

Spätestens nach dem gescheiterten Staatsstreich in München (Feldherrnhalle) vom 9. November 1923 beabsichtigte Adolf Hitler die Demokratie zu beseitigen. Als er dann am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, wollte er den Reichstag unverzüglich auflösen. Hitler mußte noch vorsichtig vorgehen, darum bemühte er sich, seine Tonart der Lage anzupassen. So versicherte er am 1. Februar, daß das Christentum die "Basis unserer gesamten Moral sei" und schloß seinen Aufruf mit diesen Worten: "Möge der allmächtige Gott unsere Arbeit in seine Gnade nehmen, unseren Willen recht gestalten, unsere Einsicht segnen und uns mit dem Vertrauen unseres Volkes beglücken!". (Tonaufnahme, Rundfunkarchiv). Damals sagte Pius XI. (31.5.1857-10.2.1939), Papst seit dem 6.2.1922, zu Hitlers Vizekanzler Franz von Papen (29.10.1879-2.5.1969), selbst ein Katholik, "wie erfreut er war, daß die deutsche Regierung an ihrer Spitze nun einen Mann hat, der sich kompromißlos gegen den Kommunismus stellt ...". (nach: Franz von Papen, Erinnerungen, 1952). (Anm.: Franz von Papen wurde 1959 zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt!).

Am 21. März leitete ein feierlicher Staatsakt in der Garnisonkirche zu Potsdam die Eröffnung des neuen Reichstages ein. Hitler verlas eine Regierungserklärung, in welcher viel von Berufung auf die große preußische Tradition, von Gehorsam und Vertrauen auf Gott, von Verehrung für den Generalfeldmarschall von Hindenburg die Rede war. Die Kanonen schossen Salut, die Glocken läuteten, und das Glockenspiel der Garnisonkirche intonierte: Üb' immer Treu' und Redlichkeit. Eine große Parade schloß den wirkungsvollen Staatsakt ab. Damit hatte man die konservativ-preußischen Gruppen präpariert und konnte bei der Abstimmung am 23. März auf sie rechnen. Die Katholiken allerdings würde man noch zu gewinnen haben. Ihnen konnte man gewiß mit der Zusage, ein Reichskonkordat einzugehen und dem Versprechen, eine kirchenfreundliche Kulturpolitik zu betreiben, den passenden Köder reichen. Es war also alles bereit. Jetzt sollte der Reichstag in die Krolloper einberufen werden, um dort seinen letzten Akt, das "Ermächtigungsgesetz", zu vollziehen.

Vor allem forderten die Zentrumsabgeordneten, die am 22. März mit Hitler verhandelten und ihm eine Denkschrift zustellten, daß er in seiner Regierungserklärung Garantien für den Schutz der Kirche, für die Beibehaltung der Konfessionsschulen und des allgemeinen Religionsunterrichtes an allen Schulen abgeben solle. Hitler ließ durchblicken, daß er diesen Preis unter Umständen zahlen würde. Und in der Tat, der Reichskanzler erklärte: "Ebenso legt die Reichsregierung, die im Christentum die unerschütterlichen Fundamente der Moral und Sittlichkeit des Volkes sieht, größten Wert auf freundschaftliche Beziehungen zum Heiligen Stuhl und sucht sie auszugestalten ...". Die Wirkung dieser Rede war unverzüglich zu spüren; denn nun stand nach der Meinung vieler Katholiken einem Zusammenwirken von Kirche und neuem Staat nichts mehr im Wege. Die Bischöfe bereiteten daraufhin eine gemeinsame Erklärung vor, in der die politischen Vorbehalte gegenüber den Nationalsozialisten zurückgenommen wurden. Die Abstimmung selbst war nur noch eine bloße Formsache; nach der dritten Lesung ergab sich: 444 Stimmen mit: Ja, 94 mit: Nein.

Das beschlossene Gesetz hieß: Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich. Der Artikel 4 lautete: Verträge des Reiches mit fremden Staaten, die sich auf Gegenstände der Reichsgesetzgebung beziehen, bedürfen für die Dauer der Geltung dieser Gesetze nicht der Zustimmung der an der Gesetzgebung beteiligten Körperschaften ... . Der Anstoß zu einem Reichskonkordat kam wahrscheinlich von dem Vizekanzler Franz von Papen, der nun auch als katholischer Politiker die Verhandlungen zum Abschluß führte. Vielleicht wirkte dabei mit, daß der päpstliche Nuntius in Berlin, Erzbischof Orsenigo, die positive Seite der Entwicklung in Deutschland überschätzte. Überdies weilte der ehemalige Zentrumsführer, Prälat Kaas, der das Ermächtigungsgesetz unterstützt hatte, nun in Rom. Jedenfalls kam man rasch zum Abschluß, denn bereits am 20. Juli 1933 wurde das Konkordat mit dem Deutschen Reich unterzeichnet. Das fand zudem überall in der Welt starke Beachtung; man wertete das Abkommen als einen Hinweis darauf, daß mit dem unheimlichen deutschen Reichskanzler vielleicht doch auszukommen sei. Nur wenige warnten.

Die große Hure, die an vielen Wassern sitzt, mit welcher Unzucht getrieben haben die Könige auf Erden, hatte nun einen neuen "König" für sich gewonnen, den Reichskanzler Adolf Hitler. Ohne ihre wertvolle Hilfestellung durch die Zentrumspartei hätte dieser nicht die erforderliche Mehrheit im Reichstag erringen können. Sie forderte jedoch bald ihren Hurenlohn, das Reichskonkordat, dessen Gültigkeit auch heute noch in Deutschland fortbesteht, trotz einiger Einschränkungen. Selbst in Österreich beruht die Rechtsstellung der r.-katholischen Kirche weitgehend auf dem Konkordat von 1933, das anschließend im Großdeutschen Reich gültig wurde.

Das Zeugnis des Johannes geht nun weiter: ... und die da wohnen auf Erden, sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht. Die Bezeichnung "die auf Erden wohnen" wird insgesamt zwölfmal in der Offenbarung verwendet, angefangen mit Offb. 3, 10; dann 6, 10; sowie 8, 13; dann 11, 10; dreimal in Kapitel 13; und 14, 6; zuletzt zweimal in diesem Kapitel. Damit sind aber keine Gläubigen gemeint, denn obwohl sie sich auf der Erde befinden, "wohnen" sie nicht da. Sie haben da "keine bleibende Stadt" (Hebr. 13, 14). Mit "die auf Erden wohnen" werden ausnahmslos nur die Menschen bezeichnet, die kein Teil im Himmel haben, noch jemals suchen.

Diese sind trunken geworden von dem Wein ihrer Unzucht, völlig berauscht durch den Zaubertrank ihrer betörenden Lehren, die fromme Religion und weltliche Lust in eins vermengen. Der Luthertext von 1912 sagt hier die schonungslose Wahrheit: ... sind trunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei. Wo nun immer das Wort "Hurerei" in der Bibel sinnbildlich gebraucht wird, bedeutet es durchweg Abgötterei und Götzendienst, alle falsche Religion und die Verführung dazu. Die Lutherbibel erklärt zu dem ebenfalls: "Hurerei" und "Ehebruch" sind in der Bibel nicht nur Übertretungen des 6., sondern vor allem des 1. Gebots. Dazu nun einige Beispiele:

Aber du verließest dich auf deine Schönheit. Und weil du so gerühmt wurdest, triebst du Hurerei und botest dich jedem an, der vorüberging, und warst ihm zu Willen. Du nahmst von deinen Kleidern und machtest dir bunte Opferhöhen daraus und triebst dort deine Hurerei, wie es nie geschehen ist noch geschehen wird. Du nahmst auch dein schönes Geschmeide, das ich dir von meinem Gold und Silber gegeben hatte, und machtest dir Götzenbilder daraus und triebst deine Hurerei mit ihnen. Und du nahmst deine bunten Kleider und bedecktest sie damit, und mein Öl und Räucherwerk legtest du ihnen vor. Meine Speise, die ich dir zu essen gab, feinstes Mehl, Öl und Honig, legtest du ihnen vor zum lieblichen Geruch. Ja, es kam dahin, spricht Gott der Herr, daß du deine Söhne und Töchter nahmst, die du mir geboren hattest, und opfertest sie ihnen zum Fraß. War es denn noch nicht genug mit deiner Hurerei, daß du meine Kinder schlachtetest und ließest sie für die Götzen verbrennen? Und bei all deinen Greueln und deiner Hurerei hast du nie gedacht an die Zeit deiner Jugend, wie du bloß und nackt warst und in deinem Blute lagst. (Hes. 16, 15-22). Zudem mußte der Prophet Hosea die Hure Gomer heiraten:

Als der Herr anfing zu reden durch Hosea, sprach er zu ihm: Geh hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das Land läuft vom Herrn weg der Hurerei nach. Und er ging hin und nahm Gomer, die Tochter Diblajims, zur Frau; die ward schwanger und gebar ihm einen Sohn. (Hosea 1, 2-3). Seine Ehe hatte zeichenhafte Bedeutung. Hosea ist überwältigt von der Liebe Gottes, ergreifend dargestellt in der unverbrüchlichen Treue des Ehegatten zu seinem ehebrecherischen Weibe. Man ersieht daran, daß diese Ehe ein Zeichen war für die Untreue Israels, die Gott mißfiel. Doch nur auf dem Wege des Gehorsams erfüllt sich das Leben eines Gottesmannes.

Der Apostel Johannes bezeugte dann: Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Der Seher schaut, weil er "im Geist" ist, das Weib in einer "Wüste", also an einem Ort ohne geistliche Segnungen, ohne göttliches Leben. "Wüste" hat keinen Artikel; man darf also nicht an die Wüste von Kapitel 12 (Offb. 12, 6) denken. Hier erfährt man vielmehr den tatsächlichen geistlichen Zustand der Hure sowie auch das trostlose Los, das auf sie wartet. Möglicherweise gibt es jetzt auch eine Anspielung auf den Fall Babylons, wie er sich unter Cyrus, des Königs von Persien, ereignet hat.

Dies ist die Last für die Wüste: Wie ein Wetter vom Süden herfährt, so kommt's aus der Wüste, aus einem schrecklichen Lande. Mir ist eine harte Offenbarung angezeigt: "Der Räuber raubt, und der Verwüster verwüstet." (Jes. 21, 1-2). Nun auch: Gefallen ist Babel, es ist gefallen, und alle Bilder seiner Götter sind zu Boden geschlagen! (Jes. 21, 9). Eine echt prophetische Schau wird in der Offenbarung durch Wort und Gesicht dargestellt. So wie ein gewaltiger Wüstensturm ziehen die Heere herauf. Man kann vielleicht an die "Operation Wüstensturm" im Golfkrieg denken.

Johannes erblickt diese große Hure, die an vielen Wassern sitzt, in der Wüste. Das scheint zunächst ein Widerspruch zu sein, ist es aber nicht. Man muß nämlich beachten, daß die Wasser die Völker der ganzen Welt darstellen (Vers 15), während die Wüste den trostlosen Zustand der Welt nach der Hinwegnahme der Gläubigen bezeichnet. Dort kann keine durstige Seele mehr ihren Durst nach wahrem Leben stillen. In der Wüste ist alles vertrocknet und verarmt; da sucht der sündenbeladene Mensch vergeblich nach Erleichterung, Erlösung und der lebenspendenden Quelle. Es findet auch ein Blickwechsel statt, daher übersetzte Hans Bruns genauer: Dann führte er mich im Geist in eine Wüste fort. So wird das Ganze doch verständlicher.

Er erklärte dann: Und ich sah ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbnen Tier, das war voll lästerlicher Namen und hatte sieben Häupter und zehn Hörner. Das Tier ist unbestritten der Antichrist und verkörpert gleichzeitig das letzte Weltreich. Der Prophet Daniel hatte damals alle vier Tiere gesehen, die alle vier großen Weltreiche darstellten und bestätigt: Diese vier großen Tiere sind vier Königreiche, die auf Erden kommen werden. (Dan. 7, 17). Beides hatten wir schon in Kapitel 13 im Zusammenhang mit dem Aufstieg des Antichristen betrachtet, werden hier jedoch nochmal auf jene Einzelheiten zurückkommen, denen wir dort vorgegriffen hatten.

Die Welt am Ende der Zeit ist eine Wüste, eine tote Gegend. Nach der Entrückung der Gemeinde Jesu Christi, zusammen mit dem Heiligen Geiste, ist die Welt geistlich tot. Dort erblickte der Seher Johannes dann ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbnen Tier. Der eigentliche Feind der Menschheit ist der große, rote Drache. Diese etwas ungewöhnliche Bezeichnung wird aber erklärt als ... die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. (Offb. 12, 9). Das blutrünstige Wesen des Teufels ist an seiner roten Farbe ersichtlich. Das gilt ebenfalls für den Charakter aller seiner Anhänger, auch der zukünftigen. Der schon bei dem zweiten Siegelgericht erschienene Reiter auf dem feuerroten Pferde hatte auch ein großes Blutvergießen ausgelöst, das weiterhin anhält. Die vielen Bürgerkriege unserer Tage sind nämlich kein Zufall, denn sie werden ausnahmslos unter der roten Fahne der Revolution geführt. Deshalb hatten doch sogar die scheinbar "braunen" Nationalsozialisten unbewußt auch eine rote Fahne, die sie mit ihrem Hakenkreuz "verzierten". Der Kampf gegen alle göttlichen Ordnungen geht jedoch noch weiter.

Von dem Tier wurde auch gesagt: Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht. (Offb. 13, 2). Damit ist auch die rote Farbe des Drachens "abgefärbt" auf das Tier, das jetzt mit scharlachfarben bezeichnet wird. Diese Verkörperung Satans entspricht ganz seinem Wesen; demnach ist der Antichrist nicht minder blutrünstig. Es darf nicht befremden, daß er als Anführer des wiedererstandenen römischen Reiches möglicherweise unter der blauen Europa-Flagge auftritt. Vielleicht ist das zuerst nur eine Tarnung, die seine demokratische Gesinnung zum Ausdruck bringen soll. Danach ändert er ja offensichtlich seine Meinung und, wer weiß, womöglich wechselt er dann auch die Farbe. Dieses scharlachfarbne Tier ist jetzt unverkennbar der Antichrist, der seinen wahren Charakter nun sichtbar zeigt.

Scharlachrot ist demnach die Farbe des Tieres, das den Antichristen und das römische Weltreich darstellt. Sie zeigt zwar auch dessen Macht und Herrlichkeit an, da es nicht einfach rot ist, sondern scharlachrot. Diese sind jedoch bösartig und sündhaft, worauf diese besondere Farbe hindeuten könnte. Darum erging der Aufruf an Israel, das abtrünnige Volk Gottes: So kommt denn und laßt uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden. (Jes. 1, 18). Leider scheint dieser Aufruf auch heute noch meist auf taube Ohren zu fallen.

Johannes sah wieder das Tier, das war voll lästerlicher Namen und hatte sieben Häupter und zehn Hörner. So erschien es ihm bereits in Kapitel 13 (Offb. 13, 1): ... das hatte zehn Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche Namen. Von diesem wurde sodann im selben Kapitel auch noch gesagt (Offb. 13, 6): Und es tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und sein Haus und die im Himmel wohnen. Das wird allerdings einmal aufhören, wenn Jesus mit denen im Himmel wiederkommt.

Jahrhunderte vorher weissagte der Prophet Daniel von ihm: Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten vernichten und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern. Sie werden in seine Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. Danach wird das Gericht gehalten werden; dann wird ihm seine Macht genommen und ganz und gar vernichtet werden. (Dan. 7, 25-26). Nur dreieinhalb Jahre nachdem er Israel angegriffen hat, wird der Antichrist vernichtet und sein Reich untergehen, wie alle vorhergehenden Weltreiche.

Die sieben Häupter werden in dann Vers 9 erklärt: Die sieben Häupter sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt, und sind sieben Könige. Gleichfalls wurde dem Apostel Johannes in Vers 12 außerdem noch deutlich gesagt: Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie Macht empfangen eine Stunde mit dem Tier. Das sind allerdings jetzt nicht insgesamt siebzehn Könige, wie wir später sehen werden.

Er beschrieb dann das Weib auf dem Tiere: Und das Weib war bekleidet mit Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und edlen Steinen und Perlen und hatte einen goldenen Becher in der Hand, voll Greuel und Unflat ihrer Hurerei, und an ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. In diesen Versen, wie in Vers 3, fallen im griechischen Urtext aber die grammatischen Besonderheiten auf: a) In Vers 3 ist "voll seiend" (in vielen Handschriften) und "habend" Maskulin (= männlich) anstatt Neutrum (= sächlich), wie man es jedoch beim Wort "Tier", das Neutrum (= sächlich) ist, erwarten könnte; damit wird gewiß ausgedrückt, daß das Tier als vernunftbegabtes Wesen (ein "er") angesehen wird; b) in Vers 4 steht sogar: "voll Greuel (Genitiv = Wesfall) und den Unreinheiten (Akkusativ = Wenfall) ihrer Hurerei"; bei diesem merkwürdigen Kasus- (= Fall-) wechsel muß man den Akkusativ (= Wenfall) von "Unreinheiten" vielleicht mit dem früheren "hatte" zusammenbringen [übrigens steht "Namen" in Vers 3, das von "voll" abhängt, auch im Akkusativ (= Wenfall)] oder das "und" muß hier epexegetisch (= als beigefügt-erklärend) verstanden werden, d. h.: "voll Greuel, welche die Unreinheiten (nach Luther: Unflat) ihrer Hurerei sind". Diese Übersetzung scheint zu gewagt zu sein.

Das Weib sitzt wie etwa eine Königin auf ihrem Thron, in prächtigen Gewändern und mit Schmuck überladen. Sie war mit Purpur bekleidet, dem köstlichsten Stoff, den man im Altertum kannte. Zur Zeit des Johannes war Thyatira in Lydien, eine Stadt in Kleinasien, durch ihren Purpurhandel berühmt. Von dort kam die Purpurkrämerin Lydia, die damals in Philippi wohnte: Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; dieser tat der Herr das Herz auf, daß sie darauf achthatte, was von Paulus geredet ward. (Apg. 16, 14). In der Gemeinde zu Thyatira gab es aber auch das Weib Isebel, die sagte, sie sei eine Prophetin, jedoch obendrein Unzucht trieb (Offb. 2, 20). Eigenartigerweise ist der Name dieser Frau eng mit dem Purpur verbunden, denn sie hatte eine Namensschwester im Alten Testament, die aus Phönizien kam. Diese Gegend am Mittelmeer war bekannt durch die Purpurschnecken, die es dort heute noch gibt.

Die Gemeinde zu Thyatira stellt aber zugleich, prophetisch gesehen, die dunkelste Periode der Kirchengeschichte dar. Diese ist deutlich die Zeit der römisch-katholischen Kirche, besonders im Mittelalter, jedoch auch noch in unseren Tagen. Daher ist es nicht verwunderlich, daß die Welteinheitskirche der Endzeit sich daraus entwickeln wird. Das Weib auf dem Tier entspricht bildhaft dieser zukünftigen Welteinheitskirche unter der Führung des Papstes. Wir kennen zudem die Purpurträger, die in der römisch-katholischen Kirche die höchsten Ämter bekleiden, bekanntlich die Kardinäle. Von ihnen wird immer einer zum Oberhaupt dieser Kirche gewählt, zum Papst. Kardinalrot ist auch rot und deshalb zugleich die Farbe des Teufels, so unglaublich das nun einmal klingen mag. Wie bei allen ungöttlichen Systemen, ist es auch hier kein Zufall, daß sich die römisch-katholische Kirche unbewußt damit ziert. Sie paßt deshalb ganz genau zu dem scharlachroten Tier, dem Antichristen.

Johannes ergänzte: ... und übergoldet mit Gold und edlen Steinen und Perlen und hatte einen goldenen Becher in der Hand, voll Greuel und Unflat ihrer Hurerei. Die römisch-katholische Kirche war besonders mit dem Verkauf von Seelenheil an Leichtgläubige sehr geschäftstüchtig und hat aus dieser niederträchtigen Einnahmequelle einen erheblichen Teil ihres großen Reichtums gewonnen. Jesus hatte schon den ersten Jüngern geboten: Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch. (Matth. 10, 8). Dieses Gebot wird aber bereits seit vielen Jahrhunderten mißachtet.

Johannes XXII., Papst von 1316-1334 n. Chr., hatte seinerzeit einen Preis für jedes Verbrechen von Mord über Inzest bis Sodomie festgelegt. Je mehr die Katholiken sündigten, desto reicher wurde die Kirche. Andere Päpste haben ähnliche, zweifellos ebenso ertragreiche Methoden eingesetzt. Innozenz VIII., Papst von 1484-1492 n. Chr., hatte einen Butterbrief-Ablaß gewährt. Für eine bestimmte Summe konnte man nun das Vorrecht erwerben, während der von ihm verordneten Fastenzeit sein Lieblingsgericht genießen zu dürfen. Damit bestand die Möglichkeit, einerseits für das Fasten geehrt zu werden und sich andererseits zur selben Zeit mit den köstlichsten Speisen verwöhnen zu lassen. Die Leute glaubten natürlich, als Papst hätte er diese Vollmacht. War denn nicht schließlich alles, was diese Stellvertreter Christi auf Erden banden oder lösten, gleichermaßen im Himmel gebunden oder gelöst?

Leo X., Papst von 1513-1521 n. Chr., ließ damals die Konstantinische Basilika abreißen und den Petersdom erbauen, und zwar hauptsächlich mit dem Geld, das die ahnungslosen Leute für den Erwerb seiner Ablaßbriefe bezahlt hatten. In Deutschland wurde dieses schmutzige Geschäft über den zuständigen Erzbischof dann dem gewissenlosen Dominikaner-Mönch Johann Tetzel (1465-1519 n. Chr.) anvertraut, der einen verbrecherischen und gewinnsüchtigen Handel damit trieb. Gegen dieses Krämergeschäft, das den Zutritt zum Himmel vorgaukelte, entbrannte der Zorn Dr. Martin Luthers. Daraufhin erließ Leo X. nun eine Bannbulle, die Luther verfluchte.

Wie schon andere vor ihm, so wurde auch Leo im Alter von sieben Jahren bei seiner Erstkommunion Abt und mit 13 Kardinal. Benedikt IX., der dreimal Papst war, bestieg bereits mit 11 Jahren den Papstthron, zunächst 1032 n. Chr., obwohl er zu der Zeit der jüngste Kardinal war. Nachdem er im Jahre 1044 abgedankt hatte, regierte er danach noch zweimal, und zwar 1045 und 1047-1048. Ein Elfjähriger, der dann als einzig wahrer Stellvertreter Christi auf Erden feierlich die Vergebung der Sünden erteilt - was für eine Vorstellung! Doch daran hat sich nur wenig geändert.

Ein bedeutendes Dokument aus der Zeit nach dem 2. Vatikanischen Konzil (Vaticanum II von 1962 bis 1965) widmet 17 Seiten der Erläuterung von Ablässen und wie man sie erlangt. Darin werden u. a. alle verurteilt und verbannt, die leugnen, daß die Kirche das Recht hat, heute noch Ablässe zur Errettung zu gewähren. Die Gesetze sind sowohl verworren und lächerlich als auch greuelhaft. Versuchen wir uns einmal vorzustellen, Gott erkenne solche Regelungen an, wie z. B. bestimmte Ablässe "nur an vom Heiligen Stuhl festgelegten Tagen" zu gewähren oder daß ein "vollständiger Ablaß, der nur für Verstorbene gilt, ... am 2. November in allen Kirchen erworben werden kann" u. v. m.. Die ganze Lehre der Ablässe verleugnet die Vollkommenheit des einmaligen Erlösungswerkes Christi am Kreuz von Golgatha. Das Dokument: Apostolische Konstitution über die Neuordnung des Ablaßwesens.

In der Tageszeitung: "Die Welt" vom 20. April 1998, auf Seite 12, stand zu lesen: Der Turiner Erzbischof, Kardinal Giovanni Saldarini, hat nach Berichten italienischer Medien für die Zeit der Ausstellung (= des "Grabtuches Christi" im Turiner Dom, Anm.) ein kirchliches Dekret erlassen, nach dem Abtreibung durch Beichte gesühnt werden kann. Die Ex-kommunikation, die in der katholischen Kirche bei Schwangerschaftsabbruch für die Frau und ihre Ärzte automatisch erfolgt, kann normalerweise nur von einem Bischof rückgängig gemacht werden. Nach dem Dekret könne sie auch vom einfachen Beichtvater aufgehoben werden. Das jedoch nur, falls die Beichte während der Dauer der Ausstellung und in Turin selbst erfolge, hieß es in den Berichten. Soweit diese Meldung, die doch deutlich besagt, daß normalerweise nur ein Bischof eine schwerwiegende Sünde vergeben kann. In der römisch-katholischen Kirche bestimmt dieser dann auch noch, wann und wo eine Beichte zu erfolgen hat, um vor Gott gültig zu sein. Wer dann allerdings kein Geld hat, um dorthin zu fahren, für den besteht keine Hoffnung auf Sündenvergebung.

Dispense waren eine weitere Quelle päpstlicher Einkünfte. Extrem strenge und sogar unmögliche Gesetze wurden verabschiedet, so daß die Kirche am Verkauf von Dispensen reich werden konnte. Vor allem die Ehe bot sich ihnen dabei an als eine reiche Einkommensquelle. Es wurden Blutsbande zwischen Paaren festgestellt, die nie geträumt hätten, sie wären miteinander verwandt. Dispense für Blutsverwandtschaft bei Heiraten brachten dem Papst damals jährlich eine Million Goldflorin ein.

Eine andere Geldquelle erwähnte Pater Charles Chiniquy (30.7.1809-16.1.1899) in einem Gespräch mit seinem Bischof: "Mein teurer Bischof", antwortete ich, "Sie wissen bereits, was ich von dem ersten Grunde halte. Ich bin fest überzeugt, daß wahre Keuschheit weit eher in einer christlichen Ehe zu finden ist als in einem Nonnenkloster, dessen Insassen, wie ich aus deren eigenen Bekenntnissen weiß, ihr Gelübde als schwere Fesseln empfinden, welche die meisten von ihnen verwünschen, weil sie dieselben nicht lösen können. Was aber den zweiten Grund betrifft, so ist es einfach gegen mein Gewissen, jemand zum Eintritt in ein Kloster zu bewegen, in der Absicht, sein Vermögen in die Hände zu bekommen. Dafür bin ich nicht zum Priester geweiht worden, um ehrbare Familien ihres rechtmäßigen Erbteils zu berauben, um mich oder andere damit zu bereichern. Ich weiß, daß Madame Chenier arme Verwandte hat, die froh sein werden, wenn sie einmal etwas bekommen!"

Er berichtete dann ebenso über ein weiteres Geschäft, das auch heute gewiß noch sehr einträchtig für die Kirche ist, nämlich das "Lesen" von Messen für die Toten: Es ist eine Tatsache, die kein Priester wird leugnen können, daß der Messenhandel mit Frankreich noch immer sehr im Schwunge geht. Es gibt in Paris und anderen großen Städten öffentliche Agenturen, welche diesen Handel betreiben. Er liegt gewöhnlich in den Händen der Buchhändler und der Kirchenschmuckverkäufer. Jedes Jahr senden diese Geschäftshäuser eine Unzahl von Prospekten durch alle katholischen Länder, in welchen sie sich anerbieten, gegen Einzahlung der Gelder, welche die Priester für Seelenmessen erhalten haben, dieselben lesen zu lassen, wobei sie den Priestern, die darauf eingehen, 25-30 % versprechen. Diese Prozente werden dann nicht in Geld, sondern in Waren, kirchlichen Schmucksachen und Büchern bezahlt. Sehr oft wird den Priestern eine goldene Uhr oder Kette oder ein Kelch geschenkt. Diejenigen Priester, welche das Lesen der Messen im Auftrag dieser Geschäfte übernehmen, werden in ähnlicher Weise abgelöhnt. Die Bücher eines solchen Geschäftes in Paris wurden im Jahre 1874 gerichtlich geprüft, weil man begründeten Verdacht hatte, daß dieses großartige Geschäft sich mehr Messen bezahlen ließ, als es lesen lassen konnte. Es wurde damals gerichtlich festgestellt, daß eine unglaubliche Zahl von Messen, die bezahlt worden waren zur Entleerung des Fegefeuers, niemals gehalten worden sind, sondern nur zur Füllung der Börsen dieser "geistlichen" Geschäftsleute gedient hatten. Der Inhaber des Geschäftes, ein gewisser Mesme, wurde dann ins Zuchthaus geschickt, wo er über die unendlichen Verdienste des heiligen Meßopfers nachdenken konnte, mit dessen Hilfe er seine Kassen gefüllt hatte.
(aus: Pater Chiniquy's Erlebnisse, übersetzt von F. E. Schlachter, CH-5401 Baden).

Diese Lehre vom Fegefeuer wurde erstmalig im Jahre 593 n. Chr. durch Gregor I., dem Großen (um 540-12.3.604 n. Chr.), Papst seit dem 3.9.590, festgelegt. Gegen diese Idee bestand jahrelang so große Abneigung (da diese eindeutig der Bibel widerspricht), daß das Fegefeuer dann auch fast 850 Jahre lang nicht zum offiziellen (= amtlichen) römisch-katholischen Dogma (= Lehrsatz) wurde - das geschah erst 1439 n. Chr. unter Eugen IV., Papst von 1431-1447 n. Chr., auf dem Konzil zu Florenz. Nach Ansicht der römisch-katholischen Kirche ist dies ein Ort der Reinigung, weder Himmel noch Hölle, sondern ein besonderer Ort. Für sie ist es dort, wo alle Menschen gereinigt werden müssen, bevor sie in den Himmel kommen. Daher ist die Heiligung eines Menschen bei seinem Tode, selbst wenn er im Glauben gestorben ist, noch nicht abgeschlossen. In der Bibel gibt es eine solche Lehre aber nicht.

Keine andere Lehre der römisch-katholischen Kirche hat jemals sowohl die Macht über ihre Mitglieder derart gesteigert und dazu ihre Einnahmen beträchtlich erhöht. Bis auf den heutigen Tag schwebt das Fegefeuer drohend über den Katholiken, die der Kirche deshalb immer wieder Opfergaben bringen, damit sie durch deren Hilfe dermaleinst aus diesem Ort der Qualen befreit werden. Diese Kirche konnte jedoch niemals angeben, wie lange jemand dort im Fegefeuer bleiben muß, noch um wieviel sich diese Zeit durch ihre angebotenen Hilfen verkürzt. Es ist sicherlich schon eine regelrechte Dummheit, in der Hoffnung auf Befreiung aus dem Fegefeuer auf eine Kirche zu vertrauen, die dann überhaupt nichts über die Dauer der Leidenszeit zu sagen vermag. Dennoch hinterlassen viele Katholiken der römisch-katholischen Kirche große Geldbeträge, damit vielleicht nach ihrem Tode viele Messen zu ihren Gunsten gelesen werden. Jedoch der Gedanke an irgendein Leidensmaß zur Bezahlung der Sündenschuld ist eine gotteslästerliche Leugnung des doch ein für allemal von Jesus Christus bewirkten Erlösungswerkes und des von ihm angebotenen Heils.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß sich die Vision des Johannes im nachhinein buchstäblich erfüllt hat: Wirklich alle Merkmale des Weibes auf dem scharlachfarbnen Tier treffen auf die römisch-katholische Kirche zu, die in Kürze in die Welteinheitskirche der Endzeit einmünden wird. Dieser Umstand wird wohl unumstritten durch "Gold und edlen Steinen und Perlen" angezeigt, mit denen sie ebenso angetan ist, wie mit dem "goldenen Becher in der Hand". Daß aber dieser goldene Becher dann noch "voller Greuel und Unreinheiten" ist, weist gewiß ohne Zweifel auf den Erwerb ihres Reichtums durch greuelhafte und dazu unsaubere Mittel hin.

Er bemerkte dann: ... und an ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein Geheimnis: Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. Der Name an ihrer Stirn scheint von unsichtbarer Hand geschrieben zu sein. Es ist zwar letzthin noch ein Geheimnis, doch einige Möglichkeiten sollten aufgezeigt werden. Allein schon die Bedeutung des Namens Babylon (griech.) bzw. Babel (aramäisch) ist sehr interessant. In der Bibel wird Babel zuerst erwähnt in der Völkertafel, nach der Sintflut: Kusch aber zeugten den Nimrod. Der war der erste, der Macht gewann auf Erden, und war ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn. Daher spricht man: Das ist ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod. Und der Anfang seines Reichs war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Lande Sinear. Von diesem Lande ist er nach Assur gekommen und baute Ninive und Rehoboth-Ir und Kelach, dazu Resen zwischen Ninive und Kelach. (1. Mose 10, 8-12). Eine andere Übersetzung lautete: Nimrod war der mächtigste Aufrührer wider JaHWeH, der je auf Erden war. Daran erkennt man, daß Nimrod eindeutig der erste antigöttliche Herrscher auf Erden gewesen ist. Nach der Überlieferung wurde seine Frau Semiramis das Oberhaupt der babylonischen Mysterien, das ist ebenso der Kybele-Kult nach der "Babylonischen Ordnung". Dieses verführerische und zuchtlose Weib Semiramis (= die Erhabene) wurde mit einem Becher in der Hand dargestellt. Um in diese Mysterien eingeführt zu werden, mußte man von diesem Becher trinken, dessen Inhalt den Verstand benebelte. Ihr Mann Ninus oder Nimrod (= Sich empören) war der Sohn von Kusch und der Enkel von Ham, einem Sohn Noahs. Folglich war er der Erbauer Babylons.

Der Name Babel oder Bab-El kann mit "Tor der Götter" übersetzt werden. So verstanden ihn jedenfalls die Babylonier. "Bab" bedeutet Tor und "Elohim" wird als "Gott" in der Mehrzahl bezeichnet. Bekannt ist die Meerenge Bab el-Mandeb, am Golf von Aden gelegen, die das Tor zum Roten Meer bildet. Die Bezeichnung "El Al", wie die israelische Fluggesellschaft heißt, wird als "Himmelslinien oder -spuren" aufgefaßt. Vom Turmbau zu Babel kennen wir aber die biblische Bedeutung: Daher heißt ihr Name Babel, wie der Herr daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder. (1. Mose 11, 9). Das ist ein Wortspiel, aus dem man schließen kann, daß der Name Babel nun Verwirrung bedeutet.

Wo einst Babel lag, sind heute nur noch Ruinen. In der Nähe verläuft seit Anfang dieses Jahrhunderts die Eisenbahnlinie von Bagdad nach Basra. Früher stand dort noch ein Pfahl mit einer hölzernen Tafel und darauf eine Inschrift. Da war sowohl auf Englisch und auf Arabisch zu lesen: Babylon Halt. Trains stop here to pick up passengers. Das bedeutet etwa: Haltepunkt Babylon. Züge halten hier nur nach Bedarf. Die Weissagung vom Untergang Babels hat sich bald wörtlich erfüllt: und es soll nie mehr bewohnt werden und niemand darin hausen für und für. (Jer. 50, 39).

Außerhalb der Offenbarung kommt der Name Babylon im Neuen Testament bloß zweimal vor, zunächst in der Apostelgeschichte des Lukas: Aber Gott wandte sich ab und gab sie dahin, daß sie dienten dem Herr des Himmels; wie denn geschrieben steht in dem Buch der Propheten (Amos 5, 25-27): "Habt ihr vom Hause Israel die vierzig Jahre in der Wüste mir auch je Opfer und Gaben dargebracht? Ihr truget umher die Hütte Molochs und den Stern des Gottes Romphan, die Bilder, die ihr gemacht hattet, sie anzubeten. Und ich will euch wegführen bis jenseits Babylon." (Apg. 7, 42-43). Sodann am Schluß des ersten Briefes des Apostels Petrus: Es grüßen euch aus Babylon, die samt euch auserwählt sind, und mein Sohn Markus. (1. Petr. 5, 13). Dazu heißt es dann in der Lutherbibel erklärt: Babylon ist wohl die verhüllende Umschreibung für Rom, wo der Brief geschrieben wurde. Im Konkordanten Neuen Testament lautet aber die genaue Übersetzung: Es grüßt euch die mit euch auserwählte herausgerufene Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.

Eusebius oder Eusebios, Bischof von Cäsarea (260-340 n. Chr.), schrieb etwa im Jahre 303 n. Chr. in seinem zweiten Buch der Kirchengeschichte, da er darauf Bezug nahm: Petrus gedenkt des Markus in seinem ersten Brief, den er in Rom selbst verfaßt haben soll, was er selbst andeutet, indem er diese Stadt bildlich Babylon nennt, wenn er sagt: "Es grüßt Euch die miterlesene Gemeinde in Babylon und Markus, mein Sohn.". (HE II 15, 2, aus: Eusebius von Cäsarea, Kirchengeschichte, Übersetzung von Philipp Haeuser, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt). In einer Bibel des Herder-Verlages mit Imprimatur (= Druckerlaubnis der römisch-katholischen Kirche) heißt es: "Babylon" war Deckname für das heidnische Rom.

Im Jerusalemer Bibel-Lexikon wird das bestätigt: In 1. Petr. 5, 13 und in der Offb. ist Babylon eine Umschreibung für Rom, das göttliche Ehren für seinen Herrscher (Götzendienst) beanspruchte und das Volk Gottes unterdrückte. Die Offb. prophezeit den Niedergang Babylons und seine Zerstörung, demnach also den Untergang Roms. Als Verbindung zwischen den beiden Babylon ist vielleicht diese Parallele zu erkennen: Wie im Alten Testament damals Babylon der geistliche Mittelpunkt der Welt wurde, nachdem Israel versagt hatte, so konnte in der neuen Heilsperiode "Babylon die Große" als geistliche Weltmacht aufkommen, nachdem die wahren Christen versagt hatten. Beide kamen bzw. kommen durch einen gesalbten Knecht Gottes zu Fall, nämlich durch Cyrus (= Kyros) (vgl. Jes. 44, 28 und 45, 1), sodann durch den wiederkommenden Herrn Jesus Christus, woraufhin Israel wiederhergestellt wird, besonders in geistlicher Hinsicht. Es gibt deshalb auch viele Parallelen zwischen Jeremia, Kapitel 50 + 51 (dem Fall des alten Babylon) und Offb. 17 + 18.

Grundsätzlich gibt es auch keinen großen Unterschied zwischen der Stadt Babylon und Rom. Beide waren Hauptstädte eines Reiches, das einmal das Volk Gottes verfolgte und gleichzeitig Sitz einer gottfeindlichen Religion. Rom gab seinen Namen dem Römischen Reich und der römisch-katholischen Kirche. In der Endzeit, wenn auch das Reich durch die Römischen Verträge wiedererstanden und in voller Blüte sein wird, gibt es dieses Zeichen: Das Weib reitet auf dem Tier, d. h. die Kirche beherrscht erneut das Reich, sitzt auf Rom. Der Papst ist dann nicht der Antichrist, er beherrscht ihn! Das hatte man früher aber nicht erkannt, da man nur die Werke sah.

Das Geheimnis steht aber bestimmt in Verbindung mit dem, was Babylon darstellt: Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. Nun ist zu bedenken, daß die römisch-katholische Kirche sich diesen stolzen Namen gegeben hat: Sacrosancta lateranensis ecclesia, omnium ecclesiarum orbis et urbis mater et caput, was dann übersetzt heißt: Die heilige Kirche des Laterans, aller Kirchen des Erdkreises und der Stadt Mutter und Haupt. Sie nennt sich die "Heilige Mutter Kirche", ist aber dennoch die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden. Unter "Greuel" versteht die Bibel nämlich immer Abgötterei und Götzendienst, wie er ja gerade in dieser Kirche ausgeübt wird. Dazu zählen beispielsweise: Reliquienkult, Madonnenkult, Heiligenkult, Ablaßwesen, Meßopferwesen und ferner alle Scheinfrömmigkeit, wie schon der Apostel Paulus schrieb: Die da haben den Schein eines gottseligen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie; und solche meide. (2. Tim. 3, 5 - Luthertext von 1912). Es sieht alles sehr fromm aus, ist aber ohne Kraft Gottes.

Für "Geheimnis" steht nun wiederum im Urtext das griechische Wort: musterion = mysterion, welches "geheim, geheime Sache" bedeutet. In diesem Falle scheint es allerdings ein besonderer Hinweis zu sein auf das "mysterium fide", einem seltsamen "Geheimnis des Glaubens", das in dieser Kirche verkündet wird. Darunter versteht man die angebliche Verwandlung von Brot und Wein in den tatsächlichen Leib und das wirkliche Blut Jesu Christi, wofür es aber nirgends einen Beweis gibt.

Dieses Geheimnis der abgöttischen Kirche ist sicherlich auch ein Gegenstück zur wahren Gemeinde Jesu Christi, die gleichfalls als ein Geheimnis bezeichnet wird. Diese war bekanntlich im Alten Testament verborgen, deshalb schrieb Paulus: Dieses Geheimnis ist groß; ich rede aber von Christus und der Gemeinde. (Eph. 5, 32). Der geheimnisvolle Name an der Stirn des Weibes könnte daher sowohl in Verbindung mit der Bedeutung von Babylon, wie auch mit dem Anspruch dieser falschen Gemeinde stehen. Die römisch-katholische Kirche versteht sich offen als Tor oder Pforte des Himmels (= Babylon). Und Petrus selbst hält die Schlüssel in der Hand, um ihren Anhängern das Himmelstor zu öffnen, sobald diese irgendwann ihre restlichen Sünden abgebüßt haben. Diese Schlüssel hat er an seine Nachfolger abgegeben, die Päpste, welche dieses Zeichen seitdem sichtbar in ihrem Wappen führen.

Zudem behauptet die römisch-katholische Kirche: Extra ecclesia nulla salus, d. h. außerhalb ihrer Kirche gibt es kein Heil. Dies ist nicht nur anmaßend, sondern absolut unbiblisch, da allein in Jesus Christus das Heil ist: In keinem andern ist das Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden. (Apg. 4, 12). Diesen Anspruch erhebt jedoch die römisch-katholische Kirche für sich, und deshalb könnte der "geheime" Name an der Stirn des Weibes gewiß damit im Zusammenhang stehen: Alleinseligmachende Kirche.

Insgesamt acht Mal steht in der Offenbarung von einem Namen an der Stirn: dreimal ist es das Malzeichen des Tieres (Offb. 13, 16; 14, 9; 20,4), viermal das Siegel des Namens Gottes (Offb. 7, 3; 9, 4; 14, 1; 22, 4), und hier nun der Name der Hure. Die Huren in Rom sollen früher die Gewohnheit gehabt haben, so ihren Namen auf einem Stirnband zu tragen. Allerdings scheint der Name jetzt mehr mit dem Wesen oder dem Anspruch dieser abgefallenen Kirche zu tun haben, also nicht einfach nur "Babylon". Es muß sich dabei eher um eine Art Wortspiel handeln, eine "geheime" oder verborgene Bedeutung des Namens, die eigentlich ganz offensichtlich ist. Jedoch muß man vermutlich etwas darüber nachdenken, damit man dahinter kommt.

Durch das Gebot des Zölibats, der Ehelosigkeit der Priester, wurde Rom allerdings auch buchstäblich zur Mutter der Huren (Elbf.) gemacht. Gregor VII. (etwa 1020-25.5.1085 n. Chr.), Papst seit dem 22.4.1073, der sich darüber beklagte, daß es so schwierig sei, die Ehen unter den Priestern auszumerzen, behauptete: "Die Kirche kann nicht den Fängen des Laientums entkommen, bevor nicht die Priester zuerst aus den Fängen ihrer Ehefrauen entfliehen.". Hierin konnte man noch einen triftigen Grund für das Zölibat sehen: ein Priestertum zu schaffen, das nun frei ist von der Belastung durch Frau und Kinder. Der eigentliche Grund war jedoch: es sorgt dafür, daß Priester wie auch Bischöfe und Päpste keine Familien hinterlassen, die so einen Anspruch auf deren Besitz hätten, und bereichert somit die Kirche selbst.

Das Zölibat ist wohl nur dann eine tugendhafte Sache, wenn man es freiwillig auf sich nehmen kann, jedoch ein untragbarer Mühlstein, wenn es der gesamten Geistlichkeit als Dogma auferlegt wird, wie es allerdings vor neun Jahrhunderten durch die römisch-katholische Kirche geschah. In seinen äußerst leidenschaftlichen Predigten nannte schon Savonarola von Florenz (Girolamo Savonarola), Dominikaner-Mönch (21.9.1452-23.5.1498), zu seiner Zeit Rom "eine Hure, die bereit ist, ihre Gunst für Geld zu verkaufen" und klagte deshalb auch die Priester coram publico (= vor aller Öffentlichkeit) an, "für alle den geistlichen Tod zu bringen ... denn ih-re ganze Frömmigkeit besteht darin, ihre Nächte mit Huren zu verbringen". Kein Wunder, daß schon einige Jahrzehnte zuvor Pius II. (18.10.1405-15.8.1464), Papst seit dem 18.8.1458, gesagt hatte, Rom sei "die einzige Stadt, die von Hurensöhnen regiert" würde. Es war zu der Zeit auch ein bekanntes Sprichwort, daß "Rom mehr Huren hat, als jede andere Stadt der Welt, weil es dort die meisten Zölibate gibt".

Savonarola wurde im Jahre 1497 durch den fragwürdigen Papst Alexander VI. wegen Häresie (= Ketzerei, Abweichung von der Lehre der Kirche) ex-kommuniziert und im folgenden Jahre in Florenz gehenkt und anschließend öffentlich verbrannt. Savonarola sagte kurz vor seinem Tode über die Erweckung, die durch ihn damals entfacht worden war: "Rom wird dieses Feuer nicht auslöschen können, und wenn es würde gelöscht werden, dann wird Gott ein anderes anzünden, ohne das wir es wissen.". Zu dieser Zeit ging der kleine Martin Luther in Deutschland zur Schule, der ein Feuer anzündete, das viele Länder erfaßte und heute immer noch brennt.

Daher dieses Beispiel: Alexander VI. (wahrscheinlich 1.1.1431/1432?-18.8.1503), Papst seit dem 10.8.1492, hatte schon mit 12 Jahren seinen ersten Mord begangen, nahm sich, obschon 58 Jahre alt, die frischvermählte 15-jährige Giulia Farnese zu seiner Geliebten. Sie erlangte nun für ihren Bruder (der danach als der "Unterrock-Kardinal" bekannt war) einen roten Kardinalshut. Dieser Bruder wurde dann ebenfalls Papst, Alessandro Farnese d. Ä., später Paul III. (1468-10.11.1549), Papst seit dem 13.10.1534. Dieser rief zum Widerstand gegen die Reformation auf, bestätigte nun den Jesuiten-Orden und eröffnete im Jahre 1545 n. Chr. das Konzil von Trient.

Man könnte noch viel sagen über Alexander VI., einer der greulichsten Menschen seiner Zeit. Er hatte sechs bekannte uneheliche Kinder, vier davon (einschließlich der berüchtigten Cesare und Lucrezia) von Vannozza Catanei, seiner Lieblingsmätresse. Cesare Borgia (1475-12.3.1507) wurde so im Jahre 1492 n. Chr. Erzbischof von Valencia (Spanien), ein Jahr später Kardinal, ohne Priesterweihe. Er gab dann 1498 n. Chr. die geistliche Laufbahn auf, schaffte sich nun gewaltsam ein Herzogtum in der Romagna und ermordete seinen Bruder Juan. Als er 1503 n. Chr. seine Eroberungen herausgeben mußte, scheiterten seine politischen Pläne. Als Kondottiere (= Söldnerführer) fiel er in Spanien. Dessen Schwester Lucrezia Borgia (18.4. 1480-24.6.1519) soll sogar mit ihrem eigenen Vater, Papst Alexander VI., in Blutschande gelebt und gesündigt haben. Im Jahre 1501 n. Chr. heiratete sie in dritter Ehe Alfonso I. d'Este, Herzog von Ferrara, und machte dessen Hof zu einem glänzenden Sammelpunkt bedeutender Künstler, Gelehrter und Dichter (u. a. Ariosto).

Unzählige Päpste, Kardinäle, Bischöfe und Priester waren gewohnheitsmäßige Unzüchtige, Ehebrecher, Homosexuelle und gar Massenmörder - erbarmungslose und verdorbene Schurken, die ihren verkommenen Lebensstil obendrein fern von jeder moralischen Disziplin praktizierten. Weit davon entfernt, ex-kommuniziert und so ausgeschlossen zu werden, verbleiben solche Päpste auch weiterhin noch stolz auf der Liste der früheren "Stellvertreter Christi". Die Priester, die heute sexuelle Fehltritte begehen, müssen ganz selten ihr Priesteramt niederlegen. Statt dessen werden die heutigen "zölibatären" Hurer, Pädophilen und andere Perversen gütigst fast immer stillschweigend versetzt und erhalten dann vielleicht psychologische Beratung. An ihrem neuen Wirkungsort lesen sie weiterhin die "heilige" Messe und üben die Aufgaben eines Priesters nach wie vor aus. Sollten sie allerdings die in den Augen ihrer Kirche viel schlimmere Sünde der Heirat begehen, wird ihnen in jedem Falle verboten, jemals wieder Priester zu sein. Ein solches Beispiel aus diesen Tagen ist der Kardinal Hans Hermann Groer aus Wien, den man vorsichtshalber versetzt hat, bevor sich der öffentliche Skandal in Österreich nur noch weiter ausbreiten konnte.

Johannes war erstaunt: Und ich sah das Weib trunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu. Und ich verwunderte mich sehr, da ich das Weib sah. Es sind nicht bloß ihre Hände, die rot mit diesem Blut verschmiert sind, sondern sie ist sogar betrunken davon. Unwillkürlich denkt man dabei sofort an die Inquisition, die Europa jahrhundertelang unter ihrer Schreckensherrschaft hielt. Inquisito bedeutet eigentlich nur Untersuchung, doch damit verbunden war oft Folter und Tod für die Beschuldigten. Canon Llorente, geboren 1756, trat in der Folge als Schreiber in den Dienst des "Heiligen Offiziums", und wurde zum ersten Sekretär desselben ernannt. Bald darauf ward er jedoch gezwungen, nach Frankreich zu entfliehen, wo er in den Jahren 1815-1817 in französischer Sprache seine "Geschichte der Inquisition" herausgab. Die geheimen Archive der Inquisition, welche Llorente während mehr als fünf Jahren zu durchforschen Gelegenheit hatte, lieferten ihm so ein unschätzbares Material, das in dieser Vollständigkeit jetzt wohl nicht mehr existiert. Llorente, der von 1790-1792 Beauftragter der Inquisition in Madrid war und Zugang zu allen Gerichtsakten hatte, äußerte danach seine Überzeugung, daß allein in Spanien die Zahl der Verurteilten drei Millionen übersteigt, von denen mehr als 300 000 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Um nun von diesen armseligen Geschöpfen möglichst doch Geständnisse zu erzwingen, ersann die römisch-katholische Kirche ausgetüftelte Foltermethoden. Derart qualvoll und unmenschlich waren diese, daß einem fast schlecht wird, wenn man sie nur zu beschreiben versucht.

Jean Antoine oder Juan Antonio Llorente erklärte dazu wörtlich: Das schreckliche Gebaren dieses "Heiligen Offiziums" schwächte die Kraft und verminderte die Bevölkerung Spaniens durch die Verhaftung der führenden Künstler, Wissenschaftler, Industriellen und Händler und durch die Nötigung unzähliger Familien, das Königreich zu verlassen, durch die Anstiftung zur Vertreibung der Juden ... und durch die Hinrichtung von mehr als 300 000 Opfern auf seinen flammenden Schlachtbänken.

Ein Historiker schrieb: Die Qualen der Inquisition hörten auch dann noch nicht auf, wenn das Opfer zu Asche verbrannt oder lebenslänglich im Inquisitionskerker eingesperrt war. Seine Verwandten wurden per Gesetz zu Bettlern gemacht, denn seine ganze Habe war verwirkt. Das System bot unbegrenzte Möglichkeiten an, Beute zu machen. Diese Einnahmequelle ist hauptsächlich für die abstoßende Praxis der sogenannten "Leichenprobe" verantwortlich. Sogar die Toten wurden in jener Zeit wieder ausgegraben und durchsucht, und die Kirche nahm ihren Erben den Besitz.

Johannes verwunderte sich sehr, da er das Weib sah. Er war nicht erstaunt darüber, daß die Welt sich so gegen die Zeugen Jesu stellte. Ihm wurde jedoch bewußt, daß es die eigentliche Kirche war, die so auftrat. Dadurch lernte er zu verstehen, daß es eine falsche Kirche geben wird, die sich zwar "Kirche" nennt, aber es nicht ist. Mit diesem Gedanken überkam ihm eine große Traurigkeit. Johannes war entsetzt, daß es einmal soweit kommen würde. Für uns ist das im nachhinein sicherlich leicht zu verstehen, weil wir die Kirchengeschichte kennen. Daher wird uns hier auch nichts Neues gesagt, denn wir haben ja bereits die Gemeinde zu Thyatira betrachtet. Deshalb besteht doch diese Verbindung zwischen dem Weib Isebel und dem Weib auf dem Tier, dem Papsttum. Beide haben die Knechte Gottes zur Hurerei verführt, also versucht, sie vom wahren Glauben abzubringen. Dazu hat die Unfehlbarkeit des Papstes sich als falsche Prophetin erwiesen, indem nicht nur falsche Lehren eingeführt, sondern diese dann anschließend geradezu rechthaberisch verteidigt wurden.

Ja, aus der blutigen Isebel in der Gemeinde zu Thyatira, der "Weihrauchspenderin" (Offb. 2, 18-29), ist im Laufe der Jahrhunderte dann "Babylon die Große" entstanden, die Mutter der Hurerei oder die Mutter der Huren (Elbf.). Demzufolge hat die Babylon auch Töchter, welche die gleichen Charakterzüge wie ihre Mutter tragen. Dort, wo man dem Götzendienst huldigt, wo geistliche Hurerei getrieben wird, allda ist Babylon. Das ist die römisch-katholische Kirche mit allen durch die Ökumene verbundenen Kirchen. In moralischer Hinsicht besteht sodann kein Unterschied zwischen Mutter und Töchtern; sie alle sind vom wahren Glauben abgefallen. Alle verfolgen die Heiligen und die Zeugen Jesu, sonst als "Fundamentalisten" bekannt.

Viele Heilige wurden als Ketzer hingerichtet, andere mundtot gemacht, auch heute noch. Wieviel Blut von Zeugen Jesu jedoch noch vergossen werden wird, das weiß Gott allein. Jesus hatte bei seinem Abschied auch daran erinnert: Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen. (Joh. 15, 20). Besonders das Weib auf dem Tier verfolgt die wahren Gläubigen, das verwunderte Johannes sehr.

Er setzte dann sein Zeugnis fort, indem er diese wichtigen Erklärungen weitergab:

Und der Engel sprach zu mir: Warum verwunderst du dich? Ich will dir sagen das Geheimnis des Weibes und des Tieres, das sie trägt und hat sieben Häupter und zehn Hörner. Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist nicht und wird wieder emporsteigen aus dem Abgrund und wird fahren in die Verdammnis, und es werden sich verwundern, die auf Erden wohnen, deren Name nicht geschrieben steht von Anfang der Welt in dem Buch des Lebens, wenn sie sehen das Tier, daß es gewesen ist und nicht ist und wieder sein wird. Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört!

Die sieben Häupter sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt, und sind sieben Könige. Fünf sind gefallen; einer ist; der andre ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muß er eine kleine Zeit bleiben. Und das Tier, das gewesen ist und nicht ist, das ist der achte und ist einer von den sieben und fährt in die Verdammnis. Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie Macht empfangen eine Stunde mit dem Tier. Diese haben einerlei Meinung und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. Sie werden streiten wider das Lamm, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Gläubige. (Offb. 17, 7-14).

Wie bereits am Anfang dieses Kapitels erwähnt, ist der Engel einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten. Diese waren voll vom Zorne Gottes und enthielten die letzten Gerichte über diese Welt. Dieser Engel begann anschließend das Geheimnis des Weibes und des Tieres zu erklären. Er sagte zu Johannes: Das Tier, das du gesehen hast, ist gewesen und ist nicht und wird wieder emporsteigen aus dem Abgrund. Für "Tier" steht im griechischen Urtext im allgemeinen: Jhrion = thérion, da ein wildes Tier, eine Bestie, damit gemeint ist. Deshalb heißt es besser: Das wilde Tier, das du gewahrtest, war ... (Konkordantes Neues Testament). Dort wird auch gesagt, daß dieses Tier zur Zeit des Johannes war. Darum lautet es auch ebenso: Das Tier, welches du sahest, war ... (Elbf.). Damit wird obige Aussage bekräftigt: Es war und ist nicht und wird sein. Es "war" nun in den Tagen des Sehers Johannes; "es ist nicht" in der Gegenwart; aber "es wird sein", d. h. es wird wieder sein in der Zukunft. Dieses Tier ist das Römische Reich, das durch die Römischen Verträge dereinst als Welteinheitsregierung der Endzeit wiedererstehen wird. Dessen Herrscher wird der Antichrist sein, der gleichfalls durch dieses Tier dargestellt ist. Es wird wieder emporsteigen aus dem Abgrund, ist also satanischen Ursprungs.

Von König Nebukadnezar wird gesagt, daß Gott ihm Macht und Thron und große Ehre gab (Dan. 2, 37-38 und 5, 18). Für das Tier gilt das jedoch nicht, denn es bekommt die Macht von dem großen, roten Drachen verliehen (Offb. 13, 2). Darum steigt es aus dem Abgrund empor, dem Ort, wohin Teufel und Dämonen gehören.

Dahin wird es dann auch fahren, nämlich in die Verdammnis, und es werden sich verwundern, die auf Erden wohnen. Alsdann werden sich jedoch auch wiederum nur die Menschen verwundern, deren Name nicht geschrieben steht von Anfang der Welt in dem Buch des Lebens, wenn sie sehen das Tier, daß es gewesen ist und nicht ist und wieder sein wird. Hier ist der Sinn, zu dem Weisheit gehört!

Das Buch des Lebens wurde schon in Kapitel 3 (Offb. 3, 5) erwähnt. Es ist gleichbedeutend mit diesem Lebensbuch des Lammes in Kapitel 13 (Offb. 13, 8). Dabei handelt es sich eindeutig um ein und dasselbe Buch, das im Himmel ausgelegt ist, so ähnlich wie ein Geburtsregister. Deshalb stehen in diesem Buch die seit Grundlegung der Welt von Gott Erwählten, alle Namen der Herausgerufenen, die durch die Wiedergeburt dort eingetragen wurden. Diese sind nun folgerichtig ebenso für die Zukunft eingeschrieben, als Erben der himmlichen Heimat. Nur wer in diesem Verzeichnis steht, der gehört gewiß dorthin. Dieser Gedanke deckt sich genau mit der durch den Apostel Paulus gemachten Aussage: Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten heilig und unsträflich sein vor ihm. (Eph. 1, 4). Heute ist noch Zeit, sich in das Buch des Lebens aufnehmen zu lassen.

Dann hörte er eine weitere Erklärung: Die sieben Häupter sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt, und sind sieben Könige. Die sieben Häupter erhalten also eine doppelte Deutung. Es sind zunächst sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt. Das Weib, die abgöttische Welteinheitskirche, ist demnach nicht nur mit dem Tier verbunden, sondern gleichsam mit ihm eins und dasselbe ist sogar auch örtlich mit ihr vereinigt. Das sind die sieben Berge oder Hügel, auf denen Rom gegründet wurde. Als Stadt der sieben Hügel (urbs septicollis) war Rom im Altertum bekannt. Es sind dies: Aventinum, Caelius, Capitolinus, Equilinus, Palatinus, Quirinalis und Viminalis, sieben Hügel. Die Bezeichnung "Berg" ist gewiß doch etwas übertrieben.

In einer Bibel des Herder-Verlages mit Imprimatur (= Druckerlaubnis der römisch-katholischen Kirche) wird dazu erklärt (Offb. 17, 5): Wenn auch Babylon auf Rom deutet, wie 17, 9 (sieben Berge = die sieben Hügel Roms) zeigt, so ist es darüber hinaus allegorischer Name für alle widergöttliche Macht überhaupt. (Hügel ist auch ein altorientalisches Bild für Macht.). Doch die Erklärung des Engels ist deutlicher.

Die sieben Häupter sind auch sieben Könige, einfach sieben aufeinanderfolgende Reiche oder besser Regierungsformen. Nach Titus Livius (59 v. Chr. - 17 n. Chr.), einem römischen Geschichtsschreiber aus Patavium (Padua), ist das unumstritten. Dieser widmete gar vierzig Jahre seines Lebens der Arbeit an seinem großen Geschichtswerk: "Ab urbe condita" (= nach der Gründung der Stadt, nämlich Rom). Darin berichtete er unter anderem, daß Rom in der Vergangenheit fünf verschiedene Regierungsformen gehabt habe. Das war allerdings vor der Zeit des Johannes.

Deshalb heißt es nun: Fünf sind gefallen; einer ist; der andre ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muß er eine kleine Zeit bleiben. Man meint, der Ausdruck "gefallen" unterstütze die Auffassung, daß es sich hier um Regierungsformen handelt, weil der Tod aufeinanderfolgender Kaiser sicherlich nicht so beschrieben wird. Andere behaupten jedoch, daß "gefallen" auf einen gewaltsamen Tod hindeute, gewiß der Regierungsform, die immer mit Gewalt beseitigt wurde.

Einer ist, demnach bestand zur Zeit des Johannes die sechste Regierungsform, das Kaiserreich von Rom. Dieses dauerte bestimmt bis zur Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus, das ist lateinisch: "Kleiner Augustus", im Jahre 476 n Chr. durch Odoaker, den Heerführer der Germanen (433-493 n. Chr.). Möglicherweise endete es jedoch erst am 6. August 1806, als Franz II. (12.2.1768-2.3.1835) die römische Kaiserkrone dann endgültig niederlegte. Nach dem Kaiserreich folgte inzwischen die siebte Regierungsform, die Demokratie. Dieser andere, der noch nicht gekommen ist, regierte also noch nicht in den Tagen des Johannes.

Aus dieser siebten Regierungsform könnte der Antichrist kommen, der einer von den sieben ist und durch seine Diktatur die achte Regierungsform begründet. Deshalb heißt es dann: Und das Tier, das gewesen ist und nicht ist, das ist der achte und ist einer von den sieben und fährt in die Verdammnis. Er ist das achte Haupt, der achte König oder das kleine Horn von Daniel 7. Trotzdem ist er einer von den sieben, da seine Änderung der bestehenden Regierungsform kein neues Reich darstellt, sondern hier lediglich eine zweite Phase des siebten einleitet. Das Tier steht sowohl für das wiedererstandene römische Reich, wie auch für dessen Herrscher.

Viele Ausleger legten dar, daß "Könige" kein "Königreich" bedeuten kann, schon gar nicht eine Staats- oder Regierungsform. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, daß gesagt ist: Diese großen Tiere - es sind vier - (bedeuten): vier Könige werden sich von der Erde her erheben. (Dan. 7, 17 - Elbf.) Darin besteht also kein Unterschied.

Wie bereits vorher angekündigt, so fährt das Tier in die Verdammnis. Daran wird nun ganz deutlich gezeigt, daß zwar das Reich buchstäblich "zum Teufel gehen", jedoch nur eine wirkliche Person tatsächlich in die Verdammnis fahren kann. Das allerdings geschieht in dem Gericht über dem Tier, das in Kapitel 19 erwähnt wird.

Der Engel erklärte dann dem Johannes noch einmal: Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige, die ihr Reich noch nicht empfangen haben; aber wie Könige werden sie Macht empfangen eine Stunde mit dem Tier. Diese haben einerlei Meinung und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. Zur Zeit des Johannes hatten diese zehn Könige ihr Reich noch nicht empfangen, waren darum auch nicht "gefallen", wie fünf von den sieben Königen. Das scheint aber schwieg zu sein: sieben Häupter, die sieben Könige darstellen, und zehn Hörner, die gleichfalls für zehn Könige stehen. Die Lösung liegt jedoch ganz einfach darin, daß demnächst in der Endzeit die zehn Könige gleichzeitig regieren werden, während aber die sieben Könige oder sieben Regierungsformen nacheinander kommen. Deshalb repräsentieren die zehn Könige sodann die Staatsoberhäupter der zehn Reiche, die sich zusammenschließen werden. Ein Horn ist in der Bibel immer ein Symbol der Macht. Die zukünftige Entwicklung der Europäischen Union ist dann zu beachten.

Diese zehn Könige oder Staatsoberhäupter werden dann Macht empfangen eine Stunde mit dem Tier, dem Antichristen. Die Könige werden nicht abgesetzt, sondern geben ihre Macht freiwillig dem Tier. Sie werden zwar weiterbestehen "wie Könige", allerdings ohne Macht, wie die Könige in einer heutigen Monarchie. Es sind zwar Könige, aber deren Macht ist durch die Verfassung stark eingeschränkt. Diese eine Stunde gemeinsamer Herrschaft mit und unter dem Tier bedeutet möglicherweise einen ganzen Zeitabschnitt, sicherlich die 70. Jahrwoche nach Daniel. Der Luthertext von 1912 hat hier: ... aber wie Könige werden sie eine Zeit Macht empfangen mit dem Tier. Das ist genau die Stunde der Versuchung (Offb. 3, 10).

Diese haben einerlei Meinung und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. Diese Staatsoberhäupter sind dann Vasallenkönige, die sich ganz dem Antichristen ausliefern werden. Hat Gott der Halbinsel, auf der Rom liegt, wohl deshalb die Form eines Stiefels gegeben, um die Macht auch des zukünftigen römischen Reiches zu verdeutlichen? Die ganze Menschheit wird mit dem Stiefel des letzten Herrschers dieses Reiches unterdrückt werden, der dann unumschränkte Macht ausüben wird.

Die zehn Könige entsprechen den zehn Zehen an den Füßen des Standbildes, das der König Nebukadnezar in seinem Traum sah (Dan. 2, 42). Dazu wird in Daniels Gesicht von den vier Tieren gesagt: Als ich aber auf die Hörner achtgab, siehe, da brach ein anderes kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. (Dan. 7, 8). Die Erklärung folgt im selben Kapitel 7: Die zehn Hörner bedeuten zehn Könige, die aus diesem Königreich hervorgehen werden. Nach ihnen aber wird ein anderer aufkommen, der wird ganz anders sein als die vorigen und wird drei Könige stürzen. (Dan. 7, 24). So wird der Antichrist aus den zehn Hörnern oder Königen hervorgehen, aber bald darauf drei von ihnen stürzen. Diese Tatsache wird jedoch in der Offenbarung nicht besonders erwähnt.

Das entspricht allerdings wiederum genau dem Verhältnis, das auch schon damals bestand zwischen dem römischen Herrscher und seinen untertänigen Regenten. So wie beispielsweise der König Herodes und die anderen unter dem Kaiser regierten, werden auch die zehn Staatsoberhäupter im antichristlichen Reich herrschen. Darum müssen auch sie wie die Könige um die Gunst des Kaisers werben und werden dabei auf das Wohlwollen des Antichristen angewiesen sein. Dieser verlangt unbedingten Gehorsam von allen seinen Untergebenen. Wer dann dessen Befehle nicht in allen Einzelheiten befolgt, der wird in Ungnade fallen, wie nun die drei Könige.

Von ihnen wird dann noch gesagt: Sie werden streiten wider das Lamm, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Gläubige. Das ist ein Hinweis darauf, wie das Tier ins Verderben gehen wird. Der Antichrist wird in seiner Überheblichkeit es wagen, dem Lamm Gottes den Krieg zu erklären. Von ihm schrieb der Apostel Paulus bereits: ... der Sohn des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so daß er sich setzt in den Tempel Gottes und vorgibt, er sei Gott. (2. Thess. 2, 3-4).

Dieser schrieb zudem an seinen Mitarbeiter Timotheus: ... bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesus Christus, welche uns wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren ... (1. Tim. 6, 14-15). Dazu heißt es in der Offenbarung: Und er war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Und ihm folgte nach das Heer im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer, reiner Leinwand. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen; und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren. (Offb. 19, 13-16). In der Offenbarung wird insgesamt viermal betont, daß der Herr Jesus der König aller Könige ist. Nur einige "Herren" zweifeln daran.

Das Heer im Himmel auf weißen Pferden bezeichnet dann, die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Gläubige. Das sind alle Erlösten, aber Jesus hatte gesagt: Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. (Luk. 22, 14). Dazu zählen sicherlich auch die Engel, die himmlischen Heerscharen des Herrn Zebaoth.

Vom Weltgericht wird gesagt: Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit ... (Matth. 25, 31). Andererseits schrieb Paulus jedoch: ... wenn unser Herr Jesus kommt samt allen seinen Heiligen. (1. Thess. 3, 13). Ebenso Judas, der Bruder des Herrn: Siehe, der Herr kommt mit viel tausend Heiligen. (Judas 14). So steht es nun in der Einleitung zum Buch Henoch, Vers 9: Und siehe, er kommt mit Myriaden (= viel tausend) Heiliger, um über alle Gericht zu halten. Alle Heiligen, die sich zu dem Zeitpunkt im Himmel befinden, werden mit Jesus herabkommen. -So ähnlich wurde es aber auch schon vorzeiten im Alten Testament geweissagt: Da wird dann kommen der Herr, mein Gott, und alle Heiligen mit ihm. (Sach. 14, 5).

Der Apostel Johannes bezeugte dann weitere Einzelheiten, die ihm der Engel gab:

Und er sprach zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, wo die Hure sitzt, sind Völker und Scharen und Heiden und Sprachen. Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure hassen und werden sie einsam machen und bloß und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen. Denn Gott hat's ihnen gegeben in ihr Herz, zu tun seinen Ratschluß und zu tun einerlei Ratschluß und zu geben ihr Reich dem Tier, bis daß vollendet werden die Worte Gottes. Und das Weib, das du gesehen hast, ist die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige auf Erden. (Offb. 17, 15-18).

Es besteht jetzt wohl kein Zweifel mehr daran, daß die Wasser, wo die Hure sitzt, die Völker der ganzen Welt sind. Auf diese erhebt die römisch-katholische Kirche seit eh und je Ansprüche, die sich bis heute nicht geändert haben. Über deren Könige versuchten die Päpste den unbedingten Gehorsam aller Menschen zu erzwingen. Diese Forderung nach unbedachter Unterwürfigkeit wird ebenso nach dem 2. Vatikanischen Konzil (Vaticanum II von 1962 bis 1965) noch weiter beansprucht: Die gläubigen Christen sind, im Bewußtsein ihrer eigenen Verantwortung, durch den christlichen Gehorsam daran gebunden, zu befolgen, was die heiligen Hirten als Repräsentanten Christi und als Glaubenslehrer verkünden oder als Kirchenführer bestimmen. (siehe: Canon 212 des Codex Iuris Canonici, des Kirchenrechtes).

Was den Papst anbelangt, so erklärte das Konzil klar und deutlich: Unfehlbarkeit erfreut sich der Bischof von Rom, das Haupt des Bischofskollegiums, kraft seines Amtes, wenn er als oberster Hirt und Lehrer aller Christgläubigen ... eine Glaubens- oder Sittenlehre in einem endgültigen Akt verkündet. Daher heißen seine Definitionen mit Recht aus sich und nicht erst auf Grund der Zustimmung der Kirche unanfechtbar ... Sie bedürfen daher keiner Bestätigung durch andere und dulden keine Berufung an ein anderes Urteil ...
... Die Gläubigen aber müssen mit einem im Namen Christi vorgetragenen Spruch ihres Bischofs in Glaubens- oder Sittensachen übereinkommen und ihm mit religiös gegründetem Gehorsam anhangen. Dieser religiöse Gehorsam des Willens und Verstandes ist in besonderer Weise dem authentischen Lehramt des Bischofs von Rom, auch wenn er nicht kraft höchster Lehrautorität spricht, zu leisten, nämlich so, daß sein oberstes Lehramt ehrfürchtig anerkannt und den von ihm vorgetragenen Urteilen aufrichtige Anhänglichkeit gezollt wird, entsprechend der von ihm kundgetanen Auffassung und Absicht ... (cf. Kleines Konzilskompendium, Herder-Verlag, 1966).

Ende Juni 1998 hat Papst Johannes Paul II. (geb. 18.5.1920, Papst seit dem 22.10. 1978), die Lehrfreiheit weiter eingeschränkt. Nach einer am 30. Juni veröffentlichten Änderung des Kirchenrechts müssen römisch-katholische Theologen zukünftig auch solche verbindlichen Glaubensinhalte lehren und sogar verteidigen, die nicht ausdrücklich als Dogmen (= Lehrsätze) der Kirche verkündet wurden. Jeder Katholik sei verpflichtet, all jene Inhalte zu glauben, die vom Lehramt in Glaubens- und Sittenfragen in "definitiver Weise" dargelegt worden seien, so dann das päpstliche Schreiben im Rang eines "Motu proprio" mit dem Titel: "Ad tuendam fidem" (lat., Zur Verteidigung des Glaubens). Bereits im Jahre 1989 hatte der Vatikan ein Glaubensbekenntnis und einen "Treueeid" für kirchliche Amtsträger so auch Theologie-Dozenten vorgeschrieben. In den Strafbestimmungen des Kirchenrechts wird jetzt neu verfügt, daß ab sofort alle Katholiken, die solche Glaubensinhalte "hartnäckig zurückweisen" mit einer "gerechten Strafe" belegt werden sollen. In der 1989 neu herausgegebenen CIC: Codex Iuris Canonici (= kanonisch-kirchliche Rechtssammlung) hatte eine solche Vorschrift noch gefehlt. Dazu heißt es nun, diese Lücke sei jetzt geschlossen. (Nach einer KNA-Meldung im Luxemburger Wort, 1. Juli 1998).

Das verleiht dieser Kirche eine unglaubliche Macht über die frommen Katholiken. Daß nicht jeder Katholik gehorsam ist, soll hier nicht der Punkt sein; denn geht es darum, daß derartige Aussagen die unveränderbare Lehre und Absicht der römisch-katholischen Kirche sind, und das nicht nur für ihre Mitglieder, sondern ebenso für die ganze Menschheit. Viele Katholiken lehnen sich zwar gegen bestimmte Lehren der Kirche auf, bleiben aber dennoch nominell (= dem Namen nach) in der Kirche, obwohl sie vielleicht auch nur zu Weihnachten oder Ostern den Gottesdienst besuchen. Wenn es aber um die Hoffnung auf die einstige Erlösung aus dem Fegefeuer und den Zutritt zum Himmel geht, darf kein Katholik diese Kirche in Frage stellen, oder er würde aus ihrem Schutzbereich herausfallen und somit verdammt sein. Daher heißt es, die Katholiken müssen am Eingang der Kirche den Verstand abgeben.

Dann sprach der Engel zu Johannes: Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure hassen und werden sie einsam machen und bloß und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen. Gott kann böse Mächte voll und ganz als Werkzeuge in seiner Hand gebrauchen, so gebrauchte er den Pharao (2. Mose 9, 16) oder auch den König Nebukadnezar (Dan. 4, 19). Ebenfalls mußte der Kaiser Augustus seinen Plan erfüllen (Luk. 2, 1) oder sogar Hitler, der unbewußt zur Gründung des Staates Israel beitrug (Hes. 37, 12).

Die zehn Hörner sind die zehn Könige oder Staatsoberhäupter, die dem Tier ihre Macht gegeben hatten. Beachtenswert ist der doppelte "Sinn": Gott wirkt in den zehn Königen und dem Tier "einen Sinn", damit sie "seinen Sinn" tun. Trotzdem sind sie keine Roboter, haben einen eigenen Willen, aber dieser Wille wird unbewußt unter Gottes Willen gebeugt. Ist das nicht wunderbar? - Das Weib, die Hure, saß bis dahin auf dem Tier in Pracht und Reichtum; sie lenkte alles unbekümmert nach ihrem Willen. Sie trieb Hurerei mit den Königen, d. h. sie gebrauchte in gewissenloser Weise ihre ganze religiöse Macht über die Herzen und Gewissen der Menschen, um die Politik der Welt zu beeinflussen. Zuletzt gelang es ihr sodann, das Tier, den Antichristen, gar nach ihrem verderbten Sinn und Willen zu lenken.

Das Tier und seine Hörner wollen jetzt das Weib loswerden, es abschütteln. Wohl oftmals werden die Könige der Erde zwar gegen die List und Tücke der Kirche genug Zorn empfunden haben, aber ihre Stunde war noch nicht gekommen. Doch ist es höchste Zeit, daß Gott endlich eingreift. Der die Geschicke aller Völker gemäß seinen Gedanken lenkt, der dreieinige Gott, wird es dann im richtigen Augenblick den Königen und dem Tier in Herz geben, sein gerechtes Gericht an dem Weib zu vollziehen. Wenn das Maß der Sünden einmal voll ist, werden sie die Hure hassen. Die Könige helfen dann gewiß bereitwillig dem Tier, seine stolze Reiterin, die es so lange getragen hat, abzuwerfen. Bis zum Schluß hat diese sich mit allem Glanz und Gloria feiern lassen, aber nun beansprucht das Tier selbst diese göttliche Ehre.

Keine Religion der Welt wird dann mehr geduldet, denn der Antichrist erhebt den Anspruch, selbst alleiniger Gott zu sein, dem alle Ehre gebührt. Nur sein Bild darf hinfort angebetet werden, nicht das einer Himmelskönigin oder irgendeines Heiligen. Alle Statuen müssen ebenfalls weg, auch die von Buddha und Konfuzius, die bis dahin toleriert wurden. Sogar mit den wertvollen Kleider der "Madonna" weiß man dann nichts mehr anzufangen. Der Prophet Jesaja hat gesagt: Und ihr werdet entweihen eure übersilberten Götzen und die goldenen Kleider eurer Bilder und werdet sie wegwerfen wie einen Unflat und zu ihnen sagen: Hinaus! (Jes. 30, 22 - Luthertext von 1912) Daher heißt es ausdrücklich: ... die werden die Hure hassen und werden sie einsam machen und bloß. Die Hure wird so ganz auf sich gestellt sein, alle Welt wird sie hassen. Der fromme Schwindel flog auf, der faule Zauber wurde plötzlich aufgedeckt, zudem noch alle geheimen Machenschaften entlarvt.

Die Massen werden daraufhin ebenfalls von ihr abfallen, sie einsam machen. Von dem Augenblick an, ist die Kirche dann von Einfluß, Macht und Besitz "entblößt". Der Antichrist bedarf hinfort der Hilfe der falschen Kirche nicht mehr, hat er sich doch selbst zu Gott gemacht. Er will frei sein von allem Einfluß irgendeiner geistlichen Macht, dessen er sich nun unbedingt entziehen will. Vielleicht auch darum, daß er in seinem Kampf gegen Gott merkt, wie sich die Dinge langsam gegen ihn wenden, und daß er in seiner List und Tücke nach verantwortlichen Opfern sucht (die Zerstörungswut, die alle großen Schuldigen kurz vor ihrem Sturz überfällt!).

Weiter heißt sodann: ... und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen. Der gewaltige Reichtum und stolze Besitz der römisch-katholischen Kirche in allen Ländern der Erde wird durch die Welteinheitsregierung beschlagnahmt. So wie in der sogenannten Reichskristallnacht am 9. November 1938 alle Synagogen im Großdeutschen Reich in Flammen aufgingen, werden dann gleichsam alle Kirchen in der Welt mit Feuer verbrennen. Eine der ersten Brandfackeln wird sicherlich dem Vatikan in Rom, der große Hure Babylon, vorbehalten sein.

Gericht durch Feuer ist nicht nur bei der Stadt Babylon zu erwarten, wie wir dann im nächsten Kapitel sehen werden. Bei einer "frommen" Hure ist es kaum anders, denn unter dem Gesetz mußte auch die Tochter eines Priesters, wenn sie Unzucht begangen hatte, mit Feuer verbrannt werden. "Babylon die Große" hat ihren Vater im Himmel entheiligt, da sie sich zwar als die wahre Kirche hinstellte, ihm jedoch untreu wurde. Sie hat sich um eitlen Gewinn der Hurerei mit der Welt hingegeben. Ihr verwerfliches Tun mußte so bestraft werden, da Gott durch Mose ausdrücklich geboten hatte: Wenn eines Priesters Tochter sich durch Hurerei entheiligt, so soll man sie mit Feuer verbrennen; denn sie hat ihren Vater entheiligt. (3. Mose 21, 9).

Der Engel erklärte weiter: Denn Gott hat's ihnen gegeben in ihr Herz, zu tun seinen Ratschluß und zu tun einerlei Ratschluß und zu geben ihr Reich dem Tier, bis daß vollendet werden die Worte Gottes. In Vers 13 hieß es: Diese haben einerlei Meinung und geben ihre Kraft und Macht dem Tier. So hat der Antichrist, nämlich das Tier, seine Vollmacht von den zehn Königen erhalten, indem sie ihm vom Teufel unterstellt wurden. Dabei haben sie ihren Willen und damit sich selbst dem Antichristen ausgeliefert. Doch es ist Gott, der über allen Menschen steht und alle Dinge auf Erden lenkt. Denn Gott hat's ihnen gegeben in ihr Herz, zu tun seinen Ratschluß und zu tun einerlei Ratschluß und zu geben ihr Reich dem Tier. Er ist es, der nun dem Antichristen und den zehn Staatsoberhäuptern den Gedanken gibt, das Weib zu entmachten und alle Macht dem Antichristen zu übertragen. Der Apostel Paulus hat darüber geschrieben: Denn der Frevler wird auftreten in der Macht des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben zu ihrer Rettung. (2. Thess. 2, 9-10).

Dann heißt es jedoch: ... bis daß vollendet werden die Worte Gottes. Das hat auch der Apostel Paulus schon ganz klar vorausgesagt: ... und alsdann wird der Frevler offenbart werden, welchen der Herr Jesus umbringen wird mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. (2. Thess. 2, 8). An dem Tier erkennt man die wahre Bedeutung des Dichterwortes: Seiner Gnade Heilsratschlüssen auch die Teufel dienen müssen! (mit Widerwillen).

Der Engel sprach sodann: Und das Weib, das du gesehen hast, ist die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige auf Erden. Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817) erklärte dazu schon vor etwa 200 Jahren ganz deutlich: Endlich sagt nun der Engel dem Johannes ausdrücklich, wer die Hure sei, und welche Stadt darunter verstanden werde; er redet so deutlich, als wenn er das Wort Rom ausgesprochen hätte; denn er sagt: Es ist die große Stadt, die jetzt - als Johannes in Patmos war - die Welt beherrscht. Da bleibt nun gar kein Zweifel mehr übrig; und hier kann ich nun auch einen Gedanken nicht (ver-)bergen, der sich mir gleichsam aufdringt: Ich kann nicht begreifen, wie es möglich war, daß hier viele Ausleger den Sinn der Offenbarung dergestalt verfehlen konnten, wenn sie behaupteten, diese Weissagung sei schon am Judentum und hernach am heidnischen Rom erfüllt worden - und doch steht Rom noch, und ist noch nicht verwüstet! Das ist doch klar.

Dazu sei noch bemerkt, daß hier zum vierten Male in Kapitel 17 ein Element aus der Vision des Johannes ausgelegt wird; siehe auch die Verse 8, 12 und 16 (insgesamt vier Mal das oder die "du gesehen hast"). Das sind aber nur einige der mehr als vierzig Symbole, die in der Offenbarung selbst ausgelegt werden. Jedoch muß man dann auch noch alles in den rechten Zusammenhang mit dem Gesamtzeugnis der Bibel bringen, dem Alten und Neuen Testament, was die Auslegung erschwert.

Obwohl es im nächsten Kapitel 18, wie hier in Kapitel 17, um "Babylon die Große" geht, finden sich doch auffallende Unterschiede. In Kapitel 18 werden so beispielsweise das Tier und seine Könige mit keinem Wort mehr erwähnt, ebensowenig wie die Stellung Babylons als Weib oder Hure (außer dem Rückblick in Kapitel 18, V. 3). Geht es in Kapitel 17 um das Gericht über Babylon als "Hure", d. h. als falsche religiöse Macht; handelt es sich in Kapitel 18 um ihr Gericht als "Stadt", d. h. als wirtschaftlich-politische Macht. Die zehn Könige des Tieres hassen sie, die "Hure" (Vers 16), die "Könige der Erde" beklagen sie, die "Stadt" (Offb. 18, 9). Jedoch ist es immer "Babylon die Große", nämlich Rom, die Kirche, die Stadt und das Reich.

Dr. C. I. Scofield erklärte dazu: Das kirchliche Babylon ist die "große Hure" (Offb. 17, 1), die durch das politische Babylon zerstört werden wird (Offb. 17, 15-18).
 

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