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Kapitel 16

Der Apostel Johannes gab alsdann Zeugnis von dem Schlußakt der Weltgeschichte, nämlich von den Ereignissen am Schluß dieses gleich zu Ende gehenden Zeitalters:

Und ich hörte eine große Stimme aus dem Tempel, die sprach zu den sieben Engeln: Gehet hin und gießet aus die sieben Schalen des Zornes Gottes auf die Erde! (Offb. 16, 1).

Zu Beginn dieses Kapitels stellt sich wieder die Frage nach der rechten Einordnung des Geschehens. Nach Dan. 9, 27 und 2. Thess. 2, 4 wird der Antichrist in der Mitte der siebzigsten Jahrwoche den neuen, dritten Tempel entweihen. Dies wurde schon eingehend in Kapitel 7 (Offb. 7, 14) und in Kapitel 11 (Offb. 11, 2) betrachtet. Aus dem biblischen Zusammenhang ist weiterhin zu schließen, daß zu diesem Zeitpunkt auch die Zornesschalengerichte beginnen werden. Damit wird dann die eigentliche große Trübsal für Israel beginnen, die allerdings nur dreieinhalb Jahre dauern wird. Gott wird diese Tage verkürzen, damit seine Auserwählten gerettet werden können.

In seiner Rede auf dem Ölberge über die Zukunft Jerusalems hat der Herr Jesus seinen Jüngern zu dieser Zeit einen wichtigen Hinweis gegeben: Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, von dem gesagt ist durch den Propheten Daniel (Dan. 9, 27; 11, 31) - wer das liest, der merke auf! -, alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist; und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seinen Mantel zu holen. Weh aber den Schwangeren und Säugenden zu jener Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat. Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher und auch nicht wieder werden wird. Und wenn diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt. (Matth. 24, 15-22). Da Jesus bald darauf gerade auch für seine zukünftigen Nachfolger gebetet hat, betrifft obiger Hinweis eindeutig nur diejenigen Jünger, die das alles miterleben werden. In seinem hohenpriesterlichen Gebet an den himmlischen Vater ist daher auch diese Bitte enthalten: Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden. (Joh. 17, 20). Bis jetzt steht jedoch dieser Greuel der Verwüstung noch nicht an der heiligen Stätte, nämlich im Tempel. Zudem ist auch diese große Trübsal noch nicht eingetreten, in deren Mitte nach dem Propheten Daniel (Dan. 9, 27) dieser Greuel der Verwüstung durch den Antichristen aufgerichtet werden wird.

Es ist deshalb sicherlich nicht abwegig, den Beginn der Zornesschalengerichte nur in der Mitte der siebenjährigen Trübsalszeit anzusetzen, denn das entspricht gewiß dem Gesamtzeugnis der Heiligen Schrift. Nach dieser Erkenntnis müßten dann alle Zornesschalen innerhalb dieser dreieinhalb Jahre ausgegossen werden. Diesem Geschehen wird der Herr Jesus bei seiner allseits sichtbaren Wiederkunft in Herrlichkeit ein Ende bereiten, wenn er sein Tausendjähriges Friedensreich aufrichten wird.

Die Errettung des Volkes Israel am Ende der großen Trübsal hatte auch schon der Prophet Daniel erkennen dürfen und dann geweissagt: Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. (Dan. 12, 1). Alle zu der Zeit Lebenden, die im Buch der Kinder Gottes geschrieben stehen, werden in sein Tausendjähriges Friedensreich eingehen. Diese Errettung betrifft das Volk Israel und die Völker, die Israel beistanden.

Es ist sicherlich beachtenswert, daß die sieben Zornesschalen die gleiche Reihenfolge der Gerichte zeigen, wie zuvor die sieben Posaunen. Die Gegenüberstellung dieser beiden Gerichtsserien ist sehr aufschlußreich, dazu nun diese Einzelheiten:


Gericht über die     1. Posaune: Offb. 8,   1. Zornesschale: Offb.    
Erde:                7                      16, 2                     

Gericht über das     2. Posaune: Offb. 8,   2. Zornesschale: Offb.    
Meer:                8-9                    16, 3                     

Gericht über         3. Posaune: Offb. 8,   3. Zornesschale: Offb.    
Wasser-ströme und    10-11                  16, 4-7                   
-brunnen:                                                             

Gericht über die     4. Posaune: Offb. 8,   4. Zornesschale: Offb.    
Sonne (und den       12                     16, 8-9                   
Mond):                                                                

Dunkelheit mit       5. Posaune: Offb. 9,   5. Zornesschale: Offb.    
Qualen ohne          1-12                   16, 10-11                 
zunächst Tod:                                                         

Feindesmächte        6. Posaune: Offb. 9,   6. Zornesschale: Offb.    
fallen vom Euphrat   13-21                  16, 12-16                 
her ein:                                                              

Einführung in das    7. Posaune: Offb. 10,  7. Zornesschale: Offb.    
Reich Gottes:        5-7 + 11, 15-18 (Leib  16, 17-Kap. 20, 6 (Volk   
                     Christi)               Israel)                   



Wie man schon bei der siebenten Posaune sehen konnte, so bringt auch die siebente Zornesschale im Gegensatz zu ihren sechs Vorgängern nicht ausschließlich Gericht, sondern in gleicher Weise ist wieder die Gnade Gottes über seinen Auserwählten zu erkennen. Während den beiden Gerichten werden die Seinen in das jeweilige Reich Gottes eingeführt. Dort war es der Leib Christi, der in das himmlische Reich einziehen konnte, während jetzt das Volk Israel in das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi eingehen darf. Diese Parallelen sind doch eindeutig und nicht zu übersehen.

Was schon von den Posaunengerichten gesagt wurde, das gilt sicherlich auch jetzt. Diese schrecklichen Gerichte werden sich alle buchstäblich erfüllen. Nichtsdestoweniger geht es hier allerdings eindeutig nicht um eine Reihe von Ereignissen, die eine ziemlich lange Zeit dauern können. Während die Posaunen gewiß zügig nacheinander ertönten, scheinen die Zornesschalen mehr oder weniger alle zusammen ausgegossen zu werden. Es wird nicht genau hinzugefügt, wie lange diese Gerichte dauern, doch es muß eine schreckliche Zeit sein, die um der Auserwählten willen verkürzt wird. Es ist die Vollendung des Zornes Gottes über die arge Menschheit. Trafen die Posaunengerichte grundsätzlich nur ein Drittel der Gerichtsobjekte, so sind die Zornesschalengerichte total, d. h. über den größten Teil der Menschheit.

Es ist fürwahr aufschlußreich, daß gerade in diesem Kapitel 16 neun Mal das Wort "groß" verwendet wird:
Vers 1: ... eine große Stimme
Vers 9: ... die Menschen wurden versengt von großer Hitze
Vers 12: ... auf den großen Wasserstrom Euphrat
Vers 14: ... versammeln zum Streit auf jenen großen Tag Gottes
Vers 18: ... und ward ein großes Erdbeben
Vers 18: ... solch Erdbeben, so groß
Vers 19: ... aus der großen Stadt wurden drei Teile
Vers 21: ... ein großer Hagel wie Zentnerstücke fiel vom Himmel
Vers 21: ... denn seine Plage ist sehr groß
Diese neunfache Wiederholung des Wortes "groß" bedeutet sicherlich, daß es keine Steigerung mehr gibt. Es müssen in der Tat kaum vorstellbare, große Gerichte sein.

Die große Stimme aus dem Tempel kommt aller Wahrscheinlichkeit nach von einer der vier Gestalten, den Cherubim oder Thronengeln, die bereits in Kapitel 15 (Offb. 15, 7) den sieben Engeln die sieben goldenen Schalen voll vom Zorne Gottes gegeben hat. Wäre die Stimme von Gott selbst gewesen, dann hätte der Befehl bestimmt gelautet: Gehet hin und gießet aus die sieben Schalen meines Zornes auf die Erde!

Im Gegensatz zu den sieben Posaunen steht hier fest, daß die sieben Engel deutlich einen gemeinsamen Befehl bekommen. Es heißt ganz einfach: Gehet hin und gießet aus die sieben Schalen des Zornes Gottes auf die Erde! In Kapitel 8 und 9 gewinnt man den Eindruck, daß jeder der sieben Engel nacheinander posaunte. Anstatt alle zusammen, scheint einer nach dem andern eher eine persönliche Anweisung ausgeführt zu haben. Man wird hierbei an Kapitel 6 erinnert, wo jedes einzelne Pferd der vier apokalyptischen Reiter mit dem gleichen Befehl herausgerufen wurde: Komm!

Es sei auch noch einmal darauf aufmerksam gemacht, daß in Kapitel 11 (Offb. 11, 18) zum ersten Male in der Offenbarung der Zorn Gottes erwähnt wird. Gemäß Kapitel 15 (Offb. 15, 1) ist dieser sodann vollendet mit den letzten sieben Plagen, den Zornesschalengerichten. Nach den Siegel- und Posaunengerichten bilden diese den Abschluß der drei Gerichtsserien, wobei die Gemeinde Jesu Christi vorher entrückt wurde. Der Apostel Paulus bestätigte das ganz eindeutig mit diesen Worten: ... und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet. (1. Thess. 1, 10). Im selben Brief bestätigte das der Apostel noch ein zweites Mal an einer anderen Stelle: Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern das Heil zu gewinnen durch unsern Herrn Jesus Christus. (1. Thess. 5, 9). Daraus ist jedenfalls ersichtlich, daß die Gemeinde Jesu Christi vor dem Zorne Gottes bewahrt bleibt, also keinesfalls in diese Zornesschalengerichte hineinkommt. Die wachende und betende Gemeinde wird deshalb vor dem Beginn der letzten Jahrwoche nach Daniel 9, 27 zur Entrückung kommen, also beim Schall der letzten Posaune. Sie wird aus der Stunde der Versuchung herausgerufen werden, wie bereits mehrmals erklärt worden ist. In Kapitel 3 (Offb. 3, 10) heißt es nämlich in diesem Zusammenhang im griechischen Urtext ganz genau: ek thV hwraV tou peirasmou = ek tés horas tou peirasmou, das bedeutet: aus der Stunde der Versuchung heraus. Die Stunde der Versuchung entspricht sodann ohne Zweifel den Posaunengerichten, aus denen die Gemeinde Jesu Christi zum Schluß entrückt wird. Nach Kapitel 9 (Offb. 9, 4) werden die Versiegelten vorher bewahrt.

Als Antwort auf die Empörung der Völker beginnt gleichzeitig mit der Entrückung die Zeit des Gerichtes und des Zornes Gottes. Im Psalm 2 wird auch dies erwähnt: Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer. Einst wird er mit ihnen reden in seinem Zorn, und mit seinem Grimm wird er sie schrecken: "Ich aber habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion." (Psalm 2, 4-6). Obwohl Gottes Zorn noch vorausgeht, ist Jesus Christus dennoch schon als König eingesetzt. Menge übersetzte deshalb: Ich habe schon meinen König eingesetzt. Das wird jedoch erst nach dem letzten Zornesschalengericht für alle Welt sichtbar.

Zunächst nun das Ausgießen der ersten vier Zornesschalen, so wie es Johannes sah:

Und der erste ging hin und goß seine Schale aus auf die Erde; und es ward ein böses und arges Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und die sein Bild anbeteten.
Und der zweite Engel goß aus seine Schale ins Meer; und es ward Blut wie eines Toten, und alle lebendigen Wesen im Meer starben.
Und der dritte Engel goß aus seine Schale in die Wasserströme und in die Wasserbrunnen; und es ward Blut. Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, daß du solches Urteil gesprochen hast; denn sie haben das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind's wert. Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht.
Und der vierte Engel goß aus seine Schale in die Sonne, und ward ihr gegeben, die Menschen zu versengen mit Feuer. Und die Menschen wurden versengt von großer Hitze und lästerten den Namen Gottes, der Macht hat über diese Plagen, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben. (Offb. 16, 2-9).

Wir werden hierbei an Kapitel 14 (Offb. 14, 7) erinnert. Dort sprach ein "anderer" Engel mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen! Und betet den an, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen! Bei diesen vier Gerichten haben wir wieder dieselben Bereiche: die Erde, das Meer, die Wasserströme und -brunnen und zum Schluß die Sonne als das für uns wichtigste Gestirn am Himmel. In Kapitel 14 hatten die Menschen noch eine letzte Gelegenheit zur Anbetung Gottes angeboten bekommen, doch jetzt nach Ablauf der letzten Gnadenfrist beginnen die angekündigten Gerichte mit aller Schärfe. Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. (Gal. 6, 7) Jetzt ist es zu spät zur Umkehr.

Eine Tatsache ist, daß dieses Gericht nur die Menschen trifft, die das Malzeichen des Tieres hatten und die sein Bild anbeteten. Das zeigt doch wohl deutlich, daß dieses Geschehen geraume Zeit nach dem Beginn der Herrschaft des Antichristen seinen Lauf nehmen wird. Dadurch scheint denn auch die Vorstellung bestätigt zu werden, daß diese Gerichtsserie nur am Ende der großen Trübsal stattfinden kann, kurz vor der sichtbaren Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit. Aus dem Zusammenhang der Offenbarung ist zu ersehen, daß diese Gerichte aller Wahrscheinlichkeit nach ausnahmslos für die Anbeter des Tieres und seines Bildes bestimmt sind.

Ein Vergleich mit den Auswirkungen der Siegelgerichte läßt jedoch durchaus die Möglichkeit offen, daß dadurch auch Unschuldige betroffen sein können. Es liegt in Gottes souveränem (= unabhängigem) Handeln, einerseits die Seinen zu bewahren, andererseits sie aber auch zeitlich der Macht des Bösen auszuliefern. Wie bei Hiob geschieht dies allerdings immer zum Zeugnis vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Der Apostel Paulus schrieb wegen seiner Verfolgung um des Kreuzes Christi willen dann in seinem Brief an die Galater: Hinfort mache mir niemand weiter Mühe; denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leibe. (Gal. 6, 17). Zum besseren Verständnis lese man dazu noch im Hebräer-Brief, Kapitel 11, V. 32-38.

Es besteht vielleicht doch ein gewisser Zusammenhang zwischen den Plagen und den Sünden der Betroffenen (vgl. auch das apokryphe Buch Weisheit, Kap 11, 16: Womit jemand sündigt, damit wird er auch geplagt. Eine andere Übersetzung lautet: Sie sollten erfahren, daß man mit dem gestraft wird, mit dem man sündigt.). - Deshalb sei hier nur ein geringer Teil der Auswirkungen des Rauchens angeführt: Die Folgen sind auch häufig wiederkehrende, schließlich chronisch werdende Entzündungen im Bereich von Rachen, Kehlkopf, Bronchien. Besonders inhalierende Raucher erkranken wohl etwa elfmal so häufig an Lungenkrebs wie Nichtraucher.

Das Ausgießen der ersten Schale durch den Engel bewirkte dann: ... und es ward ein böses und arges Geschwür an den Menschen. Bruns und Schlachter übersetzten: ... ein böses und schmerzhaftes Geschwür. Die meisten Ausleger denken hier an einen schlimmen Tumor oder an eine Krebserkrankung, die dann auf jeden Fall Millionen von Menschen zum Verhängnis werden könnte. Durch eine radioaktive Verseuchung sind schon viele an Leukämie, Haut- und Schilddrüsenkrebs erkrankt. In der Zeitung "Die Welt" vom 15. September 1982 war denn auch von einem Prozeß zu lesen: Schadenersatz in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar fordern Krebskranke und ihre Verwandten von der amerikanischen Regierung. Sie werfen ihr vor, so geht aus der dem Gericht vorliegenden Klage hervor, durch überirdische Atomtests in den 50er und 60er Jahren die Krebserkrankung verschuldet zu haben.

Im Luthertext von 1912 heißt es: ... und es ward eine böse und arge Drüse an den Menschen. Das wiederum erinnert an die Plagen in Ägypten: Da brachen auf böse Blattern an den Menschen und am Vieh. (2. Mose 9, 10). Die bösen Geschwüre und Schwären schließen deshalb in unseren Tagen zweifellos auch bösartige Drüsenerkrankungen mit ein, wie beispielsweise Schilddrüsenkrebs. Diese Zellwucherungen sind allgemein als Krebs bekannt, wenn sie lebensgefährlich sind. Dabei handelt es sich um eine böse und arge Drüsen- und Beulenseuche, die oft auch verursacht wird durch eine Überdosis radioaktiver Strahlen. Jodtabletten wirken dann vorbeugend.

Und der zweite Engel goß aus seine Schale ins Meer; und es ward Blut wie eines Toten, und alle lebendigen Wesen im Meer starben. Dazu erklärte nun Dr. H. H. Janzen: Auch dieses Gericht fassen wir buchstäblich auf. Das Wasser des ganzen Meers nimmt eine Blutfarbe an und liegt da wie das geronnene, leblose Blut eines Toten. Als Folge davon sterben alle lebendigen Wesen, die im Meer leben. Das Meer liegt da wie ein riesengroßer, verwesender Leichnam! Es ist augenblicklich noch nicht zu erkennen, ob und inwiefern die fortschreitende Verschmutzung der Meere hier ein Teil dieser Ursache sein könnte. Doch das katastrophale Ergebnis dieses Gerichtes ist ersichtlich: Das Meer wird zu einem gigantischen Totenpfuhl.

Unwillkürlich sträubt sich allerdings der menschliche Verstand dagegen und kann es nicht fassen. Logisches Überlegen sagt uns, daß eine derartige Katastrophe nach einigen Jahren den Tod der ganzen Menschheit zur Folge hätte. Eines ist aber ganz gewiß: Es wird so geschehen, wie es hier geschrieben steht. Zudem handelt es sich um ein Gericht von begrenzter Dauer, wie unbestreitbar alle Zornesschalengerichte. Für eine buchstäbliche Auslegung spricht ebenfalls, wie in Kapitel 8 (Offb. 8, 8-9) bei den Posaunengerichten, daß auch diese Zornesschalengerichte allemal den Plagen über Ägypten ähnlich sind. Im Gegensatz zu Kapitel 8, wo jeweils nur ein Drittel davon betroffen war, sind diese letzten Gerichte ohne irgendeine Beschränkung.

Nun weitet sich dieses Gericht noch erheblich aus: Und der dritte Engel goß aus seine Schale in die Wasserströme und in die Wasserbrunnen; und es ward Blut. Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, daß du solches Urteil gesprochen hast; denn sie haben das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind's wert. Bei diesem dritten Engel richtet sich der Zorn Gottes gegen alle Süßwasserressourcen, d. h. gegen sämtliche natürlichen Wasserreserven oder -vorräte. Das jetzt schon in vielen Ländern knappe und daher begehrte Trinkwasser wird nun überall ungenießbar. Man sollte hierbei bedenken, daß in Ägypten das Wasser im großen Strome Nil auch buchstäblich in Blut verwandelt wurde. Da bietet sich doch eine wörtliche Auslegung förmlich an, obwohl sich das Gericht zu der Zeit noch nicht über die ganze Welt erstreckte. Die Auswirkungen waren allerdings ganz gewiß auch schon mit den an dieser Stelle beschriebenen vergleichbar: Mose und Aaron taten, wie ihnen der Herr geboten hatte, und Mose hob den Stab und schlug ins Wasser, das im Nil war, vor dem Pharao und seinen Großen. Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt. Und die Fische im Strom starben, und der Strom wurde stinkend, so daß die Ägypter das Wasser aus dem Nil nicht trinken konnten; und es war Blut in ganz Ägyptenland. (2. Mose 7, 20-21). So wird kein Mensch mehr über das kostbare Naß verfügen können, das er doch lebensnotwendig jeden Tag braucht. Was das bedeutet, kann nur derjenige richtig ermessen, der einmal kurze Zeit ohne Wasser auskommen mußte. Ein schreckliches Gericht!

Das erinnert ebenfalls an die beiden Zeugen von Kapitel 11, von denen es dort geheißen hatte: Diese haben Macht, den Himmel zu verschließen, daß es nicht regne in den Tagen ihrer Weissagung, und haben Macht über die Wasser, sie zu wandeln in Blut, und zu schlagen die Erde mit allerlei Plage, sooft sie wollen. (Offb. 11, 6). Das wird allerdings schon alles vorher gewesen sein, denn inzwischen sind die beiden Zeugen längst getötet worden, auferstanden und in den Himmel aufgestiegen.

Wasser ist unbedingt zum Überleben erforderlich, mehr noch als das tägliche Brot. Das Problem der Trinkwasserverunreinigung ist heute schon groß und wird zunehmend größer, gerade auch in unseren Gegenden. Zwei Drittel der Weltbevölkerung verfügen jedoch bereits jetzt nicht mehr über gesundes Trinkwasser, wie wir es gewöhnt sind. Doch der gegenwärtige Zustand wird sich an jenem Gerichtstag für die Menschen noch schlagartig verschlechtern. Man wird vielleicht unbekümmert den Wasserhahn aufdrehen, und es kommt eine blutartige Brühe heraus. Gott selbst ist es, der dann einer unbußfertigen Menschheit den blutigen Kelch darreichen wird.

Die Bedeutung des Wassers für das Leben hat auch Antoine de Saint-Exupéry, der französische Schriftsteller und Pilot, Fliegermajor im Krieg (29.6.1900-31.7.1944), in seinem bereits 1939 veröffentlichten Roman: "Wind, Sand und Sterne" (Kapitel VIII "Der Durst", Teil 7, fast am Schluß) in vollendeter Sprache veranschaulicht: Wasser! - Wasser, du hast weder Geschmack noch Farbe noch Aroma. Man kann dich nicht beschreiben. Man schmeckt dich, ohne dich zu kennen. ... Du durchdringst uns als Labsal, dessen Köstlichkeit keiner unserer Sinne auszudrücken fä-hig ist. Durch dich kehren uns alle Kräfte zurück, die wir schon verloren gaben. Dank deiner Segnung fließen in uns wieder alle bereits versiegten Quellen der Seele. Du bist der köstlichste Besitz dieser Erde. Du bist auch der empfindsamste ... .

Nun berichtete der Seher Johannes: Und ich hörte den Engel der Wasser sagen ... .
Hans Bruns übersetzte sogar: Da hörte ich den Engel der Wasserquellen rufen ... und schrieb so diese Erklärung dazu: Der Seher sieht, wie nacheinander die ersten drei Engel ihren ihnen befohlenen Auftrag ausführen - es geht Schlag auf Schlag, und als Bestätigung hört er einen Engel rufen, der über die Quellen gesetzt ist. Es gibt also für bestimmte Menschen, Völker und auch, wie es hier dann so nebenbei bezeugt wird, für Naturordnungen u. a. einzelne Engel, die gleichsam die Verantwortung dafür haben. Daher handelt es sich in diesem Falle um denjenigen Engel, dem in besonderer Weise über die Wasserströme und -brunnen Macht gegeben ist.

Die Erwähnung dieses "Engel der Wasser" bedeutet gewiß, daß bestimmte Engel über bestimmte Naturordnungen gesetzt sind (ein bereits lange aus der jüdischen Tradition bekannter Gedanke). Das ist auch schon zu ersehen an den vier Engeln, die Johannes sah, die hielten die vier Winde der Erde (Offb. 7, 1). Überdies dann: Und ein andrer Engel kam vom Altar, der hatte Macht über das Feuer (Offb. 14, 18). Dieser Engel ist in der jüdischen Tradition als Jehuel bekannt. Darüber hinaus wird noch im apokryphischen Henoch-Buch (1. Henoch 66, 2) von Gerichtsengeln gesprochen, die die unterirdischen Wasser beherrschen. Gott hat allerdings immer die höchste Macht über die Naturordnungen, denn er ist der Schöpfer aller Dinge.

Johannes vernahm die Worte dieses besonderen Boten Gottes und bezeugte dann: Und ich hörte den Engel der Wasser sagen: Gerecht bist du, der du bist und der du warst, du Heiliger, daß du solches Urteil gesprochen hast; denn sie haben das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen, und Blut hast du ihnen zu trinken gegeben; sie sind's wert. Mit anderen Worten: sie verdienen es. Besonders das Blut der durch die Nationalsozialisten in Deutschland bestialisch ermordeten Juden schreit zum Himmel. Das schließt auch die Juden mit ein, die von der Schweiz aus ins Verderben geschickt wurden, "weil das Boot voll war". In der Betrachtung von Kapitel 6 wurde diese Schande für das Volk der Reformation genauer besprochen.

Dort wurde im Zusammenhang mit der Öffnung des fünften Siegels bereits gesagt:
Und da es das fünfte Siegel auftat, sah ich unten am Altar die Seelen derer, die getötet waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen. Und sie schrien mit großer Stimme und sprachen: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächest nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid, und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhen müßten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazu kämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch sollten getötet werden gleichwie sie. (Offb. 6, 9-11). Ihnen wurde damals gesagt, daß sie ruhen müßten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazu kämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch sollten getötet werden gleichwie sie. Das bedeutete ganz klar, daß die blutigen Verfolgungen und Leiden dieses jüdischen Volkes leider damals noch nicht abgeschlossen waren.

Während der Zeit der Welteinheitsregierung des Antichristen wird es besonders in der zweiten Hälfte der siebenjährigen Trübsalszeit zu weiteren Judenverfolgungen kommen. Diese Zeit scheint jetzt abgelaufen zu sein, denn hier wird denen vergolten, die das Blut der Heiligen und der Propheten vergossen haben. Inwieweit einige Menschen von diesen Gerichten verschont bleiben, ist hierselbst nicht zu erkennen.

Und ich hörte den Altar sagen: Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht. Der Luthertext von 1912 lautet allerdings: Und ich hörte einen andern Engel aus dem Altar sagen ..., doch das steht nicht so im Urtext. Es deutet vielmehr alles darauf hin, daß damit nur unten am Altar die Seelen derer gemeint sind, die dann getötet waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen. Der Engel der Wasser, dessen Bereich durch das Ausgießen der Schale nun am meisten betroffen ist, wie auch die Blutzeugen unten am Altar, sind mit diesem Gericht des allmächtigen Gottes mehr als einverstanden. Die Seelen am Altar anerkennen Gottes unbedingte Gerechtigkeit, indem sie sagen: Ja, Herr, allmächtiger Gott, deine Gerichte sind wahrhaftig und gerecht. Daran ist niemals zu zweifeln.

Und der vierte Engel goß aus seine Schale in die Sonne, und ward ihr gegeben, die Menschen zu versengen mit Feuer. Und die Menschen wurden versengt von großer Hitze und lästerten den Namen Gottes, der Macht hat über diese Plagen, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben. Der als Universalgelehrte bezeichnete Gottfried Wilhelm Freiherr von Leibniz (1.7.1646-14.11.1716) äußerte schon vor drei Jahrhunderten einmal, daß unsere Erde die beste der möglichen Welten sei. -

Wie richtig dieser Satz ist und in welchem Ausmaße er zutrifft, konnte er damals noch gar nicht einschätzen. Erst im Angesichte moderner naturwissenschaftlicher Erkenntnisse tritt mit immer größerer Deutlichkeit hervor, welch geradezu einmalig günstige physikalische, chemische und astronomische Bedingungen auf unserer Erde herrschen. Wir bewegen uns mit einem Abstand von ungefähr 150 Millionen Kilometern um die Sonne. Der an die Strahlungsleistung der Sonne angepaßte Abstand unserer Erde allein reicht noch nicht aus, um optimale Bedingungen für das Leben auf der Erde zu schaffen. Die Drehung oder Rotation der Erde um ihre eigene Achse beträgt am Äquator rund 465 m/sec, etwas über 1600 Stundenkilometer. Würde sie sich mit nur 160 km/h drehen, dann wären unsere Tage und Nächte ungefähr zehnmal so lang wie jetzt. Die Sonnenglut eines solch langen Tages würde die Vegetation verbrennen und eine Austrocknung der Erdoberfläche bewirken. In der Nacht könnten, wenn überhaupt, nur recht kurzlebige Organismen überleben. -

Unser Zentralgestirn, die Sonne, von der alles irdische Leben abhängig ist, hat eine Oberflächentemperatur von etwa 5600 ° C. Unsere Erde ist aber genau soweit von ihr entfernt, daß dieses ewige Feuer nicht mehr und nicht weniger erwärmt, als das Leben auf der Erde es erfordert. Ebenso ist die Länge eines Jahres gut abgestimmt auf unsere Lebenszyklen. Die Jahreszeiten haben eine ausgewogenen Länge, so daß es zwischen Saat und Ernte eine genügende Wachstumszeit gibt. So ist der Winter wiederum nicht zu lang, um ihn nicht durch Anlegen von Vorräten überbrücken zu können. Um weiterhin recht günstige Bedingungen auf der Erde zu haben, ist auch die Neigung der Rotationsachse zur Ebene der Erdbahn um die Sonne von Bedeutung. Wissenschaftliche Berechnungen darüber, bei welchem Neigungsgrad wohl ein Maximum der Erdoberfläche lebensfreundliche Bedingungen erhält, führten zu dem Ergebnis, daß dies in dem schmalen Intervall von 23 bis 24 ° der Fall ist. Ist es nicht bemerkenswert, daß die tatsächliche Neigung gerade 23 ½ ° beträgt? Eine etwaige Vergrößerung des Neigungswinkels würde den Gegensatz zwischen Sommer und Winter außerordentlich verstärken. - Dazu die wichtige Ozonschicht der Erde:

Die nicht sichtbare, kurzwellige, ultraviolette Strahlung (= UV-Strahlung) von der Sonne im Spektralbereich mit Wellenlängen unter 0,36 µm erreicht dank einer besonderen Eigenschaft der Atmosphäre nur zu einem sehr geringen Teil die Erdoberfläche. In der gesamten Stratosphäre, also in einer Höhe von 10 bis 50 km, kommt der dreiatomige Sauerstoff O 3 (Ozon) in einer ungewöhnlich geringen Dichte vor: Lediglich jedes hunderttausendste Gasmolekül ist ein Ozonmolekül. Dieser Ozonschleier ist jedoch für die Existenz des irdischen Lebens unentbehrlich, da er insbesondere die gesundheitsschädigende ultraviolette Strahlung von 0,29 bis 0,32 µm Wellenlänge fast ganz absorbiert. Inzwischen wurden allerdings bereits erhebliche Schädigungen der Ozonschicht festgestellt, allgemein als Ozonloch bezeichnet. So eine größere Beeinträchtigung der Ozonschicht ist aber besonders wegen ihren biologischen Auswirkungen (Zunahme von Hautkrebserkrankungen) sehr bedenklich.

Zu all den günstigen Konstellationen, die hier auf der Erde zusammentreffen, gibt es in unserem Planetensystem anschauliche Gegenbeispiele. Es gibt kosmische Feuerhöllen, kosmische Eiswüsten, kosmische Giftküchen und kosmische Leeren. Die Zustände, Bedingungen und Formen der Materie auf all den anderen Planeten oder Monden des gesamten Sonnensystems sind für Lebensbedingungen völlig ungeeignet. Dem Hiob stellte Gott einige Fragen, um ihn auch auf diese fein abgestimmten Parameter (= Betrachtungsgrößen) der Erde aufmerksam zu machen: Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir's, wenn du so klug bist! Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat und wer über sie die Richtschnur gezogen hat? (Hiob 38, 4-5). Im Rahmen der gottlosen Evolutionstheorie lehrt man mit aller Anstrengung, daß das Leben eine Entwicklung durch Anpassung durchgemacht habe. Doch bei den astronomischen und geophysikalischen Parametern ist keine Anpassung möglich. Diese müssen von Anfang an so und nicht anders gewesen sein. Da gibt es keine Zufälle!

Wer nun diese wenigen Tatsachen aus der Schöpfungsordnung Gottes zur Kenntnis nimmt, der erfaßt plötzlich ganz neu, wie abhängig der Mensch von der Gnade seines Schöpfers ist. Durch seine mathematische Genauigkeit erhält er so das Weltall, damit aber auch jeden einzelnen Menschen vor dem Verderben durch die Naturgewalten. Wenn diese wunderbaren Naturordnungen jedoch plötzlich durcheinandergeraten, dann kann das schon ein Vorgeschmack der Hölle sein. Bei einer erhöhten Sonneneinstrahlung werden die Menschen alsdann buchstäblich versengt mit Feuer.

Über den Tag des Herrn, den Tag des Gerichtes, verkündete der Prophet Maleachi: Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen. Da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der kommende Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth, und er wird ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen. (Mal. 3, 19).

So sprach der Herr diese Worte im Lied des Mose: Denn ein Feuer ist entbrannt durch meinen Zorn und wird brennen bis in die unterste Tiefe und wird verzehren das Land mit seinem Gewächs und wird anzünden die Grundfesten der Berge. (5. Mose 32, 22). Wenn auch zunächst sein Volk davon betroffen war, mag es sicherlich doch ebenfalls für die Gottlosen gelten, die weiter den Namen Gottes lästern.

Gottes Gerichte haben stets den Zweck, die Menschen zur Buße zu leiten. Jedoch die meisten unserer Zeitgenossen verhärten mutwillig ihr Herz und wollen Gottes ernstes Reden nicht hören und noch weniger verstehen. Gott wartet zwar geduldig, aber keinesfalls unbegrenzt. Wenn der Mensch dann in seiner Unbußfertigkeit zu weit geht, so verstockt ihm Gott das Herz, wie er es beim Pharao in Ägypten tat. Fünfmal verhärtete der Pharao sein Herz, danach verstockte Gott es ihm. Dann ist der Mensch unfähig, Buße zu tun, denn auch diese ist ein Gnadengeschenk Gottes.

In Kapitel 13 (Offb. 13, 1-5) wurde der kommende Antichrist und das dann wiedererstandene römische Weltreich beschrieben. Zu dem Zeitpunkt wird die Gemeinde Jesu Christi jedoch bereits von dieser Erde entrückt sein. Damit wird dann zweifellos auch die jetzige Gnadenzeit für die Menschheit abgelaufen sein. Wie wir schon in Kapitel 15 (Offb. 15, 8) am Schluß feststellen mußten: ... und niemand konnte in den Tempel gehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren. Zu der Zeit kann kein Opfer mehr dort dargebracht und keine Fürbitte dorthin vorgebracht werden. Die Frist zur Buße ist dann vorbei, der Tag des Heils verstrichen, und kein Mensch wird sich mehr bekehren können. Bei Gott gibt es eben auch ein "Zu-spät"!

Und die Menschen wurden versengt von großer Hitze und lästerten den Namen Gottes, der Macht hat über diese Plagen, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben. Anstatt in dieser Not den Gott anzurufen, in dessen Macht es steht, diese gräßlichen Plagen zu beenden, lästerten sie den Namen Gottes. Sie sind eindeutig unter dem verderbenden Einfluß des Antichristen, dem Tiere aus dem Meer, von dem es hieß: Und es tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und sein Haus und die im Himmel wohnen. (Offb. 13, 6). So gibt es Gottesleugner, die fluchen und lästern Gott bei jeder unpassenden Gelegenheit. Das ist zwar einerseits ein Widerspruch, andererseits verspüren sie doch irgendwie, daß es ihn geben muß. Es ist oft völlig unerfindlich, warum sie eigentlich Gott nicht die Ehre geben.

Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß meistens nicht alle Menschen betroffen sind. In einer solchen Formulierung ("Menschen" mit bestimmtem Artikel) bedeutet "Menschen" ausschließlich Ungläubige (vgl. Offb. 8, 11; Offb. 9, 6 + 10 + 15 + 18 + 20; Offb. 13, 13; Offb. 14, 4; Offb. 16, 2 + 8-9 + 21). In Kapitel 21 (Offb. 21, 3), auf der neuen Erde, im neuen Jerusalem, ist erstmals die negative Bedeutung ganz verschwunden. Das ist sicherlich ein Hinweis, daß die Treuen von diesen Gerichten ausgenommen sind, obwohl man das bei den Zornesschalen nicht so eindeutig sagen kann. Jedenfalls hat Gott schon oft so gehandelt, seitdem er das Volk Israel aus Ägypten herausführte und dieses von den Plagen verschont blieb.

Es sei hier noch einmal darauf hingewiesen, daß die Plagen über Ägypten sich alle buchstäblich erfüllten. Aus diesem Grunde sollte man auch bei den Zornesschalengerichten ganz allgemein von einer wörtlichen Auslegung ausgehen. Der Ausdruck "ausgießen" bedeutet zudem, daß das Gericht nicht tropfenweise, nicht fein dosiert kommt. Dabei muß man gut auf die knappen Worte achtgeben, die im Zusammenhang mit den Zornesschalen verwendet werden. Diese oft unscheinbaren Beschreibungen sind aber ein sicherer Hinweis auf die Fülle und Schnelligkeit der Gerichte.

Nun beschrieb der Apostel Johannes das Ausgießen der letzten drei Zornesschalen:

Und der fünfte Engel goß aus seine Schale auf den Thron des Tieres; und sein Reich ward verfinstert, und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen und lästerten Gott im Himmel um ihrer Schmerzen und ihrer Schwären willen und taten nicht Buße für ihre Werke.
Und der sechste Engel goß aus seine Schale auf den großen Wasserstrom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, damit bereitet würde der Weg den Königen vom Aufgang der Sonne. Und ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister gehen, gleich Fröschen; diese sind Teufelsgeister, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Streit auf jenen großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und bewahrt seine Kleider, daß er nicht nackt wandle und man nicht seine Blöße sehe. Und er hat sie versammelt an einem Ort, der da heißt auf hebräisch Harmagedon.
Und der siebente Engel goß aus seine Schale in die Luft; und es ging aus eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron, die sprach: Es ist geschehen! Und es wurden Blitze und Stimmen und Donner; und ward ein großes Erdbeben, wie solches nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden gewesen sind, solch Erdbeben, so groß. Und aus der großen Stadt wurden drei Teile, und die Städte der Heiden fielen. Und Babylon, der großen, ward gedacht vor Gott, ihr zu geben den Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zornes. Und alle Inseln entflohen, und keine Berge wurden mehr gefunden. Und ein großer Hagel wie Zentnerstücke fiel vom Himmel auf die Menschen; und die Menschen lästerten Gott über der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß. (Offb. 16, 10-21).

Die sieben Zornesschalen bilden wiederum eine Gerichtsserie, die ebenfalls in vier und drei Gerichte eingeteilt werden könnte. Die ersten vier zeigen einen deutlichen Zusammenhang mit den vier geographischen Bereichen, die von Kapitel 8 (Offb. 8, 7-12) und auch die von Kapitel 14 (Offb. 14, 7). Diese fünfte Zornesschale stellt jedoch außerdem noch eine Verbindung her zur ersten Schale. In beiden Fällen steht nämlich im Urtext das Wort: hlkoV = helkos, das eigentlich Eiter heißt und meist mit Eiterbeulen oder Schwären übersetzt wird, so auch im Evangelium nach Lukas beim reichen Mann und dem Armen mit Namen Lazarus: ... und begehrte, sich zu sättigen von dem, was von des Reichen Tische fiel; dazu kamen auch noch die Hunde und leckten ihm seine Schwären. (Luk. 16, 21). Jedoch im Konkordanten Neuen Testament steht: Es kamen jedoch die streunenden Hunde und leckten seine Eiterbeulen. Die Übersetzung von Offb. 16, 2 und Offb. 16, 11 lautet auch: Eiterbeulen.

Im Luthertext von 1912 lautet dieser Vers 11 so: ... Und lästerten Gott im Himmel vor ihren Schmerzen und vor ihren Drüsen und taten nicht Buße für ihre Werke. Wie in Vers 2 steht hier ebenfalls "Drüse" bzw. "Drüsen". So kann man allerdings nur eine Drüsengeschwulst oder Adenom bezeichnen, die hier jedenfalls eitrig ist.

Diese fünfte Zornesschale wird auf den Thron des Tieres ausgegossen. Das Tier ist nach Kapitel 13 der Antichrist und sein Thron ist die Hauptstadt des wiedererstandenen römischen Reiches, demnach also sehr wahrscheinlich die Stadt Rom selbst. Sein Reich ward verfinstert, wohl ganz ähnlich wie damals in Ägypten: Und Mose reckte seine Hand gen Himmel. Da ward eine so dicke Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage lang, daß niemand den andern sah noch weggehen konnte von dem Ort, wo er gerade war, drei Tage lang. - Aber bei allen Kindern Israel war es licht in ihren Wohnungen. (2. Mose 10, 22-23). Das neue Gericht könnte möglicherweise das ganze römische Reich verfinstern, also wenigstens zeitweilig die ganze Welt.

Finsternis ist oft eine Begleiterscheinung des Strafgerichtes Gottes, wie wir es auch gerade von den Berichten über die Kreuzigung Jesu her kennen: Und es war schon um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels zerriß mitten entzwei. (Luk. 23, 44-15). Der Prophet Jesaja hat diese Worte bezeugt: Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der Herr, der dies alles tut. (Jes. 45, 6-7). Das Kommen des Erlösers und Zions zukünftige Herrlichkeit beschrieb er so: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jes. 60, 1-2). So wird es sein bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu.

Nun heißt es: ... und sie zerbissen ihre Zungen vor Schmerzen und lästerten Gott im Himmel um ihrer Schmerzen und ihrer Schwären willen und taten nicht Buße für ihre Werke. In Kapitel 9 (Offb. 9, 6) wurde gesagt: Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und nicht finden ..., jetzt zerbeißen sie sich ihre Zungen vor Schmerzen, gewiß ähnlich, wie das bei Fallsucht in einem rasenden Anfall unbewußt vorkommt. Teilweise jedoch glauben diese Menschen irgendwie an Gott, aber dieser Glaube genügt noch nicht zum Heil: Du glaubst, daß nur einer Gott ist? Du tust wohl daran; die Teufel glauben's auch und zittern. (Jak. 2, 19). Vorher hat man das Heil versäumt, Gott verachtet, jetzt gibt man ihm zudem die Schuld dafür.

Zuerst die Gnade, dann das Gericht! Dieser göttliche Grundsatz gilt zu allen Zeiten, jedoch ist hier vorläufig keine Buße mehr möglich. Die Gnadenzeit ist bereits abgelaufen, das Gericht hat längst begonnen. In Kapitel 15 (Offb. 15, 8) hieß es nämlich am Schluß: ... und niemand konnte in den Tempel gehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren. Bis dahin ist dort kein Opfer und auch keine Fürbitte mehr möglich. Heute gilt jedoch noch: Darum heißt es: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. So sehet nun wohl zu, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kaufet die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. (Eph. 5, 14-16). Demnächst wird die Zeit nur noch böser sein.

Dann folgte das nächste Gericht: Und der sechste Engel goß aus seine Schale auf den großen Wasserstrom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, damit bereitet würde der Weg den Königen vom Aufgang der Sonne. Dieser große Wasserstrom Euphrat ist etwa 2 865 km lang und damit bei weitem auch der bedeutendste Strom in diesem Teil Asiens. Der Euphrat war ursprünglich einer der vier Hauptarme des Stromes im Garten Eden, dem Paradies: Der vierte Strom ist der Euphrat. (1. Mose 2, 14). Zur Zeit des Johannes bildete er dann nach Osten hin die Grenze der damaligen Kulturwelt. In unseren Tagen fließt er durch die Türkei, Syrien und den Irak.

In seiner Erklärung zu Offb. 9, 13 machte Dr. C. I. Scofield bereits im Jahre 1909 diese Aussage: Die Armee, die in Offb. 9, 16-19 beschrieben wird, ist ein militärisches Heer, das aus dem Orient über den Euphrat kommt. (vgl. 16, 12). Das Lösen der Engel (9, 14-15) und das Austrocknen des Euphrat (16, 12) sind eine Vorbereitung für die Invasion des Heiligen Landes durch die "Könige des Ostens" (16, 12).

Die Möglichkeit einer alsbald bevorstehenden Erfüllung dieser Prophetie über das Austrocknen des Euphrat wurde schon vor einigen Jahren durch folgende Zeitungsnotiz bestätigt: Wegen Bauarbeiten hat die Türkei den Wasserlauf des Euphrat um 40 % gedrosselt, damit ist der Euphrat zum erstenmal in seiner Geschichte am versiegen, was für die Anliegerstaaten eine Katastrophe bedeutet. (Nürnberger Zeitung vom 13.1.1990). Des weiteren stand zudem in derselben Zeitung vom 3./4.2.1990 dann noch folgende Schlagzeile: Die Könige des Ostens sitzen in den Startlöchern.

Der Prophet Jesaja sagte bereits vor langer Zeit ebenfalls dieses Geschehen voraus: Und der Herr wird austrocknen die Zunge des Meeres von Ägypten und wird seine Hand gehen lassen über den Euphrat mit seinem starken Wind und ihn in sieben Bäche zerschlagen, so daß man mit Schuhen hindurchgehen kann. (Jes. 11, 15). Die Zunge des Meeres von Ägypten kann demnach nur ein Teil des Roten Meeres sein. Außerdem sei daran erinnert, daß der Perserkönig Cyrus oder Kyros II., der Große, bereits damals das Bett des Euphrat trockenlegte, um Babylon erobern zu können.

Wer sind nun diese Könige "vom Aufgang der Sonne"? Dies ist mit Sicherheit eine mehr poetische (= dichterische) Bezeichnung für den Osten. Wer nun diese Könige aus dem Osten sind, darüber wurde schon viel diskutiert. Wenn man jedoch wieder einen Blick auf einen Globus oder eine Landkarte Asiens wirft und die Wappen der asiatischen Völker kennt, dann deutet doch so einiges auf Japan, Korea und China. Da ist zunächst Japan, das sich bezeichnenderweise schon immer das Land der aufgehenden Sonne nannte. Dann ebenfalls Korea, das sich als Land der Morgenstille betrachtet. Zuletzt das alte China, das noch einen Drachen in seinem Wappen trug.

In dem Delphin Taschenbuch in Farbe Nr. 15: Fahnen und Flaggen von Idrisyn Oliver Evans, Delphin Verlag, Stuttgart und Zürich, 1971, ist auf Seite 74 diese Erklärung der Landesflaggen und -farben zu lesen: China war vielleicht das erste Land, das Flaggen und Banner verwendete. Auf manchen erschien ein Drache, der in der chinesischen Mythologie nicht als fruchteinflößendes Untier, sondern als gütiger Ratgeber galt. Einige der Drachenflaggen waren außerdem von Horizontalstreifen durchzogen. Als das Land 1912 Republik wurde, schaffte es das Drachenemblem ab, behielt jedoch die Streifen bei. Die fünf Streifen in Rot, Gelb, Blau, Weiß und Schwarz standen für die vier Provinzen Chinas und seine islamischen Bewohner.

Das wird ebenfalls bestätigt in dem Buch: Flaggen - Wappen - Daten, Bertelsmann Lexikon-Verlag, 1975, auf Seite 48: Bevor China 1912 Republik wurde, war es ein Kaiserreich. Dieses führte eine gelbe Flagge mit einem großen blauen Drachen, der nach einem roten Kreis schnappt. 1912 wurde die eben beschriebene Flagge durch eine rot-gelb-blau-weiß-schwarze Streifenflagge der ersten chinesischen Republik abgelöst. Diese Streifen repräsentierten die fünf Landesteile: China, Mandschurei, Mongolei, Tibet und Turkestan. Der Drache wird dann außerdem noch wie folgt erklärt: Der Drache ist im chinesischen Stil gehalten. Er symbolisiert den Namen des Landes: Drachenreich. Der kugelhaltende Drache in der Flagge steht auch für das Universum. In der asiatischen Mythologie versinnbildlicht er Macht und Edelmut.

Das sind also zunächst alles nur Hinweise darauf, welche Nationen und Völker hinter den Königen vom Aufgang der Sonne stehen könnten. Natürlich kann man jetzt noch nicht mit letzter Sicherheit sagen, wer genau damit gemeint ist. Man sollte jedoch alle Andeutungen ernst nehmen und nicht leichtfertig verwerfen. Augenblicklich ist jedenfalls nicht auszuschließen, daß einzig und allein die soeben erwähnten fernöstlichen Mächte in Betracht kommen werden. Zudem ist es durchaus nicht gewiß, daß es sich dann nochmals um dasselbe Kriegsheer von Kapitel 9 (Offb. 9, 16) handelt: Und die Zahl des reitenden Volkes war vieltausendmal tausend; ich hörte ihre Zahl. Die nun sicherlich bessere Übersetzung von Hans Bruns lautet allerdings: Und die Zahl des Heeres war zweihundert Millionen Reiter; ja ich hörte diese Zahl.

Diese Reiter saßen auf Rossen, und aus ihren Mäulern ging Feuer und Rauch und Schwefel. Von diesen drei Plagen ward getötet der dritte Teil der Menschen, von dem Feuer und Rauch und Schwefel, der aus ihren Mäulern ging. (Offb. 9, 17-18). Diese Reiter haben demnach ihren verheerenden Auftrag bereits ausgeführt. Im Zusammenhang mit der Betrachtung von Kapitel 9 konnte man außerdem feststellen, daß es zur Zeit der Posaunengerichte noch einzelne Nationen geben wird. Das war einmal, denn inzwischen kann nur noch eine Welteinheitsregierung bestehen. Alle Gegenspieler wurden von dem Antichristen spätestens in der Mitte der siebenjährigen Trübsalszeit ausgeschaltet, als er sich sogar in den Tempel in Jerusalem setzte.

Der Prophet Daniel weissagte bereits den Aufstieg und das Ende des Antichristen: Und der König wird tun, was er will, und wird sich überheben und großtun gegen alles, was Gott ist. Und gegen den Gott aller Götter wird er Ungeheuerliches reden, und es wird ihm gelingen, bis sich der Zorn ausgewirkt hat; denn es muß geschehen, was beschlossen ist. Auch die Götter seiner Väter wird er nicht achten; er wird weder den Lieblingsgott der Frauen noch einen andern Gott achten; denn er wird sich über alles erheben. Dagegen wird er den Gott der Festungen verehren; den Gott, von dem seine Väter nichts gewußt haben, wird er ehren mit Gold, Silber, Edelsteinen und Kostbarkeiten. Und er wird die starken Festungen dem fremden Gott unterstellen. Denen, die ihn erwählen, wird er große Ehre antun und sie zu Herren machen über viele und ihnen Land zum Lohn austeilen.

Und zur Zeit des Endes wird sich der König des Südens mit ihm messen, und der König des Nordens wird mit Wagen, Reitern und vielen Schiffen gegen ihn anstürmen und wird in die Länder einfallen und sie überschwemmen und überfluten. Und er wird in das herrliche Land einfallen, und viele werden umkommen. Es werden aber seiner Hand entrinnen Edom, Moab und der Hauptteil der Ammoniter. Und er wird seine Hand ausstrecken nach den Ländern, und Ägypten wird ihm nicht entrinnen, sondern er wird Herr werden über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kostbarkeiten Ägyptens; Libyer und Kuschiter werden ihm folgen müssen. Es werden ihn aber Gerüchte erschrecken aus Osten und Norden, und er wird mit großem Grimm ausziehen, um viele zu vertilgen und zu verderben. Und er wird seine prächtigen Zelte aufschlagen zwischen dem Meer und dem herrlichen, heiligen Berg; aber es wird mit ihm ein Ende nehmen, und niemand wird ihm helfen. (Dan. 11, 36-45). Der König ist eindeutig der Antichrist, der sich über alles erheben wird.

Die vorhergehenden Verse 1-35 wurden bereits teilweise im Sendschreiben an die Gemeinde zu Laodicea unter Punkt 1. betrachtet (in Kapitel 3). Es handelt sich dabei um insgesamt über 150 in der Weltgeschichte wörtlich erfüllte Prophezeiungen. Der Vers 35 endet sodann mit den Worten: ... bis zur Zeit des Endes. Denn (es verzögert sich) noch bis zur bestimmten Zeit. (Elbf.). Das bedeutet also, daß die zuvor erwähnten Ereignisse nicht zur Endzeit gehören. Jedoch alles, was nachher in den Versen 36-45 beschrieben wird, liegt aber zweifellos noch in der Zukunft. Der König wird Gott lästern, ... bis sich der Zorn ausgewirkt hat; denn es muß geschehen, was beschlossen ist. (Vers 36). Demnach bis zu den ... letzten sieben Plagen, denn mit denselben ist vollendet der Zorn Gottes. (Offb. 15, 1). Damit sind natürlich die Zornesschalengerichte gemeint. Das wird dann bestätigt sogleich in dem nächsten Vers: Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. (Dan. 12, 1). Folglich, zu jener Zeit ... wird eine Zeit so großer Trübsal sein, daher kann es sich nur um diese bestimmte Zukunft handeln. Bei genauerem Hinsehen sind zwar einige Ereignisse der Vergangenheit möglicherweise als eine Vorschattung kommender Dinge auszumachen. In dem Falle müßte der "König" bereits damals ein Herrscher in Rom gewesen sein.

Pompejus (Gnaeus Pompeius Magnus), der römische Feldherr und Politiker (29.9. 106-28.9.48 v. Chr.) erzwang für das Jahr 70 v. Chr. sein erstes Konsulat. Danach entthronte er im Jahre 64 v. Chr. den syrischen König Antiochos XIII. (Asiaticus), den letzten Herrscher der Seleukiden, und erklärte Syrien zur römischen Provinz. Im Jahre darauf entschied Pompejus zwischen den streitenden Brüdern für Hyrkan und nahm Aristobul gefangen, erstürmte nun den Tempel und machte dem makkabäischen Königtum ein Ende. Dadurch gelangte Judäa unter römische Herrschaft. Hyrkan wurde Hoherpriester und Ethnarch, der Idumäer Antipater war jedoch der tatsächliche Regent des Landes. Im Jahre 47 v. Chr. kam Antipater weiter dem in Ägypten bedrängten Cäsar zu Hilfe und wurde daraufhin Prokurator. Im Jahre 40 v. Chr., nach dem Tode des Antipater, wurde sein Sohn Herodes I., der Große (um 73-4 v. Chr.), in Rom zum König der Juden ernannt. Diese Herrschaft ist erwähnt in der Bibel. Ethnarch bedeutet zudem Volksfürst, wie schon in Kapitel 11 gesagt.

Von Cäsar verfolgt, floh Pompejus im August des Jahres 48 v. Chr. nach Ägypten und wurde aber dort auf Geheiß der Ratgeber des jungen Königs Ptolemaios XIII. ermordet. Die Verfolgung des Pompejus führte schließlich auch Cäsar nach Ägypten, wo er danach in die Thronstreitigkeiten zwischen Ptolemaios XIII. und seiner Schwester Kleopatra VII. Thea (= Göttin), die Große (69-Aug. 30 v. Chr.), ägyptische Königin seit 51 v. Chr., hineingeriet. Nachdem er für Kleopatra Partei ergriff, wurde Cäsar monatelang in Alexandria von den Ägyptern belagert, verweilte aber auch nach seiner Befreiung noch bis zur Mitte des Jahres 47 v. Chr. bei Kleopatra. Diese wurde seine Geliebte und gebar ihm dann einen Sohn, Kaisarion (Ptolemaios XV.). Nach Rom zurückgekehrt, führte er eine Kalenderreform durch, bei der das Mondjahr durch das ägyptische Sonnenjahr zu 365 ¼ Tagen ersetzt wurde. Der Geburtsmonat Cäsars, Quinctilis, hieß nun zu seinen Ehren Julius, und er regierte wie ein Monarch. Unter Berufung auf ein Orakel, nach dem ein geplanter Feldzug nur von einem König siegreich geführt werden könne, sollte er so für das Gebiet außerhalb Italiens den Königstitel erhalten, dort aber vorerst weiterhin Diktator bleiben.

Soweit kam es aber nicht, denn Cäsars Mißachtung der republikanischen Formen brachte viele seiner Anhänger gegen ihn auf. Bei einer Senatssitzung bei den Iden des März (15.3.44 v. Chr.) wurde Cäsar von den Verschwörern ermordet. Als der testamentarisch von Cäsar adoptierte 18-jährige C. Octavius (Oktavian) seine Ansprüche geltend machte, begann der Endkampf um die Republik. Dann übernahm Marcus Antonius den Osten des Reiches, der nun im Jahre 41 v. Chr. erstmals mit Kleopatra VII. zusammentraf. Im Jahre 34 v. Chr. entstand ein Konflikt zwischen Antonius und Oktavian, der durch die Seeschlacht bei Aktium entschieden wurde. Im August des Jahre 30 v. Chr. eroberte Oktavian, der spätere Kaiser Augustus, sodann endlich Alexandria, woraufhin Antonius und Kleopatra Selbstmord begingen. So wurde das letzte hellenistische Königreich schließlich zur römischen Provinz.

Man kann natürlich jetzt annehmen, der Vorläufer des Antichristen sei vielleicht Cäsar (Gaius Iulius Caesar), der römische Staatsmann (13.7.100-15.3.44 v. Chr.), gewesen. Der König des Nordens war dann Antiochos XIII. (Asiaticus) und möglicherweise der "König" des Südens, die Königin Kleopatra VII. Thea, die Große. Jedoch läßt sich so nicht alles erklären, denn Cäsar hat Judäa nicht selbst erobert, daher auch seine Zelte dort nicht aufgeschlagen. Der Schluß des Verses mag zwar zutreffen: ... aber es wird mit ihm ein Ende nehmen, und niemand wird ihm helfen. Bei dem Mordanschlag der Verschwörer Brutus und Cassius kam ihm tatsächlich niemand zu Hilfe. Sein tragisches Ende allein reicht jedoch nicht aus als Beweis.

Die eigentliche Erfüllung dieser Weissagungen des Propheten Daniel ist demnach erst in der näheren Zukunft zu erwarten, zur Zeit des Endes. Hierbei sollte man beachten, daß mit dem König des Südens immer der Herrscher Ägyptens gemeint ist, während der König des Nordens aus dem Gebiet des heutigen Syrien und des Irak kommen müßte, dem früheren Assyrien. Dieses Land lag in jener Zeit im Norden, von Israel aus gesehen. Da es außerdem dann keine unabhängigen Nationen mehr geben wird, scheinen die Herrscher dieser Länder wohl eigenmächtig zu handeln. Grundsätzlich darf man hier auch keinen großen Gegensatz zwischen dem Norden und dem Osten sehen, weil östliche Heere doch notwendigerweise, durch die geographische Lage bedingt, immer aus nördlicher Richtung nach Israel eindrangen.

Man wird dabei an das Gebet gegen einen Bund von Feinden des Gottesvolkes erinnert: Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. Sie machen listige Anschläge wider dein Volk und halten Rat wider die, die bei dir sich bergen. "Wohlan!" sprechen sie, "laßt uns sie ausrotten, daß sie kein Volk mehr seien und des Namens Israel nicht mehr gedacht werde!" Denn sie sind miteinander eins geworden und haben einen Bund wider dich gemacht: die in den Zelten von Edom und Ismael wohnen ... die Philister mit denen von Tyrus; auch Assur hat sich zu ihnen geschlagen. (Psalm 83, 3-9). Die Philister sind heute ganz eindeutig die Palästinenser, die im ehemaligen Philisterland leben, vgl. 1. Kön. 5, 1.

Johannes bezeugte überdies noch: Und ich sah aus dem Munde des Drachen und aus dem Munde des Tieres und aus dem Munde des falschen Propheten drei unreine Geister gehen, gleich Fröschen; diese sind Teufelsgeister, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Streit auf jenen großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Eine unheilige Allianz wurde gebildet von der teuflischen Dreieinigkeit, die doch schon in Kapitel 12 und 13 zu erkennen war. Der Drache ist der Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, vgl. Offb. 12, 9. Mit dem Tier ist das erste Tier gemeint, das aus dem Meer stieg (nach Offb. 13, 1), also der Antichrist. Der falsche Prophet entspricht dem zweiten Tier, das von der Erde aufstieg (Offb. 13, 11), dem teuflischen Gegenstück des Heiligen Geistes. Diesen Namen für dieses zweite Tier lesen wir hier zum ersten, aber nicht zum letzten Mal. Die unreinen Geister aus dem Munde dieser satanischen Dreieinheit sind Dämonen, gefallene Engel. Manche denken dabei womöglich an die Aussage des Herrn Jesu: ... was zum Munde ausgeht, das macht den Menschen unrein. (Matth. 15, 11). Unser Text fährt daher fort mit den Worten: ... diese sind Teufelsgeister, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Streit auf jenen großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Sie bringen den Herrschern der ganzen Welt das Verderben durch ihre teuflischen Wunder.

Diese trügerischen Zeichen werden nun zweifellos in Verbindung mit einer Lügenpropaganda gegen das Volk Gottes, die Juden, eingesetzt werden. Wie die Frösche, so werden diese Teufelsgeister sich aufblähen und danach mit lautem Geschrei die Luft erfüllen. Jesus hatte dereinst zu seinen Verfolgern gesagt: Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eignen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. (Joh. 8, 44). Kennen wir nicht von früher diese verführerischen Geister? Manche Stimme in den Lautsprechern von damals erinnert uns an das Quaken dieser unreinen Tiere. Das Krächzen von schmutzigen Gestalten, die immerzu bemüht waren, Menschen als Opfer darzubringen in dem von ihnen entfesselten Todestanz.

Ein ganz typisches Beispiel dafür war der nationalsozialistische Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Joseph Goebbels (29.10.1897-1.5.1945), der noch am 31. Dezember 1944, wenige Monate vor dem Zusammenbruch, in der Wochenzeitung "Das Reich" schrieb: Hitler ist die größte unter den Persönlichkeiten, die heute Geschichte machen; ihnen allen steht er weit voran in der Voraussicht der Dinge, die kommen. Er überragt sie nicht nur an Genie und politischem Instinkt, sondern auch an Wissen, Charakter und Willenskraft. Nie kommt ein Wort der Falschheit oder einer niedrigen Gesinnung über seine Lippen. Er ist die Wahrheit selbst. Er hat den sechsten Sinn, das heißt die Gabe, zu sehen, was den Augen anderer Menschen verborgen bleibt ... Er ist das Wunder der Deutschen; er allein ist das Unerklärliche, das Geheimnis und der Mythos unseres Volkes. Der große Empörer gegen eine lügenhafte feindliche Welt, gegen die Welt der Phrase und des falschen Scheins, schreitet er ... der Vollendung seines geschichtlichen Werkes entgegen.

Dieses geschichtliche Werk Hitlers sah nachher so aus: In seiner vernunftwidrigen Besessenheit ließ er Millionen tapferer Soldaten auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges verbluten, ließ er Deutschland in unaussprechliche Not, Trümmer und Elend versinken, ließ er seine erklärten Haßgegner, die Juden, zu Millionen ermorden. Die nationalsozialistischen Wahnideen waren deshalb so mörderisch, weil in ihnen nicht nur der Sinn für die Würde und den Wert des einzelnen Menschen, sondern ebenso das Mitleid, die christliche Liebe und die Verantwortung vor Gott ganz und gar mangelten. Bei den von ihnen verunglimpften Persönlichkeiten mußte es sich noch nicht einmal um Juden handeln. Wer ihnen freundlich gesinnt zu sein schien oder nicht mit den Vorstellungen der Nationalsozialisten einverstanden war, der wurde sogleich zum "Judenknecht" abgestempelt und unterschiedslos verfolgt.

Ähnlich wird es dann auch in der hier angesprochenen Trübsalszeit sein. Nicht nur die Juden werden in dieser Zeit wieder erbarmungslos bedrängt, sondern auch diejenigen Menschen, die diesen alsdann helfen werden, sicherlich unbewußt. Gerade auf diese barmherzigen Wohltäter aus den Völkern bezieht sich das Gleichnis vom Weltgericht, in dem nämlich ausschließlich zu den Lebenden gesagt wird: Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matth. 25, 40). Es werden nicht alle von diesen hilfsbereiten Menschen überleben und in das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi eingehen. Wahrscheinlich ist, daß viele von ihnen während der großen Trübsal verfolgt werden und umkommen.

Hierbei ist dann an die unzählbare Schar zu denken, die bereits in Kapitel 7 (Offb. 7, 9-17) in der gewaltigen Vorausschau betrachtet wurde. Johannes bezeugte dort: Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen. Man kann durchaus annehmen, daß diese allesamt aus der großen Trübsal gekommen sind, deren es nur eine geben wird. Meines Erachtens können es deshalb nur dieselben sein, die dann abermals in Kapitel 20 (Offb. 20, 4) erwähnt werden: Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier noch sein Bild und nicht genommen hatten sein Malzeichen an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Alle diese Menschen wurden ausnahmslos um des Zeugnisses von Jesus getötet, können infolgedessen nur in dieser Trübsalszeit zum wahren Glauben gekommen und deswegen verfolgt und getötet worden sein.

... diese sind Teufelsgeister, die tun Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt, sie zu versammeln zum Streit auf jenen großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Diese Teufelsgeister kommen aus den Mündern der drei Tiere hervor, tun erstaunliche Zeichen und gehen aus zu den Königen der ganzen Welt. Alle Könige scheinen sich ihnen geöffnet zu haben, denn sonst könnten sie nicht bei ihnen einziehen. Wenn der Geist Gottes nicht in uns ist, dann ist Raum für andere Geister.

Der Herr Jesus hat dieses Beispiel von einem befreiten und rückfälligen Menschen erzählt, um ernsthaft vor den schrecklichen Gefahren zu warnen: Wenn der unsaubere Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandelt er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. Da spricht er denn: Ich will wieder umkehren in mein Haus, daraus ich gegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie allda; und es wird mit demselben Menschen hernach ärger, als es zuvor war. So wird's auch diesem argen Geschlecht gehen. (Matth. 12, 43-45, ähnlich auch Luk. 11, 24-26).

Dazu bewirken diese auch noch die verführerischen und aufwiegelnden Worte des falschen Propheten. Buchstäblich von Geisterhand geführt, werden die Könige der ganzen Welt unwillkürlich zusammentreffen zum Streit auf jenen großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Hans Bruns übersetzte: ... um sie zum Kriege zu sammeln. (Vers 14, so auch die Elbf. u. a.). Im Auftrage des Antichristen werden die Könige der ganzen Welt alle Armeen ihrer Völker ins Heilige Land entsenden, um endlich den Störenfried (= Friedensstörer) Israel zu vernichten. Die Nationen sind nun auffordert, ihre "Friedenstruppen" aufzubieten, um fortan eine endgültige und gerechte Lösung des Nahostproblems herbeizuführen. Dieses Problem, das schon seit vielen Jahrzehnten der ganzen Welt so sehr viel Not bereitet, muß doch endlich beseitigt werden. Wenn man die Juden beseitigt, ist das Problem ein für allemal gelöst.

Das wird eine Neuauflage der "Endlösung der Judenfrage" darstellen. Wahrscheinlich wird es dann auch wieder heißen: Die Juden sind unser Unglück! Es wird dann wieder geschehen, was der frühere deutsche Bundespräsident Richard Freiherr von Weizsäcker (geb. 15.4.1920) einmal so gesagt hatte: "Wer aus der Geschichte nicht lernen will, wird sie wiederholen müssen.". Die Geschichte wird sich wiederholen.

Der große Tag Gottes, des Allmächtigen, ist der Tag des Herrn, von dem schon die Propheten des Alten Testamentes geweissagt hatten. Nur einige Beispiele seien genannt zur Erklärung: Denn siehe, des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, die Erde zu verwüsten und die Sünder von ihr zu vertilgen. (Jes. 13, 9). Dann noch: Denn dies ist der Tag Gottes, des Herrn Zebaoth, ein Tag der Vergeltung, daß er sich an seinen Feinden räche, wenn das Schwert fressen und von ihrem Blut voll und trunken werden wird. Denn sie müssen Gott, dem Herrn Zebaoth, ein Schlachtopfer werden im Lande des Nordens am Euphratstrom. (Jer. 46, 10). Des weiteren: Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage und sprich: So spricht Gott der Herr: Heulet! Wehe, was für ein Tag! Denn der Tag ist nahe, ja, des Herrn Tag ist nahe, ein finsterer Tag; die Zeit der Heiden kommt. (Hes. 30, 1-3). Ja, des Herrn Tag ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen? (Joel 2, 11). Zum Schluß: Weh denen, die des Herrn Tag herbeiwünschen! (Amos 5, 18).

Bei der nun folgenden Mahnung des Herrn Jesus zur geistlichen Wachsamkeit, handelt es sich wieder um einen Einschub. Es ist kein direkter Zusammenhang mit den Ereignissen der sechsten Zornesschale zu erkennen. Nur die Beschreibung der Auswirkungen dieses Gerichtes wird dadurch vorübergehend unterbrochen, deshalb ist davon auszugehen, daß wir es mit einer Parenthese oder Einschaltung zu tun haben.

Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und bewahrt seine Kleider, daß er nicht nackt wandle und man nicht seine Blöße sehe. Stellen wie diese sind schon oft mißverstanden worden, besonders von Gläubigen. Deshalb seien sie jetzt in diesem Zusammenhang auch alle genau angegeben, um deren eigentliche Bedeutung unzweifelhaft klarzustellen. Allein im Neuen Testament wird sogar insgesamt sieben Mal dieses Bild von der Wiederkunft Jesu gebraucht. Der Herr wird deshalb gewiß kommen wie ein Dieb, das heißt, ganz unerwartet und in der Nacht. Aber es wird nicht für jeden Nacht sein, denn es gibt bereits jetzt Nachtwächter, die andere ebenfalls wachhalten möchten. Diese beachten gerne das Wort des Apostels Petrus: Und wir haben desto fester das prophetische Wort, und ihr tut wohl, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunkeln Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. (2. Petr. 1, 19). Das erwarten diese.

Jesus antwortete den Jüngern auf ihre Fragen in seiner Ölbergrede: Darum wachet; denn ihr wisset nicht, welchen Tag euer Herr kommen wird. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüßte, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. Darum seid auch ihr bereit! Denn des Menschen Sohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meinet. (Matth. 24, 42-44). Ähnlich berichtet auch Lukas, der Arzt, in seinem Evangelium: Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüßte, zu welcher Stunde der Dieb käme, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen. Darum seid auch ihr bereit! Denn des Menschen Sohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meinet. (Luk. 12, 39-40).

Der Apostel Paulus bestätigte diese Worte Jesu, indem er der Gemeinde zu Thessalonich mitteilte: Von den Zeiten aber und Stunden, liebe Brüder, ist nicht not euch zu schreiben; denn ihr selbst wisset genau, daß der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. (1. Thess. 5, 1-2). Dann erklärte er jedoch ganz deutlich: Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasset uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein. (1. Thess. 5, 4-6). Das ist die rechte Haltung, darauf kommt es an, sich vom Licht der Welt erleuchten zu lassen. Jesus hatte gesagt: Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Licht der Welt. (Joh. 9, 5). Danach erschien er dem Apostel Johannes, der diese Worte niederschrieb, auf der Insel Patmos und ließ ihn nun die Offenbarung der zukünftigen Dinge schauen.

Der Apostel Petrus schrieb allerdings schon zu der Zeit in seinem zweiten Brief: Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen. (2. Petr. 3, 10). In diesem Vers ist wieder eine prophetische Perspektive zu sehen; denn es liegt das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi mitten zwischen dem ersten und dem zweiten Teil dieser Aussage. Das ist aber keinesfalls ungewöhnlich, denn dafür gibt es viele Beispiele.

In der Offenbarung Jesu Christi, die der Apostel Johannes geschaut hatte und dann niederschrieb, heißt es zunächst in dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Sardes: So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halte es und tue Buße. Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. (Offb. 3, 3). Es heißt doch da äußerst deutlich: Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Der Herr Jesus wird also nicht für jeden Menschen wie ein Dieb kommen, sondern nur für diejenigen, denen das prophetische Wort bedeutungslos erscheint. Nur wenn man die Zukunft kennt, werden die Zeichen der Zeit richtig zu erkennen sein. Die Gemeinde zu Sardes ist in prophetischer Sicht die Kirche der Reformation, deren Glieder sich auf dem Worte Gottes gründen, einschließlich dem prophetischen.

Deshalb gab der Herr Jesus schon damals den Pharisäern und Sadduzäern deutlich zu verstehen: Aber er antwortete und sprach: Des Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot. Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute Ungewitter sein, denn der Himmel ist rot und trübe. Über des Himmels Aussehen könnt ihr urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen? (Matth. 16, 2-3). Wem würde Jesus wohl heute diesen Vorwurf machen?

Die letzte Stelle in der Bibel ist die obige: Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht ... (Offb. 16, 15). Wie kann man aber wachen, ohne über die Zeichen der Zeit urteilen zu können? Diese muß man doch zuerst einmal kennen, denn deshalb haben wir ja das prophetische Wort. Darin heißt es: Gott der Herr tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluß den Propheten, seinen Knechten. (Amos 3, 7). Diesen Ratschluß muß jeder kennen, um nicht bei den Irrlichtern dieser Zeit einzuschlafen. Johannes ermahnte: Ihr Lieben, glaubet nicht einem jeglichen Geist, sondern prüfet die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt. (1. Joh. 4, 1). Heute gibt es auch viele falsche Propheten, die z. B. eine große Erweckung voraussagen, ohne die Zeichen der Zeit zu kennen.

Zusammenfassend muß man betonen, daß alles Studium der Endzeitprophetie keineswegs zwecklos ist, auch wenn die genaue Zeit der Wiederkunft des Herrn nicht ermittelt werden kann. Diese Tatsache widerspricht sogar nicht im geringsten den Worten des Herrn, der nämlich gesagt hat, daß der genaue Tag und die Stunde seiner Wiederkunft und die Vollendung des Zeitalters zunächst unbekannt ist. Jedoch verlangt er dann andererseits ebenso nachdrücklich, daß der Ablauf der Endzeit an der Erfüllung der Zeichen erkannt werden soll, und von vielen auch bemerkt wird.

Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig ist, der da wacht und bewahrt seine Kleider, daß er nicht nackt wandle und man nicht seine Blöße sehe. Im Römer-Brief steht diese Mahnung des Apostels Paulus: Und das tut, weil ihr die Zeit wisset, nämlich daß die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher, als da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und Unzucht, nicht in Hader und Neid; sondern ziehet an den Herrn Jesus Christus und wartet des Leibes nicht so, daß ihr seinen Begierden verfallet. (Röm. 13, 11-14). Das ist allein der rechte Wandel, der dann Gott wohlgefällig ist.

Wie wichtig sind doch diese Worte auch für uns! Immer neu haben wir nötig, zum aufmerksamen Wachen ermuntert und zum bedachten Wandel ermutigt zu werden. Wie leicht beflecken wir uns aber oder geben uns der Welt gegenüber eine Blöße, indem wir nicht so abgeschieden von ihr bleiben, wie unser Herr Jesus Christus es uns vorgelebt hat. Kleider sind in der Heiligen Schrift ein Bild von unseren Lebensgewohnheiten. Wie leicht passen wir uns darin mehr oder weniger der Welt an. Unseren Seelenzustand erkennt man an der Reinheit ihres Kleides. Hier wird jeder einzelne glückselig gepriesen, der da wacht und bewahrt seine Kleider, daß er nicht nackt wandle und man nicht seine Blöße sehe. Es geht hierbei also um die innere Nacktheit, die ebenfalls eine Folge des Sündenfalles ist. Deshalb muß diese Blöße im Diesseits durch Christi Blut und Gerechtigkeit zugedeckt werden. Denn was der Mensch innerlich besitzt, das bringt er immer auch nach außen hin zum Ausdruck.

Die Menschen der Welt werden "nackt" wandeln; das besagt auch, daß jeder ihnen anmerken wird, wozu das Fleisch in der Lage ist. Bei Gläubigen, die durch Kleider des Heils bedeckt worden sind, soll keine Blöße des Fleisches mehr zu sehen sein. Der Apostel Paulus erklärte: Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. (Röm. 8, 13). Diesem Wirken des Geistes muß man Raum geben.

Der Prophet Jesaja verkündete seine Freude: Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. (Jes. 61, 10). In Kapitel 19 wird gesagt: Und es ward ihr gegeben, sich anzutun mit schöner reiner Leinwand. Die köstliche Leinwand aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen. (Offb. 19, 8). Diese Gerechtigkeit ist durch das Blut Jesu Christi.

Der Apostel Johannes bezeugte sodann: Und er hat sie versammelt an einem Ort, der da heißt auf hebräisch Harmagedon. Dieser "er" ist zweifellos Gott, in seltsamem Gegensatz zu Vers 14, wo es die drei Dämonen sind, die diese Heere versammeln. In Wirklichkeit ist es Gott, der die Fäden der Geschichte in Händen hält. Der Name Harmagedon wird von 2. Chron. 35, 22 hergeleitet, wo zwar eine Ebene von Megiddo erwähnt wird. Doch "Har" bedeutet ohne Zweifel: Berg oder Gebirge. Es gibt aber eigentlich keinen Berg oder Gebirge von Megiddo. Wenn man allerdings vom Karmel hinunterfährt, ist man sofort in der Ebene von Megiddo. Bis jetzt wurde der Berg Karmel jedoch noch nie Berg von Megiddo genannt, aber dort steht bereits eine Hinweistafel in englischer Sprache auf diese Schlacht, die noch zukünftig ist. In der ganzen Welt gibt es viele Gedenktafeln, aber keine für eine Schlacht, die noch nicht stattgefunden hat. Das ist einmalig, wie die Erwähnung dieses Namens.

Nirgendwo sonst gibt es einen Hinweis auf Harmagedon als an dieser einen Stelle in der Bibel. Im griechischen Urtext wird ausdrücklich gesagt, daß die hebräische Bezeichnung dieses Ortes so heißt. Daran erkennt man sicherlich auch, daß zu der Zeit diese Sprache wieder in dem Lande gesprochen wird. Seit der Staatsgründung im Jahre 1948 ist Hebräisch die Amtssprache Israels; sie lebt nach Hes. 37, 14 wieder mit dem Volk. Megiddo wird auch mit "abschlachten" gedeutet, was im Blick auf den geschichtlichen Hintergrund dieses Schlachtfeldes doch aufschlußreich ist.

Megiddo wird schriftlich zum ersten Mal im Zusammenhang mit einer bestens geschilderten Schlacht des Altertums erwähnt. Der Pharao Thutmosis III. (15. Jh. v. Chr.) führte einen Kriegszug gegen einige kanaanitische Städte, die sich gegen die ägyptische Herrschaft auflehnten. Der Schlacht folgte eine siebenmonatige Belagerung der Stadt selbst. Ihr Name findet sich in den El-Amarna-Briefen u. a. Quellen aus dieser Epoche. Die Stadt des Königs von Megiddo (Jos. 12, 21) wurde bei der Landnahme dem Stamm Manasse zugeteilt (Jos. 17, 11), aber zuerst nicht erobert; die Stadt blieb während der Richterzeit selbständig. Darüber wird dann berichtet: Es hatte aber Manasse im Gebiet von Isaschar und Asser: Beth-Schean und seine Ortschaften, Jibleam und seine Ortschaften und die Einwohner von Dor und seine Ortschaften und die von Endor und seine Ortschaften, die von Taanach und seine Ortschaften und die von Megiddo und seine Ortschaften samt den drei Höhen. - Und der Stamm Manasse konnte diese Städte nicht erobern, sondern die Kanaaniter vermochten im Lande zu bleiben. Als aber die Kinder Israel mächtig wurden, machten sie die Kanaaniter fronpflichtig; aber sie vertrieben sie nicht völlig. (Jos. 11-13). Dort steht: Megiddo ... samt den drei Höhen, ist eine davon Harmagedon?

Jabin, der König von Kanaan, wie auch sein Feldhauptmann Sisera unterjochten das Volk Gottes: Und die Kinder Israel schrien zum Herrn, denn Jabin hatte neunhundert eiserne Wagen und unterdrückte die Kinder Israel mit Gewalt zwanzig Jahre. (Richt. 4, 3). Das gilt als ein Vorbild des Antichristen, der ebenfalls das Volk Israel im eigenen Lande unterdrücken und dabei am Wasser Megiddos umkommen wird.

In Deboras Siegeslied heißt es: Könige kamen und stritten; damals stritten die Könige Kanaans zu Taanach am Wasser Megiddos, aber Silber gewannen sie dabei nicht. Vom Himmel her kämpften die Sterne, von ihren Bahnen stritten sie wider Sisera. (Richt. 5, 19-20). Das Wasser Megiddos ist der Bach Kison. In dessen Nähe suchte Barak den Feldhauptmann Sisera des Königs von Kanaan, fand ihn aber tot, erschlagen von einer Frau (Richt. 4, 17-24). Erst unter Salomo wurde Megiddo zu einer israelitischen Stadt, doch kurz danach: Aber im fünften Jahr des Königs Rehabeam zog Schischak, der König von Ägypten, herauf gegen Jerusalem (1. Kön. 14, 25). Etwa 925 v. Chr. wurde Megiddo ebenfalls von den Ägyptern erobert. Einige Jahrhunderte später fiel die Stadt in die Hände von Tiglat-Pileser III. von Assyrien.

Ahasja, der König von Juda, war auf der Flucht vor Jehu, dem König über Israel: Und er floh nach Megiddo und starb dort. (2. Kön. 9, 27). Zu seiner Zeit zog der Pharao Necho, der König von Ägypten, herauf gegen den König von Assyrien an den Strom Euphrat. Und der König Josia zog ihm entgegen, aber Necho tötete ihn in Megiddo, als er ihn sah. (2. Kön. 23, 29). Nach der schweren Niederlage Josias gegen den Pharao Necho II. (etwa 609 v. Chr.) wird die Stadt nicht mehr erwähnt.

Die Römer errichteten ein Legionslager dicht südlich vom alten Megiddo, welches Eusebius oder Eusebios, Bischof von Cäsarea (260-340 n. Chr.), dann als: pedion thV legewnoV = pedion tés legeonos (= Ebene der Legionen) bezeichnete. Das bezieht sich auf den Bericht über Josias Kampf und Tod im zweiten Chronikbuch: Aber Josia ließ nicht ab von ihm, sondern schickte sich an, mit ihm zu kämpfen, und hörte nicht auf die Worte Nechos, die Gott zu ihm gesprochen hatte, und kam, mit ihm zu kämpfen in der Ebene von Megiddo. (2. Chron. 35, 22). Bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu Christi wird in Israel eine Klage über den Durchbohrten sein: Zu der Zeit wird große Klage sein in Jerusalem, wie die um Hadad-Rimmon in der Ebene von Megiddo war. (Sach. 12, 11). Das waren Trauerfeiern um einen heidnischen Gott. Der Gerichtstag kam bald über Jerusalem durch den König von Assur. (2. Chron. 33, 11). Diese Ebene wird auch Ebene Jesreel genannt: ... bei denen zu Beth-Schean und seinen Ortschaften und bei denen in der Ebene Jesreel. (Jos. 17, 16). Daselbst erfolgte Gideons Zurüstung zum Kampf: Als nun alle Midianiter und Amalekiter und die aus dem Osten sich versammelt hatten, zogen sie herüber und lagerten sich in der Ebene Jesreel. Da erfüllte der Geist des Herrn den Gideon. (Richt. 6, 33-34). Gideons Sieg über Midian gilt als Richtschnur für Harmagedon.

Der Prophet Jesaja sagte im Zusammenhang mit dem verheißenen Friedefürsten: Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. (Jes. 9, 3-4). Das wird einmal in Harmagedon geschehen.

Zur Zeit Davids war es auch so: Die Philister aber versammelten ihr ganzes Heer bei Aphek, und Israel lagerte sich an der Quelle bei Jesreel. (1. Sam. 29, 1). Da machten sich David und seine Männer früh am Morgen auf, um wegzuziehen und ins Philisterland zurückzukehren. Die Philister aber zogen hinauf nach Jesreel. (1. Sam. 29, 11). Die Philister sind in unseren Tagen ganz eindeutig die Palästinenser.

Dort bei Megiddo sind im Laufe der Jahrhunderte unzählige Schlachten ausgetragen worden. Im Jahre 1799 kämpfte Napoleon in der Ebene. Im Ersten Weltkrieg begann der englische General Allenby ebenfalls da am 18. September 1918 seine große Offensive gegen die Türken. Jetzt hat die israelische Armee dort Pisten für ihre Luftwaffe eingerichtet, doch das hat vorerst keine Bedeutung für diese große Schlacht am Ende der Zeit. Die Ebene Jesreel, die in den Apokryphen mit der großen Ebene Esdrelon bezeichnet wird (Judith 1, 8), ist nur etwa 25 mal 35 km groß.

Wohlgemerkt, an dieser Stelle der Heiligen Schrift wird noch gar nichts über die-sen Krieg berichtet, sondern nur von der Sammlung der Heere für diesen Kampf. Die Beschreibung der Schlacht von Harmagedon folgt nach dem Gericht der siebten Zornesschale in Kapitel 19, jedoch nur in obigem Vers wird der Ort genannt.

Und der siebente Engel goß aus seine Schale in die Luft; und es ging aus eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron, die sprach: Es ist geschehen! Dieser letzte der sieben Engel goß aus seine Schale in die Luft. Genau dorthin, woher die Angriffe des Teufels kommen, der in der Luft herrscht. Der Apostel Paulus bestätigte das: ... nach dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. (Eph. 2, 2). Dort herrschen auch die Dämonen, die bösen Geister: ... nämlich mit den bösen Geistern unter dem Himmel. (Eph. 6, 12). Von den unteren Lufthimmeln aus herrschen sie. Man verspürt etwas Unangenehmes kommen und meint dann: Es liegt in der Luft.

Vom Tempel des Himmels, von wo die sieben Engel gekommen waren, ertönt wieder eine große Stimme, wie am Anfang dieses Kapitels (Offb. 16, 1). Jedoch dieses Mal kommt sie vom Thron, allerdings nicht unbedingt von Gott selbst. Zuvor kam sie mit großer Wahrscheinlichkeit von einer der vier Gestalten, den Cherubim oder Thronengeln, die bereits in Kapitel 15 (Offb. 15, 5-7) den sieben Engeln die sieben goldenen Schalen voll vom Zorne Gottes gegeben hatte. Es wird jetzt kaum anders sein bei dieser letzten von den sieben Plagen, denn mit denselben ist vollendet der Zorn Gottes (Offb. 15, 1). Gewiß deswegen sprach die Stimme: Es ist geschehen!

Dabei ist zu bedenken, daß diese schrecklichen Gerichte überhaupt nicht hätten geschehen müssen oder dermaleinst nicht geschehen müßten. Die Strafe oder das Gericht über alle Menschen aller Zeiten wurde schon stellvertretend an Jesus Christus vollzogen, als er sterbend am Kreuz von Golgatha ausrief: Es ist vollbracht! Jedoch jetzt hat der erhöhte Herr durch den siebten Engel die letzte Plage ausgießen lassen. Deshalb erging eine große Stimme aus dem Tempel, die sprach: Es ist geschehen! Damit ist sodann der Zorn Gottes vollendet, die unbußfertige Menschheit gerichtet. Die Auswirkungen dieses Gerichtes sind allerdings fürchterlich, schlimmer denn je zuvor. Darüber werden in den nachfolgenden Kapiteln die Einzelheiten geschildert.

Der Prophet Jesaja hatte bereits etwa 700 Jahre v. Chr. das stellvertretende Leiden des Knechtes Gottes mit diesen wahrlich eindringlichen Worten beschrieben: Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird. (Jes. 53, 4-7). Wird dieses Gnadenangebot nicht angenommen, so folgt das Gericht.

Im Buch Hiob wird außerdem darauf aufmerksam gemacht, daß Gott niemals ungerecht handelt: Darum hört mir zu, ihr weisen Männer: Es sei ferne, daß Gott sollte gottlos handeln und der Allmächtige ungerecht; sondern er vergilt dem Menschen, wie er verdient hat, und trifft einen jeden nach seinem Tun. Ohne Zweifel, Gott tut niemals Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht. (Hiob 34, 10-12). Im Luthertext von 1912 heißt es sogar: Ohne Zweifel, Gott verdammt niemand mit Unrecht ... . Deshalb ist auch jedes Gericht Gottes nicht ungerecht, sondern verdient.

Und es wurden Blitze und Stimmen und Donner; und ward ein großes Erdbeben, wie solches nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden gewesen sind, solch Erdbeben, so groß. Das könnte sogar bedeuten, daß womöglich schon vor der Zeit der Menschen ein großes Erdbeben war. In dem Buch: Weltschöpfung und Urgeschichte aus wissenschaftlicher Sicht erklärte David Watston viele beachtenswerte Dinge über die vorsintflutlichen Verhältnisse und klimatischen Bedingungen. Darin ist er auch der Ansicht, daß es die höchsten Berge, die wir kennen, vor der Sintflut noch gar nicht gab. Diese seien wahrscheinlich erst am Ende der Sintflut emporgehoben worden, um die riesigen Mengen überschüssigen Flutwassers aufzunehmen. Selbstverständlich läßt sich seine Aussage biblisch begründen, denn sonst wäre seine Ansicht kaum der Mühe wert, darüber nachzudenken. Doch heißt es in einem Psalm: Mit Fluten decktest du es wie mit einem Kleide, und die Wasser standen über den Bergen. Aber vor deinem Schelten flohen sie, vor deinem Donner fuhren sie dahin. Die Berge stiegen hoch empor, und die Täler senkten sich herunter zum Ort, den du ihnen gegründet hast. Du hast eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht und dürfen nicht wieder das Erdreich bedecken. (Psalm 104, 6-9). Das ist wissenswert.

Ein anderes Geschehen hat etwas mehr als einhundert Jahre nach der Sintflut stattgefunden. Darüber wird erstmals in der Völkertafel berichtet, wo es nämlich heißt: Eber wurden zwei Söhne geboren. Einer hieß Peleg, weil zu seiner Zeit die Erde zerteilt wurde; und sein Bruder hieß Joktan. (1. Mose 10, 25). Sodann ähnlich im Stammbaum von Adam bis Abraham: Eber aber wurden zwei Söhne geboren: der eine hieß Peleg, weil zu seiner Zeit die Erde zerteilt wurde; und sein Bruder hieß Joktan. (1. Chron. 1, 19). Dr. Abraham Meister erklärte in dem Biblischen Namen-Lexikon: Peleg = Teil, Teilung. Das ergibt dann ein Wortspiel: Denn in seinen Tagen wurde die Erde geteilt. Weiter meinte er dort: Eine andere Erklärung erinnert an eine Katastrophe, durch welche das Festland der Erde auseinandergerissen sein soll. Das Erdbild einer ganzen Weltkarte spricht allem Anschein nach sehr für die-se Deutung. Südamerika und Afrika können miteinander verbunden gewesen sein, bei anderen Erdteilen ist es wohl nicht so augenscheinlich, aber nicht unmöglich.

Dabei wird ebenfalls gesagt: Und es wurden Blitze und Stimmen und Donner ... . In einem Psalm heißt dann: Er wird regnen lassen über die Gottlosen Blitze, Feuer und Schwefel und wird ihnen ein Wetter zum Lohn geben. (Psalm 11, 6 - Luthertext von 1912). In dem anderen Psalm hieß es: Aber vor deinem Schelten flohen sie, vor deinem Donner fuhren sie dahin. (Psalm 104, 7). Deshalb können diese Blitze und Stimmen und Donner sich nur auf das große Erdbeben beziehen, es sogar auslösen. Ähnliches von dem Thron im Himmel ist schon in Kapitel 4 (Offb. 4, 5) geschehen und bei dem siebten Siegel in Kapitel 8 (Offb. 8, 5). Bei letzterem ist auch ein Erdbeben vorgekommen, wie bei der siebten Posaune sowie der siebten Zornesschale.

Es sei noch einmal daran erinnert, daß am Ende einer jeden Gerichtsserie ein Hinweis auf ein großes Erdbeben ist. Das Öffnen des sechsten Siegels ging gewiß mit dem Abwurf der ersten Atombombe einher. Johannes konnte dies seinerzeit wohl nur so beschreiben: ... da ward ein großes Erdbeben. (Offb. 6 12). Im Zusammenhang mit den Posaunengerichten wurde auch bereits auf dieses große Erdbeben in Israel hingewiesen, das sich aber mit Gewißheit erst in der Zukunft ereignen wird: Und ich sage in meinem Eifer und im Feuer meines Zorns: Wahrlich, zu der Zeit wird ein großes Erdbeben sein im Lande Israels, daß vor meinem Angesicht erbeben sollen die Fische im Meer, die Vögel unter dem Himmel, die Tiere auf dem Felde und alles, was sich regt und bewegt auf dem Lande, und alle Menschen, die auf der Erde sind. Und die Berge sollen niedergerissen werden und die Felswände und alle Mauern zu Boden fallen. (Hes. 38, 19-20). Jedoch heißt es bei der siebten Posaune sodann: Und der Tempel Gottes im Himmel ward aufgetan, und die Lade seines Bundes ward in seinem Tempel gesehen; und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und Erdbeben und ein großer Hagel. (Offb. 11, 19). Es sind dort also ähnliche Ereignisse wie die nun bei der siebten Zornesschale angekündigten.

Dieses Erdbeben wird zu Beginn der 70. Jahrwoche nach Daniel 9, 27 stattfinden, am Anfang der siebenjährigen Trübsalszeit. Danach wird dann in der Mitte dieser Jahrwoche überdies noch dieses Erdbeben sich zutragen: Und zu derselben Stunde ward ein großes Erdbeben, und der zehnte Teil der Stadt fiel, und wurden getötet in dem Erdbeben siebentausend Menschen, und die andern erschraken und gaben Ehre dem Gott des Himmels. (Offb. 11, 13). Bei der siebten Zornesschale wird jedoch ein Erdbeben geschehen, das der Prophet Sacharja schon vorausgesagt hatte:

Und ihr werdet fliehen, wie ihr vorzeiten geflohen seid vor dem Erdbeben zur Zeit Usias, des Königs von Juda. Da wird dann kommen der Herr, mein Gott, und alle Heiligen mit ihm. Zu der Zeit wird weder Kälte noch Frost noch Eis sein. Und es wird ein einziger Tag sein - er ist dem Herrn bekannt! -, es wird nicht Tag und Nacht sein, und auch um den Abend wird es licht sein. (Sach. 14, 5-7). Dieses Erdbeben zur Zeit Usias bekundete der Prophet Amos am Anfang seiner Botschaft mit seiner Bezeugung: Dies ist's, was Amos, der unter den Schafzüchtern von Thekoa war, gesehen hat über Israel zur Zeit Usias, des Königs von Juda, und Jerobeams, des Sohnes des Joas, des Königs von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben. (Amos 1, 1). Über dieses Erdbeben sind allerdings keine Einzelheiten bekannt, außer daß es war zur Zeit des Königs Asarja, der auch den Namen Usia trug (2. Kön. 15, 1).

Johannes beschrieb diese gewaltige Erschütterung dann so: ... und ward ein großes Erdbeben, wie solches nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden gewesen sind, solch Erdbeben, so groß. Dazu kann man nur sagen: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus! Die Statistiken weisen nach, daß es zu keiner Zeit so viele Erdbeben gegeben hat, wie gerade in unserem Jahrhundert. Genaue Einzelheiten wurden schon in Kapitel 6 aufgelistet und sind dort zu ersehen. Dieses Mal jedoch wird die Erde bis in die Grundfesten erschüttert werden. Es macht den Anschein, als würde sich in diesem Gericht die Erdoberfläche sehr einschneidend verändern. Vielleicht rücken die Kontinente wieder zusammen, wie sie zu Beginn der Schöpfung waren.

Am dritten Tage der Schöpfung ereignete sich dies: Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, daß man das Trockene sehe. Und es geschah so. Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer. Und Gott sah, daß es gut war. (1. Mose 1, 9-10). Damals gab es möglicherweise nur einen Kontinent, der von Meeren umgeben war.

Der Prophet Jesaja hatte auch schon dieses zukünftige Gottesgericht über die Erde geschaut und so beschrieben: Denn die Fenster in der Höhe sind aufgetan, und die Grundfesten der Erde beben. Es wird die Erde mit Krachen zerbrechen, zerbersten und zerfallen. Die Erde wird taumeln wie ein Trunkener und wird hin und her geworfen wie eine schwankende Hütte; denn ihre Missetat drückt sie, daß sie fallen muß und nicht wieder aufstehen kann. Zu der Zeit wird der Herr das Heer der Höhe heimsuchen in der Höhe und die Könige der Erde auf der Erde, daß sie gesammelt werden als Gefangene im Gefängnis und verschlossen werden im Kerker und nach langer Zeit heimgesucht werden. (Jes. 24, 18-22).

In der deutschen Illustrierten "Quick" vom 2. September 1976 wurde schon gesagt: Hersteller von Präzisionsuhren kamen nämlich dahinter, daß sich die Erde längst nicht mehr so präzise dreht wie früher, sondern der Planet gleichsam in ausgeschlagenen Lagern rotiert. Ursache: Die festen Punkte der Erdachse - der Nord- und der Südpol - wandern ständig und versetzen damit den Planeten in taumelnde Bewegungen. Messungen der US-Physiker Mansinha und Symilie bestätigen inzwischen, "daß zwei Drittel der zwischen 1957 und 1968 registrierten Taumelbewegungen als Auslöser von Erdbeben betrachtet werden können". Dieser Effekt wird noch durch die im Dritten Weltkrieg bevorstehenden Atombomben-Einsätze verstärkt werden.

Und aus der großen Stadt wurden drei Teile, und die Städte der Heiden fielen. Es wurden auch hier schon mehrere Meinungen geäußert. Die "große Stadt" ist jedoch zweifelsohne Jerusalem, denn diese wird getrennt erwähnt von den Städten der Heiden. Die "Städte der Nationen" (Bruns und Konkordantes NT) bzw. die "Städte der Völker" (Menge) schließen auch Babylon oder Rom mit ein, aber nicht Jerusalem.

Um alle diesbezüglichen Irrtümer auszuschließen, wird an Kapitel 11 (Offb. 11, 8) erinnert. Dort wurde die Stadt nämlich so bezeichnet: Und ihre Leichname werden liegen auf der Gasse der großen Stadt, die da geistlich heißt: Sodom und Ägypten, wo auch ihr Herr gekreuzigt ist. Das ist Jerusalem; keine andere Stadt kann es sein.

Zur Zeit Daniels weissagte der Prophet Haggai: Denn so spricht der Herr Zebaoth: Es ist nur noch eine kleine Weile, so werde ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene erschüttern. Ja, alle Heiden will ich erschüttern. (Hagg. 2, 6-7). Das wird jetzt erst am Ende unseres Zeitalters durch dieses große Erdbeben geschehen.

Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem: Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben. und alle Heiden werden herzulaufen. (Jes. 2, 1-2). Ebenso der Prophet Micha: In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen. (Micha 4, 1). Das Erdbeben bewirkt auch das.

Der Prophet Sacharja hat weitere Einzelheiten vorausgesagt: Und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, vom Osten bis zum Westen, sehr weit auseinander, so daß die eine Hälfte des Berges nach Norden und die andere nach Süden weichen wird. Und das Tal Hinnom wird verstopft werden, denn das Tal wird an die Flanke des Berges stoßen. (Sach. 14, 4-5). Sacharja erklärte außerdem: Zu der Zeit werden lebendige Wasser aus Jerusalem fließen, die eine Hälfte zum Meer im Osten und die andere Hälfte zum Meer im Westen, und so wird es sein im Sommer und im Winter. (Sach. 14, 8). Das alles wird bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu Christi eintreten.

Dr. P. de Benoit erklärte dazu: Beim Erdbeben von 1927, das auf dem Ölberg großen Schaden angerichtet hat, scheint sich ein leichter Querspalt in diesem Berge gebildet zu haben, was ein Vorspiel zur Bildung des neuen Tales sein könnte, die Sach. 14, 4 ankündigt. Das wird inzwischen auch von einigen Geologen bestätigt.

Durch den Propheten Hesekiel wurde das alles bestätigt: Und er führte mich wieder zu der Tür des Tempels. Und siehe, da floß ein Wasser heraus unter der Schwelle des Tempels nach Osten; denn die vordere Seite des Tempels lag gegen Osten. Und das Wasser lief unten an der südlichen Seitenwand des Tempels hinab, südlich am Altar vorbei. (Hes. 47, 1). Dann bezeugte er diese Worte des Herrn: Und er sprach zu mir: Dies Wasser fließt hinaus in das östliche Gebiet und weiter hinab zum Jordantal und mündet ins Tote Meer. Und wenn es ins Meer fließt, soll dessen Wasser gesund werden. (Hes. 47, 8). Das wird in dem Tausendjährigen Friedensreich sein.

Der Apostel Johannes sah zudem dann noch: ... und die Städte der Heiden fielen. Das bedeutet gewiß, daß durch dieses große Erdbeben auch alle Städte der Heiden zerstört werden. Man kann sich das kaum vorstellen, so schrecklich wird das sein, wenn alle Städte der Völker zusammenfallen. Dabei wird man an die zerbombten Städte in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert, die auch ein Anblick des Schreckens waren. Vielleicht hat jemand so etwas mit eigenen Augen gesehen.

Dann bezeugte Johannes auch: Und Babylon, der großen, ward gedacht vor Gott, ihr zu geben den Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zornes. Jetzt erst erfolgt das Gericht über Babylon, das schon in Kapitel 14 (Offb. 14, 8) als vollendet angekündigt wurde: Und ein zweiter Engel folgte nach, der sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große Stadt; denn sie hat mit dem Zorneswein ihrer Unzucht getränkt alle Völker. Im Urtext heißt es da nicht "Babylon, die große Stadt", sondern einfach "Babylon die Große", wie auch hier. Das wird ebenso bestätigt im Konkordanten Neuen Testament. Dort war es jedoch nur eine Vorankündigung des kommenden Gerichtes, das wahrscheinlich in der Mitte der Trübsalszeit stattfindet.

Gott gedenkt daran, daß "Babylon die Große" mit dem Zorneswein ihrer Unzucht alle Völker getränkt hat. Daher wird Gott dafür sorgen, ... ihr zu geben den Kelch mit dem Wein seines grimmigen Zornes. Diesen wird sie nun bis zur Neige, also bis zum bitteren Ende, austrinken müssen. Dann wird es keine Kirche mehr geben.

Nachdem das Tier, das aus dem Abgrund aufsteigt, die beiden Zeugen überwunden und getötet hat (Offb. 11, 7), wird der Antichrist wohl den Höhepunkt seiner Macht erreicht haben. Dann wird gesagt: ... und ward ihm gegeben, daß es mit ihm währte zweiundvierzig Monate lang. (Offb. 13, 5). Diese zweiundvierzig Monate oder dreieinhalb Jahre sind die Zeit seiner unumschränkten Weltherrschaft. Das ist dann die große Stunde des Antichristen, der sich von da an geradezu für unbesiegbar hält, ... und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so daß er sich setzt in den Tempel Gottes und vorgibt, er sei Gott. (2. Thess. 2, 4). Von dem Zeitpunkt an wird er gewiß auch gegen "Babylon die Große", die Welteinheitskirche der Endzeit einschreiten. Diese wird nämlich bestimmt heftig Einspruch erheben gegen seine religiösen Machtansprüche. Der Fall Babylons als abtrünniges religiöses System aller Namenschristen unter Führung der römisch-katholischen Kirche (Babylon = Rom) findet schon zu Beginn der letzten halben Jahrwoche nach Daniel 9, 27 statt, während das mit Babylon als politischer Macht erst an deren Ende geschieht. Jetzt anschließend wird dieser Kampf dann in den Kapiteln 17 und 18 genau geschildert.

Der Apostel Johannes berichtete nun weiter: Und alle Inseln entflohen, und keine Berge wurden mehr gefunden. Der Prophet Sacharja verkündete dann auch dieses Geschehen für die Zukunft: Und der Herr wird König sein über alle Lande. Zu der Zeit wird der Herr der einzige sein und sein Name der einzige. Und das ganze Land wird verwandelt werden in eine Ebene, von Geba bis nach Rimmon im Süden. Aber Jerusalem wird hoch liegen und an seiner Stätte bleiben, vom Tor Benjamin bis an die Stelle des ersten Tors, bis an das Ecktor, und vom Turm Hananel bis an des Königs Kelter. Und man wird darin wohnen; es wird keinen Bann mehr geben, denn Jerusalem wird ganz sicher wohnen. (Sach. 14, 9-11). Das hatte er schon zuvor angedeutet: Aber Jerusalem soll auch fernerhin bleiben an seinem Ort. (Sach. 12, 6).

Pastor John Theobald erklärte in seinem Buch: Mitternacht ist's auf der Weltenuhr: Im biblischen Sprachgebrauch wird das Wort "Inseln" manchmal auch für Länder auf den Kontinenten benutzt. Möglicherweise werden nun sogar ganze Kontinente betroffen sein, wenn alle Inseln entfliehen. Die Berge werden auch alle verschwinden, und die tiefen Täler heben sich. Wenn keine Berge mehr gefunden werden, so bedeutet das ebenfalls, man wird sich nicht darin "verbergen" können. Doch darin sind zugleich alles Vorbereitungen für das Tausendjährige Friedensreich zu sehen.

Der Prophet Jesaja weissagte überdies dann noch: Und es werden auf allen großen Bergen und auf allen hohen Hügeln Wasserbäche und Ströme fließen zur Zeit der großen Schlacht, wenn die Türme fallen werden. Und des Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein, und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird. (Jes. 30, 25-26). Auch das wird später im Tausendjährigen Friedensreich eintreten.

Johannes sagte dann: Und ein großer Hagel wie Zentnerstücke fiel vom Himmel auf die Menschen; und die Menschen lästerten Gott über der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß. Bei diesen schrecklichen Gerichten werden große Veränderungen geschehen, wie bereits beschrieben. Es hieß zuvor: und die Städte der Heiden fielen. Die Menschen werden dann möglichst schnell aus den Häusern stürmen, um sich draußen in Sicherheit zu bringen. Wer je von einem starken Erdbeben betroffen war, der weiß, daß man dabei den instinktiven Drang verspürt, ins Freie zu flüchten. Doch geraten sie dort in eine neue Gefahr, die niemand erwartet.

Stellen wir uns einmal die Todesangst der Menschen vor, wenn da plötzlich zentnerschwere Eisbrocken herabstürzen. Dann wird es bestimmt keine Zuflucht mehr geben, sondern das Verderben wird sie ereilen. Gemäß der Lutherbibel erklärt ist ein Zentner (hebr. kikkar) nach gefundenen Gewichtssteinen wohl ungefähr 35 kg. Die Schleudersteine der römischen Wurfmaschinen bei Belagerungen waren auch so schwer; die dadurch verursachten Verwüstungen kann man sich noch ansehen.

Der Prophet Jeremia hatte das Gericht so vorausgesehen: Ich schaute das Land an, siehe, es war wüst und öde, und den Himmel, und er war finster. Ich sah die Berge an, und siehe, sie bebten, und alle Hügel wankten. Ich sah, und siehe, da war kein Mensch, und alle Vögel unter dem Himmel waren weggeflogen. Ich sah, und siehe, das Fruchtland war eine Wüste, und alle seine Städte waren zerstört vor dem Herrn und vor seinem grimmigen Zorn. Denn so spricht der Herr: Das ganze Land soll wüst werden, aber ich will mit ihm doch nicht ganz ein Ende machen. (Jer. 4, 23-27). Demnach wird das Land zeitweilig in eine menschenleere Wüste verwandelt.

Dieser schrecklichste Hagel aller Zeiten bringt die unbußfertige Menschheit nicht zur Umkehr, sondern bewirkt eher eine noch größere Verstockung. Es scheint, daß die Verbitterung der Menschen und ihre Feindschaft wider Gott nur immer größer wird. Wir hörten zuerst: Und die Menschen wurden versengt von großer Hitze und lästerten den Namen Gottes, der Macht hat über diese Plagen, und taten nicht Buße, ihm Ehre zu geben. (Vers 9). Dann, bei der fünften Zornesschale: ... und lästerten Gott im Himmel um ihrer Schmerzen und ihrer Schwären willen und taten nicht Buße für ihre Werke. (Vers 11). Und jetzt am Schluß: ... und die Menschen lästerten Gott über der Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß. Daran erkennt man aber auch, daß die Strafgerichte allein noch keinen Menschen mit Gott versöhnen und für Gott gewinnen, selbst das Androhen einer ewigen Höllenstrafe nicht.

Die Plage des Hagels, denn seine Plage ist sehr groß, ist das Ende der Gerichte vor dem sichtbaren Wiederkommen Jesu Christi in Herrlichkeit. Die zeitliche Abfolge oder die chronologische Reihenfolge der Ereignisse wurde wiederum unterbrochen, so daß wir jetzt eigentlich schon zu Kapitel 19 (Offb. 19, 11-18) übergehen müßten.

Doch zuvor kommt in den nächsten Kapiteln das Gericht über das große Babylon, das teilweise bereits etwa dreieinhalb Jahre vor dem Ende begonnen haben wird.
 

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