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Kapitel 15

In diesem Kapitel sah der Apostel Johannes die Vorbereitung der letzten Gerichte, die dann in Kapitel 16 genau geschildert werden. Sein Zeugnis beginnt mit diesen Worten:

Und ich sah ein anderes Zeichen am Himmel, das war groß und wundersam: sieben Engel, die hatten die letzten sieben Plagen, denn mit denselben ist vollendet der Zorn Gottes. (Offb. 15, 1).

Der Blick des Johannes war weiterhin zum Himmel gerichtet. Dort sah er ein anderes Zeichen, das war groß und wundersam. Der Seher auf Patmos hatte zuvor schon zwei Zeichen wahrgenommen. Als erstes erschien ein großes Zeichen am Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen (Offb. 12, 1). Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen (Offb. 12, 3). Dann sah er hier nun ein drittes Zeichen, von dem er sagt, daß es groß und wundersam ist. Es ist aufschlußreich, daß in der Heilsgeschichte des öfteren von drei Zeichen die Rede ist:

Mose bekam drei Zeichen seiner Berufung, die im 2. Buch Mose beschrieben sind, dessen lateinischer Name: Exodus = Auszug lautet. Besonders in Kapitel 4 erfährt man seine Bedenken: Das Volk Israel werde nicht glauben, daß JaHWeH, der Herr, ihm erschienen sei. Gott beseitigte diesen Einwand durch Verleihung von drei Zeichen, um die göttliche Sendung des Mose zu beglaubigen: a) die Verwandlung seines Stabes, eines Stockes, in eine Schlange und umgekehrt. Deutung: Der verholzte oder wörtlich: der verstockte Pharao wird beweglich (2. Mose 4, 2-5). b) Die Hand wird aussätzig und wieder rein. Deutung: Das Volk wird so aus dem leiblichen und geistigen Elend durch Vergebung rein, erlöst werden (2. Mose 4, 6-7). c) Das Wasser aus dem Nil wird auf dem trockenen Land in Blut verwandelt. Deutung nach 3. Mose 17, 11: Das Volk erhält neues Leben, denn das Leben ist im Blut (2. Mose 4, 8-9).

Gideon bekam ebenfalls drei Zeichen, mit denen Gott seine Nähe zusicherte. Zuerst fuhr Feuer aus dem Fels und verzehrte seine Gabe (Richter 6, 21). Dann war einmal Tau in der Wolle und der ganze Boden umher trocken. Ein anderes Mal war es umgekehrt, die Wolle war trocken und Tau war auf dem ganzen Boden (Richter 6, 36-40). So war es auch, als Saul zum König gesalbt wurde, tat ihm der Prophet Samuel zugleich drei Zeichen kund, und alle diese Zeichen trafen ein an demselben Tag (1. Samuel 10, 1-16). Der Herr Jesus nannte gleichfalls drei Zeichen, die demnach den Beginn, die Mitte und das Ende der Trübsal ankündigen werden. Er sagte nämlich: 1.) Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen. (Matth. 24, 14). Sodann noch: 2.) Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, von dem gesagt ist durch den Propheten Daniel (Dan. 9, 27; 11, 31) - wer das liest, der merke auf! -. (Matth. 24, 15). Schließlich dann: 3.) Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. (Matth. 24, 30).

Das Zeichen, das Johannes nun sah, ist also groß und wundersam. Groß, denn dieses enthält viel mehr als das bisher Geschaute. Wundersam, weil nun erstaunliche Einzelheiten der letzten Gerichte Gottes für diese gegenwärtige Welt enthüllt werden. Dadurch erfolgt die Inbesitznahme der Weltreiche, die bei der siebenten oder letzten Posaune bereits angekündigt worden ist: Es sind die Reiche der Welt unsers Herrn und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Offb. 11, 15). Das geschieht unmittelbar nach den hier erwähnten Gerichten.

Das Zeichen selbst besteht dann zunächst aus sieben Engeln, die hatten die letzten sieben Plagen, denn mit denselben ist vollendet der Zorn Gottes. Die sieben Engel gleichen denjenigen, denen zuvor in Kapitel 8 (Offb. 8, 2) die sieben Posaunen gegeben wurden. Man kann jedoch keinesfalls mit Sicherheit sagen, daß es dieselben Thronengel sind. Kein Ausleger scheint sich da eindeutig festzulegen. Daher stellte beispielsweise Walter Schäble die Frage, ob es dieselben sind, ohne allerdings eine Antwort darauf zu geben. Jedenfalls sind es doch wichtige Engel, denen die letzten sieben Plagen anvertraut wurden, denn mit denselben ist vollendet der Zorn Gottes.

Dieser Zorn Gottes geht jedoch dem Zorn des Lammes direkt voraus. Nach Kapitel 6 (Offb. 6, 16-17) dachten die Menschen, der Zorn des Lammes sei bereits zu jener Zeit schon gekommen, aber der wird dann erst öffentlich sichtbar, wenn das Lamm Gottes in Kapitel 19 (Offb. 19, 11) persönlich aus dem Himmel erscheint. Der wahre Triumphator kommt genauso auf einem weißen Pferde. Sodann tritt er die Kelter voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen (Offb. 19, 15). Bis dahin geht es immer um den Zorn Gottes, wie er sich so am Ende der Trübsal zeigt.

Als der Prophet Sacharja das künftige Heil für das Volk Gottes verkündigte, sprach er auch schon von diesem Zorn Gottes: Und es geschah des Herrn Wort: So spricht der Herr Zebaoth: Ich eifere für Zion mit großem Eifer und eifere um seinetwillen in großem Zorn. So spricht der Herr: Ich kehre wieder auf den Zion zurück und will zu Jerusalem wohnen, daß Jerusalem eine Stadt der Treue heißen soll und der Berg des Herrn Zebaoth ein heiliger Berg. (Sach. 8, 1-3). Das ist einzig der Tempelberg, auf dem jetzt noch der Felsendom steht, eines der Heiligtümer der Mohammedaner.

An dieser Stelle sei nun noch einmal an den ausdrücklichen Willen Gottes erinnert: Denn Gott hat uns nicht gesetzt zum Zorn, sondern das Heil zu gewinnen durch unsern Herrn Jesus Christus. (1. Thess. 5, 9). Dieser hat gesagt: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubet dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. (Joh. 5, 24). Solange es "heute" heißt, ist noch Zeit dazu.

Als Kommentar zu diesem Vers (Offb. 15, 1) schrieb der Kirchenvater Victorinus (gest. ca. 303 n. Chr.): Denn der Zorn Gottes schlägt immer die hartnäckigen Menschen mit sieben Plagen, d. h. vollkommen, wie es in 3. Mose (Leviticus) heißt; und diese werden in der letzten Zeit stattfinden. Dort wird dem Volke Israel gesagt: Und wenn ihr mir zuwiderhandelt und mich nicht hören wollt, so will ich euch noch weiter schlagen (oder: plagen), siebenfältig, um eurer Sünden willen. (3. Mose 26, 21). Etwas weiter wiederholt der Herr, der Gott Israels: Werdet ihr euch aber damit noch nicht von mir zurechtbringen lassen und mir zuwiderhandeln, so will auch ich euch zuwiderhandeln und will euch siebenfältig mehr schlagen um eurer Sünden willen. (3. Mose 26, 23-24). Diese ernste Warnung gilt auch heute noch allen Menschen, besonders jedoch dem Volke Israel während der siebenjährigen Trübsalszeit.

Johannes fährt dann mit seinem Zeugnis fort, indem er nun noch dieses berichtet:

Und ich sah, und es war wie ein gläsernes Meer, mit Feuer gemengt; und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sprachen: Groß und wundersam sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden. (Offb. 15, 2-4).

In Kapitel 4 (Offb. 4, 6) hieß es bereits: Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich dem Kristall. Hier darf man das Wörtchen "wie" nicht übersehen. Wenn in der Offenbarung von einem Meer gesprochen wird, dann ist damit immer das Völkermeer gemeint. Jetzt ist es zwar auch durchsichtig, jedoch mit Feuer gemengt. Es ist in dieser Stunde nicht vom reinen Licht der Herrlichkeit durchstrahlt, sondern ganz vom verzehrenden Feuer des Zornes Gottes durchglüht. So lautet es: ... denn unser Gott ist ein verzehrend Feuer. (Hebr. 12, 29). Das Völkermeer wird nun durch das heilige Feuer der Gerichte Gottes geläutert. In Kapitel 8 (Offb. 8, 5) nahm der Engel das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde. In Kapitel 16 (Offb. 16, 8) wird dann gesagt: Und der vierte Engel goß aus seine Schale in die Sonne, und ward ihr gegeben die Menschen zu versengen mit Feuer. Wer durch dieses Feuer geläutert ist, der darf an dem Meer stehen.

Und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen. Nach dem Urtext ist da besser zu lesen, daß sie den Sieg "von dem Tier, Bild, Malzeichen weg" behalten haben. Sie ließen sich nicht "gleichschalten", sondern waren wohl als "die übrigen von ihrem Geschlecht" (Offb. 12, 17) der Verfolgung durch den Drachen ausgesetzt. Dabei ist zu bedenken, daß die bekehrten Heiden im geistlichen Sinne auch zu dem Geschlecht oder Samen des Weibes gehören. Aus diesem Grunde handelt es sich hier doch sicher um die unzählbare Schar, der wir bereits in Kapitel 7 (Offb. 7, 9-17) begegnet sind. Johannes sah dort in der Vorausschau eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen, die aus der großen Trübsal gekommen war. Diese Heiligen hatten des Tieres Bild nicht angebetet und wurden daher getötet, wie in Kapitel 13 (Offb. 13, 15) ausdrücklich von ihnen gesagt ist. Jetzt dürfen sie an dem Meer sein.

So wie ich es derzeit sehe, sind sie aus der großen Trübsal gekommen und können nur dieselben sein, die dann auch noch in Kapitel 20 (Offb. 20, 4) erwähnt werden: Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier noch sein Bild und nicht genommen hatten sein Malzeichen an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Diese Menschen hatten doch den Sieg behalten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, denn sie waren unüberwindbar. Sie hatten dem Drachen widerstanden bis aufs Blut, sind um Jesu willen verfolgt worden, waren trotzdem treu bis in den Tod.

Johannes sah sie an dem gläsernen Meer stehen, wobei das Wörtchen "wie" nicht unbeachtet bleiben sollte. Dieses offene Meer war zwar von der Zornesglut Gottes durchleuchtet, doch hatten diese Überwinder bereits Gottes Harfen. Es sind göttliche Harfen, weil Gott selbst sie ihnen verliehen hat und weil sie für seinen Dienst bestimmt sind. Sie sollen vollständig zur Verherrlichung Gottes eingesetzt werden.

In der Offenbarung wird an drei Stellen jeweils eine Gruppe von Harfenspielern erwähnt, wobei es sich allemal um Heilige im Himmel handelt. In Kapitel 5 (Offb. 5, 8) fielen voller Ehrfurcht die vier Cherubgestalten und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeglicher hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen. Ohne dazu besonders aufgefordert zu werden, sangen sie bereits ein neues Lied. Es werden dort zwar nur die vierundzwanzig Ältesten erwähnt, aber trotzdem darf man sie sicherlich als stellvertretend für alle erretteten Heiligen aller Zeiten betrachten, die ihnen vorausgegangen sind.

Johannes vernahm in Kapitel 14 (Offb. 14, 2) eine Stimme, wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen, und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Gestalten und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. Es könnte sein, daß es sich dabei um die inzwischen entrückte Gemeinde Jesu Christi handelt, somit noch weitere vollendete Heilige. Diese könnten dann durchaus ebenso die zweite Gruppe von Kapitel 7 (Offb. 7, 9-17) sein, die währenddessen dieses neue Lied gelernt hat.

Die an dieser Stelle erwähnte dritte Gruppe könnte abermals mit denen von Kapitel 14 (Offb. 14, 2) übereinstimmen. Sie standen bei dem Lamm und sangen vielleicht schon das Lied des Lammes. Alle diese verschiedenen Gruppen von Harfenspielern singen Erlösungslieder in vollkommener Harmonie. Wie schön ist es jetzt zu sehen, daß das erste Lied in der Bibel das von Mose ist, wie auch das letzte Lied, das darin erwähnt ist. Es ist im wesentlichen immer dasselbe Erlösungslied, weil es alltäglich von Menschen gesungen wird, die durch den Tod zum Leben durchgedrungen sind.

Johannes hörte sie nun auch singen: Und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes und sprachen: Groß und wundersam sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen preisen? Denn du allein bist heilig! Sie sangen also nicht nur das Lied des Mose. Nun haben sie die ganze Heilsgeschichte hinter sich gebracht und ein neues Lied gelernt: das Lied des Lammes. War das geschlachtete Lamm nicht das Mittel, durch das die Kinder Israel erlöst wurden und durch das jetzt auch alle Gläubigen erlöst werden?

Viele Ausleger denken hier an 2. Mose 15 wegen der Parallelen (vgl. z. B. Vers 4 mit 2. Mose 15, 11) und weil das ganze Kapitel 15 auf die unmittelbare Zeit nach dem Auszug aus Ägypten hin orientiert ist. Das Lied von 2. Mose 15 wurde früher in den Synagogen an jedem Sabbat im Gottesdienst (nachmittags etwa 15.00 Uhr) gesungen, um Gottes souveräne (= überlegene) Herrschaft über das Weltall zu feiern, wo die Erlösung aus Ägypten den Juden daran erinnert: Wie die Erlösung aus Ägypten mit den göttlichen Gerichtsplagen über die Feinde Israels damals für den Juden ein Vorbote von Gottes gerechter Herrschaft über die Welt wurde, so werde auch Gottes letzte Gerichtsserie die erneute Erlösung des Volkes Gottes bewirken und damit auch seine gerechten Taten in der Geschichte offenbaren. Das wird natürlich jubelnde Lobgesänge zu Gott hervorrufen bei den Überwindern des Tieres.

Weil die Überwinder alles Gläubige sind, die aus dem Tod auferstanden sind, so ist es auch interessant, daß nach der jüdischen Tradition 2. Mose 15 die Lehre von der Auferstehung in sich trägt, z. B. Vers 13: Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast, und hast sie geführt durch deine Stärke zu deiner heiligen Wohnung. Das ganze Lied von 2. Mose 15 hatte denn auch schon sehr früh einen Platz in der kirchlichen Osterliturgie gefunden. Jesu Worte stellen eine Verbindung zwischen Überwindung und Auferstehung her: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Joh. 16, 33). Beispielhaft war die Lammesart, vereint mit dem Gehorsam des Gerechten, der zur Auferstehung führte.

Dieses neue Lied des Lammes hat die Form einer poetischen Hymne. Der in Vers 4 gestellten rhetorische Frage (= Scheinfrage) folgen drei Antworten, die jeweils mit dem griechischen: hoti = hoti (denn, weil) beginnen. So steht fast jede Zeile dieser Hymne auch in den Psalmen und Propheten, etwa Psalm 86, 9 od. 92, 5, Mal. 1, 11. Jedenfalls ist die Vorausschau auf die Überwinder der großen Trübsal zu erkennen.

Dann sangen sie noch voraussagend: Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden. Das besagt natürlich nicht, daß alle Menschen errettet sind, bzw. im Sinne der Allversöhnungslehre noch alle selig werden. Für die meisten wird eine Sinnesänderung nun doch zu spät kommen, wie im nächsten Kapitel dann leider zu ersehen ist. Dennoch werden alle Völker im Tausendjährigen Friedensreich nach Jerusalem kommen. Die Propheten des Alten Testamentes haben das schon Tausende Jahre vorher gewiß vorausgesagt:

Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem: Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Jes. 2, 1-4). Das hat auch Micha so gesagt:

In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des Herrn Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über die Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen, und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, laßt uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. (Micha, 4, 1-3). Der Prophet Sacharja hat es auch so ähnlich voraussehen können:

So spricht der Herr Zebaoth: Es werden noch viele Völker kommen und Bürger vieler Städte, und die Bürger einer Stadt werden zur andern gehen und sagen: Laßt uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir selben wollen hingehen. So werden viele Völker, Heiden in Scharen, kommen, den Herrn Zebaoth in Jerusalem zu suchen und den Herrn anzuflehen. So spricht der Herr Zebaoth: Zu der Zeit werden zehn Männer aus allen Sprachen der Heiden einen jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewandes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, daß Gott mit euch ist. (Sach. 8, 20-23). Sodann weiter:

Und alle, die übriggeblieben sind von allen Heiden, die gegen Jerusalem zogen, werden jährlich heraufkommen, um anzubeten den König, den Herrn Zebaoth, und um das Laubhüttenfest zu halten. Aber über das Geschlecht auf Erden, das nicht heraufziehen wird nach Jerusalem, um anzubeten den König, den Herrn Zebaoth, über das wird's nicht regnen. Und wenn das Geschlecht der Ägypter nicht heraufzöge und käme, so wird auch über sie Plage kommen, mit der der Herr alle Heiden schlagen wird, wenn sie nicht heraufkommen, um das Laubhüttenfest zu halten. (Sach. 14, 16-19). Das kommt mit dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi.

Dann nahm der Apostel Johannes das Thema vom Anfang wieder auf, machte aber zugleich auch einen Neuanfang, indem er den neuen Bericht mit "danach" begann:

Danach sah ich: da ward aufgetan der Tempel, die Stiftshütte im Himmel, und es gingen aus dem Tempel die sieben Engel, die die sieben Plagen hatten, angetan mit reiner, heller Leinwand und umgürtet die Brust mit goldenen Gürteln. Und eine der vier Gestalten gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen voll vom Zorn Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und der Tempel ward voll Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Kraft; und niemand konnte in den Tempel gehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren. (Offb. 15, 5-8).

In Kapitel 11 (Offb. 11, 19) hatte Johannes bereits gesehen, wie der Tempel Gottes im Himmel aufgetan ward. Zunächst sah er dort die Bundeslade, nach der einst das irdische Abbild des himmlischen Gnadenthrones nachgebaut war. Deshalb heißt es in der Lutherbibel erklärt darüber: Die irdische Bundeslade in Israel war die Nachbildung des Thronsitzes Gottes (siehe 2. Mose 25, 10 ff.). Nun kommt ganz an den Tag, woher die Welt regiert wird. Im 2. Buch Mose (lat. Exodus = Auszug) hat der Herr zu Mose gesagt: Genau nach dem Bild, das ich dir von der Wohnung und ihrem ganzen Gerät zeige, sollt ihr's machen. (2. Mose 25, 9). Das wird überdies am Schluß dieses Kapitels dann ausdrücklich nochmals bestätigt: Und sieh zu, daß du alles machest nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist. (2. Mose 25, 40).

Im Luthertext von 1912 wird hier allerdings gesprochen von der dem: Tempel der Hütte des Zeugnisses im Himmel. Gerade diese himmlischen Symbole weisen auf den Bund Gottes mit seinem Volke hin, auf seine Treue bezüglich der Verheißungen, seine Treue gegenüber den Gerechten, aber auch auf seine Gerichte über die Ungerechten. Im Zusammenhang mit letzterem wird hier die Bezeichnung "Hütte des Zeugnisses" gebraucht, denn so wurde die Stiftshütte in der Wüste genannt. Es war die Hütte für das Zeugnis Gottes, sein heiliges Gesetz, nach dem er demnächst nicht nur das unbußfertige Israel, sondern auch die ganze Welt richten wird. Diese Forderung seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit verurteilt eine Menschheit, die auch heute noch das Zeugnis des Willens Gottes bewußt ablehnt. Mit "Tempel" (griech. naoV = naos, das eigentliche Tempelgebäude oder Heiligtum) wird hier besonders auf das Allerheiligste der Stiftshütte hingewiesen. Das Öffnen des Tempels bedeutet dann sozusagen das Weg- oder Hochziehen des Vorhanges, damit der Ursprung der Gerichte aufgedeckt wird. Von dort aus handelt Gott mit der Erde im Gericht.

Mit Blick auf das himmlische Heiligtum sah Johannes dann und bezeugte: und es gingen aus dem Tempel die sieben Engel, die die sieben Plagen hatten, angetan mit reiner, heller Leinwand und umgürtet die Brust mit goldenen Gürteln. Diese Engel hatten bereits die letzten sieben Plagen, wohl bevor sie aus den Tempel herauskamen. Jetzt sind sie jedoch angetan mit reiner, heller Leinwand und umgürtet die Brust mit goldenen Gürteln. Sie sind rein, damit sie das Gericht erst recht über die Unreinen ausüben können. Das Gold zeugt von der Herrlichkeit Gottes, die sie dazu befähigt und bewegt hat. Die Gürtel reden von der Bereitschaft zum Hinwegeilen im Dienst für ihren Herrn. So war es auch bereits beim Auszug aus Ägypten, vgl. 2. Mose 12, 11. Auch Paulus weist darauf hin in seinem Brief an die Epheser: So stehet nun, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und an den Beinen gestiefelt, als fertig, zu treiben das Evangelium des Friedens. (Eph. 6, 14). Darauf macht dann auch Petrus aufmerksam in seinem ersten Brief: Darum so begürtet die Lenden eures Gemütes, seid nüchtern und setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi. (1. Petr. 1, 13). Es deutet auf einen priesterlichen Auftrag.

Sie haben damit eine Würde, die mit der Beschreibung Jesu in Kapitel 1 (Offb. 1, 13) vergleichbar ist. Dort wurde nämlich gesagt: ... der war eines Menschen Sohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Es ist zugleich ein königliches Kleid, das diese Engel für diesen Dienst tragen, denn sie sollen im Auftrage Gottes für Gerechtigkeit sorgen. Mit diesem Gewand könnte Jesus durchaus bei seiner Wiederkunft bekleidet sein.

Dann bezeugte er weiter, was er daraufhin wahrgenommen hat: Und eine der vier Gestalten gab den sieben Engeln sieben goldene Schalen voll vom Zorn Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und der Tempel ward voll Rauch von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Kraft; und niemand konnte in den Tempel gehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren. Ein unerwarteter Anblick für Johannes, der doch früher den Priesterdienst im Tempel erlebt hatte. Diesmal erkannte er einen der vier Cherubim, der Thronengel Gottes, wieder. Nur eine Weile vorher war er diesen in Kapitel 4 (Offb. 4, 6-11) begegnet, als sie noch alle um den Thron Gottes standen. Johannes bemerkte jetzt, wie einer dieser göttlichen Thronengel eine etwas eigenartige Handlung vornahm. Er gab nämlich den sieben wichtigen Engeln, die die sieben Plagen hatten, nun zugleich sieben goldene Schalen voll vom Zorn Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Johannes hatte dann in Kapitel 5 (Offb. 5, 8) die vier Cherubgestalten und die vierundzwanzig Ältesten gesehen mit goldenen Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen. Diese Gebete der Heiligen wurden in Kapitel 8 (Offb. 8, 3) noch vervollständigt durch viel Räucherwerk, das einem Priesterengel gegeben wurde. Das war ehedem von der Glut des Brandopferaltars, der im Vorhof des Tempels stand.

Diese goldenen Schalen sind nun nicht mehr mit den Gebeten der Heiligen gefüllt, sondern sie sind voll vom Zorn Gottes, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Man hat auch übersetzt: der da lebt in die Zeitalter der Zeitalter. Oder, am deutlichsten: der da lebt durch alle Zeitalter hindurch. (Bruns). Mit "Schale" (griech. jialh = phialé) bezeichnete man eine weite, flache Schüssel wie ein Waschbecken, dessen Inhalt man schnell und einfach ausgießen konnte. Diese Bezeichnung wurde auch gebraucht für die Becken der Stiftshütte in der Wüste (siehe hierzu 4. Mose 7, 13).

Und der Tempel wurde mit Rauch gefüllt von der Herrlichkeit Gottes und von seiner Macht. Ähnlich war es bei der Berufung des Jesaja zum Propheten über Israel: Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauch. (Jes. 6, 4). So vernahm es der Prophet zu jener Zeit, als er von Gott unmißverständlich dazu berufen wurde, dem Volke Israel das bevorstehende Gericht mitzuteilen. Das war damals, wie auch gerade heute, die gerechte Antwort auf die Untreue und den Ungehorsam der Menschen. Die Welt hat Gottes Ehre in den Staub geworfen, seine Liebe mit Füßen getreten, seinen Ruf zur Buße mißachtet, zum anderen seine Gnade verschmäht und seine Langmut verstreichen lassen. Zuletzt nun offenbart Gott seine Gerechtigkeit im Gericht, wie schon zuvor zu vernehmen war: ... denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden. Darum ermahnet euch: ... solange es "heute" heißt, daß nicht jemand unter euch verstockt werde durch den Betrug der Sünde. (Hebr. 3, 13). Ein ernstes Wort gerade auch für unsere Tage.

Bei der Einweihung der Stiftshütte in der Wüste war es ganz ähnlich. Der Herr bekannte sich zu seinem Heiligtum, indem er es ganz ausfüllte oder erfüllte. Dies hat Mose dann so bezeugt: Da bedeckte die Wolke die Stiftshütte, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnung. Und Mose konnte nicht in die Stiftshütte hineingehen, weil die Wolke darauf ruhte und die Herrlichkeit des Herrn die Wohnung erfüllte. (2. Mose 40, 34-35). So war es auch noch bei der Einweihung des Tempels, den der König Salomo dem Herrn gebaut hatte: Als aber die Priester aus dem Heiligen gingen, erfüllte die Wolke das Haus des Herrn, so daß die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn. (1. Kön. 8, 10-11). Das wird genauso im zweiten Chronikbuch berichtet: ... und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus, so daß die Priester nicht ins Haus des Herrn hineingehen konnten, weil des Herrn Herrlichkeit das Haus des Herrn füllte. (2. Chron. 7, 1-2). Ähnlich hat es auch Hesekiel bezeugt, da er niederschrieb, was er gesehen hatte: Und die Herrlichkeit des Herrn erhob sich von dem Cherub zur Schwelle des Hauses, und das Haus wurde erfüllt mit der Wolke und der Vorhof mit dem Glanz der Herrlichkeit des Herrn. (Hes. 10, 4).

Und niemand konnte in den Tempel gehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren. Niemand konnte in den Tempel eintreten, denn es ist zu spät, um das Gericht noch aufzuhalten. Die Jubiläums-Bibel erklärt das so: Während dieses Vorgangs wird der himmlische Tempel voll Rauchs, zugleich aber für niemand zugänglich; die Gerichte sind unabwendbar, niemands Fürbitte kann sie mehr aufhalten (Jer. 15, 1). Dort bezeugte sodann der Prophet Jeremia: Und der Herr sprach zu mir: Und wenn auch Mose und Samuel vor mir stünden, so habe ich doch kein Herz für dies Volk. Treibe sie weg von mir, und laß sie weggehen! Und wenn sie zu dir sagen: Wo sollen wir hin?, dann antworte ihnen: So spricht der Herr: Wen der Tod trifft, den treffe er; wen das Schwert trifft, den treffe es; wen der Hunger trifft, den treffe er; wen die Gefangenschaft trifft, den treffe sie! Denn ich will sie heimsuchen mit viererlei Plagen, spricht der Herr: mit dem Schwert, daß sie getötet werden; mit Hunden, die sie fortschleifen sollen; mit den Vögeln des Himmels und mit den Tieren des Feldes, daß sie gefressen und vertilgt werden sollen. (Jer. 15, 1-3). Das ist wieder eine ernste Warnung für unsere Zeit, denn bei Gott gibt es ein "Zu-spät".

Diese vier schweren Strafen, diese viererlei Plagen, wendet Gott in Zeiten großer Gerichte an. Die Strafen beinhalten vier verschiedene, sich gegenseitig ergänzende Strafformen, die bereits in Kapitel 6 (Offb. 6, 7-8) genauestens aufgezeigt wurden. Wie im Zweiten Weltkrieg, so werden gewiß auch in dem nachfolgenden Vierten Weltkrieg (nach meiner Zählung), alle diese Strafen die unbußfertige Menschheit in Angst und Schrecken versetzen. Der Tod wird dann seine größte Ernte aller Zeiten in sein Reich einbringen können, obwohl die Bibel keine genauen Zahlen nennt.

Dr. H. H. Janzen sagte dazu erklärend: Der Tempel füllte sich mit der Herrlichkeit Gottes und seiner Kraft. Bisher war er der Ort der Fürbitte gewesen, die der Erlöser der Welt für sie vor Gott brachte. Nun kann niemand mehr in den Tempel eintreten als nur die Herrlichkeit und die Kraft Gottes, der das Gericht über die Menschheit durchführt. - Kein Opfer und keine Fürbitte kann mehr gebracht werden. Die Gnadenzeit für die Menschheit ist abgelaufen, der Tag des Heils ist verstrichen, und wehmütig werden wir an das Wort des Propheten Jeremia erinnert: "Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin, und uns ist keine Hilfe gekommen!" (Jer. 8, 20).

Und niemand konnte in den Tempel gehen, bis die sieben Plagen der sieben Engel vollendet waren. Während dieser letzten Gerichte konnte oder kann also niemand mehr in den Tempel gehen. Das heißt praktisch: Es kann niemand mehr Buße tun, niemand kann mehr um Gnade flehen. Mit diesen sieben Plagen, die nächstens auf die Erde ausgegossen werden, ist der Zorn Gottes vollendet. Der Gerechtigkeit des heiligen Gottes wird dann keine Boshaftigkeit der Menschen mehr entgegenstehen. Das Gebet des alttestamentlichen Volkes Gottes in schwerer Kriegsnot erfährt endlich eine Antwort, die dem tausendfachen Rufen Israels entspricht: Schütte deinen Grimm auf die Völker, die dich nicht kennen, und auf die Königreiche, die deinen Namen nicht anrufen. (Psalm 79, 6). So hatte es auch schon der Prophet Zephanja vor etwa 2 500 Jahren vorausgesagt: Darum wartet auf mich, spricht der Herr, bis auf den Tag, an dem ich zum letzten Gericht auftrete; denn mein Beschluß ist es, die Völker zu versammeln und die Königreiche zusammenzubringen, um meinen Zorn über sie auszuschütten, ja, alle Glut meines Grimmes; denn alle Welt soll durch meines Eifers Feuer verzehrt werden. (Zeph. 3, 8). Jetzt ist dieser Tag nahe.
 

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