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Kapitel 14

Auch in diesem Kapitel haben wir wieder eine Parenthese oder Einschaltung bzw. einen Einschub, der uns in einer weiteren Zwischenschau bereits einen herrlichen Ausblick auf das Ende der großen Trübsal gewährt. Der Seher Johannes bezeugte:

Und ich sah, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben an ihrer Stirn. Und ich hörte eine Stimme vom Himmel wie eines großen Wassers und wie eine Stimme eines großen Donners: Und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen, und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Gestalten und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. Diese sind's, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich, und folgen dem Lamme nach, wo es hingeht. Diese sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamm, und in ihrem Munde ist kein Falsch gefunden; sie sind unsträflich. (Offb. 14, 1-5).

Die Eröffnungsworte unterstreichen erneut die Wichtigkeit dieser Szene: Und ich sah, und siehe (auf Griechisch: eidon kai idou = eidon kai idou). Insgesamt wieder sieben Mal wurden so auf diese Weise besonders ergreifende Szenen einleitet (Offb. 4, 1; Offb. 6, 2 + 5 + 8; Offb. 7, 9 und Offb. 14, 1 + 14); beim achten Male stehen die Wörter weiter auseinander (Offb. 19, 11). Sodann erblickte der Apostel Johannes das Lamm, das er schon in Kapitel 5 gesehen hatte. Abermals steht hier das griechische Wort: arnion = arnion, das eigentlich nur "Lämmlein" bedeutet.

Das Lamm stand auf dem Berg Zion, doch auf welchem? Es gibt nämlich davon zwei; deshalb gehen auch hier die Meinungen auseinander. In einem der Psalmen lautet der Anfang so: Die auf den Herrn hoffen, werden nicht fallen, sondern ewig bleiben wie der Berg Zion. Wie um Jerusalem Berge sind, so ist der Herr um sein Volk her von nun an bis in Ewigkeit. (Psalm 125, 1-2). In einem anderen heißt es: Denn der Herr hat Zion erwählt, und es gefällt ihm, dort zu wohnen. "Dies ist die Stätte meiner Ruhe ewiglich; hier will ich wohnen, denn das gefällt mir. ... Dort soll dem David aufgehen ein mächtiger Sproß, ich haben meinem Gesalbten eine Leuchte zugerichtet; seine Feinde will ich in Schande kleiden, aber über ihm soll blühen seine Krone." (Psalm 132, 13-14 + 17-18). Das ist Jerusalem mit der Burg des Königs David; dabei denken wir zuerst an das irdische Jerusalem, wo er lebte.

Bei der Betrachtung von Kapitel 11 (Offb. 11, 19) wurde allerdings schon darauf hingewiesen, daß der irdische Tempel indessen nur ein Abbild des himmlischen war: Sie dienen aber nur dem Abbilde und Schatten des Himmlischen; wie Gottes Stimme zu Mose sprach, als er die Stiftshütte vollenden sollte (2. Mose 25, 40): "Schaue zu", sprach er, "daß du machest alles nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist." (Hebr. 8, 5). Deshalb wird ebenfalls im Hebräer-Brief gesagt: Sondern ihr seid gekommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und den vielen tausend Engeln und zu der Versammlung und Gemeinde der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das da besser redet als Abels Blut. (Hebr. 12, 22-24). Das ist also der himmlische Berg Zion mit der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, dort wo demnach auch die Geister der vollendeten Gerechten sind und der Mittler des neuen Bundes, Jesus. Er ist nun das Lamm, das Johannes auf dem Berge Zion sah.

Johannes sah sodann ... mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben an ihrer Stirn. Man denkt bei dieser Zahl zunächst an diejenigen, die versiegelt wurden in Kapitel 7 (Offb. 7, 4). Es fällt jedoch auf, daß hier der bestimmte Artikel (auf Deutsch: Geschlechtswort) fehlt, das Wörtchen "die" vor hundertvierundvierzigtausend. Das wiederum deutet eher darauf hin, daß es auch eine andere Gruppe sein könnte. Allerdings muß man hier auch die Worte Jesu bei seiner Ölbergrede berücksichtigen, als er von seinem Kommen in großer Kraft und Herrlichkeit sprach: Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. (Matth. 24, 31, so ähnlich auch Mark. 13, 27). Diese Auserwählten sind von allen Geschlechtern Israels, die dann am Ende der Trübsal auf dem irdischen Berge Zion versammelt sein könnten.

Johannes bezeugte dann noch: Und ich hörte eine Stimme vom Himmel wie eines großen Wassers und wie eine Stimme eines großen Donners: Und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen. Einige Ausleger setzen die hundertvierundvierzigtausend mit den Harfenspielern gleich, noch andere sehen hier einen Wechselgesang (= Antiphon) zwischen Himmel und Erde. Die Harfenspieler singen ihr Loblied jedenfalls im Himmel, und diese hundertvierundvierzigtausend, die auf dem Berge Zion stehen, lernen so dieses Lied von ihnen.

Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Gestalten und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. Die hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde, befinden sich nicht mehr dort, sondern im Himmel. Nach meiner Erkenntnis stellen diese hundertvierundvierzigtausend demnach eine andere Gruppe dar, als diejenigen, die versiegelt wurden in Kapitel 7 (Offb. 7, 4). An dieser Stelle wird nun der Einwand gemacht, wenn es um eine andere Gruppe ginge, dann hätte Johannes seinen oft gebrauchten Ausdruck "eine andere" eingefügt, also "andere hundertvierundvierzigtausend". Das muß aber gar nicht so sein.

Daß diese ... hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben an ihrer Stirn, stellt die Eigentums- und Wesensbezeichnung dar. Der Apostel Paulus erklärte in seinem Brief an die Gemeinde zu Ephesus diesen geheimen Ratschluß Gottes in Christus: In ihm seid auch ihr, da ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit - in ihm seid auch ihr, da ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unsers Erbes zu unsrer Erlösung, daß wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit. (Eph. 1, 13-14). Später mahnte er noch in demselben Brief: Und betrübet nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung. (Eph. 4, 30). Das sind die Erlösten von der Erde, die Gläubigen.

Hierbei werden wir ebenso an das Sendschreiben an die Gemeinde zu Philadelphia erinnert, in dem der erhöhte Herr den Überwindern zugesagt hat:... und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. (Offb. 3, 12). Das steht allerdings dann in einem scharfen Gegensatz zu den Anhängern des Tieres, die sein Malzeichen auf der rechten Hand und der Stirn tragen werden, wie wir in Kapitel 13 (Offb. 13, 16) gesehen haben.

In Kapitel 20 (Offb. 20, 4) wird außerdem gesagt: Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier noch sein Bild und nicht genommen hatten sein Malzeichen an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Meines Erachtens könnten es auch hier dieselben sein, die getötet wurden, die gekommen sind aus der großen Trübsal. Diese wird jedoch einmalig sein, wie Jesus seinen Jüngern im Verlaufe seiner Ölbergrede ausführlich erläuterte: Denn es wird alsdann eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher und auch nicht wieder werden wird. (Matth. 24, 15-21).

Von dem neuen Jerusalem, das vom Himmel herniederkommt, heißt es dann noch: Und der Thron Gottes und des Lammes wird darinnen sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sehen sein Angesicht, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. (Offb. 22, 3-4). Johannes beschrieb die Stimme dann so: Und ich hörte eine Stimme vom Himmel wie eines großen Wassers und wie eine Stimme eines großen Donners. Dieses große Wasser deutet wieder auf eine große Völkermenge hin, deshalb könnte die Zahl hundertvierundvierzigtausend hier wohl eine symbolische Bedeutung haben. Ähnliche Worte hat Johannes dann auch in Kapitel 19 bezeugt: Und ich hörte, und es war wie eine Stimme einer großen Schar und wie eine Stimme großer Wasser und wie eine Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat das Reich eingenommen! (Offb. 19, 6). Dieser große Donner bedeutet an anderer Stelle einfach das Gericht Gottes.

Der Prophet Jeremia, der gesetzt war über Völker und Königreiche (Jer. 1, 10), dem hatte der Herr gesagt: Und du sollst ihnen alle diese Worte weissagen und zu ihnen sprechen: Der Herr wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung. Er wird brüllen über seine Fluren hin; wie einer, der die Kelter tritt, wird er seinen Ruf erschallen lassen über alle Bewohner der Erde hin, und sein Schall wird dringen bis an die Enden der Erde. Der Herr wird mit den Völkern rechten und mit allem Fleisch Gericht halten; die Schuldigen wird er dem Schwert übergeben, spricht der Herr. (Jer. 25, 30-31). Ein Hinweis auf diesen Text.

In beiden Fällen ist jedoch wiederum auf das Wörtchen "wie" zu achten, wie eines großen Wassers und wie eine Stimme eines großen Donners. Demnach handelt es sich hierbei um Dinge, die der Apostel Johannes nicht anders beschreiben konnte. Es war kein großes Wasser und kein großer Donner, es war jedoch absolut ähnlich. Solche Stimmen hatte er ja schon vorher einmal gehört; in Kapitel 1 (Offb. 1, 15) klang es ebenso wie großes Wasserrauschen und in Kapitel 6 (Offb. 6, 1), auch wie mit einer Donnerstimme. Jetzt vernahm er etwas, was dem nun durchaus entsprach.

Und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen. Auch hier fällt sofort wieder das Wörtchen "wie" auf. Es klang also nur so, wie von Harfenspielern, die auf ihren Harfen spielen. Er vernahm deshalb wohl nur die Stimme von Gläubigen, die sich bereits im Himmel befanden und dann vor dem Throne Gottes ein neues Lied sangen. In Kapitel 5 (Offb. 5, 8-9) hatten auch schon die vier Gestalten, die Thronengel oder Cherubim und die vollendeten Heiligen, also die vierundzwanzig Ältesten, ein neues Lied gesungen. Möglicherweise hat jetzt die inzwischen entrückte Gemeinde Jesu Christi ebenfalls dieses neue Lied gelernt.

Jetzt heißt es von ihnen: ... und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Gestalten und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. Der Luthertext von 1912 und die Schlachter-Übersetzung haben hier ebenfalls: wie ein neues Lied. Es kann demnach durchaus das neue Lied von Kapitel 5 sein, das aber dann an dieser Stelle nicht mehr ganz so neu ist. Niemand konnte nun dieses Lied lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde. Hierbei könnte es sich allerdings sodann um die zweite Gruppe von Kapitel 7 (Offb. 7, 9-17) handeln, von denen dort sehr deutlich gesagt wird: Diese sind's, die gekommen sind aus der großen Trübsal. (Offb. 7, 14). Daher vielleicht ebenfalls mit hundertvierundvierzigtausend bezeichnet, sind sie jedoch von der Erde erkauft, demnach nur im Himmel anzutreffen. Nur die vierundzwanzig Ältesten haben Throne, diese allerdings nicht, siehe Kapitel 4 (Offb. 4, 4). Das würde dann auch erklären, warum es außerdem in Kapitel 7 heißt: ... vor dem Thron stehend und vor dem Lamm ... (Offb. 7, 9), nicht auf dem Thron, so nun auch hier: ... und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron.

Der Apostel Johannes beschrieb sie dann noch mit diesen Worten: Diese sind's, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, denn sie sind jungfräulich, und folgen dem Lamme nach, wo es hingeht. Diese sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamm, und in ihrem Munde ist kein Falsch gefunden; sie sind unsträflich. Damit ist jedoch keinesfalls das Zölibat der römisch-katholischen Priester gemeint, auch nicht die Ehelosigkeit schlechthin. Es geht hierbei ganz eindeutig um die Reinheit des Herzens, um eine heilige Gesinnung. Es sind die Erkauften beiderlei Geschlechts, daher weder Frauen, die sich mit Frauen nicht befleckt haben, noch Männer, die jungfräulich sind. In ungeteilter Liebe zu Jesus sind diese so trotz aller Anfechtung und Verführung ihm allein treu geblieben, wie die Braut des Lammes.

Die Ehe entspricht ausdrücklich dem Willen Gottes, denn im Bericht vom Paradies heißt es: Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. (1. Mose 2, 18). Außerdem wird berichtet: Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan ... (1. Mose 1, 28). Manche sehen darin das erste Gebot, das Gott den Menschen gab. Im Psalm wird dann verheißen: Dein Weib wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock drinnen in deinem Hause, deine Kinder wie junge Ölbäume um deinen Tisch her. Siehe, so wird gesegnet der Mann, der den Herrn fürchtet. (Psalm 128, 3-4). Heute ist der Kindersegen unerwünscht.

Seit etwa 30 Jahren ist in unseren Ländern die Geburtenziffer die niedrigste in der Welt. Entgegen beschwichtigenden Falschmeldungen bleibt festzuhalten, daß die Bevölkerung in Deutschland jedenfalls in einem rapiden Aussterbeprozeß steht, nicht etwa nur in einem langsamen Rückgang. Vor Gott jedoch ist der Selbstmord eines Volkes nicht zu verantworten, schon gar nicht mit dem unlauteren Hinweis auf die Übervölkerung anderer Weltregionen. Sollte es denn mit christlicher Verantwortung vor Gott zu vereinbaren sein, wenn manche nur wegen hoher Karriere- und Konsumansprüche auf Kinder verzichten, aber dennoch im Grunde erwarten, daß später einmal jüngere Menschen da sind, um sie zu pflegen und ihre Rente zu finanzieren? Wo der Segen der Elternschaft und die Freude an Kindern nicht mehr empfunden wird, zerbricht etwas von dem Wertvollsten und Schönsten, das Gott unserem Leben geschenkt hat. Das kann man nicht oft genug den Menschen sagen.

Diese sind erkauft aus den Menschen zu Erstlingen Gott und dem Lamm, und in ihrem Munde ist kein Falsch gefunden; sie sind unsträflich. Paulus schrieb dazu: Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen. (1. Kor. 15, 20). Die Jesus nachfolgen, sind also gleichfalls Erstlinge. Das bestätigte Jakobus: Er hat uns geschaffen nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf daß wir wären Erstlinge seiner Kreaturen. (Jak. 1, 18).

Wie bereits in Kapitel 10 (Offb. 10, 7) angesprochen, hat der Begriff "Erstling" jedoch auch die Bedeutung einer Opfergabe an Gott. In diesem Zusammenhang muß man ebenfalls beachten, daß dieses Opferlamm tadellos sein sollte. Gott hatte ausdrücklich geboten: Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. (2. Mose 12, 5). Das wird hier ebenfalls von diesen Erstlingen deutlich bezeugt, in ihrem Munde ist kein Falsch gefunden, sie sind unsträflich. Ähnliches hatte Johannes berichtet: Jesus sah Nathanael kommen und spricht von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in welchem kein Falsch ist. (Joh. 1, 47).

Der Apostel Johannes bestätigte weiter, was er danach im Himmel gesehen hatte:

Und ich sah einen andern Engel fliegen mitten durch den Himmel, der hatte ein ewiges Evangelium zu verkündigen denen, die auf Erden wohnen, und allen Nationen und Geschlechtern und Sprachen und Völkern und sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen! Und betet den an, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen! (Offb. 14, 6-7).

Nun stellt sich wiederum die Frage: Wer ist eigentlich dieser "andere" Engel? Bereits in Offb. 7, 2 und in Offb. 8, 3, wie auch in Offb. 10, 1, sind wir jeweils einem "anderen" Engel begegnet. Möglicherweise sind es immer verschiedene, die einen bestimmten Auftrag auszuführen haben. In Kapitel 8 (Offb. 8, 13) sah indessen der Apostel ebenfalls einen Engel fliegen durch des Himmels Mitte. Jener Bote Gottes mußte allerdings ein dreifaches "Wehe!" ausrufen, während dieser Engel hingegen ein ewiges Evangelium zu verkündigen hatte. Welche Botschaft mag das nun sein?

Das "ewige Evangelium" galt in jedem Zeitalter oder Äon (auch Haushaltung oder Heilszeit genannt) seit dem Sündenfalls Adams, als Gott der Herr zu der Schlange sprach: Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. (1. Mose 3, 15). Inmitten dieses Gerichtsspruches klang tröstlich eine verhüllte Verheißung an, in der seit jeher schon die Gemeinde ein "erstes Evangelium" aufleuchten sah, da sie doch um einen "vom Weibe Geborenen" (Gal. 4, 4) wußte, der als einziger den gebotenen Kampf mit der Macht des Bösen aufnehmen konnte. Er ist dabei, seine Gerechtigkeit auf Erden aufzurichten.

Dr. Martin Luther sagte einmal, er habe die Offenbarung nicht gern, weil der Geist dieses Buches seiner Empfindung nach nicht mit dem Evangelium übereinstimme. Nach dem Zeitalter der Gnade beginnt die Zeit des Gerichtes, die jetzt gekommen ist. Die Verkündigung des Engels ist ein "Evangelium" (= frohe Botschaft) in dem Sinne, daß jeder, der Gott fürchtet und ihm die Ehre gibt, nichts zu befürchten hat.

Denen, die auf Erden wohnen, hat es bisher schon an sieben Stellen in der Offenbarung geheißen, und zwar in Offb. 3, 10; 6, 10; 8, 13; 11, 10; 13, 8; 13, 12 und 13, 14. Hier steht jedoch ein etwas stärkerer Ausdruck: "die auf der Erde sitzen", also fest mit ihr verbunden sind. Sie fühlen sich dort zu Hause und können sich darum kaum von der Erde trennen. Diese laufen Gefahr, mit der Erde gerichtet zu werden. Ihnen gilt deshalb das "ewige Evangelium" des Engels als Gottes letzte Warnung. Die frohe Botschaft wird eigentlich nicht "an", sondern "über" (epi = epi) sie verkündigt, sozusagen vom Firmament her, so wie damals beim ersten Kommen Jesu.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. (Luk. 2, 10-11). Diese große Freude läßt Gott einem jeden Menschen widerfahren, der sich ihm ganz anvertraut. Wer in Jesus Christus seinen persönlichen Heiland erblickt, dem wird unaussprechliche Freude geschenkt, die in seinem Herzen eine Änderung bewirkt. Durch den Geist Gottes wird sein Leben hinfort einen neuen Sinn bekommen, der sich in tätiger Liebe zu Gott und den Menschen erzeigt. Das gilt auch heute noch.

Johannes erklärte dann auch, wer alles damit gemeint ist und demnach dazugehört: ... und allen Nationen und Geschlechtern und Sprachen und Völkern. Jesus hatte das schon vorausgesagt: Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen. (Matth. 24, 14). Das bestätigte der Engel indem er dann sprach mit großer Stimme: Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen! Doch ist Gnade die Grundlage in allen Heilszeiten und ist so der einzige Weg der Errettung. Gott hat sich immer der Menschen erbarmt, die ihn um Vergebung anriefen. In der Lutherbibel erklärt heißt es dazu: Evangelium: Es ist die gute Nachricht, daß es auch jetzt noch möglich ist, auf die Seite des Siegers zu treten.

Weiter ergeht die Aufforderung: Und betet den an, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserbrunnen! Das ist im Psalm schon so ausgedrückt: Ihr Völker, bringet dar dem Herrn, bringet dar dem Herrn Ehre und Macht! Betet an den Herrn in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt! - Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; es sollen jauchzen alle Bäume im Walde vor dem Herrn; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit. (Psalm 96, 7 + 9 + 11-13). Der Apostel Paulus hat das einfach so erklärt: Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken, so daß sie keine Entschuldigung haben. (Röm. 1, 19-20). Doch hört man bisweilen Entschuldigungen.

Während vieler Jahrzehnte schon haben die Menschen beharrlich mit der ganzen Evolutionslehre versucht, den Gedanken an Gott, der doch über allem steht, auszuschalten und damit dann den christlichen Glauben von der Wurzel her zunichte zu machen. Diese vom Satan inspirierte Theorie wurde nicht nur an Schulen und Universitäten gelehrt, sondern es haben sich sogar unzählige Theologen, Pastoren und Prediger zu Befürwortern dieser verderblichen Lehre gemacht. Es könnte sein, daß auch viele wiedergeborene Gläubige sich über die unheimliche Gefährlichkeit der Evolutionstheorie ungenügend bewußt sind. Daher wäre es äußerst wichtig, wenn Eltern ihre Kinder diesbezüglich in biblischer Weise aufklären und ihnen eventuell dann auch wissenschaftlich begründete Literatur gegen diese Lehre geben würden.

Dann bezeugte der Seher Johannes erneut ein wohl überaus interessantes Ereignis:

Und ein zweiter Engel folgte nach, der sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große Stadt; denn sie hat mit dem Zorneswein ihrer Unzucht getränkt alle Völker. (Offb. 14, 8).

In dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira (Kapitel 2) hörten wir von den "Tiefen des Satans" und von "dem Weibe Isebel" und ihrem verderblichen Wirken in der christlichen Kirche. Solange jedoch der Heilige Geist und die Braut Jesu, die wahre Gemeinde, auf Erden ist, wird auch das religiöse Böse inmitten der Christenheit noch zurückgehalten und eingedämmt. Deshalb wird weiterhin kein religiöses System auf Erden, so verderbt und niederträchtig es sein mag, "Babylon" genannt, obwohl die Charakterzüge Babylons je länger desto mehr in Erscheinung treten. In Thyatira wurde der Anfang gemacht, doch ist jene Gemeinde heute noch nicht voll und ganz "Babylon". Im Urtext heißt es übrigens nicht "Babylon, die große Stadt", sondern einfach "Babylon die Große". Diese Formulierungen werden in Kapitel 17 und 18 wieder aufgenommen, so daß die Auslegung bis dahin gewiß warten kann.

Hier handelt es sich jedoch um eine Vorankündigung dessen, was sich zu erfüllen beginnt. Die Einzelheiten über den Fall Babylons, bzw. die Vollstreckung des über ihr von Gott ergangenen Urteils, werden uns sodann in Offb. 17 und 18 geschildert. Später werden wir außerdem sehen, daß das "große Babylon" als abtrünniges religiöses System aller Namenschristen unter Führung der römisch-katholischen Kirche (Babylon = Rom) schon zu Beginn der letzten halben Jahrwoche nach Daniel 9, 27 vernichtet wird, während das mit Babylon als politischer Macht erst an deren Ende geschieht. Vorweg sei allerdings das Ziel der Vorankündigung in diesem Vers aufgezeigt, bestimmt auch eine deutliche Aufforderung an die Gläubigen unserer Tage: Gehet aus von ihr, mein Volk, daß ihr nicht teilhaftig werdet ihrer Sünden, auf daß ihr nicht empfanget etwas von ihren Plagen! (Offb. 18, 4). Deutlicher geht's nicht.

Babylon ist zunächst eine falsche Christenheit, vereinigt mit allen Weltreligionen, die Welteinheitskirche der Endzeit. Durch eine Verbindung des Papsttums mit der antichristlichen Weltmacht werden alle Religionen der Welt zu einer christuslosen Weltkirche vereinigt. Wie hier bereits angekündigt, wird Gott es zulassen, daß das Gericht über diese Christenheit ohne Christus von menschlichen Werkzeugen vollzogen wird. Die Vermengung von Weltlichem mit Geistlichem ist zum Untergang verurteilt. Das alles ist nur noch eine Frage der Zeit, wie wir später sehen werden.

Dann lautet es: ... denn sie hat mit dem Zorneswein ihrer Unzucht getränkt alle Völker. Weil Babylon die Völker durch Verführung ihren Wein hat trinken lassen, werden diese nun zur Strafe auch Gottes Gerichtswein trinken müssen. Vorher sei aber noch auf das Wort des Herrn an den Propheten Jeremia hingewiesen: Fliehet aus Babel, und rette ein jeder sein Leben, daß ihr nicht untergeht in seiner Schuld. Denn dies ist für den Herrn die Zeit der Rache, um ihm seine Taten zu vergelten. Ein goldener Kelch, der alle Welt trunken gemacht hat, war Babel in der Hand des Herrn. Alle Völker haben von seinem Wein getrunken; darum sind die Völker so toll geworden. (Jer. 51, 6-7). Jetzt heißt es noch: Rette sich, wer kann, aus Babel!

Der Prophet Jesaja gab diesen Bericht weiter: Da rief der Späher: Herr, ich stehe auf der Warte bei Tage immerdar und stelle mich auf meine Wacht jede Nacht. Und siehe, da kommen Männer, ein Zug von Wagen mit Rossen; die heben an und sprechen: Gefallen ist Babel, es ist gefallen, und alle Bilder seiner Götter sind zu Boden geschlagen! Mein zerdroschenes und zertretenes Volk! Was ich gehört habe vom Herrn Zebaoth, dem Gott Israels, das verkündige ich euch. (Jes. 21, 8-10).

Johannes bezeugte daraufhin ein weiteres Geschehen, wieder mit einer Mahnung:

Und ein dritter Engel folgte ihnen nach und sprach mit großer Stimme: So jemand das Tier anbetet und sein Bild und nimmt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine Hand, der soll von dem Wein des Zornes Gottes trinken, der unvermischt eingeschenkt ist in seines Zornes Kelch, und wird gequält werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbeten und sein Bild, und wer das Malzeichen seines Namens annimmt. Hier ist Geduld der Heiligen! Hier sind, die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus! (Offb. 14, 9-12).

Es besteht eine deutliche Verbindung zwischen den Gerichten, die der zweite und der dritte Engel ankündigen. Da zu diesem Zeitpunkt der Heilige Geist und die Gemeinde Jesu Christi von der Erde hinweggenommen sein werden, sind damit auch alle Hemmungen und Hindernisse beseitigt. Dem Bösen steht bald nichts mehr im Wege, so daß alle Welt sich beugen wird, nicht nur unter die Macht des religiösen Systems, sondern auch unter die politische Herrschaft des Antichristen. Damit werden gleichzeitig alle Forderungen Satans an die abtrünnige und gerichtsreife Welt erfüllt. Alle drei Engel kündigen nun das Gericht Gottes an, gemäß ihrem Auftrag.

Gott ist vollkommen in seiner Gnade, jedoch auch in seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit. Wer die vollkommene Gnade Gottes beharrlich abgelehnt hat, wird Gottes "unvermischten" Grimm kennenlernen, so rein wie ungepanschter Wein. Babylon hat mit dem Zorneswein ihrer Unzucht getränkt alle Völker, diese bekommen jetzt den Wein des Zornes Gottes eingeschenkt. Das schon als eine vollendete Tatsache angekündigte Gericht erfolgt allerdings erst mit den Zornesschalen in Kapitel 16.

Wer nun das Tier anbetet und sein Bild und nimmt das Malzeichen an seine Stirn oder an seine Hand, der wird gequält werden mit Feuer und Schwefel vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier anbeten und sein Bild, und wer das Malzeichen seines Namens annimmt. Um diese ewige Verdammnis richtig verstehen zu können, sollte man auch dieses bedenken:

Wir leben gegenwärtig in Zeit, Raum und Materie. Diese drei Begriffe bilden die wesentliche Grundlage unseres irdischen Daseins. Doch wer kann sie wirklich erfassen? Wir hatten vielleicht einmal gedacht, wir wüßten wenigstens, was Materie sei. Doch die moderne Wissenschaft hat mittlerweile ihre Erkenntnisse von Grund auf umändern müssen und versteht eigentlich die Welt nicht mehr. Was sodann die Begriffe von Zeit und Raum betrifft, so hat inzwischen Albert Einstein nachzuweisen versucht, wie unsicher und "relativ" sie sind. Er hat erklärt, daß Zeit eine vom Bewegungszustand eines zeitmessenden Beobachters abhängige Größe sei. In der von ihm entwickelten Relativitätstheorie werden nun Raum und Zeit vereinigt zu einem vierdimensionalen Raum, der sogenannten Raum-Zeit-Welt. Wahrlich viele Dinge, die wir verstandesmäßig nicht erfassen können. Wir wissen fast nichts über das Wesen der Naturkräfte, und noch weniger über unseren Geist. Außer jedoch, was Gott uns in seinem Wort offenbart hat. Unser Wissen ist allemal Stückwerk.

Nun, was bedeutet denn eigentlich ein "Äon", was in unseren Bibeln meistens mit "Ewigkeit" übersetzt ist? Und was bedeutet "von Ewigkeit zu Ewigkeit", wörtlich "bis in die Äonen der Äonen"? Wir, die wir nicht verstehen, was "Zeit" ist, wieso dürfen wir das betreffend der "Ewigkeit" behaupten? Wer darf Gott vorschreiben, was mit den Sündern geschehen soll, die seine Gnade endgültig zurückweisen? In alle Ewigkeit verdammt, oder nur vorübergehend, vielleicht doch zur Besserung? Diese Lehre ist höchst gefährlich; sie lästert geradezu die Erlösung und lähmt den Widerstand gegen Welt und Sünde. Das zeigt sich oft im Leben ihrer Anhänger.

Wie könnten wir Gott dann der Ungerechtigkeit und Grausamkeit beschuldigen? Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3, 16). Nehmen wir lieber dieses Wort zu Herzen, dann wissen wir, wo wir die Ewigkeit verbringen werden. Dann ist es nicht wichtig, wie lange diese dauert.

Hier ist Geduld der Heiligen! Hier sind, die da halten die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus! Dem Zorn Gottes entfliehen werden nur Heilige, die in Geduld am Worte Gottes festhalten und den Glauben an den Namen Jesu Christi nicht verleugnen. Viel mögen jene Treuen in der Trübsalszeit zu erdulden haben. Aber was sind alle zeitlichen Leiden gegenüber dem ewigen Zorn und Strafgericht Gottes?

Der Apostel Paulus hat in seinem zweiten Brief an die Gemeinde zu Thessalonich den dortigen Gläubigen das erklärt: Wir müssen, liebe Brüder, Gott danken allezeit um euretwillen. So gebührt es sich. Denn euer Glaube wächst sehr, und die Liebe eines jeglichen unter euch allen nimmt zu gegeneinander, so daß wir uns euer rühmen unter den Gemeinden Gottes wegen eurer Geduld und eures Glaubens in allen Verfolgungen und Trübsalen, die ihr erduldet. Dies zeigt an, daß Gott recht richten wird und ihr würdig erachtet werdet des Reiches Gottes, für welches ihr auch leidet. Denn es ist recht bei Gott, Trübsal zu vergelten denen, die euch Trübsal antun, euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe zu geben mit uns, wenn nun der Herr Jesus sich offenbaren wird vom Himmel in Feuerflammen mit der Macht seiner Engel, Vergeltung zu üben an denen, die Gott nicht kennen wollen, und an denen, die nicht gehorsam sind dem Evangelium unsers Herrn Jesus. Die werden Strafe leiden, das ewige Verderben, fern von dem Angesicht des Herrn und von seiner herrlichen Macht, wenn er kommen wird, daß er herrlich erscheine bei seinen Heiligen und wunderbar bei allen Gläubigen an jenem Tage; denn was wir euch bezeugt haben, das habt ihr geglaubt. (2. Thess. 1, 3-10). Daran sieht man doch, Gott ist gerecht.

Das will jedoch keinesfalls heißen, daß die Gläubigen die siebenjährige Trübsalszeit auf Erden erleben werden. Nachdem Paulus zu Lystra gesteinigt worden war, zog er weiter mit Barnabas nach Derbe. In der Apostelgeschichte des Lukas heißt es dann jedoch: Und sie predigten der Stadt das Evangelium und unterwiesen ihrer viele und zogen wieder gen Lystra und Ikonion und Antiochien, stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, daß sie im Glauben blieben, und daß wir durch viel Trübsale müssen in das Reich Gottes gehen. (Apg. 14, 21-22 - Luthertext von 1912 wie auch die Elbf., der Luthertext von 1956 hat hier: viel Trübsal, ebenfalls Bruns).

In Kapitel 13 (Offb. 13, 10) hieß es ebenfalls bereits: Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen! Darin ist sicherlich auch wiederum eine besondere Ermutigung zu sehen, in der Verfolgung alles Leid zu erdulden, wenn nötig sogar bis zum Tode.

Der Apostel Johannes hat alsdann sein Zeugnis noch fortgesetzt mit den Worten:

Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach. (Offb. 14, 13).

Er hörte eine Stimme vom Himmel, aber wohl nicht mehr die des dritten Engels. Es ist diesmal keine Ankündigung eines Gerichtes, sondern eine tröstliche Ermutigung für die Gläubigen. Es scheint so, daß der Herr Jesus diese Worte spricht, wie zu Beginn der Offenbarung (Offb. 1, 11 + 19). Eine Bestätigung dieser Aussage mag man in dem Ja des Heiligen Geistes sehen, der nun wohl ebenfalls im Himmel ist. Diese Seligpreisung geht über den Tod hinaus, den sie erleiden. Möglicherweise sind diese Toten nun auch die hundertvierundvierzigtausend, die erkauft sind von der Erde.

Zu diesem Zeitpunkt ist die eigentliche Gemeinde Jesu Christi schon entrückt, aber Gott wird auch danach noch dafür sorgen, daß niemandem Unrecht geschieht. Hier geht es um die Toten, die in dem Herrn sterben während der großen Trübsal. Diese dürfen ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach. Bei der Wiederkunft Jesu Christ in Herrlichkeit, am Ende der Trübsalszeit, werden auch sie auferweckt werden. Dann wird offenbar, daß diesen Toten Gerechtigkeit widerfahren ist.

Hier noch einmal, was der Apostel Paulus den Thessalonichern schrieb: Denn es ist recht bei Gott, Trübsal zu vergelten denen, die euch Trübsal antun, euch aber, die ihr Trübsal leidet, Ruhe zu geben mit uns, wenn nun der Herr Jesus sich offenbaren wird vom Himmel in Feuerflammen mit der Macht seiner Engel. (2. Thess. 1, 6-7).

Diese Stelle bezieht sich auf die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Das bedeutet also nicht, auf alle Gläubigen bei ihrem Heimgang. Vielfach sagt man das zwar schon heute bei Begräbnissen, ist aber nicht richtig im eigentlichen Sinne. Es entspricht einer seelsorgerlichen Auslegung, die durchaus Anwendung finden kann. Wenn man erkennt, daß es sich um die große Trübsal handelt, hat man keine Mühe mit der Erklärung der Worte "von nun an"; nur diese Toten sind dann hier gemeint.

Der Heilige Geist gibt so sein Amen dazu: Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach. Der Heilige Geist seufzt sicherlich mit den Heiligen, die sich in Leid und Trübsal befinden, und freut sich auf ihre Erlösung und Verklärung. Er war Zeuge ihrer beharrlichen Treue, er kannte zudem ihre Arbeit für den Herrn. Gott wird ihrer Werke gedenken; kein einziges wird vergessen werden. Der gelebte Glaube wandelt sich so in Güter der himmlichen Welt.

Nachdem der Apostel Johannes eine Stimme vom Himmel gehört hatte, bezeugt er nun wiederum, was er alsdann gesehen hat:

Und ich sah, und siehe, eine weiße Wolke. Und auf der Wolke saß einer, der gleich war eines Menschen Sohn; der hatte eine goldene Krone auf seinem Haupt und in seiner Hand eine scharfe Sichel. Und ein andrer Engel kam aus dem Tempel und rief mit großer Stimme zu dem, der auf der Wolke saß: Schlag an mit deiner Sichel und ernte; denn die Zeit zu ernten ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist reif geworden! Und der auf der Wolke saß, schlug an mit seiner Sichel an die Erde, und die Erde ward geerntet. (Offb. 14, 14-16).

Darin ist eindeutig eine Fortsetzung der Zwischenschau zu erkennen, die in diesem ganzen Kapitel bereits jetzt einen Ausblick auf das Ende der Trübsalszeit gewährt. Sie stellt den Auftakt jenes Gerichtes über die gottlose Welt dar, das mit der sichtbaren Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit seinen Abschluß finden wird. In der chronologischen oder zeitlichen Reihenfolge ist dieses Ereignis zwar erst später, in Kapitel 19 (Offb. 19, 11-16), genauer beschrieben. An dieser Stelle wird allerdings schon die Vorbereitung dazu geschildert, im Blick des Sehers auf die weiße Wolke.

Zu Anfang der Offenbarung hat der Apostel Johannes bereits die Wiederkunft Jesu Christi vorausgesagt, indem er dort erklärte: Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. (Offb. 1, 7). Das wird dann ähnlich sein wie bei Christi Himmelfahrt. Diese hat Lukas, der Arzt, so deutlich in der Apostelgeschichte bezeugt: Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird so kommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. (Apg. 1, 9-11).

Daniel hatte bereits eine entsprechende Vision, die er dann mit diesen Worten niederschrieb: Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. (Dan. 7, 13). Das Judentum umschrieb so den Messias mit "Menschensohn", von diesem Prophetenwort her. Jesus hat diese Bezeichnung für sich am liebsten verwendet, denn der Hörer fragte sich dann jedesmal: Meint er sich als Mensch oder als Messias? Bei den Schriftgelehrten hat Jesus ebenfalls alle Unklarheiten beseitigt, als er vor dem Hohen Rat sich auf diese Schriftstelle bezog: Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist der Christus, der Sohn Gottes. Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Auch sage ich euch: Von nun an wird's geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels (Matth. 26, 63-64). So hat er dann sein Wiederkommen angekündigt.

Zu seinen Jüngern hatte er schon über die Trübsal und sein Kommen gesagt: Bald aber nach der Trübsal jener Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. (Matth. 24, 29-30, ähnlich die entsprechenden Parallelstellen).

Hier wird noch einmal bestätigt, was für die Auslegung von Daniel, Kapitel 7, sowie deshalb auch der ganzen Offenbarung, zweifellos von größter Wichtigkeit ist: a) Die Geschichte der vier Weltreiche endet erst bei der Wiederkunft Jesu Christi, nämlich mit der Vernichtung des bis dann wiedererstandenen Römischen Reiches. b) Die Wiederherstellung Israels (der "Heiligen des Allerhöchsten") und auch das messianische Friedensreich beginnen ebenso erst bei der Wiederkunft Jesu Christi.

Der wiederkommende Herr wird dann noch so beschrieben: ... der hatte eine goldene Krone auf seinem Haupt. Als Johannes den Herrn Jesus zuerst sah, hatte er ihn noch ohne eine Krone gesehen: ... und mitten unter den Leuchtern einen, der war eines Menschen Sohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme. (Offb. 1, 12-14). Der da als Richter zwischen den Leuchtern (den Gemeinden) stand, ist jetzt der Richter über die ganze Welt, ebenfalls der König aller Könige. Die goldene Krone ist das Zeichen der Königswürde; er kommt als König Israels. Die Menschen hatten seinerzeit nur eine Dornenkrone für den Sohn Davids übrig.

Damals, als Johannes ihn sah, hielt der Herr noch die sieben Sterne, die Engel der sieben Gemeinden, in seiner rechten Hand, nun heißt es jedoch: ... und in seiner Hand eine scharfe Sichel. Als der gerechte Richter des ganzen Erdkreises hält er jetzt in seiner Hand eine scharfe Sichel, das Werkzeug der Ernte, die nun beginnt. Der Prophet Jeremia hatte ehedem über Babylon geweissagt: Denn so spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: Die Tochter Babel ist wie eine Tenne, wenn man sie feststampft; es wird ihre Ernte gar bald kommen. (Jer. 51, 33). Indessen sollte man bedenken, daß mit Nebukadnezar, dem König von Babylon, die Zeit der Heiden begann, die von den Tagen Jeremias bis zur Wiederkunft Jesu Christi dauert.

Und ein andrer Engel kam aus dem Tempel und rief mit großer Stimme zu dem, der auf der Wolke saß: Schlag an mit deiner Sichel und ernte; denn die Zeit zu ernten ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist reif geworden! Nochmals ein anderer Engel, der diesmal aus dem Tempel Gottes im Himmel kam mit der deutlichen Anweisung Gottes. Im Luthertext von 1912 hieß es noch: schrie mit großer Stimme. Direkt vom Throne Gottes gab der Engel diese Anweisung an den Sohn, den Gottes- und Menschensohn, zur Ausführung des Gerichtes. Das wird bestätigt in der Lutherbibel erklärt, wo es nun dazu heißt: Der Engel darf die Weisung des Vaters dem Sohn übermitteln. Jesus hatte den Obersten der Juden damals erklärt: Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. (Joh. 5, 22-23). So soll es nun sein.

Auf die Zeit der Ernte hatte auch schon Johannes der Täufer in seiner Bußpredigt gedeutet: Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin nicht genug, ihm die Schuhe abzunehmen; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen. Und er hat seine Worfschaufel in der Hand; er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. (Matth. 3, 11-12, ähnlich auch Luk. 3, 17). Was ist dieses unauslöschliche Feuer, wie lange brennt es?

Und der auf der Wolke saß, schlug an mit seiner Sichel an die Erde, und die Erde ward geerntet. Der Augenblick ist gekommen, die Gottlosen von den Gläubigen zu trennen. Die allerletzte Frist zur Buße ist abgelaufen, eine Umkehr scheint nicht mehr möglich. Mit dem Schlag der Sichel an die Erde schlägt die Stunde der Wahrheit für alle Atheisten und Spötter. Diese Ernte entscheidet diesmal unwiderruflich über Tod oder Leben eines jeden Sünders. Daher lautete das Gnadenangebot noch:

Alles reift auf Erden aus zum Erntetag,
Und ein Ziel dem Werden setzt der Sichelschlag!

Der Prophet Joel hatte dieses alles entscheidende Geschehen bereits vorausgesagt: Greift zur Sichel, denn die Ernte ist reif! Kommt und tretet, denn die Kelter ist voll, die Kufen laufen über, denn ihre Bosheit ist groß! (Joel 4, 13). Das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker hat Jesus seinen Jüngern dann mit diesen Worten gedeutet: Er antwortete und sprach zu ihnen: Des Menschen Sohn ist's, der den guten Samen sät. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. Gleichwie man nun das Unkraut sammelt und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alle, die Ärgernis geben und die da Unrecht tun, und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappen sein. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre! (Matth. 13, 37-43). Das Konkordante Neue Testament übersetzt genauer: Die Ernte ist der Abschluß des Äons. Andere Übersetzungen: Die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters. (Elbf.). Die Ernte ist das Ende dieser Weltzeit. (Bruns, ähnl. Schlachter).

Doch schon wechselt das Bild. Johannes schaut nicht nur die Ernte des Feldes, bei der die Völker gerichtet werden, sondern gleich anschließend auch eine Weinlese:

Und ein andrer Engel kam aus dem Tempel im Himmel, der hatte auch ein scharfes Winzermesser. Und ein andrer Engel kam vom Altar, der hatte Macht über das Feuer und rief mit großer Stimme zu dem, der das scharfe Messer hatte, und sprach: Schlag an mit deinem scharfen Winzermesser und schneide die Trauben am Weinstock der Erde, denn seine Beeren sind reif! Und der Engel schlug an mit seinem Winzermesser an die Erde und schnitt die Trauben der Erde und warf sie in die große Kelter des Zornes Gottes. Und die Kelter ward draußen vor der Stadt getreten, und das Blut von der Kelter ging bis an die Zäume der Pferde tausendsechshundert Feld Wegs weit. (Offb. 14, 17-20).

Wir sehen hier denselben Vorgang wie bei der Ernte des Feldes, jedoch nun ist es eine Weinlese. Jetzt kommen noch der fünfte und sechste Engel vom Tempel und vom Altar. Der fünfte Engel hatte ein scharfes Winzermesser und der sechste hatte Macht über das Feuer. Dieser rief mit großer Stimme dem fünften Engel zu, um so die Anweisung weiterzugeben, die Trauben am Weinstock der Erde abzuschneiden, da seine Beeren reif seien. Es fällt auf, daß zunächst die Ernte durch den Sohn des Menschen selbst durchgeführt wurde, während hier ein Engel diese Aufgage übernommen hatte. Übrigens wird es in Offb. 19, 15 der Herr sein, der die Kelter tritt.

Der Altar ist wiederum der Ausgangspunkt auch für dieses Gericht. Nachdem bei den Siegelgerichten zuerst die vier apokalyptischen Reiter in Erscheinung traten, erblickte Johannes dann beim fünften Siegel unten am Altar die Seelen derer, die getötet waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen, vgl. Kapitel 6 (Offb. 6, 9-11). Bevor die Posaunengerichte begannen, kam ebenfalls ein Engel und trat an den Altar, wie in Kapitel 8 (Offb. 8, 3-5) genau beschrieben. Noch vor dem Ausgießen der Zornesschalen in Kapitel 16, wird jetzt hier der Altar erwähnt. Dieser sechste Engel kam vom Altar, der hatte Macht über das Feuer. Dieser Engel, der Macht über das Feuer hat, ist in der jüdischen Tradition bekannt als Jehuel.

Der Herr Jesus hatte zu seinen Jüngern gesagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Joh. 15, 5). Daran ist zu erkennen, daß es einen Unterschied gibt zwischen dem Weinstock des Herrn, somit dem rechten Weinstock, und dem Weinstock der Erde, um den es jetzt geht. Schon im Lied des Mose wurde von den Feinden Gottes festgestellt: Denn ihr Weinstock stammt von Sodoms Weinstock und von dem Weinberg Gomorras; ihre Trauben sind Gift, sie haben bittere Beeren, ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern. (5. Mose 32, 32-33).

Mit dem Weinstock der Erde ist nun wahrscheinlich Israel gemeint, demnach wohl in besonderem Maße die bitteren Trauben Israels, nämlich der Teil des Volkes, der sich bis dahin nicht bekehren wollte. Das Volk Israel sollte als Weinstock der Erde beispielhaft sein für alle anderen Völker. Im Gleichnis von den bösen Weingärtnern hatte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten im Volk das schon so angedeutet: Da aber die Weingärtner den Sohn sahen, sprachen sie untereinander: Das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen! Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberge hinaus und töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinberges kommen wird, was wird er diesen Weingärtnern tun? Sie sprachen zu ihm: Er wird die Bösewichte übel umbringen und seinen Weinberg an andere Weingärtner vergeben, die ihm die Früchte zu rechter Zeit geben. (Matth. 21, 38-41, in etwa auch Mark. 12, 6-9 und Luk. 20, 14-16). Die Weingärtner waren seinerzeit die Obersten der Juden, die den Sohn Gottes töteten. Der Weinberg ist Israel, insbesondere Jerusalem. Der Herr des Weinberges ist Gott selbst, der die Gottlosen richtet.

Und der Engel schlug an mit seinem Winzermesser an die Erde und schnitt die Trauben der Erde und warf sie in die große Kelter des Zornes Gottes. Und die Kelter ward draußen vor der Stadt getreten, und das Blut von der Kelter ging bis an die Zäume der Pferde tausendsechshundert Feld Wegs weit. So hatte der Prophet Jesaja bereits ein ähnliches Gericht Gottes angekündigt: Ich habe sie gekeltert in meinem Zorn und zertreten in meinem Grimm. Da ist ihr Blut auf meine Kleider gespritzt, und ich habe mein ganzes Gewand besudelt. (Jes. 63, 3). Damals stießen die bösen Weingärtner den Sohn zum Weinberge hinaus und töteten ihn (Matth. 21, 39). Darum hat auch Jesus, damit er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, gelitten draußen vor dem Tor. (Hebr. 13, 12). Jesus starb so vor den Toren Jerusalems.

Deshalb wird auch die Kelter draußen vor der Stadt getreten, nämlich ebenfalls vor den Toren Jerusalems. Das ist ganz gewiß wörtlich zu verstehen, demnach ein entsetzliches Blutbad in Israel. Dann heißt es erklärend: Und das Blut von der Kelter ging bis an die Zäume der Pferde tausendsechshundert Feld Wegs weit. Bruns sowie Elbf. und andere haben hier übersetzt: tausendsechshundert Stadien. Nach dem "Itinerarium" des Antonius maß Palästina 1664 Stadien von Tyrus bis El-Arisch. - Daher erklärte auch Hans Bruns: Die Zahlenangabe entspricht genau der Länge Palästinas von Tyrus bis zur ägyptischen Grenze. Das griechische Stadion, das Luther hier mit Feld Wegs übersetzte, waren 185 m. Die Meile, lateinisch: milia passuum, war ein ursprüngliches römisches Längenmaß: 1000 Doppelschritte oder 8 Stadien zu 185 m, demnach 1480 m. Die hier angegebenen 1600 Stadien entsprechen dann 200 Meilen oder 296 Kilometer. John F. Walvoord meint: Es ist auch möglich, bei den 1600 Stadien an einen Aktionsradius von etwa 300 km um Jerusalem zu denken, als ungefähre Angabe für den prophetischen Bereich der Endzeit. Wir können auch an eine symbolische Bedeutung denken: 1600 ist die Quadratzahl von 40, der Zahl der menschlichen Erprobung und der entsprechenden Bestrafung (vgl. 4 Mose 14, 33 und 5. Mose 25, 3). Es scheint, dieses Blutbad könnte ganz Israel bedecken.

Es ist deshalb angebracht, dazu eine physische Karte von Israel aufmerksam zu betrachten. Dabei wird gewiß ersichtlich, daß die Höhenunterschiede des Landes das Fließen irgendeines Stromes auf einer Strecke von nahezu dreihundert Kilometern an sich unmöglich macht. Infolgedessen ist es ja auch undenkbar, daß das Blut der Toten einen riesigen See von ungefähr 1,50 m Tiefe bilden könnte, der ganz Israel bedecken oder zumindest durchziehen würde. Es ist sicherlich auch nicht gemeint, daß der Blutstrom auf der ganzen Länge des Schlachtfeldes gleich sein wird, denn dabei ist eher mit schwerpunktmäßigen Kämpfen auf der ganzen Linie zu rechnen.

Johann Albrecht Bengel fragte bereits besorgt: O wie viel Beerlein gehören dazu, bis es einen so großen Blutbach gibt? Die Antwort ist jedoch schon beim Propheten Joel zu lesen: Es werden Scharen über Scharen von Menschen sein im Tal der Entscheidung; denn des Herrn Tag ist nahe im Tal der Entscheidung. (Joel 4, 14). Dieses Tal der Entscheidung wird zuvor in den Versen 2 und 12 das Tal Josaphat genannt, doch beide Bezeichnungen werden sonst nirgendwo erwähnt. Einzig der Name eines Königs von Juda, der Josaphat hieß, scheint hier weiterzuhelfen. Damals hatte der Herr die Feinde in einem Tale in der Wüste Thekoa vernichtet. Am vierzehnten Tage aber kamen sie zusammen im Lobetal; denn dort lobten sie den Herrn. Daher heißt die Stätte "Lobetal" bis auf diesen Tag. (2. Chron. 20, 26). Es ist das "Wadi Berechut", liegt fast 7 km von Thekoa und 8 km von Bethlehem entfernt. Christliche Tradition setzte das Tal Josaphat aber mit dem Kidrontal gleich.

Ob Kidrontal bei Jerusalem, Lobetal (hebr. berakah) oder Tal der Entscheidung ist hier wohl nicht so wichtig. Damit ist jedenfalls ein anderer Ort gemeint, nicht die Ebene Jesreel, eines der größten Schlachtfelder in der Nähe von Megiddo. Von da aus wird wahrscheinlich eine Kampflinie quer durch Israel gehen, doch von allen Abschnitten aus wird am Tage des Herrn das Blut buchstäblich in Strömen fließen.

Der Prophet Sacharja weissagte über diesen Tag des Herrn: Und es soll geschehen in dem ganzen Lande, spricht der Herr, daß zwei Teile darin ausgerottet werden sollen und untergehen, und nur der dritte Teil soll darin übrigbleiben. (Sach. 13, 8). Es besteht daher grundsätzlich kein Zweifel daran, daß bei diesem zukünftigen Gericht dereinst nur der dritte Teil des Volkes Israel übrigbleiben wird. Jeder hat seine ihm von Gott gewährte Zeit, in der er sich zu ihm wenden kann. Dennoch es gibt im Leben jedes Menschen einen Punkt, an dem es für Buße zu spät sein wird.

Wer jetzt der Einladung zu Jesus nicht folgt, wird auch dann draußen sein. Es lebt sich nicht auch ohne Gott ganz gut. Derartige Schriftstellen, so schrecklich sie für viele sein mögen, sollen immer wieder auf das Gnadenangebot Gottes hinweisen. Das Gericht kommt immer erst später, auch in diesem Falle, nämlich in Kapitel 16.
 

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