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Kapitel 12

Wir befinden uns noch in der Zeit der Ereignisse im Zusammenhang mit der letzten, siebenten Posaune oder des dritten Wehe-Gerichtes. - Hier wird nun wiederum die bisherige chronologische Reihenfolge oder die zeitliche Abfolge der Ereignisse unterbrochen. Nochmals werden gewissermaßen einschubsweise besondere Dinge berichtet, und zwar werden einige der Schlüsselpersonen der Heilsgeschichte gesehen. - Ein spezielles Merkmal von Kapitel 12 ist, daß es nicht nur in die noch unerreichte Zukunft blickt, sondern daß es in seinen ersten Versen weit in die Vergangenheit zurückschaut. Ähnlich, wie dieses auch in den Sendschreiben (Offb. 2 + 3) der Fall war, doch geht der Blick allhier bis vor die Ereignisse im Paradies zurück. Der Apostel Johannes bezeugt weiter:

Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße. Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Völker sollte weiden mit eisernem Stabe. Und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Thron. Und das Weib entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hat, bereitet von Gott, daß sie daselbst ernährt würde zwölfhundertsechzig Tage. (Offb. 12, 1-6).

Bei der Betrachtung merkt man sofort, daß die in diesem Abschnitt als "Zeichen" vorgestellten Personen eine symbolische Bedeutung haben und somit in Richtung Wirklichkeit gedeutet werden müssen. Die Erklärung in der Lutherbibel erklärt beginnt mit dieser Überschrift: Die Gemeinde Jesu und der Feind (Kap. 12). Das ist aber gewiß nicht richtig. Dr. H. H. Janzen erklärte hingegen in einem Kommentar: Die Gemeinde wird von Paulus eine reine Jungfrau genannt, die er einem Manne, Jesus Christus, verlobt hat. Als solche kann sie nicht schwanger sein und ein Kind gebären. Nirgends in der Schrift wird die Gemeinde als Mutter angesprochen. Von Israel dagegen wird gesagt, daß es einen Sohn gebären soll, denn von ihm kommt Jesus Christus her!

Israel wird im Alten Testament verschiedentlich als "Weib" bezeichnet, hingegen bezeichnet sich Gott selbst als "Mann". Der Prophet Jesaja hat diese Worte berichtet: Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden, schäme dich nicht, denn du sollst nicht zum Spott werden, sondern du wirst die Schande deiner Jugend vergessen und der Schmach deiner Witwenschaft nicht mehr gedenken. Denn der dich gemacht hat, ist dein Mann - Herr Zebaoth heißt sein Name -, und dein Erlöser ist der Heilige Israels, der aller Welt Gott genannt wird. Denn der Herr hat dich zu sich gerufen wie ein verlassenes und von Herzen betrübtes Weib; und das Weib der Jugendzeit, wie könnte es verstoßen bleiben! spricht dein Gott. (Jes. 54, 4-6). Diese reiche Bildersprache bestätigt eindeutig, daß hier an Israel gedacht ist.

Der Prophet Hosea hat sodann beschrieben wie Gottes Treue die Untreue Israels überwindet: Fordert von eurer Mutter - sie ist ja nicht meine Frau, und ich bin nicht ihr Mann! -, daß sie die Zeichen ihrer Hurerei von ihrem Angesichte wegtue und die Zeichen ihrer Ehebrecherei zwischen ihren Brüsten. (Hosea 2, 4). Etwas weiter bezeugt er: Alsdann, spricht der Herr, wirst du mich nennen "Mein Mann" und nicht mehr "Mein Baal". Denn ich will die Namen der Baale von ihrem Munde wegtun, daß man ihrer Namen nicht mehr gedenken soll. (Hosea 2, 18-19).

Die weiteren Symbole sind schon von der Frühgeschichte Israels her bekannt, und zwar wurden sie einstmals erwähnt in einem Traum des Joseph: Und er hatte noch einen zweiten Traum, den erzählte er seinen Brüdern und sprach: Ich habe noch einen Traum gehabt; siehe, die Sonne und der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir. Und als er das seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, schalt ihn sein Vater und sprach zu ihm: Was ist das für ein Traum, den du geträumt hast? Soll ich und deine Mutter und deine Brüder kommen und vor dir niederfallen? Und seine Brüder wurden neidisch auf ihn. Aber sein Vater behielt diese Worte. (1. Mose 37, 9-11). Dort waren es elf Sterne, also ohne Joseph, hier sind es dann zwölf nach allen Söhnen Jakobs, den Stammvätern der zwölf Stämme Israels. Wer sodann zu diesen gezählt wird, das haben wir bereits zu Beginn von Kapitel 7 eingehend besprochen.

Wenn man nach dem Grundsatz verfährt, Schrift mit Schrift auslegen zu wollen, so muß man feststellen, daß es neben dem Text in diesem Kapitel keine andere Bibelstelle gibt, die ebenfalls von Sonne, Mond und zwölf Sternen spricht. Deshalb kann man sicherlich annehmen, daß der Traum von Joseph hier zum richtigen Verständnis führt. Außerdem ist zu bedenken, wenn dieses Weib mit den zwölf Sternen die Gemeinde mit den zwölf Aposteln darstellen sollte, wie ist es dann zu erklären, daß Jesus daraus hervorgegangen sein soll? Die Bibel sagt doch etwas ganz anderes. Im 1. Buch Mose (griech. genesiV = Genesis = Ursprung) hat Gott sogar beim Sündenfall schon, als er die Schlange und damit den Teufel verurteilte, auch diese Prophezeiung für die Zukunft ausgesprochen: Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. (1. Mose 3, 15).

Noch bevor das Volk Israel in das Gelobte Land gekommen war, hatte Gott bereits auf eine notvolle Zeit hingewiesen. Etwas über 1 500 Jahre v. Chr. warnte er durch Mose vor den Strafen für ihren Abfall von Gott: Und ich will eure Städte wüst machen und eure Heiligtümer verheeren und will den lieblichen Geruch eurer Opfer nicht mehr riechen. So will ich das Land wüst machen, daß eure Feinde, die darin wohnen werden, sich davor entsetzen. Euch aber will ich unter die Völker zerstreuen und mit gezücktem Schwert hinter euch her sein, daß euer Land soll wüst sein und eure Städte zerstört. (3. Mose 26, 31-33).

Der Prophet Micha hat dann die Begnadigung des zerschlagenen Volkes vorausgesagt: Warum schreist du denn jetzt so laut? Ist kein König bei dir? Und sind deine Ratgeber alle hinweg, daß dich die Wehen erfassen wie eine in Kindsnöten? Leide doch solche Wehen und stöhne, du Tochter Zion, wie eine in Kindsnöten; denn du mußt zwar zur Stadt hinaus und auf dem Felde wohnen und nach Babel kommen. Aber von dort wirst du wieder errettet werden, dort wird dich der Herr erlösen von deinen Feinden. (Micha 4, 9-10). Indes läßt er sie plagen bis auf die Zeit, daß die, welche gebären soll, geboren hat. (Micha 5, 2). Damit ist eindeutig keine einzelne Person gemeint, sondern das Volk Israel als Ganzes, denn es heißt: "Tochter Zion".

Er hat auch prophezeit, daß der Herrscher aus Davids Geschlecht aus Bethlehem kommen wird: Und du, Bethlehem Ephratha, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. (Micha 5, 1). Das hat sich dann erfüllt, wie Lukas berichtet, in der Geburt des "Christ des Herrn", des Christus des Herrn oder des Messias, des Gesalbten Gottes, wie die richtige Übersetzung lautet: Und siehe, ein Mensch war zu Jerusalem, mit Namen Simeon; und derselbe Mensch war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der heilige Geist war mit ihm. Und ihm war eine Antwort geworden von dem heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christ des Herrn gesehen. (Luk. 2, 25-26). Dieser Simeon hatte wohl die frohe Botschaft von der kommenden Herrlichkeit bei Jesaja gelesen: ... zu schaffen den Trauernden zu Zion, daß ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauerkleid, Lobgesang statt eines betrübten Geistes gegeben werden. (Jes. 61, 3).

Der Apostel Paulus bestätigt besonders, daß dieser Jesus Christus aus Israel kommt: Ich selber möchte verflucht und von Christus geschieden sein meinen Brüdern zugut, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch; die da sind von Israel, welchen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen; welcher auch sind die Väter, und aus welchen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen. (Röm. 9, 3-5). Jesus hatte bereits gesagt: ... denn das Heil kommt von den Juden. (Joh. 4, 22). Damit hatte er auf den Heiland der Welt hingedeutet.

Der Prophet Jeremia hat seinerzeit die Ordnungen Gottes in der Natur auch im Zusammenhang mit Israel gesehen: So spricht der Herr, der die Sonne dem Tage zum Licht gibt und den Mond und die Sterne der Nacht zum Licht bestellt; der das Meer bewegt, daß seine Wellen brausen - Herr Zebaoth ist sein Name -: Wenn jemals diese Ordnungen vor mir ins Wanken kämen, spricht der Herr, so müßte auch das Geschlecht Israels aufhören, ein Volk zu sein vor mir ewiglich. (Jer. 31, 35-36).

Israel ist jetzt mit der Sonne bekleidet und hat die Zeit der Finsternis überwunden. Der Mond ist nur Abglanz der Sonne und Symbol der Nacht. Er liegt zu ihren Füßen. Das war zwar immer schon der Wille Gottes für sein auserwähltes Volk, ist jedoch bis heute noch nicht erfüllt. Der Prophet Sacharja hat diese noch zukünftige Zeit vorausgesagt: Und es soll geschehen: Wie ihr vom Hause Juda und vom Hause Israel ein Fluch gewesen seid unter den Heiden, so will ich euch erlösen, daß ihr ein Segen sein sollt. Fürchtet euch nur nicht und stärket eure Hände! (Sach. 8, 13).

Und sie war schwanger und schrie in Kindsnöten und hatte große Qual bei der Geburt. Wie ließe sich dieser Vers auf die Gemeinde deuten oder gar auf Maria, die Mutter Jesu, wie die römisch-katholische Kirche zu glauben vorgibt? Wie wir allerdings in Kapitel 2 (Offb. 2, 20-23) in dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira gesehen haben, herrschte dort das Weib Isebel, die Frau des Vorstehers. Prophetisch stellt sie in dieser Kirchenepoche das Papsttum dar, das über die Jahrhunderte hinweg diesen Charakter entwickelt hat. Dieses herrscht in der römisch-katholischen Kirche und hat so die Verehrung der babylonischen Himmelskönigin (Jeremia, Kap. 7 + 44) auf eine "Maria" übertragen, die jedoch keineswegs mit der Mutter Jesu identisch ist. Diese "Himmelskönigin" wird meistens dargestellt nach dem hier erwähnten großen Zeichen: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.

Ebensowenig hat die Flagge Europas mit den zwölf goldenen Sternen auf blauem Grund etwas mit der Zahl der in der Europäischen Union zusammengeschlossenen Staaten zu tun, sondern sie ist ein Symbol dieser "Maria", der Himmelskönigin. - Dazu hat Johannes H. Rottmann in "Europa, Maria, Frieden" u. a. dies geschrieben: Am 12. September 1958 wurde auf dem norditalienischen Berge Serenissima vom Mailänder Erzbischof Montini, dem verstorbenen Papst Paul VI., eine 20 m hohe Europa-Madonna eingeweiht, die den Namen trägt: "Unsere liebe Frau und Herrin Europas". Die katholische Kirche sieht in Maria die biblische Gestalt des "Sonnenweibes", das einen Kranz von 12 Sternen auf dem Kopfe trägt. Papst Johannes Paul II. sagte: "Wenden wir daher von neuem unseren Blick der Mutter des Erlösers der Welt zu, der Frau der geheimen Offenbarung des Johannes, der Frau, mit der Sonne bekleidet.". - Für Marienverehrer ist blau die Farbe Mariens. - Die Europa-Flagge zeigt einen Kranz von 12 Sternen auf blauem Grund. Die Europa-Flagge bringt zum Ausdruck: Maria ist die Herrin Europas. (Anmerkung: Die sogenannten Römischen Verträge, die zur Gründung von zwei weiteren der jetzt drei Europäischen Gemeinschaften führten, sind am 1. Januar 1958 mit einer ersten Ermäßigung der Zollsätze in Kraft getreten. Die Vertragspartner waren zudem ursprünglich nur diese sechs Staaten: Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg.).

In einer Schriftlichen Anfrage an die Kommission der Europäischen Gemeinschaften vom 28. Juni 1993 heißt es: Die Europäische Flagge (zwölf goldene Sterne auf blauem Grund) ist seit 1986 auf Beschluß der Gemeinschaftsorgane gemeinsames Symbol der Gemeinschaft. Die zwölf Sterne mögen auch die derzeitige Zahl der Mitgliedstaaten der EG repräsentieren. Oder die 12 Monate oder die 12 Apostel. - 1. Was geschieht eigentlich, wenn sich die Gemeinschaft um Beitrittskandidaten
erweitert?
2. Wird auch die Zahl der Sterne vergrößert?

In der Antwort von Herrn Delors im Namen der Kommission vom 22. November 1993 erklärte dieser jedoch ganz unmißverständlich, auch wohl für die Zunkunft: Die europäische Flagge, die auch das Wahrzeichen Europas ist, wurde 1955 vom Europarat eingeführt (Empfehlung der Parlamentarischen Versammlung vom 25. Oktober, Entschließung des Ministerkomitees vom 9. Dezember). Der Europarat hat das Symbol folgendermaßen beschrieben: Auf dem blauen Grund des westlichen Himmels bilden die für die Völker Europas stehenden Sterne einen Kreis als Zeichen der Einheit. Die Zahl zwölf ist unveränderlich; sie symbolisiert Vollkommenheit und Vollendung. Die Zahl der Sterne ist also unabhängig von der Zahl der Mitgliedstaaten des Europarats bzw. der Gemeinschaft, die diese Flagge 1986 angenommen hat.

Nach einem Bericht in der Tageszeitung: "Die Welt" stammte die Idee zu dieser Europa-Flagge von Paul Levi, einem Belgier jüdischer Abstammung, der jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg vom Judentum zum Katholizismus konvertierte. Er wurde, so heißt es, 1949 zum Leiter der Kulturabteilung des Europarates ernannt. Sechs Jahre später sei dort über eine gemeinsame Flagge diskutiert worden. Levi sei eines Tages an einer Marienstatue mit einem Sternenkranz vorbeigekommen. Die goldenen Sterne hätten - von der Sonne beschienen - wunderschön vor dem strahlend blauen Himmel geleuchtet. Daraufhin habe Levi umgehend dem damaligen Generalsekretär des Europarates, Graf Benvenuti, als Motiv für die Europa-Flagge einen Kranz mit zwölf goldenen Sternen auf himmelblauem Grund vorgeschlagen. Diese Idee sei dazumal sogleich auf allgemeine Zustimmung gestoßen.

Es läßt sich so bereits feststellen, daß es dem Widersacher Gottes schon möglich war, mit der Europa-Flagge ein Gegenstück zum biblischen Symbol des Weibes aufzubauen. Unter dieser falschen Flagge wird dermaleinst der europäische Weltherrscher, der Antichrist, das wahre Weib mit den zwölf Sternen, also das Volk Israel, angreifen und zu vernichten suchen. Im nächsten Kapitel (Offb. 13, 1) erfahren wir dann mehr über den Aufstieg dieses unumschränkten Herrschers dieser Welt, der sofort als der lange ersehnte Erlöser und Friedensbote auftreten wird.

In der Offenbarung gibt es insgesamt vier Frauen, die alle jeweils eine Gruppe von Menschen und niemals eine einzelne Person darstellen, wie bisweilen gesagt wird: a) Das Weib Isebel (Offb. 2, 20) ist erwiesenermaßen das Papsttum in der römisch-katholischen Kirche. Wie damals die Gemeinde durch diese falsche Prophetin, so wird bis heute die Kirche durch falsche Propheten und deren lügenhaften Lehrsätze (= Dogmen) beherrscht, die weiter in ihren Reihen keine Andersgläubigen duldet. b) Das Weib, mit der Sonne bekleidet ... und eine Krone von zwölf Sternen, kann nur Israel sein. Die Sonne der Gerechtigkeit (Mal. 3, 20), das Licht der Menschen, scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's dann endlich ergriffen (Joh. 1, 4). Die zwölf Stämme werden ebenfalls scheinen als Lichter in der Welt (Phil. 2, 15). c) Das Weib bekleidet mit Purpur und Scharlach (Offb. 17, 4), diese große Hure Babylon, ist die Welteinheitskirche der Endzeit unter der Führung des Papstes und der Kardinäle sowie der Bischöfe und aller anderen Religionsführer. Nur die gläubigen Juden stehen außerhalb, werden danach erneut verfolgt und müssen fliehen. d) Die Braut des Lammes, angetan mit schöner reiner Leinwand (Offb. 19, 8). Die köstliche Leinwand aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen. Diese Heiligen stellen die entrückte und verherrlichte Gemeinde dar, also die allesamt an der ersten Auferstehung teilnehmen durften. Das ist der ganze Leib Christi, mit allen Gliedern.

Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. In Vers 9 wird schon gleich gesagt, was dieses Zeichen darstellt: Und es ward gestürzt der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Langes Bibelwerk, eine Bibelauslegung von Lange, erklärt jedoch dieses gewaltige Geschehen so: Das Zeichen ist nicht nur die symbolische Gestalt des Teufels als des Fürsten der Finsternis, des Widersachers des Reiches Gottes, des Menschenmörders und Todfeindes Christi, sondern auch ein Vorzeichen - oder Anzeichen! - von dem bevorstehenden Hervorbrechen der antichristlichen Macht ... . Israels Erlösung hat der Prophet Jesaja nun auch so geschildert: Zu der Zeit wird der Herr heimsuchen mit seinem harten, großen und starken Schwert den Leviathan, die flüchtige Schlange, und den Leviathan, die gewundene Schlange, und wird den Drachen im Meer töten. (Jes. 27, 1).

Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache. Dieses Zeichen ist also der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Der große Drache ist rot, was noch besonders erwähnt ist und deshalb gewiß nicht so ohne weiteres übergangen werden kann. Dabei wird man sofort an das zweite Siegelgericht, den Reiter auf dem feuerroten Pferde erinnert. Daß es ein roter Drache ist, erklärt die blutrünstige Art und Weise mit der dieses feuerspeiende Wesen die Menschen zu vernichten sucht. Die rote Farbe kennzeichnet jedoch nicht nur den Charakter des Teufels, sondern auch den aller seiner Anhänger. Es ist nämlich absolut kein Zufall, daß die gottlosen Parteien in aller Welt die rote Fahne als Symbol ihres Kampfes gewählt haben.

In teuflischer Nachahmung des Blutes Jesu symbolisiert die rote Farbe der sozialistischen und kommunistischen Parteien den antigöttlichen Kampf, den sie sich so auf ihre Fahne geschrieben haben. Der große, rote Drache bezwingt diese Parteien und Regierungen mit seinem Geist und bewirkt dadurch die Feindschaft gegen alle göttlichen Ordnungen. Man verspricht eine neue Freiheit ohne Gottes Gebote und endet dann mit der Knechtschaft ganzer Völker. Durch den antigöttlichen Geist beherrscht, wurden die unmenschlichsten Gesetze eingeführt und die blutigsten Verbrechen begangen. Der große, rote Drache trägt die Verantwortung für überreiche Blutbäder unter der roten Fahne. Der Teufel bewirkte so das größte Blutvergießen aller Zeiten in diesem Jahrhundert durch die vielen Bürgerkriege in aller Welt zur Machtergreifung. Wie durch das Blut Jesu die Erlösung der Menschheit durch die Liebe Gottes erfolgt ist, so ist durch die rote Farbe des blutigen Kampfes der Sozialisten und Kommunisten das Elend über hunderte Millionen Menschen durch den Haß der Väter ihrer Ideologie gekommen. Die falsche Freiheit führte ebenfalls zu liberalen Abtreibungsgesetzen, die den Tod von Millionen ungeborener Kinder in Kauf nahmen. Wer bewußt ohne Gott regiert, kann immer nur Verderben bringen.

Bereits jetzt stellen die nicht-christlichen Parteien im Europäischen Parlament die Mehrheit der Abgeordneten. Die Christen können am besten in das politische Geschehen eingreifen, indem sie versuchen, christliche Volksvertreter zu überzeugen. Das Gebet für alle Obrigkeit ist überaus wichtig, denn diese ist von Gott verordnet. (Röm. 13, 1-7). Der Apostel Paulus schrieb dem Timotheus, seinem rechten Sohn im Glauben: So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit. (1. Tim. 2, 1-2). Allerdings kann Gott es gewiß zulassen, daß die unter der blauen Europa-Flagge stehende Einheitsregierung eine Mehrheit roter Parteien hat, die nach der Hinwegnahme der Gläubigen dem Antichristen zur Macht verhilft.

Dieser große, rote Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen. In Kapitel 13 wird der Antichrist und sein Prophet beschrieben, wobei der Antichrist wie der Feind selbst, der Teufel und Satan, ebenfalls sieben Häupter und zehn Hörner haben wird. Anstatt wie hier sieben Kronen auf seinen Häuptern hat jener allerdings zehn Kronen auf seinen Hörnern. Später in Kapitel 17 (Offb. 17, 12) wird dem Johannes erklärt: Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, das sind zehn Könige. Diese zehn Könige haben gar keine Macht aus sich selbst heraus; wohingegen die sieben Kronen auf seinen sieben Häuptern die Macht und Intelligenz des Drachen zeigen. Dieser gibt sie jedoch nur indirekt dem Antichristen, indem er ihm die zehn Könige unterstellt. Das bedeutet ganz einfach, daß der Satan der eigentliche Herrscher ist. Man könnte den Teufel als Legislative, als die gesetzgebende Macht, bezeichnen und den Antichristen als die Exekutive, die ausführende Macht. In jedem Falle ist das nur eine unvollkommene teuflische Nachahmung Jesu Christi, von dem uns bezeugt wird, daß auf seinem Haupt viele Kronen sind (Offb. 19, 12). In der Lutherbibel erklärt wird dazu ganz knapp gesagt: sieben Häupter: Gegen- und Zerrbild der Weisheit Gottes. - zehn Hörner: Vollzahl der Weltreiche (13, 1; 17, 12). Es erinnert an die sieben Augen und Geister Gottes.

... und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Im Gegensatz zu Offb. 8, 10, wo es hieß, und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und machte das Wasser bitter, handelte es sich am Anfang von Kapitel 9 bei dem Stern um einen Engel, der vom Himmel auf die Erde kam. Da diesem der Schlüssel zum Abgrund gegeben ward, konnte es nur eine Person sein, nicht eine Sache. Die hier in Kapitel 12 verwendeten Symbole versinnbildlichen ebenfalls immer Personen, deshalb ist auch bei den Sternen des Himmels ausschließlich an Engel zu denken. Zu Hiob sprach der Herr aus dem Wettersturm: Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sage mir's, wenn du so klug bist! Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie die Richtschnur gezogen hat? Worauf sind ihre Pfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt, als mich die Morgensterne miteinander lobten und jauchzten alle Gottessöhne? (Hiob 38, 4-7). Dort wurden die Engel mit den Sternen verglichen.

So hat auch Jesaja den König von Babel mit einem lichtbringenden, vom Himmel gefallenen Morgenstern verglichen, der dann ins Totenreich fuhr: Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern! Wie wurdest du zu Boden geschlagen, der du alle Völker niederschlugst! Du aber gedachtest in deinem Herzen: "Ich will in den Himmel steigen und meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen, ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung im fernsten Norden. Ich will auffahren über die hohen Wolken und gleich sein dem Allerhöchsten.". (Jes. 14, 12-14). Diese Beschreibung geht jedenfalls über die des Königs von Babel hinaus, denn dessen Herr, der Teufel und Satan, wollte gleich sein dem Allerhöchsten. Aus diesem Zusammenhang kommt ebenso der lateinische Name: Lucifer, d. h. der Lichtbringer, den man bisweilen dem Satan gegeben hat. Deshalb ist es der falsche Morgenstern.

Judas, der leibliche Bruder Jesu, schrieb über die gefallenen Engel in seinem Brief: Auch die Engel, die ihren himmlischen Stand nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verließen, hat er behalten zum Gericht des großen Tages mit ewigen Banden in der Finsternis; wie auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die gleicherweise wie sie Unzucht getrieben haben und fremdem Fleisch nachgegangen sind, zum Beispiel gesetzt sind und leiden des ewigen Feuers Pein. (Judas 6-7).

Der Apostel Petrus hat das kommende Gericht in seinem zweiten Brief erwähnt: Denn Gott hat selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie in finstere Höhlen hinabgestoßen und übergeben, daß sie zum Gericht behalten werden; und hat nicht verschont die vorige Welt, sondern bewahrte allein Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben andern und brachte die Sintflut über die Welt der Gottlosen; und hat die Städte Sodom und Gomorra zu Asche gemacht, umgekehrt und verdammt und damit ein Beispiel gesetzt den Gottlosen, die hernach kommen würden; und hat errettet den gerechten Lot, welchem die schändlichen Leute alles Leid taten mit ihrem unzüchtigen Wandel. (2. Petr. 2, 4-7). Demnach werden die gefallenen Engel in der Finsternis zum Gericht behalten, nach unserem Text der Offenbarung scheint es der dritte Teil der Engel zu sein. Wenn es heißt, sie seien auf die Erde geworfen worden, so bedeutet das vielleicht, daß sie ihren Thron und ihre Würde verloren haben. Offenbar genießen einige von ihnen vorläufig noch eine gewisse Freiheit und können die Erde von den unteren Lufthimmeln aus beeinflussen. Dies bestätigt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Epheser:

Auch ihr waret tot in euren Übertretungen und Sünden, in welchen ihr vormals gewandelt seid nach dem Lauf dieser Welt, nach dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. (Eph. 2, 1-2). Paulus hat dann zum Kampf mit diesen Mächten die geistliche Waffenrüstung empfohlen, ohne die niemand siegreich bestehen kann: Ziehet an die Waffenrüstung Gottes, daß ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. (Eph. 6, 11-12). Diesbezüglich heißt es in der Lutherbibel erklärt: Auch einen Teil der Engelmächte riß er in seinen Stolz und Sturz hinein. Deshalb ist die "Luft" hier zu Zeiten wie geschwängert von Dämonen. Die gefallenen Engel sind Dämonen. (1. Kor. 10, 20-21).

An dieser Stelle sei noch eine andere Übersetzung dieses letzten Verses angeführt, die sicherlich allein schon wegen der besonders klaren Formulierung beachtenswert ist: Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. (Eph. 6, 12 - Elbf.)

Und der Drache trat vor das Weib, das gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße. Nun will der Drache das Kind fressen, das geboren werden soll. Er wußte um die Verheißung des kommenden Erlösers, dessen Erscheinen er verhindern wollte. - War es übrigens nicht die Absicht Satans schon vor der Geburt Jesu, das Weib, also das Volk Israel, auszulöschen? Doch, es fing schon in Ägypten an: Und das Volk mehrte sich und wurde sehr stark. ... Da gebot der Pharao seinem ganzen Volk und sprach: Alle Söhne, die geboren werden, werft in den Nil. (vgl. 2. Mose 1, 20-22). Und stand Israel später nicht oft in Gefahr, ausgerottet zu werden?

Als dann aber der Erlöser dennoch geboren wurde, versuchte Satan kurz danach ihn zu töten durch den Kindermord in Bethlehem. Matthäus bezeugt dieses Geschehen: Da das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm das ganze Jerusalem und ließ versammeln alle Hohenpriester und Schriftgelehrten unter dem Volk und erforschte von ihnen, wo der Christus sollte geboren werden. Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5, 1): "Und du Bethlehem im jüdischen Lande bist mitnichten die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei.".(Matth. 2, 3-6). Da Herodes nun sah, daß der von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knäblein zu Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erkundet hatte. (Matth. 2, 16).

Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Völker sollte weiden mit eisernem Stabe. Im ersten messianischen Psalm wird bereits über Gottes Sieg und die Herrschaft seines Sohnes gesagt: Kundtun will ich den Ratschluß des Herrn. Er hat zu mir gesagt: "Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen.". (Psalm 2, 7-9). Bei der Betrachtung von Kapitel 2 haben wir bereits den verheißenen Lohn für die Überwinder der Gemeinde zu Thyatira gesehen: Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen. (Offb. 2, 26-27). Das bedeutet, mit Jesus auch einmal zu herrschen.

Das wird später auch in Kapitel 19 bestätigt: Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß: Treu und wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Seine Augen sind eine Feuerflamme und auf seinem Haupt viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand wußte als er selbst. Und er war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Und ihm folgte nach das Heer im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer, reiner Leinwand. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen; und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren. (Offb. 19-11-16). Das Heer im Himmel sind die Heiligen, die entrückte Gemeinde.

Und ihr Kind ward entrückt zu Gott und seinem Thron. In der Apostelgeschichte hat Lukas, der Arzt, Christi Himmelfahrt so beschrieben: Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. (Apg. 1, 9). Der Prophet Daniel hat weitere Einzelheiten vorausgesehen: Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende. (Dan. 7, 13-14).

Zum besseren Verständnis dieses Abschnittes (Offb. 12, 1-5) ist eine Wiederholung vom Anfang dieses Teiles angebracht: Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. (1. Mose 3, 15). In diesem Wort haben wir die Schlange, den Satan, der in Vers 9 wieder so betitelt wird. Dann findet sich hier auch das Weib. Sicher ist damit zunächst Eva gemeint, die sich von der Schlange verführen ließ und ihrerseits Adam zur Sünde verleitete. Dann ist ihr "Same" genannt, der eigentlich das ganze Geschlecht der Menschheit beinhaltet. Die Feindschaft Satans richtet sich jedoch in besonderer Weise auf eine ausgewählte Linie ihres Samens, nämlich auf die Linie, die über Abel, Seth, Noah, Sem auf Abraham und damit auf das in diesem Kapitel erwähnte Weib Israel führt. Im allerengsten Sinne richtet sich dann die Feindschaft Satans nun noch weiter auf eine Linie innerhalb von Israel, die über Isaak, Jakob, Juda und David schließlich auf das in Vers 5 erwähnte Knäblein, Jesus Christus, auf den Messias Israels, führt.

Der ganze irdische Lebensweg dieses Knäbleins wird hier übergangen. Sogar sein Sterben und seine Auferstehung werden nicht erwähnt; darüber wird wohl an anderer Stelle genug gesagt (z. B. Offb. 1, 5 + 18; Offb. 5, 5-6 + 9 + 12). Hier wird nur über seine Geburt und seine Himmelfahrt gesprochen, weil seine Verwandtschaft mit Israel und seine gegenwärtige Stellung dadurch erkennbar werden. Die endgültige Wiederherstellung Israels ist in der Bestimmung dieses Knäbleins zu erkennen. Die Bestimmung des Herrn, der alle Völker sollte weiden mit eisernem Stabe, ist ein Hinweis auf die nahe Zukunft, das bevorstehende Tausendjährige Friedensreich.

Manche Ausleger neigen zu der Ansicht, daß die Entrückung der Gemeinde in der Himmelfahrt oder Entrückung des Herrn zu Gott mit eingeschlossen ist. Im Urtext steht das griechische Wort: arpazw (= harpazoo) für entrücken in der Tat ebenfalls in 1. Thess. 4, 17. Die Entrückung der Gemeinde ähnelt tatsächlich ganz der des Herrn Jesus, indem eine Wolke oder Wolken beide aufnimmt. Jesus ist nämlich das Haupt und die Gemeinde der Leib, der allezeit mit dem Haupte verbunden ist. Damit wäre auch das Knäblein, wie die anderen Symbole in diesem Kapitel, eine Gruppe von Personen, die allerdings zu verschiedenen Zeiten entrückt worden sind.

Wir warten heute auf dieses Ereignis, auf unsere Entrückung und auf die Vereinigung mit unserem erhöhten Haupt. - In der Offenbarung jedoch, die, abgesehen von wenigen zurückblickenden Stellen (wie hier Offb. 12, 1-5), in die Zukunft schaut, ist die Entrückung in Kapitel 11 bereits eine Tatsache, so nach meiner Erkenntnis. Noch ehe die siebenjährige Trübsalszeit für Israel beginnt, wird der Herr die Gläubigen zu sich holen, so daß bereits heute jeder wahre Christ freudig sprechen darf:
Er ist das Haupt, ich bin sein Glied,
Das er schlußendlich nach sich zieht!

Und das Weib entfloh in die Wüste, wo sie einen Ort hat, bereitet von Gott, daß sie daselbst ernährt würde zwölfhundertsechzig Tage. In Kapitel 11 (Offb. 11, 3) haben wir gelesen: Und ich will meinen zwei Zeugen geben, daß sie sollen weissagen zwölfhundertsechzig Tage, angetan mit Trauerkleidern. Die Versuchung liegt natürlich nahe, zu meinen, diese beiden Ereignisse würden gleichzeitig geschehen. Dem ist jedoch nicht so, wie sich aus dem biblischen Zusammenhang ergibt. Diese zwölfhundertsechzig Tage von Kapitel 12 entsprechen nämlich den zweiundvierzig Monaten von Offb. 11, 2 und damit nun der zweiten Hälfte der 70. Jahrwoche nach Dan. 9, 27. Es ist nicht leicht zu ergründen, warum Gott für ein und dieselbe Zeitspanne manchmal unterschiedliche Bezeichnungen verwendet. Die Bibel nennt vier solcher Wendungen an insgesamt acht verschieden Stellen, die dasselbe bedeuten:

1. Eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit - Dan. 7, 25; 12,7; Offb. 12, 14.
In Dan. 4, 13 + 22 + 29 werden jeweils sieben Zeiten genannt, mit denen Gott
die sieben Jahre von Nebukadnezars Wahnsinn bezeichnete. Demnach ist hier
die Hälfte davon gemeint, also dreieinhalb Jahre. Man könnte also auch sagen:
Ein Jahr und zwei Jahre und ein halbes Jahr, zusammen also dreieinhalb Jahre.
Das Hebräische und das Griechische kennen einen besonderen Plural, und zwar
den Dualis, der zwei bedeutet. Deshalb heißt es im Urtext eigentlich: Eine Zeit,
Zeiten und eine halbe Zeit oder Zeit und Zeiten und halbe Zeit, ohne "eine".
2. Dan. 9, 27 sagt: Er wird aber vielen den Bund schwer machen eine Woche lang.
Und in der Mitte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer abschaffen.
Bei der Betrachtung der Jahrwochen in Kapitel 7 (Offb. 7, 14) haben wir festge-
stellt, daß damit die 70. Jahrwoche gemeint ist. In deren Mitte beginnt die große
Trübsal, also die zweite Hälfte, die demnach ebenfalls dreieinhalb Jahre dauert.
Anstatt der in Dan. 9, 2 erwähnten siebzig Jahre handelt es sich hier um siebzig
Jahrwochen, also 70 x 7 Jahre, im Urtext dann als siebzig Siebener bezeichnet.
3. Zweiundvierzig Monate - Offb. 11, 2 und 13, 5. Das ist die Zeit des Antichristen
in der großen Trübsal vor der Wiederkunft Jesu Christi, fällt in die zweite Hälfte
der siebenjährigen Trübsalszeit und entspricht daher ebenfalls dreieinhalb Jahre.
4. Zwölfhundertsechzig Tage - Offb. 11, 3 und 12, 6. Die biblische Berechnung des
Jahres zu 360 Tagen ergibt auch genau dreieinhalb Jahre. Allerdings ist bei allen
Angaben immer einzeln zu prüfen, ob sie die erste oder zweite Hälfte der Trüb-
salszeit betrifft. Das muß man jeweils in dem biblischen Zusammenhang sehen.

Es wurde manchmal gefragt, ob diese Zahl der dreieinhalb Jahre nicht symbolisch zu verstehen sei. Als Hälfte der Zahl sieben, der Zahl der Vollkommenheit, würde sie andeuten, daß der Antichrist inmitten seiner Laufbahn die Macht eingeschränkt bekäme. Es wäre dann ganz gleich, wie lange er regieren würde. Aber da die Bibel achtmal und in vier einander deckenden Wendungen die Zahl dreieinhalb Jahre angibt, so ist unbedingt anzunehmen, daß sie hauptsächlich im buchstäblichen Sinne verstanden werden sollte. Anders ließen sich eine solche Betonung und so zahlreiche Mittel zur Nachprüfung nicht erklären, aber auch nicht die richtige Bedeutung.

Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten wider den Drachen. Und der Drache stritt und seine Engel und siegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward gestürzt der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unsers Gottes geworden und die Macht seines Christus, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod. Darum freuet euch, ihr Himmel und die darinnen wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat. (Offb. 12, 7-12).

Wir erkannten bereits, daß in den Zeichen des Weibes und des Drachens die ganze Geschichte Israels wiedergegeben wird: Israel litt durch die Jahrhunderte hindurch große Geburtsschmerzen bis zur Geburt des Messias, sodann folgte die Entrückung des Messias und damit heilsgeschichtlich auch die Entrückung der Gemeinde Jesu Christi. Denn als er gen Himmel fuhr, waren wir grundsätzlich bereits ein Teil seines Leibes. Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war. (Eph. 1, 6). Gott hat uns deshalb auch samt ihm auferweckt und samt ihm gesetzt: in den himmlischen Örtern in Christo Jesu (Eph. 2, 6 - Elbf.). Jedoch erst nach der eigentlichen Entrückung der Gemeinde Jesu Christi wird dem Teufel dann endgültig der Zugang zum Himmel verwehrt, den er noch bis heute hat, um uns alle zu verklagen.

Und es erhob sich ein Streit im Himmel: Michael und seine Engel stritten wider den Drachen. Von einem möglicherweise ähnlichen Streit oder Kampf im Himmel wird in den Apokryphen berichtet, die aber nicht mit der Bibel gleichzustellen sind. Dennoch ist dieser Teil zweifellos nützlich, da darin sicherlich wichtige Ereignisse aus der damaligen Zeit beschrieben werden: Um diese Zeit rüstete Antiochus zu seinem zweiten Feldzug gegen Ägypten. Da geschah es, daß man in der ganzen Stadt fast vierzig Tage lang Reiter bemerkte, die durch die Luft daherfuhren, mit goldenen Gewändern bekleidet; bewaffnete Heere, die in Kohorten aufgestellt waren. Die Reitergeschwader standen in Schlachtordnung und von beiden Seiten erfolgten Angriff und Abwehr; Schilde wurden geschwungen, Speere gab es in Menge, Pfeile wurden abgeschossen, goldene Rüstungen blitzten auf, und mancherlei Arten von Panzern gab es. Daher beteten alle, die Erscheinung möchte ein gutes Vorzeichen sein. (2. Makk. 5, 1-4).

Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus (37-100 n. Chr.), der damals die Belagerung Jerusalems im Frühling des Jahres 70 n. Chr. miterlebt hat, berichtete darüber in seinem Buch "Der Jüdische Krieg", in Buch VI, 5. Kapitel, 3. Abschnitt: Kurz nach dem Fest, am 25. Tag des Monats Artemisios, war eine Erscheinung zu sehen, die kaum zu fassen war. Man könnte meine Erzählung für ein Ammenmärchen halten, gäbe es nicht Augenzeugen, die sie bestätigen können, und wäre nicht auch jenes Unglück eingetroffen, das durch derlei Vorzeichen angekündigt wird: Im ganzen Lande sah man nämlich vor Sonnenuntergang in der Luft Wagen und bewaffnete Kampftruppen durch die Wolken dahinjagen und die Städte umkreisen. Ferner bezeugen die Priester, sie hätten am sogenannten Pfingstfest - es war Nacht, und pflichtgemäß mußten sie sich in den inneren Vorhof begeben - zuerst ein Lärmen und Toben und später von zahlreichen Stimmen den Ruf vernommen: "Nur fort von hier!".

Die jüdische Tradition kennt zwar sieben Erzengel, nach 1. Henoch 20, 1-8, einem ebenfalls apokryphischen Buch, jedoch wird in der Bibel nur Michael ausdrücklich als Erzengel bezeichnet: Michael aber, der Erzengel, als er mit dem Teufel stritt und mit ihm rechtete über den Leichnam des Mose, hat nicht gewagt, gegen ihn ein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich! (Judas 9). Allerdings hat der Prophet Daniel in seinem Buch von einigen Engelfürsten berichtet: Aber der Engelfürst des Königreichs Persien hat mir einundzwanzig Tage widerstanden; und siehe, Michael, einer der Ersten unter den Engelfürsten, kam mir zu Hilfe, und ihm überließ ich den Kampf mit dem Engelfürsten des Königreichs Persien. (Dan. 10, 13). Der dort erwähnte heilige Bote könnte der Engel Gabriel sein.

Der Bericht dieses heiligen Boten ging dann weiter, wie Daniel gleich danach bezeugte: Und er sprach: Weißt du, warum ich zu dir gekommen bin? Und jetzt muß ich wieder hin mit dem Engelfürsten von Persien kämpfen; und wenn ich das hinter mich gebracht habe, siehe, dann wird der Engelfürst von Griechenland kommen. - Doch zuvor will ich dir kundtun, was geschrieben ist im Buch der Wahrheit. - Und es ist keiner, der mir hilft gegen jene, außer eurem Engelfürsten Michael. (Dan. 10, 20-21). Demnach haben wahrscheinlich alle siebzig Nationen einen Engelfürsten, die möglicherweise alle gegen den oder die göttlichen "Ersten unter den Engelfürsten" ankämpfen. Im Gegensatz zu den heidnischen Völkern hat Israel, das Volk Gottes, eindeutig einen himmlischen Engelfürsten zum Schutz über sich bestellt.

Was auf Erden geschieht, scheint nur ein Abbild der Vorgänge im Himmel zu sein. Nachdem Babylon erobert worden war, wurde das Volk Gottes zunächst von Medo-Persien bedrängt, später von Griechenland und besonders durch das Nachfolgereich von Antiochus oder Antiochos IV. Epiphanes (= der Berühmte). Dieser König von Syrien (von 175-164 v. Chr.) plünderte dann 168 v. Chr. den Tempel in Jerusalem. Dadurch begann der Makkabäer-Aufstand, der bis zum Jahre 164 v. Chr. dauerte.

Der Prophet Daniel berichtete dann außerdem: Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. (Dan. 12, 1). Das bezieht sich zweifellos auf die hier erwähnte Zeit der großen Trübsal, die zunächst mit der Auferstehung und Entrückung der Gläubigen ihren Anfang nimmt. Deshalb heißt es auch verständlicherweise im nächsten Vers: Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die da viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. (Dan. 12, 2-3).

Das wiederum wird durch die Worte des Apostels Paulus bestätigt: Denn er selbst, der Herr, wird mit befehlendem Wort, mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden auferstehen zuerst. (1. Thess. 4, 16). Aus diesem biblischen Zusammenhang kann man schließen, daß der Streit im Himmel zu Beginn der Trübsalszeit stattfindet.

Und der Drache stritt und seine Engel und siegten nicht, auch ward ihre Stätte nicht mehr gefunden im Himmel. Und es ward gestürzt der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. Als Anführer der Engel Gottes in dem Kampf mit Satan und seinen Engeln haben wir den Erzengel Michael gesehen. Sein Name ist wirklich bezeichnend, denn der bedeutet: Wer ist wie Gott?. Satan, die alte Schlange, hatte im Paradies auf Erden den ersten Menschen bei der Verführung vorgelogen: ... ihr werdet sein wie Gott. (1. Mose 3, 5). Bei der Entrückung hingegen, wo die erlösten Menschenkinder ins himmlische Paradies eingeführt werden, tritt ihm dann ein Erzengel entgegen, der da heißt: Wer ist wie Gott?. Dieser wirft den Teufel dann selbst aus dem Paradies.

Hierbei wird man vielleicht an das Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamon erinnert. Dort in Pergamon war nämlich, zur Zeit des Johannes, der Thron Satans, wie in Kapitel 2 (Offb. 2, 13) zu ersehen ist. Eine Anbetung der Schlange erfolgte dort im Tempel des Äskulap, in dem auch lebendige Schlangen gehalten wurden. Der von einer Schlange umwundene Stab des Äskulap wird bis heute von Ärzten und Apothekern als Heilszeichen verwendet. Der Äskulapstab versinnbildlicht jedoch die Schlange als Symbol Satans und ist eine Nachahmung durch den Teufel. Gott hatte dem Mose dieses Zeichen gegeben als Hinweis auf den kommenden Erlöser, der ebenfalls so erhöht werden würde bei seiner Kreuzigung auf Golgatha.

Im Buch Hiob wird uns dieses berichtet: Der Herr aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. Der Herr sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse. (Hiob 1, 7-8). Ähnlich auch in Hiob 2, 2-3. Im Römer-Brief erklärte sodann der Apostel Paulus: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. (Röm. 8, 33).

Das Wort "Teufel", in manchen Mundarten auch "Deibel" genannt, ist eine Entstellung des griech. diaboloV = diabolos, das "Schmäher", aber auch "Ankläger" (d. h. Schmäher einem Richter gegenüber) bedeutet; als Adjektiv (= Eigenschaftswort) wird es mit "verleumderisch" übersetzt. Diabolos ist vom Verb (= Tätigkeitswort) diabalw = diabalo abgeleitet, das "anklagen" (in feindseliger Absicht) bedeutet. Diabolos ist in der Septuaginta (= LXX) die übliche Übersetzung des hebr. satan, woraus man ersehen kann, daß die Bedeutungen als etwa gleich angesehen wurden. Das Wort "Satan" (griech. satanaV = satanas) geht auf das hebräische Wort: satan (aram. satana) zurück, das zunächst "Widersacher" bedeutet. In Psalm 109, 6 wird das Wort mit "Widersacher" oder "Verkläger" übersetzt. Sowohl in "Teufel" als auch in "Satan" klingt also die Bedeutung "Ankläger" mit. Gleich in Offb. 12, 10 wird jedoch das griechische Wort: kategoroV = kategoros gebraucht, das wohl als griechisches Lehnwort auch in der rabbinischen Literatur vorkommt.

Einer der Namen, womit Satan in diesem Vers bezeichnet wird, ist hier besonders beachtenswert, nämlich: der Verführer des ganzen Weltkreises (Menge). Das griechische Wort für Weltkreis lautet im Urtext: oikoumenh = oikoumené und wurde als "Ökumene" in die deutsche Sprache aufgenommen. So wie der "Heilige Stuhl" des Teufels heute nicht mehr in Pergamon ist, so ist auch jetzt der Mittelpunkt der Ökumene nicht mehr dort. Zweifellos wird sich der Ökumenische Rat der Kirchen (Ö.R.K.) in nicht allzu ferner Zukunft mit der römisch-katholischen Kirche unter der Führung des Papstes zur Welteinheitskirche der Endzeit vereinigen, der eigentlichen Ökumene. Dann wird man erkennen, daß dieser "Heilige Stuhl" in Rom ist.

In der Bibel ist eine Verwerfung Satans in fünf Stufen zu erkennen. Die erste erfolgte unmittelbar nach seinem Fall (Jes. 14, 9-15; Hes. 28, 11-19), die zweite zwischen dem Tode auf Golgatha und der Auferstehung Jesu Christi (Kol. 2,15; Eph. 4, 8-9). Die dritte folgt zu Beginn der Trübsalszeit (vorliegender Text), die vierte am Anfang und die fünfte am Ende des Tausendjährigen Friedensreiches (Offb. 20, 1-3 und schließlich Offb. 20, 10). Damit ist dann sein Ende besiegelt.

Der Prophet Jesaja hat vorausgesagt: Zu der Zeit wird der Herr das Heer der Höhe heimsuchen in der Höhe und die Könige der Erde auf der Erde, daß sie gesammelt werden als Gefangene im Gefängnis und verschlossen werden im Kerker und nach langer Zeit heimgesucht werden. (Jes. 24, 21-22). Im Lukas-Evangelium lesen wir diese Antwort des Herrn: Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. (Luk. 10, 18). So sah auch Jesus den Sturz Satans im voraus.

Johannes hat in seinem Evangelium diese Worte Jesu berichtet: Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen. Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Joh. 12, 30-32). Nach der Entrückung der Gemeinde wird Satan ausgestoßen werden und mit den Dämonen auf die Erde geworfen, zu weiterem Unheil.

Das hatte der Apostel Paulus bereits erkannt: Lasset euch von niemand verführen, in keinerlei Weise; denn er kommt nicht, es sei denn, daß zuvor der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, der da ist der Widersacher und sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so daß er sich setzt in den Tempel Gottes und vorgibt, er sei Gott. Erinnert ihr euch nicht daran, daß ich euch solches sagte, da ich noch bei euch war? Und ihr wisset, was ihn noch aufhält, bis er offenbart werde zu seiner Zeit. Denn es regt sich bereits das Geheimnis des Frevels, nur daß, der es jetzt aufhält, erst muß hinweggetan werden. (2. Thess. 2, 3-7). Der es jetzt aufhält, das ist der Heilige Geist, der mit den Gläubigen entrückt wird. Deshalb heißt es auch am Schluß der Offenbarung: Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will der nehme das Wasser des Lebens umsonst. (Offb. 22, 17). In Kapitel 11 (Offb. 11, 15) haben wir das schon bei der Entrückung der Gläubigen betrachtet, mehr darüber später in Kapitel 13.

Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unsers Gottes geworden und die Macht seines Christus, weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserm Gott. Im Himmel bricht nach Satans Sturz ein Freudenjubel aus, weil dem Feind der bislang begrenzte Zutritt als Verkläger nun endgültig verwehrt ist. Der Lobpreis zur Ehre Gottes und seines Gesalbten klingt hier ganz ähnlich wie in Kapitel 11 (Offb. 11,15). Der ganze Himmel ist erfüllt mit großer Freude über das vollendete Reich Gottes im Himmel, dessen Anbruch auf Erden nun bevorsteht.

Der Apostel Paulus hat an die Heiligen zu Ephesus und Gläubigen an Christus Jesus geschrieben: Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und was sonst genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen; und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allen erfüllt. (Eph. 1, 20-23). Nachdem der Leib Christi im Himmel vollendet ist, kann hinfort Satan, der bis dahin droben geduldet wurde, nicht mehr dort bleiben. Nach einem Kampf wird er und sein Gefolge für die Trübsalszeit auf die Erde geworfen.

Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod. Für gläubige Christen aller Zeiten gilt es, bis zu diesem Tage den Satan zu überwinden: durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses. Das schließt auch mit ein, wenn nötig, ... durch Hingabe ihres eigenen Lebens um Gottes und Christi willen.

Hierzu sei an die Worte Jesu erinnert: Wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. (Matth. 10, 32-33). Dann weiter: Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. (Matth. 10, 39). Dazu noch: Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig. (Mark. 13, 13).

Darum freuet euch, ihr Himmel und die darinnen wohnen! Weh aber der Erde und dem Meer! denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, daß er wenig Zeit hat. Ein alter Ausleger meinte zu dem "Wehe!": Wäre (buchstäblich) der Erdkreis gemeint, so wäre die Nennung des Meeres überflüssig. Demnach ist hier eher an das Land Israel und das Völkermeer zu denken. Das Konkordante Neue Testament übersetzt: Wehe aber dem Land und dem Meer! Der Luthertext von 1912 lautet dann noch: Weh denen, die auf Erden wohnen und auf dem Meer! Auf dem Meer wohnen, scheint abermals eine Bestätigung für das Völkermeer zu sein. Diese Ansicht ist dann ebenfalls in Kapitel 13 vorherrschend.

Mit dem Sturz des großen, roten Drachen kommt die schlimmste Zeit auf Erden. Weil er aus dem Himmel geworfen ist, hat er einen großen Zorn. Der Teufel weiß, daß seine Tage auf Erden gezählt sind. Mit der Entrückung der Gemeinde beginnt die 70. Jahrwoche nach Daniel 9, 27 und damit die Trübsalszeit. In diesen sieben Jahren wird er auf der ganzen Erde ein satanisches, antichristliches Weltreich anstatt des Friedensreiches Jesu Christi aufrichten. Das wird eine Nachahmung und zugleich eine Vorwegnahme dessen sein, was von dem Friede-Fürst verheißen ist: ... auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende. (Jes. 9, 5-6). Alle Welt sehnt sich nach Frieden, deshalb kommt der Teufel als Friedensengel! Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichtes. (2. Kor. 11, 14). Nur wenige Menschen werden ihn so durchschauen.

Und da der Drache sah, daß er geworfen war auf die Erde, verfolgte er das Weib, die das Knäblein geboren hatte. Und es wurden dem Weibe gegeben die zwei Flügel des großen Adlers, daß sie in die Wüste flöge an ihren Ort, wo sie ernährt würde eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit fern von dem Angesicht der Schlange. Und die Schlange schoß aus ihrem Rachen nach dem Weibe ein Wasser wie einen Strom, daß er sie ersäufe. Aber die Erde half dem Weibe und tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen schoß. Und der Drache ward zornig über das Weib und ging hin, zu streiten wider die übrigen von ihrem Geschlecht, die da Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu. Und er trat an den Strand des Meeres. (Offb. 12, 13-18).

Diese Stelle wollen wir nun in Verbindung mit Kapitel 11 (Offb. 11, 7) betrachten. Wenn die beiden Zeugen ihr Zeugnis beendet haben, kann das Tier oder die Bestie aus dem Abgrund sie überwinden und töten. Dieses ist der Antichrist, der eindeutig die Verkörperung Satans oder der leibhaftige Teufel ist, ähnlich wie Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott war: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen! (Mark. 15, 39). In der ersten Hälfte der siebenjährigen Trübsalszeit wird die eigentliche Verfolgung des Weibes deshalb auch nicht möglich sein. So etwas werden die beiden Zeugen wohl kaum zulassen. Sodann buchstäblich über ihre Leiche wird der Drache zudem ebenso das Weib verfolgen, das er immer schon gehaßt hat.

Durch Israel hat Gott der Menschheit sein zeitlos gültiges Gesetz gegeben. Deshalb gingen Recht, Ordnung, Licht von Israel aus. Ganz besonders jedoch brachte Israel, das Weib, den Heiland und Erlöser der Menschheit hervor, Jesus Christus. Als letztes Volk der Welt steht Israel allein außerhalb der Einflußsphäre des Antichristen. - Nur der gläubige Überrest aus Israel wird ihm weiterhin mit Gottes Hilfe entrinnen können. Dazu gehören die 144 000 Versiegelten und möglicherweise auch darüber hinaus noch einige, die durch deren Zeugnis zum wahren Glauben gekommen sind.

Und es wurden dem Weibe gegeben die zwei Flügel des großen Adlers, daß sie in die Wüste flöge an ihren Ort, wo sie ernährt würde eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit fern von dem Angesicht der Schlange. Damals in der Wüste Sinai hatte Gott schon so gehandelt: Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und er Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und verkündigen den Kindern Israel: Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. (2. Mose 19, 3-4). Die Adlerflügel sind eindeutig sinnbildlich zu verstehen, denn so bewahrt Gott.

Im Lied des Mose heißt es alsdann: Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Kinder Israel. Denn des Herrn Teil ist sein Volk, Jakob ist sein Erbe. Er fand ihn in der Wüste, in der dürren Einöde sah er ihn. Er umfing ihn und hatte acht auf ihn. Er behütete ihn wie seinen Augapfel. Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Flügeln. Der Herr allein leitete ihn, und kein fremder Gott war mit ihm. Er ließ ihn einherfahren über die Höhen der Erde und nährte ihn mit den Früchten des Feldes und ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus hartem Gestein. (5. Mose 32, 8-13). So hat Gott Jakob oder Israel, sein Volk, oft bewahrt.

Ähnlich wird der Reichtum der Güte Gottes auch in einem Psalm beschrieben: Wie köstlich ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. (Psalm 36, 8-9). Auch hier bedeutet die Zuflucht unter dem Schatten deiner Flügel: Unter Gottes Schutz wird man bewahrt. Der Luthertext von 1912 beginnt: Und es wurden dem Weibe zwei Flügel gegeben wie eines großen Adlers. Deshalb glaubt mehr als ein Bibelausleger, damit würden nur Flugzeuge gemeint sein, die eine Luftbrücke zur Evakuierung bilden könnten.

Auf diese Flucht hatte Jesus seine Jünger bereits in der Ölbergrede hingewiesen: Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, von dem gesagt ist durch den Propheten Daniel (Dan. 9, 27; 11, 31) - wer das liest, der merke auf! -, alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist; und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seinen Mantel zu holen. Weh aber den Schwangeren und Säugenden zu jener Zeit! Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am Sabbat. Denn es wird alsdann eine große Trübsal, wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher und auch nicht wieder werden wird. Und wenn diese Tage nicht würden verkürzt, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt. (Matth. 24, 15-22). Ähnlich wird es auch von Markus berichtet, vgl. Mark. 13, 14-20.

Nach Dan. 9, 27 und 2. Thess. 2, 4 wird es in der Mitte der siebzigsten Jahrwoche dem Antichristen möglich sein, den Tempel zu entweihen. In Kapitel 7 (Offb. 7, 14) und Kapitel 11 (Offb. 11, 2) haben wir das bereits angesprochen. Anstatt der vollen sieben Jahre wird diese eigentliche große Trübsal für Israel nur dreieinhalb Jahre dauern, weil Gott diese Tage der Angst in Jakob (Jer. 30, 7) schon verkürzt hat. Mit der Verkürzung der Tage ist eine Zeitverkürzung der eigentlichen Trübsal gemeint, so jedenfalls verstehe ich die Worte Jesu. Manche Ausleger haben damit allerdings Schwierigkeiten. Meines Erachtens liegt die Lösung in der Zeitform des Wortes "verkürzt", was aus dem Paralleltext bei Markus deutlich hervorgeht: Und wenn der Herr diese Tage nicht verkürzt hätte, würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er diese Tage verkürzt. (Mark. 13, 20). Demnach hat Gott diese Tage gewissermaßen bereits vorher verkürzt, und zwar auf die verhältnismäßig kurze Zeitspanne von dreieinhalb Jahren. Beachtenswert ist zudem die überaus wichtige Tatsache, daß das griechische Wort: kolobw = koloboo, welches allgemein mit "verkürzen" übersetzt wird, außer in den beiden obigen Texten bei Matthäus und Markus sonst nirgendwo in der Bibel vorkommt.

Außerdem werden die Auserwählten sogar in dieser verkürzten Zeit noch bewahrt, da Gott ihnen die Flucht in die Wüste ermöglicht. Dem Volke Gottes soll ganz gewiß an diesem gewaltigen Tage geholfen werden, denn so prophezeite es Jeremia: ... doch soll ihm daraus geholfen werden. (Jer. 30, 7). Wo genau jedoch dann dieser Zufluchtsort in der Wüste ist, läßt sich allerdings nun nicht so leicht feststellen.

Folgende Gründe sprechen dafür, dieses Versteck vor allem jenseits des Jordan zu suchen, in Jordanien, dem alten Edom, Moab und Ammon:
a) Gott wird es verhindern, daß diese Gebiete dann in die Hände des Königs des Nordens fallen. Der Prophet Daniel weissagte deshalb schon damals: Und er wird in das herrliche Land einfallen, und viele werden umkommen. Es werden aber seiner Hand entrinnen Edom, Moab und der Hauptteil der Ammoniter. (Dan. 11, 41).
b) Diese Gebiete waren bereits in früheren Zeiten auch einmal Zufluchtsstätten für Flüchtlinge aus Israel: Und als die Judäer, die im Lande Moab und Ammon und in Edom und in allen Ländern waren, hörten, daß der König von Babel einen Rest in Juda übriggelassen und über sie Gedalja gesetzt hatte, den Sohn Ahikams, des Sohnes Schaphans, da kamen auch sie alle zurück aus allen Orten, wohin sie verstreut waren, in das Land Juda zu Gedalja nach Mizpa und ernteten sehr viel Wein und Sommerfrüchte. (Jer. 40, 11).
c) Während der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. wurden auch die ersten Christen in diesen Gebieten bewahrt. Im Angesicht der heraufziehenden Feinde erahnten sie das nahende Unglück und achteten auf diese prophetischen Worte Jesu:
Wenn ihr aber sehen werdet Jerusalem belagert von einem Heer, so merket, daß herbeigekommen ist seine Verwüstung. Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf das Gebirge, und wer in der Stadt ist, der gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, der komme nicht herein. (Luk. 21, 20-21).

Der griechische Kirchenlehrer Eusebius oder Eusebios (260-340 n. Chr.), Bischof von Cäsarea, der Verfasser der ersten Kirchengeschichte, bestätigte später, daß sich die christliche Gemeinde in Jerusalem dort in Sicherheit bringen konnte, rechtzeitig vor der Belagerung ihrer Stadt durch die Römer. Das geschah auf Grund einer göttlichen Offenbarung, die ihnen damals die Anweisung gab, auf die Berge nach Pella zu fliehen. Diese Stadt nahm am jüdischen Aufstand 66-70 n. Chr. nicht teil, daher konnte die Gemeinde aus Jerusalem damals hier Zuflucht finden, als der Untergang der Hauptstadt drohte. Pella lag, von Jerusalem aus gesehen, jenseits des Jordans in nördlicher Richtung, etwa 12 km südöstlich von Beth-Sean. Dieser Ort heißt heute: Tabqat fahl und gehört zu Jordanien.

Pastor A. Fünning schrieb in seinem bereits öfters erwähnten Buch: Das feste, prophetische Wort, auf Seite 240-241: Ich glaube mit andern Bibelforschern, die alte Edomiterstadt Petra, etwa 100 Meilen (gut 150 km, Anm.) südlich von Jerusalem, mag der Zufluchtsort in der Wüste sein für das gläubige Israel. Die dort existierenden Höhlen befinden sich in den Felsgebirgen, die mit Leichtigkeit 100 000 Flüchtlinge aufnehmen können. Der Eingang zu diesen Höhlen ist eine tiefe, natürliche, enge Felsspalte, eine Meile lang (ungefähr 1,5 km, Anm.). Wie leicht ist diese enge Felsspalte mit einer Handvoll Soldaten und mit modernen Geschützen zu bewahren.

Und alle Felshöhlen sind durchaus bombensicher. Der Prophet Jesaja, von der antichristlichen Schreckenszeit schreibend, ruft seinem Volk zu, Jes. 26, 20: Gehe hin, mein Volk, in deine Kammer, und schließ die Tür nach dir zu; verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergehe. ... Doch in diesem Zufluchtsort wird Brot und Wasser eine große Sorge sein. Aber auch dafür hat der Herr schon vor Jahrtausenden gesorgt; denn wir lesen Jes. 33, 16: Der Gerechte, (hier der gläubige Überrest Israels) wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine Feste und Schutz sein. Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiß.

Pastor A. Fünning schrieb sodann weiter: Dr. W. E. Blackstone, der Verfasser des weithin bekannten, köstlichen Buches: Jesus is Coming (Der deutsche Titel lautet: Der Herr kommt! Anm.), war so felsenfest von der Tatsache überzeugt, daß Petra der Zufluchtsort für das gläubige Israel sein werde, daß er 12 Kisten hebräische Bibeln und christliche Literatur dort in den Höhlen hat aufspeichern lassen, auf daß, wenn Israel dahin fliehen wird, es diese Bibeln und Schriften studieren werde, mit dem Resultat, daß sie Jesus als ihren Messias erkennen und sich zu ihm bekehren werden. Welch eine Liebe zu Israel! Kurz, der Himmel nahm den verworfenen Christus auf (Apg. 3, 21), und der Ort in der Wüste nimmt das Weib (Israel) auf.

Arnold G. Fruchtenbaum bestätigte das dann ebenfalls in seinem Buch: Handbuch der biblischen Prophetie, auf Seite 255: Petra liegt in einem Talkessel des Gebirges Seïr und ist auf allen Seiten von Bergen und steilen Abhängen umgeben. Es gibt nur einen Weg in die Stadt und aus ihr heraus: zu Fuß oder zu Pferde auf einem schmalen, ungefähr 1,5 Kilometer langen Weg. Damit ist die Stadt leicht zu verteidigen. Die steilen Felsen bestätigen geradezu die Aussage von Jesaja 33, 16. Seite an Seite kommt man über den Weg bestenfalls zu dritt in die Stadt, so schmal (und so gut zu verteidigen) ist er. Diese Bibelstelle wurde bereits weiter oben angeführt.

Weiter wird hier gesagt von dem Weibe, mithin dem Überrest aus Israel, daß sie in die Wüste flöge an ihren Ort, wo sie ernährt würde eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit fern von dem Angesicht der Schlange. In Vers 6 hatte es geheißen: ... daß sie daselbst ernährt würde zwölfhundertsechzig Tage. Wir sehen wieder, daß es jeweils dreieinhalb Jahre sind, allerdings zwei verschiedene Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache. Es ist in beiden Fällen die zweite Hälfte der siebenjährigen Trübsalszeit, wie das bereits mehrmals an anderen Stellen genau erklärt worden ist. Das griechische Wort, hier mit "Zeit" übersetzt, lautet: kairoV = kairos und bedeutet: bestimmte Zeitspanne, Frist. Hans Bruns übersetzte so direkt: dreieinhalb Jahre.

Wutentbrannt stellt der Teufel nun Israel nach: Und die Schlange schoß aus ihrem Rachen nach dem Weibe ein Wasser wie einen Strom, daß er sie ersäufe. Aber die Erde half dem Weibe und tat ihren Mund auf und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen schoß. Mit Wasser oder Strom ist in der Bibel oft ein Heer oder eine Streitmacht gemeint. Der Prophet Jesaja vernahm diese Worte des Herrn: ... siehe, so wird der Herr über sie kommen lassen die starken und vielen Wasser des Stromes, nämlich den König von Assyrien und alle seine Macht, daß sie über alle ihre Ränder fluten und über alle ihre Ufer gehen. (Jes. 8, 7). Dann weiter: Ha, ein Brausen vieler Völker, wie das Meer brausen sie, und ein Getümmel mächtiger Nationen, wie große Wasser tosen sie! Ja, wie große Wasser werden die Nationen tosen. Aber er wird sie schelten, da werden sie in die Ferne fliehen und werden gejagt wie Spreu auf den Bergen vom Winde und wie wirbelnde Blätter vom Ungewitter. (Jes. 17, 12-13).

Der Prophet Jeremia bezeugte ganz ähnlich: So spricht der Herr: Siehe, es kommen Wasser heran von Norden, die zum reißenden Strom werden und das Land überfluten und was darin ist, die Städte und die darin wohnen, daß die Leute schreien und alle Einwohner im Lande heulen. Vor dem Stampfen ihrer starken Rosse, die dahertraben, und vor dem Rasseln ihrer Wagen und dem Poltern ihrer Räder werden sich die Väter nicht umsehen nach den Kindern, so verzagt werden sie sein. (Jer. 47, 2-3).

Auch der Prophet Daniel gab uns in seinem Buch eine ähnliche Weissagung weiter: Und nach den zweiundsechzig Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und nicht mehr sein. Und das Volk eines Fürsten wird kommen und die Stadt und das Heiligtum zerstören, aber dann kommt das Ende durch eine Flut, und bis zum Ende wird es Krieg geben und Verwüstung, die längst beschlossen ist. (Dan. 9, 26). Dieser Vers lautet, vielleicht sogar genauer, in der Übersetzung von Hermann Menge: Und nach den zweiundsechzig Jahrwochen wird der Gesalbte ums Leben gebracht werden ohne Richterspruch (oder: ohne daß eine Schuld an ihm wäre); und die Stadt samt dem Heiligtum wird das Kriegsvolk eines Fürsten zerstören, der heranzieht, dessen Ende aber durch eine Sturmflut eintritt; und bis zum Ende wird Krieg stattfinden, festbeschlossene Verwüstungen. Das Ende des Kriegsvolkes eines Fürsten, oder eventuell auch des Fürsten selbst, könnte durchaus damit gemeint sein.

Wie bereits auch an anderer Stelle festgestellt, wird in Daniel 9, 26 die Kreuzigung Jesu Christi sowie die Zerstörung Jerusalems mit dem Tempel durch das Heer des römischen Kaisers vorausgesagt. Israel, das Volk und zugleich das Land, nahm ein Ende mit Schrecken: es wurde hinweggeschwemmt, wie durch eine oder besser von einer daherrollenden, brausenden Flut. Die Lutherbibel erklärt gibt dazu dann noch diesen Hinweis: Dann kommt das Ende "mit Verheerung" (Luther: Flut; die endgeschichtlichen Wehen) und Verwüstung, die längst beschlossen ist (Dan. 9, 26; 2. Thess. 2, 4; Matth. 24, 15). Auch dieses deutet auf die endzeitlichen Geschehnisse.

Ähnlich prophezeite Daniel auch über den Tempelschänder des Alten Testamentes: Dann wird an seiner Statt emporkommen ein verächtlicher Mensch, dem die Ehre des Thrones nicht zugedacht war. Der wird unerwartet kommen und sich durch Ränke die Herrschaft erschleichen. Und heranflutende Heere werden vor ihm hinweggeschwemmt und vernichtet werden, dazu auch der Fürst des Bundes. Denn nachdem er sich mit ihm angefreundet hat, wird er listig handeln und heraufziehen und mit wenigen Leuten Macht gewinnen. Und unerwartet wird er in die besten Städte des Landes kommen und wird tun, was weder seine Väter noch seine Vorväter getan haben, und Raub, Beute und Güter an seine Leute verteilen; er wird nach den allerfestesten Städten trachten, aber nur für eine befristete Zeit. (Dan. 11, 21-24). So könnte auch der Antichrist einmal handeln, um die Macht zu ergreifen.

In Kapitel 17 (Offb. 17, 15) wird dann erklärt: Und er sprach zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, wo die Hure sitzt, sind Völker und Scharen und Heiden und Sprachen. Demnach besteht wohl kaum der geringste Zweifel daran, daß mit dem Wasser oder Strom eine Heeresmacht gemeint ist, die unter dem direkten Befehl des Satans steht. Alles hört auf sein Kommando aus dem höllischen Hauptquartier.

Im 4. Buch Mose (lat. Numeri) wird uns dieses entsetzliche Geschehen berichtet: Und Mose sprach: Daran sollt ihr merken, daß mich der Herr gesandt hat, alle diese Werke zu tun, und daß ich sie nicht tue aus meinem eigenen Herzen: Werden sie sterben, wie alle Menschen sterben, oder heimgesucht, wie alle Menschen heimgesucht werden, so hat mich der Herr nicht gesandt; wird aber der Herr etwas Neues schaffen, daß die Erde ihren Mund auftut und sie verschlingt mit allem, was sie haben, daß sie lebendig hinunter zu den Toten fahren, so werdet ihr erkennen, daß diese Leute den Herrn gelästert haben. Und als er alle diese Worte beendet hatte, zerriß die Erde unter ihnen und tat ihren Mund auf und verschlang sie mit ihren Sippen, mit allen Menschen, die zu Korah gehörten, und mit all ihrer Habe. Und sie fuhren lebendig zu den Toten hinunter mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu, und sie kamen um, mitten aus der Gemeinde heraus. Und ganz Israel, das um sie her war, floh vor ihrem Geschrei; denn sie dachten: Daß uns die Erde nicht auch verschlinge! (4. Mose 16, 28-34). Es war offensichtlich ein von Gott gewirktes Wunder, daß sich die Erde plötzlich auftat und die Aufrührer verschlang.

Einige Ausleger denken an ein Erdbeben, das nun möglicherweise diese teuflische Heeresmacht verschlingen wird. Am Anfang, in der Mitte und am Ende der siebenjährigen Trübsalszeit wird es jeweils Erdbeben geben. Zur Erinnerung sei erwähnt: Und es wird geschehen zu der Zeit, wenn Gog kommen wird über das Land Israels, spricht Gott der Herr, wird mein Zorn in mir aufsteigen. Und ich sage in meinem Eifer und im Feuer meines Zorns: Wahrlich, zu der Zeit wird ein großes Erdbeben sein im Lande Israels, daß vor meinem Angesicht erbeben sollen die Fische im Meer, die Vögel unter dem Himmel, die Tiere auf dem Felde und alles was sich regt und bewegt auf dem Lande, und alle Menschen, die auf der Erde sind. Und die Berge sollen niedergerissen werden und die Felswände und alle Mauern zu Boden fallen. (Hes. 38, 18-20). Dies wird kurz vor dem Anfang der Trübsalszeit sein. Das haben wir bereits festgestellt bei der Betrachtung der sechsten Posaune in Kapitel 9.

Dann haben wir desgleichen ein Erdbeben bei der siebten Posaune vernehmen können, ebenfalls nicht lange vor dem Beginn der Trübsalszeit. In Kapitel 11 (Offb. 11, 19) heißt es deswegen: Und der Tempel Gottes im Himmel ward aufgetan, und die Lade seines Bundes ward in seinem Tempel gesehen; und es geschahen Blitze und Stimmen und Donner und Erdbeben und ein großer Hagel. Ebenso wird von einem Erdbeben in der Mitte der Trübsalszeit berichtet, auch in Kapitel 11, jedoch in dem Einschub. Dort konnten wir den Aufstieg der beiden Zeugen erleben, die von Gott auferweckt wurden und der großen Stimme vom Himmel folgten: Steiget herauf!

Gleichzeitig geschah dann ein großes Erdbeben, zum Entsetzen vieler Menschen: Und zu derselben Stunde ward ein großes Erdbeben, und der zehnte Teil der Stadt fiel, und wurden getötet in dem Erdbeben siebentausend Menschen, und die andern erschraken und gaben Ehre dem Gott des Himmels. (Offb. 11, 13). Dieses Geschehen ist jedoch zweifellos dreieinhalb Jahre nach dem Ertönen der siebten Posaune.

Zudem wird uns noch von einem weiteren Erdbeben kurz vor dem Ende der großen Trübsal berichtet. In Kapitel 16 (Offb. 16, 17-19) heißt es daher ganz anschaulich: Und der siebente Engel goß aus seine Schale in die Luft; und es ging aus eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron, die sprach: Es ist geschehen! Und es wurden Blitze und Stimmen und Donner; und ward ein großes Erdbeben, wie solches nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden gewesen sind, solch Erdbeben, so groß. Und aus der großen Stadt wurden drei Teile, und die Städte der Heiden fielen. Das wird allerdings erst wiederum dreieinhalb Jahre nach der Hinwegnahme der beiden Zeugen erfolgen. Ungefähr zur dem Zeitpunkt, bald nach der Mitte dieser Trübsalszeit, wird dann dieses Geschehen sein: Daß die Erde dem Weibe half und nun ihren Mund auftat und den Strom verschlang, den der Drache aus seinem Rachen schoß.

Und der Drache ward zornig über das Weib und ging hin, zu streiten wider die übrigen von ihrem Geschlecht, die da Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu. Einige Ausleger sind der Meinung, daß es sich hierbei um gläubige Juden handelt, die nicht rechtzeitig fliehen konnten. Dabei denken sie an die Worte Jesu: Weh aber den Schwangeren und Säugenden zu jener Zeit! (Matth. 24, 19). Etliche von ihnen werden sicherlich zurückbleiben müssen und sind dann der verschärften Verfolgung des Teufels ausgesetzt, wenn dieser seine ganze Wut an ihnen ausläßt.

Zudem ist allerdings zu berücksichtigen, daß die bekehrten Heiden doch im geistlichen Sinne auch zu dem Samen des Weibes gehören. Deshalb sollten wir hier wohl zunächst an die unzählbare Schar denken, die bereits in Kapitel 7 (Offb. 7, 9-17) in der gewaltigen Vorausschau erwähnt wurde. Johannes sah alldort eine große Schar, welche niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen, die aus der großen Trübsal gekommen waren. Meines Erachtens können es hier und dort nur dieselben sein, die in Kapitel 20 (Offb. 20, 4) erwähnt werden: Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet sind um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier noch sein Bild und nicht genommen hatten sein Malzeichen an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Diese Menschen kommen zweifellos alle aus der großen Trübsal und haben das Zeugnis Jesu, sind in dieser Zeit zum Glauben gekommen und deswegen verfolgt und getötet worden.

Der griechische Urtext scheint hier auch diesen Unterschied zu machen. "Übrigen" (griech. ton loipon = ton loipon) ist nicht dasselbe wie "Überrest" in Römer 9, 27 (hupoleimma = hypoleimma) und Röm. 11, 5 (leimma = leimma), auch wenn diese Wörter vom selben griechischen Verb: leipo = leipo ("zurücklassen, zurückbleiben, fehlen") abgeleitet sind. Die "übrigen" können zudem nicht der jüdische Überrest sein, weil dieser ab Vers 6 durch das Weib dargestellt wird. Deshalb könnte die obige Auslegung am ehesten zutreffen, ohne andere Möglichkeiten auszuschließen.

In Kapitel 1 (Offb. 1, 2 + 9) wurde dieses Zeugnis Jesu schon zweimal erwähnt, in Kapitel 6 (Offb. 6, 9) könnte es angedeutet sein. Hier wird nun abermals in Verbindung mit dem Worte Gottes wieder ausdrücklich darauf hingewiesen. Es hat daher den Anschein, daß es eine zusätzliche Auszeichnung ist, auch dieses Zeugnis Jesu zu haben. In Kapitel 19 (Offb. 19, 10) heißt es: Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung. Jesus selbst ist das lebendige Wort Gottes (Joh. 1, 14), er hat uns den Geist der Wahrheit gesandt (Joh. 14, 17), der von Jesus zeugt (Joh. 15, 26). In seinen Abschiedsgesprächen mit seinen Jüngern hatte Jesus dann verheißen: Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. (Joh. 16, 13). Das ist der Geist der Weissagung, der aus dem Glauben kommt, dessen Befolgung im Gehorsam eine besondere Verheißung hat, die den Jünger Jesu sodann voll erfüllt.

Nebenbei bemerkt kann die Verfolgung des Weibes und der übrigen von ihrem Geschlecht oder Samen im Falle der Deutung auf Maria nicht sinnvoll erklärt werden. Ebenfalls unrichtig haben andere bei diesem Bild dann einen Gegensatz gesehen zu dem jung verstorbenen Sohn des späteren Kaisers Diokletian (C. Aurelius Valerius Diocletianus), röm. Kaiser (17.9.243-316 n. Chr.), der von diesem zusammen mit seiner Mutter für göttlich erachtet wurde. Münzen aus jener Zeit zeigen den jungen "Gott" mit einem Zepter (= Herrscherstab) oder gar mit Sonne, Mond und Planeten.

Dazu noch eine Bemerkung: Das Neue Testament lehrt, daß wir allein aus Gnaden gerecht werden, ohne des Gesetzes Werke (Gal. 2, 16). Haben nun das Gesetz, die Gebote Gottes, somit keine Bedeutung mehr? Doch, gerade weil wir aus Gnaden, ohne unser Dazutun, die ewige Erlösung und Errettung erfahren haben, halten wir aus Liebe (Joh. 14, 15) und mit Freuden die Gebote Gottes. Dies ist eine Selbstverständlichkeit, weil uns dazu auch die nötige Kraft und das Vermögen geschenkt ist.

Mit diesem Vers ist auch die Parenthese oder Einschaltung beendet, die eigentlich schon mit Kapitel 10 begonnen hatte und dann nur durch die Ereignisse der siebten Posaune in Kapitel 11 (Offb. 11, 14-19) unterbrochen wurde. Von den Ereignissen der ersten Hälfte der siebenjährigen Trübsalszeit für Israel wird in Kapitel 11 (Offb. 11, 3-13) berichtet, während die Verfolgung des gläubigen Überrestes in Kapitel 12 (Offb. 12, 13-17) beschrieben ist. Dies wird in der zweiten Hälfte, der eigentlichengroßen Trübsal, geschehen. Von jetzt an werden die gleichzeitigen Ereignisse in der Welt geschildert, womit die bisherige Vorausschau zur Wirklichkeit übergeht.

Und er trat an den Strand des Meeres. Das ist unmißverständlich kein anderer als der Drache, von dem zuletzt die Rede ging. In der Lutherbibel erklärt wird hierzu bemerkt: Er will nun den letzten Schlag führen und den letzten Trumpf ausspielen: Er ruft aus der Völkerwelt den Antichrist. Der Luthertext von 1912 jedoch lautet: Und ich trat an den Sand des Meers ... , was auf eine recht bedeutsame Unstimmigkeit in den verwendeten Handschriften zurückzuführen ist. Einige Ausleger meinen aus dem Kontext (= Zusammenhang) schließen zu können, daß es hier "ich stand" (estathn = estathén) und nicht "er stand" (estath = estathé) lauten muß und verstoßen damit gegen eine der wichtigsten Regeln der Textkritik. Sie fügen das "n" hinzu in der Annahme, daß ein Abschreiber es nur aus Versehen weggelassen habe.

Demgegenüber heißt es im Konkordanten Neuen Testament: Und er stand auf dem Sand am Meer. Dann gewahrte ich aus dem Meer ... . So hat auch Dr. Louis Segond übersetzt: Et il se tint sur le sable de la mer. Puis je vis monter de la mer ... . Das ist auf Deutsch, wörtlich wiedergeben: Und er hielt sich auf dem Sand des Meeres. = Und er stellte sich auf den Sand des Meeres. Danach sah ich steigen aus dem Meer ... . Das Verb "tint" ist eine Vergangenheitsform von "tenir", das "halten" bedeutet. Hierzu sei noch bemerkt, daß in manchen Übersetzungen dieser Vers 18 bereits zu Kapitel 13 gerechnet wird.
 

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