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Kapitel 10

In Kapitel 9 haben wir die ersten sechs Posaunen betrachtet, von denen die fünfte das erste "Wehe!" und die sechste das zweite "Wehe!" darstellt. Das Ende des zweiten "Wehe!" wird uns jedoch erst in Kapitel 11 bestätigt. Hier wird demnach wiederum die bisherige chronologische Reihenfolge oder die zeitliche Abfolge der Ereignisse unterbrochen, indem nun abermals ganz besondere Dinge berichtet werden, die als eine Vorausschau zu erkennen sind. Es handelt sich zum zweiten Male um eine Parenthese oder Einschaltung bzw. um einen Einschub, in dem Johannes zunächst ein Büchlein empfängt:

Und ich sah einen andern starken Engel vom Himmel herabkommen; der war mit einer Wolke bekleidet und hatte den Regenbogen auf seinem Haupt und ein Antlitz wie die Sonne und Füße wie Feuersäulen. Und er hatte in seiner Hand ein Büchlein, das war aufgetan. Und er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer und den linken auf die Erde, und er schrie mit großer Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und da er schrie, erhoben sieben Donner ihre Stimmen. Und da die sieben Donner geredet hatten, wollte ich schreiben. Da hörte ich eine Stimme vom Himmel sagen zu mir: Halte versiegelt, was die sieben Donner geredet haben, und schreibe es nicht! (Offb. 10, 1-4).

Die chronologische Reihenfolge, in der die Ereignisse in der Offenbarung beschrieben werden, wird nun erneut durch einen Einschub unterbrochen. Solche Einschübe sind nötig, um bestimmte Personen vorzustellen oder um wichtige Geschehnisse zu schildern, die während des betreffenden Zeitabschnittes stattfinden werden. Solche Themen müssen zwischendurch gesondert erklärt werden, weil wir sonst die Erläuterung der aufeinanderfolgenden Gerichte nur schlecht verstehen könnten. Oftmals wird auch gerade die Auswirkung oder das Ergebnis des Gerichtes einfach vorweggenommen.

Ähnlich wie bereits zwischen dem Öffnen des sechsten und des siebenten Siegels (Offb. 7) sah der Apostel Johannes nun auch zwischen dem Erschallen der sechsten und siebten Posaune erneut zwei Zwischenvisionen. Von diesen wird jeweils eine in Kapitel 10 und eine in Kapitel 11 beschrieben. In Kapitel 16 (Offb. 16, 13-16) werden wir dann erneut einen (kleinen) Einschub zwischen der sechsten und siebten Zornesschale antreffen. Wir wollen hier jedoch zunächst den obigen Abschnitt betrachten.

Johannes scheint jetzt wieder auf der Erde zu sein, auf der Insel Patmos, denn er berichtete: Und ich sah einen andern starken Engel vom Himmel herabkommen. Es könnte natürlich auch sein, daß er hierfür nur irgendwie im Geiste wieder auf der Erde war und sein Blick dann von dort aus auf dieses Geschehen gerichtet war. Bei diesem "andern starken Engel" handelt es sich möglicherweise wieder um den "starken" Engel, der bereits in Offb. 5, 2 erwähnt wurde oder auch um die "andern" Engel von Offb. 7, 2 und Offb. 8, 3. Manche Ausleger sind wiederum der Meinung, daß dieser "andere starke Engel" doch eventuell Jesus Christus selbst sein könnte.

Der Apostel Johannes beschrieb dann wiederum genau die Erscheinung von diesem "andern starken Engel", wie er aussah:... der war mit einer Wolke bekleidet und hatte den Regenbogen auf seinem Haupt und ein Antlitz wie die Sonne und Füße wie Feuersäulen. Es fällt jedem wohl auf, wie sehr dieser Gottesbote das verklärte Bild seines Herrn trägt. In den vorhergehenden Kapiteln haben wir bereits ähnliche Beschreibungen von dem erhöhten Gottessohn vernehmen können:
Offb. 1, 7: "Wolke",
Offb. 4, 3: "Regenbogen",
Offb. 1, 16: "Sonne",
Offb. 1, 15: "Feuersäulen",
Offb. 5, 5: "Löwe".

Dagegen spricht natürlich, daß Jesus Christus viel höher als die Engel ist. Heißt es doch im Hebräer-Brief von dem Sohne Gottes: ... und ist so viel höher geworden als die Engel, so viel erhabener der Name ist, den er vor ihnen ererbt hat. (Hebr. 1, 4). Von den Engeln heißt es (Ps. 104, 4): "Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen". (Hebr. 1, 7). Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen? (Hebr. 1, 14).

Außerdem wird Jesus nach der Heiligen Schrift niemals in diese dunkle, satanische Erdatmosphäre hinabsteigen, bevor er zur Entrückung der Gemeinde wiederkommt. Johannes sah demnach wohl einen mächtigen Engelfürsten, wie auch schon bei den anderen Begebenheiten. Diese wurden in den Kapiteln 5, sowie 7 und 8 eingehend beschrieben. In seiner Erscheinung war dieser Engelfürst zwar dem erhöhten Herrn sehr ähnlich, aber er war eben doch nur ein Engel. Wir wissen allerdings nicht ganz genau, ob es nur sieben Cherub oder Thronengel gibt oder auch welchen Dienst die Seraphim ausüben. Jedenfalls sollten wir uns auf diese himmlischen Dinge nicht zu sehr festlegen, die bis jetzt noch niemand von uns mit eigenen Augen gesehen hat.

Dieser Engel hatte Füße wie Feuersäulen. Hierbei sollte man jedoch "Beine" lesen. Und er hatte in seiner Hand ein Büchlein, das war aufgetan. Das Konkordante Neue Testament hat hier: ein geöffnetes Röllchen. Demzufolge handelt es sich dabei um eine geöffnete Schriftrolle, die kleiner war als die erste versiegelte Rolle in Kapitel 5 (Offb. 5, 1), die Johannes in der Hand Gottes sah. Für "Röllchen" steht im Urtext das griechische Wort: biblaridion = biblaridion, während für "Rolle" dort allgemein: biblion = biblion gebraucht wird. So lautet auch die englische Übersetzung, die King James Version: And he had in his hand a little book open. Ebenso haben die französische Ausgabe von J. N. Darby und die von Louis Segond dort übersetzt: ... dans sa main un petit livre ouvert. Demnach besteht für mich kein Zweifel daran, daß diese Wiedergabe absolut richtig ist. Auch wenn andere, möglicherweise sogar ältere Handschriften etwas anderes aussagen, so ist doch wohl der Textus receptus eindeutig vorzuziehen, da Gott nur diesen Text in die Hände der Reformatoren gab.

Daher heißt es schließlich auch in der Elberfelder Übersetzung: ... und er hatte in seiner Hand ein geöffnetes Büchlein. Nach der sorgfältigen Überprüfung sowohl des biblischen Textes, wie auch der erwähnten Übersetzungen, ist doch sicherlich die Zuverlässigkeit dieser Bibelstelle außer jeder Frage. Trotzdem gibt es Ausleger die eine andere Aussage hineinlesen wollen, die mehr ihrer Vorstellung entspricht. Uns wird jedoch leider nichts gesagt über den Inhalt dieser kleinen Schriftrolle, die hier allerdings geöffnet ist. In der Lutherbibel erklärt heißt es in der Erklärung zu diesem Vers: Der Plan Gottes ist enthüllt und nur ein Rest noch nicht erfüllt. Dazu meinte Hans Bruns: Der Bote Gottes hat mit seiner Botschaft weltweite Bedeutung.

Und er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer und den linken auf die Erde ... . Durch diese symbolische Handlung proklamierte der Engelfürst dann seine globale Herrschaft über das Meer (= Völkermeer, ein Bild für die Nationen) und über die Erde (erez = Land, ein Bild für Israel). Gott, der Herr, hatte schon zu Mose gesagt: Alles Land, darauf eure Fußsohle tritt, soll euer sein. (5. Mose 11, 24). Nachdem jedoch Mose gestorben war, sprach der Herr dann abermals diese Worte zu Josua, dem Sohne Nuns: Jede Stätte, auf die eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich Mose zugesagt habe. (Josua 1, 3). Der starke Engel erklärte wohl auf diese Weise die ganze Welt fortan zum Besitz seines Gottes, im Auftrage seines erhöhten Herrn.

Dieser Engelfürst schrie sodann mit großer Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und da er schrie, erhoben sieben Donner ihre Stimmen. Die große Stimme, die gleich einem Löwen war, kündigte die Erfüllung auch der alttestamentlichen Weissagungen an. Vor etwa 2 600 Jahren hatte der Prophet Jeremia bereits diese Worte empfangen: Und du sollst ihnen alle diese Worte weissagen und zu ihnen sprechen: Der Herr wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen aus seiner heiligen Wohnung. Er wird brüllen über seine Fluren hin; wie einer, der die Kelter tritt, wird er seinen Ruf erschallen lassen über alle Bewohner der Erde hin, und sein Schall wird dringen bis an die Enden der Erde. Der Herr wird mit den Völkern rechten und mit allem Fleisch Gericht halten; die Schuldigen wird er dem Schwert übergeben, spricht der Herr. (Jer. 25, 30-31)

Jeremia mußte dann dieses furchtbare Gericht in weiteren Einzelheiten schildern: So spricht der Herr Zebaoth: Siehe, es wird eine Plage kommen von einem Volk zum andern, und ein großes Wetter wird sich erheben von den Enden der Erde. Zu der Zeit werden die vom Herrn Erschlagenen liegen von einem Ende der Erde bis ans andere Ende; sie werden nicht beklagt noch aufgehoben noch begraben werden, sondern müssen auf dem Felde liegen und zu Dung werden. (Jer. 25, 32-33). Bei der Betrachtung der Posaunengerichte in Kapitel 9 habe ich bereits darauf hingewiesen, daß hier vielleicht schon vom Dritten Weltkrieg gesprochen wurde. Es könnte sich allerdings auch auf die zukünftigen Zornesschalengerichte beziehen.

Es sei noch einmal erwähnt, daß die Donner, wie auch die Blitze, die vom Throne Gottes ausgehen, immer die Antwort Gottes selbst sind. Sieben Donner stellen in der Zahl sieben die Fülle der göttlichen Vollkommenheit dar. Johannes stand nun schon im Begriff, die Worte aufzuschreiben. Doch eine Stimme vom Himmel hielt ihn sofort davon zurück: Halte versiegelt, was die sieben Donner geredet haben, und schreibe es nicht!Demnach hatte Johannes wohl alles verstanden, aber dann erging es ihm wie einst Daniel, zu dem der Engel Gabriel ähnliche Worte redete: Und du, Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und große Erkenntnis finden. (Dan. 12, 4).

Der Apostel Johannes erhielt in Kapitel 1 (Offb. 1, 11 + 19) jeweils den Auftrag: Was du siehest, das schreibe in ein Buch ... und: Schreibe, was du gesehen hast, und was ist, und was geschehen soll danach. Hier wird er jedoch ausdrücklich zur Verschwiegenheit aufgefordert, was sicherlich sehr bedeutsam ist. Das Geheimnis soll noch einige Zeit gewahrt bleiben, ... bis die Zeit erfüllet ist. Heißt es doch im Brief des Paulus an die Galater: Als aber die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn. (Gal. 4, 4). Wahrscheinlich ist es hier ebenfalls so, daß der Herr Jesus dann wiederkommt.

Schon zweimal haben wir von dem Throne Gottes aus Donner vernehmen können, in Kapitel 4 (Offb. 4, 5) und in Kapitel 8 (Offb. 8, 5). Es war noch nicht das letzte Mal, denn auch in Kapitel 11 (Offb. 11, 19) und in Kapitel 16 (Offb. 16, 18) wird wiederum Donner zu hören sein. Alle diese Donner künden offenbar Gerichte an, diesmal allerdings sogar siebenfach. Möglicherweise stehen uns deshalb besonders große Dinge bevor. Es ist wohl besser, daß wir nicht alle Geheimnisse der Gerichte unseres Gottes verstehen. Es genüge uns daher, zu wissen, was im Hebräer-Brief über die endgültige Vergeltung gesagt ist: Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. (Hebr. 10, 31).

Die sieben Donner erhoben ihre Stimmen. Im Psalm 29, dem großen Lobpreis der Herrlichkeit Gottes, heißt es ebenfalls: Die Stimme des Herrn erschallt über den Wassern, der Gott der Ehre donnert, der Herr, über großen Wassern. (Vers 3). Insgesamt steht in diesem Psalm siebenmal: Die Stimme des Herrn ... in göttlicher Vollkommenheit.

Der Apostel Johannes schilderte sodann das weitere Geschehen, daß er von diesem "andern starken Engel" wahrnahm:

Und der Engel, den ich stehen sah auf dem Meer und auf der Erde, hob seine rechte Hand auf gen Himmel und schwur bei dem, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel geschaffen hat und was darinnen ist, und die Erde und was darinnen ist, und das Meer und was darinnen ist, daß hinfort keine Zeit mehr sein soll, sondern in den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn er posaunen wird, dann ist vollendet das Geheimnis Gottes, wie er verkündigt hat seinen Knechten, den Propheten. (Offb. 10, 5-7).

Wir haben in Vers 2 gesehen: Und er hatte in seiner Hand ein Büchlein, das war aufgetan. Alsdann bezeugte Johannes: Und der Engel, den ich stehen sah auf dem Meer und auf der Erde, hob seine rechte Hand auf gen Himmel und schwur ... . Demnach hatte der Engel wohl das Büchlein in seiner linken Hand, denn mit der rechten schwur er. Da er bei dem Schöpfer schwur, könnte dieser entweder Gott, der Vater, oder Jesus sein, denn im Hebräer-Brief wird von dem Sohne Gottes gesagt: Ihn hat Gott gesetzt zum Erben über alles; durch ihn hat er auch die Welt gemacht. (Hebr. 1, 2). Deshalb stellt sich hier die Frage, ob Jesus so schwören würde, wenn er dieser Engel wäre, wie manche meinen. Zwar heißt es auch im Hebräer-Brief: Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, schwur er bei sich selbst, da er bei keinem Größeren zu schwören hatte, und sprach (1. Mose 22, 16 + 17): "Wahrlich, ich will dich segnen und mehren.". (Hebr. 6, 13). Der an dieser Stelle erwähnte Schwur des Engels ist doch wohl eher unwahrscheinlich für Jesus selbst.

Dieser Engel schwur, daß hinfort keine Zeit mehr sein soll. Daher heißt es in der Lutherbibel erklärt: Keine Frist wird mehr gewährt. Ähnlich lautet die Elberfelder Übersetzung: ... daß keine Frist mehr sein wird. Im Urtext steht dafür das griechische Wort: crwnoV = chronos = Zeit. Will man "chronos" wörtlich übersetzen, so könnte man den Sinn allemal am besten wie folgt wiedergeben: ... daß keine Zeit mehr bleiben wird. Oder, anders ausgedrückt: Von nun an wird es keinen Aufschub und auch keinen Verzug mehr geben, auch wird keine weitere Verzögerung mehr erfolgen.

Von einen ähnlichen Schwur hat uns der Prophet Daniel in seinem Buch schon berichtet: Und er sprach zu dem Mann in leinenen Kleidern, der über den Wassern des Stroms stand: Wann sollen denn diese großen Wunder geschehen? Und ich hörte den Mann in leinenen Kleidern, der über den Wassern des Stroms stand. Er hob seine rechte und linke Hand auf gen Himmel und schwor bei dem, der ewiglich lebt, daß es eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit währen soll; und wenn die Zertreuung des heiligen Volks ein Ende hat, soll dies alles geschehen. (Dan. 12, 6-7). Dieses Geschehen weist auf die letzten dreieinhalb Jahre der großen Trübsal hin. Mit den letzten sieben Plagen ist vollendet der Zorn Gottes (Offb. 15, 1); darüber jedoch später mehr. Nach dem Ende aller Gerichte wird das Volk Israel dann mit seinen Freunden aus den Nationen ins Tausendjährige Friedensreich eingehen.

Hier sei ein Gedicht eingefügt, dessen ernste Worte nicht überhört werden sollten:

Keine Zeit mehr, keine Frist zur Buße,
Und kein Aufschub der Gerichte mehr!
Sünder, falle Gott noch heut' zu Fuße,
Sonst trifft Dich Sein heil'ges Urteil schwer.
Keine Zeit mehr, keine Zeit mehr,
Wenn der Herr einst kommt,
Wähle heute, was Dir ewig frommt!

Der Schwur dieses Engels geht jedoch weiter, indem er feierlich bezeugt: Sondern in den Tagen der Stimme des siebenten Engels, wenn er posaunen wird, dann ist vollendet das Geheimnis Gottes, wie er verkündigt hat seinen Knechten, den Propheten. Diesmal stellt sich hier jedoch gewiß die Frage, welches Geheimnis Gottes dann wohl vollendet sein wird. Das Wort "Geheimnis" kommt im Alten Testament nur fünfmal in fünf verschiedenen Zusammenhängen vor und hat so auch in keinem Fall eine Beziehung zu diesem Text. Im Neuen Testament hingegen kommt dieses Wort neben unserer Textstelle noch sechsundzwanzig Mal vor. In drei Fällen wird "Geheimnis" aber in Verbindung mit Mächten der Finsternis gebraucht und kommt somit nicht in Betracht.

Bei diesem Geheimnis muß es sich nämlich um ein "Geheimnis Gottes" handeln, das seinen Knechten, den Propheten, zuvor verkündigt wurde. Im Konkordanten Neuen Testament heißt es demnach auch eindeutig: ... ist das Geheimnis Gottes vollendet, wie er es seinen Sklaven und Propheten als Evangelium verkündigt hat. Ansonsten lauten einige Übersetzungen: ... wie er seinen eigenen Knechten, den Propheten, die frohe Botschaft verkündigt hat. (Elbf.), bzw. ... wie es seinen Knechten, den Propheten, als frohe Botschaft verkündigt ist. (Bruns). Im Urtext steht demgemäß für "Geheimnis" das griechische Wort: musterion = mysterion, welches "geheim, geheime Sache" bedeutet. Im Neuen Testament ist immer von einem "Geheimnis" im Zusammenhang mit dessen Enthüllung die Rede, während die volle Erfüllung immer zukünftig ist.

Die bevorstehenden Gerichte über diese Welt sind jedoch absolut kein Geheimnis, denn diese werden wohl oft genug in der ganzen Bibel erwähnt. Demnach muß es sich hierbei auf etwas anderes beziehen, welches doch sicherlich mit einer "frohen Botschaft" Gottes zu tun hat. In den übrigen dreiundzwanzig Fällen wird das Wort "Geheimnis" dann auch ausnahmslos in verschiedener Beziehung mit der neutestamentlichen Gemeinde Jesu Christi gebraucht. An manchen Stellen ist jedoch diese Verbindung sehr deutlich, wie wir in den nachfolgenden Abschnitten sehen werden.

Der Apostel Paulus schrieb in seinen Briefen oftmals von diesem Geheimnis, z. B.: Dem aber, der euch stärken kann laut meines Evangeliums und der Predigt von Jesus Christus, durch welche das Geheimnis offenbart ist, das von Anbeginn verschwiegen war, nun aber offenbart ist, auch kundgemacht durch der Propheten Schriften nach Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden: dem Gott, der allein weise ist, sei Ehre durch Jesus Christus von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Röm. 16, 25-27).

Derhalben bin ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden - ihr habt ja gehört von dem Ratschluß der Gnade Gottes, die mir für euch gegeben ist, daß mir ist kundgeworden dieses Geheimnis durch Offenbarung, wie ich eben aufs kürzeste geschrieben habe. Daran könnt ihr, wenn ihr's leset, merken mein Verständnis des Geheimnisses Christi, welches in den vorigen Zeiten nicht kundgetan ward den Menschenkindern, wie es jetzt offenbart ist seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist; nämlich daß die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leibe gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin nach der Gabe der Gnade Gottes, die mir nach seiner mächtigen Kraft gegeben ist.
Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade, den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi und ans Licht zu bringen, wie Gott seinen geheimen Ratschluß ausführt, der von Weltzeiten her verborgen war in ihm, der alle Dinge geschaffen hat; auf daß jetzt kund würde an der Gemeinde den Mächten und Gewalten im Himmel die mannigfaltige Weisheit Gottes. Diesen ewigen Vorsatz hat Gott ausgeführt in Christus Jesus, unserm Herrn, durch welchen wir haben Freimut und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn. (Eph. 3, 1-11). Dieses Geheimnis ist groß; ich rede aber von Christus und der Gemeinde. (Eph. 5, 32).

Ihr Diener bin ich geworden nach dem Ratschluß Gottes, der mir anvertraut ist für euch, um Gottes Wort in seiner Fülle kundzumachen, nämlich das Geheimnis, das verborgen gewesen ist von allen Zeiten und Geschlechtern her; nun aber ist es offenbart seinen Heiligen. Ihnen wollte Gott kundtun, was da sei der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden, welches ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. (Kol. 1, 25-27).

Die Übereinstimmung zwischen dem in den obigen Versen beschriebenen Geheimnis und dem, welches beim Erschallen der siebten Posaune vollendet wird, ist klar und deutlich: In beiden Fällen wurde es den Knechten Gottes und den Propheten als "frohe Botschaft" (= Evangelium) verkündigt. Dieses wird in der ganzen Bibel von keinem anderen Geheimnis gesagt. Den Inhalt dieses Geheimnisses, welches in den vorigen Zeiten nicht kundgetan ward den Menschenkindern, erklärt Paulus ebenso: Nämlich daß die Heiden Miterben sind und mit zu seinem Leibe gehören und Mitgenossen der Verheißung in Christus Jesus sind durch das Evangelium. (Eph. 3, 6).

Der Epheser-Brief, der die Gemeinde als den Leib Christi beschreibt, enthält das Wort "Geheimnis" insgesamt sechs Mal und damit öfters als irgendeine andere Schrift des Neuen Testamentes. In allen sechs Fällen wird mit dem Wort "Geheimnis" die Gemeinde beschrieben. Ja, die erlöste neutestamentliche Gemeinde Jesu Christi ist das Geheimnis Gottes. Die Vollendung dieses Geheimnisses ist demnach gleichbedeutend mit der Vollendung des Leibes Jesu Christi. Nach der gesamten Lehre des Neuen Testamentes geschieht dies bei der Entrückung der Gemeinde. Das Haupt der Gemeinde, Jesus Christus, zieht dann sämtliche Glieder zu sich.

Diese wunderbare Vollendung durch die Verwandlung und Entrückung der gesamten Gemeinde Jesu Christi aller Zeiten wurde wiederum durch den Apostel Paulus besonders an zwei Stellen der Bibel beschrieben: Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit. (1. Kor. 15, 50-53).

Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die da schlafen, auf daß ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch, die da entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einherführen. Denn das sagen wir euch als ein Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, werden denen nicht zuvorkommen, die entschlafen sind. Denn er selbst, der Herr, wird mit befehlendem Wort, mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden auferstehen zuerst. Danach wir, die wir leben und übrigbleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft, und werden so bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander. (1. Thess. 4, 13-18).

Der Apostel Paulus umschreibt dieses kosmische Ereignis mit der orientierenden Zeitangabe "zur Zeit der letzten Posaune" und meint damit die "siebente Posaune" nach der Posaunen-Ordnung in Israel. Nach dieser Ordnung wurden große Ereignisse in sieben Vorgängen (= Etappen) nacheinander angekündigt, ausgelöst und abgeschlossen. Dieser letzte der sieben Posaunenstöße heißt: Hiteruth = Aufbruch!

Arnold G. Fruchtenbaum bemerkte dazu in seinem Buch: "Handbuch der biblischen Prophetie", Verlag Schulte + Gerth, Asslar, 1. Auflage 1984, auf Seite 136-137: ... als Paulus den 1. Korinther-Brief schrieb, lag die Offenbarung des Johannes noch nicht vor. Die Korinther konnten noch nichts von sieben Posaunen wissen. Aber wenn Paulus hier von der letzten Posaune spricht, mußten die Korinther wissen, was gemeint war. Sie kannten nur die Posaunen des Alten Testamentes, besonders die festlichen Posaunen. Die letzte Posaune betrifft das Fest der Posaunen und den jüdischen Brauch, in jedem Jahr an diesem Fest die Posaunen zu blasen.

In diesem Zusammenhang sei noch bemerkt, daß Arnold G. Fruchtenbaum voriges Jahr (also im Jahre 1996) in einem Interview der Zeitschrift "Topic" sagte, daß er als nächstes Ereignis mit dem Einmarsch Rußlands nach Israel rechnet.

Es scheint deshalb jetzt angebracht zu sein, uns nun eingehender mit den jüdischen Festen zu befassen. Es gibt sieben große jüdische Feste, die nach meiner Erkenntnis eine wichtige prophetische Bedeutung mit dem Kommen Jesu haben. So haben wir bei der Betrachtung von Kapitel 7 bereits feststellen können, daß der Ursprung aller Berechnungen auf 1. Mose 1, 14-18 zurückgeht. Dort steht also in der Lutherbibel: Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf die Erde. Und es geschah so. Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne. Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, daß es gut war.

Es entsteht demnach der Eindruck, daß die beiden großen Himmelslichter eine vierfache Aufgabe haben: ... und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre. Genauer heißt es aber, sie seien Zeichen für Festzeiten und Tage und Jahre, siehe die Jerusalemer Bibel, Buber, Menge, Elberfelder zu 1. Mose 1, 14. Hans Bruns übersetzte dann ebenfalls so ähnlich: Sie sollen als (Besinnungs-) Zeichen dienen und zur Bestimmung von Festzeiten, auch zur Zählung von Tagen und Jahren. Die Festzeiten oder Gezeiten sind Perioden von Wochen und Jahrwochen, also eine Woche von Jahren oder sieben Jahre. Daraus lassen sich wiederum die Sabbatjahre und Hall- oder Jubeljahre berechnen, die auch Erlaßjahre genannt werden. Das alles haben wir schon ausführlich behandelt bei der Betrachtung der Jahrwochen in Kapitel 7.

Die zeitliche Abfolge der jüdischen Feste war eingebunden an den landwirtschaftlichen Jahreslauf in Israel, also zwischen Saat und Ernte. Alle Feiern sollten wohl zunächst der Anbetung Gottes als dem Schöpfer und Versorger seines Volkes dienen, in einem tieferen Sinne weisen sie jedoch auf zukünftiges Geschehen hin. Im Blick auf das rettende Handeln Gottes in der Geschichte Israels wird aber auch die Bedeutung der Festzeiten in der Erlösung durch Jesus Christus erkennbar. Deshalb sind bei allen biblischen Festen immer diese drei Elemente zugleich zu bedenken: 1.) der landwirtschaftliche Jahreslauf,
2.) die Rettung in der Geschichte Israels,
3.) die Erlösung durch Jesus Christus.

Das heißt, alle Festzeiten der Bibel sind landwirtschaftliche Feste, die von Israel gefeiert werden, gleichzeitig jedoch Erinnerungen an Gottes mächtige Hand und seinen ausgestreckten Arm in der Geschichte. Teilweise sind diese Festtage vom neutestamentlichen Volke Gottes übernommen worden, ohne meist die ursprüngliche Bedeutung genau zu kennen. Der Höhepunkt wird erreicht sein, wenn nach der Wiederkunft Jesu Christi dann alle Völker das Laubhüttenfest feiern werden.

Im Brief des Paulus an die Kolosser heißt es dazu: So lasset nun niemand euch ein Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmt Feiertage oder Neumonde oder Sabbate. Das alles ist nur der Schatten von dem, was zukünftig sein soll; aber leibhaftig ist es in Christus. (Kol. 2, 16-17). In ihm und in seinem Kommen werden die jüdischen Feste voll erfüllt. Jeder weiß, daß Jesus das wahre Passahlamm ist. So haben die ersten vier jüdischen Feste bereits bei seinem ersten Kommen in Niedrigkeit ihre volle Erfüllung gefunden; die restlichen drei Feste werden ihre Erfüllung finden beim Kommen Jesu in Herrlichkeit. Dieses Wiederkommen Jesu wird zunächst allerdings in zwei Phasen erfolgen, einmal für die gläubige Gemeinde und dann wiederum um sein Königreich in Israel aufzurichten.

Der Kalender der Festtage beginnt in Israel mit dem Monat Nisan im Frühling, das bürgerliche Jahr jedoch mit dem Monat Tischri im Herbst. Die sieben Feste sind in die ersten sieben Monaten des Kalenders eingeschlossen. Diese Feste sind nachzulesen im 3. Buch Mose (Leviticus = Buch der priesterlichen Ordnungen), in Kapitel 23, das die Gesetze über den Sabbat und die jährlichen Feste enthält. Dort heißt es: Dies sind aber die Feste des Herrn, die ihr ausrufen sollt als heilige Versammlungen an ihren Tagen: Am vierzehnten Tage des ersten Monats gegen Abend ist des Herrn Passah. (23, 4-5). Dieses Fest ist zur Erinnerung da und weist zudem auf die Erlösung hin, auf der aller Segen beruht. Typisch steht es für: Denn auch wir haben ein Osterlamm, das ist Christus, für uns geopfert. (1. Kor. 5, 7). Genauer heißt es: Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet. (Elbf.). Im Vergleich mit einer Sklavenbefreiung: Und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. (1. Petr. 1, 18-19).

Und am fünfzehnten desselben Monats ist das Fest der ungesäuerten Brote für den Herrn; da sollt ihr sieben Tage ungesäuertes Brot essen. Am ersten Tage sollt ihr eine heilige Versammlung halten; da sollt ihr keine Arbeit tun. Und sieben Tage sollt ihr dem Herrn Feueropfer darbringen. Am siebenten Tage soll wieder eine heilige Versammlung sein; da sollt ihr auch keine Arbeit tun. (23, 6-8). Das Fest redet von Gemeinschaft mit Jesus Christus, das ungesäuerte Brot von dem vollen Segen seiner Erlösung und von einem heiligen Wandel. Indem dieses ungesäuerte Brot gebrochen wird, stellt es somit das Zerbrechen des sündlosen Leibes Jesu dar.

Die göttliche Anordnung ist durchaus bezeichnend: zuerst Erlösung, dann heiliges Leben. Es erinnert sodann auch an die Worte Jesu: Wahrlich, Wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, so bleib's allein; wenn es aber erstirbt, so bringt es viel Frucht. (Joh. 12, 24). Im ungesäuerten Brot ist das Weizenkorn in heiliger Gemeinschaft mit seinesgleichen, dem vollendeten Leib Jesu Christi. Da dieses Fest der ungesäuerten Brote zeitlich so eng mit dem Passah verbunden war, wurden diese beiden Feste oft zusammen als der Tag der ungesäuerten Brote bezeichnet: Es kam nun der Tag der ungesäuerten Brote, an welchem man das Osterlamm opfern mußte. (Luk. 22, 7, so ähnlich auch Matth. 26, 17 und Mark. 14, 12).

Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und es aberntet, so sollt ihr die erste Garbe eurer Ernte zu dem Priester bringen. Der soll die Garbe als Schwingopfer schwingen vor dem Herrn, daß sie euch wohlgefällig mache. Das soll aber der Priester tun am Tage nach dem Sabbat. Und ihr sollt am Tage, da eure Garbe geschwungen wird, ein Brandopfer dem Herrn bringen von einem einjährigen Schaf, ohne Fehler, samt dem Speisopfer: zwei Zehntel feinstes Mehl, mit Öl vermengt, als ein Feueropfer für den Herrn zum lieblichen Geruch; dazu das Trankopfer: eine viertel Kanne Wein. Und ihr sollt von der neuen Ernte kein Brot noch geröstete oder frische Körner essen, bis zu dem Tag, da ihr eurem Gott seine Gabe bringt. Das soll eine ewige Ordnung sein bei euren Nachkommen, überall wo ihr wohnt. (23, 9-14). So wurde das dritte Fest, das Fest der Erstlingsgarbe gefeiert. Dies war der Beginn der Ernte, denn vorher durfte davon nichts gegessen werden.

Da des Herrn Passah immer am 14. Nisan ist, sind zwangsläufig die Wochentage jedesmal verschieden. Wenn nun der erste Sabbat gekommen war, wurde am Tage danach im Tempel die Erstlingsgarbe dargebracht. Der Priester nahm die Garbe in Empfang, schlug die Getreidekörner daraus und schüttete sie in ein feinmaschiges Sieb. Dieses Sieb hielt er über das Feuer des Altars, schwang (webte oder schüttelte) es über dem Feuer hin und her und röstete so die Körner, damit die Priester sie als Erstlingsfrucht vor Gott verzehren konnten. Darum hieß diese Garbe auch die Erstlingsgarbe. Dieses Fest der Erstlingsfrüchte heißt auf Hebräisch: Bikkurim.

Jesus Christus hat dieses Opfer der Erstlingsgarbe völlig erfüllt, indem er in der Auferstehung der Toten der Erstling aus den Toten wurde: Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen. (1. Kor. 15, 20). Die Auferstehung des Herrn geschah auch genau am Tage nach dem Sabbat, dem ersten Tag der Woche, an dem die Priester im Tempel die Erstlingsgarbe darbrachten. Die Garbe wurde zum Abschluß des ersten Festtages gemäht und am folgenden Tage dargebracht. Alle vier Evangelien berichten ausführlich das Wunder der Auferstehung. Der Herr Jesus Christus wurde so im geistlichen Sinne die Erstlingsgarbe; er war der Erstling aus den Toten. In Kapitel 1 (Offb. 1, 5) bezeugte der Apostel Johannes: ... Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborne von den Toten. (siehe auch Apg. 26, 23 und Kol. 1, 18).

Im Evangelium nach Johannes wird bezeugt: Die Juden aber, weil es Rüsttag war, damit nicht die Leichname am Kreuze blieben den Sabbat über, denn es war ein großer Sabbat, baten sie den Pilatus, daß ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden. (Joh. 19, 31). Am "großen Sabbat" fällt der wöchentliche Sabbat mit dem Fest der ungesäuerten Brote zusammen. Ausgehend davon wurde dann mit Hilfe der Astronomie (Sternkunde) als das wahrscheinlichste Todesdatum Jesu der Freitag, der 7. April 30 n. Chr., also nach unserer Zeitrechnung (entspricht dem 14. Nisan 3790 nach dem jüdischen Kalender), errechnet. Diese Erklärung wird zudem auch noch in der Lutherbibel erklärt gegeben, ist demnach kaum umstritten. Außerdem bestätigte Konradin Ferrari d'Occhieppo das danach ebenfalls in seinem Buch: Der Stern von Bethlehem, 2. erweiterte Auflage, Brunnen Verlag Gießen 1994, und zwar in einer Fußnote auf Seite 102: Nach heutiger Kenntnis war Freitag, 7. April 30 n. Chr. mit hoher Wahrscheinlichkeit das historische Datum der Kreuzigung.

Im 2. Buch Mose (Exodus = Auszug), im 12. Kapitel, gab Gott den Kindern Israel diese neue Anweisung: Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er's mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, daß sie das Lamm aufessen können. Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr's nehmen und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. (2. Mose 12, 1-6).

Das Passahlamm soll also am zehnten Tage des ersten Monats, dem Monat Nisan (früher Abib) ausgesondert und am vierzehnten desselben Monats gegen Abend geschlachtet werden. Dieser Tag ist der Sederabend, der im Neuen Testament als Rüsttag auf das Fest bezeichnet wird. Johannes berichtete dann noch: Sechs Tage vor Ostern kam Jesus nach Bethanien. (Joh. 12, 1). Dazu sei noch zu bemerken, daß Luther immer "Ostern" übersetzt hat für "Passah", das "verschonendes Vorübergehen" bedeutet. Das Volk Israel wurde bekanntlich damals verschont beim Vorübergehen des Herrn durch Ägypten, wie es in den Versen 13 und 23 bei der Einsetzung des Passahfestes heißt (in obigem Kapitel, 2. Mose 12). Des weiteren war es übrigens auch am 10. Nisan, als das Volk Israel in Kanaan, dem Gelobten Land, einzog. Im Buch Josua wird deshalb berichtet: Es war aber der zehnte Tag des ersten Monats, als das Volk aus dem Jordan heraufstieg. (Josua 4, 19). In der Lutherbibel erklärt wird dazu festgestellt: Am 10. Tag des 1. Monats erlebte Israel einst auch die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten (2. Mose 12, 3). Ein Hinweis: In englischen Bibeln wird dieses "Vorübergehen" mit "passover" übersetzt.

Dazu sei noch bemerkt, daß Jesus als Gebannter eine Passahfeier wie das Jahr zuvor mit seinen Jüngern hielt (vgl. Joh. 6, 4 + 11), und zwar ohne Schlachtung des Lammes im Tempel am Rüsttag. So ist es vorgesehen für alle, die in jenen Tagen nicht in Jerusalem sein können, um dort zu opfern. Mose hatte dem Volke gesagt: Du darfst nicht Passah schlachten in irgendeiner deiner Städte, die dir der Herr, dein Gott, gegeben hat, sondern an der Stätte, die der Herr, dein Gott, erwählen wird, daß sein Name daselbst wohne. (5. Mose 16, 5-6). Nach der Zerstörung des Tempels setzte sich diese Form durch die Jahrtausende fort, bis in unseren Tagen.

Demnach läßt sich die Leidenswoche (Passion) unseres Herrn Jesus Christus etwa so nachvollziehen:
Samstag, 1. April = 8. Nisan: bei Zachäus in Jericho (Luk. 19, 1-10) (Sabbat), Sonntag, 2. April = 9. Nisan: in Bethanien, wo Lazarus war (Joh. 12, 1-11), Montag, 3. April = 10. Nisan: Einzug in Jerusalem (= Aussonderung des Lammes), Dienstag, 4. April = 11. Nisan: von Bethanien wieder in die Stadt (Matth. 21, 18), Mittwoch, 5. April = 12. Nisan: der Hohe Rat, Verrat des Judas (Matth. 26, 1-16), Donnerstag, 6. April = 13. Nisan: Abendmahl, Gethsemane (Matth. 26, 17-56), Freitag, 7. April = 14. Nisan: Kreuzigung Jesu um 12.00 Uhr / Tod um 15.00 Uhr, Samstag, 8. April = 15. Nisan: Fest der ungesäuerten Brote (Matth. 27, 62-66), Sonntag, 9. April = 16. Nisan: Fest der Erstlingsgarbe / Auferstehung (Matth. 28, 1-15). (Die Parallelstellen sind hier nicht angegeben - siehe auch: Ludwig Schneller, "Kennst du Ihn?", Schriftenmissions-Verlag, Neukirchen-Vluyn, Seite 170-171). Am 18. Mai war dann Christi Himmelfahrt (Apg. 1, 9) und am 28. Mai = 6. Siwan das Wochenfest oder Pfingsten (Apg. 2, 1).

Im Anschluß an das Pfingstwunder und die Pfingstpredigt des Petrus wird von der ersten Gemeinde berichtet: Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und wurden hinzugetan an dem Tage bei dreitausend Seelen. Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. (Apg. 2, 41-42). Das war die Umkehrung der Strafe für den Abfall beim goldenen Kalb, als Mose von dem Berge Sinai kam: Als nun Mose sah, daß das Volk zuchtlos geworden war - denn Aaron hatte sie zuchtlos werden lassen zum Gespött ihrer Widersacher -, trat er in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer dem Herrn angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Söhne Levi. Und er sprach zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Ein jeder gürte sein Schwert um die Lenden und gehe durch das Lager hin und her von einem Tor zum andern und erschlage seinen Bruder, Freund und Nächsten. Die Söhne Levi taten, wie ihnen Mose gesagt hatte; und es fielen an dem Tage vom Volk dreitausend Mann. Da sprach Mose: Füllet heute eure Hände zum Dienst für den Herrn - denn ein jeder ist wider seinen Sohn und Bruder gewesen -, damit euch heute Segen gegeben werde. (2. Mose 32, 25-29). Das eigentliche Wochen- oder Pfingstfest war jedoch ein frohes Erntedankfest.

Nicht nur wurden nun bei dreitausend Seelen gerettet, anstatt daß zuvor "fielen an dem Tage vom Volk dreitausend Mann". Durch daß sie erfüllt wurden vom Heiligen Geist, erfolgte außerdem noch eine Umkehr der Sprachenverwirrung, bis jetzt allerdings erst teilweise. In dem Bericht vom Turmbau zu Babel wird nämlich gegenteiliges ausgesagt, so daß es heißt: Da fuhr der Herr hernieder, daß er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der Herr sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, laßt uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe! (1. Mose 11, 5-7).

Bei dem Pfingstwunder, als der Heilige Geist dann herniederfuhr, wird unzweifelhaft und völlig glaubwürdig bezeugt: Und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. (Apg. 2, 4 - Elbf.). Einige Missionare haben ebenfalls berichtet, daß sie in entlegenen Gebieten durchaus ähnliche Erfahrungen machen durften. Wenn sie in einer gefährlichen Notsituation waren und darum den Herrn um Hilfe anriefen, gab ihnen der Heilige Geist die Möglichkeit, in einer fremden Sprache zu reden.

Das entspricht gewiß dem Bericht in der Apostelgeschichte, wo dieses dann so bestätigt ist: Es waren aber Juden zu Jerusalem wohnend, die waren gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk, das unter dem Himmel ist. Da nun diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn ein jeglicher seine Sprache, darin wir geboren sind? Parther und Meder und Elamiter, und die wir wohnen in Mesopotamien und in Judäa und Kappadozien, in Pontus und der Landschaft Asien, Phrygien und Pamphylien, in Ägypten und der Gegend von Libyen bei Kyrene und Ausländer von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Zungen die großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden bestürzt und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? (Apg. 2, 5-12). Im Himmel redet man nur in einer Sprache!

Das Pfingstfest geht daher auf diese Anweisung Gottes an die Kinder Israel zurück: Danach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen. Bis zu dem Tag nach dem siebenten Sabbat, nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und dann ein neues Speisopfer dem Herrn opfern. (23, 15-16). Das Wochenfest fand genau fünfzig Tage nach der Darbringung der Erstlingsgarbe statt. Es ist das vierte Fest und wird in 3. Mose 23, 15-22 beschrieben. Die Kinder Israel mußten vom Tage der Darbringung der Erstlingsgarbe an sieben volle Wochen zählen. Nach diesen sieben Wochen heißt dieses Fest das Wochenfest. Im Hebräischen heißt Woche: Schawuah, die Mehrzahl davon ist: Schawuoth. Sind diese sieben Wochen mit ihren insgesamt neunundvierzig Tagen erfüllt, dann kommt der fünfzigste Tag. Das ist der Tag nach dem siebten Sabbat, an welchem die Kinder Israel neues Speisopfer darbrachten. Gleichzeitig war das der Abschluß und der Erntedankgottesdienst der Getreideernte. Dieses Schlußfest ist wie andere Feste nicht nur "für den Herrn" (nach 5. Mose 16, 8) bestimmt, also nicht nur für das Studium der Schrift, sondern auch "für euch" (nach 4. Mose 29, 35), nämlich zum Feiern: zum Essen, Trinken und Fröhlichsein. Am sechsten Tage des dritten Monats (Siwan), auf den dieses Fest fällt, wurde nach alter jüdischer Tradition die entsprechende Weisung gegeben. Man kann beides miteinander tun.

Am fünfzigsten Tage nach der Auferstehung des Herrn Jesus und der Darbringung der Erstlingsgarbe waren die Jünger alle einmütig beieinander in Jerusalem. Da war nach Apg. 2, 1 der Tag der Pfingsten erfüllt und Gott sandte mit Feuerbrausen den Heiligen Geist auf die ersten 120 Jünger (10 mal 12 Jünger). Zu diesen wurden hinzugetan an dem Tage bei dreitausend Seelen. Das bis dahin in Gott verborgene Geheimnis wurde nun offenbart, nämlich die Gemeinde Jesu Christi wurde gegründet. Damit begann die Heilszeit der Gemeinde und die geistliche Ernte der Erlösten aus allen Völkern und Nationen und Sprachen. Deshalb deuten schon die beiden gesäuerten Schwingbrote aus 3. Mose 23, 17 an, daß es Gläubige aus Juden und Heiden sind, die als Erlöste (leider) noch Sünde an sich haben (vgl. 1. Joh. 1, 7-10), denn in der Bibel ist der Sauerteig immer ein Bild für das Unvollkommene, das mit Fehlern behaftet ist. Es bezeichnet also entweder die Sünde oder auch die Irrlehre. Dazu nur dieses eine Beispiel, das von einem erklärenden Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern berichtet: Wie verstehet ihr denn nicht, daß ich nicht vom Brot zu euch rede? Hütet euch aber vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, daß sie sich hüten sollten vor dem Sauerteig des Brots, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer. (Matth. 16, 11-12). Dazu die Lutherbibel erklärt: Sauerteig ist Bezeichnung der Irrlehre (siehe Matth. 13, 33). Demnach gilt diese Erklärung bestimmt auch für alle anderen Bibelstellen.

In der Lutherbibel erklärt heißt es zum Pfingstwunder: Das Pfingstereignis ist von der frühen Christenheit wohl deshalb zeitlich genau festgelegt überliefert worden, weil die Juden seit alters fünfzig Tage nach dem Passah ihr Wochen- oder Erntefest gefeiert haben. Das Wort Pfingsten (siehe 3. Mose 23, 9 ff.) kommt allerdings vom Griechischen: penthkostoV = pentékostos und bedeutet eigentlich: der Fünfzigste, nämlich der fünfzigste Tag nach dem Passahfest. Dieses Wort ist schon in den Apokryphen zu finden, den jüdischen Schriften nach dem Alten Testament (Tob. 2, 1; 2. Makk. 12, 32). So fand das Wochenfest Schawuoth aus 3. Mose 23, 15-22 dann zur Zeit der Apostel seine volle Erfüllung, am Pfingstfeste nach der Auferstehung.

Lehmann Strauss schrieb sodann in seinem Buch: "Gottes prophetischer Kalender", Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg, auf Seite 18: Die Feste können in eine Vierer- bzw. eine Dreiergruppe eingeteilt werden, wobei ein Intervall zwischen dem vierten und fünften Fest liegt. In den sieben Geheimnissen, die in den Gleichnissen unseres Herrn in Mt. 13 dargelegt werden, besteht die gleiche Einteilung.

Wie wir bereits feststellen konnten, sind die sieben Sendschreiben genauso unterteilt, indem in Kapitel 2 zuerst vier und in Kapitel 3 dann drei dieser Briefe enthalten sind. So ist es ebenfalls bei den sieben Siegeln, die in zwei Gruppen eingeteilt sind. Die erste Gruppe von vier Siegeln stellt dann eine Parallele dar zum antiken Amphitheater oder Zirkus, wo die verschiedenen Reiter hereingerufen wurden, so daß sie ausschließlich von den vier apokalyptischen Reitern gebildet wird. Bei den Posaunengerichten sind sodann nur die ersten vier in Kapitel 8 enthalten. Diese Unterteilung kann man ebenso bei den sieben Zornesschalen in Kapitel 16 bemerken, wobei die ersten vier Gerichte eher die ganze Welt betreffen, während die anderen sich nur auf bestimmte Situationen auswirken. Gleichermaßen finden wir deshalb diese Einteilung auch bei den sieben vorgeschriebenen Festen, die von Gott selbst aufgestellt wurden und dem Volke Israel für alle Zeiten, damals wie heute, galten.

Nach dem Wochenfest tritt so eine viermonatige Pause in den Festen ein. Auch dies hat prophetische Bedeutung. Sie zeigt an, daß Israel nach der Zerstreuung unter alle Völker eine lange Zeit von Gott beiseite gestellt würde und nun durch die sengende Sommerhitze der Leiden zu gehen hätte. Diese Zeit führt jedoch nicht zur Vernichtung, sondern zur Ausreife. Nachdem die Zeit der Leiden in der "Drangsal Jakobs" ihren Höhepunkt erreicht hat, wird Israel in den Herzen bereitgemacht sein, die Erlösung durch seinen Messias zu empfangen. Darüber jedoch später mehr in den betreffenden Kapiteln, insbesondere ab Offb. 19, 11, wenn Jesus als Sieger erscheint.

So war das Pfingstfest vor fast 2000 Jahren das letzte heilsgeschichtliche Ereignis, das erfüllt wurde. Seitdem ist eine lange Zeit vergangen sowohl für Israel, wie auch für die Gemeinde. Es ist eine große Pause im Heilsplan Gottes, in welcher der Heilige Geist die Gemeinde Jesu Christi sammelt. In den Tagen der Einbringung der vollen Ernte, vorgeschattet in den Herbstfesten Israels, werden beide, Israel und die Gemeinde, zum Dienst zusammengeführt. Bei der Wiederkunft Jesu werden diese Feste ihre noch ausstehende, volle Erfüllung finden. Es sind das Fest der Posaunen am ersten Tage des siebenten Monats, dem Monat Tischri (früher Ethanim), dann der Versöhnungstag (Jom Kippur) am 10. Tischri und das Laubhüttenfest (Sukkoth) am 15. Tischri. Der Name Tischri, der diesem Monat später gegeben wurde, bedeutet "Anfang" oder "Beginn". Der 1. Tischri wird bis heute von den Juden als Neujahrstag gefeiert, genannt Rosch ha-Schanah = Kopf oder Haupt des Jahres. In diesem Zusammenhang sei sodann hier nochmal an die Tabelle in Kapitel 7 erinnert, die dort eingefügt ist und der diese Feste für die nächsten Jahre zu entnehmen sind.

Es hört sich eher unlogisch an, daß dieses Neujahrsfest nicht auf den ersten Tag des ersten Monats fällt. Dies geht ganz einfach auf eine Kalenderänderung zurück, die schon in uralten Zeiten vorgenommen wurde. Mit dem Monat Ethanim begann das Jahr im althebräischen Kalender zur Zeit Abrahams. Als später der Monat des Auszugs aus Ägypten von Gott zum ersten bestimmt wurde (2. Mose 12, 2), wurde aus Ethanim der siebente. Nach der Babylonischen Gefangenschaft wurden dann allgemein andere Monatsnamen verwendet, nach dem neubabylonischen Kalender. Das kann man mit dem vergleichen, was auch beim bürgerlichen Kalender mit den Monaten September bis Dezember geschehen ist. Entsprechend ihres Namens waren sie der siebente bis zehnte Monat. Als dann die Kalendereinteilung geändert wurde, behielten sie ihre alten Namen unverändert bei. Ebenso feierte man weiterhin das jüdische Neujahrsfest am 1. Tischri, der nun der erste Tag des siebten Monats ist.

Zwischen dem ersten Monat Nisan und dem siebten Monat Tischri liegen folglich sechs Monate oder ein halbes Jahr, in der prophetischen Auslegung sind das 2000 Jahre. Die ersten sechs Monate sind die Zeit von Abraham, dem Stammvater der Juden, bis zu Jesus, also 2000 Jahre. Das entspricht der Zeit vom Jahresanfang im Herbst bis zum Frühjahr. Die anderen sechs Monate sind die bis jetzt vergangenen fast 2000 Jahre zwischen dem ersten und zweiten Kommen Jesu. Wie wir bereits gesehen haben, sind die bis jetzt erfüllten Feste alle im Frühjahr, die anderen dann im Herbst. Das nächste Ereignis wird demnach die Entrückung der Gemeinde sein.

Die sieben Feste gliedern sich also in zwei Gruppen, von denen die erste mit vier Festen im Frühjahr gefeiert wird, die zweite mit drei Festen soll im Herbst gefeiert werden. Beide Festgruppen haben es mit der Ernte zu tun, im Frühjahr mit der Erstlingsfrucht, im Herbst mit der Einbringung der vollen Ernte. "Ernte" weist in der Symbolsprache der Heiligen Schrift auf die Erreichung der Vollendungsziele unseres Gottes hin. Mit der Entrückung der Gemeinde findet der endgültige Abschluß der ersten Gruppe statt und gleichzeitig beginnt die zweite mit der Einbringung der "vollen Weizen- und Weinernte". Das letzte Fest dieser zweiten Gruppe wird dann mit dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi enden. Wenn dieses zu Ende geht, werden nämlich die letzten Heiligen von der alten zur neuen Erde verbracht.

Lehmann Strauss erklärte dazu auf den Seiten 84-85 in dem oben erwähnten Buch: Die chronologische Übereinstimmung der Feste wird deutlicher. Wenn das Zeitalter der Gemeinde (Pfingsten) zu Ende geht, wird das Fest der Posaunen beginnen. Nach Gottes prophetischem Kalender ist das nächste Ereignis das zweite Kommen des Herrn Jesus Christus, das Pfingsten mit den Posaunen verbinden wird. Sein Kommen wird in zwei Phasen ablaufen:
1. die Erscheinung in der Luft vor der Trübsalszeit, wo er seine Gemeinde von der
Erde nehmen wird;
2. seine Erscheinung auf Erden nach der Trübsalszeit, wenn Israel wieder gesam-
melt, auf ewig in sein Land zurückgebracht und geistlich wiedergeboren sein
wird. (Anmerkung: "ewig" bedeutet hier nur bis zum Ende des Tausendjährigen
Friedensreiches Jesu Christi).

In 3. Mose 23, 23-25 wird die Entrückung im Fest der Posaunen vorgeschattet, das auch das Fest des Blasens genannt wird oder auch der Tag des Posaunenschalles, auf Hebräisch: Jom Teruah. Die genaue Anweisung Gottes dazu lautete wie folgt:
Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage zu den Kindern Israel: Am ersten Tage des siebenten Monats sollt ihr Ruhetag halten mit Posaunenblasen zum Gedächtnis, eine heilige Versammlung. Da sollt ihr keine Arbeit tun und sollt dem Herrn Feueropfer darbringen. (23, 23-25). Wenn am Tage des Posaunenschalles die Posaune Gottes durch die Gräber dringt und so die in Christus Entschlafenen heimruft, zugleich auch die Lebenden mit ihnen entrückt werden, dann wird das Geheimnis Gottes vollendet sein. Dieses hat Gott verkündigt seinen Knechten, den Propheten, durch alle Zeitalter hindurch.

Demnach wird also die wachende und betende Gemeinde beim Schall der letzten Posaune zur Entrückung kommen. In 1. Kor. 15, 51-52 heißt es: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Im griechischen Urtext heißt es: en atomw, en riph ojJalmou = en atomo, en ripé ophthalmou = in einem unteilbaren Wurf des Auges (= Augenblick), sodann noch: en th escath salpiggi = en té eschaté salpiggi = in der letzten Posaune. Was Luther übersetzt hat mit: zur Zeit der letzten Posaune, heißt wörtlich: in der letzten Posaune.

Es ergibt sich wiederum die Frage: Welches ist die letzte Posaune und wann wird sie geblasen? Dieser wichtige Punkt wurde schon verschiedentlich angesprochen, trotzdem sollten wir ihn in diesem Zusammenhang einmal gründlich untersuchen. Wenn wir also nach dem bewährten Grundsatz verfahren, Schrift durch Schrift zu erklären, dann müssen wir zweierlei feststellen:
1. Eine Aufzählung von mehreren Posaunen finden wir im Neuen Testament nur in
der Offenbarung, wo die siebente die letzte einer ganzen Reihe ist.
2. Der Standortbestimmung nach wird diese siebente Posaune in Kapitel 11 (Offb.
11, 15) zum letzten Male genannt, und sie ist damit auch die letzte Posaune im
gesamten Kanon der Heiligen Schrift.

Diese siebente Posaune ist im Gegensatz zu deren sechs Vorgängern keine reine Gerichtsposaune, sondern eine Posaune, die in gleicher Weise Gnade und Gericht bringt. Dieses werden wir bei der Betrachtung von Kapitel 11 (Offb. 11, 15) noch genau nachprüfen. Wie wir allerdings bereits feststellen konnten, haben die ersten sechs Posaunen der Offenbarung keine direkte Auswirkung auf alle Menschen; sie gelten nicht den Gläubigen des Leibes Christi, sondern allein den Menschen, die nicht haben das Siegel Gottes an ihren Stirnen (Offb. 9, 4). Ähnlich war es damals in Jericho. Durch die ersten sechs Posaunen wurden die Einwohner Jerichos nur erschreckt. Als die Stadt jedoch am siebten Tage beim siebten Umzug fiel, wurde die Hure Rahab, als das Symbol des Glaubens, mitten aus einer heidnischen Umgebung herausgeführt.

In der Lutherbibel erklärt heißt es nun in der Erklärung bei Offenbarung, Kapitel 8, zu Posaunen: Sie künden das Kommen Gottes an (2. Mose 19, 16 ff.), bringen die Mauern des Widerstandes zum Einsturz und geben den Weg ins verheißene Land frei (Jos. 6, 4 f., 20). Dort sprach der Herr zu Josua: Und laß sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die Stadt, und laß die Priester die Posaunen blasen. Und wenn man die Posaune bläst und es lange tönt, so soll das ganze Kriegsvolk ein großes Kriegsgeschrei erheben, wenn ihr den Schall der Posaune hört. Dann wird die Stadtmauer einfallen, und das Kriegsvolk soll hinaufsteigen, ein jeder stracks vor sich hin. (Jos. 6, 4-5). Hier in der Offenbarung sind es sieben Engel, die sieben Posaunen tragen und blasen.

Weiter wird uns dann noch berichtet: Am siebenten Tage aber, als die Morgenröte aufging, machten sie sich früh auf und zogen in derselben Weise siebenmal um die Stadt; nur an diesem Tag zogen sie siebenmal um die Stadt. Und beim siebenten Mal, als die Priester die Posaunen bliesen, sprach Josua zum Volk: Macht ein Kriegsgeschrei! Denn der Herr hat euch die Stadt gegeben. Aber diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Bann des Herrn verfallen sein. Nur die Hure Rahab soll am Leben bleiben und alle, die mit ihr im Hause sind; denn sie hat die Boten verborgen, die wir aussandten. Allein hütet euch vor dem Gebannten und laßt euch nicht gelüsten, etwas von dem Gebannten zu nehmen und das Lager Israels in Bann und Unglück zu bringen. Aber alles Silber und Gold samt dem kupfernen und eisernen Gerät soll dem Herrn geheiligt sein, daß es zum Schatz des Herrn komme.

Da erhob das Volk ein Kriegsgeschrei, und man blies die Posaunen. Und als das Volk den Hall der Posaunen hörte, erhob es ein großes Kriegsgeschrei. Da fiel die Mauer um, und das Volk stieg zur Stadt hinauf, ein jeder stracks vor sich hin. So eroberten sie die Stadt und vollstreckten den Bann an allem, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwerts, an Mann und Weib, jung und alt, Rindern, Schafen und Eseln.

Aber Josua sprach zu den beiden Männer, die das Land erkundet hatten: Geht in das Haus der Hure und führt die Frau von da heraus mit allem, was sie hat, wie ihr es ihr geschworen habt. Da gingen die Männer, die Kundschafter, hinein und führten Rahab heraus samt ihrem Vater und ihrer Mutter und ihren Brüdern und alles, was sie hatte, und ihr ganzes Geschlecht und brachten sie außerhalb des Lagers Israels unter. Aber die Stadt verbrannten sie mit Feuer und alles, was darin war. Nur das Silber und Gold und die kupfernen und eisernen Geräte taten sie zum Schatz in das Haus des Herrn. Rahab aber, die Hure, samt dem Hause ihres Vaters und alles, was sie hatte, ließ Josua leben. Und sie blieb in Israel wohnen bis auf diesen Tag, weil sie die Boten verborgen hatte, die Josua gesandt hatte, um Jericho auszukundschaften. (Jos. 6, 15-25).

Eine Bestätigung dafür gibt es im Neuen Testament, und zwar im Hebräer-Brief: Durch den Glauben fielen die Mauern Jerichos, als Israel sieben Tage um sie herumgezogen war. Durch den Glauben ward die Hure Rahab nicht umgebracht mit den Ungehorsamen, als sie die Kundschafter freundlich aufnahm. (Hebr. 11, 30-31). In Jesu Stammbaum wird die Rahab auch erwähnt als eine besondere Frau, da nur wenige Frauen dort aufgelistet sind. So heißt es im Evangelium nach Matthäus: Salma zeugte Boas von der Rahab. Boas zeugte Obed von der Ruth. Obed zeugte Jesse. Jesse zeugte den König David. David zeugte Salomo von dem Weib des Uria. (Matth. 1, 5-6).

In der Lutherbibel erklärt wird dazu noch ausdrücklich bemerkt: Eine Eigenart des Matth. bildet die Nennung bestimmter Frauen: der zur Hure verkleideten Thamar (3), der Hure Rahab (5), der moabitischen Ruth (5) und der von David verführten Bathseba (Weib des Uria, 6). Sie zeigen: 1. Jesus ist Erbe eines schuldbeladenen Geschlechts; 2. an Jesu Stammbaum zeigt sich Gottes Vergebung (2. Sam. 12, 13 + 24 f.); 3. in seinem Stammbaum fließen viele Völker zusammen. Das wird uns im Buch Ruth bestätigt: So nahm Boas die Ruth, daß sie seine Frau wurde. (Ruth 4, 13). Weiter heißt es da: Dies ist das Geschlecht des Perez: Perez zeugte Hezron; Hezron zeugte Ram; Ram zeugte Amminadab; Amminadab zeugte Nachschon; Nachschon zeugte Salma; Salma zeugte Boas; Boas zeugte Obed; Obed zeugte Isai; Isai zeugte David. (Ruth 4, 18-22). Davids Vater war Isai, dessen Name im Neuen Testament mit Jesse wiedergegeben wird.

In der Lutherbibel erklärt heißt es dann wiederum in der Erklärung zu Offenbarung, Kapitel 8: Die Posaunengerichte sind den Plagen über Ägypten ähnlich (2. Mose 7-12). Wie Gott damals das Volk Israel aus der Herrschaft des Pharaos freikämpfte, so löst er nun seine weltweite Gemeinde endgültig aus dem Herrschaftsbereich des Fürsten dieser Welt und der Gesetzmäßigkeit dieses Äons heraus. Die Passahnacht ist eine kleine "Vorausabbildung" der großen Stunde, in der er kommt, den einen zum Schrecken, den anderen zum Segen.

Ähnlich wird es hier bei der siebten Posaune der Offenbarung sein. Während diese Posaune für die Gläubigen nur Gnade bedeutet, bringt sie für die Welt das Gericht. Dieser Posaunenschall des göttlichen Schofar-Hornes (des Widderhornes) und die Entrückung der Gemeinde sind gleichzeitig ein Bußruf für Israel. Dieser Tag des Posaunenschalles Jom Teruah bedeutet für Israel den Anfang jenes Weges, den die Bibel als die große Trübsal oder Drangsal, griechisch: JlipsiV = thlipsis, vorausgesagt hat. Darüber bezeugte der Prophet Jeremia schon damals: So spricht der Herr: wir hören ein Geschrei des Schreckens; nur Furcht ist da und kein Friede. ... Wehe, es ist ein gewaltiger Tag, und seinesgleichen ist nicht gewesen, und es ist eine Zeit der Angst für Jakob; doch soll ihm daraus geholfen werden. (Jer. 30, 5 + 7).

Diese siebenjährige Trübsalszeit ist vorgeschattet in den zehn Tagen der Buße vom Tag des Posaunenschalles Jom Teruah am 1. Tischri bis zum großen Versöhnungstag Jom Kippur am 10. Tischri. Die göttliche Anordnung zu diesem Fest lautete so: Und der Herr redete mit Mose und sprach: Am zehnten Tage in diesem siebenten Monat ist der Versöhnungstag. Da sollt ihr eine heilige Versammlung halten und fasten und dem Herrn Feueropfer darbringen und sollt keine Arbeit tun an diesem Tage, denn es ist der Versöhnungstag, daß ihr entsühnt werdet vor dem Herrn, eurem Gott. (3. Mose 23, 26-28).

Nach 3. Mose 16, 1-34 geht an diesem Tage der Hohepriester einmal im Jahr in das Allerheiligste des Tempels, um für das ganze Volk Sühne zu tun. Dabei sprengt er das Blut des Opfertieres siebenmal an den Gnadenthron. Im Hebräischen heißt dieser Tag deshalb Jom Kippur, das heißt: Tag der Bedeckung und Tag der Sühne. -Nach vollbrachtem Werk zog der Hohepriester seine Herrlichkeitskleider wieder an und trat vor das wartende Volk, um ihm den hohenpriesterlichen Segen zu spenden.

So ist unser Heiland Jesus Christus durch sein eigen Blut einmal in das Allerheiligste in den Himmel eingegangen (Hebr. 9, 11-14) und hat damit eine ewige Erlösung bewirkt. Mit seinem eigenen Blut ist er vor dem Vater erschienen, um die Sünde aufzuheben (Hebr. 9, 24-26) und uns in seinem vollgültigen Opfer ein für allemal zu erlösen und zu heiligen (Hebr. 10, 10-14). Am großen Versöhnungstag trat der Hohepriester anschließend wieder vor das Volk: Kein Mensch soll in der Stiftshütte sein, wenn er hineingeht, Sühne zu schaffen im Heiligtum, bis er herauskommt. So soll er Sühne schaffen für sich und sein Haus und die ganze Gemeinde Israel. (3. Mose 16, 17).

Jetzt ist der wahre, große Hohepriester im Allerheiligsten des Himmels, während das Volk Israel darauf wartet, daß er von dort wieder vor das Volk tritt. Nach der siebenjährigen Trübsalszeit wird sodann der Herr an diesem zukünftigen großen Versöhnungstag Jom Kippur sichtbar wiederkommen, um seinem Volke die lange ersehnte Versöhnung mit Gott zu verkünden. Das hat der Prophet Sacharja schon vorausgesagt: Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen. (Sach. 12, 10). Das hatten wir bereits in Kapitel 1 (Offb. 1, 7) kurz betrachtet.

In 3. Mose 23, 33-44 lesen wir, daß nur fünf Tage nach dem großen Versöhnungstag Jom Kippur das nächste und letzte von Gott angeordnete Fest stattfindet. Es ist das Laubhüttenfest, das sieben Tage lang gefeiert wird: Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage zu den Kindern Israel: Am fünfzehnten Tage dieses siebenten Monats ist das Laubhüttenfest für den Herrn, sieben Tage lang. Am ersten Tage soll eine heilige Versammlung sein; keine Arbeit sollt ihr tun. Sieben Tage sollt ihr dem Herrn Feueropfer darbringen. Am achten Tage sollt ihr wieder eine heilige Versammlung halten und sollt Feueropfer dem Herrn darbringen. Es ist eine Festversammlung; keine Arbeit sollt ihr tun.

Das sind die Feste des Herrn, die ihr als heilige Versammlungen ausrufen sollt, um dem Herrn Feueropfer darzubringen: Brandopfer, Speisopfer, Schlachtopfer und Trankopfer, ein jedes an seinem Tage, abgesehen von den Sabbaten des Herrn und euren andern Gaben und Gelübden und freiwilligen Gaben, die ihr dem Herrn gebt. Am fünfzehnten Tage des siebenten Monats, wenn ihr die Früchte des Landes einbringt, sollt ihr ein Fest des Herrn halten sieben Tage lang. Am ersten Tage ist Ruhetag und am achten Tage ist auch Ruhetag. Ihr sollt am ersten Tage Früchte nehmen von schönen Bäumen, Palmwedel und Zweige von Laubbäumen und Bachweiden und sieben Tage fröhlich sein vor dem Herrn, eurem Gott, und sollt das Fest dem Herrn halten jährlich sieben Tage lang. das soll eine ewige Ordnung sein bei euren Nachkommen, daß sie im siebenten Monat so feiern. Sieben Tage sollt ihr in Laubhütten wohnen, daß eure Nachkommen wissen, wie ich die Kinder Israel habe in Hütten wohnen lassen, als ich sie aus Ägyptenland führte. Ich bin der Herr, euer Gott. Und Mose tat den Kindern Israel die Feste des Herrn kund.

Im Hebräischen heißt dieses Fest dann Sukkoth, was übersetzt "Hütten" bedeutet, da die Kinder Israel vierzig Jahre in der Wüste in Hütten und Zelten wohnten. Es ist das fröhlichste der Feste im israelischen Festkalender und schließt den Jahreslauf der biblischen Feste ab. Sieben Tage lang beten die Israeliten an diesem Fest mit dem Feststrauß in der Hand in den Synagogen oder an der Klagemauer, der Westmauer des Tempels. Das Laubhüttenfest ist gleichzeitig das Erntedankfest und der Abschluß der Ernte im Kreislauf des Jahres.

Die geistliche Erfüllung dieses Festes wird im Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi geschehen. Der Prophet Sacharja wiederum hat dies ebenfalls vorausgesagt: Und alle, die übriggeblieben sind von allen Heiden, die gegen Jerusalem zogen, werden jährlich heraufkommen, um anzubeten den König, den Herrn Zebaoth, und um das Laubhüttenfest zu halten. Aber über das Geschlecht auf Erden, das nicht heraufziehen wird nach Jerusalem, um anzubeten den König, den Herrn Zebaoth, über das wird's nicht regnen. Und wenn das Geschlecht der Ägypter nicht heraufzöge und käme, so wird auch über sie die Plage kommen, mit der der Herr alle Heiden schlagen wird, wenn sie nicht heraufkommen, um das Laubhüttenfest zu halten. Darin besteht die Sünde der Ägypter und aller Heiden, daß sie nicht heraufkommen, um das Laubhüttenfest zu halten. (Sach. 14, 16-19).

In der Lutherbibel erklärt heißt es dazu: Was von den Völkern der Welt noch übrig sein wird, wird Gott die Ehre geben und alljährlich zum Laubhüttenfest (siehe 3. Mose 23, 33 ff.) nach Jerusalem kommen zur Feier der Thronbesteigung des göttlichen Herrn und zur Erflehung des Regens für das neue Jahr. Deshalb sah man in Israel das Laubhüttenfest (Sukkoth) stets auch als das Wallfahrtsfest der Völker im Messianischen Reich an. Auch die Völker werden Gott einmal wirklich anbeten! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. (Micha 4, 2). Darum endet das Laubhüttenfest mit dem Tage der Gesetzesfreude (Simchat Thora). Von dieser Gesetzesfreude werden dann auch die Völker ergriffen sein.

Nachdem die Israeliten also während der Wüstenwanderung in Hütten und Zelten wohnten und dort keine dauernde Bleibe hatten, mußten sie dasselbe später in der Zeit der Zerstreuung erneut erfahren. Denn auch unter den vielen Völkern fanden sie keine dauerhafte Wohnung; so zog es sie immer zum Lande ihrer Väter zurück. Je heftiger die Verfolgung war, desto größer ward ihre Sehnsucht nach Jerusalem. Erst in unserem Jahrhundert wurde es ihnen ermöglicht, in großer Zahl dorthin zu gehen. Diese Sammlung geht jedoch noch weiter: Dann werden sie erkennen, daß ich, der Herr, ihr Gott bin, der ich sie unter die Heiden weggeführt habe und wieder in ihr Land sammle und nicht einen von ihnen dort zurücklasse. (Hes. 39, 28).

Das wird allerdings erst mit dem Messianischen Reich, dem Millennium oder dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi, endgültig eintreten. Dann werden sie den ersehnten, ewigen Aufenthaltsort finden, der nach einem letzten Kampf gegen die Heiligen und die geliebte Stadt (Offb. 20, 9) in das neue Jerusalem einmünden wird. Darüber dann später mehr in Kapitel 21, also fast am Ende der Offenbarung.

Zum jüdischen Kalender sei noch bemerkt, daß der Versöhnungstag Jom Kippur nicht auf einen Freitag oder Sonntag fallen darf. Hoschana Rabba (der siebte Tag des Laubhüttenfestes) darf nicht auf einen Sabbat (Samstag) fallen. Aus diesem Grunde darf auch Rosch ha-Schanah, der jüdische Neujahrstag am 1. Tischri, nie an einem Sonntag, Mittwoch oder Freitag gefeiert werden. So darf ebenfalls der erste Tag von Passah (das Fest der ungesäuerten Brote = 15. Nisan) nicht an einem Montag, Mittwoch oder Freitag beginnen. So kam es auch, daß Jesus bekanntlich an einem Freitag starb, denn es heißt: Und es war Rüsttag, und der Sabbat brach an. (Luk. 23, 54).

Zusammenfassend möchte ich festhalten, daß die Entrückung der Gemeinde, also die Hinwegnahme der Gläubigen, nach meiner Erkenntnis beim letzten Posaunenstoß erfolgen wird. Er wird die letzte Posaune genannt (1. Kor. 15, 52), womit der letzte Posaunenschall dieses jetzigen Zeitalters der Gemeinde bezeichnet wird. In chronologischer Reihenfolge ist es dann die siebente Posaune, die nach den vorhergehenden sechs anderen ertönen wird. In dieser zeitlichen Abfolge wird an einem Tage des Posaunenschalles Jom Teruah, an einem jüdischen Neujahrstag Rosch ha-Schanah, das göttliche Schofar-Horn geblasen werden, möglicherweise zu Beginn eines Sabbatjahres. Das müßte sieben Jahre vor dem sichtbaren Kommen Jesu sein.

Am Anfang von Kapitel 8 habe ich zudem bereits festgestellt, daß die sogenannte "Feigenbaumgeneration" möglicherweise von der Eroberung des Tempelplatzes in Jerusalem an zu rechnen wäre, die am 7. Juni 1967 erfolgt ist. Nach einer Gottesstunde von etwa vierzig Jahren könnte sodann der von Israel erwartete Messias an einem Versöhnungstage Jom Kippur erscheinen, folglich nicht vor dem Jahre 2007. Der himmlische Hohepriester würde alsdann aus dem Allerheiligsten des Himmels kommen und sichtbar vor sein Volk treten. Alle diese Dinge sage ich natürlich nur unter dem größten Vorbehalt, denn es geht nicht um irgendwelche Berechnungen, sondern darum, die Zeichen der Zeit deutlich zu erkennen. Wer das Zeitgeschehen aufmerksam beobachtet und die Gnade hat, die endzeitlichen Ereignisse richtig in das prophetische Wort einzuordnen, der wird das alles wohl deutlich wahrnehmen.

In diesem Zusammenhang sei nun noch einmal erwähnt, daß alle sieben Posaunengerichte so ziemlich Schlag auf Schlag erfolgen werden, so jedenfalls nach meiner Erkenntnis. Möglicherweise werden sie insgesamt vielleicht auch nicht viel länger als fünf Monate dauern, wie schon in Kapitel 9 (Offb. 9, 4 +10) angegeben. Da die Heuschrecken in der Natur nur von Mai bis einschließlich September auftreten, so könnte dieser Dritte Weltkrieg auch genau in diesen fünf Monaten stattfinden. Wie Astronomen inzwischen berechneten, wird zudem am 5. Mai 2000 eine ungewöhnliche Planeten-Konstellation auftreten. An diesem Tage werden fünf Planeten, und zwar: Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn, in einer geraden Linie - auf einem Längengrad mit der Erde, der Sonne und dem Mond aufgereiht sein, so wie Perlen auf einer Schnur. Die geballte, gewaltige Anziehungskraft wird alsdann ungeahnte Folgen für die Erde haben, wie Springfluten, Erdbeben und Vulkanausbrüche. Das Erregende an dieser Berechnung ist der Umstand, natürlich neben den zu erwartenden Naturkatastrophen, daß eine derartige Planeten-Konstellation gewiß bisher nur einmal in der Menschheitsgeschichte aufgetreten ist, und zwar um das Jahr 4000 v. Chr., also zur Zeit der Vertreibung der ersten Menschen aus dem Paradiese. Sollte hier womöglich ein Zusammenhang bestehen mit der Wiederherstellung paradiesischer Zustände auf der Erde, am Schluß von 6000 Jahren Menschheitsgeschichte?

Nachdem wir uns jetzt eingehend mit den jüdischen Festen befaßt haben, die eine wichtige Bedeutung im Heilsplan Gottes haben, wollen wir jetzt den nächsten Abschnitt der Offenbarung betrachten. Der Apostel Johannes bezeugte dann weiter:

Und die Stimme, die ich vom Himmel gehört hatte, redete abermals mit mir und sprach: Gehe hin, nimm das offene Büchlein von der Hand des Engels, der auf dem Meer und auf der Erde steht! Und ich ging hin zu dem Engel und sprach zu ihm: Gib mir das Büchlein! Und er sprach zu mir: Nimm hin und verschling's! und es wird dich im Bauch grimmen; aber in deinem Munde wird's süß sein wie Honig. Und ich nahm das Büchlein von der Hand des Engels und verschlang's, und es war süß in meinem Munde wie Honig; und da ich's gegessen hatte, grimmte mich's im Bauch. Und es ward zu mir gesagt: Du mußt abermals weissagen von Völkern und Nationen und Sprachen und vielen Königen. (Offb. 10, 8-11).

Die Stimme, die Johannes vom Himmel gehört hatte, redete nun abermals mit ihm. Der Prophet Hesekiel empfing ein ähnliches Wort des Herrn: Aber du, Menschenkind, höre, was ich dir sage, und widersprich nicht wie das Haus des Widerspruchs. Tu deinen Mund auf und iß, was ich dir geben werde. Und ich sah, und siehe, da war eine Hand gegen mich ausgestreckt, die hielt eine Schriftrolle. die breitete sie aus vor mir, und sie war außen und innen beschrieben, und darin stand geschrieben Klage, Ach und Weh. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, iß, was du vor dir hast! Iß diese Schriftrolle und geh hin und rede zum Hause Israel! Da tat ich meinen Mund auf, und er gab mir die Rolle zu essen und sprach zu mir: Du Menschenkind, du mußt diese Schriftrolle, die ich dir gebe, in dich hinein essen und deinen Leib damit füllen. Da aß ich sie, und sie war in meinem Munde so süß wie Honig. (Hes. 2, 8 - 3, 3).

Der göttliche Befehl an Johannes in Vers 4 lautete: Halte versiegelt, was die sieben Donner geredet haben, und schreibe es nicht! Jetzt wird er durch dieselbe Stimme aufgefordert, das offene Büchlein von der Hand des Engels zu nehmen. Und dieser sprach zu ihm: Nimm hin und verschling's! Diese symbolische Handlung soll nun zweifellos das Aufnehmen und Verdauen der göttlichen Botschaft illustrieren. Nur aus dem Zusammenhang des ganzen Textes können wir vielleicht etwas über diese beiden geheimnisvollen Vorgänge erahnen.

Als Johannes das Büchlein ißt, da eignet er sich die Botschaft zuinnerst an und nun schmeckt er die Seligkeit, aber auch das bittere Leid. Jedoch ist das wohl immer so: Wenn man das Wort Gottes ißt, es in sich aufnimmt, jubelt das Herz über die überwältigende Fülle. Auf der anderen Seite aber ist es mit vielen starken Anfechtungen verbunden, insbesondere dann, wenn man das Gericht weitersagen muß. Man kann das Schwert des Wortes Gottes nicht gegen andere Menschen kehren, wenn man es nicht zuerst auf sich selbst gerichtet hat.

Johannes bezeugte daraufhin sodann: Und ich nahm das Büchlein von der Hand des Engels und verschlang's, und es war süß in meinem Munde wie Honig; und da ich's gegessen hatte, grimmte mich's im Bauch. Er erkannte nun, daß er noch weitere, schwere Gerichte verkündigen müsse, und man begreift daher, daß ihn das Buch mit Bitterkeit erfüllte.

Dr. P. de Benoit schrieb dazu in seinem Buch: Alle Kinder Gottes sollten sich heute bewußt und entschlossen von dieser herrlichen und schrecklichen Botschaft nähren, und sie mit Treue und Mut verkündigen. Darum fühle ich mich auch gedrungen, das gegenwärtige Werk zu veröffentlichen, trotz meiner natürlichen Neigung zur Zurückhaltung und zur Vorsicht. Es ist kein einfacher Kommentar: Es ist eine Botschaft. Soweit diese eindringlichen Bemerkungen von Dr. P. de Benoit, die heute doch mehr denn je Gültigkeit haben. In meinen Augen stellen sie sogar zweifellos einen Hinweis auf die Notwendigkeit einer ausreichenden Kenntnis des prophetischen Wortes für alle wahren Gotteskinder unserer Zeit dar.

Der Inhalt des Büchleins wird zwar im Text der Offenbarung nicht direkt erwähnt, doch sodann erging ein weiterer Auftrag an Johannes: Und es ward zu mir gesagt: Du muß abermals weissagen von Völkern und Nationen und Sprachen und vielen Königen. Wenn wir die genaue Botschaft auch noch nicht kennen, so scheint doch dieser Auftrag schon darauf hinzudeuten, daß der Apostel Johannes durch das völlige Aufnehmen des Büchleins weitere, schwerwiegende Weisung über den nun bald folgenden Teil der Offenbarung empfing.

Dr. C. I. Scofield erklärte zudem noch dazu: Weissage noch einmal über (wörtl.) viele Völker ... . Es wird Johannes hier gesagt, daß er die Ereignisse, die er bisher geschaut hat, noch einmal sehen wird und zwar mit mehr Einzelheiten, besonders die Ereignisse der letzten dreiundeinhalb Jahre, da sie den gläubigen Überrest von Israel angehen (vgl. 11, 19; 12, 1 +2 +5 +17; 13, 7; 14, 1 + 3) (Anm.: in der Offb.).

Demnach kann man einen Hinweis auf die völlige Erlösung des Volkes Israel darin erkennen, daß das Büchlein in seinem Munde süß wie Honig war. Damit verbunden ist auch das bevorstehende Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi und ebenfalls die menschlich unvorstellbare, herrliche Ewigkeit im neuen Jerusalem im Himmel.

Doch es grimmte ihm im Bauch bei dem Gedanken an die noch zukünftigen furchtbaren Gerichte, die bald über diese gottlose und christuslose Welt ergehen werden. Besonders aber auch wegen der letzten großen Leidenszeit Israels während der großen Trübsal unter der Herrschaft des Antichristen bekam er so ein ungutes Gefühl.

Der Apostel Petrus schrieb so in seinem ersten Brief: Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht an dem Hause Gottes. Wenn aber zuerst an uns, was will's für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? (1. Petr. 4, 17). Dem kann man nur hinzufügen: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein! (Mark. 10, 47). Dann ist die Zukunft dieser Erde süß für die Gläubigen und bitter für die Welt.

Im Evangelium nach Lukas sagt Jesus: Wenn aber dies anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. (Luk. 21, 28). So seid nun wach allezeit und betet, daß ihr stark werden möget, zu entfliehen diesem allem, was geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. (Luk. 21, 36).

Ein Dichter hat es dann in einem Adventslied mit seinen Worten so ausgedrückt:

Er kommt zum Weltgerichte,
Zum Fluch' dem, der ihm flucht,
Mit Gnad' und süßem Lichte
Dem, der ihn liebt und sucht.
Ach komm, ach komm, o Sonne,
Und hol' uns allzumal
Zum ew'gen Licht und Wonne
In deinen Freudensaal.

O Jesu, meine Wonne,
Komm' bald und mach' Dich auf;
Geh' auf, ersehnte Sonne,
Und förd're Deinen Lauf.
O Jesu, mach' ein Ende,
Und führ' uns aus dem Streit;
Wir heben Haupt und Hände
Nach der Erlösungszeit.
 

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