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Kapitel 8

In diesem Kapitel wird nun die durch Kapitel 7 unterbrochene Öffnung der sieben Siegel wieder aufgenommen mit der Öffnung des letzten, des siebenten Siegels, von dem es hier heißt:

Und da das Lamm das siebente Siegel auftat, ward eine Stille in dem Himmel bei einer halben Stunde. Und ich sah die sieben Engel, die da stehen vor Gott, und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. Und ein andrer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes Räuchergefäß, und ihm ward viel Räucherwerk gegeben, daß er es gäbe zum Gebet aller Heiligen auf den goldenen Altar vor dem Thron. Und der Rauch des Räucherwerks stieg auf mit dem Gebet der Heiligen von der Hand des Engels vor Gott. Und der Engel nahm das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde. Und da geschahen Donner und Stimmen und Blitze und Erdbeben. (Offb. 8, 1-5).

Ein ernster, bedeutungsvoller Augenblick ist gekommen. Die Gerichte, die in Kapitel 6 geschildert wurden, sind nun vorüber. Dort hatten wir bereits diese Voraussage erwähnt, die Jesus den fragenden Jüngern während seiner Ölbergrede als Antwort gab: Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; sehet zu und erschrecket nicht. Denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere, und werden sein teure Zeit und Erdbeben hin und her. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. (Matth. 24, 4-8).

Man achte auf die Reihenfolge: Zuerst die Verführung, dann Kriege und Kriegsgeschrei. Bei Lukas heißt es dann noch etwas genauer: Denn solches muß zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da. (Luk. 21, 9). Mit der Öffnung des siebenten Siegels beginnt wiederum eine neue Phase in der Heils- und Weltgeschichte. Dieses Ereignis sieht der Apostel Johannes wieder im Himmel und stellt eine weitere Szene dar im letzten Akt des Weltendramas unseres zu Ende gehenden Zeitalters. Ehe aber der Vorhang sich hebt, ist noch eine halbstündige Pause angekündigt, die trotzdem keine Ruhe vor dem Sturm ist. Dieses Drama wird allerdings enden mit der Lösung aller Spannungen in der unsichtbaren wie auch sichtbaren Welt.

Der Öffner dieses Siegels ist hier, wie bei allen anderen Siegeln, das allein dazu würdige Lamm Gottes, Jesus Christus. Nur er ist von Gott bevollmächtigt, die Heilsgeschichte zu vollenden, die jetzt wieder in eine neue Phase eintritt. Auf die Erhörung der Gebete aller Heiligen geschehen dann Donner und Stimmen und Blitze und Erdbeben als ein weiteres Gericht. Zuvor tritt jedoch eine halbstündige Stille in den himmlischen Regionen ein, denn die zukünftigen Posaunengerichte werden dann Schlag auf Schlag erfolgen. Von den Zornesschalengerichten am Schluß dieser Endzeit kann man sogar annehmen, daß sie in noch schnellerer Abfolge vonstatten gehen.

Mit dieser Stille im Himmel bricht nichtsdestoweniger bereits ein sehr ernster und äußerst bedeutungsvoller Abschnitt in der Geschichte der Menschheit an. Damit werden nämlich die Posaunengerichte eingeleitet, an deren Ende sodann die Hinwegnahme der Gläubigen stattfinden wird. Danach kann mit der 70. Jahrwoche nach Daniel 9, 27 die große Trübsal ihren Anfang nehmen, die wiederum für Israel sowie die Freunde der Juden trotz allem doch ein wunderbares Ziel hat, nämlich das Tausendjährige Friedensreich des Nachfolgers des Königs David auf dem ewigen Thron von Israel als König aller Könige.

Was mag wohl Gott dazu veranlassen, so eine halbstündige Stille im Himmel eintreten zu lassen? Nach den Zeugnissen der Heiligen Schrift herrscht doch gerade in diesen himmlischen Welten eine sehr rege Tätigkeit. Hierzu also einige Beispiele, die bereits in den bisherigen Kapiteln erwähnt wurden und deshalb vielleicht noch im Gedächtnis sind. Es wird dort:
- gebetet (Offb. 4, 10 und 7, 11),
- gelobt (Offb. 5,12-13 und 7, 12),
- gesungen (Offb. 5, 9),
- gedient (Offb. 7, 15),
außerdem werden allda Befehle erteilt, wie beispielsweise im Psalm 91, 11 bestätigt wird: Denn er hat seinen Engeln befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen, daß sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Man könnte sicherlich noch viele andere Dinge anführen, was aber wohl nicht nötig zu sein scheint.

Und nun auf einmal wird es "plötzlich still". - Alles zieht sich möglicherweise nun ehrfurchtsvoll zurück und verstummt in heiligem "Schweigen". - Was könnte denn dort geschehen sein? Leider werden uns im Text zu diesem Siegel jetzt keine näheren Angaben über die Ursache dieses geheimnisvollen Schweigens im Himmel gemacht. Wenn wir allerdings auf Grund verwandter Aussagen in der Heiligen Schrift einige Vergleiche ziehen, dann können wir trotz allem nur leise ahnen, warum Gott sich eventuell zu diesem für uns derzeit unergründlichen Schritt entschlossen hat.

Lassen wir einmal diese Tatsachen dafür sprechen: Gott hat der Welt, um sie zu erlösen, seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus als Opfer dahingegeben. Er bezeugt es selbst im Evangelium nach Johannes: Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3, 16).

Auf Grund der von Gott her bestehenden Notwendigkeit könnte diese halbstündige Stille im Himmel eine mehrfache Bedeutung haben, und zwar:

  1. Zunächst ist die halbstündige Stille bedeutsam für den Himmel selbst, wo sich alles in tiefem, ehrfurchtsvollem Schweigen beugt und dem Schlußeingreifen des allmächtigen Gottes entgegenharrt. -
  2. Zum anderen ist diese Stille auch notwendig für die Erdenbewohner, denen Gott wohl damit noch eine - allerletzte - Gnadenfrist eingeräumt hat, die sie vorbehaltlos zu ihrer Besinnung und Umkehr benutzen sollen. - Für sie ist es nun die Stille vor dem Sturm! -
  3. Des weiteren ist diese Stille auch wichtig im Blick auf die lichtscheuen Bewohner der Unterwelt, damit ihnen dennoch eine letzte Gelegenheit gegeben wird, alle ihre dämonischen Kräfte zu mobilisieren und zusammenzufassen, um so den letzten Kampf gegen Gott und seinen Gesalbten, seinen geliebten Sohn Jesus Christus, führen zu können. -
  4. Alsdann hat auch die Gemeinde Jesu Christi diese heilige Pause sehr nötig, und zwar aus zwei Gründen:

  5. Erstens, um sich auf die kommenden Weltereignisse einzustellen, von denen Jesus zu seinen Jüngern sprach und sie damals, wie auch uns heute, ermutigte mit den Worten: Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. (Luk. 21, 28).
    Zweitens, um sich so auf die bevorstehende Begegnung mit ihrem wiederkommenden Herrn dauernd wachend und alleweil betend rüsten zu können: Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung und dieser Tag nicht schnell über euch komme wie ein Fallstrick; denn er wird unversehens hereinbrechen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wach allezeit und betet, daß ihr stark werden möget, zu entfliehen diesem allem, was geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. (Luk. 21, 34-36).
    1. Womit aber der heilige Gott selbst diese Stille im Himmel ausfüllt, wird uns leider nicht gesagt. Vielleicht zittert das tiefe Weh des unabwendbaren Gerichtes zuerst durch sein göttliches Herz, ehe es die arge, verblendete Menschheit trifft. Durch den Propheten spricht Gott zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. (Hes. 33, 11).
Was verstehen wir unter der genauen Zeitangabe "bei einer halben Stunde"? Wenn Gott uns Menschen über seine Pläne zeitlich orientieren will, dann wendet er doch gewiß keine geheimnisvoll verschlüsselten Zeitangaben an, mit denen wir selbst bei allem Rätselraten und Orakeln doch zu keinem Ergebnis kommen. - Nein, nein, sondern er sucht immer in menschlich-verständlichen Begriffen mit uns zu reden. Darum ist auch diese Zeitangabe "bei einer halben Stunde" kein symbolischer Zeitbegriff, hingegen durchaus eine göttlich-verständliche Zeitrechnung. Das soll uns anhand folgender Gedankengänge verständlich werden:

In seiner Gleichnisrede spricht der Herr Jesus Christus vom Feigenbaum als einem Symbol des Volkes Israel und teilt diesen sodann in zwei Entwicklungsphasen ein. Das geschieht somit nach den folgenden prophetischen Aussagen des Herrn Jesus: An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis: wenn sein Zweig jetzt treibt und die Blätter kommen, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. So auch ihr; wenn ihr das alles sehet, so wisset, daß es nahe vor der Tür ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dieses alles geschehe. (Matth. 24, 32-34).

Ähnlich lautete es nun ebenfalls bei Markus: An dem Feigenbaum aber lernet ein Gleichnis: Wenn sein Zweig jetzt treibt und die Blätter kommen, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch, wenn ihr seht, daß solches geschieht, so wisset, daß es nahe vor der Tür ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dies alles geschehe. (Mark. 13, 28-30).

Lukas berichtete alsdann ebenso: Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume: wenn sie jetzt ausschlagen und ihr sehet's, so wißt ihr selber, daß jetzt der Sommer nahe ist. So auch ihr: wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe. (Luk. 21, 29-32).

Die erste Entwicklungsphase: ... wenn jetzt seine Zweige (= am Ende des Baumes bzw. Israel am Ende der Zeit) ausschlagen. - Damit ist ohne Zweifel das nationale Erwachen des Volkes Israel gemeint, das zunächst einmal mit der Gründung des Zionismus als Sammlungsbewegung des jüdischen Volkes offiziell seinen Anfang genommen hat. Dies geschah auf dem ersten Zionistenkongreß in Basel, der vom 29. bis 31. August 1897 dort unter dem Vorsitz von Dr. Theodor Herzl stattfand.

Im Verlaufe des Ersten Weltkrieges verstärkten sich sodann die Bemühungen des jüdischen Volkes zur Gründung eines Staates auf historischem Boden, dem Land der Verheißung. Bereits im Jahre 1896 hatte Dr. Theodor Herzl in seiner Schrift: "Der Judenstaat" einen solchen ausdrücklich gefordert. Der sich gegen Ende des Jahres 1917 anbahnende Sieg der Engländer über die Türkei, sowie die damit verbundene Befreiung Palästinas, sollte zur Verwirklichung dieses Zieles beitragen. Am 2. November 1917 wurde dann den Juden in der Erklärung des Lord Balfour, englischer Außenminister, die Förderung der Bemühungen um eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, dem Land ihrer Väter, zum ersten Male zugesagt.

Nach dem Ersten Weltkrieg begann ebenfalls das Ausschlagen der anderen Bäume, von denen Lukas berichtet. Der Drang nach Selbständigkeit erfaßte zunächst Europa, indem aus Gebieten von Rußland nun die Staaten Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen entstanden. Das Kaiserreich Österreich-Ungarn zerfiel in die Staaten Österreich, Ungarn und Tschechoslowakei, außerdem wurde Jugoslawien geschaffen. Größere Gebiete mußten an Rumänien, Polen und Italien abgetreten werden. Irland erkämpfte bald seine Unabhängigkeit von Großbritannien, während Island danach zuerst ein selbständiger Staat in Personalunion mit Dänemark wurde.

Dieses Streben nach Unabhängigkeit verstärkte sich noch bald nach dem Zweiten Weltkrieg, als eine Kolonie nach der anderen dann im Laufe der Jahre ihre Befreiung erlangen wollte. So zählte die UNO im Jahre 1994 bereits 185 Mitglieder, obwohl es nach der Bibel nur 70 Nationen und Israel gibt. Dann stellt sich natürlich auch die Frage, zu welcher Nation etwa Luxemburg oder Liechtenstein gehören, bzw. welchem Engelfürsten nach Daniel 10, 20 wohl diese Gebiete von Gott zugeteilt wurden. Dort wird nämlich erklärt: Und jetzt muß ich wieder hin und mit dem Engelfürsten von Persien kämpfen; und wenn ich das hinter mich gebracht habe, siehe, dann wird der Engelfürst von Griechenland kommen. Dazu heißt es im Lied des Mose deutlich: Als der Höchste den Völkern Land zuteilte und der Menschen Kinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Kinder Israel. (5. Mose 32, 8). Die Lutherbibel gibt den hebräischen Text wieder: Gott teilt jedem Volk sein Land zu (1. Mose 11, 8; Apg. 17, 26). Die Septuaginta (= LXX), die griechische Übersetzung, hat statt: nach der Zahl der Kinder Israel den Text: nach der Zahl der Engel Gottes, d. h. im Himmel sind Engelfürsten, denen Gott je ein Volk zugeteilt hat. Für die Kinder Israel jedoch hatte Gott sein Land bestimmt und zu ihnen gesagt: Darum sollt ihr das Land nicht verkaufen für immer; denn das Land ist mein, und ihr seid Fremdlinge und Beisassen bei mir. (3. Mose 25, 23). Es ist also nicht rechtens, Teile des Landes an die Palästinenser zu geben.

Die zweite Entwicklungsphase ist sodann: ... und Blätter gewinnen." - Darunter ist mit großer Wahrscheinlichkeit die Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 zu verstehen, als in der Zeit von 16.00 bis 16.32 Uhr David Ben Gurion den Judenstaat, Medinat Israel, d. h. Staat Israel, proklamierte. Die Engländer hatten angekündigt, zum 15. Mai um 00.00 Uhr das Mandat des Völkerbundes bzw. der UNO über die Verwaltung von Palästina niederzulegen. Damit rückte dann der große Zeiger an der Weltenuhr Gottes diesmal ein gewaltiges Stück nach oben, auf Mitternacht zu.

Diese beiden wesentlichen Phasen in der Entwicklung des Feigenbaumes bezeichnete der Herr Jesus als endzeitliche Orientierungsmerkmale, an denen die Jünger Jesu auch heute noch zweierlei ablesen dürfen:
Erstens: ... so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. (Matth. 24, 31 und Mark. 13, 28). Damit ist die Zeit der Ausreife und des Aberntens gemeint, die vielleicht schon mit dem Jom-Kippur-Krieg am 6. Oktober 1973 begonnen haben könnte, je nach Lage der Dinge jedoch spätestens mit dem Ende der Zeit der sogenannten "Feigenbaumgeneration" abgeschlossen sein wird. Es geschah damals am höchsten Feiertag der Juden, dem großen Versöhnungstag, als Israel wiederum von den Arabern überfallen wurde.

Denkbar wäre auch, daß diese Zeit bereits mit der Eroberung Jerusalems am 7. Juni 1967 ihren Anfang genommen hat, demnach nur 19 Jahre nach der Staatsgründung Israels im Jahre 1948. Das hat dann auch wieder eine besondere Bedeutung, da sich nämlich der jüdische Kalender durch das Einfügen von Schaltjahren in einem regelmäßigen Zyklus von 19 Jahren wiederholt. Außerdem fand dieses Ereignis 70 Jahre nach dem ersten Zionistenkongreß in Basel statt, wobei auch hier sicherlich wieder die biblische Zahl 70 von großer Bedeutung ist. So stehen Israel und die Völker der Welt in einem engen und genauen Zahlenverhältnis. Das wird schon deutlich, wenn wir nur an die Lager- oder Raststätte Elim während der vierzigjährigen Wüstenwanderung denken: Und sie kamen nach Elim; da waren zwölf Wasserquellen und siebzig Palmbäume. Und sie lagerten sich dort am Wasser. (2. Mose 15, 27). Es waren dort zwölf Wasserquellen, eine für jeden der zwölf Stämme Israels, außerdem siebzig Palmbäume. Die Völkertafel in 1. Mose 10, 1-32 nennt 70 Völker für die ganze Welt, die Völkerforscher nach den Angaben der Bibel dann genau aufgeteilt haben.

Nach den Söhnen Noahs: Sem, Ham und Japheth, gibt es so drei große Grundrassen mit insgesamt 70 Völkerschaften, davon Sem mit 26 jüdischen und arabischen Völkerschaften, Ham mit 30 farbigen und Japheth mit 14 weißen Völkerschaften. Dazu fällt auf, daß die Volkswerdung Israels mit den zwölf Söhnen Jakobs und 70 Seelen in Ägypten begann, wie Mose geschrieben hat: Die Söhne Josephs, die in Ägypten geboren sind, waren zwei Seelen; so daß alle Seelen des Hauses Jakobs, die nach Ägypten kamen, waren siebzig. (1. Mose 46, 27). Und alle leiblichen Nachkommen Jakobs zusammen waren siebzig an Zahl. (2. Mose 1, 3). Es wurden seinerzeit auch 70 Älteste ausgewählt, auf die Gott seinen Geist gelegt hat: Und der Herr sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, daß sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich. (4. Mose 11, 16). Weiter heißt es von Mose und ihnen: Da kam der Herr hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. (4. Mose 11, 25).

Das normale Leben des Menschen währet 70 Jahre nach Psalm 90, 10: Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre. Außerdem ist bekannt, daß der Herr Jesus neben den zwölf Aposteln noch weitere 70 Jünger hatte, die er aussandte: Danach sonderte der Herr andere siebzig aus und sandte sie je zwei und zwei vor sich her in alle Städte und Orte, da er wollte hinkommen. (Luk. 10, 1). Daher ist die Zahl 70 als die Zahl der Fülle des Menschen zu vestehen.

Des weiteren sollte man bedenken, daß die Eroberung Jerusalems genau 50 Jahre nach der Erklärung des Lord Balfour stattfand, die zur Förderung der Bemühungen um eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, dem Land ihrer Väter, eintrat. Das war andererseits eine Hall- oder Jubeljahr-Periode in der das Volk Israel nun wieder zu seinem verlorenen Besitz kam, seiner ewigen Hauptstadt Jerusalem. Als Erlaßjahr soll das fünfzigste Jahr euch gelten. Ihr sollt nicht säen und, was von selber wächst, nicht ernten, auch, was ohne Arbeit wächst, im Weinberg nicht lesen; denn das Erlaßjahr soll euch heilig sein; vom Felde weg dürft ihr essen, was es trägt. Das ist das Erlaßjahr, da jedermann wieder zu dem Seinen kommen soll. (3. Mose 25, 11-13). Ansonsten war das Halljahr an feste Zeitabschnitte gebunden.

Am Mittwoch, dem 7. Juni 1967 (dieser Tag fiel für Israel in die Omer-Zeit, das sind die Tage zwischen Ostern und Pfingsten, die sonst Trauertage sind), ereignete sich das Psalm-Wort: Nun stehen unsere Füße in deinen Toren, Jerusalem (Psalm 122, 2). Nach jüdischer Zeitrechnung war es der 28. Ijar 5727. Ijar aber ist jetzt der zweite Kalendermonat und hieß früher Siw = Blumenmond. Nach dem 1. Buch der Könige ist es auch der Monat, in dem die Grundsteinlegung des Tempels erfolgte: Im vierhundertundachtzigsten Jahr nach dem Auszug Israels aus Ägyptenland, im vierten Jahr der Herrschaft Salomos über Israel, im Monat Siw, das ist der zweite Monat, wurde das Haus dem Herrn gebaut. (1. Kön. 6, 1). Bei der Eroberung des Tempelplatzes rief der Kommandeur der israelischen Fallschirmspringer aus: "Har Ha'Bayith B'Yadenu! Har Ha'Bayith B'Yadenu! - Der Tempelberg ist in unseren Händen!" Genau übersetzt heißt es: Har = Berg, Ha'Bayith = das Haus, und Yad = Hand. Demnach: Berg des Hauses in unseren Händen! Damit ist jedoch der Tempel gemeint, das Haus Gottes. Genau um 10.05 Uhr standen die Soldaten vor der Klagemauer und gleichzeitig wurde auf dem Tempelplatz die israelische Fahne gehißt.

So standen nun die Juden endlich wieder vor der Klagemauer, der Westmauer des Tempels (Kotel ma-Arawi), die eine Länge vom 45 m und eine Höhe von 18 m hat. Daher feiert man in Israel am 28. Ijar den Jom Jeruschalajim, den Tag Jerusalems. Es war genau 70 Jahre nach dem ersten Zionistenkongreß in Basel im Jahre 1897, als dieser Teil von Jerusalem durch Gottes Gnade wieder in israelische Hände fiel. Das erinnert an das Prophetenwort: Da hob der Engel des Herrn an und sprach: Herr Zebaoth, wie lange noch willst du dich nicht erbarmen über Jerusalem und über die Städte Judas, über die du zornig bist schon siebzig Jahre? (Sach. 1, 12).

Zweitens: ... Also auch, wenn ihr seht, daß solches geschieht ... (Mark. 13, 29). - Nämlich das "Ausschlagen", das "Blättergewinnen" und das rechte Anbrechen des "Sommers", ... so wisset, daß es nahe vor der Tür ist. (Mark. 13, 29). - Was denn? - Das in diesem Abschnitt dann ebenfalls schon angekündigte Kommen Jesu Christi: Und dann werden sie des Menschen Sohn kommen sehen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit. (Mark. 13, 26).

Das wird auch von Lukas bestätigt, wo es umso deutlicher heißt: So auch ihr: wenn ihr dies alles sehet angehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. (Luk. 21, 31). Damit ist das Tausendjährige Friedensreich gemeint, das dann bei der sichtbaren Wiederkunft Jesu Christi beginnen wird.

Dann unterstreicht der Herr Jesus diese zeitlichen Orientierungsmerkmale mit den Worten: Wahrlich, ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dies alles geschehe. (Mark. 13, 30). Im griechischen Grundtext aber heißt es nicht: "Dies Geschlecht ...", sondern buchstäblich: ... h genea auth = he genea hauté = "diese Generation". - Demnach würde die genaue Lesart lauten: Diese Generationwird nicht vergehen, bis daß dies alles geschehe. Deshalb heißt es im Konkordanten Neuen Testament ebenfalls: Wahrlich, Ich sage euch: Keinesfalls sollte diese Generation vergehen, bis dies alles geschehen ist, und zwar wahrscheinlich alles, was hier steht: Das "Ausschlagen", das "Blättergewinnen" und die "Sommerreife".

Das rabbinische Judentum berechnet eine Generation mit etwa 40 bis 42 Jahren. Diese Annahme wird abgeleitet von der 40-jährigen Wüstenwanderung des Volkes Israel. Die jüdischen Gelehrten begründen nun diese Tatsache mit folgenden Bibelstellen: Und eure Kinder sollen Hirten sein in der Wüste vierzig Jahre und eure Untreue tragen, bis eure Leiber aufgerieben sind in der Wüste. Nach der Zahl der vierzig Tage, in denen ihr das Land erkundet habt - je ein Tag soll ein Jahr gelten -, sollt ihr vierzig Jahre eure Schuld tragen, auf daß ihr innewerdet, was es sei, wenn ich die Hand abziehe. (4. Mose 14, 33-34). Im Psalm heißt es dann ähnlich: Vierzig Jahre hatte ich Mühe mit diesem Volk ... (Psalm 95, 10 - Luthertext von 1912).

Im hebräischen Text heißt es dort nicht: me = "AM" oder Am = "Volk", sondern: rwdb = "bäDoR" = "Generation". - Auf Hebräisch lautet diese Stelle nämlich: ... rwdb jwqa hnv myebra = "... arabaim schenah afut bäDoR". - Deutsch: Vierzig Jahre hatte ich Mühe mit dieser Generation ... . Deshalb lautet diese Stelle in der französischen Übersetzung von J. N. Darby: Quarante ans j'ai eu cette génération en dégoût ... . Wörtlich heißt das: Vierzig Jahre ich habe gehabt diese Generation im Ekel. So beginnt auch dieser Vers in der Elberfelder Bibel, revidierte Fassung: Vierzig Jahre empfand ich Ekel ... . Mit der hier erwähnten Generation sind demzufolge alle Männer, Frauen und Kinder Israels gemeint, die während der 40-jährigen Wüstenwanderung Gottes Handeln mit seinem Volk erlebt hatten. Der Herr sprach einstmals dieses zu Mose: ... die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben, die ich getan habe in Ägypten und in der Wüste, und mich nun zehnmal versucht und meiner Stimme nicht gehorcht haben. (vgl. 4. Mose 14, 20-33). (Anmerkung: Für die Bezeichnung: "Geschlecht" wird im Hebräischen das Wort: tdlwt = "Toledoth" verwendet, das die Gesamtheit der Nachkommen bedeutet.).

Die Berechnung einer Generation mit etwa 40 bis 42 Jahren ist auch nach der göttlichen Zeitrechnung nachprüfbar, die an zwei Stellen der Bibel angegeben ist. Es heißt einmal im Gebet des Mose, des Mannes Gottes: Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist. (Psalm 90, 4). Alsdann bestätigte noch der Apostel Petrus in seinem zweiten Brief dieses Wort des Mose, indem er darauf aufmerksam machte: Eines aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. (2. Petr. 3, 8).

Demnach zählt 1 Tag = 1000 Jahre und 1000 Jahre = 1 Tag. - Nach diesem Vergleich entspricht eine Gottesstunde ebenfalls einer Generation von ungefähr 40 bis 42 Jahren. - Genau gerechnet ergibt sich: 1000 : 24 = 41,67 oder 41 2/3, also nicht ganz 42 Jahre.

Wenn der Herr Jesus genau sagt: Wahrlich, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis daß dies alles geschehe. (Mark. 13, 30). - dann ist doch sicherlich anzunehmen, daß dieser sehr bedeutsame Zeitabschnitt höchstwahrscheinlich mit einem überaus wichtigen Ereignis seinen Anfang nehmen wird oder gar schon genommen haben könnte. Möglicherweise käme dann als Stichtag bzw. Stichjahr der sogenannten "Feigenbaumgeneration" das historische Datum der Staatsgründung Israels in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1948 in Frage - plus eine Gottesstunde -, dann könnte schon damals eine kritische Zeit für Israel begonnen haben.

Wenn wir demgemäß für eine Gottesstunde 40 bis 42 Jahre berechnen, dann dauert eine halbe (= ½) Gottesstunde 20 bis 21 Jahre. Demnach ist eine Periode von einer knappen halben Stunde - also von etwa 19 Jahren nach dieser Zeitrechnung - auf jeden Fall in den wichtigsten Ereignissen der letzten Jahrzehnte zu suchen. Insbesondere betrifft dies natürlich Geschehnisse, die eine Auswirkung auf Israel hatten, denn sonst kann man unmöglich eine Stille im Himmel in diesem Jahrhundert ausmachen. Nur so läßt sich dann auch dieser göttliche Zeitbegriff von "bei einer halben Stunde" endzeitlich richtig einordnen.

Halbe Stunden im Kalender Gottes hat es seit dem ersten Zionistenkongreß in Basel im Jahre 1897 wohl immer wieder gegeben, wie wir es bereits teilweise festgestellt haben. Deshalb hier noch einmal die wichtigsten Ereignisse, soweit sie die Rückkehr der Juden nach Israel betreffen:
1897 = Erster Zionistenkongreß in Basel unter dem Vorsitz von Dr. Theodor Herzl,
1917 = Erklärung des Lord Balfour zur Förderung einer Heimstätte in Palästina,
1937 = Kommission von Lord Peel empfahl die Teilung Palästinas mit einem Judenstaat.
Dann eine Hall- oder Jubeljahr-Periode = 50 Jahre nach dem ersten Zionistenkongreß:
1947 = Beschluß der UNO zur Teilung Palästinas mit einem jüdischen Staat,
1967 = Eroberung der Altstadt von Jerusalem mit dem Tempelplatz,
1987 = Hall- oder Jubeljahr begann am 3. Oktober - mit Sicherheit ist dadurch die letzte Halljahrsperiode überhaupt angebrochen, die siebzigste. Somit muß Jesus in dieser Zeit wiederkommen, also gewiß innerhalb der 50 Jahre nach deren Beginn.

Außerdem endete der Erste Weltkrieg im Jahre 1918 genau 21 Jahre nach dem ersten Zionistenkongreß und der Zweite Weltkrieg begann übrigens auch wiederum 21 Jahre später (im Jahre 1939), also insgesamt 42 Jahre danach. Sodann fällt auf, daß der vormalige Leiter der Judenverfolgung, der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, zuvor in Buenos Aires aufgespürt, ausgerechnet im Jahre 1960 durch den israelischen Geheimdienst verhaftet und nach Israel gebracht werden konnte, abermals genau 21 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Die Eroberung der Altstadt von Jerusalem mit dem Tempelplatz, die also im Jahre 1967 erfolgte, fand desgleichen 21 Jahre nach der Urteilsverkündung im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß am 30.9./1.10.1946 statt. Dann wurde außerdem noch am 15. November 1988, abermals 21 Jahre später, von der PLO einseitig der Staat "Palästina" proklamiert, den sogar über 100 Staaten anschließend anerkannt haben.

Von 1948 bis 1967 war es den Juden 19 Jahre lang verwehrt, an der Klagemauer des Tempels zu beten, weil dieser Teil des biblischen Landes von Jordanien widerrechtlich annektiert worden war. Die Unterzeichnung des sogenannten Oslo 2-Abkommens, das den Verzicht auf einige dieser Gebiete beinhaltet, erfolgte nach dem jüdischen Kalender auf den Tag genau 57 Jahre nach dem Münchner Abkommen, das England und Frankreich mit Hitler und Mussolini schlossen. Dieser Zeitraum von genau 57 Jahren zwischen 1938 und 1995 beträgt 3 x 19 Jahre. Diese Zahl ist durchaus bedeutsam, da sich der jüdische Kalender doch alle 19 Jahren wiederholt.

Da nach meiner Erkenntnis mit der Öffnung des sechsten Siegels das Atomzeitalter im Jahre 1945 begann, ist es nach dieser Ordnung durchaus möglich, daß das siebente und letzte Siegel bereits bei der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 geöffnet worden ist. Möglicherweise von diesem Zeitpunkt an ward eine Stille in dem Himmel bei einer halben Stunde, die sodann bis zur Eroberung der Altstadt von Jerusalem mit dem Tempelplatz im Jahre 1967, also genau 19 Jahre gedauert haben könnte. So wie ich es augenblicklich erkenne, ist der Stichtag bzw. das Stichjahr der sogenannten "Feigenbaumgeneration" wohl ab diesem Zeitpunkt zu rechnen. Demnach müßten die Schwierigkeiten in Israel weiterhin zunehmen, bis der kommende Messias nach einer Gottesstunde die Lösung aller Fragen herbeiführen wird. Nach dem prophetischen Wort gibt es vorher wohl zweimal einen Scheinfrieden, der die Kriegsgefahr keineswegs beseitigt, jedoch unverhofft zur Katastrophe führt. Alle diese Dinge sage ich nur unter dem größten Vorbehalt, denn es geht darum, die Zeichen der Zeit deutlich zu erkennen und so endzeitlich richtig einzuordnen.

Was geschieht nun nach dem Zeugnis des Johannes während der halbstündigen Stille im Himmel? Zuerst einmal im Himmel selbst, danach die Auswirkungen davon auf der Erde. Nach dem Bericht über dieses siebente Siegel werden gerade in dieser Zeitspanne in den kosmischen Sphären große Vorbereitungen für die kommenden großen Gerichte Gottes getroffen.

Johannes sieht sieben Engel vor Gott stehen. Diese Engel sind keine Schöpfung blühender Phantasie, sondern es sind dies sieben "Erzengel", die man als "Thron-Adjutanten" Gottes bezeichnen könnte (Lutherbibel erklärt). Wie die sieben Augen des Lammes nach Offb. 5, 6 sind sie gleichfalls sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande. So fragt der Schreiber des Hebräer-Briefes bereits über die großen Aufgaben der Engel: Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen? (Hebr. 1, 14).

Die jüdische Tradition kennt sieben Erzengel, nach 1. Henoch 20, 1-8. Dieses Buch hat die frühe Kirche aus dem Kanon der biblischen Bücher ausgeschieden, weil es nicht zuverlässig genug erschien. Der Maßstab war also äußerst streng, obwohl dieses Buch im Neuen Testament zitiert wird, und zwar in Judas 4, 6 und 14. Dort nun heißt es von Henoch, der ebenfalls erwähnt wird z. B. in 1. Mose 5, 21-24 und auch in Lukas 3, 37 und Hebr. 11, 5: Es hat aber auch von ihnen geweissagt Henoch, der siebente von Adam an, und gesprochen: Siehe, der Herr kommt mit viel tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Gottlosen für alle Werke ihres gottlosen Wandels, womit sie gottlos gewesen sind, und für all das Freche, das die gottlosen Sünder wider ihn geredet haben. (Judas 14-15). Wenn es so dem Schreiber dieses neutestamentlichen Buches erlaubt war, außerbiblische Schriften zur Erklärung seiner Worte heranzuziehen, ist es wohl ebenso gerechtfertigt, diese Methode auch hier anzuwenden, sofern natürlich die Deutung mit Sicherheit nicht im Widerspruch zum übrigen Schriftzeugnis steht, was hier wohl nicht der Fall ist.

In diesem apokryphischen ersten Henoch-Buch, in Kapitel 20, werden uns sodann die kosmischen Wächter nacheinander namentlich vorgestellt, und zwar genau so: Dies sind die Namen der heiligen Engel, welche wachen: Uriel ist einer der heiligen Engel, nämlich der über das Engel-Heer und den Tartarus gesetzte Engel. - Raphael, heißt ein zweiter der heiligen Engel, der über die Geister der Menschen gesetzt ist; Raguel heißt ein dritter Engel der heiligen Engel, der Rache übt an der Welt der Lichter; Michael heißt ein vierter der heiligen Engel, nämlich über den besten Teil der Menschen gesetzt, über das Volk Israel; Sariel heißt ein fünfter der heiligen Engel, der über die Geister, die gegen den Geist sündigen, gesetzt ist; und Gabriel heißt ein sechster der heiligen Engel, der über das Paradies, die Schlangen und die Cherubim gesetzt ist. Außerdem bezeugte Henoch noch: Darauf fragte ich den Engel des Friedens, der mit mir ging und mir alles Verborgene zeigte, und ich sagte zu ihm: Wer sind nun diese vier Gesichter, die ich gesehen, deren Worte ich gehört und aufgeschrieben habe? Da sagte er zu mir: Der erste da ist der barmherzige und langmütige Michael; der zweite, der über alle Krankheiten und über alle Wunden der Menschenkinder gesetzt ist, ist Raphael; der dritte, der allen Kräften vorsteht, ist Gabriel, und der vierte, der über die Buße und die Hoffnung derer gesetzt ist, die das ewige Leben ererben, heißt Phanuel. Demnach, zusammengefaßt:

Uriel    der über das Engel-Heer und den Tartarus, dem Totenreich,        
Raphael  gesetzte Engel,                                                  
Raguel   der über die Geister der Menschen gesetzt ist, der allen         
Michael  Kräften vorsteht,                                                
Sariel   der Rache übt an der Welt der Lichter, den gefallenen (Licht-)   
Gabriel  Engeln,                                                          
Phanuel  steht über dem Volke Israel, dem besten Teil der Menschen, und   
         dem Unheil,                                                      
         der über die Geister, die gegen den Geist sündigen, andere       
         verführen, gesetzt,                                              
         steht den Cherubim (= den Thronengeln), dem Paradies und         
         Schlangen vor,                                                   
         ist von Gott über die Auferstehenden gesetzt, die das ewige      
         Leben ererben.                                                   


In dem Buch Tobit (Tobias), das auch in den Apokryphen enthalten ist, einem Teil sogar mancher Lutherbibel, heißt es: Ich bin Raphael, einer von den sieben Engeln, die allezeit bereitstehen, vor die Herrlichkeit des Herrn hinzutreten. (Tob. 12, 15). Hermann Menge hat diesen Vers so übersetzt: Ich bin Raphael, einer von den sieben heiligen Engeln, welche die Gebete der Heiligen hinaufbringen und Zutritt zu der Herrlichkeit des Heiligen haben. (Tob. 12, 15). Ebenfalls Test. Levi 3, 7. Dann Lukas erwähnt in der Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers, als Zacharias den Engel fragte: Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, mit dir zu reden, daß ich dir solches verkündigte. (Luk. 1, 19).

Es ist daher anzunehmen, daß diesen sieben vor Gott stehenden Engeln (= kosmischen Wächtern) in feierlicher Szene die sieben Posaunen gegeben werden, deren Blasen das Alarmsignal für die kommenden Endgerichte des Zornes Gottes über die Erde bedeutet. Bei Jesu erstem Kommen nahm ein Erzengel, nämlich Gabriel, die Ankündigung vor, nun vor seinem zweiten Erscheinen ist es ihre göttliche Vollzahl, also sieben. Ehe sich jedoch diese Gerichtsengel anschicken, ihre Posaunen nacheinander zu blasen, erscheint ein "anderer Engel" mit priesterlichen Vollmachten an dem goldenen Altar, der vor dem Throne im Himmel steht.

Manche Ausleger sind der Meinung, daß dieser "andere Engel" vielleicht Jesus Christus selbst sein könnte. Besonders an den priesterlichen Diensten, die dieser Engel verrichtet, meinen sie den erhöhten Gottessohn erkennen zu können. Dagegen spricht allerdings, daß das Lamm Gottes, das erwürget ist, gerade zuvor noch das siebente Siegel aufgetan hat. Deshalb handelt es sich hierbei meines Erachtens eher um den "anderen" Engel, dem wir bereits in Kapitel 7 begegnet sind. Dieser war sicherlich nicht Jesus Christus, weil dieser "andere" Engel daselbst als Haupt der vier Engel von Offb. 7, 1 steht und sich mit ihnen in eine Reihe stellt (man beachte "wir" und "unseres Gottes" in Vers 3). Auf jeden Fall ist es zweifellos ein anderer starker Engel, sicherlich ein Engelfürst, vielleicht auch ein Cherub, also ein Thronengel, wie er denn auch bekanntermaßen an dieser Stelle beschrieben ist.

Nach den Zeugnissen der Heiligen Schrift ist der goldene Räucheraltar im Heiligtum vor dem Thron, dem Allerheiligsten, die Empfangsstation und der Aufbewahrungsort für die Gebete "aller Heiligen", und zwar derer, die im Himmel und auf Erden wohnen. So ist es wichtig, hier zu beachten, daß die Bibel die Christen nicht erst nach dem physischen Tode als "Heilige" bezeichnet, sondern daß dieser Name immer wieder für lebendige Gläubige angewandt wird. Ohne Zweifel gehören alle gegenwärtig lebenden, wahren Christen zu den obengenannten Heiligen. Die Beschreibung zeigt eindrucksvoll, welch großen Wert die Gebete der Gläubigen vor Gott haben.

Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817) schrieb dann dazu: Das Rauchopfer des Engels ist hier sehr merkwürdig, darum beschreibt es auch Johannes so ausführlich: Denn diese priesterliche Funktion soll vorstellen, was geschehen müsse, wenn die Gebete der Heiligen Gott angenehm sein und erhört werden sollen. Das Beten, auch das Beten der Heiligen ist noch bei weitem zur Erhörung nicht genug - nein! das himmlische Rauchpulver muß noch dazu kommen, durchs Feuer in Dampf verwandelt werden, und dann muß dieser angenehme Geruch zu Gott hinauf steigen.

Dieser "andere Engel" hatte also ein goldenes Räuchergefäß, und ihm ward viel Räucherwerk gegeben, nämlich von der Glut des Brandopferaltars. Dieses Feuer brennt ununterbrochen, wie uns das im dritten Buch Mose (lat. Leviticus = Buch der priesterlichen Ordnungen) erklärt wird: Das Feuer auf dem Altar soll brennen und nie verlöschen. Der Priester soll alle Morgen Holz darauf anzünden und oben darauf das Brandopfer zurichten und das Fett der Dankopfer oben darauf in Rauch aufgehen lassen. Ständig soll das Feuer auf dem Altar brennen und nie verlöschen. (3. Mose 6, 5-6).

Weiter heißt es dort: Und Aaron soll den Stier seines Sündopfers herzubringen und sich und sein Haus entsühnen und soll ihn schlachten und soll eine Pfanne voll Glut vom Altar nehmen, der vor dem Herrn steht, und beide Hände voll zerstoßenen Räucherwerks und es hinein hinter den Vorhang bringen und das Räucherwerk aufs Feuer tun vor dem Herrn, daß die Wolke vom Räucherwerk den Gnadenthron bedecke, der auf der Lade mit dem Gesetz ist, damit er nicht sterbe. (3. Mose 16, 11-13). Im Hebräer-Brief wird ergänzt: Und niemand nimmt sich selbst die hohepriesterliche Würde, sondern er wird berufen von Gott gleichwie Aaron. (Hebr. 5, 4).

Dieser Räucheraltar wird schon davor im zweiten Buch Mose (griechisch: exwdoV = Exodos, lateinisch: Exodus = Auszug - aus Ägypten) in Kapitel 30 beschrieben. Dort heißt es in der Anweisung des Herrn an Mose u. a.: Und du sollst ihn setzen vor den Vorhang, der vor der Lade mit dem Gesetz hängt, und vor den Gnadenthron, der auf der Lade mit dem Gesetz ist, wo ich dir begegnen werde. Und Aaron soll darauf verbrennen gutes Räucherwerk jeden Morgen, wenn er die Lampen zurichtet. Desgleichen, wenn er die Lampen anzündet gegen Abend, soll er solches Räucherwerk auch verbrennen. Das soll das tägliche Räucheropfer sein vor dem Herrn bei euren Nachkommen. Ihr sollt kein fremdes Räucherwerk darauf tun, auch kein Brandopfer, Speisopfer oder Trankopfer darauf opfern. (2. Mose 30, 6-9).

In der Lutherbibel erklärt heißt es dazu, berichtigt: Der goldene Räucheraltar (50 cm im Quadrat, 1 m hoch) steht im Heiligtum. Beim Räuchern kommt die Glut vom Brandopferaltar im Vorhof in ein Rauchfaß, das auf diesen Altar gestellt wird. Die Stellung vor der Bundeslade, dem Gnadenthron, bildet eine Verbindung mit der Fürbitte des Hohenpriesters. Das Gebet gründet sich auf die Versöhnung. Fremdes Feuer darf nicht auf den Altar gebracht werden. (In 3. Mose, Kapitel 10, werden die schrecklichen Folgen einer Mißachtung dieser Anweisung des Herrn beschrieben.). Immer wenn in der Offenbarung einfach vom Altar die Rede ist, dann ist der eherne Brandopferaltar gemeint, und immer wenn der goldene Räucheraltar gemeint ist, wird hinzugefügt: der "goldene" Altar. Der Thron Gottes entspricht dann der Bundeslade, dem Gnadenthron des Alten Testamentes.

Feuer ist das Symbol für die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Im fünften Buch Mose (lateinisch: Deuteronomium = Zweites Gesetz) wird uns gesagt: Denn der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott. (5. Mose 4, 24). Dann ebenso: So sollst du nun heute wissen, daß der Herr, dein Gott, vor dir hergeht, ein verzehrendes Feuer. Er wird sie vertilgen und wird sie demütigen vor dir, und du wirst sie vertreiben und bald vernichten, wie dir der Herr zugesagt hat. (5. Mose 9, 3). Das wird wiederum bestätigt im Hebräer-Brief: Darum, weil wir empfangen ein unbeweglich Reich, lasset uns dankbar sein und also Gott dienen, ihm zu gefallen, in Zucht und Furcht; denn unser Gott ist ein verzehrend Feuer. (Hebr. 12, 28-29).

Räucherwerk ist das Symbol des Gebetes. Bei der Betrachtung von Kapitel 5 (Offb. 5, 8) wurde bereits festgestellt: Goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen, der noch nicht vollendeten, also der noch nicht in den Himmel entrückten Gläubigen. Da nun die Zeit der Gerichte Gottes gekommen ist, wird dem amtierenden Priesterengel für seine Amtshandlung aus dem göttlichen Heiligtum viel Räucherwerk gegeben, was wohl die hohenpriesterlichen Gebete Jesu sein mögen, damit er dadurch Kraft und Wirkung gebe den Gebeten aller Heiligen auf dem goldenen Altar, der vor dem Throne Gottes steht. Auf diese Weise werden demnach die Gebete der Heiligen gereinigt und verstärkt durch Jesus: Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns. (Röm. 8, 34). Jesus vertritt die Seinen vor Gottes Thron.

Alsdann nimmt der Engel das vom Feuer entzündete Räucherwerk mit den Gebeten der Heiligen vom Altar in seine Hand und läßt es sodann vor Gott als Rauchwolke aufsteigen. Ähnlich war es im Tempel, wie wir schon oben gesehen haben: ... und soll eine Pfanne voll Glut vom Altar nehmen, der vor dem Herrn steht, und beide Hände voll zerstoßenen Räucherwerks und es hinein hinter den Vorhang bringen ... (3. Mose 16, 12). Damit sind die Gebete aller Heiligen, ja, ihr Schreien, ihr Flehen und Rufen zu allen Zeiten endlich ins Gedächtnis vor Gott gekommen. Ihr Gebet: Dein Reich komme, Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel (Matth. 6, 10) beginnt sich nun letzten Endes doch zu erfüllen. Kein wahres Gebet geht verloren!

Nach diesem geheimnisvollen Vorgang in der himmlischen Welt tritt plötzlich ein entscheidender Wendepunkt auf Erden ein. Der Engel nimmt das Räuchergefäß und füllt es mit Feuer vom Altar und schüttet es auf die Erde. Beim Brandopferaltar verzehrt das Feuer das Brandopfer, das für Gott bestimmt ist, zugunsten derer, die dadurch versöhnt und geheiligt werden. Dasselbe Feuer vom Altar wird nun auch die verzehren, die kein Teil an diesem Brandopfer haben. Die Folgen des auf die Erde geschütteten Feuers sind verheerend und katastrophal. Dadurch werden nämlich weitere apokalyptische (= endzeitliche) Gerichte eingeleitet, und zwar:

1. Donner: Der Herr wird brüllen aus der Höhe und seinen Donner hören lassen
aus seiner heiligen Wohnung. (Jer. 25, 30).
2. Stimmen: Stimmen des Schreckens hört sein Ohr, und mitten im Frieden kommt
der Verderber über ihn. (Hiob 15, 21).
3. Blitze: Er wird regnen lassen über die Gottlosen Blitze, Feuer und Schwefel und
wird ihnen ein Wetter zum Lohn geben. (Psalm 11, 6 - Luthertext von 1912).
4. Erdbeben: Aber die Menge deiner Feinde soll werden wie Staub und die Menge
der Tyrannen wie wehende Spreu. Und plötzlich wird's geschehen, daß Heimsu-
chung kommt vom Herrn Zebaoth mit Wetter und Erdbeben und großem Donner
- mit Wirbelsturm und Ungewitter und mit Flammen des verzehrenden Feuers.
(Jes. 29, 5-6).
Es ist, als erschiene Gott selbst in seiner Herrlichkeit und Majestät, um das Gericht auszuführen und seine Heiligen daraus zu erretten.

Dr. P. de Benoit hat in seinem Buch: "Was der Geist den Gemeinden sagt" dieses göttliche Hochamt so beschrieben: Die Erhörung der Gebete der Heiligen. Ein Engel füllt am Altar ein goldenes Weihrauchgefäß mit glühenden Kohlen, und die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten legen viel Weihrauch darauf. Der aufsteigende, wohlriechende Rauch versinnbildlicht die Gebete der Heiligen, die endlich erhört werden sollen. Der Engel hat wohl sein Weihrauchgefäß, wie es Sitte ist, in der Luft geschwungen, bis aller Weihrauch verzehrt war. Dann hat er das Gefäß aufs neue mit Feuer gefüllt und es auf die Erde hinuntergeworfen. Da verkündigten Stimmen, Donner, Blitze und ein Erdbeben, daß neue Strafgerichte kommen. Die Erhörung der Gebete der Heiligen, das ist die Aufrichtung des Reiches Gottes; und diese Aufrichtung kann nicht ohne Umwälzungen und Gerichte stattfinden. Soweit die Auslegung von Dr. P. de Benoit.

Was dann unmittelbar darauf folgt, sind die Posaunengerichte als Intermezzo oder Zwischenspiel im apokalyptischen Weltendrama dieses rasch zu Ende gehenden Zeitalters. Diese überaus gewaltigen Erschütterungen stellen somit die unüberhörbare Ankündigung dar für den kommenden König Israels, den Sohn Davids. Die meisten der in der Bibel erwähnten Gerichte hat Gott vorher auf besondere Weise sogar mit Zeitangabe als Warnung ankündigen lassen. Zur Zeit Noahs: Ich will ihnen noch Frist geben hundertzwanzig Jahre. (1. Mose 6, 3 - Luthertext von 1912). In Ninive: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen. (Jona 3, 4). Nach dem prophetischen Wort werden die Posaunengerichte allerdings vor Beginn der 70. Jahrwoche nach Daniel 9, 27 abgeschlossen sein, danach verbleibt mithin eine weitere Warnungszeit für Israel und den Überrest der Welt von wenigstens sieben Jahren.

Vor den nun bevorstehenden Posaunengerichten wird es nach dem prophetischen Wort allerdings keine Vorankündigung mehr geben, sondern sie werden plötzlich und unerwartet über die Welt hereinbrechen. Dafür werden uns von Jesus Christus mehrere Beispiele genannt, und zwar: Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. (Luk. 17, 26-27). Desgleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. (Luk. 17, 28-29). Denn wie der Blitz oben vom Himmel blitzt und leuchtet über alles, das unter dem Himmel ist, also wird des Menschen Sohn an seinem Tage sein. (Luk. 17, 24). Es ist doch sicherlich äußerst wichtig, hier die Worte Jesu genau zu beachten: Und brachte sie alle um!

Nur vereinzelt werden hier und da Rufer in der Nacht und Prediger in der Wüste alarmierend auftreten und werden es laut verkündigen und sagen: Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen ihr Recht schaffen in Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinest du, er werde den Glauben finden auf Erden? (Luk. 18, 7-8).

Dafür aber werden diese treuen Zeugen Jesu von der Welt, sowie auch von den unwissenden Christen, viel Spott, Hohn und Verachtung ernten müssen. Hat doch ihr Herr schon damals gesagt: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles wider euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel wohl belohnt werden. Denn also haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind. (Matth. 5, 11-12).

Es bleibt deshalb dabei: Unser Gott kommt und schweiget nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein mächtiges Wetter. (Psalm 50, 3). Sehr treffend schilderte der Dichter Fritz Woike (1890-1962) dieses Überraschungsmoment mit folgenden Worten:

Es wird ein Tag sein, wie er immer war,
Die Sonne steht am Himmel hell und klar;
Die Winde raunen und die Quellen springen,
In bunten Gärten frohe Vögel singen.
Die Kinder spielen ihre lieben Spiele ...
Und stille Dome, lautes Weltgewühle,
Maschinendonner, heißer Hände hämmern,
Einsamer Wälder träumendes Verdämmern.
Und plötzlich wuchtet in die laute Zeit
der Tuba-Ton aus Gottes Ewigkeit.
Und leuchtend steht am dunklen Horizont
Christus, der Herr, von Flammen übersonnt.

Auf Grund des prophetischen Wortes und den Zeichen der Zeit geurteilt, liegen alle sieben Siegelgerichte bereits hinter uns. Nach meiner Erkenntnis begann mit der Öffnung des sechsten Siegels das Atomzeitalter im Jahre 1945, wie schon in Kapitel 6 (Offb. 6, 12-17) eingehend erklärt. Nach dieser Ordnung ist es durchaus möglich, daß das siebente und letzte Siegel bereits bei der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 geöffnet worden ist. Möglicherweise von da an ward eine Stille in dem Himmel bei einer halben Stunde, die sodann bis zur Eroberung der Altstadt von Jerusalem mit dem Tempelplatz im Jahre 1967, also genau 19 Jahre gedauert haben könnte. Die sogenannte "Feigenbaumgeneration" wäre dann ab diesem Zeitpunkt zu rechnen, somit also bis etwa dem Jahre 2007 andauern.

Ein weiteres wichtiges Datum war der Beginn der 70. Hall- und Jubeljahr-Periode, der letzten vor der Wiederkunft Jesu Christi, am Samstag, dem 3. Oktober 1987. Inzwischen sind wiederum zehn Jahre vergangen, ohne daß der Sturm der Posaunengerichte losgebrochen ist. Dieses Innehalten vor den letzten endgeschichtlichen Ereignissen dauert demnach noch an. Jeder kann sich daher vorstellen, in welche Nähe nun diese Posaunengerichte gerückt sein müssen. Einige meinen jeden Tag, sicherlich jedoch in wenigen Jahren, werden wir die weltweiten Erschütterungen dieser Gerichte unübersehbar feststellen können. Bis dahin sollten wir die uns verbleibende Zeit noch reichlich nutzen, um viele Seelen für das Lamm zu gewinnen.

Zusammenfassend können wir nun sagen, daß diese Zeit des Innehaltens, in der wir uns nach meiner Erkenntnis eindeutig jetzt befinden, sicherlich wie folgt abläuft: Und ich sah die sieben Engel, die da stehen vor Gott, und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. Die sieben Thronengel erhalten insgesamt sieben Posaunen. Unter Posaunen sieht der Apostel Johannes die nun folgenden Gerichte. Damit ist angedeutet, daß sie wie hell-schmetternde Posaunenstöße über die scheinbar so sichere Welt dahinschallen werden, um einerseits aufzuschrecken, andererseits zu sammeln und zu rüsten für die baldige Hinwegnahme der Gläubigen von der Erde.

Doch ehe die Posaunengerichte an des Sehers Auge vorbeiziehen, ist wieder eine kleine Zwischenschau oder ein Zwischengesicht eingeschaltet:
Und ein andrer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes Räuchergefäß, und ihm ward viel Räucherwerk gegeben, daß er es gäbe zum Gebet aller Heiligen auf den goldenen Altar vor dem Thron. Dieses Zwischengesicht soll uns zeigen, welchen Anteil die gläubige Gemeinde an den nun folgenden Ereignissen hat.

Wirkt Gottes Ratschluß vom Himmel her, so wirkt das Gebet der Gläubigen von der Erde her mit am Sieg der Freunde, wie am Sturz der Feinde:
Und der Rauch des Räucherwerks stieg auf mit dem Gebet der Heiligen von der Hand des Engels vor Gott. Die Gebete der Heiligen dringen zu Gott empor und bleiben nicht unerhört, denn die Zeit naht heran, daß das Geheimnis Gottes vollendet werden soll. Alle Gebete in dieser Hinsicht sind gleichsam gesammelt in des Engels goldenem Räuchergefäß und steigen nun vereint zum Herrn empor und werden sorgfältig aufbewahrt zur baldigen, endgültigen Erfüllung.

Und der Engel nahm das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde. Und da geschahen Donner und Stimmen und Blitze und Erdbeben. Es scheint das unheilige Feuer menschlicher Leidenschaften und Kriege zu sein, aber es ist das heilige, läuternde Feuer der Gerichte Gottes.

Aus dem Inhalt dieser Worte geht hervor, daß Gerichte immer die Antwort auf die Unbußfertigkeit der Menschen sind, besonders wenn Kinder unbußfertig bleiben, obwohl die gläubigen Eltern unablässig für sie beten. Das sollte sich jedes ungläubige Kind gläubiger Eltern merken: ... auf daß du lange lebest und dir's wohlgehe ... (5. Mose 5, 16). Darum wohl dem, der sich am Anfang der Gerichte noch warnen läßt und Gott die Ehre gibt.

Der Text der Offenbarung geht jetzt weiter mit den Worten:

Und die sieben Engel mit den sieben Posaunen hatten sich gerüstet und hoben an. Und der erste Engel posaunte; und es ward ein Hagel und Feuer, mit Blut gemengt, und fiel auf die Erde; und der dritte Teil der Erde verbrannte, und der dritte Teil der Bäume verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte.
Und der zweite Engel posaunte; und es fuhr wie ein großer Berg mit Feuer brennend ins Meer, und der dritte Teil des Meeres ward Blut, und der dritte Teil der lebendigen Kreaturen im Meer starb, und der dritte Teil der Schiffe ging zugrunde.
Und der dritte Engel posaunte; und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten Teil der Wasserströme und über die Wasserbrunnen. Und der Name des Sterns heißt Wermut. Und der dritte Teil der Wasser ward Wermut, und viele Menschen starben von den Wassern, denn sie waren bitter geworden.
Und der vierte Engel posaunte; und es ward geschlagen der dritte Teil der Sonne und der dritte Teil des Mondes und der dritte Teil der Sterne, daß ihr dritter Teil verfinstert ward und den dritten Teil des Tages das Licht nicht schien und in der Nacht desgleichen.
Und ich sah und hörte einen Adler fliegen durch des Himmels Mitte und sagen mit großer Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen, um der andern Posaunen willen der drei Engel, die nun ihre Stimme erheben sollen! (Offb. 8, 6-13).

Als Ergebnis der Gebetserhörung machen sich die sieben Thronengel jetzt bereit: Und die sieben Engel, welche die sieben Posaunen hatten, bereiteten sich, auf daß sie posaunten. (Elbf.). Im Luthertext von 1912 heißt es bezeichnend:... hatten sich gerüstet zu posaunen. Die sieben Engel haben sich bereitet auf das, was sie auszuführen haben. Hier wird nun das griechische Wort "htoimazw = hétoimazoo" verwendet, das nicht nur "sich bereiten" bedeutet, sondern auch andeutet, daß vorher getroffene Entscheidungen zu vollführen sind.

Posaunen sind in der Bibel oft als heilige, gottesdienstliche Instrumente erwähnt. Sie werden besonders dann benutzt, wenn ein neuer Abschnitt in der Zeit Gottes eingeleitet werden soll, etwa das Hall- oder Jubeljahr, auch Erlaßjahr genannt, das Jahr der Versöhnung. Es geschieht aber ebenfalls bei Gerichtsankündigungen der Propheten, so z. B.: Blast die Posaune zu Zion, ruft laut auf meinem heiligen Berge! Erzittert, alle Bewohner des Landes! Denn der Tag des Herrn kommt und ist nahe, ein finsterer Tag, ein dunkler Tag, ein wolkiger Tag, ein nebliger Tag! (Joel 2, 1-2).

Denn dieser Tag ist ein Tag des Grimmes, ein Tag der Trübsal und der Angst, ein Tag des Wetters und des Ungestüms, ein Tag der Finsternis und des Dunkels, ein Tag der Wolken und des Nebels, ein Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und die hohen Zinnen. (Zephanja 1, 15-16).
Zu der Zeit wird man mit einer großen Posaune blasen, und es werden kommen die Verlorenen im Lande Assur und die Verstoßenen im Lande Ägypten und werden den Herrn anbeten auf dem heiligen Berg zu Jerusalem. (Jesaja 27, 13).

In der Lutherbibel erklärt heißt es zu Posaunen: Sie künden das Kommen Gottes an (2. Mose 19, 16 ff.), bringen die Mauern des Widerstandes zum Einsturz und geben den Weg ins verheißene Land frei (Jos. 6, 4 f., 20). Sie künden das große Freijahr Gottes an (3. Mose 25, 8-12). Hier kommt das alles zur eigentlichen Erfüllung.

Der jüdische Gesetzeslehrer Rabbi Akiba Ben Joseph, der als volkstümliche Gestalt und Mitbegründer des talmudischen Judentums um 50-135 n. Chr. lebte, kennt sogleich eine siebenfache Posaunen-Ordnung in Israel, mit denen große Ereignisse in sieben einzelnen Vorgängen (= Etappen) nacheinander angekündigt, ausgelöst und abgeschlossen wurden. (Prof. Dr. Karl Heim: "Die Gemeinde des Auferstandenen", Seite 237-238). Ebenso kann man eine solche Ordnung aus dem 4. Buch Mose (Numeri, auf Deutsch: Zahlen oder Zählungen), Kapitel 10, 1-10 ersehen. Dort wird zuerst der Zweck beschrieben: Und der Herr redete mit Mose und sprach: Mache dir zwei Trompeten von getriebenem Silber und gebrauche sie, um die Gemeinde zusammenzurufen und wenn das Heer aufbrechen soll. (4. Mose 10, 1-2). Mit diesen silbernen Trompeten oder Posaunen und nach der von Gott gebotenen Ordnung ist seinerzeit auch Jericho erobert worden. (Jos. 6, 1-21). Vom Tag des Herrn heißt es: Blast die Posaune zu Zion, sagt ein heiliges Fasten an, ruft die Gemeinde zusammen! (Joel 2, 15). Bläst man etwa die Posaune in einer Stadt und das Volk entsetzt sich nicht? Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut? (Amos 3, 6).

Desgleichen die Mischna Rosch ha-Schanah und die Gemara, sowie die Schriften des Maimonides (Rabbi Mosche Ben Maimon) (30.3.1135-13.12.1204) und auch Schulchan Aruch erklären die Anzahl und Reihenfolge der sieben Posaunenstöße:

1.  Tekiah      = Alarm!           

2.  Schewarim   = gebrochener Ton  

3.  Teruah      = Weckruf          

4.  Tekiah      = großer Alarm     
gdola                              

5.  Sigum       = fertig machen    

6.  Nechonuth   = Bereitschaft     

7.  Hiteruth    = Aufbruch!        


Schulchan Aruch (hebr. "gedeckter Tisch") ist ein Sammelwerk des jüdischen Religionsgesetzes, das rituelle Anweisungen und Vorschriften des allgemeinen Rechts enthält, von Josef Karo (1488-1575) zusammengestellt, erstmalig gedruckt im Jahre 1564.

Nach "Gaon Saadja", Seite 151, Zeile 9 + 10, gehörte in Israel zur Vollständigkeit des Posaunenblasens auch noch der Schofar, das Widderhorn, auch Posaune Gottes genannt. Der Schofar ist ein denkbar einfaches Instrument, das aus dem Horn eines Widders besteht. Dieses wird ausgehöhlt, seine Spitze abgeschnitten, und nur diese Öffnung dient als Mundstück, durch das es geblasen wird. Der Posaunenschall dieses Schofars am Neujahrstag ist ein Weckruf, den Maimonides (Rabbi Mosche Ben Maimon) (30.3.1135-13.12.1204) ungefähr so beschrieben hat: Erwacht, die ihr da schlummert, und ihr, die ihr in tiefem Schlaf versunken seid. Prüft eure Taten, haltet Einkehr, und denkt an euren Schöpfer!

Im Talmud, dem jüdischen Kommentar zur Thora, dem alttestamentlichen Gesetz, heißt es dazu: Rabbi Awahu sagte: Warum bläst man mit dem Horn eines Widders? Es sprach der Heilige, gelobt sei er: Blaset vor mir mit dem Horn eines Widders, damit ich für euch der Bindung Isaaks, des Sohnes Abrahams, gedenke, und ich es euch gelten lasse, als ob ihr euch selbst vor mir gebunden hättet. (Rosch ha-Schanah 16 a). So wurde an Isaaks Stelle ein Widder geopfert, doch später das vollkommene Opfer: Jesus, der Sohn Gottes.

Nach derselben Ordnung werden auch die Posaunengerichte in sieben aufeinanderfolgenden kurzen Zeitabschnitten noch vor Beginn der 70. Jahrwoche nach Daniel 9, 27 verlaufen. Wie die sieben Siegel (und vorher auch die sieben Sendschreiben), so teilen sich ebenfalls die sieben Posaunen in zwei Gruppen, deren erste vier und die andere drei zählt. Die ersten vier Posaunengerichte werden noch hier in diesem Kapitel beschrieben.

Die Ereignisse der ersten sechs Posaunengerichte finden größtenteils auf der Erde statt, und ihre Erfüllung wird somit in der nahen Zukunft von uns beobachtet werden können. Zwischen der sechsten und siebten Posaune sah Johannes wiederum zwei Zwischengesichte oder Zwischenvisionen, somit ähnlich wie zwischen dem sechsten und siebenten Siegel, wie in Kapitel 7 beschrieben. Demgegenüber findet nachher bei der siebten Posaune ein äußerst wichtiges Ereignis im Himmel statt.

In der Lutherbibel erklärt heißt es dazu interessanterweise: Die Posaunengerichte sind den Plagen über Ägypten ähnlich (2. Mose, Kap. 7-12). Wie Gott damals das Volk Israel aus der Herrschaft des Pharaos freikämpfte, so löst er nun seine weltweite Gemeinde endgültig aus dem Herrschaftsbereich des Fürsten dieser Welt und der Gesetzmäßigkeit dieses Äons heraus. So wie die Plagen über Ägypten sich alle buchstäblich erfüllten, so sollte man auch hier grundsätzlich von einer wörtlichen Auslegung ausgehen. Die schrecklichen Gerichte werden tatsächlich so verlaufen.

Die Beschreibung der ersten vier Posaunengerichte ist so knapp, daß die Ursachen derselben nur auf Grund der geschilderten Auswirkungen erahnt werden können. - Es ist jedoch eine einzige Serie von Gerichten, die allesamt in einem unmittelbaren Zusammenhang miteinander stehen. Mit dem Posaunen des ersten Engels beginnt demzufolge auch diese neue Gerichtsserie: Und die sieben Engel mit den sieben Posaunen hatten sich gerüstet und hoben an. Und der erste Engel posaunte; und es ward ein Hagel und Feuer, mit Blut gemengt, und fiel auf die Erde; und der dritte Teil der Erde verbrannte, und der dritte Teil der Bäume verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte.

Nun stellt sich hier offensichtlich wieder die Frage, ob das dann alles wörtlich oder auch sinnbildlich zu verstehen sei. Wie schon in der Einleitung gesagt, sollte man immer zuerst eine wörtliche Auslegung in Betracht ziehen, wo immer diese einen guten Sinn ergibt. Man sollte dann nicht mit Gewalt versuchen, der Heiligen Schrift eine andere Bedeutung zu geben, sonst ist das Ergebnis meistens ein Unsinn. Allerdings insbesondere bei den Posaunengerichten scheint eine durchgehend wörtliche Bedeutung nicht möglich zu sein, ebenso eine ausschließlich symbolische übrigens auch nicht. In allen Fällen sind deshalb beide Möglichkeiten vorsichtig abzuwägen.

Dr. P. de Benoit hat in seinem Buch: "Was der Geist den Gemeinden sagt" bereits zu Anfang des Jahres 1941 dazu diese bedeutsame Frage gestellt: Wie können wir anders, als an Bomben zu denken, Brand- und Explosivbomben? Nach dem Beginn des Atomzeitalters schrieb dann der katholische Kernphysiker Bernhard Philberth im Jahre 1961 in seinem Buch: "Christliche Prophetie und Nuklearenergie", das im R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, erschienen ist, diese doch interessante Erklärung:

Es wird von einem Bombardement bzw. Beschuß gesprochen, bei welchem Feuer von oben gegen die Erde geschleudert wird. Dieses Feuer enthält in sich besondere Stoffe, die mit dem Blut in engerer Beziehung stehen: Um einen vergrößerten Aktionsradius zu erzielen, werden nukleare Explosivkörper in Höhen von ca. 400 Metern (A-Waffen) bzw. von ca. 4 000 Metern (H-Waffen) detoniert. Buchstäblich wird dabei Feuer in Gestalt von Licht-, Röntgen- und Gammaquanten auf die Erde geschleudert. Diese unmittelbare Hitzestrahlung, die auf der Erde die Gesteine verdampft und die Organismen vergast, ist die primäre Auswirkung der Detonation; der Luftdruck wird hierdurch erst sekundär ausgelöst.
Unmittelbar mit der Detonation entstehen in der Glutwolke die radioaktiven Spalt- und Anlagerungskerne (Radioisotope), die vor allem über das Blut als Giftstoffe wirken. Über die Nahrung und die Schleimhäute gelangen sie in das Blut, aus dem sie vom Knochengerüst und verschiedenen Organen zum Teil hochselektiv - wie die natürlichen, stabilen Isotope gleicher Ordnungszahl - absorbiert werden; Zellausfälle mit Blutzersetzung und Krebswucherungen sind die hauptsächlichen Folgen.
Diese strahlenden Radioisotope verbreiten sich in der Atmosphäre und den Gewässern über die ganze Erde. Nach und nach werden sie abgeregnet, wobei sie sich in den obersten zehn Zentimetern des Bodens gegen natürliche, stabile Atome austauschen. Von da werden sie von den lebenden (grünen) Pflanzen über deren Stoffwechsel aufgenommen; weit mehr vom Gras, dessen Wurzeln sich gerade in dieser Tiefe von etwa zehn Zentimetern ausbreiten, als von den tiefer wurzelnden Bäumen. Das Gras ist damit weit mehr der auf der ganzen Erde einsetzenden inneren Verbrennung durch aufgenommene Radioisotope ausgesetzt als Baumlaub. Ohne diesen spezifischen Austauscheffekt müßte man gerade das Gegenteil erwarten, da die Bäume weiter in den primär betroffenen Luftraum ragen und überdies nicht so zählebig sind wie Gras. Deshalb wird dieser Umstand eigens betont. Dieses merkwürdige Phänomen ist dem Strahlenschutzphysiker wohl bekannt und wird sorgfältig auf seine vielseitigen Folgen (Milchwirtschaft!) untersucht.

Das Duden-Lexikon A-Z erklärt unter Strontium: (nach dem schott. Ort Strontian), chem. El., Symbol Sr - Das radioakt. Sr 90 (das bei Atombombenexplosionen entsteht) wird vom Organismus aufgenommen und in Knochen abgelagert. Die Kühe nehmen durch ihre Nahrung das Strontium 90 auf, das dann durch deren Milch in den menschlichen Organismus gelangt und dort kaum abgebaut wird.

Bei den Plagen über Ägypten heißt es: Da streckte Mose seinen Stab gen Himmel, und der Herr ließ donnern und hageln, und Feuer schoß auf die Erde nieder. So ließ der Herr Hagel fallen über Ägyptenland. (2. Mose 9, 23). In Vers 26 des gleichen Kapitels wird dann ausdrücklich noch bezeugt: Nur im Lande Gosen, wo die Kinder Israel waren, da hagelte es nicht.

Es wurde schon ehedem darauf hingewiesen, daß die Zahl Sieben in der Offenbarung immer in Gruppen von vier und drei geteilt werden kann. So stehen die ersten vier Siegel (Offb. 6, 1-8) mit den vier lebendigen Wesen (Cherubgestalten) in Zusammenhang. Auch hier bilden die ersten vier Posaunen ein Ganzes, denn sie beziehen sich erstens auf die Erde, zweitens auf das Meer, drittens auf die Flüsse und Wasserquellen und viertens auf Sonne, Mond und Sterne. Wir haben es demnach mit den vier großen Bereichen der Schöpfung zu tun. Nun sollen die Gerichte der ersten vier Posaunen diese vier Bereiche treffen. Das heißt aber noch nicht, daß die ganze Welt davon direkt betroffen sein wird. Es ist ständig nur die Rede von einem "dritten Teil" (zwölfmal in den Versen 7-12). Das macht jedenfalls deutlich, daß davon noch nicht die ganze Erde direkt betroffen ist.

In diesem Zusammenhang sei noch darauf hingewiesen, daß bereits jetzt der WWF (World Wide Fund for Nature) in einem Bericht zu der bedenklichen Schlußfolgerung kam: Près de deux-tiers des forêts de la planète ont disparu = Fast zwei Drittel der Wälder unseres Planeten sind verschwunden (nach: "Luxemburger Wort" vom 9. Oktober 1997). In jeder Hinsicht zeichnet sich eine baldige Klimakatastrophe ab.

Und der zweite Engel posaunte; und es fuhr wie ein großer Berg mit Feuer brennend ins Meer, und der dritte Teil des Meeres ward Blut, und der dritte Teil der lebendigen Kreaturen im Meer starb, und der dritte Teil der Schiffe ging zugrunde. Dr. P. de Benoit schrieb bereits damals in seinem Buch, das mit einem Vorwort vom 20. Januar 1941 versehen ist: Es wäre auch denkbar, daß Johannes eine furchtbare Bombe, deren Dimensionen vielleicht symbolisch sind, hat ins Meer fallen sehen, und daß das Meer eine Seemacht vorstellt. Denn es heißt, der dritte Teil der Schiffe sei zerstört worden. - Er kannte damals die Wasserstoffbomben noch nicht.

Bernhard Philberth schrieb dann dazu: Eine Wasserstoffbombe vermag mit ihrem Energieinhalt von ca. 10 16 cal. eine Wassermasse von 10 000 000 Kubikmetern (eines beträchtlichen Sees!) zu verdampfen. Wasserstoffbomben, die zur Bekämpfung von Flotteneinheiten ins Meer geworfen werden, erzeugen deshalb eine feuerglühende, schwach konische Dampfhalbkugel. Mit ihrer Gestalt, ihrem Durchmesser und ihrer Höhe von einigen Kilometern und ihrer Megatonnenmasse kommt sie einem großen Berge gleich.
Die Radioisotope aus den Detonationsreaktionen und der anschließenden Neutronen-Absorption gelangen hierbei großenteils in das Meer. Mit ihrer Affinität zum Blute bewirken sie ein Massensterben aller Arten von Meerestieren. Eine hochbrisante Stoßwelle im Wasser bohrt die Schiffe in weitem Umkreis in den Grund. Die Untersuchung dieser biologischen Gefahrenquellen (Hochseefischerei!) und dieser mechanischen Zerstörung von Schiffen (Seekriegsplanung!) war das Hauptprogramm verschiedener Nuklearbombenexperimente.

Oberingenieur Dr. Klaus Henning schrieb dann auch in seinem Buch: "Die Zukunft findet statt" u. a.: Eine mögliche Vorstellung dieser Katastrophen geben uns Atombombenversuche der vergangenen Jahrzehnte. Dort wurde insbesondere untersucht, wie Kriegsflotten durch Zündung von Atombomben im Bereich der Meere vernichtet werden können. Bei günstigem Zündungsort der Bombe gehen vom Explosionsherd derart große Stoßwellen aus, so daß im Umkreis von mehreren hundert bis zu tausend Kilometern alles mechanisch Zerstörbare zerstört wird.

Das Konkordante Neue Testament hat hier genauer übersetzt: Und ein Drittel des Meeres wurde zu Blut; und ein Drittel der Geschöpfe im Meer, die Seelen hatten, starb; und ein Drittel der Schiffe wurde vernichtet. Der griechische Text hat nämlich hier für "Seele" das Wort "yuce = psyche", das so erklärt wird: Sie hängt zusammen mit dem Blut 3. Mose 17, 14, wurde irreführend oft mit Leben übersetzt. Sie ist Besitz aller lebendigen Geschöpfe, die sich bewegen. Allerdings bedürfen nur Menschen der Erlösung von ihrer Sündenschuld. Tiergottesdienste sind daher nicht nur ein großer Unsinn, wie bereits gesagt, sondern dazu auch noch eine greuliche Gotteslästerung.

Ein derartiges Sterben der Geschöpfe im Meer, der Fische, ist durchaus begreiflich, wenn wir bedenken, was im Jahre 1954 bei der gekoppelten Wasserstoffbomben-Explosion auf dem Bikini-Atoll im Pazifik geschah. War es doch am 1. März, als die erste amerikanische H-Bombe (Wasserstoffbombe), am 26. März die zweite, am 26. April die dritte und dann am 5. Mai die vierte detonierte. Im selben Monat Mai zogen japanische Fischer in etwa 150 Kilometern Entfernung von Bikini ihre Netze durch das Meer. In der Dämmerung, die an einem dieser Tage morgens vorhanden war, sahen sie nicht wie sonst im Osten, sondern diesmal im Westen eine entsetzliche rote Sonne aufgehen. Das höllische Licht verlor sich in einer düsteren Wolke, die den Morgenhimmel weithin verdunkelte. Drei Stunden später begann dann ein weißer Aschenregen auf das Schiff zu fallen, der mehrere Stunden anhielt.

Nur einige Tage später zeigten sich bei der gesamten Besatzung des Fischerbootes überall schmerzende Brandwunden, Kopfschmerzen und Übelkeit. Dann stellten japanische Ärzte fest, daß sie an Strahlungskrankheiten litten. Die Fische, die von diesem Schiff angelandet wurden, zeigten starke radioaktive Erscheinungen und Verseuchungen.

Daraufhin sandte die japanische Regierung ein radiologisches Untersuchungsschiff in den Pazifik, den Stillen Ozean, um sichere Fischereigründe suchen zu lassen. Die Ergebnisse waren entsetzenerregend. In drei großen Meeresströmungen waren sehr weite Gebiete verseucht, die sich in diesen befindlichen Fische durch die radioaktive Strahlung völlig ungenießbar geworden.

Eine symbolische Auslegung würde z. B. bedeuten für "Schiffe": Die Ordnungen, in denen Gott die in Sünde geratene Welt noch "über Wasser" hielt. Wen würde jedoch eine solche Erklärung wohl zufriedenstellen? Auch hier ist wieder das Wörtchen "wie" zu beachten bei: ... wie ein großer Berg mit Feuer brennend ins Meer.

In Ägypten wurde gleichermaßen das Wasser in Blut verwandelt: Mose und Aaron taten, wie ihnen der Herr geboten hatte, und Mose hob den Stab und schlug ins Wasser, das im Nil war, vor dem Pharao und seinen Großen. Und alles Wasser im Strom wurde in Blut verwandelt. Und die Fische im Strom starben, und der Strom wurde stinkend, so daß die Ägypter das Wasser aus dem Nil nicht trinken konnten; und es war Blut in ganz Ägyptenland. (2. Mose 7, 20-21). Ebenso in diesem Falle waren wiederum nur die Ägypter davon betroffen, wie es hier ganz deutlich heißt.

Und der dritte Engel posaunte; und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten Teil der Wasserströme und über die Wasserbrunnen. Und der Name des Sterns heißt Wermut. Und der dritte Teil der Wasser ward Wermut, und viele Menschen starben von den Wassern, denn sie waren bitter geworden. Bernhard Philberth erklärte dieses überaus phänomenale Geschehen in seinem Buch, das schon vor fast vierzig Jahren erschienen ist, so:

Interkontinentale Raketengeschosse weisen bereits die erste kosmische Geschwindigkeit von ca. 8 km/sec. Sie gehören damit bereits einer Gattung von Gestirnen an, die man als "Trabanten" oder "Satelliten" bezeichnet. Die Geschosse werden hierbei nur auf eine Bahn höherer Exzentrizität als die dauerkreisenden Satelliten gebracht, so daß sie am Ziel wieder in die Erdatmosphäre eintauchen.
Die Erdbahn kreuzende Planetoiden und Meteoriten sind zu selten und verglühen allermeist schon in der Erdatmosphäre. Die Planeten laufen ihre eigenen, vorgeschriebenen, erdfernen Bahnen, und die Fixsterne sind wenigstens einige Lichtjahre (10 13 km) entfernt. Bis vor kurzem, als der Mond noch der einzige bekannte Erdtrabant war, schien daher ein Herabfallen von Sternen als geradezu unsinnig. Heute bilden die interkontinentalen Geschosse - als künstliche Gestirne - das Rückgrat der Kriegstechnik.
Beim Wiedereintauchen des Geschosses in die Atmosphäre geht die Bewegungsenergie in Bremswärme über (bei 8 km/sec. Geschoßgeschwindigkeit sind dies pro Gramm Geschoßmasse 7650 cal.) Diese Wärmemenge würde ausreichen, das Geschoß vollständig zu verdampfen. Der Niedergang eines tonnenschweren künstlichen Satelliten läßt eindrucksvoll einen großen, weißglühenden Stern mit leuchtenden Dämpfen erscheinen.
Ein Hauptproblem der Kriegstechnik besteht nun darin, die an der Geschoßoberfläche entstehende Bremswärme vom Inneren abzuhalten, so daß der eigentliche Waffenträger sich unzerstört bis auf wenige Kilometer der Erdoberfläche nähern kann. Seit 1959 ist dieses Problem so gelöst, daß das Geschoß mit einem Kunstharzmantel umgeben wird, in welchen zur Verzögerung der Abbrenngeschwindigkeit hochschmelzende Bestandteile wie etwa Quarz eingelassen sind. Die Maximaltemperatur im Inneren wird damit durch die Zersetzungstemperatur des Kunstharzes begrenzt. Schon bei wenigen hundert Grad raucht und brennt dieser Harzmantel im Niedergehen des Geschosses wie eine Fackel ab.
Nicht nur die Explosivwirkungen, sondern vor allem auch die Giftwirkungen nuklearer Waffen werden für die Kriegstechnik herangezogen. Es werden Giftbomben mit nuklearen Reaktionen über dem Zielgebiet entwickelt, die in erhöhtem Maß Neutronen und Radioisotope ausschütten. Es gibt sogar nukleare Giftbomben ganz ohne Explosivwirkung, die gewisse, aus den Reaktorabfällen abgesonderte Radioisotope über dem Zielgebiet abrauchen. Das Fehlen der hochsteigenden Detonationswellen vermeidet eine Verbreitung der Radioverseuchung bis in das Land des Angreifers selbst. Durch solche Giftbomben werden ganze Landstriche tödlich radioverseucht; insbesondere dadurch, daß diese Radiogifte mit den Niederschlägen in die freien Gewässer gelangen.

Inzwischen gibt es viele künstliche Satelliten, die möglicherweise mit verheerenden Bomben oder anderen Waffensystemen ausgestattet sind. Eine dadurch ausgelöste Detonation mit ihren gewaltigen Ausmaßen und Auswirkungen könnte so ähnlich aussehen, wie der seinerzeit von Johannes geschaute große Stern vom Himmel, der wie eine Fackel brannte. Wiederum ist auch hier das Wörtchen "wie" nicht zu übersehen. Der Stern heißt Wermut, eigentlich Absynthus oder Bitterkeit.

Hierbei werden wir wieder an das Volk Israel erinnert: Da kamen sie nach Mara; aber sie konnten das Wasser von Mara nicht trinken, denn es war sehr bitter. Daher nannte man den Ort Mara. Da murrte das Volk wider Mose und sprach: Was sollen wir trinken? (2. Mose 15, 23-24). Weiter heißt es dann noch: Dort gab er ihnen Gesetz und Recht und versuchte sie und sprach: Wirst du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen und tun, was recht ist vor ihm, und merken auf seine Gebote und halten alle seine Gesetze, so will ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der Herr, dein Arzt. (2. Mose 15, 25-26).

Bei der nun folgenden vierten Posaune geschieht nun eine Verfinsterung des dritten Teiles des Himmels, die den dritten Teil des Tages und der Nacht bemerkbar ist: Und der vierte Engel posaunte; und es ward geschlagen der dritte Teil der Sonne und der dritte Teil des Mondes und der dritte Teil der Sterne, daß ihr dritter Teil verfinstert ward und den dritten Teil des Tages das Licht nicht schien und in der Nacht desgleichen. Dazu schrieb dann wieder Bernhard Philberth in seinem Buch:

Nukleare Detonationen in der Luft über dem Erdboden - und das ist das Hauptanwendungsgebiet nuklearer Explosivwaffen - fördern gewaltige Gesteinsmassen in die Atmosphäre. Die Energie jeder A-Bombe der Kilotonnenklasse würde ausreichen, etwa tausend Tonnen Gestein zu verdampfen; jede H-Bombe der Megatonnenklasse etwa Millionen Tonnen. Der Hauptanteil der Detonationswärme verteilt sich dabei zwar, ohne eine unmittelbare Gesteinsverdampfung zu bewirken. Aber die ungeheure mechanische Gewalt, die durch die thermische Detonationswirkung ausgelöst wird, führt zu einer Verstaubung noch sehr viel größerer Gesteinsmassen. Durch den Staubsog der hochstrebenden Glutwolken wird dieser Staub in viele Kilometer Höhen, zum Teil - unter Durchstoßung der Tropopause - bis in die Stratosphäre verbracht, wo er sich über alle Kontinente verteilt. Der Staubauswurf bei Ausbruch des Krakatau (Sunda-Straße, 1883) hatte noch jahrelang bis nach Europa eigenartige Sonnenfärbungen und Verschleierungen zur Folge. Ebenso - nur in noch viel größerem Umfang - bewirkt die Staubhebung eines nuklearen Großkrieges eine bedeutende Verringerung der Lichteinstrahlung von Sonne, Mond und Sternen.
Es ist zwar schwer abzuschätzen, wie stark quantitativ die Trübung des Sonnen- und Mondlichtes sein wird. Aber man kann mit Sicherheit sagen, daß bei Einsatz aller derzeit gelagerten A- und H-Bomben (einige zehntausend) eine sehr viel stärkere Verfinsterung als 30 Prozent eintreten würde. Die in großer Höhe ziehenden Staubschwaden lassen speziell (Tyndall-Effekt) eine Art von Verdüsterung und Verfärbung erwarten, wie es heißt: Die Sonne wird schwarz wie ein härenes Trauergewand; der ganze Mond rot wie Blut (Apk. 6, 12 = Offb. 6, 12).

Wenn wir bei den ersten vier Posaunen das Buch von Bernhard Philberth eingehend in Betracht ziehen, was ja in gewisser Hinsicht sehr einleuchtend und ungemein beeindruckend ist, so müssen wir doch beachten, daß diese Gerichte auch ohne das Zutun von Menschenhand hereinbrechen können. Gott kann auch ohne den Einsatz von Atombomben diese furchtbaren Ereignisse geschehen lassen, wie wir es beim Auszug des Volkes Israel aus dem Land Ägypten gesehen haben. Allerdings haben die Siegelgerichte gezeigt, daß Menschen sich zur Ausführung gebrauchen ließen.

Über die Finsternis in Ägypten wird uns bezeugt: Und Mose reckte seine Hand gen Himmel. Da ward eine so dicke Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage lang, daß niemand den andern sah noch weggehen konnte von dem Ort, wo er gerade war, drei Tage lang. Aber bei allen Kindern Israel war es licht in ihren Wohnungen. (2. Mose 10, 22-23). Selbst wenn wir heute mit einiger Sicherheit annehmen, daß Gott dazu einen Vulkanausbruch auf der Insel Santorin benutzte, so ist es dennoch nicht minder ein Wunder. Es geschah nämlich zur rechten Zeit, am rechten Ort, war auf drei Tage begrenzt und verschonte das ganze Volk Israel. Gott hat eben viele Möglichkeiten zur Hand, um die von ihm geplanten Geschehnisse eintreten zu lassen.

Über den Ausbruch des Krakatau oder Krakatao, von dem Bernhard Philberth oben berichtete, heißt es nun genauer: Vulkaninsel mitten in der Sunda-Straße, zwischen Sumatra und Java, Indonesien. Der Ausbruch vom 26.-28. August 1883 war der gewaltigste der Neuzeit. Vor diesem Ausbruch war er etwa 800 Meter hoch; doch sein Gipfel wurde damals weggesprengt durch eine Explosion, die eine Flutwelle von etwa 15 Metern Höhe verursachte, die 36 000 Menschen im Westen Javas tötete. Staub, Asche und Rauch stiegen auf in eine Höhe von fast 30 Kilometern und der Krach der Explosion wurde in Konstantinopel, sowie in Australien, den Philippinen und Japan gehört. Die atmosphärischen Auswirkungen umrundeten die Erde und verursachten ungewöhnliche Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangsbedingungen noch Monate danach. Jetzt ist es nur noch eine niedrige Insel mit einem Kratersee, ähnlich wie auch die Insel Santorin.

Und ich sah und hörte einen Adler fliegen durch des Himmels Mitte und sagen mit großer Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen, um der andern Posaunen willen der drei Engel, die nun ihre Stimme erheben sollen! Der Luthertext von 1912 lautet demnach: Und ich sah, und hörte einen Engel fliegen mitten durch den Himmel und sagen mit großer Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen, vor den andern Stimmen der Posaune der drei Engel, die noch posaunen sollen!

Der Textus receptus, der griechische Text des Neuen Testamentes, der vom 16. bis 19. Jahrhundert als Übersetzungsvorlage herangezogen wurde, stellte die Arbeitsgrundlage der Reformatoren dar. Deshalb heißt es ebenfalls in der englischen Übersetzung, der King James Version: And I beheld, and heard an angel flying through the midst of heaven ... . Für mich ist es ein Hinweis dafür, daß der Textus receptus die zuverlässigste Handschrift ist. Leider wird er heute nicht mehr benutzt, denn sowohl der Codex Alexandrinus, wie auch der Codex Sinaiticus, der erst um das Jahr 1880 n. Chr. entdeckt wurde, haben hier die neuere Lesart.

Meines Erachtens könnte es sich hier bei diesem Engel ebenfalls um den "anderen" Engel handeln, dem wir bereits in Offb. 7, 2 und in Offb. 8, 3 begegnet sind. Allerdings ist auch nicht auszuschließen, daß es sich hierbei um einen Cherub, demnach um einen Thronengel, handeln könnte, wie er dann in Offb. 4, 7 beschrieben wurde. Jedenfalls ruft dieser nun mit großer Stimme ein dreifaches "Wehe!" zu denen, die auf Erden wohnen. Dieses dreifache "Wehe!" entspricht den Gerichten der fünften, sechsten und siebten Posaune.

Dieser Bezeichnung "die auf Erden wohnen" sind wir bereits in Offb. 3, 10 und in Offb. 6, 10 begegnet. Insgesamt zwölfmal wird sie in der Offenbarung verwendet, womit aber keine Gläubigen gemeint sind. Obwohl sich Gläubige auf der Erde befinden, "wohnen" sie nicht da, haben da "keine bleibende Stadt" (Hebr. 13, 14). Der Ausdruck "die auf Erden wohnen" bezieht sich in der Offenbarung immer auf die, die sich auf der Erde angesiedelt haben, die sich da zu Hause fühlen, die zur Erde gehören und mit ihr gerichtet werden.

Für die Gläubigen gilt demnach weiterhin: Unsre Heimat aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus, des Herrn. (Phil. 3, 20). Damit wird die rechte Vaterlandsliebe und rechte Gesinnung der wahren Patrioten ausgedrückt, die bereit sind, "zu treiben das Evangelium des Friedens" (Eph. 6, 15). Deren einzige Angriffswaffe ist "das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes". (Eph. 6, 17). Die Stellung gegenüber der Obrigkeit wird in Römer 13, 1-7 genau beschrieben. Andere Fragen in diesem Zusammenhang bedürfen der persönlichen Führung, also einfach so, wie der Herr dann einen jeden persönlich führt.

Als Eleonore Fürstin von Reuß (1835-1903) auf Schloß Jänkendorf in der Oberlausitz damals zu Weihnachten 1857 die traurige Nachricht erhielt, daß ihre Freundin, die christliche Schriftstellerin Marie von Nathusius, plötzlich im Alter von 40 Jahren verstorben war, dichtete sie unter dieser Erschütterung das wohl bekannteste Lied zum Jahreswechsel: Das Jahr geht still zu Ende, nun sei auch still mein Herz (EKG 44), dessen dritte Strophe lautet:

Daß nicht vergessen werde, was man so gern vergißt:
Daß diese arme Erde nicht unsre Heimat ist.
Es hat der Herr uns allen, die wir auf ihn getauft,
In Zions gold'nen Hallen ein Heimatrecht erkauft.
 

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