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Kapitel 6

Mit diesem Kapitel beginnen dann die Gerichte, die durch die Öffnung der ersten sechs Siegel eingeleitet werden. Der Apostel Johannes bezeugt, was er daraufhin im Himmel gesehen hat:

Und ich sah, daß das Lamm eines der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus sieghaft und daß er siegte.(Offb. 6, 1-2).

Um dieses Geschehen richtig deuten zu können, bedarf es zunächst einmal einer zeitlichen Einordnung. Dazu wollen wir noch einmal einen Rückblick vornehmen, diesmal allerdings gründlicher als zu Beginn von Kapitel 2. Es scheint jetzt hier angebracht zu sein, in mehr Einzelheiten zu gehen, damit die Zusammenhänge der apokalyptischen Gerichte besser verstanden werden.

Der Plan Gottes mit der Menschheit begann mit der Schöpfungsgeschichte, bestehend aus sechs Arbeitstagen und einem Ruhetag: Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. (1. Mose 1, 31 - 1. Mose 2, 1-3).

Im Talmud, dem jüdischen Kommentar zur Thora, dem alttestamentlichen Gesetz, heißt es dazu:
Es gibt eine Lehre entsprechend Rab Qattina:
Ebenso wie beim Brachjahr ein Jahr in sieben brachliegt,
so wird die Welt tausend Jahre von 7000 Jahren brachliegen;
denn es heißt: "Der Herr allein ist erhaben an jenem Tag" (Jes 2, 11).
Und [die Bibel] sagt: "Ein Psalm. Ein Lied für den Sabbattag" (Ps 92, 1)
- ein Tag, der ganz Sabbat ist.
Und [ferner] sagt [die Bibel] (Ps 90, 4):
"Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist".

In der Lutherbibel erklärt lautet dieser Vers im Gebet des Mose, des Mannes Gottes:
Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist.
Der Apostel Petrus bestätigt in seinem zweiten Brief dieses Wort des Mose, indem er darauf aufmerksam macht: Eines aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, daß ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag. (2. Petr. 3, 8).

Außerdem ist im Talmud diese Erklärung der prophetischen Gottestage zu lesen, wie auch bereits in Kapitel 2 erwähnt:
In der Schule des Elijahu wird gelehrt:
Sechstausend Jahre wird die Welt bestehen: zweitausend der Wirrsal, zwei-
tausend der Tora, und zweitausend die Tage des Messias.

Eine andere Übersetzung lautet:
Im Lehrhaus Elias wurde gelehrt:
Sechstausend Jahre währt die Welt: zweitausend Jahre Wirrung, zweitausend Jahre Weisung und zweitausend Jahre Messias-Zeit. Aber wegen unserer Verschuldungen, die zahlreich geworden, sind von ihnen dahingegangen, wie sie eben dahingegangen sind.
(Sanhedrin 97 a/97 b)

Die Zeit der Wirrsal, wie sie im Talmud genannt wird, sind die zweitausend Jahre vom Sündenfall Adams bis Abraham, dessen Nachkommen von Gott durch Mose das Gesetz, die Thora (bekanntere Schreibweise), erhielten. Daraufhin folgten sodann zweitausend Jahre der Thora, also die Zeit von Abraham bis Jesus Christus, der etwa 4000 Jahre nach Adams Sündenfall als Mensch geboren wurde. Die darauffolgenden zweitausend Jahre, die Tage des Messias, sind das Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi, an dessen Ende wir uns heute befinden. Danach wird mit dem Wiederkommen Jesu in Herrlichkeit das Tausendjährige Friedensreich beginnen. Dr. Martin Luther erkannte diese Zusammenhänge bereits um das Jahr 1540 n. Chr. und bemerkte dann dazu: "Also leben wir jetzt in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrtausends der Welt, also können wir wissen, daß das Ende der Welt nahe ist.".

Die Zahl sieben stellt in der gesamten Bibel die göttliche Zahl der Vollkommenheit dar. Am häufigsten, wahrscheinlich über 100 Mal, erscheint sie gewiß in der Offenbarung, deren gesamter Aufbau geradezu durch diese Zahl bestimmt wird. So haben wir bis jetzt z. B. gehört von sieben Gemeinden, sieben Geistern, sieben Fackeln, sieben goldenen Leuchtern, sieben Sternen, sieben Siegeln, sieben Hörnern und zudem von sieben Engeln der Gemeinden. Wir werden bald hören u. a. von sieben Posaunen, sieben Donnern, sieben Häuptern, sieben Kronen, sieben Plagen, sieben goldenen Schalen u.s.w.. Außerdem könnte man dann ebenfalls noch die siebenjährige Trübsalszeit erwähnen, die dann allerdings in zweimal 3 ½ Jahre aufgeteilt ist.

Die Sieben durchzieht somit die ganze Bibel wie ein goldener Faden. Wir kennen daher die Siebenheit oder Woche von Tagen, dann außerdem eine Siebenheit oder Woche von Wochen, also sieben Wochen insgesamt. Es sind sieben Wochen vom Passah-Fest bis Pfingsten, dem jüdischen Schawuoth: Danach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen. Bis zu dem Tag nach dem siebenten Sabbat, nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und dann ein neues Speisopfer dem Herrn opfern. (3. Mose 23, 15-16).

Oft sind es sieben Monate vom jüdischen Jahresanfang (Rosch ha-Schanah) am 1. Tischri (dem siebenten Monat) bis zum Passah-Fest im Monat Nisan. Das ist abermals eine besondere biblische Einheit, nämlich eine Woche von Monaten. Dann ist alle sieben Jahre ein Sabbatjahr fällig: Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln, aber im siebenten Jahr soll das Land dem Herrn einen feierlichen Sabbat halten; da sollst du dein Feld nicht besäen noch deinen Weinberg beschneiden. (3. Mose 25, 3-4).

Außerdem ist nach einer Siebenheit oder Woche von Jahrwochen, also nach 7 mal 7 = 49 Jahren, das darauffolgende Jahr ein Halljahr (oder Jubeljahr bzw. Erlaßjahr), das fünfzigste Jahr: Und du sollst zählen sieben Sabbatjahre, siebenmal sieben Jahre, daß die Zeit der sieben Sabbatjahre neunundvierzig Jahre mache. Da sollst du die Posaune blasen lassen durch euer ganzes Land am zehnten Tage des siebenten Monats, am Versöhnungstag. Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt eine Freilassung ausrufen im Lande für alle, die darin wohnen; es soll ein Erlaßjahr für euch sein. Da soll ein jeder bei euch wieder zu seiner Habe und zu seiner Sippe kommen. (3. Mose 25, 8-10). Die Halljahre oder Erlaßjahre heißen dann auf Hebräisch: Schenat ha-Jobel = Jahr des Freudenschalles, nämlich des Schofar oder Widderhornes. Dieses wird in einem anderen Zusammenhang in Kapitel 10 erklärt.

Der Plan Gottes mit der Menschheit umfaßt dann auch sieben Zeitalter oder Äone (griechisch: aion = aion, in der Lutherbibel übersetzt mit: Ewigkeit). Ein jedes dieser sieben Zeitalter oder auch Heilszeiten unterscheidet sich vom anderen durch besondere Verlautbarungen oder Offenbarungen Gottes und ebenso durch verschiedenes Handeln oder Wandeln Gottes mit den Menschen. Diese Zeitalter sind alle sehr verschieden in ihrer Zeitdauer, enden aber jeweils mit dem Gericht Gottes über die sündige Menschheit.

Die ersten vier dieser Zeitalter oder Äone, ebenfalls Haushaltungen oder vielleicht besser Heilszeiten genannt, können wir schon aus dem 1. Buch Mose (in manchen Übersetzungen auch: genesiV = Genesis, griech. = Ursprung bezeichnet) ersehen:
1. Das Zeitalter des Paradieses oder das Zeitalter der Unschuld -
Kein Zeitalter hat schlimmere Folgen gezeitigt wie dieses, als durch den
Sündenfall Adams unsägliches Leid und Elend über die Menschen kamen.
Nach dem jüdischen Schriftgelehrten Rabbi Hillel entspricht dieser Tag dem
7. Oktober 3761 v. Chr., wobei hier allerdings noch 246 Jahre fehlen, also
4007 v. Chr. müßte es richtig heißen. Diese immer noch im jüdischen Kalender
fehlenden Jahre erklären sicherlich auch manche Ungereimtheiten in den uns
vorliegenden Geschichtsdaten aus der Zeit Daniels, der etwa 500 v. Chr. lebte.
Eine genaue Erklärung dieser fehlenden 246 Jahre ist nachstehend zu finden.
2. Das Zeitalter vor der Sintflut oder das Zeitalter des Gewissens oder auch der
menschlichen Verantwortung -
Dieses Zeitalter dauerte genau 1656 Jahre und erstreckte sich also vom
Sündenfall Adams bis zur Sintflut. Diese Zahl von Jahren kann man anhand von
1. Mose 5, 1-29 und 1. Mose 7, 6 ermitteln. Nach dieser Berechnung müßte die
Sintflut dann im Jahre 2351 v. Chr. begonnen haben.
3. Das Zeitalter des Noah oder das Zeitalter der menschlichen Verwaltung oder
Entwickung -
Dieses Zeitalter währte von 2351 v. Chr. bis 1900 v. Chr., also 451 Jahre, von
der Sintflut (Regenbogen als Bundeszeichen) bis zum Untergang von Sodom
und Gomorra, als Abraham 99 Jahre alt war, siehe 1. Mose 17, 1 - 1. Mose 21, 2.
4. Das Zeitalter der Patriarchen (= Erzväter) oder das Zeitalter der Verheißung -
Dieses Zeitalter dauerte von der Verheißung Isaaks (Beschneidung als Bundes-
zeichen) bis zum Auszug aus Ägypten, dem Untergang des Pharaos mit seinem
ganzen Heer im Schilfmeer, also von 1900 v. Chr. bis 1494 v. Chr., das sind 406
Jahre. In der Rede des Stephanus heißt es: Denn Gott sprach (1. Mose 15, 13.
14): Dein Geschlecht wird ein Fremdling sein in einem fremden Lande, und sie
werden es dienstbar machen und übel behandeln vierhundert Jahre. (Apg. 7, 6).
Diese Zeit begann als Isaak fünf Jahre alt war, demnach im Jahre 1894 v. Chr.,
das sind genau 400 Jahre bis zum Auszug. Hierbei sollte man auch bedenken,
was der Apostel Petrus später schrieb: Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht
an dem Hause Gottes. Wenn aber zuerst an uns, was will's für ein Ende werden
mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben? Und wenn der Gerechte
kaum gerettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen? (1. Petr. 4, 17-
18). Demnach waren die vierhundert Jahre in Ägypten eine Zeit der Läuterung
für Israel. Das eigentliche Gericht jedoch traf nur die Gottlosen, den Pharao mit
seinem ganzen Heer. So endete auch dieses Zeitalter mit dem Gerichte Gottes.

Die weiteren Zeitalter oder Äone bzw. Heilszeiten sind sodann:
5. Das Zeitalter des Mose oder das Zeitalter des Gesetzes -
Etwas über 1 500 Jahre liegen zwischen der Gesetzgebung am Sinai (alter Bund)
und der Kreuzigung Jesu (neuer Bund), als dieses Zeitalter vorläufig endete mit
dem angekündigten Gericht, das sich dann auswirkte im Jahre 70 n. Chr. in der
Zerstörung Jerusalems und der Vertreibung des ganzen jüdischen Volkes aus
Israel durch die Römer.
6. Das Zeitalter des Christus (= die Tage des Messias, wie es im Talmud genannt
wird) oder das Zeitalter der Gnade durch das Evangelium Jesu Christi (auch als
Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi bezeichnet) -
Dieses Zeitalter reicht von der Auferstehung Jesu bzw. Pfingsten (Apg., Kapitel
2) bis zur Entrückung der Gemeinde, also der Zeit, wo der Heilige Geist in den
Gläubigen auf Erden ist (2. Thess. 2, 7-8). Jesus hat auch hier das Gericht am
Ende dieses Zeitalters angekündigt, das gleich in den Kapiteln 6-11 der Offen-
barung näher beschrieben wird. Am Ende dieses Zeitalters werden die Juden
wieder in ihrem Lande gesammelt und nie mehr von dort vertrieben werden.
Ab Kapitel 11 wendet sich Gott wieder besonders dem jüdischen Volke zu in
der siebenjährigen Trübsalszeit, dann als Abschluß des Zeitalters des Gesetzes.
Diese lange Unterbrechung wird jedoch am Ende von Kapitel 7 genauer erklärt.
7. Das Zeitalter des Königreiches Jesu oder das Tausendjährige Friedensreich -
Es ist das Zeitalter der Offenbarung Jesu Christi. Auch dieses wunderbare Zeit-
alter endet wiederum mit Gericht (Offb. 20, 7-10). Nach der letzten Verführung
durch Satan findet dann vor dem großen weißen Thron das Endgericht über die
Ungläubigen aller Zeiten am Jüngsten Tage statt.

Die jüdische Zeitrechnung basiert auf dem Werk "Seder Olam Rabba" aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Der bekannteste Versuch, von christlicher Seite aus so eine biblische Zeitrechnung zu erstellen, ist der des irischen (anglikanischen) Erzbischofs James Ussher (1581-1656). Seine Version wurde dann 1658 veröffentlicht. Die fehlenden Jahre im jüdischen Kalender sind allerdings wie folgt zu erklären:

3761 v. Chr. Sündenfall Adams am 1. Tischri, nach Rabbi Hillel
(4. Jh. n. Chr.). Das jüdische Kalendersystem entwickelte sich
im Laufe der Jahrhunderte zu dem kompliziertesten der Welt.
Die älteste, auf Mose zurückgeführte Zeitrechnung war noch sehr
einfach: Die erste Erscheinung der Mondsichel in der Abend-
dämmerung bestimmte den Anfgang des neuen Monats. Etwa im
4. Jahrhundert wurde dieser freie Mondkalender durch einen an den
Sonnenlauf gebundenen Mondkalender, einen Lunisolarkalender,
ersetzt. Dieser Kalender ist seit dem 11. Jahrhundert bei den Juden
allgemein gebräuchlich. Die Woche beginnt am Sabbat, dem Feiertag,
um 6 Uhr abends. Außer Sabbat, unserem Samstag, gibt es keinen
Namen für die Wochentage, sie werden mit den ersten Buchstaben
des hebräischen Alphabets bezeichnet. Heute dient dieses Kalender-
system nur zur Berechnung der biblischen Festtage. Im bürgerlichen
Leben gilt in Israel der Gregorianische Kalender, wie auch bei uns.
+ 83 Jahre von der Geburt Aarons bis zum Auszug aus Ägypten,
die schwersten Jahre der Unterdrückung (2. Mose 1, 8 ff. =
Apg. 7, 18)
+ 93 Jahre des schlimmsten Abfalls und des furchtbarsten Götzendienstes
in der Zeit der Richter:
Richter 3, 8 Kuschan-Rischathajim 8 Jahre
Richter 3, 14 Eglon (Moabiter) 18 Jahre
Richter 4, 1-3 Jabin 20 Jahre
Richter 6, 1 Midianiter 7 Jahre
Richter 13, 1 Philister 40 Jahre
das sind insgesamt 93 Jahre
(Diese Zeiten werden im Biblischen Namen-Lexikon von
Dr. Abraham Meister, auf den Seiten 359 und 360, bestätigt.)
+ 70 Jahre Babylonische Gefangenschaft (lat. captivitas babylonica):
In Jes. 54, 4c heißt es: ... sondern du wirst die Schande deiner
Jugend (in Ägypten) vergessen und der Schmach deiner Witwen-
schaft (in Babylon) nicht mehr gedenken.
Ebenfalls hierzu die Aufforderung des Herrn in Jes. 48, 18:
Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!
= 246 Jahre insgesamt, die man nun hinzuzählt. Dann erhält man das Jahr
4007 v. Chr., am 7. Oktober also, war demnach der Sündenfall Adams;
damit begann man die Lebensjahre zu zählen (Psalm 90, 10-12).

Andere Ereignisse lassen sich nach dem Geschlechtsregister von Adam bis Noah errechnen (1. Mose 5, 1-32, vgl. 1. Chron. 1, 1-4):

130 Jahre vom Sündenfall Adams bis zur Geburt des Seth,
105 Jahre bis zur Geburt des Enosch,
90 Jahre bis zur Geburt des Kenan,
70 Jahre bis zur Geburt des Mahalalel,
65 Jahre bis zur Geburt des Jared,
162 Jahre bis zur Geburt des Henoch,
65 Jahre bis zur Geburt des Methuschelach,
187 Jahre bis zur Geburt des Lamech,
182 Jahre bis zur Geburt des Noah,
500 Jahre bis zur Geburt des Sem,
100 Jahre bis zum Beginn der Sintflut (1. Mose 7, 6 + 11),
= 1656 Jahre insgesamt, vom Sündenfall Adams bis zur Sintflut.
Methuschelach, der älteste Mensch, wurde 969 Jahre alt und starb im
Jahre der Sintflut, also demnach 187 + 182 + 500 + 100 = 969 Jahre.

Ebenso läßt sich auch die Zeit von der Sintflut bis Abraham nach den Angaben in der Bibel berechnen. Die Grundlage dieser Zahlen bildet 1. Mose 11, 10 bis 12, 4:

2 Jahre vom Beginn der Sintflut bis zur Geburt des Arpachschad,
35 Jahre bis zur Geburt des Schelach,
30 Jahre bis zur Geburt des Eber,
34 Jahre bis zur Geburt des Peleg,
30 Jahre bis zur Geburt des Regu,
32 Jahre bis zur Geburt des Serug,
30 Jahre bis zur Geburt des Nahor,
29 Jahre bis zur Geburt des Tharah,
205 Jahre bis zum Tode des Tharah in Haran (1. Mose 11, 32),
als Abram 75 Jahre alt war und aus Haran zog (1. Mose 12, 4),
= 427 Jahre insgesamt, von der Sintflut bis zum Auszug aus Haran.

Somit ergeben sich dann weitere Berechnungen. Vom Sündenfall Adams bis zum Auszug aus Haran sind es demnach 1656 + 427 Jahre = 2083 Jahre. Wenn nun der Sündenfall Adams im Jahre 4007 v. Chr. erfolgte, dann war der Auszug aus Haran im Jahre 1924 v. Chr., also wurde Abraham im Jahre 1999 v. Chr. geboren. Das ist allemal einfach zu errechnen, da Abram beim Auszug aus Haran 75 Jahre alt war.

Dazu dieses Bestätigungen: Und Tharah wurde zweihundertundfünf Jahre alt und starb in Haran. (1. Mose 11, 32). Das Alter des Tharah bei der Geburt Abrahams war dann: 205 Jahre - 75 Jahre = 130 Jahre. Hingegen heißt es jedoch: Tharah war 70 Jahre alt und zeugte Abram, Nahor und Haran. (1. Mose 11, 26). Das bedeutet allerdings nicht, daß dem Tharah nun Drillinge geboren wurden, sondern vielmehr Abraham war nicht der älteste Sohn. Er war nämlich der jüngste, wird jedoch insofern als erster Sohn erwähnt, weil Abraham für die biblische Geschichte eben der wichtigste der drei Söhne des Tharah ist. Dasselbe sieht man in 1. Mose 5, 32 bei den drei Söhnen Noahs, denn Japheth war der erstgeborene nach 1. Mose 10, 2 ff..

Weiter wird dann in diesem Zusammenhang berichtet: Da erschien der Herr dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben. (1. Mose 12, 7). Später heißt es: Die Zeit aber, die die Kinder Israel in Ägypten gewohnt haben, ist vierhundertunddreißig Jahre. (2. Mose 12, 40). Paulus erklärte dann dazu: Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und "seinem Nachkommen". Es heißt nicht: und den Nachkommen, als gälte es vielen, sondern es gilt einem: "und deinem Nachkommen" (1. Mose 22, 18), welcher ist Christus. Ich meine aber dies: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt ist, wird nicht aufgehoben durch das Gesetz, welches vierhundertdreißig Jahre hernach gegeben ist, so daß die Verheißung zunichte würde. (Gal. 3, 16-17). Zwar heißt es hier zweimal vierhundertdreißig Jahre, doch liegen wohl noch zwei Jahre dazwischen. In den meisten Fällen wird das allerdings nicht berücksichtigt, obwohl es doch nicht unbedeutend ist: Und der Herr redete mit Mose in der Wüste Sinai im zweiten Jahr, nachdem sie aus Ägyptenland gezogen waren, im ersten Monat und sprach: Laß die Kinder Israel Passah halten zur festgesetzten Zeit; am vierzehnten Tage dieses Monats gegen Abend zur festgesetzten Zeit sollt ihr es halten nach all seinen Satzungen und Ordnungen. (4. Mose 9, 1-3). Demnach sind sodann vom Auszug aus Haran bis zum Auszug aus Ägypten vierhundertdreißig Jahre zu rechnen. Folglich nach dem Sündenfall Adams bis zum Auszug aus Haran sind es 2083 Jahre + 430 Jahre in Ägypten = 2513 Jahre bis zum Auszug aus Ägypten.

Wenn also der Sündenfall Adams im Jahre 4007 v. Chr. war, dann muß der Auszug aus Ägypten demnach 2513 Jahre später erfolgt sein. Das ergibt so demzufolge das Jahr 1494 v. Chr. für dieses Ereignis. Mose starb 40 Jahre später (Apg. 7, 36), also im Jahre 1454 v. Chr., war damals 120 Jahre alt (5. Mose 34, 7), demnach im Jahre 1574 v. Chr. geboren. Sein Bruder Aaron war drei Jahre älter als Mose (4. Mose 33, 38-39), daher wohl im Jahre 1577 v. Chr. geboren. Diese 83 Jahre bis zum Auszug aus Ägypten fehlen jedoch im jüdischen Kalender, denn sie waren die schwersten Jahre der Unterdrückung (2. Mose 1, 8 ff. = Apg. 7, 18). Hier ist dieser Unterschied von zwei Jahren vielleicht für die Vorbereitung der Eroberung Kanaans einzufügen.

Vierzig Jahre nachdem man begonnen hatte, das Passah zu halten, wurde dann die Eroberung Kanaans durch Josua eingeleitet und dauerte etwa sieben Jahre. Das war ungefähr vom Jahre 1452 v. Chr. bis wahrscheinlich zum Frühjahr des Jahres 1444 v. Chr., dem Jahre, in dem man am 8. Oktober, am Jom Kippur, dem 10. Tischri, mit der Zählung der Hall- und Jubeljahre begann. Das war folglich im Jahre 2563 nach dem Sündenfall Adams. Josua starb etwa zwei Jahre später (Jos. 24, 29), um das Jahr 1442 v. Chr., wie dann auch auf Seite 359 im Biblischen Namen-Lexikon von Dr. Abraham Meister bestätigt wird. Mit dem Beginn der Hall- und Jubeljahr-Zählungen kann man alle fehlenden Jahre überbrücken. In Kapitel 7 wird gezeigt, daß nun insgesamt siebzig Halljahrsperioden über das Volk Israel bestimmt sind.

Dazu sei noch bemerkt, daß die christliche Zeitrechnung der Wirklichkeit zweifellos am nächsten kommt, obwohl auch sie kleinere Irrtümer enthalten kann. Wenn man jedoch die biblischen Zeitangaben des Alten Testamentes mit denen des Neuen Testamentes in Verbindung bringt, dann ist das wohl am vertrauenswürdigsten. Es gibt doch sowieso kein Dokument außerhalb der Bibel, das so weit zurückgeht.

Wenn wir das alles berücksichtigen, dann müssen wir erkennen, daß wir am Ende der Zeit von 6000 Jahren nach der Erschaffung der Welt bzw. nach dem Sündenfall Adams angelangt sind. Inzwischen sind auch etwa 2000 Jahre nach Jesu Geburt vergangen, die nach dem jüdischen Talmud dem Sabbattag Gottes, dem Tausendjährigen Friedensreich Jesu Christi vorausgehen. Außerdem befinden wir uns jetzt am Ende des Zeitalters der Gemeinde, dessen letzter Zeitabschnitt durch die Zustände der Gemeinde von Laodicea gekennzeichnet ist. Wenn wir zusätzlich noch die Zeichen der Zeit beachten, dann ist es nicht schwer festzustellen, daß die Gerichte Gottes über diese Welt und die verderbte Menschheit sicherlich schon ihre Schatten vorausgeworfen haben bzw. bereits begonnen haben.

Es ist deshalb meine feste Überzeugung, daß die ab diesem Kapitel 6 beginnenden Siegelgerichte sich alle ausnahmslos schon in unserem Jahrhundert ereignet haben und nicht erst in der näheren oder ferneren Zukunft eintreten werden. Unter diesem wichtigen Gesichtspunkt erfolgt nun die Auslegung dieser Gerichte und demnach auch die Einordnung aller anderen Ereignisse der Offenbarung Jesu Christi. Trotzdem bin ich mir immer bewußt, daß alle Erkenntnis, unser ganzes Wissen, nach 1. Kor. 13, 9 Stückwerk ist und deshalb keine Auslegung einen Anspruch auf Vollkommenheit erheben kann. Wie schon in der Einleitung erwähnt, bin ich durchaus immer dankbar für etwaige Hinweise zur Korrektur und Verbesserung.

Jesus Christus, das Lamm Gottes, hat also dieses Schicksalsbuch der Menschheit aus der Hand Gottes in Empfang genommen. Wir durften bereits erkennen, daß diese Buchrolle die Ratschlüsse Gottes und seine Gerichte bezüglich dieser Welt enthält. Mit dem Öffnen der sieben Siegel beginnen die apokalyptischen Gerichte der Endzeit, die dem Propheten Daniel schon ansatzweise angekündigt worden sind: ... und wenn die Zerstreuung des heiligen Volks ein Ende hat, soll dies alles geschehen. Und ich hörte es, aber ich verstand's nicht und sprach: Mein Herr, was wird das Letzte davon sein? Er aber sprach: Geh hin, Daniel; denn es ist verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit. Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden's nicht verstehen, aber die Verständigen werden's verstehen. (Dan. 12, 7-10).

Wie Gott einen jeden Menschen zwei- oder dreimal in seinem Leben durch schicksalhafte Ereignisse zur Umkehr ruft, so wird auch durch die apokalyptischen Gerichte der Endzeit die Menschheit dreimal ernstlich gewarnt: Siehe, das alles tut Gott zwei- oder dreimal mit einem jeden, daß er sein Leben zurückhole von den Toten und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen. (Hiob 33, 29-30).

Deshalb verlaufen diese Gerichte in einer dreifachen Steigerung, wobei die Siegelgerichte als Vorwarnung oder Voralarm nur die unterste Stufe darstellen. Dann folgen, nach einer längeren Pause, die Posaunengerichte als Zwischenalarm, die nach etwa sieben Jahren in den Zornesschalengerichten ihren schrecklichen Höhepunkt erreichen werden. Diese sind, als Hauptalarm, die letzte Phase der zu Ende gehenden Menschheitstragödie. Man kann es auch anders ausdrücken: Die Siegelgerichte sind das Präludium (= Vorspiel), die siebenfach verstärkten Posaunengerichte das Intermezzo (= Zwischenspiel) und die Zornesschalengerichte stellen dann das wiederum siebenfach verstärkte eigentliche Weltendrama dar.

Auffallend ist, daß sich bei diesen dreimal sieben Gerichtswellen die Katastrophen sich ebenfalls dreimal siebenfach verstärken. Diese Steigerung kann man jedesmal an den tödlichen Auswirkungen erkennen. Beim Öffnen der Siegel wird dem Tod Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und Hunger ..., während dann beim Blasen der Posaunen der dritte Teil der Menschen getötet wird. Das Ergebnis der Zornesschalengerichte wird jedoch sein: Zu der Zeit werden die vom Herrn Erschlagenen liegen von einem Ende der Erde bis ans andere Ende; sie werden nicht beklagt noch aufgehoben noch begraben werden, sondern müssen auf dem Felde liegen und zu Dung werden. (Jer. 25, 33).

Das Öffnen der sieben Siegel geschieht nacheinander durch Jesus Christus, der als Lamm vor dem Throne Gottes erschienen ist. Wieviel Zeit zwischen den einzelnen Siegeln liegt, ist nicht genau angegeben, doch durch das Gesamtzeugnis des prophetischen Wortes und die erkennbaren Zeichen der Zeit ist es durchaus möglich, die Zeitabschnitte einigermaßen abzustecken. Die Zahl sieben kann in der Offenbarung immer in Gruppen von je vier und drei aufgeteilt werden. Hier bilden die ersten vier ein Ganzes, was sich schon aus der Tatsache ergibt, daß sie mit den vier lebendigen Wesen, den vier Cherubgestalten und mit den vier Pferden verbunden sind.

Die vier ersten Siegel bergen in sich vier in Bereitschaft stehende Pferde mit ihren apokalyptischen Reitern. Dieses Bild entspricht einer damals üblichen politischen zeremoniellen Gepflogenheit. Wenn ein neuer Kaiser in sein Amt eingeführt wurde, dann hat man neben anderen festlichen Spielen auch noch ein Pferderennen mit vier verschiedenen Pferden veranstaltet, und zwar mit einem weißen, einem roten, einem schwarzen und einem fahlen Pferd. Nach dieser Ordnung treten auch hier die vier apokalyptischen Reiter in genauer Reihenfolge einzeln in Erscheinung. Diese erste Gruppe von vier Siegeln stellt also eine Parallele dar zum antiken Amphitheater oder Zirkus, wo die verschiedenen Reiter hereingerufen wurden. Hans Bruns bestätigt das in der Erklärung in seinem Neuen Testament: Es wird hier das Bild von den Kampfspielen gebraucht, die beim Amtsantritt eines römischen Kaisers üblich waren. Vier Reiter auf verschiedenfarbigen Pferden ritten in die Arena.

Durch diese vier verschiedenen Pferde und die dazugehörigen Reiter werden alsdann vier verschiedene, von Gott verhängte Heimsuchungen über die Bewohner der Erde ausgelöst. Sie stellen vier verschiedene Arten von Gericht dar, die in der jeweiligen Zeit der Öffnung eines Siegels beginnen und dann, obwohl zeitweise oder teils latent, bis zur Wiederkunft Jesu bestehen bleiben. Darum sind auch die hier erwähnten apokalyptischen Reiter nicht nur als bloße sinnbildliche Figuren zu werten, die dem Apostel Johannes gezeigt wurden und dann wieder verschwunden sind. Alle vier sind vielmehr gefallene Engelfürsten, denen die Durchführung der besonderen Gerichte übertragen wurde. Diese mächtigen Gewaltherrscher aus den verschiedenen kosmischen Sphären bringen deshalb alle Unheil über die gottlose und unbußfertige Menschheit.

Diese gefallenen Engelfürsten werden jeweils bei der Öffnung eines Siegels durch einen besonderen Startruf: "Komm!" von seiten eines der vier Lebewesen, der Cherubgestalten, in gewissen Zeitabständen einzeln herausgerufen. Die vier Cherubim, die Thronengel, sind die Wächter des Himmels und der Heiligkeit Gottes, sowie die Betreuer der Geschöpfe, die sie in ihrer verschiedenen Gestaltung nach der Ordnung Gottes darstellen. Allerdings wurde in der alten Kirche hierbei auch an die vier Evangelisten gedacht, wie wir bereits in Kapitel 4 (Offb. 4, 7) gesehen haben:
Löwe = Königsamt = Evangelist Matthäus, verkündet das Königreich der Himmel;
Stier (Opfertier) = Priesteramt = Evangelist Markus, verkündet den Gottesknecht;
Mensch = Prophetenamt = Evangelist Lukas, verkündet den Menschensohn;
Adler (Adleraugen) = Richteramt = Evangelist Johannes, verkündet den Gottessohn.

Dadurch wird aber noch eine andere Bedeutung erkennbar, in denen diese Eigenschaften der Evangelisten in den jeweiligen Gerichten zu vernehmen sind, die durch die einzelnen Cherubgestalten den gefallenen Engeln zugewiesen werden. Wie wir noch sehen werden, wird beim ersten Gericht die Verkündigung eines falschen Königreiches ausgelöst, beim zweiten beginnt ein blutiges Opfer, beim dritten Gericht wird eine Hungersnot ausgelöst, aber nicht nach dem Brot des Lebens, das die Menschen so dringend bedürfen: Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh. 6, 35). Schließlich wird durch das vierte Gericht der Tod über den vierten Teil der Erde richten.

Mit den Worten des Dichters beschreibt Karl Gerok (1815-1890) diese Reiter:

Die Reiter je auf weißem Pferde,
Auf solchem rot und schwarz und fahl,
Den Frieden rauben sie der Erde
Und bringen tausendfache Qual!

Die ersten vier Siegel bilden also eine Serie von Gerichten, die nacheinander durch das Öffnen der einzelnen Siegel durch Jesus Christus, dem Lamm Gottes, ausgelöst werden. Als nun Jesus Christus, der erhöhte Herr, im Himmel das Buch der sieben Siegel aus der Hand Gottes nahm, verstärkten sich auf der Erde die Katastrophen. Da alle kosmischen Vorgänge ihre vermehrten Auswirkungen hier auf Erden haben, ist mit großer Gewißheit anzunehmen, daß dadurch die Naturkatastrophen zugenommen haben. In dem Maße, wie sich der Zeitpunkt der Öffnung des ersten Siegels näherte, nahmen auch diese großen Erschütterungen der Erde zu. Ein direkter Zusammenhang ist jedenfalls klar zu erkennen. Hierzu einige Beispiele:

Im Jahre 1755 fand am 1. November das große Erdbeben in Lissabon statt, das diese Hauptstadt Portugals völlig zerstörte. Es war derart gewaltig, daß man es in den Alpen und auch an der schwedischen Küste ohne Seismographen verspüren konnte. Das Beben hat man sogar auf den Antillischen Inseln, ja selbst in den Großen Seen zwischen Kanada und den U.S.A., sowie im Flachland von Deutschland (Norddeutsche Tiefebene) kräftig verspürt. Überdies stiegen zugleich die Wellen des Meeres in den Kleinen Antillen sieben Meter hoch und waren von tiefschwarzer Farbe. Auf einer Fläche von mehr als der vierfachen Größe Europas hat man dieses Erdbeben gespürt, so daß man sagen konnte, daß die ganze Erde bebte.

Dann am 19. Mai 1780 verdunkelte sich plötzlich die Sonne. Von morgens ab 10 Uhr war es in Amerika so dunkel, daß man weiß von schwarz nicht unterscheiden konnte. Doch es war aber keine natürliche Sonnenfinsternis, sondern ein unerklärliches Phänomen. In der darauffolgenden Nacht stand dann der Vollmond blutrot am Himmel.

Dasselbe Schauspiel erlebte man in Europa im Jahre 1783, da auch die alte Welt ihr Zeichen an der Sonne hatte. Alexander Freiherr von Humboldt, deutscher Naturforscher (14.9.1769-6.5.1859), schrieb dazu von der "denkwürdigen Verfinsterung (der sogenannte Höhenrauch), welche viele Monate lang vom Mai bis August 1783 einen bedeutenden Teil von Europa und Asien, wie Nordafrika in Erstaunen setzte ..." (Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung, hg. 1845-62, IV, Seite 323). Höhenrauch ist eine eigenartige Bezeichnung. Man konnte eben keine natürliche Erklärung dafür geben.

Vom 12. zum 13. November 1833 erlebte die Welt einen Sternschnuppenfall so dicht wie Schneeflocken, so daß schätzungsweise 500 000 Sterne fielen.

Das Observatorium in Straßburg hat über die Zahl der Erdbeben Statistik geführt und veröffentlicht. Es gab im
12. Jahrhundert 84 Erdbeben,
13. Jahrhundert 115 Erdbeben,
14. Jahrhundert 137 Erdbeben,
15. Jahrhundert 174 Erdbeben,
16. Jahrhundert 258 Erdbeben,
17. Jahrhundert 378 Erdbeben,
18. Jahrhundert 640 Erdbeben,
19. Jahrhundert 2119 Erdbeben.
Die Gesamtzahl der Erdbeben des 20. Jahrhunderts aber wird die des 19. bei weitem übersteigen. Allerdings muß man auch berücksichtigen, daß früher nicht alle Erdbeben aufgezeichnet werden konnten. In den vergangenen Jahrhunderten gab es weder empfindliche Geräte, noch bestand eine weltweite Nachrichtenübermittlung. In Knaurs Weltatlas, Auflage von Oktober 1955, Seite 15, wurde damals erklärt: Etwa 10 000-30 000 Erdbeben ereignen sich jährlich, wovon ein großer Teil als Seebeben unter dem Meeresspiegel stattfindet. Die Herdtiefe liegt höchstens einige hundert Kilometer tief, die größte beobachtete Herdtiefe betrug 720 km. Die größte Erdbebentätigkeit finden wir in der cirkumpazifischen Zone, in der sich 80 % aller oberflächennahen und 90 % aller mitteltiefen, sowie alle sehr tiefen Beben ereignen.

Im Jahre 1750 weilte François Marie Arouet de Voltaire, französischer Aufklärungsphilosoph (21.11.1694-30.5.1778) bei Friedrich II., dem Großen, König von Preußen (24.1.1712-17.8.1786), seit 1740 König, als Gast im Schloß Sanssouci bei Potsdam. Damit begann in Deutschland die Zeit der Aufklärung, die dann bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ihren schrecklichen Höhepunkt erreichte. In dieser Zeit der tiefgreifenden geistlichen Erschütterungen wurde das ganze Kulturleben durch Hetze und Propaganda vom antichristlichen Geist und dessen Ideengut vergiftet und durchsetzt.

Die Aufklärung hat sich in ihrer Wendung gegen Autorität und Tradition zu einem großen Teil als Religionskritik formiert, die Bibel, Dogmen und die überlieferten kirchlichen Formen hinterfragte. Kein anderer Prozeß zu irgendeiner Zeit hat die Geschichte von Christentum und Kirchen jedoch so tiefgreifend beeinflußt wie die Aufklärung. Darunter ist nur der Abfall der Christenheit vom Glauben und eindeutig auch der Beginn einer umfassenden, heute noch andauernden Entchristlichung der europäischen Kultur zu verstehen.

Als Folge der Aufklärung kam dann die Französische Revolution von 1789 bis 1795 mit all ihren antichristlichen Begleiterscheinungen. Wie ein Funke am Pulverfaß eine Explosion auslöst, so breitete sich die Französische Revolution gleichzeitig im übrigen Europa aus. Getragen durch die trügerische Parole: Liberté - Égalité - Fraternité, auf Deutsch: Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit, begann eine Schreckensherrschaft. Zuerst wurde der Adel als herrschende Macht beseitigt, so daß an seine Stelle das Bürgertum getreten ist, die Vormachtstellung des Dritten Standes. Wer auch nur in den schwächsten Verdacht geriet, ein Gegner zu sein, endete unter der Guillotine, dem Fallbeil. In Paris wurden in wenigen Monaten etwa 3500 Menschen hingerichtet; in ganz Frankreich waren es zwischen 50 000 und 70 000. Am 21. Januar 1793 wurden König Ludwig oder Louis XVI. und seine Frau Marie Antoinette auf dem Schafott hingerichtet. Später wurde ein neuer Kalender eingeführt, die Religion verboten und durch einen Kult der Vernunft ersetzt, eine Morale laïque.

Durch das Kommunistische Manifest, das im Jahre 1848 von Karl (Heinrich) Marx, dem Begründer des Marxismus (5.5.1818-14.3.1883), geb. in Trier, und Friedrich Engels (28.11.1820-5.8.1895) in London in deutscher Sprache verkündet wurde, hat das Ideengut der Französischen Revolution dogmatische Bedeutung bekommen. Die Parole der Kommunisten in aller Welt lautete: Proletarier aller Länder vereinigt euch! Wie sehr dadurch der Haß und die Rachegefühle im Volke von damals geschürt wurden, ist aus dem Inhalt der sozialistischen "Internationale" zu ersehen:

1.)  Wacht auf, Verdammte dieser    2.)  Es rettet uns kein höh'res   
Erde,                               Wesen,                            
Die stets man noch zum Hungern      Kein Gott, kein Kaiser, kein      
zwingt!                             Tribun.                           
Das Recht, wie Glut im              Uns aus dem Elend zu erlösen,     
Kraterherde,                        Können nur wir selber tun!        
Nun mit Macht zum Durchbruch        Leeres Wort von des Armen         
dringt!                             Rechte!                           
Reinen Tisch macht mit dem          Leeres Wort von des Reichen       
Bedränger!                          Pflicht!                          
Heer der Sklaven, wach auf, wach    Unmündig nennt man uns und        
auf!                                Knechte.                          
Ein Nichts zu sein, tragt es nicht  Duldet die Schmach nun länger     
länger!                             nicht!                            
Alles zu werden, strömt zuhauf!     Völker, hört die Signale!         
Völker, hört die Signale!           Auf, zum letzten Gefecht!         
Auf, zum letzten Gefecht!           Die Internationale                
Die Internationale                  Erkämpft das Menschenrecht.       
Erkämpft das Menschenrecht.                                           

3.)  Gewölbe, fest und stark        4.)  In Stadt und Land, ihr       
bewehret,                           Arbeitsleute,                     
Die bergen, was man dir entzog.     Wir sind die größte der           
Dort liegt das Gut, was dir         Partei'n,                         
gehöret,                            Die Müßiggänger schiebt           
Und um das man dich betrog!         beiseite!                         
Ausgebeutet bist du stets worden,   Diese Welt soll unser sein!       
Ausgesogen dein bestes Mark!        Unser Blut sei nicht mehr der     
Auf Erden rings, in Süd' und        Raben                             
Norden,                             Und der mächt'gen Geier Fraß!     
Das Recht ist schwach, die Willkür  Erst wenn wir sie vertrieben      
stark.                              haben,                            
Völker, hört die Signale!           Dann scheint die Sonn' ohn'       
Auf, zum letzten Gefecht!           Unterlaß!                         
Die Internationale                  Völker, hört die Signale!         
Erkämpft das Menschenrecht.         Auf, zum letzten Gefecht!         
                                    Die Internationale                
                                    Erkämpft das Menschenrecht.       


Was aber besonders in dieser Zeitspanne auffällt, ist ein großes und letztes Angebot des Heils, das der liebende und treue Gott dieser Welt noch einmal gemacht hat, bevor das erste Siegelgericht dann endgültig beginnen konnte und damit sein verhängnisvolles Werk. Es ist der Siegeslauf des Evangeliums, durch den die großen Erweckungen vom 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ausgelöst wurden, der so zu einem letzten großen Aufbruch in aller Welt führte. Von den Männern, die Gott als seine Werkzeuge für diese Zeit gebrauchen konnte, seien als die wichtigsten genannt:

In England:
Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)
John Wesley (17.6.1703-2.3.1791)
George Whitefield (1714-1770)

In den U.S.A.:
David Brainard (1718-?)
William Carey (1761-?)
Charles Grandison Finney (1792-1875)
Dwight Lyman Moody (1837-1899)
James Hudson Taylor (1832-1905)

In Deutschland:
Gottfried Arnold (1666-1714)
Johann Albrecht Bengel (1687-1752)
Jakob Böhme (1575-17.11.1624)
August Hermann Francke (22.3.1663-8.6.1727)
Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817)
Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782)
Philipp Jakob Spener (13.1.1635-5.2.1705)
Gerhard Tersteegen (25.11.1697-30.4.1769)
Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760)

In der Schweiz:
Johann Kaspar Lavater (1741-1801)
Samuel Heinrich Fröhlich (1803-1857)
Franz Eugen Schlachter (28.7.1859-?)

In Rußland:
W. G. Pawlow
I. S. Prochanow
u. v. a.

Mit diesen Erweckungsbewegungen hat Gott der Menschheit deutlich noch einmal eine letzte Chance gegeben, sich für oder gegen ihn zu entscheiden. Zuerst bietet Gott einem jeden Menschen die Gnade an. Wer die Gnade allerdings trotz langer Geduld nicht will, der bekommt dann unweigerlich das Gericht Gottes zu spüren. Deshalb wurden auch die Unentschiedenen, Gleichgültigen und Weltkonformen seit eh und je die willigen und auch billigen Opfer satanischer Verführung. Wer die Warnungen Gottes in den Wind schlägt, der wird schnell eine willkommene Beute Satans, der umhergeht wie ein brüllender Löwe. So ergeht dann auch die dringende Aufforderung des Apostels Petrus an die Gläubigen: Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge. Dem widerstehet, fest im Glauben, und wisset, daß ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. (1. Petr. 4, 8-9).

Mit dem Ende der großen Erweckungen zu Anfang dieses Jahrhunderts nahm dann auch das Unheil seinen Lauf. Als das Lamm eines der sieben Siegel auftat, rief eine der vier Cherubgestalten wie mit einer Donnerstimme: Komm! Ein weißes Pferd erschien mit einem Reiter, der einen Bogen hatte und dem eine Krone gegeben ward, und er zog aus sieghaft und daß er siegte. Hermann Menge übersetzte: Er zog aus von Sieg zu Sieg!

Da die ersten vier Siegel eindeutig zusammengehören, handelt es sich bei diesem ersten Reiter auch um ein Gericht. Damit kann nicht der Siegeszug des Evangeliums gemeint sein, auch nicht Jesus selbst, denn das Reich Jesu Christi führt nicht zu Krieg, Hungersnot und Pest. Jesus ist das Lamm und nicht gleichzeitig auch der Reiter. Der befehlende Ruf des Cherub: Komm! (ercou = erchou) bedeutet auch "geh hinaus" und kann sich deshalb nur an den Reiter richten, nicht aber an Johannes, wie von einigen Auslegern angenommen wird. Es ist auch undenkbar, daß ein Cherub einen Befehl an Jesus erteilen könnte, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist.

Dieser Ruf ergeht insgesamt viermal und bestätigt, daß die vier Cherubgestalten als die Thronengel Gottes im Zusammenhang mit diesen ersten vier Gerichten stehen, indem sie dem Willen Gottes gemäß handeln. Die vier Seiten der Cherubim, in denen die jeweiligen Eigenschaften der Evangelisten zu vernehmen sind, kennzeichnen diese Gerichte durch deren vier Symbole. Demnach werden die Gerichte dann vier gefallenen Engeln zugewiesen, denen diese Aufforderung der Cherubim gilt. Der Apostel Paulus erklärt den Korinthern in seinem zweiten Brief: Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichtes. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit; deren Ende wird sein nach ihren Werken. (2. Kor. 11, 14-15).

Der erste Reiter auf dem weißen Pferd, der einen Bogen hatte und dem eine Krone gegeben ward, und er zog aus sieghaft und daß er siegte, gehört also auch zu dieser Kategorie. Dieses ist eine geistlich-politische Eroberergestalt, die über die ganze Erde hinwegstürmt. Er könnte Jesus Christus selbst sein, ist es aber nicht, denn der Reiter verstellt sich nur so. Unter einem frommen Deckmantel bringt er unscheinbares Unheil in trügerischer Gestalt. Eine arglistigere Verführung des Teufels ist gewiß kaum vorstellbar, denn alles sieht doch so gut aus und dient doch scheinbar so guten Zwecken. Es ist zweifellos eine Art Religion, aber ganz und gar ohne Gott.

Das weiße Pferd ist das Sinnbild des Friedens, der Reinheit und der Schnelligkeit, und symbolisiert die sich geradezu epidemieartig ausbreitende antichristliche Weltanschauung des Humanismus. Auch dieses Bild des anstürmenden Reiters auf einem weißen Pferd mit einer heimtückischen und hinterlistigen Waffe in der Hand hat einen zeitgeschichtlichen Hintergrund.

Die Parther waren ein altpersisches (iranisches) Reitervolk von südöstlich des Kaspischen Meeres, deren Herrscher damals die Nachkommen des Arsakes waren, der 250 v. Chr. von Antiochus oder Antiochos II. Theos (= Gott) abgefallen war. Dieser dritte König der Seleukiden war ein Enkel des Seleukos I. Nikator (= Sieger), lebte von 287-246 v. Chr. und hatte in dieser Zeit auch Laodicea gegründet. König Arsakes I. (247-217 v. Chr.), der sich so von der Herrschaft der Seleukiden befreit hatte, wurde dann der erste König der Parther. Unter dem späteren König Mithradates I. (174-136 v. Chr.), der nach der Unterwerfung von Medien, Baktrien, Babylonien und Mesopotamien den persischen Titel "König der Könige" annahm, erlangte das Reich mit der Hauptstadt Ktesiphon am Tigris seine größte Ausdehnung, die sogar bis zum Euphrat und an den Indus reichte. Bedeutend für die Parther war der Transithandel nach China auf der Seidenstraße. Wenn dieses Volk unter ihrem siegreichen König Vologaeses I., König von 51-76 n. Chr., in den Krieg zog, dann eröffnete der erste Reiter auf einem weißen Pferd den mörderischen Kampf. Dieser Reiter war mit einem schußbereiten Bogen ausgerüstet. Außerdem ritten und kämpften auch die Könige auf weißen Pferden. Zu bemerken bleibt noch, daß im antiken Rom auch der Triumphator auf einem weißen Pferd ritt.

Der Reiter ist das Symbol des Gerichtsvollziehers für die jeweilige Zeitspanne des Siegelgerichtes. Dieser Reiter auf dem weißen Pferd ist eine verführerische Nachahmung Jesu Christi durch einen gefallenen Engel des Lichtes, einem Stellvertreter Satans. Es ist nicht der Antichrist, obwohl er eindeutig dessen Züge trägt und dessen Wesen nach handelt. Der Vergleich mit Jesus Christus ist zunächst verblüffend, wie wir bei der Betrachtung eines späteren Kapitels noch sehen werden. Der Apostel Johannes bezeugt alsdann an der angegebenen Stelle: Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd, und der darauf saß, hieß: Treu und wahrhaftig, und richtet und streitet mit Gerechtigkeit. Seine Augen sind eine Feuerflamme und auf seinem Haupt viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, der niemand wußte als er selbst. (Offb. 19, 11-12).

Bei einer genaueren Untersuchung der beiden Bibelstellen erkennt man, wenn man beide Reiter miteinander vergleicht, daß sie außer dem weißen Pferd gar nichts gemein haben. Hier ist es, mit einem Wort gesagt, eine antichristliche Gestalt, die eine gottlose Religion einer gottlosen und unbußfertigen Menschheit bringt, die ihr dann zum Verhängnis wird. Vor solchen Verführern hat der Herr Jesus in seiner Endzeitrede seine Jünger gewarnt: Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele verführen. (Matth. 24, 5). Diese Endzeitrede Jesu Christi geht übrigens parallel mit diesem Kapitel (Offb. 6).

Der Apostel Paulus nennt uns in seinem zweiten Brief an die Thessalonicher die verführerischen Künste, die der Reiter auf dem weißen Pferd durch sein scheinheiliges Auftreten anzuwenden verstand und auch noch versteht, denn alle vier Reiter galoppieren weiter bis zur Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit, wenn Er auf dem weißen Pferd kommen wird: Denn der Frevler wird auftreten in der Macht des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben zu ihrer Rettung. Darum sendet ihnen Gott auch kräftige Irrtümer, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern hatten Lust an der Ungerechtigkeit. (2. Thess. 2, 9-12).

Die Tarnung dieses Reiters liegt auch in seinen lügnerischen Reden. Wenn er von Frieden spricht, dann meint er den Krieg, und wenn er von Freiheit redet, dann meint er einzig die Versklavung. Denn wer Jesus Christus nicht hat, der hat auch keinen Frieden, und wen der Sohn Gottes nicht befreit, der ist ein Sklave des Teufels, der Sünde und des Todes. Was als Segen für die Menschheit angepriesen wird, bewirkt dann das Verderben ganzer Generationen. Der Höhepunkt dieser Verführung durch die antichristliche Weltanschauung des Humanismus ist in unserer Zeit.

Gleichzeitig mit der Aufklärung und in deren Gefolge wurde im 18./19. Jahrhundert das Gedankengut des Humanismus im sogenannten Neuhumanismus insbesondere durch Johann Joachim Winckelmann und Wilhelm von Humboldt aufgegriffen und fortentwickelt. Im 19./20. Jahrhundert löste sich der Begriff des Humanismus weitgehend von seinen historischen Wurzeln und nahm als sogenanntes Humanitätsideal vielfach eine soziale Komponente an, indem die Schaffung der gesellschaftlichen Voraussetzungen für eine freie Persönlichkeitsentfaltung in die Zielsetzung einbezogen wurde.

Johann Joachim Winckelmann (9.12.1717-8.6.1768, ermordet in Triest), war ein deutscher Archäologe und Kunsthistoriker, der maßgeblich die Schönheitsideale des Klassizismus bestimmte. Wilhelm Freiherr von Humboldt (22.6.1767-8.4.1835) war in den Jahren 1809/10 Leiter des preußischen Kultus- und Unterrichtswesens. Er ist der Begründer der Berliner Universität und des humanistischen Gymnasiums in Preußen, als Staats-Minister vertrat er Preußen auf verschiedenen Kongressen, besonders auf dem Wiener Kongreß von 1814/15.

Der Begriff Humanismus wurde erst im Jahre 1808 geprägt und sollte zunächst den höheren Wert der althumanistischen Gymnasien gegenüber den Realschulen ausdrücken. Erst später wurde er zur Bezeichnung einer Epoche gebraucht, in der man die altgriechische und römische Kulturwelt zu erschließen suchte und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zur Bildung des Menschen heranzog. So wurde der Humanismus dann zu einer geistesgeschichtlichen Bewegung, mit dem Ziel, edler, allseitig ausgebildeter Menschlichkeit unter Berufung auf das Vorbild der klassischen Antike. Zum Gehalt eines Humanismus, der diesen Namen verdient und wie er jetzt verstanden wird, gehört inzwischen auch das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit von Mensch und Natur mit allen erforderlichen Konsequenzen.

Die Kenntnis um einen notwendigen Verzicht auf totalitäre Wissensansprüche jeder Art ist heute zu einer entscheidenden Bedingung menschlichen Miteinanderlebens geworden, d. h. des Friedens, den die Welt auch ohne Gott schaffen will. Deshalb richtet sich der Humanismus neuerdings auch ganz gezielt gegen den christlichen Fundamentalismus, der auf dem Ausschließlichkeitsanspruch der Bibel als Gottes Wort beruht, das bekanntlich einmalig, unveränderlich und unvergänglich ist, und nach dessen Zeugnis es kein Heil ohne Jesus Christus gibt.

Gemeinsamkeiten bestehen demzufolge auch zwischen dem Humanismus und der Ökumene durch den Konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Ein führender Vertreter dieser Bewegung ist Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker (geb. 28.6.1912), ein Bruder des früheren deutschen Bundespräsidenten Richard Freiherr von Weizsäcker (geb. 15.4.1920).

Unter Humanitätsideal versteht man allgemein eine Gesinnung, die die Verwirklichung der Menschenrechte anstrebt. Es ist auch das Gefühl für die Würde des Menschen, unabhängig von Rasse, Geschlecht u. a., ferner die Erziehung zu Mitverantwortung, Toleranz und allgemeiner Anerkennung der Menschenrechte. Die erste verfassungsrechtliche Formulierung erfuhren die Menschenrechte im Jahre 1776 in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, die alsdann zum Vorbild wurde für die "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" in der Französischen Revolution von 1789. Das Humanitätsideal wurde jedoch zur Bezeichnung der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Menschen, die absolut jeden Gedanken an eine transzendente Bestimmung des Menschen ausschließt, also jeden Glauben an ein Jenseits.

Durch den Humanismus wurde so das Startzeichen zum Aufbruch in eine neue Zeit der gesellschaftlichen Ordnung gegeben, die nun in drei geistigen Strömungen zum Ausdruck kommt, und zwar:
a) im Liberalismus (= lat. liber = frei), Freisinnigkeit;
b) im Sozialismus (= lat. socius - sozial = gesellschaftlich), Veränderung des gesellschaftlichen Lebens;
c) in der Emanzipation (= lat. emancipare - ex = aus - manu(s) = Hand; aus der Hand lassen), Freilassung aus der Abhängigkeit, Befreiung aus der Gewalt, Verselbständigung, Gleichberechtigung der Geschlechter.
Mit diesen geistigen Strömungen wurde endgültig die Tür zur Gottlosigkeit aufgestoßen und der Weg für die antichristliche Weltanschauung des Humanismus war von jetzt an unumkehrbar eingeschlagen und geebnet.

Dazu sind in dieser Zeitspanne auch noch die spirituellen sowie die religiösen und theologischen Strömungen zur Entfaltung gekommen, und zwar:
a) auf spirituellem Gebiet:
Dazu gehört der Spiritismus mit seinen verschiedenen okkulten Abwandlungen und Abarten.
b) auf kirchlich-religiösem Gebiet:
Die Entstehung und Verbreitung des Sektentums.
c) auf theologischem Gebiet:
Hier sei besonders die liberale Theologie erwähnt. Die liberale Theologie will frei (= liber) sein von der Bindung an die Bibel und überlieferten Glaubensgrundsätzen; sie läßt nur sittliche und religiöse als verbindlich gelten.
Die Vertreter der alten liberalen theologischen Schule sind: Wilhelm Bousset (1865-1920), Heinrich Gunkel (1862-1932), Karl Gustav Adolf von Harnack (7.5.1851-10.6.1930), Albrecht Ritschl (25.3.1822-20.3.1889), Albert Schweitzer (14.1.1875-4.9.1965), Ernst Troeltsch (17.2.1865-1.2.1923), u. a.
Die Vertreter der liberalen-neorationalistischen Theologie sind z. B.: Karl Barth (10.5.1886-10.12.1968), Günther Bornkamm, Herbert Braun, Rudolf Bultmann (20.8.1884-30.7.1976), Gerhard Ebeling, Ernst Fuchs, Friedrich Gogarten (13.1. 1887-16.10.1967), Ernst Käsemann, Wilhelm Marxsen, Manfred Metzger, Jürgen Moltmann (geb. 8.4.1926), Paul Tillich (20.8.1886-22.10.1965), der anglikanische Bischof John A. T. Robinson (1919-1983), neuerdings auch Eugen Drewermann (geb. 20.6.1940), Gerd Lüdemann, u. a.

Leider fällt dann auch der liberalen Theologie der äußerst traurige Ruhm zu, daß sie die Steigbügelhalterin für den Reiter auf dem weißen Pferd geworden ist. Das ist eine sehr, sehr traurige und beschämende Tatsache für die Theologie. Sie, die nun die Hüterin der biblisch reinen Lehre hätte sein sollen, ist jedoch zur Wegbereiterin eines Vorläufers des Antichristen geworden. Einige Beispiele sprechen dafür:
a) Karl (Heinrich) Marx, der Sohn einer konvertierten Rabinerfamilie, war ein gläubiger Christ. Seine erste Schrift, die er verfaßte, war ein Kommentar über die synoptischen Evangelien. Dann las er zwei liberale Theologen, und zwar David Friedrich Strauß: "Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet" und dann Ferdinand Christian Baur: "Der Ursprung des Christentums". Damit war sein christlicher Glaube für immer erledigt. Diese zwei liberalen Theologen sind am Verbrechen des Marxismus mitschuldig. Ferdinand Christian Baur hat den Begriff der "historisch-kritischen Methode" geprägt.
b) Als Alfred Rosenberg, der führende Ideologe der Nationalsozialisten, im Jahre 1946 vor dem Nürnberger Militärtribunal stand und seinen "Mythos des 20. Jahrhunderts" zu verteidigen suchte, da sagte er unter anderem: "Ich habe mein Gedankengut ausschließlich aus den Quellen der modernen Theologie geschöpft.".
c) Der russische Philosoph Nikolaj Alexandrowitsch Berdjajew (1874-1948) sagte auch noch: "Die Verantwortung für den modernen Atheismus liegt nicht allein auf den Atheisten selbst, sondern noch mehr und noch schwerer auf denen, die ständig 'Herr, Herr!' rufen und dabei ein verzerrtes Bild des Glaubens an Gott und Gottesdienst gezeigt haben.".
d) Und der russische Philosoph und Schriftsteller Dr. Fedor Stepun kommt alsdann noch in seinem Buch "Der Bolschewismus und die christliche Existenz" zu dieser wohl wenig überraschenden Erkenntnis: Die Schwäche des Westens, der westeuropäischen Demokratie, liegt in der Säkularisierung (= Verweltlichung) des Christentums und im Kleinmut.

Das sind nur einzelne Stimmen aus der Vielfalt berechtigter Anklagen, die gegen eine verweltlichte Entwicklung in der Theologie und im Christentum erhoben worden sind. Inzwischen hat der Humanismus breiten Raum gewonnen und ein Anstatt-Christentum aufgebaut. So führen z. B. humanistische Verbände für atheistische Jugendweihen diese anstatt der Konfirmation der Kirche durch. Dazu gehört auch noch die nie zu beweisende, jedoch als Wissenschaft präsentierte Evolutionstheorie, die bei Millionen den Glauben an Gott und seinen Sohn Jesus Christus untergraben und zerstört hat.

Erfreulicherweise gibt es trotzdem auch heute noch einige Akademiker, die einen klaren Durchblick haben. Beispielshalber befand unlängst ein Arzt, Professor Dr. Michael Schröter-Kunhardt aus Heidelberg, daß Marx, Freud und Drewermann auf dem Holzweg sind. Religion sei eben kein Opium für das Volk, keine Neurose und keine psycho-analytische Konstruktion. Und lächelnd fügte er hinzu: "Spätestens im Sterben werden die Atheisten sehr überrascht sein.". Leider ist es dann aber zu spät für eine Umkehr zu Gott. Vorher hatte jedoch jeder eine Gelegenheit dazu.

Wir wollen dann noch die Ausrüstung des Reiters auf dem weißen Pferd betrachten. Er hatte einen Bogen, aber keine Pfeile. Der Bogen versinnbildlicht eine Kriegswaffe, mit der man aus dem Hinterhalt schießen kann, um Fernstehende zu erreichen. In seinem Brief an die Gemeinde zu Ephesus hat der Apostel Paulus die geistliche Waffenrüstung in Bildern beschrieben, die dem eines antiken Kriegers entsprechen: Vor allen Dingen aber ergreifet den Schild des Glaubens, mit welchem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6, 16-17).

Daß der Reiter keine Pfeile hatte, scheint zunächst wohl etwas eigenartig zu sein. Es könnte jedoch durchaus darauf hindeuten, daß der Sieg ihm ohne den Einsatz seiner Waffe zufällt. Er erreicht sein Ziel demnach ohne Krieg, ohne Revolution, ohne Aufruhr und ohne Zerstörung. Ihm ward eine Krone gegeben, und er zog aus sieghaft und daß er siegte. Die Krone ist das allseits bekannte Symbol der Würde, der Vollmacht und der Herrschaft. Jedenfalls zeigt uns der Bogen, den der Sieger statt eines Schwertes führt, und auch die weiße Farbe des Pferdes, daß die schnelle Eroberung dieses Reiters nicht auf dem Wege blutiger Schlachten geschieht. Hier geht es allerdings eindeutig um das rasche Vordringen einer Macht, die von Gott den Sieg förmlich übergeben bekommt. Die Krone bedeutet eigentlich Siegerkranz, der dem Sieger übergeben wurde. Die Übersetzung des Konkordanten Neuen Testamentes lautet deshalb auch: ... und ihm wurde ein Kranz gegeben, und er zog aus als Siegender, um zu siegen.

Das bedeutet sicherlich, daß Gott die Menschen dahingegeben hat, die diesem Reiter kampflos unterliegen. Mehrere Hinweise gibt es dazu im Worte Gottes, davon nur einige Beispiele: So hab ich sie dahingegeben in die Verstocktheit ihres Herzens, daß sie wandeln nach eigenem Rat. (Psalm 81, 13). Aber Gott wandte sich ab und gab sie dahin, daß sie dienten dem Heer des Himmels. (Apg. 7, 42). Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste. (Röm. 1, 24) Darum hat sie Gott auch dahingegeben in schändliche Lüste. (Röm. 1, 26). Und gleichwie sie es für nichts geachtet haben, daß sie Gott erkannten, hat sie auch Gott dahingegeben in verworfenen Sinn, zu tun, was nicht taugt. (Röm. 1, 28).

Anschließend nennt uns der Apostel Paulus auch den Grund, warum der Reiter auf dem weißen Pferd über die Erde reiten mußte und immer noch reitet. In seinem zweiten Brief an die Gemeinde zu Thessalonich schreibt er: Denn es regt sich bereits das Geheimnis des Frevels, nur daß, der es jetzt aufhält, erst muß hinweggetan werden; und alsdann wird der Frevler offenbar werden, welchen der Herr Jesus umbringen wird mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. Denn der Frevler wird auftreten in der Macht des Satans mit allerlei lügenhaften Kräften und Zeichen und Wundern und mit allerlei Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben zu ihrer Rettung. Darum sendet ihnen Gott auch kräftige Irrtümer, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern hatten Lust an der Ungerechtigkeit. (2. Thess. 2, 7-12).

Nichts ist jemals im Leben eines Menschen schrecklicher als das, wenn Gott ihn der Verstockung preisgeben muß, worauf Gericht immer die unausbleibliche Folge davon ist. Das sehen wir im Leben mehrerer Menschen in der Bibel:
Vom Pharao heiß es: Aber das Herz des Pharao wurde verstockt, und er hörte nicht auf sie, wie der Herr gesagt hatte. (2. Mose 7, 13).
Die Tragödie des Königs Saul: Und der Herr sprach zu Samuel: Wie lange trägst du Leid um Saul, den ich verworfen habe, daß er nicht mehr König sei über Israel? (1. Sam. 16, 1).
Das Urteil über Esau lautet: ... denn er fand keinen Raum zur Buße, wiewohl er sie mit Tränen suchte. (Hebr. 12, 17).

Jesus hat auch diese Ermahnung ausgesprochen: Ringet danach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das sage ich euch, danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht können. Von da an, wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und ihr dann anfanget, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns auf! wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid. So werdet ihr dann anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unsern Gassen hast du gelehrt. Und er wird zu euch sagen: Ich weiß nicht, wo ihr her seid; weichet alle von mir, ihr Übeltäter! (Luk. 13, 24-27). Wer nicht Jesu Vergebung will, wird nach seinen Taten beurteilt! Darum eile, rette deine Seele, denn es gibt auch ein "Zu-spät"!

Somit kommen wir auf die Bedeutung des zweiten Siegels zu sprechen:

Und da es das zweite Siegel auftat, hörte ich die zweite Gestalt sagen: Komm! Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten, und ihm ward ein großes Schwert gegeben. (Offb. 6, 3-4).

Während das erste Siegel ja nur das ideologische Vorspiel zu einem großen Weltenbrand war, so kommen wir jetzt dazu, die eigentlichen großen Auseinandersetzungen desselben zu betrachten. Man könnte auch sagen, es war zunächst nur das Wetterleuchten zu einem großen heraufziehenden Weltgewitter. Prophetisch gesehen, hat jedoch selbst auch dieses wiederum nur einen überleitenden Charakter zu noch weiteren und größeren apokalyptischen Weltereignissen.

Wie alle Siegelgerichte, so hat auch das zweite Siegel auf Grund der gezeigten endzeitlichen Ordnung und Bestimmung eine globale, das heißt, eine weltumfassende Bedeutung. Seit dem Anfang dieses Jahrhunderts haben alle wichtigen Ereignisse weltweite Auswirkungen. Wir haben daher auch neue Begriffe kennengelernt, die teilweise erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten entstanden sind. Es seien nur einige wenige davon genannt, die früher gar nicht oder kaum bekannt waren, z. B. Weltausstellung, Weltbank, Weltfriedensbewegung, Weltgerichtshof, Welthandel, Weltkirchenrat, Weltkrieg, Weltmacht, Weltmarkt, Weltordnung, Weltpolitik, Weltpostverein, Weltrekord, Weltuntergang, Weltwirtschaftskrise, man spricht von Geopolitik und Globalsteuerung, dann Weltorganisationen wie Völkerbund, UNO, UNESCO und UNICEF, Weltgesundheitsorganisation, Welthandelskonferenz, Weltsicherheitsrat und Weltwährungsfond u. v. a..

Einer Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Europäischen Gemeinschaften zum Thema "Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit und Globalisierung der Wirtschaft", die in einer Sitzung vom 19. März 1997 verabschiedet wurde, ist zu entnehmen: Die Weltwirtschaft steht vor großen Problemen und Herausforderungen. Die Auffassung, daß die "Institutionen von Bretton Woods" und die UNO in ihrer gegenwärtigen Verfassung den Herausforderungen der Globalisierung nicht ausreichend sind, findet immer mehr Anhänger. Vor allem mangelt es an Koordinierung. Ein konkreter Reformvorschlag wurde von dem Globalen Lenkungsausschuß (*) vorgelegt. Danach sollen im Rahmen der UNO ein "ökonomischer Sicherheitsrat" eingerichtet und die Institution von Bretton Woods reformiert werden, u. a. durch die Anpassung der Abstimmungsregeln an die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse.
(*) "Our Global Neighbourhood" (Commission on Global Governance), London, 1995.

Diesmal ergeht von der zweiten Cherubgestalt die dringende Aufforderung: Komm! Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war feuerrot. Der Startruf durch die zweite Gestalt, die das Priesteramt repräsentiert, beginnt ein blutiges Opfer als Gericht über diese Welt. Die feuerrote Farbe weist sowohl auf Feuer als auch auf Blut hin. Dieses Pferd ist somit das Symbol des Blutvergießens durch Feuer, also durch Pulver, Explosionen, Kanonen, Granaten, Bomben und Minen, ja auch Gewehr- und Pistolenkugeln.

Und dem, der darauf saß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten, und ihm ward ein großes Schwert gegeben. Wiederum wurde auch diesem Reiter Vollmacht erteilt. Diese Bevollmächtigung erfolgt auch hier nur durch Jesus Christus, dem von Gott alle Macht gegeben ist. Im Johannes-Evangelium sagt der Herr Jesus: Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber, und hat ihm Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. (Joh. 5, 26-27).

Aus diesem Grunde ist auch dieser apokalyptische Reiter nur der persönlich bevollmächtigte Gerichtsvollzieher Gottes, der unter der direkten Befehlsgewalt des Menschensohnes steht. Die gottlose Ideologie des ersten Reiters, hierbei sei besonders an den Sozialismus gedacht, wird von diesem zweiten Pferd weitergetragen. Der Sozialismus als eine der drei geistigen Strömungen des Humanismus hat insbesondere mit kommunistischer Prägung die Welt zu erobern versucht. Auch hier geht es nach der Ordnung göttlicher Naturgesetze: Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. (Gal. 6, 7).

Mit seinem Auftreten auf der Weltbühne wird also eine Epoche des Blutvergießens, des Militarismus, der Kriege, der Gewalttätigkeiten, der militanten Streiks, der Bürgerkriege und anderer blutiger Auseinandersetzungen, wie des Terrorismus u. s. w. eingeleitet, die weltweite Ausmaße annehmen oder zumindest die ganze Welt beeinträchtigen. Es wird in einem so großen Umfang sein, wie es die Welt bis dahin weder gehört noch gesehen hat.

Satan, der Urheber alles Bösen, läßt es von nun an nicht mehr mit antichristlichen Ideen und Parolen bewenden, sondern er stürzt sich selbst mit aller Macht auf das politische Leben der Völker und sucht die militärischen Weltmächte gegeneinander auszuspielen. Außerdem versucht er jetzt die vom ersten Reiter übernommene gottlose Ideologie auf grausamste Art und Weise kriegerisch und revolutionär durch Volksaufstände und dergleichen zu verwirklichen.

Alsdann merken wir uns die Zeit der Öffnung dieses Siegels. Anhand des prophetischen Wortes und der zeitgeschichtlichen Ereignisse kann wohl mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, daß die Öffnung des zweiten Siegels den Ersten Weltkrieg eingeleitet hat, der dann am 1. August 1914, um 19 Uhr abends, mit der Kriegserklärung Deutschlands an Rußland seinen unglücksvollen Anfang genommen hat. Damit begann ein Gottesgericht über die Nationen und Völker der Erde, das plötzlich und unerwartet hereingebrochen ist.

Der Erste Weltkrieg hat zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die ganze Welt in Mitleidenschaft gezogen und kann daher mit Recht "Weltkrieg" genannt werden. Als Weltkrieg wurde von Zeitgenossen bereits der Befreiungskrieg von 1813-15 bezeichnet, der jedoch keinesfalls diese Ausmaße hatte. Demzufolge ist es so gut wie sicher, daß ein weltweiter Krieg, wie er durch den zweiten Reiter entfesselt wurde, kein anderer als der Erste Weltkrieg sein kann.

Mehrere Gründe sprechen also dafür, daß es sich hier bei der kurzen Beschreibung des zweiten Siegelgerichtes nur um den Ersten Weltkrieg handeln kann. Denn der Krieg, den dieser Reiter auslöst, ist die erste Gerichtshandlung mit Blutvergießen, die die ganze Welt angeht, und die eine Auswirkung der falschen Lehre des Humanismus darstellt. Außerdem sieht die Heilige Schrift den Krieg immer als ein entsetzliches Gericht über die sündige und unbußfertige Menschheit, deren Gesinnung von Gott abgewandt ist. Durch die satanische Verblendung, die durch den ersten Reiter herbeigeführt wurde, ist Gott aus dem Sinn der Menschen verdrängt worden. Durch das sündhafte Verhalten wurde die Menschheit nun gerichtsreif; denn immer dann, wenn das Sündenmaß eines Volkes voll war, ließ Gott als Strafe die furchtbare Kriegsgeißel über dasselbe hereinbrechen.

Zum Ersten Weltkrieg kam es in einer durch Imperialismus, Nationalismus und Rivalitäten zwischen den Mächten gekennzeichneten Situation, die jederzeit zur Katastrophe führen konnte. Jedoch begann kein Staat den Krieg auf Grund eines Offensivbündnisses oder mit konkreten Eroberungsabsichten. Unmittelbarer Anlaß dieses Krieges war die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, des österreichisch-ungarischen Thronfolgers, und seiner Gemahlin in Sarajewo am 28. Juni 1914 durch ein Attentat großserbischer Nationalisten. Österreich-Ungarn machte Serbien verantwortlich und stellte dann mit deutscher Rückendeckung ein Ultimatum, das jedoch abgelehnt wurde. Die nun unmittelbar darauf erfolgte österreichisch-ungarische Kriegserklärung an Serbien vom 28. Juli 1914 bewog Rußland zur Mobilmachung, woraufhin Deutschland am 1. August 1914 zunächst diesem Land den Krieg erklärte.

Die weltweiten Auswirkungen dieses Krieges sind gerade daran zu erkennen, daß neben fast allen europäischen Staaten auch Länder wie Japan im Jahre 1914, die U.S.A., China und Brasilien und andere im Jahre 1917 und schließlich noch eine Reihe kleinerer, mittelamerikanischer Staaten im Jahre 1918 in den Krieg eintraten. Durch die deutschen Kolonien in Afrika war auch dieser Erdteil neben Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika und Asien in die kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt. Außerdem kämpften Soldaten aus Kanada, Australien und Neuseeland an der Seite der Engländer und besetzten auch Samoa und andere deutsche Schutzgebiete in Asien. Beispielsweise sogar Siam (das heutige Thailand) erklärte Deutschland den Krieg und sandte ein Expeditionskorps nach Europa. Somit war jeder Erdteil in das kriegerische Geschehen einbezogen, zum ersten Male in der Geschichte.

Es war fürwahr ein großes Schwert, das tötend über die Erde geschwungen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg, der am 11. November 1918 mit der Kapitulation Deutschlands endete, wurde eine erste Bilanz des Schreckens veröffentlicht. An den Kämpfen hatten auf seiten der Mittelmächte (Deutschland, Österreich, die Türkei und Bulgarien) ungefähr 24,2 Millionen Soldaten teilgenommen, auf seiten der Alliierten mehr als 42,4 Millionen. Somit standen also insgesamt über 66,6 Millionen Mann unter Waffen, eine beachtliche Zahl für damalige Verhältnisse. Von diesen wurden fast 11 Millionen getötet und mindestens 21 Millionen verwundet. Dazu kamen von der Zivilbevölkerung Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen, die während der Kampfhandlungen ums Leben kamen oder durch Seuchen dahingerafft wurden, welche dem Kriege auf dem Fuße folgten.

So forderte dann beispielsweise der Ausbruch einer furchtbaren Grippe-Epidemie im Frühsommer des Jahres 1918, der sogenannten Spanischen Grippe, mehr als 20 Millionen Todesopfer. (nach: "New York Times" vom 22.-23. März 1997).

Ein Dichter hat das grausame Geschehen mit diesen Worten beschrieben:

Fürst Satan aus dem Abgrund stieg, das Gifthorn an der Seite:
"Ihr Völker, sammelt euch zum Krieg!" klang's schmetternd durch die Weite.
Elektrisch wirkte das Signal: "Für Weib und Kind und Ehre!"
Bald schaut der Himmel trüb' und fahl auf Millionenheere.
Mit Donner, Krachen, Rauch und Knall beginnt das wilde Jagen:
Wo trutzig stand ein Mauerwall, geschwärzte Trümmer ragen.
Viel tausend Rosen blutigrot auf Feld und Fluren sprießen:
Die Ernte läßt sich Schnitter Tod in keinem Fall verdrießen. -
Auch Engel schweben ungeseh'n durch diese Schmerzensstätten,
Sanft die im Glauben Sterbenden an ihre Brust zu betten.
Auch wer im letzten Augenblick begehrt' noch Schächersgnade,
Den tragen sie in hohem Glück hinauf zum Lichtgestade. -

Doch grausig Hohngelächter gellt aus finstern Höllenschlünden:
"Gekreuzigter, du kamst zur Welt, dein Feuer anzuzünden,"
"Nun brennt das meine lichterloh, genährt von bittrem Hasse,"
"In kurzem dient mir willensfroh die ganze Völkermasse."
So höhnt der Grimm des Riesen nur, weil's Urteil ihm gesprochen;
Minuten noch an Gottes Uhr, so ist sein Arm zerbrochen.
Sein Machtbereich ist abgegrenzt und seines Wütens Länge.
Hinweg, o Furcht! - Ein Stern erglänzt hoch über dem Gedränge:
Das erste Wort, das letzte Wort: Es kommt aus Gottes Munde.
Ihr Gläub'gen rühmt ihn hier und dort, lobt ihn zu dieser Stunde!
K. V. - 1916

Dieser Erste Weltkrieg, der zunächst hauptsächlich auf Europa begrenzt war, führte dann allerdings bald zum Eintritt der U.S.A. in die Weltpolitik und kurz darauf zur bolschewistischen Revolution in Rußland. Gleichfalls bedeutsam für die Welt war die religiöse Irreführung durch falsche Marienerscheinungen im selben Jahre und die Erklärung Englands zur Förderung der Bemühungen um eine Heimstätte für die Juden in dem Lande ihrer Väter.

Am 6. April 1917 erfolgte damals die Kriegserklärung der U.S.A. an Deutschland. Der Eintritt der U.S.A. war zweifellos entscheidend für den Ausgang des Krieges. Dadurch traten die U.S.A. zum ersten Mal außerhalb Amerikas in einen Krieg ein, der die spätere Rolle der U.S.A. als führende Weltmacht und finanzkräftiges erstes Gläubigerland der Welt begründete.

Am 13. Mai 1917, einem Sonntag, war die erste Erscheinung des Engels des Lichtes in der Nähe von Fatima, der Weissagungen über die Endzeit machte. Das Attentat auf den jetzigen Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 um 17.17 Uhr erfolgte genau am 64. Jahrestag dieser ersten von sechs Erscheinungen. Man beachte deshalb diese Zahl. Es war außerdem zehn mal sechs plus vier Jahre danach, ebenfalls eines Menschen Zahl. Die Uhrzeit kann ebenso ein Hinweis auf das Jahr darstellen.

Am 2. November 1917 wurde durch eine Erklärung des Lord Balfour, englischer Außenminister, die Förderung der Bemühungen um eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, dem Land ihrer Väter, zugesagt. Durch den zwanzig Jahre vorher unter dem Vorsitz von Dr. Theodor Herzl abgehaltenen ersten Zionistenkongreß in Basel und die dort erfolgte Gründung des Zionismus wurde nun dieser Erfolg nach langen Bemühungen ermöglicht.

Am 6./7. November 1917 fand in Rußland die Oktober-Revolution statt, nach dem orthodoxen Kalender am 24./25. Oktober. Durch die Machtergreifung der Kommunisten wurde dort eine furchtbare Schreckensherrschaft eingeführt, die dann auch durch revolutionäre Volksaufstände und blutige Bürgerkriege auf andere Länder übergriff. Insgesamt sollen dadurch bis heute in der ganzen Welt etwa 66 Millionen Menschen umgekommen sein.

Am 11. Dezember 1917 sodann wurde Jerusalem durch den englischen General, später Viscount, Edmund Allenby (1861-1936) erobert. Der Angriff der Engländer hatte am 31. Oktober 1917 begonnen, genau vierhundert Jahre nach der Reformation. Während des jüdischen Chanukkafestes, dem Fest der Tempelweihe am 25. Kislew (1. Makk. 4, 36-59; 2. Makk. 10, 1-8 und Joh. 10, 22), zog General Allenby an der Spitze seiner Armee in Jerusalem ein. Bald darauf war das ganze Land von der türkischen Herrschaft befreit und kam nun unter englische Militärverwaltung. Die türkische Herrschaft währte ebenfalls vierhundert Jahre, denn im Jahre 1517 hatten die Ottomanen auch Jerusalem erobert.

Im Jahre 1917 wurde außerdem durch die Abschaffung des sogenannten Jesuitengesetzes das unter Bismarck eingeführte Niederlassungsverbot für die Jesuiten in Deutschland aufgehoben. Mit dem Erlaß des "Kanzelparagraphen" gegen angeblich den öffentlichen Frieden gefährdende Predigten hatte am 10. Dezember 1871 die als Kulturkampf bezeichnete Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Staat und der römisch-katholischen Kirche begonnen. Die von dem Reichskanzler, Fürst Otto von Bismarck (1.4.1815-30.7.1898), eingeleiteten Maßnahmen zur Vereinheitlichung des Deutschen Reiches führten zu Konflikten mit dem römisch-katholisch geprägten Zentrum im Reichstag, insbesondere nach der Verkündung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes. Als eine unmittelbare Folge davon war dann am 4. Juli 1872 ein Verbot des Jesuitenordens im Reichsgebiet durchgesetzt worden.

Somit kann der Erste Weltkrieg und insbesondere das Jahr 1917 als Beginn einer neuen Epoche gelten. Der Reiter auf dem feuerroten Pferd ist deshalb auch ein Symbol für den Sozialismus und Kommunismus, die in teuflischer Nachahmung des Blutes Jesu die rote Fahne zum Zeichen ihres antigöttlichen Kampfes erhoben haben. Nach einem Menschenalter von 70 Jahren nach Psalm 90, 10 ist nun dieser Angriff des Teufels kläglich gescheitert. Wie durch das Blut Jesu die Erlösung der Menschheit durch die Liebe Gottes erfolgt ist, so ist durch die rote Farbe des blutigen Kampfes der Sozialisten und Kommunisten das Elend über hunderte Millionen Menschen durch den Haß der Väter ihrer Ideologie gekommen.

Der Auftrag des zweiten Reiters lautet: ... den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten.Dieser Auftrag gilt bis heute und darüber hinaus. Das ist das Schlimmste, was den Bewohnern der Erde passieren konnte. Jeder einzelne weiß, wie wichtig der Friede für ihn persönlich ist. So ist denn der Friede eine göttliche Tugend und hat auf Grund der apostolischen Aussage eine beschützende und bewahrende Eigenschaft. Der Apostel Paulus hat in seinem Brief an die Gemeinde zu Philippi geschrieben: Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! (Phil. 4, 7).

Demnach ist es immer eine besondere Gnade, wenn Gott das Leben eines Menschen, eines Volkes, ja ebenso das ganzer Erdteile, mit seinem Frieden wie mit einer Mauer schützend umgibt. Aber wehe, wehe, wenn es dann doch anders kommt, und er seinen Frieden wegnehmen muß. Alsdann fällt damit auch jeder Schutz und der Entfesselung satanischer Grausamkeiten und mörderischer Haßgefühle sind fortan Tür und Tor weit geöffnet, so daß den Aasgeiern des Gerichtes die Möglichkeit gegeben ist, sich ungehindert und gnadenlos auf ihr schutzloses Opfer zu stürzen.

Ein erschütterndes Beispiel dafür bietet uns die Geschichte des Volkes Israel. Das Wort des Herrn erging an seinen Knecht, den Propheten Jeremia: ... denn ich habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, die Gnade und die Barmherzigkeit, spricht der Herr. (Jer. 16, 5) Gott sprach dann weiter: Darum will ich euch aus diesem Lande verstoßen in ein Land, von dem weder ihr noch eure Väter gewußt haben. (Jes. 16, 13).

Wenn Gott seinen Frieden von der Erde hinwegnimmt, dann kann der Mensch ihn durch nichts ersetzen. Das sehen wir an dem krampfhaften Bemühen und Ringen der Völker und Regierungen, den Frieden auf Erden zu sichern. Man verhandelt bald hier, bald dort, eine Konferenz jagt die andere. Man spricht von Frieden und Sicherheit; und denen, die diese Begriffe redend im Munde führen, ergeht es wie den Turmbauern zu Babel. Sie sprechen aneinander vorbei und gehen dann bitter klagend und enttäuscht von dannen, im anderen Falle schauen sie sich mit dem Lächeln der Auguren an: "Ich weiß Bescheid, du weißt Bescheid, uns allen macht's Vergnügen."

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde auf Betreiben von Thomas Woodrow Wilson (1856-1924), des 28. Präsidenten der U.S.A. von 1913-1921, am 28. April 1919 der Völkerbund gegründet, der dann am 8. April 1946 offiziell durch die UNO ersetzt wurde. Der Zweck dieser Institution sollte damals sein, den Frieden der Völker zu gewährleisten und ihre Zusammenarbeit zu fördern. Wohl ist die Bedeutung des Völkerbundes auf humanitärem Gebiet kaum bestritten; allerdings war er nicht imstande, den internationalen Frieden zu bewahren. Politisch völlig ohnmächtig erwies er sich leider gleich beim Beginn des Zweiten Weltkrieges, jedoch hat Gott auch dies als Gericht zugelassen.

Daraufhin wurde dann gegen Ende dieses Zweiten Weltkrieges die Organisation der Vereinten Nationen am 26. Juni 1945 in San Franzisko gegründet, die bei uns mehr nach der englischen Abkürzung UNO bekannt ist. Ihre Hauptziele sind, den Frieden auf der Grundlage der Gleichberechtigung und des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu sichern, die Durchsetzung der Menschenrechte zu fördern, außerdem die internationale Zusammenarbeit bei der Lösung wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und auch humanitärer Probleme zu verstärken. Von nun an sollten alle Konflikte durch Verhandlungen friedlich geregelt werden. Hingegen haben die Auseinandersetzungen seitdem immer zugenommen. Die Welt hat seit dem Ersten Weltkrieg bis zum heutigen Tage keinen dauerhaften Frieden mehr erlebt, denn in irgendeinem Teil der Erde war seither immer Krieg oder Bürgerkrieg.

So sind leider bisher alle menschlichen Versuche, den Frieden auf Erden zu retten, an dem kosmischen Eingriff des zweiten apokalyptischen Reiters auf dem feuerroten Pferde kläglich gescheitert, und sie werden auch in Zukunft ohne Erfolg bleiben. Wir erkennen daran, daß durch diesen Reiter tatsächlich bis jetzt der Friede von der Erde genommen worden ist. Was früher an zwischenmenschlichen Interessen und Konflikten lokal oder kontinental begrenzt war, hat seitdem weltweite Ausmaße angenommen. Dadurch sind die Bewohner der Erde genötigt, in globalen und kosmischen Vorstellungen zu denken und zu handeln.

Es ist deshalb nicht von ungefähr, daß in unserem Jahrhundert die bewaffneten Konflikte in erschreckendem Maße zugenommen haben. Dies ist gemäß dem furchtbaren Auftrag: ... daß sie sich untereinander erwürgten. Mit dieser betrüblichen Aussage wird uns die ganze Bosheit und mörderische Grausamkeit einer dämonisierten Menschheit geschildert. Die Völker erglühen im Haß und suchen einander im Kriegsjammer aufzureiben. Dieses endzeitliche Geschehen hat der Herr Jesus in einer geradezu erstaunlichen Klarheit schon seinen Jüngern vorausgesagt:

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; sehet zu und erschrecket nicht. Denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere, und werden sein teure Zeit und Erdbeben hin und her. Das alles aber ist der Anfang der Wehen. (Matth. 24, 4-8).
Man achte auf die Reihenfolge: Zuerst die Verführung, dann Kriege und Kriegsgeschrei. Bei Lukas heißt es dann noch etwas genauer: Denn solches muß zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da. (Luk. 21, 9).

Wie schon beim ersten Siegelgericht erwähnt, so sicherlich hier beim zweiten Siegelgericht wird es nun zweifellos umso klarer erkennbar, daß Gott die Menschen dahingegeben hat. Mehrere Hinweise gibt es dazu im Worte Gottes, jedoch seien nur einige Beispiele davon an dieser Stelle noch einmal wiederholt: So hab ich sie dahingegeben in die Verstocktheit ihres Herzens, daß sie wandeln nach eigenem Rat. (Psalm 81, 13). Aber Gott wandte sich ab und gab sie dahin, daß sie dienten dem Heer des Himmels. (Apg. 7, 42). Darum hat sie auch Gott dahingegeben in ihrer Herzen Gelüste. (Röm. 1, 24) Darum hat sie Gott auch dahingegeben in schändliche Lüste. (Röm. 1, 26). Und gleichwie sie es für nichts geachtet haben, daß sie Gott erkannten, hat sie auch Gott dahingegeben in verworfenen Sinn, zu tun, was nicht taugt. (Röm. 1, 28).

Für das Wort "dahingegeben" heißt es im Griechischen: paredooken = paredwken. Wenn im Altertum der griechische Richter jemanden zum Tode oder zu einer schweren Strafe verurteilen mußte - so wird berichtet - war das letzte Wort in seiner abschließenden Urteilsverkündung - ohne Plädoyer: paredooken. Damit beauftragte er den Scharfrichter, das Urteil an dem Verurteilten zu vollstrecken. So steht auch unsere Generation unter dem Gottesurteil: paredooken, d. h. dahingegeben zur Aburteilung.

Die Kriegsausrüstung des Reiters auf dem feuerroten Pferde wird nun auch genau bezeichnet: ... und ihm ward ein großes Schwert gegeben. Das Schwert ist immer das Symbol für Krieg, Mord und gewaltsames Töten. Nach dem griechischen Urtext ist das kein gewöhnliches Kriegsschwert (= romphaia = romjaia), sondern es ist ein selteneres: machaira megalé = macaira megalh, das heißt: ein großes, gekrümmtes Schwert. Damit wird dann sogleich die Größe und das Ausmaß dieser Gerichtshandlung angedeutet. Im diesem 20. Jahrhundert wurden mehr Menschen getötet als in all den Jahrhunderten vorher. Allein in den letzten etwa 70 Jahren starben um die einhundert Millionen Menschen eines gewaltsamen Todes durch Kriegseinwirkungen, Rassenhaß, Aufruhr, Revolutionen und ideologischen Säuberungen.

So war auch der Erste Weltkrieg von 1914-1918 und seine Folgen eine schreckliche Heimsuchung Gottes für die Völker Europas und die der ganzen Welt. Zu den überaus furchtbaren Opfern an Menschenleben kamen dann auch noch die geradezu erschreckenden Verwüstungen von Hab und Gut und teilweise sogar der Verlust der angestammten Heimat, denn Deutschland allein mußte kriegsbedingt etwa ein Achtel seiner Fläche an die Nachbarländer abtreten. Durch die politische Unsicherheit und die wirtschaftliche Not nach dem Kriege entstand dann weiteres Elend.

Die damals seinen Jüngern gemachte Aussage unseres Herrn Jesus Christus hat sich aber gerade in dem ereignisreichen Geschehen der nachfolgenden Jahrzehnte als überaus richtig erwiesen: Das alles aber ist der Anfang der Wehen. (Matth. 24, 8). Der Apostel Paulus bestätigt: Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, dann wird sie das Verderben schnell überfallen gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. (1. Thess. 5, 3).

Das Buch: "Die Zukunft der Welt und der Gemeinde Jesu Christi" von Samuel Limbach, eigentlich ein Büchlein, das in 2. Auflage im September 1919 im Verlag des Evangelischen Vereins Kaiserslautern erschienen ist, enthält eine wichtige Bestätigung dieser Erkenntnis. Dieses Büchlein war 10 Jahre zuvor, also 1909 und damit noch vor dem Ersten Weltkrieg zuerst erschienen. Auf Seite 22 erklärt dieser Verfasser in einem Nachtrag zur 2. Auflage:

Seither ist nun der ungeheure Weltkrieg über die Menschheit
hereingebrochen und hat über vier Jahre getobt. Er stellt den
vom Herrn geweissagten Fortschritt dar (Matth. 24, 6 u. 7)
von gewöhnlichen Kriegen und Kriegsgerüchten zum all-
gemeinen Weltbrand, in den Volk auf Volk hineingezogen
wird, und der die Weltteurung und Weltseuche in seinem
Gefolge hat, untermischt mit allerlei Naturkatastrophen.

Damit sind die sogenannten vier apokalyptischen Reiter in
Erscheinung getreten (Offenb. 6) und durchstürmen die Welt als
"Anfang der Not" (Matth. 24, 8). Die Endzeit, von der allerdings
niemand sagen kann, wie lange sie sich hinzieht, hat damit
offenkundig ihren Anfang genommen.

Soweit also die Worte von Samuel Limbach, der bereits damals diese Zusammenhänge im prophetischen Wort erkennen durfte, die wir im Nachhinein leichter beurteilen können.

Daraufhin wurde dann das dritte Siegel geöffnet, wie wir jetzt sehen werden:

Und da es das dritte Siegel auftat, hörte ich die dritte Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme unter den vier Gestalten sagen: Ein Pfund Weizen um ein Silberstück und drei Pfund Gerste um ein Silberstück; aber Öl und Wein taste nicht an! (Offb. 6, 5-6)

Das dritte Siegel gehört mit in den großen Rahmen der Schreckensgerichte, die durch die vier apokalyptischen Reiter über die ganze Erde gekommen sind. Es ist eine unmittelbare Fortsetzung der unblutigen (weißes Pferd) ideologischen und politischen Ereignisse in der Folge des ersten Reiters und der nun dadurch heraufbeschworenen blutigen (rotes Pferd) kriegerischen und revolutionären Auseinandersetzungen des zweiten Reiters.

Zunächst achten wir auf die endzeitliche Bedeutung dieses Siegelgerichtes, alsdann auf den Zeitpunkt der Öffnung des dritten Siegels. Die Waage und die angegebenen Preise bedeuten ohne Zweifel eine wirtschaftliche Not, die zwar allhier durch den dritten Reiter ausgelöst worden ist, jedoch sicherlich erst durch die Auswirkungen der beiden vorhergehenden Reiter möglich wurde. Mit dem Öffnen des dritten Siegels ist also eine große und schmerzliche Krisenzeit auf wirtschaftlicher und sozialer wie auch finanzieller Ebene eingeleitet worden, die einen weltweiten Charakter hatte und noch hat. Wie seine beiden Vorgänger, so ist auch dieses schwarze Pferd noch unermüdlich auf der Erde unterwegs und schlägt bald hier und bald da zu. Wo immer sich dann, auf Grund der von ihm jeweils vorgefundenen Umstände, die geringste Möglichkeit einer galoppierenden Inflation oder einer Hungerskatastrophe ergibt, da ist er sofort zur Stelle.

Wenn wir die logische Reihenfolge der hier angekündigten Gerichtsschrecken mit den bereits vorher stattgefundenen apokalyptischen Ereignissen auf weltpolitischer Ebene vergleichen, dann können wir mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die Öffnung des dritten Siegels gegen Ende des Ersten Weltkrieges vorgenommen wurde. Wir ersehen es dann daran, daß der dritte Reiter auf dem schwarzen Pferde ein wohl deutliches Symbol der großen Hungersnot und der enormen Inflation ist, die dem Ersten Weltkrieg von 1914-1918 auf dem Fuße folgte. Ein mögliches Datum für die Öffnung des dritten Siegels wäre demnach der 1. Februar 1917, an dem damals Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg erklärte, da sich nun eine große Hungersnot dort ausbreitete.

Die ältere Generation wird sich noch genau an die Lebensweise der alsdann von diesem Gericht betroffenen Völker und Gebiete erinnern, oder sie hat uns oder unseren Eltern schon gelegentlich im Laufe der Jahre davon erzählt. Mitte 1916 erfolgte nämlich die Einführung der Lebensmittelrationierung in Deutschland infolge der alliierten Blockade. Damit zeichnete sich bereits eine große Hungersnot ab, die sich in Deutschland zunächst bis zum Jahre 1933 auswirkte. Rußland und China jedoch waren von dieser Katastrophe wohl am meisten betroffen. In diesen beiden Ländern allein sind viele Millionen Menschen nach dem Kriege verhungert.

Das besondere Merkmal dieses dritten Siegelgerichtes ist also das schwarze Pferd. Die schwarze Farbe des Pferdes ist das Symbol des Hungers, der Not, der Teuerung, also der Inflation und der Trauer. Mit seinem Auftreten begann zweifellos eine die ganze Welt beeinträchtigende Hungersnot, verbunden mit einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, die als eine naturnotwendige Folgeerscheinung des Ersten Weltkrieges mit seinen verheerenden Zerstörungen anzusehen ist. Der Reiter ist wiederum der für dieses Siegelgericht bestimmte höllische Dämon, wie auch seine beiden Vorgänger in ihrer jeweiligen Zeit auch nichts anderes waren. Alle vier Reiter sind also ohne Ausnahme gefallene Engel. Es sind immer Dämonen aus der Hölle, die Gott nur dazu bestimmt hat, das betreffende Gericht über die gottlose, sündige und unbußfertige Menschheit auszuführen.

Denn alles wird auf Erden von überintelligenten Wesen kosmisch gesteuert und dirigiert, zumal in den verschiedenen Schichten des Lufthimmels ein hochorganisiertes Regierungssystem existiert. Von dort bekommen die Staatsmänner auf Erden ihre Befehle, wenn sie sich diesen Mächten zuvor voll und ganz ausgeliefert haben. Dabei erfüllen sie dann ihre Aufgaben nur noch als Marionetten derselben, ohne es jedoch zu wissen oder zu ahnen. Der Apostel Paulus bestätigt das in seinem Brief an die Gemeinde zu Ephesus: ... nach dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. (Eph. 2, 2).

Dieser Reiter aus der Hölle ist also darauf aus, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse auf Erden zu stören und möglichst zu ruinieren, sowie die Hungergeißel über diese gerichtsreife Menschheit zu schwingen. Die Waage in seiner Hand ist das Symbol der Hungersnot und Rationierung der Lebensmittel, ja, sie ist das Zeichen des Kaufens und Verkaufens und der Sicherung der Nahrungsmittel sowie des Handels und der Wirtschaft schlechthin.

Die Aufgabe dieses Reiters ist zunächst eine Rationierung der Lebensmittel durchzuführen. Denn überall dort, wo die Heilige Schrift vom Wiegen des täglichen Brotbedarfes redet, deutet das auf eine große Teuerung und Hungersnot hin. Für den Fall des Ungehorsams droht Gott neben anderen Strafen seinem Volke auch die Hungersnot an: Dann will ich euch den Vorrat an Brot verderben; zehn Frauen sollen euer Brot in einem Ofen backen, und euer Brot soll man euch nach Gewicht zuteilen, und wenn ihr eßt, sollt ihr nicht satt werden. (3. Mose 26, 26).

Im Blick auf die Belagerung Jerusalems läßt Gott durch den Propheten Hesekiel deren Bewohnern verkünden: Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, siehe, ich will den Vorrat an Brot in Jerusalem wegnehmen, daß sie das Brot abgewogen essen müssen und mit Kummer, und das Wasser abgemesssen trinken müssen und mit Schaudern, damit sie an Brot und Wasser Mangel leiden und sie, einer wie der andere, erschaudern und in ihrer Schuld verschmachten sollen. (Hes. 4, 16-17).

Wir alle sollten uns immer wieder daran erinnern, daß nur Gott allein über den Vorrat des täglichen Brotbedarfes verfügt. Bei jeder Mahlzeit sollten wir uns beim Tischgebet dessen bewußt sein: Es warten alle auf dich, daß du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust. so werden sie mit Gutem gesättigt. Verbirgst du dein Angesicht, so erschrekken sie; nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub. (Psalm 104, 27-29).

So hat nun auch der Reiter auf dem schwarzen Pferd über Maß und Gewicht der in Frage kommenden Zuteilung der Lebensmittel zu entscheiden. Nach welcher Art und Weise sodann die Versorgung der hungernden Bevölkerung geschieht, wird uns hier beispielhaft an zwei Getreidearten gezeigt: Ein Chönix Weizen für einen Denar, und drei Chönix Gerste für einen Denar. (Elbf.). Im Lexikon zur Bibel wird dieses Maß so erklärt: In Offb. 6, 6 bezeichnet es die griech. Choinix, die rund 1,1 Liter (l) enthielt. In der Lutherbibel erklärt heißt es dazu dann noch: Das Brotgetreide, das jeder braucht, steigt auf den zwanzigfachen Preis.

Ein Maß Weizen als bessere Nahrung oder drei Maß Gerste mit geringerem Nährwert war im Altertum die klägliche Tagesration eines Sklaven. Im Matthäus-Evangelium wird uns im Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg berichtet: Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Silbergroschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. (Matth. 20, 2). Im Anhang der Lutherbibel erklärt steht nun dieser Hinweis: Für das Neue Testament gibt Matth. 20, 2 einen Anhaltspunkt zur Abschätzung der tatsächlichen Werte: Der "Silbergroschen" = 1 "Mark" ist der gewöhnliche Tageslohn eines Arbeiters!

Demnach hat der Reiter auf dem schwarzen Pferd die Aufgabe, den Bewohnern der Erde eine Sklaven- oder Hungerkost zu den im Himmel festgesetzten Preisen zuzuteilen. Nach obiger Rechnung kostet also eine knappe Tagesration notwendiger Nahrungsmittel den ganzen Tageslohn eines Arbeiters, wobei für die übrigen Belange der Familie nichts mehr übrigbleibt. Mit anderen Worten: Es ist nicht genug zum Leben, aber zuviel zum Sterben.

Für die anderen Bedürfnisse lautet dann in unserem Text die Anweisung an den Reiter: ... aber Öl und Wein taste nicht an!Öl und Wein sind eindeutig Luxusartikel und wurden in den beiden letzten großen Kriegen nicht so stark rationiert wie die anderen Lebensmittel. Das es Luxusartikel sind, wird uns auch in den Sprüchen Salomos bestätigt, wo es heißt: Wer gern in Freuden lebt, wird Mangel haben; und wer Wein und Salböl liebt, wird nicht reich. (Sprüche 21, 17). Die Erfahrung nach beiden Weltkriegen hat gezeigt, wer reich war und bezahlen konnte, der konnte sich trotzdem alles in Hülle und Fülle leisten. Wer finanziell dazu in der Lage war, dem stand dann auf dem "schwarzen Markt" alles das zur Verfügung, was der "schwarze Reiter" anderen vorenthalten hat.

Diese scheinbare Ungerechtigkeit hat schon Asaph, den Vorsteher der Sänger Davids (1. Chron. 16, 5) zum Nachdenken veranlaßt: Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten. Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, als ich sah, daß es den Gottlosen so gut ging. Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt. (Psalm 73, 2-5) Weiter bezeugt er dann nur etwas weiter: So sann ich nach, ob ich's begreifen könnte, aber es war mir zu schwer, bis ich ging in das Heiligtum Gottes und merkte ihr Ende. Ja, du stellst sie auf schlüpfrigen Grund und stürzest sie zu Boden. Wie werden sie so plötzlich zunichte! Sie gehen unter und nehmen ein Ende mit Schrecken. (Psalm 73, 16-19).

Oft wird nun an dieser Stelle der Einwand gemacht, in der christlichen Kirche gelten Öl und Wein immer als Sinnbilder heiliger Handlungen. Das Öl wird zum Beispiel als Symbol des Heiligen Geistes zur Salbung gebraucht, und der Wein wird als Symbol des Blutes und der Freude zur Feier des heiligen Abendmahles verwendet. Deshalb gibt es u. a. diese geistliche Deutung: Dagegen bleiben Öl und Wein unbeschädigt, das soll vielleicht bedeuten: Der Herr wird den Seinen auch in dieser Zeit von seinem Geist (Öl) und seinen Gaben (Wein) darreichen, was sie brauchen. Aber gerade hier an dieser Stelle würde es meines Erachtens eine ungerechtfertigte Gewaltanwendung sein, wenn man diese Aussage geistlich deuten wollte.

Beim letzten Abendmahl hat Jesus zum Abschied mit seinen Jüngern geredet: Und er sprach zu ihnen: Sooft ich euch ausgesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr auch je Mangel gehabt? Sie sprachen: Nie. (Luk. 22, 35). Diese Verheißung gilt auch für die Jünger von heute. Außerdem hilft in solchen Nöten eher die Anweisung des Jakobus, des Bruders des Herrn: Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester bloß wäre und Mangel hätte an der täglichen Nahrung und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gehet hin in Frieden! Wärmet euch und sättiget euch! ihr gäbet ihnen aber nicht, was dem Leibe not ist: was hülfe ihnen das? (Jak. 2, 15-16).

Andere Ausleger sind der Meinung, mit Öl und Wein könnten auch Medikamente gemeint sein. Sie denken dabei dann meistens an das Beispiel vom barmherzigen Samariter, das Jesus einem Schriftgelehrten erzählte, in dem es lebensnah heißt: Ein Samariter aber reiste und kam dahin; und da er ihn sah, jammerte ihn sein, ging zu ihm, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in eine Herberge und pflegte sein. (Luk. 10, 33-34). Hierbei ist jedoch zu bedenken, daß die Hungersnot gar erst am Ende des Krieges einsetzte und daß Medikamente gleichfalls als Mangelware galten. Oftmals hatte man schon während des Krieges gar keine Betäubungsmittel mehr zur Verfügung, um notwendige Amputationen und andere Operationen vorzunehmen. Damals gab es als Verbandsstoff auch keine Mullbinden aus Baumwolle mehr, sondern man hatte nur noch Verbandsmaterial aus Zellstoff, eine Art Papier, in den Lazaretten.

Es ist wohl eine geschichtliche Tatsache, daß nach dem Ersten Weltkrieg von den Schrecken dieses dritten Reiters fast alle Kulturstaaten auf weltweiter Ebene empfindlich heimgesucht wurden. Es war dies auch das allererste Mal in der Geschichte der Menschheit, daß eine solche Katastrophe weltweiten Charakter angenommen hat. Diese weltweite Hungersnot wurde durch die Folgen des zweiten Reiters auf dem feuerroten Pferd während und nach dem Ersten Weltkrieg ausgelöst, und zwar durch: das Brachliegen der Felder infolge Kriegsdienst, Kriegszerstörungen, Flüchtlingselend, die Blockade der Alliierten, der von Deutschland erklärte U-Boot-Krieg, Trockenheit und Dürre, Mißernten, Inflation, Arbeitslosigkeit, politische Unruhen und Revolutionen. Da dieser Reiter weitergaloppierte, war es so ähnlich nach dem Zweiten Weltkrieg. Beispielsweise bekamen die Berliner Anfang 1947 weniger als 1000 Kalorien, in Hamburg gab es 800 und in Essen nur noch 740 Kalorien täglich.

Der Hunger ist auf Grund seiner schleichenden, langsam tötenden Eigenschaft die größte und schrecklichste Qual. Darum sind auch die meisten Menschen, die davon betroffen werden, in ihrer Verzweiflung zu den größten Verbrechen fähig, wie z. B.: Korruption, Unterschlagung, Diebstahl, Raub, Verrat, Mord u.s.w.. In den Klageliedern Jeremias ist dieses Wort zu lesen: Die vom Schwert Erschlagenen sind glücklicher als die vom Hunger Getöteten, welche hinschmachten, durchbohrt vom Mangel an Früchten des Feldes. (Kagel. 4, 9 - Elbf.)

Obwohl wir hier in Europa augenblicklich wohl recht wenig davon merken, so verhungern doch auch in unserer Zeit Millionen von Menschen in anderen Erdteilen. Die Worte Jesu über unsere Zeit bestätigen dies: ... es werden Hungersnöte ... sein ... an verschiedenen Orten. (Matth. 24, 7). Es gibt sicherlich heute über eine Milliarde Menschen, die unterernährt sind. Die meisten davon sterben schon als Kinder, wie uns sooft in den Nachrichten gesagt und gezeigt wird. Im Unicef-Bericht 1998 zur Lage der Kinder in der Welt wird nun beklagt, daß in den Entwicklungsländern sogar jährlich zwölf Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben, und in 55 Prozent der Fälle ist ganz eindeutig Ernährungsmangel die direkte oder indirekte Ursache.

Bei uns ist es allerdings genau umgekehrt, unzählige Kinder in den Schulen werfen ihre Pausenbrote einfach weg. Deren Eltern machen es zu Hause auch nicht anders, man lebt ja schließlich im Überfluß und kann sich das gut leisten. Leider wird sich diese schreckliche Ungerechtigkeit bis zur Wiederkunft Jesu Christi in Herrlichkeit sicherlich kaum ändern. Gerade weil das so ist und wir das wissen, sollten wir nicht nur für uns unaufhörlich beten: Unser täglich Brot gib uns heute. (Matth. 6, 11).

Oder, wie es ein Dichter in so schönen Worten gefaßt hat:

Bescher' uns, Herr, das täglich Brot,
Vor Teurung und vor Hungersnot
Behüt' uns durch dein' lieben Sohn,
Gott, Vater, in dem höchsten Thron.

So kommen wir jetzt dazu, das vierte Siegel zu betrachten, das nicht lange danach ebenfalls geöffnet wurde:

Und da es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme der vierten Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, des Name hieß Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen ward Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und Hunger und Tod und durch die wilden Tiere auf Erden. (Offb. 6, 7-8).

Beim Öffnen des vierten Siegels erscheint ein Todesreiter auf einem fahlen Pferd. "Fahl" ist im Griechischen: clwroV = chloros, von dem unser Wort Chlor abgeleitet ist. Fahl oder grünlich-bleich (wie manche übersetzen) ist die Leichenfarbe. Das Wort kann sich auch auf "leichenblaß" als Farbe der Krankheit beziehen, so im Gegensatz zur gesunden Farbe (vgl. unseren Ausdruck "er sieht ganz grün aus", womit blaßgrün gemeint ist). In der griechischen klassischen Literatur wird mit dem Wort: clwroV = chloros jedenfalls ebenso die Totenblässe, ja, die Farbe einer Leiche bezeichnet. Allerdings wird jedoch in Offb. 8, 7 und 9, 4 auch das Eigenschaftswort (= Adjektiv): clwron = chloron mit "grün" übersetzt; es geht da aber vielmehr um die lichtgrüne Farbe der jungen Vegetation.

Wie seine Vorgänger, so erhält auch dieser vierte Reiter eine besondere Aufgabe und dann gleichfalls die nötige Vollmacht dazu: Und ihm wurde Gewalt gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Tod und durch die wilden Tiere der Erde. (Elbf.) Im Luthertext von 1914 heißt es hier etwas undeutlicher: Und ihnen ward Macht gegeben zu töten den vierten Teil auf der Erde mit dem Schwert und Hunger und mit dem Tod und durch die Tiere auf Erden.

Mit diesen Worten wird zweifellos wiederum sehr deutlich ein ganz großer Krieg beschrieben, allerdings wird hier keineswegs gesagt, daß ein Viertel der Erdbewohner dabei getötet wird. Vom früheren Luthertext her konnte man jedoch durchaus dieser Meinung sein, was aber nicht richtig ist. Im Konkordanten Neuen Testament lautet die genauere Übersetzung:... und ihnen wurde Vollmacht über den vierten Teil der Erde gegeben, zu töten durch die Klinge. Demnach ist also diese äußerst wichtige Aussage keinesfalls ethnographisch (= völkisch), sondern unbedingt nur geographisch (= flächenmäßig) zu verstehen.

Eine sorgfältige Überprüfung der verschiedenen Kriegsberichte und Landkarten hat nun ergeben, daß im Zweiten Weltkrieg tatsächlich über den vierten Teil der Welt Kriegshandlungen stattgefunden haben. Wenn man allerdings so auf einem Globus oder einer Weltkarte die Gebiete aller 47 Staaten betrachtet, die in diesen Krieg irgendwie verwickelt waren, dann war fast die ganze Welt davon betroffen. Hierbei muß man jedoch berücksichtigen, daß mehrere kriegführende Länder zwar einen großen Raum einnehmen, auf ihrem Hoheitsgebiet aber keine oder nur geringfügige Kampfhandlungen stattgefunden haben. Zu diesen gehören zum Beispiel das ganze Gebiet der U.S.A. (also 48 Staaten, denn nur Hawaii wurde angegriffen), Kanada, Australien, ganz Mittel- und Südamerika und auch der größte Teil von Afrika.

Wenn man jedoch von diesen kaum kriegsbeteiligten Gebieten absieht, dann umfaßte der eigentliche Kriegsschauplatz auf dem Lande nur ungefähr ein Sechstel der Erdoberfläche, also wesentlich weniger als ein Viertel der Welt. Dazu muß man dann allerdings noch die Meeresflächen rechnen, die nun in besonderer Weise von diesem Krieg betroffen waren. Zu diesen zählt zum Beispiel der Nordatlantik als Operationsbereich der deutschen U-Boot-Flotte. Das Ergebnis ist dann wiederum erstaunlich, denn wir werden feststellen, daß die Länder- und Meeresflächen, auf denen im Zweiten Weltkrieg tatsächlich gekämpft wurde, genau den vierten Teil der Erde ausmachen.

Dr. P. de Benoit bestätigte diese Ansicht bereits damals in seinem Buch: "Was der Geist den Gemeinden sagt", Verlag "Emmaus", Vennes s. Lausanne, das gemäß dem Vorwort des Verfassers schon am 20. Januar 1941 in Druck gegeben wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Krieg kaum begonnen und die wesentlichen Kampfhandlungen waren dazu begrenzt auf diese Länder: Großbritannien, Polen (ab Sept. 1939), Dänemark und Norwegen (ab April 1940), Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg (ab 10. Mai 1940). Jedenfalls war der Zweite Weltkrieg in jenen Tagen der relativen Ruhe als solcher noch gar nicht zu erkennen, denn die globale Ausweitung desselben erfolgte erst im Laufe des Jahres 1941. Trotzdem hat Dr. P. Benoit schon seinerzeit diese bemerkenswerte Erkenntnis niederschreiben können, die auf Seite 47 seines Buches heute nachzulesen ist: Wenn Gott bei der Eröffnung des vierten Siegels erlaubt, daß sich der Tod über den vierten Teil der Erde ausbreite, so will das wohl nicht unbedingt heißen, daß der vierte Teil der Menschen sterben werde. Aber Schwert, Hungersnöte, Epidemien und wilde Tiere werden ein Territorium heimsuchen, das größer sein wird als ganz Europa. Leider können wir uns nur zu gut einen derartigen Zustand vorstellen ... .

Auch hier an dieser Stelle sei nun wieder eine Bilanz des Schreckens angeführt, die durch den Reiter auf dem fahlen Pferd verursacht wurde. Im Zweiten Weltkrieg standen so über 110 Millionen Mann unter Waffen, davon wurden etwa 27 Millionen Soldaten im Kriegseinsatz getötet. Man nimmt an, daß fast 30 Millionen Zivilisten durch Kriegseinwirkungen starben. Diese kamen um bei Bombenangriffen, sind verhungert, wurden erschossen oder auch durch Seuchen dahingerafft. Insgesamt hat man also mindestens 56 Millionen Tote zu beklagen gehabt, dazu noch solche, die nur kurz nach dem Kriege bei der Vertreibung aus ihrer angestammten Heimat umgekommen sind. Laut statistischen Angaben starben in dieser Zeit sogar mehr als 60 Millionen Menschen, davon allein über 6 Millionen Juden, die bestialisch ermordet wurden. Außerdem sind auch noch ungefähr 35 Millionen Verletzte gezählt worden. Die vielen Gräber und Denkmäler erinnern überall daran, wieviel Tod und Elend diese wahnsinnigen und sonst doch sinnlosen Kriege verursachen.

Als Ganzes gesehen, war es fürwahr die bisher größte Todesernte aller Zeiten, die dieser schreckliche Reiter auf dem fahlen Pferd gefordert hat. Obwohl sie nur etwa 2,5 % der damaligen Weltbevölkerung von etwa 2,2 Milliarden Menschen betragen hat, war es aber erheblich mehr als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Zehnmal soviel wäre sodann der vierte Teil der Bevölkerung dieser Erde gewesen, was aber nicht der Fall war. Deshalb haben auch einige Ausleger hier den Zweiten Weltkrieg nicht berücksichtigt, da ihnen nach dem früheren Luthertext diese Möglichkeit nicht gegeben schien. Sie sind allerdings noch von falschen Voraussetzungen ausgegangen und haben daher mit einer größeren Zahl von Opfern gerechnet.

Es ist auch jetzt wieder angebracht, auf die tieferen Zusammenhänge der Siegelgerichte hinzuweisen. Durch die gottlose Ideologie des ersten Reiters wurden zunächst die geistlichen Voraussetzungen für das darauf folgende schreckliche Blutvergießen des zweiten Reiters geschaffen. In dessen Gefolge kam sodann der dritte Reiter mit furchtbarer Hungersnot, diese alle zusammen führten daraufhin zur grausamen Todesernte des Zweiten Weltkrieges. Nur elf Staaten oder Gebiete in der ganzen Welt waren durch ihre erklärte Neutralität nicht direkt in diesen Krieg verwickelt, obwohl sie auch nicht ganz unbeteiligt waren. Zu dieser Gruppe zählten dann: Afghanistan, Irland, Jemen, Liechtenstein, Nepal, Portugal, Schweden, die Schweiz, Spanien, Tangier und die Vatikanstadt. Kein Land war allerdings wirklich neutral, wie sich oft erst später herausstellte, sondern alle hatten wohl auf eine geschickte Art und Weise versucht, zumindest ihren eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

Die Schweiz diente beispielsweise als Umschlagplatz für das von Deutschland den Juden geraubte Gold, um dafür wichtige Kriegsgüter zu liefern. Außerdem wurden von dort Soldaten nach Rußland entsandt, die dann auf deutscher Seite als Sanitätskorps wichtige Hilfsdienste übernahmen. Schweden blieb so während des Zweiten Weltkrieges ebenfalls nach außen hin neutral, unterstützte die deutsche Kriegsführung aber unter anderem mit der Zulassung von Truppentransporten auf dem Landwege sowie die Lieferung von Eisenerz und Industrieprodukten für die Wehrmacht.

Die im Ersten Weltkrieg besiegten oder bei der Friedensregelung benachteiligten Großmächte Deutschland, Italien und Japan strebten verstärkt eine Revision der Ordnung von 1919/20 an. In Deutschland war der als äußerst ungerecht empfundene Friedensvertrag von Versailles nur unter der Drohung des alliierten Einmarsches angenommen worden und bewirkte daher keinen Frieden. Die bald darauf folgende Weltwirtschaftskrise (von 1929 bis 1933) ließ die Schwächen der alliierten Mächte U.S.A., Großbritannien und Frankreich offenkundig werden und führte außerdem wegen der damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland sodann zur Machtübernahme der Nationalsozialisten. Deren Führer Adolf Hitler beabsichtigte alsdann die schrittweise Ausweitung des geplanten Großdeutschen Reiches, gegebenenfalls auch durch militärische Angriffe. Ziel war zunächst die Schaffung von Lebensraum im Osten und dessen "Germanisierung" mit allen Mitteln.

So war der Boden bereitet für einen weiteren Krieg, der durch Kampfhandlungen gegenüber Polen am 1. September 1939 um 5.45 Uhr begann. Der Zündstoff dazu war schon durch die erwiesenermaßen unehrliche Friedensvereinbarung vorgegeben, welche die Kriegsschuld allein Deutschland zuschrieb. Dies diente zudem als Begründung für die maßlosen und teilweise unerfüllbaren Forderungen der Alliierten, die allseits große Erbitterung auslösten. Aus diesem Grunde kann so auch der Zweite Weltkrieg als eine direkte Folge des Ersten Weltkrieges betrachtet werden. Daran besteht jedenfalls kein Zweifel, wenn man die biblischen Zusammenhänge kennt. Im Blick auf die Siegelgerichte dauerten alle drei vorhergehenden Gerichte nicht nur weiterhin fort, sondern sie wiederholten sich dann auch geradezu bei der Öffnung des vierten Siegels mit noch ungewöhnlich vermehrter Schärfe und unter zusätzlicher Hinzuziehung weiterer Züchtigungen.

Im 3. Buch Mose (Leviticus = Buch der priesterlichen Ordnungen) sagt der Gott Israels: Wenn ihr mir aber auch dann noch nicht gehorcht, so will ich euch noch weiter strafen, siebenfältig, um eurer Sünden willen, daß ich euren Stolz und eure Halsstarrigkeit breche, und will euren Himmel wie Eisen und eure Erde wie Erz machen. Und eure Mühe und Arbeit soll verloren sein, daß euer Land sein Gewächs nicht gebe und die Bäume im Lande ihre Früchte nicht bringen. (3. Mose 26, 18-20). Alsdann beachte man das viermalige siebenfältig in 3. Mose 26, 18 + 21 + 24 + 28.

Entzieht sich das Volk seinem Gott, der es zur Gemeinschaft mit sich und zum umfassenden Segen berufen hat, dann begibt es sich unter den Fluch desselben Gottes, der darum in allen Stücken die Kehrseite des Segens bedeutet, bis hin zur schrecklichen Androhung: Ich werde an euch Ekel haben. (3. Mose 26, 30).

Nachdem gegen Ende des Ersten Weltkrieges durch die Oktober-Revolution von 1917 die kommunistische Machtergreifung in Rußland stattfand, dauerte es dennoch bis zum Jahre 1921 ehe der Bürgerkrieg dort beendet werden konnte. Die durch den Staatsstreich vom 28. Oktober 1922 in Italien herrschenden Faschisten konnten im Jahre 1926 die Macht dort vollständig übernehmen. Die nach dem Mißlingen des "Marsches zur Feldherrnhalle" am 9. November 1923 in München verbotenen Nationalsozialisten konnten ihrerseits trotzdem am 30. Januar 1933 in Deutschland die Macht ergreifen. Von da an dauerte der Aufstieg ihres Führers Adolf Hitler bis zum unangefochtenen Höhepunkt seiner Macht nach der Besetzung von Böhmen und Mähren im Frühjahr 1939 (mit genau 50 Jahren, bevor Kriegsausbruch, der wenige Monate später stattfand) genau sechs Jahre und sein Untergang von da an bis zu seinem Selbstmord am 30. April 1945 auch wiederum sechs Jahre.

Diese Machtergreifung der drei großen weltanschaulichen Diktaturen erfolgte im Vorfeld des vierten Siegelgerichtes. In dieser Zeit ist bereits das Tierprinzip, oder die Weltdiktatur auf dem Boden antichristlicher Ideologie, teilweise ausgereift und auch mit ihren gottlosen Begleiterscheinungen dann in einem großen Teil der Welt schon zum Durchbruch und zur Verwirklichung gekommen. Hierbei hat sich alsdann das Tier im Menschen, diese schreckliche Bestie teuflischen Ursprungs, wohl in seiner grausamsten Weise gezeigt. Daran konnte man damals schon erkennen, daß die Herrschaft der Kommunisten in Rußland, der Faschisten in Italien, der Nationalsozialisten in Deutschland, sowie auch der Imperialisten in Japan bereits ein untrügliches Beispiel war für die kommende Weltdiktatur des Antichristen. Durch mehrere zwischenstaatliche Abkommen, wie besonders den sogenannten Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939, waren nämlich die Interessensphären für die angestrebte Weltherrschaft dieser Diktaturen abgesteckt worden, sicherlich schon früher als zunächst gedacht.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begannen diese Diktaturen dann ihre Machtbereiche auszudehnen und wurden dabei nur durch die westlichen Demokratien spürbar eingeschränkt. Diese schlossen alsdann zur Bekämpfung der Hitler-Diktatur buchstäblich einen Pakt mit dem Teufel, indem sie sich mit Stalin verbündeten. Bereits im Kriege zeigte es sich, daß dieses Bündnis den Westmächten zum Verhängnis werden könnte. Nur durch Gottes Barmherzigkeit hat die Welt dann noch einmal eine Gnadenfrist bekommen, die in der heutigen Weltlage eindeutig zu erkennen ist.

Das vierte Siegel ist in seiner Eigenschaft eines der schrecklichsten Gerichte, von der die Bewohner der Erde heimgesucht werden konnten. Es gehört zur vollständigen Einheit der vier verschiedenen, sich gegenseitig ergänzenden Strafformen, die Gott zur Zeit großer Gerichte anwendet: Denn so spricht Gott der Herr: Wenn ich meine vier schweren Strafen, Schwert, Hunger, wilde Tiere und Pest, über Jerusalem schicken werde, um darin auszurotten Menschen und Vieh, siehe, so sollen einige übrigbleiben und davonkommen, die Söhne und Töchter herausbringen werden. (Hesekiel 14, 21-22).

Diese vier schweren Strafen Gottes beinhalten somit das Töten durch die vier doch sicherlich schrecklichsten Mittel, die Gott zum Gericht über die sündige und allzu verderbte Menschheit gebrauchen muß.
Als da sind zunächst:
a) Das Töten mit dem Schwert erfolgt durch Kriegseinwirkungen, Revolutionen, Massenhinrichtungen, ideologische Säuberungen und sofortigen Tod bei Naturkatastrophen und Schiffs-, Flugzeug-, Eisenbahn- und anderen Unfällen mit gleicher Wirkung, wie auch oft durch Herzinfarkte, die von den Betroffenen als einen Stich in die Brust empfunden werden.
b) Das Töten durch Hunger ist die unmittelbare Folge kriegerischer Verwüstungen und Zerstörungen, sowie ebenfalls von Naturkatastrophen wie Dürre, Hagelschlag und Überschwemmungen.
Dazu heißt es bereits im Lied des Mose: Vor Hunger sollen sie verschmachten und verzehrt werden vom Fieber und von jähem Tod. (5. Mose 32, 24).

Alsdann gehören noch dazu:
c) Das Töten durch Pest schließt heute auch die später in Kapitel 16 (Offb. 16, 2 + 11) genannten Geschwüre und Schwären mit ein, die im Luthertext von 1914 mit "böse und arge Drüse" bezeichnet sind. Diese Drüsen- oder Beulenseuche ist jetzt als bösartige Zellenwucherung oder Krebs bekannt, oft auch verursacht durch eine Überdosis radioaktiver Strahlen.
d) Das Töten durch wilde Tiere kann bestimmt auch das Töten durch menschliche Bestien mit einschließen. Da es aber zudem keine wilden Tiere im herkömmlichen Sinne mehr bei uns gibt, sollte man hierbei auch an Infektionskrankheiten denken, die doch durch verschiedene Erreger wie Bakterien, Bazillen, Viren und Mikroben verursacht werden. Zu diesen gehören sicherlich die besonders heimtückischen und gefährlichen Krankheiten: Diphtherie - Scharlach - Asiatische Grippe - Typhus - Pocken - Cholera - Tuberkulose - Ruhr - Kindbettfieber - Kinderlähmung - Gonorrhoe - Syphilis - der Aids-Erreger HIV (Humanes Immundefekt-Virus) - u. v. a..

Gott ließ jedoch auch noch Gnade walten in der medizinischen Forschung, indem es folgenden berühmten Ärzten gelingen durfte, durch Schutzimpfungen und Antibiotika die Krankheitserreger erfolgreich zu bekämpfen und sogar zum größten Teil gänzlich zu bannen:
Emil Adolph von Behring (15.3.1854-31.3.1917) - Robert Koch (11.12.1843-27.5. 1910) - Sir Alexander Fleming (6.8.1881-11.3.1955), Jonas Edward Salk (28.10. 1914-1995) - Carl Ludwig Schleich (1859-1922) - Ignaz Philipp Semmelweis (1.7. 1818-13.8.1865) - Rudolf Virchow (13.10.1821-5.9.1902) u. a..
Emil Adolph von Behring entwickelte im Jahre 1890 das Diphtherie-Heilserum und wurde deswegen im Jahre 1901 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet, dem ersten dieser Art überhaupt. Gleichzeitig wurde ihm vom deutschen Kaiser der Adelstitel "von" verliehen.

Trotz allem Fortschritt in der medizinischen Forschung ist es ihr leider nicht gelungen, den Tod aus der Welt zu schaffen. Er sitzt immer noch auf seinem hohen und erhabenen Thron und jedesmal, wenn er sein Zepter (= Herrscherstab) senkt, geht ein Menschenleben zu Ende. Früher war es uns oft noch so, als säße der Tod als einsamer Fischer am Lebensstrom der Menschheit, um bald diesen und bald jenen als Fang herauszuholen. Jedoch in den letzten Jahrzehnten dieser apokalyptischen (= endzeitlichen) Epoche haben wir es selbst miterlebt oder wenigstens davon in Berichten gehört und gesehen, wie er nun sein Schleppnetz in das große Völkermeer wirft und seine Beute nimmt und sie an das Gestade der Ewigkeit wirft.

Anhand allein der Beschreibung der Farbe dieses Pferdes haben wir gesehen, daß das vierte und letzte Pferd alle anderen Pferde an Grausamkeiten übertrifft. Dieses Merkmal des vierten Siegels gilt auch für den Reiter. Im Geiste sehen wir alsdann das schauerliche Gespenst des auf dem fahlen Pferd sitzenden Reiters, dessen Name hieß Tod. Nun ist dieser Todesreiter wohl nicht der Tod selbst, sondern vielmehr der grausame Würgengel, dessen furchtbare Aufgabe es war und ist, die Menschen meistens plötzlich zu töten. So rafft er die Bewohner der Erde auf verschiedene Art und Weise oft unversehens dahin, und zwar durch Krieg, Seuchen, andere Epidemien, Unfälle und sicherlich auch durch sofortigen Herzstillstand.

Als solcher wird diese gespenstische Gestalt unter dem Bild eines gewaltigen Herrschers dargestellt, der hoch zu Pferde sitzt und grausam mordend über die Erde reitet. Der Maler und Graphiker Albrecht Dürer (21.5.1471-6.4.1528) zeichnete ihn als Sensenmann, der über die Erde schreitet und seine schauerliche Ernte hält. Im Blick auf den Ernst dieser Tatsache sollte das Gebet des Mose, des Mannes Gottes, das als Psalmlied gegeben ist, mehr denn je von uns beachtet werden: Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. (Psalm 90, 12).

Ein weiteres Merkmal dieses vierten apokalyptischen Reiters auf dem fahlen Pferd ist seine geheimnisvolle Begleitung. ... und der Hades (Luther: Hölle) folgte ihm. (Elbf.). Hades bedeutet "Tiefe" und damit wird in der Bibel immer das Totenreich bezeichnet. Auf Grund dieser Aussage ist der Hades keine sagenhafte, illusionäre Welt, sondern vielmehr ein dunkler Totenbehälter, der seine Opfer unbarmherzig und gnadenlos verschlingt. Da nun aber das Totenreich ein irgendwo im Weltall oder sonstwo unter der Erde räumlich unbeweglicher Ort ist, so kann er demgemäß auch niemandem "nachfolgen". Darum können wir auch auf Grund unseres Textes nur annehmen, daß hier Legionen böser Geister am Werke sind. Ansonsten könnte es sein, daß ein Heer höllischer Dämonen aus dem Abgrund diesem schrecklichen Todesreiter nachfolgt, um tötend und würgend seine fürchterlichen und abscheulichen Befehle auszuführen. Von der Heilung des besessenen Geraseners berichtete Lukas, der Arzt, mit diesen Worten: Und Jesus fragte ihn und sprach: Wie heißest du? Er sprach: Legion. Denn es waren viele böse Geister in ihn gefahren. Und sie baten ihn, daß er sie nicht hieße in die Hölle fahren. (Luk. 8, 30-31).

Die Bevollmächtigung an diese bereitstehenden Gerichtsvollzieher ergeht in der Mehrzahl: Und ihnen ward Macht gegebenüber den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und Hunger und mit Pest (so gemäß einer Fußnote in der Elberfelder Bibel) und durch die wilden Tiere auf Erden. Ein solches Massensterben erlebte die Menschheit im Zweiten Weltkrieg, wie bereits geschildert, der bezeichnenderweise genau sechs Jahre dauerte, und zwar vom 1. September 1939 bis zum 2. September 1945, als Japan die Kapitulation seiner Streitkräfte unterzeichnete. Wenn man dann auch noch die große Zeitverschiebung berücksichtigt, so erkennt man zweifellos, wie erstaunlich präzise Gott mit den Menschen handelt. Das alles hat er uns nämlich schon Jahrtausende vorher prophetisch vorausgesagt.

Wir wiederholen deshalb noch einmal das bereits Gesagte und fassen zusammen:

1. Der erste Reiter auf dem weißen Pferd täuscht und verführt die Menschheit durch eine gottlose Ideologie, den diese wie eine Religion annimmt.
2. Der zweite Reiter auf dem roten Pferd nimmt den Frieden von der Erde und richtet mit seinem großen Schwert viel Blutvergießen an.
3. Der dritte Reiter auf dem schwarzen Pferd bringt große Teuerung und damit Hungersnot und Elend wie nie zuvor.
4. Der vierte Reiter auf dem fahlen Pferd hält eine grausame Todesernte unter den bereits durch seine Vorreiter geplagten Bewohner der Erde.

Dazu läßt sich dann auch ein Vergleich anstellen mit der Vision des Propheten Sacharja: Die schwarzen Rosse ziehen nach Norden (von den hungernden Völkern der südlichen Hemisphäre), die weißen ziehen nach Westen (der Humanismus ging von Europa nach Amerika) und die scheckigen ziehen nach Süden (das fahle Pferd brachte den Tod über die Juden mit dem Rassenwahn der "Nordischen Rasse"). Vermutlich ist hier ausgefallen: Die roten Rosse ziehen nach Osten (sie zogen nach Rußland um von dort die Weltrevolution zu beginnen). Zusammengestellt nach Sach. 6, 6.

Diese bisher größte Mordaktion aller Zeiten wurde durch viele verschiedene, dämonisch gesteuerte Machtmittel planmäßig durchgeführt, und zwar durch: Massenerschießungen, Kriegseinwirkungen, Bombenangriffe, Konzentrationslager, Todesmärsche, Hunger und Krankheit. Diese durch mancherlei Todesursachen abgeschiedenen Seelen wurden dann als reiche Beute vom Totenreich gnadenlos und unbarmherzig aufgenommen. Warum der Tod über die Erde schreitet und seine Opfer fordert und woher der Krieg kommt, sagt uns die Heilige Schrift, das Wort Gottes:

Woher kommt Streit und Krieg unter euch? Kommt's nicht daher: aus euren Lüsten, die da streiten in euren Gliedern? Ihr seid begierig und erlanget's damit nicht; ihr mordet und neidet und gewinnet damit nichts; ihr streitet und kämpfet. Ihr habt nicht, darum daß ihr nicht bittet; ihr bittet und empfanget nicht, darum daß ihr übel bittet, nämlich darum, daß ihr's in euren Lüsten verzehren wollt. (Jak. 4, 1-3).

Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben. (Sprüche 14, 34).

Meinst du, daß ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der Herr, und nicht vielmehr daran, daß er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? (Hes. 18, 23).

Denn der Sünde Sold ist Tod; Gottes Gabe aber ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserm Herrn. (Röm. 6, 23)

Nun kommen wir zur Betrachtung der Auswirkungen des fünften Siegels:

Und da es das fünfte Siegel auftat, sah ich unten am Altar die Seelen derer, die getötet waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen. Und sie schrien mit großer Stimme und sprachen: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächest nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid, und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhen müßten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazu kämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch sollten getötet werden gleichwie sie. (Offb. 6, 9-11).

Bei der Öffnung des fünften Siegels gewährt uns der Herr einen Blick in die jenseitige, für uns zukünftige Welt, wo die Folgen dessen, was hier auf Erden geschah, offenbar werden. Dort wird unser Leben noch einmal ein gerichtliches Nachspiel haben: Es wird entweder ehrenvoll oder schmachvoll aufgerollt und beurteilt werden. Das sagt uns Gottes Wort: Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, wie er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. (2. Kor. 5, 10). Es kann geschehen, daß dann viele Gläubige trauernd und klagend ausrufen werden, mit ähnlichen Worten wie diese: Kehrten die verlorenen Jahre nur noch einmal mir zurück.
Für den Heiland treu zu wirken, wäre dann mein größtes Glück!

Ein anderer Dichter hat zudem diese Mahnung und sein Gebet uns so hinterlassen:

Die Zeit ist kurz, o Mensch, sei weise und nütze jeden Augenblick.
Nur einmal machst Du diese Reise, laß eine Segensspur zurück.
Drum Heiland, lehr' mich meine Jahre, in Deinem Dienste ganz zu weih'n.
Von heute ab, bis zu der Bahre, für jenes Leben Samen streu'n. Amen.

In dieser zukünftigen Welt jenseits von Raum und Zeit bekommen wir Dinge zu sehen, die über den Rahmen unserer menschlich begrenzten Vernunft hinausgehen. Die vier Cherubgestalten, die Lebewesen vor Gottes Thron, die bisher in ihrer Eigenschaft als kosmische Wächter die vier verschiedenen Reiter mit dem Startruf: "Komm!" in Bewegung gesetzt haben, schweigen jetzt. Als Vertreter der ganzen Schöpfung haben sie mit der Einleitung der Gerichte Gottes auf Erden ihren apokalyptischen (= endzeitlichen) Auftrag erfüllt.

Mit dieser nun nachfolgenden Schau wurde dem Apostel Johannes das Bild einer großen Märtyrerszene enthüllt. Er sieht die Seelen von den Menschen, die um des Wortes Gottes willen getötet worden waren. Durch seinen biblischen Bericht wird uns hier der Schleier des Geheimnisses gelüftet und wir dürfen einen Blick in die Welt der Abgeschiedenen tun. Dabei wird uns bewußt gezeigt, wie alles, was hier auf Erden an Grausamkeit, Sünde und Schuld geschieht, in der jenseitigen Welt registriert und festgehalten wird, in dem Sinne:

Uns're Hände streu'n und säen
Gutes, Böses in der Welt.
In das Leben all der Unseren
Pflanzen wir, was uns gefällt.

Fruchtlos wir kein Wort gesprochen,
Nichts, was wir getan, vergeht.
Unser Reden, Tun und Denken
Einst in Zukunft neu entsteht.

Wenn wir dann unseren Blick auf die Märtyrer selbst richten, so können wir anhand der in unserem Text gemachten Aussagen erkennen, daß diese Blutzeugen hier ausschließlich als Juden charakterisiert werden. Diese Märtyrer, sowie auch ihre bedauernswerten Leidensgenossen vor ihnen, gehören der besonderen Zeit an, in welche die Öffnung diese fünften Siegels fällt. Darum ist es vor allem wichtig, auch den genauen Zeitpunkt der Siegelöffnung zu beachten. Nach den allhier in diesem Text des fünften Siegels geschilderten Merkmalen und in Anbetracht der vielen in den vergangenen Jahrhunderten an den Juden systematisch durchgeführten Mordaktionen, kann es sich dabei sicherlich nur um ein äußerst wichtiges Geschichtsdatum handeln.

Da wir ja bereits festgestellt haben, daß die Öffnung des vierten Siegels wohl den Beginn des Zweiten Weltkrieges darstellt, so müßte das fünfte Siegel jedenfalls danach geöffnet worden sein. Da die von Johannes gesehenen Blutzeugen eindeutig nur Juden sein können, dazu auch noch in großer Zahl, kann man sicherlich daraus folgern, daß hier der als Shoa bezeichnete Leidensweg der Juden gemeint ist. Ein besonderes Geschichtsdatum war dabei der 20. Januar 1942, an dem in Berlin im Interpolgebäude am Wannsee eine für die Juden folgenschwere Konferenz stattfand. Die als Wannsee-Konferenz in die Geschichte eingegangene Versammlung von führenden Nationalsozialisten beschloß dort die sofortige, systematische Ausrottung der Juden, die nur zur Tarnung als "Endlösung der Judenfrage" bezeichnet worden war.

Dieses Geschichtsdatum kann wohl als trauriger Höhepunkt in der Verfolgung der Juden angesehen werden, denn so etwas hatte es im Laufe der Jahrhunderte noch nicht gegeben. Der Leidensweg der Juden begann mit der Kreuzigung Jesu, als diese in Unwissenheit zu Pilatus riefen: Da antwortete das ganz Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! (Matth. 27, 25). Auch diese schreckliche Prophezeiung hat sich nun erfüllt, jedoch gilt auch hier das Wort Jesu: ... doch weh dem Menschen, durch welchen er verraten wird! (Luk. 22, 22). Das Ergebnis: Adolf Hitler (geb. 20.4.1889) beging Selbstmord am 30. April 1945, ebenso, wenig später, der Organisator dieser "Endlösung der Judenfrage", Heinrich Himmler (geb. 7.10.1900), der am 23. Mai 1945 in britischer Gefangenschaft auch Selbstmord beging. Dieser war im Jahre 1929 zum "Reichsführer SS" ernannt worden, dessen SS (Schutzstaffel) später die gewissenlosen und blutrünstigen Henkersknechte stellte.

Wen sollte diese Schutzstaffel eigentlich vor wem beschützen? Die hilflosen Juden stellten doch sicherlich keine Gefahr dar; sondern diese Menschen hätten es bitter nötig gehabt, vor diesen brutalen Mördern geschützt zu werden. Man kann demzufolge durchaus sagen, daß diese Bezeichnung SS (Schutzstaffel) an sich schon ein teuflischer Hohn auf das auserwählte Volk Gottes ist. Traurigerweise wurde jedoch das einstige Volk der Dichter und Denker durch diese nationalsozialistischen Verbrecher von nun an in der Welt zum Volk der Richter und Henker gestempelt.

In diesem Zusammenhang sollten wir dann auch noch bedenken: Die Tötung eines Juden erfüllt uns heute mit Entsetzen. Das Töten eines Ungeborenen aber ist möglicherweise schon bald einklagbares Grundrecht. In letzter Zeit saßen nur zu oft die Kindermörder über die Judenmörder zu Gericht, die Fristenlöser über die Endlöser. Die Generation der Schamlosen und Pornoproduzenten entsetzt sich über die Skrupellosigkeit der braunen Unholde. Die schändlichen Förderer der Perversionen und des Kindersex empören sich über die Verbrechen der Nationalsozialisten. Die roten und grünen (= getarnten roten) Politiker haben die braunen zwar ersetzt, aber deren Programme sind genauso gottlos, daher entwürdigend und menschenverachtend.

Die jüdischen Opfer der Shoa (übersetzt etwa "Hilfsgeschrei", nach Jes. 22, 5):


Belgien                     28 900 

Dänemark                        60 

Deutschland                165 000 

Frankreich                  77 320 

Griechenland              65 000   

Italien                      7 680 

Jugoslawien                 60 000 

Luxemburg                    1 950 

Niederlande                100 000 

Norwegen                       762 

Österreich                  50 000 

Polen                    3 000 000 

Rumänien                   280 000 

Sowjetunion              1 250 000 

Tschechoslowakei           147 500 

Ungarn                     560 000 



(nach: Wolfgang Benz, Dimensionen des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, München 1991)

Im Laufe der Jahrhunderte stellt sich der Leidensweg der Juden wie folgt dar (n. Chr.):

70 Zerstörung Jerusalems (1 100 000 Juden getötet, 900 000 kamen in Gefangen-
schaft)
115 Bis 117 sind Aufstände der Juden in Mesopotamien, Ägypten, Kyrene und
Zypern. (Juden und Römer verübten in den blutigen Kämpfen unglaubliche
Grausamkeiten aneinander, hunderttausende Menschen wurden ermordet.)
132 Bis 135 ist der große Aufstand der Juden unter Bar Kochba, der sich als
Messias ausgab (500 000 Juden getötet, Tausende von Gefangenen)
135 Beginn der Verfolgung der Juden durch den Kaiser Hadrian
315 Kaiser Konstantin der Große erläßt Gesetze gegen die Juden
379 Bis 395 schließt Kaiser Theodosius I., der Große (11.1.347-17.1.395), Kaiser
seit 379, die Juden von allen Ämtern und Ehrenstellen aus und erläßt ein
Gesetz, das die Zerstörung ihrer Synagogen erlaubt, wenn damit religiöse
Zwecke verbunden seien.
613 Judenverfolgung in Spanien
687 In vierjähriger Bauzeit entsteht auf dem Tempelplatz in Jerusalem die Omar-
Moschee (Felsendom)
1017 Bis 1020 läßt Papst Benedikt VIII., Papst von 1012-1024, die Juden in Rom
entweder enthaupten oder verbrennen.
1095 Papst Urban II. (um 1035-29.7.1099), Papst seit dem 12.3.1088, ruft am 27.
November in Clermont in Südfrankreich zum ersten Kreuzzug auf. (Dadurch
wurde eine jahrhundertelange Judenverfolgung eingeleitet.)
1096 Blutige Judenverfolgung in Deutschland beim Beginn des ersten Kreuzzuges.
(In Trier und anderen rheinischen Städten wurden 12 000 Juden umgebracht.)
1099 Die Kreuzfahrer ermorden beim Anmarsch auf Jerusalem über 100 000 Juden
und Mohammedaner. Bei der Eroberung Jerusalems (15. Juli) töten sie auch
65 000 Menschen. Bald darauf bringen sie alle Juden in Haifa grausam um.
1121 Vertreibung der Juden aus Flandern. (Sie sollten so lange nicht geduldet wer-
den, bis sie ihre Schuld am Tode Jesu gesühnt hätten.)
1130 Den Juden in London wird eine Geldbuße von umgerechnet eineinhalb Milli-
onen Mark auferlegt, weil sie angeblich einen kranken Mann getötet hätten.
1146 Bis 1147 ist eine neue Judenverfolgung in Deutschland beim Beginn des
zweiten Kreuzzuges.
1171 Alle Juden von Blois/Frankreich werden verbrannt.
1181 Der französische König Philipp II. August (21.8.1165-14.7.1223), König seit
1180, weist alle Juden binnen drei Monaten aus seinem gesamten Gebiet aus.
1187 Sultan Saladin (1137 oder 1138-4.3.1193) erobert am 2. Oktober Jerusalem.
1189 Bei der Krönung von Richard Löwenherz in London bricht ganz unerwartet
ein Verfolgungssturm gegen die Juden los. (Die meisten jüdischen Häuser in
London wurden verbrannt, und viele Juden kamen ums Leben.)
1209 Alle Juden von Béziers/Frankreich werden getötet.
1215 Papst Innozenz III. (1160 oder 1161-16.7.1216), Papst seit dem 8.1.1198, setzt
auf dem 4. Laterankonzil neue Bestimmungen gegen die Juden durch. Diese
müssen u. a. in eigenen Vierteln (Ghettos) wohnen und einen "gelben Fleck"
auf ihrer Kleidung tragen, den gelben Judenstern. Dieser Schandfleck ist dem-
nach eine Erfindung der röm.-katholischen Kirche. (Der Lateran-Palast war
der Wohnsitz der Päpste ehe sie im Jahre 1378 in den Vatikan übersiedelten.)
1247 Alle Juden in Valréas/Frankreich werden ausgerottet.
1278 Etwa 300 Oberste der Juden aus ganz England werden gehängt.
1290 Vertreibung aller Juden aus England durch König Edward I. (17. oder 18.6.
1239-7.7.1307), König seit 1272.
1298 Judenverfolgungen in Franken, Bayern und Österreich, über 20 000 getötet.
1306 König Philipp IV., der Schöne (1268-29.11.1314), König seit 1285, vertreibt
die Juden aus Frankreich. (Fast 100 000 Juden verließen mittellos das Land.)
1321 Die Juden werden beschuldigt, Aussätzige angestiftet zu haben, die Brunnen
und Flüsse in der Landschaft Giunne zu vergiften. (5 000 Juden haben deshalb
den Feuertod erlitten.)
1335 Papst Benedikt XII., Papst von 1334-1342, läßt die Prager Synagoge nieder-
reißen.
1348 Bis 1349 sind Judenverfolgungen in Europa, vor allem in Deutschland.
Den Juden wird die Schuld an der Pest zugeschoben. (Furchtbare Greuel:
In Straßburg wurden 2 000 Juden verbrannt, in Mainz fast 6 000 Juden er-
mordet, in Erfurt 3 000 Juden umgebracht. In Worms verbrannten sich 400
Juden selbst in ihren Häusern.) In Deutschland, Frankreich, Spanien, der
Schweiz u.s.w. sterben insgesamt mehr als 1 Million Juden.
1370 Einige Juden in Brabant werden beschuldigt, eine Hostie geschändet zu ha-
ben. (Die Angeklagten wurden daraufhin lebendig verbrannt und alle Juden
aus Flandern verwiesen.)
1391 Judenverfolgung in Spanien. (In Sevilla wurden 5 000 Familien ausgerottet,
anderswo 20 000 Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannt.)
1394 Die zweite Vertreibung der Juden aus Frankreich. (Sie durften ihre Habe mit-
nehmen und wanderten hauptsächlich nach Deutschland und Italien aus.)
1478 Die Inquisition der römisch-katholischen Kirche beginnt offiziell den Kampf
gegen die Juden in Spanien.
1483 Durch die Inquisition werden an vielen Orten in Spanien über 30 000 Juden
öffentlich verbrannt.
1484 Durch die Bulle "Summis desiderantes affectibus"des Papstes Innozenz VIII.,
Papst von 1484-1492, werden über die Jahrhunderte etwa eine Million Opfer
als Hexen verdächtigt und verbrannt, darunter abertausende jüdische Frauen.
1492 - 9. Ab nach dem jüdischen Kalender - Vertreibung der Juden aus Spanien.
(Etwa 300 000 verließen dann mittellos Spanien.)
1496 Durch das Dekret von Kaiser Maximilian I. (22.3.1459-12.1.1519), nahm im
Jahre 1508 in Trient den Kaisertitel ("Erwählter Römischer Kaiser") ohne
Krönung, aber mit päpstlicher Billigung an, werden alle Juden aus Österreich
vertrieben.
1497 Vertreibung aller Juden aus Portugal
1516 Erstes Ghetto in Venedig
1517 Sultan Selim I. (1470-22.9.1520) erobert Jerusalem. Die Türken herrschen
dort genau 400 Jahre (10 mal 40 = 10 Generationen) bis zum Jahre 1917.
1540 Juden werden aus Neapel vertrieben; zehn Jahre später ebenfalls aus Genua
und Venedig.
1593 Papst Klemens VIII., Papst von 1592-1605, verbannt die Juden aus dem
Kirchenstaat. (Nur in Rom, Ancona und Vignon wurden sie geduldet. -
Wo die Juden sonst auf päpstlichem Gebiet angetroffen wurden, machte man
sie zu Galeerensträflingen.)
1648 Bis 1650 werden durch die Kosaken des Bogdan Chmielnizki (um 1595-
6.8.1657) 12 000 Juden in der Ukraine niedergemetzelt, dann 400 000 Juden
in Polen durch grausame Massaker umgebracht, 200 000 Juden in Rußland
werden ausgerottet.
1670 Alle Juden werden aus Metz/Lothringen ausgewiesen, 4 000 Juden durch
Kaiser Leopold I. (9.6.1640-5.5.1705), Kaiser seit 1658, aus Wien vertrieben.
1794 Juden werden in Rußland in besonderen Gebieten zusammengedrängt.
(Unter Zar Nikolaus I. (1825-1855) weitere Einschränkungen: Die Juden wur-
den zu einem 25-jährigen Militärdienst gepreßt. Hunderttausende verließen
das Land.)
1818 Bis 1819 "Judensturm" in Deutschland. Dabei grölt der Pöbel das schreck-
liche: "Hep! Hep!" (Hierosolyma est perdita - Jerusalem ist verloren).
(Die Juden wurden fortgejagt nach dem Motto: Allen Juden Tod und Verder-
ben, ihr müßt fliehen oder sterben!)
1846 Bis 1878 ist eine Schreckensherrschaft unter Papst Pius IX. (13.5.1792-7.2.
1878), Papst seit dem 16.6.1846. (Während dieser Zeit wurden im Kirchen-
staat alle früheren Ausnahmegesetze gegen die Juden wieder eingeführt.)
1881 Bis 1882 werden besondere Gesetze gegen die Juden in Rußland erlassen. In
Odessa bricht der erste blutige Pogrom aus, tausende Juden werden getötet.
1886 Neue Verfolgungswelle in Rußland. (Auswanderung der Juden nach Amerika.
In 25 Jahren verließen drei Millionen Juden Osteuropa.)
1903 Bis 1905 werden die Juden in Rußland in 700 Städten bedrängt durch die
"Schwarzen Hundert". (Zahlreiche Juden wurden getötet und Hundert-
tausende gerieten in Elend.)
1914 - 9. Ab = 1. August - Beginn des Ersten Weltkrieges, der für die Juden in Ost-
europa durch die damit verbundene Oktober-Revolution in Rußland schwere
Folgen hatte.
1933 Beginn der Judenverfolgung in Deutschland. (Juden wurden durch das Beam-
tengesetz ausgeschaltet. Am 1. April allgemeiner Judenboykott.)
1935 - 15. September - Rassengesetze verbieten in Deutschland die Ehe zwischen
Juden und sogenannten Ariern.
1938 - 9. November - In der Nacht vom 9. auf den 10. November ist die sogenannte
Reichskristallnacht. (Zerstörung der Synagogen, der jüdischen Geschäfte und
der Wohnungen durch die SA und SS der Nationalsozialisten. Den Juden wur-
de eine Sondersteuer von 1 Milliarde Reichsmark auferlegt. Ausschaltung der
Juden aus dem wirtschaftlichen und sozialen Leben. Das Tragen des Juden-
sterns wurde zur Pflicht. Massenauswanderung von mehr als 300 000 Juden.)
1940 - 30. April - Erstes polnisches Judenghetto in Lodz (Litzmannstadt) eingerich-
tet. Auf den Tag genau fünf Jahre später beging Hitler dann Selbstmord.
1941 Beginn der Vernichtung der Juden im Osten durch Einsatzgruppen der SS, zu-
nächst durch Massenerschießungen. Judenmassaker in Kiew (34 000 Tote).
Der arabische Groß-Mufti von Jerusalem, Emin el-Husseini (1890-?), besucht
Adolf Hitler in Berlin und ruft ihn zur Vernichtung der Juden in Palästina auf.
1942 Beginn der systematischen Ausrottung der Juden in KZ-Vernichtungslagern,
getarnt als "Endlösung der Judenfrage", eine teuflische zweideutige Bezeich-
nung für den im voraus geplanten Mord. (Die Zahl der Opfer wird heute auf
über 6 Millionen beziffert.)
1945 Bis 1953 werden viele Juden in der Tschechoslowakei mit den besiegten
Deutschen in den Lagern gefoltert und getötet, weil sie deutschsprachig sind.
1948 - 14. Mai - In der Nacht vom 14. auf den 15. Mai erfolgt die Gründung des
Staates Israel. (Nach fast 2000 Jahren hatten die Juden jetzt wieder ihren eige-
nen Staat.)

Am 5. Ijar 5708, am Vorabend des Sabbats, an dem die Gründung des Staates Israel erfolgte, in jener überaus denkwürdigen Nacht, sprach nun David Ben Gurion, der spätere Ministerpräsident, diese höchst bedeutsamen Worte: "2000 Jahre haben wir auf diese Stunde gewartet, und nun ist es geschehen. Wenn die Zeit erfüllt ist, kann nichts Gott widerstehen.". Damals war die Weltöffentlichkeit in Anbetracht des ungeheuren Blutpreises der Juden allgemein doch etwas anders gestimmt als heute und ermöglichte daher die Ausrufung des Staates Israel, der sofort durch die U.S.A. und am 18. Mai auch durch Rußland, die ehemalige U.d.S.S.R., anerkannt wurde.

Die Zukunft betreffend, sei hier noch einer prophetischen Stimme aus Israels dunkelster Zeit gedacht. Es ist das 1934 erschienene Buch: "Cheschbonoth ha-Geulah" (Daten der Erlösung). Als hebräische Auslegung alttestamentlicher Prophetenworte wird dort Israels Weg aufgezeigt, wie die Gründung des Staates für 1948 und die Befreiung Jerusalems im Jahre 1967. An weiteren Ereignissen ist dann ein großen Erdbeben vorausgesagt, das den Felsendom und die Grabeskirche zerstört, der überraschende Einfall Rußlands (Gog) und der Bau des dritten Tempels. Darauf werden wir jedoch noch in den Kapiteln 9 und 10 ausführlich zu sprechen kommen.

Wie sehr das jüdische Rechtsempfinden im Laufe der Jahrhunderte verletzt und mit Füßen getreten wurde, geht aus der erschütternden Anklage der beiden nachstehenden Gedichte hervor.

Der Leidensweg des Rabbi Ben Baruch aus Rothenburg, gestorben im Jahre 1293 in der Gefangenschaft:

Seufzen, Wimmern,                 Sieh, in Not und Drangsal          
Jammerklagen!                     Uns der Hoffnung leben!            
Schwerter klirren,                Hör uns rufen an den Stufen        
Die mein armes Volk erschlagen,   Deines Throns mit Beben!           
Daß die Mörder                    Laß der Armen Dich erbarmen,       
Noch zu höhnen wagen,             Die ihr Herz Dir geben!            
Die Entsetzten, Müdgehetzten      Darfst aus Ketten uns zu retten,   
Aus dem Lande jagen!              Uns wie einst zu heben;            
Felsenriffe                       Darfst zu trösten, die Erlösten,   
Bluten, wo wir sterbend lagen:    Daß in Lust sie schweben,          
Kannst Du, Herr! kannst Du's      Darfst nur unsere Tränen fragen:   
Ertragen?                         Kannst Du, Herr! kannst Du's       
                                  ertragen?                          


- Die Gehetzten und Verfolgten -
            Jiddisch                           Deutsch               

Mir wern gehast un getribn,       Wir werden gehaßt und getrieben,   
Mir wern geplogt un farfolgt.     Wir werden geplagt und verfolgt.   
Un alz nor derfar, wajl mir lbn   Und alles nur deswegen, weil wir   
Dos orime, schmachtende folk      lieben                             
                                  Das arme, schmachtende Volk.       
Mir wern derschosn, gehangen,                                        
M'barojmt unds dos lebn un recht  Wir werden erschossen, gehangen,   
Derfar, wajl mir emes farlangen,  Man beraubt uns des Lebens und     
Un frajhajt far orime knecht.     Recht                              
                                  Deswegen, weil wir Wahrheit        
Ir kents unds dermorden,          verlangen                          
tiranen,                          Und Freiheit für den armen         
Naje kemfer wet bringn di zajt    Knecht.                            
Un mir weln kemfen bis wanen                                         
Di welt wet schjn wern befrajt!   Ihr könnt uns ermorden, Tyrannen,  
                                  Neue Kämpfer wird bringen die      
                                  Zeit                               
                                  Und wir wollen kämpfen bis wann    
                                  nun                                
                                  Die Welt wird schon werden         
                                  befreit!                           


Jiddisch oder Jüdisch-Deutsch ist die im Mittelalter bei den Juden in Deutschland entstandene Mischsprache, deren Hauptbestandteil Deutsch, zum Teil noch Mittelhochdeutsch (mhd.), ist. Die Warnung des Apostels Paulus vor Überhebung gegenüber den Juden ist leider auch von Christen in allen Jahrhunderten schändlich mißachtet worden: Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er dich auch nicht verschonen. (Röm. 11, 20-21).

Der Kirchenvater Chrysostomus (Johannes Chrysostomus) (griech. "Goldmund", nach seiner Beredsamkeit), Patriarch von Konstantinopel (um 354-407 n. Chr.), sagte: "Man muß die Juden fliehen wie eine die ganze Welt bedrohende Pest." - Ambrosius (Aurelius Ambrosius), Bischof von Mailand (339-4.4.397 n. Chr.), behauptete: "Es ist erlaubt, die Synagoge in Brand zu setzten. Wenn die Gesetze das untersagen, dann sind sie schlecht." Leider sind auch von Dr. Martin Luther, der zunächst auch die Bekehrung der Juden durch die Botschaft der Reformation erhofft hatte, sehr harte Worte überliefert. Wir können heute nur voll tiefer Trauer sagen, daß Luther nicht wußte, was er tat, als er im Jahre 1543 n. Chr., nur drei Jahre vor seinem Tode, die schmachvolle Schrift herausgab: Von den Jüden und ihren Lügen. Darin heißt es fatalerweise u. a.: Wo du einen rechten Juden siehst, magst du mit gutem Gewissen ein Kreuz schlagen und sprechen: Da geht ein leibhaftiger Teufel!

Hierzu sei eine Strophe eines Gedichtes von Meta Heußer (1797-1876) angeführt:

Laß dir unsre Schuld bekennen:
Die wir längst nach dir uns nennen
Als dein neues Israel,
Haben lang dein Volk gehöhnet,
Kalt zertreten statt versöhnet;
O vergib, Immanuel!

Um aber dieses Bild der jüdischen Märtyrer zu vervollständigen, erfordert nun das bereits Gesagte noch eine weitere Ergänzung der bisherigen Gedanken. Vor allem ist es der Ort, an dem Johannes die Blutzeugen sah. In diesem Text heißt es ganz deutlich:...unten am Altar. Auf Grund dieser Aussage ist es eindeutig der Brandopferaltar im Tempel des himmlischen Jerusalem. Der frühere irdische Tempel in Jerusalem war mit seiner inneren und äußeren Einrichtung ja nur eine Nachbildung des himmlischen Urbildes, denn Gott sprach zu Mose: Und sieh zu, daß du alles machest nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist. (2. Mose 25, 40). Das wird wiederum durch die Aussage im Hebräer-Brief bestätigt: Sie dienen aber nur dem Abbilde und Schatten des Himmlischen; wie Gottes Stimme zu Mose sprach, als er die Stiftshütte vollenden sollte (2. Mose 25, 40): "Schaue zu", sprach er, "daß du machest alles nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist." (Hebr. 8, 5).

Die kultische Bedeutung des Brandopferaltars war, daß auf ihm alle blutigen Opfer dargebracht wurden. Das Brandopfer veranschaulicht so die Sühne durch Hinrichtung des Lebens und dessen Hingabe an Gott. Das bedeutet jedoch ebenso, daß die Körper dieser Märtyrer auf dem Brandopferaltar Gottes verbrannt worden sind. Wie wir schon in der Auflistung gesehen haben, sind im Laufe der Jahrhunderte die Juden immer wieder durch Feuer umgekommen, sind also lebendig oder tot verbrannt worden, zum Beispiel durch Brandstiftung an ihren Häusern, dann auf den unzähligen Scheiterhaufen in ganz Europa, wie auch in den Krematorien der KZ-Vernichtungslager der Nationalsozialisten. In der Bedeutung des Wortes Holocaust kommt das ebenfalls zum Ausdruck. Der Begriff Holocaust wurde aus dem Englischen ins Deutsche übernommen, geht aber gewiß auf das in der Bibel erwähnte griechische Wort: holokautwma = holocautoma (Brandopfer im Sinne eines Ganzopfers) zurück (Mark. 12, 33 und Hebr. 10, 6 + 8) und ist so unübersehbar einem bestimmten Verständnis der Ereignisse verpflichtet. Der deutsche Schriftsteller Albrecht Goes, geb. 22.3.1908, schrieb bereits im Jahre 1953 seine Erzählung: Das Brandopfer.

An dieser Stelle sei noch bemerkt, daß diese wohl nun "im Namen des Deutschen Volkes" errichteten furchtbaren Todesfabriken das unausbleibliche Gericht Gottes über Deutschland geradezu herabgerufen haben, das sodann in den unaufhörlichen Bombennächten wahrlich mit Feuer und Schwefel vom Himmel fiel. Es ist so eine unwiderlegbare Tatsache, daß genau in dem Maße, wie seinerzeit die Vernichtung der Juden erfolgte, auch die Zahl der Spreng- und Brandbomben zunahm, die über das Großdeutsche Reich abgeworfen wurden. Gut einen Monat nach der Wannsee-Konferenz übernahm am 22. Februar 1942 der englische Air Marshall Harris (bekannt als Bomber Harris, später Sir Arthur T. Harris) den Befehl über das damalige Bomber Command. Daraufhin begannen damals die konzentrierten Nachtbomber-Angriffe auf Deutschland. So präzise hat Gott wiederum gehandelt! Die Gleichung ist dann auch einfach: Konzentrationslager = konzentrierte Nachtbomber-Angriffe.

Harris trat seinen Dienst zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt an, denn durch die bisherigen Mißerfolge war die öffentliche Meinung auf einem Tiefpunkt. Was er brauchte, um seinen Auftrag ungehindert auszuführen, war ein baldiger, spektakulärer Erfolg. Harris begann daraufhin zu rechnen. Wenn er alle Maschinen, auch Schulflugzeuge, zusammenholte und zusammenlieh, so käme er auf rund tausend Bomber. Als vermutlich erster militärischer Befehlshaber in der Kriegsgeschichte war Harris nun bereit, seine gesamte Streitmacht bis zum letzten Mann aufs Spiel zu setzen. Er war jedoch völlig ahnungslos, daß sich dadurch der von den Nationalsozialisten oft benutzte teuflische Ausspruch: "Die Juden sind unser Unglück" für diese dann auf unerwartete Art und Weise zu deren Entsetzen bewahrheiten sollte.

In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942 erfolgte damals der erste sogenannte Tausend-Bomber-Angriff auf Deutschland, und zwar auf die Stadt Köln am Rhein. Die vorher angestellte Berechnung des Stabes von Harris hatte gelautet: Das Ziel der vollständigen Zerstörung von Köln ist dann erreicht, wenn eintausendachthundert Tonnen Spreng- und Brandbomben abgeworfen worden sind. Das sind dann tausend Kilo für rund achthundert Einwohner, selbst bei nur etwa fünfzig Prozent Treffern. In der einen Nacht sind über zweitausend Tonnen - zwei Millionen Kilo - Sprengstoff und feuriger Phosphor vom Himmel über Köln gefallen. Von 0.47 bis 2.25 Uhr warfen die Flieger 884 Sprengbomben (darunter 20 Luftminen zu je 1,8 Tonnen und 23 Zeitzünder) und 110 565 Brandbomben ab. Das traurige Ergebnis: Etwa 747 Menschen wurden getötet und 5027 verletzt. 3420 Wohnhäuser und 2241 Betriebe wurden zerstört oder schwer beschädigt, 45 132 Menschen "ausgebombt".

Die Wasser-, Strom- und Gasversorgung brach zusammen. Der Eisenbahnverkehr war für mehrere Tage schwer gestört, der Straßenbahnverkehr mußte eine Woche lang ruhen, insbesondere in der Stadtmitte. Die Angreifer, die 44 Flugzeuge verloren, blieben zunächst im unklaren über das Ausmaß der Zerstörungen: Aufklärer konnten am nächsten Tag keine Photos machen, weil eine gewaltige Rauchwolke 4500 Meter hoch über der Stadt lag. So etwas hatte es bis dahin noch nie gegeben. Hermann Göring, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, hatte zu Beginn des Krieges leichtfertig gesagt, wenn jemals ein feindliches Flugzeug die Reichsgrenze überfliegen würde, dann wolle er Meyer heißen. Der Leiter der Luftschutzzentrale in Köln war damals Polizeimajor Niemeyer. Auch das war ein eigenartiger Zufall!

Daß Köln ein Wendepunkt war, bestätigte der Premierminister Winston Churchill seinem Bomber-Chef am nächsten Tag in einer Nachricht, die auch sofort in Flugblättern über Deutschland verbreitet wurde: Dieser Beweis der wachsenden Stärke der britischen Luftmacht war auch das Sturmzeichen für die Dinge, die von nun an eine deutsche Stadt nach der anderen zu erwarten hatte. - Das war nur ein Beispiel, wie es von da an auch allen anderen größeren Städten im Reichsgebiet erging, von Freiburg bis Königsberg und von Bremen nach Breslau und Wien, allerdings ohne insbesondere Dresden zu vergessen. Tag und Nacht, kreuz und quer, wurde nun Großdeutschland in Schutt und Asche gelegt, jedoch waren besonders die dichtbesiedelten Wohngebiete zum erklärten Ziel der endlosen Bomberangriffe bestimmt.

So waren also die Juden wieder einmal nicht schuld an diesem großen Unglück für Deutschland, sondern die Nationalsozialisten selbst hatten durch die von ihnen betriebene systematische Ausrottung der jüdischen Männer, Frauen und Kinder das Gericht Gottes vom Himmel herabgerufen, das dann auch sie und ihre Frauen und Kinder in gleichem Maße traf. Der Prophet Sacharja hatte schon diese Warnung weitergegeben: Denn so spricht der Herr Zebaoth, der mich gesandt hat, über die Völker, die euch beraubt haben: Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an. (Sach. 2, 12). Das galt auch unbedingt in diesem Falle, wie wir feststellen konnten. (Anmerkung: Meine Eltern wohnten damals unweit von Köln, und ich bin auch nur einen Monat später zur Welt gekommen. Die Bewahrung Gottes begann also schon im Mutterleibe, wie ich später erfahren durfte und hiermit wohl bezeugen kann.)

Einige Jahre nach dem Kriege wurde zudem dann in Köln der Karnevals-Schlager gedichtet, allerdings sicherlich in ahnungsloser Verkennung der wahren Situation: Am 30. Mai ist der Weltuntergang, wie leben nicht mehr lang, wie leben nicht mehr lang. Dieses Datum hat jedoch für mich noch eine andere, persönliche Bedeutung: Am 30. Mai 1976 habe ich eine schlimme Explosion miterlebt, eigentlich mehrere, bei der ein Teil unseres Stadtviertels (nur etwa 100 m entfernt in unserer Straße) in die Luft geflogen ist. Unter den Toten war damals auch ein früherer Arbeitskollege von mir, der möglicherweise durch eine Unachtsamkeit diese Explosion ausgelöst hatte. Die Schuld daran lag jedoch bei jemand anderem, der durch ein sträfliches Versehen erst die Voraussetzung dazu geschaffen hatte. Meine Angehörigen und ich, wie auch unser Hab und Gut, erlitten dabei wiederum keinen Schaden, obwohl in der Nähe mehrere Häuser teilweise eingestürzt sind und unbewohnbar wurden.

Doch nun zurück zu unserem Text und der begonnenen Betrachtung des Brandopferaltars: Am Fuße des Brandopferaltars befand sich dann, wiederum auf Anweisung Gottes, eine tiefe unterirdische Rinne (= Höhlung) im Felsen, wohin der jeweilige diensttuende Priester im Tempel das Blut der geschlachteten Opfertiere fließen ließ. So heißt es im Gesetz über Sündopfer: Und soll vor dem Herrn etwas von dem Blut an die Hörner des Räucheraltars tun, der in der Stiftshütte steht, und alles andere Blut an den Fuß des Brandopferaltars gießen, der vor der Tür der Stiftshütte steht. (3. Mose 4, 7).

Da nun aber das Leben im Blute liegt, befinden sich auch die Seelen hier an diesem Ort, nämlich unter dem Altar. Darum heißt es auch: Denn des Leibes Leben ist im Blut, und ich habe es euch für den Altar gegeben, daß ihr damit entsühnt werdet. Denn das Blut ist die Entsühnung, weil das Leben in ihm ist. (3. Mose 17, 11). Ebenso etwas weiter: Denn des Leibes Leben ist in seinem Blut, und ich habe den Kindern Israel gesagt: Ihr sollt keines Leibes Blut essen; denn des Leibes Leben ist in seinem Blut. (3. Mose 17, 14).

Anmerkung: Da die Zeugen Jehovas sich als die auserwählten Kinder Israels betrachten, lehnen sie nicht nur das Essen von Blutwurst, sondern ebenfalls auch Bluttransfusionen strikt ab. Dieses Verbot des Blutessens, das noch in der frühen Christenheit eine Rolle spielte (Apg. 15, 29), ist aber aufgehoben, seit Jesus als der Vollstrecker der endgültigen Sühnung sein Blut vergossen hat "zur Vergebung der Sünden für viele" (Matth. 26, 28).

Weil des Leibes Leben im Blute ist, so ist es auch zu erklären, warum das Blut Abels von der Erde als Anklage zu Gott schreit. Der Herr sprach zu Kain: Er aber sprach: Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde. (1. Mose 4, 10). Das Blut Jesu Christi aber redet besser denn das Abels. In diesem Sinne bezeugt es auch der Schreiber des Hebräer-Briefes an die frühe christliche Gemeinde der Juden: Sondern ihr seid gekommen zu dem Berge Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und den vielen tausend Engeln und zu der Versammlung und Gemeinde der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des neuen Bundes, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung, das da besser redet als Abels Blut. (Hebr. 12, 22-24).

Dann stellt sich noch die Frage nach der Ursache ihres Märtyrertums. Ein alter Grundsatz, der auf einem lateinischen Sprichwort beruht, besagt ganz deutlich: Nicht der Tod an sich macht den Märtyrer aus, sondern nur die Ursache, um derentwillen der Tod erlitten wird. Bei den vorhergehenden Siegelgerichten sind schon viele Millionen Menschen ums Leben gekommen, aber deswegen können sie noch lange nicht als Märtyrer bezeichnet werden, zumal ihnen das unabdingbare Zeugnis fehlt. Von den hier im Text erwähnten Blutzeugen heißt es jedoch ausdrücklich: ... die getötet waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen.Auf Griechisch lautet "ihr Zeugnis": thn marturion = tén martyrion.

Diese Aussage charakterisiert die Glaubenswelt des Judentums, denn sie gründen ihren Glauben einmal auf das Wort Gottes, das Gesetz und die Propheten: Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elend. (Psalm 119, 92). Oder auch: Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den Herrn. (Psalm 112, 7). Ebenso auch: Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. (Mal. 3, 23). Zum anderen auf das Zeugnis, das sie immer festhielten, auch unter Todesandrohung, und zwar das Bundeszeichen der Beschneidung: Wer aber nicht nach dem Befehl des Königs handelte, sollte sterben. Solche Vorschriften erließ er an sein ganzes Reich, auch die Beschneidung verbot er. (1. Makk. 1, 50-51). So ebenfalls das messianische Zeichen, das sie zu aller Zeit wertschätzten, den Davidstern, den sie in der Verfolgung bis zum Tode tragen mußten.

Ebenfalls haben sie an das Wort des Mose bis zu ihrem schrecklichen Tode festgehalten: Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft. (5. Mose 6, 4-5). Dieses "Höre, Israel" (hebr. "Sch'ma Jisrael") ist das Glaubensbekenntnis des Judentums. Der Vers 4 klingt dann so: Sch'ma Jisrael Adonai Eloheinu Adonai Echad. Es ist stets der erste hebräische Satz, den ein Kind lernt. Das Sch'ma Jisrael begleitet das ganze Leben des Juden: Man bewahrt es in der Mesusa und in den Kapseln der Gebetsriemen auf, man spricht es zuhause und in der Synagoge. Der glaubenstreue Jude betet es täglich, morgens und nachts; mit ihm will jeder Jude sein Dasein beschließen. Nach dem Vorbild jüdischer Märtyrer betet man es auch in der Sterbestunde. Eine furchtbare Begebenheit wird berichtet:

Im Ersten Weltkrieg stach ein deutscher Infanterist mit seinem Bajonett (= auf ein Gewehr aufsetzbare Stichwaffe) einen russischen Soldaten nieder. Der sterbende Russe schrie: "Sch'ma Jisrael" - der Deutsche verlor den Verstand. Beide waren Juden, und der Ruf des Russen leitete das jüdische Hauptgebet ein, das Gott ihnen geboten hatte in 5. Mose 6, 4-9. In Vers 6 heißt es dort: Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen. Das war für den Deutschen zuviel. Ähnliches hat sich zugetragen bei den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten. Unzählige, nur bei Gott Gezählte, haben damals mit dem "Sch'ma Jisrael" auf ihren Lippen auch die Vergasungskammern in den KZ-Vernichtungslagern betreten.

Von einem anderen Fall aus dieser Zeit der Shoa (auch als Holocaust bekannt) wird uns so berichtet: In das Konzentrationslager Auschwitz wurde damals ein Transport mit Juden zur Vergasung gebracht. Bald nach ihrer Ankunft wurde ihnen üblicherweise vorgetäuscht, sie kämen in die als "Brausebäder" gekennzeichneten Räume zur Entlausung und Desinfektion, wozu sie sich auch entkleiden müßten. Doch die meisten von ihnen ahnten wohl, was ihrer wartete. - Bevor sie dann hineingingen, trat der Rabbiner an die Spitze der Todgeweihten (vielleicht mit der Thora im Arm) und stimmte laut den Psalm an: Adonai roi, lo echsar - Der Herr ist mein Hirte ... (Psalm 23, 1).

In der Hoffnung der Auferstehung aus den Toten gingen auch diese Märtyrer in den Tod: Aber deine Toten werden leben, deine Leichname werden auferstehen. (Jes. 26, 19). Darum heißt es auch in der Zusammenfassung und Ergänzung dieses Gedankens ebenfalls bei Jesaja: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr wißt und mir glaubt und erkennt, daß ich's bin. Vor mir ist kein Gott gemacht, so wird auch nach mir keiner sein. (Jes. 43, 1 + 10).

Wir wollen jedoch auch den Zustand betrachten, in dem Johannes diese Märtyrer sieht. Johannes stellt hier bei den ermordeten Blutzeugen im Zustand der Leiblosigkeit viererlei fest:
Erstens, daß sie im Jenseits nicht tot sind, sondern leben.
Zweitens, daß sie im Jenseits ein Bewußtsein und eine Erinnerung haben.
Drittens, daß sie im Jenseits sprechen und sich verständigen können.
Viertens, daß sie im Jenseits auch handeln können.
Das gleiche wird uns auch durch den Herrn Jesus Christus von dem reichen Mann in der Qual berichtet: Als er nun bei den Toten war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarus, daß er das Äußerste seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. (Luk. 16, 23-24).

Hierbei sind sicherlich auch die Worte Jesu zu beachten, als er seine Jünger zum mutigen Bekennen aufgeforderte: Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. (Matth. 10, 28).

Weiter ist hier auch festzustellen, daß diese Seelen der Märtyrer noch ohne Körper sind. Sie wissen sicherlich um die Wichtigkeit, bei der Auferstehung einen verwandelten Körper erhalten zu können. Nicht umsonst hat deshalb der Apostel Paulus an die Gemeinde zu Korinth diese wohl überaus aufschlußreichen Worte geschrieben: Möchte aber jemand sagen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit welcherlei Leibe werden sie kommen? Du Narr: Was du säest, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und was du säest, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, etwas Weizen oder der andern eines. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen Samen seinen eigenen Leib. So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. (1. Kor. 15, 35-38 + 42-44).

Die Leiber dieser Märtyrer wurden jedoch nicht als Samen in die Erde gelegt, sondern gegen ihren Willen auf dem Brandopferaltar Gottes verbrannt. Bei der Feuerbestattung wird jedoch der Nukleus, lat. für Zellkern, zerstört. Der Zellkern ist aber der Träger der Chromosomen und lebensnotwendig für die Zellteilung und die Lebensvorgänge in der Zelle. Sicherlich, Gott kann gewiß auch aus dem Nichts etwas schaffen, aber hier wurde doch eindeutig gegen Gottes erklärten Willen gehandelt.

Erwin Chargaff, der Biochemiker und Entdecker der DNS (Abk. für Desoxyribonukleinsäure, den Träger der genetischen Information in allen Lebewesen) hat zudem einmal gesagt: "Der Mensch hätte die Finger von zwei Kernen lassen sollen. Vom Atomkern und vom Zellkern. Die Gentechnik wird noch weitaus schimmere Folgen haben als die Atomenergie.". - Deshalb, weil bekanntermaßen die Leiber dieser Märtyrer nicht als Samen in die Erde gelegt worden sind, befinden sich ja diese Seelen unten am Altar in einem unvollendeten Zustand und schreien von daher zu Gott wegen der schrecklichen Ungerechtigkeit, die ihnen widerfahren ist.

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß Gott nur eine Erdbestattung für die Seinen will. Viele Stellen der Bibel bezeugen dies, am deutlichsten sicherlich das Begräbnis des Mose: Und der Herr sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. - Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen. So starb Mose, der Knecht des Herrn, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des Herrn. Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Beth-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag. (5. Mose 34, 4-6). Hier wird bestätigt, Gott selbst hat den Leichnam des Mose, des Knechtes des Herrn, in ein Grab gelegt.

Viele Ungläubige sind jedoch der irrigen Ansicht, daß mit einer Feuerbestattung endgültig alles aus sei. Für sie wird es einmal ein böses Erwachen geben, bei der Auferstehung zum Gericht. Jesus hat gesagt: Verwundert euch des nicht. Denn es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. (Joh. 5, 28-29). Davor schützt auch keine Feuerbestattung, denn in der Heiligen Schrift wird bezeugt: Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei. (Röm. 14, 9). Das heißt doch, über alle Tote, ohne Ausnahme.

An keiner anderen Stelle der Heiligen Schrift wird es uns so klar und deutlich gesagt, wie soeben hier in diesem Text, daß Gott das Rufen seiner Kinder gerade auch im Reiche der Abgeschiedenen hört und erhört. Im Verhalten Gottes ist seine Liebe und Barmherzigkeit besonders auch zu diesen, seinen geringsten Brüdern Jesu nach dem Fleische, zu ersehen: Und ihnen wurde gegeben einem jeglichen ein weißes Kleid, und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhen müßten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazu kämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch sollten getötet werden gleichwie sie.

Das ihnen nun von Gott gegebene weiße Ehrengewand (= lat. Stola) ist das Zeichen ihrer Rechtfertigung, aber auch gleichzeitig die göttliche Versicherung, daß ihr Zeugnis von ihm in Gnaden angenommen ist. Ohne Körper kann man jedoch auch dieses lange Gewand nicht anziehen. Aus diesem Grunde ist es als selbstverständlich vorauszusetzen, daß Gott den Verlust ihrer sterblichen Hülle in diesem Falle aus lauter Gnade ebenfalls erstattet. Sie bekommen deshalb gleichzeitig mit ihrem weißen Kleid auch schon ihren neuen geistlichen Leib der Auferstehung. Wie denn auch der Apostel Paulus schon damals an die Gemeinde zu Korinth schrieb: Denn wir wissen: wenn unser irdisch Haus, diese Hütte, zerbrochen wird, so haben wir einen Bau von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel. Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, daß wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, weil wir dann bekleidet und nicht bloß erfunden werden. (2. Kor. 5, 1-3).

Es ist dies ein Zusatz an geistlicher Leiblichkeit im Jenseits, damit sie nicht nackt oder bloß erfunden werden, sondern sagen können:

Ja, er nahm mich Sünder an
Und zog mir weiße Kleider an.
Ja, er vergab mir alle meine Sünd'
Und heut' bin ich ein Gotteskind.

Gerade auch dieser Gnadenakt ist ein Beweis dafür, daß Gottes Erwählung und Berufung dieses Volkes in Abraham sogar bis in die Ewigkeit hinein noch Gültigkeit hat. Im Blick auf diese Erwählung und Berufung Israels schrieb der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer: Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber nach Gottes gnädiger Wahl sind sie Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. (Röm. 11, 28-29).

Bei der Betrachtung des Sendschreibens and die Gemeinde zu Laodicea, am Schluß von Kapitel 3, wurde bereits auf diesen nackten und bloßen Zustand aufmerksam gemacht: Dante Alighieri, der größte italienische Dichter (Mai 1265-14.9.1321 n. Chr.), hat in seinem Hauptwerk "Divina Commedia", seiner "Göttlichen Komödie", den nackten Zustand der verdammten Seelen im Jenseits in kaum zu überbietender Furchtbarkeit beschrieben und schließt seine Schilderung:

Drum ist es recht,
Drum ist es recht,
Daß der unendlich leidet,
Der sich um eitlen Tand
Von Gottes Liebe scheidet.

Das flehentliche Schreien und Rufen dieser Märtyrer im Himmel: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächest nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? Aus dem Inhalt dieser Worte geht hervor, daß diese Blutzeugen ihr flehentliches Rufen direkt an den Thron Gottes gerichtet haben. Sie reden den Herrn nicht als lieben Heiland, sondern vielmehr als Herrscher an. (Im griechischen Urtext steht: hw despwteV = ho despotes = unumschränkter Gebieter, was aber nicht mißzuverstehen ist mit dem im heutigen Sprachgebrauch gewöhnlich dafür verwendeten Wort: Gewaltherrscher).

Diesem Herrn Jesus Christus hat der Vater im Himmel ja alle Gewalt übertragen, wie er seinen Jüngern noch kurz seiner Himmelfahrt bestätigte: Und Jesus trat zu ihnen, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (Matth. 28, 18). Sogar auch das Gericht zu halten, darum daß er des Menschen Sohn ist: Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber, und hat ihm Macht gegeben, das Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. (Joh. 5, 26-27). Wie auch der Apostel Paulus in Athen erklärte: Die Zeit der Unwissenheit zwar hat Gott übersehen; nun aber gebietet er den Menschen, daß alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag gesetzt, an welchem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn auferweckt hat von den Toten. (Apg. 17, 30-31).

Beachtenswert ist, daß dieser Ruf ein Schreien nach Vergeltung und Rache ist, an denen, die auf Erden wohnen. Das ist jedoch niemals die Art und Weise der Glieder am Leibe Jesu Christi. Sie sind gesinnt wie das Haupt ihres Leibes, wie Jesus Christus auch war: Ein jeglicher sei gesinnt wie Jesus Christus auch war: welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, nahm er's nicht als einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. (Phil. 2, 5-7). Dieser aber spricht: Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. (Matth. 5, 43-45).

Jesus selbst ist uns in dieser Gesinnung und göttlichen Haltung mit gutem Beispiel vorangegangen, als er in seiner Todesstunde am Kreuz für seine Henker und Mörder betete: Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! (Luk. 23, 34). Stephanus, der erste Märtyrer der Gemeinde Jesu Christi, hat so auch gleiches in seiner Todesstunde getan: Er kniete aber nieder und schrie laut: Herr, behalte ihnen diese Sünde nicht! Und als er das gesagt, entschlief er. (Apg. 7, 59). Diese gleiche göttliche Gesinnung bringt der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth zum Ausdruck: Bis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße und werden geschlagen und haben keine sichere Stätte und arbeiten und wirken mit unsern eigenen Händen. Man schilt uns, so segnen wir; man verfolgt uns, so dulden wir's; man lästert uns, so reden wir freundlich. Wir sind geworden wie der Abschaum der Welt, jedermanns Kehricht, bis heute. (1. Kor. 4, 11-13).

Dagegen aber fordern die Seelen unten am Altar die Vergeltung und Rache, die Gott sich vorenthalten hat, wie es im Lied des Mose heißt: Die Rache ist mein, ich will vergelten zur Zeit, da ihr Fuß gleitet; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu. (5. Mose 32, 35). Im Lied des Mose, in dem die Geschichte des Volkes Israel geschildert wird, heißt es abschließend: Preiset, ihr Heiden, sein Volk; denn er wird das Blut seiner Knechte rächen und wird an seinen Feinden Rache nehmen und entsühnen das Land seines Volks! (5. Mose 32, 43).

Diese alttestamentliche Gesinnung entspricht dem gerechten Gesetz, das Gott dem Volke Israel durch Mose gegeben hat: Und wer seinen Nächsten verletzt, dem soll man tun, wie er getan hat, Schaden um Schaden, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er einen Menschen verletzt hat, so soll man ihm auch tun. (3. Mose 24, 19-20). Diese Gedanken kennen wir auch aus den Psalmen, um nur einige Beispiele daraus zu nennen: Warum läßt du die Heiden sagen: "Wo ist nun ihr Gott?" Laß unter den Heiden vor unsern Augen kundwerden die Vergeltung für das Blut deiner Knechte, das vergossen ist. (Psalm 79, 10). Herr, sie zerschlagen dein Volk und plagen dein Erbe. Witwen und Fremdlinge bringen sie um und töten die Waisen und sagen: Der Herr sieht's nicht, und der Gott Jakobs beachtet's nicht. (Psalm 94, 5-7). Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns angetan hast! (Psalm 137, 8).

Aus dem Inhalt des uns vorliegenden Textes des fünften Siegels geht nun hervor, daß die Mörder dieser Blutzeugen zur Zeit der Siegelöffnung noch auf Erden lebten. Es mag wie im Märchen klingen, ist aber bitterer Ernst: Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute! Wenn jedoch diese Ereignisse zu Beginn des Jahres 1942 ihren Lauf genommen haben, so sind inzwischen über 50 Jahre vergangen. Mögen die Schuldigen nun noch diesen Rat aus dem Talmud, dem jüdischen Kommentar zur Thora, dem alttestamentlichen Gesetz, für sich beherzigen: Dort haben wir gelernt: Rabbi Elieser sagt: Einen Tag vor deinem Tode kehre um! Die Schüler fragten Rabbi Elieser: Aber weiß denn ein Mensch, an welchem Tag er sterben wird? Er sagte zu ihnen: Um so mehr soll er heute umkehren, vielleicht stirbt er morgen. (aus: Schabbat 153 a).

Die Antwort Gottes auf das flehentliche Rufen seiner getreuen Knechte bleibt nicht aus: ... und ward zu ihnen gesagt, daß sie ruhen müßten noch eine kleine Zeit, bis daß vollends dazu kämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch sollten getötet werden gleichwie sie. Daran können wir ersehen, daß Gott noch mit den Abgeschiedenen spricht, sie tröstet und sie über ihr weiteres Schicksal nicht im unklaren läßt. Er informiert sie deshalb, daß sie ruhen müßten noch eine kleine Zeit. Daraus geht wohl hervor, daß die Abgeschiedenen bereits geruht haben, und daß ihr Zustand, wenn auch noch unvollkommen, doch schon ein seliger ist. So berichtet nun der Apostel Johannes später in Kapitel 14 (Offb. 14, 13) dieses: Und ich hörte eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.

Im Evangelium nach Lukas, dem Arzt, wird uns das Gleichnis von der bittenden Witwe berichtet, das Jesus den Pharisäern erzählte. Dort heißt es: Da sprach der Herr: Höret hier, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen ihr Recht schaffen in Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinest du, er werde den Glauben finden auf Erden? (Luk. 18, 6-8). Dr. C. I. Scofield erklärte dann diese Worte Jesu so: Diese Stelle bezieht sich nicht auf den persönlichen Glauben, sondern auf den Glauben an das Ganze der geoffenbarten Wahrheit. Das Volk Israel mag dann noch im Unglauben sein, aber der Herr hört und erhört das Rufen seiner Auserwählten.

Die Antwort Gottes wird so vervollständigt durch diese Worte: ... bis daß vollends dazu kämen ihre Mitknechte und Brüder, die auch noch sollten getötet werden gleichwie sie. Das will uns doch sagen, daß die blutigen Verfolgungen und Leiden dieses jüdischen Volkes leider noch nicht abgeschlossen sind, sondern "noch eine kleine Zeit" fortdauern. Der Prophet Jeremia hat schon darauf hingewiesen, indem er diese Worte des Herrn dem Volke Israel zum Aufschreiben weitergab: Wehe, es ist ein gewaltiger Tag, und seinesgleichen ist nicht gewesen, und es ist eine Zeit der Angst für Jakob; doch soll ihm daraus geholfen werden. Es soll aber geschehen zu dieser Zeit, spricht der Herr Zebaoth, daß ich das Joch auf deinem Nacken zerbrechen will und deine Bande zerreißen. Sie werden nicht mehr Fremden dienen, sondern dem Herrn, ihrem Gott, und ihrem König David, den ich ihnen erwecken will. (Jer. 30, 7-9).

Von dieser Schau her gesehen, ist das fünfte Siegel doch nichts anderes, als nur die apokalyptische (= endzeitliche) Darstellung jener Greuelszene, in der die gräßliche Niedermetzelung und Ausrottung des jüdischen Volkes geschildert wird, die in der "Endlösung der Judenfrage" in den KZ-Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ihren bisherigen, überaus grausamen Höhepunkt erreichte. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn wir nun im Geiste die Gequälten einmütig weiterflehen hören:

Unsere Last treibt uns zu rufen,
Alle schreien wir dich an:
Zeig' doch nur die ersten Stufen
Der gebroch'nen Lebensbahn!

Dann wollen wir einen Blick auf die Ereignisse werfen, die dann bei der Öffnung des sechsten Siegels stattgefunden haben:

Und ich sah: als es das sechste Siegel auftat, da ward ein großes Erdbeben, und die Sonne ward finster wie ein schwarzer Sack, und der Mond ward wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von großem Wind bewegt wird. Und der Himmel entwich, wie ein Buch zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden bewegt von ihrer Stätte. Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Gewaltigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen an den Bergen und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallet über uns und verberget uns vor dem Angesichte des, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen? (Offb. 6, 12-17).

Der Apostel Johannes versucht nun, das von ihm geschaute erhabene und gewaltige Bild vor unseren Augen zu enthüllen. In prophetischer Schau sieht er die Enthüllung des sechsten Siegels und die damit in Verbindung stehenden apokalyptischen Ereignisse. In dieser Schilderung haben manche schon das letzte Weltgericht gesehen, also den Untergang von Himmel und Erde, wie der Herr Jesus gesagt hat: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. (Matth. 24, 35, so auch Mark. 13, 31 und Luk. 21, 33).

Von der Kreuzigung Jesu wird uns berichtet: Und es war schon um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels zerriß mitten entzwei. (Luk. 23, 44-45). Dann heißt es noch zusätzlich: Und die Erde erbebte und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. (Matth. 27, 52-53).

Auch diese Beschreibung ist so ähnlich wie die jetzt von Johannes geschauten Ereignisse. Wenn hier ebenso Himmel und Erde bewegt werden, so ist es doch nicht so, daß bei der Öffnung des sechsten Siegels schon das Weltende gekommen ist. Das ist durchaus nicht unbegründet, deshalb ist es sicherlich sehr interessant für uns, eine Aussage nachzulesen, die schon vor vielen Jahren gemacht wurde, also noch völlig unvoreingenommen für unsere Zeit: Die Öffnung des sechsten Siegels scheint furchtbare Naturkatastrophen auszulösen: Ein großes Erdbeben, Sonnen- und Mondfinsternisse und Sternregen werden unter den Menschen Schrecken verbreiten (Offb. 6, 12-17). Man hat bisweilen angenommen, die Sprache dieser Verse sei bildlich gemeint, und es handle sich daher wieder um Kriege und Revolutionen. Zwingt der moderne Krieg die Menschen nicht, sich buchstäblich "in Klüften und Felsen zu verbergen" (Offb. 6, 15-17)? Aber warum sollte Gott nicht auch direkt durch Zeichen und Umwälzungen in der Natur eingreifen, als letzte Warnung vor der Öffnung des siebenten Siegels? - Wir müssen auch noch feststellen, daß das sechste Siegel lediglich die Einleitung zum "großen Tag des Zornes des Lammes" ist, der durch die sieben Posaunen und namentlich durch die Zornesschalen dargestellt wird. (Dr. P. de Benoit in seinem Buch: "Was der Geist den Gemeinden sagt", Verlag "Emmaus", Vennes s. Lausanne, Jan. 1941).

Viele äußerst furchtbare Naturkatastrophen haben sich schon in der Vergangenheit ereignet, auch andere gewaltige Erscheinungen in der Natur, die sogar teilweise in der Bibel berichtet sind. Und ich sah: als es das sechste Siegel auftat, da ward ein großes Erdbeben, und die Sonne ward finster wie ein schwarzer Sack, und der Mond ward wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von großem Wind bewegt wird. Im griechischen Text steht nun für "großes Erdbeben" die Bezeichnung: seismoV mhgaV = seismos mégas. Damit wird eher eine allgemeine, örtlich unbegrenzte, kosmische Erschütterung beschrieben. So werden darum auch mit demselben Wort in der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes, der Septuaginta (= LXX), die gewaltigen Störungen im Lufthimmel bezeichnet, wie sie der Prophet Joel beschrieben hat: Vor ihm erzittert das Land und bebt der Himmel, Sonne und Mond werden finster, und die Sterne halten ihren Schein zurück. (Joel 2, 10).

Der Prophet Sacharja erwähnte sodann ein gewaltiges Erdbeben in längst vergangener Zeit: Und ihr werdet fliehen, wie ihr vorzeiten geflohen seid vor dem Erdbeben zur Zeit Usias, des Königs von Juda. (Sach. 14, 5). Der Prophet Amos bezeugte das auch zu Beginn seiner Botschaft: Dies ist's, was Amos, der unter den Schafzüchtern von Thekoa war, gesehen hat über Israel zur Zeit Usias, des Königs von Juda, und Jerobeams, des Sohnes des Joas, des Königs von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben. (Amos 1, 1). Über das Erdbeben wissen wir nichts Näheres; es war etwa 690 v. Chr., zur Zeit des Königs Asarja, der auch den Namen Usia trägt (2. Kön. 15, 1).

Wie bereits erwähnt, fand am 1. November 1755 das große Erdbeben in Lissabon statt. Dieses war derart gewaltig, daß man es in den Alpen und sogar noch an der schwedischen Küste ohne Seismographen verspüren konnte. Dieses Beben hat man auf den Antillischen Inseln, ja selbst in den Großen Seen zwischen Kanada und den U.S.A., sowie im Flachland von Deutschland verspürt. Die Wellen des Meeres in den Kleinen Antillen stiegen sieben Meter hoch, und sie waren von tiefschwarzer Farbe. Auf einer Fläche von mehr als der vierfachen Größe Europas hat man dieses Erdbeben gespürt, so daß man sagen konnte, daß die ganze Erde bebte. Das stellte sicherlich auch schon eine Vorerfüllung dieses Gerichtes der Offenbarung dar.

Nach der Beschreibung des Apostels Johannes können wir also davon ausgehen, daß es sich um ein großes Erdbeben handelt, so gewaltig wie kein anderes in der Geschichte der Menschheit bis zu jenem Zeitpunkt. Die Erschütterungen werden dann, mehr oder auch weniger stark, auf der ganzen Erde spürbar sein. Es wäre jedoch sicherlich falsch, jetzt anzunehmen, daß alle Berge und Inseln verschwinden werden, wie bei einem Weltende. Sie werden hier nur "bewegt von ihrer Stätte" oder "bewegt aus ihren Örtern" (Luthertext von 1914), das heißt erschüttert.

Auf die apokalyptischen Ereignisse unseres zu Ende gehenden Jahrhunderts weist schon der Herr Jesus in seinen Zukunftsreden an die Jünger hin: Dann sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben wider das andere und ein Reich wider das andere, und es werden geschehen große Erdbeben und hin und her Pestilenz und teure Zeit; auch werden Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel geschehen. (Luk. 21, 10-11). In einem Lexikon ist zu lesen: Jährlich werden etwa 150 000 Erdbeben registriert, davon rund 20 Großbeben. Die Erdbeben nehmen jedoch jährlich in der ganzen Welt in einer außerordentlich erschreckenden Weise zu. Geologisch gesehen entstehen die meisten Erdbeben durch ruckartige Verschiebungen der Erdplatten unter der Erdkruste, deshalb auch tektonische Beben (Dislokationsbeben) genannt. Die Erdkruste reicht bis durchschnittlich 33 km Tiefe und schwimmt auf der glutheißen Magma (= Gesteinsschmelze), die im Inneren der Erde vorhanden ist.

Alsdann kommt auch noch zu den Wehen, die das Weltall erschüttern, die Verfinsterung der Sonne: ... und die Sonne ward finster wie ein schwarzer Sack, und der Mond ward wie Blut.Diese apokalyptischen Aussagen sind jedenfalls nicht zu vergeistlichen, sondern durchaus buchstäblich zu verstehen. Im Luthertext von 1914 heißt es an dieser Stelle:schwarz wie ein härener Sack. Es handelt sich hierbei um ein grobes Gewand, aus dem Haar einer schwarzen Ziege gefertigt und in Zeiten der Trauer getragen. Von dieser Möglichkeit einer kosmischen Katastrophe spricht die Bibel an mehreren Stellen.

Über die neunte Plage über den Pharao und Ägypten wird uns berichtet: Da sprach der Herr zu Mose: Recke deine Hand gen Himmel, daß eine solche Finsternis werde in Ägyptenland, daß man sie greifen kann. Und Mose reckte seine Hand gen Himmel. Da ward eine so dicke Finsternis in ganz Ägyptenland drei Tage lang, daß niemand den andern sah noch weggehen konnte von dem Ort, wo er gerade war, drei Tage lang. Aber bei allen Kindern Israel war es licht in ihren Wohnungen. (2. Mose 10, 21-23). Heute nehmen wir an, daß Gott dazu einen Vulkanausbruch auf der Insel Thera benutzte, die seit dem Mittelalter auch als Santorin (von italienisch: Santa Irene) bezeichnet wird. Die heutige, neu-griechische Bezeichnung ist Thira. Nur die Israeliten haben Licht in ihren Wohnungen: Gott ist den Seinen Licht!

Dazu heißt es in einem Lexikon: Santorin, Thira, Thera, südlichste griechische Kykladeninsel, 76 km2, 7 800 Einwohner, Hauptort Thira; Fremdenverkehr, vulkanische Tätigkeit. - Das antike Thera wurde um 1500 v. Chr. von einem Vulkanausbruch zerstört. Die von den Menschen verlassenen Trümmer wurden durch die Explosion des riesigen Vulkankraters unter einer bis 20 m hohen Bimssteinschicht verschüttet, wobei auch große Teile der ursprünglichen Insel versanken. Durch deutsche Ausgrabungen wurde eine griechische Stadt mit Theater, Gymnasien, Tempeln und vielen Privathäusern freigelegt. Großartige neue Funde seit 1969, vor allem Fresken. Die Insel Santorin liegt ungefähr 113 km nördlich von Kreta.

Mose berichtet weiter über die Erscheinung des Herrn auf dem Berg Sinai: Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Mose führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen, und es trat unten an den Berg. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr auf den Berg herabfuhr im Feuer; und der Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte sehr. Und der Posaune Ton ward immer stärker. Und Mose redete, und Gott antwortete ihm laut. (2. Mose 19, 16-19).

Finsternis ist oft eine Begleiterscheinung des Strafgerichtes Gottes. Eine solche Finsternis fand als Vorerfüllung am 19. Mai 1780 im nordöstlichen Teil der Vereinigten Staaten von Amerika statt und dauerte einen ganzen Tag lang. Die Sonne hatte sich plötzlich verdunkelt. Von morgens ab 10 Uhr war es dort so dunkel, daß man weiß von schwarz nicht unterscheiden konnte. In der darauffolgenden Nacht stand der Vollmond blutrot am Himmel. Dasselbe Schauspiel erlebte man dann in Europa im Jahre 1783.

Die genaue Ursache dieses überaus erstaunlichen Phänomens ist anscheinend bis heute nicht bekannt. Möglicherweise könnte es ebenfalls durch Trübungserscheinungen in der Erdatmosphäre zustande gekommen sein. Dies geschieht öfters nach Erdbeben in Verbindung mit Vulkanausbrüchen. Über den Ausbruch des Krakatau oder Krakatao vom 26.-28. August 1883 wurde gesagt, daß es der gewaltigste der Neuzeit gewesen sei. Diese Vulkaninsel in Indonesien war vorher etwa 800 Meter hoch, doch wurde der Gipfel des Berges dabei weggesprengt durch eine gewaltige Explosion. Diese verursachte eine Flutwelle von etwa 15 Metern Höhe, die 36 000 Menschen auf der nahegelegenen Insel Java tötete. Staub, Asche und Rauch stiegen damals auf in eine Höhe von fast 30 Kilometern und der Krach der Explosion soll sogar selbst in Konstantinopel, sowie in Australien, den Philippinen und Japan gehört worden sein. Die atmosphärischen Auswirkungen umrundeten die Erde und verursachten ungewöhnliche Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangsbedingungen noch Monate danach.

Bei einem Ausbruch des Vesuv am Golf von Neapel in Italien im Jahre 1906, zum Beispiel, gelangten Asche und Staub gar bis an die Nordsee und nach Spanien. Das war allerdings eine stärkere Tätigkeit dieses Vulkans, der auch heute noch aktiv ist. Der Doppelgipfel dieses 1281 m hohen Berges besteht aus dem Monte Somma und dem jungen Kegel des eigentlichen Vesuvs, der nach dem Ausbruch vom 24.8.79 n. Chr. entstand und seine heutige Gestalt nach über 70 nachgewiesenen Ausbrüchen erhielt. Damals wurden die römischen Siedlungen Pompeji (ca. 25 000 Einwohner), Herculaneum und Stabiae unter einer Lava und Ascheschicht förmlich begraben. - Ebenso verursachte dann auch der Ausbruch des Mount Katmai in Alaska (Valley of Ten Thousand Smokes) im Juni 1912 ganz erhebliche Trübungen in der gesamten Atmosphäre über etliche Hunderte Kilometer hinweg. Der Gipfel dieses Berges wurde zudem bei diesem großen Vulkanausbruch regelrecht weggesprengt, wobei in der Folge dann glühende Lava das Tal in unmittelbarer Nähe gänzlich bedeckte.

Bei Vulkanausbrüchen wird die Atmosphäre, die Lufthülle der Erde, in einer Höhe von 40 bis 60 km durch Gase und winzige Teile fester Substanzen total verstaubt. Bis noch vor kurzer Zeit galt diese Luftschicht als absolut sauber. Allerdings haben inzwischen russische Astrophysiker diese Meinung widerlegt. Heute zählt man fast 250 tätige Vulkane, zu denen sich dann noch etwa 80 unterseeische gesellen. (nach Knaurs Weltatlas, Droemersche Verlagsanstalt, München, Ausgabe 1950/51, Seite 38, bzw. Ausgabe 1955, Seite 15).

Das blutfarbene Aussehen des Mondes ist ein weiteres Merkmal unseres Textes. Dabei fällt auf, daß der Prophet Joel bereits die gleiche Voraussage für unser nun bald zu Ende gehendes Zeitalter machte: Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. (Joel 3, 4). Das heißt, jetzt in unserer Zeit, vor dem Tag des Herrn, der großen Trübsal für Israel. So gibt der Prophet Maleachi noch ein weiteres Zeichen: Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt. (Mal. 3, 23). Mehr darüber später bei der Betrachtung von Kapitel 11.

Das nächstfolgende Ereignis ist das Herabfallen der Sterne vom Himmel, das dann so beschrieben wird in diesem Text: ... und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von großem Wind bewegt wird. Es handelt sich hierbei um olunJoi = olynthoi, das sind ganz kleine grüne Feigen, die im Herbst oder Winter am Baum wachsen. Diese werden jedoch nur selten reif und deshalb bei einem schwachen Sturm leicht vom Baum geblasen. Sie sind meistens auch ganz verschrumpelt und sitzen gar so lose, daß die kleinste Berührung sie herunterwirft. Der erwähnte Sternenregen oder Sternenhagel ist nun durchaus als eine meteorische Erscheinung (= Sternschnuppenfall) zu verstehen. - Ein solcher gewaltiger Sternschnuppenfall hat bereits als Vorerfüllung in der Nacht vom 12. zum 13. November 1833 um zwei Uhr über Nordamerika und dem westlichen Atlantik stattgefunden und währte etwa drei Stunden lang. Die Welt erlebte diesen Sternenregen gar wie einen Schneesturm, denn die Sternschnuppen waren nämlich so dicht wie Schneeflocken, so daß schätzungsweise 500 000 Sterne vom Himmel fielen.

Am 9. Dezember 1997 ereignete sich ein ähnliches Naturereignis an der Südspitze der Insel Grönland. Die Besatzungen von vier Trawlern (so nennt man Fangschiffe mit Schleppnetz), die vor der Küste fischten, hatten einen Feuerball von der Größe einer kleinen Atombombenexpolsion gemeldet. Inzwischen liegen eine ganze Fülle von Augen- und Ohrenzeugenberichten über das außergewöhnliche Phänomen von der größten Insel der Welt vor. Danach soll der niedergegangene Himmelskörper in den Morgenstunden über eine Entfernung von 800 Kilometern die Nacht zum Tage gemacht haben. Einwohner des Hauptortes Nuuk und der kleineren Gemeinde Fiskenässt haben demzufolge das Ereignis sowohl optisch als auch akustisch wahrgenommen. Dabei soll der Lichtbogen bis zur Erdoberfläche gereicht haben. Starke Windböen hätten diesen ungewöhnlichen Vorgang kurz nach fünf Uhr am Morgen begleitet. Seismologische Beobachtungen, die nach Zeit und Ausstrahlungsort dazu gepaßt hätten, sollen von Stationen in Norwegen und Finnland registriert worden sein.

Der gewaltigste Sternenregen (= Meteoritenschauer) dieses Jahrhunderts ging dann am 30. Juni 1908 an der Steinigen Tunguska in Sibirien nieder. Damals wurde dort ein riesiges Waldgebiet von etwa 40 mal 50 Kilometern Größe (= 2 000 qkm/km2) dem Erdboden gleichgemacht. Es handelte sich hierbei um einen Riesenmeteor mit einer Masse von weit über 1 000 t. Trotz seines vorhergehenden Zerplatzens in großer Höhe richtete der Meteoritenschauer noch diese großflächigen Zerstörungen an. Viele haben seinerzeit den so entstandenen Sternenregen aus einer Entfernung von mehreren hundert Kilometern bei vollem Tageslicht beobachtet, und die Einschläge wurden in einer Entfernung von über achtzig Kilometern noch deutlich verspürt. - Die spätere Revolution und Kriegswirren in Rußland hatten die Aufklärung in dem abgelegenen Gebiet um etliche Jahre verzögert. Die Steinige Tunguska ist ein Fluß in Sibirien (russ. Podkamennaja Tunguska), etwa 1 500 km lang, der in den Jenissei mündet. Dieser ist über 4 000 km lang und fließt in die Karasee am nördl. Eismeer.

So wurde schon eine große Anzahl dieser Meteoritenschauer in der Vergangenheit festgestellt, auch wurden bereits viele dieser Himmelskörper gefunden. Meteoriten sind Gesteins- und Nickeleisenkörper außerirdischen Ursprungs, die bei ihrem Flug durch die Atmosphäre nicht wie Sternschnuppen vollständig verglühen, sondern die Erdoberfläche erreichen. Größere Meteoriten, die gewiß einen riesigen Einschlagskrater hinterlassen, sind sehr selten. Der größte aufgefundene Meteorit bei Hoba in Namibia hat ein Gewicht von 54,4 Tonnen. Der Vredefort-Ring in Südafrika ist mit 40 Kilometern Durchmesser der wohl größte Meteroritenkrater. Jedes gute Lexikon gibt Auskunft darüber, deshalb nur diese Beispiele.

Hierbei muß noch beachtet werden, daß die meisten Sterne weit größer als unsere Erde sind, dazu noch ungeheuer heiß. Ein Zusammenstoß mit auch nur einem einzigen solchen Stern würde sofort die totale Vernichtung unseres Planeten bedeuten, insbesondere auch wegen der unvorstellbaren Geschwindigkeit, mit der ein solcher Aufprall erfolgen würde. Es kann sich demnach bestenfalls um Meteoriten oder kosmische Kleinkörper handeln, die der Apostel Johannes in der Sprache seiner Zeit zu beschreiben sucht. Mit dem Entweichen des Himmels verhält es sich ähnlich wie mit dem Fallen der Sterne. Es bedeutet nicht, daß der Himmel zu diesem Zeitpunkt vernichtet wird, sondern daß er aus der Sicht des Beobachters entweicht, das heißt unsichtbar wird. So ist dieses Unsichtbarwerden des Himmels auch nur vorübergehend, denn in Kapitel 8 (Offb. 8, 12), bei der vierten Posaune, werden Sonne, Mond und Sterne jedenfalls wieder erwähnt und bestehen deshalb noch längere Zeit weiter. Allerdings wird dann wiederum durch eine Verfinsterung eines Teiles der Erdatmosphäre infolge der kommenden Ereignisse dort der Himmel eingetrübt sein.

Im weiteren Zuge großer Weltereignisse kommt es aber zu einer anderen einflußreichen kosmischen Veränderung: Und der Himmel entwich, wie ein Buch zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden bewegt von ihrer Stätte. Dazu steht in der Lutherbibel erklärt: Der Himmel ist nach dem Schöpfungsbericht die "Feste" (1. Mose 1, 6), die den Lebensraum des Menschen, bergenden Flügeln gleich, gegen das drohende Chaos umfriedet. Dort heißt es dann: Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so. Und Gott nannte die Feste Himmel. Da ward aus Abend und Morgen der zweite Tag. (1. Mose 1, 6-8). Dort wird uns erklärt: Die am 2. "Tag" (6-8) gesetzte Feste (das Firmament) zwischen den Wassern auf der Erde und denen im wasserstoffreichen Luftraum ist die Atmosphäre als Voraussetzung für alles irdische Leben. Die Übersetzung und die Erklärung sind ungenau.

Deshalb zunächst die wörtliche Übersetzung des Konkordanten Alten Testamentes: Und es sagt Alueim: "Es werde eine Luftschicht in der Mitte des Wassers, und es werde eine Scheidung zwischen Wasser und Wasser." Und es wird also. Und es macht Alueim die Luftschicht. Und Er scheidet zwischen dem Wasser, das da ist unter der Luftschicht und dem Wasser, das da ist über der Luftschicht. Und es nennt Alueim die Luftschicht die "Himmel". Und es sieht Alueim, daß es gut ist. Und es wird Abend, und es wird Morgen, zweiter Tag. (Gen. 1, 6-8).

Dann ebenfalls die Elberfelder Bibel (revidierte Fassung) dazu: Und Gott sprach: Es werde eine Wölbung mitten in den Wassern, und es sei eine Scheidung zwischen den Wassern und den Wassern! Und Gott machte die Wölbung und schied die Wasser, die unterhalb der Wölbung von den Wassern, die oberhalb der Wölbung waren. Und es geschah so. Und Gott nannte die Wölbung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: ein zweiter Tag. (1. Mose 1, 6-8). Die Anmerkung lautet so: Das hebr. Wort ist von einem Verbum "feststampfen, breithämmern" abgeleitet und meint eine gehämmerte Platte oder Schale, eine nach allen Seiten ausgeweitete Fläche oder Wölbung. In Psalm 19, 2 wird dies Wort übersetzt mit: Himmelsgewölbe.

Hans Bruns übersetzte ganz unterschiedlich: Dann sagte Gott: "Es werde ein fester Raum mitten zwischen den Wassern, und er soll die Wasser voneinander scheiden." So geschah es. Und Gott machte dies Gewölbe und schied die Wassermassen unterhalb des Gewölbes von den Wassern oberhalb des Gewölbes. Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend. Es wurde Morgen: ein zweiter Tag. (1. Mose 1, 6-8). Demnach ist das Gewölbe gewiß ein "fester Raum", der den Himmel darstellt.

Die Bibel lehrt uns dazu, daß das Paradies oder das Land Eden mit dem Baum des Lebens unmittelbar nach dem Sündenfall Adams aus der sichtbaren in die für uns unsichtbare Welt der vierten Dimension verlagert wurde, die jetzt zusätzlich nach unten hin mit der "Rakia", der Flamme des kreisenden Schwertes abgeschlossen ist. In dem Bericht über den Sündenfall heißt es daher zum Schluß auch: Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens. (1. Mose 3, 24). Die wörtliche Übersetzung lautet allerdings: Und er stellte auf im Osten des Gartens von Eden die Cherubim und die Flamme des kreisenden Schwertes. Diese Flamme des kreisenden Schwertes wurde also nicht den Cherubim in die Hand gegeben, sondern die "Rakia" wird nur ergänzend zu den Cherubim genannt.

Zum Vergleich die wörtliche Übersetzung des Konkordanten Alten Testamentes: Und Er trieb aus den Menschen und ließ ihn weilen gen Osten vom Garten Eden. Und Er setzte die Cherubim und ein flammendes, sich drehendes Schwert, zu bewahren den Weg zum Baume des Lebens.

Der Prophet Hesekiel hat den offenen Himmel, den er gesehen hatte, mit seinen sicherlich nur unzulänglichen Worten so beschrieben: Aber über den Häuptern der Gestalten war es wie eine Himmelsfeste, wie ein Kristall, unheimlich anzusehen, oben über ihren Häuptern ausgebreitet, daß unter der Feste ihre Flügel gerade ausgestreckt waren, einer an dem andern; und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. (Hes. 1, 22-23). Ein Kristall ist farblos, ein wasserheller Quarz, durchsichtig. In einer Auslegung dazu heißt es: Das Gewölbe oder die Feste ist das Abbild jenes Himmelsgewölbes, das der Schöpfer zur Scheidung der irdischen und himmlischen Wasser aufrichtete und über dem er seinen Thron hat. (Walther Eichroth, Der Prophet Hesekiel, 1965, Seite 8). Die Klarheit und Durchsichtigkeit des Kristalls wird auch an anderen Stellen erwähnt: Und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall. (Offb. 21, 11). Dann noch einmal: Und er zeigte mir einen Strom des lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes. (Offb. 22, 1). Die Feste ist gewiß lichtdurchlässig.

Luther übersetzte das hebräische Wort "Rakia" mit "Feste", darüber ist nun augenblicklich die göttliche Hoheitssphäre, die dem Menschen jetzt unzugänglich ist. Dafür gebraucht die konkordante Übersetzung das Wort "Luftschicht", während Elbf. und Bruns für "Rakia" nun "Gewölbe" einsetzen und Bruns außerdem einen "festen Raum" darunter versteht. Alle diese Übersetzungen sind jedoch unzulänglich, denn es bedeutet eher alles zusammen. Diese Feste ist eine Luftschicht mit kreisender, feuriger Materie, die sich unsichtbar zwischen Himmel und Erde befindet. Unter dieser Feste, der dritten Dimension der sichtbaren Welt, in der wir alle dann gegenwärtig leben, verläuft seit dem Sündenfall die ganze Menschheitstragödie. Dorthin ist auch der Sohn Gottes gekommen und gekreuzigt worden. Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3, 16).

Die Physiker, Weltraumforscher und Astronauten kennen ebenfalls einen die Erde umgebenden Strahlungsgürtel, den sogenannten Van-Allen-Gürtel, der nach dem amerikanischen Physiker James Alfred Van Allen (geb. 1914) benannt ist. Dieser Strahlungsgürtel wurde zuerst im Jahre 1958 mit Satelliten entdeckt. Hierbei handelt es sich um eine gürtelförmig um die Erde liegende Zone, in der die elektrisch geladenen Teilchen der Höhenstrahlung vom Magnetfeld der Erde eingefangen werden. Diese ionisierende, kosmische Strahlung sehr hoher Intensität dringt aus dem Weltraum in die Erdatmosphäre ein. Der Strahlungsgürtel liegt rotationssymmetrisch zur magnetischen Erdachse wie etwa eine kreisende Schale um die Erde und erstreckt sich sogar bis zu ungefähr 45 000 km Höhe über der Erdoberfläche. Die größte Strahlungsintensität herrscht in zwei Zonen, demzufolge sind es eigentlich wohl auch zwei Strahlungsgürtel: einer etwa um 3 000 km und ein anderer um 20 000 km über der Erdoberfläche. Die Teilchen stammen aus dem Sonnenwind, werden teilweise vom Magnetfeld der Erde abgelenkt und erzeugen beim Eintritt in die Erdatmosphäre das Polarlicht; in unseren Breiten jedoch selten zu beobachten.

Das "Zofinger Tageblatt" (Schweiz) berichtete folgendes am Montag, dem 15. Mai 1972: Die Mission von Apollo 16 hat bewiesen, daß die Erde von drei atmosphärischen Gasschichten umgeben ist und nicht nur von zwei, wie bisher angenommen worden war. Nach Angaben von Wissenschaftlern der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA konnten die drei Gasringe anhand von 209 Aufnahmen, die mit einer Ultraviolett-Kamera vom Mond aus von der Erde gemacht wurden, einwandfrei nachgewiesen werden. Wie sich herausstellte, gibt es zwei dichte Ringe aus Sauerstoff und Wasserstoff und darüber hinaus noch einen dritten Ring, der aus beiden Gasen besteht. Diese äußere, atmosphärische Schicht war den Astronomen bisher durch die beiden inneren, sehr dichten Ringe verborgen geblieben.

Demnach ist unsere Erde in einen mehrfachen Strahlungsgürtel eingebettet. Diese Schutzhülle unseres Planeten (= Erdaura) ist bereits zu einem sehr wichtigen Teil durch gewaltige Superexplosionen aufgerissen, und in diese Trichter hinein strömt unaufhörlich diese beunruhigende kosmische Strahlung. Dieser bis zur Stunde jedenfalls noch größtenteils unbekannte Umwandlungsprozeß führt zu katastrophalen Veränderungen in der atmosphärischen und biologischen Welt, die noch durch die Emission (= Abgabe) von sogenannten Treibhausgasen erheblich verstärkt werden. Bei den atmosphärischen Auswirkungen ist durch die Beeinflussung des Klimas mit einem erheblichen Temperaturanstieg zu rechnen; wegen der beängstigenden biologischen Folgen kommt es aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer starken Zunahme von Hautkrebserkrankungen. Wissenschaftler nehmen an, daß die Zerstörung dieses Schutzgürtels (= Ozonschicht) sich wahrscheinlich noch beschleunigen wird und so die durchschnittliche Temperatur an der Erdoberfläche (bisher 15 C) innerhalb von jeweils zehn Jahren um l C ansteigen könnte. Dieser Temperaturanstieg soll eine weltweite Klimaveränderung zur Folge haben, deren Auswirkung sich bei der Vielzahl der voneinander abhängigen Faktoren noch nicht genau beurteilen läßt.

Die Bodentemperaturen in der westlichen Arktis Kanadas, Alaskas und in Ost-Sibirien steigen etwa zwei- bis dreimal so schnell wie im globalen Durchschnitt: fast 3 ° C in 30 Jahren. Der Großteil des arktischen Ozeans hat sich seit 1987 um mehr als 1 ° C erwärmt, und mehr als fünf Prozent des See-Eises sind in den vergangenen 15 Jahren verschwunden. Messungen der arktischen Eiskappe haben ergeben, daß mindestens 15 Prozent des Eisvolumens von einer Fläche von 300 440 Quadratkilometer verloren gegangen sind. Der größte Gletscher der Welt, der Bering-Gletscher in der Arktis Kanadas, ist im Laufe dieses Jahrhunderts um zehn bis zwölf Kilometer geschrumpft. Das Gletscherschmelzen hat zu einem Anstieg des Meeresspiegels von zwei bis fünf Zentimeter beigetragen. Innerhalb dieses Jahrhunderts ist der Meeresspiegel insgesamt um zehn bis 25 Zentimeter gestiegen. (Dieser Abschnitt ist so wörtlich erschienen im "Luxemburger Wort" vom 28. November 1997)

Im gleichen Zusammenhang geschehen auch große geographische Veränderungen in der Gestalt der Erdoberfläche: ... und alle Berge und Inseln wurden bewegt von ihrer Stätte.Diese Veränderungen der Erdoberfläche werden durch große Erdbeben, sowie durch den Einsatz nuklearer Energie geschaffen. Dabei denken wir an das große künstliche Erdbeben im Jahre 1952 in Rußland, am Fuße des Urals, wo ganze Gebirgszüge plötzlich von der Erde verschwunden sind. Ebenfalls erinnern wir uns an die ersten Versuche mit der Detonation von Wasserstoffatomen, die zur Herstellung der Wasserstoffbombe führten. Es war am 1. November 1952 als die erste dieser neuartigen Bomben, der man den Namen "Mike" gab, auf der Südseeinsel Elugelab zur Explosion gebracht wurde. Die Gewalt dieser Detonation war fünfmal größer als man zuvor berechnet hatte. Die Insel Elugelab sowie Teile der beiden benachbarten Inseln wurden dabei durch die Wucht dieser Explosion förmlich aus der Erde gerissen und sind daraufhin im Meer versunken. Damals wurde in den Nachrichten ausführlich darüber berichtet und auch Bilder dazu veröffentlicht.

Wenn wir alle diese furchtbaren Naturkatastrophen im Zusammenhang sehen, dann ist es augenscheinlich, daß die größten Auswirkungen durch menschliches Eingreifen verursacht worden sind. Diese Eingriffe in die Natur haben mit dem Beginn des Atomzeitalters wirklich apokalyptische Ausmaße angenommen. Es ist deshalb auch nicht von ungefähr, daß eines der schrecklichsten Gerichte Gottes nun hier im Text des sechsten Siegels in einer geradezu infernalischen (= lat. inferi = unterirdisch, höllisch, teuflisch) Weise geschildert wird. Mit diesem Siegelgericht sucht Gott die letzte Zeit im engsten Sinne einzuleiten und so auf das Schreien der Märtyrerseelen des fünften Siegels zu antworten. Die im Text gebrauchten Ausdrücke können nur andeutungsweise das grausame Drama beschreiben, daß mit der Öffnung dieses sechsten Siegels seinen Anfang genommen hat.

Wenn wir dann auch noch die im Text dieses sechsten Siegels gemachten apokalyptischen Angaben mit den zum Teil schon in Erfüllung gegangenen wichtigen Ereignissen auf technischem, politischem und militärischem Gebiet vergleichen, dann leuchtet uns durchaus ein, daß die Öffnung dieses Siegels bereits mit dem Abwurf der ersten Atombombe auf die japanische Großstadt Hiroshima erfolgt ist. Die Tageszeitung "Die Welt" schrieb am Freitag, dem 20. November 1970, einen Artikel mit der bezeichnenden Überschrift: "Hiroshima beendete ein Zeitalter". - Von prophetischer und zeitgeschichtlicher Sicht aus gesehen, hat damals nämlich das atomare oder nukleare Zeitalter begonnen, das einfach auch als Atomzeitalter bezeichnet wird.

Das Duden-Lexikon A-Z erklärt: Atomzeitalter, eine Bezeichnung für das gegenwärtige Zeitalter, beginnend mit der Explosion der ersten Atombombe (1945), gekennzeichnet durch die technische Nutzung der Kernenergie. Die Vorgeschichte dazu begann bei Los Alamos in Neu-Mexiko in den U.S.A., als in einer Wüste dort ein erster Versuch durchgeführt werden sollte. Voller Spannung hatten sich damals eine große Anzahl der an diesem Projekt beteiligten Wissenschaftler versammelt. Dann geschah das für alle beinahe Unvorstellbare: In einem nun wahrhaft apokalyptischen Szenario stieg der erste Atompilz gen Himmel. Zum ersten Mal sahen so Menschen die zerstörerische Kraft und die verheerenden Auswirkungen der Atombombe, die dann auch noch den Namen "Trinity" bekam, übersetzt: Dreieinigkeit.

Wie gebannt starrten sie auf dieses unheimliche Geschehen. Da schrie einer der Wissenschaftler, der amerikanische Physiker Robert Oppenheimer (1904-1967), der Leiter der Atombombenentwickung, in die lautlose und spannungsgeladene Stille hinein: "Mein Gott, wir haben ja die Hölle geschaffen!" (My God, we've created hell.). Sich an einen Pfahl klammernd, zitierte er dann aus einem alt-indischen Epos: "Ich bin der Tod, der alles raubt, ich bin Erschütterer der Welten ...".

Mit diesem Ausruf kommt aber die unbestreitbare Tatsache zum Ausdruck, daß sich die Menschen tatsächlich die Hölle geschaffen haben. Von diesem Zeitpunkt an sind sie nun wirklich in der Lage, die ganze Welt buchstäblich in eine Hölle zu verwandeln. Mit der Erfindung der Atombombe ist die Menschheit in das letzte Stadium der Weltgeschichte eingetreten. Und die Hölle ließ nicht lange auf sich warten. Am 6. August 1945 um 8.15 Uhr Ortszeit erfolgte der Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima, eine Uranium-Bombe mit einer Sprengkraft von "nur" 20 000 Tonnen des herkömmlichen Sprengstoffs TNT.

Die Wirkung war überaus katastrophal. Am Himmel erschien zunächst ein Blitz, der sich von einem Ende des Horizonts zum anderen ausbreitete. Dann jagte eine äußerst mörderische Druckwelle mit Überschallgeschwindigkeit über die Stadt, und ein unbeschreibliches Brüllen erfüllte die Luft. Die Stadt wurde nun in einen glühenden Feuerball getaucht, der die Menschen in Schatten verwandelte und sie augenblicklich verdampfte. Sofort entstanden überall Brände, gegen die die Feuerwehr hilflos war. Ein gigantischer Atompilz stieg schätzungsweise 9 000 Meter hoch in die Luft. Der strahlend schöne Sommermorgen in Hiroshima hatte sich so binnen kurzem in gespenstisches Dämmerlicht verwandelt. Schon bald darauf fielen große radioaktive, schwarze Regentropfen vom Himmel, auch der Wind änderte seine Richtung und es entstand ein riesiges Loch in der Atmosphäre.

Nur knapp drei Wochen nach dem ersten Versuch bei Los Alamos, NM, sollte sich also Oppenheimers Ahnung in dem Inferno von Hiroshima auf grauenvolle Weise bestätigen. Das Feuer des Himmels, aus dem die Sterne gemacht werden, war auf die Erde herabgekommen. Dabei entwickelten sich Hitzegrade, wie sie nirgendwo auf Erden zu finden, und riesige Energiemengen, die ebenfalls bisher etwas Unbekanntes gewesen sind. Daher drängt sich beinahe von selbst die Frage auf, handelt es sich hier nicht zweifellos um übernatürliche, kosmische Vorgänge?

Zu Anfang unseres Jahrhunderts galt das Atom noch als kleinstes Teilchen eines Elements, das weder mechanisch noch chemisch geteilt oder verändert werden kann. Dann aber mußte diese Behauptung aufgegeben werden, weil die Wissenschaft inzwischen gefunden hatte, daß das Atom in Wirklichkeit nicht Materie, sondern Energie ist. Sie besteht demzufolge durch eine Kraft, welche die Atomteilchen wie ein winziges Sonnensystem in Drehung versetzt.

Grundlage der Hiroshima-Bombe war die atomare Spaltung von Uran-235, von dem zwei genau dosierte Pakete in einem Rohr mit konventionellem Sprengstoff aufeinander geschossen wurden. Beim Aufeinanderprallen entstanden innerhalb von nur wenigen Millionstelsekunden die berüchtigte "überkritische Masse" und dann die außerordentlich explosive Kettenreaktion. Robert Oppenheimer gilt seitdem als "Vater der Atombombe".

Von den 327 000 Einwohnern der Stadt Hiroshima wurden über 140 000 auf der Stelle verbrannt, genauer gesagt, verdampft. Wo einst eine pulsierende Großstadt stand, befand sich in Sekunden eine atomare Wüste. Noch Jahre später starben viele Tausende an den schrecklichen Nachwirkungen der Atomstrahlung, an Verbrennungen und an Blutkrebs. Unzählige verkrüppelte und mißgestaltete Kinder wurden inzwischen geboren. Auch heute leiden noch zahllose Menschen an den Spätfolgen des ersten Atombomben-Einsatzes.

"Warum wir es getan haben", widmete das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" eine Titelgeschichte dem amerikanischen Schritt, mit dem Bomben das "Age of Anxiety" (= das Zeitalter der Angst) in der Welt eingeläutet zu haben. Der damalige Präsident der U.S.A., Harry S. Truman (8.5.1884-26.12.1972) sagte in jenen Tagen geradezu prophezeiend: "Es ist den Menschen gelungen, in die geheimsten Geheimnisse des Schöpfers einzudringen und sich Kräfte nutzbar zu machen, von denen niemand ahnen kann, welche Folgen daraus entstehen werden.".

Nach dieser Beschreibung ist es nun für uns alle sicherlich unschwer zu erkennen, daß die Öffnung des sechsten Siegels wohl mit dem Abwurf der ersten Atombombe einherging. Die Übereinstimmung mit der Sicht des Johannes ist überaus erstaunlich, wenn man dazu bedenkt, mit was für wenigen und schlichten Worten er dieses phänomenale Geschehen niedergeschrieben hat. Er sagte ganz einfach: ... da ward ein großes Erdbeben, und die Sonne ward finster wie ein schwarzer Sack, und der Mond ward wie Blut, und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von großem Wind bewegt wird. Und der Himmel entwich, wie ein Buch zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden bewegt von ihrer Stätte.

Er hat also nur von einem großen Erdbeben, von der Verfinsterung der Sonne und von einem blutfarbenen Mond geschrieben, dazu noch von einem starken atomaren Aschenregen, auch radioaktiver Niederschlag (engl. Fallout) genannt. Diesen Begriff erklärt das Duden-Lexikon A-Z wie folgt: durch Regen oder trockene Sedimentation bedingte Ablagerung von radioaktivem Staub (nach Kernwaffenexplosionen, 1986 nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl) aus der Atmosphäre. Den Atompilz beschreibt Johannes mit den Worten: Und der Himmel entwich, wie ein Buch zusammengerollt wird. Dann kommt natürlich auch noch das große Loch in der Atmosphäre in Betracht, wobei die schützende Ozonschicht wie eine Buchrolle weggerollt wird. Bei der Beschreibung des Apostels Johannes ist immer besonders auf das Wörtchen "wie" bzw. "gleichwie" zu achten, weil es immer nur Vergleiche sind, mangels einer zutreffenderen Bezeichnung aus heutiger Erfahrung.

Wenn der Apostel Johannes dann auch noch schreibt: ... und alle Berge und Inseln wurden bewegt von ihrer Stätte, so will das doch wohl bedeuten, daß die gewaltigen Erschütterungen sicherlich auf allen Kontinenten feststellbar waren. Mit Seismographen wurden tatsächlich in aller Welt die Auswirkungen dieser ersten Atombombe registriert. Das Duden-Lexikon A-Z erklärt wiederum: Seismograph (griechisch) (Seismometer), Gerät zur Registrierung von Bodenerschütterungen (Erdbeben, atomare Explosionen) in Seismogrammen.

Das Datum dieses Ereignisses ist wieder sehr bemerkenswert. Der 6. August 1945 war auf den Tag genau zweimal 70 Jahre minus ein Jahr (= 2 x 70 - 1 = 139 Jahre) (unvollendet) nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Wie auch bereits an anderer Stelle erwähnt, endete das erste deutsche Kaiserreich an diesem Tage im Jahre 1806 n. Chr., als dessen letzter Herrscher, Kaiser Franz II. (12.2.1768-2.3.1835), unter dem Druck Napoleons die Krone niederlegte. Dieses geschichtliche Datum, der 6. August 1806, ist auch deshalb sehr interessant, da der August der sechste Monat im alten römischen Kalender war, wodurch sich dann die Zahl: 6.6.6 ergibt. Damals war dann der September der siebte Monat, was leicht an dem Monatsnamen zu erkennen ist, da Sept immer Sieben heißt. Mehrmals wurde hier schon die Septuaginta (= LXX) erwähnt, die etwa in der Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. von angeblich siebzig Gelehrten angefertigte griechische Übersetzung des Alten Testamentes. Ebenfalls kennen wir vielleicht den Septakkord oder Septimenakkord, einen Akkord aus Grundton, Terz, Quinte und Septime.

Zum besseren Verständnis, was eine unvollendete oder unvollkommene Zahl von Jahren bedeutet, sei dieses Beispiel angeführt: Abram (Abraham) war 99 Jahre alt (= 100 - 1), als der Herr mit ihm den Bund schloß. Die 99 ist hier das Symbol der Unvollkommenheit, denn erst durch den Bund wurde Abraham ganz und gar volljährig: 100 Jahre (1. Mose 17, 1 ff.). Hundert Jahre war Abraham alt, als ihm sein Sohn Isaak geboren wurde. (1. Mose 21, 5). Aber Gott sprach zu ihm: ... denn nur nach Isaak soll dein Geschlecht benannt werden. (1. Mose 21, 12).

Die römisch-katholische Kirche feiert traditionsgemäß am 6. August das Fest der Verklärung. Durch den außerordentlich hellen Atomblitz fand sicherlich hier eine eigenartige Verklärung in Japan statt. Dennoch dürfen wir bei alledem auch nicht vergessen, daß es Jesus Christus war, das Lamm Gottes, der gleichermaßen dieses sechste Siegel geöffnet hat, wie auch alle anderen vorher. Dieses Siegelgericht bewirkt wiederum, wie dann alle derartigen Gerichte, daß Gottes Gerechtigkeit einmal offenbar wird, wenn das Böse aus dieser Welt gänzlich hinweggetan sein wird.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß drei Tage später, am 9. August, eine Plutonium-Bombe von einem amerikanischen Flugzeug auf die japanische Stadt Nagasaki abgeworfen wurde, die abermals viele Tausende Menschen auf grausamste Weise tötete. In diesem Schicksalsjahr 1945 wurde die Welt in Angst und Schrecken versetzt und man war sich plötzlich bewußt, daß das Ende der Welt nahe war. Mit dem Beginn des Atomzeitalters war es von nun an den Menschen selbst in die Hand gegeben, die ganze Welt zu vernichten, was niemals zuvor möglich war. Die technischen Mittel dazu besaßen sie jetzt und die menschliche Gesinnung ist ja zur Genüge seit Jahrtausenden bekannt.

Im Jahre 1947 erklärte Prof. Albert Einstein in einem Schreiben an den Weltkongreß der Intellektuellen in Breslau: " ... eine Wissenschaft und Forschung, die zur Fratze und zum Dämon geworden ist." Wir können daher nur Gott danken, daß er bisher seine Hand über diese Welt gehalten hat, daß seitdem bis heute keine weiteren Atombomben eingesetzt wurden. Schon allein aus diesem Grunde gilt es für einen jeden, die noch gewährte, völlig unverdiente Gnadenzeit jetzt auszukaufen, indem noch möglichst vielen Menschen das Heil in Jesus Christus angeboten wird.

In der Zeit danach durfte ich so persönlich erleben, wie besonders in den fünfziger Jahren immerfort stärkere Bomben entwickelt und getestet wurden. Die Wochenschauen der Kinos berichteten laufend von neuen Versuchen, zunächst mit Atombomben, die jeweils um ein Vielfaches die schreckliche Wirkung der Bombe von Hiroshima übertrafen. Bald darauf wurden auch Wasserstoffbomben ausprobiert, deren Zerstörungskraft unvorstellbar war. Seit 1949 verfügte auch Rußland über die Atombombe, es folgte dann zunächst im Jahre 1952 erst einmal Großbritannien, einige Zeit später Frankreich, dann China, Indien und wahrscheinlich auch Israel.

Damals deutete vieles darauf hin, daß etwa die halbe Staatengemeinschaft binnen kurzer Zeit entweder selbst Atombomben entwickeln oder sie von den mit ihnen verbündeten Supermächten einkaufen könnte. Apokalyptische Szenarios breiteten sich aus, die bald einen allgemeinen Atomkrieg, den nuklearen Winter und den Untergang der Menschheit ausmalten. Selbst Ungläubige waren davon überzeugt: Die Atombombe machte den Jüngsten Tag plötzlich auch ohne ein Zutun Gottes vorstellbar. In dieser Weltuntergangsstimmung, dem Zeitalter der Angst, begann man schnellstens Atombunker in Gebäuden und unterirdischen Stollen zu bauen. Solche Luftschutzräume sind selbst heute noch Pflicht für jeden Bauherrn in der Schweiz, teilweise auch in Schweden.

Zu jener Zeit wurde die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Es ist deshalb wohl unschwer zu verstehen, was der Apostel Johannes wohl genau in diese Lage hinein dann geschildert hat: Und die Könige der Erde und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Gewaltigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen an den Bergen und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallet über uns und verberget uns vor dem Angesichte des, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen? Ähnliches hat auch Jesus vorausgesagt: Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Decket uns! (Luk. 23, 30).

Von einer panischen Angst ergriffen, suchen die Menschen einen Zufluchtsort und Schutz vor den Gerichten Gottes und vor dem Zorn des Lammes. Sie schreien nicht zum Herrn, der die Welt in seinen Händen hält und so weiteres Unheil abwenden kann, sondern sie wimmern und heulen und rufen dabei nur tote Materie an. Trotz der klaren Erkenntnis Gottes und des Lammes, fehlt auch jetzt eindeutig die Buße. Es ist charakteristisch für den gefallenen Menschen, daß er ja selbst in schlimmsten Notzeiten seine Zuflucht nicht zum Schöpfer, sondern lieber zur Schöpfung nimmt.

Wir haben hier eine siebenfache Aufzählung, die darauf hindeutet, daß die Klassenunterschiede nicht überwunden sind und die Menschheit weiterhin in so verschiedene Stände aufgeteilt ist: Und die (1) Könige der Erde und die (2) Großen und die (3) Obersten und die (4) Reichen und die (5) Gewaltigen und alle (6) Knechte und alle(7) Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen an den Bergen. Die kommunistische Weltrevolution hat also noch nicht stattgefunden, trotz der seit Jahren viel gepriesenen Parole aller sozialistischen Revolutionäre: Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit. Dieses Paradies auf Erden hat es selbst in der "Blütezeit" der D.D.R., dem am meisten entwickelten Land des ganzen Ostblocks, nie gegeben. Im Gegenteil, an deren unrühmlichen Ende stand die gesamte Volkswirtschaft vor einem unvorstellbaren Ruin. Der Abbruch dieses Niederganges und die Beseitigung der gängigen Folgen hat bereits über 100 Milliarden DM gekostet. Ein Auslaufen der vom Westen gewährten Aufbauhilfe Ost ist so nicht abzusehen, obwohl man zwar zunächst von fünf, später dann von zehn Jahren gesprochen hat.

Das alles zeigt uns doch, daß alles dumme Gerede von einem "goldenen Zeitalter", das sich die Menschen früher oder später nur durch ihre eigene Kraftanstrengung schaffen wollen, ein ferner Traum, ja eine trügerische Illusion ist. Dieses Paradies, von dem die Menschen seit eh und je träumen, wird nur Jesus Christus allein bei seiner bevorstehenden Wiederkunft in Herrlichkeit herbeiführen. Er wird dann aus den Trümmern und Wehen dieses bald zu Ende gehenden Zeitalters siegreich sein Tausendjähriges Friedensreich hervorrufen, allerdings bloß für die Auserwählten.

Zum Schluß machen die Menschen noch eine ängstliche Feststellung und fragen: Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen? Es ist hier von größter Wichtigkeit, die Tatsache zu beachten, daß sowohl die zuvor ausgesprochenen Worte vom Zorn des Lammes, wie auch jetzt " ... es ist gekommen der große Tag seines Zorns" von den Menschen ausgerufen werden. Als eine Reaktion auf diese verheerende Katastrophe des ersten Atombomben-Einsatzes erinnern sie sich höchst unsicher an den verheißenen Weltuntergang und das Jüngste Gericht. Diese Worte sind allerdings nicht ein Teil der Botschaft, die Johannes direkt vom Herrn empfangen hat, hingegen vernimmt er sie bloß von den verunsicherten Menschen. Etwas anders ausgedrückt: Die Menschen nehmen an, daß nun das Weltende schon gekommen sei, doch ihre Meinung ist allerdings keineswegs ein Beweis dafür, daß es sich tatsächlich so verhält. Die Heilige Schrift besagt im Gegenteil, sicherlich für jeden unmißverständlich: Die Zeit des Zornes Gottes wird nach der Entrückung der Gemeinde in Kapitel 11 (Offb. 11, 18) zuerst angekündigt, sodann erfolgt in Kapitel 14 (Offb. 14, 9-10) eine Vorausschau derselben. Das dort schon als eine vollendete Tatsache betrachtete Gericht findet allerdings erst mit den Zornesschalen in Kapitel 16 statt. Der Zorn des Lammes aber wird dann sichtbar in Kapitel 19 (Offb. 19, 11), wenn das Lamm selbst aus dem Himmel kommen wird.

Inzwischen ist seit 1970 der Atomwaffensperrvertrag in Kraft, dem bis heute über 150 Staaten beigetreten sind. Obwohl es viele lokale Kriege in der Welt gab und derzeit gibt, so glaubt man dadurch doch dem ersehnten Frieden nähergekommen zu sein. Es liegen allerdings noch genügend Atomsprengköpfe in den Waffenarsenalen der Atomstaaten, um damit den Erdball gleich mehrmals in die Luft zu jagen. Wie wird es wohl weitergehen? Das Damoklesschwert eines Dritten Weltkrieges hängt immer noch über der Menschheit. In den Gedenkfeiern an das Schicksalsjahr 1945 wurde allemal viel von Frieden geredet. Von Gott aber sprach leider keiner, von der Sünde der Menschen ebenfalls nicht, und Buße tat deshalb wahrscheinlich auch niemand. Im Gegenteil, es wird mehr und mehr einfach darauflos gesündigt.

Die Einstellung und Lebensweise der Menschen dieser Endzeit hat der Herr Jesus mit der Gesinnung und dem Lebensstil der Zeitgenossen von Noah und Lot verglichen: Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. Desgleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn wird offenbar werden. (Luk. 17, 26-30).

Darum die Mahnung Gottes durch den Psalmensänger an alle, die sich noch rufen lassen: Küsset den Sohn, daß er nicht zürne und ihr umkommet auf dem Wege; denn sein Zorn wird bald entbrennen. Aber wohl allen, die auf ihn trauen! (Psalm 2, 12 - Luthertext von 1914).

Zum Abschluß dieses Kapitels noch ein Gedicht, aus dem hervorgeht, wie sehr damals die Menschheit unter der Angst und dem Druck des Atomzeitalters gestanden hat, eine Gefahr, die für viele jetzt gebannt zu sein scheint:

Es deucht sich auf der Höhe die stolze Wissenschaft,
Was sie bisher erreichte, was sie bisher geschafft.
Die Früchte ihres Könnens sind doch sehr zweifelhaft.
Das Endziel ihres Rennens verheißt uns dunkle Nacht.
Die Witterungsprognose, die stimmt schon längst nicht mehr.
Ward Sonnenschein gemeldet, kam Sturmflut auf dem Meer.
Vom Jangtse bis zur Wolga, vom Hudson bis zum Belt,
Hat nach Atomversuchen geändert sich die Welt.
Der Fluch von Hiroshima, Produkt der Wissenschaft,
Bracht' uns ein anderes Klima als je zuvor erdacht.
Der Eskimo im Norden lebt bald im grünen Klee,
Der Kurgast tief im Süden, der badet jetzt im Schnee.
Fünfzig Millionen Tonnen zur Explosion gebracht.
Bleib' ruhig und besonnen, die Wissenschaft, sie wacht.
Und nächstens geht's dann weiter, mit noch mehr Tonnen ran.
Noch dreht sich Mutter Erde, noch nährt sie ihren Mann.
So geht der Wahnsinn weiter, daß es zum Himmel schreit.
Wann endlich wird die Menschheit von diesem Druck befreit?
von E. K.

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