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Kapitel 4

Bis jetzt haben wir also, gemäß dem zuvor in Kapitel 1 (Offb. 1, 19) zu erkennenden Schlüsselwort, in den Kapiteln 2 und 3 den zweiten Teil der Offenbarung betrachtet, nämlich das, was der erhöhte Herr bezeichnet mit: ...und was ist. Damit hat er die sieben Gemeinden in Kleinasien gemeint, die allesamt damals zur Zeit des Apostels Johannes bestanden. Wie wir in den beiden vorhergehenden Kapiteln gesehen haben, waren diese Gemeinden geradezu typisch für die Entwicklung der gesamten, weltweiten Kirche in den vergangenen fast 2000 Jahren seit ihrer Entstehung. Im jetzigen Zeitabschnitt, in dem sich die Gemeinde Jesu Christi heute befindet, sind demzufolge dieselben Zustände vorherrschend, die man bei der zuletzt genannten Gemeinde zu Laodicea in der damaligen Zeit gewiß auch schon erkennen konnte. Das will allerdings nicht bedeuten, daß es sonst keine Art von Gemeinde mehr gibt, im Gegenteil, alle sieben Gemeindetypen werden bestimmt bis zur Wiederkunft Jesu in irgendeinem Teil der Welt bestehen bleiben. Das will jedoch heißen, es wird auch immer eine blutige Verfolgung der Gläubigen geben, wie in Smyrna, z. B. in den mohammedanischen Ländern, wo sich bekannterweise kein Einwohner zum Christentum bekehren kann, ohne daß sein Leben in akuter Gefahr ist. Dort gibt es keine christlichen Kirchen, nicht einmal öffentliche Versammlungen, während bei uns aber eine Moschee nach der anderen gebaut wird.

Um es noch einmal zu wiederholen, gestützt auf den Schlüsselvers (Offb 1, 19), haben wir das letzte Buch der Bibel in diese drei Teile gegliedert:
a) Offenbarung 1: Die Schau von Jesus, dem Ersten und Letzten, der tot war und nun lebendig ist - die Schau von Jesus als dem Erretter und Erlöser durch sein Blut - die Schau von Jesus als dem Wiederkommenden, der als König aller Könige kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.
b) Offenbarung 2 und 3: Die Schau von der Gemeinde oder Kirche Jesu Christi in den sieben Gemeinden damals, sowie in ihrer Vollzahl heute, in der Zeit des großen Abfalls. Wir haben deutlich gesehen, daß diese sieben Sendschreiben ein prophetisches Bild der Kirchengeschichte von ihrem Anfang bis zum Ende geben. Interessanterweise hat sich alles genau nach diesem Schema ereignet, was wiederum ein Beweis der Zuverlässigkeit der Weissagungen in diesem Buche ist.
c) Offenbarung 4 ff.: Die Schau von den Ereignissen nach Ablauf des gesamten Zeitalters der Gemeinde Jesu Christi oder der weltweiten Kirche, bzw. am Ende dieses Zeitalters, da der Übergang ja fließend ist. Wir können jedoch bereits feststellen, daß gerade solche großen Ereignisse ihre Schatten deutlich vorauswerfen. Wenn auch die Kirchengeschichte noch nicht ganz abgeschlossen ist, so haben doch schon die in den nun folgenden Kapiteln beschriebenen Geschehnisse in unserem Jahrhundert ihren durchaus erkennbaren Anfang genommen. Der eigentliche Höhepunkt der Gerichte Gottes steht dabei allerdings noch in naher Zukunft bevor. Wer jedoch die Gewißheit hat, daß er ein Kind Gottes ist, der hat auch dann nichts zu befürchten. Der geneigte Leser mag jetzt einwenden: Wie kann man das so genau wissen, ob man ein Kind Gottes ist? Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. (Röm. 8, 16). ... Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. (Röm. 8, 9).

Demnach kommen wir jetzt zum dritten und letzten Teil der Offenbarung, nämlich zu dem: und was geschehen soll danach, also nach Ablauf des Zeitalters der Gemeinde Jesu Christi. Dieser wiederum sehr bedeutsame Teil beginnt in Kapitel 4 mit den Worten:

Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel, und die erste Stimme, die ich gehört hatte mit mir reden wie eine Posaune, die sprach: Steig herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll. (Offb. 4, 1).

Bis jetzt hatte der Apostel Johannes nur den erhöhten Menschensohn in seiner göttlichen Herrlichkeit inmitten der sieben Gemeinden und deren Engel gesehen. Er sollte alles, was er sah, in ein Buch schreiben und zu den sieben Gemeinden senden. In dieser überaus majestätischen Erscheinung redete der Herr Jesus Christus vom Himmel herab. Jetzt wird Johannes nun von diesem aufgefordert, heraufzusteigen in den für ihn geöffneten Himmel, da der Herr ihm zeigen will, was nach diesem geschehen soll. Im Kapitel 1 (Offb. 1, 19) hieß es: und was geschehen soll danach.

Für danach oder nach diesem steht im griechischen Urtext: meta tauta = meta tauta. Dieses steht sowohl am Anfang, wie auch am Schluß des obigen Verses. Nach der nun beendeten Niederschrift der sieben Sendschreiben sieht der Apostel Johannes dann die geöffnete Tür im Himmel. Es steht nicht im Text, daß diese Tür erst jetzt geöffnet wurde, sondern nur, daß er sie nun sah oder wörtlich: gewahrte. Von Kapitel 1 (Offb. 1, 10) her kann man auch nicht sagen, daß der Herr hinter ihm gestanden hätte. Vielmehr mag es so gewesen sein wie bei Stephanus, von dem uns das Wort Gottes sagt: Er aber voll heiligen Geistes sah auf gen Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus stehen zur Rechten Gottes und sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. (Apg. 7, 55).

Der Apostel Johannes wurde dann entrückt in den Himmel wie auch Paulus, der von sich selbst schreibt: Gerühmt muß werden, wenn's auch nichts nütze ist. So will ich kommen auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren - ist er in dem Leibe gewesen, so weiß ich's nicht; oder ist er außer dem Leibe gewesen, so weiß ich's auch nicht; Gott weis es - da ward derselbe entrückt bis an den dritten Himmel. Und ich kenne denselben Menschen - ob er in dem Leibe oder außer dem Leibe gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weis es -; der ward entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, welche ein Mensch nicht sagen darf. (2. Kor. 12, 1-4).

Laut dem Zeugnis des christlichen Altertums ist der Apostel Johannes nach dem Tode des Kaisers Domitian (96 n. Chr.) aus seiner Verbannung nach Ephesus zurückgekehrt und daselbst auch im Jahre 100 n. Chr. gestorben und begraben worden. (vgl. Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte, III, 23 und V, 24). Ebenfalls ist uns berichtet, daß der Apostel Paulus unter Nero (Lucius Domitius Nero oder Claudius Drusus Germanicus), römischer Kaiser seit 54 n. Chr. (geb. 37 - Selbstmord am 9.6.68 n. Chr.), im Jahre 67 n. Chr. durch das Schwert hingerichtet bzw. enthauptet worden ist, und zwar, nach der Überlieferung der Gemeinde von Rom, gleichzeitig mit der Kreuzigung des Petrus. Beide Apostel sind also trotz ihrer vorherigen Entrückung später eines irdischen Todes gestorben, was einen normalen Leib voraussetzt.

Deshalb ist die Entrückung des Johannes absolut kein Beweis dafür, daß an dieser Stelle gleichfalls die Hinwegnahme der Gläubigen erfolgen wird. Auch ist es nicht möglich, aus den beiden "meta tauta = nach diesem" dann die Schlußfolgerung zu ziehen, die kommenden Gerichte würden alle erst danach stattfinden. Es ist zwar durchaus richtig, daß mit der Entrückung der Gemeinde das Zeitalter der Gemeinde ihren krönenden Abschluß findet, woraus man aber dennoch nicht schließen kann, die Gemeinde würde vorher keine Gerichte mehr erleben.

Dr. P. de Benoit bestätigt diese Ansicht in seinem Buch: "Was der Geist den Gemeinden sagt", Verlag "Emmaus", Vennes s. Lausanne, Jan. 1941, auf Seite 152: Man macht uns darauf aufmerksam, daß Kap. 4 mit den gleichen Worten "nach diesem" (darnach) beginnt, die im griechischen Text am Ende des ersten Verses wiederholt werden. Diese Ausleger sind der Ansicht, Johannes habe in seiner Vision im voraus die "Entrückung" erlebt, da er ja eingeladen worden ist, durch eine offene Tür in den Himmel zu steigen.

Diese Auslegung ist wahrscheinlich nicht nur falsch, sondern sogar gefährlich; denn sie verschleiert das eigentliche und wichtigste Ziel des Buches, das darin besteht, die Kirchen vor den Gefahren der Epoche des Antichrists zu warnen. Sie nährt in uns die illusorische Hoffnung, die Kirche werde vor allen diesen Gefahren entrückt werden, und wir brauchten uns darum nicht besonders um sie zu kümmern. Soweit also, was Dr. P. de Benoit dazu sagte.

Wie wir schon bei der Betrachtung von Kapitel 3 (Offb. 3, 10) gesehen haben und auch später abermals feststellen werden, gilt nun für die Gemeinde Jesu Christi ein Zwiefaches: Erstens, daß die zu der Zeit lebenden wahren Christen zwar zunächst in die Stunde der Versuchung (= Posaunengerichte, Offb., Kap. 8 + 9) hineinkommen, dann jedoch darin bewahrt bleiben und am Ende durch die verheißene Entrückung herausgerettet werden. Zweitens, daß sie so nicht in die große Trübsal der Zornesschalengerichte hineinkommen werden. Genaue Einzelheiten dieser Ereignisse werden erst bei der Behandlung späterer Kapitel gegeben. Hier geht es jetzt nur darum, etwaige Mißverständnisse bezüglich der Auslegung des obigen Verses grundsätzlich auszuschließen.

Demnach wird die wachende und betende Gemeinde zu Beginn der letzten Jahrwoche, beim Schall der letzten Posaune, zur Entrückung kommen. Im griechischen Urtext heißt es nicht: pro = pro = vor, auch nicht: meta = meta = nach der Stunde der Versuchung, sondern: ek thV hwraV tou peirasmou = ek tés horas tou peirasmou, das bedeutet: aus der Stunde der Versuchung heraus.
Wie? atomw, riph ojJalmou = en atomo, en ripé ophthalmou = in einem unteilbaren Wurf des Auges (= Augenblick).
Wann? en th escath salpiggi = en té eschaté salpiggi = in (= bei) der letzten Posaune. (1. Kor. 15, 52; 1. Thess. 4, 16; Offb. 10, 7; Offb. 11, 15).

Hierbei ist noch zu beachten, daß das griechische Wörtchen: "ek" (= ek) immer im Sinne von "aus - heraus - im Verlaufe von" gebraucht wird. Dazu ein Beispiel aus dem hohenpriesterlichen Gebet Jesu: Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Bösen. (Joh. 17, 15.). Die konkordante Übersetzung lautet: Ich ersuche Dich nicht, daß Du sie aus (ek) der Welt nimmst, sondern daß Du sie vor (aus, heraus) (ek) dem Bösen (dem Übel, Luthertext von 1914) bewahrest.

Es sei an dieser Stelle ebenso noch einmal daran erinnert, daß uns in der Heiligen Schrift mehrfach berichtet wird, daß die Kinder Gottes bei jeder hereinbrechenden Gerichtskatastrophe bewahrt worden sind. Gott ließ sie zur rechten Zeit herausrufen, wie wir das an den folgenden Beispielen sehen:
a) Die Bewahrung Noahs (1. Mose 7, 1 ff.; Lukas 17, 26-27).
b) Die Bewahrung Lots (1. Mose 19, 15 ff.; Lukas 17, 28-29).
c) Die Bewahrung Israels durch das Passahblut (2. Mose 11, 1 ff.; 2. Mose 12, 10-13).
d) Die Bewahrung der Hure Rahab (Josua 6, 22-25; Hebräer 11, 31).
e) Die Bewahrung der ersten Christen während der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr., die das nahende Unglück erahnten. Im Angesicht der bald heraufziehenden Feinde achteten sie auf diese prophetischen Worte Jesu: Wenn ihr aber sehen werdet Jerusalem belagert von einem Heer, so merket, daß herbeigekommen ist seine Verwüstung. Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf das Gebirge, und wer in der Stadt ist, der gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, der komme nicht herein. Denn das sind die Tage der Vergeltung, damit erfüllt werde alles, was geschrieben ist. Weh aber den Schwangeren und Säugenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und ein Zorn über dies Volk, und sie werden fallen durch des Schwertes Schärfe und gefangen geführt unter alle Völker; und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis daß der Heiden Zeit erfüllt ist. (Luk. 21, 20-24).

Der griechische Kirchenlehrer Eusebius oder Eusebios (260-340 n. Chr.), Bischof von Cäsarea, der Verfasser der ersten Kirchengeschichte, bestätigte dies später, da er berichtete, daß sich die christliche Gemeinde in Jerusalem in Sicherheit bringen konnte, rechtzeitig vor der Belagerung ihrer Stadt durch die Römer. Das geschah auf Grund einer göttlichen Offenbarung, die ihnen die deutliche Anweisung gab, auf die Berge nach Pella zu fliehen. Diese Stadt nahm aber am jüdischen Aufstand 66-70 n. Chr. nicht teil, daher konnte die Gemeinde aus Jerusalem damals hier Zuflucht finden, als der Untergang der Hauptstadt drohte. Pella lag, von Jerusalem aus gesehen, jenseits des Jordans in nördlicher Richtung, etwa 12 km südöstlich von Beth-Sean. Heute heißt dieser Ort: Tabqat fahl - und gehört nun zu Jordanien.

Johannes berichtet dann weiter:

Alsbald kam der Geist über mich. Und siehe, ein Thron war gesetzt im Himmel, und auf dem Thron saß einer; und der da saß, war anzusehen gleichwie der Stein Jaspis und Sarder; und ein Regenbogen war um den Thron, anzusehen gleichwie ein Smaragd. Und um den Thron waren vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, mit weißen Kleidern angetan, und hatten auf ihren Häuptern goldene Kronen. Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, welches sind die sieben Geister Gottes. Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich dem Kristall, und mitten am Thron und um den Thron vier himmlische Gestalten, voll Augen vorne und hinten. Und die erste Gestalt war gleich einem Löwen, und die zweite Gestalt war gleich einem Stier, und die dritte hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und die vierte Gestalt war gleich einem fliegenden Adler. Und eine jegliche der vier Gestalten hatte sechs Flügel, und sie waren außenherum und inwendig voll Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt. (Offb. 4, 2-8).

Verschiedene Kirchenväter (Ambrosius, Hieronymus) zählen allerdings das zweite "meta tauta = nach diesem" nicht zum ersten, sondern zum zweiten Vers. Bekanntlich hat ja der griechische Urtext keine Satzzeichen, so daß ihrer Meinung nach Offb. 4, 2 mit diesen Worten beginnt: Nach diesem alsbald ward ich im Geist ... . So übersetzte z. B. Carl Weizsäcker in seinem Neuen Testament von 1874, 10. Auflage 1912. Dieses ändert jedoch absolut nichts an dem vorher Gesagten, daß eine Entrückung der Gemeinde hier durchaus nicht festgestellt werden kann. Manche bringen auch das Argument vor, ab hier werde die Gemeinde nicht mehr erwähnt. Das ist jedoch auch kein Beweis für eine Hinwegnahme derselben in den Himmel, denn dort ist sie ja gleichfalls nicht zu sehen. So könnte man dann ebenso die doch zweifellos berechtigte Frage stellen: Warum schreibt Johannes wohl von mancherlei seligen Lebewesen aber nichts von den entrückten Gläubigen? Wie wir jedoch bei der Betrachtung späterer Kapitel sehen werden, wird die Gemeinde in diesen wohl noch indirekt erwähnt.

Johannes sieht nun Gott als den Herrscher der Welt. Der Jaspis ist ein kristallheller und der Sarder ein blutroter Edelstein, die auf die Heiligkeit und die Barmherzigkeit Gottes hinweisen. Der Regenbogen ist das Zeichen der Gnade nach der Strafe, hier sieht er zudem aus wie ein edelgrüner Smaragd, ein gleichfalls durchsichtiger Edelstein wie die anderen. Es ist ein Bild für den Vater des Lichts, voller Wahrheit und Klarheit (Jak. 1, 17). Die vierundzwanzig Ältesten sind vollendete Heilige, wahrscheinlich die Stammväter der zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel, die eine Vorausauferstehung erfahren durften. Die weißen Kleider und die goldenen Kronen weisen auf Priester und Könige hin. Sicherlich stellen sie so insgesamt das vollendete Priestergeschlecht dar, also wiederum genau vierundzwanzig Abteilungen nach den von David eingeteilten Ordnungen, wie sie uns im Alten Testament in 1. Chronik, Kapitel 24, gegeben sind.

Im Alten Testament wird uns von den vierundzwanzig Abteilungen der Priester berichtet: Dies waren die Ordnungen der Söhne Aaron. Die Söhne Aarons waren: Nadab, Abihu, Eleasar und Ithamar. Aber Nadab und Abihu starben vor ihrem Vater und hatten keine Söhne. Und Eleasar und Ithamar wurden Priester. Und David zusammen mit Zadok von den Söhnen Eleasar und mit Ahimelech von den Söhnen Ithamar teile sie ein nach ihrer Dienstgruppe und ihrem Amt. Und es fand sich bei den Söhnen Eleasar eine größere Zahl an Männern als bei den Söhnen Ithamar. Und sie teilen sie ein: Von den Söhnen Eleasar sechzehn Sippenhäupter und von den Söhnen Ithamar acht Sippenhäupter. (1. Chron. 24, 1-4). ... das dreiundzwanzigste auf Delaja, das vierundzwanzigste auf Maasja (1. Chron. 24, 18).

Zu der Auslegung, die zwölf Apostel seien unter den vierundzwanzig Ältesten, wird oft der Einwand vorgebracht, dann hätte der Apostel Johannes sich ja auch selbst gesehen. Meines Erachtens spricht absolut nichts dagegen, denn Vers 2 beginnt mit den Worten: Alsbald kam der Geist über mich. Im Konkordanten Neuen Testament lautet dieser Vers: Sofort aber befand ich mich im Geist. Eine klarere Übersetzung wäre: Sofort aber befand ich mich dort durch den Geist. So hat Johannes dann Zukünftiges gesehen, dort im Himmel, wo er sich in Zukunft auch befinden würde. Außerdem hat Johannes seinen eigenen Namen ebenfalls nicht einmal in seinem Evangelium genannt, sondern hat sich immer als der andere Jünger usw. bezeichnet.

In Kapitel 1 haben wir einen Lobpreis des Johannes vernommen: Dem, der uns liebt und erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Offb. 1, 5-6). Die weißen Kleider werden uns auch an anderer Stelle erklärt: Und es ward ihr gegeben, sich anzutun mit schöner reiner Leinwand. Die köstliche Leinwand aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen. (Offb. 19, 8).

Der Apostel Paulus schreibt von sich selbst voller Zuversicht und Glaubensgewißheit an Timotheus um ihn zu stärken und erklärt dabei die Krone der Heiligen: Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. (2. Tim. 4, 7-8). Wer nun mit Paulus diese Krone der Gerechtigkeit empfangen wird, der gehört auch mit ihm zum himmlischen Königs- und Priestergeschlecht, vielleicht ein jeder in der für ihn bestimmten Ordnung oder Abteilung.

Von einer Vorausauferstehung berichtet uns die Bibel an mehreren Stellen: Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, welche waren Mose und Elia; die erschienen verklärt und redeten von dem Ausgang, welchen er erfüllen sollte zu Jerusalem. (Luk. 9, 30-31, ebenso Matth. 17, 2-3 und Mark. 9, 2-4). Außerdem bezeugt Matthäus: Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen, und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. (Matth. 27, 52-53).

Ebenso sind diese Worte Jesu ein deutlicher Hinweis auf eine Vorausauferstehung: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören werden, die werden leben. (Joh. 5, 25). Es ist doch sehr bedeutsam, daß Jesus hier bereits sagt: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, daß die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören. Diese Stunde der Auferstehung begann damals schon durch die Vorausauferstehung, zuerst der Propheten und Heiligen des Alten Testamentes.

Diesen Toten war Jesus nach der Kreuzigung im Totenreich erschienen, wie Petrus in seinem ersten Brief bezeugt hat: Denn auch Christus ist einmal für eure Sünden gestorben, der Gerechte für die Ungerechten, auf daß er euch zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. In demselben ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die vorzeiten nicht glaubten, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete, in welcher wenige, das ist acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch. (1. Petr. 3, 18-20). Diese sind zwar nicht in Christus entschlafen, jedoch trotzdem mit ihm auferstanden, wie in Matth. 27, 52-53 bezeugt, siehe oben.

Paulus hat im Philipper-Brief von sich geschrieben: Ich möchte ja ihn erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. (Phil. 3, 10-11). Genauer übersetzt lautet aber diese Stelle so: Um Ihn zu erkennen und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tod gleichgestaltet werde, ob ich etwa zu der Ausauferstehung, der aus den Toten, gelangen könnte. (Konkordantes Neues Testament). Hier steht nämlich im griechischen Urtext ausdrücklich: ex ana stasiV = ex ana stasis, das heißt genau wörtlich übersetzt: aus-auf-Stehung, also Ausauferstehung, wie auch oben angeben.

Auf einem Neukirchner Abreißkalenderblatt vom Jahre 1902 wurde folgendes berichtet: Prälat Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782 n. Chr.) in Württemberg wurde in seinen Mannesjahren öfters von schweren Seelenkämpfen heimgesucht. In solchen Nöten suchte er dann bei dem Gebets- und Glaubensmächtigen Fritz Christian Rieger, dem Kommandanten von Asperg (Kreis Ludwigsburg), Zuflucht und nie vergebens. Dieser betete ihm, erfüllt von der Kraft von Oben, all seine Not und Last vom Herzen weg, und Frieden kam in sein Herz. Als dieser Held starb, wurde er in der Kirche begraben. Nach zirka einem Jahr mußte gerade an der Stelle wo er lag, eine Säule eingebaut werden. Schon war daneben ein neues Grab geschaufelt, das die Überreste aufnehmen sollte. Da die Totengräber den Sarg unnatürlich leicht fanden, öffneten sie denselben. Keine Spur von einer Leiche des schweren Mannes war zu finden. Da das Vater Oetinger hörte, sagte er: "Wie? Wundert Euch das? Habt Ihr nichts gelesen von der Voraus-Auferstehung?" (Phil. 3, 11). Zu dieser Voraus-Auferstehung ist unser Kommandant gelangt. Sein Geist samt Seele und Leib waren ganz und gar, durch und durch geheiligt und vom Geiste Gottes erfüllt.

Anmerkung: Prälat Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782 n. Chr.), ev. Theologe, war ein Erweckungsprediger in Württemberg und neben Johann Albrecht Bengel (1687-1752 n. Chr.) der wichtigste Repräsentant des schwäbischen Pietismus.

Als Auswahl aus den vielen Tatsachenberichten sei noch einer aus der Schweiz angeführt: Es war im Jahre 1924. Eines Abends, als ich mit Schreiben beschäftigt war, drängte mich der Geist Gottes, auf die Baustelle zu gehen, wo der neue Bahnhof Zürich Enge gebaut wurde. Um Platz für den neuen Geleisebau zu erhalten, mußte die Grüttlistraße in den alten Friedhof hinein verlegt werden. Bei dieser Abgrabung wurden die untersten Särge an ihren Fußenden bloßgelegt. Da an den eichenen Särgen die Nägel längst verrostet waren, fielen die Fußbrettchen die Böschung hinunter. Dadurch wurden die Skelette sichtbar. So kamen die offenen Särge fast auf Brusthöhe zu liegen. Auf beiden Seiten der großen Treppe wurden die Grüfte bis zuhinterst von der Abendsonne hell beleuchtet. Als ich mich etwas bückte, sah ich bis ans Kopfende alles, was in den Särgen war. Diese einmalige Gelegenheit, noch unberührte Skelette in ihren Brettergehäusen zu sehen, bewog mich, einige derselben näher zu betrachten.
Interessant war, zu beobachten, wie vielerorts die kleinen Fingerknöchelchen noch auf den Rippen balancierten; doch etliche lagen auf dem Boden. Als ich zum dritten Sarg kam, traute ich meinen Augen nicht. Der Sarg war völlig leer! Keine Spur von Knochen noch von Zähnen, wiewohl ja die letzteren nicht verwesen. Dann mußte ich noch weitere Särge etwas besser betrachten. Welch ein Erstaunen, da der fünfte, neunte, zwölfte und fünfzehnte ebenfalls leer war wie der dritte. Ganz gleich war es auf der andern Seite der Treppe, so daß von den vierzig Särgen deren acht oder neun vollständig leer waren. Wären sie mit Sand oder Steinen gefüllt gewesen, so hätte diese Tatsache den Leichenraub bewiesen, so aber war ich einfach sprachlos. Da das Beerdigen von leeren Särgen unbedingt bemerkt worden wäre, müssen die Leichen eben damals in den Särgen gewesen sein. Hierüber mußte ich unbedingt Klarheit haben.
Ich hatte längst bemerkt, daß ein Herr mich aufmerksam beobachtete. Ich ging auf ihn zu und fragte nach der Adresse des Friedhofvorstehers. Doch er wollte wissen, was ich wünsche. Das aber begehrte ich aber nur dem Vorsteher zu sagen. So ging es hin und her, bis er endlich sagte, daß er es sei. Nun bat ich um Aufschluß über die leeren Särge. Hätte der gute Mann mir eine Ohrfeige gegeben, ich hätte nicht erstaunter sein können, als über seine Erklärung, daß das für sie nichts besonderes sei; das komme öfters vor, allerdings nur in diesem Gottesacker. Wir können hier irgend eine Reihe öffnen, es sind immer etliche Särge ohne Inhalt darunter.
Darob war ich noch mehr erstaunt und konnte das Unfaßbare noch viel weniger verstehen. Eine stichhaltige Erklärung konnte er nicht geben. Dann wollte er mir klar machen, es seien gewisse Arzneien hier wirksam gewesen, doch der Herr Jesus sagte mir hierauf klar und deutlich: "Aufschluß hierüber findest Du in der Heiligen Schrift". Nun fragte ich den Amtsmann nur noch, wie lange diese hier lagen. 70 bis 75 Jahre, meinte er. Nun erinnerte ich mich, was wir in der Schule gelernt hatten: Dazumal, vor gut 100 Jahren, war Pfarrer Lavater auch in der Gemeinde Enge Seelsorger, die seinerzeit zum Kirchspiel des Großmünsters gehörte. Lavater hatte in Zürich eine große Erweckung, so daß es in der Chronik heißt, in der Stadt würde nicht mehr geflucht, und das will für Zürich sehr viel sagen. Das Ergebnis zeigt klar, daß das Gottangehörige aus jener Segenswelle waren, die ihre Kleider helle gemacht hatten und nicht abgewichen sind von der Nachfolge Jesu Christi. (Ludwig Schuler, Die Voraus-Auferstehung und Leibes-Erlösung, Verlag Ernst Günter).

Anmerkung: Pfarrer Johann Kaspar Lavater (15.11.1741-2.1.1801), ev. Theologe, war ein Erweckungsprediger in der Schweiz, wurde bekannt durch: "Erweckung zum Glauben an den Herrn Jesum Christum". Er war ein Gegner der Aufklärungsphilosophie und des Jakobinismus als radikal-republikanische Gesinnung. Als er verwundeten Soldaten helfen wollte, wurde er im Jahre 1800 n. Chr. in seiner Vaterstadt Zürich tödlich verwundet, an deren Folgen er einige Monate später starb. In ganz Europa berühmt wurde Lavater zuvor durch sein Hauptwerk: "Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe", das in den Jahren 1775-78 entstand (Charakterdeutung aus den Gesichtszügen).

Dazu sei noch bemerkt, daß sowohl Augustinus (Aurelius Augustinus), Kirchenlehrer (13.11.354-28.8.430), wie auch Dr. Martin Luther (10.11.1483-18.2.1546) bereits eine Vorausauferstehung erwähnt haben. Der Hofprediger und Professor Nikolaus Selnecker (1528-1592), der ein Schüler von Luthers engem Mitarbeiter Philipp Melanchton (16.2.1497-19.4.1560) war, ein Mitverfasser der Konkordienformel (lat. "Formula concordiae"), glaubte ebenso an eine Vorausauferstehung. Anmerkung: Bei der Konkordienformel handelt es sich um eine Bekenntnisformel zur Beilegung innerlutherischer Streitigkeiten, die im Jahre 1577 n. Chr. verfaßt und dann im Jahr 1580 n. Chr. im Konkordienbuch, einer Sammlung lutherischer Bekenntnisschriften, veröffentlicht wurde. Wim Malgo bestätigte diese Angaben in seinem Buch: Offenbarung Jesu Christi, Band II, Seite 283, und ergänzte dann: Auch wenn man von leeren Särgen hört und diesen Geschichten nicht ohne weiteres Glauben schenken muß, so wissen wir dennoch, daß es eine Ausauferstehung gibt.

Die Blitze, Stimmen und Donner, die von dem Thron ausgehen, kündigen die kommenden Gerichte an. Natürlich ist es nicht so wie bei einem Gewitter, wenn es einmal ein richtiges Donnerwetter gibt, sondern es ist das deutlichste Bild, mit dem man die Machtwirkungen des die ganze Welt richtenden Gottes beschreiben kann. Wenn er in die Weltentwicklung eingreift und ein Machtwort spricht, dann ändern sich die Geschicke der Welt nachhaltig. Gott führt seine Pläne unbedingt zum Ziel, jedoch nicht ohne seine treuen Knechte vorher davon in Kenntnis zu setzten. Wenn wir von unserem irdischen Vater ein Donnerwetter erlebt haben, dann wurde uns nur der Hosenboden strammgezogen. Gottes Gerichte sind allerdings viel ernster, denn er ist heilig und gerecht.

Ein treffendes Beispiel ist das Gericht über Sodom und Gomorra, das in 1. Mose, Kapitel 18 und 19 beschrieben wird. Um nur einige der wichtigsten Stellen zu zitieren, z. B. diese: Da sprach der Herr: Wie könnte ich Abraham verbergen, was ich tun will ... ?
Und der Herr sprach: Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, daß ihre Sünden sehr schwer sind. Darum will ich hinabfahren und sehen, ob sie alles getan haben nach dem Geschrei, das vor mich gekommen ist, oder ob's nicht so sei, damit ich's wisse. Aber Abraham blieb stehen vor dem Herrn und trat zu ihm und sprach: Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen? Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten? (1. Mose 18, 17 + 20-21 + 22-23 + 25).

Weiter heißt es dann: Denn wir werden diese Stätte verderben, weil das Geschrei über sie groß ist vor dem Herrn; der uns gesandt hat, sie zu verderben. Macht euch auf und geht aus diesem Ort, denn der Herr wird diese Stadt verderben. Aber es war ihnen lächerlich. Eile und rette dich dahin; denn ich kann nichts tun, bis du hineinkommst. Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra und vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war. (1. Mose 19, 13 + 14 +22 + 24-25).

Jesus sprach zu den Jüngern: Desgleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn wird offenbar werden. (Luk. 17, 28-30).

Petrus schreibt ergänzend dazu: ... und hat die Städte Sodom und Gomorra zu Asche gemacht, umgekehrt und verdammt und damit ein Beispiel gesetzt den Gottlosen, die hernach kommen würden; und hat errettet den gerechten Lot, welchem die schändlichen Leute alles Leid taten mit ihrem unzüchtigen Wandel. Denn der Gerechte, der unter ihnen wohnte, mußte alles mit ansehen und anhören und seine gerechte Seele von Tag zu Tag durch die Werke der Ungerechten quälen lassen. Der Herr weiß die Frommen aus der Versuchung zu erretten, die Ungerechten aber zu behalten auf den Tag des Gerichts, sie zu strafen, allermeist aber die, welche wandeln nach dem Fleisch in der unreinen Lust und die Herrschaft verachten. Frech und eigensinnig, zittern sie nicht davor, die Majestäten zu lästern. (2. Petr. 2, 6-10).

Im Schöpfungsbericht der Welt steht: So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte. So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden. (1. Mose 2, 1-4). Viele Menschen sind der irrigen Ansicht, daß Gott seitdem nicht mehr am Werke sei und in die Weltgeschicke eingreife. Sie meinen, Gott hätte sich quasi zur Ruhe gesetzt und würde alles dem Schicksal überlassen. Sie sagen auch, es stehe nirgendwo, daß Gott je wieder angefangen hat, zu wirken und zu handeln.

Diese Meinung wird widerlegt durch viele Bibelstellen, so auch durch den obigen Vers. Außerdem berichtet der Apostel Johannes: Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirket bis auf diesen Tag, und ich wirke auch. (Joh. 5, 17). Deshalb heißt es auch schon im Psalm: Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. (Psalm 121, 4).

Johannes bezeugt weiter: und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, welches sind die sieben Geister Gottes. Diese sieben Geister Gottes wurden bereits in Kapitel 1 (Offb. 1, 4) und in Kapitel 3 (Offb. 3, 1) erwähnt und in Kapitel 5 (Offb. 5, 6) werden wir ihnen abermals begegnen. Diese stellen die ganze Fülle des Heiligen Geistes dar, wie sie schon der Prophet Jesaja beschrieben hat für den kommenden Retter Israels: Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der (1) Geist des Herrn, der Geist der (2) Weisheit und des (3) Verstandes, der Geist des (4) Rates und der (5) Stärke,der Geist der (6) Erkenntnis und der (7) Furcht des Herrn. (Jes. 11, 1 + 2).

Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer, gleich dem Kristall. Hier darf man das Wörtchen "wie" nicht übersehen. Wenn in der Offenbarung von einem Meer gesprochen wird, dann ist damit immer das Völkermeer gemeint. Hier vor dem Throne Gottes ist es durchsichtig klar wie Kristall, die Völkerwelt ist ausgebreitet vor ihm. Für uns mag zwar noch manches unklar sein, was mit den einzelnen Völkern geschieht, aber Gott hat den Gesamtüberblick. Er verfolgt einen einheitlichen Plan, zu dessen Durchführung ihm alles dienen muß, bewußt oder unbewußt.

Und mitten am Thron und um den Thron vier himmlische Gestalten, voll Augen vorne und hinten. Und die erste Gestalt war gleich einem Löwen, und die zweite Gestalt war gleich einem Stier, und die dritte hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und die vierte Gestalt war gleich einem fliegenden Adler. Und eine jegliche der vier Gestalten hatte sechs Flügel, und sie waren außenherum und inwendig voll Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig , heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.

Oft wurde bei dieser Beschreibung an die vier Evangelisten gedacht. In der alten Kirche wurden sie nach den vier Lebewesen benannt, und zwar:
Löwe = Königsamt = Evangelist Matthäus, verkündet das Königreich der Himmel
(daher ist es insbesondere für die Juden geschrieben),
Stier (Opfertier) = Priesteramt = Evangelist Markus, verkündet den Gottesknecht
(daher ist es insbesondere für die Römer geschrieben),
Mensch = Prophetenamt = Evangelist Lukas, verkündet den Menschensohn,
Adler (Adleraugen) = Richteramt = Evangelist Johannes, verkündet den Gottessohn.
Irenäus, Bischof von Lyon, Kirchenvater (140-202 n. Chr.), bemerkte, daß Markus sein Evangelium auf Bitten der Gemeinde zu Rom hin so aufgezeichnet hat, wie er es von Petrus hörte. Außerdem berichtete Irenäus in seinem Hauptwerk: "Adversus haereses" (lat., "Gegen die Häresien"), daß der Apostel Johannes sein Evangelium in Ephesus geschrieben hat, noch lebend zur Zeit des Kaisers Trajan (Marcus Ulpius Traianus) (18.9.53-10.8.117 n. Chr.), der römischer Kaiser seit 98 n. Chr. war.

Hierzu die Worte des Propheten Hesekiel, der ebenfalls die Herrlichkeit des Herrn schaute: Und mitten darin war etwas wie vier Gestalten; die waren anzusehen wie Menschen. Und jede von ihnen hatte vier Angesichter und vier Flügel. Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren wie Stierfüße und glänzten wie blinkendes, glattes Kupfer. Und sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; die vier hatten Angesichter und Flügel. Ihre Flügel berührten einer den andern. Und wenn sie gingen, brauchten sie sich nicht umzuwenden; immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter. Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen und zur rechten Seite gleich einem Stier bei allen vieren und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgebreitet; je zwei Flügel berührten einander, und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. Immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter; wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. (Hes. 1, 5-12).

Weiter berichtete uns Hesekiel: Und ich sah, und siehe, vier Räder standen bei den Cherubim, bei jedem Cherub ein Rad, und die Räder sahen aus wie ein Türkis, und alle vier sahen eins wie das andere aus; es war, als wäre ein Rad im andern. Wenn sie gehen sollten, so konnten sie nach allen ihren vier Seiten gehen; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden; sondern wohin das erste ging, da gingen die andern nach, ohne sich im Gehen umzuwenden. Und ihr ganzer Leib, Rücken, Hände und Flügel und die Räder waren voller Augen um und um bei allen vieren. Und die Räder wurden vor meinen Ohren "das Räderwerk" genannt. Ein jeder hatte vier Angesichter; das erste Angesicht war das eines Cherubs, das zweite das eines Menschen, das dritte das eines Löwen, das vierte das eines Adlers. (Hes. 10, 9-14).

Im Psalm heißt es dann noch: Du Hirte Israels, höre, der du Joseph hütest wie Schafe! Erscheine, der du thronst über den Cherubim, vor Ephraim, Benjamin und Manasse! (Psalm 80, 2). Bei all diesen Aussagen muß man erkennen, wie schwer es ist, himmlische Dinge mit menschlichen Worten zu beschreiben. Trotzdem ist eine gewisse Übereinstimmung ohne weiteres auszumachen, die besagt, daß es sich bei den Tieren (Luthertext von 1914 und Konkordantes Neues Testament) oder besser Lebewesen um Cherubgestalten handelt. Cherub ist ein männliches hebräisches Wort, dessen Mehrzahl demzufolge Cherubim lautet, womit die göttlichen Thronengel bezeichnet werden. Die Übersetzung: Tiere oder Gestalten ist jedenfalls etwas ungenau. Im Urtext steht: zwa = zoa, das besser mit Lebewesen übersetzt wird, denn schließlich sind die Cherubim ja keine Bestien. Vieles deutet auch darauf hin, daß diese vier Cherubim alle gleich sind und das der Apostel Johannes nur jeweils eine Seite von ihnen sieht, da sie in vier Richtungen rings um den Thron stehen.

Von ihnen heißt es dann weiter: Und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt. So erinnern uns diese Worte wiederum an die anderen Engel, die Seraphim, die dem Propheten Jesaja erschienen sind: Seraphim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! (Jes. 6, 2-3).
Der Herr, der Allmächtige, ist auf Hebräisch: El-Schaddai, und Herr Zebaoth bedeutet: Herr der himmlischen Heerscharen.

Der Bericht des Johannes geht weiter mit:

Und wenn die Gestalten gaben Preis und Ehre und Dank dem, der da auf dem Thron saß, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, fielen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron saß, und beteten den an, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und legten ihre Kronen nieder vor dem Thron und sprachen: Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen haben sie das Wesen und sind geschaffen. (Offb. 4, 9-11).

Jedesmal wenn die Cherubim vor dem Thron das "Heilig, heilig, heilig" ausgerufen haben, legten die vierundzwanzig Ältesten ihre Kronen vor dem Thron nieder. Das ist natürlich keine Geste, mit der die Heiligen ihre Kronen an Jesus Christus zurückgeben wollten, sondern ein Zeichen tiefer Ehrerbietung dem Schöpfer aller Dinge gegenüber. Im üblichen Sprachgebrauch der damaligen Zeit fingen auch die feierlichen Begrüßungen des Kaiser genauso an: "Würdig bist Du" (vere dignus), wo sich doch die weltlichen Herrscher so oft als unwürdig erwiesen haben und auch heute noch erweisen. Damals, also zur Zeit des Apostels Johannes, wurde gar unter dem Kaiser Domitian die folgenschwere Anrede: "Dominus et Deus noster" (= unser Herr und Gott) eingeführt. Wir erkennen daran, warum dem Johannes dies Bild der ewigen Anbetung so gezeigt wird: Nicht irgendein Kaiser ist der Herr der Welt, sondern Gott, der Schöpfer und Erhalter des ganzen Weltalls. Das ist der starke Trost, der von diesem ersten Blick in den Himmel ausgeht: Gott allein regiert unsere Welt, nichts überläßt er dem Zufall!

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