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Kapitel 3

Wir wollen jetzt das fünfte Sendschreiben betrachten, das für die Gemeinde zu Sardes bestimmt war:

Und dem Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als völlig erfunden vor meinem Gott. So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halte es und tue Buße. Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Aber du hast etliche zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb. 3, 1-6).

  1. Sardes oder Sardis, griechisch: Sardeis (= Sarde·iV), hebräisch: Sarid, was "ein Übriggebliebener, Entkommener, Entronnener, ein Flüchtling, Flüchtiger, Fliehender" bedeutet. Diese hier erwähnte Stadt liegt, oder besser lag, noch weiter landeinwärts südlich von Thyatira (heute: Akhisar), etwa 80 km östlich von Smyrna (heute: Izmir), in einer strategischen Lage im Tal des Flusses Hermos oder Hermus, der heute Gediz oder Sarabat heißt. Dieser Fluß ist etwa 300 km lang und entspringt im Gebirge südlich von Kütahya und fließt westlich bis er in den Golf von Izmir, dem früheren Smyrna, mündet. Heute ist die Stadt nur noch ein Ruinenfeld bei dem Dorf Sart, etwa 80 km östlich von Izmir oder Smyrna.

  2. Dieses kleine Dorf bestand zu Beginn unseres Jahrhunderts aus einigen elenden Hütten, in denen vor vielen Jahrzehnten gar Gotthilf Heinrich Schubert auf seiner Reise dorthin noch zwei Christen fand. Ursprünglich war es eine der ältesten und berühmtesten Städte Kleinasiens, über deren Gründung uns leider keine geschichtlichen Angaben vorliegen. In römischer Zeit, also zur Zeit des Johannes, war Sardes trotz seines Wohlstandes eine glanzlose Provinzstadt. Dann erlangte sie in christlicher Zeit erneut eine gewisse Berühmtheit, und zwar durch den um das Jahr 175 n. Chr. verstorbenen Bischof Melito von Sardes. Als Bezeichnung der beiden Teile der Bibel sind die Worte "Altes Testament" und "Neues Testament" zuerst belegt bei Melito von Sardes.

    Sardes war die Hauptstadt von Lydien, einer Landschaft im Westen Kleinasiens mit fruchtbaren Tälern (Hermos, Mäander) und wichtigen Karawanenstraßen nach dem Orient. Der Mäander oder Maiandros = maiandroV, der heute Menderes heißt, ist ein Fluß, etwa 400 km lang, der ebenfalls in das Ägäische Meer mündet, und zwar südlich der Insel Samos. In der antiken Legende war er bekannt für seine Wanderungen. Damals floß er durch den Norden von Karien (seit 129 v. Chr. ebenfalls Teil der römischen Provinz Asia) und an oder bei seinem Ufer waren die antiken Städte Laodicea, Magnesia und Miletus oder Milet. Die damalige Mündung ist heute durch Sandanschwemmungen verlandet. Der Mündungslauf des Mäander ist sehr gewunden, daher der Name des Mäander-Ornaments. Hierbei handelt es sich um ein gebrochenes Ornamentband, das seit vorgeschichtlicher Zeit besonders als Gefäßzierrat verwendet wurde.

    Nach dem Zusammenbruch des Staates der Phrygier um 690 v. Chr. taten sich die Lydier stärker hervor, befreiten sich von der Herrschaft der Kimmerier und unterwarfen sich die griechischen Städte Kleinasiens. In der Hauptstadt Sardes residierte die Dynastie der Mermnaden (Gyges, Alyattes, Krösus), die nach den Kämpfen mit den Medern im Osten ihr Reich bis zum Halys (= größter Fluß in Kleinasien), heute Kisil Irmak, ausdehnen konnte.

    Der letzte König von Lydien war Krösus, griechisch Kroisos (= krwisoV), der von 560-546 v. Chr. herrschte. Der Reichtum der Lydier gründete sich auf ihre Rolle im Handel und auf Goldfunde. In der Zeit seiner Regierung ist Sardes zur höchsten Blüte emporgestiegen. Die Münzprägung wurde schon im 7. Jahrhundert v. Chr. in Sardes erfunden und die Geldwirtschaft im Lande unter Krösus erweitert, der zum Symbol des Reichtums wurde. Durch die Prägung der ersten Münzen im heutigen Sinne ist Sardes gewissermaßen als die Geburtsstätte des modernen Geldes anzusehen. Der Name Krösus wurde geradezu sprichwörtlich. Sein Reichtum (Goldschätze, Vermögen aus Steuern und Enteignungen) sowie Freigebigkeit (Stiftungen für Delphi) waren berühmt.

    Nachdem Medien im Jahre 552 v. Chr. von den Persern erobert worden war, kam es zu Konflikten zwischen Lydien und Persien um 547/546 v. Chr., die im Jahre 546 v. Chr. mit der Niederlage Lydiens endeten. Krösus, im Kampf gegen Kyros oder Cyrus II. (560-529 v. Chr.) unterlegen, wurde zum Feuertod verurteilt, dann aber begnadigt und als Satrap (= Provinzstatthalter) der selbständigen Provinz Lydien eingesetzt. In den Satrapien wurden die einheimischen Religionen von den Persern geduldet. Vor dem Krieg mit Kyros soll ihm das Orakel von Delphi auf Befragen geantwortet haben: Wenn du den Halys überschreitest, wirst du ein großes Reich zerstören. Krösus zerstörte sein eigenes, womit sich diese etwas zweideutige Wahrsagung in teuflischer Weise erfüllte.

    Dareios oder Darius I., der Große (522-486 v. Chr.), übernahm die Münzprägung. Die Perser bauten die sogenannte Königsstraße von Susa nach Sardes. Sie galt mit ihren über 100 Post- und Kurierstationen als Symbol der wirtschaftlichen, politischen und militärischen Stärke des Landes sowie der großen Macht der persischen Könige. Dadurch erfuhr Sardes wieder einen neuen Aufschwung, der sich im Luxus und der üppigen Lebensweise der Lydier niederschlug. Von 499-493 v. Chr. war der Aufstand der ionischen Städte Kleinasiens gegen die Perserherrschaft. Nach anfänglichen Erfolgen, so die Eroberung und Zerstörung des Satrapensitzes Sardes im Jahre 498 v. Chr., endete der Ionieraufstand mit einer katastrophalen Niederlage und der Zerstörung von Milet, dem Zentrum des Aufstandes.

    Um 387/386 v. Chr. wurde in Sardes der sogenannte Königsfriede geschlossen, ein Friedensdiktat des Persers Artaxerxes II. Mnemon (423-358 v. Chr.), König seit 404 v. Chr., mit Sparta. Im Jahre 334 v. Chr. wurde die Stadt von Alexander dem Großen (356-13.6.323 v. Chr.) besetzt. Die reichen Lydier galten jedoch bei den Griechen als verweichlicht, die eher eine spartanische Lebensführung gewohnt waren, die sich durch militärische Schlichtheit und Härte auszeichnete. Antiochos oder Antiochus III., der Große, syrischer König aus der Dynastie der Seleukiden (242-187 v. Chr.), König seit 223 v. Chr., eroberte Sardes im Jahre 213 v. Chr. nach einer zweijährigen Belagerung. Die Stadt blühte während des Seleukidenreiches wieder auf. Im Jahre 129 v. Chr. wurde Sardes schließlich Teil des Römischen Reiches. So haben sich hier im Laufe der Zeit die Perser, Griechen, Syrer und schließlich die Römer nach siegreichen Feldzügen als Herrscher abgelöst, wobei ein jeder auch die Spuren seiner kulturellen Prägung hinterlassen hat.

    Im Jahre 17. n. Chr. wurde Sardes von einem Erdbeben völlig zerstört, aber wegen ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung ließ sie Tiberius (Tiberius Claudius Nero, nach seiner Adoption: Tiberius Iulius Caesar) (16.11.42 v. Chr. -16.3.37 n. Chr.), römischer Kaiser von 14-37 n. Chr., wieder aufbauen. Als Vergünstigung erließ er der Stadt für fünf Jahre die Steuern und schenkte ihr zum Wiederaufbau dazu eine große Summe Geld, so daß Sardes sehr bald seine alte Bedeutung zurückgewann. Im Jahre 30 n. Chr. wurde Sardes erneut von einem Erdbeben heimgesucht, jedoch nicht sonderlich zerstört. Allerdings scheint es sich nach diesen Erdbeben nicht mehr ganz erholt zu haben (Anmerkung in der Lutherbibel erklärt). Erst im Jahre 1402 n. Chr. wurde die Stadt dann durch die wilden Mongolenhorden des Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) niedergebrannt und verwüstet.

    Auch zur Zeit des Apostels Johannes war Sardes ein berühmtes Handelszentrum und ein bedeutender Mittelpunkt der Wollindustrie in Kleinasien. Die Bewohner der Stadt waren dann auch im allgemeinen berüchtigt wegen ihres zügellosen Lebenswandels, ihrer Vergnügungssucht und ihrer Vorliebe für Luxus, die sie ein Opfer der Dekadenz (lat., Entartung, Verfall - auch frz.) werden ließ.

    In Sardes wurde eine der frühesten Synagogen ausgegraben (2. Jahrhundert n. Chr.), die bislang außerhalb Israels entdeckt worden sind. Von den größtenteils zerstörten Bauten der Stadt ist der hellenistische Artemistempel, ein ionisches Pseudo-dipteros, hervorzuheben. Dipteros (griech.) ist eine Form des Tempels mit doppeltem Säulenring. Wird dabei der innere Ring fortgelassen, spricht man vom Pseudo-dipteros. Dipteros kommt von dem Wort Diptere und bedeutet Zweiflügler. Man kennt auch das Wort Diptychon (griech., = Doppelfalte), womit ein Zweiflügelaltar bezeichnet wird.

    In Sardes befand sich auch das Zentrum der Kybele-Anbetung. Im Jerusalemer Bibellexikon heißt es: Mysterien-Religionen und heidnische Kulte wie die der Kybele blühten in Sardes. Der Kybele-Kult geht zurück auf den babylonischen Kult der göttlichen Verehrung des zuchtlosen Weibes Semiramis (= die Erhabene) und ihres Mannes Ninus (= Nimrod). Die Bibel berichtet uns: Dies ist das Geschlecht der Söhne Noahs: Sem, Ham und Japheth. Und es wurden ihnen Söhne geboren nach der Sintflut. ... Die Söhne Hams sind diese: Kusch, Mizraim, Put und Kanaan. Und die Söhne des Kusch sind diese: Seba, Hewila, Sabta, Ragma und Sabtecha. Aber die Söhne Ragmas sind diese: Saba und Dedan. Kusch aber zeugte den Nimrod. Der war der erste, der Macht gewann auf Erden, und war ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn. Daher spricht man: Das ist ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod. Und der Anfang seines Reichs war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Lande Sinear. Von diesem Lande ist er nach Assur gekommen und baute Ninive und Rehoboth-Ir und Kelach, dazu Resen zwischen Ninive und Kelach. Das ist die große Stadt. (1. Mose 10, 1 + 6-12).

    Nimrod, der Name bedeutet "Sich empören", war somit der erste Gewaltherrscher auf Erden, der Erbauer Babylons und Gründer des babylonischen Reiches (siehe auch 1. Chron. 1, 10). Der Prophet Micha schreibt: Wenn Assur in unser Land fällt und in unsere festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten dagegen aufstellen, die das Land Assur verderben mit dem Schwert und das Land Nimrods mit bloßen Waffen. So wird er uns von Assur erretten, wenn es in unser Land fallen und in unsere Grenzen einbrechen wird. (Micha 5, 4-5). Das ist vorhergesagt von dem Herrscher aus Davids Geschlecht und wird sich erfüllen, wenn Jesus sein Friedensreich aufrichten wird. Die hier erwähnten Länder sind das heutige Syrien und der Irak. Jedoch wird es dem Volk des kommenden Messias nicht an Führern fehlen, die mit ihm die Feinde vernichten werden.

    Zur Zeit, da Nimrod und Semiramis herrschten, gründeten sie eine Mysterien-Religion, im Gegensatz zu dem von den Vätern überlieferten Glauben. Semiramis war eine berückend schöne, jedoch unmoralische Frau, eine Hure, die ihren Mann zu diesem Götzendienst verführte. Der Herr selbst wird jedoch bei seiner Wiederkunft diese teuflische Religion endgültig beseitigen: Und ich will die Zauberei bei dir ausrotten, daß keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen. Ich will deine Götzenbilder und Steinmale aus deiner Mitte ausrotten, daß du nicht mehr anbeten sollst deiner Hände Werk, und will deine Ascherabilder ausreißen aus deiner Mitte und deine Städte vertilgen. (Micha 5, 11-13). Die Lutherbibel erklärt bemerkt: statt Städte ist wohl "Götzen" zu lesen. Den letzten Teil des Satzes übersetzt Hans Bruns mit: ... aus deiner Mitte ausreißen und alle Götzenbilder vernichten.

    Die Tradition berichtet, daß Nimrod eines gewaltsamen Todes starb. Nach seinem Tode lebte Semiramis noch 42 Jahre. Nach der chaldäischen Seelenwanderungslehre erschien Nimrod in der Person eines Sohnes wieder, der übernatürlich (!) geboren wurde, und zwar durch sein Weib Semiramis. Damit war die babylonische Dreieinigkeit geschaffen: Mutter, Vater und Sohn, drei in einer Person. Die große Hure Semiramis wurde nach ihrem Tode göttlich verehrt. Sie erhielt alle Macht ihres "menschgewordenen" Gottessohnes. Als die göttlich verehrte Semiramis als Himmelskönigin mit ihrem Kinde in den Armen angebetet wurde, betrachtete man sie als das Weib, das der Welt den verheißenen Samen gegeben hatte. Von Babylon aus breitete sich die Anbetung der Mutter und des Kindes über die ganze Erde aus.

    Nach derselben Ordnung babylonischer Gottesverehrung verlief auch der Kybele-Kult. Kybele war die kleinasiatische Fruchtbarkeitsgöttin der Erde. Sie wurde besonders in Wälder und auf Bergen mit Ausschweifungen und Orgien verehrt. Das Duden-Lexikon A-Z erklärt: Kybele, phrygische Muttergottheit, Vegetationsgöttin, die "Große Mutter" ("Magna Mater") oder Mutter der Götter; von den Griechen und Römern übernommen. Phrygien wird mehrmals in der Apostelgeschichte erwähnt, so z. B.: Sie zogen aber durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom heiligen Geist gewehrt ward, zu reden das Wort in der Landschaft Asien. (Apg. 16, 6).

    Das Lexikon der Antike (Heyne-Sachbuch) beschreibt diesen Kult so: Kybele (phrygisch), lat. Magna Mater, griech. Megale Meter, "Große Mutter", kleinasiatische Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin, als Geliebte des Attis auch Agditis genannt, mit der römischen Rhea gleichgesetzt. Von dem ältesten Kulturzentrum in Pessinus (Oberphrygien) breitete sich ihr orgiastischer Kult mit seinen sich selbst verstümmelnden Priestern (Galli), enthusiastischen Tänzen zu Flöte, Klapper und Handpauke (griech. Tympanon) im Hellenismus aus (204 v. Chr. offiziell in Rom eingeführt; Fest vom 4. bis 10. 4.), besonders in der späteren Kaiserzeit. Der Kybele-Kult wurde in Verbindung mit Attis auch zu einer Mysterien-Religion (Taurobolium). Kybele wurde mit Tympanon, Löwen und Korybanten dargestellt. In diesem Lexikon wird auch erklärt: Korybanten: in der griechischen Religion dämonische Wesen, Diener der kleinasiatischen Göttin Kybele. Diese Beschreibung ist wörtlich aus dem Lexikon übernommen worden, enthält daher viele Einzelheiten, wodurch dieser Text nicht leicht zu lesen ist.

    Außer in Sardes wurde auch im alten Rom der Deoius als Sohn Gottes und Rhea (= Kybele) als große Muttergöttin verehrt und angebetet. Auf diesem Wege ist auch der Marienkult nach heidnisch-babylonischem Brauch in den Gemeindezeitraum von Thyatira, der römisch-katholischen Kirche, eingedrungen, so daß nicht mehr Jesus Christus der Sohn Gottes, sondern Maria, seine Mutter, Vermittlerin des Heils wurde. Wie die sich selbst verstümmelnden Priester (Galli) des Kybele-Kults, müssen auch die Priester des Marienkults sich im Zölibat, der Ehelosigkeit, üben.

    Von dem gleichen Hurengeist der Göttinnen Semiramis, Astarte oder Aschera, der Himmelskönigin, und Kybele ist auch der Gemeindezeitraum von Sardes, trotz der Reformation, sehr stark geprägt worden. Wir sehen das besonders in der Feministischen Theologie von heute, die darum so gefährlich ist, weil sie alle göttlichen Heilsbegriffe auf den Kopf stellt. Es ist gotteslästerlich und ekelhaft, wenn lesbische Pfarrerinnen der Landeskirche das Heilige Abendmahl als "Menstruationsfeier" bezeichnen. Diese Feministinnen durchlaufen das historisch-kritische Theologie-Studium unserer Tage und werden dann als "Pfarrerin" auf das Volk losgelassen, in Umkehrung der Bibel: Nur das Volk tut's, das nichts vom Gesetz weiß: verflucht ist es! (Joh. 7, 49).

    Darum werden auch die großen Huren Isebel (= die abgefallene römisch-katholische Kirche) und Kybele (= die abgefallene protestantische Kirche) mit all ihren Kindern, das heißt, ihren verweltlichten Gliederungen, Gemeinschaften und Sekten dermaleinst in den feurigen Pfuhl geworfen, wie die Hölle am Ende der Offenbarung beschrieben wird. Inzwischen wurde schon berichtet, daß eine Synode beschlossen hat, daß Schwule und Lesben in "ethisch verantworteten" Lebensgemeinschaften gesegnet werden können - allerdings nur ausnahmsweise im Gottesdienst (idea-Spektrum Nr. 7/97). Es wird interessant zu beobachten sein, wie beide "Kirchen" einen gemeinsamen Nenner finden werden, um sich in der kommenden Welteinheitskirche der Endzeit zusammenzuschließen.

    Auf Grund der Erklärung im Universallexikon, Band I, Seite 550, verstehen wir unter Feminismus die Gesamtheit aller Bestrebungen, die auf eine Stärkung des weiblichen Einflusses auf Staat, Gesellschaft und Kultur gerichtet und auf dem sozialistischen Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter aufgebaut ist. Das Heim, die Familie und der Mann haben für die moderne Frau keine Bedeutung mehr. Sie muß entweder herrschen oder verführen und zerstören. Müde der dauernden Fehde gibt der Mann entweder nach, oder die Ehe endet vor dem Scheidungsrichter. Deshalb werden heute so wenige Ehen geschlossen, man lebt verantwortungslos einfach ohne Trauschein zusammen, wobei man den Koffer zum Verlassen des anderen jederzeit bereithält.

    Der Feminismus ist schlichtweg die Verneinung des in der Bibel geoffenbarten Gottes und seiner Schöpfung, des in der Heiligen Schrift bezeugten Zueinander von Mann und Frau. Der Feminismus zerstört deshalb das biblische Verständnis der Frau, verneint ihre besondere Geschöpflichkeit und treib sie dadurch in eine tiefgreifende Einsamkeit und quälende Sinnlosigkeit. Daher kämpft dieser nicht für, sondern gegen die Frau, gegen die wahre und echte, dem Vater zugeordnete Mütterlichkeit in unserer immer einsamer, unpersönlicher und kälter werdenden Gesellschaft. Durch den Feminismus wird es noch kälter werden auf dieser Erde.

    Es sind in der Gemeinde Jesu von heute nicht nur die Greuel geschlechtlicher Ausschweifung, durch welche die Prophetin Isebel die Gemeinde beschmutzt, sondern auch schlimme Verirrungen auf dem Gebiet der Nachfolge Jesu: Auf christlichem Boden wird heidnisches Unwesen geduldet. So sehen wir Isebel selbst in der Bewegung der sogenannten Evangelikalen. Dies ist eine Bewegung des Tolerierens innerhalb der Gemeinde Jesu Christi. Man kann sie die zweite Ökumene nennen. Die erste, die eigentliche Ökumene, hat sich selbst entlarvt, indem der Weltkirchenrat jüngst von der Christus-Präsenz in allen Religionen (Naturreligionen, Buddhismus, Islam, Judentum und Christentum) sprach.

    Da mußte es endlich jedem, der die Heilige Schrift einigermaßen kennt, klar werden, daß die Ökumene auf eine Einheits- bzw. Weltreligion hinarbeitet, die in der Welteinheitskirche der Endzeit ihr lang erstrebtes Ziel erreichen wird. Abgesehen davon, finanziert der Ökumenische Rat der Kirchen die Henker der Gemeinde Jesu, indem sogenannte "Befreiungsbewegungen" in aller Welt unterstützt werden. Erwiesenermaßen handelt es sich dabei meistens um getarnte kommunistische Organisationen, die nur danach trachten, durch kriegerische Aufstände die Macht an sich zu reißen. Haben sie dieses Ziel einmal erreicht, dann beginnen sie sofort, die Gläubigen zu unterdrücken. Ein typisches Beispiel hierfür war die Sandinistische Nationale Befreiungsfront in Nicaragua, die sowohl von christlichen Kirchen wie von der früheren Sowjetunion finanziert wurde. So kaufen sie den Strick, an dem sie später dann selbst aufgehängt werden.

    Die Bezeichnung: Evangelikale hört man immer häufiger. Es ist dies ein Sammelbegriff, und es sammeln sich da auch tatsächlich allerhand Richtungen, ja sogar Irrlehren werden toleriert. Der verstorbene Pfarrer Kurt Heimbucher, Präses des Gnadauer Verbandes der Gemeinschaften innerhalb der Landeskirchen, sagte auf einer Informationstagung der Konferenz Evangelikaler Publizisten (kep) zum Thema "Evangelikale heute": Die Evangelikalen sind keine eigene Kirche und wollen auch keine eigene Kirche gründen. Sie sind eine reformatorische Bewegung in vielen Kirchen der Welt. Ihre Bandbreite reicht von der römisch-katholischen Kirche bis zu Pfingstgruppierungen.

    Vor rund fünfzig Vertretern von Presse, Rundfunk und Fernsehen erläuterte der führende Evangelikale das Selbstverständnis der Evangelikalen über Aufgaben und Ziele dieser Bewegung. Nach Heimbucher werden drei Hauptgruppen unterschieden: Die Bekenntnisevangelikalen, die die Autorität des kirchlichen Bekenntnisses betonen und sich in den kirchlichen Sammlungen um Bibel und Bekenntnis zusammengeschlossen haben. Sodann die Pfingstevangelikalen aus einigen charismatischen und gemäßigten pfingstlich orientierten Gruppen. Und schließlich die Allianzevangelikalen, zu denen sich zur Deutschen Evangelischen Allianz gehörende Christen aus Freikirchen und innerlandeskirchlichem Pietismus zählen. Die Bewegung der Evangelikalen gewinnt an Kraft, denn sie ist eine Bewegung des Tolerierens.

  3. Über die Entstehung der Gemeinde von Sardes gibt uns leider weder die Bibel, noch die Kirchengeschichte, eine Auskunft. Da aber der größte Teil der Gemeindegründungen in Kleinasien auf den Apostel Paulus zurückzuführen ist, so besteht die Möglichkeit oder gar Wahrscheinlichkeit, daß auch diese Gemeinde wenigstens indirekt von ihm gegründet wurde. Sardes wird nur hier am Anfang der Offenbarung in der Bibel erwähnt, ansonsten wird nur der Edelstein Sarder genannt, durch den Johannes die Herrlichkeit Gottes gesehen hat (Offb. 4, 2), außerdem wird noch ein anderer Edelstein, ein Sardonyx erwähnt (Offb. 21, 20). Ob hier ein Zusammenhang mit Sardes besteht, ist mir nicht bekannt. Abraham Meister erklärt jedoch in seinem "Biblischen Namen-Lexikon": Sarder - Es ist der von den Alten nach der Stadt "Sardes" benannte und am meisten verwandte Carneol, die gleichmäßig, schön rot gefärbte Chalcedonart. Weiter sagt er: Sardonix (Offb. 21, 20) ist eine Varietät des Chalcedons. Somit haben beide Edelsteine eine gewisse Ähnlichkeit.

  4. Pastor A. Fünning schreibt in seinem Buch: "Das feste, prophetische Wort", auf Seite 97: Das fünfte Sendschreiben an Sardes (Edelstein) zeigt uns die Reformation, die den Edelstein des Wortes Gottes wiederfand, aber dennoch den Namen hat, daß sie lebe, aber tot ist (Offb. 3, 1).

    Der Engel oder Stern der Gemeinde von Sardes kann kein anderer sein, als der Reformator Dr. Martin Luther (10.11.1483-18.2.1546 n. Chr.).

    Gott hat sich für den Zeitraum der Gemeinde von Sardes in Dr. Martin Luther einen Mann ersehen, der der Sehnsucht seiner Zeitgenossen eine laute Stimme und einen kräftigen Willen gab, und der der neuen Zeit den Stempel seines Geistes aufdrückte.

    Als Sohn des Bergmannes Hans Luther und seiner Ehefrau Margarete, geb. Lindemann, wurde Martin am 10. November 1483 in Eisleben im Harz geboren. Dieser Ort liegt am östlichen Rande des höchsten norddeutschen Mittelgebirges, dem niedrigeren Unterharz. Vom Bergbau, der früher in dieser Gegend eine große Rolle spielte, ist heute bestenfalls noch die Kupfergewinnung im Gebiet von Mansfeld bedeutend. Er wurde am Tage nach seiner Geburt, dem Martinstage am 11. November, nach römisch-katholischer Sitte getauft, und man gab ihm den Namen Martin. Dies erfolgte nach dem Heiligen des Tages: Martin von Tours, der an diesem Tage im Jahre 397 n. Chr. zu Grabe getragen worden war.

    Ihm und seinen sieben Geschwistern wurde eine gute Erziehung im Elternhause zuteil. Martin war ein schwacher, aber wohlbegabter Knabe, den sein Vater oft auf den Armen zur Schule getragen hat. Zuerst besuchte er die Schule in Mansfeld, in seinem vierzehnten Lebensjahre kam der Knabe auf die Schule nach Magdeburg, später zu Verwandten nach Eisenach, aus Gründen der Kostenersparnis. Mit achtzehn Jahren bezog er, wohl ausgerüstet mit Kenntnissen, die Universität in Erfurt. Auf Wunsch seines Vaters wandte er sich dem Studium der Rechtswissenschaft zu. Er studierte dort fleißig, so daß er schon 1505 n. Chr., im Alter von zweiundzwanzig Jahren, Magister war und selbst lehren durfte. Als er diese Würde erlangt hatte, gab er sein Studium auf und trat noch 1505 n. Chr. in das Erfurter Kloster der Augustiner-Eremiten ein. Dort wurde er zwei Jahre später zum Priester geweiht. Was Luther veranlaßte, gegen den Willen seines Vaters Mönch zu werden, waren innerste Gewissensnöte. Ihn quälte die Frage, die viele Christen seiner Zeit tief bewegte: Wie werde ich so, daß ich Gott recht bin?

    Im Kloster mußte Luther die niedrigsten Dienste verrichten. Er hoffte, mit den harten Bußübungen, denen er sich in dem strengen Erfurter Kloster willig unterzog, das erstrebte Ziel zu erreichen. Dazu wollte er durch Fasten, Wachen und Geißeln das Fleisch töten und die Seele heiligen. Dabei verfiel die Kraft seines Leibes und doch fand seine Seele keine Ruhe, im Gegenteil, sein Gewissen wurde immer unruhiger. Nach langjährigem Ringen und Forschen in der Bibel wurde ihm aus dem Römer-Brief des Paulus die Antwort geschenkt: Der Mensch kann sich das Wohlgefallen Gottes nicht erringen und verdienen. Gott sieht ihn für recht an, wenn er sich Jesus Christus anvertraut, der durch seinen Kreuzestod alles aus dem Wege geräumt hat, was uns Menschen von Gott trennt.

    Nach einer schweren Krankheit berief ihn Friedrich III., der Weise (17.1.1463-5.5.1525), Kurfürst von Sachsen seit 1486 n. Chr., Gründer der Universität in Wittenberg im Jahre 1502 n. Chr., bereits im Jahre 1508 n. Chr. als Lehrer an die neue Hochschule nach Wittenberg. Nachdem Luther dort Philosophie gelehrt hatte, vertiefte er sich mehr und mehr in die Wahrheiten des Wortes Gottes. Seine Schriftauslegung und seine Predigten in der Schloßkirche zu Wittenberg machten großes Aufsehen und gewannen viele Herzen für seinen Heiland. Friedrich der Weise trat für die Reichsreform ein, lehnte die deutsche Krone ab und entschied bei der Kaiserwahl im Jahre 1519 n. Chr. zugunsten Karls V. gegen Franz I. von Frankreich. Er beschützte Luther 1521 n. Chr. aus politischen und Gewissensgründen.

    Auf einer Reise nach Rom im Jahre 1510 n. Chr. in Sachen seines Ordens lernte er die Verweltlichung des römischen Hofes und die Entartung der Geistlichkeit kennen. Voll Jammer im Herzen rief er: "Gibt es eine Hölle, so ist Rom darauf gebaut. Es ist die heiligste Stadt gewesen und nun die allerärgste geworden!" Wie recht hatte er, wo doch der "Heilige Stuhl", der Thron Satans, längst von Pergamon nach Rom gelangt war. Inzwischen hatte auch das Weib Isebel, das Papsttum, ihr blutrünstiges Werk begonnen und die wahren Gläubigen als Ketzer bereits scharenweise auf die Scheiterhaufen der Inquisition verbannt und verbrannt. Das geschah dazu noch unter dem äußerst scheinheiligen Vorwand: Weil die Kirche kein Blut vergießen darf, mußten die Verurteilten verbrannt werden.

    Nach seiner Rückkehr zur Universität wurde er Doktor der Heiligen Schrift und damit verpflichtet, die Schrift zu erforschen und ihren Glauben zu predigen und zu verteidigen. Luthers Kampf richtete sich zunächst gegen den Ablaßhandel, der durch Leo X., Papst von 1513-1521 n. Chr., ausgeschrieben wurde. Den Handel mit den Ablaßbriefen übernahm in Deutschland, gegen guten Gewinn, der junge Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg, Kurfürst von Mainz (1490-1545 n. Chr.), mit dreiundzwanzig Jahren Erzbischof von Magdeburg, 1514 n. Chr. auch von Mainz. Im Jahre 1518 n. Chr. wurde er wegen seiner Verdienste im Kampf gegen Luther zum Kardinal erhoben. Albrecht übertrug das schmutzige Geschäft an den gewissenlosen Dominikaner-Mönch Johann Tetzel (1465-1519 n. Chr.), der einen verbrecherischen und gewinnsüchtigen Handel damit trieb. Tetzel machte aus der Sündenvergebung durch Gott ein einträchtiges Krämergeschäft für den Papst zur Finanzierung des Petersdoms in Rom. Durch den Ablaßhandel waren die Reichen zu der Überzeugung gelangt, daß sie in der zukünftigen Welt ebenso fein heraus sein würden wie in dieser.

    Schon im dreizehnten Jahrhundert hatte ein nordspanischer Dichter, Guillermo Anelier von Figueras am Fuße der Pyrenäen, den Verfall der Kirche Jesu Christi in einem seiner Gedichte, einer sogenannten Sirvente, gegeißelt. Er erblickte damals schon mit Recht in Rom den Herd desselben; die Habgier, die Zuchtlosigkeit und die Unduldsamkeit des Papsttums wurde von ihm in kräftigen Ausdrücken gebrandmarkt. Hier sei deshalb eine Probe seiner Denkart angeführt:

    Rom, du frißest das Fleisch des Einfältigen,
    Du leitest die Blinden mit dir in die Grube,
    Du übertrittst die Gebote Gottes,
    Denn für Gold erlässest du Sünden,
    Zu groß ist, o Rom, die Last deiner Ungerechtigkeit!

    Hiergegen entbrannte Luther im heiligen Zorn und protestierte dagegen in Wort und Schrift, auch gegen andere Mißbräuche in der bestehenden Kirche. Als das nichts half, beschloß er am Vorabend zu Allerheiligen, am 31. Oktober 1517, seine 95 Thesen (= Feststellungen) an die Türe der Schloßkirche zu Wittenberg anzuschlagen. Er hatte erwartet, die Kirchgänger würden sich am folgenden Tage ihre Gedanken darüber machen. Allerheiligen wird in der römisch-katholischen Kirche zu Ehren aller verstorbenen Gerechten gefeiert, zuerst im Jahre 610 n. Chr. zu Ehren der Märtyrer.

    Seitdem hat die römische Kirche die schlimmsten Verfolger der Gerechten zu Heiligen erklärt und selbst noch viele Märtyrer durch die Inquisition und Hexenverbrennungen hinzugefügt. Die römisch-katholische Kirche lehrt auch heute noch, man könne an diesem Tage einen vollkommenen Ablaß der Sünden für die Verstorbenen erwirken, indem man den Kirchhof besucht und ein "Gegrüßet sei's du Maria" usw. spricht. Dadurch würden die armen Seelen sofort aus dem Fegefeuer in den Himmel gelangen. Das ist eine furchtbare Irrlehre, mit der Menschen um ihr Heil betrogen werden, das sie allein in Jesus Christus finden könnten. Der Apostel Paulus schrieb auch schon im Römer-Brief: Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht. (Röm. 10, 4).

    Auf einem Lesezeichen zu einer älteren römisch-katholischen Bibel ist noch folgendes zu lesen: Wer täglich wenigstens eine Viertelstunde in einer kirchlich gutgeheißenen Ausgabe des Neuen Testamentes zu lesen pflegt, kann jedesmal einen Ablaß von 300 Tagen gewinnen, der auch den Verstorbenen zugewendet werden kann. Wer einen Monat hindurch diese Übung fortsetzt, gewinnt unter den üblichen Bedingungen (Beichte, Kommunion und Gebet nach der Meinung des Hl. Vaters) einmal monatlich einen vollkommenen Ablaß. (Leo XIII., 13. Dez. 1898). Anmerkung: Leo XIII. war Papst von 1878-1903 n. Chr.. Er war der erste Papst, der keine direkte politische Macht mehr hatte, denn im Jahre 1809 n. Chr. wurde der Kirchenstaat zwar durch Napoleon I. aufgelöst, dann allerdings 1815 n. Chr. durch den Wiener Kongreß wiederhergestellt. Erst im Jahre 1871 n. Chr. ging er jedoch, nun endgültig, im Königreich Italien auf.

    Einen weiteren Kampf mußte Luther gegen den Papst und seine Vertreter führen. Nachdem Leo X., Papst von 1513-1521 n. Chr., zunächst den Streit zwischen dem Augustiner Luther und dem Dominikaner Tetzel als "Mönchsgezänk" abgetan hatte, forderte er nach dem großen Wirbel, der inzwischen entstanden war, Luther zur Verantwortung nach Rom. Doch Friedrich III., der Weise (17.1. 1463-5.5.1525), Kurfürst von Sachsen, setzte es durch, daß das Verhör in Augsburg vor Cajetan bzw. Jacobus Cajetanus (eigentlich Thomas de Vio von Gaeta), bedeutendster römisch-katholischer Theologe der Reformationszeit (1469-1543 n. Chr.), Dominikaner-General, Kardinal, stattfinden konnte. Als päpstlicher Legat (= Gesandter) versuchte er auf dem Reichstag zu Augsburg im Jahre 1518 n. Chr. vergeblich, Luther zum Widerruf zu bewegen.

    Im Jahre 1519 n. Chr. versuchte es der päpstliche Gesandte Karl von Miltitz dann noch einmal, Luther von seinem vermeintlichen Irrtum zu überzeugen, jedoch auch dieser Versuch blieb ohne Erfolg. Daraufhin erwirke Dr. Johann Eck, Theologie-Professor aus Ingolstadt (13.11.1486-10.2.1543), in Rom eine päpstliche Bulle (lat.: bulla = Kapsel, später Urkunde mit Siegel) gegen Luther, worin derselbe mit dem Kirchenbann belegt wurde. Dieser Erlaß des Papstes wird dort zumeist nach den lateinischen Anfangsworten zitiert: "Exsurge Domine". Demnach lautet auch der amtliche Titel der "Bulla contra errores Martini Lutheri", die eine Verurteilung der "Irrtümer Luthers" und sein Predigtverbot zum Inhalt hat. Luther nahm diese päpstliche Bulle und verbrannte sie, im Beisein seiner Freunde, auf einem Holzstoß in Wittenberg mit den Worten: "Weil du den Heiligen des Herrn betrübt hast, so betrübe und verzehre dich das ewige Feuer!". Mit diesem Schritt hatte sich Luther dann endgültig vom Papst und von der römisch-katholischen Kirche am 10. Dezember 1520 losgesagt. In diesem Jahre hatte er auch die Schrift verfaßt: Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche.

    Luther führte seinen Kampf ebenso vor Kaiser und Reich. Beunruhigt durch die reformatorische Bewegung, schrieb Karl V., der letzte vom Papst gekrönte deutsche Kaiser (24.2.1500-21.9.1558), Kaiser von 1519-1556 n. Chr., einen Reichstag in Worms aus, wozu auch Luther, versehen mit einem Geleitbrief, geladen war. Da er dann von Dr. Johann Eck im Beisein der geistlichen und weltlichen Würdenträger gefragt wurde, ob er widerrufen wolle, erbat er sich Bedenkzeit. Am nächsten Tage, dem 18. April 1521 wurde er wieder in die Versammlung geführt, um sich zu verantworten. Doch der Kaiser unterbrach ihn und forderte eine kurze und abgerundete Antwort, ob er widerrufen wolle oder nicht. Darauf antwortete Luther mit: "... Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.".

    Daraufhin ließ der Kaiser Luther kundtun, daß er ihn, nach 21 Tagen Geleit, in die Reichsacht (mhd. = Verfolgung, kann als "vogelfrei" getötet werden) zu tun gedenke. Durch das Wormser Edikt wurde nicht nur über Luther, sondern auch über dessen Anhänger die Reichsacht verhängt. Heute ist uns aber der Ausdruck "geächtet" geläufiger, deshalb könnte man sagen, sie waren von da an geächtet im ganzen Reich = Reichsacht. Außerdem wurde die Verbrennung der reformatorischen Schriften und die geistliche Zensur angeordnet. Es schien aber schwer, diese Anordnung durchzuführen, denn zu uneinheitlich war die politische und geistliche Landschaft. Auf diesem Reichstag zu Worms im Jahre 1521 n. Chr. hatte Luther übrigens auch schon die Bezeichnung "evangelisch" für die Anhänger der reformatorischen Lehre vorgeschlagen.

    Auf der Heimreise führte sein Weg durch den Thüringer Wald. Plötzlich sprengten dort bewaffnete Reiter hervor und entführten ihn auf Befehl des Kurfürsten Friedrich III., des Weisen, und brachten ihn vorerst am 4. Mai auf die Wartburg bei Eisenach, um ihn vor der kaiserlichen Acht zu schützen. Auf der Wartburg schrieb er dann die christliche Hauspostille "Wartburgpostille" und begann zunächst die Übersetzung des Neuen Testamentes. Danach übersetzte Luther mit großem Fleiß die ganze Heilige Schrift, so daß die deutsche Bibel im Jahre 1534 n. Chr. vollständig gedruckt erschien; das war wohl die Krönung seines Lebens.

    Im Jahre 1523 n. Chr. hatte er zudem eine Schrift verfaßt: "Daß Jungfrauen in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes das Kloster verlassen können". Am 13. Juni 1525 verheiratete sich Martin Luther mit der sechzehn Jahre jüngeren Katharina von Bora (1499-1552 n. Chr.). Mit seiner Heirat hat Luther so nach außen hin Zeugnis gegeben für den Gottesglauben, der sich durch Jesus Christus für ihn eröffnet hatte. Sie war eine Tat des Gehorsams: gegen Gott und seinen Vater.

    Trotz seines großen Kampfes und seiner übermenschlichen Leistung ist es ihm versagt geblieben, die weitere Entwicklung der Reformation zu erleben. Wo es nicht um die Wahrheit des Christusglaubens ging, sah er sich nicht zum Kampf, sondern zur "Kriegsverhütung" gerufen. Auch die letzte Tat in seinem Leben war die Schlichtung eines Streites. Gesundheitlich angeschlagen, obwohl alt und schwach, reiste er im Herbst und Winter 1545/46 n. Chr. dreimal zu den Grafen von Mansfeld, um so zur Schlichtung jahrelanger Erbstreitigkeiten unter den Grafen beizutragen. Mit Predigen, Ermahnen und Bitten wollte er ein friedliches Einvernehmen unter den Grafen herstellen.

    Am 23. Januar 1546 ist er zum letzten Mal nach Eisleben gereist. Vier Tage vor seinem Tode konnte er seiner Frau schreiben, daß der erfolgreiche Abschluß der Verhandlungen unmittelbar bevorstand. Die Vermittlungsversuche unter den Mansfelder Grafen Albrecht und Gebhard machten ihm aber sehr zu schaffen. Am 16. Februar konnte er einen Vergleich unter den Grafen abschließen. Am 17. Februar drängten die Verhandlungsteilnehmer den geschwächten Luther, doch in seiner Unterkunft zu bleiben und sich zu schonen. Danach mußte er sich sofort hinlegen, denn seine Leiden steigerten sich. Schwere Anfälle als Vorboten des Todes kamen über ihn, aber er blieb bei hellem Bewußtsein.

    Am Abend hatte Luther über Druck auf der Brust geklagt, sich mit warmen Tüchern reiben lassen, mehrmals kurz geschlafen. Um ein Uhr rief er seinen Diener. Sein Zustand verschlimmerte sich. Man holte die beiden Eislebener Ärzte herbei. Die anwesenden Fürsten eilten in Luthers Unterkunft. Seine Freunde umstanden sein Sterbelager, und drei von ihnen haben sein Ende beschrieben. Sie hörten ihn beten und die Worte sprechen: "Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Treuer Gott, du hast mich erlöst." (Psalm 31, 6). Dann tröstete er sich mit dem Wort der Heiligen Schrift: "Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Joh. 3, 16).

    Zuletzt fragte man ihn noch: "Ehrwürdiger Vater, wollt ihr auf Christum und die Lehre, wie ihr gepredigt, beständig bleiben?" Darauf antwortete der Sterbende: "Ja". Dann fiel er in einen sanften Schlaf und ohne Angst und Qual tat er den letzten Atemzug, am 18. Februar 1546. Um vier Uhr früh erging dann die Nachricht an den Kurfürsten, daß Martin Luther "zwischen zwei und drei Uhr in der Nacht in Christo entschlafen" ist. Er wurde unter der Kanzel in der Schloßkirche zu Wittenberg bestattet. In dieser Schloßkirche predigte Johannes Bugenhagen, der Wittenberger Stadtpfarrer. Sein Freund Philipp Melanchthon (eigentlich Schwartzerd[t]), Professor zu Wittenberg (16.2.1497-19.4.1560), ehrender Beiname: Praeceptor Germaniae, hielt eine lateinische Ansprache. Er reihte Luther ein unter die Propheten, Apostel und herausragenden Männer in der Geschichte der christlichen Kirche.

    Es ist nicht schwer zu erkennen, daß mit Sardes, der fünften Gemeinde, etwas Neues beginnt. Nach hebräischer Deutung kann der Name Sardes mit "ein Übriggebliebener" oder gar "ein Überrest" übersetzt werden, d. h. in der Gemeinde zu Sardes sind etliche die ihre Kleider nicht besudelt haben. Das gilt wiederum für die dortige Versammlung damals, wie auch für den Zeitraum der Gemeinde von Sardes. In dieser Zeit haben wir die Geschichte der Reformation und des daraus entstandenen Protestantismus vor uns, wir er im 16. Jahrhundert mit einem kleinen Überrest begann und der heute auch noch vorhanden ist.

    Diese wahren Gläubigen verdienen allein die Bezeichnung "evangelisch", nicht jedoch die vielen Mitläufer dieser Kirche, die sich nur noch dem Namen nach Christen nennen. Wenn wir die Brockhaus-Enzyklopädie zu Rate ziehen, finden wir folgende Erklärung: Evangelisch, - d.h., aus dem Evangelium (bzw. den Evangelien) stammend, und dem Evangelium in Glaube und Lebensführung entsprechend. Das bedeutet zweifelsfrei, nur wer wiedergeboren ist durch den Geist Gottes, der kann wirklich sein Leben nach dem Evangelium zu führen.

  5. Wir wollen nun zu dem kommen, was der Herr der Gemeinde zu Sardes zu sagen hat. Das Sendschreiben ist wie alle an den Engel oder Boten der Gemeinde gerichtet. Der erhöhte Herr macht auch hier den Leiter der Gemeinde zu Sardes verantwortlich für die innere Entwicklung der Gemeinde. Ein Versammlung von Gotteskindern ist keine Privat-Domäne, die er nach eigenem Gutdünken verwalten kann. Sie ist auch keine kirchliche Institution, in der der Botschafter an Christi Statt als fromm-religiöser Bühnenkünstler das kirchlich-fromme Publikum mit Witzen und Späßen bei guter Laune hält, mit dem negativen Ergebnis: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen (Matth. 11, 17, Luthertext von 1914).

  6. Was eine Gemeinde braucht, sind keine Show-Master, die für lustige Unterhaltung sorgen, sondern vollmächtige Prediger des Wortes Gottes. Sie müssen den Menschen das sagen, was sie brauchen, nicht unbedingt das, was sie wollen. Es geht um die Erlösung des Menschen, nicht um angenehme, christliche Selbstverwirklichung. Die Hauptsache des Christseins ist das Heil in Christus. Der Herr hat für seine Gemeinde die Botschafter als Hirten und Wächter berufen, die die Gemeinde Gottes weiden sollen, nicht sich selbst. Daher die mahnende Anweisung des Apostels Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus: Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht leiden werden; sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, wonach ihnen die Ohren jücken, und werden die Ohren von der Wahrheit wenden und sich zu den Fabeln kehren. Du aber sei nüchtern allenthalben, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus. (2. Tim. 4, 2-5).

    Das heißt, der Leiter einer Gemeinde soll überhaupt keinen Ersatz für die Verkündigung des Wortes Gottes suchen, seien es Podiumsdiskussionen, Tanzveranstaltungen, Pop-, Rock- und Jazzmusik, Kabarett, Pantomime, Puppentheater und anderer Mumpitz. Alle diese Vergnügungen können keinen auferbaulichen Gottesdienst und keine unterweisende Bibelstunde ersetzen. Die Versammlungen werden dadurch anstatt zu einer Behausung Gottes im Geiste dann einfach zu religösen Unterhaltungsstätten herabgesetzt, wie es heute vielfach geschieht. Erfüllt der Bote der Gemeinde allerdings die ihm von Gott aufgetragene Pflicht zur wahrheitsgemäßen Verkündigung der ganzen biblischen Botschaft nicht, so wird der Herr der Gemeinde ihn am Tage des Gerichtes wegen seiner groben Pflichtverletzung nach Hesekiel 3, 16-21 und 33, 1-9 zur Verantwortung ziehen.

    Der Herr gibt auch hier einen Schreibbefehl, damit die wichtige Botschaft niedergeschrieben wird und nicht in Vergessenheit gerät. Sie soll nicht nur der Gemeinde von Sardes eine orientierende und korrigierende Hilfe für ihr geistliches Leben sein, sondern als Wort Gottes bleibt diese Schrift für alle Zeiten gültig.

    Der erhöhte Herr beginnt als Absender des Briefes mit den Worten: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke. Im Besitz der sieben Geister Gottes, als Symbol seiner Autorität, stellt sich der erhöhte Herr der Gemeinde zu Sardes vor. Die sieben Geister versinnbildlichen die sieben Grundformen der Menschwerdung Jesu Christi: ... sondern (1) entäußerte sich selbst und (2) nahm Knechtsgestalt an, (3) ward gleich wie ein andrer Mensch und (4) an Gebärden als ein Mensch erfunden. (5) Er erniedrigte sich selbst und (6) ward gehorsam bis zum Tode, ja (7) zum Tode am Kreuz. (Phil. 2, 7 + 8).

    Im Kolosser-Brief wird seine schöpferische Allmacht ebenfalls nach der siebenfachen Ordnung geschildert: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das (1) Sichtbare und (2) Unsichtbare, es seien (3) Throne oder (4) Herrschaften oder (5) Reiche oder (6) Gewalten; es ist (7) alles durch ihn und zu ihm geschaffen. (Kol. 1, 16).

    Diese sieben Geister mit ihren schöpferischen Eigenschaften weisen ferner auf die prophetische Zeitordnung der sieben Schöpfungs- und Gottestage hin, so daß jeder Schöpfungs- und Gottestag die schöpferische Eigenschaft des jeweiligen Geistes nach den Worten des Propheten Jesaja trägt: Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der (1) Geist des Herrn, der Geist der (2) Weisheit und des (3) Verstandes,der Geist des (4) Rates und der (5) Stärke,der Geist der (6) Erkenntnis und der (7) Furcht des Herrn. (Jes. 11, 1 + 2). Weiter schreibt er von dem kommenden Gesalbten Gottes (Gesalbter = griech. Christos, in Großbuchstaben: CRISTOS, sonst: cristoV= lat. Christus = hebr. Messias/Maschiach): Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, (1) den Elenden gute Botschaft zu bringen, (2) die zerbrochenen Herzen zu verbinden, (3) zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, (4) den Gebundenen, daß sie frei und ledig sein sollen; (5) zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und (6) einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, (7) zu trösten alle Trauernden. (Jes. 61, 1-2).

    In sechs Tagen hat Gott durch seinen Sohn Jesus Christus alles Sichtbare und Unsichtbare geschaffen, und am siebenten Tage ruhte er von allen seinen Werken. Nach derselben Ordnung verläuft auch die Welt- und Heilsgeschichte, nur in größeren Zeiträumen, als Gottestage von tausend Jahren, wie wir auch schon am Anfang von Kapitel 2 gesehen haben.

    Der Herr stellt sich der Gemeinde zu Sardes in ähnlicher Weise vor, wie bei der ersten Gemeinde zu Ephesus: Das sagt, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten. (Offb. 2, 1). Hier sagt der Herr nicht, daß er sie noch in seiner Rechten hält. Im Psalm heißt es: Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. (Psalm 98,1). Nach Offb. 1, 20 sind die sieben Sterne die sieben Engel oder Boten der sieben Gemeinden in der Landschaft Asien. Diesen Vorstehern der dortigen Versammlungen gilt, wie den Leitern der Gemeinden von heute, und allen anderen Lehrern der Kinder Gottes, wenn sie bewährt sind, die Verheißung des Herrn an den Propheten Daniel: Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. (Dan. 12, 3).

    Wer die sieben Sterne hat, der hat die Autorität über sie. In Ephesus hat er sie in seiner Rechten gehalten, hier übt er diese Macht aus, um Heil für seine Gemeinde oder Kirche zu erwirken. Die sieben Sterne sind nach Offb. 1, 20 sieben Engel oder Boten, die als Model das Urbild der Gemeinde Jesu Christi während der ganzen Heils- und Gnadenzeit repräsentieren, also das gesamte Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi von Pfingsten bis zur Entrückung. Auch das haben wir schon am Ende von Kapitel 1 betrachtet.

    Ich weiß deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Der, der die sieben Geister hat, sagt: Ich weiß deine Werke. Bei der Betrachtung von Offb. 1, 4 haben wir gesehen, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, von dem Gott sagt: mein Knecht, "der Sproß", das Reis oder Ros' (aus dem Weihnachtslied: Es ist ein Ros' entsprungen) aus dem Stamm Isais, der Zweig aus seiner Wurzel, der hat die sieben Augen, die alle Lande durchziehen: Von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Thron (Offb. 1, 4), heißt es etwas später: Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, welches sind die sieben Geister Gottes. (Offb. 4, 5).

    Dazu wird im Zusammenhang mit Jesu Wiederkunft gesagt: Höre nun, Josua, du Hoherpriester: Du und deine Brüder, die vor dir sitzen, sind miteinander ein Zeichen; denn siehe, ich will meinen Knecht, "den Sproß", kommen lassen. Siehe, auf dem einen Stein, den ich vor Josua hingelegt habe, sind sieben Augen. Siehe, ich will auf ihm eine Inschrift eingraben, spricht der Herr Zebaoth, und will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag. (Sach. 3, 8-9) Jene sieben sind des Herrn Augen, die alle Lande durchziehen. (Sach. 4, 10).

    Im Hebräer-Brief wird uns überdies verdeutlicht: Und keine Kreatur ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor Gottes Augen, dem wir Rechenschaft geben müssen. (Hebr. 4, 13). Hinzufügend: Von dem reden wir. (Luthertext von 1914). Weiter heißt es noch dort: Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen; damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut. (Hebr. 13, 17). Im Römer-Brief schreibt der Apostel Paulus: So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben. (Röm. 14, 12).

    Im Psalm wird uns gesagt: Der die Völker in Zucht hält, sollte der nicht Rechenschaft fordern - er, der die Menschen Erkenntnis lehrt? (Psalm 94, 10). Und in den Sprüchen wiederum heißt es: Alle Worte Gottes sind durchläutert; er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. Tu nichts zu seinen Worten hinzu, daß er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst. (Sprüche 30, 5 + 6).

    So hat nun der allwissende Herr alles durchforscht und fordert Rechenschaft von dem Engel oder Boten der Gemeinde zu Sardes: Du hast den Namen du lebest, und bist tot. Mit anderen Worten: Dein Zeugnis ist lügenhaft, du gibst vor zu leben und bist in Wirklichkeit tot. Nur dem Namen nach lebst du, du bist lebendig tot! Für die Urgemeinde von Sardes war das sicherlich eine erschütternde und vorwurfsvolle Diagnose von seiten ihres Herrn, die jedoch zum Heil (Offb. 3, 1), zur Heilung (Offb. 3, 2) und zur Heiligung (Offb. 3, 3) dienen soll. Schlimmer konnte das Urteil über die Gemeinde nicht ausfallen.

    Sardes war einmal eine blühende und lebendige Gemeinde, in der sich das geistliche Leben segensreich entfaltete. Dann aber kam die Zeit der Bewährung, in der sie sich gegen die weltlichen Einflüsse und satanischen Verführungskünste zu verteidigen hatte, dazu aber versagte ihre Kraft und ihre Vitalität war entschwunden. Das Leben aus Gott begann immer mehr zu stagnieren, bis dann schließlich und endlich, als Folge dieser negativen Entwicklung, der geistliche Tod eintrat.

    Diese tote und erstarrte Gemeinde zur Zeit des Apostels Johannes entwickelte sich, mit der Mehrzahl der anderen Versammlungen, durch die Jahrhunderte hindurch unter dem Einfluß einer klerikalen Papst- und Priesterherrschaft zu einer religiösen Institution mit volkskirchlichem Charakter. Um aber dieses religiöse Scheingebilde kirchlicher Organisation existentiell zu sichern, hat man es mit einer Vielzahl fromm-religiöser Anstriche versehen, als da sind: Dogmen, Tradition, Marien- und Heiligenverehrung und -anbetung, Säuglingsbesprengung anstatt Glaubenstaufe, Sakramente mit magischen Vorgaben und vieles andere mehr.

    Das alles führte zur religiösen Versklavung in der Werksgerechtigkeit, von der man niemals wußte, ob man genug geleistet hat. Wie wir ja schon bei der Betrachtung der Gemeinde von Thyatira gesehen haben, war das die Situation der offiziellen Kirche bis zum Ende des Mittelalters. Damit war von dem Urbild der Gemeinde von Sardes leider nichts mehr übriggeblieben, als nur ein klägliches Zerr- und Spottbild. Veranlaßt durch diese verworrene und entartete Entwicklung der christlichen Kirche, war die Reformation die unausbleibliche Folge davon.

    Mit dem Anschlag der 95 Thesen durch Dr. Martin Luther an die Türe der Schloßkirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 und mit dem Verbrennen der gegen ihn gerichteten päpstlichen Bannbulle am 10. Dezember 1520 in Wittenberg hat die Reformation ihren Anfang genommen. Damit hat auch gleichzeitig der fünfte Zeitabschnitt der christlichen Kirche begonnen, der Zeitraum der Gemeinde von Sardes.

    Mit der Durchführung der Reformation sah sich Luther einer großen, fast übermenschlichen Aufgabe gegenübergestellt. Denn er hatte es ja dabei nicht mit irgendwem zu tun, sondern er mußte sich vielmehr mit einer verrotteten Papst- und Priesterschaft von damals auseinandersetzen. Außerdem hatten diese die weltlichen Herrscher unter ihrer Kontrolle, da sie diese teilweise sogar selbst eingesetzt hatten und von ihnen völlig abhängig waren. Manche Landesfürsten wurden durch das Papsttum und seinem Klerus indirekt beherrscht, da die durch die kirchlichen Autoritäten eingesetzten Herrscher wiederum andere ihnen genehme Fürsten einsetzten. Oft waren kirchliche Würdenträger gleichzeitig auch weltliche Oberhäupter, wie Luther z. B. im Falle des Erzbischofs Albrecht, eines jüngeren Bruders des Kurfürsten Joachim von Brandenburg, erfahren mußte. Dieser war Kurfürst von Mainz und wurde zunächst im Jahre 1513 n. Chr. Erzbischof von Magdeburg und ein Jahr später dann auch von Mainz.

    Vor allem versuchte Luther den ganzen Wust römisch-katholischer Irrlehren und Götzenkulte abzuschaffen, und zwar die Ohrenbeichte, die lateinische Messe, den Marien- und Heiligenkult, sowie auch alle anderen religiösen Mißbräuche. An deren Stelle führte er dann die deutsche Predigt, den deutschen Kirchengesang, sowie vieles andere mehr ein.

    Das Licht des Evangeliums, das bis dahin verdunkelt und verzerrt war, hat Luther wieder auf den Leuchter gestellt, so daß das Hauptthema seiner Botschaft fortan lautete: Rechtfertigung des Sünders nicht durch Werke, sondern allein durch den Glauben, oder: Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben. (Habakuk 2, 4), ebenso: Der Gerechte wird aus Glauben leben. (Röm. 1, 17).

    Martin Luther, der große Zeuge von der Rechtfertigung durch den Glauben, hat eine Zeitlang unbeirrbar an seinen reformatorischen Grundsätzen festgehalten, und zwar:
    "sola scriptura" = "allein die Schrift",
    "sola fide" = "allein durch Glauben",
    "sola gratia" = "allein aus Gnaden".

    Vor allem aber lag es nicht in seiner Absicht, eine neue Volkskirche nach reformatorischem Muster zu gründen, sondern sein Anliegen war vielmehr die Gemeinde nach der Lehre des Neuen Testamentes zu verwirklichen. Diesen Gedanken suchte er anfänglich auch stark voranzutreiben, aber unter dem Druck der damaligen politischen und religiösen Verhältnisse mußte er ihn zurückstecken und sich für die Volkskirche entscheiden.

    Außerdem hat Luther auch am Anfang der Reformation eine positive Haltung der neutestamentlichen Glaubenstaufe gegenüber eingenommen und die Säuglingsbesprengung als unbiblisch abgelehnt. In seiner Kirchenpostille in der Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias über Matthäus 8, 1 ff. heißt es unter anderem:
    Wo wir nun nicht können beweisen, daß die jungen Kinder selbst glauben und eigenen Glauben haben, da ist es mein treuer Rat und Urteil, daß man stracks davon absehe, je eher, je besser, und taufe nimmermehr kein Kind, daß wir nicht die hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Alfanzen (= Schwindel) und Gaukelwerk, da nichts hinter ist, spotten und lästern.

    Leider hat Luther später seine Überzeugung über die Glaubenstaufe grundlegend geändert und den Standpunkt vertreten, daß auch Säuglinge Glauben halten. Damit verwarf er die zuvor von ihm als allein richtig anerkannte Glaubenstaufe.

    Dazu zitieren wir nun wörtlich aus dem Buch: "Die Wahrheit bei den Täufern" Seite 31, alte Ausgabe, oder "Die wahre Taufe", Seite 57-58, neue Ausgabe, von Friedrich Sondheimer, Dynamis-Verlag, CH-5400 Baden, Rathausgasse 8:

    1527 vollzogen Luther und Melanchthon (1497-1560) den verhängnisvollen Schritt zur Bildung staatskirchlicher Verbände. 1529 beschlossen Protestanten und Katholiken auf dem Reichstag zu Speyer gemeinsam, alle "Wiedertäufer" auszurotten. So wie Luther sich in seiner Auffassung über die Taufe verschieden geäußert hat, so auch über die Duldsamkeit Andersgläubigen gegenüber. Nachdem er aber Landeskirchen gegründet hatte, fiel er zurück in die Art katholischer Unduldsamkeit.
    In der von Melanchthon verfaßten Confessio Augustana (also dem Augsburger Bekenntnis, Anm.), dem Glaubensbekenntnis der Lutherischen Kirche, heißt es fünfmal in den Artikeln 5, 9, 12, 16 und 17 "die Wiedertäufer sind zu verdammen".
    Durch ein Gutachten Melanchthons vom Jahre 1531, in dem die "Wiedertäufer" als Gotteslästerer und Aufrührer bezeichnet werden und das Luther mit seinem "placet mihi Martino Luthero", das heißt: "Ich bin damit einverstanden, M. L." unterschrieb, kam es zu einer schweren Verfolgung der Täufer.
    Mit Luthers und Melanchthons Zustimmung wurden auch bald Hinrichtungen an den Täufern vollzogen. Ein weiteres Gutachten der Wittenberger Theologen vom Jahre 1536 befürwortete die Hinrichtung der Täufer. Da ist es nicht zu verwundern, wenn die Landesfürsten und die Schüler der Reformatoren dann in demselben Geist weiterhin handelten.

    Bald darauf setzten dann die Nachwehen der Reformation ein. Zunächst war es der große Bauernkrieg von Ende 1524 bis Mitte 1525 n. Chr. bei dem die "Münsterschen Schwärmer" eine entscheidende Rolle spielten. Unter der Führung der Zwickauer Propheten, von Thomas Müntzer (1489-27.5.1525 n. Chr.), der zuerst Prediger in Zwickau war, und des Tuchmachers Storch wurden von diesen immer mehr Schlösser und Klöster überfallen und geplündert, nachdem Müntzer die Fürsten nicht für seine Ideen gewinnen konnte. Luther sagte: "Müntzer und die Bauern haben das Evangelium so verwüstet und die Papisten in ihrer Geisteshaltung so bestärkt, daß man offensichtlich wieder von vorne anfangen muß.".

    Am 31. Oktober 1525 schrieb Luther in der Frage der Kirchenreform an Kurfürst Johann, den Beständigen (30.6.1468-16.8.1532), Kurfürst von Sachsen, der nach dem Tode seines Bruders Friedrich, am 5. Mai 1525 die Regierung über das gesamte Kurfürstentum übernommen hatte. Dieser blieb zwar mit Luther in dieser Sache in Verbindung, hatte aber außerdem das Problem der Kirchenreform auf reichspolitischer Ebene im Auge behalten. Im Sommer 1526 fand in Speyer ein erster Reichstag statt. Die Frage der "lutherischen Ketzerei" und der Kirchenreform sollte hier wieder behandelt werden.

    Der abwesende Kaiser Karl V., der letzte vom Papst gekrönte deutsche Kaiser (24.2.1500-21.9.1558), Kaiser von 1519-1556 n. Chr., der sich durch seinen Bruder Erzherzog Ferdinand (1503-1564 n. Chr.) in Deutschland vertreten ließ und der später nach dem Rücktritt Karls V. im Jahre 1556 n. Chr. dessen Nachfolger wurde, sperrte sich dagegen, daß neue Beschlüsse gefaßt wurden. Daher kam es danach auf dem Reichstag zu einer folgenschweren Entscheidung: man beschloß, daß die einzelnen politischen Machthaber in der Sache des Wormser Edikts aus dem Jahre 1521 n. Chr. (das über Luther und dessen Anhänger die Reichsacht verhängte) bis zu einer umfassenden Regelung durch ein zukünftiges Konzil in eigener Verantwortung vor Gott und dem Kaiser handeln sollten. Dem jeweiligen Landesfürsten wurde geboten, das Wormser Edikt so durchzuführen, "wie er das gegen Gott und kaiserliche Majestät hoffe und vertraue zu verantworten".

    Darin konnten die Mächte, die der evangelischen Kirchenreform zuneigten, die rechtliche Veraussetzung erkennen, um Reformmaßnahmen durchzuführen. In den Schriften Luthers ist eine deutliche Änderung ab dem Zeitpunkt zu erkennen, an dem er sich dem Kurfürsten von Sachsen unterstellte. Inzwischen war aber der altgläubig gesinnte Kaiser in Verhandlungen mit dem Papst politisch erfolgreich. Deshalb einigten sich die römisch-katholischen Parteien auf einem weiteren Reichstag zu Speyer im Jahre 1529 n. Chr., nur drei Jahre später, das Wormser Edikt von 1521 n. Chr. nun jedoch mit aller Härte durchzusetzen.

    Daraufhin erfolgte auf diesem Reichstag zu Speyer die Protestation (= der Einspruch) der evangelischen Stände. Sechs Fürsten und vierzehn oberdeutsche Städte vereinigten sich zu diesem feierlichen Protest gegen die zwangsweise Durchführung des Wormser Edikts und damit die Verfolgung der evangelischen Christen. Nachher wurde daraus der Begriff: Protestantismus geprägt, als umfassende Bezeichnung für sämtliche aus der Reformation hervorgegangen christlichen Religionsgemeinschaften, deren Anhänger daraufhin Protestanten genannt wurden. Die Protestanten waren allerdings unter sich uneins, deshalb hatte ihr Einspruch auch nicht genügend Durchschlagskraft.

    Im selben Jahre 1529 n. Chr. fand das Marburger Religionsgespräch statt zwischen Martin Luther und Ulrich Zwingli, das auf Veranlassung von Philipp I., dem Großmütigen, Landgraf von Hessen (1504-1567 n. Chr.), zustande kam. Dieser versuchte aus politischen Gründen die reformatorischen Bekenntnisse zu vereinigen, allerdings konnte der Zwiespalt auch bei diesem Gespräch nicht ganz überwunden werden. Insbesondere der entscheidende Punkt der Abendmahlslehre ("das ist Christi Leib und Blut - das bedeutet Christi Leib und Blut") trennte sodann weiterhin Lutheraner und Reformierte.

    Hier zeigte sich dann die Freiheit und die Schwäche der Evangelischen von Anfang an. Ihre Freiheit war die Freiheit der Gewissensentscheidung, die allein vor Gott zu treffen ist. Sie kann durch kein kirchliches Lehramt weder verordnet noch gesteuert werden. Ihre Schwäche war, daß sie nicht mit einer Stimme redeten, was bis heute leider im Wesentlichen so geblieben ist.

    Im Jahre 1531 n. Chr. wurde in Schmalkalden, einer kleinen Kreisstadt in Thüringen, von protestantischen Fürsten und Reichsstädten der Schmalkaldische Bund gegen Kaiser Karl V. und die römisch-katholischen Stände geschlossen. Durch den Nürnberger Religionsfrieden, einem am 23. Juli 1532 unterzeichneten Vertrag, wurde den protestantischen Reichsständen bis zum nächsten Konzil bzw. Reichstag freie Religionsausübung gewährt, wogegen diese dem Kaiser Unterstützung gegen die Türken zusagten.

    Durch den Augsburger Religionsfrieden wurde im Jahre 1555 n. Chr. die Glaubensspaltung in Deutschland besiegelt. Es wurde dort die Religionsfreiheit für die Reichsstände (fürstliche und städtische Obrigkeiten) beschlossen, nach dem Prinzip: "Cuius regio, eius religio" (= wes die Herrschaft, des der Glaube, oder: wer herrscht, der bestimmt die Konfession der Untertanen).

    So machte man den Protestantismus von der Obrigkeit abhängig. In Thyatira herrschte die Kirche über die Welt, hier in Sardes ist es umgekehrt, die Welt befiehlt der Kirche. Was mit der Reformation einen guten Anfang genommen hatte, indem die Heilige Schrift dem Volk wiedergegeben und den Menschen das vollkommene Opfer von Golgatha neu vor Augen gestellt wurde, erstarrte nun wieder in toten Institutionen. Genau wie in der römisch-katholischen Kirche suchte man erneut die Ordnung des kirchlichen Lebens durch straffe Kirchenstruktur und Organisation zu beherrschen. War die Reformation ohne Frage ein Werk Gottes, so ist der Protestantismus ebenso sicher ein Werk von Menschen. Der Geist des Herrn begann das Werk, der Wille des Menschen, das Fleisch, setzte es fort.

    Seinen Standpunkt zur Ökumene kann man gut aus der Predigt entnehmen, die Luther am einundzwanzigsten Sonntag nach Trinitatis, dem 29. Oktober 1531, nachmittags, über Eph. 6, 10 ff. gehalten hat:
    Einige unverständige Geister geben vor, man soll nicht über einen Artikel so hart streiten und dabei die christliche Liebe zertrennen noch einander dabei dem Teufel übergeben. Sondern, wenn man gleich in einem geringen Stück irrte, wo man sonst in anderm eins ist, solle man doch etwas weichen und gehen lassen und gleichwohl brüderliche und christliche Einigkeit oder Gemeinschaft halten. Nein, lieber Mann, nur nicht den Frieden und die Einigkeit, bei der man Gottes Wort verliert! Denn damit wäre schon das ewige Leben und alles verloren.
    Es gilt hier, nicht zu weichen noch etwas einzuräumen, Dir oder irgendeinem Menschen zu Liebe, sondern dem Wort sollen alle Dinge weichen, sie heißen Feind oder Freund. Denn es ist nicht um äußerlicher oder weltlicher Einigkeit und Friedens willen gegeben. Das Wort und die Lehre sollen christliche Einigkeit oder Gemeinschaft machen; wo die gleich und einig sind, da wird das andere bestimmt folgen; wo nicht, so bleibt doch keine Einigkeit.
    Das wollen wir gern tun, daß wir äußerlichen Frieden mit ihnen halten, wie wir es in der Welt mit jedermann, auch mit den ärgsten Feinden tun müssen, das gehe seinen Weg in diesem Leben und weltlichen Wesen, darüber haben wir nicht zu streiten. Aber um der Lehre und christlichen Gemeinschaft willen wollen wir nichts mit ihnen zu tun haben, noch sie für Brüder, sondern für Feinde halten, weil sie auf ihrem Irrtum wissentlich beharren, und wir wollen gegen sie unsern geistlichen Kampf kämpfen.

    Alsdann kam die Gegenreformation durch die Gründung des Jesuiten-Ordens. Der baskische Edelmann Ignatius von Loyola (eigentlich Don Iñigo López Oñaz y de Loyola), spanischer Ritter (1491-31.7.1556 n. Chr.), gründete 1534 n. Chr. die Societas Jesu (= Gesellschaft Jesu, abgekürzt: S. J.), die nun im Jahre 1540 n. Chr. durch Paul III. (1468-10.11.1549 n. Chr.), Papst seit dem 13.10.1534, bestätigt wurde. Ihre Losung war und ist: "Omnia ad maiorem Dei gloriam" = "Alles zur größeren Ehre Gottes". Die Auseinandersetzungen jedoch innerhalb wie außerhalb der römisch-katholischen Kirche wurden schließlich so scharf, daß es 1773 n. Chr. durch Klemens XIV. (Papst von 1769-1774 n. Chr.) zur Aufhebung des Ordens kam, der "auf ewig" verboten wurde. Allerdings durch Pius VII. (14.8.1742-20.8.1823), Papst seit dem 14.3.1800, wurde sodann im Jahre 1814 n. Chr. die Gesellschaft Jesu trotz allem wieder offiziell eingeführt, obwohl deren Tätigkeit eigentlich nie aufgehört hatte.

    Veranlaßt durch diese Entwicklung brach dann der Dreißigjährige Krieg aus, der von 1618-1648 n. Chr. dauerte, mit all seinen Schrecken und Begleiterscheinungen. Es war dies ein ausgesprochener Religionskrieg zwischen Protestanten und Katholiken, der durch den Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück im Jahre 1648 n. Chr. beendet wurde.

    Aber trotz des Friedens lastete die durch den Krieg herbeigeführte Zersplitterung, Verarmung, Entvölkerung und Entsittlichung des Volkes noch lange schwer auf Deutschland, so daß auch das christlich-religiöse Leben unter diesem Einfluß zu einer toten Form und äußerlichen Tradition erstarrte. Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die lutherische Rechtgläubigkeit durch den Pietismus abgelöst.

    Die Vertreter des deutschen Pietismus lehnten die Spitzfindigkeiten der traditionellen Theologie ab und lehrten statt dessen den einfachen Glauben nach der Heiligen Schrift. Außerdem betonten sie, statt der bloßen kirchlichen Rechtgläubigkeit, die Wiedergeburt des Herzens und Erneuerung des Lebens durch den Heiligen Geist. Die Väter des Pietismus waren: Philipp Jakob Spener (13.1. 1635-5.2.1705), August Hermann Francke (22.3.1663-8.6.1727) und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760) und andere.

    Mit dem Pietismus hat auch gleichzeitig die Aufklärung im 18. Jahrhundert ihren Anfang genommen, die mit schonungsloser Kritik die übernatürliche Offenbarung verwarf und den Glauben an die kirchliche Überlieferung zerstörte. Es gelang ihr auch, durch ihre verführerische und verderbenbringende Philosophie, alle Lebensbereiche des 18. und 19. Jahrhunderts zu beeinflussen und sogar zu erobern. Demzufolge konnte sich auch die Theologie dem Einfluß des neuen Zeitgeistes nicht ganz verschließen und erwehren. So kam es dann ebenso dazu, daß auch das rationalistische Denken in die Theologie Eingang gefunden hat.

    Nach der Aufklärung setzte die Zeit der Propaganda und der Hetze ein, wodurch das gesamte Kulturleben ein Opfer des Materialismus und der Verdiesseitigung wurde. Durch die Aufklärung und Hetzpropaganda wurde die Vorarbeit für die Französische Revolution geleistet, die dann auch plötzlich am 14. Juli 1789, mit dem Sturm auf die Bastille, wie ein feuerspeiender Vulkan ausbrach und mit grausamer Härte bis zum Jahre 1795 n. Chr. geführt wurde.

    Danach machte Gott der Menschheit in unserem zu Ende gehenden Zeitalter noch ein letztes Gnadenangebot, durch die großen Erweckungsbewegungen vom 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Erweckungszeit kam es auch zur Bildung von verschiedenen Freikirchen und christlichen Gemeinschaften. Fast zur gleichen Zeit traten auch der Okkultismus und Spiritismus auf, deren satanische Auswirkung sich wie eine ätzende und zersetzende Giftwolke über die ganze Menschheit ausgebreitet hat.

    Einen ähnlichen, verderblichen Einfluß auf die wahre Kirche Jesu Christi hat die Ökumene inzwischen ausgeübt. Aus den weltweiten Erweckungsbewegungen entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, angestoßen vor allem durch die Weltmissionskonferenz in Edinburgh (1910 n. Chr.), die Ökumenische Bewegung mit dem Ziel eines einheitlichen Zeugnisses der Christenheit gegenüber der Welt. Diese Frühphase fand allerdings ihren Abschluß spätestens im Jahre 1948 in Amsterdam, als dort am 23. August die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (abgekürzt: Ö.R.K.) beschlossen wurde, heute mit Sitz in Genf.

    Dieser versteht sich nach eigener Aussage als "eine Gemeinschaft der Kirchen, die unseren Herrn Jesus Christus als Gott und Heiland anerkennen". Mit der Bibeltreue des O.R.K. hat es angesichts der Mitarbeit auch liberaler Theologen schon immer gehapert, besonders aber, seit mit der Einladung von Prof. Ernst Käsemann, des Schülers von Rudolf Bultmann, zum Hauptreferenten bei der Tagung in Montreal im Jahre 1963 die historisch-kritische Methode vollen Eingang in die Arbeit des Ö.R.K. fand. Noch viel einschneidender war die auf der vierten Vollversammlung in Uppsala im Jahre 1968 erfolgte Ausweitung der Zielsetzung zur "kommenden Weltgemeinschaft", in welcher sich alle Rassen, Kulturen und Religionen quer über alle Barrieren zu einer "neuen Menschheit" verbinden sollten. Das ehemals erträumte "Ökumenische Konzil" sollte jetzt schrittweise durch einen "Konziliaren Prozeß" vorweggenommen werden, der der Verwirklichung von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung gelten solle. Damit bestehen eindeutig Gemeinsamkeiten mit dem Humanismus.

    Neben dem Eintritt der römisch-katholischen Bewegung markierte dieser Schritt unbestreitbar den bedeutsamsten Einschnitt in deren Geschichte bis heute. Obgleich der Ökumenische Rat der Kirchen (auch als Weltkirchenrat bekannt) seiner Verfassung nach keine institutionelle Vereinigung aller Kirchen zu einer einheitlichen Weltkirche anstrebt, wurde mit zunehmender Institutionalisierung aus der geistlichen Bewegung immer mehr ein kirchenpolitischer Machtfaktor. Gleichzeitig wurden, als Folge der in den großen Kirchen inzwischen weithin herrschenden liberalen Theologie, einseitige politische (Theologie der Revolution bzw. der Befreiung) und synkretistische (= religionsvermischende) Tendenzen (Dialogprogramm) für die Arbeit des Ökumenischen Rates bestimmend.

    Es besteht daher kein Zweifel daran, daß der Weltkirchenrat durch diese neueren Bestrebungen in zunehmendem Maße die Bildung einer Welteinheitskirche der Endzeit betreiben wird. Derzeit sind etwa 330 Mitgliedskirchen unter Wahrung ihrer Unabhänigkeit angeschlossen. Unter der Führung der römisch-katholischen Kirche, mit ihren vielen unbiblischen Lehren, wird jedoch die Vereinigung aller Religionen der Welt möglich werden, dem Höhepunkt der Babylon-Kirche. - Deren schreckliches Ende wird nachher in Kapitel 18 ausführlich beschrieben.

    Als letzter Angriff auf das Christentum ist die liberale, neu-rationalistische Theologie zu werten, die in der historisch-kritischen Forschung und Entmythologisierung des Wortes Gottes zum Ausdruck kommt. Dazu gehört auch die dialektische Theologie, deren Vater der Professor Karl Barth (10.5.1886-10.12. 1968) ist.

    Nachdem das Wort Gottes seinem Ursprung nach bereits siebenmal geläutert und bewährt ist (Psalm 12, 7), suchen die Vertreter der historisch-kritischen Theologie dasselbe noch zusätzlich auf seine historische Zuverlässigkeit intellektuell zu filtrieren. Der kümmerliche Rest, der davon übrigbleibt, wird dann den hungrigen und nach Gott schmachtenden Seelen als "geistliche" Nahrung vorgesetzt, woran sie erkranken und den geistlichen Tod sterben müssen.

    Wie angebracht ist deshalb auch heute die Klage des Propheten Jeremia, der da spricht: Ach daß ich Wasser genug hätte in meinem Haupte und meine Augen Tränenquellen wären, daß ich Tag und Nacht beweinen könnte die Erschlagenen meines Volks! (Jer. 8, 23).

    Das Urteil des erhöhten Herrn lautet demzufolge auch nicht anders: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Diese Gemeinde von Sardes hat immer noch den Namen der Reformation: Evangelische Kirche, der hoffnungsvoll für die Gemeinde steht, in der das Evangelium verkündet wird. Der herrliche Anfang hat einen Fortgang genommen, der erschütternd ist. Die Welt beherrscht die Kirche von innen und außen, so daß von der Frohen Botschaft kaum noch etwas in ihr zu hören ist. Der Protestantismus ist einem langen Krebsleiden erlegen, das vom Beginn an als tödlich für die Reformation diagnostiziert wurde. Die Verbindung mit der staatlichen Gewalt war eine unheilige Allianz, die jetzt über die theologischen Bildungsstätten der Kirche den Todesstoß versetzt hat. Vom Erbe der Reformation ist nichts mehr übriggeblieben. Der Apostel Johannes warnte schon damals: Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. (1. Joh. 2, 15).

    Auch viele einzelne Glieder der reformatorischen Kirchen haben den Namen, daß sie leben. Sie wurden als Kleinkinder getauft, später konfirmiert, haben vielleicht auch kirchlich geheiratet und gehen auch einige Male im Jahr zu den größeren Festen einen Gottesdienst besuchen. Leider sind das jedoch oft keine wirklichen Gottesdienste, die diesen Namen dann berechtigterweise verdienten. In unserer Zeit sind die Pfarrer bekanntermaßen meistens selbst ungläubig und nicht vom Geiste Gottes wiedergeboren. Anstatt einer Bußpredigt wird in der Regel mehr über die sozialen Mißstände in der Welt, den Wunsch nach Frieden und die Bewahrung der Schöpfung geredet. Allerdings kommt dadurch niemand zur Buße und viele wertvolle, unsterbliche Seelen gehen so für ewig verloren.

    Für einen solchen Pfarrer ist es dann ganz selbstverständlich, daß er diesen sogenannten Gottesdienst nach den Wünschen der Besucher auszurichten sucht, die schließlich in ihrem Christsein bestätigt und dazu beruhigt werden möchten. Zudem hätte er natürlich nicht gerne, wenn irgendwelche Klagen kommen würden, denn er möchte ja seine Schäfchen nicht verlieren und sie hoffentlich im nächsten Jahre wiedersehen. Die Lutherbibel erklärt fügt auf Seite 494 hinzu: Das hat sich häufig in der Kirchengeschichte ereignet, auch heutzutage, wenn auch der Name Jesu von den Irrlehrern oft gebraucht wird und diese Gottlosen sich gerne zu bestimmten Veranstaltungen der Gemeinde halten, um ihre äußeren Vorteile, z. B. schöne Familienfeste, gute Gehälter, zu genießen. Bei ihrem Reden von Jesus muß die gläubige Gemeinde genau darauf achtgeben, welcher Jesus da gemeint ist. Soweit also die Lutherbibel erklärt, die das auch erkennt.

    Bei seiner Säuglingstaufe wurde ein derartiger Gottesdienst-Besucher automatisch ins Kirchenregister eingetragen, hat also einen Namen, daß er lebt, und ist aber in Wirklichkeit tot. Das sagt ihm allerdings niemand, denn er trägt durch seine Kirchensteuer dazu bei, daß der Herr Pfarrer und seine Vorgesetzten sich zeitlebens keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen brauchen. Nicht der himmlische Vater, sondern der Vater Staat sorgt ja für sie. Das ist leider die traurige Wirklichkeit in den Kirchen der Reformation heute, mit einigen Ausnahmen.

    Trotz dieser verworrenen Lage im Protestantismus sitzt die hohe "Geistlichkeit" immer noch im Boot einer untergehenden Kirche und bekennt unbekümmert ruhig weiter:
    "Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen.". Dies alles ist für sie zu einer nichtssagenden Formel verkümmert, die einfach heruntergeplappert wird, ohne sich Gedanken über den Inhalt dieser Aussage zu machen, wie bei der ganzen Liturgie dieser verkommenen Kirche. Das alles frei nach dem Modus: "Ich bin der Herr Pastor, ich mach' den Leut' was vor, und wenn ich nicht mehr weiter kann, dann fang' ich einfach von vorne an.".

    Zu den Zerfallserscheinungen des Protestantismus gehört auch der Rummel der pluralistischen Kirchentage, die Jugend-Christivals, Tiergottesdienste und andere Greuel. Hinzu kommt dann noch die vom Satan inspirierte rationalistische Theologie, Gruppendynamik, Yoga, Transzendentale Meditation, Okkultismus, Spirtitismus, hexenkultischer Feminismus, Beihilfe zum Mord am ungeborenen Leben, homosexuelle, lesbische und kommunistische Pfarrer und Pfarrerinnen im Predigtdienst, sowie viele andere Höllengreuel, die dort angesiedelt sind.

    Der mahnende Weckruf des Herrn lautet: Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als völlig erfunden vor meinem Gott. Diesen Alarmruf hat der erhöhte Herr einmal an die geistlich tote Gemeinde zu Sardes von damals gerichtet, die auf dem Wege der Tradition ein Opfer des Abfalles und der Verweltlichung geworden war. Nachdem ihre geistlichen Sinnesorgane abgestumpft waren, hat auch ihr Wahrnehmungsvermögen aufgehört zu reagieren, so daß der geistliche Tod die unausbleibliche Folge davon war.

    In diesem beklagenswerten Zustand befindet sich auch die moderne Sardes-Kirche unserer Zeit. Über dieser Kirche liegt die Tragik des Zwielichtigen, indem sie für Gott und auch für die Welt zu haben ist. Durch dieses Doppelspiel hat sie die geistliche Orientierung verloren und ist ein Spielball der um sie wogenden Welten geworden. Die Sardes-Kirche von heute lebt mit ihren Führern buchstäblich in einem religiösen Dämmerzustand, so daß sie Gott, seine Gebote und Warnungen nicht mehr ernst nimmt. Daher kommt auch der unaufhaltsame Trend zur Weltkirche der Endzeit.

    Davon sind auch die Gemeinschaftskreise, Freikirchen und Missionswerke in ihrer Entwicklung ernstlich bedroht. Wer bereits von diesem Zeitgeist belagert wird, sollte schnellstens auf den Weckruf des Herrn antworten. Wenn sie nicht bald aufwachen, umkehren und Buße tun, dann sind sie ebenfalls auf dem besten Wege, eine christuslose Kirche zu werden. Wir können und sollen Gott danken für die Kirchen und Werke, die einsam gegen die Strömungen der Zeit ankämpfen und dem Bösen noch mit dem Schwert des Geistes entgegentreten (Eph. 6, 10-20).

    Sehr treffend schildert C. H. Spurgeon in seinem Buch: "Auf Dein Wort", Seite 311, die kirchliche Lage der Endzeit:
    Für unsere Kathedralen und Kirchen wird es gut sein, wenn man dort die Stimme hört: "Fanget die Propheten Baals, daß ihrer keiner entrinne!" (Der Luthertext von 1964 lautet: Greift die Propheten Baals, daß keiner von ihnen entrinne! - 1. Kön. 18, 40). Unheilige Kompromisse sind die Mode des Tages. Die Menschen werden ganz gleichgültig gegen biblische Wahrheiten, weil sie Kinder Gottes und Jünger Baals in einer Kirche verbunden und an denselben Altären anbeten sehen. Aufrichtige Treue gegen Gott kann kein Bündnis mit Götzendienern ertragen. Man duldet in den Volkskirchen Irrtümer um des Friedens willen, und nun sind sie herrschend geworden und drohen, die Anhänger der Wahrheit zu verderben.
    Jeder Irrtum in der Lehre ist ebenso schädlich wie ein Baals-Prophet und darf nicht geduldet werden. Christen haben kein Recht, sich mit einer Kirche zu verbinden, die in ihrer Lehre irrt. Wenn wir sehen, daß Irrtum in einer Gemeinde wuchert, der wir als Mitglieder angehören, so sind wir Teilhaber ihrer Sünde, und wir werden am Tage der Heimsuchung auch an ihrer Strafe teilhaben. Es ist ganz und gar falsch zu sagen, es sei gleichgültig, zu welcher Gemeinde wir gehören. Ich darf mich nicht mit Ritualisten und Rationalisten verbinden; treue Untertanen werden sich nie einer Gesellschaft von Verrätern anschließen.

    Darum heißt es: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. (Eph. 5, 14). Dieser Weckruf zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Neue Testament hindurch. (Matth. 24, 42; Mark. 13, 33 + 35 + 37; Röm. 13, 11-12; 1. Kor. 16, 13; Eph. 5, 14; 1. Petr. 5, 8). Er richtet sich hier an die Gemeinde von Sardes, die damals wie heute im großen und ganzen vom Tode gekennzeichnet war und ist, in der jedoch noch schwache Lebenskeime im Absterben begriffen waren und sind.

    Der Weckruf Jesu soll aber auch im Leben der Gemeinde zu einer heiligen und dauernden Spannung im Warten auf den wiederkommenden Herrn werden. Wer vom geistlichen Schlaf bedroht ist, der dämmert dahin und vernimmt nicht die Zeichen der Zeit. Im Markus-Evangelium, das sich bis auf Papias (130 n. Chr.), einem Schüler des Johannes, zurückverfolgen läßt, stehen die Worte Jesu: Sehet euch vor, wachtet! denn ihr wisset nicht, wann die Zeit da ist. (Mark. 13, 33).

    Der Ruf Jesu: Wachtet! ist jedoch nicht gleichzusetzen mit der Schrift der Zeugen Jehovas: Erwachet!. Diese haben schon, wie auch andere, komplizierte Berechnungen zur Wiederkunft Jesu aufgestellt, die sich jedoch ausnahmslos als falsch erwiesen haben, weil sie von falschen Voraussetzungen ausgegangen sind. David hat schon geklagt: Es stehen falsche Zeugen auf; sie fordern von mir, wovon ich nichts weiß. (Psalm 35, 11).

    Nach dem Gesamtzeugnis der Bibel kennt niemand den Tag oder die Stunde des Endes dieser Welt oder unseres Zeitalters, sondern wir werden immer wieder aufgefordert, auf die Zeichen der Zeit zu achten und sie richtig zu deuten, wie z. B. die Rückkehr der Juden in ihr Land. Eines ist hierbei ganz klar, wenn Jesus wiederkommt, dann kann er nur in sein Land und seine Stadt, nach Jerusalem zurückkehren, denn sie ist die Stadt des großen Königs (Matth. 5, 35). Sein Volk, nicht das der Palästinenser, wird dann rufen: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! (Matth. 21, 9). Logischerweise muß dann sein Volk auch dort sein und nicht in New York.

    Nach dem Weckruf folgt der Auftrag zur treuen Pflichterfüllung und Seelsorge: ... und stärke das andre, das sterben will. Nach den erwecklichen Aufbrüchen der Vergangenheit hat der erhöhte Herr der zu neuem Leben erweckten Gemeinde auch gleichzeitig einen sowohl missionarischen, wie auch seelsorgerlichen Befehl erteilt. In der Nichtbeachtung und Vernachlässigung dieses hohen Auftrages sind alle Erweckungen der Vergangenheit im Sande verlaufen und gescheitert. Darum ist der vollmächtige Lehrdienst auch heute mehr denn je gefragt. Da sie keine missionarisch verantwortlichen Hirten und Seelsorger finden, wenden sich die Hilfesuchenden in ihrer Not an die Geistheiler, Okkultisten, Wahrsager, Spiritisten und Scharlatane. Dadurch werden sie schuldig und können unter einen dämonisch-satanischen Bann kommen.

    Die Gemeinde von Sardes hat einmal einen verheißungsvollen Anfang gemacht, in der das geistliche Leben hoffnungsvolle Ansätze für eine lebendige Gemeinde zeitigte. Darum hat ihr auch der erhöhte Herr durch die Reformation ein großes Erbe geschenkt und ihr damit den Wächterdienst in der Nacht des Unglaubens und des Abfalles anvertraut: Stärke das andre, das sterben will.

    Da aber die Reformation durch falsche Rücksichtnahmen und Konzessionen an die Welt den Weg des geringsten Widerstandes gegangen ist, ist sie auf dem Wege der Tradition in Formalismus, Sakamentalismus und in der toten Rechtgläubigkeit unvollendet steckengeblieben. Mit anderen Worten: Sie hat ihr göttliches Soll nicht erfüllt. Darum auch der berechtigte Tadel: denn ich habe deine Werke nicht als völlig (= vollendet)erfunden vor meinem Gott. Das besagt doch, daß die Gemeinde und ihre Glieder nach ihren Werken durch Jesus Christus in der Gegenwart Gottes, seines Vaters, beurteilt und gerichtet werden. Leider hat Sardes es bis jetzt nicht völlig geschafft.

    Darum spricht der Herr: So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halte es und tue Buße. Die Gemeinde von Sardes soll sich daran erinnern, wie sie empfangen und gehört hat, nämlich Gottes Gnade war ihr zuteil geworden und die Wahrheit war ihr verkündet worden. Im Evangelium bezeugt Johannes: Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. (Joh. 1, 17). Daran sollte sie denken und dann Buße tun, weil sie sich nicht daran gehalten hat. Der Weg zur Umkehr beginnt immer mit der Einkehr und Besinnung. Das sehen wir an dem Verhalten des verlorenen Sohnes: Da schlug er in sich und sprach ... Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. (Luk. 15, 17-18).

    Er gedachte an die glücklichen und sorglosen Tage im Vaterhaus, aber auch an das Leid, das er seinem Vater und sich selbst zugefügt hatte. Dieses Gedenken und Besinnen führte bei ihm zur Reue, Umkehr und Buße. Die gleichen Gedanken sind auch für die Gemeinde von Sardes in unseren Tagen die einzige Möglichkeit, wieder in den Besitz der verlorengegangenen Glückseligkeit zu gelangen. Darum gedenke daran, wie einmal durch die Reformation das unveräußerliche Gut des Wortes Gottes wieder auf den Leuchter gestellt wurde, und wie du seinerzeit die Botschaft der Gnade und Barmherzigkeit Gottes verspürt hast.

    Die geistliche Lage der Sardes-Kirche von heute könnte sich nur dann ändern, wenn sie bereit wäre, eine gründliche Sinnesänderung vorzunehmen und eine entschiedene Hinwendung zu vollziehen zu der einst anvertrauten, zur ganzen Wahrheit. Die Gnade Gottes müßte wieder die einzige Quelle ihrer Kraft und das Wort Gottes die alleinige Autorität ihres Lebens werden. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Joh. 1, 16). Denn Entscheidendes ist immer im Leben der Kirche geschehen, wenn sie Gottes Wort gehört und die empfangene Gnade mit Dankbarkeit festgehalten hat.

    Nachdem der erhöhte Herr seinen mahnenden Weckruf zur Wachsamkeit und treuen Pflichterfüllung an die geistlich schlafende Gemeinde zu Sardes hat ergehen lassen, macht er sie auf die Folgen aufmerksam, wenn seine Warnung in den Wind geschlagen wird: Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Sieben Mal, mit Einschluß dieser Stelle, lesen wir im Neuen Testament, daß der Herr über die Welt kommen werde wie ein Dieb, das heißt, ganz unerwartet und in der Nacht. Das gilt jedoch nur für die, die nicht wachen, wie uns dieses Wort Jesu deutlich sagt. In insgesamt sieben Bibelstellen wird dieses Bild von der Wiederkunft Jesu gebraucht, man merke diese Zahl: Matth. 24, 42-44; Luk. 12, 39-40; 1. Thess. 5, 2; 1. Thess. 5, 4; 2. Petr. 3, 10; Offb. 3, 3 und Offb. 16, 15).

    Nur für die, die nicht wachen, wird der Herr wie ein Dieb kommen, wie uns auch der Apostel Paulus bestätigt: Von den Zeiten aber und Stunden, liebe Brüder, ist nicht not euch zu schreiben; denn ihr selbst wisset genau, daß der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, dann wird sie das Verderben schnell überfallen gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasset uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein. (1. Thess. 5, 1-6).

    Warum dieses Bild von der Wiederkunft Jesu?
    1. Der Dieb kommt in der dunkelsten Stunde der Nacht.
    2. Der Dieb kommt unangemeldet und überraschend, wenn alle ahnungslos sind.
    3. Der Dieb kommt leise und unbemerkt, wenn alles schläft.
    4. Wenn der Dieb dagewesen ist, dann erst merken es die Menschen.
    5. Der Dieb kommt mit der Absicht, etwas zu stehlen.
    6. Der Dieb kommt, um das Wertvollste mitzunehmen.
    7. Der Dieb läßt das Haus verarmt zurück, nachdem er sich selbst bereichert hat.

    So wird es auch sein am Tage des Herrn Jesu Christi. Wenn die Menschheit in der Sünde und Gottesferne dahinlebt, wenn alle gleichgültig sind und sich sicher dünken, wenn die Gemeinde Jesu das ihr gegebene prophetische Wort mißachtet und die Zeichen der Zeit verschläft.

    Im alten Sardes war es so: In den nahegelegenen Bergen lagerten und lauerten Diebe und Räuber. Nur wenn der Wächter schlief, gelang es ihnen sehr oft, in die Stadt einzudringen und den Bewohnern großen Schaden zuzufügen. Dafür wurde dann der Wächter zur Verantwortung gezogen. Wenn dieser ein römischer Soldat war, stand darauf die Todesstrafe.

    Was aber wird Gott mit denen machen, die er zu geistlichen Hirten und Wächtern über seine Gemeinde gestellt hat, die im Zeitraum der Gemeinde von Sardes in ihrem Wächteramt versagt haben? Darauf gibt Gott uns eine Antwort durch den Propheten Hesekiel, und zwar Hes. 3, 17-21 und 33, 1-9.

    In der Gesamtbeurteilung der Gemeinde zu Sardes von seiten ihres erhöhten Herrn folgt nun nach dem Tadel und der Warnung eine erfreuliche Feststellung: Aber du hast etliche zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. Der Luthertext von 1914 besagt hier: Aber du hast etliche Namen zu Sardes. So auch das Konkordante Neue Testament: Aber du hast einige wenige Namen in Sardes.

    Wladimir Marzinkowskij, ein russischer Gottesmann, hat es mit diesen Worten ausgedrückt:
    Am Tage unserer Erlösung empfingen wir volle Vergebung von Gott und zogen ein weißes Kleid an. Von uns hängt es ab, es fleckenlos zu bewahren.
    "Siehe ich komme wie ein Dieb! Selig ist, der wach bleibt und auf seine Kleider achtet.".

    Die Mitgliederzahlen allein haben schon immer über den wahren Stand in den Gemeinden hinweggetäuscht. Es ist mehr als traurig und beschämend, daß der erhöhte Herr den Vorsteher der Gemeinde erst aufmerksam machen muß auf jene getreuen Gemeindeglieder, die ihre Kleider nicht besudelt haben. Hat er es denn nicht gewußt, welche Qualitäten er in der Gemeinde hat? Jesus muß es ihm sagen: Du hast etliche Namen! Der Name bedeutet nach der Lehre des Neuen Testamentes mehr als nur Schall und Rauch. Der Name bezeichnet die Art und das Wesen einer Person, ja den ganzen Charakter derselben. Anstatt diese meist wenigen Getreuen anzuerkennen und Gott zu danken, daß solche Säulen in der Gemeinde vorhanden sind, wurden sie mit allerlei Schmähungen bedacht.

    Hinter diesen wenigen Namen stehen Menschen, die durch Jesus Christus herausgerufen wurden aus dieser argen Welt, wie Petrus am Anfang seines ersten Briefes geschrieben hat: Petrus, ein Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen in der Zerstreuung in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Landschaft Asien und Bithynien, die erwählt sind nach der Vorsehung Gottes, des Vaters, in der Heiligung durch den Geist, zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gott gebe euch viel Gnade und Frieden! Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, welche bereit ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Darüber freuet euch, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. (1. Petr. 1,1-7). Leider sind es nur "etliche", die so leben.

    Von "etlichen", also von einem solchen Überrest, sprach auch schon der Prophet Jesaja in ähnlicher Art und Weise im Alten Testament: Übriggeblieben ist allein die Tochter Zion wie ein Häuslein im Weinberg, wie eine Nachthütte im Gurkenfeld, wie eine belagerte Stadt. Hätte uns der Herr Zebaoth nicht einen geringen Rest übriggelassen, so wären wir wie Sodom und gleichwie Gomorra. (Jes. 1, 8-9). Jesus sprach von seiner Wiederkunft, indem er warnte: Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und bracht sie alle um. Desgleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn wird offenbar werden. (Luk. 17, 26-30).

    Denen zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben, also keine Verbindung mit der Welt eingegangen sind, denen gilt die Verheißung des Herrn: die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind's wert. Das ist der verheißene Lohn für die wenigen Namen in der Sardes-Gemeinde von einst, die ihre Kleider nicht besudelt haben, weder durch die Lehre Bileams (Offb. 2, 14), noch durch den Hurengeist der Isebel (Offb. 2, 20), also weder durch Religion noch Erotik, sondern die den Glauben an Jesus Christus und sein vollkommenes Erlösungswerk bewahrt haben.

    Dieselbe Verheißung gilt auch den etlichen Namen in der abgefallenen Sardes-Kirche in unseren Tagen, die ihre Kleider nicht besudelt haben, weder durch die Irrlehre einer abgefallenen Theologie, noch durch eine weltanschauliche Idee, weder durch unnüchterne Schwarmgeisterei, noch durch Zuchtlosigkeit und okkultes Vergehen in dieser Endzeit. Kleider sind in der Heiligen Schrift ein Bild von unseren Lebensgewohnheiten, sie zeigen daher die Reinheit unserer Seele.

    Schon rein natürlich gesehen ist es möglich, gewisse Schlüsse von der Kleidung auf den Charakter und die Gesinnung eines Menschen zu ziehen, darum heißt es auch im Volksmund: Kleider machen Leute! Oder man stellte damals noch fest: Wie man kommt gegangen, so wird man empfangen! Es ist durchaus nicht so, wie es manche sogenannten Christen von heute behaupten und uns weismachen wollen, wenn sie in verwaschenen und zerfetzten Jeanshosen zum Gottesdienst kommen: Gott schaut nicht auf das Äußere, sondern vielmehr auf das Innere. Wie mag es da wohl aussehen, ordentlich oder unordentlich? Zudem sagt ihnen dieses Gebot Gottes nichts mehr: Eine Frau soll nicht Männersachen tragen ... . (5. Mose 22, 5). Gehören Hosen nun zu den Männersachen oder nicht? Darüber geht man heute hinweg, obwohl es doch auch eine Folge der Emanzipation ist.

    Wer so spricht, ist bereits schon ein Opfer satanischer Verführungskunst geworden und sündigt wider besseres Wissen und Gewissen. Oft ist man dann dazu geneigt, noch einen Schritt weiter zu gehen: Man kommt allmählich zu der trügerischen Überzeugung, daß die äußere Erscheinung überhaupt keinen Einfluß auf das Christsein habe und, indem wir uns der Welt anpaßten, wir sie so dann besser für Jesus Christus gewinnen könnten. Wer diese raffinierte Lüge Satans nicht beizeiten erkennt, braucht sich später nicht zu wundern, wenn er letztendlich selber Teil der Welt geworden ist.

    Denn gerade das Gegenteil ist der Fall: Das Wort Gottes lehrt uns, daß bei einem Gotteskind, bei welchem das Innere in Ordnung ist, das Äußere auch stimmen muß. Was der Mensch innerlich besitzt, das bringt er auch nach außen hin zum Ausdruck, sei es im Benehmen, Sprechen oder auch in der Kleidung. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, aber darauf hatte Jesus Christus auch besonders aufmerksam gemacht: Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz. (Matth. 12, 35). Oder ebenfalls: Was aber zum Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung. (Matth. 15, 18-19).

    Lange, weiße Kleider sind immer das Symbol der Reinheit, Unschuld und Gerechtigkeit. So drückte es der Prophet Jesaja aus: Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. (Jes. 61, 10). Darin sollen einmal alle diejenigen mit Jesus Christus wandeln, die das ihnen geschenkte Seelenkleid im Erdendasein nicht besudelt haben, denn sie sind's wert, Bürger des himmlischen Hofstaates zu sein.

    Im einem bekannten, schönen Lied drückten es Dichter so aus, wobei die erste Strophe von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760) ist:

    Christi Blut und Gerechtigkeit,
    Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,
    Damit will ich vor Gott besteh'n,
    Wenn ich zum Himmel werd' eingeh'n.

    D'rum soll auch dieses Blut allein
    Mein Trost und meine Hoffnung sein.
    Ich bau' im Leben und im Tod
    Allein auf Jesu Wunden rot.

    Solang' ich noch hienieden bin,
    So ist und bleibet das mein Sinn:
    Ich will die Gnad' in Jesu Blut
    Bezeugen mit gestrostem Mut.

    Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Mit der unpersönlichen Aufforderung: Wer überwindet, ist keine Elite besonderer Heiliger gemeint, sondern Menschen, die allen Winden und Stürmen ihres Lebens mit Jesu Kraft standgehalten haben. Was immer diese Gläubigen innerhalb des toten weltlichen Bekenntnisses an Verachtung und Verleumdung erfahren haben mögen, der Herr wird sie belohnen mit dem Ehrenkleid der Gerechtigkeit.

    Was diese wenigen Namen in Sardes zu überwinden haben, ist ihre große Vereinsamung und Verkennung in der Endzeit, weil sie es wagen, im Alleingang gegen den Strom einer fromm-religiös getarnten Verführung und gegen das Hurensystem einer Welteinheitskirche zu schwimmen. Diesen Überwindern, die allen Greueln dieser Zeit widerstanden haben, gilt die Verheißung ihres Herrn, sie mit der Einheitstracht aller vollendeten Gläubigen auszustatten.

    Weiter bestätigt der erhöhte Herr: und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens. Nach den Aussagen des Neuen Testamentes ist das Buch des Lebens und das Buch des Lammes ein und dasselbe Buch, das im Himmel ausgelegt ist. Im Lebensbuch des Lammes stehen nach der Offenbarung (Offb. 13, 8 und Offb. 17, 8) seit Grundlegung der Welt alle Namen der Erwählten als Erben der himmlichen Heimat eingeschrieben. Dieser Gedanke deckt sich genau mit der Aussage des Paulus: Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten heilig und unsträflich sein vor ihm. (Eph. 1, 4).

    Das ist jedoch so zu verstehen: Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. Der Leib ist unser fleischlicher Körper, die Seele unsere Gefühle, unsere ganze Persönlichkeit, und unser Geist ist unser Willen, das Sinnen und Trachten unseres Herzens. Der Geist eines jeden physisch in diese Welt geborenen neuen Menschen ist für Gott grundsätzlich tot. Er hat keine Verbindung zu Gott und versteht daher nichts von göttlichen Dingen. Deshalb schreibt Paulus auch: Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich verstanden sein. (1. Kor. 2, 14).

    Durch den Sündenfall Adams ist jeder Nachkomme von ihm durch die Sünde von Gott getrennt und geistlich tot. Paulus schreibt dazu: Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung zum Leben für alle Menschen gekommen. (Röm. 5, 18). Nun muß man aber bedenken, daß im himmlichen Lebensbuch keine Totgeburten eingetragen werden. Im vierten Bußpsalm bittet David: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. (Psalm 51, 12).

    Diesen neuen Geist empfängt der Mensch durch Bekehrung und Wiedergeburt. Jesus sprach zu Nikodemus: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. (Joh. 3, 3). Das ist der Augenblick, in dem sein Name im Lebensbuch eingetragen wird. Es finden sich im Lebensbuch also nur lebendige Menschen, das heißt Menschen, deren Geist für Gott lebendig ist und die in Gemeinschaft mit ihm leben.

    Petrus schreibt dazu: Er ist zwar zuvor ersehen, ehe der Welt Grund gelegt ward, aber offenbart zu den letzten Zeiten um euretwillen. (1. Petr. 1, 20). Der Prophet Jesaja spricht: Der Herr hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. (Jes. 49, 1). Das bedeutet, in Jesus Christus sind wir erwählt vor Grundlegung der Welt. Von Anbeginn der Welt an besteht nun dieses Lebensbuch, in das alle Gläubigen eingetragen worden sind, laut Hebräer 11, 4 von Abel an, bis heute.

    Wann Gott nun diese Eintragung vorgenommen hat, ist nicht von Bedeutung für uns. Wenn wir es beispielsweise mit einem Geburtsregister vergleichen, dann wird man erst bei der Geburt darin eingetragen. So zählt jedenfalls frühestens von der Wiedergeburt an auch diese Aufnahme in das Lebensbuch des Lammes; das ist der entscheidende Augenblick. Dann wissen wir, daß wir eingeschrieben sind, wie Paulus auch bestätigt: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. (Röm. 8, 16).

    Es ist deshalb keinesfalls so, daß alle Menschen völlig automatisch schon vor Grundlegung der Welt im Lebensbuch standen. Das macht absolut keinen Sinn, wird auch durch viele Bibelstellen widerlegt, und das Gesamtzeugnis der Bibel spricht ebenfalls dagegen. Dazu sei nun die biblische Beweisführung angeführt, nur auf Grund der klaren Aussage von zwei Stellen aus dem Neuen Testament:

    Jesus sprach zu seinen Jüngern: Doch darüber freuet euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freuet euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind. (Luk. 10, 20). Diese Eintragung war also gar nicht selbstverständlich, wie es oft fälschlich dargestellt wird. Hier wird zudem noch deutlich, daß das Erlösungswerk Jesu bereits Vorauswirkung hatte. Das gilt natürlich auch für alle Gläubigen des Alten Testamentes, wie Abel, Henoch und viele andere.

    Paulus hat an die Philipper diese Ermahnung geschrieben: Euodia ermahne ich und Syntyche, daß sie eines Sinnes seien in dem Herrn. Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Gefährte, stehe ihnen bei; sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft mit Klemens und meinen andern Gehilfen, deren Namen in dem Buch des Lebens sind. (Phil. 4, 2-3). Diese Gehilfen des Paulus können nur Kinder Gottes sein, denn sonst hätten sie nicht mit ihm für das Evangelium gekämpft. Wenn jedoch alle Menschen von vornherein in dem Buch des Lebens eingetragen sind, dann macht diese Bemerkung natürlich keinen Sinn. Paulus ist auf seinen vielen Reisen sicherlich sehr vielen Menschen begegnet, die ihm geholfen haben. Es ist deshalb hier durchaus angebracht, einen Unterschied zu machen zwischen Gläubigen und Ungläubigen.

    Auf diesen Unterschied wird schon im Alten Testament hingewiesen, so beim Auszug aus Ägypten: Und es wird ein großes Geschrei sein in ganz Ägyptenland, wie nie zuvor gewesen ist noch werden wird; aber gegen ganz Israel soll nicht ein Hund mucken, weder gegen Mensch noch Vieh, auf daß ihr erkennt, daß der Herr einen Unterschied macht zwischen Ägypten und Israel. (2. Mose 11, 6-7). Oder bei dem Propheten Maleachi: Ihr werdet am Ende doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient. (Mal. 3, 18).

    Wenn allerdings grundsätzlich alle Namen im Buch des Lebens eingetragen waren, dann gibt es keinen Grund dafür, von Gehilfen zu reden, die dort eingeschrieben sind. Es muß also auch welche gegeben haben, die (noch) nicht im Lebensbuch verzeichnet waren. Nur dann macht es Sinn, besonders darauf hinzuweisen, daß die Mitkämpfer für das Evangelium im Buch des Lebens sind. Nur wenn man glaubt, kann man den Glauben weitergeben. Wer nicht glaubt, der steht auch nicht im Lebensbuch. Alles andere ist absolut unlogisch und entspricht willkürlichen, menschlichen Gedanken, die keinen Bestand im Lichte des Wortes Gottes haben.

    Der im Buch des Lebens eingeschriebene Name kann jedoch durch Sünde, wie z. B. Untreue und Götzendienst, getilgt werden. Das sehen wir schon im Alten Testament an den beiden Stämmen Ephraim und Dan: Sie aber nahmen, was Micha gemacht hatte, und den Priester, den er hatte, und fielen über Lajisch her, über ein Volk, das ruhig und sicher wohnte, und schlugen es mit der Schärfe des Schwerts und verbrannten die Stadt mit Feuer. Und es war niemand, der sie errettet hätte; denn die Stadt lag fern von Sidon, und sie hatten mit den Aramäern nichts zu schaffen; und die Stadt lag in der Ebene bei Beth-Rehob. Dann bauten sie die Stadt wieder auf und wohnten darin und nannten sie Dan nach dem Namen ihres Vaters Dan, der dem Israel geboren war. Vorzeiten aber hieß die Stadt Lajisch. Und die Daniter richteten für sich das Schnitzbild auf. Und Jonathan, der Sohn Gerschoms, des Sohnes des Mose (des Sohnes Manasses), und seine Söhne waren Priester im Stamm der Daniter bis auf die Zeit, da sie aus dem Lande gefangen weggeführt wurden. So stellten sie das Schnitzbild, das Micha gemacht hatte, bei sich auf, solange das Haus Gottes in Silo stand. (Richt. 18, 27-31).

    Ebenso im ersten Buch der Könige: Jerobeam aber baute Sichem auf dem Gebirge Ephraim aus und wohnte darin und zog von da fort und baute Pnuël aus. Und Jerobeam dachte in seinem Herzen: Das Königtum wird nun wieder an das Haus David fallen. Wenn dies Volk hinaufgeht, um Opfer darzubringen im Hause des Herrn zu Jerusalem, so wird sich das Herz dieses Volks wenden zu ihrem Herrn Rehabeam, dem König von Juda, und sie werden mich umbringen und wieder Rehabeam, dem König von Juda, zufallen. Und der König hielt einen Rat und machte zwei goldene Kälber und sprach zum Volk: Es ist zu viel für euch, daß ihr hinauf nach Jerusalem geht; siehe, da ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. Und er stellte eins in Bethel auf, und das andere tat er nach Dan. Und das geriet zur Sünde, denn das Volk ging hin vor das eine in Bethel und das andre in Dan. (1. Kön. 12, 25-30). Weiter heißt es: Ephraim hat sich zu den Götzen gesellt; so laß es hinfahren. (Hosea 4, 17).

    Darum fehlen auch bei der Aufzählung der Geschlechter Israels in der Offenbarung (Offb. 7, 4-8) die beiden Geschlechter Dan und Ephraim, deren Erbteil wurde demzufolge Manasse gegeben, einem Sohn Josephs und einem Bruder Ephraims. Im Neuen Testament ist es Judas, dessen Name im Buch des Lebens ebenfalls ausgetilgt wurde. Bei der Wahl des Matthias heißt es in der Apostelgeschichte: Denn es steht geschrieben im Psalmbuch (Ps. 69, 26; 109, 8): Seine Behausung müsse wüste werden, und sei niemand, der darin wohne, und: Sein Amt empfange ein anderer. (Apg. 1, 20). (Der Luthertext von 1964 des Alten Testamentes lautet: Ihre Wohnstatt soll verwüstet werden, und niemand wohne in ihren Zelten. Bzw.: ... und sein Amt soll ein andrer empfangen.).

    Daran sehen wir, daß die Möglichkeit besteht, daß unser Name im Lebensbuch des Lammes ausgetilgt werden kann. Hans Bruns gab dann dazu diese einfache Erklärung: ... denn sie sind im Buch des Lebens eingeschrieben (das Gegenteil ist unausdenkbar schrecklich: Gott könnte auch durchstreichen!). Demnach sollte man sich nicht selbst täuschen: Es besteht durchaus die Gefahr für einen, der wiedergeboren ist, daß sein Name im Lebensbuch ausgelöscht wird. Deshalb ist Heilssicherheit eine falsche Sicherheit und eine große Gefahr für das Seelenheil.

    Das wird außerdem bestätigt durch das Wort des Herrn, das zu dem Propheten Hesekiel geschah: Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abwendet und Unrecht tut, so werde ich ihn zu Fall bringen, und er muß sterben. Denn weil du ihn nicht gewarnt hast, wird er um seiner Sünde willen sterben müssen, und seine Gerechtigkeit, die er getan hat, wird nicht angesehen werden; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. (Hes. 3, 20). Deshalb sei auch jeder Mensch hierdurch gewarnt, nicht zu sündigen, denn sonst muß er sterben.

    Jesus Christus will im Preisgericht die Namen der Überwinder vor seinem Vater und seinen Engeln bekennen und sie vor ihnen lobend herausstellen, in dem Sinne: Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. (Joh. 17, 6). Welch eine Ehre! Wer will's wagen, wer will's sagen, was für ein seliger Augenblick das sein wird, wenn Jesus Christus all die Namen der Überwinder vor dem Vater und seinen Engeln aufzählen und bekennen wird. Unser Wortschatz ist zu arm und unsere Phantasie zu farblos und beschränkt, um auch nur annähernd diesen Vorgang schildern zu können.

    Wer sich aber selbst in der von Gott gelösten Welt einen Namen machen will und ihn bei jeder Gelegenheit gerne nennen hört, dessen Name wird wie Schall und Rauch vergehen, wie beim Turmbau zu Babel: und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. (1. Mose 11, 4). Wem aber der Name Jesu über alle Namen geworden ist, dessen Name wird in alle Ewigkeit bleiben und bestehen: Und ich will dich zum großen Volk machen, und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. (1. Mose 12, 2).

    Auch am Schluß dieses Sendschreibens ertönt wieder die Stimme des Geistes: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Das ist der letzte Appell oder der endgültige Aufruf des erhöhten Herrn, der an die Führer der geistlich toten Sardes-Kirche gerichtet ist. Darum, ihr Hirten, Seelsorger, Verkündiger und Lehrer, wer von euch noch ein Ohr für die Stimme des Geistes hat, dem sei es mit brennender Verantwortung auf die Seele gebunden: Wer Ohren hat, der höre!

    Das Schlüsselwort: Sei nicht wie die andern tot!

    Die Dauer der Gemeinde zu Sardes (Zeitraum): etwa von 1517-1750 n. Chr., also 233 Jahre.

  7. Nachstehend wieder eine Auflistung der wichtigsten Ereignisse der Kirchen- und Weltgeschichte, soweit sie sich im Zeitraum der Gemeinde zu Sardes zugetragen haben:

  8. a) Im Jahre 1517, am 31. Oktober, hat die Reformation ihren Anfang genommen, mit dem Anschlag der 95 Thesen durch Dr. Martin Luther an die Türe der Schloßkirche zu Wittenberg und mit dem Verbrennen der gegen ihn gerichteten päpstlichen Bannbulle am 10. Dezember 1520 in Wittenberg.

    b) Im Jahre 1523 n. Chr. wurde durch den Bruch mit dem Bischof von Konstanz, durch Ulrich Zwingli (1484-1531 n. Chr.) in Zürich, die Reformation in der Schweiz ausgelöst. Nach Zwinglis Tod auf dem Schlachtfeld wurde diese von Johannes Calvin (1509-1564 n Chr.) in Genf weitergeführt.

    c) Im Jahre 1524 n. Chr. begann der große Bauernkrieg, der bis Mitte des Jahres 1525 n. Chr. dauerte. Unter der Führung der Zwickauer Propheten, von Thomas Müntzer (1489-27.5.1525 n. Chr.), zunächst Prediger in Zwickau, und auch des Tuchmachers Storch wurden immer mehr Schlösser und Klöster überfallen und geplündert, nachdem Müntzer die Fürsten nicht für seine Ideen gewinnen konnte.

    d) Im Jahre 1531 n. Chr. wurde in Schmalkalden, einer kleinen Kreisstadt in Thüringen, von protestantischen Fürsten und Reichsstädten der Schmalkaldische Bund gegen Kaiser Karl V. und die römisch-katholischen Stände geschlossen. Durch den Nürnberger Religionsfrieden, einem am 23. Juli 1532 unterzeichneten Vertrag, wurde den protestantischen Reichsständen bis zum nächsten Konzil bzw. Reichstag freie Religionsausübung gewährt, wogegen diese dem Kaiser Unterstützung gegen die Türken zusagten.

    e) Im Jahre 1534 n. Chr. begann die Gegenreformation durch die Gründung des Jesuiten-Ordens durch den baskischen Edelmann Ignatius von Loyola (eigentlich Don Iñigo López Oñaz y de Loyola), spanischer Ritter (1491-31.7.1556 n. Chr.). Die so von ihm gegründete Societas Jesu (= Gesellschaft Jesu, abgekürzt: S. J.), wurde im Jahre 1540 n. Chr. durch Paul III. (1468-10.11.1549 n. Chr.), Papst seit dem 13.10.1534, bestätigt. Ihre Losung war und ist es bis heute: "Omnia ad maiorem Dei gloriam" = "Alles zur größeren Ehre Gottes". Dieser Papst organisierte die römische Inquisition im Jahre 1542 n. Chr. und eröffnete das Konzil von Trient im Jahre 1545 n. Chr., das die Verfolgung der Protestanten beschloß.

    f) Im Jahre 1536 n. Chr. verfaßte Paracelsus, Philippus Aureolus Theophrastus, eigentlich Theophrastus Bombastus von Hohenheim, deutscher Arzt, Naturforscher und Theologe (am 11.11.(?) 1493 in Einsiedeln/Schweiz geboren, starb am 24.9.1541 in Salzburg), seine Schrift: "Große Wundarznei". Er erkannte die Bedeutung der physikalischen und chemischen Grundlagen alles Lebendigen und deren Anwendung in der Heilkunde. Paracelsus wirkte in Straßburg und Basel; kämpfte gegen die scholastische (= schulgebundene) Einstellung der Medizin seiner Zeit, indem er das naturwissenschaftliche Experiment über die Buchüberlieferung stellte, und forderte die Unterstützung der Heilkraft der Natur durch ein naturgemäßes Leben. Dadurch stellte er die Heilkunde bewußt auf eine biblische Grundlage.

    g) Im Jahre 1539 n. Chr. organisierte Menno Simons (1496-31.1.1561 n. Chr.) die Täuferbewegung neu. Mennoniten sind seitdem die nach ihm bezeichneten Anhänger dieser Reformationsbewegung, die meist ein calvinistisch geprägtes Christentum vertreten.

    h) Im Jahre 1540 n. Chr. veröffentlichte Nikolaus Kopernikus, eigentlich Nikolaus Koppernigk, deutscher Astronom (19.2.1473-24.5.1543), sein Hauptwerk: "De revolutionibus orbium coelestium libri VI" (6 Bücher über die Kreisbewegungen der Himmelsbahnen). Darin beschrieb er die jährliche Bewegung der vom Mond begleiteten Erde um die Sonne und erklärte die tägliche Umdrehung des Fixsternhimmels als Rotation der Erde um ihre eigene Achse. Dieses heliozentrische Weltsystem führte zu empörten Auseinandersetzungen mit dem dogmatisch festgelegten Weltbild des Claudius Ptolemäus. Sogar Dr. Martin Luther schrieb damals etwas verärgert: Der Narr will die ganze Astronomie umkehren. Aber wie die Heilige Schrift anzeigt, so hieß Josua die Sonne still stehen und nicht das Erdreich! Er sprach in Gegenwart Israels: Sonne, steh still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon! (Jos. 10, 12). Gott erhörte das Gebet des Josua, aber möglicherweise doch auf eine andere Art, als er seinerzeit zu erkennen glaubte.

    i) Im Jahre 1541 n. Chr. wurde Franz Xaver, eigtl. Francisco de Jassu y Xavier (7.4.1506-3.12.1552) als päpstlicher Legat nach Indien entsandt. Von dort aus unternahm dieser Missionar weitere Reisen in Asien. Durch ihn gelangte dann im Jahre 1549 n. Chr. das (vorerst nur katholische) Christentum bis nach Japan. Um das Jahr 1610 n. Chr. dürfte die Zahl der japanischen Christen insgesamt bereits 400 000 betragen haben. Die Gesamtbevölkerung des Landes zählte zu der Zeit etwa 16 Millionen. So wurde durch Gottes Gnade erstmals dieser Teil der Welt für das Evangelium erschlossen und damit nicht nur dem christlichen Abendland ein neuer Aufbruch geschenkt.

    j) Im Jahre 1555 n. Chr. begann die Gegenreformation, die in Deutschland bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1648 n. Chr. dauerte.

    k) Im Jahre 1559 n. Chr. begann die Reformation in Schottland durch John Knox (1505-24.11.1572 n. Chr.). Dieser war ursprünglich ein römisch-katholischer Priester, der seit 1542 n. Chr. gegen das Papsttum predigte. Er flüchtete zunächst vor der Königin Mary (Maria) I. Tudor (18.2.1516-17.11.1558) von England, genannt "die Katholische" oder "die Blutige", nach Genf zu Johannes Calvin und kehrte erst nach ihrem Tode nach Schottland zurück. Dort arbeitete er dann an der "Confessio Scotica" mit. Gestützt durch die breiten Massen setzte er so die Annahme der Presbyterialverfassung durch. Er war danach ein erbitterter Gegner der Königin Mary (Maria) Stuart von Schottland (7.12.1542-8.2.1587).

    l) Im Jahre 1572 n. Chr. fand die Bartholomäus-Nacht in Frankreich statt, am 24. August 1572, in der Nacht zum Bartholomäustag. Etwa 15 000 Hugenotten, an deren Spitze der verdiente Admiral Gaspard de Coligny (16.2.1519-1572, in der Bartholomäus-Nacht ermordet) nun stand, fielen der sogenannten Pariser Bluthochzeit zum Opfer. In ganz Frankreich wurden sogar über 22 000 Hugenotten in diesem Massaker hingemetzelt oder auf grausamste Art ermordet, buchstäblich abgeschlachtet. Das Haupt von Coligny brachten damals besondere Boten dem Papst Gregor XIII., Papst seit dem 13.5.1572, nach Rom. Dort läuteten die Glocken, Jubel-Gottesdienste, Feiermessen, Kanonenschüsse, Freudenfeuer und Prunkprozessionen lösten einander ab. Auf der in Rom geprägten Festmedaille erblickt man einen Engel, der mit der einen Hand das Kreuz erhebt und mit der anderen Protestanten tötet. Die Umschrift darum lautet: Hugonottorum Strages, der Hugenotten Niedermetzlung. Die Gegenseite zeigt das Papstbild dessen, der sich damit unsterblich rühmte und verewigte. Mit dem Namen Hugenotten, aus huguenots = Eidgenossen entstanden, wurden damals die überwiegend von den Reformatoren aus der Schweiz geprägten Protestanten in Frankreich bezeichnet.

    m) Im Jahre 1584 n. Chr. wurde Wilhelm I., der Schweiger oder Schweigsame, Prinz von Oranien (25.4.1533-10.7.1584), der Begründer der niederländischen Unabhängigkeit, seit 1566 n. Chr. protestantisch, von einem Jesuiten erschossen. Bereits 1580 n. Chr. war er von Philipp II. (21.5.1527-13.9.1598), König seit 1556 n. Chr., geächtet worden, weil er damals das Joch des Papstes Gregor XIII. (1.1.1502-10.4.1585), Papst seit dem 13.5.1572, abschüttelte. König Philipp II. versuchte das Vordringen der Reformation in den Niederlanden zu verhindern.

    n) Im Jahre 1596 n. Chr. wurde René Descartes, französischer Philosoph (31.3. 1596-11.2.1650), geboren, der Begründer der Aufklärung.

    o) Im Jahre 1598 n. Chr. wurde seitens Henri (Heinrich) IV. (13.12.1553-14.5. 1610), König von Frankreich seit 1589 n. Chr., das Edikt von Nantes erlassen. Hierbei handelte es sich um eine amtliche Verlautbarung mit Gesetzeskraft, die den Hugenotten die Religionsfreiheit gewährte. Am 14. Mai 1610 wurde er deswegen von dem jesuitischen Mörder Ravaillac mit einem Dolch umgebracht, während der Vorbereitung eines Krieges gegen Deutschland.

    p) Im Jahre 1604 n. Chr. wurde John Eliot, englischer Missionar bei den Indianern in Nord-Amerika (1604-1690 n. Chr.), geboren.

    q) Im Jahre 1607 n. Chr. wurde Paul Gerhardt, evangelischer Kirchenliederdichter (12.3.1607-27.5.1676), geboren. Viele seiner Lieder entstanden so unter dem Eindruck der Greueltaten und Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges, der in der Mitte seines Lebens wütete.

    r) Im Jahre 1618 n. Chr. brach der Dreißigjährige Krieg aus, der dann durch den Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück im Jahre 1648 n. Chr. beendet wurde.

    s) Im Jahre 1621 n. Chr. wurden durch die Reaktion der Katholiken in Böhmen mehr als 100 000 Protestanten ausgewiesen.

    t) Im Jahre 1685 n. Chr. wurde durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes seitens Louis (Ludwig) XIV., genannt Sonnenkönig (frz. Roi Soleil) (5.9.1638-1.9.1715) die Verfolgung der Hugenotten wieder aufgenommen. Seine Politik zielte auf ein Staatskirchentum nach englischem Muster. Daraufhin wanderten Hunderttausende aus, viele nach Deutschland.

    u) Im Jahre 1686 n. Chr. gründete August Hermann Francke, deutscher Pädagoge und Theologe (22.3.1663-8.6.1727), das erste große, unabhängige Anstaltswerk der Diakonie, die Franckeschen Stiftungen in Halle (Waisenhaus, Bürgerschule, Lateinschule, Lehrerseminar u. a.). Während seiner mehr als 35-jährigen Wirksamkeit als Professor und Pfarrer in Glaucha und Halle machte er Halle zum Zentrum des Pietismus. Seine Schulen übten eine besondere Anziehungskraft auf den Adel aus, so daß auch Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760) dort ausgebildet wurde. Auf dessen Besitz in Herrnhut entstand im Jahre 1728 n. Chr. die Brüdergemeine.

    v) Im Jahre 1750 n. Chr. weilte François Marie Arouet de Voltaire, französischer Aufklärungsphilosoph (21.11.1694-30.5.1778) bei Friedrich II., dem Großen, König von Preußen (24.1.1712-17.8.1786), seit 1740 n. Chr. König, als Gast im Schloß Sanssouci.

    Die Reformation hat allmählich im 16. Jahrhundert ihre Kraft verloren und sich zur toten Rechtgläubigkeit entwickelt. Die Aufklärung in Europa erlebte ihren Höhepunkt im 18. und 19. Jahrhundert.
     

Wir wollen jetzt das Sendschreiben an die Gemeinde zu Philadelphia betrachten:

Und dem Engel der Gemeinde zu Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf: Ich weiß deine Werke. Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde geben aus des Satans Synagoge, die da sagen, sie seinen Juden, und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, daß sie kommen sollen und niederfallen zu deinen Füßen und erkennen, daß ich dich geliebt habe. Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme! Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb. 3, 7-13).

  1. Das sechste Sendschreiben, das vorletzte, ist an den Vorsteher der Gemeinde zu Philadelphia = Filadeljia gerichtet. Philadelphia heißt "Bruderliebe" und ist daher eine Zusammensetzung der beiden griechischen Wörter: philos = jiloV (= Liebe) und adelphos = adeljoV (= Bruder). Philadelphia befand sich am oberen Ausgang eines weiten Tales, das über Sardes zum Meer in der Nähe von Smyrna führte. Heute trägt diese Stadt allerdings den Namen Alasehir (ausgesprochen: Alaschehir), früher Alashehr, was nun soviel bedeutet wie "Stadt Allahs" = Stadt Gottes der Mohammedaner. Die Stadt liegt 120 km östlich von Izmir, dem früheren Smyrna, zwischen dem Nordfuß des Tmolusgebirges und dem Südufer des Kogamus, dem heutigen Fluß Alasehir, einem Zufluß des Gediz oder Sarabat, dem früheren Hermos oder Hermus.

  2. Damals lag Philadelphia 45 km südöstlich von Sardes, ebenfalls in Lydien, am Wege nach Kolossä, heute führt von dort eine Eisenbahnstrecke an den Ruinen von Sardes vorbei. Die Stadt wurde durch Attalos II. Philadelphos, König von Pergamon, der von 159-138 v. Chr. herrschte, etwa im Jahre 154 v. Chr. gegründet und ist damit die jüngste der sieben kleinasiatischen Städte, die in der Offenbarung vorkommen. Da Attalos II. Philadelphos seinen Bruder Eumenes besonders lieb hatte, nannte man ihn mit dem griechischen Doppelwort: Phil-adelphos = Bruderliebe, so daß dann auch die neugegründete Stadt so nach ihm benannt wurde. Philadelphia wurde als griechisches Kulturzentrum gegründet, um als Ausgangspunkt für die friedliche Ausbreitung der griechischen Sprache, Literatur und Wissenschaft zu dienen und galt deshalb als "offene Tür" des Hellenismus in Kleinasien.

    Attalos oder Attalus III. Philometor (= Mutterliebe), König von 138-133 v. Chr., setzte 133 v. Chr. in seinem Testament die Römer als Erben des Königreiches Pergamon ein, unter der Bedingung, daß die Griechenstädte frei blieben. Dadurch fiel sein Reich und auch die Stadt Philadelphia an die Römer, die dann in den Jahren von 133-129 v. Chr. aus diesen Gebieten die römische Provinz Asia (= Kleinasien) bildeten.

    Philadelphia wurde durch mehrere Erdbeben in den Jahren 17-30 n. Chr. völlig zerstört, aber durch die Großzügigkeit von Tiberius (Tiberius Claudius Nero, nach seiner Adoption: Tiberius Iulius Caesar) (16.11.42 v. Chr. -16.3.37 n. Chr.), römischer Kaiser von 14-37 n. Chr., wurde sie, wie die Stadt Sardes, wieder aufgebaut. Durch Steuervergünstigungen und einer Hilfe zum Wiederaufbau ermöglichte er eine rasche Wiederherstellung der Stadt. Da die Bewohner von Philadelphia jedoch wegen der Erdbebengefahr in dauernder Panik lebten, daß sich das unheilvolle Beben der Erde zu jeder Zeit wiederholen könnte, wechselten sie oft ihren Wohnort, indem sie kamen und wieder gingen. Trotzdem war es doch immer eine aufstrebende Stadt in jeder Hinsicht. Philadelphia hat sich nicht nur im Kern bis auf den heutigen Tag erhalten, sondern hat auch im Laufe der Jahrhunderte oft Flüchtlingen aus anderen Städten eine Zufluchtsstätte sein können, so z. B. bei dem Erdbeben im Jahre 1856 n. Chr. und auch später noch.

    Nach einer langen Zeit des Widerstandes war Philadelphia allerdings die letzte Stadt in Kleinasien, die im Jahre 1300 n. Chr. in die Hände der Osmanen oder Ottomanen (Türken) fiel. Im Jahre 1402 n. Chr. wurde die Stadt dann durch die wilden Mongolenhorden des Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) erobert, jedoch augenscheinlich nicht zerstört. Als dieser damals mit seinen Horden brennend und mordend durch Kleinasien zog und überall furchtbare Blutbäder anrichtete und alle anderen Gemeinden wegfegte, sodann in Smyrna aus den Schädeln der Getöteten einen Turm errichtete oder anderswo zu Bergen anhäufte, da blieb Philadelphia wunderbar bewahrt.

    Im Jahre 1922 n. Chr. wurde die Stadt durch die Griechen wohl weitgehend zerstört, und zwar beim neuen Vormarsch der Türken unter Mustafa Kemal Pascha (später: Atatürk = Vater der Türken), der die Griechen aus Kleinasien vertrieb. Trotzdem kamen noch Flüchtlinge von den großen und reichen Nachbarstädten und fanden hier Zuflucht. Die heutige moderne türkische Stadt Alasehir, die sich genau an der Stelle des antiken Philadelphia befindet, ist auch jetzt noch ein bedeutendes Zentrum in dieser Gegend und hat etwa 40 000 Einwohner.

    Unter allen Stürmen der Osmanen, Mongolen und Türken und allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, hat sich eine kleine Christengemeinde bis auf den heutigen Tag erhalten, als einsame Warte des Heiligtums mitten in der Wüste dieser Welt. Man hat vor einigen Jahren noch etwa 2 000 griechisch-orthodoxe Christen dort gezählt, die über mehrere Kirchen verteilt waren. Es ist daher auch anzunehmen, daß sich bestimmt etliche wahre Gläubige darunter befinden, da der Herr seine Verheißung sicherlich gehalten hat: Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren.

    Philadelphia war auch ein berühmtes Wirtschaftszentrum. Obwohl die Stadt mehrmals zerstört wurde, hatte es nie lange gedauert, bis sie wieder aufgebaut werden konnte und zu neuer Blüte gelangte. Philadelphia betrieb den Handel zwischen dem großen Zentralplateau Kleinasiens und Smyrna und war auf Textil- und Lederproduktion spezialisiert. Vor allem aber war es einst der große Weinmarkt Lydiens, in einem ausgesprochenen Weinbaugebiet gelegen, dessen Weine Weltruhm besaßen. Die von der Stadt geprägten Goldmünzen trugen das Bild des Bakchos (= bakcoV) oder Bacchus (lat.) als Symbol des griechischen und römischen Weingottes.

    Bei dieser Gottheit handelt es sich um Dionysos, den griechischen Gott der Fruchtbarkeit, später insbesondere des Weines, der auch Bakchos, lateinisch Bacchus, genannt wurde. Er galt als Symbol der Ausschweifung besonders in sexueller Hinsicht. Im Mittelpunkt des Kults stand eine phallische Prozession, wobei Orgien gefeiert wurden. Knaurs Rechtschreibung, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München/Zürich, erklärt: Orgiasmus, ausschweifendes Feiern der Orgien im altgriech. Dionysoskult; Orgie, mit wilder Trunkenheit gefeiertes kult. Fest.

    Philadelphia war ein bedeutendes Zentrum heidnischer Götterverehrung, wo sich jeder nach Belieben einen oder mehrere Götter zur Anbetung auswählen konnte. Neben dem Tempel des obersten Stadt- und Weingottes Dionysos oder Bacchus standen auch noch viele andere Heiligtümer, die der Stadt ein besonderes religiöses Gepräge gaben.

    Außerdem war die Umgebung auch reich an Heilquellen, zu denen viele kranke Menschen aus aller Herren Länder kamen, um dort Heilung und Gesundheit zu finden.

  3. Über die Entstehung der christlichen Gemeinde zu Philadelphia liegen uns ebenfalls keine kirchengeschichtlichen Angaben vor. Es scheint zunächst, als ob sie recht klein gewesen sein mag, jedoch stieß sie offenbar auf den heftigen Widerstand der örtlichen Synagoge (Offb. 3, 9). Aber im Jahre 110 n. Chr. ist Ignatius oder Ignatios von Antiochia (in Syrien), Bischof und Kirchenvater, Schüler des Apostels Johannes, der die Römer gegen sich aufgebracht hatte und deshalb in Rom hingerichtet werden sollte, auf seiner letzten Reise hier durchgekommen. Wir wissen nicht, welche Strecke man wählte, nachdem er die Zilizischen Tore (griechisch: ciliciae pylae = ziliziae pulae), einen Paß im Taurus-Gebirge, buchstäblich passiert hatte. Bis nach Philadelphia nennt Ignatius keine Städte, an denen er vorbeigekommen ist. Von dort aus wurde er nach Smyrna und später nach Troas gebracht. Von Troas aus sandte er unter anderen der Gemeinde von Philadelphia einen Brief, in dem er diese Gemeinde ebenso rühmte, wie es der erhöhte Herr in unserem Sendschreiben tut.

  4. Bei der Hinrichtung des Bischofs Polykarp und anderer Märtyrer von Smyrna am 23. Februar 155 n. Chr. waren auch elf Männer aus Philadelphia ihre Leidensgenossen. So sind die beiden Gemeinden von Smyrna und Philadelphia, denen der Herr in den Sendschreiben ausschließlich Lob zollt, tatsächlich auch beide dem Herrn auf seinem Kreuzeswege nachgefolgt.

    Als Engel oder Stern für den Zeitraum der Gemeinde von Philadelphia käme der englische Erweckungsprediger John Wesley in Frage.

    John Wesley (17.6.1703-2.3.1791) war Pfarrer der anglikanischen Kirche in England. Sein Vater war ein frommer, gelehrter, etwas unpraktischer Geistlicher in der Gemeinde Epworth in Lincolnshire, England. Seine Mutter zog ihre 19 Kinder groß mit einer Mischung aus anglikanischer Theologie, puritanischer Frömmigkeit und eigenem, unabhängigem Denken, wodurch auch das ganze Leben ihres Sohnes John geprägt wurde.

    Mit der notwendigen Vorbildung versehen, besuchte er die Universität in Oxford. Im Jahre 1729 n. Chr. gründete er dort zusammen mit seinem Bruder Charles Wesley (1707-1788 n. Chr.), der das Lied gedichtet hat: "Jesu, Lover of My Soul", und anderen eine religiöse Gruppe unter den Studenten, die man als "Heiligen-Club" bezeichnete. Aus dieser Gruppe, die er leitete, entstanden später die "Wesleyan Methodists".

    Ein anderes, wunderschönes Lied von Charles Wesley, das auch noch in so manchen von unseren heute gebräuchlichen Gesangbüchern enthalten und uns daher wohl eher bekannt ist, beginnt auf Englisch mit den Worten: O for a thousand tongues to sing. My great Redeemer's praise. Dessen deutscher Text lautet: O, hätt' ich tausend Zungen nur, zu rühmen Jesu Tat.

    Dieser, nun damals von den beiden Brüdern gegründete, sogenannte "Heiligen-Club" verpflichtete sich zu einem wirklich frommen, disziplinierten Leben, sowie zur regelmäßigen Teilnahme am Abendmahl. Deshalb wurde die Gruppe ursprünglich von anderen Studenten etwas spöttisch "Methodists" genannt, in Anspielung auf ihre methodische Art und Weise des Studiums und der Beachtung der religiösen Vorschriften.

    Während der Zeit seines Studiums in Oxford suchte er sich mit den früh-christlichen, römisch-katholischen, anglikanischen, mystischen und neu-platonischen, sowie den puritanischen und anderen Schriften vertraut zu machen. Dabei lernte er im "Heiligen-Club" die wahre "Innerlichkeit" des christlichen Lebens kennen. Nach einer langen Gewissensprüfung ließ er sich zum Priester weihen, mit dem Verlangen, ganz für Gott da zu sein.

    Im Jahre 1735 n. Chr. gingen John und sein Bruder Charles als Missionare in die nord-amerikanische Provinz Georgia. Dieser Schritt war für sie eine katastrophale Erfahrung des Versagens. Sie waren aufs Missionsfeld gegangen, ohne bekehrt und wiedergeboren zu sein. Sie strengten sich in religiöser Hinsicht enorm an, aber sie mußten zwangsläufig scheitern. Andererseits aber kamen sie in der anderen Welt mit Vertretern der Herrnhuter Brüdergemeinde zusammen, deren Lehre und Leben sie beeindruckte und gefangennahm.

    Als die beiden Brüder John und Charles Wesley schließlich zermürbt und zerschlagen wieder nach England zurückkehrten, begegnete ihnen ein Mährischer Bruder namens Peter Böhler. Hierbei ist allerdings zu beachten, daß die Herrnhuter Brüder in England "Moravian Brethren" = "Mährische Brüder", bei uns auch Böhmische Brüder, genannt wurden. Dieser suchte sie anhand der biblischen Lehre zu unterrichten, daß die Bekehrung eine unmittelbare Erfahrung der Rechtfertigung aus Gnaden durch den Glauben ist. In dieser schlichten Versammlung wurde der Grund zur späteren Wiedergeburt der beiden Brüder gelegt. Als sich John Wesley in die Schrift Martin Luthers: "Von der Rechtfertigung durch den Glauben" vertiefte, erlebte er die große Veränderung seines Lebens, worüber er selbst berichtete:
    "Ich spürte, daß ich auf Christus allein als meinen Retter vertraute und ich erhielt die Gewißheit, daß er mich vom Gesetz der Sünde und des Todes befreit hatte.".

    Sein Bruder Charles Wesley und andere waren böse auf ihn, weil er, der soviel getan hatte, behauptete, er sei erst jetzt errettet worden. Jedoch bald danach berichtete er dann: "Mein Bruder hatte eine lange und eingehende Unterredung mit Peter Böhler. Und es hat nun Gott gefallen, ihm die Augen zu öffnen, so daß er deutlich das Wesen jenes einen wahren, lebendigen Glaubens erkannte, durch den allein 'wir aus Gnaden errettet werden'.".

    Diese Glaubenserfahrung war der Wendepunkt für den zukünftigen Dienst der Brüder Wesley. Bekehrt und wiedergeboren zur lebendigen Hoffnung, waren sie jetzt gesegnete Werkzeuge in des Herrn Hand, wobei John fortan der große Erweckungsprediger des 18. Jahrhunderts wurde. Trotz aller Bedrängnis und auch Verkennung von seiten der etablierten Kirche, bis hin sogar zur körperlichen Mißhandlung, blieb er trotz allem seiner Berufung treu und verkündigte das Evangelium mit großer Vollmacht in Räumen und meist unter freiem Himmel. In der Zusammenfassung lautete seine Botschaft:
    "Alle Menschen müssen erlöst werden, alle Menschen können erlöst werden, alle Menschen müssen wissen, daß sie erlöst sind und alle Menschen können vollständig erlöst werden.".

    Die Quelle und Autorität seiner Verkündigung war die Heilige Schrift, obwohl auch Tradition, Vernunft und Erfahrung nicht verachtet waren. Den Erweckten und Bekehrten riet er anfangs, in der Kirche zu bleiben. Doch allmählich wurden sie unabhängig, weil die anglikanische Kirche in England unfähig war, sie festzuhalten. Die Folge davon war die Gründung des Methodismus, der auf das Jahr 1738 n. Chr. zurückgeht.

    Ein Teil dieser Erweckungsbewegung mündete 1784 n. Chr. in eine selbständige Kirchenbildung, als sich die Trennung Amerikas von England auch im Bereich der Kirchen auswirkte. Nach Wesleys Tod war auch in England die Trennung unvermeidlich, obwohl er selbst das nie gewollt hatte. Diese Lösung von der anglikanischen Kirche erfolgte dann im Jahre 1795 n. Chr., seitdem Einteilung der Gemeinde in kleine Seelsorgeeinheiten. Durch diese Erweckungsbewegung wurden auch die Freikirchen der Presbyterianer und Baptisten, deren Eifer für Gott und sein Werk nachgelassen hatte, wieder neu belebt und gestärkt.

    John Wesley führte ein ungewöhnliches Leben, indem er sich bis zur Selbstaufopferung für die Sache des Herrn einsetzte. Er legte etwa 35 000 Kilometer zu Pferde zurück und hielt 40 000 Predigten. Trotz der Überfälle feindlicher Banden und der teilweise schlechten Witterungsverhältnissen, ließ er sich nicht von seinem Auftrag abbringen. Es wird berichtet, daß sich unter der Verkündigung von John Wesley 140 000 Menschen bekehrten. Und als er starb, gab es in England 77 000 Methodisten und 470 Gotteshäuser.

    Diese Erweckung war nicht nur ein Segen für England, sondern auch der amerikanische Kontinent und das europäische Festland wurden davon erfaßt, was als eine besondere Gnadenheimsuchung Gottes an die Menschheit gewertet werden muß. Das Freimaurerlexikon berichtet, daß John Wesley vor seiner Bekehrung einer Freimaurer-Loge angehörte, was uns heute unverständlich erscheint.

    Der Name "Philadelphia", der "Bruderliebe" bedeutet, sagt schon sehr viel über die Gemeinde. Wie wir schon eingangs gesehen haben, ist Philadelphia daher eine Zusammensetzung der beiden griechischen Wörter: philos = jiloV (= Liebe) und adelphos = adeljoV (= Bruder). Das griechische Wort: philadelphia = jiladeljia kommt insgesamt sieben Mal im Urtext des Neuen Testamentes vor, außer der Bezeichnung der Gemeinde in der Offenbarung, noch an sechs anderen Stellen: Röm. 12, 10; 1. Thess. 4, 9; 1. Petr. 1, 22; 2. Petr. 1, 7 (2 x) und Hebr. 13, 1. In diesen letzteren Fällen wird es jedoch immer übersetzt mit Bruderliebe oder brüderlicher Liebe.

    Das bedeutet, daß in der Gemeinde zu Philadelphia damals, wie auch heute im Zeitraum dieser Gemeinde, Gläubige vorhanden waren bzw. sind, die einander wirklich liebhaben, die in Liebe beieinander sind, ja die in der Gemeinde zusammenwohnen. So ist Philadelphia auch der rechte Name für eine beispielhafte Gemeinde, die nach dem Wort ihres Herrn handelt: Ein neu Gebot gebe ich euch, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habet. Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. (Joh. 13, 34-35).

    Liebe ist der Adelsbrief und das Königskleid und das Kennzeichen eines wahren Jüngers Jesu und einer wahren Gemeinde Jesu Christi. Der Leuchter in Ephesus wurde weggestoßen von seiner Stätte, weil die Gemeinde die erste Liebe verlassen hatte, trotz einer noch vorhandenen großen Betriebsamkeit. Hier in Philadelphia jedoch hat die Gemeinde zwar nur eine kleine Kraft nach außen hin, dafür aber eine glühende Bruderliebe zueinander.

    Es ist oft zum Weinen traurig, wie an machen Orten statt der gebotenen Bruderliebe nur zerstörende Ehrsucht, Rechthaberei, Neid und Streit und noch vieles andere herrscht. Von solchen Gemeinden singt schmerzbewegt Karl Gerok (1815-1890 n. Chr.):

    Oh gold'ne Zeit, wo bist du hin,
    Du Zeit der ersten Liebe?
    Wo wohnst du noch, oh Brudersinn,
    Im wüsten Weltgetriebe?
    Ob Christi Heer durch Land und Meer
    Nach Millionen zähle,
    Die Liebe, ach, die Krone brach:
    Ein Herz und eine Seele!

    Der geistliche Zustand der Gemeinde von Philadelphia allerdings lautet deshalb auch folgerichtig: Ohne Tadel.

    Es fällt auf, daß der erhöhte Herr den beiden Gemeinden Smyrna, der zweiten vom Anfang, und Philadelphia, der zweiten vom Ende, keinerlei Tadel ausgesprochen hat. Bei den anderen fünf Gemeinden ist das allerdings leider der Fall, was seinen Grund in deren heilsgeschichtlichen Bestimmung und Entwicklung hat, wie bei allen Gemeinden.

    Die Gemeinde zu Smyrna mußte durch zehn große Verfolgungen unter römischen Kaisern gehen, wodurch sie geläutert, bewährt und als tadellos in den Augen ihres Herrn erfunden wurde. Petrus erklärt dieses Leiden so: Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer am Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde, daß er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes lebe. (1. Petr. 4, 1-2).

    Jakobus, einer von den leiblichen Brüdern des Herrn, ermutigt uns in seinem Brief: Meine lieben Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet, und wisset, daß euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt. Die Geduld aber soll ihr Werk tun bis ans Ende, auf daß ihr seid vollkommen und ohne Tadel und kein Mangel an euch sei. (Jak. 1, 2-4).

    Dagegen war Philadelphia die von Gott erwählte und durch den Heiligen Geist erweckte Missions-Gemeinde, die sich aus Liebe zu Jesus Christus von aller Befleckung des Geistes reinigte und somit ebenfalls als tadellos in den Augen ihres Herrn erschien. Paulus wiederum erklärt: Weil wir nun solche Verheißungen haben, meine Lieben, so lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes. (2. Kor. 7, 1).

  5. Auch dieses Sendschreiben beginnt wieder mit dem Schreibbefehl des Herrn und ist auch an den Engel der Gemeinde gerichtet. Daran sehen wir, daß Jesus Christus sich wiederum zuerst an den Boten oder Leiter der Gemeinde wendet, um ihn über den geistlichen Zustand derselben zu informieren. Er ist vor Gott verantwortlich für die ihm anvertraute Gemeinde. Deshalb ermahnt auch der Apostel Petrus: Weidet die Herde Gottes, die euch befohlen ist, nach Gottes Willen, nicht gezwungen, sondern willig; nicht um schändlichen Gewinnes willen, sondern von Herzensgrund; nicht als die über die Gemeinden herrschen, sondern werdet Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unverwelkliche Krone der Ehren empfangen. (1. Petr. 5, 2-4). Dieser Erzhirte ist nicht etwa der Erzbischof, der vielleicht nur aus Höflichkeit einen Besuch abstattet, sondern der wiederkommende Herr, Jesus Christus persönlich. Der Sohn Gottes wird nun bald selbst kommen, um den Seinen sodann endlich den gerechten Lohn zu geben.

  6. Das von Gott durch den Heiligen Geist diktierte und von heiligen Menschen niedergeschriebene Wort hat immer prophetischen Charakter. Petrus bezeugt in seinem zweiten Brief: Und das sollt ihr vor allem wissen, daß keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern von dem heiligen Geist getrieben haben Menschen im Namen Gottes geredet. (2. Petr. 1, 20-21).

    Aus diesem Grunde sucht Jesus Christus alle sieben Sendschreiben in der Offenbarung mit dem Schreibbefehl einzuleiten, damit der Inhalt dieser geschriebenen Botschaft ungekürzt und unverändert der Nachwelt erhalten bleibt. Die Leiter der Gemeinden sind so auch verantwortlich für die Verkündigung der ganzen Botschaft, nach dem Willen Gottes. Jeder möge deshalb in seiner eigenen Gemeinde prüfen, welchen Stellenwert dort gerade die Offenbarung oder überhaupt das prophetische Wort hat.

    Die Bibel ist von einzigartiger Würde und von höchster Bedeutung vor allen anderen Büchern der Weltliteratur, weil sie von Gott eingegeben, wörtlich "von Gottes Geist durchweht" ist. Darum schreibt der Apostel Paulus auch: Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Aufdeckung der Schuld, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt. (2. Tim. 3, 16-17). Die einzelnen Teile der Bibel haben, bei allen persönlich und geschichtlich bedingten Unterschieden, eines gemeinsam: Sie wollen den Menschen schaffen, der Gott gehört: Er ist versöhnt mit Gott und bereit zum Gehorsam. Das Wort trifft jeden in seiner Lage: Der Unwissende oder der Verwirrte wird belehrt, der Sünder wird überführt, der Reuige wird zur Besserung angehalten, der Träge wird zum Fortschritt im Guten erzogen.

    Die Selbstbezeichnung des Absenders dieses Briefes lautet diesmal: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf. Jesus hatte auf dem Laubhüttenfest im Tempel bereits etlichen aus Jerusalem geantwortet: Da rief Jesus im Tempel, lehrte und sprach: Ihr kennet mich und wisset, woher ich bin. Aber von mir selbst bin ich nicht gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, welchen ihr nicht kennet. Ich kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt. (Joh. 7, 28-29). Wir werden hierbei ebenfalls an die Worte Jesu im hohenpriesterlichen Gebet erinnert: Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns seien, damit die Welt glaube, du habest mich gesandt. (Joh. 17, 17-21). Der Wahrhaftige heiligte sich selbst in der Wahrheit, damit auch alle seine Jünger in der Wahrheit seien.

    Nur einmal hat Jesus seinen Willen gegenüber seinem himmlischen Vater geäußert, und zwar auch hier im hohenpriesterlichen Gebet: Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward. (Joh. 17, 24). Dafür können wir nun unserem Herrn Jesus Christus nicht genug dankbar sein; deshalb sollen wir uns auch in jeder Hinsicht und in jeder Minute bewußt sein: Unsre Heimat aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus, des Herrn. (Phil. 3, 20).

    Die Heiligkeit Gottes tritt uns am eindrucksvollsten entgegen in der Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja, der den dreimal heiligen Ruf der Seraphim vernimmt: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! (Jes. 6, 3). Das hebräische Wort: "kadosch" für "heilig" hat den Sinn von Absondern, so daß das mit "heilig" bezeichnet werden kann, was von der Welt abgesondert ist. Das entspricht unserer Erwählung, aber leben wir unserer Erwählung entsprechend? Es ist wert, einmal darüber nachzudenken, was in unserem Leben noch verbessert werden könnte, wo wir unseren Wandel noch weiter von der Welt abgrenzen sollten. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir die Welt gleich ganz verlassen müßten. Gott will uns da haben, wo er uns hingestellt hat, dort wird er uns segnen. Die Bitte Jesu an den Vater lautete: Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Bösen (Joh. 17, 15).

    In der Sprache der Propheten bedeutet "heilig": fleckenlose Reinheit, Erhabenheit und Hoheit, vor deren Majestät alle, die mit ihr konfrontiert wurden, immer vor Ehrfurcht auf ihr Angesicht fielen. Wenn jemand auf den Rücken fällt, wie in unseren Tagen des öfteren berichtet wird, dann ist es nicht in Anbetracht der heiligen Gegenwart Gottes, sondern eines anderen Geistes, der das Gegenteil der göttlichen Ehrfurcht bewirkt. So ist auch der sogenannte Toronto-Segen für jeden Unerfahrenen leicht einzuordnen, von wo der kommt.

    In der griechischen Sprache ist der Ausdruck: = hagios für "heilig" mit einem Gegenstand der Ehrfurcht und Scheu vergleichbar und verwandt. Das ersehen wir auch aus dem Urtext des Neuen Testamentes, wo z. B. Petrus schreibt: Denn es steht geschrieben (3. Mose 19, 2): "Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.". (1. Petr. 1, 16).

    Der erhöhte Herr hat hier an der Gemeinde zu Philadelphia nichts zu tadeln; sie ist heilig, darum tritt er auch als "der Heilige" vor sie hin und redet mit ihr. Heiligkeit und Wahrheit sind der Schmuck und die Kraft dieser Gemeinde, darin besteht ihr ganzes Zeugnis. Fallen diese hin, so fällt das Zeugnis hin! Das gilt auch für einen jeden von uns. Darum schreibt Paulus: Es trete ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt. (2. Tim. 2, 19).

    Die Wahrheitsfrage hat die Menschen zu allen Zeiten bewegt und beschäftigt, ja, sie ist sogar zur Kernfrage aller Fragen geworden. Denn durch Mißtrauen, Lüge und Betrug ist es dem Teufel als Mörder und Vater der Lüge in seiner elastisch-diabolischen Verdrehungskunst meisterhaft gelungen, die ganze Schöpfung ins Verderben zu stürzen und sie in seine Abhängigkeit zu bringen. Er herrscht als Gott dieser Welt in der Luft und hat zu dieser, seiner Zeit sein Werk in den Kindern des Unglaubens: ... in welchen ihr vormals gewandelt seid nach dem Lauf dieser Welt, nach dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. (Eph. 2, 2).

    Sie sind seine Medien und Befehlsempfänger, meistens unbewußt, die er durch seine alte Verführungsmethode - Zweifel, Mißtrauen, Lüge und Betrug - telepathisch steuert und diktiert, um sie dadurch zu den größten Verbrechen zu veranlassen. Darum ist es auch kein Wunder, wenn Menschen aus der Bedrängnis ihrer Ausweglosigkeit mit Pilatus resignierend und verlegen fragen: "Was ist Wahrheit?" (Joh. 18, 38).

    Karl (Heinrich) Marx, der Begründer des Marxismus (5.5.1818-14.3.1883), geb. in Trier, verstieg sich sogar in die Behauptung: "Es gibt keine absolute Wahrheit, es gibt keine absolute Moral.". Demgegenüber tritt Jesus Christus auf und widerlegt diese Behauptung in seiner Botschaft an die Gemeinde zu Philadelphia mit den Worten: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige.Jesus Christus kann von sich sagen: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. (Joh. 14, 6). Und vor Pilatus bezeugte er: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. (Joh. 18, 37). Und zu den Juden, die an ihn glaubten, sprach er: Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Joh. 8, 31-32). Also doch absolute Wahrheit!

    Dazu die Worte eines Dichters:

    Die Wahrheit ist ein bitt'rer Trank,
    Doch wer ihn braut, hat selten Dank,
    Denn der Menge schwacher Magen
    Kann ihn nur verdünnt vertragen.

    Wahrheit ist nicht leichte Speise,
    Sondern bitt're Arzenei,
    Darum braucht sie tropfenweise,
    Aber peinlich und genei. (genau)

    Wir wollen nun sehen, was es mit der Amtsgewalt des Schlüsselträgers auf sich hat. Der Schlüssel Davids war das Symbol für das oberste Verwaltungsamt am Königshofe Davids auf dem Berge Zion. Nach Jesaja 22, 15-19 wurde dieses Amt von dem treulosen und habgierigen Schebna verwaltet, dem Gott durch den Propheten Jesaja wegen seiner unwürdigen Amtsführung seinen Sturz und seine Wegführung nach Assyrien ankündigen ließ. Dann heißt es weiter bei Jesaja: Und zu der Zeit will ich rufen meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkias, und will ihm dein Amtskleid anziehen und ihn mit deinem Gürtel gürten und deine Herrschaft in seine Hand geben, daß er Vater sei für die, die in Jerusalem wohnen, und für das Haus Juda. Und ich will die Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter legen, daß er auftue und niemand zuschließe, daß er zuschließe und niemand auftue. (Jes. 22, 20-22).

    Das Tragen des Schlüssels auf der Schulter hat nach Jesaja eine messianische Bedeutung: Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, daß er's stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth. (Jes. 9, 5-6).

    Der Ausspruch: und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, kommt von einem orientalischen Hochzeitsbrauch. Wenn eine Braut dem Bräutigam angetraut wurde, nahm sie ihren Schleier ab und legte ihn auf die Schultern des Bräutigams. Damit bezeugte sie, daß sie nicht nur unter seiner Herrschaft steht, sondern daß sie ihm damit auch ihre Rechte übertragen hat und daß er das Haupt ist, aber auch, daß er die volle Verantwortung für sie trägt, sie schützt und für sie sorgt.

    Wenn nun Jesus Christus im Sendschreiben an die Gemeinde zu Philadelphia sich als Inhaber des Schlüssels Davids bezeichnet, so bedeutet das, daß er als der Sohn Davids gleichzeitig der einzig rechtmäßige Verwalter des Königreiches Davids ist. Als Sohn Gottes ist er der rechtmäßige Verwalter des Reiches Gottes. Seine Amtsgewalt und Königsherrschaft als Hofmeister Gottes hat er vor seiner Himmelfahrt vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt proklamiert mit den Worten: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (Matth. 28, 18).

    Bei der Betrachtung von Kapitel 1 (Offb. 1, 18) haben wir schon gesehen, daß diese Schlüsselgewalt Jesu Christi allumfassend ist und sich auch über das Totenreich erstreckt: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.Darum kann auch nur er den Eingang zum Reiche Gottes öffnen und gegebenenfalls genauso wieder zuschließen. Allerdings läßt er seine Jünger daran teilhaben, indem er ihnen durch den Heiligen Geist z. B. die Sündenvergebung eines Menschen bestätigt. So ist auch die Schlüsselgewalt des Petrus zu verstehen: Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. (Matth. 16, 19). Diese Schlüsselgewalt hat Jesus schon sehr bald allen seinen Jüngern übertragen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein. (Matth. 18, 18).

    Das bedeutet, daß alle Jünger Jesu, auch heute noch, nur in völliger Abhängigkeit von ihm, und nur von ihm, handeln können, ganz gleich, was sie in seinem Namen verkündigen oder tun. So ist auch jeder missionarische Einsatz und jeder Dienst der Verkündigung, sowie jede Erweckung und Neubelebung in der Gemeinde, ein Gnadenwerk des Herrn und allein von seinem Auftun und Zuschließen abhängig, obwohl er seine Boten dazu gebrauchen will und auch gebraucht.

    Wie in allen Sendschreiben, so erklärt der allwissende Herr auch der Gemeinde zu Philadelphia: Ich weiß deine Werke. Diese Aussage, daß der Herr sich um sie kümmert und um ihre Werke weiß, ist zunächst für die Gemeinde eine erfreuliche und beglückende Botschaft. Zum anderen ist es für sie, im Hinblick auf die drohenden Gefahren, tröstlich und ermutigend, daß der Herr die Ehre seines Namens mit dem Schicksal ihres Daseins verpfändet hat.

    In Anbetracht seiner Schlüsselgewalt verkündet nun der Herr: Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür, und niemand kann sie zuschließen. Mit der "offenen Tür" meint der erhöhte Herr die großen Erweckungen und Missionsmöglichkeiten im Zeitraum der Gemeinde von Philadelphia. In der Epoche der christlichen Kirche gab es zwei große, globale Erweckungen, die wie Steppenfeuer über die ganze Erde gingen. Die erste Erweckung fand von der zweiten Hälfte des ersten bis zum Ende des dritten Jahrhunderts und die zweite vom 18. bis zum 19. Jahrhundert n. Chr. statt.

    Von einer dritten weltumfassenden Erweckung vor der Wiederkunft Jesu Christi wird uns im prophetischen Wort nichts gesagt. Das schließt aber keinesfalls aus, daß der treue Gott hier und da, im Laufe der Jahrhunderte nach Christus, zu diesen beiden großen, globalen Erweckungen auch noch einige kleinere, örtlich begrenzte Bußbewegungen geschenkt hat. Die Kirchen- und Missionsgeschichte bestätigen das durchaus. Es war und ist immer möglich, daß der Herr erweckliche Aufbrüche entstehen läßt, jedoch räumlich beschränkt, nicht weltweit. Vor einiger Zeit noch war das so der Fall z. B. in Indonesien oder in Korea, also in Ländern, die vorher nicht vom Evangelium erreicht worden sind.

    Der Missionsbefehl Jesu gilt auch heute noch: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden. (Mark. 16, 15-16). Für das "christliche" Abendland gelten jedoch andere Maßstäbe. Bei uns gibt es überall Kirchen, die jedoch von der "christlichen" Bevölkerung kaum noch beachtet werden. Allerdings müssen wir hierbei bedenken, daß in diesem Zeitabschnitt vor seinem Kommen, also am Ende der Endzeit, die Gemeinde von Laodicea die vorherrschende oder die herausragende sein wird, denn sie ist die letzte Kirchenform, die in der Offenbarung beschrieben wird. Diesen Gemeindetypus werden wir beim nächsten und letzten Sendschreiben näher betrachten.

    Was wir in den letzten Tagen unseres zu Ende gehenden Zeitalters erleben, ist der große Abfall mit Verstockung und Unbußfertigkeit, allerlei Irrtümern, Irrlehren, teuflischer Verführung, Okkultismus, Spiritismus, Teufelsanbetung und Teufelsmessen, die sich in geradezu erschreckender Weise überall ausbreiten. Das alles wird uns im Worte Gottes mit großer Deutlichkeit vorausgesagt.

    Dagegen hieß es jedoch in "Charisma" Nr. 58/1987, auf Seite 4:
    Euro-Fire 87. Deutschland in der Morgendämmerung der Erweckung. Ein Auftakt. Eine Entdeckung. Ein Verlangen und ein Gebet. Und die Gewißheit: Das Feuer ist gefallen. Jetzt breitet es sich aus von Stadt zu Stadt und von Ort zu Ort. In fünf Jahren wird dieses Land ein völlig anderes sein.

    Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn Deutschland sich damals in ein Gottesreich verwandelt hätte. Aber auch hier war der Wunsch der Vater des Gedankens. Diese Voraussage hat sich in negativer Weise erfüllt, denn Deutschland ist heute ein anderes. Die Ungerechtigkeit hat noch zugenommen, neue Gesetze haben die Abtreibung, Abartigkeit und wilde Ehen gefördert. Ähnlich hatte schon Hitler ahnend vorausgesagt: Gebt mir einige Jahre Zeit und ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen! Millionenfaches Elend und klägliche Trümmerhaufen waren das ganze stolze Vermächtnis dieses ärmlichen Führers. Heute kann man für Deutschland nur eine Prognose geben: Eine Nation, die ihre eigenen Kinder tötet, wird immer ein Land ohne Zukunft sein. Deshalb wird wohl eher ein massives Eingreifen Gottes erfolgen, als daß eine durchgreifende Umkehr in Deutschland stattfindet, die wirklich alle Volksschichten erfassen müßte.

    Diese endzeitlichen Pseudo-Propheten verkündigen auch heute noch mit einer inbrünstigen Leidenschaft, mit der sie die göttliche Wahrheit ersetzen wollen, "Explosionen des Geistes". Man fragt sich nur, aus welcher Quelle sie diese Informationen schöpfen - aus der Bibel jedenfalls nicht. Der fromme Größenwahn unserer Tage ist nur dazu angetan, einem oberflächlichen Endzeit-Christentum scheinbare Gnadengaben vorzutäuschen. Im heutigen religiösen Wirrwarr wird eine sensationslüsterne Schar durch falsche Zeichen und Wunder irregeführt und satanischen Bindungen ausgesetzt. Kein Wunder also, daß diese überaus armen, hilfsbedürftigen Betrogenen bei diesen wunderlich-begabten Schauspielern dann geradezu scharenweise kraftlos und ohnmächtig auf den Rücken fallen. Das ist ein Zeichen unserer Zeit, gemäß Jesu Warnung: Denn mancher falsche Christus und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden. (Matth. 24, 24).

    So ist es deshalb inzwischen bei uns so, daß es diese "offene Tür" der Gemeinde von Philadelphia leider nur noch in wenigen begrenzten Fällen gibt, anders als noch damals, zu Anfang dieses Jahrhunderts. Die Zeit der "offenen Tür" war und ist immer eine Zeit, wo eine Tür offen ist für die Wirksamkeit eines fruchtbaren Dienstes für Jesus Christus. Philadelphia-Christen fragen immer: Wo kann ich etwas tun zur Verherrlichung meines Herrn, der soviel für mich getan hat?

    Sie machen es, wie einst Oberstleutnant von Knobelsdorff, ein hoher und tüchtiger Offizier im Dienste Kaiser Wilhelm II., des Königs von Preußen. Der fand durch Gottes Gnade den Herrn Jesus. Doch, kaum bekehrt, schrieb er an seinen Pastor unter anderem etwa wie folgt:
    "Wie ich meinem irdischen König treu gedient habe, so will ich auch meinem himmlischen König treu dienen. Bitte, Herr Pastor, geben Sie mir Arbeit!"

    Der Pastor las und las immer wieder diesen Brief; denn solche hatte er bisher sehr wenige erhalten. Doch aus dem Brief erblickte er nicht nur den ganzen Offizier, sondern auch den ganzen Christen. Und er wies Von Knobelsdorff hin auf das große Feld der Trinker in Deutschland. Daraufhin nahm dann Von Knobelsdorff, mit dem Evangelium von Jesus Christus bewaffnet, diese Arbeit energisch in Angriff. So ist er dann vielen armen, gebundenen Trinkern ein Wegweiser zum Heiland geworden, durch den sie von ihrem Laster frei wurden.

    Das vom Herrn der Gemeinde zu Philadelphia zuteil werdende Lob lautet: ... denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet. Die damalige Gemeinde zu Philadelphia hatte deswegen "eine kleine Kraft", weil sie in den Tagen der großen Versuchung rechtlos war, und sich niemand ihrer in dieser bedrängten Lage annahm. Ihr äußerer Einfluß war unbedeutend. Der Vorsteher der Gemeinde war wohl keine auffallende Erscheinung und darum auch wenig repräsentativ. Aber gerade dann, wenn man mit der eigenen Kraft zuschanden geworden ist, kann die Kraft Gottes einsetzen.

    Von dieser allseits gesegneten Kraftlosigkeit weiß auch der Apostel Paulus schon zu berichten: Sehet an, liebe Brüder, eure Berufung: nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Gewaltige, nicht viele Edle sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist. (1. Kor. 1, 26-27). Dann sagt er von sich selbst: Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. (2. Kor. 12, 9).

    Als Anerkennung für ihre ungebrochene Treue zum Worte Gottes wird der Gemeinde zu Philadelphia hohes Lob von seiten ihres Herrn zuteil. Durch das Halten der Gebote Gottes hat sie ihre Liebe zu ihm unter Beweis gestellt. So spricht dann auch Jesus: Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. Spricht zu ihm Judas, nicht der Ischarioth: Herr, was ist's, daß du dich uns willst offenbaren und nicht der Welt? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. (Joh. 14, 21-23).

    Obwohl die Ungerechtigkeit, falsche Lehre und Irrgeister gerade auch in unseren Tagen überhandnehmen und die Liebe in vielen erkaltet, so steht die Gemeinde von Philadelphia doch treu zum Worte Gottes und bekundet damit ihre Liebe zu Jesus Christus. Und, aus dieser Gesinnung heraus, lehnt sie die teuflische, alles zerstörende Bibelkritik ab; denn sie weiß, daß schon das geringste Zugeständnis an den Zeitgeist den Irrlehren Tür und Tor öffnet. Sie macht auch keine Anleihe bei der sogenannten wissenschaftlichen, theologischen Forschung der allein vom Teufel inspirierten Geister, sondern für sie ist Gottes Wort die einzige Grundlage ihres Glaubens, die einzige Quelle ihrer Orientierung und Verkündigung, sowie der einzige Maßstab ihres Handelns.

    Den Christen der Gemeinde von Philadelphia gilt das Wort des Apostels Paulus: Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus. Denn wie viele von euch auf Christus getauft sind, die haben Christus angezogen. (Gal. 3, 26-27). Auf Grund dieser beiden Heilsvorgänge tragen sie fortan den Namen ihres Herrn und werden dadurch Christen genannt, das heißt: Gesalbte. Dieser Name verpflichtet sie zur Treue in der Nachfolge ihres Herrn und zu einem Gott ergebenen und heiligen Leben in der Welt.

    Auf das Bekenntnis dieses Namens: "Ich bin ein Christ" - haben sich die Märtyrer aller Zeiten berufen und sind dafür durch Schmach und Schande, Verfolgung und Folter in den Tod gegangen. Denn sie wußten um die Zusicherung ihres Herrn: Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. (Matth. 10, 28). Weiter spricht der Herr: Wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. (Matth. 10, 32-33).

    Der Herr Jesus gibt eine verheißungsvolle Zusicherung: Siehe, ich werde geben aus des Satans Synagoge, die da sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, daß sie kommen sollen und niederfallen zu deinen Füßen und erkennen, daß ich dich geliebt habe. Dort in Philadelphia war eine verhältnismäßig starke Gruppe orthodoxer Juden ansässig, die dem Christentum gegenüber feindlich gesinnt und überaus böse eingestellt war. Jesus nennt sie Synagoge (= Versammlung) Satans, deren Vorsteher der Lügner und Mörder Satan selbst ist. Wie Jesus den Juden sagte, die ihn zu töten suchten: Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. (Joh. 8, 44).

    Die erste Not, die der Herr der Gemeinde zu Philadelphia voraussagt, ist dieselbe wie die in Smyrna, die Verfolgung durch die Juden. Auch hier in Offb. 3, 9 werden sie wie in Offb. 2, 9: des Satans Synagoge genannt. Wie wir schon bei der Betrachtung von Kapitel 2 gesehen haben, lebte in der Provinz Asien eine einflußreiche, alteingesessene Judenschaft. Der überaus erstaunliche Erfolg der christlichen Mission in dieser Gegend führte zur Feindschaft der Juden gegen die Christen, so daß sie diese bei den dortigen Behörden verleumdeten. Immer wieder lesen wir in der Apostelgeschichte davon, wie die Juden die Obrigkeit gegen die Christen aufzuhetzen versuchten, die nur das Evangelium verkündigten, und zwar:
    a) in Antiochien (Apg. 13, 50),
    b) in Ikonien (Apg. 14, 2 + 5),
    c) in Lystra (Apg. 14, 19),
    d) in Thessalonich (Apg. 17, 5).

    Die Verfolgungen durch die Juden waren anscheinend für die christlichen Gemeinden jener Zeit noch schwerwiegender als die durch die Heiden. Adolf Schlatter bemerkt dazu: Nichts hinderte das Wachstum der Christenheit so stark, wie die Verachtung, mit der die Juden Jesus und die Seinen behandelten. Das Christentum war in den Augen vieler dadurch widerlegt, daß sich nicht einmal die Juden, obwohl die Kirche von Jerusalem ausgegangen war, um Jesus kümmerten.

    Dieser Gedanke wird für uns noch etwas deutlicher, wenn wir bedenken, was Johann Albrecht Bengel dazu sagt: Dergleichen Lügner sind auch, die sich Christen nennen und sind's nicht. Wer noch die Kraft des Wortes im Glauben und in der Liebe bei sich eindringen und ausbrechen läßt, dem kommt die Christenheit auf den Hals ... .

    Im Blick auf diese Gefahr erhält die heidenchristliche Gemeinde zu Philadelphia die verheißungsvolle Zusicherung von ihrem Herrn, ihre Verfolger und Widersacher dazu zu bringen, daß sie kommen sollen und niederfallen zu ihren Füßen und erkennen, daß er sie geliebt hat. Auf diese Weise wurde ihre Verfolgung zunichte gemacht, so daß auch seitens der Obrigkeit nicht gegen die Gemeinde eingeschritten wurde.

    Nun folgt eine besonders hoffnungsvolle Verheißung für diese Gemeinde von damals wie auch gerade von heute: Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. Es läßt sich menschlich nicht erklären, daß die Gemeinde zu Philadelphia zu jener Zeit von allen Verfolgungen verschont geblieben ist. Wir Gläubige wissen, daß der Herr Jesus sein Wort gehalten hat, damit diese kleine Herde wie durch ein Wunder bewahrt wurde. Darum gilt auch uns heute diese Verheißung: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. (Luk. 12, 32).

    Im Zeitraum der Gemeinde von Philadelphia wurden ebenfalls viele Gläubige auf wunderbare Art und Weise vor Verfolgungen bewahrt bzw. daraus errettet. In der Französischen Revolution kam es so zunächst zu Maßnahmen gegen die politisch und wirtschaftlich eng mit dem Ancien régime verflochtene römisch-katholische Kirche, dann zu Christenverfolgungen, die aus ideologischen und nationalistischen Gründen den christlichen Glauben zu liquidieren beabsichtigten, wie die Einsetzung eines "Kultes der Republik und nationalen Moral". Für die Soldaten Napoleons war es dann unerklärlich, wieso sie eigentlich so vielen Christen nicht habhaft werden konnten, hingegen nur einige wenige unentwegte Kirchgänger erwischten. Der Mehrzahl der Leute war es eh egal, ob der Besuch von Gottesdiensten erlaubt war oder nicht. In unserer Zeit nun versuchen weiterhin sozialistische, gottlose Regierungen den Religionsunterricht durch diese Morale laïque zu ersetzen, wie das jetzt z. B. auch durch das Fach L.E.R. = Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde im Land Brandenburg bereits geschehen ist und neuerdings durch die atheistischen Grünen in Nordrhein-Westfalen angestrebt wird.

    Für die Gläubigen von heute stellt dieses Schriftwort jedoch ein Zwiefaches fest:
    Erstens, daß die zu der Zeit lebenden Philadelphia-Christen, also alle wahren Christen, zunächst in die Stunde der Versuchung (= Posaunengerichte, Offb., Kap. 8 + 9) hineinkommen, dann jedoch darin bewahrt bleiben und schlußendlich durch die verheißene Entrückung herausgerettet werden.
    Zweitens, daß sie nicht in die große Trübsal der Zornesschalengerichte hineinkommen werden. Dieser Unterschied geht aus unserer Bibelstelle klar hervor. Wer noch nie etwas von diesen Dingen gehört hat, möge sich noch etwas gedulden. Genaue Einzelheiten dieser Ereignisse werden bei der Behandlung späterer Kapitel gegeben. Hier geht es jetzt nur um obiges Schriftwort. Übrigens wird "zwie" oft in Zusammensetzungen benutzt und ist gleichbedeutend mit "zwei".

    Demzufolge wird die wachende und betende Gemeinde sogleich zu Beginn der letzten Jahrwoche, beim Schall der letzten Posaune, zur Entrückung kommen. Im griechischen Urtext heißt es nicht: pro = pro = vor, auch nicht: meta = meta = nach der Stunde der Versuchung, sondern: ek thV hwraV tou peirasmou = ek tés horas tou peirasmou, das bedeutet: aus der Stunde der Versuchung heraus. Der ganze Satz lautet: kago se thresw ek thV hwraV tou peirasmou = kago se téreso ek tés horas tou peirasmou = Ich will dich bewahren aus der Stunde der Versuchung heraus.
    Wie? en atomw, en riph ojJalmou = en atomo, en ripé ophthalmou = in einem unteilbaren Wurf des Auges (= Augenblick).
    Wann? en th escath salpiggi = en té eschaté salpiggi = in (= bei) der letzten Posaune (1. Kor. 15, 52; 1. Thess. 4, 16; Offb. 10, 7; Offb. 11, 15).

    Hierbei ist noch zu beachten, daß das griechische Wörtchen: "ek" (= ek) immer im Sinne von "aus - heraus - im Verlaufe von" gebraucht wird. Dazu zunächst ein Beispiel aus dem hohenpriesterlichen Gebet Jesu: Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Bösen. (Joh. 17, 15.). Die konkordante Übersetzung lautet: Ich ersuche Dich nicht, daß Du sie aus (ek) der Welt nimmst, sondern daß Du sie vor (aus, heraus) (ek) dem Bösen (dem Übel, Luthertext von 1914) bewahrest.

    Ein anderes Beispiel lautet: ... und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet. (1. Thess. 1, 10). Die konkordante Übersetzung dazu: ... und auf Seinen Sohn aus den Himmeln zu harren, den Er aus (ek) den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns aus (ek) des Zornes Kommen birgt.

    In der Heiligen Schrift wird uns berichtet, daß die Kinder Gottes bei jeder hereinbrechenden Gerichtskatastrophe bewahrt worden sind, indem Gott sie zur rechten Zeit herausrufen ließ. Das sehen wir an folgenden Beispielen:
    a) Die Bewahrung Noahs (1. Mose 7, 1 ff; Lukas 17, 26-27).
    b) Die Bewahrung Lots (1. Mose 19, 15 ff; Lukas 17, 28-29).
    c) Die Bewahrung Israels durch das Passahblut (2. Mose 11, 1 ff; 2. Mose 12, 10-13).
    d) Die Bewahrung der Hure Rahab (Josua 6, 22-25; Hebräer 11, 31).
    e) Die Bewahrung der ersten Christen während der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. (Matth. 24, 16).

    Im Jahre 314 n. Chr. wurde Eusebius oder Eusebios, griechischer Kirchenlehrer (260-340 n. Chr.), der Verfasser der ersten Kirchengeschichte, zum Bischof von Cäsarea ernannt. Er berichtete, daß sich die christliche Gemeinde in Jerusalem, gerade rechtzeitig vor der Belagerung ihrer Stadt durch die Römer, in Sicherheit bringen konnte. Das geschah auf Grund einer göttlichen Offenbarung, die ihnen die dringende Anweisung gab, auf die Berge nach Pella zu fliehen. Diese Stadt nahm am jüdischen Aufstand 66-70 n. Chr. nicht teil, daher konnte die damalige Gemeinde aus Jerusalem hier Zuflucht finden, als der Untergang der Hauptstadt drohte. Pella lag, von Jerusalem aus gesehen, jenseits des Jordans in nördlicher Richtung, etwa 12 km südöstlich von Beth-Sean. Heute heißt der Ort: Tabqat fahl und gehört zu Jordanien.

    Die Warnung Jesu an seine Jünger gilt deshalb auch uns allen: Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung und dieser Tag nicht schnell über euch komme wie ein Fallstrick; denn er wird unversehens hereinbrechen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wach allezeit und betet, daß ihr stark werden möget, zu entfliehen diesem allem, was geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. (Luk. 34-36).

    Deshalb ergeht auch ein Aufruf zur Wachsamkeit und Treue an die Gemeinde von Philadelphia: Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme! Siehe bedeutet immer: Achtung, aufgepaßt, jetzt kommt etwas Wichtiges. Dann die Ankündigung: Ich komme bald. In den Evangelien sagt Jesus zu seinen Jüngern nur, daß er wiederkommen werde; auch in den Episteln, den Briefen der Apostel, fehlt das Wörtchen: bald. Das ist wieder ein deutlicher Hinweis darauf, daß die Offenbarung wichtige Ergänzungen zu den anderen Büchern der Bibel enthält, die vorher nicht bekannt waren. Erst nach seiner Himmelfahrt zum Throne Gottes gibt Jesus weitere Einzelheiten, die er seinen Jüngern zunächst nicht gesagt hatte. Hier bedeutet es aber, daß er nach Gottes Maßstab in Kürze kommen wird, gleichzeitig jedoch auch ganz plötzlich.

    Darum sollten wir auch dieses Wort Jesu beherzigen: Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. (Luk. 21, 28). Deshalb sollten wir auch die Mahnung beachten: Halte, was du hast! Daraus geht hervor, daß die Gemeinde von Philadelphia schon hier und heute auf Erden Werte besitzt, die einmalig sind und durch nichts ersetzt werden können, weder in dieser, noch in der zukünftigen Welt. So bezeugte der Apostel Paulus: In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade. (Eph. 1, 7).

    Im Hebräer-Brief heißt es zur Bekräftigung dann weiter dazu: Darum hat Gott, da er wollte den Erben der Verheißung überschwenglich beweisen, daß sein Ratschluß nicht wanke, sich noch mit einem Eid verbürgt. So sollten wir durch zwei Stücke, die nicht wanken - denn es ist unmöglich, daß Gott lügt -, einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung. An ihr haben wir einen sichern und festen Anker unsrer Seele, der hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang. (Hebr. 6, 17-19).

    Damit verbunden ist auch eine Warnung: Daß niemand deine Krone nehme! Dieses läßt erkennen, daß der Herr seiner Gemeinde als höchste Auszeichnung ihres königlichen Adels eine Krone im Himmel bereitgelegt und aufbewahrt hat, die ihr der gerechte Richter als Anerkennung der Treue überreichen wird: Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. (1. Kor. 3, 14). Deshalb möge von heute an unsere feste Losung sein: Um einen ew'gen Kranz, dies arme Leben ganz!

    Zusätzlich wird den Überwindern noch ein dreifacher Lohn in Aussicht gestellt: Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Der Pfeiler ist das Bild der Kraft, der Stärke und der Zierde und trägt das ganze Gebäude, dessen Teil er ist, an einem entscheidenden und mit Hilfe der Statik berechneten Punkt. Im salomonischen Tempel befanden sich zwei Hauptpfeiler, auf denen die ganze Last des Tempels ruhte. Und er richtete die Säulen auf vor der Vorhalle des Tempels; die er zur rechten Hand setzte, nannte er Jachin, und die er zur linken Hand setzte, nannte er Boas. (1. Kön. 7, 21). ... und richtete die Säulen auf vor dem Tempel, eine zur Rechten und die andere zur Linken, und nannte die zur Rechten Jachin und die zur Linken Boas. (2. Chron. 3, 17).

    Das Biblische Namen-Lexikon erklärt: Jachin = Er befestigt, gründet. Nach der Wurzel: Kun, bedeutet das hebräische Wort: Jakun = Er gründet fest. Boas wird erklärt: Hier wird oft nach "bo az" = "in Ihm ist Stärke" übersetzt. Das hebräische Wort: Be'os bedeutet: In Ihm ist Kraft. Wahrscheinlich sollten diese Namen an die Kraft Gottes erinnern, die den ganzen Tempel trägt. Paulus beschreibt das so: ... erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. (Eph. 2, 20-21).

    In der Stadt Philadelphia gab es eine schöne Sitte. Wenn jemand dem Staat als Beamter, als öffentlicher Wohltäter oder als Priester treu gedient hatte, dem ließ die Stadt nach seinem Tode zu seinem Gedächtnis eine Tempelsäule errichten, die seinen Namen trug. So ehrte Philadelphia seine hervorragenden Söhne, indem es ihre Namen auf die Säulen der Tempel schrieb, so daß alle, die zum Gottesdienst kamen, sie sehen und ihrer gedenken konnten. Das gleiche spricht auch der auferstandene Herr Jesus Christus demjenigen zu, der überwindet.

    Wie bereits eingangs erwähnt, lag die Stadt Philadelphia am Rande eines vulkanischen Gebietes, darum mußten ihre Einwohner bei drohender Erdbebengefahr flüchten. Auf diese so schreckliche Flucht der Bewohner der Stadt Philadelphia vor einem möglichen Erdbeben sucht der auferstandene Herr hier anzuspielen, indem er sagt: Und er soll nicht mehr hinausgehen. Das bedeutet ganz einfach, wer nun durch diese Verheißungen in die himmlische Stadt Gottes und in deren Tempel gelangt, der wird nicht mehr in ständiger Angst sein Dasein fristen. Der Gedanke wird ihm fremd sein, gegebenenfalls versuchen zu müssen, sein Leben durch eine notwendige Flucht in Sicherheit zu bringen. Deshalb heißt es auch im Hebräer-Brief zum Troste der noch auf Erden wandelnden Bewohner von Philadelphia: So ist also noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. (Hebr. 4, 9). Außerdem bekundet David die Verheißung des guten Hirten, des Herrn: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. (Psalm 23, 6).

    Der Überwinder soll als Pfeiler im Tempel seines Gottes auch Träger eines dreifachen Namens sein. Vor allem soll er den Namen Gottes tragen. Der Name ist die höchste Bezeichnung des innersten Wesens einer Sache oder Person. Darum, wer seinen Namen durch eine Unterschrift hergibt, der gibt sich selbst mit seinem ganzen Sein und Wesen und haftet für die eingegangene Verpflichtung.

    Der Name kann aber auch als Zeichen einer Eigentumserklärung benutzt werden. Wenn ein König im Altertum seine Herrschaft antrat, dann war es eine seiner ersten Amtshandlungen, daß er Münzen prägen ließ, die sein Bild und seinen Namen trugen, als Zeichen seiner Autorität und Würde, sowie seines Besitzrechtes. Solch einer gewöhnlichen Münze gleicht auch der Christ, dem Gott selbst sein Bild und seinen Namen aufgeprägt hat. Hierbei kann man noch berücksichtigen, daß der Wert eines Geldstückes nicht von dessen Zustand abhängig ist, sondern allein vom Herausgeber bestimmt wird. So sind auch alle Menschen zunächst vor Gott gleich wertvoll, ob mit viel oder wenig Schuld beladen, abgegriffen oder nicht. Paulus schreibt: Nun aber spiegelt sich bei uns allen die Herrlichkeit des Herrn in unserm aufgedeckten Angesicht, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist. (2. Kor. 3, 18).

    Ähnlich trug auch der Hohepriester im Alten Testament eine Art Diadem, eine goldene Platte an seiner Stirn, mit der eingravierten Schrift: "Heilig dem Herrn". (2. Mose 28, 36). Damit brachte der Hohepriester zweierlei in seinem Amt zum Ausdruck:
    Erstens, daß er Gottes Eigentum und Untertan war.
    Zweitens, daß er Gottes Gesinnung teilte und vertrat.

    Das teuflische Gegenstück dieser doch großartigen Auszeichnung wird zur Zeit des Antichristen, des letzten Weltherrschers, eine traurige Wirklichkeit werden. Dieser wird dann an alle Menschen die Aufforderung ergehen lassen, sich an ihrer rechten Hand oder an ihrer Stirn mit der Zahl 6 6 6 (oder der Zahl seines Namens) kennzeichnen zu lassen. Unter Todesandrohung sollen sie dieses verführerische Zeichen annehmen, als Beweis ihrer Anhängerschaft. Mehr darüber jedoch später, bei der eingehenden Betrachtung von Kapitel 13.

    Der Überwinder soll aber auch den Namen des neuen Jerusalem tragen, der Stadt seines Gottes, die vom Himmel herniederkommt, zu einem Zeichen dafür, daß er darin ewiges Bürgerrecht hat.

    Ebenso soll auch der Überwinder in der Vollendung den neuen Namen Jesu Christi tragen, als Erkennungszeichen dafür, daß er Teil hat am Sieg und Triumph seines geliebten Herrn. Dieser Name ist zunächst nur Jesus Christus selbst bekannt: und er trug einen Namen geschrieben, den niemand wußte als er selbst. (Offb. 19, 12). Wie der Name Jesu sich auf Erden in menschlicher Niedrigkeit und Verachtung kundtat, so ist die Natur des Menschensohnes jetzt göttlich verklärt und wie seine Natur auch sein Name, der dem Überwinder wesenhaft zuteil wird.

    Der Gottesmann Chr. Ludwig Steinhofer hat diese verschiedenen Herrlichkeitsstufen in folgende Worte gefaßt:

    Droben soll in Salems Höhen,
    Wo der Tempel Gottes prangt,
    Als ein Grund und Pfeiler stehen,
    Wer den Siegeskranz erlangt.
    Wessen Streiter er gewesen,
    Dessen Namen wird man ihm
    Selbst an seiner Stirne lesen:
    Christus, Gott, Jerusalem.

    Zum Schluß dieses Sendschreibens spricht die Stimme des Geistes wiederum: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

    Das Schlüsselwort: Durch die dir gegebene Tür brich herfür!

    Die Dauer der Gemeinde zu Philadelphia (Zeitraum): ungefähr von 1750-1906 n. Chr., also etwa 156 Jahre.

    1. Bevor wieder die wichtigsten Ereignisse der Kirchen- und Weltgeschichte genannt werden, die sich im Zeitraum der Gemeinde von Philadelphia zugetragen haben, sei noch das Folgende erwähnt:

    2. Der Siegeslauf des Evangeliums, durch den die großen Erweckungen vom 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ausgelöst wurden, führte zu einem letzten großen Aufbruch in aller Welt. Von den Männern, die Gott als seine Werkzeuge für diese Zeit gebrauchen konnte, seien als die wichtigsten genannt:

      In England:
      Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)
      John Wesley (17.6.1703-2.3.1791)
      George Whitefield (1714-1770)

      In den U.S.A.:
      David Brainard (1718-?)
      William Carey (1761-?)
      Charles Grandison Finney (1792-1875)
      Dwight Lyman Moody (1837-1899)
      James Hudson Taylor (1832-1905)

      In Deutschland:
      Gottfried Arnold (1666-1714)
      Johann Albrecht Bengel (1687-1752)
      Jakob Böhme (1575-17.11.1624)
      August Hermann Francke (22.3.1663-8.6.1727)
      Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817)
      Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782)
      Philipp Jakob Spener (13.1.1635-5.2.1705)
      Gerhard Tersteegen (25.11.1697-30.4.1769)
      Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760)

      In der Schweiz:
      Johann Kaspar Lavater (15.11.1741-2.1.1801)
      Samuel Heinrich Fröhlich (1803-1857)
      Franz Eugen Schlachter (28.7.1859-?)

      In Rußland:
      W. G. Pawlow
      I. S. Prochanow

      u. v. a., nicht zu vergessen:
      Pastor Charles Chiniquy (30.7.1809-16.1.1899), der äußerst segensreich in Quebec und in Illinois wirkte.

      a) Im Jahre 1750 n. Chr. weilte François Marie Arouet de Voltaire, französischer Aufklärungsphilosoph (21.11.1694-30.5.1778) bei Friedrich II., dem Großen, König von Preußen (24.1.1712-17.8.1786), seit 1740 n. Chr. König, als Gast im Schloß Sanssouci. Die Aufklärung in Europa erlebte ihren Höhepunkt im 18. und 19. Jahrhundert

      b) Im Jahre 1784 n. Chr. begann der von John Wesley (17.6.1703-2.3.1791) begründete Methodismus in eine selbständige Kirchenbildung einzumünden, als sich die Trennung Amerikas von England auch im Bereich der Kirchen auswirkte. Nach Wesleys Tod war dann auch in England die Trennung unvermeidlich.

      c) Im Jahre 1789 n. Chr. brach als eine Folge der Aufklärung und Hetzpropaganda die Französische Revolution aus, die mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 einen ersten Höhepunkt erreichte und dann mit grausamer Härte bis zum Jahre 1795 n. Chr. weitergeführt wurde.

      d) Im Jahre 1799 n. Chr. erfolgte am 18. Brumaire (9. November) der Staatsstreich des Generals Napoleone Buonaparte von Ajaccio, der sich im Jahre 1804 n. Chr. zum Kaiser Napoleon I. Bonaparte (15.8.1769-5.5.1821) von Frankreich krönen ließ. Da der November der neunte Monat im römischen Kalender war, ergibt sich somit die Zahl: 9.9.9, die, nach biblischem Verständnis, die Herrschaft des Geistes über das Fleisch bedeutet. Tatsächlich wurde auch zunächst den Gläubigen mehr geistliche Freiheit gewährt, indem die Verfolgung der Hugenotten beendet wurde, die König Louis (Ludwig) XIV. (5.9.1638-1.9.1715) durch die Aufhebung des Ediktes von Nantes im Jahre 1685 n. Chr. wieder aufgenommen hatte. Die napoleonischen Kriege mündeten in die Befreiungskriege von 1812-1815 n. Chr. und die Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongreß.

      Ähnlich hat sich auch der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 ausgewirkt, gleichfalls die Zahl: 9.9.9. Dieses Geschehen hat sogleich das Ende der kommunistischen Zwangsherrschaft in der D.D.R. eingeleitet, wodurch kurz danach die Gläubigen endlich von der staatlichen Unterdrückung befreit wurden.

      Ansonsten war der 9. November schon immer ein äußerst geschichtsträchtiges Datum für Deutschland. Es sei deshalb daran erinnert, daß an diesem Tage im Jahre 1918 der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. abdankte und die Republik ausgerufen wurde. Im Jahre 1923 versuchte damals Adolf Hitler einen ersten Staatsstreich in München (Feldherrnhalle). Dann wurde im Jahre 1938 mit der sogenannten Reichskristallnacht die baldige Vernichtung der Juden in Deutschland eingeleitet. Schließlich begann im Jahre 1944 an diesem Tage die wenig bekannte Moskauer Konferenz über die Zukunft Deutschlands nach dem Kriege.

      e) Im Jahre 1806 n. Chr. endete das Heilige Römische Reich Deutscher Nation als der letzte Herrscher des ersten deutschen Kaiserreiches, Franz II. (12.2.1768-2.3.1835 n. Chr.), unter dem Druck Napoleons die deutsche Kaiserkrone niederlegte. Dieses geschichtliche Datum, der 6. August 1806, ist sehr interessant, da der August der sechste Monat im römischen Kalender war, vor dem September, dem siebten Monat, wodurch sich nämlich die Zahl: 6.6.6 ergibt. Deshalb wird in Kapitel 6 genau erklärt, wie dieses Datum in Verbindung mit einem anderen wichtigen Ereignis in der Geschichte der Menschheit steht, das später geschah.

      f) Im Jahre 1810 n. Chr. wurde sodann in Rom die christliche Malervereinigung der Romantik "Nazarener" von Johann Friedrich Overbeck (1789-1869 n. Chr.), Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872 n. Chr.) und auch Peter von Cornelius (1783-1867 n. Chr.) gegründet. Julius Schnorr von Carolsfeld ist bekannt durch die von ihm im Jahre 1860 herausgegebene Bibel in Bildern mit insgesamt 240 aussagekräftigen Holzschnitten, die in einer Neuauflage wieder erhältlich ist.

      g) Im Jahre 1832 n. Chr. wurde auf dem Hambacher Fest bei Neustadt an der Hardt (Weinstraße) die föderative Vereinigung eines republikanischen Deutschland gefordert. Zu diesem Zweck wurde dort zum ersten Male eine schwarz-rot-goldene Fahne gezeigt, die Flagge Deutschlands seit der Weimarer Republik. Bei der Märzrevolution des Jahres 1848 n. Chr. wehte diese Fahne als Zeichen der Freiheit im Gebiet des Deutschen Bundes, also von Luxemburg bis Königsberg (Ostpreußen) und von Schleswig bis Südtirol (heute Italien). Dadurch wurde auch die Pressefreiheit erreicht und die Gründung von Zeitungen ermöglicht, wie z. B. das "Luxemburger Wort", das der römisch-katholischen Kirche gehört.

      Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß der Papst Gregor XVI., Papst von 1831-1846 n. Chr., im Jahre 1832 n. Chr. die belgische Verfassung angriff. Seine schmähende Enzyklika, Mirari vos, vom 15. August 1832 (die Papst Pius IX. später im Jahre 1864 n. Chr. durch seine Enzyklika: Syllabus Errorum bekräftigte), verdammte die Gewissensfreiheit als "wahnsinnige Absurdität" und zudem die Pressefreiheit als einen "pestartigen Irrwahn, vor welchem man nicht genug Abscheu hegen könne". In Luxemburg nun durch die Märzrevolution eingeführt. Im Syllabus Errorum wurden gleich 80 "Irrlehren" verdammt. Demnach durfte kein Katholik unter anderem diese Behauptung äußern: "55. Die Kirche ist vom Staat und der Staat von der Kirche zu trennen.". Das bedeutete eine Bestätigung des Anspruches: Die staatliche Gewalt ist der Macht der Kirche unterzuordnen.

      h) Im Jahre 1848 n. Chr. wurde von Karl (Heinrich) Marx, dem Begründer des nach ihm benannten Marxismus (5.5.1818-14.3.1883), geb. in Trier, und seines Freundes Friedrich Engels (28.11.1820-5.8.1895) das Kommunistische Manifest in London in deutscher Sprache verkündet.

      i) Im Jahre 1849 n. Chr. unternahm David Livingstone, schottischer Missionar (1813-1873 n. Chr.), eine Forschungsreise durch das Sambesi-Gebiet in Südafrika.

      j) Im Jahre 1860 n. Chr. wurde Abraham Lincoln (12.2.1809-15.4.1865), der ein Gegner der Sklaverei war, zum 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Die 11 Südstaaten erklärten daraufhin ihren Austritt aus der Union. Das war das Signal für den amerikanischen Bürgerkrieg, der von 1861 bis 1865 n. Chr. dauerte. Nach der Niederlage der Südstaaten wurde Abraham Lincoln, nur kurz nach seiner zweiten Wahl zum Präsidenten im Jahre 1865 n. Chr., auf Betreiben des Jesuiten-Ordens von John Wilkes Booth (1839-1865 n. Chr.) erschossen, eindeutig wegen seiner Ablehnung der Sklavenhaltung in den römisch-katholischen Südstaaten. Man bezichtigte Abraham Lincoln fälschlicherweise ein abgefallener Katholik zu sein, um ihn dann durch einen Fanatiker ermorden zu lassen. Zu diesem Zweck berief man sich auf Papst Gregor VII., Papst von 1073-1085 n. Chr., der in einem Dekret festgelegt hatte, daß derjenige ein überaus verdienstvolles Werk vollbringe, der einen derartigen Abtrünnigen oder Exkommunizierten töte. Diese Lehre wurde unmißverständlich bestätigt durch den jesuitischen Schriftsteller Busenbaum, der offen zu einer solchen "guten Tat" aufrief. Das betreffende Dekret ist inzwischen in das kanonische Kirchenrecht (CIC: Codex Iuris Canonici) aufgenommen worden, das bedingungslos jeder römisch-katholische Priester studieren und jeder gute Katholik befolgen muß.

      Diese Zusammenhänge mit der Ermordung Kennedys nahezu 100 Jahre später sind zu erkennen:


Präsident der U.S.A.:    Abraham Lincoln            John F. Kennedy          
                         (* 12.2.1809) (16.         (* 29.5.1917) (35.) = +  
                         Präsident)                 19                       

Zum Präsidenten          im Jahre 1860              im Jahre 1960            
gewählt:                                                                     

Sein                     Kennedy                    Evelyn Lincoln           
Privatsekretär(-in)                                                          
hieß:                                                                        

Sein Nachfolger wurde:   Andrew Johnson             Lyndon B. Johnson        

Geburtsdatum desselben:  29.12.1808                 27.8.1908                

Dieser war Präsident     1865-1869 (Demokrat)       1963-1969 (Demokrat)     
(Partei)                                                                     

Todesdatum (n.           31.7.1875 (10 Jahre)       22.1.1973 (10 Jahre)     
Amtsantritt)                                                                 

Geburtsdatum des         1839 (John Wilkes Booth)   1939 (Lee Harvey         
Mörders:                                            Oswald)                  

Todesart:                Kopfschuß                  Kopfschuß                

Wochentag:               Freitag († 15.4.1865)      Freitag († 22.11.1963)   

Sonstiges:               Beide Mörder wurden        ebenfalls umgebracht     
                         danach                                              



  1. k) Im Jahre 1870 n. Chr. versuchte Pius IX., Papst von 1848-1878 n. Chr., der sich gegen die italienische Einigungsbewegung stemmte, die Einnahme Roms zu verhindern, jedoch ohne Erfolg. Als der "Gefangene im Vatikan" zog er sich zurück und lehnte alle Ausgleichsangebote des Staates ab. Sein Nachfolger, Leo XIII., der Papst von 1878-1903 n. Chr. war, wurde sodann der erste Papst, der keine direkte politische Macht mehr hatte. Nachdem zwar im Jahre 1809 n. Chr. der Kirchenstaat durch Napoleon I. aufgelöst worden war, wurde dieser jedoch 1815 n. Chr. durch den Wiener Kongreß wiederhergestellt. Erst im Jahre 1871 n. Chr. ging er dann, nun allerdings endgültig, im Königreich Italien auf. Im selben Jahre begann außerdem mit der Einwanderung der ersten jüdischen Siedler die Rückkehr des Volkes Israel in das Land der Bibel.

  2. l) Im Jahre 1871 n. Chr. erfolgte die Gründung des zweiten Deutschen Reiches, indem am 18. Januar 1871 König Wilhelm von Preußen (1797-1888 n. Chr.) zum Deutschen Kaiser Wilhelm I. proklamiert wurde. Elsaß-Lothringen wurde erneut an Deutschland angegliedert; dies währte allerdings auch wieder nur bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Das im Jahre 1801 n. Chr. durch Napoleon I. geschlossene Konkordat (lat. für Vertrag zwischen einem Staat und dem Vatikan) wurde im Jahre 1902 n. Chr. einseitig von Frankreich gekündigt, als Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich gehörte. In Frankreich gilt nun seit dem Jahre 1905 n. Chr. die strikte Trennung zwischen Kirche und Staat mit Ausnahme des Elsaß und des Departement Moselle (Metz), die sich einer späteren Einführung entgegenstellten. Dort gilt noch immer die Regelung aus der Zeit Deutschlands.

    m) Im Jahre 1894 n. Chr. kam es in Frankreich wegen der sogenannten Dreyfus-Affäre zu antijüdischen Ausschreitungen. Der aus einem jüdischen Elternhause im Elsaß stammende Artilleriehauptmann Alfred Dreyfus (1859-1935 n. Chr.) wurde am 22. Dezember des Jahres zu ehrloser Entlassung aus der Armee und lebenslänglicher Deportation verurteilt, und zwar wegen angeblichen Landesverrats, da er militärische Dokumente den Deutschen übergeben habe. Emile Zola, französischer Schriftsteller (2.4.1840-29.9.1902), kämpfte für dessen Rechtfertigung und verfaßte den offenen Brief: "J'accuse...!" ("Ich klage an...!"), der am 13.1.1898 in der Zeitung "L'Aurore" erschien. Daraufhin wurde Alfred Dreyfus am 19.9.1899 begnadigt, doch erst im Juli 1906 voll rehabilitiert. Die innenpolitischen Auseinandersetzungen führten im Jahre 1905 zur Trennung von Kirche und Staat. Dr. Theodor Herzl (2.5.1860-3.7.1904) verfolgte als Journalist den ungerechten Prozeß und die damit verbundene Hetze gegen die Juden und veröffentlichte unter diesem betrübenden Eindruck seine Schrift: "Der Judenstaat". Übrigens, nach dem jüdischen Kalender war sein Geburtstag am 10. Ijar 5620.

    n) Im Jahre 1897 n. Chr. versammelten sich im Stadt-Casino in Basel 169 Delegierte aus 16 Ländern zum ersten Zionistenkongreß, der vom 29. bis 31. August dort stattfand. Unter dem Vorsitz von Dr. Theodor Herzl erfolgte daraufhin die Gründung des Zionismus als Sammlungsbewegung des jüdischen Volkes. Nach seiner Schrift "Der Judenstaat" galt für die Übergangszeit das erklärte Ziel: Der Zionismus ist die Heimkehr zum Judentum, und dies noch vor der Rückkehr ins Judenland, dem Land der Verheißung. In sein Tagebuch hatte Dr. Theodor Herzl mit großer Zuversicht geschrieben: Fasse ich den Basler Kongreß in einem Wort zusammen - das ich mich hüten werde, öffentlich auszusprechen - so ist es dieses: In Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es jeder einsehen. Diese Vorhersage wurde inzwischen von der Geschichte bestätigt, denn noch keine einundfünfzig Jahre später wurde der Staat Israel gegründet. (vgl. auch: "Luxemburger Wort" vom 28. August 1997).

    Nahum Goldmann (10.7.1895-29.8.1982), der langjährige Präsident des Jüdischen Weltkongresses, erklärte dies in seiner Lebensbeschreibung: Die paradoxe Tragik der Verwirklichung der zionistischen Idee in der relativ kurzen Zeit von fünfzig Jahren besteht darin, daß ohne die Vernichtung der Millionen Juden in Europa durch den Nazismus es wahrscheinlich heute den Judenstaat nicht geben würde. (aus: Nahum Goldmann: Mein Leben, Ullstein-Verlag, 1984, Seite 29).

    Diese Epoche war auch geprägt durch:

    Die Zeit der Aufklärung vom 18. bis zum 19. Jahrhundert.
    Die Zeit der Dichtung und Romantik.
    Die Zeit des Nationalismus, Imperialismus und Rationalismus.

    Die Entstehung des Sektenwesens, Okkultismus und Spiritismus.
    Die Entstehung der liberalen Theologie.
    Die Entstehung des Liberalismus (= Freiheit für das Volk), dessen verwerflicher Einfluß auf die Kirche nun im nächsten Sendschreiben leider noch besonders in Erscheinung tritt.

    Damals, an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, dachte man zudem gerade in Europa, man habe die Zeit der zerfleischenden Bruderkriege hinter sich gelassen und sei aufgeklärt genug, um das Kriegsgetöse für immer in die vorneuzeitliche Menschheitsgeschichte verbannen zu können. Dann brach plötzlich, obwohl es gewiß jeder Einsichtige längst hatte vorhergesehen, der Erste Weltkrieg über Deutschland herein, unter dessen Spätfolgen wir heute noch zu leiden haben. Wir sollten uns deshalb nicht zu der irrigen Meinung verführen lassen, wir würden uns auf ein Zeitalter ewigen Friedens und kontinuierlichen (= andauernden) Wohlstandes hinbewegen. Am Ende dieses Jahrhunderts steht uns aber zunächst etwas anderes bevor, wie wir sehen werden, worauf man dann gefaßt sein sollte.
     

Das siebente und letzte Sendschreiben, das wir uns jetzt ansehen wollen, war für die Gemeinde zu Laodicea bestimmt:

Und dem Engel der Gemeinde zu Laodicea schreibe: Das sagt, der da Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts! und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, daß du reich werdest, und weiße Kleider, daß du dich antust und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße, und Augensalbe, deine Augen zu salben, daß du sehen mögest. Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. So mache dich auf und tue Buße! Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt mit meinem Vater auf seinen Thron. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb. 3, 14-22).

  1. Mit dem siebenten und letzten Sendschreiben wendet sich der erhöhte Herr an den Vorsteher der Gemeinde zu Laodicea. Der Name Laodicea, auf Griechisch: Laodike·ia = Laodikeia, ist abgeleitet von laoV = laos, was Laie oder Volk bedeutet, und von dikh = diké, womit Recht oder richterlicher Entscheid gemeint ist, und dann beides zusammen bedeutet demnach: Volksrecht, Volksentscheid oder Volksherrschaft, dem Volke gerecht, was sodann gleichbedeutend ist mit Demokratie.

  2. Laodicea war der Name von mehreren griechischen Städten in Kleinasien. Am wohl allerbekanntesten ist jedoch Laodicea in Phrygien, an dessen Gemeindevorsteher dieses Sendschreiben gerichtet ist. Die Stadt befand sich östlich von Ephesus und südöstlich von Philadelphia im Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen, dort wo der Asopos und der Kapros in den Fluß Lykos münden, im Grenzgebiet von Karien und Phrygien.

    Laodicea war damals die Hauptstadt von Phrygien und lag gegenüber von Hierapolis und unterhalb von Kolossä am unteren Ende des Lykos-Tales, ungefähr 180 km südöstlich von Smyrna. Der Lykos (= lukoV) oder Lycus ist wiederum ein Nebenfluß des Mäander. Der Mäander oder Maiandros (= maiandroV), der heute Menderes heißt, ist ein Fluß, etwa 400 km lang, der in das Ägäische Meer mündet, und zwar südlich der Insel Samos. In der antiken Legende war er bekannt für seine Wanderungen. Damals floß er durch den Norden von Karien und an oder bei seinem Ufer waren die antiken Städte Laodicea, Magnesia und Miletus oder Milet. Phrygien bedeutet: dürre, trocken. Das Land soll schwarz und aschenfarbig sein, als wäre es ausgedörrt. Das ist vielleicht auch schon ein Hinweis auf den Zustand der Gemeinde dieses letzten Sendschreibens.

    Durch den Einbruch der Kimmerier wurde der Staat der Phrygier um 690 v. Chr. vernichtet. Ihr letzter König Midas erlag 695 v. Chr. dem Angriff der Kimmerier, wobei die Reste des Volkes seitdem unter fremde Herrschaft gerieten. Um 600 v. Chr. wurde Phrygien lydisch, dann persisch; in hellenistischer Zeit zwischen Galatien, Bithynien und Syrien geteilt. Die von den Phrygiern getragene phrygische Mütze mit ihrer Kegelform und ihrer ausgestopften Spitze (etwa eine kegelförmige Zipfelmütze) benutzen heute noch die neapolitanischen Schiffer. Von ihnen wurde sie während der Französischen Revolution in etwas abgewandelter Gestalt mit hängender Troddel als Jakobinermütze (französisch: bonnet rouge) übernommen. Den Jakobinern und den französischen Galeerensträflingen zur Zeit der Französischen Revolution galt sie als Symbol der Freiheit.

    Der römische Schriftsteller Secundus Plinius, der Ältere (23-79 n. Chr.), weiß zu berichten, daß die an dieser Stelle vorher einmal bewohnte Fläche im Laufe der Zeit drei verschiedene Namen trug und zwar: Kydrara, Diospolis und Rhoas. Im Jahre 261 v. Chr. wurde dort Laodicea neu erbaut. Seleukos I. Nikator (= Sieger), ein Feldherr Alexanders des Großen, war danach Satrap (= Statthalter) des Königs Ptolemäus I. Soter (= Heiland), machte sich aber im Jahre 312 v. Chr. unabhängig und war dann Begründer und König des Reiches der Seleukiden (356-281 v. Chr.). Sein Reich war das größte der Diadochenreiche. Diadochen ist griechisch und bedeutet: Nachfolger durch Übernahme. Einer der syrischen Könige aus der Dynastie der Seleukiden war Antiochus oder Antiochos II. Theos (= Gott), ein Enkel des Seleukos I. Nikator (= Sieger), lebte von 287-246 v. Chr., war seit 261 v. Chr. König, und als solcher bekämpfte er seinerzeit die Expansion Ägyptens in Kleinasien. Laodicea wurde deshalb durch ihn gegründet und nach seiner Schwestergemahlin Laodike benannt.

    Im Jahre 252 v. Chr. verstieß Antiochos II. Theos (= Gott) seine Gemahlin Laodike und heiratete Berenike, die Tochter des Ägypterkönigs Ptolemäus II. Philadelphos (= Liebhaber der Schwester). Auch diese Ehe war kein Erfolg, da sie nicht dem Willen Gottes entsprach. Laodike ließ aus Rache ihren früheren Gatten Antiochos II. Theos (= Gott) im Jahre 246 v. Chr., einige Jahre nach seiner Heirat mit Berenike, vergiften und ebenso den kleinen Sohn aus dieser Ehe. Daraufhin floh Berenike dann sofort mit einigen Getreuen nach Daphne (bei Antiochia). Seleukos II. Kallinikos (= der Siegreiche), der Sohn der Laodike, der dann als Nachfolger seines Vaters von 246-226 v. Chr. auf Geheiß seiner Mutter als König herrschte, folgte ihr dorthin, nahm diese Stadt ein, und brachte sodann Berenike samt ihrem Gefolge um. In dieser Zeit starb auch Ptolemäus II. Philadelphos (= Liebhaber der Schwester), der Vater von Berenike, der von 285-246 v. Chr. als König von Ägypten regierte. Ptolemäus III. Euergétés (= Wohltäter) übernahm dann die Herrschaft seines Vaters Ptolemäus II. Philadelphos (= Liebhaber der Schwester). Als Bruder von Berenike wollte er sie wiederum rächen. Er mobilisierte ein mächtiges Heer und besiegte in einer Reihe von Kämpfen Seleukos II. Kallinikos (= der Siegreiche). Dabei eroberte Ptolemäus III. Euergétés (= Wohltäter), der von 246-221 v. Chr. herrschte, u. a. auch die syrische Festung Seleukia.

    Im Buch Daniel heißt es dazu: Und der König des Südens wird mächtig werden; aber gegen ihn wird einer seiner Fürsten noch mächtiger werden und herrschen; dessen Herrschaft wird groß sein. Nach einigen Jahren aber werden sie sich miteinander befreunden. Und die Tochter des Königs des Südens wird kommen zum König des Nordens, um die Einigkeit zu festigen. Aber sie wird keinen Erfolg haben, und auch ihr Nachkomme wird nicht bleiben, sondern sie wird preisgegeben werden samt denen, die sie gebracht haben, und mit dem, der sie erzeugt hat, und mit dem, der sie zur Frau genommen hat. Zu der Zeit wird einer aus ihrem Stamm emporkommen; der wird gegen die Heeresmacht des Königs des Nordens ziehen und in seine Festung eindringen und wird an ihnen seine Macht zeigen. (Dan. 11, 5-7).

    Die Elberfelder Übersetzung ist hier vielleicht etwas deutlicher (in Klammern die Erklärung dazu): Und der König des Südens (Ptolemäus I. Soter [= Heiland]) wird stark werden. Und einer von seinen Obersten (Seleukos I. Nikator [= Sieger]) wird stark werden über ihn hinaus und wird herrschen: seine Herrschaft wird eine große Herrschaft sein. Und nach Verlauf von Jahren werden sie sich verbünden (Ptolemäus II. Philadelphos [= Liebhaber der Schwester] und Antiochos II. Theos [= Gott]); und die Tochter des Königs des Südens (Berenike) wird zu dem König des Nordens (Antiochos II. Theos [= Gott]) kommen, um einen Ausgleich zu bewirken. Aber sie (Berenike) wird die Kraft des Armes nicht behalten (sie mußte fliehen), und er (Antiochos II. Theos [= Gott]) wird nicht bestehen noch sein Arm (seine Macht); und sie (Berenike) wird dahingegeben werden, sie (Berenike) und die sie eingeführt haben (ihre Getreuen), und der sie gezeugt (Ptolemäus II. Philadelphos [= Liebhaber der Schwester]), und der sie in jenen Zeiten unterstützt hat (Antiochos II. Theos [= Gott]). Doch einer von den Schößlingen ihrer Wurzeln (Ptolemäus III. Euergétés [= Wohltäter], der Bruder von Berenike) wird an seiner Statt aufstehen; und er wird gegen die Heeresmacht (des Seleukos II. Kallinikos [= der Siegreiche]) kommen, und wird in die Festungen des Königs des Nordens (die syrische Festung Seleukia) eindringen und mit ihnen nach Gutdünken verfahren, und wird siegen.

    Hierbei werden wir abermals an die Gespräche Jesu beim letzten Abendmahl mit den Jüngern erinnert: Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Nationen herrschen über dieselben, und die Gewalt über sie üben werden Wohltäter genannt. (Luk. 22, 25 - Elbf.). Der ehrende Beiname "Wohltäter" (griechisch: Euergétés = euerghthV) war damals häufig und beliebt.

    Wie die anderen Städte der sieben Sendschreiben gehörte auch Laodicea zur Zeit des Apostels Johannes zur römischen Provinz Asia (= Kleinasien). Nach dem Tode des Attalos oder Attalus III. Philometor (= Mutterliebe), König von 138-133 v. Chr., der 133 v. Chr. in seinem Testament die Römer als Erben seines Königreiches Pergamon einsetzte, kam auch Phrygien mit dem Pergamenischen Reich an die Römer. In den Jahren von 133-129 v. Chr. bildeten die Römer aus diesen Gebieten dann die römische Provinz Asia.

    Mit dem Anschluß an das römische Weltreich begann damals die höchste Blütezeit von Laodicea. Um Verwechslungen mit dem Laodicea in Syrien, dem Laodicea ad Mare, dem heutigen Latakia, zu vermeiden, nannte man das Laodicea in der Provinz Asia auch Laodicea ad Lycum, also Laodicea am Lykos-Fluß. Dann im Jahre 116 v. Chr. machten die Römer sie zur Gerichtsstadt, ja zu einem Zentrum, in das der römische Statthalter in regelmäßigen Abständen kam, um römisches Recht zu sprechen. Zur Zeit des Apostels Johannes war Laodicea eine äußerst wohlhabende Handelsstadt.

    So war Laodicea strategisch und gerade auch wirtschaftlich, sowie im Hinblick auf die römische Verwaltung, eine höchst bedeutende Stadt, die eine große Anziehungskraft für Geschäftsleute und Handwerker der damaligen Zeit hatte. Die ersten Juden kamen ins Land, als Antiochus oder Antiochos III., der Große (242-187 v. Chr.), König seit 223 v. Chr., etwa 2 000 jüdische Soldatenfamilien in Laodicea und in ganz Phrygien ansiedelte. Diese gründeten dort die wohl erste jüdische Gemeinde in ganz Kleinasien. Durch die blühende Wirtschaft und andere erfolgversprechende Aussichten wurden dann sogar viele Juden veranlaßt, das Land ihrer Väter, Israel, zu verlassen und es mit dem Luxus der Heilbäder in und um Laodicea zu vertauschen. Die Juden wurden dort überdies als nützliche Bürger angesehen, weil sie überall dorthin, wo sie sich niederließen, Geld und Geschäfte mitbrachten.

    Welche Bedeutung Laodicea im allgemeinen für die damalige Welt hatte, geht aus dem Sendschreiben an die christliche Gemeinde anhand von drei örtlich bedingten Merkmalen hervor:

    Das erste Merkmal war ihr großer Reichtum und Wohlstand, den sie sich durch ein kapitalbringendes Gewerbe und einen weltweiten Handel erworben hatte. Dieser Umstand führte dazu, daß Laodicea zu einem Zentrum der Hochfinanz und des kleinasiatischen Bankwesens wurde. Selbst Cicero (M. Tullius Cicero, 106-43 v. Chr.), der damalige römische Dichter und kaiserliche Konsul, suchte in dieser Stadt, als er im Jahre 53 v. Chr. den Osten bereiste, seine Kreditbriefe einzulösen, was er dann auch anderen empfahl zu tun. Tacitus (Cornelius Tacitus), der letzte bedeutende römische Geschichtsschreiber (55-120 n. Chr.), wurde im Jahre 112 n. Chr. Statthalter der römischen Provinz Asia. Er zählte Laodicea zu den hervorragendsten Städten dieser Landschaft und rühmte ebenfalls ihren großen Reichtum.

    Das zweite Merkmal dieser Stadt war ihre damals in aller Welt bekanntgewesene Heilkunst. Sie besaß eine bedeutende Ärzteschule, sowie eine berühmte pharmazeutische Industrie, in der zwei besonders wichtige Medikamente erzeugt wurden. Einmal war es eine aus Nardenöl hergestellte Salbe, die zur Heilung von Ohrenentzündungen diente und zum anderen war es das wohl noch bekanntere "tephra phrygia" (tejra jrugia), oder auf Deutsch: "phrygisches Pulver", ein Augenpulver, das damals als das weitaus beste Mittel gegen schwache und kranke Augen galt. Dieses bewährte Pulver aus Phrygien wurde in Tablettenform in alle Welt exportiert. Zur Behandlung mußten diese Tabletten dann gemahlen oder zerstoßen, mit Wasser angerührt und als teigige Paste als Augensalbe auf die kranken Augen aufgetragen werden.

    Das dritte Merkmal dieser Stadt war ihr Kleiderluxus, der auf eine konkurrenzlose Woll- und Bekleidungsindustrie zurückzuführen war. Laut geschichtlicher Überlieferung wurde nämlich in Laodicea eine besondere Rasse von schwarzen Schafen gezüchtet, deren Wolle man zu kostbaren Kleiderstoffen verarbeitete. Die Stadt war berühmt für die Herstellung von schwarzen Wollgewändern. Es wurden dort mindestens vier verschiedene Arten von Oberbekleidung produziert und in alle Welt exportiert, was natürlich für die Stadt Devisen brachte und ihren Wohlstand förderte.

    Dadurch wurde Laodicea auch zum Modezentrum der damaligen Welt, in dem der Kleiderluxus eine geradezu übertriebene und verwerfliche Rolle spielte. Die Modesucht hatte zur Folge, daß die Bewohner von Laodicea den Kleiderputz und die Attraktivität des Körpers über das Heil ihrer Seele stellten. Im großen und ganzen gesehen, ging es ja den Bürgern der Stadt so gut, daß sie weder von Gott, noch von den Menschen Hilfe brauchten. Sie glaubten, daß für Geld alles zu kaufen sei, auch das Heil der Seele. Vom Reichtum dieser Welt besaßen sie ja soviel, daß sie auch ohne Gott sehr gut auskommen konnten, so dachten sie es wenigstens.

    Aber der auferstandene Herr zerschlug ihnen den Nimbus (= lat. auch Heiligenschein) ihres vermeintlichen Wohlstandes, indem er zusammenfassend auf die drei hervortretenden Wohlstandsmerkmale anspielt:

    Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts! und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm (trotz Wohlstand!), blind (trotz Heilkunst!) und bloß (trotz Kleiderluxus!).

    Als ein großer Mangel erwies sich auch, daß die Stadt selbst keine ausreichenden Wasserquellen besaß. Das notwendige Wasser wurde daher von den mehr als 10 km nördlich von Laodicea gelegenen heißen Quellen aus der Nähe von Hierapolis mittels eines Aquädukts nach Laodicea geleitet, wo es dann allerdings nur noch lauwarm ankam. Es hatte dann weder seine heiße, heilende Wirkung behalten, noch war es kühl und erfrischend. In diesem Zustand schmeckte es dem Trinkenden nicht, der es dann lieber ausspie, als daß ihm davon übel würde. Von diesem Aquädukt sind jetzt noch größere Überreste vorhanden, die von dieser beträchtlichen baulichen Leistung der Stadt ein sichtbares Zeugnis abgeben. Im nur etwas weiter entfernten Kolossä gab es kalte Heilquellen, so daß Laodicea in ungefähr gleicher Distanz zu den warmen und kalten Quellen stand. Jedenfalls war es in jeder Hinsicht überaus entfernt von den Heilquellen.

    Laodicea spielte aber auch in kultureller Hinsicht für die damalige Welt eine bedeutende Rolle. Es gab dort mehrere Bildungs- und Vergnügungsstätten, sowie zwei große Amphitheater, deren Ruinen heute noch an die vergangene Herrlichkeit erinnern.

    Was die religiöse Bedeutung dieser Stadt betrifft, war sie im Vergleich zu anderen Städten kein Zentrum der Verehrung irgendeiner besonders berühmten Gottheit und zwar darum, weil das religiöse Interesse ihrer Bürger vom Reichtum und Wohlstand so gut wie ganz überwuchert und zerstört wurde. Außer dem Heilgott Men, der gleichbedeutend mit Asklepios Soter war, wurden dort keine anderen Götter mehr verehrt. Asklepios Soter, der Beiname "Soter" bedeutet "Heiland" (griechisch: asklepioV = asklepios), der antike Gott der Heilkunst, wurde von den Römern Aesculapius genannt und ist bei uns unter dem Namen Äskulap bekannt.

    Das Schicksal dieser Stadt im Blickfeld geschichtlicher Ereignisse ist wiederum bedeutsam. Laut geschichtlichen Angaben wurde Laodicea mehrere Male durch Erdbeben zerstört, und zwar in den Jahren 17 und 30 n. Chr., sowie dann in viel geringerem Maße in den Jahren 60, 62 und 66 n. Chr., wovon auch die umliegenden Städte Sardes, Philadelphia, Kolossä und Hierapolis mehr oder weniger schwer betroffen wurden. Von diesen Verwüstungen erholte sich Laodicea jedoch sehr schnell, so daß zur Zeit der Niederschrift des Sendschreibens die Stadt wieder in alter Blüte erstrahlte.

    Während der Kriege zwischen den Seldschuken, einem türkischen Volksstamm und einer Dynastie, beide benannt nach einem ihrer bedeutendsten Anführer, Seldschuk, und den Byzantinern im 12. Jahrhundert, der zeitweise den Bestand des Byzantinischen Reiches gefährdete, wurde in unmittelbarer Nähe von Laodicea die heutige türkische Stadt Denizli gegründet. Diese Stadt ersetzte fortan Laodicea, ist wunderbar gelegen, mit schönen Gartenanlagen und hat jetzt eine Eisenbahnverbindung nach Izmir, dem früheren Smyrna. Heute leben in Denizli etwa 30 000 Einwohner.

    Erst im Jahre 1402 n. Chr. wurde die antike Stadt Laodicea durch die wilden Mongolenhorden des Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) völlig zerstört. So daß dort, wo einst eine reiche, blühende und wohlhabende Stadt stand, heute nur noch ein weites, ödes Ruinenfeld anzutreffen ist, das bestenfalls von Wölfen, Füchsen und Schakalen bewohnt wird. Die Türken nannten die Stadt zunächst Ladikiya; heute trägt dieses Ruinenfeld nach einer der Ruinen den Namen Eski-Hissar, das heißt: Altes Schloß.

  3. Auf Grund der im Kolosser-Brief gemachten Andeutungen wird die Gründung der Gemeinde von Laodicea auf den Apostel Paulus oder, was allerdings wahrscheinlicher ist, seinen Schüler Epaphras zurückgeführt. Der Kolosser-Brief wurde von Paulus verfaßt, als er im Gefängnis war, notwendigste Angaben über Ort und Zeit fehlen. Kolossä war ebenfalls eine Stadt in Kleinasien in der Landschaft Phrygien, lag ebenso im Tal des Flusses Lykos (= lukoV), 17 km östlich von Laodicea, 20 km südlich von Hierapolis, wo auch die große Handelsstraße vorbeiführte, die von Ephesus ostwärts bis nach Syrien und weiter ins Zweistromland führte. Die dortige Christengemeinde war nicht von Paulus gegründet, sondern wahrscheinlich von seinem Mitarbeiter Epaphras aus Kolossä.

  4. Laodicea wird insgesamt sechsmal in der Bibel erwähnt, davon zweimal am Anfang der Offenbarung in Bezug auf dieses Sendschreiben und viermal im Kolosser-Brief. Der Apostel Paulus schreibt: Ich lasse euch aber wissen, welch einen Kampf ich habe für euch und für die zu Laodicea und alle, die meine Person im Fleisch nicht gesehen haben, auf daß ihre Herzen gestärkt und zusammengefügt werden in der Liebe und zu allem Reichtum des vollen Verständnisses, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. (Kol. 2, 1-3).

    Den Kolosser-Brief beendet Paulus mit den Worten: Es grüßt euch Epaphras, der einer von den Euren ist, ein Knecht Christi Jesu, der allezeit ringt für euch in seinen Gebeten, auf daß ihr dastehet vollkommen und erfüllt mit allem, was Gottes Wille ist. Ich gebe ihm Zeugnis, daß er große Mühe hat um euch und um die zu Laodicea und zu Hierapolis. Es grüßt euch Lukas, der Arzt, der Geliebte, und Demas. Grüßet die Brüder zu Laodicea und die Nympha und die Gemeinde in ihrem Hause. Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so sorget, daß er auch in der Gemeinde zu Laodicea gelesen werde und daß ihr den von Laodicea leset. Und saget dem Archippus: Siehe auf das Amt, das du empfangen hast in dem Herrn, daß du es ausrichtest! Mein Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenket meiner Ketten! Die Gnade sei mit euch! (Kol. 4, 12-18).

    Daraus sind mindestens fünf wichtige Einzelheiten ersichtlich:
    a) daß Paulus nicht persönlich in Laodicea war,
    b) daß sein Mitarbeiter Epaphras aus Kolossä kam,
    c) daß Laodicea in der Nähe von Kolossä und Hierapolis lag,
    d) daß Lukas, der Arzt, sein Begleiter war,
    e) daß er auch einen Brief an die Gemeinde zu Laodicea geschrieben hat,
    der aber offensichtlich verlorengegangen ist.

    In der Kirchengeschichte ist die Stadt einzig durch eine daselbst abgehaltene Synode (= griechisch) oder Konzil (lateinisch: concilium) bekannt, auf welcher die Heiligung des Sonntags und die zum Kanon gehörenden biblischen Bücher festgelegt wurden. Dieses Konzil zu Laodicea ermahnte sodann im Jahre 363 n. Chr. dazu, daß "in der Gemeinde nur die kanonischen Bücher des Alten und Neuen Testamentes gelesen werden sollten". Die bereits im Jahre 321 n. Chr. erfolgte Einführung des "dies soli", des Sonntag als Ruhetag, wurde hier ebenfalls noch einmal offiziell bestätigt und für verbindlich erklärt für die ganze Kirche. Die Festlegung der zum Kanon der Bibel gehörenden Schriften des Neuen Testamentes wurde dann auch kurz darauf erwähnt von Athanasius oder Athanasios, griechischer Kirchenlehrer, Bischof von Alexandria (295-373 n. Chr.).

    Dieser hat in seinem 39. Osterfestbrief im Jahre 367 n. Chr. die Aufeinanderfolge der 27 Bücher des Neuen Testamentes zum ersten Male so festgelegt, wie wir sie heute noch in unserer Bibel finden. Aber schon vor diesem Festbrief hat man Matthäus als erstes Evangelium aufgeführt: vermutlich enthielt die fehlende erste Zeile des Kanon Muratori (180 n. Chr.) seinen Namen. Irenäus, Bischof von Lyon, Kirchenvater (140-202 n. Chr.), der Schüler des Papias, setzte damals ebenfalls Matthäus an die Spitze der Evangelien (gleichfalls um 180 n. Chr.).

    Außerdem ist aus frühchristlicher Zeit noch ein Apollinaris von Laodicea bekannt, der die Überzeugung äußerte, daß es unmittelbar vor oder nach der Wiederkunft Jesu Christi ein Tausendjähriges Friedensreich geben wird, in dem der verherrlichte Christus und die Seinen unbeschränkt herrschen werden.

    Es ist sicherlich interessant zu wissen, daß es auch jetzt noch einen Prälaten des Ökumenischen Patriarchats von Laodikeia (= Laodicea) gibt, der IakoboV (= Iakobos oder Iakovos oder Jakobus) heißt und türkischer Staatsangehöriger ist. Das kann so ebenfalls als eine Tatsache gewertet werden, daß die ursprüngliche Gemeinde von Laodicea noch bis zur Wiederkunft Jesu Christi bestehen bleibt.

    Der Engel oder Stern der Gemeinde kann bis heute noch nicht sicher benannt werden. Vieles deutet allerdings darauf hin, daß Dr. Billy Graham, U.S.-amerikanischer Baptistenprediger (geb. 7.11.1918), diese Ehre zuteil werden könnte. Durch seine Massen-Evangelisationen in der ganzen Welt sind erwiesenermaßen viel mehr Menschen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen, als durch irgendeinen anderen Prediger oder Evangelisten unseres Jahrhunderts.

  5. Auch dieses Sendschreiben ist wiederum an den Engel der Gemeinde gerichtet, deren Name Laodicea, griechisch: Laodike·ia = Laodikeia, abgeleitet ist von laoV = laos, und von dikh = diké. Wie wir schon eingangs feststellen konnten, bedeutet er demnach: Volksherrschaft. Doch diese tiefe Bedeutung des Namens Laodicea kennzeichnet diese Gemeinde als eine Kirche der Pöbelherrschaft, ja, als eine dem Volke ausgelieferte, demokratische Kirche. Auf Grund ihrer überaus traditionellen Prägung und ihrer bürgerlichen Verfassung repräsentiert sie im wahrsten Sinne des Wortes die Volkskirche nach uns bekanntem, heutigen Muster, in der alles nach der jeweiligen Konjunktur und Meinung des Kirchenvolkes beurteilt und durch Massenabstimmung und Mehrheitsbeschlüsse in allen Gemeinschaften, Gruppen, Gremien und Großveranstaltungen entschieden wird.

  6. Wie auch die übrigen Namen der Gemeinden in Kleinasien eine Bedeutung haben, die bezeichnend ist für den Zustand der einzelnen Kirchen, so paßt auch geradezu perfekt der Name Volksherrschaft für die Gegebenheiten in der Versammlung von Laodicea. Die christliche Kirche steht in ihrem Endstadion vor uns, wie die Welt sie sich wünscht, wie sie den Leuten von heute gefällt. Dem unbekehrten Volk, das sich nicht mehr von Gottes Wort und Geist strafen lassen will, ist so eine gerade recht: eine Kirche ohne Christus, eine Schale ohne Kern.

    Mit den Lehren der Bibel kann es hier jeder halten wie er will. Das Evangelium, das uns die wunderbare Rettung durch Jesus Christus verkündigt, ist altmodisch und nicht mehr zeitgemäß. Der moderne Mensch kann doch nicht mehr an einen blutigen und dazu stellvertretenden Opfertod glauben. Die Wunder Gottes werden auf komplizierte wissenschaftliche Art und Weise zu erklären versucht. Schließlich wird der durch die andauernden Friedensschalmeien eingelullten Masse die Wiederkunft Jesu auf den in weiter Ferne liegenden Sankt-Nimmerleinstag verlegt. Diese Dinge sind schon längst abgetan, danach fragt doch überhaupt kein Mensch mehr.

    Mit einem Wort: Es ist dies eine substanz- und autoritätslose Kirche, in der leider alles nach dem Urteil und Denken der Masse bewertet und entschieden wird, im Gegensatz zu dem Beschluß der Apostel und Ältesten in Jerusalem: Denn beschlossen haben der heilige Geist und wir, euch keine Last weiter aufzulegen als nur diese nötigen Stücke. (Apg. 15, 28).

    Der Schreibbefehl des erhöhten Herrn lautet ganz ähnlich wie bei allen anderen Briefen: Und dem Engel der Gemeinde zu Laodicea schreibe. Das bedeutet nun wiederum: protokolliere, halte schriftlich fest, was du hörst für die kommenden Geschlechter und Generationen.

    Der Absender dieses Sendschreibens stellt sich auch hier wieder, wie schon zuvor bei den anderen Briefen, mit einem für die Situation der Gemeinde überaus bedeutsamen Titel vor: Das sagt, der da Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes. Einer Kirche, die das Wort Gottes als überlebtes Märchenbuch betrachtet, stellt sich der erhöhte Herr vor als der, der da Amen heißt. Das hebräische Wort "Amen" ist das göttliche Siegel der absoluten Wahrheit und Gewißheit, und ist so gleichbedeutend mit dem griechischen: amhn, amhn (= wahrlich, wahrlich), das Jesus Christus sehr oft an den Anfang einer besonders entscheidenden Aussage stellt, wie uns der Apostel Johannes vielfach in seinem Evangelium bezeugt.

    Demnach ist auch das Wort Gottes des Alten und des Neuen Testamentes nichts anderes als die Manifestation dessen, der sich selbst in der Zusammenfassung alles Sichtbaren und Unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Obrigkeiten, als das Amen Gottes nennt. Der Apostel Paulus bezeugt: Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne vor allen Kreaturen. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde; er, der der Anfang ist, der Erstgeborne von den Toten, auf daß er in allen Dingen der Erste sei. Denn es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle Fülle wohnen sollte und alles durch ihn versöhnt würde mit Gott, es sei auf Erden oder im Himmel, dadurch daß er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz. (Kol. 1, 15-20).

    Das meinte auch schon der Apostel Paulus, als er damals schrieb: Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zu Lobe. Gott ist's aber, der uns befestigt samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat. (2. Kor. 1, 20-22). Das heißt, mit anderen Worten, daß Jesus Christus das göttliche Amen, ja die unbedingte Garantie für alle Gottesverheißungen ist.

    Er ist auch der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes. Damit ist der Kronzeuge, ja der Martyros (= marturoV), der Glaubens- und Blutzeuge des lebendigen Gottes gemeint, der sein Zeugnis durch den Kreuzestod auf Golgatha vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt ein für allemal abgelegt hat. Jesus bekräftigte das, als er vor Pilatus stand: Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. (Joh. 18, 37).

    Er ist auch der Anfang der Schöpfung Gottes. Mit dieser Aussage werden wir im Geiste in die unergründlichen Tiefen der vorweltlichen Ewigkeiten zurückversetzt, und dort wird uns gezeigt, daß Jesus Christus selbst die einzige, höchste und letzte Weisheit Gottes im ganzen Universum ist. Denn alle Initiative in der Natur, sowie in der Heils- und Weltgeschichte geht auf die Tätigkeit seines schöpferischen Geistes zurück, so daß er in allen Dingen den Vorrang hat. Paulus beschreibt das der Gemeinde zu Kolossä: Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde; er, der der Anfang ist, der Erstgeborne von den Toten, auf daß er in allen Dingen der Erste sei. (Kol. 1, 17-18).

    Das Evangelium nach Johannes beginnt mit der für uns doch überaus wichtigen Erklärung: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. (Joh. 1, 1-5). Weiter bezeugte Johannes: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh. 1, 14).

    Der Hebräer-Brief hat an seinem Anfang ebenfalls die nicht weniger klare Aussage: Nachdem vorzeiten Gott manchmal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat Gott gesetzt zum Erben über alles; durch ihn hat er auch die Welt gemacht. Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von unsren Sünden und hat sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der Höhe und ist so viel höher geworden als die Engel, so viel erhabener der Name ist, den er von ihnen ererbt hat. (Hebr. 1, 1-4).

    Paulus sagte von sich selbst: Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade, den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi und ans Licht zu bringen, wie Gott seinen geheimen Ratschluß ausführt, der von Weltzeiten her verborgen war in ihm, der alle Dinge geschaffen hat; auf daß jetzt kund würde an der Gemeinde den Mächten und Gewalten im Himmel die mannigfaltige Weisheit Gottes. Diesen ewigen Vorsatz hat Gott ausgeführt in Christus Jesus, unserm Herrn, durch welchen wir haben Freimut und Zugang in aller Zuversicht durch den Glauben an ihn. (Eph. 3, 8-12).

    Der König Herodes Agrippa I. (regierte von 37-44 n. Chr.), starb im Jahre 44 n. Chr. einen furchtbaren Tod (Apg. 12, 20-23), von dem auch der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtete. Sein Sohn Herodes Agrippa II. (regierte von 50-95 n. Chr.) besuchte im Jahre 60 n. Chr. den neuen Landpfleger (Statthalter oder Procurator) Porcius Festus in Cäsarea, wo Paulus als Gefangener von Antonius Felix zurückgelassen worden war. Agrippa bat Festus um ein Gespräch mit Paulus, was dieser dann für den nächsten Tag zusagte. Nebenbei bemerkt, Porcius ist lateinisch und bedeutet: Schwein, so das Biblische Namen-Lexikon.

    Paulus verantwortete sich daraufhin vor Festus und Agrippa und gab Zeugnis von seiner Bekehrung u. a. mit den Worten: Daher, König Agrippa, war ich der himmlischen Erscheinung nicht ungehorsam, sondern verkündigte zuerst denen zu Damaskus und zu Jerusalem und im ganzen jüdischen Land und auch den Heiden, daß sie Buße täten und sich bekehrten zu Gott und täten rechtschaffene Werke der Buße. Um deswillen haben mich die Juden im Tempel gegriffen und versuchten, mich zu töten. Aber mit Gottes Hilfe stehe ich da bis auf diesen Tag und gebe Zeugnis den Kleinen und Großen und sage nichts, als was die Propheten und Mose gesagt haben, daß es geschehen sollte: daß der Christus sollte leiden und der erste sein aus der Auferstehung von den Toten und verkündigen das Licht dem Volk und den Heiden. (Apg. 26, 19-23).

    Ähnlich hat Paulus über Jesus Christus auch an die Gemeinde zu Ephesus geschrieben: Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und was sonst genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen; und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allen erfüllt. (Eph. 1, 20-23).

    Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten schließt auch die Befreiung alles Geschaffenen aus dem Zwang des Vergehens in sich, wie Paulus es im Römer-Brief erklärt: Denn ich halte dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet, daß Gottes Kinder offenbar werden. Es ist ja die Kreatur unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren Willen, sondern um des willen, der sie unterworfen hat - auf Hoffnung; denn auch die Kreatur wird frei werden von der Knechtschaft des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnet sich mit uns und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir haben des Geistes Erstlingsgabe, sehnen uns auch bei uns selbst nach der Kindschaft und warten auf unsers Leibes Erlösung. Denn wir sind wohl gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht ist nicht Hoffnung; denn wie kann man des hoffen, das man sieht? Wenn wir aber des hoffen, das wir nicht sehen, so warten wir sein in Geduld. (Röm. 8, 18-25).

    Etwas weiter im selben Kapitel bestätigt Paulus: Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf daß derselbe der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern. (Röm. 8, 29). Die neue Schöpfung beginnt bei uns selbst durch die Versöhnung mit Gott, wie Paulus den Korinthern bezeugt: Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden! Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. (2. Kor. 5, 17-18).

    Dieses neue Wesen erkennt man bei der Gemeinde zu Laodicea nicht mehr. Sie sollte ebenfalls ein treuer und wahrhaftiger Zeuge Jesu Christi in der Welt sein, der Anfang der neuen Schöpfung Gottes auf Erden. Zu der Zeit wurde niemand Vorsteher einer Gemeinde, ohne daß er aus Gott geboren war. Ebenfalls wurde damals niemand zur Gemeinde Jesu Christi gezählt, der dieses kostbare Erlebnis der Wiedergeburt nicht selbst am eigenen Leibe erfahren hatte. Das hat sich bis heute nicht geändert, denn Gott rechnet auch jetzt keinen Menschen zu seiner Gemeinde, er sei denn wahrhaftig aus Gott geboren. In unserer Zeit zählen auch die bekennenden Gemeinschaften oft mehr Mitläufer, als wahre Gläubige. Deshalb kann es nicht klar genug gesagt werden: Fromme Mitläufer sind trotz aller christlichen Aktivität auf dem Weg zur Hölle!

    Auch dieser Gemeinde zu Laodicea bezeugt der erhöhte Herr sich als der Allwissende: Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.

    Der allwissende Herr überrascht seine Gemeinde mit dieser Botschaft und läßt es sie wissen, daß er sie erforscht und durchschaut hat. Es gibt hier kein einziges Wort der Anerkennung. In der Gemeinde ist alles lau geworden, wie das Wasser von Laodicea. Kaltes Wasser mag erfrischend sein, jedenfalls wird es hier nicht als negativ hingestellt. Warmes Wasser ist eher heilsam, aber in Laodicea war es auf dem Wege dorthin lau geworden. Die Erfahrung zeigt, wer das Evangelium Jesu Christi noch nie richtig gehört hat, ist eher ansprechbar dafür, im Gegensatz zu jemandem, der sein ganzes Leben lang immer lauwarm berieselt worden ist. Johann Albrecht Bengel sagte einmal dazu: "Wenn einer kalt ist (wie nun zum Beispiel ein purer Heide) und es stößt auf ihn die Predigt vom Reich Gottes, so spürt er alsbald, wie er bisher so weit davon weg gewesen sei - und da ist er dann bald gewonnen!"

    Søren Kierkegaard, der bekannte dänische Theologe und Philosoph (5.5.1813-11.11.1855), hatte im Gegensatz zu eifrigen Christen dann auch solche die lau und unverblindlich waren ausgemacht. Diesen Unterschied beschrieb er nun so:
    Es gibt zwei Arten von Christen:
    den Nachfolger Jesu
    und dann die billige Ausgabe davon,
    den Bewunderer Jesu.

    Wie das bei den täglichen "Aktionen" im Warenhaus der Fall ist, so präsentiert man auch im christlichen Bereich allerlei "Billigware", eben ein billiges Evangelium. Dadurch wird kein Leben verändert, denn die Gemeinde unterscheidet sich nicht von der Welt. Ermahnungen erfolgen dann oft im Stile des Priesters Eli, als er von den Sünden seiner Söhne erfuhr: sprach er zu ihnen: Warum tut ihr solche bösen Dinge, von denen ich höre im ganzen Volk? Nicht doch, meine Söhne! Das ist kein gutes Gerücht, von dem ich reden höre in des Herrn Volk. Wenn jemand gegen einen Menschen sündigt, so kann es Gott entscheiden. Wenn aber jemand gegen den Herrn sündigt, wer soll es dann für ihn entscheiden? Aber sie gehorchten der Stimme ihres Vaters nicht; denn der Herr war willens, sie zu töten. (1. Sam. 2, 23-25).

    Es ist leider weithin nicht mehr so, daß die Gemeinde die Welt beeinflußt, sondern es ist eher umgekehrt, die Welt beeinflußt die Gemeinde. Jakobus, ein leiblicher Bruder des Herrn, warnt uns eindringlich: Ihr Abtrünnigen, wisset ihr nicht, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Der Geist, den Gott hat in uns wohnen lassen, begehrt und eifert? (Jak. 4, 4-5).

    Der Apostel Paulus schreibt an seinen Mitarbeiter Timotheus über die Verderbnis in den letzten Tagen: Das sollst du aber wissen, daß in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen. Denn es werden die Menschen viel von sich halten, geldgierig sein, ruhmredig, hoffärtig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, zuchtlos, wild, ungütig, Verräter, Frevler, aufgeblasen, die die Lüste mehr lieben als Gott, die da haben den Schein eines gottesfürchtigen Wesens, aber seine Kraft verleugnen sie; solche meide. (2. Tim. 3, 1-5).

    Durch den Propheten Amos hatte Gott schon gesagt, der äußerliche Gottesdienst tut's nicht: Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich keinen Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. (Amos 5, 21-24)

    Daran sehen wir, daß Jesus Christus die Echtheit seiner Gemeinde nicht nach ihrem fromm-religiösen Bekenntnis, auch nicht nach ihrer kirchlich-konfessionellen Zugehörigkeit und erst recht nicht nach der Oberflächlichkeit ihrer nach außen hin attraktiven und imponierenden Erscheinung beurteilt, nein, sondern einzig und allein nach dem inneren Wertgehalt ihrer geistlichen Struktur und Temperatur.

    Die Eigenschaftsbezeichnung "kalt" ist die Grundtemperatur eines Körpers oder Stoffes in seinem Naturzustand.
    Die Eigenschaftsbezeichnung "warm" ist wiederum die Wärme (-Energie), von der die Moleküle eines Körpers oder Stoffes in Bewegung gesetzt werden. Daher wird sie auch physikalisch als Bewegungsenergie bezeichnet.
    Dagegen ist aber "lau" die Eigenschaftsbezeichnung für die Mitteltemperatur eines mangelhaft erwärmten Körpers oder Stoffes.

    Mit anderen Worten: Lau ist kalt und warm zugleich und darum weder kalt noch warm. Die Lauheit hat nun einmal die Wärme ihrer Wärme und die Kälte ihrer Kälte beraubt; sie hat also beide um ihre wahre, gegensätzliche und einander ausschließende Natur gebracht. Demzufolge ist die Lauheit ein abgeschwächtes und hälftiges Gemisch von sich gegenseitig ausschließenden Gegensätzen, die deshalb unvereinbar sind und darum ekelerregend, widerlich, unbrauchbar und ungenießbar.

    Von den gleichen Gefahren einer zur Halbheit und Lauheit führenden Entwicklung war und ist leider auch das Glaubensleben vieler Christen ernstlich bedroht und gefährdet. Eine oberflächliche Bekehrung, ohne die vom Heiligen Geist gewirkten Heilsmerkmale, gleicht einer fromm-religiösen Oberflächenveredelung des alten, sündigen Menschen, der dann weder kalt noch warm, sondern lau ist. Das Ergebnis ist die schmerzhafte Erfahrung:
    Wer sich dem Herrn nur halb ergeben,
    Der führt ein wahres Jammerleben.
    Drum brich durch, es koste was es will,
    Sonst wird das arme Herz nicht still.

    Eine weitere Gefahr ist der Stillstand und damit die Rückwärtsentwicklung und Abkühlung eines im Eifer für den Herrn Jesus Christus brennenden Gläubigen. Darum sah sich auch der Apostel Paulus veranlaßt, an die Gemeinde in Korinth, stellvertretend für uns alle, diese Worte zu schreiben, die uns immer vor Augen stehen sollten: Solches widerfuhr jenen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf welche das Ende der Welt gekommen ist. Darum, wer sich läßt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle. (1. Kor. 10, 11-12).

    Ebenfalls sehr gefährlich für das Glaubensleben ist die Mischung zweier ungleicher Gegensätze und zwar:
    Weltliche Gesinnung + Christi Gesinnung = Halbheit, Lauheit;
    Christi Gesinnung + weltliche Gesinnung = Halbheit, Lauheit.

    Von dieser zur Halbheit und Lauheit führenden Entwicklung wurde leider nicht nur das Glaubensleben der damaligen Gemeinde zu Laodicea geprägt, sondern in viel stärkerem Maße auch noch die Kirche im Gemeindezeitraum von Laodicea. Dabei hat sie durch das unselige Paktieren mit dem Welt- und Zeitgeist ihr geistliches Gesicht verloren und ist, ohne es zu wissen, zur Karikatur einer fromm-religiösen Institution der christuslosen Kirche der Endzeit geworden. Diese Entwicklung wird ihren gottlosen Höhepunkt in der Welteinheitskirche unseres bald zu Ende gehenden Zeitalters erreichen.

    Infolge der üblen Halbheit und Lauheit sieht sich der erhöhte Herr veranlaßt, dieser Gemeinde seinen Herzenswunsch in geradezu leidenschaftlichem und beschwörendem Eifer zuzurufen: Ach, daß du kalt oder warm wärest! Der Ton dieser Worte ist so heftig, daß man über die Stärke der Gefühle, die dahinterstehen, nicht im Zweifel sein kann.

    Mit "kalt", griechisch: yucoV = psychos, wird die Gesinnung und das Wesen eines von Natur aus ungläubigen und gottlosen Menschen bezeichnet, der dem alte Adam entspricht. Mit "warm", griechisch: zeston = zeston, was siedend oder kochend heiß bedeutet, wird wiederum die Gesinnung und das Wesen eines in brennender Liebe an Jesus Christus gläubigen Menschen beschrieben. Damit ist gesagt, daß es keine echte Frömmigkeit ohne wahre Herzensbegeisterung für Jesus Christus geben kann. Diesen Wesensunterschied, den man dann bei einem Menschen sehen muß, beschreibt der Apostel Paulus im Römer-Brief: Gleichwohl herrschte der Tod von Adam an bis auf Mose auch über die, die nicht gesündigt hatten mit gleicher Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild des, der kommen sollte. Aber nicht verhält sich's mit der Gabe wie mit der Sünde. Denn wenn an eines Sünde viele gestorben sind, so ist viel mehr Gottes Gnade und Gabe vielen überschwenglich widerfahren durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus. (Röm. 5, 14-15).

    Das heißt mit anderen Worten: Habe doch den Mut, dich schon jetzt und hier dorthin einzuordnen, wo du auf Grund deiner geistlichen Gesinnung hingehören müßtest. Wehe aber dem, der zwischen den Fronten pendelt und nicht mehr weiß, wohin er gehört! Für den trifft die Tatsache jenes geflügelten Wortes zu: Ein halber Christ - ein ganzer Unsinn! Gottes Wort bezeichnet einen solchen haltlosen Zustand in Davids Danklied, denn der Herr handelt dann genauso an uns, wie wir uns zu ihm stellen: Gegen die Heiligen bis du heilig, gegen die Treuen bis du treu, gegen die Reinen bist du rein, gegen die Verkehrten bist du verkehrt. (2. Sam. 22, 26-27).

    In der Gemeinde zu Laodicea war die Glaubenshaltung lau. Im Grundtext steht für "lau" das Wort cliaron = chliaron und bedeutet "lauwarm". Demnach befindet sich die Gemeinde der Endzeit nach dem Urteil ihres Richters in einem ekelerregenden Zustand. Denn wie ein von der Wärme her nun abgekühltes, laues und abgestandenes Wasser durch seinen widerlichen Geschmack zum Erbrechen und Ausspucken reizt, so wirkt auch der ökumenische Einheitsbrei der christuslosen Kirche der Endzeit auf das Geschmacksempfinden des erhöhten Herrn.

    Im Hinblick darauf sucht nun der Herr Jesus Christus sich mit einer drohenden Gebärde der Ablehnung und des Ekels von ihr abzuwenden. Dieses tragische Handeln des Herrn kann wohl nicht persönlicher und eindringlicher ausgedrückt werden, als mit den Worten: ... werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Die genaue Übersetzung von " ... so werde" ist sogar "ich stehe im Begriff, ...". Diese Drohung hat jedoch der erhöhte Herr an der Endzeit-Gemeinde leider bereits wahr gemacht, so daß sie als Folge dessen nun in ihrer geschichtlichen Entwicklung die Struktur einer christuslosen Kirche der Endzeit eingenommen hat. Auf Grund ihrer inneren und äußeren Prägung stellt sie bedauerlicherweise nur noch eine kraft- und substanzlose Attrappe, ja, ein täuschendes Scheingebilde dar, das nach dem Normalmaß einer in der Welt noch so einigermaßen gängigen, bürgerlich-frommen Religiosität zugeschnitten ist.

    Der wohl weitgehend bekannte russische Religions-Philosoph und Schriftsteller Nikolaj Alexandrowitsch Berdjajew (19.3.1874-23.3.1948) erwähnte in einem seiner Bücher die traurige Beobachtung, daß es so viele halbe Christen gibt und schreibt dazu:
    Die Christen leben in zwei Rhythmen:
    Erstens, in einem religiösen, kirchlichen Rhythmus, von dem nur ein Bruchteil ihrer Tage und Stunden bestimmt wird.
    Zweitens, in einem weltlichen, unreligiösen Rhythmus, dem beinahe ihr ganzes Leben unterworfen ist. Der Kommunismus ist darum zu verstehen als eine Auflehnung gegen die Lüge der entarteten christlichen Welt.

    Das sagt Berdjajew nicht etwa als Gegner des Christentums, sondern als ein Mann, der selbst ein überzeugter Christ war. Die Gegner des Christentums aber schaden ihm nicht halb so viel, wie die Halbheit der vielen, die sich zwar dennoch Christen nennen, jedoch nicht nach den Worten Christi leben. Allerdings, wer von uns ist wohl in dieser Hinsicht gänzlich frei von Schuld? Darum sagt auch Dr. Martin Luther: Gott kann nichts halbes dulden, er will den ganzen Menschen haben. Ein Dichter drückte es so aus: Die Halbheit taugt in keinem Stück, sie treibt noch hinter's Nichts zurück.

    Jesus gibt dann die Worte des Vorstehers der Gemeinde wieder: Du sprichst: Ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts! und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Bei seinem Erdenwandel hatte Jesus schon gesagt: Weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin. Weh euch, die ihr hier satt seid! denn euch wird hungern. Weh euch, die ihr hier lachet! denn ihr werdet weinen und heulen. (Luk. 6, 24-25).

    Der fromme Kirchenlehrer Thomas von Aquin oder Aquino (1227-7.3.1274 n. Chr.) sah einst in einer großen Kathedrale einen Prälaten, der das Opfergeld aus dem Opferstock zählte. Mit leiser Ironie sagte der Prälat dabei: "Bruder Thomas, die Kirche braucht gottlob nicht mehr wie in den ersten Tagen mit Petrus zu sagen: 'Silber und Gold habe ich nicht'(Apg. 3, 6); denn wie du siehst, ist die Kirche reich geworden." Darauf antwortete Thomas von Aquino: "Jawohl, hochwürdiger Vater, darum kann sie auch nicht mehr mit Petrus zu dem lahmen Mann sagen: 'Im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und wandle!'(Apg. 3, 6)".

    Dieses Bild charakterisiert die geistliche Lage unserer Zeit. Neben all dem materiellen Reichtum ist in der heutigen Kirche auch viel Religiosität, aber wenig echter Glaube vorhanden. Der Apparat eines gut organisierten Vereinslebens läuft auf Hochtouren unter dem Namen: Reichsgottesarbeit. Aber was sie eigentlich haben müßte, nämlich Kraft und Vollmacht aus der Höhe, das hat sie leider nicht. Deshalb geschieht auch so wenig oder gar nichts mehr in ihr und durch sie. Es ist eine gefährliche Unwissenheit der wahren Situation in dieser selbstherrlichen, vom Hochmut verblendeten Kirche der Endzeit.

    Die vom Herrn gestellte Glaubensdiagnose lautet: du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß. Diese Worte klingen verblüffend ähnlich mit dem Inhalt der geheimnisvollen Schrift an der getünchten Wand des königlichen Palastes von König Belsazer im alten Babylon: Mene mene tekel u-parsin. (Dan. 5, 25). Mene bedeutet, Gott hat deine Tage gezählt, Tekel, das ist, man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden. Peres, das ist, dein Reich ist zerteilt. (Dan. 5, 26-28).

    Im Blick auf diese vom Herrn geschilderte Gemeindesituation muß man sich unwillkürlich fragen, wie das wohl möglich ist, daß eine christliche Gemeinde in einen derart verlotterten Zustand hineingeraten kann, ohne es auch nur im Geringsten zu ahnen und zu merken. An dieser Not sind die geistlichen Führer aller Zeiten schuld. Darüber klagte auch schon der Prophet Jeremia: Weh euch Hirten, die ihr die Herde meiner Weide umkommen laßt und zerstreut! spricht der Herr. (Jer. 23, 1).

    Mit den Worten: du bist elend, wird im allgemeinen das Aussehen eines sehr kranken Menschen beschrieben, der unter den Folgen einer schleichenden Krankheit leidet und dahinsiecht. Im Vergleich dazu gebraucht auch der Apostel Paulus diesen Ausdruck, um die Sinnlosigkeit jedes Versuches der Selbsterlösung aufzuzeigen, die auch er als nutzlos erfahren hatte: Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes? Ich danke Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! (Röm. 7, 24).

    Jämmerlich sein ist ein erbarmungswürdiger Zustand. Wer unverschuldet da hineingerät, ruft das Mitleid seiner Mitmenschen hervor. Wer aber selbst aus eigener Schuld in diesen Zustand hineinkommt und dann so tut, als wäre alles in Ordnung, der sucht sich selbst - und andere mit - zu täuschen.

    Arm sein ist ein schwerer Stand, aber keine Schande. Anders aber ist es bei dem, der, wie Laodicea, den äußeren Reichtum über das Heil seiner Seele stellt und ihn als ebenbürtigen Ersatz für ewige Werte ansieht. Der ist arm und leidet genauso an Begriffsverwirrung, wie der reiche Kornbauer im Evangelium: ... und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von der fordern; und wes wird's sein, das du bereitet hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich für Gott. (Luk. 12, 19-21).

    Unter allen körperlichen Gebrechen mag wohl Blindheit am schwersten zu ertragen sein, und wer blind ist, der weiß es auch. Der Herr nimmt hier jedoch augenscheinlich Bezug auf die in Laodicea angesiedelte berühmte medizinische Schule für Augenärzte, sowie auf das damals allseits bekannte "tephra phrygia" (tejra jrugia) oder auf Deutsch: "phrygisches Pulver" (Pulver aus Phrygien, aus dessen Hauptstadt Laodicea), ein Augenpulver, das dort hergestellt wurde. Hier geht es jedoch um die geistliche Blindheit, von der nun die Gemeinde von Laodicea damals, wie auch heute, nichts wußte und weiß.

    Bei der Heilung eines Blindgeborenen war es so: Da fragten sie ihn abermals, auch die Pharisäer, wie er wäre sehend geworden. Er aber sprach zu ihnen: Einen Brei legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend. (Joh. 9, 15). Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf daß, die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden. Solches hörten etliche der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind? Jesus sprach zu ihnen: Wäret ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; nun ihr aber sprecht: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde. (Joh. 9, 39-41). Das alles zeigt uns doch: Wer geistlich blind ist und es nicht weiß, aber dann doch behauptet, sehend zu sein, der lebt in einem gefährlichen Selbstbetrug. Um zu sehen, wie die religiöse Obrigkeit der damaligen Zeit die Glaubensheilungen Jesu beurteiltet, lese man das ganze Kapitel 9 des Johannes-Evangeliums. Leider hat sich daran bis heute nichts geändert.

    Diese geistliche Blindheit der Gemeinde von Laodicea heute, wird zur Welteinheitskirche der Endzeit führen. Die Christenheit wird nach Ansicht des Tübinger Missionswissenschaftlers Prof. Peter Beyerhaus von einer Welle der Religionsvermischung bedroht. Es verstärken sich Bestrebungen, die verschiedenen Religionen und Weltanschauungen miteinander zu harmonisieren. "Es scheint so, als habe unsere kirchlich-theologischen Verantwortungsträger eine fatale Verblendung überkommen", sagte Beyerhaus auf dem Gemeinde- und Theologenseminar des Jungen Bruderrates der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium" in Osnabrück. Laut Beyerhaus verstärken ökumenische Kreise den interreligiösen Dialog mit der Begründung, daß eine Zusammenarbeit der Religionen unverzichtbar sei, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Wer sich diesem Prozeß verweigere, weil er an der Einzigartigkeit Jesu Christi festhalte, werde künftig zunehmend auf Intoleranz stoßen. (idea-Spektrum Nr. 10/1997)

    Völlig anders ist jedoch das Gebet des Apostels Paulus für die Gemeinde zu Ephesus: Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, daß der Gott unsers Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Er erleuchte die Augen eures Herzens, daß ihr erkennen möget, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, und welchen Reichtum an Herrlichkeit er den Heiligen beschieden hat, und was da sei die überschwengliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, die er in Christus wirken ließ. (Eph. 1, 15-20).

    Mit den Worten: ... und weißt nicht, daß du bist elend und jämmerlich, arm, blind und bloß ... , macht der erhöhte Herr aber noch auf einen anderen Mangel aufmerksam, die Blöße oder Nacktheit der Gemeinde von Laodicea. Nacktheit ist eine Folge des Sündenfalles und ein Zeichen der absoluten Armut, der Gottverlassenheit, Schande und Verworfenheit. Im biblischen Bericht heißt es dazu: Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. (1. Mose 3, 7).

    Ursprünglich war es nicht so gewesen; da war der Mensch wohl mit einem paradiesischen Herrlichkeitsgewand bekleidet und kannte darum weder Furcht noch Schamgefühl: Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht. (1. Mose 2, 25).

    Aber im Falle der Gemeinde von Laodicea geht es nicht um die äußere, sondern vielmehr um die innere Nacktheit, die ebenfalls eine Folge des Sündenfalles ist, so daß der erhöhte Herr es ihr zurufen muß: Du bist trotz deines übertriebenen Kleiderluxuses der Seele nach beschämend nackt und weißt es nicht. Innere Nacktheit und Schamlosigkeit zieht auch äußere Nacktheit und Schamlosigkeit nach sich. Denn was der Mensch innerlich besitzt, das bringt er immer auch nach außen hin zum Ausdruck. Diese durch Jesu Christi Blut und Gerechtigkeit im Diesseits nicht zugedeckte Nacktheit der Seele findet im Jenseits ihre furchtbarste Enthüllung.

    Dante Alighieri, der größte italienische Dichter (Mai 1265-14.9.1321 n. Chr.), hat in seinem Hauptwerk "Divina Commedia", seiner "Göttlichen Komödie", den nackten Zustand der verdammten Seelen im Jenseits in kaum zu überbietender Furchtbarkeit beschrieben und schließt seine Schilderung:
    Drum ist es recht,
    Drum ist es recht,
    Daß der unendlich leidet,
    Der sich um eitlen Tand
    Von Gottes Liebe scheidet.

    Das wußte auch der Apostel Paulus, und deshalb war er auch so sehr darum besorgt, an jenem Tage nicht nackt erfunden zu werden: Denn darum seufzen wir auch und sehnen uns danach, daß wir mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet werden, weil wir dann bekleidet und nicht bloß erfunden werden. Denn solange wir in dieser Hütte sind, seufzen wir und sind beschwert, weil wir lieber wollen nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von dem Leben. Der uns aber dazu bereitet hat, das ist Gott, der uns als Unterpfand den Geist gegeben hat. (2. Kor. 5, 2-5).

    Jesus Christus gibt der abgefallenen Gemeinde als letzte Chance für ihre Umkehr einen dreifachen Rat: Ich rate dir, daß du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, daß du reich werdest, und weiße Kleider, daß du dich antust und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße, und Augensalbe, deine Augen zu salben, daß du sehen mögest.

    Gold gehört zu den Edelmetallen und ist das Sinnbild für den Glauben und die Treue. Feuer dagegen ist das Sinnbild für Anfechtung, Leiden und Trübsal. So wie das Gold im Feuertiegel geläutert wird, so muß auch der Glaube, wenn er als echt erfunden sein soll, die Feuerprobe der Anfechtung und Trübsal bestehen. Dann wird es sich herausstellen, daß der unechte Kopfglaube in der Trübsal versagt und nur der wahre Herzensglaube darin geprüft und bewährt wird. Der Apostel Petrus, der Jünger, der einst seinen Herrn verleugnete, wurde durch die Trübsal zum sieghaften Glauben geführt, so daß er auch andere in der Trübsalshitze aufmuntern konnte: Darüber freuet euch, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. (1. Petr. 1, 6-7).

    Einerseits hat Jesus Christus den Kaufpreis schon selbst bezahlt, da er auch diese Gemeinde mit seinem Blut erkauft hat, das unvergleichlich mehr als das irdische Gold wert ist, denn es ist bewährt im Glutofen des Leidens und Sterbens des Unschuldigen auf Golgatha. Andererseits kostet es jedoch das alte Leben eines jeden Sünders, der ihm ganz gehören soll. Vielen Menschen scheint das alte, verpfuschte Leben mehr zu bedeuten, denn nur wenige nehmen das einmalige Angebot Gottes an: Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst ... (Jes. 55, 1).

    Im Altertum mußte der Angeklagte vor Gericht immer in schwarz gekleidet erscheinen. Wurde er dann zum Tode verurteilt, hat man ihn einfach entkleidet und dem hämischen Gespött der Leute preisgegeben. Einen Aufschub des Urteils gab es in der Regel nicht, die Vollstreckung desselben erfolgte unverzüglich. Bei den Römern wurde überdem der Verurteilte dann nackt ans Kreuz geschlagen. So wurde auch der Sohn Gottes, Jesus Christus von Nazareth, vor seiner Kreuzigung rücksichtslos entkleidet und verspottet. ... und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an ... (Matth. 27, 28) Und da sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpur aus und zogen ihm seine eigenen Kleider an und führten ihn hinaus, daß sie ihn kreuzigten. (Mark. 15, 20).

    Die Christen der Gemeinde von Laodicea hatten einst die Reinigung von ihren Sünden durch das Blut Jesu Christi erfahren. Allerdings haben sie dann durch Lauheit, Trägheit und Weltoffenheit ihre weißen Kleider der Unschuld verloren. Damit aber ihre Blöße nicht offenbar werde, bietet der erhöhte Herr ihnen aufs neue die Kleider des Heils und der Gerechtigkeit an. Mit diesen bekleidet, sollen sie dann in begeisterter Ergriffenheit wiederum jubeln und jauchzen können: Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. (Jes. 61, 10).

    Menschen mit fehlendem Sehvermögen gelten im praktischen Leben als blind. Blindheit ist ein bedauernswerter Zustand, denn er ist eine Zusammenfassung allen Elends. Wer blind ist, findet sich im Leben schwer zurecht, denn er ist auf fremde Hilfe angewiesen. Genauso ist es auch im geistlichen Leben. Wer geistlich blind ist, der sieht das Licht am hellen Tage nicht; er lebt dahin in einem religiösen Dämmerzustand. Er ist auch blind für das Licht des prophetischen Wortes und geht vernebelt und verträumt an den Zeichen der Zeit achtlos vorüber mit der gleichgültigen Bemerkung: Es war ja schon immer so.

    Deshalb heißt es auch:
    Wie ist die Welt so blind und tot
    Und schläft in Sicherheit
    Und meint, des großen Tages Not
    Sei noch so fern und weit!

    Und deswegen sollte die Bitte an den erhöhten Herrn lauten:
    Jesu, gib gesunde Augen,
    Die was taugen,
    Rühre meine Augen an;
    Denn das ist die größte Plage,
    Wenn am Tage,
    Man das Licht nicht sehen kann.

    Die göttliche Erziehungsmethode sollten wir auch bei unseren Kindern immer beachten: Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. Im Hebräer-Brief steht: ... der zu euch redet als zu seinen Kindern (Spr. 3, 11.12): "Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er straft einen jeglichen Sohn, den er aufnimmt." (Hebr. 12, 5-6). Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber danach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind. (Hebr. 12, 11).

    Das besagt doch, daß auch in der Gemeinde von Laodicea noch Seelen sind, die der Herr lieb hat. Darum sucht er sie heim mit mancherlei Anfechtungen und Trübsalen, um sie innerlich zu lösen von allen sie umgebenden Verlockungen dieser Welt. So sind auch in der großen Weltkirche noch Seelen, die ein tiefes Verlangen nach dem Herrn im Herzen tragen. Damit sie aber würdige Bürger des himmlichen Reiches werden können, muß der Herr sie durch mancherlei Leiden und Trübsal dafür zubereiten. Petrus schreibt: Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer am Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde, daß er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes lebe. (1. Petr. 4, 1-2).

    Da bei Gott immer die Gnade vor dem Gericht kommt, ergeht auch hier noch einmal der mahnende Bußruf: So mache dich auf und tue Buße! Buße tun, heißt eigentlich Sinnesänderung, Umdenken und Umkehr von dem verkehrten Wege zurück zu Gott. Sie ist das einzige Mittel, wodurch wir Gott gnädig stimmen und auch mit ihm ins Reine kommen können. Sie duldet keinen Aufschub, denn aufgeschoben ist hier aufgehoben. Im griechischen Urtext steht für Buße das Wort: metanoia = metanoia, was im Konkordanten Neuen Testament mit: Umsinnung übersetzt wird.

    Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.Siehe, bedeutet immer, es folgt jetzt eine wichtige Mitteilung, die nicht nur akustisch, sondern vielmehr optisch als Zeugnis für spätere Generationen festgehalten werden soll. Kein anderer und geringer als Jesus Christus, Gottes Sohn, der König aller Könige und Herr aller Herren, steht vor der Tür. Der kurz vor seiner Himmelfahrt gesagt hat: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (Matth. 28, 18).

    Dieser allmächtige Sohn des lebendigen Gottes, der Herr der Gemeinde, steht draußen vor der Tür. Welch eine Tragödie! Schon bei seinem Erdenwandel wurde er von den Menschen immer vor die Tür gesetzt. Da draußen verläuft seine ganze Lebensgeschichte, von seiner Geburt an, bis zu seinem Tode:
    ... denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. (Luk 2, 7).
    Und am Ende hat er: ... gelitten draußen vor dem Tor. (Hebr. 13, 12).

    Die mit dem Zeit- und Weltgeist paktierende, christuslose Kirche der Endzeit hat es nun soweit gebracht, daß sie für den Herrn der Gemeinde, der da wandelt unter den sieben Leuchtern, keinen Platz mehr in ihrer Mitte hat. Sie hat ihn mit all dem gottlosen Kram verdrängt und hinauskomplimentiert aus dem Raum der Gemeinde und hat dafür dem Zeit- und Weltgeist Tür und Tor geöffnet. Dieser ist, ohne auch nur zu zögern, mit seiner ganzen Verführung zur Ungerechtigkeit in jeder Form widerstandslos eingezogen.

    Das erinnert an die Geschichte von der Mutter mit den Kindern im Schlitten, die von Wölfen verfolgt wird, und die ein Kind nach dem anderen hinauswirft, um wenigstens das eine zu retten. Aber schon längst ist der Zeitpunkt gekommen, wo sie (die Kirche nämlich) auch dieses letzte Kind hinausgeworfen hat. Und das ist Jesus Christus, mit ihm hat sie allen Ballast abgeworfen!

    Wenn Jesus Einlaß begehrt, dann klopft er höflich an, das ist seine liebende und vornehme Art. Auch dann, wenn er durch Leid und Trübsal anklopfen muß, sind es doch Liebesabsichten. Dagegen aber steigt und bricht der Teufel überall dort ein, wo immer sich für ihn eine Gelegenheit bietet, denn er ist ein Dieb und Mörder von Anfang an. Ihr habt den Teufel zum Vater ... Der ist ein Mörder von Anfang ... (Joh. 8, 44) Wer nicht zur Tür hineingeht ... , der ist ein Dieb und Räuber. (Joh. 10, 1).

    Im Himmel gibt es nur Freiwillige, deswegen steht auch hier das unbestimmte Fürwort: so jemand. Das besagt, daß es jedem einzelnen freigestellt ist, sich für das Anklopfen des Herrn zu interessieren und darauf entsprechend zu reagieren. Dazu ermahnt Petrus: Und da ihr den als Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeglichen Werk, so führet euren Wandel, solange ihr hier als Fremdlinge lebt, mit Furcht. (1. Petr. 1, 17). Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person, Herkunft oder Stand.

    Wer im Stimmengewirr der Endzeit nicht irgendeine beliebige, sondern die Stimme seines guten Hirten heraushört, der ist gemeint. Jesus sagt: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir. (Joh. 10, 27). Weiter spricht Jesus: Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. (Joh. 18, 37). Und außerdem: ... und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Joh. 8, 32).

    Dazu gehört auch eine Bedingung, die wir zu erfüllen haben, nämlich: die Tür aufzutun. Obwohl Jesus Christus alle Schlüssel hat (Offb. 1, 18; Offb. 3, 7), mit denen er sich den Eingang zu den verschlossenen Räumen unseres Herzens verschaffen könnte, so wendet er trotzdem keine Gewaltmittel an. Er überläßt das Öffnen der Tür folglich dem Menschen selbst, denn hier erlaubt Gottes Liebe keinen Druck und Zwang, daher auch nur ein vorsichtiges, zartes Anklopfen. ... auf daß, wenn er kommt und anklopft, sie ihm alsbald auftun. (Luk. 12, 36).

    Wenn es hier heißt, zu dem werde ich eingehen, so sehen wir daran, daß es in der abgefallenen Kirche der Endzeit nicht mehr um die Masse, sondern nur noch um den Einzelnen persönlich geht. Zu dem wird er eingehen und ihn mit dem ganzen Reichtum seiner Herrlichkeit beglücken.

    Das Abendmahl ist so der Höhepunkt aller Gemeinschaft, die wir mit Jesus Christus erleben dürfen, denn darin teilt er sich uns selbst mit. Darum verpflichtet uns auch die Feier des Abendmahles zur Dankbarkeit und Anbetung für das vollbrachte Opfer der Erlösung durch Jesus Christus und erinnert uns an seine baldige Wiederkunft. Denn sooft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, verkündigt ihr des Herrn Tod, bis daß er kommt. (1. Kor. 11, 26).

    Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Throne zu sitzen, wie ich überwunden habe und mich gesetzt mit meinem Vater auf seinen Thron. Wer ein Überwinder ist und wodurch er sich in seinem Verhalten auszeichnet, haben wir in der Betrachtung der vorigen Sendschreiben bereits mehrfach erwähnt. Hier den Überwindern aus der Gemeinde von Laodicea, der in der Endzeit vorherrschenden Kirche, ist eine herrliche Zusage gegeben. Sie sollen nicht auf der Anklagebank, sondern mit Jesus Christus auf dem Richterthron sitzen. Das ist eine gewaltige, alles Denken überragende Verheißung, was auch durch andere Zeugnisse des Neuen Testamentes bestätigt wird. Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun die Welt soll von euch gerichtet werden, seid ihr dann nicht gut genug, geringe Sachen zu richten? Wisset ihr nicht, daß wir über Engel richten werden? Wieviel mehr über die zeitlichen Güter. (1. Kor. 6, 2-3).

    Wie alle Sendschreiben, erhält aus dieses die dringende Aufforderung des Herrn zum Hören, die auch hier, wie in den letzten vier Briefen, am Schluß des Sendschreibens steht: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Mit diesen Worten betont und unterstreicht der Herr Jesus Christus die Notwendigkeit des rechten Hörens. Dieses Hören kann nur dann erreicht werden, wenn der Heilige Geist dem Hörer die Ohren für seine Botschaft geöffnet hat, so daß er hört, wie ein Jünger. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, daß ich höre, wie Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. (Jes. 50, 4-5).

    Der Heilige Geist - und niemand anders - ist der alleinige kommissarische Verwalter der Gemeinde Jesu Christi auf Erden. Er steht deshalb in ständiger Verbindung mit den einzelnen Gliedern der Gemeinde Jesu Christi, welches da ist sein Leib, nämlich die Fülle des, der alles in allen erfüllt. (Eph. 1, 23).

    Seine Aufgabe an den Gliedern der Gemeinde sind:
    Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, (1) der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; (2) sondern was er hören wird, das wird er reden, (3) und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. (4) Derselbe wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. (Joh. 16, 13-14).

    Das Schlüsselwort: Laß nicht lau und träg dich finden!

    Die Dauer der Gemeinde zu Laodicea (Zeitraum): etwa von 1906 n. Chr. bis zur Wiederkunft Jesu Christi zur Entrückung der Gläubigen und der darauffolgenden Einmündung aller Religionen in die Welteinheitskirche der Endzeit, die in Kapitel 17 und 18 beschrieben wird. Die Dauer könnte rund 100 Jahre betragen, was aber erst noch durch die Zeichen der Zeit bestätigt werden muß.

  7. Bevor wieder die wichtigsten Ereignisse der Kirchen- und Weltgeschichte im Zeitraum der Gemeinde von Laodicea aufgelistet werden, sei erwähnt, daß der Siegeslauf des Evangeliums, durch den die großen Erweckungen vom 18. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts ausgelöst wurden, allmählich zu Ende gegangen ist. Als sehr bedeutsame Geschehnisse seien genannt:

  8. a) Im Jahre 1909 n. Chr. erfolgte durch jüdische Siedler die Gründung von Tel Aviv, somit der ersten rein jüdischen Stadt im zukünftigen Staat Israel.

    b) Im Jahre 1914 n. Chr. brach am 1. August, um 19 Uhr abends, der Erste Weltkrieg aus, der dann bis zum 11. November 1918 dauerte. Der unmittelbare Anlaß dafür war die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, des österreichisch-ungarischen Thronfolgers, und seiner Gemahlin, am 28. Juni, bei einem Attentat durch großserbische Nationalisten in Sarajewo. Völkerrechtlich beendet wurde der Erste Weltkrieg durch den Friedensvertrag von Versailles, der am 28. Juni 1919 im dortigen Schloß zwischen dem Deutschen Reich und den Allierten unterzeichnet wurde, also auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Attentat. Eine ganze Reihe von Bibelstellen mit Vorkommen der Zahl 5 legt den Schluß nahe, daß sie es mit Geringem, Kleinem und Schwachem zu tun hat. Als ein Zeichen für diese Deutung sieht die Jubiläumsbibel auch den königlichen Befehl aus dem durch eine Hungersnot furchtbar mitgenommenen Jerusalem nach dem plötzlichen Abzug der Belagerer: Man nehme fünf Rosse von denen, die noch drinnen sind übriggeblieben ... . (2. Kön. 7, 13). Eine Hand mit ihren fünf Fingern stellt nur eine halbe Kraft dar, während zwei Hände demnach die Fülle symbolisieren.

    c) Im Jahre 1917 n. Chr. gelten mehrere Ereignisse als geschichtlich sehr bedeutsam: Am 6. April erfolgte die Kriegserklärung der U.S.A. an Deutschland. Der Eintritt der U.S.A. war entscheidend für den Ausgang des Krieges. Dadurch trat die U.S.A. zum ersten Mal außerhalb Amerikas in einen Krieg ein, der die spätere Rolle der U.S.A. als führende Weltmacht und finanzkräftiges erstes Gläubigerland der Welt begründete. Am 13. Mai, einem Sonntag, war die erste Erscheinung des Engels des Lichtes in der Nähe von Fatima, der Weissagungen über die Endzeit machte. Das Attentat auf den jetzigen Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 um 17.17 Uhr erfolgte genau am 64. Jahrestag dieser ersten von sechs Erscheinungen. Man beachte deshalb wieder diese Zahl.

    Am 2. November wurde nun durch eine Erklärung des Lord Balfour, englischer Außenminister, die Förderung der Bemühungen um eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, dem Land ihrer Väter, zugesagt. Durch den damals nur zwanzig Jahre vorher unter dem Vorsitz von Dr. Theodor Herzl abgehaltenen ersten Zionistenkongreß in Basel und die dort erfolgte Gründung des Zionismus wurde dieser Erfolg nach langen Bemühungen ermöglicht. Am 6./7. November fand in Rußland die sogenannte Oktober-Revolution statt, die dann unter dieser Bezeichung später in die Geschichte eingegangen ist. Nach dem Kalender der orthodoxen Kirche erfolgte dieser Umsturz nämlich am 24./25. Oktober, deshalb verwendet man bis heute ausschließlich diesen Monatsnamen zur Bezeichnung. Durch die Machtergreifung der Kommunisten wurde eine Schreckensherrschaft eingeführt, die dann auch durch Bürgerkriege auf andere Ländern übergriff. Am 11. Dezember wurde Jerusalem durch den englischen General Allenby erobert. Das war genau 1260 Tage = 3 ½ biblische Jahre zu 360 Tagen nach dem Attentat in Sarajewo, das zum Kriegsausbruch führte. (Anm. Arthur James Balfour, britischer Staatsmann (1848-1930), war auch Premierminister von 1902-1907).

    d) Im Jahre 1918 n. Chr. endete das zweite deutsche Kaiserreich als der letzte Herrscher, Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), am 9. November abdankte und die Republik ausgerufen wurde. Am 11. November erfolgte dann die Kapitulation Deutschlands, womit der Erste Weltkrieg nach über vier Jahren beendet wurde.

    e) Im Jahre 1922 n. Chr. erfolgte die Machtergreifung der Faschisten in Italien durch Benito Mussolini (29.7.1883-28.4.1945).

    f) Im Jahre 1927 n. Chr. wurde der Irak von Großbritannien als unabhängiger Staat anerkannt. In diesem Land war das Paradies und dort lag auch Babylon, was für die Menschheit noch von Bedeutung sein wird, da es am Euphrat liegt, der in Offb. 9, 14 und 16, 12 genannt wird. Es war 30 Jahre nach dem ersten Zionistenkongreß in Basel. Zehn ist die politische Endzeitzahl, hier in Verbindung mit der Dreiheit von Drache, Tier und dem falschem Propheten (Offb. 16, 13).

    g) Im Jahre 1933 n. Chr. wurde am 30. Januar der Führer der nationalsozialistischen Partei, Adolf Hitler (20.4.1889-30.4.1945), zum Reichskanzler ernannt, für viele eher unerwartet. Durch diese Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgte eine Gewaltherrschaft in Deutschland, die bald zur Unterdrückung jeglichen Widerstandes führte. Dieses neue Dritte Reich erhielt dann die nationalsozialistische Suggestivbezeichnung: Tausendjähriges Reich, eindeutig in teuflischer Nachahmung des Friedensreiches Jesu Christi.

    h) Im Jahre 1937 n. Chr. schlug am 7. Juli eine englische Kommission unter der Leitung von Lord Peel die Teilung Palästinas mit einem jüdischen Staat vor. Dies war 40 Jahre nach dem ersten Zionistenkongreß in Basel, was in der Bibel als eine Generation gerechnet wird.

    i) Im Jahre 1938 n. Chr. fand am 9. November die sogenannte Reichskristallnacht statt, mit der die Vernichtung der Juden in Deutschland eingeleitet wurde, die durch das sogenannte Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. September 1935 in ihren Rechten bereits stark eingeschränkt waren.

    j) Im Jahre 1939 n. Chr. brach am 1. September der Zweite Weltkrieg aus, der durch den Überfall Deutschlands auf Polen ausgelöst wurde. Obwohl dieser Krieg in Europa am 8. Mai 1945 durch die Kapitulation der Deutschen Wehrmacht beendet wurde, dauerte er in Asien noch einige Monate länger. Erst am 2. September 1945 unterzeichnete Japan die Kapitulation seiner Streitkräfte, wodurch sich die Gesamtdauer des Zweiten Weltkrieges schließlich auf genau sechs Jahre hinauszögerte. Das ist in der Tat der Fall, wenn man auch noch die Zeitverschiebung berücksichtigt. Somit handelt es sich hierbei wieder um die biblische Zahl sechs, was immer sehr bedeutsam ist. Der Aufstieg Adolf Hitlers bis zum Höhepunkt seiner Macht nach der Besetzung von Böhmen und Mähren im Frühjahr 1939 (bevor Kriegsausbruch) dauerte ebenfalls sechs Jahre und sein Untergang von da an auch genau sechs Jahre.

    k) Im Jahre 1942 n. Chr. fand am 20. Januar in Berlin eine Konferenz statt, die später als "Wannsee-Konferenz" bekannt wurde. Dort wurde die systematische Ausrottung der Juden beschlossen, die als "Endlösung der Judenfrage" bezeichnet worden war.

    l) Im Jahre 1945 n. Chr. wurde erstmals am 6. August um 8.15 Uhr Ortszeit die Atombombe eingesetzt, die kurz zuvor "erfolgreich" getestet worden war. Dies geschah durch Abwurf von einem amerikanischen Flugzeug auf die japanische Großstadt Hiroshima. Dadurch war es dann zum ersten Male dem Menschen in die Hand gegeben, auf einmal die ganze Welt zerstören zu können. Das war zudem der Beginn des sogenannten Atomzeitalters, auch des Zeitalters der Angst.

    m) Im Jahre 1947 n. Chr. beschloß die UNO am 29. November die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Die Engländer hatten das Mandat (= vollmächtiger Auftrag), dieses Gebiet zu verwalten, nach dem Ersten Weltkrieg vom damaligen Völkerbund erhalten, nach dessen Auflösung sodann von der UNO. Dieser Teilungsplan entstand unter dem Eindruck der Ereignisse um die "Exodus". Dieses Schiff war im Sommer 1947 mit etwa 4 500 Flüchtlingen nach Palästina aufgebrochen, wurde dann aber bald auf hoher See von den Engländern zur Umkehr gezwungen. Die Juden, alles ehemalige KZ-Lagerinsassen, wurden von Frankreich aus zurück nach Deutschland geschickt, von woher sie ja gerade gekommen waren. Dies alles war nun genau 50 Jahre nach dem ersten Zionistenkongreß in Basel, was eine Hall- oder Jubeljahr-Periode darstellt.

    n) Im Jahre 1948 n. Chr. wurde am Abend des 14. Mai durch David Ben Gurion der Staat Israel ausgerufen. Sofort griffen die arabischen Armeen den jüdischen Staat von allen Seiten an, damit begann der 1. Nahostkrieg. Kümmerlich bewaffnet und zahlenmäßig weit unterlegen, gelang es Israel das Land zu verteidigen, bis durch Vermittlung der UNO ein Waffenstillstand zustande kam (im Februar 1949 mit Ägypten, im April mit Jordanien und im Juli mit Syrien). Ebenfalls im selben Jahre 1948 n. Chr. fand zugleich in Amsterdam die konstituierende Vollversammlung des Weltkirchenrates statt, unter der Teilnahme von etwa 148 Kirchen. Dieses Gremium ist ein Wegbereiter der Welteinheitskirche der Endzeit.

    o) Im Jahre 1950 n. Chr. hielt am 9. Mai der in Luxemburg (Stadtteil Clausen) geborene französische Außenminister Robert Schuman (29.6.1886-4.9.1963) seine berühmte Rede, später dann als Schuman-Plan bekannt, der zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) führte. - Dieser Anwalt aus Lothringen war im Ersten Weltkrieg deutscher Offizier und kannte deshalb das politische Hin und Her in dem Grenzgebiet, dem er ein für alle Male ein Ende bereiten wollte. Am 19. September 1946 hatte bereits der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill (30.11.1874-24.1.1965) in einer Rede in Zürich die Gründung der "Vereinigten Staaten von Europa" vorgeschlagen. Später, im Jahre 1955, hat ein Verfechter des Vereinigten Europa namens E. Lousse (in einer Schrift zur europäischen Vereinigung) gesagt: Es ist im wesentlichen so: Europa, die europäische Einheit, brauchen wir nicht erst zu schaffen, sondern lediglich wiederherzustellen.

    p) Im Jahre 1952 n. Chr. wurde dann am 10. September das Abkommen über die Wiedergutmachung der von den Juden erlittenen Schäden zwischen Deutschland und Israel durch Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer (5.1.1876-19.4.1967) und Außenminister Moshe Sharett in Luxemburg unterzeichnet. Dadurch sollte eine finanzielle Entschädigung von Deutschland geleistet werden für das durch die Nationalsozialisten den Juden bereitete Leid. Dies war übrigens auf den Tag genau acht Jahre nach der Befreiung der Stadt Luxemburg durch die Amerikaner.

    Der am 5. Juni 1947 von dem damaligen Außenminister George Catlett Marshall (31.12.1880-16.10.1959) verkündete und dann am 3. April 1948 vom Kongreß der U.S.A. verabschiedete Marshall-Plan (European Recovery Program), in Verbindung mit der Währungsreform vom 20. Juni 1948, zeigte ab jetzt seine volle Wirkung. Deutschland allein wurden in dieser Zeit bereits Kredite in Höhe von 1,39 Milliarden US-Dollar gewährt, die dann wesentlich zum Wiederaufbau der zerbombten Städte und deren Industrieanlagen beigetragen haben. Dadurch war die Wirtschaftsleistung von nur 80 Milliarden DM im Jahre 1949 auf 126 Milliarden DM im Jahre 1952 angestiegen. So hatte damals doch schon mit dem Eingeständnis der den Juden zugefügten Schuld das sogenannte Wirtschaftswunder in Deutschland begonnen, das seit einigen Jahren jedoch mit der Zuwendung zu den arabischen Staaten sein voraussehbares Ende gefunden hat. Gleiches gilt natürlich ebenfalls für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die gewiß unbewußt aus dem selben Grunde über hohe Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Stillstand klagen. Seitdem diese jetzt gemeinschaftlich die Araber eindeutig bevorzugen, mangelt es nun auch überall in diesen Ländern an dem Segen Gottes.

    q) Im Jahre 1956 n. Chr. begann am 29. Oktober der Sinai-Feldzug zur Öffnung der von Ägypten geschlossenen Meerenge von Tiran, dies wurde der 2. Nahostkrieg. Israel schlug erneut die ägyptische Armee, die an seiner südlichen Grenze aufmarschiert war.

    r) Im Jahre 1957 n. Chr. erfolgte am 25. März in Rom die Gründung von zwei weiteren der jetzt drei Europäischen Gemeinschaften durch die ursprünglich sechs (6) Staaten: Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg. Es war am Feste Mariä Verkündigung als pünktlich um 18.00 Uhr (6 Uhr abends) auf dem Kapitol zu Rom die Unterzeichnungszeremonie begann. Diese Zahlen haben wieder die bekannte biblische Bedeutung, ebenfalls auch, daß es genau 60 Jahre (6 x 10) nach dem ersten Zionistenkongreß in Basel geschah. Diese Römischen Verträge, wie sie später bezeichnet wurden, gelten so weiterhin als das Gründungsdokument der Europäischen Gemeinschaften. Der am 7. Februar 1992 in Maastricht unterzeichnete Vertrag über die Europäische Union ist nach Hinterlegung der letzten Ratifikationsurkunde am 1. November 1993 in Kraft getreten. Dieser Vertrag ist inzwischen noch einmal überarbeitet worden und liegt jetzt in einer neuen Fassung vor, die am 2. Oktober 1997, also 40 Jahre nach der Gründung, in Amsterdam unterzeichnet wurde. Auch dieser Vertrag ist im Archiv der Regierung der Italienischen Republik in Rom hinterlegt, da es sich dabei nur um eine Änderung der Römischen Verträge handelt.

    Aus dieser Europäischen Union wird sich sodann nach dem Dritten Weltkrieg die Welteinheitsregierung der Endzeit entwickeln, deren Ende genauso bereits im prophetischen Wort zu ersehen ist, und zwar eindeutig bei der Schlacht von Harmagedon (Offb. 16, 16). Das wird jedoch erst in dem betreffenden Kapitel betrachtet. Im selben Jahre 1957 wurde am 4. Oktober auch der erste künstliche Satellit durch Rußland in eine Umlaufbahn um die Erde gebracht; dieser hieß Sputnik (russisch für: Gefährte). Damit begann die Weltraumfahrt, die nach der Bibel sicher nicht dem Willen Gottes entspricht: Der Himmel ist der Himmel des Herrn; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. (Psalm 115, 16).

    s) Im Jahre 1967 n. Chr. begann am 5. Juni der Sechs-Tage-Krieg (bis 10. Juni) gegen Ägypten, Jordanien und Syrien, nachdem Ägypten wiederum die Meerenge von Tiran für die israelischen Schiffe gesperrt hatte. Zwei Tage später, am 7. Juni (einem Mittwoch), wurde die Altstadt von Jerusalem durch israelische Fallschirmspringer erobert. Es war genau um 10.05 Uhr als die Soldaten vor der Klagemauer standen und gleichzeitig auf dem Tempelplatz die israelische Fahne gehißt wurde. Das war der 3. Nahostkrieg. Hierbei handelt es sich wieder um eine biblische Zahl von 70 Jahren nach dem ersten Zionistenkongreß in Basel. Die Völkertafel nennt 70 Völker für die ganze Welt, das normale Leben des Menschen währet 70 Jahre nach Psalm 90, 10. Der seit damals bekannte Begriff "Sechs-Tage-Krieg" wurde seinerzeit von Yitzchak Rabin geprägt, dem späteren ermordeten Premierminister, der ihn erstmals in einem Zeitungsinterview verwendete, wie seine Frau Lea in ihren jüngst erschienenen Erinnerungen betonte - eine Anspielung auf die sechs Tage der Schöpfung. In diesem Jahre (1997) sind es auch 50 Jahre nach dem Teilungsplan der UNO für Palästina, was eine Hall- oder Jubeljahr-Periode darstellt.

    Es war genau 50 Jahre nach der Erklärung des Lord Balfour zur Förderung der Bemühungen um eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina, dem Land ihrer Väter. Auch das war wiederum eine Hall- oder Jubeljahr-Periode in der Israel nun wieder zu seinem Besitz kam, seiner ewigen Hauptstadt Jerusalem. Nach jüdischer Zeitrechnung war es der 28. Ijar 5727, wobei Ijar der zweite Kalendermonat ist, der früher Siw (= Blumenmond) hieß. So wird im ersten Buch der Könige dies berichtet über den Bau des ersten Tempels: Im vierhundertundachtzigsten Jahr nach dem Auszug Israels aus Ägyptenland, im vierten Jahr der Herrschaft Salomos über Israel, im Monat Siw, das ist der zweite Monat, wurde das Haus dem Herrn gebaut. (1. Kön. 6, 1). Daß es 19 Jahre nach der Staatsgründung im Jahre 1948 war, hat auch wiederum eine besondere Bedeutung, da sich nämlich der jüdische Kalender durch das Einfügen von Schaltjahren in einem Zyklus von 19 Jahren wiederholt.

    t) Im Jahre 1970 n. Chr. trat am 5. März der Atomwaffensperrvertrag in Kraft, der am 1. Juli 1968 unterzeichnet worden war. Über 150 Staaten sind bis heute diesem Vertrag beigetreten, der im Jahre 1995 bedingungslos und unbefristet verlängert wurde. Der Vertrag hat - zumindest offiziell - dafür gesorgt, daß die Zahl der Atomwaffenmächte auf fünf beschränkt blieb: die U.S.A., Rußland, China, Großbritannien und Frankreich. Indien hat bisher vier Sprengköpfe gezündet, ist diesem Vertrag daher nie beigetreten. Die meisten Experten gehen davon aus, daß auch Pakistan und Israel, die ebenfalls aus Sicherheitsgründen einen Beitritt verweigern, Sprengköpfe entwickelt haben oder möglicherweise kurz davor stehen. Die fünf Atomwaffenstaaten hatten sich wenige Tage vor Konferenzbeginn im Mai 1995 in einer Resolution des Weltsicherheitsrates zu Sicherheitsgarantien für alle anderen Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages verpflichtet. Diese versicherten damals feierlich, keine Atomwaffen gegen die übrigen Vertragspartner einzusetzen.

    u) Im Jahre 1973 n. Chr. fand der 17-tägige Jom-Kippur-Krieg statt (vom 6. bis 22. Oktober). Israel wurde an seinem höchsten Feiertag heimtückisch von den Arabern überfallen. Das war der Beginn des 4. Nahostkrieges, an dem Ägypten und Syrien beteiligt waren.

    v) Im Jahre 1982 n. Chr. begann am 6. Juni die Libanon-Invasion gegen die PLO (Palestine Liberation Organization = Palästina Befreiungs-Organisation).

    w) Im Jahre 1986 n. Chr. fand am 27. Oktober in Assisi das Friedensgebet aller Religionen unter der Leitung des Papstes Johannes Paul II. statt. Das war wiederum ein Meilenstein auf dem Wege zur Welteinheitskirche der Endzeit.

    x) Im Jahre 1988 n. Chr. proklamierte die PLO am 15. November einseitig den "Staat Palästina", der dann umgehend von über 100 Staaten anerkannt wurde.

    y) Im Jahre 1991 n. Chr. wurden am 18. Januar die ersten Raketen im Golfkrieg auf Israel abgeschossen.

    z) Im Jahre 1995 n. Chr. wurde am 28. September in Washington das sogenannte Oslo 2-Abkommen unterzeichnet, nach dem jüdischen Kalender auf den Tag genau 57 Jahre nach dem Münchner Abkommen, das England und Frankreich mit Hitler und Mussolini am 29. September 1938 schlossen. "Frieden in unseren Tagen! (Peace in our days!)" rief damals der britische Premierminister Arthur Neville Chamberlain (18.3.1869-9.11.1940) und dies ist ja auch das Motto der Politiker heute. Aber schon nach nur elf Monaten begann daraufhin der Zweite Weltkrieg. Der Zeitraum von genau 57 Jahren zwischen 1938 und 1995 beträgt 3 x 19 Jahre, was doch sicherlich auch weiterhin eine besondere Bedeutung hat. Durch das Einfügen von Schaltjahren wiederholt sich nämlich, wie auch schon etwas weiter oben erklärt, der jüdische Kalender in einem Zyklus von 19 Jahren.

Mit diesem siebenten und letzten Sendschreiben ist die nun Betrachtung des Zeitalters der Gemeinde Jesu Christi abgeschlossen. Wie wir hierbei gesehen haben, sind diese sieben Gemeinden in Kleinasien nicht nur typisch für die weltweite Gemeinde Jesu Christi zu allen Zeiten, die hier und dort mal diesem und mal jenem Typus mehr entsprach und entspricht. In prophetischer Sicht stellen sie allerdings darüber hinaus auch noch sieben eindrucksvolle Epochen dar, die sich so innerhalb der nun fast 2 000 Jahre währenden Kirchengeschichte bemerkenswerterweise in genauer Reihenfolge der Sendschreiben nacheinander abgelöst haben. Diese sieben Zeitabschnitte haben in der Gemeinde Jesu Christi ihre nachhaltigen Spuren hinterlassen, so daß sie auch heute noch in den verschiedenen Kirchen deutlich erkennbar sind.

Bei der genaueren Überprüfung der Sendschreiben hat es sich nämlich auch deutlich gezeigt, daß dieselben Zustände, die damals schon in den Gemeinden zur Zeit des Apostels Johannes zu bemerken waren, sodann in der späteren geschichtlichen Entwicklung der Kirche als vorherrschend in dem jeweiligen Zeitraum in Erscheinung traten. Es ist allerdings hierbei immer zu berücksichtigen, daß die Übergänge der einzelnen Zeitabschnitte oft sehr fließend verlaufen sind, wie das meistens bei göttlichem Handeln auch in unserer Zeit, oder mit uns persönlich, erfolgt. Deshalb war und ist eine genaue zeitliche Abgrenzung der einzelnen Epochen erfahrungsgemäß nur schwer vorzunehmen. Jedenfalls beinhalten dann diese insgesamt sieben Zeitabschnitte zusammengefaßt das gesamte Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi, das mit Pfingsten (Apg. 2) begann und mit der Entrückung oder Hinwegnahme der Gläubigen (1. Thess. 4, 13-18) ihren baldigen, krönenden Abschluß finden wird.

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