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Kapitel 2

Gemäß dem Schlüsselwort in Kapitel 1 (Offb. 1, 19) kommen wir bei der Betrachtung von Kapitel 2 und 3 der Offenbarung zum zweiten Teil, nämlich zu dem, was der Herr bezeichnet mit: ...und was ist. Es sind die Briefe, meistens Sendschreiben genannt, an die sieben Gemeinden in Kleinasien, die zur Zeit des Johannes bestanden und für die er sich, auch in der Verbannung, sicherlich noch verantwortlich fühlte. Diese Briefe sind dem Apostel Johannes von Jesus Christus persönlich diktiert worden. In seiner göttlichen Majestät gab er dem Apostel den Auftrag oder gar Befehl: Was du siehest, das schreibe in ein Buch und sende es zu den sieben Gemeinden. Sie sind die letzten persönlichen Worte des Herrn Jesus, die uns in der Bibel ganz sicher überliefert sind, und zugleich die einzigen, die er nach seiner Erhöhung auf den Thron Gottes direkt an seine Gemeinde, den Leib Christi, gerichtet hat. Die Offenbarung als Ganzes enthält deshalb mehrere Einzelheiten, die vorher nicht bekannt waren, aber jetzt eine wichtige Ergänzung zu anderen prophetischen Aussagen des Alten und des Neuen Testamentes darstellen, oder sogar deren Vervollkommnung. Den genauen Ablauf unseres zu Ende gehenden Zeitalters erfahren wir nur aus diesem letzten Buch der Bibel, insbesondere, da die Gemeinde als solche im Alten Testament nicht erwähnt wird.

Gemeinden gab es zur damaligen Zeit wohl schon in großer Zahl. Vielleicht einige Hundert und vermutlich auch noch größere, als die hier angeschriebenen, z. B. die Gemeinde zu Rom. Diese sieben Gemeinden sind jedoch typisch für die weltweite Gemeinde Jesu Christi zu allen Zeiten. In prophetischer Sicht sind es sieben Zeitabschnitte oder Epochen der Kirchengeschichte, die sich alle in genauer Reihenfolge der Sendschreiben nacheinander ablösen. Die damaligen Zustände in den sieben Gemeinden sind demzufolge in der geschichtlichen Entwicklung als vorherrschend in dem betreffenden Zeitabschnitt erkennbar. Es ist dies das gesamte Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi, beginnend mit Pfingsten (Apg. 2) und dermaleinst endend mit der Entrückung oder Hinwegnahme derselben (1. Thess. 4, 13-18). So wird uns die Entwicklung der Kirche von der Zeit der Apostel bis in unsere Tage hinein nur in diesen Sendschreiben eingehend berichtet; Genaueres ist uns sonst nirgendwo in der Bibel überliefert. Wenn man außerdem noch berücksichtigt, daß der Blick des Sehers noch mindestens 1000 Jahre darüber hinausreicht, uns zudem ergänzend in Kapitel 12 eine Rückschau bis zu Adam gewährt wird, dann enthält die gesamte Offenbarung sogar 7000 Jahre Menschheitsgeschichte und den neuen Himmel und die neue Erde danach. Nirgendwo finden wir die Geschichte so zusammengefaßt.

Im Talmud, dem jüdischen Kommentar zur Thora, dem alttestamentlichen Gesetz, wird berichtet (Sanhedrin 97 a - 98 a):
Es sagte Rab Qattina:
Sechstausend Jahre wird die Welt bestehen und ein[tausend Jahre] zerstört sein; denn es heißt:
"Der Herr allein ist erhaben an jenem Tag." (Jes 2, 11).
Abaje sagte:
Zwei[tausend Jahre wird sie] zerstört sein; denn es heißt (Hos 6, 2):
"Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück; am dritten Tag richtet er uns
wieder auf, und wir leben vor seinem Angesicht." (Nach zwei Tagen, damit ist das Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi gemeint, die Tage des Messias, Anm.).
Es gibt eine Lehre entsprechend Rab Qattina:
Ebenso wie beim Brachjahr ein Jahr in sieben brachliegt,
so wird die Welt tausend Jahre von 7000 Jahren brachliegen;
denn es heißt: "Der Herr allein ist erhaben an jenem Tag." (Jes 2, 11).
Und [die Bibel] sagt: "Ein Psalm. Ein Lied für den Sabbattag." (Ps 92, 1)
- ein Tag, der ganz Sabbat ist.
Und [ferner] sagt [die Bibel] (Ps 90, 4):
"Denn tausend Jahre sind für dich wie der Tag, der gestern vergangen ist.".
(Damit ist insbesondere das Tausendjährige Friedensreich gemeint, Anm.).
Weiter wird berichtet:
In der Schule des Elijahu wird gelehrt:
Sechstausend Jahre wird die Welt bestehen: zweitausend der Wirrsal, zwei-
tausend der Tora, und zweitausend die Tage des Messias.
(Günter Stemberger, Der Talmud, Verlag C. H. Beck, München, Seite 228).

Unsere erste Zeitrechnung begann, als Gott zu Adam sprach: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden. (1. Mose 3, 19).
Und in Psalm 90, einem Gebet des Mose, des Mannes Gottes, heißt es: Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. (Psalm 90, 12).

Die Zeit der Wirrsal, wie sie im Talmud genannt wird, sind die zweitausend Jahre vom Sündenfall Adams bis Abraham, dessen Nachkommen von Gott durch Mose das Gesetz, die Thora (bekanntere Schreibweise), erhielten. Daraufhin folgten zweitausend Jahre der Thora, also die Zeit von Abraham bis Jesus Christus, der etwa 4000 Jahre nach Adams Sündenfall als Mensch geboren wurde. So ist Jesus: wie Adam, welcher ist ein Bild des, der kommen sollte (Röm. 5, 14), jedoch vollkommen. Das schreibt der Apostel Paulus nur etwas weiter: Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung zum Leben für alle Menschen gekommen. (Röm. 5, 18). Die darauffolgenden zweitausend Jahre, die Tage des Messias, sind nun das Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi, an dessen Ende wir uns gewiß heute befinden. Danach beginnt mit dem Wiederkommen Jesu in Herrlichkeit das Tausendjährige Friedensreich: So ist also noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. (Hebr. 4, 9).

Diese Zeitabschnitte von jeweils etwa 2000 Jahren werden daneben noch genannt: 1. Das Zeitalter ohne Gesetz (oder: vor dem Gesetz),
2. Das Zeitalter unter dem Gesetz (oder: des Gesetzes),
3. Das Zeitalter der Gnade (oder: des erfüllten Gesetzes).

In der Geschichtsliteratur wird davon ausgegangen, daß ein Weltjahr rund 2000 Jahre zählt und somit 12 Weltmonate zu je etwa 170 Jahren hat. Die drei letzten Weltmonate zu je etwa 170 Jahren bilden folglich eine Triade von ungefähr 500 Jahren, die eine kritische Phase der schöpferischen Umgestaltung des zu Ende gehenden Zeitalters oder der Epoche von rund 2000 Jahren darstellt. Die Bibel bestätigt uns, daß die Heils- und Weltgeschichte tatsächlich mit einer solchen Phase der Läuterung und Zubereitung verläuft. In der Mitte eines Weltjahres wird allgemein dessen Höhepunkt erreicht, demnach etwa in den Jahren 3000 v. Chr., 1000 v. Chr. und 1000 n. Chr., wie unten zu erkennen ist. Die Jahre der Umgestaltung waren etwa 2500 v. Chr., 500 v. Chr und 1500 n. Chr., ebenfalls unten ersichtlich. Die vergangenen Weltjahre geben dieses Bild von den folgenreichen Ereignissen:


Sündenfall Adams       Abraham wurde geboren   Jesus Christus wurde  
4007 v. Chr.           1999 v. Chr.            zu Bethlehem geboren  
                                               3.10.7 v. Chr. (v.    
                                               u. Z.)                

Henoch wurde von Gott  David wurde geboren     Aufruf zum 1.         
hinweggenommen nach    993 v. Chr.             Kreuzzug              
987 Jahren = 3020 v.                           nach Jerusalem am     
Chr.                                           27.11.1095 n. Chr.    

Noah begann zu         Babylonische Gefangen-  Reformation begann    
predigen               schaft (= captivitas    am                    
120 Jahre vor der      babylonica) begann 499  31.10.1517 n. Chr.    
Sintflut               v. Chr.                                       
= 2471 v. Chr.                                                       

= 1. Umgestaltung      = 2. Umgestaltung       = 3. Umgestaltung     




 
 

Die Sendschreiben an die sieben Gemeinden sind stets an die Engel, d.h. an deren Vorsteher gerichtet. Die Namen der einzelnen Gemeinden haben immer eine tiefsinnige Bedeutung und stellen damit einen bestimmten Zeitabschnitt der Kirchengeschichte dar, der oft allein schon an diesem Namen zu erkennen ist. Genau wie die Gemeinden damals einen Vorsteher hatten, so hat auch jeder Zeitabschnitt der nachfolgenden Gemeinden dann eine herausragende Persönlichkeit gehabt, durch die Gott in besonderem Maße wirken konnte. In der nachstehenden Auflistung ist ebenfalls die ungefähre Gemeindedauer angegeben, die sich leider meistens nicht auf das Jahr genau bestimmen läßt. Dennoch ist zuerst diese Übersicht angeführt:

Die Briefe haben folgenden Inhalt:
1. Vorstellung Jesu Christi,
2. Lob,
3. Ermahnung,
4. Rat,
5. Warnung,
6. Trost,
7. Verheißung.
Letztere gilt nur den Überwindern. Bei vier Gemeinden liegt eine Briefabweichung vor: Die Sendschreiben an Smyrna und Philadelphia enthalten keine Warnung. Es handelt sich also um vorbildliche Gemeinden. Den Briefen an Sardes und Laodicea fehlt das Lob. Beide Gemeinden sind mit ihrem Vorsteher tief gefallen. Jedes Sendschreiben ruft den Gläubigen zu: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wohl dem, der diesen Ruf beachtet und wirklich zu Herzen nimmt!

Die Betrachtung der sieben Sendschreiben erfolgt hier in prophetischer, zeit- und kirchengeschichtlicher Auslegung, wobei allerdings die seelsorgerliche Botschaft eher dem persönlichen Studium vorbehalten bleibt. Die nachfolgende Tabelle soll eine ergänzende Einführung und möglicherweise auch einen Anreiz dazu geben.


         1.          2.  Smyrna  3.         4.          5.  Sardes  6.         7.          
         Ephesus     (Offb. 2,   Pergamon   Thyatira    (Offb. 3,   Philadelph Laodicea    
         (Offb. 2,   8-11)       (Offb. 2,  (Offb. 2,   1-6)        ia         (Offb. 3,   
         1-7)                    12-17)     18-29)                  (Offb. 3,  14-22)      
                                                                    7-13)                  

1.       Jesus       Jesus       Jesus      Gottes      Jesus       Jesus      Jesus       
Vorstell Christus,   Christus,   Christus,  Sohn, der   Christus,   Christus,  Christus,   
ung      der Herr    der Ewige,  der        unbetrüglic der         "der       "der treue  
         seiner      der Sieger  oberste    he          allwiss.    Heilige,   und         
Jesu     Gemeinde    über den    und        Unterscheid Herr,       der        wahrhaftige 
                     Tod         gerechte   er zw. Gut  unterscheid Wahrhaftig  Zeuge"     
Christi:                         Richter    und Böse    et zw.      e", der                
                                                        Sein und    Allmächtig             
                                                        Schein      e                      

2.  Lob  Werke,      Werke,      Treue und  Werke,      Einige      Festhalten fehlt       
für:     Arbeit,     Treue       Glauben    Liebe,      werden       am Wort,              
         Geduld,     in Trübsal  am Ort     Dienst,     gelobt für  Jesus                  
         Hassen d.   und         der        Glauben,    ihren       nicht                  
         Bösen,      Verfolgung  Versuchung Geduld      Wandel      verleugnen             
         Lehre,                   und                                trotz                 
         Unterscheid             Verfolgung                         geringer               
         ung,                                                       Kraft                  

3.       Verlassen   keine       Dulden     Dulden von  Nahezu      keine      Selbstzufri 
Ermahnun der ersten              der Sünde  Hurerei     völligen               edenheit    
g        Liebe                   und        und         geistlichen            trotz       
                                 falscher,  Götzendiens  Todes                 völlig      
wegen:                           unmoralisc t                                  ungeistlich 
                                 her Lehre                                     en          
                                                                               Zustandes   

4.       "Gedenke,   "Sei        "Tue       Buße für    Stärke die  "Halte,    Laß dir     
Rat:     wovon du    getreu bis  Buße"      Übertreter; Sterbenden; was du     vom Herrn   
         gefallen    an den                              gedenke    hast, daß  wieder      
         bist"       Tod"                   Festhalten  an deinen   niemand    zurechthelf 
                                            an der      Anfang,     deine      en; "tue    
                                            Wahrheit    "tue Buße"  Krone      Buße"       
                                            für alle                nehme"                 
                                            anderen                                        

5.       Gericht     keine       Gericht    Tödliches   Plötzlich.  keine      Jesus       
Warnung: Jesu                    Jesu       Gericht     Gericht                Christus    
         Christi im              Christi    Jesu        Jesu                   wird die    
         Falle von               im Falle   Christi im  Christi im             Gleichgülti 
         Unbußfertig             von        Falle von   Falle von              gen         
         keit                    Unbußferti Unbußfertig Unbußfertig            ausspeien   
                                 gkeit      keit        keit                               

6.       Haß der     "Fürchte    fehlt      Keine       Die         Jesus      fehlt       
Trost:   bösen       dich vor               "andere     geistlich   Christus               
         Werke wird  keinem,                Last" für   Unbefleckte wird die               
         vom Herrn   was du                 die,        n werden    Feinde                 
         anerkannt   leiden                 die nicht   mit dem     demütigen,             
                     wirst";                der         Herrn sein   seine                 
                     Trübsal                Irrlehre                Gem.                   
                     begrenzt               folgen                  bewahren               

7.       Anteil an   Krone des   Anteil am  Macht, die  Weiße       Die        Die         
Verhei-  dem Baum    Lebens;     verborgene Nationen    Kleider;    Überwinder Überwinder  
         des Lebens  kein Leid   n Manna    zu          Name im      werd.     werden mit  
ßung:    im          von dem     und Stein  regieren    Buch des    Pfeiler    Jesus       
         Paradies    zweiten     mit neuem              Lebens      im Tempel  Christus    
         Gottes      Tode        Namen                              Gottes;    thronen     
                                                                    neuer                  
                                                                    Name                   



Zur besonderen Übersicht kann jedes Sendschreiben in folgende Abschnitte eingeteilt werden, die dann auch jeweils an diesen Randziffern leicht zu erkennen sind:

  1. Die Stadt selbst und ihre Bedeutung für die damalige Kulturwelt;
  2. Die christliche Gemeinde in der jeweiligen Stadt;
  3. Was der erhöhte Herr der Gemeinde zu sagen hat (= Inhalt);
  4. Die wichtigsten kirchen- und weltgeschichtlichen Ereignisse, die sich im Zeitraum des jeweiligen Gemeindezeitabschnittes zugetragen haben.

  5.  

     
     
     

Das erste Sendschreiben ist an die Gemeinde zu Ephesus gerichtet:

Dem Engel der, Gemeinde zu Ephesus schreibe: Das sagt, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern: Ich weiß deine Werke und deine Arbeit und deine Geduld und daß du die Bösen nicht ertragen kannst, und hast geprüft die, welche sagen, sie seien Apostel, und sind's nicht, und hast sie als Lügner erfunden, und hast Geduld, und hast um meines Namens willen Last getragen, und bist nicht müde geworden. Aber ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlässest. Gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke. Wo aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte, wenn du nicht Buße tust. Aber das hast du, daß du die Werke der Nikolaiten hassest, welche ich auch hasse. Wer Ohren hat, der höre was der Geist den Gemeinde sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist. (Offb. 2, 1-7).

Der Engel (griechisch: angeloV = angelos = Bote oder Gesandter) ist der Vorsteher der Gemeinde, heute würden wir sagen, der Gemeindeleiter oder Pastor. In so mancher Kirche, Gemeinde oder Versammlung (griechisch: ekklesia = ekklesia) geht es heute leider ebenso weltlich zu, als wäre fortan der Vorsteher der Gemeinde der Bürgermeister und nicht ein Bote Gottes. Oft sind die Verkündiger heute auch mehr Diplomaten als Zeugen. Anstatt klar und deutlich die biblische Botschaft zu bezeugen, ist man dagegen weithin zurückhaltend in Stellungnahmen zu lebenswichtigen Fragen der Gemeinde Jesu, denn man möchte es sich ja mit niemandem verderben.

Jesus stellt sich vor als: Das sagt, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern. Die Erklärung dazu hat uns Jesus ja ebenfalls selbst gegeben im vorigen Kapitel der Offenbarung: Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und die sieben goldenen Leuchter: die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden. (Offb. 1, 20). Nun kommen wir zur Beschreibung der Gemeinde nach der eingangs gegebenen Einteilung:

  1. Ephesus oder Ephesos (= EjhsoV), eine Küstenstadt in Karien, wurde am Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. von den Ioniern unter Androklos als griechische Kolonie gegründet und besiedelt. Im Laufe der Zeit wechselte es jedoch mehrfach seine Besitzer. Ephesus lag in einer fruchtbaren Ebene, am linken Ufer des Flusses Ca·yster, etwa 5 km von der Stelle entfernt, wo dieses Gewässer in das Ägäische Meer mündet, das ein Teil des Mittelmeeres ist. Dieser Fluß Ca·yster ist etwa 130 km lang und heißt jetzt Bayindir. Die Stadt befand sich etwa 55 km südöstlich von Smyrna, dem heutigen Izmir. Ephesus hatte zunächst nur einen natürlichen Hafen, der jedoch immer mehr versandete. Deshalb erfolgte in der griechischen Zeit eine Veränderung der Stadt- und Hafenanlage, indem ein großer, künstlicher Hafen zusätzlich angelegt wurde.

  2.  

     

    Wie alle anderen Städte der insgesamt sieben Sendschreiben der Offenbarung gehörte auch Ephesus zur Zeit des Apostels Johannes zur römischen Provinz Asia. Mit Asien bezeichnete man im engeren Sinne die Griechenland gegenüberliegenden Gebiete Kleinasiens (Asia minor), aus denen dann 133-129 v. Chr. die römische Provinz Asia gebildet wurde. Alle in der Offenbarung erwähnten Städte lagen im Westen dieser Provinz, also im Westen der heutigen Türkei. Nach dem Sieg von Malazgirt oder Mantzikert im Jahre 1071 n. Chr. drangen die Türken in Kleinasien bis ans Mittelmeer vor. Dieses Gebiet bildete dann den Kern des späteren Osmanischen Reiches, als dessen Rest die moderne Türkei übriggeblieben ist. Die zu Anfang dieses Jahrhunderts geplante völlige Aufteilung der Türkei wurde damals durch Deutschland und England verhindert.

    Ephesus hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich, in der es einige Male zerstört wurde, mehrfach den Besitzer wechselte, wieder aufgebaut wurde, dann allerdings ganz unterging. Die Stadt wurde von Krösus, dessen Name lautet auf Griechisch: krwisoV (= Kroisos), König von Lydien, der von 560-546 v. Chr. herrschte, erobert und kam so unter lydische Herrschaft. Nachdem Medien im Jahre 552 v. Chr. von den Persern erobert worden war, kam es zu Konflikten zwischen Lydien und Persien um 547/546 v. Chr., die im Jahre 546 v. Chr. mit der Niederlage Lydiens endeten. Krösus, der im Kampf gegen Kyros oder Cyrus II. (560-529 v. Chr.) unterlag, wurde zwar zunächst zum Feuertod verurteilt, dann aber begnadigt und als Satrap (= Provinzstatthalter) der nun selbständigen Provinz Lydien eingesetzt.

    Im Jahre 334 v. Chr. eroberte Alexander der Große die Stadt von den Persern und stellte die Demokratie der griechischen Polis (= Bezeichnung für den griechischen Stadtstaat) wieder her. In den sogennanten Diadochenkriegen (bis 280 v. Chr.) der Nachfolger Alexanders des Großen war Ephesus öfters umkämpft. Diadochen ist griechisch und bedeutet: Nachfolger durch Übernahme. Seit etwa Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. stand Ephesus unter römischem Einfluß. Im Jahre 88 v. Chr. kam es dann auf Veranlassung von Mithridates VI. Eupator Dionysos (132-64 v. Chr.), König von Pontos seit 111 v. Chr., zum berüchtigten Blutbad von Ephesus, bei dem dann 80 000 Römer und Italiker getötet wurden.

    Unter Augustus (Caesar Augustus Octavianus), dem römischen Kaiser (23.9.63 v. Chr. - 19.8.14 n. Chr.), Kaiser seit 27 v. Chr., entwickelte sich Ephesus dann zur wichtigsten Stadt der Provinz Asia, da es am Hauptweg von Rom nach dem Osten lag. Die Stadt fungierte so als Bindeglied zwischen Ost und West und als Knotenpunkt der Land- und Seewege. Ephesus war eine sehr wichtige Stadt des Altertums und hatte bereits eine lange Geschichte hinter sich, als es unter den Römern die Hauptstadt von 16 Provinzen in Asien wurde. Im Jahre 17. n. Chr., in der Zeit des Tiberius (Tiberius Claudius Nero, nach seiner Adoption: Tiberius Iulius Caesar), römischer Kaiser (16.11.42 v. Chr. - 16.3.37 n. Chr.), Kaiser von 14 n. Chr., wurde Ephesus durch ein Erdbeben schwer heimgesucht, wie auch andere Städte in Kleinasien.

    Die Zerstörungen durch die Goten im Jahre 263 n. Chr. waren nicht von langer Dauer, denn bald danach wurde die Stadt wieder aufgebaut. Zwischen 630 und 640 n. Chr. fiel Ephesus erstmals in die Hände der Türken, doch dann wurde die Stadt im Jahre 1402 n. Chr. durch die wilden Mongolenhorden des Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) schwer verwüstet. Allerdings kurze Zeit darauf, im Jahre 1426 n. Chr., abermals in Besitz genommen von den Türken, von denen es schließlich vernachlässigt wurde; später versumpfte es.

    Das verbliebene wüste Trümmerfeld liegt heute in der Nähe des Ortes Selcuk, neben einem Dorf, das Aja Soluk (ausgesprochen: Adscha Soluk) heißt, dessen Name entstanden ist aus: Hagios Theologos (= agioV JhwlogoV), auf Deutsch: "Heiliger Theologe", zur Erinnerung an den Apostel Johannes, ehrfürchtig erwähnt als "heiligen Theologen", der nach der Überlieferung dort begraben liegt.

    Der Name Ephesus bedeutet "die Liebende", kann aber auch mit "die Geliebte", "die Liebliche" oder gar mit "Luststadt" übersetzt werden, denn es war der Hauptsitz der Weltlust. Die Stadt war der Mittelpunkt des kulturellen und religiösen Lebens der damaligen Zeit. Unter römischer Herrschaft wurde Ephesus zum Schmelztiegel vieler Völker, zur Weltstadt und zum Tummelplatz vieler Religionen, magischer Kulte und okkulter Praktiken. Damals war es eine Stadt von etwa 200.000 Einwohnern und somit eine der größten im östlichen Mittelmeergebiet. In den neuen, künstlichen Hafen von Ephesus fuhren die großen griechischen und römischen Handelsschiffe ein, die mit Schätzen aller Art beladen waren. Direkt am Hafen wurde ein Teil dieser Waren in besonderen Schaukästen ausgelegt, was man als: de·igma = de·igma (griechisch, Schau oder Ausstellung) bezeichnete, ähnlich wie auf einer heutigen Mustermesse.

    Der griechische Geograph und Schriftsteller Strabon (= "Schieler") aus Amaseia (63 v. Chr. - 19 n. Chr.), bekannt durch sein Werk: "Geographika" (17 Bücher) schrieb damals, daß die Stadt sich jeden Tag zusehends vergrößerte. Sie war zur Zeit Jesu und dann auch noch während der Apostel Johannes sich dort aufhielt, eine der größten und wohlhabendsten Handelsstädte der damaligen Zeit und daher auch ein Zentrum der Geldwirtschaft, somit gewiß in etwa mit den heutigen Banken-Metropolen vergleichbar. Strabon schrieb dann darüber, jetzt wörtlich: Weithin erstrecken sich ihre Grenzen über das Land und weithin über das Meer, und jedem Bedürftigen vermag sie leicht zu genügen.

    Aber nicht nur Geld und tote Waren liefen in den Hafen von Ephesus ein, sondern auch Sklaven in großen Mengen wurden angelandet, die zuweilen an einem Vormittag zu Tausenden dort verkauft wurden. Auf der benachbarten Insel Delos seien an einem Tage 10.000 dieser unglücklichen Menschen wie altes Eisen feilgeboten worden, so berichtete Strabon. Bis zu 50 000 Drachmen (griechisch) oder Denare (römisch) wurden für einen "edlen" Sklaven geboten. Diese Münzen werden im Neuen Testament als "Groschen" (Luk. 15, 8-9) oder "Silbergroschen" (Matth. 18, 28; 20, 2; 22, 19) bezeichnet und waren der gewöhnliche Tagelohn eines Arbeiters.

    Arbeiten galt in Ephesus als Schande, denn dafür hatte man ja Sklaven genug. Darum war auch hier sprichwörtlich "Müßiggang aller Laster Anfang". So besaß es eines der großen Gymnasien, zu dessen Bodenbelag dreizehn verschiedene Marmorsorten verwendet wurden. Weiße Marmorsäulen trugen das Gebäude mit zwei Stockwerken, in deren herrlich geschmückten Hallen die schrecklichsten Laster heimisch waren. Das Wort Gymnasium kommt von dem griechischen: gumnoV = gymnos, auf Deutsch: nackt, und war bei den Griechen zunächst der Ort der Körpererziehung (Gymnastik), wo nackt geturnt wurde. Später dienten die Gymnasien vor allem dem allgemeinbildenden höheren Schulunterricht und wurden deshalb hinfort: gumnasiwn = gymnasion (auf Deutsch: Bildungsstätte) genannt.

    Seit der Zeit des Krösus von Lydien, der von 560-546 v. Chr. König war, stand das religiöse Leben der Stadt ganz unter dem Zeichen der Göttin der Fruchtbarkeit, von den Griechen Artemis und von den Römern Diana genannt, die in einem großen und schönen Tempel verehrt wurde, dem sogenannten Artemision oder Artemisium, bzw. der Tempel der Diana. Dieser diente, wie alle griechischen Tempel, dem öffentlichen Leben, zugleich als Kultstätte, Museum und einer Art Bankinstitut, da die Tische der Geldwechsler ebenfalls dort untergebracht waren. Diese Unsitte hatten die Juden von den Griechen übernommen; davon ist in den Evangelien zu lesen: Und Jesus ging in den Tempel hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß um der Wechsler Tische und die Stühle der Taubenkrämer und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben (Jes. 56, 7): "Mein Haus soll ein Bethaus heißen"; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus. (Matth. 21, 12-13, siehe auch Mark. 11, 15-16; Luk. 19, 45-46 und Joh. 2, 14-16).

    Wie wir noch sehen werden, war in dieser Kultstätte die Prostitution gesetzlich erlaubt und wurde sogar von den Priestern gefördert. Die religiöse Bedeutung von Ephesus gipfelte in dem Kult dieser Fruchtbarkeitsgöttin, mit vielen Brüsten dargestellt, von der eine Statue im Vatikan aufbewahrt wird.

    Ephesus war aber nicht nur wegen dieses Artemisiums berühmt, sondern es besaß zur Zeit des Apostels Johannes auch noch andere, ähnlich berühmte Tempel, die den göttliche Verehrung genießenden römischen Kaisern Claudius und Nero geweiht waren. Später kamen dann noch der Hadrian- und der Severus-Tempel hinzu. Auf dem Berg Pion befand sich das imposante Theater mit 66 Sitzreihen aus Stein, Platz genug für über 24 000 Menschen, allein auf diesen Steinsitzen. Die Ruine dieses Schauplatzes, wie er in Apg. 19, 29 im Luthertext von 1914 genannt wird, ist im letzten Jahrhundert ausgegraben worden und kann deshalb auch heute noch besichtigt werden. Dort fand die von dem Goldschmied Demetrius initiierte Protestkundgebung statt, wie sie uns in Apg. 19, 23-40 geschildert wird. In der Lutherbibel erklärt ist dieser Abschnitt überschrieben: Der Aufruhr des Demetrius.

    Zur Zeit, da der Apostel Paulus noch eine Weile in der Landschaft Asien blieb, wird berichtet: Es erhob sich aber um diese Zeit eine nicht geringe Unruhe über die neue Lehre. Denn einer mit Namen Demetrius, ein Goldschmied, der machte silberne Tempel der Diana und wandte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinn zu. Dieselben und die Beiarbeiter dieses Handwerks versammelte er und sprach: Liebe Männer, ihr wisset, daß wir großen Gewinn von diesem Gewerbe haben ... (Apg. 19, 23-25). Daher wissen wir, daß es dort auch eine berühmte Goldschmiedezunft gab, die in der ganzen Landschaft Asien und dem Weltkreis bekannt war, genau wie die Diana von Ephesus, deren Souvenirs sie verkauften.

    Dieser Demetrius beklagte sich nun öffentlich darüber, daß seine Geschäfte als Andenkenverkäufer rückläufig waren, seit die Nachfrage nach Artemis-Statuetten und der silbernen Tempel-Nachbildungen auf Grund der Predigten des Apostels Paulus stark gesunken war. Seine durchaus engagierte Rede bewirkte, daß Gajus und Aristarchus aus Mazedonien, die Begleiter des Paulus, von der aufgebrachten Menge ergriffen wurden. In der Apostelgeschichte wird dieses tumultartige Geschehen dann so berichtet: Und die ganze Stadt ward voll Getümmel; sie stürmten aber einmütig zum Theater und ergriffen Gajus und Aristarchus aus Mazedonien, des Paulus Gefährten. Da aber Paulus wollte unter das Volk gehen, ließen's ihm die Jünger nicht zu. (Apg. 19, 29-30).

    Außerdem war Ephesus das Zentrum des Okkultismus und Aberglaubens. Das Volk trieb Zauberei und lebte in der Furcht vor den Dämonen. Wie in Apg. 19, 13-20 berichtet wird, trieben dort auch jüdische Magier und Geisterbeschwörer ihr Unwesen, die "im Namen des Jesus, den Paulus predigt" Besessene heilen wollten. Dieser Bericht stellt vor Augen, auf welche "Mächte" der Apostel Paulus gerade im Epheser-Brief vielfach anspielt (Eph. 1, 21; 2, 2; 3, 10; 6, 11-12).

    Einige Inschriften an ausgegrabenen Mauerresten bestätigen in der Tat, was der Apostel Paulus im Epheser-Brief andeutet: Die Bewohner der Stadt müssen sehr abergläubisch gewesen sein. Das kann man aus dem schließen, was Paulus den Gläubigen unter ihnen schrieb: So sage ich nun und bezeuge in dem Herrn, daß ihr nicht mehr wandeln dürft, wie die Heiden wandeln in der Nichtigkeit ihres Sinnes. Ihr Versand ist verfinstert, und sie sind fremd geworden dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, durch die Verstockung ihres Herzens; in ihrem Gewissen sind sie stumpf geworden und ergeben sich der Unzucht und treiben jegliche Unreinigkeit voll Habgier. (Eph. 4, 17-19).

    Ephesus war eine Stadt, wo sich in ganz besonderer Weise Kräfte der Finsternis in Zauberei, Beschwörung und dergleichen offenbarten. Hier, wo Satan nicht geringe Dinge tat, war es doppelt nötig, daß Gott seine Übermacht über alle dämonischen Kräfte kundmachte. ... (A. Christlieb).

    Der ursprüngliche Tempel wurde zur Zeit des Krösus von Lydien, der von 560-546 v. Chr. herrschte, um etwa 550 v. Chr. von Chersiphron und Metagenes erbaut und im Jahre 356 v. Chr. von Herostratos angezündet, nach der Überlieferung am Tage der Geburt Alexanders des Großen. Durch diese Brandstiftung sollte sein Name in die Geschichte eingehen, daher sagt man heute manchmal sprichwörtlich: herostratische Tat, womit eine von verbrecherischem Ehrgeiz beseelte Handlung gemeint ist. Man könnte ebenfalls sagen, Herostratos oder Herostrat war ein Verbrecher aus Ruhmsucht. Allerdings wurde das Artemision oder Artemisium bald darauf noch schöner wieder aufgebaut und dadurch das Heiligtum der Epheser erneuert und in einen Zustand versetzt, wie es niemals zuvor war. Die Epheser ließen sich den Bau ihres Tempels sichtlich allerhand kosten und nichts war ihnen zu teuer dafür, um ihrer Göttin eine ihrer Meinung nach angemessene und würdige Anbetungsstätte für alle Zeiten zu errichten.

    Dieser Tempel der Artemis oder Diana war ein großartiger Bau, der 130 m lang, 67 m breit und von 127 Säulen aus weißem Marmor umgeben war. Jede dieser Säulen war 18 m hoch und aus einem Stück. Das Artemisium von Ephesus galt als eines der Sieben Weltwunder des Altertums. Von beiden Bauphasen sind auch heute noch Reste erhalten. Bei Ausgrabungen wurden auch einige kostbare Weihegaben gefunden, die als Bauopfer unter dem Fußstück jenes Standbildes verborgen lagen, das in der Apostelgeschichte des Lukas erwähnt wird: Da aber der Kanzler das Volk beruhigt hatte, sprach er: Ihr Männer von Ephesus, wo ist ein Mensch, der nicht wisse, daß die Stadt Ephesus sei eine Hüterin der großen Göttin Diana und ihres Bildes, das vom Himmel gefallen ist? (Apg. 19, 35).

    Nach ihrem Artemiskult trug die Stadt den Beinamen: nhwkwroV = neokoros, auf Deutsch: Tempelbewahrerin, was jedoch Dr. Martin Luther in Apg. 19, 35 dann mit "Hüterin" übersetzt hat. Dieser Ehrentitel wurde ausschließlich durch römischen Senatsbeschluß einer Stadt verliehen, die zu Ehren des Kaisers einen Tempel errichtete und Spiele veranstaltete. Zur Zeit des Apostels Paulus wurde Ephesus durch einen Senat und eine Volksversammlung verwaltet, die ein Stadtschreiber leitete. Luther hat diesen aber in Apg. 19, 35 als "Kanzler" bezeichnet.

    Wer war nun eigentlich diese Artemis oder Diana? Ursprünglich war es sicherlich eine Fruchtbarkeitsgöttin, als Frau mit vielen Brüsten dargestellt, die später jedoch in der römischen Provinz auch als Jagd- oder Kriegsgöttin verehrt wurde. Kein Wunder, daß die großen Nachtfeiern im Monat Artemision (im März) in dem Lusthain des Artemistempels im Rausch der gemeinsten und widerlichsten Laster abgehalten wurden. Gewissenlose Priester rechtfertigten diese Unzucht und verbanden sie mit der Religion des Volkes. Sechstausend Mädchen, man beachte diese Zahl, sollen sich mit Leib und Seele an die Artemis der Epheser verkauft haben, und der Hurenlohn dieser Unglücklichen war eine der besten Einnahmequellen der Artemispriester.

    Sakrale Prostitution war in heidnischen Religionen beliebt und verlockend. Gott will und wir dürfen damit nichts zu tun haben, hat er doch schon Mose geboten: Es soll keine Tempeldirne sein unter den Töchtern Israel und kein Tempelhurer unter den Söhnen Israel. Du sollst keinen Hurenlohn noch Hundegeld in das Haus des Herrn, deines Gottes, bringen aus irgendeinem Gelübde; denn das ist dem Herrn, deinem Gott beides ein Greuel. (5. Mose 23, 18-19).

    Damit haben wir ein Bild der Stadt zu entwerfen versucht, in die der Apostel Paulus die Botschaft von Jesus Christus, dem Gekreuzigten, getragen hat. Diese Arbeit wurde von Gott reichlich gesegnet und war deshalb nachhaltig von Erfolg gekrönt. Sowohl in der Apostelgeschichte, wie auch in den Briefen des Paulus, wird uns das berichtet, was auch in außerbiblischen Quellen oftmals bestätigt wird.

  3. Durch die erfolgreiche Tätigkeit des Evangelisten Apollos wurde eine gesegnete Vorarbeit für die Annahe des Evangeliums von Jesus Christus in Ephesus geleistet (Apg. 18, 24-28). Anschließend hat der Apostel Paulus zunächst drei Monate, dann noch zwei Jahre lang, dort gewirkt und die christliche Gemeinde gegründet (Apg. 19, 1-12). Die Gesamtzeit der missionarischen Tätigkeit des Apostels Paulus in Ephesus kann man seiner eigenen Aussage vor den Ältesten der Gemeinde entnehmen: Darum seid wachsam und denket daran, daß ich nicht abgelassen habe drei Jahre, Tag und Nacht, einen jeglichen mit Tränen zu vermahnen. (Apg. 20, 31). Später ernannte Paulus seinen Mitarbeiter Timotheus zu seinem Nachfolger (1. Tim. 1, 3).

  4.  

     

    Laut dem Zeugnis des christlichen Altertums hatte nach ihm der Apostel Johannes seinen Wohnsitz dort. Nach dem Tode des Kaisers Domitian (96 n. Chr.) ist er aus seiner Verbannung dorthin zurückgekehrt. Daselbst ist er auch im Jahre 100 n. Chr. gestorben und begraben worden. Eusebius oder Eusebios, Bischof von Cäsarea (260-340 n. Chr.) schrieb in seiner Kirchengeschichte: Damals lebte noch in Asien der Apostel und Evangelist Johannes, den Jesus liebte, und leitete die dortigen Gemeinden, nachdem er nach dem Tode des Domitian von der Insel zurückgekehrt war, auf die man ihn verbannt hatte. Die Tatsache, daß Johannes in den Tagen des Trajan noch am Leben war, wird durch zwei Zeugen genügend bestätigt. (Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte, III, 23). Ferner schrieb er: An diesem Tage wird der Herr mit Herrlichkeit vom Himmel kommen und alle Heiligen aufsuchen, nämlich: Philippus, einen der zwölf Apostel, der in Hierapolis entschlafen ist, mit seinen beiden bejahrten, im jungfräulichen Stande verbliebenen Töchtern, während eine andere Tochter, die im Heiligen Geiste wandelte, in Ephesus ruht, und Johannes, der an der Brust des Herrn lag, den Stirnschild trug, Priester, Glaubenszeuge und Lehrer war und in Ephesus zur Ruhe eingegangen ist, ferner den Bischof und Märtyrer Polykarp von Smyrna und den Bischof und Märtyrer Thraseas aus Eumenea, der in Smyrna entschlafen. (Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte, V, 24). Später wurde die Verehrung der heidnischen Göttin Diana auf Maria, der Mutter Jesu, übertragen, die in Ephesus bei Johannes, allerdings vor seiner Verbannung, gelebt haben und auch dort gestorben sein soll (anscheinend nach Joh. 19, 26-27). Im Jahre 431 n. Chr. fand in Ephesus eine Synode (= griechisch) oder Konzil (lateinisch: concilium) statt, also eine Versammlung von hohen Kirchenführern, auf der Maria endgültig zur "Theotokos" (= JhwtwkoV), zur Gottesmutter, erklärt wurde.

    Der Engel oder Stern der Gemeinde zu Ephesus war Paulus, der Apostel, der etwa von 10-67 n. Chr. lebte. Paulus, lateinisch: "Der Kleine, der Geringe, der Niedrige" hieß zuerst Saul, hebräisch: "Der Erbetene; den die Eltern von Gott durch Bitten erlangten" oder Saulus (griechisch) und stammte aus Tarsus in Zilizien, früher auch Cilicien geschrieben (Apg. 9,11 und 13, 9). Mehrmals hat er Anspielungen auf seinen Namen gemacht: "Denn ich bin der geringste unter den Aposteln" (1. Kor. 15, 9); und: "Mir, dem Allergeringsten unter allen Heiligen ..." (Eph. 3, 8).

    Paulus hatte von seinem Vater das römische Bürgerrecht geerbt (Apg. 22, 28), war ein Sohn frommer und wohlhabender jüdischer Eltern, außerdem ein strebsamer Schüler, der von berühmten Männern zum Rabbiner ausgebildet wurde (Apg. 22, 3). Er bekämpfte als streng gesetzestreuer Pharisäer leidenschaftlich die Christen, bis er im Jahre 32 n. Chr. vor Damaskus in einer Vision von Jesus Christus persönlich den Auftrag erhielt, Juden und Heiden das Evangelium zu verkündigen (Apg. 9, 3-19). Nach Jahren der Besinnung in der Stille, teilweise in Arabien (Gal. 1, 17), begann er im Jahre 47 n. Chr. seine erste Missionsreise, die ihn auch nach Kleinasien führte (Apg., Kap. 13 und 14).

    Während seiner dritten Missionsreise verbrachte er über zwei Jahre in Ephesus, bis zum Sommer des Jahres 55 n. Chr. (Apg. 20, 31), geriet dort durch Verfolgungen in Lebensgefahr, mußte die Stadt verlassen und zog auf dem Landwege über Mazedonien nach Korinth. In dieser Stadt blieb er den Winter über, bevor er dann nach Jerusalem reiste, um am Pfingstfest teilzunehmen und den dortigen Heiligen die Geldsammlung seiner Gemeinden zu überreichen. Daß diese Fahrt nach Jerusalem für ihn Gefangenschaft und vielleicht sogar den Tod bedeuten würde, war Paulus wiederholt von Brüdern mit prophetischer Gabe offenbart worden (Apg. 20, 22-23; Apg. 21, 4 + 10-13).

    In der Apostelgeschichte wird uns sehr ausführlich über sein Ergehen in Jerusalem, seine Gefangennahme durch die Römer und später seine Fahrt nach Rom berichtet. Längst war es sein Wunsch, auch dort das Evangelium verkündigen zu können (Röm. 1, 15). Zwei Jahre lebte er in Rom in einer Art Untersuchungshaft mit Besuchserlaubnis, die er auch voll ausnutzte. Danach wissen wir nichts Genaueres mehr über ihn. Seine Briefe an Timotheus und Titus deuten darauf hin, daß er noch einmal frei wurde und u. a. auch Kleinasien besuchte. Unter Nero (Lucius Domitius Nero oder Claudius Drusus Germanicus), römischer Kaiser seit 54 n. Chr. (geb. 37 n. Chr. - Selbstmord am 9.6.68 n. Chr.), ist Paulus dann im Jahre 67 n. Chr. durch das Schwert hingerichtet bzw. enthauptet worden, und zwar, nach der Überlieferung der Gemeinde von Rom, gleichzeitig mit der Kreuzigung des Petrus.

  5. In der Gemeinde zu Ephesus sind es sieben christliche Tugenden, die der Herr Jesus nacheinander anerkennend hervorzuheben sucht. Dieses Lob hat er ihr ausgesprochen für:

  6. a) ihre Tätigkeit: Ich weiß deine Werke ...
    b) ihren Fleiß: ... und deine Arbeit ...
    c) ihr Ausharren: ... und deine Geduld ...
    d) ihre Gemeindezucht: ... und daß du die Bösen nicht ertragen kannst ...
    e) ihr Prüfungs- und Unterscheidungsvermögen: ... und hast geprüft die, welche sagen, sie seien Apostel, und sind's nicht, und hast sie als Lügner erfunden ...
    f) ihre Tragkraft: ... und hast Geduld, und hast um meines Namens willen Last getragen ...
    g) ihre Unermüdlichkeit: ... und bist nicht müde geworden.

    Dann kommt der berechtigte Tadel: Aber ich habe wider dich, daß du die erste Liebe verlässest. Die Liebe zu Gott zeigt sich besonders auch in der Bruderliebe, wie der Apostel Johannes in seinem ersten Brief bestätigt: Verwundert euch nicht, meine Brüder, wenn euch die Welt hasset. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben gekommen sind; denn wir lieben die Brüder. Wer nicht liebt, der bleibt im Tode. Wer seinen Bruder hasset, der ist ein Totschläger, und ihr wisset, daß ein Totschläger nicht hat das ewige Leben in ihm bleibend. Daran haben wir erkannt die Liebe, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder darben und schließt sein Herz vor ihm zu, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Meine Kindlein, lasset uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit. (1. Joh. 3, 13-18).

    Eine ähnliche Ermahnung hat uns der Schreiber des Hebräer-Briefes hinterlassen: Bleibet fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein, vergesset nicht; denn dadurch haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Gedenket der Gebundenen als die Mitgebundenen und derer, die Trübsal leiden, als solche, die auch noch im Leibe leben. (Hebr. 13, 1-3).
    Je nach unserem Herzenszustand beurteilt der Herr auch uns:

    Wo die Liebe im Herzen erlischt und erkaltet,
    da nistet behende das Böse sich ein.

    Von derselben Entwicklung war auch die Gemeinde in Galatien gekennzeichnet, worüber der Apostel Paulus klagen mußte: Wie waret ihr dazumal so selig! Ich bin euer Zeuge, daß, wenn es möglich gewesen wäre, ihr hättet eure Augen ausgerissen und mir gegeben. (Galater 4, 15). Es ergeht ein mahnender Bußruf: Gedenke, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke. Die ersten Werke werden uns in einer siebenfachen Kraftwirkung in der Apostelgeschichte gezeigt:
    a) die Zeugniskraft der ersten Jünger;
    b) die Anziehungskraft der wahren Menschen- und Sünderliebe;
    c) die Tragkraft der herzlichen Bruderliebe;
    d) die Glaubenskraft der erhörlichen Gebete;
    e) die Abstoßungskraft gegenüber dem Ungöttlichen;
    f) die Überwinderkraft in der Leidensfreudigkeit;
    g) die Lebenskraft gegenüber den Krankheits- und Todesmächten.

    Darum richtet sich auch an uns die Frage:

    Wo ist der ersten Christen Liebesfeuer?
    Wo ist die Einigkeit, wo ist die Harmonie?
    Wo ist die Opferwilligkeit, wo ist die Treue?

    Dann die drohende Warnung: Wo aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte, wenn du nicht Buße tust. Die Gemeinde zu Ephesus hat nicht Buße getan, und so kam, was kommen mußte. Die Stürme der weltgeschichtlichen Erschütterungen haben das Licht ausgeblasen und der schöne Leuchter mußte dem Halbmond Platz machen. Zwischen 630 und 640 n. Chr. fiel Ephesus erstmalig in die Hände der Türken, von denen es später vernachlässigt wurde und daraufhin versumpfte.

    Wie schon erwähnt, liegt das verbliebene wüste Trümmerfeld nun neben einem Dorf, das Aja bzw. Adscha Soluk heißt, entstanden aus: Hagios Theologos (= agioV JhwlogoV), auf Deutsch: "Heiliger Theologe", zur Erinnerung an den Apostel Johannes, den "heiligen Theologen", der wahrscheinlich dort begraben liegt. Spätestens seit der Zerstörung ist in Ephesus keine christliche Gemeinde mehr, wie der Herr Jesus dem Apostel vorausgesagt hat. Aber, was noch ernster ist, unaufhaltsam ist die Kirche, abgesehen von einzelnen, meist örtlichen und vorübergehenden, zeitlichen Belebungen, auf dem Wege des Niederganges bis zu diesem Tage vorangeschritten, bis wir in dem siebenten und letzten Stadium, in dem von Laodicea, gegenwärtig in der Zeit des großen Abfalls angelangt sind.

    Das vom Herrn der Gemeinde noch einmal zuteil werdende Lob lautet: Aber das hast du, daß du die Werke der Nikolaiten hassest, welche ich auch hasse. Die Nikolaiten waren eine bereits im ersten Jahrhundert auftauchende gnostische (= erkenntnismystische) Sekte, die sich durch sexuelle Zügellosigkeit hervorgetan hat. Sie waren ein schwärmerischer Kreis, bei dem sich die Gemeinschaft nicht nur auf das Vermögen, sondern auch auf die Frauen bezog. Der Kirchenvater Clemens von Alexandria (160-215 n. Chr.) berichtete, daß es eine Sekte der Nikolaiten gegeben habe, die sich nach dem in Apg. 6, 5 erwähnten Diakon Nikolaos nannte. Unter Berufung auf einen von ihnen falsch ausgelegten Ausspruch des Nikolaos: "Man muß das Fleisch mißbrauchen", verkehrten sie die christliche Freiheit in ihr vollkommenes Gegenteil, indem sie unter Preisgabe der eigenen Frauen einem skrupellosen, unzüchtigen und lasterhaften Leben frönten. - Nikolaos heißt "Volksbesieger"; nikaw = nikao = besiegen oder überreden und laoV = laos = Volk oder Laienstand. Die Nikolaiten waren Irrgeister und greuliche Wölfe, vor denen der Apostel Paulus schon bei seinem Abschied von der jungen Gemeinde von Ephesus prophetisch warnte: Denn das weiß ich, daß nach meinem Abscheiden werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die die Herde nicht verschonen werden. (Apg. 20, 29).

    Was duldet und segnet die Kirche in unseren Tagen nicht alles in ihren Reihen. Es gibt homosexuelle Pfarrer, die mit ihren Partnern als "Ehepaar" eingesegnet werden, desgleichen lesbische Kirchenführerinnen, die nun offen ihre perverse Neigung eingestehen. Denn inzwischen hat eine Synode schon beschlossen, daß Schwule und Lesben in "ethisch verantworteten" Lebensgemeinschaften gesegnet werden können - jedoch nur ausnahmsweise im Gottesdienst. Noch gibt es, soweit bekannt, offiziell keine Tempeldirnen in den Kirchen; allerdings würde es durchaus dem großen Abfall unserer Zeit entsprechen, wenn es doch so wäre.

    Ein weiterer Aspekt sollte hierbei allerdings auch noch berücksichtigt werden. Nikolaos kann ebenfalls mit "Beherrscher des Laienstandes" übersetzt werden. Das könnte ein Hinweis darauf sein, daß die Nikolaiten hier versuchten, einen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien zu machen und diese voneinander zu trennen. Sie predigten den "Geistlichen Stand", den Gott haßt, um dadurch die Laien oder das einfache Volk zu beherrschen, was die Gemeinde zu Ephesus auch haßte und verhinderte. Weil sie dieses Ansinnen entschieden unterbunden hatte, wurden sie von ihrem himmlischen Herrn dafür gelobt. Durch die Aufgabe des allgemeinen Priestertums, wie es die Bibel lehrt, entstanden nämlich die uns bekannten hohen geistlichen Würdenämter und schließlich das Papsttum selbst mit allen seinen weltlichen Machtansprüchen.

    Zum Schluß noch die dringende Aufforderung, die in allen sieben Sendschreiben ergeht: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Paulus erklärte: Der Herr ist der Geist. (2. Kor. 3, 17). Dazu dann die selige Verheißung: Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist. Überwinden heißt: Alle Stürme und Winde des Lebens im Aufsehen auf Jesus unter die Füße zu bekommen, um dann als Überwinder über den Winden, wie ein Flugzeug über den Wolken, triumphierend schweben zu können. Die notwendigen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Überwinderleben sind:
    a) die Wiedergeburt (Joh. 3, 3);
    b) der Glaube (1. Joh. 5, 4);
    c) die geistliche Waffenrüstung (Eph. 6, 10-20).

    Die Bezeichnung "Baum des Lebens" erhält ihre besondere Bedeutung, wenn man bedenkt, daß die Septuaginta (= LXX), die griechische Übersetzung des Alten Testamentes, die Worte "Baum des Lebens" in 1. Mose 2, 9 (= Ez ha-Chaim) mit "Holz des Lebens" (= xulon thV zoeV = xulon tés zoes) übersetzt. Demnach ist der "Baum des Lebens" gleichbedeutend mit dem "Holz des Lebens", wie es auch im Luthertext von 1914 heißt.

    Die Anmerkung dazu in der Scofield-Bibel lautet: "Der Baum des Lebens" ist einer der vielen Hinweise auf das 1. Buch Mose, die wir in der Offenbarung haben. Um den gefallenen Menschen davon abzuhalten, von "dem Baum des Lebens" zu essen, trieb Gott ihn aus Eden hinaus und stellte die Cherubim an den Eingang, um den Weg zu diesem Baum zu bewahren (1. Mose 2, 9; 3, 22. 24). "Der Baum des Lebens" erscheint dreimal in Offb. 22 (VV. 2. 14. 19. [griechisch]), wo das neue Paradies beschrieben wird. In dem N.T. wird das Wort, das übersetzt wird "Baum" (griechisch: xulon = xulon, Anm.) von dem Kreuz gebraucht (Apg. 5, 30; 10, 39; 13, 29; Gal. 3, 13; 1. Petr. 2, 24). Durch den Tod Jesu an dem Baum kann die Menschheit ewiges Leben erhalten. Er "trug unsere Sünden an seinem eigenen Leibe auf das Holz". Alle diese Bibelstellen gehen zurück auf 5. Mose 21, 22-23, wo im hebräischen Text wiederum "Ez" (= Baum) steht.

    Das Schlüsselwort: Laß die erste Liebe nicht!

    Die Dauer der Gemeinde zu Ephesus (Zeitraum): etwa von 47-170 n. Chr., also 123 Jahre.

  7. Das Zeitalter der Gemeinde von Ephesus umfaßt zwei Abschnitte. Zunächst das apostolische Zeitalter, das von 34-100 n. Chr., dem Todesjahr des Apostels Johannes, dauerte. In dieser Zeitspanne hat der Siegeszug des Evangeliums seinen Anfang genommen, wie in dem Bericht über Christi Himmelfahrt vom Herrn Jesus vorausgesagt (Apg. 1, 8), und zwar:

  8. a) das Evangelium zu Jerusalem (Apg. Kap. 2 - 7);
    b) das Evangelium in ganz Judäa und Samarien (Apg. Kap. 8 - 12);
    c) das Evangelium bis an das Ende der Erde. Damals endete die Welt in Kleinasien (Apg. Kap. 13 - 16, 8), bzw. Griechenland, genauer Mazedonien (Apg. 16, 9 - Kap. 26), sowie Italien, insbesondere Rom (Apg. Kap. 27 + 28).

    Zum anderen das nachapostolische Zeitalter, das ungefähr von 100-140 n. Chr. dauerte. Dieses Zeitalter umfaßt:
    a) die Ausbreitung des Evangeliums im gesamten Römischen Reich;
    b) den Kampf zwischen Gesetz und Evangelium;
    c) das Auftreten der gnostischen Irrlehren vom ersten bis dritten Jahrhundert.

    In diese Zeit fällt der Brand von Rom und die durch den römischen Kaiser Nero ausgelöste Christenverfolgung im Jahre 64 n. Chr., die nur örtlich begrenzt war. Dann der jüdische Aufstand gegen die Römer ab dem Jahre 66 n. Chr., über den der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus sodann in seinem Buch "Der Jüdische Krieg" genaue Einzelheiten berichtet hat. Jerusalem wurde im Frühling des Jahres 70 n. Chr. durch den römischen Feldherrn Titus (37-100 n. Chr.), belagert, und am 10. August (= 9. Ab oder Aw nach dem jüdischen Kalender) noch desselben Jahres wurden der prachtvolle Tempel sowie die ganze Stadt zerstört. Der letzte Aufstand der Juden gegen die Römer fand später unter Bar Kochba in den Jahren 132-135 n. Chr. statt. Nach der seinerzeitigen totalen Niederlage der Juden wurde dann das Heilige Land entvölkert. Damit begann damals das "dritte Exil" der Juden, das erst in unseren Tagen, nach fast 2000 Jahren, zu Ende geht.
     

Das zweite Sendschreiben betrifft die Gemeinde zu Smyrna:

Und dem Engel der Gemeinde zu Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich weiß deine Trübsal und deine Armut - du bist aber reich - und die Lästerung von denen, die da sagen, sie seien Juden und sind's nicht, sondern sind des Satans Synagoge. Fürchte dich vor keinem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf daß ihr versucht werdet, und werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode. (Offb. 2, 8-11).

  1. Das griechische Wort "Smyrna (= Smurna)" entspricht dem deutschen Wort "Myrrhe" und bedeutet die "Bittere", auch übersetzt "Myrtenbaum" oder "Bitterkeit". Myrrhe ist das im Heiligen Land und in Arabien bekannte wohlriechende Harz, aus dem das Salböl der Priester bereitet wurde, und auch der Balsam, mit dem man die Toten vor Verwesung schützte; ferner wurde es als duftendes Rauchwerk verbrannt.

  2.  

     

    Smyrna, das heutige türkische Izmir, wurde ungefähr um das Jahr 1000 v. Chr. als griechische Kolonie von dem Thessalier Theseus gegründet (angeblich) und lag 55 km nordwestlich von Ephesus. Thessalien ist eine Landschaft im Nord-Osten Griechenlands, eine fruchtbare Ebene, allseitig von Gebirgen umschlossen. In vorgeschichtlicher Zeit war es das Durchzugsgebiet der einwandernden Griechenstämme, deshalb Ursprungsort vieler Mythen. Theseus, Sohn des Königs Aigeus, zog als Jüngling nach Athen. Im Alter aus Athen vertrieben, soll er in Skyros, einer Insel nordöstlich von Euböa, vom Felsen gestürzt worden sein. Kimon holte 475 v. Chr. die Gebeine des Theseus aus Skyros nach Athen. Dramen von William Shakespeare (Sommernachtstraum) u. a. handeln von ihm.

    Die Stadt Smyrna wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. ionisch und durch Alyattes, König von Lydien (um 605-560 v. Chr.), im Jahre 575 v. Chr. erobert und zerstört (Webster's Geographical Dictionary, bzw. Lexikon der Weltgeschichte). Anschließend plante Alexander der Große (356-13.6.323 v. Chr.) die durch die Lydier zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Da er aber nachher nicht mehr dazu kam, wurde dieser Plan von Antigonos I., der von 316-301 v. Chr. regierte, in Angriff genommen und hinterher von Lysimachos, einem der vier Diadochen (griechisch für: Nachfolger durch Übernahme - von Alexander dem Großen) ausgeführt, der von 301-281 v. Chr. regierte. Dieser baute die Stadt alsdann ungefähr 4 km südwestlich des alten Ortes wieder auf, und zwar nun mit geraden Straßen, großartigen Tempeln und einem Amphitheater. Smyrna wurde jedoch bald eine wichtige Handelsstadt und gleichzeitig ein erstrangiges Zentrum heidnischer Kultur und Religion. Auch noch unter den Römern hielt die wirtschaftliche Blüte der Stadt an.

    Die Stadt war zur der Zeit für ihre außergewöhnliche Schönheit und ihre großartigen Gebäude bekannt; ihr Hinterland war sehr fruchtbar. Dank ihres ausgezeichneten Klimas, ihrer strategischen Lage und der guten Wasserversorgung entwickelte sich Smyrna zu einer der wohlhabendsten Städte Kleinasiens. Als Hafen- und Handelsstadt in der römischen Provinz Asia am Ägäischen Meer war Smyrna natürlicher Endpunkt der alten Handelsroute durch das Tal des Hermos oder Hermus, der heute Gediz oder Sarabat heißt. Dieser Fluß ist etwa 300 km lang und entspringt im Gebirge südlich von Kütahya und fließt westlich bis er in den Golf von Izmir, dem damaligen Smyrna, mündet. Der Golf von Izmir ist allerdings heute stark verschmutzt durch die vielen Industriebetriebe, die sich in dieser Gegend befinden.

    Die Bezeichnung "Krone von Smyrna" scheint sich auf den Ring öffentlicher Gebäude auf der Spitze des Hügels Pagos bezogen zu haben, an dessen Hängen sich die übrige Stadt hinzog. Smyrna war damals eine freie Stadt und im Altertum berühmt für seine unerschütterliche Treue zu Rom. Lange bevor Rom zur Weltmacht geworden war, hatte es sich bereits auf seine Seite gestellt und von allen Städten des Ostens in ganz besonderem Maße Rom gegenüber Loyalität bewiesen. Als im Jahre 26 n. Chr. unter den Städten Kleinasiens ein Wettstreit darüber ausbrach, in welcher Stadt dem göttlichen Tiberius ein Tempel errichtet werden sollte, wurde diese Ehre schließlich Smyrna zuerkannt, das damit sogar noch Ephesus ausstach.

    Smyrna erhob insbesondere auch Anspruch darauf, der Geburtsort Homers zu sein, dessen Bildnis die Münzen der Stadt zierte. Zu seinen Ehren war damals ebenfalls das sogenannte Homereion errichtet worden, das zu den großartigen Bauwerken dieser Stadt zählte. Auf einer ihrer Münzen nahm Smyrna sogar den Ruhm für sich in Anspruch, die erste unter den Städten Asiens an Schönheit und Größe zu sein, was sie auch heute noch zum Teil zu sein scheint. Beim Zerfall des (ost-römischen) Byzantinischen Reiches kam Smyrna 300 Jahre lang unter die Herrschaft der Genuesen. Im Jahre 1402 n. Chr. ließ Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) hier einen Turm aus Menschenköpfen errichten. Die Stadt wurde mehrmals durch Feuer fast zerstört, so zuletzt am 14.-15. September 1922. Trotz vieler Erdbeben, z. B. 1856 n. Chr. und noch im Jahre 1928, ist Izmir dennoch heute mit etwa 1,8 Millionen Einwohnern das zweitwichtigste Wirtschaftszentrum der Türkei. Die Industriebetriebe der Umgebung tragen mit dazu bei, daß der Golf von Izmir jetzt stark verschmutzt ist, da diese sehr große Mengen chemischer Substanzen in das Ägäische Meer einleiten.

  3. Wann die christliche Gemeinde in Smyrna entstanden ist, kann geschichtlich nicht nachgewiesen werden. Man kann aber mit großer Sicherheit annehmen, daß sie von Paulus während seines Aufenthaltes in Ephesus gegründet wurde (siehe Apg. 19, 10). Zur Geschichte dieser Gemeinde gehört auch die Erwähnung des berühmten Märtyrers dieser Stadt. Polykarp, der Bischof von Smyrna, erlitt am 23. Februar 155 n. Chr. den Märtyrertod.

  4.  

     

    Zu dieser Zeit fanden die öffentlichen Spiele in Smyrna statt, wobei die Stadt außerordentlich belebt und die Menge erregt war. Plötzlich wurde der Ruf laut: "Weg mit den Gottlosen; laßt uns Polykarp suchen!" Sicher hätte Polykarp entkommen können, doch, nach einer Traumvision von einem brennenden Kopfkissen, hatte er zu seinen Schülern gesagt: "Man wird mich lebendig verbrennen." Von einem jungen Sklaven, den man folterte, erfuhr man den Aufenthaltsort Polykarps, worauf er gefangengenommen wurde. Er befahl, daß denen, die ihn abholten, ein Festmahl bereitet würde und erbat sich selbst, als letzte Gunst, eine Stunde des Gebets. Nicht einmal der Polizeihauptmann (= Oberhauptmann, Apg. 23, 15 ff., Anm.) wollte, daß Polykarp sterben sollte. Auf dem kurzen Weg in die Stadt flehte er den alten Mann an: "Was ist schon dabei, 'Herr ist der Kaiser' zu sagen und ein Opfer darzubringen, wenn man dadurch vor dem Tode bewahrt bleibt?"

    Doch Polykarp blieb unerbittlich. Für ihn war nur Jesus Christus der Herr. Als er die Arena betrat, hörte er eine himmlische Stimme sagen: "Bleibe standhaft, Polykarp!" Der Proconsul (= ein gewesener Konsul der senatorischen Verwaltung = Landpfleger oder Landvogt, Apg. 13, 12, Anm.) stellte ihn vor die Wahl, den Namen Jesus Christus zu verfluchen und dem Kaiser zu opfern oder aber zu sterben. Darauf antwortete Polykarp: "Sechsundachtzig Jahre habe ich ihm gedient, in denen er mir nie etwas Böses zugefügt hat. - Wie kann ich den König, der mich errettet hat, verfluchen?" Als der Proconsul ihm mit dem Verbrennen drohte, erwiderte Polykarp: "Du drohst mir mit einem zeitlichen Feuer, das rasch erlischt, da du das Feuer nicht kennst, das die Gottlosen beim Jüngsten Gericht erwartet und sie auf ewig bestraft. Warum zögerst du noch? ..." (nach William Barclay, Offenbarung des Johannes, I., Seite 84, übersetzt aus dem Bericht von Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte, IV, 15, 11-24).

    Als Engel oder Stern der Gemeinde zu Smyrna käme vermutlich auf Grund seiner Frömmigkeit und seines Märtyrertodes der greise Bischof Polykarp in Frage. Da aber Polykarp, ein Jünger des Johannes, auf Grund kirchengeschichtlicher Berichte mehr zu einer Organisation neigte und nicht grundsätzlich gegen die Lehre der Nikolaiten war, scheidet er als Repräsentant des Gemeindezeitalters von Smyrna aus. An seine Stelle tritt, laut Überlieferung, Irenäus, Bischof von Lyon, Kirchenvater (140-202 n. Chr.), der 177 n. Chr. erwählt, seit 178 n. Chr. dieses Amt dort ausübte.

    Irenäus, auf Griechisch: eirhnaioV (= Eirenaios), stammte aus Kleinasien und war ein Schüler des Papias. Dieser Papias nun, Bischof von Hierapolis in Kleinasien (um 130 n. Chr.), war wiederum ein Schüler des Johannes, wie Polykarp. Irenäus gilt jedoch als der bedeutendste Theologe des 2. Jahrhunderts. Von seinen Schriften sei hier nur das Hauptwerk mit dem Titel: "Adversus haereses" = lat. "Gegen die Häresien" (Entlarvung und Widerlegung der Gnosis) erwähnt, eine sehr wichtige Quelle für die Kirchengeschichte seiner Zeit. Sein Grundgedanke, die beste Garantie der Rechtgläubigkeit sei die in der Gesamtkirche gebotene Tradition, war dann für die spätere Entwicklung des klerikalen Verständnisses wichtig. Die Wirkung seiner gegen die Gnostiker gerichteten, eher polemischen Argumentation war allerdings in späterer Zeit ziemlich gering, da die Philosophie in der Auseinandersetzung eine immer größere Rolle spielte.

    Schon im 2. Jahrhundert n. Chr. wurden die Bischöfe (diese Bezeichnung entstand von dem griechischen Wort: episkwpoV = episkopos = "Aufseher") über die Priester (vom griechischen Wort: presbuteroV = presbyteros = "Älteste") gestellt. Nach Ignatius oder Ignatios von Antiochia (in Syrien), dem Bischof und Kirchenvater, Schüler des Apostels Johannes, der im Jahre 110 n. Chr. in Rom hingerichtet wurde, mußten die Bischöfe wie Gott selbst verehrt werden, und in den Gemeinden durfte ohne ihre Zustimmung nichts getan werden.

    Die geistliche Beurteilung durch den erhöhten Herrn enthält keinen Tadel. Das zeigt uns doch, daß durch Trübsale und Nöte die Kinder Gottes geläutert und bewährt werden. Der Apostel Paulus bezeugte schon: Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen die nach dem Vorsatz berufen sind. (Röm. 8, 28).

  5. Der Engel der Gemeinde muß das Vertrauen seines Herrn genießen, Botschafter an seiner Statt zu sein. Er trägt aber auch gleichzeitig die Verantwortung, das ihm anvertraute Wort Gottes unverkürzt und ohne Abstriche gewissenhaft an die Gemeinde weiterzugeben. Dabei ist allerdings auch besonders seine Treue und Ausdauer erfordert. Versagt hierin der Botschafter, indem er Einschränkungen macht, so wirkt sich das sehr bald im Gemeindeleben aus. Die Gottesfurcht schwindet und das Interesse am Worte Gottes und an der Gemeinde sinkt dahin. Lauheit, Trägheit, Weltoffenheit, sowie Kritikgeist und Zersetzung sind die unausbleiblichen Folgen davon.

  6.  

     

    Es braucht dann niemanden zu wundern, wenn Gottesdienste und Bibelstunden wenig besucht sind, aber "fromme" Kaffeekränzchen jeder Art noch regen Zulauf finden. Üble Nachrede und mangelnde Offenheit aller Beteiligten üben alsdann ihr zerstörerisches Werk gerade an den echten Glaubensgeschwistern aus. Dadurch ins Abseits gedrängt, werden diese auch noch als engstirnig und kleinkariert betrachtet. Deren gutgemeinten Äußerungen, soweit sie in dieser Situation überhaupt möglich sind, stoßen oft sogar gerade beim Gemeindeleiter auf Ablehnung, besonders, wenn er es mit keinem verderben will. Wer jedoch ein ernstes Wort in aller Liebe nicht verträgt, sollte die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Der Apostel Petrus ermahnt uns deshalb: Haltet rein eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit zu ungefärbter Bruderliebe und habt euch untereinander beständig lieb von Herzen, als die da wiedergeboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. (1. Petr. 1, 22-23).

    Diesmal stellte sich der Herr vor mit den zeugnishaften Worten: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden.Das sagte Jesus von sich indessen auch schon in Kapitel 1 (Offb. 1, 17-18). Ehe denn der allererste Lichtstrahl in das "tohu wabohu", d. h. in die Wüstenei, des Urzustandes dieser von Gott durch ihn geschaffenen Welt hineindrang, war Er. Das sagte ebenfalls bereits Mose in seinem Gebet: Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Psalm 90, 2). Der Apostel Paulus beschrieb seinen und unseren Herrn noch genauer: Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne vor allen Kreaturen. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. (1. Kol. 1, 15-16). Demnach steht er ebenso auch über allen unsichtbaren kosmischen Mächten.

    Die Auferstehung Jesu wird von Lukas wie folgt berichtet: Aber am ersten Tage der Woche sehr früh kamen sie zum Grabe und trugen die Spezerei, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein abgewälzt von dem Grabe und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und da sie darum bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern. Und sie erschraken und schlugen ihr Angesicht nieder zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier; er ist auferstanden. Gedenket daran, wie er euch sagte, da er noch in Galiläa war und sprach: Des Menschen Sohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Und sie gedachten an seine Worte. (Luk. 24, 1-8).

    Der Bezug Jesu auf seine Auferstehung von den Toten ist ein Trostwort für die Gemeinde zu Smyrna, die Märtyrergemeinde. Vor seiner Kreuzigung sprach er zu seinen Jüngern über die Zukunft: Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr werdet gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele der Anfechtung erliegen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil der Unglaube wird überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig. (Matth. 24, 9-13). Dies ist ein Hinweis auf die Leiden der Märtyrer aller Zeiten, die durch viel Drangsal, Hunger, Not und Tod gegangen sind und noch gehen werden.

    Der Luthertext von 1914 lautet nun allerdings wie folgt: Ich weiß deine Werke und deine Trübsal und deine Armut (du bist aber reich), und die Lästerung von denen, die da sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern sind des Satans Schule. Mit diesen tröstlichen Worten läßt der erhöhte Herr die leidgeprüfte Gemeinde wissen, daß er an ihrem Ergehen regen Anteil nimmt. Jedoch fehlt im griechischen Text an dieser Stelle der Ausdruck "... deine Werke ..." - Der Vers beginnt mit den Worten: Ich weiß deine Trübsal ... . Der allwissende Herr kennt genau das Los seiner Gemeinde und kümmert sich liebevoll um das Leben eines jeden Menschen, für dessen Sünden er gestorben ist. Jesus weiß daher auch um deine und meine Trübsal, die doch sicherlich leichter als die des Apostels Paulus ist, der da schrieb: Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. (2. Kor. 4, 17-18).

    Die Armut der Christen in Smyrna hatte zwei Ursachen: Zunächst waren viele von ihnen Sklaven und gehörten gesellschaftlich zu den sozial unterprivilegierten Schichten des Volkes. Zum anderen drang der heidnische Pöbel in die Häuser der Christen ein und zerschlug und raubte alles, was sie besaßen, so daß sie arm und besitzlos ihr Dasein fristen mußten. Jesus tröstet sie aber mit den Worten: du bist aber reich. Trotz aller irdischen Armut war die Gemeinde reich an himmlischen Gütern, die unvergänglich sind. In der sogenannten Bergpredigt sagte er: Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht nachgraben noch stehen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. (Matth. 6, 19-21).

    Paulus schreibt etwas weiter in dem oben erwähnten Brief: Und wir geben niemand irgendein Ärgernis, auf daß unser Amt nicht verlästert werde; sondern in allen Dingen erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Mühen, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig, als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben, und doch alles haben. (2. Kor. 6, 3-10).

    Jakobus, einer von den leiblichen Brüdern des Herrn Jesus, ermahnt uns: Höret zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen auf dieser Welt, daß sie am Glauben reich seien und Erben des Reichs, welches er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? (Jak. 2, 5).

    Der erhöhte Herr Jesus setzt nun den angefangenen Satz fort mit den Worten: ... und die Lästerung von denen, die da sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern sind des Satans Synagoge. In der Provinz Asien lebte eine überaus einflußreiche, alteingesessene Judenschaft. Als diese Provinz in auffallender Weise Erfolgsgebiet der christlichen Mission wurde, flammte die Feindschaft der Juden gegen die Christen auf, so daß sie die Anstifter der Christenverfolgung in Kleinasien wurden. Diese Juden suchten alsdann die Christen bei den Behörden in der übelsten Weise zu verleumden und dieselben gegen sie aufzustacheln. Immer wieder lesen wir in der Apostelgeschichte, wie die Juden die Obrigkeit gegen die Christen aufzuhetzen versuchten, die das Evangelium verkündigten, und zwar:
    a) in Antiochien (Apg. 13, 50),
    b) in Ikonien (Apg. 14, 2 + 5),
    c) in Lystra (Apg. 14, 19),
    d) in Thessalonich (Apg. 17, 5).

    Die Juden waren im allgemeinen stolz auf ihre Abstammung, sowie auch auf ihre Tradition und brüsteten sich, Abraham zum Vater zu haben. Jesus aber mußte sie dann, noch während seines Erdenwandels, diesbezüglich korrigieren: Ich weiß wohl, daß ihr Abrahams Kinder seid; aber ihr sucht mich zu töten, denn mein Wort findet bei euch keinen Raum. Ich rede, was ich von meinem Vater gesehen habe; und ihr tut, was ihr von eurem Vater gehört habt. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater. Spricht Jesus zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke. ... Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, so redet er von seinem Eignen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge. Ich aber, weil ich die Wahrheit sage, so glaubet ihr mir nicht. (Joh. 8, 37-39 + 44-45).

    Auf Grund ihres haßerfüllten Verhaltens den Christen gegenüber bezeichnet der erhöhte Herr diese Juden als ... des Satans Synagoge, d. h. Versammlung. Daran sehen wir, daß man bei aller Werkgerechtigkeit, Gläubigkeit und Frömmigkeit, trotz eines aktiven religiösen Lebens voller Hilfsbereitschaft, doch dem Teufel dienen und sogar schlußendlich verlorengehen kann.

    Fürchte dich vor keinem, was du leiden wirst! Mit diesen Worten tröstet der Herr Jesus die leidgeprüfte Gemeinde und ermutigt sie, nicht zu verzagen angesichts der kommenden Not. So wird sie daran erinnert, wenn die angekündigte Trübsal dann eintritt, daß der Herr es ihr vorausgesagt hat.

    Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf daß ihr versucht werdet, und werdet Trübsal haben zehn Tage. Mit dem Wort "siehe" wird in der Bibel immer unsere besondere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß die nachfolgende Aussage keinen Zweifel zuläßt. Auch hier wird die bedrängte Gemeinde zu Smyrna zur vermehrten Wachsamkeit aufgerufen, da für sie die Gefahr besteht, daß der Teufel etliche ins Gefängnis werfen wird. Unter Zulassung Gottes werden sich gottlose Menschen bereitfinden, diesen schmählichen Judasdienst zu übernehmen. Über diese von Gott gewährte Anzahl darf jedoch der Teufel nicht hinausgehen, da es hier auf "etliche" beschränkt ist. Der Herr wacht sorgfältig über alle Gotteskinder und läßt nicht zu, daß sie mehr erleiden müssen, als sie zu ertragen vermögen.

    Weiter heißt es nun in unserem Text: ... auf daß ihr versucht werdet. Das entsprechende griechische Wort: peirasJhte = pe·irasthéte (= aor. conj. pass. von peirasmoV = pe·irasmos) für Versuchung läßt sich durch das lateinische Wort: Experiment wiedergeben und würde im Zusammenhang so heißen: Ihr werdet Experimenten ausgesetzt sein. Warum Gott seine Getreuen oftmals solchen Experimenten oder Versuchungen im Leben aussetzt, erfahren wir durch den Apostel Petrus: Darüber freuet euch, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. (1. Petr. 1, 6-7).

    Das Maß der Leiden ist genau bemessen, wie der Apostel Paulus bemerkte: Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betroffen. Aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr's könnet ertragen. (1. Kor. 10, 13).

    ... und werdet Trübsal haben zehn Tage. Diese im Sendschreiben an die Gemeinde zu Smyrna angekündigte Trübsalszeit war begrenzt, wie es hier heißt, auf "zehn Tage". Diese kurzzeitige Verfolgung könnte etwas mit der besonderen Situation am Ort zu tun haben, und wahrscheinlich hat es in Smyrna tatsächlich eine solche zehntägige Verfolgung gegeben, in deren Verlauf viele leiden und sterben mußten. Diese Bibelstelle hat aber auch noch eine weitreichendere Bedeutung, denn es ist interessant, daß gerade im Zeitraum der Gemeinde von Smyrna genau zehn Christenverfolgungen stattgefunden haben. Zwischen den Jahren 81 n. Chr., dem Jahr des Amtsantritts Kaiser Domitians, und 313 n. Chr., dem Jahr der Verkündigung des Toleranzedikts durch Kaiser Konstantin, haben zehn römische Kaiser die Christen im Römischen Reich verfolgt, manchmal mehr örtlich begrenzt, ein andermal in ihrem ganzen Herrschaftsgebiet. In dieser Zeit gab es über fünfzig römische Kaiser, die oft weniger als ein Jahr dieses Amt ausübten.

    Dächsel berichtete in seinem Bibelwerk, daß gerade zehn Christenverfolgungen stattgefunden hätten und "somit Smyrna der Typus der Märtyrerkirche der ersten Jahrhunderte" sei. Diese Verfolgungen fanden unter diesen zehn römischen Kaisern statt:

    1) Domitian (Titus Flavius Domitianus), geb. 24.10.51, Kaiser von 81-18.9.96 n. Chr. (nach der Überlieferung als grausamer Charakter geschildert, durch ihn viele Prozesse und etliche Hinrichtungen von Christen, wurde selbst ermordet),
    2) Traian (Marcus Ulpius Traianus), geb. 18.9.53, Kaiser von 98-8.8.117 n. Chr.,
    3) Mark Aurel (Marcus Aurelius Antonius), geb. 26.4.121, Kaiser von 161-17.3.180 n. Chr.,
    4) Septimius Severus (Lucius Septimius Severus), geb. 11.4.146, Kaiser von 193-4.2.211 n. Chr.,
    5) Maximinus Thrax (G. Julius Maximinus Thrax), geb. um 173 n. Chr., Kaiser von 235-Sommer 238 n. Chr. (von seinen eigenen Truppen wegen seiner Härte ermordet),
    6) Decius (Quintus Traianus Decius), geb. um 200 n. Chr., Kaiser von 249-Juni 251 n. Chr., in einer Schlacht gefallen (glaubte durch Ausrottung der Christen die römische Götterwelt zu versöhnen),
    7) Trebonianus Gallus (C. Vibius Treborianus Gallus), Kaiser von 251-253 n. Chr. (wurde bei einem Angriff der Goten von seinen eigenen Truppen erschlagen),
    8) Valerian (Publius Licinius Valerianus), geb. um 190 n. Chr., Kaiser von 253-260 n. Chr., starb in Gefangenschaft bei den Persern unter Schapur I.,
    9) Aurelian (Lucius Domitius Aurelianus), geb. 9.9.214, Kaiser von 270-275 n. Chr. (wurde ermordet),
    10) Diokletian (C. Aurelius Valerius Diocletianus), geb. um 240 n. Chr., Kaiser von 284-1.5.305 n. Chr., dankte ab (Christenverfolgung im gesamten Römischen Reich, Verhaftung der Gläubigen, Folterung bei Verweigerung des Kaiserkultes, Durchführung des Opferzwanges bei Strafen der Blendung, Zwangsarbeit und Tod).
    (Daten zur antiken Chronologie und Geschichte, Philipp Reclam jun., Stuttgart)

    Dann die Verheißung Jesu: Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Jakobus sagte dazu: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. (Jak. 1, 12). Darin ist sicherlich auch eine Anspielung auf die "Krone von Smyrna" zu sehen, die sich auf den Ring öffentlicher Gebäude auf der Spitze des Hügels Pagos bezogen zu haben scheint. Zahlreiche Tempel befanden sich dort zu Ehren der Götter Kybele, Zeus, Apollos, Nemesis, Aphrodite und Asklepios. Der Reichtum und Luxus dieser "Krone von Smyrna" ist nicht zu vergleichen mit Wertschätzung der "Krone des Lebens", die Jesus seinen Getreuen dermaleinst verleihen wird.

    Um es noch etwas schöner mit den Worten eines Dichters auszudrücken:

    Überschwenglich ist der Lohn,
    Der bis in den Tod Getreuen.
    Die der Lust der Welt entfloh'n,
    Ihrem Heiland ganz sich weihen.

    Nun folgt wieder die dringende Aufforderung zum Hören auf den Heiligen Geist. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Jakobus ermahnt noch eindringlicher: Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein, wodurch ihr euch selbst betrüget. (Jak. 1, 22).

    Zum Abschluß des Sendschreibens wieder eine herrliche Verheißung, besonders für die, die den Tod in der Verfolgung erlitten haben oder noch erleiden müssen: Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode. Der zweite oder andere Tod ist die ewige Trennung der Seele von Gott, wie der erste Tod die Trennung der Seele vom Leib ist. Diese Gottesferne in der Ewigkeit steigert sich bis zur äußersten Finsternis, ja zum Heulen und Zähneklappern. Es ist der Sündenlohn eines verfehlten Lebens, vor dem die Bibel ausdrücklich und eindringlich warnt.

    Bei der Auferstehung der Gläubigen heißt es in der Offenbarung: Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis daß die tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung. Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über solche hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. (Offb. 20, 5-6). Weiter steht dort über das Weltgericht: Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl. (Offb. 20, 14). Dann noch eine Warnung: Der feigen Verleugner aber und Ungläubigen und Frevler und Totschläger und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod. (Offb. 21, 8). Im Luthertext von 1914 heißt es in den oben zitierten Bibelstellen jedesmal "der andere Tod", anstatt der wörtlichen Übersetzung "der zweite Tod".

    Das Schlüsselwort: Sei bis in den Tod getreu!

    Die Dauer der Gemeinde zu Smyrna (Zeitraum): etwa von 170-313 n. Chr., also 143 Jahre.

    1. Als die wichtigsten kirchen- und weltgeschichtlichen Ereignisse während dieses Zeitabschnittes seien genannt:

    2.  

       

      a) Im Jahre 171 n. Chr. kamen sodann die Vandalenstämme der Hasdingen und Silingen aus Skandinavien und bedrohten die römische Provinz Dacia. Sie wurden allerdings an der oberen Theiß verdrängt und gerieten im neuen Siedlungsland der Karpaten in die Einflußsphäre der römischen Kultur.

      b) Im Jahre 178 n. Chr. starb in Alexandria der ägyptische Astronom, Geograph und Mathematiker Claudius Ptolemäus (Ptolemaeus), der in Ptolemais um 100 n. Chr. geboren wurde. Das nach ihm benannte geozentrische Weltbild sah die Erde als eine Scheibe im Mittelpunkt des Sonnensystems. Er verfaßte die "Geographica" und die "Syntaxis mathematica" und errechnete darin die Unterlagen für eine 140 n. Chr. gezeichnete Erdkarte mit bereits rund 8 000 geographischen Ortsnamen. Seine Lehre wurde allerdings durch Nikolaus Kopernikus widerlegt.

      c) Im Jahre 189 n. Chr. gewann der Bischofssitz in Rom unter Victor I., Bischof von Rom, mehr und mehr an Vorrangstellung unter den Bistümern.

      d) Im Jahre 190 n. Chr. verfaßte dann der Kirchenvater Clemens oder Klemens, Bischof von Alexandria, griechischer Theologe, seine wichtige Schrift: "Ermahnungsrede an die Helenen", eine philosophische Einführung in das Christentum.

      e) Im Jahre 195 n. Chr. entstand die "Itala", die erste lateinische Bibelübersetzung.

      f) Im Jahre 200 n. Chr. begründeten dann griechische Theologen, wie Bischof Clemens von Alexandria und Origines, genannt Adamantios (185-254 n. Chr.) aus Alexandria und eine kirchliche Lehre, die die christliche Frömmigkeit mit der griechischen Philosophie verbindet.

      g) Im Jahre 257 n. Chr. starben bei Christenverfolgungen im gesamten Römischen Reich die Bischöfe von Rom, Karthago und Paris, Sixtus II., Cyprianus und Dionysios den Märtyrertod.

      h) Im Jahre 276 n. Chr. wurde Mani gekreuzigt, der Begründer des Manichäismus, einer Verschmelzung der christlichen Lehre mit der des Zarathustra (Lichtreligion).

      i) im Jahre 296 n. Chr. starb Menas, ein christlicher Einsiedler und Gründer des Mönchtums, den Märtyrertod.

      j) Im Jahre 311 n Chr. wurde durch das Edikt des Galerius (Galerius Valerius Maximianus), römischer Kaiser (um 250-Mai 311 n. Chr.), erstmals der Gott der Christen als den Heidengöttern zumindest gleichstehend anerkannt.

      k) Im Jahre 313 n. Chr. verkündete Konstantin I., der Große, (Flavius Valerius Constantinus), römischer Kaiser (27.2.280 ? -22.5.337), durch das Edikt von Mailand, das Toleranzedikt, die Glaubensfreiheit der Christen. Er erkannte das Christentum als gleichberechtigte Religion im Reich an und gewährte so der Kirche neben den anderen Gottheiten kaiserlichen Schutz. Da er alsdann das Christentum zur "Religio licita", zur "erlaubten Religion" erhoben hatte, waren aus den bisher Verfolgten plötzlich die nun offiziell Geehrten geworden. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die Machtmittel des Staates den Kirchenführern zur Verfügung standen, um ihre eigenen Bestimmungen durchzusetzen. Für die schriftgemäßen Gemeinden änderte sich daher wenig, denn sie wurden wieder oder weiterhin verfolgt, allerdings jetzt nicht mehr vom Römischen Reich, sondern von der Einrichtung, die sich anmaßte, die christliche Kirche zu sein. - Während der Vorbereitung eines Feldzuges gegen die Perser starb Konstantin an Pfingsten (22.5.) 337 n. Chr., nachdem er sich kurz vorher auf dem Sterbebett anscheinend noch hatte taufen lassen. Als er daraufhin von den Kirchenführern zum Vorbild eines christlichen Herrschers gemacht wurde, entfaltete sich das Christentum bald zur Staatsreligion.

      Der bedeutende Theologe und Gotteszeuge Hilarius, Bischof von Poitiers (315-367 n. Chr.), der eine Schrift: "De trinitate", lateinisch: "Von der Dreieinigkeit" verfaßte, erhob gegen die staatskirchliche Entwicklung einen flammenden Protest: "Die Räuber sind eingebrochen - der Satansengel hat sich in einen Lichtesengel verkleidet - Konstantin, der Wolf in Schafskleidern - er baut die Kirchen auf und den Glauben ab!" Hilarius wurde von Kaiser Konstantin und seinen Nachfolgern verfolgt und verbannt; er starb im Jahre 367 n. Chr., treu im Glauben an seinen Herrn.

      Mit dem Eindringen des Heidentums in die Gemeinden durch die Staatsreligion war sodann auch die abergläubische Vorstellung verbunden, daß z. B. Taufe und Abendmahl "ex opere operato" wirksam seien, das heißt: der bloße Vollzug und Zeremonialakt vermittelten mystische Verwandlung und Neugeburt, Absolution, Reinigung und Rettung. Aus dem Glauben an Jesus, der doch auf das Unsichtbare sieht, wurde mehr und mehr der Glaube an Sakrament, Kleriker und Kirche. - Nicht umsonst schrieb damals der Apostel Paulus: Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. (2. Kor. 4, 17).

      Im 3. Jahrhundert wurde Cyprian (Thasicus Caecilius Cyprianus), Kirchenvater (200-14.9.258 n. Chr.), als erster "papa" (= Vater) genannt; von diesem Wort ist der Titel "Papst" abgeleitet, der sich jedoch stolz "Heiliger Vater" nennen läßt. Cyprian, im Jahre 246 n. Chr. zum Christentum bekehrt, seit 248 n. Chr. Bischof von Karthago, starb 258 n. Chr. als Märtyrer unter Kaiser Valerian. Cyprian ist zudem noch bekannt geworden durch seine Schrift: "De ecclesiae unitate" (lat., "Von der Einheit der Kirche"), in der er den Primat des römischen Bischofs anerkannte, allerdings im Sinne des Primus inter pares (lat., Erster unter Gleichen).
       
       

Das dritte Sendschreiben wendet sich alsdann an die Gemeinde zu Pergamon:

Und dem Engel der Gemeinde zu Pergamon schreibe: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert: Ich weiß, wo du wohnst: da des Satans Thron ist; und hältst an meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet auch in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt. Aber ich habe ein Kleines wider dich, daß du daselbst hast, die an der Lehre Bileams halten, welcher den Balak lehrte, zu verführen die Kinder Israel, daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. So hast du auch solche, die in gleicher Weise an der Lehre der Nikolaiten halten. Tue Buße; wo aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und mit ihnen streiten durch das Schwert meines Mundes. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna und will ihm geben einen weißen Stein; auf dem Stein aber steht ein neuer Name geschrieben, welchen niemand kennt, als der ihn empfängt. (Offb. 2, 12-17).

  1. Pergamon = Pergamon heißt nun wörtlich übersetzt: per (= per) = durch und gamos (= gamoV) = Heirat - durch Heirat. Pergamon wird ebenso als Burg oder Feste bezeichnet, manche übersetzen den Namen mit "Hochburg", so denn auch Abraham Meister (Biblisches Namen-Lexikon). An anderer Stelle wird uns allerdings gesagt, Pergamon sei angeblich benannt nach Pergamos, einem Enkel des Achilleus oder Achilles. Der Überlieferung nach wurde dieser von seiner Mutter durch Feuer bis auf die Ferse unverwundbar gemacht, daher: Achillesferse = die empfindliche Stelle. Die Unterstadt von Pergamon lag an der Stelle des heutigen Bergama, das eine Kleinstadt von ungefähr 35 000 Einwohnern ist und ebenfalls in der Türkei liegt. Dort ist auch heute noch eine Goldmine in Betrieb, was allerdings sonst nirgendwo in der Geschichte der Stadt besonders erwähnt wurde.

  2.  

     

    Pergamon war eine Festung und Stadt in der Kaikosebene im nordwestlichen Teil von Kleinasien. Die geographische Lage ist: 80 km nördlich von Smyrna, also ca. 135 km nördlich von Ephesus und etwa 25 km landeinwärts vom Ägäischen Meer. Seinerzeit war dieses Gebiet auch noch bekannt als die Küste der Aeolis (griechisch: aioliV = aiolis). So nannte man ursprünglich diese früher griechische Landschaft an der ägäischen Küste Kleinasiens, nebst den vorgelagerten Inseln, insbesondere Lesbos. Das Meer dort an dieser Küste ist heute jedoch sehr verschmutzt, verursacht durch die vielen Industriebetriebe, die sich inzwischen in dieser Gegend der Türkei befinden.

    Als Handelsstadt wurde Pergamon damals jedoch von Ephesus überflügelt. Im Jahre 713 n. Chr. wurde die Stadt von den Arabern zerstört, von Byzanz dann zwar wieder aufgebaut, blieb aber fortan bedeutungslos. Seit dem Jahre 1330 n. Chr. ist Pergamon in osmanischer bzw. türkischer Hand.

    Die Vorgeschichte der Stadt ist im einzelnen kaum bekannt. Die eigentliche Blütezeit von Pergamon war die nur 150-jährige Geschichte als selbständige Macht unter dem Herrschergeschlecht der Attaliden. Diese Epoche begann im Jahre 283 v. Chr. mit der Gründung des selbständigen Königreiches Pergamon (des Pergamenischen Reiches) und endete im Jahre 133 v. Chr. mit der Übernahme dieses Reiches durch die Römer.

    Unter Philhetairos (= jilhtairoV) oder Philatärus, der von 283-263 v. Chr. als erster König in Pergamon herrschte, erlangte der pergamenische Staat durch die geschickte Ausnutzung der sogenannten Diadochenkriege zwischen Lysimachos, einem der vier Diadochen (eine griechische Bezeichnung für: Nachfolger durch Übernahme - von Alexander dem Großen) und Seleukos I. Nikator (= Sieger), einem anderen Diadochen, seine staatliche Unabhängigkeit.

    Pergamon wurde als Festung im Jahre 283 v. Chr. von Lysimachos dazu benutzt, seine Kriegsbeute oder Kronschatz dort zu deponieren, den er zur Bewahrung Philhetairos, dem Sohn des Attalos von Tios, anvertraute und mit der Festung übergab. Hierbei ist allerdings der Name Philhetairos sehr aufschlußreich. Philhetairos heißt "Freundesliebe" und ist eine Zusammensetzung der beiden griechischen Worte: jiloV = philos (= Liebe) und: htairoV = hetairos (= Kamerad oder Freund). Der so mit der Bewachung der Festung von Pergamon beauftragte Philhetairos wurde dann jedoch durch den tödlichen Haß seiner Frau Arsinoe alsbald zum Abfall von Lysimachos veranlaßt. Mit der so erfolgten unrechtmäßigen Inbesitznahme von dessen Kriegsschatz während der Diadochenkriege gründete Philhetairos dann noch im selben Jahre auf dieser für ihn im Grunde genommen herrenlosen Basis, wie er sie betrachtete, das Pergamenische Reich.

    Nach Philhetairos, der bis 263 v. Chr. lebte, herrschten noch weitere fünf Könige in den angegebenen Zeitabschnitten: Eumenes I., Neffe des Philhetairos, von 263-241 v. Chr., Attalus oder Attalos I. Soter (= Heiland), von 241-197 v. Chr., Eumenes II., von 197-159 v. Chr., Attalos II. Philadelphos (= Bruderliebe), von 159-138 v. Chr., und Attalos III. Philometor (= Mutterliebe), von 138-133 v. Chr., der dann der letzte war von den sechs selbständigen Herrschern von Pergamon. Auch hier sollte sich das bekannte Sprichwort bewahrheiten: Unrecht Gut gedeihet nicht! Man achte deshalb in diesem Zusammenhang wiederum auf die Zahl sechs.

    Nach dem römischen Schriftsteller Secundus Plinius, dem Älteren (Gaius Plinius Secundus), Historiker (um 23-24.8.79 n. Chr.), hat König Eumenes II., der von 197-159 v. Chr. herrschte, daselbst die Herstellung des nach Pergamon benannten Pergaments gefördert. Es handelte sich dabei um geschlagene und geglättete Tierhaut als Beschreibstoff, griechisch: dijtera = diphtera, lateinisch: membrana = Häutchen genannt, das allerdings seinen Namen lediglich durch den Konkurrenzkampf der Bibliotheken von Pergamon und Alexandria bekam. Diese Rivalitäten waren dann wiederum eine Folge der sogenannten Diadochenkriege, in denen sich die Nachfolger Alexanders des Großen stritten, um einen möglichst großen Teil von dessen Erbe zu bekommen. Diese Wandlung eines Stadtnamens zur Sachbezeichnung ist geschichtlich durchaus bemerkenswert.

    Die frühesten datierten Pergamentfunde stammen zwar aus Babylonien und gehören in den Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr., jedoch wurde die Pergament-Herstellung um das Jahr 180 v. Chr. in Pergamon erfunden und diente dort zunächst dem Eigenbedarf der pergamenischen Bibliothek. Mit diesem Produkt wurde erstmals die ägyptische Monopolstellung in der Papyros- oder Papyrus-Erzeugung gebrochen. Als die Ptolemäer in Ägypten, ein anderes Diadochenreich zu der Zeit, ein Papyrus-Embargo für Pergamon verhängten, besannen sich nun die pergamenischen Bibliothekare auf das Pergament, das sich dann auch als entschieden solider und dauerhafter erwies. Durch das Papyrus-Exportverbot sollte nämlich der Aufbau der pergamenischen Bibliothek behindert werden.

    Das einfache Enthaaren der in Kalkwasser vorgeweichten Tierhaut, Abschaben des Bindegewebes bis zur Epidermis, Glätten und Trocknen ist die einfachste Lederkonservierung ohne chemischen Gerbvorgang. Die Haarseite blieb etwas rauh und wurde gelb, die Fleischseite war weiß und glatt; frische Schrift ist löschbar, alte nur mit Bimsstein abzureiben.

    Damals wurden aus Pergament zunächst Schriftrollen hergestellt, sodann später von den Römern auch Seiten davon zu Büchern gebunden. Für Luxusausgaben verwendete man Pergament, für einfache Papyrus, bis zur Erfindung des Papiers. Die Pergament-Handschrift gestattete auch die Illustration, die sehr dauerhaft war. Das verbreitetste Schreibmaterial in neutestamentlicher Zeit war aber zweifellos Papyrus. Pergament wird in der Bibel nur einmal erwähnt, und zwar von Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus: Den Mantel, den ich zu Troas ließ bei Karpus, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher, sonderlich die Pergamente. (2. Tim. 4, 13).

    Das sogenannte Attalidenreich von Pergamon, genannt nach den Königen Attalus oder Attalos, das sich mit kluger Politik und im Gedanken an das hellenische Erbe gegen die stark orientalisierten Diadochenreiche entwickelte, war lange Zeit neben Athen ein maßgebender Exponent des hellenistischen Geistes und deshalb geistig wohl der einzig rechtmäßige Erbe des Königs Alexander des Großen. Wie bereits erwähnt, wurde Alexander III., der Große, im Jahre 356 v. Chr. geboren und starb am 13.6.323 v. Chr. in Babylon.

    Der Nachfolger von Philhetairos, sein Neffe Eumenes I., der dann von 263-241 v. Chr. König von Pergamon war, erweiterte das Pergamenische Reich bis zur Küste und zum Idagebirge (bei Troja). Attalos oder Attalus I. Soter (= Heiland), der von 241-197 v. Chr. herrschte, war ein Verbündeter der Römer, kämpfte erfolgreich gegen die Galater, verlor aber Teile seines Reiches an die Seleukiden. Dieser Herrscher legte zu seiner Zeit als erster eine private Kunst-Sammlung an und stiftete außerdem noch zahlreiche Weihegeschenke für die Tempel.

    Unter dessen unmittelbarem Nachfolger, dem König Eumenes II. Soter (= Heiland), der von 197-159 v. Chr. herrschte, erlebte Pergamon seine höchste Blüte in Wissenschaft (Medizin) und Kunst (pergamenischer Barock). Gerade zu dieser Zeit durfte die Stadt auch den Anspruch erheben, die Kultur der Griechen zu wahren und zu erneuern. Dieser König dehnte außerdem seinen Herrschaftsbereich bis an das Taurus-Gebirge aus und schmückte Pergamon mit großartigen Bauten. Hierzu zählen insbesondere die bereits oben erwähnte Bibliothek und das Asklepieion, der Tempel des Asklepios. Dadurch wurde die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes eine Hochburg der Medizin.

    In den Jahren 180-160 v. Chr. wurden in Pergamon durch den König Eumenes II. Soter (= Heiland) folgende Bauwerke errichtet: Der gewaltige Zeusaltar (ca. 36 x 34 m) aus schneeweißem Marmor, der sich jetzt in den Staatlichen Museen zu Berlin befindet (1945 nach Moskau verbracht, 1958 zurückgegeben), sowie der Tempel der Pallas Athene, als auch eine neue Stadtmauer. Außerdem befand sich dort die berühmte, von rhodischen Bildhauern um 50 v. Chr. aus Marmor geschaffene Laokoon-Gruppe, die heute im Belvedere des Vatikan aufbewahrt wird. Laokoon ist eine Gestalt der griechischen Mythologie. Dieser soll demzufolge ein trojanischer Apollonpriester gewesen sein, der dann seine Landsleute vor dem hölzernen Pferd der Griechen ("Geschenk der Danaer") gewarnt hatte und deswegen mit seine Söhnen von zwei Schlangen erwürgt wurde. Bei dieser Laokoon-Gruppe handelt es sich um eine plastische Marmordarstellung der rhodischen Bildhauer Hagesandros, Polydoros und Athanadoros, die im Jahre 1506 n. Chr. in Rom wieder aufgefunden wurde. Winckelmann, Lessing und Goethe entwickelten an ihr kunsttheoretische Überlegungen, die ganz interessant sind.

    Attalos oder Attalus III. Philometor (= Mutterliebe), König von 138-133 v. Chr., setzte 133 v. Chr. in seinem Testament die Römer als Erben des Königreiches von Pergamon ein, unter der Bedingung, daß die Griechenstädte frei blieben. Dieses Testament wurde jedoch besonders von Aristonikos, einem unehelichen Sohn des Eumenes II. Soter (= Heiland), daher ein Halbbruder des Attalos III., als Fälschung bezeichnet. Aus diesem Grunde setzte er sich im Jahre 132 v. Chr. an die Spitze eines größeren Aufstandes und hinderte so die Römer zunächst, die ihnen überaus willkommene Erbschaft des nun herrscherlosen Pergamenischen Reiches anzutreten.

    Durch eine Freiheits- und Unabhängigkeitsbewegung, der sich Sklaven, Freigelassene und vornehmlich Teile der Landbevölkerung anschlossen, wollte Aristonikos einen gerechten sozialen Staat begründen, dessen Bürger er nach dem orientalischen Symbol der Gerechtigkeit, der Sonne (= Helios), Heliopoliten (= Bürger des Sonnenstaates) nannte. Die oft geäußerte Anlehnung an einen utopischen Roman des Iambulos scheint nicht erwiesen zu sein. Wir werden jedoch hierbei an den Tag des Herrn und das bald kommende Tausendjährige Friedensreich erinnert, das der Prophet Maleachi (um 500 v. Chr.) schon im Alten Testament dem Volke Israel mit diesen Worten ankündigte: Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln. (Mal. 3, 20).

    Von der sozialen Zielsetzung dieser Bewegung fühlten sich auch die Sklavenhalter in den angrenzenden Ländern bedroht, so daß sie den Römern beim Kampf gegen den von Aristonikos geführten Aufstand halfen. Auch die für frei erklärten Griechenstädte bekämpften diese Bewegung aus Furcht vor Sklavenunruhen. Aristonikos und seinen Anhängern gelang es jedoch, im Jahre 131 v. Chr. den römischen Konsul P. Licinius Crassus in einem schweren Kampf vernichtend zu schlagen. Erst im folgenden Jahre unterlagen die geschwächten Aufständischen dem Konsul L. Cornelius Perperna. Der Anführer der Bewegung überlebte zunächst die totale Niederlage durch die Römer. Aristonikos geriet in römische Gefangenschaft und wurde schließlich in Rom hingerichtet (wohl erdrosselt).

    Pergamon wurde dann im Jahre 129 v. Chr. die Hauptstadt der römischen Provinz Asia (= Kleinasien) und erhielt damit bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. die Residenz des römischen Procurators (= Statthalter einer kleineren Provinz). Zur Zeit des Apostels Johannes, am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr., als er dieses Sendschreiben niederschrieb, was das demnach der Fall, wie wir noch bei der Betrachtung des 3. Punktes sehen werden.

    Pergamon war auch das Zentrum der klassischen Bildung. Zu den Bildungsstätten zählte die Bibliothek, eine der größten der damaligen Welt, die sich durchaus mit der von Alexandria messen konnte, dann ein kolossales Theater, sowie eine Hochschule für Medizin, das Asklepieion. Von dem berühmten Bibliotheksbau, der bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. rund 200 000 Schriftrollen umfaßte, sind noch viele Reste erhalten. Die griechische Bildhauerkunst hatte dort ihre höchste Reife erreicht. Die Bauten von Pergamon gehören zu den wichtigsten Zeugnissen hellenistischer Kultur.

    Pergamon war aber nicht nur das kulturelle, sondern auch das religiöse Zentrum Kleinasiens, ja, des ganzen Römischen Reiches überhaupt. Denn wie in Smyrna, so herrschte in gleicher Weise auch hier der Götter- und Kaiserkult. Die riesigen Kultstätten wurden auf dem 300 Meter hohen terrassierten Burgberg (griechisch: akrwpwliV = akropolis = Hochstadt) erbaut, so daß sich dort damals Tempel an Tempel reihte, deren Überreste teilweise heute noch zu sehen sind. Diese waren zudem allen möglichen babylonischen, griechischen, ägyptischen und römischen Gottheiten geweiht, so z. B. auch der Tempel des Kaisers Augustus, der im Jahre 29 v. Chr. an dieser Stelle errichtet wurde. Ganz oben auf dem Gipfel dieses erhabenen Berges, über allen anderen Tempeln, befand sich der Tempel des römischen Kaisers Traian oder Trajan, der von 53-117 n. Chr. lebte. Dieses gewaltige Heiligtum war der religiösen Würde des römischen Kaisers als "Pontifex Maximus" (= "oberster Brückenbauer" zu Gott) gewidmet, des obersten Priesters der ganzen Ökumene und über alle Religionen, der selbst göttliche Verehrung verlangte und genoß.

    Daneben besaß die Stadt ein Heiligtum des Asklepios Soter, im Südwesten von Pergamon gelegen, das Asklepieion (seit dem 4. Jahrhundert v. Chr.), zu dem eine heilige Straße führte. Für die damalige Kulturwelt hatte aber dieser Tempel eine ganz besondere Bedeutung. Äskulap (griechisch: asklepioV = asklepios) war antiker Gott der Heilkunst, der bei den Römern Aesculapius genannt wurde, daher stammt der bei uns geläufigere Name: Äskulap. Nach den überlieferten Schilderungen der Heiden soll er sogar eine Ähnlichkeit mit Jesus gehabt haben. Der Beiname "Soter" bedeutet "Heiland", was sehr interessant ist, wenn man diesen Titel anhand der Bibel prüft. Auch wie es zu diesem Äskulapkult kam, ist meist wenig bekannt und deshalb gewiß erwähnenswert. Der Apostel Johannes bestätigte erfahrungsgemäß in seinem ersten Brief: Und wir haben gesehen und bezeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat zum Heiland der Welt. Wer nun bekennt, daß Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. (1. Joh. 4, 14-15).

    Der griechischen Sage nach wurde Äskulap von Zeus mit einem Blitz in die Unterwelt geschleudert, als er seine Wunderheilungen an Toten versuchte. Trotzdem, oder sogar gerade deswegen, schrieb man ihm wunderbare Heilungen zu. Das Heilssymbol des Äskulap war die Schlange, darum wurden in seinem Tempel auch lebendige Schlangen gehalten und diese dann selbstverständlich inbrünstig verehrt. Heute noch kommt in Kleinasien die Äskulapnatter vor, eine bis 2 m lange, nicht giftige Natter. Aus diesem Grunde pflegte man dann auch Äskulap meistens bärtig, mit einem Mantel bekleidet und mit dem von einer Schlange umwundenen Stab darzustellen, der zunächst Symbol des ärztlichen Standes, dann zum Sinnbild der Heilkunde insgesamt wurde, der sogenannte Äskulapstab.

    Im Jahre 293 v. Chr. übernahmen auch die Römer anläßlich einer Seuche den Äskulapkult, der dann bis in die Spätantike hinein zu den beliebtesten Kulten gehörte. Dies erfolgte alsdann auf Grund der in den Sibyllinischen Büchern gegebenen Weissagungstexte, die nun Sibylle von Cumae, eine Wahrsagerin des Altertums, zugeschrieben wurden. Sobald jedoch diese Frau von einer Gottheit begeistert war, geriet sie sogleich in Ekstase und sagte spontan die zukünftigen Ereignisse (allerdings meist unheilvolle) voraus. Diese "Oracula Sibyllina" bestanden aus insgesamt 14 Büchern mit orakelhaften Sprüchen, mit denen viel orientalisches Gedankengut nach Griechenland und später nach Rom gelangte.

    Nach römischer Sage hatte Sibylle von Cumae den Äneas von Troja in die Unterwelt geführt und dem König Tarquinius Priscus (angeblich 616-579 v. Chr.) drei ihrer Bücher verkauft. Diese wurden in Rom unter staatlicher Kontrolle geheimgehalten, da sie einen Ausblick auf die künftige Geschichte bis zu Kaiser Augustus enthielten. Sie befanden sich im Tempel des Jupiter, wurden 83 v. Chr. während eines Brandes im Tempel zerstört, später allerdings erneuert und seit Augustus im Apollotempel aufbewahrt. Diese Wahrsagebücher durften nur von einem besonderen Kollegium auf Senatsbeschluß befragt werden (z. B. in Notzeiten). Manche religiösen Einrichtungen gehen auf die Weisung der Sibyllinischen Bücher zurück. Diese wurden noch in der Kaiserzeit nach Augustus befragt, bis sie Flavius Stilicho, römischer Staatsmann (360-22.8.408 n. Chr.), um 400 n. Chr. verbrennen ließ.

    Dieser Äskulapstab, der bis heute von Ärzten und Apothekern als Zeichen verwendet wird, versinnbildlicht die Schlange als Symbol Satans. Dieses Sinnbild ist eine Nachahmung durch den Teufel des von Gott dem Mose bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel gegebenen Heilszeichens: Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. (4. Mose 21, 8). Jesus selbst bezeugt, daß dies ein Hinweis auf seinen Tod am Kreuze ist: Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Joh. 3, 14-15). Gerade an der Erfüllung dieser Bibelstelle erkennen wir sodann den wahren Heiland Jesus Christus, nicht die Nachahmung des Teufels in der Gestalt des Asklepios Soter.

    Außerdem war Pergamon die Geburtsstadt und Heimat des griechischen Arztes Galenos = galenoV (etwa 129-199 n. Chr.), den die Römer aber dann Claudius Galenus nannten, bei uns einfach Galen. Er war der Sohn eines Mathematikers und Architekten, von 157-161 n. Chr. Gladiatorenarzt in Pergamon, daran anschließend praktizierte er mit kurzen Unterbrechungen in Rom. Seit 169 n. Chr. war er Leibarzt am römischen Kaiserhof, insbesondere des Kaisers Mark Aurel, der von 161-180 n. Chr. regierte. Galenos faßte das ärztliche Wissen seiner Zeit systematisch zusammen, daher war er neben Hippokrates der bedeutendste Arzt des Altertums. Seine Schriften erfreuten sich deshalb schnell einer außerordentlichen Wertschätzung und beeinflußten sodann über Jahrhunderte die Heilkunst.

    Pergamon war das geistige Zentrum der damaligen Ökumene, die das Römische Reich in religiöser und auch politischer Hinsicht darstellte, unter dem "Pontifex Maximus", dem Kaiser von Rom. Das Wort Ökumene (griechisch: oikoumenh = oikoumené) bedeutet: Welt- oder (bewohnter) Erdkreis. Neben dieser mehr neutral-geographischen Bedeutung kennt das Griechische allerdings auch noch eine kulturelle und politische, der zufolge die Ökumene sich deckt mit dem Geltungs- und Einflußbereich der hellenistischen Zivilisation. Der so verdeckte Imperialismus dieser Seh- und Denkweise tritt im römischen Sprachgebrauch offen zutage: "orbis terrarum", die lateinische Übersetzung von Ökumene, meint schlichtweg das Imperium Romanum, das Römische Reich. Das heißt jedoch im politischen Klartext: Der Vorzug, ein Bürger des römischen Staates und damit "Weltbürger" zu sein, fordert als Preis von jedem Nichtrömer die freiwillige oder gegebenenfalls durch Waffengewalt erzwungene Unterwerfung unter diese imperiale Ordnung Roms.

    Die genaue, heutige Bedeutung, auch, wie und in welchem Zusammenhang es dazu kam, bedarf allerdings noch einiger Erläuterung. Wichtig ist vor allem zuerst die Feststellung, daß dieses Wort ursprünglich durchaus keine "christliche" Bedeutung hatte, wie sie ihm jedoch heute beigemessen wird, sondern eine Anleihe aus dem heidnisch-babylonischen Bereich ist.

    Im griechischen Grundtext des Neuen Testamentes kommt das Wort Ökumene (= Welt- oder Erdkreis) fünfzehn (= 3 x 5 !) Mal vor (Matthäus 24, 14; Lukas 2, 1; 4, 5; 21, 26; Apostelgeschichte 11, 28; 17, 6; 17, 31; 19, 27; 24, 5; Römer 10, 18; Hebräer 1, 6; 2, 5; Offenbarung 3, 10; 12, 9; 16, 14). Wenn wir diesen Stellen nachgehen, dann entdecken wir eine klare heils- und kirchengeschichtliche Linie.

    Das Wort Ökumene (= Welt- oder Erdkreis) wurde zunächst im Weltreich des Alexander des Großen gebraucht zur Bezeichnung der Einheit der Religionen unter dem Reichsherrscher als dem religiösen Oberhaupt und Oberpriester. - Dieser seinerzeitige Brauch, daß der Kaiser bzw. König nicht nur weltlicher Machthaber, sondern gleichzeitig auch oberster eingeweihter Priester über alle Religionen in seinem Reiche war, stammt aus Babylon.

    Vom 2. Jahrhundert n. Chr. an, so etwa bei Irenäus, Bischof von Lyon (140-202 n. Chr.), oder auch bei Origines, Kirchenlehrer und Schriftsteller in Alexandria, später Presbyter in Cäsarea (185-254 n. Chr.) und dann Eusebius oder Eusebios, Bischof von Cäsarea (260-340 n. Chr.) bezeichnete das Wort Ökumene immer häufiger den Ausdehnungsbereich der Kirche und schließlich die Kirche selbst in ihrer Gesamtheit: so etwa im Osten erstmals bei Basileios oder Basilius dem Großen, Kirchenvater (330-379 n. Chr.) und bei Athanasius oder Athanasios, Bischof von Alexandria (295-373 n. Chr.), desgleichen im lateinischen Westen bei Ambrosius (Aurelius Ambrosius), Bischof von Mailand (339-4.4.397 n. Chr.), der ein hoher Staatsbeamter aus einer Trierer Patrizierfamilie war, bevor seine Ernennung zum Bischof erfolgte, und ebenfalls bei Augustinus (Aurelius Augustinus) geb. 13.11.354, gest. 28.8.430 n. Chr., Bischof von Hippo Regius (Nordafrika), früher Bône, jetzt Annaba in Algerien. Am Ende lautete nun die Gleichung einfach: "Ökumene" = "die ganze Kirche" = "die ganze christliche Welt". Origines war es dann allerdings, der als erster die Einheit aller christlichen Kirchen als Ökumene bezeichnete, auch wenn Unterschiede im Glauben bestanden. Er selbst hielt sich für rechtgläubig, doch wurde seine Orthodoxie öffentlich bezweifelt, bis später das Konzil von 553 n. Chr. Origines endgültig verurteilte.

    Nach dieser gewiß notwendigen Erläuterung der einstigen Bedeutung des Wortes Ökumene und dessen Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte, wollen wir nun weitergehen mit der Betrachtung der geschichtlichen Entfaltung der Stadt Pergamon und ihres eigentlichen Stellenwertes für die damalige Kulturwelt.

    Die sogenannte Konstantinische Schenkung, eine angeblich von Konstantin I., dem Großen (27.2.280? -22.5.337), dem Papst Silvester I., regierte vom 31.1. 314-31.12.335 n. Chr., gemachte Schenkung des Weströmischen Reiches. Dieses auf den 30. März 315 n. Chr. datierte Dokument diente später zur Stützung der weltlichen Ansprüche des Papsttums. Der Legende nach soll Konstantin I. von Silvester I. vom Aussatz befreit und getauft worden sein. Jedoch nach gewiß zuverlässigeren Quellen soll Kaiser Konstantin noch kurz vor seinem Tode in der Kaiservilla in der Nähe von Nikomedia oder Nikomedien (dem heutigen Izmit in der Türkei) durch den Arianer Eusebios von Nikomedien getauft worden sein. Demzufolge ist es durchaus möglich, daß diese Taufe vielleicht erst auf dem Sterbebett erfolgte, unter Umständen sogar noch nach seinem Tode! - Dieser Eusebios von Nikomedien erwarb sich jedenfalls bei Konstantin I. eine Vertrauensstellung wegen seiner dem Kaiser genehmen theologischen Haltung und seines großen Einflusses auf die gesamte Kirche. Allerdings ging im Jahre 378 n. Chr. schließlich auf Grund dieser sogenannten Konstantinischen Schenkung ebenfalls der Titel "Pontifex Maximus" endgültig vom römischen Kaiser an den römischen Bischof über, damals Damasus I., der dieses Amt von 366-384 n. Chr. innehatte. Er gilt seitdem als erster Papst nach dieser neuen Ordnung. - Kaiser war zu der Zeit Gratian (Flavius Gratianus), ein Sohn Valentinians I. (359 -25.8.383 n. Chr.), römischer Kaiser (ab 367 n. Chr.), ab 375 n. Chr. Nachfolger seines Vaters im Westreich. Seitdem als Förderer des Christentums angesehen.

    Die Konstantinische Schenkung beruht hingegen lediglich auf einer zwecks Begründung entsprechender päpstlicher Forderungen gefälschten Urkunde aus der Zeit um 750-850 n. Chr., die der Humanist Lorenzo Valla 1440 n. Chr. erstmals als solche ausgewiesen hat. Den Tatbestand der Fälschung hat er aufgedeckt, so daß heute wirklich kein Zweifel mehr daran besteht. Ulrich von Hutten, Reichsritter (21.4.1488-29.8.1523), war seit 1519 n. Chr. ein treuer Anhänger Luthers im Kampf gegen Rom, den er ebenfalls mit unerbittlicher Schärfe und Kompromißlosigkeit führte, so z. B. durch Herausgabe der Schrift Vallas "De donatione Constantini", auf Deutsch: "Von der Schenkung Konstantins". Durch diese Veröffentlichung wurde damals für alle Welt der unbestreitbare Nachweis erbracht, daß die sogenannte Konstantinische Schenkung sich allein auf eine gefälschte Urkunde gründet, die gewiß der Nutznießer derselben in Auftrag gegeben hatte.

  3. Über die Entstehung der christlichen Gemeinde in Pergamon gibt es leider keine geschichtlichen Anhaltspunkte. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch sie durch die missionarische Tätigkeit des Apostel Paulus in Kleinasien entstanden ist. Pergamon war damals eine wichtige Stadt in Mysien und dieser Landstrich wird in der Apostelgeschichte erwähnt: Als sie aber kamen bis nach Mysien, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; und der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu. Da zogen sie an Mysien vorüber und kamen hinab nach Troas. (Apg. 16, 7-8). Jedenfalls hat Pergamon zur Zeit des Johannes den in der Offenbarung beschriebenen Zustand gehabt. Es liegt deshalb nahe, daß es keine Neugründung war, sondern eine seit längerem bestehende Gemeinde. Im Sendschreiben stellt sie die orthodoxe Kirche dar, die im Zeitraum von 313-604 n. Chr. in ihrer Art vorherrschend war. Den geistlichen Zustand der Gemeinde kann man dann zusammenfassend so einfach mit diesen Worten beschreiben: Sie duldet die Lehre Bileams und der Nikolaiten, sowie Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben.

  4.  

     

    An dieser Stelle ist es zum besseren Verständnis der orthodoxen Kirche gewiß erforderlich, einmal auch deren geschichtlichen Werdegang kurz zu betrachten. Im 2. Jahrhundert n. Chr. verlagerte sich dann allmählich der Schwerpunkt des Römischen Reiches in die östliche Hälfte. Kriege mit den Parthern und gegen die Germanen an der Donau verlangten die häufige Anwesenheit des Kaisers im Osten. Da sich Kleinasien, Syrien und Ägypten außerdem wirtschaftlich stärker als die anderen Teile des Reiches entwickelten, verlegte daraufhin Kaiser Konstantin I. (27.2.280? -22.5.337) im Jahre 326 n. Chr. seine Residenz in die Stadt Byzantion = Buzantion, auf Deutsch: Byzanz, am Bosporus gelegen, die indessen schon ein Jahrtausend zuvor als griechische Kolonie gegründet worden war.

    Mit einem großen Bauprogramm verwandelte Konstantin diese alsdann in eine Weltstadt, verlegte demzufolge die Hauptstadt des Römischen Reiches dorthin und nannte sie fortan ebenso nach seinem Namen: Constantinopolis oder Konstantinopel, die Stadt Konstantins, seine Stadt. Nach seinem Tode wurde er sogleich nach jenem Ort überführt und in der dortigen Apostelkirche beigesetzt.

    Unter den Nachfolgern Konstantins wurde die Herrschaft über das Reich öfter geteilt, aber stets blieb Konstantinopel die Hauptstadt des Ostreiches, zu dem der Balkan, Kleinasien, der Nahe Osten, Ägypten und Libyen gehörten. Theodosius I., der Große, (Flavius Theodosius), der letzte Kaiser des Gesamtreiches (11.1.347-17.1.395), war Mitregent des Kaisers Gratian seit 379 n. Chr. und seit 394 n. Chr., nach dessen Tode, für ein Jahr letzter alleiniger Herrscher über das gesamte Römische Reich. Nach dem Tode des Theodosius erfolgte sodann die endgültige Reichsteilung unter seinen beiden Söhnen Arcadius (Ostreich) und Honorius (Westreich). Für die Hauptstadt des Ostens setzte sich dann im Laufe der Zeit wieder der Name Byzanz durch, und nach ihr nannte man später den gesamten Ostteil des ehemaligen Römischen Reiches das Byzantinische Reich.

    In der christlichen Kirche wurden zwar anfangs alle Bischöfe grundsätzlich als Patriarchen (griech., Erzväter) bezeichnet, dann seit dem 5. Jahrhundert jedoch einzig und allein noch die Metropoliten von Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Der Patriarch von Konstantinopel nannte sich zudem seit 587 n. Chr. Ökumenischer Patriarch und erhob sich damit zum Oberhaupt der orthodoxen Kirche des Ostens. Der Patriarch von Rom galt so für ihn fortan als Oberhaupt der Westkirche. Im Jahre 1054 n. Chr. brach das abendländische Patriarchat von Rom nun endgültig mit der orthodoxen Kirche, die damals die Primatansprüche des Papstes, als ihrem Traditionsverständnis widersprechend, nicht akzeptieren konnte. Diese Trennung besteht bis heute fort, trotz vermehrter Annäherungsversuche des Papstes, die in den letzten Jahrzehnten erfolgten.

    Im Jahre 1589 n. Chr. wurde das Patriarchat von Rußland in Moskau begründet und behielt seinen Sitz dort auch nach der Verlegung der Hauptstadt durch Zar Peter den Großen nach St. Petersburg. Als sämtliche altkirchlichen Patriarchate und die Balkankirchen während etlichen Jahrhunderten unter der osmanischen Herrschaft standen, hatte erlangte dann die orthodoxe Kirche von Rußland eine gewisse Vorangstellung in der Gesamtorthodoxie, besonders auch im Rahmen der Glaubensverbreitung dieser Kirche. Konstantinopel, das heutige Istanbul, ist zwar immer noch Sitz des Ökumenischen Patriarchates, allerdings längst keine "Hochburg" mehr, wie der Name Pergamon und der entsprechende Zeitabschnitt der Gemeinde andeuten. Trotzdem nennt diese Kirche sich auch weiterhin stolz die orthodoxe, d. h. die "rechtgläubige" Kirche, ist indessen vollends versteinert in toten Formen und hat keine Reformation erlebt, sondern eher das Gegenteil.

    Als Engel oder Stern der Gemeinde Pergamon, also des Zeitabschnittes, käme der Bischof Martin von Tours und Apostel Galliens in Frage, weil er die bedeutendste Persönlichkeit in diesem Zeitraum gewesen ist. Martin, dessen lateinischer Name "Martinus" mit "Kämpfer" oder "Krieger" übersetzt werden kann ("dem Kriegsgott Mars gehörend"), wurde zwischen 316/317 n. Chr. in Sabaria, als Sohn eines römischen Offiziers des dortigen Besatzungsheeres geboren. - Damals war Sabaria oder Savaria die Hauptstadt von Pannonia, einer Provinz südwestlich von Wien und Budapest, zwischen der Donau und etwa der Save. Die Stadt heißt heute: Szombathely, hat etwa 87 000 Einwohner, ist am westlichen Rande des Kleinen Ungarischen Tieflandes gelegen. Sie hat auch einen deutschen Namen: Steinamanger, liegt an der Güns, einem kleinen Fluß, der in der Nähe in Österreich entspringt und dann in die Raab und Donau einmündet.

    Im Alter von 15 Jahren wurde Martin eingezogen und diente in einer Eliteeinheit, der berittenen kaiserlichen Leibgarde. Damals war es das römische Heer unter den Kaisern Konstantin I. (27.2.280? -22.5.337), der seit 306 Kaiser und ab 324 Alleinherrscher war, dann Konstantius II. (Flavius Iulius Constantius), geboren 317 n. Chr., Kaiser seit 337 n. Chr., gefallen 361 n. Chr., und zuletzt Julian Apostata, das heißt: der Abtrünnige (Flavius Claudius Iulianus), geboren 331 n. Chr., Kaiser seit 361 n. Chr., mit 30 Jahren. Dieser ist alsdann gestorben nach einer tödlichen Verwundung am 26.6.363 n. Chr., im Alter von nur 32 Jahren, davon gerade zwei Jahre als Kaiser.

    Schon während seiner Dienstzeit bereitete sich Martin drei Jahre lang auf die christliche Taufe vor. Er hielt sich frei von den Lastern, in die sich die Soldatenwelt gewöhnlich verstricken läßt. Seine Güte gegen seine Kameraden war groß, seine Liebe zu seinen Mitmenschen erstaunenswert, seine Geduld und Demut überstiegen jedes menschliche Maß. Um 334 n. Chr. war der achtzehnjährige Gardeoffizier in Amiens stationiert. In dieses Jahr fällt das Ereignis, das bis heute das Andenken an Martin wachhält: In einem strengen Winter begegnete Martin am dortigen Stadttor einem armen, notdürftig bekleidetem Mann. Als der Bedauernswerte die Vorübergehenden vergeblich um Hilfe bat, verstand Martin, daß der Bettler ihm zugewiesen sei. Da er nichts anderes Hilfreiches besaß, zog er sein Schwert und teile seinen Offiziersmantel in der Mitte entzwei. Davon gab er eine Hälfte dem Armen, die andere legte er sich selbst wieder um.

    In der folgenden Nacht hatte Martin eine Vision, also ein Gesicht, bei dem sich die unsichtbare Welt bildhaft zeigte. Jesus Christus erschien ihm im Traum, gekleidet mit seinem halben Militärmantel. Zu den ihn umgebenden Engeln sprach der Herr: "Martinus, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet!". Er erinnerte sich dann an das Wort Jesu: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matth. 25, 40).

    In seinem Traum sah der junge Offizier die Aufforderung, den Militärdienst zu verlassen, um in den Dienst Gottes zu treten. Aus Martinus, dem "Krieger" des Kaisers wurde ein "Kämpfer" Christi, der nicht Tod und Verderben einem unterlegenen Gegner, sondern durch das Evangelium den Menschen Heil und Heilung bringt. Martin ließ sich taufen, um nach kurzer Vorbereitung und Missionstätigkeit in Ungarn als Mönch zu leben. Er kam zuerst nach Genua, dann gründete er um 360 n. Chr. das erste abendländische Mönchskloster in Ligugé, kanpp zehn Kilometer von Poitiers entfernt an den Ufern des Clain, in Gallien, dem heutigen Frankreich, wo sich bald zahlreiche Gleichgesinnte fanden. Nach etwa zehn Jahren, als ein neuer Bischof von Tours gesucht wurde, fiel die Wahl im Jahre 371 n. Chr. auf Martin, der dann am 4. Juli 372 n. Chr. zum Bischof geweiht wurde.

    In seiner Eigenschaft als Bischof nahm er eine entschiedene Haltung gegen den Götzendienst ein. Er schlug die dafür errichteten Haine nieder, ihre Götzenstatuen riß er herunter und zerbrach ihre Altäre. Das alles löste den Widerstand der Heiden aus, aber auch der Klerus war neidisch auf ihn wegen seiner Erfolge auf missionarischem Gebiet. In Oberitalien trat Martin dem Arianismus entgegen und kam deswegen mit den dortigen, arianisch gesinnten Bischöfen in Konflikt, die so die Gottgleichheit Jesu bestritten, im Gegensatz zum Zeugnis der Bibel.

    Der zuständige Bischof, wohl Auxentius von Mailand, der "treulose Bischof", wie ihn Sulpicius Severus (363-425 n. Chr.), um 395 n. Chr. in seinem Buch "Vita Sancti Martini" (= Leben des Heiligen Martin) bezeichnete, ergriff Martin und ließ ihn öffentlich von sechs Soldaten auspeitschen. Das geschah wie bei der Kreuzigung Jesu mit einer Geißel aus Lederriemen, an deren Ende Bleikugeln befestigt waren. Johannes berichtete: Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. (Joh. 19, 1). Die Soldaten schlugen so Martin nach römischem Brauch vierzig mal, bis das Blut in Strömen von ihm herabfloß. Ähnlich war es Paulus ergangen: ... von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger einen (2. Kor. 11, 24). Um Zählfehler auszuschließen, wurde vorsichtshalber einer weniger erteilt, denn man wollte ja "gnädig" sein und nicht zuviel strafen.

    Mit dieser grausamen Strafausführung war eine öffentliche Schande verbunden: vor den Augen aller Menschen nackt dazustehen und die schmerzhaften Schläge auszuhalten. Sogar der Bischof von Rom, Damasus I., erster Papst nach der neuen Ordnung "Pontifex Maximus" von 366-384 n. Chr., lehnte Martins dringende Bitte ab, für ihn beim Kaiser einzutreten. Da dieser Papst durch die sogenannte Konstantinische Schenkung ja alle Macht an sich gerissen hatte, war das eigentlich auch gar nicht nötig. Dieser stand jedoch den arianisch gesinnten Bischöfen näher, als dem rechtgläubigen Martin, der für ihn wohl eher unbedeutend war.

    Die Arianer waren Anhänger des Arius, Presbyter von Alexandria, gestorben 335 n. Chr., der die Gottgleichheit Christi bestritt, dies im Gegensatz zu Athanasius oder Athanasios, griechischer Kirchenlehrer, Bischof von Alexandria (295-373 n. Chr.). Arius lehrte, daß Jesus Christus nicht der Gottheit des Vaters wesensgleich, sondern nur Geschöpf Gottes sei. Er sagte, Jesus Christus war Mensch und ist erst durch seine Erlösungstat zur Gottheit erhoben worden. Diese Lehre löste dann den arianischen Kirchenstreit aus, in dem sich Theologie und Politik untrennbar verquickten. Die Arianer wurden zwar mehrfach verurteilt, allerdings auch wiederum durch einige Kaiser gefördert. Nach der Weihe des Wulfila oder Ulfilas (311-383 n. Chr.) im Jahre 341 n. Chr. zum "Bischof der Goten" durch den Arianer Eusebios von Nikomedien, seit 338 n. Chr. Patriarch von Konstantinopel, gestorben 342 n. Chr., nahmen auch die Ostgermanen den Arianismus an. Erst durch die Entscheidung des Frankenkönigs Chlodwig (466-511 n. Chr.) für das (römisch-katholische) Christentum (497 n. Chr.) wurde der Kirchenstreit endgültig beigelegt.

    Durch Martin ließ Gott Zeichen und Wunder geschehen. Historiker erkennen an, daß er durch den Glauben an den Namen Jesu zumindest in drei Fällen Tote auferweckt hat. Leider hat Martin jedoch selbst kein literarisches Erbe hinterlassen. Popularität im gesamten christlichen Abendland gewann er in der Zwischenzeit durch die über ihn verfaßten Schriften. Das älteste und wichtigste Schriftstück, die "Vita Sancti Martini" (= Leben des Heiligen Martin), verdanken wir seinem Zeitgenossen, dem Anwalt Sulpicius Severus (363-425 n. Chr.), einem aquitanischen Adligen und Freund des Heiligen. Dieses Buch wurde mittlerweile zum Muster christlicher Hagiographie, der Beschreibung des Lebens von Heiligen.

    Der Tod erreichte Martin auf einer seiner Seelsorgereisen. Am 8. November 397 n. Chr., im Alter von etwa 81 Jahren, starb Martin in Candes. Auf seinem Sterbelager betete er und schaute unverwandt zum Himmel empor. In dieser Lage gab er seine Seele dem Schöpfer zurück; sein Antlitz soll dabei geleuchtet haben wie helles Licht. Seine letzten Worte, wie sie uns überliefert sind, klingen genau wie ein soldatischer Rapport an seinen Kriegsherrn: "Mein Herr, es ist ein harter Kampf, den wir in Deinem Dienste in diesem Dasein führen. Nun aber habe ich genug gestritten. Wenn Du aber gebietest, weiterhin für Deine Sache im Felde zu stehen, so soll die nachlassende Kraft des Alters doch kein Hindernis sein. Ich werde die Mission, die Du mir anvertraust, getreu erfüllen. Solange Du befiehlst, werde ich streiten. Und so willkommen dem Veteranen nach erfüllter Dienstzeit die Entlassung ist, so bleibt mein Geist doch Sieger über die Jahre, unnachgiebig gegenüber dem Alter.".

    Martin wurde dann am 11. November in Tours unter ungeheurer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Nachdem der Frankenkönig Chlodwig (466-511 n. Chr.) sich im Jahre 497 n. Chr. für das (römisch-katholische) Christentum entschieden hatte, erhob er ihn zum Nationalheiligen und Schutzherrn der fränkischen Könige. Später erhielt Martin Luther den Namen des Heiligen, da er am 10. November 1483 n. Chr. geboren und am 11. November, dem Martinstag, getauft wurde. (Aus: "Martin von Tours" von Walter Nigg, Herder-Verlag, und einem Artikel erschienen im "Luxemburger Wort").

  1. Wir wollen nun den Inhalt des Sendschreibens betrachten, was der erhöhte Herr der Gemeinde zu sagen hat. Der Brief ist an den Engel oder Boten der Gemeinde zu Pergamon gerichtet. Es ist ein Diener Gottes und Nachfolger Jesu Christi, der über die Versammlung der Gläubigen zu wachen hat. Hinter dem von Gott bevollmächtigten Gemeindeleiter steht der Herr mit seiner ganzen Autorität, so wie er seit eh und je für seine Jünger eintritt: Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat. (Lukas 10, 16).

  2.  

     

    Der Herr Jesus gibt dem Apostel Johannes wieder einen ausdrücklichen Schreibbefehl, wie am Anfang eines jeden Sendschreibens. Wir wissen alle, daß eine mündlich überlieferte Botschaft in Gefahr steht, entstellt zu werden oder gar in Vergessenheit zu geraten. Darum bekommt Johannes den deutlichen Auftrag, diese Nachricht für die Gemeinde niederzuschreiben.

    Jesus Christus beginnt mit den Worten: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert. Damit stellt sich der erhöhte Herr der Gemeinde zu Pergamon in seiner höchsten richterlichen Autorität vor. Im Altertum gab es zwei Kategorien von Statthaltern: die einen, die das Recht des Schwertes besaßen, und die anderen, die nicht entsprechend bevollmächtigt waren.

    Wer das Recht des Schwertes besaß, konnte über Leben und Tod der Menschen entscheiden, indem ein von ihm ausgesprochenes Todesurteil unverzüglich vollstreckt wurde. Dazu schrieb der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen. Denn die Gewalt haben, sind nicht bei den guten Werken, sondern bei den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr haben. Denn sie ist Gottes Dienerin dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut. (Röm. 13, 1-4).

    Dieses Recht des Schwertes darf nach Gottes Ordnung nur in sehr engen Grenzen ausgeübt werden, keinesfalls berechtigt es jedoch die Obrigkeit, die Todesstrafe willkürlich zu vollstrecken und so die ihr gegebene Gewalt für ihre eigenen Zwecke zu mißbrauchen. Christen sollten möglichst alle Menschen mit dem Evangelium erreichen, gerade auch die bösen, damit diese dadurch wiedergeboren werden zu einem neuen Leben, das gottgefällig ist. Lukas, der Arzt, berichtete uns: Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten. (Lukas 5, 31-32).

    Das will heißen, daß die Selbstgerechten, die sich für gesund halten, keinen Heiland suchen, sondern nur die, deren Seele um Hilfe ruft, erfahren Heilung. Christen sind deshalb nicht besser als andere Menschen, jedoch von Gott begnadigt. Die von ihnen verdiente Todesstrafe hat Jesus Christus für sie als Unschuldiger am Kreuz auf Golgatha erlitten. Wer gegen die Todesstrafe ist, sollte aus diesem Grunde zuerst gegen seine eigenen Sünden sein. Gottes Barmherzigkeit darf nicht verwechselt werden mit sentimentaler Weichherzigkeit. In einem Klagelied Davids, das er dem Herrn sang, heißt es: Gott ist ein gerechter Richter und ein Gott, der täglich strafen kann. (Psalm 7, 12).

    So besaß auch der römische Procurator der Provinz Asia in Pergamon das Recht des Schwertes, das "ius gladii", so daß er zu jeder Zeit davon Gebrauch machen konnte. Leider wandte er es auch unverdienterweise gegen die Christen an, die dadurch sehr bedrängt wurden. Diese Erfahrung mußten schon die Apostel vor der Obrigkeit in Jerusalem machen: Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Richtet ihr selbst, ob es vor Gott recht sei, daß wir euch mehr gehorchen als Gott. (Apg. 4, 19). Oder etwas später noch einmal alle: Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Apg. 5, 29).

    Im Vergleich zu dieser weltlichen Macht spricht Jesus Christus von sich selbst: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert. Dieses scharfe, zweischneidige Schwert ging aus dem Munde des erhöhten Herrn, wie wir schon in Kapitel 1 (Offb. 1, 16), gesehen haben. Wir erkennen daran, daß dieses scharfe, zweischneidige Schwert das Wort Gottes ist, wie uns im Hebräer-Brief bestätigt wird: Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. (Hebr. 4, 12).

    Das Wort Gottes, dieses scharfe, zweischneidige Schwert ist in seiner Eigenschaft mit keinem irdischen Schwert zu vergleichen. Der Prophet Jesaja spricht von sich selbst, was der Herr an ihm getan hat: Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht ... (Jes. 49, 2). Und Gott spricht durch den Propheten Jeremia: Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? (Jer. 23, 29). Weiter rät uns der Apostel Paulus in seinem Brief an die Epheser, die Gläubigen von Ephesus: ... und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6, 17).

    Dieses scharfe, zweischneidige Schwert seines Wortes gebraucht der Herr auch heute noch. Überall dort, wo das Wort Gottes rein und lauter, vollständig und in Vollmacht verkündigt wird, da bewirkt es Scheidungen und Entscheidungen. Die rechte Verkündigung des Wortes Gottes bewirkt, daß Menschen sich scheiden von der Welt und Sünde, sowie von allem, was dem Herrn nicht gefällt. Wer sich so für Jesus Christus entscheidet, erfährt dann aber auch die reinigende Wirkung, die das Wort Gottes ausübt, wenn man ihm nur nicht widersteht. Deshalb bezeugt Jesus seinen Jüngern damals und heute: Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. (Joh. 15, 3).

    Wenn wir von dem "Schwert seines Mundes" sprechen, dann müssen wir auch an die Gerichte des Herrn denken, die wir später genauer betrachten werden. Ziemlich am Ende der Offenbarung heißt es: Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlüge ... (Offb. 19, 15). Derselbe Herr, der Gericht hält über die Feinde Gottes, ist gleichzeitig Zuflucht für die, die seinen Schutz suchen. Er gebraucht das Schwert, um die Gläubigen zu richten und zu schützen, in dem Sinne, wie es der Dichter ausdrückt:

    Wort des Lebens, du erleuchtest,
    Doch erwärmst du auch zugleich;
    Eine Hölle offenbarst du,
    Aber auch ein Himmelreich.
    Furchtbar schreckest du die Sünder
    Aus der dumpfen, trägen Ruh',
    Doch mit Liebe deckst du wieder
    Jedes Büßers Fehler zu.

    Der allwissende Herr sagt weiter: Ich weiß, wo du wohnst: da des Satans Thron ist. Der Luthertext von 1914 lautet: Ich weiß, was du tust und wo du wohnst: da des Satans Stuhl ist. In manchem griechischen Text fehlen hier in diesem Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamon die Worte: was du tust. Der ursprüngliche Übersetzer hat sie jedoch sicherlich aus dem Textus receptus, der allerdings zuverlässigsten Handschrift, genommen. Dieser Textus receptus, der griechische Text des Neuen Testamentes, der vom 16. bis 19. Jahrhundert als Übersetzungsvorlage herangezogen wurde, stellte die Arbeitsgrundlage der Reformatoren dar. Das Wort bestätigt daher, Gott weiß um alles, was wir tun, sei es gut oder böse.

    Man muß mit Schaudern daran denken, daß jemand wohnt, wo des Satans Thron ist. Daß der Teufel gerade zu Pergamon seinen "Heiligen Stuhl" aufgerichtet hatte, ist sicherlich nicht von ungefähr geschehen. Warum wohnte Satan zu dieser Zeit nicht in Rom, sondern gerade in Pergamon? Wie wir in unserer Betrachtung schon gesehen haben, wurde damals in Pergamon der Gott der Heilkunst, Asklepios Soter, auf Deutsch: Äskulap, der Heiland, in Form einer Schlange angebetet, die in der unwissenden Welt noch heute als Heilszeichen verwendet wird. An anderer Stelle der Offenbarung heißt es: Und es ward gestürzt der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. (Offb. 12, 9). Gerade diese Anbetung von seiten der Menschen, wie in Pergamon, will der Teufel, die alte Schlange, auch heute noch.

    In der Lutherbibel erklärt heißt es dazu: Asklepiostempel, "Lourdes des Altertums", Heimat des Arztes Galenus. Noch eine ganze Reihe andere Götter hatten in Pergamon ihre Tempel, so z. B.: Zeus (lat. Jupiter), Athene (= Tochter des Zeus), Apollo (= Sohn des Zeus), Dionysos (lat. Bacchus), der Gott des Weines, und Aphrodite, die Göttin der Liebe. Pergamon war dadurch im wahrsten Sinne des Wortes eine heidnische Tempelstadt, wo sich der Satan niedergelassen hatte. Jemand hat es einmal so ausgedrückt: Der Teufel ist nicht allgegenwärtig, deshalb sucht er sich einen Wallfahrtsort, wo dann die Menschen zu ihm kommen.

    In dieser schrecklichen Umgebung befand sich dann die christliche Gemeinde. Pergamon war damals, zur Zeit der Niederschrift der Offenbarung, die Hauptstadt der römischen Provinz Asia, und gerade dort in Kleinasien, sowie auch in Syrien und Griechenland, war die Gemeinde Jesu sehr stark vertreten. Der wütende Gegenspieler Gottes, der Satan, versuchte deshalb nach Möglichkeit von Pergamon aus den Leib Christi, die Gemeinde, zu beeinflussen und womöglich zu zerstören und auszurotten.

    Das vom Herrn der Gemeinde nun zuteil werdende Lob lautet: ... und hältst an meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet auch in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt. Pergamon war die erste Stadt in der römischen Provinz Asia, in der dem Kaiser zu Ehren ein Tempel errichtet wurde, und zwar im Jahre 29. v. Chr., zur Zeit des Augustus, des ersten römischen Kaisers. Im Zusammenhang damit wurde gesetzlich bestimmt, daß alle römischen Bürger jährlich einmal zum Kaisertempel gehen, dort zu Ehren der kaiserlichen Gottheit eine Prise Weihrauch verbrennen und sagen mußten: "Der Kaiser ist der Herr". Daraufhin erhielten die Bürger eine schriftliche Bestätigung darüber, daß sie dem Kaiserkult Genüge getan hatten.

    Dabei müssen wir zweierlei beachten: Erstens, war das Ganze gewiß mehr ein politischer Loyalitätsakt, als eine ernsthafte religiöse Zeremonie. Zweitens, verfolgte Rom damit bestimmt zu keiner Zeit die Absicht, den Kaiserkult zum einzig zulässigen Kult zu machen. Jeder römische Bürger, der damit bekannte, daß der Kaiser der Herr sei, konnte im übrigen jeder beliebigen Religion anhangen. Allerdings durfte diese keineswegs im Widerspruch zur öffentlichen Ordnung und den geltenden Anstandsregeln stehen. Nach seinem Tode wurde Augustus dann "Divus" (= der Göttliche) genannt und Nero später als Heiland der Welt bezeichnet. Zur Zeit des Apostels Johannes beanspruchte jedoch erstmalig der Kaiser Domitian für sich die Anrede: "Dominus et Deus noster" (= unser Herr und Gott). Für jeden Gläubigen war es aber geradezu teuflisch, jemand anderen "Herr und Gott" zu nennen, als allein Jesus Christus, den Sohn Gottes. Dieser Jesus sprach zu den Juden: Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. (Joh. 5, 23). Das aber bedeutete, ohne jede Ungewißheit, daß allen Christen in diesem Zeitraum des Kaiserkultes ständig der Tod drohte.

    Als nun im Jahre 313 n. Chr. das Edikt von Mailand, das Toleranzedikt, durch Kaiser Konstantin I. verkündet wurde, änderte sich die Lage für die Christen. Das Ansehen der Bischöfe und besonders der Metropoliten in der christlichen Kirche machte die Verbindung zwischen Kirche und Staat leicht, und deshalb dauerte es nicht lange, bis die Machtmittel des Staates den Kirchenführern zur Verfügung standen. So wurden die Verfolgten alsbald zu Verfolgern, um ihre eigenen Bestimmungen durchzusetzen. Die schriftgemäßen Gemeinden wurden wieder oder weiterhin verfolgt, doch jetzt jedoch nicht mehr vom (weltlichen) Römischen Reich, sondern neuerdings von der Einrichtung, die sich anmaßte, die christliche Kirche zu sein. Das war demnach die Situation im Zeitabschnitt der Gemeinde zu Pergamon, dessen Dauer bis etwa 606 n. Chr. anzusetzen ist.

    Im Jahre 325 n. Chr. wurde durch Kaiser Konstantin I. das erste Ökumenische Konzil einberufen und trat in Nicäa in Bithynien zusammen. Unter dem Vorsitz des Kaisers und im Beisein von Papst Silvester I., regierte vom 31.1.314-31.12. 335 n. Chr., waren dort 318 Bischöfe mit zahlreichem Gefolge aus allen Teilen des Reiches versammelt, und das Konzil wurde von Konstantin mit großem Gepränge eröffnet. Eine Anzahl der erschienenen Bischöfe trug an ihren Leibern Male der Folterungen, die sie während der Verfolgungszeit erlitten hatten. Das Hauptthema dort war ein Kirchenstreit um die Lehre des Arius, Presbyter von Alexandria, gestorben 335 n. Chr., der seit dem Jahre 318 n. Chr. öffentlich die sogenannte "Homoiusios" (= hwmwiusioV) oder Gottähnlichkeit Christi vertrat, im Gegensatz zu Athanasius oder Athanasios, griechischer Kirchenlehrer (295-373 n. Chr.), der unbeirrt an der Lehre der "Homousios" (= hwmwusioV) oder Gottgleichheit Christi festhielt. Mit Ausnahme von nur zwei Bischöfen erklärte damals das gesamte Konzil die Lehre des Arius für grundsätzlich falsch; denn sie entspreche ganz und gar nicht der ursprünglichen Lehre der Kirche. Er wurde daraufhin verurteilt, abgesetzt und so aus der Christengemeinschaft verstoßen.

    Obwohl diese Entscheidung an sich richtig war, bestätigte doch sodann die Art, wie man sie durchsetzte, nämlich durch die staatliche Gewalt, das Abweichen der Kirche von der Heiligen Schrift. Nur etwa zwei Jahre nach dem Konzil von Nicäa rief Konstantin I., der seine Ansichten wohl inzwischen geändert hatte, auf Betreiben des Eusebios von Nikomedien, alsdann den Arius aus dem Exil zurück, und unter der Regierung seines Sohnes Konstantius II. (317-361 n. Chr.), seit 337 n Chr. Kaiser, wurden nun alle Bischofssitze mit arianischen Bischöfen besetzt. Die Entscheidung des Konzils von Nicäa war damit gänzlich hinfällig geworden. Die Kirchenleitung, nun arianisch geworden, verfolgte hinfort die wahren Gläubigen, die Athanasianer, allerdings noch erheblich schlimmer als vorher die Arianer geächtet worden waren.

    Das Schicksal des Athanasius oder Athanasios, dieses griechischen Kirchenlehrers (295-373 n. Chr.), ist gewiß beispielhaft für die Verfolgung der wahren Gläubigen im Zeitabschnitt der Gemeinde zu Pergamon. Als junger Mann, 30 Jahre alt, hatte er am Konzil von Nicäa teilgenommen, mit 33 Jahren wurde er dann Bischof von Alexandria. Nahezu fünfzig Jahre lang hielt er, obwohl häufig verbannt, tapfer das Zeugnis von der wahren göttlichen Natur des Heilandes aufrecht. Er wurde verleumdet, vor Gericht geschleppt, suchte Zuflucht in der Wüste, kehrte in die Stadt zurück - aber nichts brachte ihn von der Verteidigung der Wahrheit ab, an die er glaubte. Er ließ sich dabei durch nichts, weder durch Volksmeinung, noch durch Drohungen oder gar Schmeicheleien der Regierenden umstimmen, sondern war bis zu seinem Tode standhaft, ein wahrer Vater der Kirche, wie ihn Historiker später bezeichneten. Übrigens ging er bei seiner ersten Verbannung nach dem Tode Kaiser Konstantins nach Trier.

    Glücklich der Gläubige, zu dem Jesus sagen kann: ... und hast den Glauben an mich nicht verleugnet. Im Luthertext von 1914 heißt es etwas undeutlicher: ... und hast meinen Glauben nicht verleugnet, was jedoch eher dem Urtext entspricht. Dabei geht es nicht um einen Religions-, Konfessions- oder Allerweltsglauben, sondern um den wahren, lebendigen Glauben, von dem Judas, der Bruder Jesu, schreibt: ... der ein für allemal den Heiligen übergeben ist. (Judas 3). Dieser Glaube wird heute mehr und mehr verleugnet, etwa indem man der Koexistenz, Solidarität und der Toleranz mit dieser Welt huldigt oder das Geschäft, die Ehre und die Karriere vor Jesus stellt. Oh, diese armen Gläubigen wissen leider nicht, was die Erlösung durch Jesus Christus und der Glaube an ihn wirklich bedeutet, sonst würden sie nicht diese unheiligen Kompromisse eingehen.

    ... und hast den Glauben an mich nicht verleugnet auch in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt. Von Antipas, dem treuen Blutzeugen in der Gemeinde zu Pergamon, wissen wir sehr wenig. Antipas heißt "Gegner" bzw. "gegen alle oder alles". Sein Name ist auch sonst nirgendwo in der Bibel erwähnt. Trotz seiner also kaum beschriebenen Persönlichkeit ist er bei Gott jedoch bestens bekannt, denn der erhöhte Herr nennt ihn ehrenvoll: ... mein treuer Zeuge. Im Urtext steht hier das griechische Wort: martoV (= martos), das eher "Märtyrer" bedeutet, zudem insgesamt achtzehn Mal in verschiedenen Formen im Buch der Offenbarung vorkommt. Es bedeutete ursprünglich "Zeuge", aber später erhielt es die Bedeutung von "einem, der um seiner Treue willen als Zeuge starb" - diese Bedeutung liegt hier vor.

    Einer Überlieferung zufolge, die sich bei Tertullian (Quintus Septimius Florens Tertullianus), ältester lat. Kirchenvater aus Karthago (160-220 n. Chr.), findet, soll Antipas als Bischof von Pergamon zur Zeit des römischen Kaisers Domitian, der von 81-96 n. Chr. regierte, in einem glühenden Stierleib zu Tode geröstet worden sein (nach Simon Metaphrastes). Der Überlieferung nach sollte Antipas schwören, der Kaiser sei Gott. Da ergab sich folgender Dialog:
    Antipas: "Jesus allein ist Gott! - Außer Ihm gibt es keinen Gott!"
    Ankläger: "Weißt du nicht, daß du die ganze Welt gegen dich hast?"
    Antipas: "Dann bin ich eben gegen die ganze Welt!"
    (Anmerkung: Sein Name bedeutet: gegen alle oder alles, siehe oben.).
    Daraufhin steckten sie den Antipas in einen Stier aus Messing und machten Feuer darunter! Nun, Gott sagte: "Mein treuer Zeuge!" - Antipas war ein Mann, der sein Leben ganz dem Herrn ausgeliefert hatte, ja, der seine Liebe ihm gegenüber sogar mit dem Tod besiegelte.

    Kein Zweifel also, daß wir es bei Antipas außerdem mit einem Symbol-Namen zu tun haben. Dieser bezieht sich folgerichtig auf alle die einzelnen, besonders hervortretenden "Widersprecher", so ebenfalls nach einer anderen Übersetzung einer bedeutsamen Handschrift des biblischen Textes, und zudem ausnahmslos alle Nein-Sager um des Glaubens und des Zeugnisses Jesu willen im andauernden Verlauf der gesamten Welt- und Kirchengeschichte, wie dann gerade auch im Zeitabschnitt der Gemeinde zu Pergamon, den wir gegenwärtig betrachten.

    Am Anfang dieses Sendschreibens heißt es schon unheimlich bedeutungsvoll: Ich weiß, wo du wohnst: da des Satans Thron ist, hier immerhin noch einmal: ... wo der Satan wohnt. Was hat Pergamon eigentlich für eine Bewandtnis mit dem Thron Satans? Nun, Pergamon war das religiöse und kulturelle Zentrum nicht nur Kleinasiens, sondern erwiesenermaßen des Römischen Reiches überhaupt. An einem Hügel gebaut, reihte sich Tempel an Tempel, die dann allen möglichen babylonischen, ägyptischen, griechischen und römischen Gottheiten geweiht waren. Als Attalos oder Attalus III. Philometor (= Mutterliebe), König von 138-133 v. Chr., der letzte König und Priester von Pergamon, im Jahre 133 v. Chr. starb, vermachte er die Führung besonders der babylonischen Priesterschaft an Rom.

    Als die Etrusker von Kleinasien, der Gegend um Pergamon, etwa 1000 v. Chr. nach Italien einwanderten, brachten sie zugleich die babylonische Religion mit allen ihren Riten mit. Sie ernannten einen "Pontifex", einen Brückenbauer zu Gott, der fortan das Haupt der Priesterschaft war. Die Römer versuchten schon 509 v. Chr. sich von der Fremdherrschaft der Etrusker zu befreien, trotz allem dauerte es noch einige Jahrhunderte, bis die Widerstandskraft der Etrusker endgültig geschwächt war. Ein letzter Aufstand der Etrusker gegen die Römer fand dann im sogenannten Bundesgenossenschaftskrieg 91-88 v. Chr. statt, bei dem sie den Rest ihrer nationalen Eigenständigkeit verloren und romanisiert wurden. Viele Familien zogen damals nach Rom, dessen Bewohner nun die etruskische Kultur annahmen, die stark religiös bestimmt war und besonders den Glauben an Dämonen und Geister, die Wahrsagerei und einen ausgeprägten Totendienst beinhaltete. Einige Jahrhunderte später übernahmen dann die zivilen Herrscher der Römer das Amt und die Würde dieses "Pontifex" der etruskischen Priester.

    Julius Cäsar (13.7.100-15.3.44 v. Chr.), der bedeutende römische Staatsmann und Feldherr, wurde im Jahre 63 v. Chr. zum ersten "Pontifex Maximus" nach der zuvor übernommenen "Babylonischen Ordnung" ernannt. Damit wurde er gleichfalls Erbe der Rechte und Titel des Attalos oder Attalus III. Philometor, der "Pontifex" von Pergamon gewesen war und bei seinem Tode im Jahre 133 v. Chr. dann Rom zum Erben eingesetzt hatte. So wurde der römische Diktator und bald unumschränkte Alleinherrscher das Haupt der babylonischen Priesterschaft und Rom somit die Nachfolgerin Babylons. Der Name Cäsar wurde zum Begriff (Kaiser, Zar), später zum Beinamen aller Kaiser und zum Titel der Nebenkaiser und Thronfolger. Übrigens wurde damals der fünfte Monat im römischen Kalender, der Geburtsmonat Cäsars, wegen ihm in "Julius" umbenannt.

    Die Kaiser von Rom setzten die Ausübung des Amtes des "Pontifex Maximus" fort bis zum Jahre 376 n. Chr., als Gratian (Flavius Gratianus Augustus), römischer Kaiser (359-25.8.383 n. Chr.), Kaiser seit 367 n. Chr., aus christlichen (!) Gründen diesen Titel ablehnte.

    Pastor Arnold Baum ergänzte: Daraufhin wurde durch den Einfluß der Mönche des Berges Karmel, ein Kollegium babylonischer Religion, das ursprünglich, zur Zeit des Propheten Elia, von den Priestern der Isebel gegründet worden war, im Jahre 378 n. Chr. der Titel "Pontifex Maximus" mit allen Rechten und Pflichten dem Bischof von Rom übertragen. (Albert Lüscher: Babylon).

    Damasus I., Papst von 366-384 n. Chr., war damals der Bischof von Rom, der sich außerdem noch bei der Übernahme dieses Amtes des "Pontifex Maximus" auf die Konstantinische Schenkung berief, die es als Urkunde noch nicht gab!

    So wurde im Jahre 378 n. Chr. der Herrscher der römisch-katholischen Kirche zum Haupt dieser Kirche ernannt, jedoch nach der "Babylonischen Ordnung"! Damasus I. war demzufolge der erste Papst gemäß dieser neuen Ordnung. Auf diese Weise wurde der Thron Satans von Pergamon jetzt endgültig nach Rom verlegt, der "Heilige Stuhl", der Rom und Babylon von nun an zunehmend vereinigte zu einem ökumenischen System. Von diesem Zeitpunkt an war diese Kirche gleich den Ungläubigen allemal dem Gott dieser Welt unterstellt, etwa wie der Apostel Paulus es ausdrückte: Ist nun unser Evangelium verdeckt, so ist's denen verdeckt, die verloren werden, den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, daß sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. (2. Kor. 4, 4).

    Nachdem Jesus das so schöne Zeugnis hatte geben können, mußte er leider noch einen berechtigten Tadel aussprechen: Aber ich habe ein Kleines wider dich, daß du daselbst hast, die an der Lehre Bileams halten, welcher den Balak lehrte, zu verführen die Kinder Israel, daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben.Kleine Ursachen, große Wirkungen, das war auch die Situation in der Gemeinde zu Pergamon, in der sich Anhänger der Lehre Bileams befanden.

    Worin bestand die Lehre Bileams? Bileam (= "Verschlinger oder Verderber des Volkes") war ein heidnischer Seher aus Mesopotamien, den der Moabiterkönig Balak (= "Er verwüstet") zweimal nacheinander berief, um Israel zu verfluchen.

    Statt aber zu fluchen, mußte er in vier Sprüchen voll dichterischer Schönheit prophetisch die herrliche Zukunft Israels verkünden. Balak wurde dann zornig und sprach zu Bileam: Geh nun weg in dein Land! Ich dachte, ich wollte dich ehren, aber der Herr hat dir die Ehre verwehrt. Nachzulesen in 4. Mose, Kap. 22-24.

    Da Gott es dem Bileam dennoch verwehrte, Israel zu verfluchen, so hat Bileam dann nach 4. Mose 31, 16 den Moabitern und Midianitern den teuflischen Rat gegeben, die Israeliten durch ihre Frauen zum Götzendienst und zur Hurerei zu verführen. So kam es in Israel zum geistlichen Ehebruch und zur fleischlichen Unzucht. Diese Sünde hat vierundzwanzigtausend Israeliten das Leben gekostet (4. Mose 25, 9). Auch Bileam selbst hat so hernach den Tod durch das Schwert erleiden müssen (4. Mose 31, 8). Somit erkennen wir in Bileam einen falschen Propheten, der nach Gottes ausdrücklichem Gebot gerichtet wurde: Doch wenn ein Prophet so vermessen ist, daß er redet in meinem Namen, was ich ihm nicht geboten habe, und wenn einer redet in dem Namen anderer Götter, dieser Prophet soll sterben. (5. Mose 18, 20). Wieviele Propheten müßten heute sterben?

    Aus dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamon kann man ohne weiteres schließen, daß da, wo des Satans Thron ist, auch die Lehre Bileams ist. So wie der "Heilige Stuhl" des Teufels heute nicht mehr in Pergamon ist, so ist auch jetzt der Mittelpunkt der Ökumene nicht mehr dort. Bileam verführte Israel zum Götzendienst, also geistlichem Ehebruch, und zur Hurerei, der fleischlichen Unzucht. Genau dasselbe ist die moderne "christliche" Ökumene, nämlich ein Festhalten an der Lehre Bileams, die eine Vermischung der christlichen Lehre mit heidnisch-babylonischen Bräuchen ist.

    Bei Bileam war das dann so: Und Israel lagerte in Schittim. Da fing das Volk an zu huren mit den Töchtern der Moabiter; die luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter. Und das Volk aß und betete ihre Götter an. Und Israel hängte sich an den Baal-Peor. Da entbrannte des Herrn Zorn über Israel ... (4. Mose 25, 1-3). So wurde das Volk Gottes verführt, anderen Göttern zu dienen. In Pergamon war es dann so, daß man den Götzen der Heiden huldigte und den Lüsten dieser Welt frönte. Heute ist man einerseits offen für alle Religionen und andererseits offen für alle Vergnügungen, für die "Sex-Göttin" und für das "süße Leben".

    Nach den Besuchen von "Beobachtern" am ökumenischen Konzil unter dem damaligen "Pontifex Maximus", Papst Johannes XXIII., vor etlichen Jahren, geht es jetzt in unserer Zeit nach "babylonischer Ordnung" weiter - so beispielsweise mit Kanzeltausch und dem gegenseitigen Besuch von Gottesdiensten. Das aber ist gerade die feine, teuflische Methode, um die Gläubigen landauf und landab mit dem äußerst gefährlichen Gift der Koexistenz, Solidarität, Toleranz und anderer Kompromisse zu vernebeln und dann einzuschläfern. Denn wenn nun die geistlichen Führer irren und mit wehenden Fahnen Verrat an Jesus Christus und seiner Gemeinde begehen, dann ist ebenfalls der "frommen" Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit mit all ihren Folgen Tür und Tor geöffnet. So ist es wahrlich auch kein Wunder, wenn das geistliche Niveau der Gotteskinder auf einen so bedenklichen Tiefstand herabsinkt, wie das nun in unseren Tagen der Fall ist. Heute gehen einst blühende Gemeinden wegen ihrer Toleranz einfach zugrunde. Es ist wirklich erschütternd, feststellen zu müssen, daß es jetzt nur noch sehr wenige christliche Missionswerke gibt, die nicht Bileam zum Propheten haben, also durch allerlei weltliche Einflüsse die Gotteskinder verwirren und betören.

    Die Absicht, die nun die Ökumene entschieden verfolgt, wird sich nicht länger auf die Zusammenführung der "christlichen" Kirchen beschränken, sondern ihr endgültiges Ziel besteht in der unwiderruflichen Vereinigung aller Religionen, und somit der ganzen Menschheit, unter einem geistlichen Oberhirten. Deshalb gibt es für die Gemeinde Jesu nur eine Wahl: Darum "gehet aus von ihnen und sondert euch ab", spricht der Herr; "und rühret kein Unreines an, so will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein", spricht der allmächtige Herr (Jes. 52,11; Jer. 31,9). (2. Kor. 6, 17-18).

    So hast auch du solche, die in gleicher Weise an der Lehre der Nikolaiten halten. Schon zuvor in der Gemeinde zu Ephesus begegneten wir den Nikolaiten. Das war eine Sekte, die sich nach dem in der Apostelgeschichte (Apg. 6, 5) erwähnten Diakon Nikolaos bzw. Nikolaus, den Judengenossen von Antiochien, nannte. Nikolaos heißt übersetzt: Volksbesieger; nikaw = besiegen oder auch überreden und laoV = Volk oder Laienstand. Während in Ephesus (Offb. 2, 6) besonders ihre Werke bloßgestellt werden: Götzenopfer und Unzucht im Volke Gottes einzuführen, so geht es in Pergamon doch grundsätzlich um ihre falsche Lehre. Die falsche Stellung der Gemeinde brachte auch eine falsche Lehre. Je mehr sie sich zur Weltförmigkeit neigte, desto mehr öffnete sie ihr Ohr gleichfalls der Weltweisheit gerade der Menschen, die anstelle des Kreuzes so eine falsche Religion setzen, die dem Fleische angenehmer und bekömmlicher ist. - Aber ganz genau das ist die Ursache, woran Menschen ins Fleisch zurückfallen, ja sogar Seelen verlorengehen und alle "fromme" Betriebsamkeit letztlich doch zu nichts führt, außer ihrer Gemeinde einen christlichen Schein zu verleihen.

    Ephesus haßte die Werke der Nikolaiten, Pergamon hingegen duldete ihre Lehrer und Lehre. Die Nikolaiten waren jene Leute, die den Unterschied zwischen Geistlichen und Laien predigten und dann den "Geistlichen Stand" einführten, den Gott so enorm haßt. Hohe geistliche Würdenämter, ja das Papsttum selbst, waren ja schließlich das Resultat des Aufgebens des allgemeinen Priestertums. Wissenschaftlich gebildete Theologen, die den Heiligen Geist zum größten Teil nicht haben und die so von keiner Berufungsstunde nach Jesaja 6, 1 ff. wissen, gelten nach der Heiligen Schrift allgemein nicht als Diener am Worte Gottes.

    Die Reden der Nikolaiten klangen zu allen Zeiten äußerst lieblich, menschenfreundlich, entgegenkommend und überzeugend; aber ihr Rat ist nicht göttlich, sondern teuflisch. Der Herr haßt die Lehre und Werke der Nikolaiten. Welches ist unsere Stellungnahme? Nur wer durch rechtes Hören, treues Bewahren und stilles Tun im Worte Gottes eingewurzelt wird, der wird auch vor den Lehren der unzähligen Arten von Nikolaiten der Letzt- und Endzeit bewahrt bleiben.

    Der erhöhte Herr ruft deshalb eindringlich: Tue Buße! Für begangene Schuld und Sünde gibt es nur ein Mittel, wodurch Gott dann wieder gnädig gestimmt werden kann - und dieses heißt ganz einfach: Buße und Glauben an die Vergebung durch Jesus Christus. Das griechische Wort für Buße heißt: metanoia = metanoia und bedeutet eigentlich genau: "Sinnesänderung" oder "Umdenken". Der Herr will nämlich überhaupt keine Entschuldigungen und keine frommen Gelübde hören. Was Jesus sehen will, das ist Buße sowie aufrichtiges Bereuen des Abweichens und heiliges Leidtragen über den Treuebruch ihm gegenüber.

    ... wo aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und mit ihnen streiten durch das Schwert meines Mundes. Aus diesen Worten geht hervor, daß der Herr nicht mit der Gemeinde kämpfen will, sondern nur mit denen, die sich der falschen Lehre ergeben haben. Wenn nun Jesus mit den Bileams- und Nikolaos-Dienern Krieg führen muß, weil die Gemeinde sie duldet, so stellt sie sich dadurch das traurige Zeugnis der Erkenntnis- und Disziplinlosigkeit aus. Obwohl dann die Gemeinde den Glauben an Jesus nicht verleugnet hat und an seinem Namen festhält, zeigt sie sich unfähig oder unwillig, dem Bösen in jeder Gestalt zu wehren. Denn jede wahre Gemeinde, die durch den Heiligen Geist geleitet wird, schreitet umgehend gegen jede fleischliche Handlung und gegen jeden Irrtum eindeutig und geschlossen ein. Auf diese Fragen der Gemeindedisziplin gibt uns der Apostel Paulus in 1. Korinther 5, 9-13 eine richtungsweisende Antwort.

    In Pergamon waren es wohl nur einzelne, die ihre Vermischung mit der Welt bis zur Tradition oder Lehrmäßigkeit bringen konnten. Aber eben, sie wurden dort in dieser Gemeinde geduldet, sie konnten ihr Wesen, ihre Praxis und ihre Lehre entfalten. - Der Vorsteher nahm überhaupt keine Stellung dagegen. Er schwieg! Auch bei uns wird die Weltlichkeit nicht durch die Welt selbst, sondern durch die "Frommen" in die Gemeinde hineingetragen. Es fällt auf, daß kein einziger Gemeindeleiter von Gott den Vorwurf bekam: "Du hast zu wenig Leute in der Versammlung, du hast zu wenig Rücksicht auf sie genommen!" Oder: "Du hast den Gottesdienst nicht nach ihren Vorstellungen gestaltet, damit es ihnen dort besser gefiel!" Oder: "Du bist zu wenig auf sie eingegangen, darum sind sie nun weggeblieben!" Nein, nein, der erhöhte Herr sagt mit anderen Worten: "Du hast zu wenig scharf gesprochen, sonst wären diese unhaltbaren Zustände sicherlich nicht in Deiner Gemeinde!"

    Das Schwert seines Mundes ist das Wort Gottes, das von diesem erhöhten Herrn ausgeht, wie wir schon bei der Betrachtung von Kapitel 1 (Offb. 1, 16) und oben bei Vers 12 gesehen haben. Das Wort Gottes überführt uns von unseren Sünden, es konfrontiert uns mit der Wahrheit. Dadurch wird die Tatsache offenbar, daß wir versagt haben, sie nicht erkannt und ihr darum nicht gehorsam gewesen sind. Welche Tragik, wenn das Wort, das uns aus dem Munde dessen, der sich für uns dahingegeben hat, zum Leben gesandt ist, in vielen Fällen dereinst zum Schwert werden muß. Jesus weinte damals über Jerusalem, dessen "fromme" Bewohner nicht auf ihn hören wollten. Muß er wohl heute über unsere Gemeinde, über uns oder über einzelne unter uns, auch weinen?

    Nun folgt wiederum die dringende Aufforderung zum Hören: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Durch die Ohren nehmen wir die akustischen Signale unserer Umgebung in uns auf. Doch anders ist es mit den Eindrücken aus der geistlichen Welt, denn diese können nur mit den Ohren des Herzens wahrgenommen werden. Die Aufforderung gilt deshalb ausschließlich denen, die solche Ohren haben; demgemäß, die zur Gemeinde Gottes gehören. Die Sprache des Geistes kann nur in der Stille gehört und verstanden werden; das ist dann die einzige Wellenlänge für den Empfang dieser geistlichen Signale.

    Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna. ... Dieses Überwinden bleibt keiner Gemeinde und keinem Gotteskind erspart. Der Kampf der Gemeinde zu Pergamon richtete sich ja nicht gegen äußere Feinde, wie ihn Smyrna erduldet hatte, sondern nur gegen innere Feinde, die sich bereits in den Raum der Gemeinde eingeschlichen hatten, ebenso auch später in den gesamten Zeitabschnitt von Pergamon.

    Das verborgene Manna, dieses Himmelsbrot, geht auf eine jüdische Vorstellung beim Kommen des Messias zurück. Als die Kinder Israel in der Wüste nichts zu essen hatten, speiste Gott sie mit Manna (2. Mose 16, 11-15). Zur Erinnerung an die damalige Not und die Gabe Gottes füllten die Juden einen Krug mit Manna und stellten ihn in die Lade des Bundes und bewahrten beides im Allerheiligsten des Tempels auf (2. Mose 16, 33-34; Hebräer 9, 4). Dann über 500 Jahre v. Chr. wurde der von Salomo gebaute erste Tempel zerstört. Nach 2. Makkabäer 2, 1-8 soll Jeremia damals, auf göttliche Weisung hin, die Stiftshütte, sowie die Lade, den Krug mit dem Manna und den Rauchopferaltar in einer Spalte des Berges Nebo versteckt haben, mit der Absicht, wenn einmal der Messias kommt, dann wird er die Stätte offenbaren und den Krug mit dem Manna wieder entdecken.

    Im Talmud heißt es dazu (Taanit 9 a): Drei gute Fürsorger standen Israel bei. - Diese sind's: Mose, Aaron und Mirjam. Und drei gute Gaben wurden ihretwegen gegeben. Und diese sind's: Der Brunnen, die Wolke und das Manna; der Brunnen Mirjam zuliebe (2. Mose 17, 1-7), die Wolkensäule Aaron zuliebe (2. Mose 13, 21) und das Manna Mose zuliebe (2. Mose 16, 4). ... Als Mose starb, entfernten sie sich alle, denn es heißt: Die drei Hirten schaffte Ich aber in einem Monat weg. (Sacharja 11, 8, jüdische Übersetzung). Bezeichnenderweise ist Mose auf dem Berge Nebo gestorben (5. Mose 34, 1-8).

    Vom verborgenen Manna zu essen, bedeutet für die Juden, daß sie teilhaben werden an den Segnungen des messianischen Zeitalters, des Tausendjährigen Friedensreiches Jesu Christi. Als die Juden damals Jesus am See Genezareth fanden: Da sprachen sie zu ihm: Was tust du denn für ein Zeichen, auf daß wir sehen und glauben dir? Was wirkest du? Unsre Väter haben das Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Ps. 78, 24): "Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.". - Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel. Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allewege solch Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh. 6, 30-35).

    Dann bezeugte Jesus ihnen noch ein weiteres Mal: Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, das ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. (Joh. 6, 51). Demnach darf der Gläubige schon im diesseitigen Leben teilhaftig werden an dem verborgenen Manna, dem Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen ist. Die Gesamtfülle dieses verborgenen Mannas wird er jedoch erst in der Herrlichkeit erkennen, denn er ist dort zum Hochzeitsmal des Lammes berufen.

    ... und will ihm geben einen weißen Stein; auf dem Stein aber steht ein neuer Name geschrieben, welchen niemand kennt, als der ihn empfängt. Der weiße Stein ist eine Erinnerung an die antiken Spiele. Es war üblich, daß der Kampfrichter den Siegern neben dem verwelkenden Siegeskranz noch als beständigere Siegesurkunde weiße Marmortäfelchen mit eingraviertem Namen aushändigte, auf Grund derer sie bei ihrer Heimkehr als Sieger geehrt wurden. Dieser weiße Stein sicherte ihnen sodann in ihrer Stadt außerdem das lebenslängliche Wohnrecht samt Verpflegung zu.

    Der Apostel Paulus erzählte aus seinem Leben, als er an die Korinther schrieb: Wisset ihr nicht, daß die, so in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Laufet so, daß ihr ihn erlanget! Ein jeglicher aber, der da kämpft, enthält sich alles Dinges; jene nun, daß sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. (1. Kor. 9, 24-25).

    Diese himmlische Siegerehrung sagt der Herr so den Überwindern zu. Ihr neuer Name wird auf dem Stein verzeichnet sein, sie werden dann im neuen Jerusalem ewiges Wohnrecht haben. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten ... (Offb. 7, 16). Dermaleinst werden die Sieger in weißen Kleidern in der Herrlichkeit nach ihrem neuen Namen aufgerufen und gekrönt werden. In der Bibel wurde einem Menschen oft ein neuer Name gegeben, nachdem er sich im Glauben bewährt hatte, wie z. B. Abram, den Gott dann Abraham nannte (1. Mose 17, 1-8), oder auch Jakob, der fortan den Namen Israel tragen durfte (1. Mose 32, 22-32). Im Neuen Testament haben wir also desgleichen, z. B. Levi, den Zöllner, aus dem dann Matthäus, der Apostel und Evangelist wurde (Matth. 9, 9 bzw. Mark. 2, 14 und Luk. 5, 27), wie dann auch Simon, der nun Petrus (lat.) bzw. Kephas (hebr.) heißen sollte (Joh. 1, 42).

    Außerdem wurden zu der Zeit bei Gerichtsverhandlungen weiße und schwarze Steine verwendet. Wer schuldig gesprochen wurde, bekam einen schwarzen, dem Unschuldigen oder dem Sieger bei der Gerichtsverhandlung wurde jedoch ein weißer Stein ausgehändigt. In den erwähnten Verfolgungen haben die Jünger Jesu wohl oft genug von ihren Richtern unberechtigterweise schwarze Steine entgegennehmen müssen. Der gerechte himmlische Richter jedoch gibt ihnen den wohlverdienten weißen Stein. Weiß ist immer die Farbe des Siegers und der Unschuld.

    Das Schlüsselwort: Folge nicht der eitlen Welt!

    Die Dauer der Gemeinde zu Pergamon (Zeitraum): etwa von 313-604 n. Chr., also 291 Jahre.

  3. Nachstehend die wichtigsten Ereignisse der Kirchen- und Weltgeschichte in diesem Zeitraum oder Zeitabschnitt der Gemeinde von Pergamon:

  4.  

     

    a) Im Jahre 314 n. Chr. wurde Eusebius oder Eusebios, griechischer Kirchenlehrer (260-340 n. Chr.), der Verfasser der ersten Kirchengeschichte, zum Bischof von Cäsarea ernannt.

    b) Im Jahre 318 n. Chr. entstand ein Kirchenstreit um die Gottgleichheit oder Gottähnlichkeit Christi. Arius, Presbyter von Alexandria, gestorben 335 n. Chr., bestritt die Lehre von der "Homousios" (= hwmwusioV), der Gottgleichheit Christi, wurde auf dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) verurteilt, abgesetzt und aus der Christengemeinschaft verstoßen. Athanasios, griechischer Kirchenlehrer (295-373 n. Chr.), ab 328 n. Chr. Bischof von Alexandria, vertrat die Wesensgleichheit zwischen Gott und Jesus Christus und wurde deshalb später von Historikern als Kirchenvater bezeichnet.

    c) Im Jahre 321 n. Chr. erließ Konstantin I., der Große (27.2.280? -22.5.337), am 3. März das erste Sonntagsgesetz, die offizielle Einführung des "dies solis", des Sonntag als Ruhetag.

    d) Im Jahre 324 n. Chr. wurde Konstantin I., der Große (27.2.280? -22.5.337), Alleinherrscher über das ganze Römische Reich. Licinius (Valerius Licinianus Licinius), der mit ihm Kaiser war im Osten des Reiches, unterlag im Kampf gegen Konstantin, wurde verbannt und hingerichtet. Indem er das Toleranzedikt von Mailand jetzt auf das Gesamtreich ausdehnte, sicherte sich Konstantin die Unterstützung durch die Christen. Dieser wiederum begründete dann durch die Staatsreligion sein Eingreifen in kirchliche Angelegenheiten. Außerdem geht einer Legende nach die Abkürzung I.H.S. auf die Inschrift eines Kreuzes zurück, das dem Kaiser Konstantin im Traum am Himmel erschienen sein soll. Dieses Monogramm, zuvor die latinisierte Abkürzung der griechischen Form des Names "Jesus", steht seitdem für: in hoc signo (vinces), d. h.: in diesem Zeichen (wirst du siegen).

    e) Im Jahre 325 n. Chr. wurde auf dem Konzil von Nicäa unter Mitwirkung des Kaisers das Nicäanische Glaubensbekenntnis verfaßt, das die Kirchenspaltung verhindern und die Reichseinheit stärken sollte. Zugleich wurde dort ebenfalls der Julianische Kalender zur Grundlage der christlichen Zeitrechnung gemacht. So war Ostern fortan der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, fiel also frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April. Ungefähr zu dieser Zeit war auch der Beginn des christlichen Europas; wir wissen von Gemeinden in Straßburg und Köln (St. Severin), Augsburg und Passau.

    f) Im Jahre 361 n. Chr. zog nun Julian Apostata (Flavius Claudius Iulianus), ein Neffe des Kaisers Konstantin I., der 331 n. Chr. in Konstantinopel geboren war, als römischer Kaiser in seine Geburtsstadt ein und übernahm den Titel "Pontifex Maximus". Nachdem er dem Christentum seine Absage erteilt hatte, erhielt er dann von der Kirche den Beinamen: "Apostata", griechisch: "der Abtrünnige". Bekannt ist seine antichristliche Streitschrift: "Über die leichtgläubigen Schüler der Fischer". Nach einem lange vorbereiteten Feldzug gegen das neupersische Reich mußte er sich, trotz anfänglicher Erfolge, noch kurz vor seinem Ziel zum Rückzug entschließen. Sein Tod am 26.6.363 n. Chr. kurz vor der Hauptstadt Ktesiphon wurde von der Kirche als eine Strafe des Himmels angesehen und legendär ausgeschmückt. Nach einem Bericht des Libanios, griechischer Rhetoriker (314-393 n. Chr.), starb er "durch das Schwert eines christlichen Römers".

    g) Im Jahre 363 n. Chr. wurde die Synode oder das Konzil von Laodicea abgehalten, auf der oder dem die Heiligung des Sonntags und die zum Kanon gehörigen biblischen Bücher festgelegt wurden. Die bereits im Jahre 321 n. Chr. erfolgte offizielle Einführung des "dies solis", des Sonntag als Ruhetag, wurde dort noch einmal offiziell bestätigt und so für verbindlich erklärt für die ganze Kirche. Diese Festlegung der zum Kanon der Bibel gehörenden Schriften des Neuen Testamentes wurde dann auch kurz darauf erwähnt von Athanasius oder Athanasios, griechischer Kirchenlehrer, Bischof von Alexandria (295-373 n. Chr.).

    h) Im Jahre 375 n. Chr. wurde durch den Einbruch der Hunnen die germanische Völkerwanderung ausgelöst, die bis 568 n. Chr. dauerte. Nachdem am Ende der Bronzezeit schon die Kimmerier teilweise nach Westen abgedrängt, später die Germanen an den Grenzen des Römischen Reiches angesiedelt wurden, setzten sich durch die große Völkerwanderung die Alanen, Vandalen, Sueben, Ost- und Westgoten sowie Kimbern, Teutonen und Ambronen in Bewegung.

    i) Im Jahre 381 n. Chr. wurde das 2. Ökumenische Konzil von Konstantinopel durch Theodosius I., den Großen (Flavius Theodosius), den letzten Kaiser des gesamten Römischen Reiches (11.1.347-17.1.395), einberufen. Damals wurde die Lehre von der Dreieinigkeit (athanasische Lehre) dogmatisch festgelegt.

    j) Im Jahre 382 n. Chr. wurde Hieronymus (Sophronius Eusebius Hieronymus), lat. Kirchenlehrer (347-30.9.420 n. Chr.), zum Berater berufen von Damasus I., der Papst von 366-384 n. Chr. war. In dieser Zeit übersetzte Hieronymus in dessen Auftrag die ganze Bibel neu nach den Originaltexten. Nach Gregor I., dem Großen (540-12.3.604 n. Chr.), Papst seit dem 3.9.590, setzte sich dieser Text dann allgemein durch und erhielt später die Bezeichnung: "Vulgata", lateinisch: "die Allgemeingebräuchliche".

    k) Im Jahre 391 n. Chr. erhob Theodosius I. (11.1.347-17.1.395), römischer Kaiser seit 379 n. Chr., 380 n. Chr. getauft, das Christentum alsdann endgültig zur Staatsreligion und verbot alle heidnischen Kulte, untersagte die Weiterführung der Olympischen Spiele und ließ als eifernder Christ zahlreiche antike Tempel zerstören. Die wahren Christen heute fragen sich deshalb auch heute noch, warum es eigentlich die Olympischen Spiele wieder gibt, wo doch schon der Apostel Paulus erklärte: Denn die leibliche Übung ist wenig nütze. (1. Tim. 4, 8).

    l) Im Jahre 395 n. Chr., nach dem Tode des Theodosius I., erfolgte sodann die endgültige Teilung des Römischen Reiches unter seine beiden Söhne Arcadius (Ostreich) und Honorius (Westreich).

    m) Im Jahre 400 n. Chr. wurde die Residenz der weströmischen Kaiser von Trier nach Arles (gallische Präfektur) verlegt.

    n) Im Jahre 431 n. Chr. wurde durch Theodosius II. (30.8.401-28.7.450), Sohn und Nachfolger des Arcadius, daher Enkel des Theodosius I., Kaiser in Konstantinopel seit 408 n. Chr., das 3. Ökumenische Konzil von Ephesus einberufen. - Dort erhielt Maria, die Mutter Jesu, dann auch offiziell den Titel: "Theotokos" (= JhwtwkoV), also "Gottesmutter" oder eigentlich genauer "Gottesgebärerin", und wurde gleichzeitig zur "Immerwährenden Jungfrau" erklärt. Dabei ging jedoch, allerdings jetzt endgültig, die Verehrung der Diana von Ephesus (Apg., Kap. 19) auf Maria über. Eher unbeabsichtigt, aber ganz eindeutig, wurde auf diese Weise immer noch die Himmelskönigin des Alten Testamentes (Jeremia, Kap. 7 + 44) geehrt, sodann bis heute weiterhin verehrt und angebetet. Dadurch wurde gleichzeitig die Zukunft des dortigen Goldschmiede-Handwerkes wenigstens einstweilen gesichert.

    o) Im Jahre 441 n. Chr. war der Einbruch der Hunnen in Thrakien. Die Kriege des Hunnenkönigs Attila, gotisch "Väterchen" (406-453 n. Chr.), dauerten dann bis zu dessen Tode.

    p) Im Jahre 449 n. Chr. benutzte Leo I., der Große (geb. in Tuszien, gest. 10.11. 461 n. Chr.), Papst seit dem 29.9.440 n. Chr., die politische Schwäche der westlichen Reichshälfte, bedingt durch die Machtverlagerung nach Konstantinopel, um die päpstliche Vollgewalt und Lehrautorität (= Primat) auszubauen. Der damalige Herrscher in Rom war Valentinian III. (Flavius Placidius Valentinianus), römischer Kaiser (3.7.419-16.3.455), der im Westreich jedoch schon von 425 n. Chr. an regierte. Dieser wurde von Honorius zum Nachfolger bestimmt, aber zunächst übten seine Mutter Placidia und der Feldherr Aetius die Regentschaft für ihn aus. Von dessen Anhängern wurde er im Jahre 455 n. Chr. dann ermordet. - Bedeutsam für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat wurde zudem die von Gelasius I. (gest. 19.11.496 n. Chr.), Papst seit dem 1.3.492 n. Chr., formulierte "Zweigewaltenlehre" oder auch "Zweischwertertheorie", die dem Papst in jener Zeit die geistliche, dem Kaiser jedoch die weltliche Gewalt zusprach (auctoritas sacrata pontificium et regalis potestas). Er bezog sich dabei fälschlicherweise auf ein Wort der Jünger an Jesus beim letzten Abendmahl: Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. (Luk. 22, 38). Allerdings wurde später besonders von Bonifaz oder Bonifatius VIII. (um 1235-11.10.1303 n. Chr.), Papst seit dem 24.12.1294, diese Lehre so ausgelegt, daß der Papst beide Schwerter besitze, somit die geistliche und die weltliche Macht in seinen Händen vereinte.

    q) Im Jahre 476 n. Chr. stürzte Odoaker, Heerführer der Germanen (433-493 n. Chr.), den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus, das ist lateinisch: "Kleiner Augustus", der von 475-476 n. Chr. regierte, und besiegelte damit den Untergang des weströmischen Reiches, während das oströmische Byzantinische Reich noch bis zum Jahre 1453 n. Chr. fortbestand. Odoaker wurde König des ersten germanischen Staates in Italien, mit Residenz in Ravenna.

    r) Im Jahre 500 n. Chr. erließ Symmachus, Papst von 498-514 n. Chr., das erste Gesetz zur Papstwahl mit dem Verbot von Wahlabmachungen.

    s) Im Jahre 525 n. Chr. gab der skythische Mönch Dionysius (geb. um 500-545 n. Chr.), der sich selbst Dionysius Exiguus (= der Geringe) nannte, im Auftrage des damaligen Papstes Johannes I. (herrschte von 523-526 n. Chr., starb dann in Gefangenschaft) seine Osterfesttabelle (lat. Liber de pas·chate) heraus, in der er erstmals die Jahre ab Christi Geburt rechnete, für die er nun den 25.12. des Jahres 753 "ab urbe condita" (= nach der Gründung der Stadt, nämlich Rom) ohne irgendeinen Zweifel annahm und regte dadurch eine (falsch datierte) christliche Zeitrechnung an. Demzufolge wurde die Stadt Rom mithin im Jahre 753 v. Chr. gegründet, wie uns auch einer kleiner Spruch lehrt. Dionysius Exiguus wollte so auf diese Weise die bis dahin benutzte Zeitrechnung des Kaisers Diokletian (C. Aurelius Valerius Diocletianus), römischer Kaiser (17.9. 243-316 n. Chr.) ablösen, die mit dem Jahr von dessen Amtsantritt (284 n. Chr.) begann. Da nun aber gerade Diokletian einer der grausamsten Christenverfolger war, sind uns in diesem Zusammenhang von Dionysius Exiguus insbesondere die folgenden Worte überliefert: "Wir wollten nicht unsere Zyklen mit dem Andenken dieses ruchlosen Verfolgers (Diokletian) verknüpfen, sondern haben es vorgezogen, von der Fleischwerdung unseres Herrn Jesus Christus an die Jahresläufe zu bezeichnen".

    Dionysius Exiguus legte in seiner Osterfesttabellle eine Berechnung der Lebenszeit Jesu vor. Er benutzte dazu die verschiedenen Angaben der Evangelien und setzte sie sodann in Beziehung zu den beiden damals üblichen Zeitrechnungen: zur Zeitrechnung "ab urbe condita" (= nach der Gründung der Stadt, nämlich Rom), die jedoch mehr literarische Bedeutung hatte gegenüber der anderen, die nach dem Regierungsantritt des Kaisers Diokletian rechnete. Den genauen Tag des Regierungsantritts des Kaisers nannte Dionysius Exiguus den 29. August 284 n. Chr., und das Jahr der Gründung der Stadt Rom sollte demnach das Jahr 754 v. Chr. sein. In dieser Berechnung waren allerdings Fehler, die einmal auf die Worte des Lukas zurückgehen, daß Jesus bei seinem ersten öffentlichen Auftreten "etwa dreißig Jahre alt" gewesen sei (Luk. 3, 23). Schon Johannes Kepler hat im Jahre 1606 n. Chr. (De Jesu Christi salvatoris nostri vero anno natalitio = lat. Von Jesu Christi, unserem Heiland, wahrem Geburtsjahr) das Jahr 7 v. Chr. (oder besser: vor unserer Zeitrechnung) als das Geburtsjahr Jesu Christi hingewiesen, nachdem ihm die Berechnung einer Jupiterkonjunktion gelungen war.

    Die moderne Geschichtsforschung hat zudem festgestellt, daß einige geschichtliche Daten, die in der Nähe der Geburt Jesu liegen, nicht mit der Zeitrechnung des Dionysius Exiguus übereinstimmen. So starb der König Herodes der Große, der den Kindermord von Bethlehem anordnete (siehe Matth. 2, 16-18), im Jahre 750 "ab urbe condita" (= nach der Gründung der Stadt, nämlich Rom). Herodes hatte sich in diesem Jahre zur Kur nach Jericho begeben und starb daselbst kurz vor dem Passahfest. Der Kalender des Dionysius Exiguus begann jedoch erst am 1. Januar des Jahres 754 "ab urbe condita", setzt also die Geburt Jesu vier Jahre danach an. Aus diesen Gründen nimmt man heute an, daß Jesus wahrscheinlich schon am 3. Oktober des Jahres 7 v. Chr. (d. h. vor unserer Zeitrechnung) geboren wurde. Die Formulierung "v. u. Z." dient nur zur Erklärung und hat deshalb hier auf keinen Fall den oft damit verbundenen Christentumsfeindlichen Sinn.

    t) Im Jahre 529 n. Chr. gründete Benedikt von Nursia (etwa 476-543 n. Chr.), das Stammkloster des Benediktinerordens auf dem Monte Cassino und stellte die ersten Ordensregeln auf: Regula Benedicti.
     

Wir wenden uns jetzt dem vierten Sendschreiben zu, dem an die Gemeinde zu Thyatira:

Und dem Engel der Gemeinde zu Thyatira schreibe: Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen, und seine Füße sind gleichwie goldnes Erz: Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld, und daß deine letzten Werke mehr sind als die ersten. Aber ich habe wider dich, daß du das Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. Und ich habe ihr Zeit gegen, daß sie sollte Buße tun, und sie will nicht von ihrer Unzucht lassen. Siehe, ich werfe sie auf ihr Bett und werfe in große Trübsal, die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wenn sie nicht lassen von des Weibes Werken, und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen. Und alle Gemeinden sollen erkennen, daß ich es bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken. Euch aber sage ich, den anderen zu Thyatira, die solche Lehre nicht haben und nicht erkannt haben die Tiefen des Satans - wie sie sagen -: Ich will nicht auf euch werfen eine andere Last; doch was ihr habt, das haltet, bis daß ich komme. Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen, wie auch ich's von meinem Vater empfangen habe; und ich will ihm geben den Morgenstern. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb. 2, 18-29).

  1. Der Name Thyatira = Quatira wird verschieden erklärt: a) Stadt oder Zitadelle von Tya, b) Thyatteira (= Juatteira) = von thyoo (= Juw) = "ich mache angenehmen Geruch" oder: thyo (= Juo) = "ich opfere"; und teiro (= teiro) = "ich verderbe, plage, reibe, verzehre"; "ein verderbter Geruch" oder "Opferplage", "Opfertor" oder "Opfernde", oft auch mit "Weihrauchspenderin" übersetzt. - Diese zweite Bedeutung entspricht dann eher dem Inhalt dieses Sendschreibens. Thyatira war im Altertum eine kleine, aber berühmte Handels- und Industriestadt in Lydien (Kleinasien), in einer lieblichen Gegend, in einem Tal am Fluß Lykos (= lukoV) oder Lycus, der in den Mäander mündet. Der Mäander oder Maiandros (= maiandroV), der heute Menderes heißt, ist ein Fluß, etwa 400 km lang, der in das Ägäische Meer mündet, und zwar südlich der Insel Samos.

  2.  

     

    Die Stadt lag ungefähr 60 km südöstlich von Pergamon und nördlich von Sardes, nahe der Grenze von Mysien, etwa 80 km nordöstlich von Smyrna, dem heutigen Izmir. Anstelle des damaligen Thyatira heißt die dortige Stadt jetzt Akhisar, was auf Deutsch etwa "Weißes Schloß" oder auch "Weiße Stadt" bedeutet, wohl so genannt nach den vielen Marmorbrüchen, die vom nicht allzu weiten Gebirge herüberglänzen. Soweit bekannt, dürfte die Stadt jetzt ungefähr 50 000 Einwohner haben. Wie alle anderen Städte in diesem westlichen Teil Kleinasiens liegt auch Thyatira oder Akhisar in der heutigen Türkei.

    Diese antike griechische Stadt wurde jedenfalls gegründet im Jahre 281 v. Chr. durch Seleukos I. Nikator (= Sieger), einem Feldherrn Alexanders des Großen und Begründer und König des Reiches der Seleukiden (356-281 v. Chr.). Er gewann weite Gebiete Vorderasiens durch den Sieg bei Kurupedion (281 v. Chr.) über Lysimachos, wodurch sein Reich dann fast die Ausdehnung jenes Gebietes erhielt, das schon Alexander der Große erobert hatte. Es reichte vom Indus (in Indien) bis ans Mittelmeer, also bis nach Kleinasien, das ein Teil von Vorderasien ist. Als er sich allerdings kurz darauf nach Mazedonien wandte, wurde er ermordet (281 v. Chr.). Seleukos I. Nikator teilte zudem sein Herrschaftsgebiet in mehrere Verwaltungsbezirke, in denen zahlreiche Städte nach griechischem Vorbild eine Art Selbstverwaltung erhielten. Seleukos I. Nikator ist dann einer der vier Diadochen (griechisch für: Nachfolger durch Übernahme) Alexanders des Großen, der außerdem noch indirekt im Buch Daniel erwähnt wird: Danach wird ein mächtiger König aufstehen und mit großer Macht herrschen, und was er will, wird er ausrichten. Aber wenn er emporgekommen ist, wird sein Reich zerbrechen und in die vier Winde des Himmels zerteilt werden, nicht auf seine Nachkommen, auch nicht mit solcher Macht, wie er sie hatte; denn sein Reich wird zerstört und Fremden zuteil werden. (Dan. 11, 3-4).

    Thyatira war von Anfang an immer ein militärischer Stützpunkt wegen der strategischen Lage an einer großen Durchgangsstraße und galt als Einfallstor nach Pergamon, der späteren Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Deshalb war Thyatira dann auch eine römische Garnisonsstadt, in der eine Kohorte mazedonischer Truppen stationiert war, um so das nordöstlich liegende Pergamon zu schützen. Eine Kohorte (lateinisch: cohors, "Gefolge" oder "Schlachthaufen") war zunächst eine militärische Einheit der römischen Bundesgenossen, deren Fußvolk in Kohorten zu je 600 Mann an den Flanken der Legion aufgestellt war, später eine Abteilung einer römischen Legion. Eine Legion bestand damals aus 10 Kohorten = 30 Manipel = 60 Zenturien = 6 000 Mann.

    Ungünstig war nur, daß Thyatira in einem offenen, leicht zugänglichen Tal lag und deshalb die dortigen Verteidiger gar nicht imstande waren, die Stadt längere Zeit zu halten. Es gab weder Höhen noch Hügel in unmittelbarer Nähe, die man hätte befestigen können. An der Durchgangsstraße von Pergamon nach Sardes gelegen, konnte man leicht entlang des Flusses Lykos nach Thyatira eindringen, denn das Gebirge war nur seitlich, in einiger Entfernung von der Stadt. So konnte man dort nur mit hinhaltendem Widerstand operieren, um so den Bewohnern von Pergamon etwas Zeit zu lassen, sich auf die Eindringlinge aus dieser Richtung (von Sardes kommend) kriegerisch vorzubereiten.

    Überdies war die Stadt berühmt wegen ihrer Purpurfärbereien und auch bekannt durch ihre erstklassigen Handwerker. So wird uns in der Apostelgeschichte von einer Purpurkrämerin mit Namen Lydia berichtet, die ursprünglich aus Thyatira in Lydien (oder Lydia geschrieben) kam, wie ihr Name dann auch noch besagte. Als Paulus auf seiner zweiten Missionsreise etwa im Jahre 50 n. Chr. in Troas war, erhielt er durch eine göttliche Vision die Weisung, seine Reiseroute zu ändern, wobei ihn auch Silas, Timotheus und Lukas begleiteten. Deshalb kann uns auch Lukas, der Arzt, in seiner Apostelgeschichte einen genauen Augenzeugenbericht über den weiteren Verlauf geben:

    Und dem Paulus erschien ein Gesicht bei der Nacht; das war ein Mann aus Mazedonien, der stand da und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber das Gesicht gesehen hatte, da trachteten wir alsbald, zu reisen nach Mazedonien, gewiß, daß uns Gott dahin berufen hätte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir aus von Troas; und geradeswegs kamen wir nach Samothrake, des andern Tages nach Neapolis und von da nach Philippi, welches ist die Hauptstadt dieses Teils von Mazedonien und eine römische Kolonie. Wir blieben aber in dieser Stadt etliche Tage. Am Tage des Sabbats gingen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, wo wir dachten, daß man pflegte zu beten, und setzten uns und redeten zu den Frauen, die da zusammenkamen. Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; dieser tat der Herr das Herz auf, daß sie darauf achthatte, was von Paulus geredet ward. Als sie aber mit ihrem Hause getauft ward, bat sie uns und sprach: Wenn ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an den Herrn, so kommt in mein Haus und bleibet allda. Und sie nötigte uns. (Apg. 16, 9-15). (Im Luthertext von 1914 heißt es: aus der Stadt der Thyatirer).

    Lydia war eine Heidin, die sich zur jüdischen Gemeinde hielt, war offen für das Evangelium und kam zum Glauben an Jesus. Es war die erste Person auf europäischem Boden, die durch die frohe Botschaft erreicht wurde. Auch hier war die Taufe die Bestätigung der Aufnahme in die neue Heilsgemeinde. Ihre Bitte um Einkehr in ihr Haus entsprang jedoch nicht einfach der Gastfreundschaft, vielmehr wußte sie nun, daß seit Jesus Christus die Schranken zwischen Juden und Heiden nicht mehr bestehen.

    Was die religiöse Bedeutung von Thyatira betrifft, so herrschte dort wohl der damals übliche Götter- und Kaiserkult, aber als religiöses Zentrum war die Stadt nicht so wichtig und berühmt wie andere Städte. An Kultstätten besaß Thyatira Tempel, die der Göttin Artemis (griechisch) oder Diana (römisch), dem Gott Apollon (lat. Apollo) und dem Stadt- und Heldengott Tyrimnos (lat. Tyrimnus) geweiht waren. Letzterer wurde als Schutzpatron verehrt, der mit dem Sonnengott Apollon (lat. Apollo) gleichgesetzt wurde. Dieser galt als Sohn des obersten Gottes Zeus (lat. Jupiter), wie auch der Kaiser als Sohn des Zeus angesehen wurde. Außerdem befand sich dort ein Heiligtum, in dem Wahrsagerei ausgeübt wurde. Den Vorsitz führte dabei ein weibliches Orakel mit Namen Sambathe.

    Worin bestanden denn nun die Schwierigkeiten und Gefahren, in die sich die Gemeinde zu Thyatira verwickelt sah? Von allen in den Sendschreiben genannten sieben Städten in Kleinasien ist Thyatira diejenige, von der wir am wenigsten wissen. Es ist von daher auch sehr schwer, die damalige Situation genau wiederzugeben. Wir wissen allerdings, daß Thyatira ein bedeutender Handelsplatz war, an dem vor allem das Färbereiwesen und der Handel mit Wollwaren eine große Rolle spielten. Wie wir schon gesehen haben, stammte die Purpurkrämerin Lydia aus dieser Stadt.

    Auch heute gibt es in dieser Gegend noch viele Schafzüchter und damit Wollhandel, jedoch hat dieser nicht mehr den Umfang wie damals. Ihre Bedeutung ganz verloren hat indes die damalige Durchgangsstraße, die jetzt geradezu eine kleine Landstraße von Izmir über Akhisar nach Bergama ist, da inzwischen eine wichtige Eisenbahnlinie weitgehend diese Transportaufgabe übernommen hat. In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts war Akhisar außerdem wegen seines Opiumhandels berüchtigt, der heutzutage wohl auch noch abgewickelt wird, allerdings eher stillschweigend. In einer Antwort des Europäischen Rates vom 24. April 1997 heißt es jedoch wörtlich: Der Drogenhandel über die Türkei als Transitland sowie die dortige Drogenerzeugung geben allerdings in der Union Anlaß zur Besorgnis.

    Erhalten gebliebene Berichte lassen allerdings erkennen, daß es in Thyatira eine ungewöhnlich große Zahl von Handwerkszünften gab, zu denen sich früher die Angehörigen bestimmter Berufe wohl zu ihrem eigenen Nutzen und Vorteil zusammengeschlossen hatten - zu einer Art Gewerkschaft. Bei den besonders feierlichen Anlässen, die Zunft betreffend, wurden dann Gemeinschaftsmahlzeiten von ihnen veranstaltet, wobei den Göttern im Rahmen religiöser Zeremonien gehuldigt und Götzenfleisch geopfert und gegessen wurde. Da aber diese Feiern gewöhnlich in Schwelgerei und Unzucht ausarteten, wurden sie damals von den Christen grundsätzlich gemieden, was ihnen sodann Haß und Verfolgung, sowie geschäftlichen Boykott einbrachte. Besonders hart traf das dann die christlichen Handwerker und Kaufleute.

  3. Obwohl Thyatira sicherlich die unbedeutendste der sieben Städte war, so richtet sich dennoch das längste Sendschreiben gerade an diesen Ort. Genaue Angaben darüber, wann und wie die Gemeinde in Thyatira entstanden ist oder sein könnte, sind uns nicht bekannt. Es ist allerdings kirchengeschichtlich durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Entstehung auch dieser christlichen Gemeinde dort, zumindest indirekt auf Paulus zurückzuführen ist. Nach Apostelgeschichte 16, 11-15 ist sie auf jeden Fall auf die Purpurkrämerin Lydia aus Thyatira zurückzuverfolgen. Diese wiederum wurde durch die missionarische Tätigkeit des Apostels Paulus in Philippi gläubig, wie wir bereits feststellen durften. Da jedoch Lydien im Neuen Testament nicht erwähnt wird, ist eine Durchreise des Paulus eher unwahrscheinlich. Eine Gründung der Gemeinde durch ihn ist nicht festzustellen.

  4.  

     

    Als Engel oder Stern der Gemeinde zu Thyatira, also dem Gemeindezeitraum, käme der Abt St. Jona Columban, der Jüngere, irischer Mönch und Missionar, in Frage. Er wurde in Leinster im Osten Irlands im Jahre 543 n. Chr. in der königlichen Familie des Fergus geboren. Columban war die hervorragendste Persönlichkeit im Zeitraum der Gemeinde von Thyatira. Es wird berichtet, daß Gott ihn hörbar zum Missionsdienst berief. Nachdem er die Stimme Gottes gehört hatte, ließ er sich durch nichts mehr abhalten, seinem Ruf sofort Folge zu leisten. Als seine Mutter ihn unter Tränen bat, er möge sie nicht verlassen, antwortete er ihr mit dem Schriftwort: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist mein nicht wert. (Matth. 10, 37). Als sie sich an der Tür das Hauses niederwarf, um ihm den Ausgang zu versperren, sprang er über sie hinweg und ging in das Kloster Bangor im Norden Irlands.

    Columban war dann auch der Gründer einer Bibelschule auf einer kleinen Insel unweit der schottischen Küste. Er und seine Mitarbeiter landeten dort im Jahre 563 n. Chr. von Irland kommend. Es ist die Insel Iona, ein winziges Eiland der Inneren Hebriden in Schottland, so ungefähr 10 qkm (= km2) groß, das vor der Südwestspitze der Insel Mull, nordwestlich von Glasgow, gelegen ist. Damals, als Columban dort hinging, war die Insel allerdings so steinig und öde, daß sie nicht genug Ernteertrag für die wenigen Bewohner hervorbrachte. Columban pflanzte jedoch unentwegt mit einer Hand den Samen, während er die andere Hand zum Gebet hochhielt. (vgl. das Buch: Kattenbusch, "Irland in der Kirchengeschichte").

    Dieses frühe Zentrum der keltischen Kirche beherbergt heute noch die Iona Cathedral, die ein schöner Aussichtspunkt auf dieser Insel ist. Gott segnete die Ernte bis auf den heutigen Tag, so daß dieses Eiland jetzt zu den fruchtbarsten Inseln Schottlands gehört. Iona (Hy), die "Insel der Heiligen" genannt, zwischen Irland und Schottland gelegen, war der zentrale Punkt, von wo aus die Missionare nach Schottland gingen. Das durch Columban und seine Mitarbeiter verkündigte reine Evangelium verbreitete sich über ganz Schottland aus und trug zu seiner Christianisierung bei. Von dieser Bibel-Insel kamen vollmächtige Verkünder des Evangeliums, angetan mit Weisheit von Gott und Kraft aus der Höhe, wie es in Lukas 24, 49 heißt.

    Die irischen und schottischen Mönche predigten in England und unter den Heiden auf dem Festland. Ihre Art, das Evangelium zu verbreiten, war, in ein Land zu reisen und da, wo es dienlich schien, eine Missionsniederlassung zu gründen. In deren Mittelpunkt erbauten sie eine einfache Holzkirche, darum herum drängten sich die Schulräume und Hütten für die Mönche, die Bauleute, Prediger und Lehrer zugleich waren. Außerhalb dieses Kreises wurden nach Bedarf Wohnungen für die Schüler und ihre Familien, die sich nach und nach einfanden, gebaut. Die ganze Anlage wurde dann von einem Wall umgeben, doch ging die Ansiedlung oft über die ursprüngliche Missionsniederlassung hinaus.

    Gruppen von jeweils zwölf Mönchen, jede unter der Führung eines Abtes, wurden ausgesandt, um neue Arbeitsfelder für das Evangelium zu erschließen. Diese Männer waren im Worte Gottes gut unterwiesen und führten ein heiliges Leben. Außerdem hatte jeder von ihnen einen irdischen Beruf erlernt, der ihnen bei der mannigfaltigen missionarischen Tätigkeit sehr zugute kam. Die im Evangeliumszentrum zurückgebliebenen Mönche lehrten weiterhin in der Schule, und sobald sie die Sprache des Volkes, bei dem sie wohnten, zur Genüge kennengelernt hatten, übersetzten sie einige Teile der Heiligen Schrift und schrieben sie ab, auch Gesänge, und brachten sie ihren Schülern bei. Hatten sich dann etliche davon bekehrt, wählten die Missionare aus ihnen kleine Gruppen fähiger junger Männer aus, unterwiesen sie besonders in den verschiedenen Handwerken und Sprachen, lehrten sie die Bibel kennen und wie sie anderen auszulegen ist.

    Diese konnten dann nicht nur das Evangelium unter ihrem Volk verkündigen, sondern gingen auch in andere Gegenden und bauten hier und dort ein Evangeliumszentrum in den Städten auf. Mit der Taufe wurde aber gewartet, bis die Gläubiggewordenen ein bestimmtes Maß an Unterweisung erhalten und auch in etwa den Beweis erbracht hatten, daß sie wohl fest blieben. Sie vermieden es, die falsche Religion des Volkes anzugreifen, hielten es vielmehr für sinnvoller, die ganze Wahrheit zu predigen, als die einzelnen Irrtümer zu erklären. Sie glaubten einfach, daß die Wahrheit die Waffe sei, um das auszurichten, was Gott sich vorgenommen hatte.

    Diese Mönche hielten sich an die Heilige Schrift als die Quelle für Glauben und Leben und verkündigten die Rechtfertigung aus Glauben und nicht aus Werken. Es war ihnen fremd, sich um die Politik zu kümmern, noch wandten sie sich an den Staat um Hilfe. Diese Mönche hatten auch die Freiheit, zu heiraten, aber viele von ihnen blieben ledig, weil sie meinten, dadurch Gott besser dienen zu können. Obwohl nicht alles nach dem Beispiel der Apostel war, wurde ihre Arbeit jedoch sehr von Gott gesegnet. Sie waren unabhängig von Rom und in entscheidenden Punkten verschieden von der römisch-katholischen Kirche.

    Columban selbst schiffte sich nach einigen Jahren mit zwölf Glaubensgenossen ein und landete in der Bretagne. Dort durchzog er predigend das Frankenland. Dann ließ er sich auf burgundischem Boden nieder, wo ihm König Guntram das verfallene Schloß Annegray einräumte. Dort gründete Columban im Jahre 585 n. Chr. ein Kloster und siedelte dann im Jahre 590 n. Chr. in das Tochterkloster Luxovium (heute: Luxeuil-les-Bains in den Vogesen) um. Da sich Columban der fränkischen Kirche und ihren Anordnungen mit voller Selbstverständlichkeit entgegenstellte und mit unbeugsamer Strenge die Sünden des Königshauses strafte, wurde er nach 25-jähriger Tätigkeit im Jahre 610 n. Chr. vertrieben.

    War sein bisheriges Leben dem Wirken eines Propheten des Alten Testamentes vergleichbar, so ging er von nun an als Apostel in die heidnischen Gebiete und gilt als einer der ersten Germanenapostel. Er verbreitete das Christentum unter den Franken und predigte danach das Evangelium den Alemannen am Züricher See und am Bodensee mit Wort und Tat. Sein daselbst zurückgebliebener Schüler Gallus (engl.: Saint Gall) wurde um 620 n. Chr. der Begründer des später zu hoher Blüte gelangten Klosters St. Gallen, das allmählich aus seiner Einsiedlerzelle (Klause) entstanden ist. Die Stadt selbst entwickelte sich langsam um das Kloster herum. St. Gallen war zudem vom 9.-11. Jahrhundert der Mittelpunkt deutscher Literatur und Kunst (z. B. Meister Ekkehart und Notker Balbulus, der Stammler). Im Mittelalter war das Benediktiner-Kloster berühmt als wohl eine der bedeutendsten Lehrstätten. In der Stiftsbibliothek befindet sich ein irisches Evangeliar, dessen Darstellung "Christus am Kreuz" charakteristisch ist für die damalige Buchmalerei dort, sowie eine der besten Nibelungen-Handschriften.

    Es wird auch von Holy Island oder Lindisfarne berichtet, einer Halbinsel im Norden Englands, an der Nordost-Küste von Northumberland gelegen, die bei Hochwasser eine Insel wird, die etwa 5 km lang und 3 km breit ist. Aidan, der dortige erste Bischof, einer der Schüler Columbans, gestorben am 31.8.651 n. Chr., gründete dort im Jahre 635 n. Chr. ein bedeutendes Kloster, das aber im Jahre 793 n. Chr. von den Dänen zerstört wurde. Von daher bekannt ist allerdings noch das "Book of Lindisfarne", eine angelsächsische Buchmalerei, die von der irischen beeinflußt wurde.

    Der von Columban gewirkte Dienst, der von Gott mit Zeichen und Wundern begleitet wurde, hat dann viele Historiker dazu veranlaßt, ihn gleich nach den Aposteln der Bibel einzustufen. Die übernatürlichen Zeichen, die ihm folgten, waren so gewaltig, daß manche annahmen, die Berichte wären übertrieben.

    Auf einer seiner Missionsreisen, als er sich einer Stadt näherte, die von einer Mauer umgeben war, sah er, daß ihm die Tore verschlossen waren. Er erhob seine Stimme im Gebet zu Gott und bat ihn, einzugreifen und ihm den Eingang zu diesen Menschen zu gewähren, damit er ihnen predigen könne. Doch als er betete, verspotteten ihn die Hofwärter mit lautem Geschrei. Da begann er einen Psalm zu singen. Während er sang, verlieh Gott seiner Stimme eine solche Stärke, daß das Geschrei der Heiden nicht mehr zu hören war. Plötzlich öffneten sich die Pforten von allein. Er ging hinein, predigte das Evangelium und gewann viele für den Herrn.

    Bei einer anderen Gelegenheit, als er wieder von einem Dorf ausgeschlossen wurde und er sich umwandte, um hinwegzugehen, wurde der Sohn des Dorfoberhauptes sterbenskrank. Man suchte schnell nach Columban und rief ihn zurück. Als er das Gebet des Glaubens betete, ward der Jüngling plötzlich geheilt. Durch dieses Wunder wurden die Bewohner für das Evangelium gewonnen.

    Columban zog später mit den anderen Gefährten über die Alpen nach Italien. Dort gründete er, durch Königin Theudelinde oder Theodolinde begünstigt, die eine Tochter des Bayernherzogs Garibald und seit 590 n. Chr. die Gattin des Lombardenkönigs Agilulf war, im Jahre 612 n. Chr. das gleichfalls berühmte Kloster Bobbio in der Lombardei, das sich später zu einer bedeutenden Stätte der Wissenschaften entwickelte; im Jahre 615 n. Chr. starb er dort.

    Welche Kirche aber ist in der Geschichte auf die östliche, die sogenannte griechische oder orthodoxe Kirche, gefolgt und in den Vordergrund getreten? Es ist keine andere als die römisch-katholische Kirche, mit deren Entwicklung wir es hier zu tun haben. Sie ist eindeutig in diesem vierten Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira prophetisch vorgebildet. Wie bereits bei den vorhergehenden Briefen des Herrn die Namen der Empfänger schon einen Schlüssel zum Verständnis der zukünftigen Bedeutung der Gemeinde beinhalteten, so auch hier. Eingangs der Betrachtung dieses Sendschreibens haben wir gesehen, daß Thyatira auch die "Opfernde" und die "Weihrauchspenderin" bedeutet, wodurch schon allein darin ein wichtiger Hinweis auf die römisch-katholische Kirche gegeben ist.

    Der Name entstand dadurch, daß in Ableitung von "holos" (= hwloV), das "ganz" bedeutet, das ursprünglich griechische "katholikos" (= kaJwlikoV): "das Ganze, alle betreffend; allgemein" verwendet wurde. Als erster gebrauchte Ignatius oder Ignatios von Antiochia (in Syrien), Bischof und Kirchenvater, Schüler des Apostels Johannes, der im Jahre 110 n. Chr. in Rom als Märtyrer starb, das Wort "katholisch", um wesenhafte Merkmale der Kirche Jesu Christi auszusagen. Augustinus (eigentlich Aurelius Augustinus), geb. 13.11.354, gest. 28.8.430 n. Chr., Bischof von Hippo Regius (Nordafrika), übersetzte alsdann "katholisch" mit "universalis": Die katholische Kirche ist also seitdem eine "weltweite" Kirche.

    Schon im 3. Jahrhundert wurde in der westlichen Hälfte des Römischen Reiches ein Vorrang der Gemeinde von Rom erkennbar, der auf die Gründung derselben durch Petrus und Paulus zurückgeführt und legitimiert wurde. Als dann die germanischen Völker, z. B. die Goten, Langobarden, Franken, Angelsachsen und andere Stämme, das christliche Bekenntnis annahmen und dadurch in Verbindung mit der römisch-katholischen Kirche kamen, erlangte diese eine sehr hohe Bedeutung. Im Jahre 449 n. Chr. benutzte Leo I., der Große, Papst von 440-461 n. Chr., die politische Schwäche der westlichen Reichshälfte, um die päpstliche Vollgewalt und Lehrautorität (= Primat) auszubauen.

    Die im Jahre 395 n. Chr. erfolgte endgültige Teilung des Römischen Reiches ermöglichte es Papst Leo I., die Einflußlosigkeit des weltlichen Herrschers nun für seine Zwecke auszunutzen. Der Machthaber im Westreich in Rom zu dieser Zeit war Valentinian III. (Flavius Placidius Valentinianus), römischer Kaiser (3.7.419 -16.3.455), der aber schon von 425 n. Chr. an regierte. Dieser wurde damals von Honorius zum Nachfolger ernannt, doch übten zunächst die Mutter Placidia und der Feldherr Aetius für ihn vorübergehend die Regentschaft aus. Von dessen Anhängern wurde Kaiser Valentinian III. hinterher im Jahre 455 n. Chr. ermordet.

    Bedeutsam für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat wurde zudem die von Gelasius I. (gest. 19.11.496 n. Chr.), Papst seit dem 1.3.492 n. Chr., formulierte Zweigewaltenlehre oder auch Zweischwertertheorie, die dem Papst damals die geistliche, dem Kaiser jedoch die weltliche Gewalt zusprach (auctoritas sacrata pontificium et regalis potestas). Für diesen Zweck bezog er sich fälschlicherweise auf ein Wort der Bibel: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. (Luk. 22, 38).

    In der christlichen Kirche hießen ursprünglich alle Bischöfe zuerst Patriarchen (griech., Erzväter), seit dem 5. Jahrhundert dann nur noch die Metropoliten von Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Der Patriarch von Konstantinopel nannte sich seit 587 n. Chr. Ökumenischer Patriarch und erhob sich damit zum Oberhaupt der orthodoxen Kirche des Ostens. Der Patriarch von Rom galt so für ihn fortan als Oberhaupt der Westkirche. Dagegen protestierte Gregor I., der Große (540-12.3.604 n. Chr.), Papst seit dem 3.9.590, der zudem im Jahre 602 n. Chr. auch den Titel Papst verweigerte, den ihm Phokas, byzantinischer Kaiser von 602-610 n. Chr., verleihen wollte. Die entscheidende Tat Gregors I., auf dessen liturgische Reformen der Gebrauch des Gregorianischen Chorals zurückgeführt wird, war insbesondere das Ausgreifen nach England. - Angelsächsische Missionare begründeten auf dem Festland das Ansehen Roms und bereiteten so die weltliche Macht des Papstes durch das Bündnis zwischen der Kirche und dem Frankenreich vor, das einige Jahrhunderte später erfolgte.

    Das Papsttum ist heidnischen Ursprungs. Der Titel Papst oder ebenfalls Weltbischof wurde dem Bischof von Rom zum ersten Mal offiziell verliehen von dem gottlosen Kaiser Phokas, byzantinischer Kaiser von 602-610 n. Chr., nachdem dieser an der Spitze meuternder Truppen seinen Vorgänger beseitigt hatte. Auf diese Weise gelangte er an die Macht als Nachfolger von Maurikios I., byzantinischer Kaiser von 582-602 n. Chr., der so zum Opfer "der Grausamkeit des elendesten Menschen, den je eine Revolution auf den Thron gebracht hat" wurde, wie man von Phokas sagte. Maurikios I. wurde nämlich durch einen Aufstand des Heeres unter Führung von Phokas nicht nur gestürzt, sondern zudem auch noch grausam ermordet. Dem Bischof Ciriacus von Konstantinopel zum Trotz wollte Phokas damals im Jahre 602 n. Chr. den Titel Papst zuerst Gregor I., dem Großen, verleihen, der ihn jedoch verweigerte und sich daher weiterhin nur Bischof von Rom nannte. Bischof Ciriacus von Konstantinopel hatte den Kaiser Phokas zuvor rechtmäßig in den Kirchenbann getan, wegen des an seinem Vorgänger, Kaiser Maurikios I., verübten Meuchelmordes. Einer der Nachfolger Gregor I., des Großen, war Bonifaz oder Bonifatius III., Papst im Jahre 607 n. Chr., der den Titel Papst dann allerdings bereitwillig annahm.

    Dazu ist zu bemerken, daß Jesus selbst niemals Petrus zum Haupt der Apostel ernannte, sondern er verbot eine derartige Absicht. Der Evangelist Lukas, der Arzt, berichtete uns von einem Gespräch Jesu mit seinen Jüngern, die in dem Augenblick wohl etwas unzufrieden waren: Es erhob sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Völker herrschen, und ihre Mächtigen heißet man gnädige Herren. Ihr aber nicht also! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist größer: der zu Tische sitzt oder der da dient? Ist's nicht der, der zu Tische sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. (Luk 22, 24-27). Die Mächtigen heißet man gnädige Herren. Der ehrende Beiname "Wohltäter" (griech. Euergétés = euerghthV) war damals häufig und beliebt. (So heißt es nun in der Lutherbibel erklärt, was doch sicherlich eine interessante Erklärung dieses Beinamen ist.).

    In der Bibel wird nirgendwo einwandfrei bezeugt, daß Petrus jemals in Rom war. Wir wissen lediglich aus Berichten der Gemeinde von Rom, daß Petrus sich einige Jahre dort aufgehalten habe, keinesfalls kann es jedoch länger als etwa 20 Jahre gewesen sein, also höchstens von 47 n. Chr. bis 67 n. Chr., was die längste Zeit wäre. Die römisch-katholische Kirche zählt Petrus als ersten Papst für die Zeit von 64-67 n. Chr., jedoch sagte schon Klemens I., Papst von 88-97 n. Chr., der dritte Nachfolger als Bischof von Rom, daß es keinen eigentlichen Beweis dafür gebe, daß Petrus sich je in Rom befand. Eine Bibelstelle am Ende des ersten Petrus-Briefes ist jedoch ein wichtiger Hinweis dafür: Es grüßen euch aus Babylon, die samt euch auserwählt sind, und mein Sohn Markus. (1. Petr. 5, 13). Die Anmerkung in der Lutherbibel erklärt dazu: Babylon ist wohl die verhüllende Umschreibung für Rom (Offb. 14, 8; 18, 2), wo der Brief geschrieben wurde. Das Lexikon zur Bibel sagt: Ebenso haben wir 1. Petr. 5, 13 unter Babylon wahrscheinlich Rom zu verstehen. Es ist zu bemerken, daß Babylon damals längst schon nicht mehr bestand, es deshalb auch keine Gemeinde im eigentlichen Babylon geben konnte.

    War bis zum Anfang des 7. Jahrhunderts die griechische Kirche der Mittelpunkt der christlichen Welt, so trat nun die römische (= katholische) immer mehr an deren Stelle. König Pippin III., der Jüngere (lateinisch: Pippinus Minor, fälschlich übersetzt als Pippin der Kleine oder Pippin der Kurze, französisch: Pépin le Bref) (714-24.9.768 n. Chr.), unterstellte sich im Jahre 754 n. Chr. dem angeblichen Nachfolger des Petrus, dem damaligen Papst Stephan III., Papst von 752-757 n. Chr., und verpflichtete sich zu dessen Schutz. Durch die nach ihm benannte Pippinsche Schenkung erhielt die Kirche das Exarchat Ravenna, Rom und Teile des von ihm unterworfenen Langobardenreiches und legte somit den Grund zum späteren Kirchenstaat. Am Osterfest des Jahres 774 n. Chr. erhielt Hadrian I., Papst von 772-795 n. Chr., von Pippins Sohn Karl, dem späteren Kaiser, eine Bestätigung dieser Schenkung. Dieser nannte sich dann Rex Langobardorum.

    Kaiser Karl I., der Große, der Sohn Pippins III. (2.4.742-28.1.814), wurde zwar am 25. Dezember 800 n. Chr. durch Papst Leo III., der vom 27.12.795-12.6.816 regierte, in der Peterskirche in Rom zum Kaiser des Reiches gekrönt, allerdings behauptete er sich weiterhin standhaft als oberster Kirchenherr. Zudem war er um die Ausschaltung der Machtansprüche der Päpste bemüht und gab deshalb seinem Sohn Ludwig I., dem Frommen (778-20.6.840 n. Chr.), die Anweisung, sich selbst zu krönen. Dieser ließ sich dann auch nach dem Tode seines Vaters im Jahre 814 n. Chr. und dessen Beisetzung im Dom zu Aachen ohne päpstliche Mitwirkung krönen. Auf Grund diesbezüglicher Äußerungen seiner geistlichen Ratgeber wurde diese wichtige Handlung aber nochmals im Jahre 816 n. Chr. von Stephan V., Papst von 816-817 n. Chr., in Reims wiederholt. Dies geschah zum deutlich sichtbaren Zeichen, daß das Kaisertum seither letztendlich eine vom Papsttum verliehene Würde darstellt.

    Nach der Reichsteilung Ludwigs unter seine drei Söhne im Jahre 817 n. Chr. ließ sich sein Sohn Lothar I. (795-29.9.855 n. Chr.), zunächst 823 n. Chr. von seinem Vater zum Kaiser und Mitregenten gekrönt, dann nochmals im Jahre 824 n. Chr. durch Paschalis I., Papst von 817-824 n. Chr., zum Kaiser krönen. Dabei sicherte er sich jedoch ganz ausdrücklich seine Kaiserrechte durch die "Constitutio romana" (lateinisch für: "römische Verfassung"), die fortan die richterliche Oberhoheit des Kaisers über den Papst anerkannte, so daß keine Papstweihung ohne eine vorherige kaiserliche Bestätigung stattfinden durfte.

    Die Schwächung der kaiserlichen Macht infolge der Reichsteilung begünstigte die Ansprüche des Papstes um die Vorrangstellung, die Nikolaus I., Papst von 858-867 n. Chr., unter Berufung auf die Pseudo-isidorischen Dekretalien auszunutzen wußte. Außerdem gab ihm der Ehekonflikt von König Lothar II., ein Sohn des Kaisers, fränkischer König von 855-869 n. Chr., der sich von seiner Gemahlin Theutberga trennte und ein Konkubinat mit Waldrada einging, das moralische Recht, König Lothar zu maßregeln.

    Bei den Pseudo-isidorischen Dekretalien handelt es sich nachweislich um eine Sammlung von echten und auch von gefälschten konziliaren und päpstlichen Verordnungen und bindenden Rechtsentscheidungen zur Stärkung der Rechtsstellung der Kirche gegenüber der weltlichen Gewalt und des Papstes gegenüber dem Episkopat (= alle Bischöfe), die vermutlich um 850 n. Chr. in der Reimser Kirchenprovinz zusammengestellt und danach fälschlich, allerdings gewiß mit Absicht, dem um 600 n. Chr. lebenden Kirchenschriftsteller Isidor von Sevilla als Verfasser zugeordnet wurden. Papst Nikolaus I. erhob sie dann bald darauf zur Rechtsgrundlage und im 11. Jahrhundert erfolgte zudem die Übernahme in den CIC: Codex Iuris Canonici (= kanonisch-kirchliche Rechtssammlung), dem nun nach mehreren Revisionen auch heute noch verbindlichen Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche. Die Unechtheit dieser Dekretalien wurde jedoch bereits im Spätmittelalter erkannt, u. a. von Nicolaus Cusanus, besser bekannt als Nikolaus von Kues (1401-1464 n. Chr.).

    Die Kaiserkrönung Karls des Großen und die Wiederaufnahme dieser Tradition durch Otto I., dem Großen (23.11.912-7.5.973), führte bald zu der Vorstellung, daß mit dem Kaisertum das Römische Reich über die Franken an die Deutschen übertragen worden sei (translatio imperii). Otto der Große wurde im Jahre 936 n. Chr. einvernehmlich von allen Vertretern der deutschen Stämme im Dom zu Aachen zum König erhoben und am 2. Februar 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. Von da an wurde die Herrschaft der deutschen Kaiser nun vornehmlich von ihrer Italienpolitik geprägt. Der damalige Papst, der Sohn eines Senators, vereinigte zu dieser Zeit die geistliche und weltliche Macht in Rom in seiner Hand und wechselte seinen Namen von Oktavian in Johannes XII. (937-14.5.964 n. Chr.), der Papst seit dem 16.12.955 n. Chr. war. Im Streit mit Berengar II. von Ivrea, König von Italien (um 900-gest. 966 n. Chr. in Bamberg), rief dieser Papst im Jahre 957 n. Chr. Otto den Großen um Hilfe. Dieser bestätigte daraufhin dessen Herrschaft und den Kirchenstaat, woraufhin Johannes XII. ihn später aus einer gewissen Dankbarkeit für die erwiesenen Dienste zum Kaiser krönte, sicherlich nach dem Leitwort: "Machst du mich zum Papst, mache ich dich zum Kaiser".

    Außer Deutschland bildete zu der Zeit auch Italien die Grundlage dieses mittelalterlichen Reiches, das deutsch und universal zugleich war, somit auch römisch und christlich. Unter Otto III. (Juli 980-24.1.1002 n. Chr.), der am 21.5.996 n. Chr. zum Kaiser gekrönt wurde, konnte dieses Konzept auf das Reich der "vier Nationen" der Deutschen, Italiener, Franzosen und Polen ausgedehnt werden. Dazu erfolgte nun im Jahre 1000 n. Chr. die Errichtung des Erzbistums Gnesen. Auch hier handelte man nach dem bereits bewährten Muster: In Rom angekommen, erhob Otto III. seinen Vetter Bruno von Kärnten als Gregor V. zum ersten deutschen Papst (von 996-999 n. Chr.) und wurde dann von diesem zum Kaiser gekrönt. Seit dem 11. Jahrhundert als Heiliges Römisches Reich bezeichnet, lat. Sacrum Imperium Romanum (Nationis Germanicae), wobei der Zusatz: Deutscher Nation (eingeschränkt auf Deutschland) aus dem 15. Jahrhundert stammt. Im Prinzip blieb jedoch die Kaiserwürde bis zum 6.8.1806 n. Chr. an die deutschen Könige gebunden, die sich allerdings im Spätmittelalter auf ihre jeweilige Hausmacht (Luxemburger, Habsburger) konzentrierten.

    Die Vorstellung, daß das Römische Reich nun weiterbestehen würde bis zum Weltuntergang, gründete sich auf das Buch Daniel, nach der es das letzte Reich vor der Wiederkunft Jesu Christi ist. Allerdings wissen wir heute, daß das erste deutsche Kaiserreich am 6. August 1806 sein Ende fand, wobei der August der sechste Monat im alten römischen Kalender war, also vor dem September, dem siebten Monat. So ergibt sich daraus interessanterweise das Datum: 6.6.6.

    Das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) bildete den Schauplatz unaufhörlicher Konflikte zwischen dem römischen Kaiser (= dem deutschen König) und dem Papst in Rom. Dieser andauernde Machtkampf währte sehr lange, bis dann schlußendlich die Herrschaft des Papstes einen Höhepunkt erreicht hatte. Im 12. Jahrhundert n. Chr. hatte Innozenz III., Papst von 1179-1180 n. Chr., der offiziell als Gegenpapst galt, absolute Macht über das ganze damalige Europa. Ab dem 10. Jahrhundert n. Chr. wurden die Päpste wiederholt von rivalisierenden Gruppen ernannt, abgesetzt, eingekerkert und ermordet. Später sprach man pauschalisierend vom "dunklen Jahrhundert". Als letzter Gegenpapst gilt demnach Felix V. (1383-7.6.1451 n. Chr.), der vom 5.11.1439-7.4.1449 n. Chr. Papst war. Dieser wurde durch das Baseler Konzil, das im Jahre 1431 n. Chr. begonnen hatte, zum Papst gewählt, nach Absetzung Eugens IV., des Amtsinhabers.

    Ein typisches Beispiel für die vielen Machtkämpfe unter den Päpsten und mit dem Kaiser ist Gregor VII. (etwa 1020-25.5.1085 n. Chr.), ehedem der Mönch Hildebrand, Papst seit dem 22.4.1073, davor Archidiakon. Er wurde im Jahre 1073 n. Chr. unter tumultartigen Umständen zum Papst gewählt und begann dann bald darauf, seine Kirchenreform zu verwirklichen. Einen Teil des Klerus (griech. kleros = Erbbesitz, von Gott zum Besitz erwählt, Priesterschaft) brachte er nun durch die strenge Durchsetzung des Zölibats gegen sich auf. Sein Hauptdokument dieser Reformzeit war das "Dictatus Papae", in dem er unumwunden die Unterwerfung der weltlichen Macht unter die geistliche forderte. Einer seiner Vorgänger, Nikolaus II. (gest. 27.7.1061 n. Chr.), Papst seit dem 24.1.1059, hatte schon die Minderjährigkeit des damaligen Königs Heinrich IV. (11.11. 1050-7.8.1106), König seit 1056 n. Chr., dazu benutzt, das Papsttum von der kaiserlichen Bevormundung zu befreien. Dessen Dekret aus dem Jahre 1059 n. Chr., das die Papstwahl zum Vorrecht des Kardinalkollegiums machte, eröffnete den großen Kampf zwischen Kaiser- und Papsttum. Heinrich IV. beharrte jedoch gegenüber Gregor VII. auch nicht minder schroff auf sein königliches Recht.

    Die unnachgiebige Haltung des Papstes Gregor VII. auf der Wormser Synode im Jahre 1076 n. Chr. führte zu dessen Absetzung durch Heinrich IV., deutscher König und römischer Kaiser (11.11.1050-7.8.1106), König seit 1056 n. Chr., Kaiser seit 1084 n. Chr., der bis 1065 n. Chr. unter der Vormundschaft seiner Mutter Agnes und der Erzbischöfe Anno II. (um 1010 - 4.12.1075), Erzbischof von Köln (seit 1056 n. Chr.) und Adalbert von Hamburg-Bremen (um 1000 - 16.3.1072), Erzbischof (seit 1043 n. Chr.), regierte. Weil Heinrich IV. damals eigenmächtig einen Erzbischof ernannt hatte, brach dadurch dann eine Auseinandersetzung aus, die in späterer Zeit als der Investiturstreit bezeichnet wurde.

    Der Investiturstreit fand auch im Volk weithin Widerhall, nicht zuletzt deshalb, weil die streitenden Parteien den Kampf auch mit Flugschriften, mit Hetze und Verunglimpfung des Gegners führten. Der Papst antwortete mit dem Kirchenbann sowie der Absetzung Heinrichs IV., der daraufhin im Jahre 1077 n. Chr. einen Bußgang zu Gregor VII. nach Canossa unternahm. Vom Papst wurde er wieder eingesetzt, jedoch 1080 n. Chr. abermals von ihm gebannt, worauf dann Heinrich IV. den Papst wiederum absetzte. Im Jahre 1084 n. Chr. ersetzte der König alsdann Gregor VII. durch den Gegenpapst Klemens III., von dem sich Heinrich IV. anschließend zum Kaiser krönen ließ. Gregor VII. flüchtete daraufhin zu den Normannen und starb dann am 25.5.1085 n. Chr. in Salerno (Italien).

    Bedeutsam für diese Zeit ist zudem die Zweigewaltenlehre oder Zweischwertertheorie, die schon von Gelasius I., Papst von 492-496 n. Chr., formuliert wurde, die damals dem Papst die geistliche, dem Kaiser die weltliche Gewalt zusprach (auctoritas sacrata pontificium et regalis potestas). Der Papst bezog sich dabei, allerdings doch fälschlicherweise, auf ein Wort der Jünger an Jesus beim letzten Abendmahl: Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. (Luk. 22, 38). Jedoch seit dem Investiturstreit wurde diese Lehre sodann vornehmlich von Bernhard von Clairvaux, Kirchenlehrer (1090-20.8.1153 n. Chr.) und besonders von Bonifaz oder Bonifatius VIII. (um 1235-11.10.1303 n. Chr.), Papst seit dem 24.12.1294, so ausgelegt, daß unter den zwei Schwertern sowohl die geistliche, wie auch die weltliche Macht zu verstehen seien. Letztendlich könne allerdings dann nur das Papsttum über diese beiden Schwerter verfügen. Einem Kaiser, der irgendwann seine Pflicht gegenüber der Kirche nicht erfülle, könne der Papst sogleich sein Amt wieder entziehen, und es stehe ihm selbstverständlich auch zu, das Kaisertum anschließend einem anderen Fürsten seiner Wahl zu übertragen.

    Demnach hatten die Päpste schon seit langer Zeit die Oberhoheit über Welt und Menschheit für sich beansprucht. Gregor XI., Papst von 1370-1378 n. Chr., forderte folglich im Jahre 1372 n. Chr. in seiner Bulle (lat.: bulla = Kapsel, später Urkunde mit Siegel): In coena Domini die päpstliche Herrschaft über die gesamte christliche Welt in säkularer (= weltlicher) und in religiöser Hinsicht und ex-kommunizierte alle, die den Päpsten nach wie vor keinen Gehoram zollten und ihnen keine Steuern zahlten. Diese Bulle wurde von den nachfolgenden Päpsten bekräftigt, und im Jahre 1568 n. Chr. schwor sogar Papst Pius V. (17.1.1504-1.5. 1572), Papst seit dem 7.1.1566 n.Chr., diese müsse ein ewiges Gesetz bleiben.

    Papst Alexander VI. (wahrscheinlich 1.1.1431/1432?-18.8.1503), Papst seit dem 10.8.1492, verlangte zudem sogar, daß ihm alle noch unentdeckten Länder gehören müßten und er dann im Namen Jesu Christi darüber verfügen könne, so wie es ihm als sein Stellvertreter gerade gefällt. Dieser Papst führte zugleich ein ausschweifendes Leben und seine Politik war so von dem Ziel beherrscht, seine Familie, besonders seine Kinder (v. a. Lucrezia und Cesare Borgia) zu bereichern.

    Jesus hatte seinen Jüngern doch ausdrücklich erklärt: Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasset euch die Welt. (Joh. 15, 19). Die römisch-katholische Kirche ist jedoch sehr wohl von dieser Welt. Darum haben ihre Päpste einen beispiellosen Machtapparat aufgebaut, der in der ganzen Welt über die Jahrhunderte hinweg einen unschätzbaren Reichtum erworben hat. Das gehört noch nicht der Vergangenheit an, denn das 2. Vatikanische Konzil (Vaticanum II von 1962 bis 1965) hat bekräftigt, daß die römisch-katholische Kirche auch heute noch unablässig danach trachtet, die gesamte Menschheit und allen Besitz unter ihre Kontrolle zu bringen. Das ist jedenfalls weiter das erklärte Ziel.

  5. Wie alle Sendschreiben beginnt auch dieses mit dem Schreibbefehl des erhöhten Herrn. Da es sich um eine einmalige, ewige Botschaft handelt, die nicht wiederholt werden kann, soll der Apostel Johannes diese als Mahnung und Warnung für die Gemeinde Jesu aller Zeiten niederschreiben. Jesus Christus wendet sich nicht an irgendwen, sondern richtet seine Botschaft ausschließlich an den Boten der Gemeinde und macht ihn für die geistliche Entwicklung und die innere Prägung derselben verantwortlich.

  6.  

     

    Aus dieser Verantwortung heraus warnt auch der Apostel Jakobus davor, daß sich jemand leichtfertig und unüberlegt hineindrängt in ein solches Lehr- und Seelsorgeamt oder in irgendeine andere Aufgabe, zu der er nicht ausdrücklich berufen ist: Liebe Brüder, werfe sich nicht ein jeder zum Lehrer auf, sondern bedenket, daß wir Lehrer ein strengeres Urteil empfangen werden. (Jak. 3, 1). Damit aber der von Gott berufene Lehrer und Seelsorger seinen Dienst nicht mit Seufzen zu tun braucht, ermahnt der Schreiber des Hebräer-Briefes die Gemeinde: Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen; damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen, denn das ist euch nicht gut. (Hebr. 13, 17).

    Wie sehr ernst Gott das Hirten- und Wächteramt nimmt, läßt er uns durch den Propheten Hesekiel in dessen Buch in Kap. 3, 16-21 und Kap. 33, 1-20 sagen. Im Hinblick auf die hohe Verantwortung eines von Gott berufenen Seelsorgers und Gemeindevorstehers schreibt der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde zu Thessalonich: Wir bitten aber euch, liebe Brüder, erkennet an, die an euch arbeiten und euch vorstehen in dem Herrn und euch vermahnen; habt sie besonders lieb um ihres Werkes willen. Haltet Frieden untereinander. (1. Thess. 5, 12-13). Im Luthertext von 1914 heißt es hier dann noch eindringlicher: ... und seid friedsam mit ihnen.

    Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen, und seine Füße sind gleichwie goldnes Erz. Mit diesen besonders feierlichen Worten stellt sich Jesus Christus als der Sohn Gottes in seiner ganzen göttlichen Autorität der Gemeinde in Thyatira vor und läßt es sie dadurch wissen, mit wem sie es zu tun hat. Es ist dies die einzige Stelle in der Offenbarung, wo diese Bezeichnung steht. Daran erkennt man, wie präzise und tiefsinnig das Wort Gottes ist. In Thyatira wurde ja bekanntlich der Stadt- und Heldengott Tyrimnos (lat. Tyrimnus) als Schutzpatron verehrt, dem ein besonderer Tempel geweiht war. Dieser war mit dem Sonnengott Apollon (lat. Apollo) gleichgesetzt, der als Sohn des obersten Gottes Zeus (lat. Jupiter) galt, wie auch der Kaiser als Sohn des Zeus angesehen wurde. Dem strahlenden Apollon (lat. Apollo), Sohn des obersten Gottes, stellt sich hier Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen und Füße gleichwie goldenes Erz, entgegen.

    Der erste Jünger, der Jesus den Christus, des lebendigen Gottes Sohn nannte, war der Apostel Petrus. Der Evangelist Matthäus, ebenfalls ein Apostel aus dem Kreis der zwölf Jünger, berichtet uns dieses Bekenntnis des Petrus mit den Worten: Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; andere, du seiest Elia; wieder andere, du seiest Jeremia oder der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. (Matth. 16, 13-18).

    Der Apostel Paulus bestätigt die Zusammenhänge mit dem Alten Testament: Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht im Unwissenheit darüber lassen, daß unsre Väter sind alle unter der Wolke gewesen und sind alle durchs Meer gegangen und sind alle auf Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus. (1. Kor. 10, 1-4). Jesus Christus ist der Fels von dem aus die Gemeinde durch den Heiligen Geist mit Taufe und Abendmahl gebaut wird. Alle Kirchen-Konzilien von Nicäa im vierten Jahrhundert bis Konstanz im fünfzehnten waren sich darin völlig einig, daß Jesus Christus das einzige Fundament der Kirche ist.

    In einem Dankpsalm wird dieses zukünftige Geschehen bereits prophetisch angedeutet: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. (Psalm 118, 22). Das erklärte Jesus auch im Tempel den Hohenpriestern und den Ältesten im Volk, indem er sich auf dieses Psalmwort bezog: Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Ps. 118, 22. 23): Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Von dem Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen? (Matth. 21, 42).

    Auf dieses Wort bezieht sich der Apostel Paulus, indem er an die Gläubigen zu Ephesus schreibt: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchen der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn; auf welchen auch ihr miterbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist. (Eph. 2, 19-22).

    Bezeichnenderweise stellte sich Jesus Christus gerade dieser Gemeinde zu Thyatira als der Sohn Gottes vor, was auch für den Zeitraum dieser Gemeinde im Hinblick auf die kommenden Verhältnisse eine tiefgründige und prophetische Bedeutung hat, wie bei den anderen Sendschreiben. In der Stadt Thyatira wurde der Sohn des obersten Gottes verehrt, dieser war der Sonnengott Apollon (lat. Apollo), der Sohn des Zeus (lat. Jupiter). In der Kirchenform dieses Gemeindezeitraumes, der römisch-katholischen Kirche mit dem Papsttum, ist der Sohn Gottes nicht der Mittelpunkt, sondern sein sogenannter Stellvertreter, der Vicarius filii dei, lateinisch: Stellvertreter des Sohnes Gottes. Das Haupt ist nicht Christus, sondern ein Nachfolger des Petrus. Dort ist Jesus nicht der Fels auf und von dem seine Gemeinde gebaut wird, die nicht überwältigt werden kann.

    Weiter sagt Jesus von sich selbst: der Augen hat wie Feuerflammen, und seine Füße sind gleichwie goldnes Erz. Die Erscheinung des erhöhten Herrn, die Johannes selbst sah, war ähnlich: Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, und seine Füße gleichwie goldenes Erz, das im Ofen glüht ... (Offb. 1. 14-15). Bei der Betrachtung von Kapitel 1 haben wir bereits festgestellt, daß die Beschreibung von Jesu Gesicht dem von Gott, dem Vater, gleicht, wie ihn Daniel gesehen hat: Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupt rein wie Wolle; Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer. (Dan. 7, 9). Im zweiten Chronikbuch heißt es dazu: Denn des Herrn Augen schauen alle Lande, daß er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind. (2. Chron. 16, 9). Der Herr sucht so gerade in der Gemeinde von Thyatira diejenigen zu stärken, die mit ganzem Herzen bei ihm sind, auch heute noch.

    Dazu lesen wir im Hebräer-Brief: Und keine Kreatur ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor Gottes Augen, dem wir Rechenschaft geben müssen. (Hebr. 4, 13). Vor Gottes Augen ist nichts verborgen, er durchforscht alles. In seinen göttlichen, alles durchdringenden Flammenaugen sind selbst die tiefsten Tiefen bloß und aufgedeckt. Der Herr sprach zu Daniel: Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden's nicht verstehen, aber die Verständigen werden's verstehen. (Dan. 12, 10). Mit solchen läuternden Füßen durchschreitet er alle Zeitalter in einem heiligen und reinen Wandel als gerechter Richter über alles Sündhafte und Unreine.

    Im Hebräer-Brief heißt es außerdem: Dann aber sprach er: "Siehe, ich komme, zu tun, Gott, deinen Willen." Da hebt er das erste auf, damit er das andre einsetze. In diesem Willen sind wir geheiligt ein für allemal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. Und ein jeglicher Priester ist eingesetzt, daß er alle Tage seinen Dienst tue und oftmals die gleichen Opfer bringe, welche doch nimmermehr können die Sünden wegnehmen. Dieser aber hat ein Opfer für die Sünden geopfert, sitzt nun für immer zur Rechten Gottes und wartet hinfort, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. Denn mit einem Opfer hat er für immer vollendet, die geheiligt werden. (Hebr. 10, 9-14). (siehe auch Psalm 110, 1 und 1. Kor. 15, 25).

    Thyatira ist die "Opfernde", die "Weihrauchspenderin", wie wir schon gesehen haben. Dieser Name ist sehr bezeichnend für die römisch-katholische Kirche, auf deren "Altären" das ein für allemal vollgültige und ewig vollkommene Opfer des Sohnes Gottes vorgeblich "wiederholt" wird. Tausende und abertausende Male täglich wird es nach ihrer Lehre unblutig immer und immer wieder erneuert, und zwar für Tote wie für Lebendige. Viele Millionen werden dadurch in einen Zauberbann gezogen, der über die Jahrhunderte die ungeheure Macht und gewaltige Größe dieser Kirche bewirkt hat. Dies alles aber steht im vollen Widerspruch zu den Zeugnissen der Heiligen Schrift. Paulus schreibt: Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch Evangelium predigt anders, als ihr es empfangen habt, der sei verflucht. (Gal. 1, 9).

    Weiterhin steigen aus zahllosen Weihrauchfässern in der römisch-katholischen Kirche immerzu die "Opfer des Dankes" auf, die man darbringt, statt der geistlichen Opfer des Dankes und Lobes, die Gott jetzt sucht und allein annimmt. Im Johannes-Evangelium sagt Jesus: Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will haben, die ihn also anbeten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh. 4, 23-24). Das Neue Testament für heute (Hänssler-Verlag) gibt diese Verse dann so wieder: Aber es kommt die Stunde, und sie ist jetzt da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

    Der Apostel Petrus schrieb: Und bauet auch ihr euch als lebendige Steine zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus. (1. Petr. 2, 5). Im Hebräer-Brief heißt es auch noch: So lasset uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer bringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. (Hebr. 13, 15). Sein Name ist nur der Name Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. In keinem andern ist das Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden. (Apg. 4, 12).

    Weiter heißt es in unserem Text: Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld, und daß deine letzten Werke mehr sind als die ersten. Der Luthertext von 1914 lautet: Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Dienst und deinen Glauben und deine Geduld, und daß du je länger je mehr tust. In der Elberfelder-Übersetzung heißt es in Vers 19: Daß deiner letzten Werke mehr sind als der ersten. Das Konkordante Neue Testament übersetzt dann genau: Ich weiß um deine Werke, deine Liebe und deinen Glauben, deinen Dienst und deine Ausdauer, und daß deine letzten Werke mehr sind als die ersten.

    Damit gibt der allwissende Herr zu erkennen, daß er über die geistliche Struktur und über den Eifer und Fleiß der Gemeinde im Bilde ist. Dieser erhöhte Herr sucht hier fünf göttliche Tugenden im Leben der Gemeinde Thyatira lobend zu erwähnen und zwar:

    a) Zunächst kennt er ihre Werke. Das will sagen, daß Jesus Christus nicht interessiert ist an unseren frommen Gedanken, Worten, Ideen und Vorsätzen. Er hat auch kein Interesse an unserer Seelen beruhigenden Religiosität oder an unserer humanistischen Lebenseinstellung, sondern seine Flammenaugen sind vielmehr auf unsere Werke gerichtet, daß heißt auf unsere gelebte Glaubenswirklichkeit. Oft gibt es viel Aktivität, aber kommt diese immer aus dem Glauben? Auch zu wenig ist nicht gut, denn der Glaube ohne Werke ist tot. Jakobus, einer von den leiblichen Brüdern des Herrn, bekräftigte deshalb in seinem Brief: So auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot in sich selber. Denn gleichwie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. (Jak. 2, 17 + 26).

    Wohl ist die römisch-katholische Kirche reich an "Werken"; aber meist sind es selbsterwählte tote Werke einer wertlosen, eigenen Gerechtigkeit, wie Wallfahrten, Prozessionen, Kasteiungen usw., Rosenkranz, dem Hersagen von Gebeten nach vorgeschriebener Zahl, auch bei der Ohrenbeichte, Kerzen vor Heiligenstatuen brennen und sonstiger religiöser Tand. Dann ist es besser, nicht mit diesen nutzlosen Werken umzugehen, wie uns der Apostel Paulus erklärt: Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit. (Röm. 4, 5).

    Doch müssen wir auch beachten, daß der Herr, der jedes einzelne Herz kennt und jedes für sich voll Liebe ansieht und prüft, bei einzelnen auch wahre Liebe, lebendigen Glauben, treues Ausharren erkennt, wenn auch vielfach überdeckt und fast erstickt von dem Schund eitler Zeremonien und wertloser Formen. Der Herr sieht das Herz und die Beweggründe des Herzens an; und was aus Liebe zu ihm geschieht, das erkennt er an, das dient zu seiner Verherrlichung. Als David zum König gesalbt wurde, sah Samuel zuerst auf das Äußere des anderen Sohnes: Aber der Herr sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der Herr auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an. (1. Sam. 16, 7).

    Deshalb schrieb der Apostel Petrus: Und da ihr den als Vater anrufet, der ohne Ansehen der Person richtet nach eines jeglichen Werk, so führet euren Wandel, solange ihr hier als Fremdlinge lebt, mit Furcht. (1. Petr. 1, 17). Und Paulus fügt hinzu: Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund baut Gold, Silber, edle Steine, Holz, Heu, Stroh, so wird eines jeglichen Werk offenbar werden; der Tag wird's klar machen. Denn mit Feuer wird er sich offenbaren; und welcherlei eines jeglichen Werk sei, wird das Feuer bewähren. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. (1. Kor. 3, 11-15).

    Außerdem hat dann der Apostel Paulus an die Gemeinde zu Ephesus geschrieben: Denn aus Gnade seid ihr gerettet worden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen. (Eph. 2, 8-10).

    b) Zum anderen ihre ungeheuchelte Liebe, die immer die Triebkraft und Seele des Glaubens ist. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. (Gal. 5, 22). ... denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. (Röm. 5, 5). Wer jetzt noch unsicher ist, sollte unbedingt auch noch im 1. Korinther-Brief das Kapitel 13 lesen.

    c) Ferner ihr weltüberwindender Glaube, der Berge versetzt. Paulus schrieb sodann weiter: Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. (1. Kor. 13, 2). Johannes bezeugte: ... denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (1. Joh. 5, 4). Im Hebräer-Brief wird außerdem erklärt: Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht. Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde. (Hebr. 11, 1 + 6).

    d) Alsdann ihr treuer und selbstloser Dienst für den Herrn. Jesus spricht: Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. (Joh. 12, 26). Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten. Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, ob er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst? (Luk 9. 23-25).

    e) Und nicht zuletzt ihre langmütige und ausharrende Geduld. So steht nun im Brief des Paulus an die Römer: Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, weil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt; Geduld aber bringt Bewährung; Bewährung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. (Röm. 5, 3-5). Zudem im Hebräer-Brief heißt es nun: Darum werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch not, auf daß ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfanget. (Hebr. 10, 35-36). Jakobus ermutigte uns dann auch noch mit den Worten: Meine lieben Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet, und wisset, daß euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt. Die Geduld aber soll ihr Werk tun bis ans Ende, auf daß ihr seid vollkommen und ohne Tadel und kein Mangel an euch sei. (Jak. 1, 2-4).

    Das alles hatte die Gemeinde zu Thyatira an göttlichen Tugenden aufzuweisen und doch konnte sie vor den Flammenaugen des Sohnes Gottes nicht bestehen, der da spricht: Aber ich habe wider dich, daß du das Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. Der Luthertext von 1914 lautet noch genauer: Aber ich habe wider dich, daß du lässest das Weib Isebel. So ähnlich übersetzt Schlachter: ... daß du sie gewähren lässest. Das ist demnach mehr als nur dulden, sie darf ihr schändliches Tun ungehindert ausüben. Das Konkordante Neue Testament ist hierin noch klarer:Doch ich habe vieles gegen dich, weil du deine Frau, Isabel, gewähren läßt, wenn sie vorgibt, selbst eine Prophetin zu sein. Die Zentralfigur in der krisenhaften und so gefährlichen Situation der Gemeinde zu Thyatira war eine Frau mit Namen Isebel (= Isabel). Der Name "Isebel" bedeutet die "Unberührte", "Keusche". Ein schönes, hohes Bekenntnis liegt in diesem Namen. Aber wer war Isebel ursprünglich, von der diese Frau aus Thyatira nicht nur den Namen bekommen, sondern auch noch deren Charaktereigenschaften übernommen, ja sogar die Gesinnung derselben angenommen hatte?

    Diese Isebel hatte eine Namens- und Gesinnungsschwester im Alten Testament. Im ersten Buch der Könige wird uns von ihr berichtet: Im achtunddreißigsten Jahr Asas, des Königs von Juda, wurde Ahab, der Sohn Omris, König über Israel und regierte über Israel zu Samaria zweiundzwanzig Jahre und tat, was dem Herrn mißfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren. Es war noch das Geringste, daß er wandelte in der Sünde Jerobeams, des Sohnes Nebats; er nahm sogar Isebel, die Tochter Ethbaals, des Königs der Sidonier, zur Frau und ging hin und diente Baal und betete ihn an und richtete ihm einen Altar auf im Tempel Baals, den er ihm zu Samaria baute, und machte ein Bild der Aschera, so daß Ahab mehr tat, den Herrn, den Gott Israels, zu erzürnen, als alle Könige von Israel, die vor ihm gewesen waren. (1. Kön. 16, 29-33). Isebel war keine Israelitin, sondern eine Heidin, die in Tyrus, der alten phönizischen Hafenstadt, aufgewachsen war. Sie war die Tochter Ethbaals, dessen Name bedeutet: mit Baal, das ist, von ihm begünstigt; griechisch: Ithobalos (= iJwbaloV), das heißt: Mit ihm ist Baal. Er war König der Tyrer und Sidonier, nach dem jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus (37-100 n. Chr.) wirkte Ethbaal auch als Priester der Astarte und opferte dem Baal.

    Die Phönizier, ein seefahrendes Volk, handelten damals mit Purpur, Edelholz, Gold und kostbaren Steinen. Sie wohnten in mehreren blühenden Städten rund um das Mittelmeer. Der Name des Volkes ist höchst wahrscheinlich abgeleitet von dem griechischen Wort: phoinos (= joinoV), das mit "purpurfarben" übersetzt werden kann. Die Griechen bezeichneten das Land und Volk nach seiner wichtigsten Handelsware; bei Homer werden sie daher Phoinikes genannt, was Purpurhändler oder -krämer bedeutet. Herstellung und Handel mit Purpur war im Altertum auf Phönizien beschränkt. Die Purpurschnecken kommen ja auch noch bis heute an der dortigen Küste vor (z. B. bei Sidon). Zur Zeit des Neuen Testamentes war nun einmal die Stadt Thyatira durch ihren erfolgreichen Purpurhandel ausgesprochen berühmt, wie wir bereits am Anfang gesehen haben. Eigenartigerweise gab es in der dortigen Gemeinde eine Frau, deren Name eng mit dem Purpur verbunden war. Wir kennen außerdem die Purpurträger, die in der römisch-katholischen Kirche die höchsten Ämter bekleiden, die Kardinäle. Ihre Wichtigkeit ist durchaus mit der hier in diesem Sendschreiben genannten Isebel vergleichbar, denn der erhöhte Herr macht besonders auf sie aufmerksam.

    Durch seine Heirat mit der phönizischen Isebel hoffte der israelische König Ahab, sich die Freundschaft der stärksten Handelsmacht gesichert zu haben. Aber Isebel wurde ihm zum Verhängnis. In 2. Mose 34, 16 und 5. Mose 7, 3-4 hat Gott es seinem Volk ausdrücklich verboten, eheliche Verbindungen mit heidnischen Völkern einzugehen. Doch Ahab, der König von Israel, mißachtete die göttliche Warnung und heiratete trotzdem die heidnische Prinzessin Isebel, die Tochter Ethbaals, des Königs zu Sidon. In der Völkertafel in 1. Mose, Kap. 10 steht bei den Nachkommen Hams: Kanaan aber zeugte Sidon, seinen ersten Sohn ... (1. Mose 10, 15) oder im ersten Chronikbuch: Kanaan aber zeugte Sidon, seinen Erstgeborenen ... (1. Chron. 1, 13). So waren die Sidonier kein semitisches Volk, sondern Kanaaniter, Nachfahren Hams.

    Da sie heidnischer Abstammung war, hätte dieses gottlose Weib des Königs Ahab nie auf den Thron Israels kommen dürfen, auf den sie dadurch den Fluch der Kanaaniter brachte. Das Unheil machte noch nicht einmal halt in Israel, sondern drang auch bis in das Reich Juda hinein, denn Isebels Tochter Athalja wurde dem König Joram von Juda angetraut, und so wurde auch dieser verderbt (2. Kön. 8, 16-18). Deren Tochter Joscheba nahm ihren Enkel Joas und stahl ihn aus der Mitte der Söhne des Königs, sonst wäre das ganze königliche Geschlecht Davids, aus dem der Messias kommen sollte, von Isebels Tochter Athalja ausgerottet worden, was Gott natürlich zu verhindern wußte (2. Kön., Kap. 11). Durch Isebel kam also Tod und Verderben über Israel und Juda, alles nur wegen einer unerlaubten Heirat.

    Deshalb hat der Prophet Maleachi zum Volke Israel damals diese ernsten Worte geredet: Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern und entheiligen den Bund mit unsern Vätern? Juda ist treulos geworden, und in Israel und in Jerusalem geschehen Greuel. Denn Juda entheiligt, was dem Herrn heilig ist und was er lieb hat, und freit eines fremden Gottes Tochter. Aber der Herr wird den, der solches tut, ausrotten aus den Zelten Jakobs mit seinem ganzen Geschlecht, auch wenn er noch dem Herrn Zebaoth Opfer bringt. (Mal. 2, 10-12). Dazu wird uns dann in der Lutherbibel erklärt gesagt: Aus dieser Erkenntnis (Jes. 63, 16; Hiob 31, 15; Eph. 3, 15) wurde das Recht abgeleitet, auch heidnische Frauen heiraten zu dürfen. Doch das Wissen um Gottes Liebe gibt nicht das Recht zum Ungehorsam gegen Gottes Gebot (5. Mose 7, 7 ff.). Die Ehe mit einem Ungläubigen bringt die Gefahr des Abfalls, der inneren Entfremdung von Gott, mit sich (Esra 9, 2; Spr. 2, 16).

    Die Bibel berichtet uns auch von Abraham, wie dieser eine Frau für seinen Sohn Isaak suchte: Abraham war alt und hochbetagt, und der Herr hatte ihn gesegnet allenthalben. Und er sprach zu dem ältesten Knecht seines Hauses, der allen seinen Gütern vorstand: Lege deine Hand unter meine Hüfte und schwöre mir bei dem Herrn, dem Gott des Himmels und der Erde, daß du meinem Sohn keine Frau nehmest von den Töchtern der Kanaaniter, unter denen ich wohne, sondern daß du ziehest in mein Vaterland und zu meiner Verwandtschaft und nehmest meinem Sohn Isaak dort eine Frau. (1. Mose 24, 1-4).

    Diese Anweisung gilt ausnahmslos auch heute noch, so heißt es doch im Neuen Testament: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial (hebr.: heillos = Inbegriff für den Teufel)? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? (2. Kor. 6, 14-15). Sorgen wir mit unseren Möglichkeiten dafür, daß sich unsere Jugend dieses Gebot zu ihrem Besten ehrlich zu Herzen nimmt!

    Nach ihrer Verheiratung mit Ahab führte Isebel den Baalsdienst in Israel ein, indem sie dem Fruchtbarkeitsgott Baal (hebräisch: Herr, Mächtiger oder Hauptgott; assyrisch: Bel, auch in Belsazar, Dan. 5, 1; 7, 1; 8, 1; griechisch: Belos) einen Tempel in Samaria mit einem obszönen Ascherabild der Fruchtbarkeitsgöttin errichten ließ (hebräisch: Aschera = babylonisch: Ischtar = assyrisch: Astarte oder Aschtarte = griechisch: Artemis = lateinisch: Diana oder Venus = auf Deutsch: Himmelskönigin!). Alle diese Namen bezeichnen ein und dieselbe Fruchtbarkeitsgöttin, die als Symbol der Tempelprostitution galt und ein gutgehendes Geschäft für die Tempelpriester und Tempeldirnen war.

    Hierzu lesen wir im Geschichtslexikon von Cornelsen: Ischtar als die herausragende Göttin der babylonischen Götterwelt erschien in einer Doppelrolle: als Kriegsgöttin und als Göttin der geschlechtlichen Liebe und der Fruchtbarkeit. Als göttliche Geliebte schlechthin besaß sie mehrere Gatten, galt aber zugleich als Jungfrau. Sie war auch die Göttin des Himmels, symbolisiert im Planeten Venus. ... Ihr Kult verbreitete sich im gesamten Vorderen Orient und gelangte zu den Griechen.

    Isebels Absicht war, den damaligen Gottesdienst des Herrn (hebr.: Jahweh = JaHWeH) durch den Baal-Götzendienst mit seiner Hurerei und Naturanbetung zu verdrängen. Wie tief der Baalsdienst durch die Isebel in Israel eingedrungen war, zeigt der schwere Kampf des Propheten Elia, der allein dastand gegen eine gewaltige Übermacht falscher Propheten: Wohlan, so sende nun hin und versammle zu mir ganz Israel auf den Berg Karmel und die vierhundertundfünfzig Propheten Baals, auch die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen. (1. Kön. 18, 19). Mehrmals wird uns berichtet: Da sprach Elia zum Volk: Ich bin allein übriggeblieben als Prophet des Herrn, aber die Propheten Baals sind vierhundertundfünfzig Mann. (1. Kön. 18, 22). Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals, daß keiner von ihnen entrinne! Und sie ergriffen sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kison und tötete sie daselbst. (1. Kön. 18, 40). ... und ich bin allein übriggeblieben ... (1. Kön. 19, 10 + 14, auch Röm. 11, 3). Elia war als einziger Prophet des Herrn übriggeblieben, alle anderen hatte Isebel fanatisch verfolgt und umgebracht. Außer Elia blieben noch siebentausend in Israel übrig, alle Knie, die sich nicht gebeugt haben vor Baal (1. Kön. 19, 18 und Röm. 11, 4). Am besten liest man 1. Könige, Kap. 17-21 ganz.

    Etwa 150 Jahre später unter dem König Josia befand sich das Reich Juda wieder im finstersten Götzendienst, aber nachdem das Gesetzbuch wiedergefunden wurde, taten der König und alles Volk in Jerusalem Buße und wollten den Tempel wieder reinigen: Und der König gebot dem Hohenpriester Hilkia und dem zweitobersten Priester und den Hütern der Schwelle, daß sie aus dem Tempel der Herrn hinaustun sollten alle Geräte, die dem Baal und der Aschera und allem Heer des Himmels gemacht waren. (2. Kön. 23, 4). Und Josia entfernte alle greulichen Götzen aus allen Gebieten Israels und brachte es dahin, daß alle in Israel dem Herrn, ihrem Gott, dienten. Solange Josia lebte, wichen sie nicht von dem Herrn, dem Gott ihrer Väter. (2. Chron. 34, 33).

    Kurze Zeit nach dem Tode des Königs Josia war des Volk Israel durch die ägyptischen Feinde verunsichert und diente wieder der Fruchtbarkeitsgöttin Ischtar oder Aschera: Die Kinder lesen Holz, die Väter zünden das Feuer an und die Frauen kneten den Teig, daß sie der Himmelskönigin Kuchen backen, und fremden Göttern spenden sie Trankopfer mir zum Verdruß. (Jeremia 7, 18). Die Anmerkung dazu in der Lutherbibel erklärt lautet: Aber es gibt eine Grenze der göttlichen Geduld. Diese ist hier erreicht, weil sich das Gottesvolk familienweise voll Eifer dem Kult der Fruchtbarkeitsgöttin Ischtar hingibt (18; siehe 1. Kön. 11, 1 ff).

    Weiter heißt es im Buch des Propheten Jeremia: Den Worten, die du im Namen des Herrn uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind, und wollen der Himmelskönigin opfern und ihr Trankopfer darbringen, wie wir und unsere Väter, unsere Könige und Oberen getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems. Da hatten wir auch Brot genug, und es ging uns gut, und wir sahen kein Unglück. (Jer. 44, 16-17). Der Name Himmelskönigin steht noch mehrmals im selben Kapitel, so in Vers 18, 19, 23 und 25.

    Die falsche Prophetie, die bereits im Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamon als Lehre Bileams bezeichnet wurde, erscheint hier in noch deutlicheren Auswüchsen und zuchtloserer Gestalt unter dem Namen Isebel. Bileam stand als fremder Irrgeist außerhalb des Volkes Israel. Dagegen aber hat die heidnische Zauberin und Hure Isebel (2. Kön. 9, 22) als Weib des charakterschwachen Ahab die Herrschaft in Israel an sich gerissen und ihre angemaßte Macht mißbraucht, um Israel den Heiden gleichzumachen.

    Aus diesen in der Geschichte Israels beispiellosen Abfall von Gott und seinen Geboten war die unausbleibliche Folge das göttliche Strafgericht. Das sehen wir an dem tragischen Untergang des Königs Ahab (2. Chron. 18, 1-34) und seiner gottlosen Frau Isebel (2. Kön. 9, 1-37). Denselben verhängnisvollen Fehler haben auch die beiden gottgeweihten Männer - der Richter Simson (Richt., Kap. 14-16) und der König Salomo (1. Kön. 11, 1 ff) - begangen. Sie alle sind wie erloschene Glanzsterne am Gnadenhimmel Gottes ruhmlos untergegangen, die Zeit hat ihren Ruhm zu Grabe getragen.

    Der verwerfliche Kult der Baalspriester dieser Isebel, der von Babylon herrührte, hat seine Fortsetzung in der römisch-katholischen Kirche gefunden. Als Attalos oder Attalus III. Philometor (= Mutterliebe), König von 138-133 v. Chr., der letzte König und Priester von Pergamon, im Jahre 133 v. Chr. starb, vermachte er die Führung der babylonischen Priesterschaft an Rom. Die Etrusker hatten schon einen Pontifex, der das Haupt der Priesterschaft war. Diesen Pontifex erkannten die Römer später als ihren zivilen Herrscher an. Julius Cäsar (13.7.100-15.3.44 v. Chr.), römischer Feldherr und Staatsführer, wurde im Jahre 63 v. Chr. zum ersten Pontifex Maximus nach der "Babylonischen Ordnung" ernannt. Die Kaiser von Rom setzten die Ausübung des Pontifex Maximus fort bis zum Jahre 376 n. Chr., als Gratian (Flavius Gratianus Augustus), röm. Kaiser (359-25.8.383 n. Chr.), Kaiser seit 367 n. Chr., wegen christlicher (!) Gründe diesen Titel ablehnte.

    Daraufhin wurde durch den Einfluß der Mönche des Berges Karmel, ein Kollegium babylonischer Religion, das ursprünglich von den Priestern der Isebel gegründet worden war, im Jahre 378 n. Chr. der Titel "Pontifex Maximus" mit allen Rechten und Pflichten dem Bischof von Rom übertragen. Dieser war damals Damasus I., Papst von 366-384 n. Chr., der sich dabei ausdrücklich auf die Konstantinische Schenkung berief. So wurde im Jahre 378 n. Chr. der Herrscher der römisch-katholischen Kirche zum Haupt dieser Kirche, allerdings jetzt nach der "Babylonischen Ordnung"! Auf diese Weise wurde ebenfalls der Thron Satans von Pergamon jetzt endgültig nach Rom verlegt, der "Heilige Stuhl", der Rom und Babylon von da an zunehmend vereinigte zu einem ökumenischen System, das sich in dieser Endzeit zu einer Welteinheitskirche weiterentwickeln wird.

    Zu dieser "Babylonischen Ordnung" gehört auch der Kybele-Kult, der zurückgeht auf den babylonischen Kult der göttlichen Verehrung des zuchtlosen Weibes Semiramis (= die Erhabene) und ihres Mannes Ninus (= Nimrod). Nimrod (= Sich empören) war der Sohn von Kusch und der Enkel von Ham, einem Sohn Noahs. Er war laut der Bibel der erste Gewaltherrscher auf Erden, der Erbauer Babylons und Gründer des babylonischen Reiches (1. Mose 10, 6-10; 1. Chron. 1, 10). In Micha 5, 5 wird das Land Nimrods erwähnt; das ist eine Bezeichnung für Babylonien. Zur der Zeit, da Nimrod und Semiramis herrschten, gründeten sie eine Mysterien-Religion, im Gegensatz zu dem von den Vätern überlieferten Glauben. Semiramis war eine berückend schöne, jedoch unmoralische Frau, eine Hure, die ihren Mann zu diesem Götzendienst verführte.

    Als Schutzpatronin und Symbol für die babylonischen Mysterien wurde die große Lehrmeisterin Semiramis mit dem Becher in der Hand dargestellt. Wer in diese Mysterien eingeführt werden wollte, mußte von diesem Becher trinken, dessen Inhalt den Verstand benebelte. Nach diesen babylonischen Mysterien feiert die römisch-katholische Kirche ihre "Heilige Messe", die dabei mit den entsprechenden Spruchformeln einen heidnischen Zaubertrank herstellt, und dadurch für die unwissenden Kirchgänger das Heilige Abendmahl mißbraucht. Im Jahre 1414 n. Chr. verbot die römisch-katholische Kirche den "Abendmahlskelch" für die uneingeweihten Laien, indem sie auf dem Konzil von Konstanz eine abgeänderte Form des "Abendmahls" einsetzte. Auf diesem Konzil wurde übrigens auch Jan Hus oder Johannes Huss, böhmischer Reformator (1369-6.7.1415 n. Chr.), der gegen Zusicherung freien Geleits vorgeladen worden war, im darauffolgenden Jahre als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

    Bedeutsam ist die Tatsache, daß Leo XII., Papst von 1823-1829 n. Chr., im Jahre 1825 n. Chr. ein Medaillon prägen ließ. Auf der einen Seite trägt es sein Bildnis und auf der anderen Seite wird die Kirche Roms als ein sitzendes Weib symbolisiert, das in der linken Hand einen Kreuzesstab hält und in der rechten einen Becher. Rund um das Medaillon stehen die Worte: "Sedet super universum", das heißt: Die ganze Welt oder das ganze Universum ist ihr Sitz". Darum ist es auch kein Wunder, wenn die römisch-katholische Kirche zu fast 90 Prozent aus Elementen der babylonischen Mysterien besteht (nach Albert Lüscher: Babylon).

    Wir kommen nun zurück zur Isebel des Neuen Testamentes und ihrem verwerflichen Treiben. In dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira wird uns berichtet, daß eine Namens- und Gesinnungsschwester der Isebel des Alten Testamentes in der Gemeinde als Verführungskünstlerin ihr Unwesen treiben konnte. Darum auch der berechtigte Tadel des Herrn: Aber ich habe wider dich, daß du das Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen.

    In einigen Handschriften heißt es nicht "das", sondern "dein" Weib Isebel; wie wir schon gesehen haben, lautet auch die Übersetzung des Konkordanten Neuen Testamentes so: Doch ich habe vieles gegen dich, weil du deine Frau, Isabel, gewähren läßt, wenn sie vorgibt, selbst eine Prophetin zu sein. Hierbei müssen wir berücksichtigen, daß das Sendschreiben an den Engel oder Bischof der Gemeinde gerichtet ist. Demnach soll nach Ansicht mehrerer Ausleger (Grotius, Klifoth u. a.) mit "deinem Weib Isebel" die Ehefrau des Bischofs der Gemeinde zu Thyatira gemeint sein, die mit verschiedenen Männern Ehebruch begangen und von diesen gezeugte Kinder geboren habe.

    Jedenfalls steht fest, daß es eine attraktive, lüsterne und verführerische Frau war, die es wild getrieben hatte und deren Herrschsucht und Rücksichtslosigkeit wohl keine Grenzen kannte. Durch ihre dämonisch-raffinierte Frauenlist ist es ihr meisterhaft gelungen, die Führung der Gemeinde an sich zu reißen. Um sich jedoch Geltung und Autorität in der Gemeinde zu verschaffen, bediente sie sich in ihrer zersetzenden Tätigkeit einiger raffinierter, aber umso wirksamerer Mittel, wobei sie die eindeutige Charakterschwäche ihres Mannes dann schamlos auszunutzen verstand.

    Zunächst gab sie sich als Prophetin aus: ... die da spricht, sie sei eine Prophetin. Als Prophetin schöpfte sie ihre Informationen aus dem Dämonen- und Geisterreich, die sie sodann als Gesichte, Träume und Pseudo-Offenbarungen der eingeschüchterten Gemeinde weitergab, mit den Worten: "So spricht der Herr!". Es fragt sich nur, welcher Herr dann gesprochen hat. Sicherlich war es doch wohl der Fürst dieser Welt, den Jesus besiegt hat, bald nachdem er zu seinen Jüngern gesagt hatte: Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst der Welt. (Joh. 14, 30). Mit dieser sich anmaßenden Pseudo-Autorität suchte sie sogar die stärksten Gemüter, darunter auch die Ältesten der Gemeinde, abgesehen von ihrem Mann, suggerierend in die Knie zu zwingen. Denn wenn nun der "Herr" spricht, wer sollte da nicht hören. Oh, welch ein Reinfall, welch ein Betrug!

    Richard Kraemer hat hierzu ergänzend in seiner "Offenbarung des Johannes in überzeitlicher Deutung" gesagt: Wo der besonders und enthusiastisch erhobene Anspruch auf den Besitz des Geistes auftritt, da ist die Verführung zu sinnlicher und sexueller Verirrung nicht ferne ... . Religiös feminine Genialität arbeitet auch heute verführerisch mit den Mitteln der feinsten erotischen Stimmung bis sie im gröbsten Sinnenerguß endet und verendet. Dafür gibt es in unseren Tagen unzählige Beispiele in nah und fern.

    Der Name Isebel war zu allen Zeiten das Symbol für Emanzipation, Dekadenz und Verführung sowie des Abfalls von Gott gewesen. Es ist geschichtlich und auch biblisch nachgewiesen, daß jede Kulturepoche, die auch einem Weltjahr entspricht (also rund 2000 Jahre), immer mit der Emanzipation, sowie mit dem Zerfall der Ethik und Moral endete, worauf Gott immer mit Gericht antwortete. Das war der Fall zur Zeit Noahs und zur Zeit Lots (1. Mose 7, 7-23 und 1. Mose 19, 1-38). Das gleiche war auch der Fall zur Zeit des Propheten Jesaja (Jesaja 3, 12-15). Jesus selbst hat gesagt: Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. Desgleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird's auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn wird offenbar werden. (Luk. 17, 26-30). Die Weltjahre wurden bereits am Anfang dieses Kapitels eingehend erklärt.

    Die Emanzipation in unseren Tagen ist eine Ausgeburt des Sozialismus und Liberalismus, die in der Zeit der Aufklärung vom 18. bis 19. Jahrhundert ihren Anfang genommen hat und heute eine erschreckende Wirklichkeit geworden ist. Das sehen wir an der feministischen Frauenbewegung, dem Zerfall der Ethik und Moral, sowie an dem Vordringen der Frau in alle Ämter des öffentlichen Lebens, bis hin zur Staatsführung, nach dem Modus: "Frauen sind doch bessere Diplomaten". Damit ist keineswegs gesagt, daß der Frau ihre ihr von Gott geschenkten Rechte eingeschränkt werden sollen, um sie zu einem Sklaven- und Schattendasein zu verurteilen.

    Das Gegenteil ist der Fall: Gott hat in seiner weisen Schöpferordnung der Frau hohe Aufgaben zugewiesen, daß sie Erzieherin ihrer Kinder, Trägerin der Kultur, Hüterin der Ethik und Moral sein soll. Ebenso hat Gott auch dem Mann seine Aufgaben zugewiesen (1. Mose 3, 16-19; 1. Kor. 11, 3-16; Eph. 5, 22-23; 1. Tim. 2, 9-11). Darum kennt auch die Bibel keine Gleichberechtigung, sondern eine Gleichwertigkeit: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Knecht noch Freier, hier ist nicht Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christus Jesus. (Gal. 3, 38).

    Die Emanzipation brachte der Frau nicht das erhoffte Glück, sondern die größte Erniedrigung aller Zeiten, und zwar durch die Freigabe der Pornoliteratur, Pornokinos, Pornovideos, Sex-Shops, Abtreibung, Kinderverführung, Kinderschändung und Entblößung. Denn wo die Hüllen fallen, da fällt auch die Scham und somit der Schutz. Hinter der Neigung niedergehender Kulturen zum Entblößen und zum Zurschaustellen des menschlichen Körpers, ganz besonders des weiblichen, steht die unbewußte Tendenz, Sünde und Gericht zu verharmlosen und die Rückgewinnung verlorener paradiesischer Unschuld zu erschleichen. Dazu sei noch bemerkt, das griechische Wort für Scham oder Schamhaftigkeit lautet: aidwV = aidoos, so im Urtext bei 1. Tim. 2, 9. Zufällig ganz ähnlich wie: Aids!

    Hans Eschelbach sagte: "Vor jedem Paradies der Unschuld steht ein Engel mit gezücktem Schwert, die Scham". Und wo die verlorengeht, da geht auch die Menschenwürde verloren. Die Geschichte des Reiches Gottes weist nach, daß die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, zu allen Zeiten über eine gottlose Frau in das Paradies eingedrungen ist und es verwüstet hat. Die Frauenwelt von heute verliert mit jeder Generation immer mehr von ihrer gottgegebenen Weiblichkeit und strebt unaufhaltsam der Sitten- und Zuchtlosigkeit entgegen. Die Schauspielerinnen, Leinwandhelden und Filmidole geben dafür den Ton an und machen die Mode. Eine Nation steht und fällt mit der Tugend der Frau!

    Zum anderen bediente sich das Weib Isebel in ihrer verführerischen Tätigkeit in der Gemeinde zu Thyatira der falschen Lehre: ... und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. Im Luthertext von 1914 heißt es hier deutlicher: ... lehren und verführen meine Knechte, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen.

    Wenn Isebel als Prophetin in der Gemeinde auftrat und nun auf diese Weise die Leitung der Versammlung übernahm, hatte niemand den Mut und die Autorität, gegen diese bestimmt hysterische und geltungssüchtige Frau vorzugehen. Selbst der Vorsteher der Gemeinde, ihr Mann, hat dann nichts dagegen unternommen. Darum macht der Herr ihn auch besonders für den Mißstand in der Gemeinde verantwortlich. Isebel kannte die Psyche ihrer Zuhörer sowie die Wirkung ihrer seelischen Predigt, wenn sie kunstvoll mit rhetorischer Eleganz unter Berufung auf die höchste göttliche Autorität vorgetragen wurde. Sie wußte auch, daß die Lehre Erkenntnis vermittelt, und die Erkenntnis verpflichtet und formt sowohl die Gesinnung wie auch die Lebenshaltung. Darum ist es auch nicht egal, unter welcher Kanzel wir sitzen und gelehrt werden, denn von dort wird ohne den geringsten Zweifel die Gesinnung der Zuhörer geprägt, entweder zum Guten oder zum Bösen. Gerade deshalb warnt der Herr Jesus in Markus 4, 24: Sehet zu, was ihr höret! In Lukas 8, 18 heißt es zudem: So sehet nun darauf, wie ihr zuhöret.

    Es gibt keinen Zweifel daran, daß die Hurerei Isebels sowohl wörtlich wie auch symbolisch zu verstehen ist. Im Alten Testament wird die Treulosigkeit und der Treuebruch Gott gegenüber ebenfalls mit Hurerei und Ehebruch bezeichnet, wie z. B. Jeremia schreibt: Und der Herr sprach zu mir zur Zeit des Königs Josia: Hast du gesehen, was Israel, die Abtrünnige, tat? Sie ging hin auf alle hohen Berge und unter alle grünen Bäume und trieb dort Hurerei. (Jer. 3, 6). Dennoch auf Grund ihres ehebrecherischen Verhaltens in der Gemeinde zu Thyatira ragt ihr übler Ruf über die Zeit ihres Lebens hinaus und ist als Symbol der Unkeuschheit und Verführung in die Geschichte der christlichen Kirche eingegangen und ragt in gesteigertem Maße sogar in unsere Zeit hinein.

    Thyatira ist, prophetisch gesehen, die dunkelste Periode der Kirchengeschichte. Es ist die Zeit der römisch-katholischen Kirche des Mittelalters, eine sehr lange Zeit von ungefähr 900 Jahren, in der sie den hier beschriebenen Charakter der Gemeinde von Thyatira annahm, der sich bis zur Wiederkunft Jesu Christi noch verstärkt entwickeln wird. Diese Zeit begann eindeutig nach Gregor I., dem Großen (540-12.3.604 n. Chr.), Papst von 590-604 n. Chr., der durch das Ausgreifen nach England das Ansehen Roms durch die angelsächsischen Missionare auf dem Festland begründete. In Pergamon genoß die Gemeinde als Staatskirche den Schutz der weltlichen Macht, hier in Thyatira aber ist es das genaue Gegenteil. Dieser Zustand blieb erkennbar bis etwa zum Jahre 1517 n. Chr. bestehen, als die Reformation ihren Anfang nahm.

    Etwa 300 Jahre nach dem Ende des Römischen Reiches durch den Einfluß der Germanen als Folge der Völkerwanderung entstand unter Mitwirkung der päpstlichen Kirche das Frankenreich der Karolinger. Folgenreich war die sogenannte Pippinsche Schenkung, durch die gegen die päpstliche Anerkennung des Königs der königliche Schutz des Papsttums erfolgte. Durch die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahre 800 n. Chr. erfolgte die Erneuerung der römischen Kaiserwürde (translatio imperii) und damit verbunden die Schutzherrschaft über die römisch-katholische Christenheit. Nach den Reichsteilungen machte Otto I., der Große, die geistlichen Fürsten zu Stützen der Reichseinheit und gewann durch seine Unterstützung des damaligen Papstes Johannes XII. maßgeblichen Einfluß auf das Papsttum. Durch seine Krönung zum römischen Kaiser im Jahre 962 n. Chr. wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation begründet. Dieses Reich bildete wenig später den Schauplatz unaufhörlicher Konflikte zwischen dem Kaiser und dem Papst.

    Papst Nikolaus I. nütze die Schwäche der kaiserlichen Macht aus zur Stärkung der Rechtsstellung der Kirche gegenüber der weltlichen Gewalt und des Papstes gegenüber dem Episkopat (= alle Bischöfe) durch die Pseudo-isidorischen Dekretalien. Diese vermutlich um 850 n. Chr. in der Reimser Kirchenprovinz zusammengestellte Sammlung von echten und gefälschten konziliaren und päpstlichen Rechtsentscheidungen wurde durch ihn zur Rechtsgrundlage erhoben und im 11. Jahrhundert erfolgte die Übernahme in den CIC: Codex Iuris Canonici (= kanonisch-kirchliche Rechtssammlung), dem verbindlichen Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche. Die Unechtheit der Dekretalien wurde bereits im Spätmittelalter erkannt, u. a. von Nicolaus Cusanus, besser bekannt als Nikolaus von Kues (1401-1464 n. Chr.).

    Durch diese Stärkung der Macht des Papstes brach im 9., 10. und 11. Jahrhundert eine besonders dunkle und böse Zeit in der Kirchengeschichte an. Damals wurden die himmlische Stellung und die himmlischen Ziele der wahren Kirche völlig verleugnet. Im 12. Jahrhundert hatte Papst Innozenz III., Papst von 1198-1216 n. Chr., absolute Macht über ganz Europa und damit einen Höhepunkt in der Herrschaft des Papsttums über die Welt erreicht. Römischer Kaiser war zu der Zeit Friedrich II., der unter der Vormundschaft von Papst Innozenz III. aufgewachsen war (1194-1250 n. Chr.). Auf dem 4. Laterankonzil in Rom im Jahre 1215 n. Chr. wurden durch Papst Innozenz III. die Inquisition und die Ketzergerichte eingeführt, um so die wahren Gläubigen durch Folter und Tod auf dem Scheiterhaufen zum Schweigen zu bringen. Dann blieb die Macht über die Welt erhalten. Jesus hatte gesagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. (Joh. 18, 36).

    So wurde Isebel zu einem treffenden Bild für das, zu dem sich bald die römisch-katholische Kirche entwickelte, indem ein System entstand, das nur noch wenig Ähnlichkeit mit der wahren Gemeinde Jesu Christi hatte. Das Papsttum verfolgte, so wie Isebel, in dieser Zeit und bis heute die wahren Zeugen, allerdings nun auf eine andere, spitzfindigere Art und Weise, indem sie jetzt mundtot gemacht werden. In unseren Tagen hat wohl die römisch-katholische Kirche durch die veränderten politischen Verhältnisse ihre Taktik geändert, aber ihre Gesinnung hat sie beibehalten. Im Calwer Kirchen-Lexikon heißt es unter "Inquisition": Keine ihrer Bestimmungen ist je zurückgenommen worden. Sie liegt letzten Endes in der Konsequenz der römisch-katholischen Kirche als des hierarchischen alleinseligmachenden Rechtsinstituts. Und der römisch-katholische Theologe Hans Küng, Tübingen, machte in einer Stellungnahme zudem deutlich: Jedenfalls sage niemand, man hätte in Rom oder anderswo die Inquisition abgeschafft, nur weil der Name des "Sanctum Officium Santissime Inquisitionis" in "Heilige Kongregation für die Glaubenslehre" umgeändert, und die physische Verbrennung durch die psychologisch-moralische ersetzt wurde ... (nach: "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 27. Oktober 1983).

    Der derzeitige Präfekt der "Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre", der Kardinal Joseph Ratzinger nannte in einer Fernseh-Sendung die Bezeichnung "Großinquisitor" für sein Amt eine "historische Einordnung", in deren Kontinuität die Glaubenskongregation stehe. Ratzinger räumte ein, daß damalige Methoden zum Teil durchaus "kritisierbar" seien. Heute werde allerdings versucht, aus "unserem Rechtsbewußtsein" heraus zu handeln. Dennoch sei die Inquisition auch ein Fortschritt gewesen, da nicht verurteilt werden durfte ohne vorherige Untersuchung. (Anm.: Dabei wurde untersucht, inwieweit der Beschuldigte vom wahren Glauben abzubringen sei, oder ob man ihn nur durch den Tod auf dem Scheiterhaufen zum Schweigen bringen könnte.) (nach: "Luxemburger Wort" vom 22. April 1997).

    Die römisch-katholische Kirche hat alsdann im Laufe der Jahrhunderte die folgenden Irrlehren eingeführt und sie teilweise als Dogmen (das sind Glaubens- oder Lehrsätze) erklärt, die von jedem Menschen als unbedingt heilsnotwendig zu glauben sind:

    a) Im Jahre 431 n. Chr. hat man auf dem 3. Ökumenischen Konzil von Ephesus Maria, der Mutter Jesu, offiziell den Titel: "Theotokos" (= JhwtwkoV) verliehen, was "Gottesmutter" oder genauer "Gottesgebärerin" heißt, und sie wurde gleichzeitig zur "Immerwährenden Jungfrau" erklärt. Dabei ging allerdings die Verehrung der Diana von Ephesus (Apg., Kap. 19) endgültig auf Maria über, jedoch nicht auf die Mutter Jesu, die völlig andere Eigenschaften hatte. Einzig der Name hatte sich wieder einmal geändert, dennoch war es weiterhin die bekannte Himmelskönigin des Alten Testamentes (Jeremia, Kap. 7 + 44), der so ununterbrochen diese göttliche Ehre zuteil wurde, die bis heute unverändert ist. Seitdem trat die Bildverehrung der "Madonna" immer offener zutage. Das Ringen einer geistlichen Minderheit um Reinerhaltung des Glaubensverständnisses geriet immer mehr ins Hintertreffen. Ein Bilderverbot der Synode von Elvira, die dieses bereits im Jahre 306 n. Chr. verkündet hatte, wurde nicht wirksam.

    b) Im Jahre 593 n. Chr. wurde durch Gregor I., dem Großen (um 540-12.3.604 n. Chr.), Papst seit dem 3.9.590, erstmalig die Lehre vom Fegefeuer festgelegt. Nach Ansicht der römisch-katholischen Kirche ist dies ein Ort der Reinigung, weder Himmel noch Hölle, sondern ein besonderer Ort. Für sie ist es dort, wo alle Menschen gereinigt werden müssen, bevor sie in den Himmel kommen. Daher ist die Heiligung eines Menschen bei seinem Tode, selbst wenn er im Glauben gestorben ist, noch nicht abgeschlossen. Die daraus resultierenden Totenmessen entwickelten sich bis heute zu einer vorzüglichen Einnahmequelle.

    c) Im Jahre 607 n. Chr. wurde dem damaligen Bischof von Rom, Bonifaz oder Bonifatius III., zum erstenmal offiziell der Titel Papst oder Weltbischof verliehen, was von dem gottlosen Kaiser Phokas, byzantinischer Kaiser von 602-610 n. Chr., dem Bischof Ciriacus von Konstantinopel zum Trotz erfolgte. Phokas hatte den Titel Papst allerdings zuerst Gregor I., dem Großen (540-12.3.604 n. Chr.), verleihen wollen, der ihn jedoch verweigerte. Dennoch wird dessenungeachtet Gregor I., der Große, als Papst für die Zeit von 590-604 n. Chr. gezählt. Sein Nachfolger war Sabinianus von 604-606 n. Chr. und Bonifaz oder Bonifatius III. im Jahre 607 n. Chr., der den Titel Papst alsdann bereitwillig annahm. Das Papsttum ist heidnischen Ursprungs. Anmerkung: Bonifaz oder Bonifatius war der Name von bisher neun Päpsten, beide Schreibweisen sind bekannt.

    d) Im Jahre 995 n. Chr. wurde erstmals die Heiligsprechung toter Menschen als "erwiesene" Heilige durch Johannes XV., Papst von 985-996 n. Chr. ausgeübt.

    e) Im Jahre 1075 n. Chr. bestätigte Gregor VII., vorher Mönch Hildebrand (um 1020-25.5.1085 n. Chr.), Papst seit dem 22.4.1073, das Zölibat, damit also die Ehelosigkeit der Priester, brachte jedoch wegen der strengen Durchsetzung derselben einen Teil des Klerus gegen sich auf. Jesus führte kein derartiges Gesetz ein und auch keiner der Apostel. Im Gegenteil, denn schon Petrus war ein verheirateter Mann, wie Matthäus berichtet: Und Jesus kam in des Petrus Haus und sah, daß dessen Schwiegermutter lag und hatte das Fieber. Da ergriff er ihre Hand, und das Fieber verließ sie. Und sie stand auf und diente ihm. (Matth. 8, 14-15). Paulus schreibt an seinen Mitarbeiter Timotheus: Darum soll ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, geschickt zur Lehre, nicht dem Wein ergeben, nicht händelsüchtig, sondern gelinde, nicht zänkisch, nicht geldgierig, der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der seine Kinder im Gehorsam halte mit aller Ehrbarkeit; denn wenn jemand seinem eigenen Hause nicht weiß vorzustehen, wie wird er die Gemeinde Gottes versorgen? (1. Tim. 3, 2-5).

    f) Im Jahre 1215 n. Chr. wurde auf dem 4. Laterankonzil in Rom durch Papst Innozenz III. (etwa 1160-16.7.1216 n. Chr.), Papst seit dem 8.1.1198, nun die Inquisition durch päpstliche Sonderbeauftragte eingeführt. Vorher waren die Verfolgung der wahren Gläubigen und die Ketzergerichte noch in Händen der Bischöfe. Nach der Himmelfahrt Jesu wollten damals die Obersten der Juden die Apostel auch schon mundtot machen: Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie und sprach: Wir haben euch doch mit Ernst geboten, daß ihr nicht solltet lehren in diesem Namen. Und sehet, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt dieses Menschen Blut über uns bringen. Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, welchen ihr an das Holz gehängt und getötet habt. (Apg. 5, 27-30).

    g) Im Jahre 1215 n. Chr. wurde gleichzeitig auch durch Papst Innozenz III. die Lehre von der Transsubstantiation verordnet. Mit dieser Lehre gibt der Priester weiterhin vor, er vollbringe täglich ein Wunder, indem er nun Brot in den Leib Christi verwandle. Er behauptet weiter, diesen Leib Christi während der Messe in Gegenwart und zusammen mit seiner Gemeinde lebendig zu essen. Das heilige Abendmahl ist ein reines Gedächtnismahl des Opfers Jesu. Paulus schrieb im 1. Korinther-Brief: Denn sooft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, verkündigt ihr des Herrn Tod, bis daß er kommt. (1. Kor. 11, 26).

    h) Im Jahre 1215 n. Chr. wurde ebenfalls auf dem Konzil durch Papst Innozenz III. die Beichte der Sünden dem Priester gegenüber mindestens einmal im Jahr angeordnet, der dann kraft seines Amtes den Beichtenden davon losspricht. Die Bibel kennt keine Ohrenbeichte in dieser Form, sondern Johannes bezeugte: Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend. (1. Joh. 1, 8-9).

    i) Im Jahre 1439 n. Chr. erfolgte auf dem Konzil von Florenz unter Eugen IV., Papst von 1431-1447 n. Chr., die Festlegung als Dogma (= Lehrsatz) der von Gregor I., dem Großen, eingeführten Idee eines Fegefeuers, eines frei erfundenen Ortes der Reinigung für die Seelen der Toten. Eine solche Lehre gibt es in der Bibel nicht, denn dort wird deutlich gesagt: Und wie den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden; zum andern Mal wird er nicht um der Sünde willen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil. (Hebr. 9, 27-28).

    j) Im Jahre 1517 n. Chr. wurde durch die falsche Ablaßlehre der Kirche von damals die Reformation ausgelöst, die Leo X. (11.12.1475-1.12.1521), Papst seit dem 11.3.1513, dann zunächst als "Mönchsgezänk" abtat. Unter Ablaß versteht man die Sündenvergebung durch bloße Werke, die aber zu jener Zeit durch den Verkauf von Ablaßzetteln durchweg als Erlaubnis zur Sünde angesehen wurde. Sogar heute noch kann ein Ablaß unter bestimmten Auflagen für Lebende und überdies für Tote erworben werden. Der Apostel Paulus schrieb jedoch: Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, wie er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. (2. Kor. 5, 10). Die Bibel bestätigt, daß nur Jesus allein die Sünden vergeben kann.

    k) Im Jahre 1545 n. Chr. wurde auf dem Konzil von Trient durch Paul III. (1468-10.11.1549 n. Chr.), Papst seit dem 13.10.1534, ausdrücklich erklärt, daß die Traditionen und Überlieferungen der Kirche gleiche Gültigkeit besitzen wie die Bibel. Das sind aber alles menschliche Lehren, durch die Gottes Gebote außer Kraft gesetzt werden. Man lese dazu im Evangelium nach Markus, Kapitel 7, insbesondere die Verse 1-13. Seit diesem Konzil von Trient verkündet auch die römisch-katholische Kirche: Verflucht sei, der da sagt, er sei seines Heils gewiß! Damit werden automatisch alle durch Gott von neuem geborene Christen von dieser Kirche ausgeschlossen. Dieser Papst, ein Gegenspieler Martin Luthers, starb bezeichnenderweise am Martinstag. Auch das kann man als Zufall sehen.

    l) Im Jahre 1854 n. Chr. wurde durch Pius IX. (13.5.1792-7.2.1878), Papst seit dem 16.6.1846, die Lehre von der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria definiert als: Freiheit von der Erbsünde vom Moment ihrer Zeugung an, und zum Dogma (= Lehrsatz der römisch-katholischen Kirche) erklärt. Maria selbst aber bezeugte, daß sie einen Heiland brauchte: Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. (Luk. 1, 46-47).

    m) Im Jahre 1870 n. Chr. verkündete ebenfalls Pius IX. das Dogma (= Lehrsatz) von der Unfehlbarkeit des Papstes. Dadurch erreichten die Spannungen auf dem 1. Vatikanischen Konzil (Vaticanum I) von 1869/70 ihren Höhepunkt. Gott hatte schon Mose eindeutig geboten: Doch wenn ein Prophet so vermessen ist, daß er redet in meinem Namen, was ich ihm nicht geboten habe, und wenn einer redet in dem Namen anderer Götter, dieser Prophet soll sterben. (5. Mose 18, 20).

    n) Im Jahre 1907 n. Chr. verdammte Pius X. (2.6.1835-20.8.1914), Papst seit dem 4.8.1903, hinfort alle Entdeckungen der modernen Wissenschaft, die von der Kirche nicht gebilligt werden. Dies führte zu großer Behinderung wissenschaftlich-theologischer Arbeit.

    o) Im Jahre 1930 n. Chr. verdammte Pius XI. (31.5.1857-10.2.1939), Papst seit dem 6.2.1922, die öffentlichen Schulen.

    p) Im Jahre 1950 n. Chr. wurde am 1. November von Pius XII. (2.3.1876-9.10. 1958), Papst seit dem 2.3.1939, das einstweilen letzte Dogma (= Lehrsatz), die Himmelfahrt der Jungfrau Maria, verkündet. Jesus hatte gesagt: Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herniedergekommen ist, nämlich des Menschen Sohn. (Joh. 3, 13).

    Durch das 3. Ökumenische Konzil von Ephesus im Jahre 431 n. Chr. ging damals die Verehrung der "Himmelskönigin" des Alten Testamentes (Jeremia, Kap. 7 + 44) über die "Artemis" oder "Diana" von Ephesus des Neuen Testamentes (Apg., Kap. 19) dann endgültig auf die Maria der römisch-katholischen Kirche über, die dort nun offiziell den Titel: "Theotokos" (= JhwtwkoV), also "Gottesmutter" oder genauer "Gottesgebärerin" erhielt. Siehe hierzu ebenfalls unter Punkt a) oben.

    In Dächsels Bibelwerk wird dazu diese durchaus wichtige Erklärung gegeben: Wie wir gesehen haben, liegen in der Gemeinde zu Thyatira die Grundzüge der römisch-katholischen Hierarchie unter Geltendmachung prophetischer Unfehlbarkeit ("ex cathedra") vor. Papsttum nennen wir jene Macht, die sich selbst Christi dreifache Würde anmaßt: sein Prophetenamt, indem sie sich Unfehlbarkeit zuschreibt und kraft derselben das eigene Wort neben, ja über des Herrn Wort und Verordnung setzt; sein Hohepriesteramt, indem sie an die Stelle von Christi einigem und ewig vollgültigem Sühnopfer ihr Meßopfer gestellt hat und sich im Ablaß für den Verwalter des ganzen Schatzes von Christi und seiner heiligen Verdienste ausgibt; sein Königsamt, indem sie nicht bloß Anspruch auf das Oberhirtenamt über alles getaufte Volk, sondern sich auch Oberhoheit zuschreibt über die Reiche dieser Welt und ihrer Könige und Obrigkeiten, ja, eine Herrschaft über die ganze Kreatur, selbst über abgeschiedene Seelen, Engel und Dämonen ... So noch einmal Dächsel. Um aber allen Mißverständnissen vorzubeugen, hebt er den Wetteifer des Glaubens vieler römisch-katholischer Christen hervor, spricht er von den edlen, trefflichen Männern, deren manche auch in der evangelischen Kirche seiner Zeit besonderer Verehrung genießen, und von den Beispielen heldenmütiger Aufopferung und Selbstverleugnung im Dienst der Nächstenliebe - aber dieses alles trotz des Papsttums.

    Zusammenfassend ergibt das Gesagte über die Gemeinde zu Thyatira folgende Gleichungen:
    a) Isebel des A.T. = Isebel des N.T. = Papsttum (die Unfehlbarkeit = die Prophetin),
    b) Phönizier (wo Isebel des A.T. herkommt) = Purpurhändler aus Thyatira (wo Isebel des N.T. herkommt) = Purpurträger der Kirche (= Kardinäle, wo der Papst herkommt) (Es sei jedoch noch ausdrücklich vermerkt, daß die Purpurkrämerin Lydia von Apg. 16, 14 nichts mit dem unheiligen Wandel zu tun hat, sondern nur ein wichtiger Hinweis ist auf die Bedeutung des Purpurs in Thyatira. Diese Erwähnung von Thyatira ist die einzige im Neuen Testament außerhalb der Offenbarung, deshalb auch so bedeutsam.),
    c) Himmelskönigin (Götzendienst im A.T.) = Artemis oder Diana (Götzendienst im N.T.) = Maria, die Gottesmutter (Götzendienst in der Kirche).

    Wir wollen nun mit dem Text der Offenbarung fortfahren, wo der Bußaufruf Jesu steht: Und ich habe ihr Zeit gegeben, daß sie sollte Buße tun, und sie will nicht von ihrer Unzucht lassen. Oder: Und ich gab ihr Zeit, auf daß sie Buße täte, und sie will nicht Buße tun von ihrer Hurerei. (Elbf.). Gott gab im Laufe der Jahrhunderte der römisch-katholischen Kirche reichlich Gelegenheit, Buße zu tun und umzukehren von ihren Machtgelüsten und ihrem Götzendienst. Zunächst riefen Katharer und Waldenser zur Umkehr zu den biblischen Tugenden auf, später noch viele andere. Kirchengeschichtlich gesehen, umfaßt die der verführerischen Isebel-Kirche vom Herrn geschenkte Gnadenfrist bis in unsere Zeit mehr als tausend Jahre. In dieser Zeitspanne entwickelte sich die römisch-katholische Kirche zu einem gewaltigen Machtfaktor in Religion und Politik. Und sie will nicht Buße tun von ihrer Hurerei. Sie hat sogar Gefallen daran, ihre Herrschaft noch auszuweiten, indem sie mit allen anderen Religionen unheilige Allianzen eingeht, wie z. B. beim Friedensgebet von Assisi am 27. Oktober 1986. Auf Einladung des Papstes waren dort alle Kulte dieser Welt vertreten, mit dem Ziel, eine Welteinheitskirche zu schaffen.

    Unbußfertigkeit war und ist zu allen Zeiten die Tragik der meisten Menschen gewesen. Weil sich aber Gott nur durch Buße gnädig stimmen und versöhnen läßt, darum ergeht allen Menschen an allen Enden der Aufruf: Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht. (Hebr. 4, 7). Unbußfertigkeit führt zur Verstockung und Verstockung führt zur Verzweiflung. Verzweiflung wiederum führt zur Ausweglosigkeit und Ausweglosigkeit führt zu Kurzschlußhandlungen. Dafür sprechen folgende Beispiele: Esau fand keinen Raum zur Buße (1. Mose 27, 30-38; Hebr. 12, 15-17). Judas fand ebenfalls keinen Raum zur Buße (Matth. 27, 5). Unbußfertigkeit ist ein alarmierendes Zeichen der Endzeit, worauf gerade in unseren Tagen besonders geachtet werden sollte.

    Auf die Unbußfertigkeit antwortet der erhöhte Herr mit einer ernstzunehmenden Gerichtsandrohung: Siehe, ich werfe sie auf ihr Bett und werfe in große Trübsal, die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wenn sie nicht lassen von des Weibes Werken, und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen. In der Bibel steht des öfteren: Siehe! Dann heißt das: Gib acht! Dann heißt das, merke dir, das ist wichtig! Im Luthertext von 1914 hieß es noch einfach "ein" Bett, hier jedoch ganz deutlich "ihr" Bett, also das Bett, auf dem Isebel die Hurerei getrieben hatte. Es wird ein hartes Bett der Züchtigung sein, mit anderen Worten: vom Hurenbett aufs Kranken- und Leidensbett, ja vielleicht sogar zum Sterbelager. Denn wo Gottes Güte den Sünder nicht mehr zur Buße leiten kann, da muß Gott mitunter Krankheit als Zucht- und Erziehungsmittel anwenden: ... denn wer am Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde. (1. Petr. 4, 1).

    Es ist hier ersichtlich, daß der Ehebruch, zu dem die falsche Prophetin Isebel die Knechte des Herrn verführt hat, nicht nur geistlich, sondern zuerst einmal buchstäblich zu verstehen ist. Denn Ehebruch kann nur immer dort erfolgen, wo bereits eine Ehe besteht, und das war bei Isebel der Fall, wie wir gesehen haben durch die Worte: dein Weib. Darum sollen auch alle, die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wegen ihrer Sünde mit großer Trübsal heimgesucht werden, wenn sie nicht Buße tun für ihre Werke. Allerdings ist das auch prophetisch zu verstehen, indem die Liebhaber der Isebel-Kirche in die große Trübsal geworfen werden, die später in der Offenbarung erwähnt wird, insbesondere ab Kapitel 16.

    Mit den Worten: ... und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen, sind zunächst Isebels eigene Kinder gemeint, die aus ehebrecherischen Verbindungen hervorgegangen sind. Die entsprechende Übersetzung im Konkordanten Neuen Testament lautet: Und ihre Kinder werde Ich mitdem Tod töten. Das deutet eher auf eine tödliche Infektionskrankheit hin. In der Septuaginta (= LXX) wird "töten mit Tod" mehrmals mit Pesttod oder schwarzem Tod umschrieben. (Siehe Hes. 14, 21; 33, 27; 2. Sam. 12, 14).

    Und alle Gemeinden sollen erkennen, daß ich es bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken. Die Gemeinden, die vielleicht durch die eindrucksvollen Werke und infolge der gewährten langen Bußfrist verunsichert waren, sollen jetzt erkennen, daß Gott immer gerecht richtet. Der Herr schweigt nicht zu allem, was in seiner Gemeinde an Schuld und Sünde geschieht, sondern wenn die Zeit gekommen ist, dann redet und handelt er. Vor allem aber sollen es alle Gemeinden wissen, daß Gott oft Gerichte und Heimsuchungen über Menschen und Völker kommen läßt, um andere zu warnen. Das zeigt uns das warnende Beispiel Israels, das der Apostel Paulus im 1. Korinther-Brief beschreibt (1. Kor. 10, 1-13). Der Herr, der die Nieren und Herzen erforscht, läßt sich auch nicht durch Glanz oder durch Größe, weder durch Tradition noch durch große Mitgliederzahlen blenden, sondern wonach er sein richterliches Urteil fällt sind, sind die einzig und allein die Werke.

    Euch aber sage ich, den anderen zu Thyatira, die solche Lehre nicht haben und nicht erkannt haben die Tiefen des Satans - wie sie sagen - : Ich will nicht auf euch werfen eine andere Last; doch was ihr habt, das haltet, bis daß ich komme. Diese Anrede: Euch aber sage ich ... ist nur an die treuen Glieder der Gemeinde zu Thyatira gerichtet, wie auch in der Isebel-Kirche, die sich von der teuflischen Lehre Isebels distanzierten und auch die Tiefen Satans nicht erkannt haben. Es gab und es gibt zu allen Zeiten, von damals bis auf den heutigen Tag, auch in der römisch-katholischen Kirche, so abtrünnig sie ist, erlöste Seelen, die der Herr als die Seinen liebt und anerkennt. Gewiß ist es für ihn schmerzlich, daß sie in einem solchen Umfeld ihm dienen, deshalb ist es tröstlich zu wissen: Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen. (2. Tim. 2, 19).

    Mit den "Tiefen Satans" ist nicht nur die praktische Anwendung der teuflischen Lehre Isebels, die in der Liberalisierung der Moral und im religiös getarnten Okkultismus fortbesteht, sondern auch die teuflische Verfolgung der "Ketzer" bis in unsere Tage gemeint. Die sich hiervon distanzieren, hängen heilsverlangend an der Person und dem Werk des Herrn und Heilandes, und in Christus allein, dem Gekreuzigten, suchen sie zu finden, was ihr Herz begehrt: Vergebung der Sünden und Barmherzigkeit und Trost auf dem Weg zur Ewigkeit. Wenn man ihnen manche Dinge und Geschehnisse sagen würde, so hielten sie es in ihrer Herzenseinfalt nicht für möglich, was alles durch ihre Kirche im Namen Jesu Christi an Leid angerichtet worden ist. Die schon genug zu ertragen haben, wegen ihrer entschiedenen Haltung und treuen Nachfolge, denen will der Herr keine andere Last auferlegen.

    Die Getreuen der Gemeinde zu Thyatira werden ermuntert und ermutigt mit dem Zuspruch: ...doch was ihr habt, das haltet, bis daß ich komme. Sie sollen das, was sie an geistlichen Werten besitzen, festhalten bis Jesus kommt. Damit ist auch gleichzeitig gesagt, daß Thyatira als kirchliches System bis zur Wiederkunft Jesu Christi fortbestehen wird. Dieses führt unaufhaltsam zur kommenden Welteinheitskirche der Endzeit, die sodann nach der Entrückung der Gläubigen (1. Thess. 4, 13-18) allein übrigbleiben wird. Nach meiner Erkenntnis könnte sie auch unter der Führung des Papstes weiterhin die wahren Zeugen aufs bitterste verfolgen. Darüber aber später mehr, wenn diese Kirche näher betrachtet wird.

    Sodann: Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen, wie auch ich's von meinem Vater empfangen habe; und ich will ihm geben den Morgenstern. Die Erfüllung dieser Verheißungen ist an zwei Bedingungen geknüpft, die der Herr als Voraussetzung macht. Erstens, überwinden, das heißt doch: wer allen Anfechtungen und Versuchungen, sowie allen sündhaften und verführerischen Einflüssen, zu widerstehen vermag. Zweitens, nun die Werke Jesu bis ans Ende halten. Demnach geht es in der Nachfolge Jesus Christi nicht nur um ein fromm-religiöses Bekenntnis, sondern es geht vielmehr um die Kraft der Werke Jesu, die als Frucht durch den Heiligen Geist gewirkt werden: Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude , Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. (Gal. 5, 22). Diese Werke hat Jesus jedoch allen denen verheißen, die an seinen Namen glauben: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, denn ich gehe zum Vater. (Joh. 14, 12).

    Der verheißene Lohn ist die Herrschaft mit Jesus Christus, wie es schon im ersten messianischen Psalm für den Sohn Gottes vorausgesagt wurde: Kundtun will ich den Ratschluß des Herrn. Er hat zu mir gesagt: "Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen.". (Psalm 2, 7-9). Mit den Worten: wie auch ich's von meinem Vater empfangen habe, wird noch einmal bestätigt, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, hier in der Offenbarung zu Johannes und zu den Gemeinden redet. Ein Zepter ist ein Herrscherstab, ein Symbol von dessen Macht; hier erkennt man in dem eisernen Zepter eine strenge Herrschaft.

    ... und ich will ihm geben den Morgenstern. In Thyatira wurde durch das Weib Isebel der Himmelskönigin des Alten Testamentes göttliche Verehrung zuteil. Diese Göttin wurde bei den Babyloniern Ischtar oder Venus und bei den Römern Diana oder Venus genannt. Die falsche Lehre der Isebel entspringt einem Irrgeist, durch den sich auch die Venus oder Himmelskönigin der Kirche von Thyatira erweist als ein Irrlicht. Sie ist nicht das wahre Licht der Welt. Am Sternenhimmel ist die Venus der Abend- und Morgenstern. Nach 2. Petrus 1, 19 ist Jesus der wahre Morgenstern, der den kommenden Heilstag einleitet, bis er als Sonne der Gerechtigkeit für Israel aufgeht (Mal. 3, 20). Hierbei ist noch zu beachten, daß in 2. Petr. 1, 19 ein anderes Wort für "Morgenstern" gebraucht wird, das eigentlich "Lichtträger" bedeutet. Hier in Offb. 2, 28 steht jedoch wörtlich "Morgenstern", wodurch das Gesagte noch klarer wird. In "Das Buch der Offenbarung" bemerkt W. J. Ouweneel: Manche Ausleger haben an das ewige Leben gedacht (vgl. Dan. 11, 35) oder sogar an Luzifer (vgl. Jes. 14, 12), oder nota bene an den Planeten Venus. Dadurch wird obige Auslegung nur bestätigt.

    Diesen Vorgang sehen wir in der Naturordnung vorgebildet. Während es im Westen noch dunkel und schwarz ist, zeigt sich im Osten das erste Zeichen des anbrechenden Tages, und hinter dem purpurroten Lichtschein lugen die Wimpern der Morgenröte hervor, und in diesem Augenblick geht der Morgenstern am östlichen Himmel auf und kündet den neuen Tag an. Erst danach geht die Sonne mit ihrer versengenden Glut hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer, so hat es David beschrieben: Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn. Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an sein Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen. (Psalm 19, 5-7).

    Nach derselben Ordnung verläuft auch der letzte Akt im Heilsplan Gottes für Israel. Zuerst kommt Jesus Christus als Morgenstern, um seine wartende Gemeinde zu entrücken, was den Beginn des Heilstages für Israel einleitet. Danach kommt Jesus als Sonne der Gerechtigkeit und als Bräutigam den klugen Jungfrauen aus Israel entgegen (Matth. 25, 1-13), um so dem Volk, das im Finstern wandelt, ein großes Licht zu sein, das hell scheint (Jes. 9, 1).

    Wieder endet auch dieses Sendschreiben mit der dringenden Aufforderung des Herrn: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Bemerkenswert ist, daß diese Aufforderung zum Hören in den drei ersten Sendschreiben vor der Verheißung an die Überwinder, hier jedoch in dem Sendschreiben an Thyatira erstmals ganz am Schluß steht, wie auch in den drei darauffolgenden. August Dächsel knüpft daran an, daß die Gemeinde von Thyatira in der Tat eine Kirche versinnbildlicht, die mit ihrem Bestehen in die Zeit der Wiederkunft Jesu Christi hineinreicht.

    Das Schlüsselwort: Prüfe gründlich jeden Geist!

    Die Dauer der Gemeinde zu Thyatira (Zeitraum): etwa von 604-1517 n. Chr., also etwa 913 Jahre.

  7. Als die wichtigsten kirchen- und weltgeschichtlichen Ereignisse im Zeitraum der Gemeinde zu Thyatira können aufgelistet werden:

  8.  

     

    a) Im Jahre 587 n. Chr. erhob sich der Patriarch von Konstantinopel zum Oberhaupt der orthodoxen Kirche des Ostens und nannte sich hinfort Ökumenischer Patriarch. Das Oberhaupt der Westkirche war für ihn der Patriarch oder Bischof von Rom, der Papst, dessen Primatansprüche er, als dem Traditionsverständnis widersprechend, nicht akzeptieren konnte.

    b) Im Jahre 610 n. Chr. hatte Mohammed, arabisch: "der Gepriesene" (um 570-8.6.632) auf dem Berge Hira extasische Offenbarungserlebnisse auf Grund jüdischer und christlicher Vorstellungen, verkündete daraufhin den Glauben an die einzige Gottheit Allah. Mohammed gehörte der führenden Sippe des in Mekka herrschenden Stammes der Koraisch, den Haschimiten, an. Er stand im Dienste der reichen Kaufmannswitwe Chadidja, seiner späteren (15 Jahre älteren) ersten Frau. Von den Kindern aus dieser Ehe blieb nur Fatima am Leben. Er fühlte sich zum gottgesandten Propheten erwählt, mit dem die mit Adam beginnende Reihe der Propheten sowie die Offenbarung des wahren Glaubens abgeschlossen sei.

    c) Im Jahre 622 n. Chr. "Hedschra", Auswanderung bzw. Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina und Beginn der mohammedanischen Zeitrechnung in Mondjahren.

    d) Im Jahre 630 n. Chr. erfolgte die Eroberung von Mekka durch Mohammed und die Zerstörung aller heidnischen Götzenbilder, dann erklärte er die Kaaba zum Heiligtum und Wallfahrtsort des Islam. Den Mohammedanern sind fünf Hauptpflichten ("Säulen des Islam") vorgeschrieben: Schahada (das Glaubensbekenntnis "Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Gottes"), Salat (das fünfmal täglich stattfindende Gebet), Zakat (das Almosengeben), Saum (das Fasten während des Monats Ramadan) und die Hadsch, die Pilgerfahrt nach Mekka, die immerhin einmal im Leben ausgeführt werden soll.

    e) Im Jahre 632 n. Chr. starb Mohammed in Medina und sein Schwiegervater Abu Bekr (573-634 n. Chr.) wurde als erster Kalif der geistliche und weltliche Herrscher des Islam. Bis zu dessen Tode, zwei Jahre später, spalteten sich die Mohammedaner in die strenggläubigen Sunniten und die sektiererischen Schiiten (vorwiegend in Persien) und darüber hinaus in zahlreiche Untergruppen. Seit dem 18. Jahrhundert gab es allerdings verschiedene Einigungsbetrebungen.

    f) Im Jahre 754 n. Chr. erhielt die (west-) römische (katholische) Kirche durch die sogenannte Pippinsche Schenkung das Exarchat Ravenna, Rom und Teile des von Pippin III. unterworfenen Langobardenreiches, dadurch wurde damals der Grund zum späteren Kirchenstaat gelegt.

    g) Im Jahre 771 n. Chr. wurde Karl I., der Große, der Sohn Pippins III. (2.4.742-28.1.814), nach dem Tode seines Bruders Alleinherrscher, oberster Heerführer, Richter und Kirchenherr.

    h) Im Jahre 800 n. Chr. ließ sich Karl I., der Große, am Weihnachtstag durch Leo III. (gest. 12.6.816 n. Chr.), Papst seit dem 27.12.795 n. Chr., in der Peterskirche in Rom zum Kaiser des Reiches krönen, behauptete sich allerdings noch weiterhin standhaft als oberster Kirchenherr.

    i) Im Jahre 824 n. Chr. ließ sich Lothar I. (795-29.9.855 n. Chr.) dann durch Paschalis I., Papst von 817-824 n. Chr., nochmals zum Kaiser krönen. Dabei sicherte er sich allerdings seine Kaiserrechte durch die: "Constitutio romana" (lateinisch für: "römische Verfassung"), die nun ausdrücklich die richterliche Oberhoheit des Kaisers über den Papst anerkannte, so daß hinfort keine Papstweihung ohne vorherige kaiserliche Bestätigung stattfinden durfte.

    j) Im Jahre 860 n. Chr. wußte Nikolaus I., Papst von 858-867 n Chr., die durch die Schwächung der kaiserlichen Macht infolge der Reichsteilung begünstigten Ansprüche des Papstes um Vorrangstellung auszunutzen, unter Berufung auf die sogenannten Pseudo-isidorischen Dekretalien.

    k) Im Jahre 962 n. Chr. erfolgte am 2. Februar in Rom die Kaiserkrönung Otto I., des Großen, römischer Kaiser (912-973 n. Chr.), der im Jahre 936 n. Chr. einvernehmlich von allen Vertretern der deutschen Stämme im Dom zu Aachen zum König erhoben worden war. Dies führte dann endgültig zu der Vorstellung, daß mit dem Kaisertum das Römische Reich an die Deutschen übertragen worden sei (translatio imperii). Der damalige Papst Johannes XII., Papst von 955-964 n. Chr.; vereinigte nun die geistliche und weltliche Macht in Rom in seiner Hand. Beide hatten sich damals gegenseitig gefördert nach dem Leitwort: "Machst du mich zum Papst, mache ich dich zum Kaiser".

    l) Im Jahre 1054 n. Chr. brach Leo IX. (21.6.1002-19.4.1054), Papst seit dem 12.2.1049, als Bischof von Rom dann endgültig mit der orthodoxen Kirche des Ostens, die die Primatansprüche des Papstes als ihrem Traditionsverständnis widersprechend nicht akzeptieren konnte, hernach bekannt geworden als das "Große Schisma". Er legte zum anderen den Grund für das Kardinalskollegium als Leitungsorgan der Gesamtkirche.

    m) Im Jahre 1073 n. Chr. wurde Gregor VII. (etwa 1020-25.5.1085), ehedem Mönch Hildebrand, Papst seit dem 22.4.1073, unter tumultartigen Umständen zum Papst gewählt und begann alsdann seine Kirchenreform zu verwirklichen. Sein Hauptdokument der Reformzeit war das: "Dictatus Papae", in dem er unumwunden die Unterwerfung der weltlichen Macht unter die geistliche forderte.

    n) Im Jahre 1076 n. Chr. führten die Machtkämpfe zwischen Papst und Kaiser zur Absetzung Gregors VII. durch Heinrich IV. (11.11.1050-7.8.1106), König seit 1056 n. Chr., später römischer Kaiser (ab 1084 n. Chr.). Dadurch brach damals der Investiturstreit aus, wie er anschließend genannt wurde. Der Papst antwortete darauf mit dem Kirchenbann und der Absetzung Heinrich IV., wodurch das Papsttum nun die Herrschaft über Welt, Kaiser, Könige und Fürsten ergriff.

    o) Im Jahre 1077 n. Chr. unternahm Heinrich IV. einen Bußgang zu Gregor VII. nach Canossa und wurde anschließend vom Papst wieder eingesetzt, damals auf Grund seiner Anerkennung des Papstes als Schlichter im Streit mit den Fürsten.

    p) Im Jahre 1080 n. Chr. wurde Heinrich IV abermals von Papst Gregor VII gebannt, worauf Heinrich IV. den Papst wiederum absetzte.

    r) Im Jahre 1084 n. Chr. wurde Gregor VII. durch den Gegenpapst Klemens III. ersetzt, von dem sich Heinrich IV. daraufhin zum Kaiser krönen ließ. Gregor flüchtete zu den Normannen und starb dann ein Jahr später in Salerno (Italien).

    s) Im Jahre 1095 n. Chr. gab Urban II. (um 1035-29.7.1099 n. Chr.), Papst seit dem 12.3.1088, den Anstoß zum ersten Kreuzzug, der ein Jahr später dann von Gottfried IV. von Bouillon, Herzog von Nieder-Lothringen (um 1060-18.7.1100 n. Chr.), durchgeführt wurde und der drei Jahre danach, mit der Eroberung von Jerusalem, sein Ziel erreichte. Er übernahm die Regentschaft des Kreuzfahrerstaates Jerusalem als "Vogt des Heiligen Grabes".

    t) Im Jahre 1147 n. Chr. rief Bernhard von Clairvaux, Kirchenlehrer (um 1090-20.8.1153 n. Chr.), zu einem zweiten Kreuzzug auf, der von Konrad III. (etwa 1093-15.2.1152 n. Chr.), König seit 1138 n. Chr., römischer Kaiser, allerdings ohne Erfolg durchgeführt wurde (Niederlage bei Doryläum).

    u) Im Jahre 1189 n. Chr. erfolgte der dritte Kreuzzug, diesmal unter Friedrich I. Barbarossa (italienisch für: "Rotbart"), römischer König und Kaiser (1122-10.6. 1190 n. Chr.), König seit 1152 n. Chr., Kaiser seit 1155 n. Chr., wobei er indes den Tod fand durch Ertrinken im Fluß Saleph oder Kalykadnus in Zilizien oder auch Cilicien (in Kleinasien), heute Göksu, südwestlich von Mersin (Türkei).

    v) Im Jahre 1202 n. Chr. fand der vierte Kreuzzug unter Führung des Dogen von Venedig (= Staatsoberhaupt) mit Bonifaz von Montferrat statt. Nach der Eroberung von Konstantinopel wurde dieser Kreuzzug allerdings dann doch aufgeben.

    w) Im Jahre 1206 n. Chr. wurde Dschingis-Khan (1155-1227 n. Chr.) nach blutigen Stammesfehden der Anführer der Mongolen und begann seinen Eroberungszug, der ihm schließlich bis ans Schwarze Meer sogar mit großem Erfolg gelang.

    x) Im Jahre 1402 n. Chr. besiegte Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.), ein Nachkomme Dschingis-Khans, damals in der Schlacht von Ankara die Türken und eroberte dadurch auch die christlichen Gemeinden in Kleinasien.

    y) Im Jahre 1414 n. Chr. hat die römisch-katholische Kirche den "Abendmahlskelch" für die uneingeweihten Laien verboten, indem sie damals auf dem Konzil von Konstanz eine abgeänderte Form des "Abendmahls" einsetzte. Auf diesem Konzil wurde auch Jan Hus oder Johannes Huss im darauffolgenden Jahre als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Wie schon weiter oben erklärt, war Jan Hus ein böhmischer Reformator (1369-6.7.1415 n. Chr.), der gegen Zusicherung freien Geleits dort vorgeladen war. Außerdem befahl dieses Konzil von Konstanz auch noch die Verbrennung der Gebeine von John Wyclif (kann auch Wycliffe geschrieben werden), des englischen Bibelübersetzers (1320-31.12.1384 n. Chr.), der zu seiner Zeit gegen den geistlichen und weltlichen Machtanspruch der Kirche, gegen die Transsubstantiationslehre, das Zölibat und die Ohrenbeichte gekämpft hatte. Das englische Parlament verhängte sogar die Todesstrafe für alle, denen fortan das Lesen seiner wahrheitsgetreuen Bibelübersetzung angelastet werden konnte.

    z) Im Jahre 1431 n. Chr. begann dann mit dem Baseler Konzil der letzte große Versuch vor der Reformation, die Kirche an Haupt und Gliedern zu erneuern. Der Papst machte andererseits die Reformbeschlüsse durch den Abschluß von Konkordaten (= Verträge der Kirche mit Staaten) zunichte. Nicolaus Cusanus, besser bekannt als Nikolaus von Kues (1401-11.8.1464 n. Chr.), erbrachte nun zudem den Nachweis, daß die Pseudo-isidorischen Dekretalien eine Fälschung sind, trat allerdings unter dem Eindruck des Konzilverlaufs bald auf die Seite des Papstes. Danach gründete er in seiner Heimat Kues a. d. Mosel (bei Bernkastel-Kues) ein heute noch bestehendes Hospital. Auf diesem Konzil wurden ebenfalls die von der Kirche vorgeschriebenen Bestimmungen erneuert, die zu der Zeit schon lange den Christen jede Verbindung mit Juden untersagt hatten.

    zz) Im Jahre 1453 n. Chr. begannen die durch die Mongolenangriffe vorübergehend geschwächten Osmanen unter Sultan Mehemed II. (1451-1481 n. Chr.) die Belagerung von Konstantinopel, das sie dann am 28. Mai unter dem Einsatz von schwerer Artillerie eroberten. Konstantinopel wurde danach bis zum Jahre 1922 n. Chr. die türkische Hauptstadt, dann aber 1930 n. Chr. in Istanbul umbenannt.

    Im Zeitraum dieser Gemeinde traten so folgende Weltanschauungen in den Vordergrund: Scholastik (eine Schulphilosophie, die auf antikem Denken beruhte) vom 9. bis 15. Jahrhundert, Renaissance und Humanismus vom 15. bis 16. Jahrhundert.

    Schließlich veranlaßte gar der Ablaßhandel durch Johann Tetzel, Dominikaner-Mönch (um 1465-11.8.1519 n. Chr.), der daraus ein Krämergeschäft gemacht hatte, alsdann Dr. Martin Luther (10.11.1483-18.2.1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Türe der Schloßkirche zu Wittenberg anzuschlagen. - Völlig Unerwartet begann damit Luthers Kampf in Wort und Schrift gegen die Mißbräuche der damaligen Kirche, die Leo X. (11.12.1475-1.12.1521), Papst seit dem 11.3.1513, zunächst als "Mönchsgezänk" abtat. Dadurch wurde dann die Reformation ausgelöst, die nun im nächsten Sendschreiben vorgebildet ist.
     


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