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Kapitel 1

Die "Geheime Offenbarung" oder die Offenbarung des Johannes (hier abgekürzt: Offb.), wie sie allgemein genannt wird, ist nicht geheim, sondern eine öffentliche Kundgebung eines bis dahin von Gott verschwiegenen Geheimnisses. Manchmal wird dieses Buch auch Apokalypse genannt (abgekürzt: Apk.), nach dem griechischen Wort: apokalupsiV = apokalypsis, das Enthüllung bedeutet. Somit handelt es sich bei der Offenbarung um die Enthüllung eines göttlichen Geheimnisses, in das von da an alle Gläubigen eingeweiht werden sollten. Dieses Buch beginnt mit:

Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll; und er hat sie durch seinen Engel gesandt und gedeutet seinem Knecht Johannes, der kundgetan hat das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi, alles, was er gesehen hat. (Offb. 1, 1-2).

Gemäß dieser Aussage geht die Offenbarung stufenweise von oben nach unten, bis sie so zu uns gelangt; das sehen wir an folgender Ordnung:
Am Anfang aller Offenbarungen steht Gott, der Ursprung aller Geheimnisse, der dann die Offenbarung seinem Sohn Jesus Christus übergeben hat. Dieser alsdann hat sie gedeutet und durch seinen Engel zu seinem Knecht Johannes gesandt; der wiederum bezeugte das Wort Gottes und das Zeugnis von Jesus Christus, alles, was er gesehen und gehört hat. Durch seine Niederschrift gelangte diese Offenbarung Jesu Christi schließlich zur Gemeinde Gottes, also dadurch nun auch zu uns.

In seiner Ölbergrede hat Jesus kurz vor seinem Tode und seiner Auferstehung und späteren Himmelfahrt noch seine Jünger auf die Worte des Propheten Daniel aufmerksam gemacht (vgl. Matth. 24, 15). Diesem wurde nämlich gesagt: Doch zuvor will ich dir kundtun, was geschrieben ist im Buch der Wahrheit. (Dan. 10, 21). Dazu auch noch: Und du, Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle dies Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und große Erkenntnis finden. (Dan. 12, 4). Durch die Offenbarung wurden dem Apostel Johannes die Gerichtsgeheimnisse aufgeschlossen, die zuvor versiegelt waren. Es sollte allerdings bis zu diesem Jahrhundert dauern, da viele erst jetzt begannen, diese zu durchforschen.

Außerbiblische Quellen bestätigen, daß es sich beim Schreiber der Offenbarung, der sich darin selbst Knecht Johannes nennt, um den Jünger und Apostel Johannes handelt. Das wird bestätigt durch Papias, einem Schüler des Johannes, Bischof in Hierapolis in Kleinasien (um 130 n. Chr.), dann durch Irenäus, Bischof von Lyon, Kirchenvater (140-202 n. Chr.), der ein Schüler des Papias war, und anderen, z. B. Justinus, genannt Justin der Märtyrer (gest. um 165 n. Chr.), oder auch Melito von Sardes, den etwa 175 n. Chr. verstorbenen Bischof von dieser Gemeinde in Kleinasien. Später wollte man allerdings dem Apostel das Autorenrecht streitig machen und erwähnte daher einen judenchristlichen "Presbyter" (= Ältester) Johannes aus Ephesus. Hierbei muß man aber bedenken, daß der Apostel Johannes sogar selbst "Presbyter" oder Ältester oder eher "Bischof" oder Hirte der Gemeinde von Ephesus war, wie uns nämlich schon durch den Kirchenvater Irenäus von Lyon überaus glaubwürdig überliefert ist. Dieser bestätigte zudem ausdrücklich, daß der Apostel Johannes das nach ihm benannte Evangelium ebenfalls in Ephesus veröffentlicht hat, mit den gewiß unwiderlegbaren Worten: Nach den drei ersten Evangelien hat Johannes sein Evangelium herausgegeben, als er in Ephesus in Kleinasien lebte.

Gott, der Vater, hat also seinem Sohn Jesus Christus, der von seinem Opfergang als Lamm Gottes die Sünden der Welt getragen hat und jetzt zu ihm in den Himmel heimgekehrt ist, den Plan seiner göttlichen Weisheit übergeben. Bei seinem Erdenwandel hatte dieser Jesus Christus, der Sohn Gottes, in den Abschiedsreden an seine Jünger schon gesagt: Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Ich sage hinfort nicht, daß ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, daß ihr Freunde seid; denn alles, was ich habe von meinem Vater gehört, habe ich euch kundgetan. (Joh. 15, 14-15).

Jetzt geht diese Botschaft weiter und wird ergänzt um viele Einzelheiten, die vorher nicht bekannt waren. Das wurde schon durch den Propheten Jesaja angekündigt, der damals Gottes Wort an sein Volk so weitergab: Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es aufgeht, lasse ich's euch hören. (Jes. 42, 9). Ebenfalls sprach er zu dem abtrünnigen Israel: Das alles hast du gehört und siehst es und verkündigst es doch nicht. Von nun an lasse ich dich Neues hören und Verborgenes, das du nicht wußtest. (Jes. 48, 6).

Diese neue, hier vorliegende Kundgabe ist eigentlich nur an die Knechte Jesu gerichtet, die er Freunde nennt, wenn sie seinen Willen tun. Der Jünger Johannes, der damals bei den Abschiedsreden dabei war, nennt sich aber trotzdem in aller Demut weiterhin Knecht. Er erinnert sich allerdings nun sicherlich noch an das Wort Jesu: Gedenket an mein Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten. (Joh. 15, 20).

In diesem Sinne bekräftigte der Apostel Paulus: Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, daß er sei der Herr, wir aber eure Knechte um Jesu willen. (2. Kor. 4, 5). Außerdem schrieb er an die Gemeinde zu Kolossä: ... auf daß ihre Herzen gestärkt und zusammengefügt werden in der Liebe und zu allem Reichtum des vollen Verständnisses, zu erkennen das Geheimnis Gottes, das Christus ist, in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. (Kol. 2, 2-3). Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig ... (Kol. 2, 9).

Für uns gilt deshalb ausdrücklich dieser Hinweis, daß man ein Knecht Jesu sein muß, um zu den Adressaten dieser Offenbarung zu gehören, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im göttlichen Lichte zeigt. Wer also Jesus nicht seinen Herrn sein läßt, indem er sich ihm nicht ganz unterstellt und nicht seinen Willen tut, der wird die Botschaft dieses Buches immer nur von außen ansehen und sie für rätselvoll und verworren halten. Die wahren Nachfolger Jesu jedoch sollen durch dieses wunderbare Wort Gottes auf ihrem bevorstehenden Weg zweifellos Gewißheit und Trost erfahren.

Jesus Christus zeigt, was in Kürze geschehen soll. Im Konkordanten Neuen Testament heißt es: was in Schnelligkeit geschehen muß. Mit dem ersten Kommen Jesu in Niedrigkeit in Bethlehem begann die Endzeit. Das wird uns gesagt im Hebräer-Brief, an dessen Anfang steht: Nachdem vorzeiten Gott manchmal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat Gott gesetzt zum Erben über alles; durch ihn hat er auch die Welt gemacht. (Hebr.1, 1-2).

Seit diesen letzten Tagen sind bereits die umwälzenden Ereignisse der Endzeit im Gange, die noch bis zum Kommen Jesu in Herrlichkeit andauern werden. Für uns Menschen heute scheint sich der Weg lang hinzuziehen, doch nach Gottes Maß ist es eine kurze Zeit. Vom Ziel her gesehen, sieht es auch für uns selbst schon anders aus. Nach den Aussagen des prophetischen Wortes der Bibel stehen wir, genau genommen, am Ende der Endzeit und somit gewiß vor der Wiederkunft Jesu Christi.

Der Apostel Petrus hat jedoch diesbezüglich in seinem zweiten Brief geschrieben, was gerade für unsere Tage sehr wichtig ist: Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es etliche für eine Verzögerung achten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. (2. Petr. 3, 9). Das sollten wir unbedingt bedenken, um nicht zu ungeduldig auf sein Kommen zu warten. Diese Wiederkunft Jesu Christi wird aber schließlich zunächst in zwei Phasen erfolgen, einmal nämlich für die gläubige Gemeinde und dann wiederum, um sein Königreich in Israel aufzurichten. Darauf werden wir jedoch später zurückkommen, in den betreffenden Kapiteln, wenn die Einzelheiten davon aufgezeigt und dann mit der gebührenden Gründlichkeit betrachtet werden.

Der Apostel Johannes gab uns dann gleich eingangs seines prophetischen Buches deutlich zu verstehen, daß es sich hierbei nicht etwa um ein von ihm stammendes literarisches Werk handelt, sondern eine Offenbarung Jesu Christi darstellt. Erst in den nachfolgenden Jahrhunderten erhielt dieses Buch den mißverständlichen Titel "Die Offenbarung des Johannes". Diese Bezeichnung mag zunächst vielleicht nur etwas ungenau klingen, sie ist jedoch in Wirklichkeit völlig unzutreffend. Tatsächlich ist dieses äußerst wertvolle und interessante Schriftstück ja auch gar nicht seine eigene Erfindung. Hauptsächlich durch Visionen (140 Mal = 20 x 7 Mal finden wir die Wörter "sehen", "sah", "gesehen"), aber auch durch wörtliche Botschaften wurden so dem Gottesknecht Johannes außerordentlich wichtige Zukunftsereignisse geoffenbart, die er auf höhere Anweisung gewiß gleich niedergeschrieben hat.

Dem Apostel Johannes wurde die große Gnade zuteil, ein Werkzeug in der Hand seines Herrn zu sein und die kommenden Dinge visionär im voraus zu schauen und so dieselben durch seine Niederschrift für die Nachwelt zu erhalten. Daher wurde es möglich, daß sich auch die für ihn zukünftigen Generationen an diesem Schriftstück orientieren konnten. Gerade jetzt können wir deshalb anhand dieses Buches der Offenbarung feststellen, wie spät es an der Weltenuhr Gottes ist. Die Gemeinde Jesu Christi ist die Zeitansagerin Gottes in der Welt, darum muß sie auch unbedingt über die apokalyptischen (= endzeitlichen) Ereignisse von weltbewegender Größe, die auf diese Welt ganz gewiß zukommen, zu aller Zeit ausreichend informiert sein.

Das meinte Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817) bereits seinerzeit: Allenthalben blickte der wahre Christ nach dem goldenen Uhrzeiger
an des Tempels Zinne - und wer blöde Augen hatte, fragte den, der schärfer sehen konnte, wieviel Uhr es sei.

So ist nun dieses Schriftstück des Apostels Johannes auch kein billiger astrologischer Schwindel, wie ihn die ungläubige Welt gerade in unserer Zeit massenhaft unter das Volk bringt, sondern vielmehr eine absolut zuverlässige Botschaft des allmächtigen Gottes, der Himmel und Erde geschaffen hat und auch weiterhin erhält. Dieser uns alle liebende Gott will die Seinen nicht im Unklaren lassen über die noch kommenden, weltbewegenden Ereignisse. Deshalb enthält dieses Buch, wie bereits angedeutet, auch kein ungewisses und geheimnisvolles Rätselraten um die Zukunft, sondern eine klare, fest umrissene, göttliche Offenbarung künftiger Dinge, die einmalig ist. Dieser Gott ist auch in der Lage, seinen Plan auszuführen!

Leider hat man diesem Buch der Offenbarung gegenüber schon zu allen Zeiten, so auch gerade bis in unsere Tage hinein, eine kühle und überaus skeptische Haltung eingenommen. Die einen behaupten, daß diese Offenbarung ein recht ungereimtes Gedankengut und eine zusammenhanglose Bildersprache sei und darum überhaupt keinen Anspruch auf irgendeine höhere Eingebung erheben könne. Für diese klingt es eher wie billiges Geschwätz von psychisch Kranken und verkennen dabei die in diesem Buche prophezeiten großen Ereignisse der Weltgeschichte, die inzwischen geschichtlich unbestreitbar sind. Andere warnten und warnen genauso heute noch eindringlich vor der Offenbarung: "Vorsicht! - Hände weg! - Ein Buch mit sieben Siegeln!". Wem Gott jedoch die Augen und das Herz dafür geöffnet hat, für den ist es in der Spätstunde dieses zu Ende gehenden Zeitalters ein alarmierendes Signal, das nicht übergangen werden kann.

Für die gläubige Gemeinde ist die Offenbarung Jesu Christi allerdings ohne jeden Zweifel ein wunderbares Trostbuch, da sie von den Gerichten Gottes wirklich gar nichts zu befürchten hat. Diese überaus ermutigende Tatsache ist jedoch bedauerlicherweise durch die ganz unbegründete Voreingenommenheit nicht nur religiös-christlicher Gemeinschaften weithin völlig unbekannt. In vielen Kreisen herrscht zudem eine geradezu sträfliche Unwissenheit vor, so daß man daselbst eine sonst willkommene Gelegenheit der Evangelisation oft unwiderruflich verpaßt. So läßt man sich dort leicht von den meist negativen Nachrichten der Welt verunsichern, während Sekten in zunehmender Zahl die immerhin aufgeschreckten und zutiefst beunruhigten Zeitgenossen dann mit dem Gift ihrer Irrlehren zu betäuben suchen.

Wilhelm Busch, der frühere Jugendpfarrer aus Essen, bestätigte dies auch einmal: Ich wüßte nicht, was getroster und gelassener machen könnte
als der Blick auf die Wiederkunft Christi!

Die Offenbarung ist das einzige Buch der Bibel, das eine besondere Verheißung für den Leser und Hörer desselben enthält, die auch schon gleich am Anfang dort steht:

Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe. (Offb. 1, 3).

Das Studium des prophetischen Wortes stärkt wunderbar den Glauben, indem man staunend und anbetend wahrnimmt, wie peinlich genau Gott der Herr sein einmal gegebenes Wort hält und es pünktlich einlöst. Ein auffallender Gegensatz zu allen Schriften der Religionsstifter besteht darin, daß nur die Bibel Voraussagen für die Zukunft enthält. Prophetie ist dem Koran völlig fremd, ebenso den hinduistischen Veden, der Baghavad Gita, der Ramayana, den Sagen von Buddha und Konfuzius, dem Buch Mormon oder irgendeiner anderen Schrift einer der Weltreligionen. Die Bibel hingegen enthält etwa zwei Drittel Prophetie, was auf den ersten Blick doch höchst unwahrscheinlich erscheint. Diese Weissagungen kann man allerdings jetzt im nachhinein in drei Gruppen unterteilen, und zwar:
a) in solche, die sich bereits erfüllt haben in der Vergangenheit,
b) in solche, die vor unseren Augen in Erfüllung gehen in der Gegenwart,
c) in solche, die nach der Treue Gottes sich erst erfüllen werden in der Zukunft.

Von den vielen Weissagungen, die sich bereits erfüllt haben in der Vergangenheit, möchte ich nur kurz einige erwähnen, die Verheißungungen des ersten Kommens Jesu sind, und zwar von der Schaffung der Welt, also von Adam an. Da haben wir die Weissagungen, daß Jesus von einem Weibe geboren werden sollte (1. Mose 3, 15). Als die Zeit erfüllet war ... dann aus der semitischen Rasse (1. Mose 9, 26-27), aus dem Geschlecht Abrahams: ... will ich dein Geschlecht segnen ... (1. Mose 22, 17), aus dem Stamme Juda: Es wird das Zepter von Juda nicht weichen ... (1. Mose 49, 10), aus dem Hause Davids: ... will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. ... und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. (2. Samuel 7, 12-13). Ferner ist gesagt, daß eine Jungfrau ihn gebären werde: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel. (Jesaja 7, 14). Dann wird sein Geburtsort angegeben: Und du, Bethlehem Ephratha, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. (Micha 5, 1). Diesen Vers habe ich ganz wiedergegeben, um aufzuzeigen, wer eigentlich in Bethlehem, in Juda, in Israel Herr ist und wessen Volk das Land von Gott ewiglich anvertraut ist.

Auch die Zeit seiner Geburt wird uns bereits angegeben in Daniel 9, nach der 69. Jahrwoche, dann seine Niedrigkeit, seine Verwerfung, sein gewaltsamer Tod (nämlich: "ausgerottet", Dan. 9), sein Wesen, sein Begräbnis und seine Auferstehung, ja sein ganzes Erlösungswerk wird wunderbar klar dargestellt in Jesaja 53, Psalm 22 und Psalm 16, 8-11. Daß der Erlöser kommen werde verheißt uns also das prophetische Wort des Alten Testamentes, und zwar 4000 Jahre hindurch, und daß er alsdann auch wirklich gekommen ist, das zeigt uns das Neue Testament. Alle Weissagungen sind peinlich genau erfüllt worden, genau wie lange im voraus verheißen. Wer, außer Gott, kann solche Prophezeiungen machen, die dann nach 1000, 2000 oder gar nach 4000 Jahren auch wörtlich eintreten? Ist das nicht zugleich auch ein klarer Gottesbeweis für die, die ihn suchen?

Von den Weissagungen, die vor unseren Augen in Erfüllung gehen in der Gegenwart ist insbesondere die Wiederherstellung Israels zu nennen. Wir lesen dazu in Jeremia 30, 11: Denn ich bin bei dir, spricht der Herr, daß ich dir helfe. Denn ich will mit allen Völkern ein Ende machen, unter die ich dich zerstreut habe; aber mit dir will ich nicht ein Ende machen. Ich will dich mit Maßen züchtigen, doch ungestraft kann ich dich nicht lassen. Wie die Sammlung des Volkes Israel in ihr Land geschehen soll, steht in Jeremia 16, 16: Siehe, ich will viele Fischer aussenden, spricht der Herr, die sollen sie fischen; und danach will ich viele Jäger aussenden, die sollen sie fangen auf allen Bergen und auf allen Hügeln und in allen Felsklüften. Ferner heißt es bei Amos 9, 15: Denn ich will sie in ihr Land pflanzen, daß sie nicht mehr aus ihrem Land ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott.

Es bleibt noch zu bemerken, daß Dr. Theodor Herzl ein Fischer war, der die Juden nach Israel wie einen Fisch ans Land ziehen wollte, wohingegen Verbrecher wie Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Adolf Eichmann als Jäger fungierten, wobei die Juden ihnen sogar noch weniger als Freiwild galten. (Siehe obige Bibelstelle, Jeremia 16, 16).

Vor bereits 200 Jahren schrieb der deutsche Pietist Johann Heinrich Jung-Stilling (12.9.1740-2.4.1817) diese so bedeutsamen Worte nieder, die er gerade für unsere Tage bestimmt hatte: Es wird einmal eine Zeit kommen, wo einer ... ein verlegtes, längst vergessenes Buch von vier Bänden finden und den Titel "Das Heimweh von Heinrich Stilling" lesen wird, und wenn er dann im Durchblättern auf diese Stelle kommt, so wird er wohl stutzen und sagen: "Es gab doch auch damals Leute, die in jenen dunklen, trüben und verworrenen Zeiten in die Zukunft sahen und ein und anderes ahnen konnten.". Ja, ja, lieber Urenkel! Wer du auch sein magst, wir haben ein festes prophetisches Wort, und ihr tut wohl, daß ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint in einem dunklen Ort ... .
Aus dieser Quelle schöpfe ich nun auch eine Antwort, die diejenigen angeht, denen die altmodische Bibel, das Alte Testament mit eingeschlossen, noch so notwendig ist wie das tägliche Brot ... Gott hat durch seine Knechte, die Propheten der alten Zeit, verkündigt, daß das Volk Israel in alle vier Winde zerstreut werden sollte. Wer kann leugnen, daß es nicht geschehen sei? Dieses Volk Israel besteht noch in aller seiner Kraft und nach seinem ganzen Volkscharakter. - Eben durch die nämlichen Propheten hat er auch verkündigt, daß dieses Volk wieder in das Land gebracht werden soll, das er ihren Stammvätern und ihren Nachkommen auf ewig zu besitzen verheißen hat. Das Land Palästina wird also dereinst und vielleicht bald in christliche Hände kommen und dann dem jüdischen Volke wieder eingeräumt werden. Bis hierher diese interessanten Worte von Johann Heinrich Jung-Stilling aus längst vergangenen Tagen.

In diesem Zusammenhang schrieb Johann Heinrich Jung-Stilling sodann in großer Gewißheit den Satz nieder: Wer lachen oder spotten mag, der lache und spotte, die Zeit wird mich rechtfertigen. Aus heutiger Sicht kann man diesbezüglich nur sagen: Nein, nein, lieber Johann Heinrich Jung-Stilling, mitnichten lachen und spotten wir Deiner. Die Zeit hat Dich wahrlich gerechtfertigt, und Du hast überaus wohlgetan, auf das feste prophetische Wort zu achten. Denn im Jahre 1917, also wirklich ganz genau 100 Jahre nach Deinem Tode, kam das Land doch endlich in christliche Hände, als die Engländer es eroberten. Dreißig Jahre später dann, im Jahre 1947, wurde schließlich entschieden, die Hälfte davon dem jüdischen Volke zu überlassen. Und nur ein Jahr darauf wurde alsdann der Staat Israel gegründet. Wir tun deshalb wohl daran, es Dir nachzumachen, gleichfalls fleißig im prophetischen Wort der Bibel zu forschen. Dann können auch wir Gottes Wege für die Zukunft erkennen, die er uns durch seine Knechte, die Propheten, offenbart hat.

W. E. Blackstone schrieb desgleichen schon vor vielen Jahren in seinem Buch: "Der Herr kommt!", Verlag von Gottlob Koezle in Chemnitz, dritte Auflage 1907, auf Seite 183: Der von Dr. Herzl ausgegange Aufruf zu dem im Jahre 1897 in Basel abgehaltenen Zionistenkongreß ist auf ernsten Widerstand bei den deutschen Rabbinern und ebenso bei einem großen Teil der jüdischen Presse wie auch bei der großen Masse reicher Reformjuden gestoßen. Etwas weiter, auf Seite 185, schrieb er dann noch: Gott sagt: "Ihr seid umsonst erkauft und ihr sollt auch ohne Geld gelöset werden," Jes. 51, 3. (Anmerkung: In der Lutherbibel heißt es richtiger: Denn so spricht der Herr: Ihr seid umsonst verkauft, ihr sollt auch ohne Geld ausgelöst werden. Der Luthertext von 1914 hat hier: gelöst. Demnach fehlt dann das "v" von verkauft. Es ist Jes. 52, 3, soweit die Unterbrechung dieses Zitates).

Von Dr. Herzl aber wird die Äußerung berichtet: "Wir müssen uns unseren Weg nach Palästina zurück erkaufen; Heil kommt nur durch Geld!" Welch ein Zeichen für die Nähe des Endes dieser Zeitrechnung. Stände es allein, so verdiente es unsere volle Beachtung. Da wir aber sehen, wie es durch alle jene anderen Zeichen unterstützt wird, die wir im Worte Gottes finden, können wir uns da weigern, es zu glauben? Dürfen wir Christen die Juden verurteilen, weil sie die Fülle von Beweisen dafür, daß Jesus der Messias sei, nicht annehmen, und dabei selbst die Fülle von Beweisen zurückweisen, daß Seine Wiederkunft nahe ist? Es ist bedeutsam, daß der erste Zionistenkongreß gerade 1260 Jahre nach der Eroberung Jerusalems durch die Mohammedaner stattfand. Es ist wahrscheinlich, daß die "Zeiten der Heiden" sich ihrem Ende nähern, und daß die Nationen sich bald in den mächtigen Strudel der Ereignisse stürzen, die mit der Gottlosen Sammlung Israels verbunden sind, "der Zeit der Angst in Jakob" (Jer. 30, 6. 7), dieser furchtbaren Zeit der Trübsal, als nicht gewesen ist von Anfang der Welt bis her, und als auch nicht werden wird, Matth. 24, 21. - Bis dahin die Wiedergabe aus dem Buche von W. E. Blackstone, der bereits vor fast 100 Jahren diese erstaunliche Einsicht hatte. Eine Anmerkung: Im Jahre 637 n. Chr. erfolgte die Eingliederung Jerusalems in das Kalifenreich unter dem Namen El Kuds (= das Heiligtum); das Jahr 1897 war 1260 Jahre danach.

Pastor A. Fünning schrieb dann ähnliche Erkenntnisse nieder in seinem Buch: "Licht aus Seinem Licht!", Christlicher Allianz-Verlag, Fellbach, Juni 1949, auf Seite 200:
Die am 14. Mai 1948 geschehene weltgeschichtliche Tatsache, daß nach fast 2000 Jahren wieder eine Nation Israel da ist, ist ein sehr deutliches Zeichen davon
1. daß wir am Ende unseres Zeitalters angelangt sind,
2. daß Gott der Herr im Begriff ist, den Faden mit Israel wieder aufzunehmen,
3. daß der Antichrist nun bald erscheinen wird. In der Tat waren die Wege für den
Antichristen noch nie so gebahnt wie heute. Und endlich zeigt uns
4. dieses weltgeschichtliche Zeichen, daß die Wiederkunft des Herrn sehr nahe ist,
wie uns solches der Herr selbst lehrt.
An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis: Wenn sein Zweig saftig wird und ausschlägt, so wisset ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch, wenn ihr das alles sehet, so wisset ihr, daß es nahe vor der Tür ist. (Matth. 24, 32. 33).
Anmerkung: Das Wörtchen "es" bezieht sich in diesem Falle auf Matth. 24, 3, auf die Frage der Jünger nach dem Ende der Welt. Das also wurde nun schon vor etwa 50 Jahren geschrieben und hat sich daher in unserer Gegenwart ereignet, demnach bereits zu Lebzeiten von vielen Menschen der jetzigen Generation. Daran ist deutlich zu erkennen, wie der allmächtige Gott seine damals für Israel gegebenen Verheißungen eingelöst und sich abermals an diesem Volk verherrlicht hat. Die nationale Wiederherstellung und Erhaltung Israels inmitten seiner Feinde ist ein hervorragendes Beispiel für die göttliche Inspiration (= Eingebung) der Bibel und zudem ein untrüglicher Beweis für die vorbehaltlose Zuverlässigkeit biblischer Prophetie.

Von den vielen Weissagungen, die sich nach der Treue Gottes erst in der Zukunft erfüllen werden, möchte ich nur einige Bibelstellen des Propheten Hesekiel anführen, der mindestens 500 Jahre vor Christus lebte, so z. B.:

Und du, Menschenkind, weissage den Bergen Israels und sprich: Hört des Herrn Wort, ihr Berge Israels! So spricht Gott der Herr: Weil der Feind über euch frohlockt: "Ha, die ewigen Höhen sind nun unser Besitz geworden!", darum weissage und sprich: So spricht Gott der Herr: Weil man euch allenthalben verwüstet und vertilgt und ihr zum Besitz der übriggebliebenen Heiden geworden und übel ins Gerede der Leute gekommen seid, darum hört, ihr Berge Israels, das Wort Gottes des Herrn! So spricht Gott der Herr zu den Bergen und Hügeln, zu den Bächen und Tälern, zu den öden Trümmern und verlassenen Städten, die den übriggebliebenen Heiden ringsumher zum Raub und Spott geworden sind, - darum, so spricht Gott der Herr: Wahrlich, ich habe in meinem feurigen Eifer geredet gegen die Heiden die übriggeblieben sind, und gegen ganz Edom, die mein Land in Besitz genommen haben mit Freude von ganzem Herzen und mit Hohnlachen, um es zu verheeren und zu plündern. (Hesekiel 36, 1-5).

Und ich will viele Menschen auf euch wohnen lassen, das ganze Haus Israel insgesamt, und die Städte sollen wieder bewohnt und die Trümmer aufgebaut werden. Ja, ich lasse Menschen und Vieh auf euch zahlreich werden; sie sollen sich mehren und fruchtbar sein. Und ich will euch wieder bewohnt sein lassen wie früher und will euch mehr Gutes tun als je zuvor, und ihr sollt erfahren, daß ich der Herr bin. Ich will wieder Menschen über euch ziehen lassen, nämlich mein Volk Israel; die werden dich besitzen, und du sollst ihr Erbteil sein und ihnen die Kinder nicht mehr nehmen. (Hesekiel 36, 10-12).

Hierzu ist zu bemerken, daß die Berge Israels sich im Gebiet des "Westjordanland" (auf Englisch: West Bank) befinden, wo nun die Palästinenser so bald wie möglich ihren Staat errichten wollen, mit der Hauptstadt (Ost-) Jerusalem. Edom (= "rot") war einst der Name eines Landes und Volkes, östlich der Araba (im Süden des Toten Meeres). Das Land grenzte im Norden an Ammon (daher: Amman), im Westen an das Tote Meer und die Araba, im Süden und Osten an die Wüste. So ist es demnach heute der südliche Teil von Jordanien. Dieser Staat hatte seinerzeit das "Westjordanland" nicht nur besetzt, sondern diesen Teil des heiligen Landes auch widerrechtlich annektiert von 1948 bis 1967, also 19 Jahre lang. Hierbei handelt es sich um eine Zahl, die für die Juden allerdings wiederum von besonderer Bedeutung ist, da sich nämlich in einem Zyklus von 19 Jahren der jüdische Kalender wiederholt.

Und die Heiden sollen erfahren, daß ich der Herr bin, spricht Gott der Herr, wenn ich vor Ihren Augen an euch zeige, daß ich heilig bin. Denn ich will euch aus den Heiden herausholen und euch aus allen Ländern sammeln und wieder in eurer Land bringen, und ich will reines Wasser über euch sprengen, daß ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. (Hesekiel 36, 23-25).
... und sollst zu ihnen sagen: So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will die Kinder Israel herausholen aus den Heiden, wohin sie gezogen sind, und will sie von überall her sammeln und wieder in ihr Land bringen und will ein einziges Volk aus ihnen machen im Land auf den Bergen Israels, und sie sollen allesamt einen König haben und sollen nicht mehr zwei Völker sein und nicht mehr geteilt in zwei Königreiche. (Hesekiel 37, 21-22).
Und mein Knecht David soll ihr König sein und der einzige Hirte für sie alle. Und sie sollen wandeln in meinen Rechten und meine Gebote halten und danach tun. (Hesekiel 37, 24).

Besonders der letzte Teil muß sich noch in Zukunft erfüllen, jedoch sind alle diese Prophezeiungen in greifbare Nähe gerückt, wie wir täglich aus den Nachrichten erfahren können. Man kann es durchaus als ein Wunder bezeichnen, daß diese Voraussagen nach 2 500 Jahren in Erfüllung gehen.

Es ist also wichtig, diese Worte der Weissagung nicht nur zu hören, sondern auch zu behalten, denn das eine ohne das andere ist sinnlos und nicht denkbar. Deshalb ermahnt uns auch die Bibel: Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein, wodurch ihr euch selbst betrüget. (Jakobus 1, 22). Täter zu sein heißt im Falle des prophetischen Wortes insbesondere auf die Zeichen der Zeit zu achten, andere darauf aufmerksam zu machen und sein Leben im Blick auf die Zukunft danach auszurichten. Auf die Zeichenforderung der Pharisäer machte Jesus diesen Vorwurf: Aber er antwortete und sprach: Des Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot. Und es Morgens sprecht ihr: Es wird heute Ungewitter sein, denn der Himmel ist rot und trübe. Über des Himmels Aussehen könnt ihr urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen? (Matth. 16, 2-3). Mit einem gleichnishaften Mahnwort über die Beachtung der Zeichen der Zeit wandte sich Jesus dann ebenso an alle seine Zuhörer: Er sprach aber zu dem Volk: Wenn ihr eine Wolke sehet aufgehen vom Westen, so sprecht ihr alsbald: Es kommt ein Regen. Und es geschieht also. Und wenn ihr sehet den Südwind wehen, so sprecht ihr: Es wird heiß werden. Und es geschieht also. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels versteht ihr zu prüfen; wie prüfet ihr aber diese Zeit nicht? (Luk. 12, 54-56). Dieses Wort gilt natürlich in besonderem Maße gerade für unsere Zeit. Wie damals dem Volke Gottes, so ist auch uns die Heilige Schrift gegeben, um darin zu forschen und den Zeitpunkt seines Kommens gleichfalls zu erkennen. Das Buch der Offenbarung ergänzt alle Aussagen der vorherigen Bücher.

Selbstverständlich müssen wir ebenfalls immer bedenken, daß wir vorher sterben könnten, heißt es doch weiter: Wohlan nun, die ihr saget: Heute oder morgen wollen wir gehen in die oder die Stadt und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen, - die ihr nicht wisset, was morgen sein wird. Denn was ist euer Leben? Ein Dampf seid ihr, der eine kleine Zeit währt, danach aber verschwindet er. Dafür solltet ihr sagen: So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun. (Jakobus 3, 13-15). Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden. (Psalm 90, 12). Der Gedanke an unser Lebensende sollte immer unser ganzes Leben bestimmen, damit wir die verbleibende Zeit nutzen in Anbetracht der Ewigkeit. Töricht ist der, der nicht daran denkt oder denken will!

Im Konkordanten Neuen Testament heißt dieses Buch der Bibel: Enthüllung Jesu Christi (Offenbarung), folgerichtig nach dem griechischen Wort: apokalupsiV = apokalypsis, das Apokalypse oder Enthüllung bedeutet, wie bereits anfangs dieses Kapitels erwähnt. Dieser Vers von Offb. 1, 3 lautet dort dann: Glückselig, wer das Prophetenwort liest und die es hören und bewahren, was darin geschrieben ist; denn die Frist ist nahe.

Zum besseren Verständnis dieses Wortes muß in diesem Zusammenhang noch erwähnt werden, daß man im Altertum den Inhalt heiliger Schriften oder auch eine politische Botschaft nur dadurch an das Volk bringen konnte, indem sie von einem Herold öffentlich vorgelesen wurde. In etwas rückständigen Gegenden in anderen Ländern geschieht das sicherlich genauso noch in unseren Tagen, durfte ich selbst doch einen derartigen Ausrufer vor gerade etwa zwanzig Jahren in einem Dorf in Siebenbürgen (Rumänien) erleben. Der Mann ging mit einer großen Glocke durch die Gassen und rief nun auf diese Weise alle Einwohner des Ortes vor die Türen der Häuser oder wenigstens an die Fenster, um eine wichtige Nachricht weiterzugeben. Ähnlich war es ja auch bei uns im Mittelalter, wo die Wächter der Stadt in der Nacht ausriefen, was die Stunde geschlagen hatte.

Damals war in Ermangelung einer modernen Kommunikation und Publikation, sowie oft der Allgemeinbildung, die Information der Leute gar nicht anders möglich. Die Bibel berichtet uns deshalb von mehreren Fällen, wo auf diese Art und Weise selbst ganze Völker erreicht wurden, so beispielsweise im Buch Esther: Da wurden gerufen des Königs Schreiber zu jener Zeit im dritten Monat, das ist der Monat Siwan, am dreiundzwanzigsten Tage, und es wurde geschrieben, wie Mardochai gebot, an die Juden und an die Fürsten, Statthalter und Obersten in den Ländern vom Indus bis zum Nil, hundertundsiebenundzwanzig Ländern, einem jeden Lande in seiner Schrift, einem jeden Volk in seiner Sprache und auch den Juden in ihrer Schrift und Sprache. Und es wurde geschrieben in des Königs Ahasveros Namen und mit des Königs Ring gesiegelt. Und man sandte die Schreiben durch reitende Boten auf den besten Pferden. ... Und die reitenden Boten auf den besten Pferden ritten aus schnell und eilends nach dem Wort des Königs, und das Gesetz wurde in der Festung Susa angeschlagen. (Esther 8, 9-10 + 14). Oder auch bei Daniel wird uns dieses gleichfalls berichtet: Und der Herold rief laut: Es wird euch befohlen, ihr Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen: Wenn ihr hören werdet den Schall der Posaunen, Trompeten, Harfen, Zithern, Flöten, Lauten und aller andern Instrumente, dann sollt ihr niederfallen und das goldene Bild anbeten, das der König Nebukadnezar hat aufrichten lassen. (Dan. 3, 4-5).

Als Vorleser wurden natürlich immer schriftkundige Leute ausgewählt, hauptsächlich waren es dafür in Frage kommende Priester, die es vor dem Volk oder der Gemeinde vorzulesen hatten. Deshalb heißt es auch, durchaus verständlich, in dem Buch Nehemia: Und Esra, der Priester, brachte das Gesetz vor die Gemeinde, Männer und Frauen und alle, die es verstehen konnten ... Und Esra, der Schriftgelehrte, stand auf einer hölzernen Kanzel, die sie dafür gemacht hatten ... Und Esra tat das Buch auf vor aller Augen, denn er überragte alles Volk; und als er's auftat, stand alles Volk auf. Und Esra lobte den Herrn, den großen Gott. Und alles Volk antwortete: Amen! Amen! und sie hoben ihre Hände empor und neigten sich und beteten den Herrn an mit dem Antlitz zur Erde. Und die Leviten ... unterwiesen das Volk im Gesetz, und das Volk stand auf seinem Platz. Und sie legten das Buch des Gesetzes Gottes klar und verständlich aus, so daß man verstand, was gelesen worden war. (Neh. 8, 2 + 4-8).

So ist auch das Buch der Offenbarung eindeutig zur gottesdienstlichen Vorlesung bestimmt, die durch Schriftkundige zu erfolgen hat, also nur durch die, die in der Heiligen Schrift kündig sind, sich darin auskennen. Selbstverständlich muß ganz besonders das prophetische Wort immer der anbetenden Gemeinde so ausgelegt werden, daß man versteht, was vorgelesen wird.

Jesus Christus will nicht, daß seine Gemeinde ungewiß und ziellos in die Zukunft hineingehen soll, sondern aus Liebe und Verantwortung zu ihr sucht er den Schleier des Geheimnisses um die sonst rätselhafte Zukunft zu lüften und läßt sie im voraus sehen, was bald geschehen wird. Wenn Gott redet, kann wahrlich der Prophet nicht schweigen, deshalb sagt Amos: Bläst man etwa die Posaune in einer Stadt und das Volk entsetzt sich nicht? Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut? - Gott der Herr tut nichts, er offenbare denn seinen Ratschluß den Propheten, seinen Knechten. -. (Amos 3, 6-7).

Des weiteren bezeugt dieser Prophet dem Volke Israel und damit auch uns: Darum will ich's weiter so mit dir machen, Israel! Weil ich's denn weiter so mit dir machen will, so bereite dich, Israel, und begegne deinem Gott! Denn siehe, er ist's, der die Berge macht und den Wind schafft; er zeigt dem Menschen, was er im Sinne hat. Er macht die Morgenröte und die Finsternis, er tritt einher auf den Höhen der Erde - er heißt "Herr, Gott Zebaoth". (Amos 4, 12-13). Gott zeigt demzufolge dem Menschen, was er im Sinne hat. Dazu hat er ihm sein prophetisches Wort gegeben, daß er darin forsche und Erleuchtung empfange. Ganz besonders in der Gemeinde sollte die gewonnene Erkenntnis dann auch weitergegeben werden können, denn sie ist nicht zum Selbstzweck bestimmt.

In diesem Sinne etwa schrieb sodann der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an die Gemeinde Gottes zu Korinth samt allen Heiligen in ganz Achaja: Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, daß er sei der Herr, wir aber eure Knechte um Jesu willen. Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi. (2. Kor. 4, 5-6).

Leider gibt es auch welche in der Gemeinde, die sagen: Lieber Gott, wenn wir nur alles haben, um immer angenehme und gute Tage zu sehen, das genügt uns vollauf. Wenn man nach einem ernsten Gottesdienst zu ihnen sagt: Es ist fünf vor zwölf, so antworten sie: Prima, dann gibt's ja bald Mittagessen. Diese geistliche Not ist heutzutage wahrlich allgegenwärtig. Eine müde Christenheit, die sich allzu sehr an die "billige Gnade" gewöhnt hat, benötigt mehr denn je eine vollmächtige Bibelunterweisung, weil sie den Ernst der endzeitlichen Stunde noch nicht erkannt hat. Eine Gemeinde, deren Glieder unfähig sind, die verschiedenen Geister eindeutig zu unterscheiden, steht schon in der Versuchung durch den Zeitgeist. Wer bereits teilweise vom Weltsinn geprägt ist und sich nicht nach geistvollen Lehrern ausstreckt, der ist dann zweifellos auch nicht weit entfernt vom Abfall. Ein jeder möge seine eigene Gemeinde dahingehend überprüfen, ob sie sich wohl eher an der Quantität der Mitgliederzahlen oder aber an der Qualität der Glaubenstiefe ihrer Glieder ausrichtet.

Deshalb ergeht eine Warnung vor Weltsinn: Ihr habt nicht, darum daß ihr nicht bittet, ihr bittet und empfanget nicht, darum daß ihr übel bittet, nämlich darum, daß ihr's in euren Lüsten verzehren wollt. Ihr Abtrünnigen, wisset ihr nicht, daß der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein. Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Der Geist, den Gott hat in uns wohnen lassen, begehrt und eifert? Er gibt aber desto reichlicher Gnade. (Jakobus 4, 2-6).

Allerdings kenne ich auch etliche Geschwister, die durch das Hören und Behalten des prophetischen Wortes tiefer in Gottes große Gedanken eingedrungen sind, so daß man sagen könnte, die Bibel ist ihnen dadurch ein ganz neues Buch geworden. Heute können sie, wie einst David, ausrufen: Aber wie köstlich sind vor mir, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihrer so eine große Summe! Sollte ich sie zählen, so würde ihrer mehr sein denn des Sandes. (Psalm 139, 17-18 - Luthertext von 1914).

Wir wollen nun weitergehen in der Offenbarung:

Johannes den sieben Gemeinden in der Landschaft Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Thron, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborne von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Dem, der uns liebt und erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (Offb. 1, 4-6).

Hier wird von sieben Gemeinden gesprochen. Die Sieben stellt in der gesamten Bibel die göttliche Zahl der Vollkommenheit dar. Am häufigsten, vielleicht mehr als 100 Mal, erscheint sie in der Offenbarung, deren gesamter Aufbau durch diese Zahl bestimmt wird. Dort werden erwähnt: sieben Gemeinden, sieben Geister, sieben Fackeln, sieben goldene Leuchter, sieben Sterne, sieben Siegel, sieben Hörner, sieben Engel, sieben Augen, sieben Posaunen, sieben Donner, sieben Häupter, sieben Kronen, sieben Plagen, sieben goldene Schalen u.s.w.. Man könnte noch die siebenjährige Trübsalszeit hinzufügen, die in zweimal 3 ½ Jahre aufgeteilt ist, ebenfalls die siebentausend Menschen in Offb. 11, 13.

In diesem Zusammenhang sei zum besseren Verständnis der vielen in der Offenbarung verwendeten Zahlen nachstehend noch eine kurze Erklärung ihrer Bedeutung gegeben:
Zwei (Kontrast; Teilung; Zeugnis): der zweite Tod, die zwei Zeugen u.s.w.,
drei (Räumlichkeit): der dritte Teil der Erde, die drei "Wehe!" u.s.w.,
dreieinhalb (die Hälfte von sieben): dreieinhalb Tage,
vier (die Erde): die vier lebendigen Wesen, die vier Ecken der Erde u.s.w.,
fünf (Verantwortlichkeit): fünf Monate Qual,
sechs (Zahl des Menschen; was unter der sieben, der göttlichen Vollkommenheit liegt),
sieben (göttliche Vollkommenheit, innere Fülle): siehe die obigen Beispiele,
acht (neuer Beginn nach der sieben): das Tier ist "der achte",
zehn (zwei mal fünf): zehn Tage Drangsal, die zehn Hörner u.s.w.,
zwölf (drei mal vier; vollkommene Regierung): die zwölf Stämme Israels, sowie die zwölf Apostel u.s.w.,
vierundzwanzig (zwei mal zwölf): die vierundzwanzig Ältesten u.s.w.,
zweiundvierzig (dreieinhalb mal zwölf): die zweiundvierzig Monate,
einhundertvierundvierzig (zwölf mal zwölf): die 144 000 Versiegelten u.s.w.,
sechshundertsechsundsechzig (dreimal die Zahl sechs = 666): die Zahl des Tieres, eintausend oder tausend (zehn mal zehn mal zehn): die tausend Jahre,
zwölfhundertsechzig (dreieinhalb mal 360): die jeweils 1260 Tage des Zeugnisses und der Bewahrung Israels,
sechzehnhundert: die 1600 Stadien.

Die sieben Gemeinden werden in Offb. 1, 11 namentlich genannt, die jeweils ein Sendschreiben erhalten, also insgesamt sieben, die in den nächsten Kapiteln (Offb., Kap. 2 + 3) genau beschrieben werden. Wir werden also darauf noch zurückkommen, wenn dort in die Einzelheiten eingegangen wird. Die Landschaft Asien war die damalige römische Provinz "Asia", die den westlichen Teil des später als Asia Minor (= Kleinasien) bekannten Gebietes ausmachte, zusammen mit den dazugehörigen Inseln. Als König Attalus oder Attalos III. Philometor (= Mutterliebe) von Pergamon im Jahre 133 v. Chr. starb, vermachte er sein Königreich den Römern. Da bei diesen die pergamenischen Könige als "Könige von Asien" bekannt waren, wurde die Provinz "Asia" genannt. Sie entstand im Jahre 129 v. Chr. und erstreckte sich vom Mittelmeer im Westen bis Galatien im Osten. Dabei umfaßte sie Mysien, Karien, Lydien, Phrygien, dazu die Küstenstädte und Inseln des Ägäischen Meeres, darunter auch Patmos. Bis zur Herrschaft des Sulla (Lucius Cornelius Sulla), römischer Feldherr und Staatsmann (geb. 138/gest. 78 v. Chr.), Diktator bis 79 v. Chr., unterstand auch diese Provinz einem "Prätor". Dieser Titel kommt von dem lateinischen Wort "prae-ire", das "vorangehen" bedeutet und dem "Her-zog" entspricht.

Kaiser Augustus (urspr. Gaius Octavius) (23.9.63 v. Chr. - 19.8.14 n. Chr.) machte Asien dann zu einer senatorischen Provinz (= dem Senat unterstellt) mit der Hauptstadt Ephesus. Demzufolge wurde sie nun durch einen Prokonsul regiert und war hinfort als "Asia proconsularis" bekannt. Zur Zeit des Johannes lebten viele Juden in Asien, und in vielen Städten befanden sich Synagogen. Die sieben Gemeinden liegen alle in diesem Landstrich, also im westlichen Teil der heutigen Türkei.

In dem Grußwort an die Gemeinden wird zunächst Gnade und Friede gewünscht, trotz der nachfolgenden, teilweise unangenehmen Tatsachen. Weil wahre Christen von Gott begnadigt sind, stehen sie auch in seinem Frieden. Ganz gleich, was ihnen im Wandel der Zeiten auch begegnen mag, diese Gnade und diesen Frieden sollen ihnen niemals genommen werden. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. (Jesaja 54, 10).

Weiter heißt es in unserem Text: von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Der wiederkommende Herr ist derselbe: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebr. 13, 8). Hier bezieht es sich jedoch auf Gott, den Vater, von dem Jesus gesagt hat: Ich und der Vater sind eins. (Joh. 10, 30).

Von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Thron, heißt es später: Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, welches sind die sieben Geister Gottes. (Offb. 4, 5). Dazu wird im Zusammenhang mit Jesu Wiederkunft gesagt: Höre nun, Josua, du Hoherpriester: Du und deine Brüder, die vor dir sitzen, sind miteinander ein Zeichen; denn siehe, ich will meinen Knecht, "den Sproß", kommen lassen. Siehe, auf dem einen Stein, den ich vor Josua hingelegt habe, sind sieben Augen. Siehe, ich will auf ihm eine Inschrift eingraben, spricht der Herr Zebaoth, und will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag. (Sach. 3, 8-9). Jene sieben sind des Herrn Augen, die alle Lande durchziehen. (Sach. 4, 10).

Hier wird jetzt weiter in Vers 5 gesprochen ... von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge und Erstgeborne von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Die Herrlichkeit Christi und seines Werkes bestätigte Paulus: Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne vor allen Kreaturen. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde; er, der der Anfang ist, der Erstgeborne von den Toten, auf daß er in allen Dingen der Erste sei. Denn es ist Gottes Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle Fülle wohnen sollte und alles durch ihn versöhnt würde mit Gott, es sei auf Erden oder im Himmel, dadurch daß er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz. (Kol. 1, 15-20). Weiter schrieb er sodann: ... bis auf die Erscheinung unsers Herrn Jesus Christus, welche uns wird zeigen zu seiner Zeit der Selige und allein Gewaltige, der König aller Könige und Herr aller Herren ... (1. Tim. 6, 14-15).

Dazu heißt es in der Offenbarung: ... und das Lied des Lammes und sprachen: Groß und wundersam sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. (Offb. 15, 3). Sie werden streiten wider das Lamm, und das Lamm wird sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller Könige, und die mit ihm sind, sind Berufene und Auserwählte und Gläubige. (Offb. 17, 14). Und er war angetan mit einem Kleide, das mit Blut besprengt war, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Und ihm folgte nach das Heer im Himmel auf weißen Pferden, angetan mit weißer, reiner Leinwand. Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlüge; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen; und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Kleid und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren. (Offb. 19, 13-16). Also wird in der Offenbarung insgesamt viermal betont, daß der Herr Jesus der König aller Könige ist.

Nun folgt ein Lobpreis, der ein Ausbruch der Freude des gläubigen Herzens ist: Dem, der uns liebt und erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Der Apostel Petrus bestätigte diesen Lobpreis, indem er in seinem ersten Brief ganz ähnliche Worte gebraucht hat: ... und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. (1. Petr. 1, 18-19). Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die Wohltaten des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. (1. Petr. 2, 9). Hier wird von beiden Aposteln, von Johannes und von Petrus, bezeugt: Die Jesus gehören, die sind erlöst mit dem teuren Blut Christi und zu Königen und Priestern gemacht vor Gott.

Es gibt moderne Bibelübersetzungen, die das Wort "Blut" unterschlagen, so z. B. die von Jörg Zink. Das Konkordante Neue Testament übersetzt Epheser 1, 7: In Ihm haben wir die Freilösung durch Sein Blut. Luther hat ähnlich wortgetreu übersetzt: In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut. Jörg Zink sagt dagegen undeutlich: ... die Befreiung durch Seinen Tod. Aber gerade das Blut ist äußerst wichtig, denn des Leibes Leben ist im Blut, spricht der Herr in 3. Mose 17, 11. Und weiter sagt er alsdann in demselben Vers: ... und ich habe es euch für den Altar gegeben, daß ihr damit entsühnt werdet. Denn das Blut ist die Entsühnung, weil das Leben in ihm ist. Im Hebräer-Brief wird noch einmal betont: Denn nach dem Gesetz wird fast alles mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. (Hebr. 9, 22).

Unser Text der Offenbarung geht weiter mit:

Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen. (Offb. 1, 7).

Von Christi Himmelfahrt wurde uns berichtet: Und da er solches gesagt, ward er aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird so kommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. (Apg. 1, 9-11). Bei Sacharja heißt es: Aber über das Haus David und über die Bürger Jerusalems will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebets. Und sie werden mich ansehen, den sie durchbohrt haben, und sie werden um ihn klagen, wie man klagt um ein einziges Kind, und werden sich um ihn betrüben, wie man sich betrübt um den Erstgeborenen. (Sach. 12, 10). Jesus selbst sagt: Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden kommen sehen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. (Matth. 24, 30).

Jetzt bestätigt uns Gott selbst:

Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. (Offb. 1, 8).

Das A und das O sind der erste und letzte Buchstabe im griechischen Alphabet, A = alja = alpha und W = wmega = omega. Dasselbe wird uns auch nochmals bezeugt: Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. (Offb. 21, 6-7). Und wiederum wird bestätigt: Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sind. Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (Offb. 22, 12-13). Im Luthertext von 1914 steht nun abermals: Die sprach: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte. (Offb. 1, 11). Weiter sagt Jesus sodann auch von sich: Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. (Offb. 1, 17-18).

Der Auftrag an Johannes wird nun wie folgt beschrieben:

Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Trübsal und am Reich und im Ausharren bei Jesus, ich war auf der Insel, die da heißt Patmos, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. Der Geist kam über mich an des Herrn Tag, und ich hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune, die sprach: Was du siehest, das schreibe in ein Buch und sende es zu den sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodicea. (Offb. 1, 9-11).

Zunächst bezeugt hier der Apostel Johannes sein Ausharren in der Trübsal: Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Trübsal und am Reich und im Ausharren bei Jesus, ich war auf der Insel, die da heißt Patmos, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. (Offb. 1, 9). In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie Paulus und Barnabas die neuen Jünger mit ähnlichen Worten ermahnten: Und den andern Tag ging er mit Barnabas wieder nach Derbe; und sie predigten dieser Stadt das Evangelium und machten viele zu Jüngern und zogen wieder nach Lystra und Ikonion und Antiochien, stärkten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, daß sie im Glauben blieben, und daß wir durch viel Trübsal müssen in das Reich Gottes gehen. (Apg. 14, 20-22). Anstatt: und im Ausharren bei Jesus, heißt es gleichbedeutend im Luthertext von 1914: und an der Geduld Jesu Christi. Jakobus, einer von den leiblichen Brüdern des Herrn, sagte dazu: Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, wie's der Herr hinausgeführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer. (Jak. 5, 11).

Von Anfang an leiden die Jünger Jesu in der Nachfolge ihres Herrn, wie ihnen Jesus vorausgesagt hatte: Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr werdet gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern. (Matth. 24, 9). Trübsal bleibt uns allen also nicht erspart, aber an der Geduld Jesu Christi können wir lernen auszuharren und im Glauben zu bleiben.

Der Apostel Johannes war auf der Insel, die da heißt Patmos, wie er selbst bezeugt hat. Patmos ist eine kleine, felsige Insel der südlichen Sporaden, einer Inselgruppe im Ägäischen Meer, das ein Teil des Mittelmeeres ist. Patmos liegt ungefähr 45 km südlich der Insel Samos, ca. 90 km südwestlich von Ephesus, etwa auf der geographischen Breite von Milet (etwas südlich des 38. Breitengrades), vor der Westküste Kleinasiens, unweit der Ruinen von Milet. Heute gehört diese ganze Inselgruppe zu Griechenland, obwohl sie vor der türkischen Küste liegt. Sie ist etwa 40 qkm (km2) groß und besteht aus einer düsteren, vulkanischen Felsenmasse, auf der allerdings auch etwas Acker- und Weideland vorhanden sind. Ansonsten ist es wohl eher ein unwirtliches, ödes Eiland, auf dem deshalb nur wenige Menschen leben. Die wenigen Bewohner dieser Insel sind Griechen und Armenier, die genaue Anzahl heute ist mir zur Zeit nicht bekannt, allerdings im Jahre 1936 waren es 3 184 Einwohner.

Gerade weil diese Insel so überaus unfreundlich ist, wurde sie unter den römischen Kaisern als Verbannungsort benutzt. Eusebius oder Eusebios, Bischof von Cäsarea (260-340 n. Chr.), zufolge war Johannes dort 18 Monate lang. Nach Victorinus von Aquitanien (gest. 465 n. Chr.) wurde er damals trotz seines hohen Alters gezwungen, in den Bergwerken zu arbeiten. Ganz in der Nähe der kleinen Hafenstadt De La Scala befindet sich heute noch eine natürliche Felsengrotte, in der Johannes mit größter Wahrscheinlichkeit die Offenbarung Jesu Christi empfangen haben soll.

Johannes war unter dem römischen Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.) wohl dorthin verbannt worden auf die Insel, die da heißt Patmos, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses von Jesus. Dieser Herrscher war der erste, der den Kaiserkult streng durchgeführt hat. Er gab sich den Titel "Unser Herr und Gott" ("Dominus et Deus noster") und verlangte göttliche Verehrung, die Johannes ihm versagt hatte. Der erste Kirchenvater, der sich überhaupt irgendwie zur Abfassungszeit der Offenbarung geäußert hat, war Irenäus, Bischof von Lyon (140-202 n. Chr.). Dieser war ein Schüler des Papias, Bischof in Hierapolis in Kleinasien (um 130 n. Chr.), der wiederum ein Schüler des Johannes war. Irenäus von Lyon äußerte sich im fünften Buche seines Hauptwerkes: "Adversus haereses" = lat. "Gegen die Häresien" über die Zahl des Antichristen (6 6 6): Wenn der Name (des Antichristen) in der jetzigen Zeit hätte bekannt werden sollen, dann wäre er durch den mitgeteilt worden, welcher die Offenbarung geschaut hatte. Denn nicht schon vor langer Zeit wurde sie geschaut, sondern beinahe noch in unseren Tagen, nämlich am Ende der Regierung des Domitian. (Adv. Haer. V. 30, 3). Er teilte darüber hinaus auch noch mit, daß Johannes, nachdem er von Patmos zurückkehrte, bis zum Anfang der Regierungszeit des Kaisers Trajan, der von 98-117 n. Chr. regierte, wieder in Ephesus wohnte.

Diese Aussage wurde dann später zitiert von Eusebius oder Eusebios, Bischof von Cäsarea (260-340 n. Chr.), in seiner Kirchengeschichte (Hist. Eccl. III. 18, 3), der zugleich berichtete, daß Johannes sofort nach dem Tode des Kaisers Domitian im Jahre 96 n. Chr. von Patmos zurückkehrte. Bischof Clemens von Alexandria (160-215 n. Chr.) (Quis Div. Salv. 42) ebenso wie dann Origines, genannt Adamantios (185-254 n. Chr.) aus Alexandria (In Mt. XVI. 6), erwähnten dagegen den Namen Domitians überhaupt nicht, aber meinten ihn nichtsdestoweniger wahrscheinlich, als sie in ihren Werken über die Datierung des Buches der Offenbarung schrieben.

Man kann deshalb ganz gewiß davon ausgehen, daß die Offenbarung um das Jahr 95 n. Chr. verfaßt worden ist. Nur wenige Ausleger wollen die Zeit der Verfassung früher datieren, in die Regierungszeit des Kaisers Nero. Sie sind der Meinung, der Tempel in Jerusalem sei damals bei der Niederschrift noch intakt gewesen und mit dessen Zerstörung im Jahre 70 n. Chr. hätten bereits alle Gerichte der Offenbarung ihren Abschluß gefunden. Demnach müßten wir jetzt also schon seit etlichen Jahrhunderten im verheißenen "Millennium" (von lat. "mille" = tausend und "annus" = Jahr) leben, wie nämlich das Tausendjährige Friedensreich Jesu Christi auch noch bezeichnet wird. Das ist aber sicherlich nicht der Fall, was jeder an den friedlosen Zuständen in dieser Welt erkennen kann. Einmal abgesehen davon, die Gemeinde Jesu Christi kommt zudem überhaupt nicht in dieses Zeitalter hinein. Diese irrige Ansicht wird außer von wenigen Bibelkritikern nur noch von Sekten wie den Zeugen Jehovas vertreten. Mehrere Aussagen der Heiligen Schrift stehen dem jedoch ganz eindeutig entgegen, wie das in späteren Kapiteln genau ersehen werden kann.

Wie schon eingangs in Vers 2 so wird auch hier wiederum in Verbindung mit dem Worte Gottes ausdrücklich das Zeugnis Jesu Christi erwähnt. Dieses hat sicherlich eine besondere Bewandtnis, denn in Kapitel 12 (Offb. 12, 17) wird dann nochmals darauf hingewiesen. Es scheint, daß es eine zusätzliche Auszeichnung ist, auch dieses Zeugnis Jesu zu haben. In Kapitel 19 (Offb. 19, 10) heißt es: Das Zeugnis Jesu aber ist der Geist der Weissagung. Jesus selbst ist das lebendige Wort Gottes (Joh. 1, 14), er hat uns den Geist der Wahrheit gesandt (Joh. 14, 17), der von Jesus zeugt (Joh. 15, 26). In seinen Abschiedsreden an seine Jünger hatte Jesus dann verheißen: Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. (Joh. 16, 13). Das ist der Geist der Weissagung, der aus dem Glauben kommt, dessen Befolgung im Gehorsam eine besondere Verheißung hat, die den Jünger Jesu voll erfüllt.

Johannes bezeugt nun: Der Geist kam über mich an des Herrn Tag. Dieser Tag war dann auch "der erste Tag der Woche", wie er nämlich sonst genannt wird im Evangelium nach Johannes, wenn er damit den Tag der Auferstehung Jesu beschreibt: An dem ersten Tage der Woche kommt Maria Magdalena frühe, da es noch finster war, zum Grabe und sieht, daß der Stein vom Grabe hinweg war.(Joh. 20, 1). Am Abend aber desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! (Joh. 20, 19). Ähnlich wird dieser Tag auch von Lukas, dem Arzt, in der Apostelgeschichte bezeichnet, die er gemäß der Widmung am Anfang derselben gleichermaßen wie das Evangelium geschrieben hat, indem er dann bezeugt: Am ersten Tage der Woche aber, da wir versammelt waren, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus und wollte des andern Tages weiterreisen und zog die Rede hin bis zur Mitternacht. (Apg. 20, 7) Auch Paulus schreibt ebenfalls: An jeglichem ersten Tag der Woche lege bei sich selbst ein jeglicher unter euch zurück und sammle, was ihn gut dünkt, auf daß nicht, wenn ich komme, erst die Sammlung geschieht. (1. Kor. 16, 2).

Dieser hier ausnahmsweise mit "des Herrn Tag" bezeichnete Kalendertag ist somit eindeutig unser Sonntag, der Gedenktag der Auferstehung Jesu, an dessen frühem Morgen bereits schon damals seine Gemeinde, auch nach außerbiblischen Quellen, zusammenzukommen pflegte. Er ist deshalb keineswegs gleichbedeutend mit dem eigentlichen "Tag des Herrn" (im griechischen Urtext des Neuen Testamentes immer: hmera kuriou = hémera kyriou), wie die Zeit der kommenden Gerichte und des unmittelbar nachfolgenden Friedensreiches Jesu Christi oft genannt wird, z. B.: Von den Zeiten aber und Stunden, liebe Brüder, ist nicht not euch zu schreiben; denn ihr selbst wisset genau, daß der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. (1. Thess. 5, 1-2). In gleicher Weise heißt es dann auch: Was nun das Kommen unsers Herrn Jesus Christus angeht und unsre Vereinigung mit ihm, so bitten wir euch, liebe Brüder, daß ihr euch nicht so bald wankend machen lasset in eurem Sinn noch erschrecken weder durch eine Offenbarung im Geist noch durch ein Wort noch durch einen Brief, wie von uns gesandt, als ob der Tag des Herrn schon da sei. (2. Thess. 2, 1-2).

Oder ebenfalls nochmals: Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind werden verbrennen. (2. Petr. 3, 10). Daher ist die Bezeichnung im Griechischen auch verschieden. Hier (Offb. 1, 10) ist das gleiche Eigenschaftswort (kuriakoV = kyriakos) gebraucht, so wie in 1. Kor. 11, 20 bei "des Herrn Abendmahl". Es ist der "dem Herrn gehörende Tag" und das "dem Herrn gehörige Mahl".

Diese Bezeichnung für den Sonntag kommt beispielsweise auch schon in der früh-christlichen Literatur vor, um damit möglicherweise die Auferstehung des Herrn zu betonen. Verschiedene Ausleger denken allerdings an dieser Stelle doch lieber an den "Tag des Herrn" von 1. Thess. 5, 2; 2. Thess. 2, 2; 2. Petr. 3, 10, ohne aber den Unterschied in der griechischen Form (hier: hmera kuriou = hémera kyriou) zu würdigen. Es macht jedoch keinen Sinn, sich nun unbeirrt darauf festzulegen, daß Johannes im Geist an den zukünftigen "Tag des Herrn" versetzt worden sein soll, denn gerade die hier vorliegenden Kapitel 1-3 der Offenbarung beziehen sich wohl kaum, oder eigentlich gar nicht, auf diese auch jetzt noch zukünftige Gerichtszeit.

Johannes bezeugt dann weiter: ... und ich hörte hinter mir eine große Stimme wie von einer Posaune. Die Posaune deutet, wie schon bei der Gesetzgebung am Sinai und wie demnächst bei Jesu Wiederkunft, die Nähe oder Gegenwart des Herrn an. Demgegenüber hört er zu diesem Zeitpunkt allerdings nur eine mächtige Stimme hinter sich, die mit großem Getöse etwas ganz Neues mitteilt, etwas so Gewaltiges, was noch nie zuvor jemandem hier auf der Erde bekannt war. Auch hier in diesem Text muß man unbedingt das Wörtchen "wie" beachten, das allerdings bei einer etwas flüchtigen Auslegung auch an anderen Stellen leider allzu oft übersehen wird Dann steht im Luthertext von 1914 nochmals: Die sprach: Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, was in anderen, neueren Übersetzungen bedauerlicherweise ausgelassen worden ist.

Die Stimme sprach sodann: Was du siehest, das schreibe in ein Buch und sende es zu den sieben Gemeinden: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamon und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodicea. Johannes war sicherlich für die Gemeinden in Kleinasien verantwortlich, außerbiblische Quellen deuten jedenfalls darauf hin. Sie sollten durch die Verbannung des Apostels führerlos gemacht werden. Da wurde ihm vom Herrn der Gemeinde, dem Haupt des Leibes Christi, eine große Botschaft für die Gemeinden in Kleinasien, gleichfalls aber auch für jene aller Zeiten, aufgetragen: Das letzte Buch der Bibel.

Die Zahl sieben, die göttliche Vollzahl, weist darauf hin, daß die ganze Gemeinde Jesu Christi aller Völker und Generationen zu den Adressaten dieser Sendschreiben gehört. Deshalb ist dieser Zusammenhang an und für sich schon eine Bestätigung dafür, daß das Buch der Offenbarung zu Recht in den Kanon der biblischen Schriften aufgenommen wurde. Die Offenbarung Jesu Christi gilt demnach als das einzige prophetische Buch des Neuen Testamentes, denn dessen Inhalt besteht fast ausschließlich aus Voraussagen für die Zukunft.

Die Reihenfolge, in der die sieben Gemeinden in der Landschaft Asien aufgelistet werden, mag durchaus auch auf die Route zur Verbreitung dieser Sendschreiben hinweisen, denn es war für einen Boten ohne weiteres möglich, von Ephesus nach Smyrna und Pergamon zu reisen und von dort über Thyatira und Sardes nach Philadelphia und Laodicea zu gelangen. Der Apostel Paulus hatte ja davor schon weitaus größere Reisen in dieser Gegend unternommen.

Auch Ignatius oder Ignatios von Antiochia, Bischof und Kirchenvater (gest. etwa 110 n. Chr. unter dem Kaiser Trajan), ein Schüler des Apostels Johannes, der die Römer gegen sich aufgebracht hatte und dann in Rom hingerichtet werden sollte, berichtete von seinem Weg durch Asien (die römische Provinz in Kleinasien) ungefähr im Jahre 110 n. Chr., seiner letzten Reise. Wir wissen allerdings gar nicht, welche Strecke man wählte, nachdem er damals die Zilizischen Tore (griechisch: ziliziae pulae = Ciliciae pylae, heute: Gülek Bogaz, bei Adana gelegen), einen Paß im Taurus-Gebirge, in nordwestlicher Richtung durchschritten hatte. Bis nach Philadelphia nennt Ignatius jedenfalls keine Städte, an denen er vorbeigekommen ist. Von dort aus wurde er jedoch nach Smyrna und später nach Troas gebracht.

Antiochia (griechisch: Antioceia = Antiocheia, in der Bibel: Antiochien) lag am Fluß Orontes, 22 km vom Mittelmeer entfernt, ist heute Antakya, Hauptstadt der türkischen Provinz Hatay. Die Stadt wurde im Jahre 330 v. Chr. von Seleukos I. Nikator (= Sieger), einem Feldherrn Alexanders des Großen, gegründet und nach seinem Vater benannt, war später die drittgrößte Stadt des Römischen Reiches (nach Rom und Alexandria) und wurde durch Pompejus im Jahre 64 v. Chr. zum Sitz des Statthalters der neuen Provinz Syrien. Erste heidenchristliche Gemeinden entstanden dort (vgl. Apg. 6, 5; Gal. 2, 11-14; Apg. 15) und es wurde daselbst erstmals die Bezeichnung "Christen" gebraucht (Apg. 11, 26). Der "Stuhl Petri" oder auch die "Cathedra Petri" (lat.) zeichnete den Bischofssitz von Antiochia mit apostolischer Würde aus, dessen erster bedeutender Inhaber Ignatius war.

Von Troas aus sandte Ignatius nun den Gemeinden von Philadelphia und Smyrna Briefe; daneben schrieb er einen persönlichen Brief an Polykarp, den Bischof von Smyrna, der am 23. Februar 155 n. Chr. den Märtyrertod erlitt. Die letzte Nachricht von Ignatius kam aus Philippi in Mazedonien, auf der anderen Seite des Ägäischen Meeres, wobei er also genau denselben Weg wie der Apostel Paulus genommen hatte. In der Römerzeit war Philippi eine wichtige Station auf der "Via Egnatia", der Hauptstraße durch den Norden Griechenlands nach Rom. Wahrscheinlich wurde er damals auf dieser "Via Egnatia" an die Adria und dann nach Italien gebracht. Ignatius starb als Märtyrer unter Trajan oder Traian (Marcus Ulpius Traianus), römischer Kaiser (18.9.53-10.8.117 n. Chr.), der von 98-117 n. Chr. regierte. Das genaue Datum seines Todes ist nicht bekannt; es könnte jedoch im Jahre 110 n. Chr. gewesen sein. Bei den Briefen des Ignatius (abgekürzt: Ign) handelt es sich um insgesamt sieben Briefe, die er auf dem Wege zum Martyrium an Gemeinden in Kleinasien, an den Bischof Polykarp und an die Gemeinde zu Rom geschrieben hatte.

Grundsätzlich kann zu den sieben Sendschreiben noch folgendes gesagt werden: Die hier im Bibeltext erwähnten Gemeinden in Kleinasien bestanden alle zur Zeit des Johannes, deshalb betrifft der Inhalt der sieben Sendschreiben, wie sie allgemein genannt werden, zunächst einmal diese ursprünglichen Gemeinden. Die darin erwähnten Zustände in den einzelnen Versammlungen haben sich jedoch über die Jahrhunderte, d. h. seit fast 2000 Jahren, erhalten und sind heute ebenfalls in unseren Gemeinden zu finden. In den verschiedenen Versammlungen in der ganzen Welt und zu allen Zeiten konnte man immer die gleichen Vorkommnisse feststellen wie damals zur Zeit des Johannes, allerdings war immer ein bestimmter Gemeindetypus in einem bestimmten Zeitalter vorherrschend. Bei der prophetischen, zeit- und kirchengeschichtlichen Betrachtung der Sendschreiben in den beiden nächsten Kapiteln (Offb., Kap. 2 + 3) kommt dieser Aspekt besonders zur Geltung.

Auch heute noch bestehen in den Gemeinden bei uns und anderswo dieselben Zustände, die es gilt abzustellen, um untadelig vor Gott zu stehen. Selbstverständlich geht das nur dadurch, daß Christus das Haupt ist der Gemeinde, die er als seinen Leib erlöst hat. ... gleichwie auch Christus geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben, auf daß er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, auf daß er sie sich selbst darstellte als eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen, sondern daß sie heilig sei und unsträflich. (Epheser 5, 23 + 25-27). Dem aber, der euch kann behüten ohne Fehl und stellen vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unsträflich mit Freuden, Dem Gott, der allein weise ist, unserm Heiland, sei Ehre und Majestät und Gewalt und Macht nun und zu aller Ewigkeit! Amen. (Judas 24 + 25, Luthertext von 1914). Möge der Heilige Geist das immer in allen Gemeinden aufzeigen und uns zur Veränderung bewegen oder gar nötigen.

Man kann diese Briefe, wie auch die ganze Offenbarung, ebenfalls seelsorgerlich auslegen, was einige Männer Gottes schon bestens gemacht haben. Das ist jedoch nicht der Hauptsinn dieses prophetischen Buches, wie schon der Name sagt. So ist es auch nicht das Wichtigste, ein anderes, z. B. geschichtliches Buch, prophetisch auszulegen. Trotzdem freue ich mich sehr darüber, wenn dadurch ungewöhnliche und tiefgreifende Dinge aufgedeckt werden, die mir bis dahin verborgen waren. Leider findet das oft nicht das nötige und durchaus angebrachte Verständnis in den Gemeinden. Ich bewundere und staune immer wieder, welch eine Weisheit unser uns liebender Gott in alle biblischen Schriften hineingelegt hat. Für mich ist es sodann auch ganz selbstverständlich, wenn bei einer seelsorgerlichen Auslegung auch persönliche Anliegen betrachtet werden, die vielleicht einem Gemeindeglied von großer Hilfe sein können. Solange alles mit den Grundaussagen der Bibel übereinstimmt, habe ich absolut keine Bedenken zu einer solchen Auslegung oder irgendeiner anderen. Aus diesem Grunde werde ich in diesem Buch keine seelsorgerliche Auslegung vornehmen, sondern mich bemühen, den Text der Offenbarung besonders in seiner prophetischen Bedeutung zu erklären.

Die Bibel sagt dazu: Die Worte des Herrn sind lauter wie Silber, im Tiegel geschmolzen, geläutert siebenmal. (Psalm 12, 7). und: Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird. (Psalm 66, 10)., weiter heißt es: Alle Worte Gottes sind durchläutert; er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen. Tu nichts zu seinen Worten hinzu, daß er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst. (Sprüche 30, 5 + 6).

Jedes einzelne dieser sieben Sendschreiben hat dann folgende, siebenfältige Bedeutung:
1. für die einzelne Gemeinde von damals, nach dem jeweiligen Adressaten,
2. für alle Gemeinden von damals, da der Inhalt für alle wichtig war,
3. für die Gemeinden der jeweiligen Epoche der Kirchengeschichte, da es nur
eine bestimmte Zeit betraf,
4. für die Gemeinden aller Epochen der Kirchengeschichte, da es für alle Zeiten
gültig ist,
5. für die einzelne Gemeinde von heute, in der die gleichen Zustände herrschen,
6. für alle Gemeinden von heute, da es für alle von Bedeutung ist und
7. für die einzelnen Gläubigen persönlich, da es als Wort Gottes für jeden gilt.

Die Bedeutung der verschiedenen Sendschreiben für den einzelnen Gläubigen kann man dann in Anweisungen für jeden persönlich formulieren, wie z. B.:

Wir kehren nun zurück zu Johannes, der dann weiter berichtete:

Und ich wandte mich um, zu sehen nach der Stimme, die mit mir redete. Und als ich mich wandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war eines Menschen Sohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, und seine Füße gleichwie goldenes Erz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht. (Offb. 1, 12-16).

Johannes sieht zuerst: sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der war eines Menschen Sohn gleich. Die Leuchter symbolisieren Organe des Lichts und zwar des Wortes und Geistes Gottes. Als Jesus auf dem Laubhüttenfest war, kam er wieder in den Tempel und alles Volk kam zu ihm:... Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh. 8, 2 + 12).

Zu seinen Jüngern sagte er in der Bergpredigt: Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Matth. 5, 14-16). An einem Leuchter sind wiederum sieben Flammen, also eine Sammlung von Licht. Dieses ist die Versammlung oder Gemeinde bzw. Kirche, wie uns der Herr selbst erklärt am Ende dieses Kapitels, in Offb. 1, 20. Diese Versammlungen, Gemeinden und Kirchen sind jedoch nur Lichtträger, insoweit sie dann in enger Verbindung zu Jesus Christus stehen, der Quelle allen Lichtes, in der Kraft des Heiligen Geistes.

Am Anfang des Neuen Testamentes wird uns berichtet: Und es trat zu ihm ein Schriftgelehrter, der sprach zu ihm: Meister, ich will dir folgen, wo du hingehst. Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege. (Matth. 8, 19-20). Erstmals im Neuen Testament wird diese Bezeichnung "des Menschen Sohn" hier erwähnt. Die Besonderheit des Ausdruckes liegt darin, daß er wörtlich im Hebräisch/ Aramäischen soviel bedeutet wie Mensch, daß er aber seit Daniel zu einem besonderen Titel des Messias wurde. Dort wird prophetisch von Christi Himmelfahrt gesprochen (fast 500 Jahre vorher). Daniel hatte eine Vision und bezeugte damals schon: Ich sah in diesem Gesicht in der Nacht, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. (Dan. 7, 13).

Sooft Jesus diesen Ausdruck benutzte, fragte sich der Hörer immer: Meint er sich als Mensch oder als Messias? Bei den Schriftgelehrten hat Jesus alle Unklarheiten beseitigt, als er vor dem Hohen Rat stehend sich auf diese Schriftstelle bezog: Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest, ob du seist der Christus, der Sohn Gottes. Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Auch sage ich euch: Von nun an wird's geschehen, daß ihr sehen werdet des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels (Matth. 26, 63-64).

Jesus hat diesen Ausdruck für sich bevorzugt, da der Titel "Messias" zu seiner Zeit oft mißdeutet wurde. Man erwartete eher einen politischen Revolutionär, jedoch kaum den Sohn Gottes. Außerhalb der Evangelien finden wir diese Bezeichnung "eines Menschen Sohn" dagegen nur selten, da aus Ehrfurcht vor dem Sohne Gottes meistens "Christus" geschrieben wurde. In unseren Bibeln wird normalerweise das lateinische Wort "Christus" für den hebräischen Titel "Messias" verwendet, was soviel bedeutet wie "der Gesalbte Gottes". Das Neue Testament wurde aus dem Griechischen übersetzt, da es bisher keine andere Originalsprache gibt. Es ist nicht sicher, ob ein hebräisches Original je existiert hat, jedenfalls wurde es bis jetzt noch nicht gefunden.

Jetzt beschreibt Johannes die verklärte Gestalt Jesu, die er sieht:der war angetan mit einem langen Gewand und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. DasGewand erinnert an das Untergewand des Hohenpriesters, dessen Beschaffenheit Gott selbst bestimmt hat, indem er Mose befahl: Und du sollst Aaron, deinem Bruder, heilige Kleider machen, die herrlich und schön seien (2. Mose 28, 2). Du sollst auch das Untergewand kunstreich wirken aus feiner Leinwand ... (2. Mose 28, 39). Und sie machten auch die Untergewänder aus feiner Leinwand, gewebt, für Aaron und seine Söhne (2. Mose 39, 27). Die römisch-katholische Kirche hat übrigens dieses Gewand nachgeahmt in der Albe, dem langen, weißen Untergewand für ihre Priester.

Der goldene Gürtel weist auf das Königtum Christi hin, der da ist ein Sohn Davids (Matth. 1, 1). Daniel beschreibt, was er gesehen hat: und ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, da stand ein Mann, der hatte leinene Kleider an und einen goldenen Gürtel um seine Lenden. (Dan. 10, 5). Und siehe, einer, der einem Menschen gleich war, rührte meine Lippen an. Da tat ich meinen Mund auf und redete und sprach zu dem, der vor mir stand: Mein Herr, meine Glieder bebten, als ich das Gesicht hatte, und es war keine Kraft mehr in mir. (Dan. 10, 16).

Dieser Mann, der einem Menschen gleich war, wird nun allgemein als "Engel des Herrn" gedeutet, was als eine Umschreibung für Jesus im Alten Testament erklärt wird, so z. B. nach dem Bericht über Moses Berufung: Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, daß der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der Herr sah, daß er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. (2. Mose 3, 2-4). Im Lexikon zur Bibel (R. Brockhaus Verlag, Wuppertal) heißt es dazu: Manchmal wird zunächst von einem E. (Engel, Anm.) gesprochen, der Redende dann aber als "der Herr" selber bezeichnet (1. Mose 16, 7-11 + 13; 2. Mose 3, 2 + 3).

Die Beschreibung von Jesu Gesicht gleicht dem von Gott, dem Vater, wie ihn Daniel gesehen hat: Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupt rein wie Wolle; Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer. (Dan. 7, 9). Andere Übersetzungen für: und einer, der uralt war, setzte sich, z. B. Konkordante Übersetzung: Und der Verfüger über Tage Sich setzte, also einer, der über viele Tage verfügt, oder, gewiß zum besseren Verständnis, einer, der schon viele Tage erlebt hat. Die Übersetzung aus Herders Bibelkommentar (römisch-katholisch): ... und ein Hochbetagter setzte sich, was wohl noch am deutlichsten ist. Der Luthertext von 1914 lautet, vielleicht ein wenig respektlos für unsere Zeit: ... und der Alte setzte sich. Die Erklärung in der Scofield-Bibel dazu: Ein Titel, der den ewigen Charakter Christi bezeichnet.

Sein Haupt aber und sein Haar war weiß ... und seine Stimme wie großes Wasserrauschen. Ähnlich wie Johannes hier die Stimme Jesu beschreibt, so vernahm Hesekiel die Herrlichkeit des Gottes Israels: Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam von Osten und brauste, wie ein großes Wasser braust, und es ward sehr licht auf der Erde von seiner Herrlichkeit. (Hes. 43, 2). So beschreibt auch Daniel den Engel des Herrn, den er sah an dem großen Strom Tigris: ... sein Antlitz sah aus wie ein Blitz, seine Augen wie feurige Fackeln, ... und seine Rede war wie ein großes Brausen. (Dan. 10, 6).

Die sieben Sterne in seiner rechten Hand werden uns später erklärt in Offb. 1, 20. Weiter heißt es dann: und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, was genauso auch im Hebräer-Brief erwähnt wird: Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. (Hebr. 4, 12). Johannes bezeugte schon in seinem Evangelium die Geburt Jesu als die Menschwerdung des Wortes Gottes: Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.(Joh. 1, 14).

Wir wenden uns den nächsten Versen der Offenbarung zu:

Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie ein Toter; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes. Schreibe, was du gesehen hast, und was ist, und was geschehen soll danach. Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und die sieben goldenen Leuchter; die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden. (Offb. 1, 17-20).

Wie nun Johannes zu des Herrn Füßen fiel, als er seine Herrlichkeit sah, so erging es auch den Propheten im Alten Testament, z. B. Hesekiel: Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des Herrn anzusehen. Und als ich sie gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden. (Hes. 1, 28). Oder auch Daniel, als er dem Engel des Herrn begegnete: Und als ich, Daniel, dies Gesicht sah und es gerne verstanden hätte, siehe da stand einer vor mir, der aussah wie ein Mann, und ich hörte eine Menschenstimme mitten über dem Ulai rufen und sprechen: Gabriel, lege diesem das Gesicht aus, damit er's versteht. Und Gabriel trat nahe zu mir. Ich erschrak aber, als er kam, und fiel auf mein Angesicht. Er aber sprach zu mir: Merk auf du Menschenkind! Denn dies Gesicht geht auf die Zeit des Endes. (Dan. 8, 15-17).

Ähnlich wird uns auch Jesajas Berufung zum Propheten bezeugt: In dem Jahr, als der König Usia starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel. Seraphim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel; mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig, ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus ward voll Rauch. Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehen mit meinen Augen. Da flog einer der Seraphim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, daß deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei. Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! (Jes. 6, 1-8).

Es ist mehr als erschütternd, zu sehen, daß diese Ehrfurcht vor Gott bei uns weitgehend verlorengegangen ist. Gedankenlos redet das abendländische Christenvolk heute bestenfalls noch vom sogenannten "lieben Gott", wenn überhaupt. Diese Vorstellung eines alles duldenden, nie zürnenden Gottes kennt die Bibel nicht, sondern sie ist das Produkt einer humanistischen, autoritätslosen, pluralistischen Gesellschaft, die durch ihre Wertelosigkeit wertlos geworden ist. Die große Illusion der Moderne besteht außerdem darin, zu meinen, daß man Gott loswerden und Frieden schaffen könne, und den Zusammenhang zwischen Gottlosigkeit und Friedlosigkeit zu übersehen. Auf sie trifft das Wort des Dichters zu: Wie der Mensch, so sein Gott, darum ward auch Gott so oft zum Spott. Die Mahnung des Apostels Paulus ist heute aktueller denn je: Irret euch nicht! Gott läßt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. (Gal. 6, 7). Das Ergebnis der modernen Erziehung sehen und hören wir in unserer Umgebung, die lieb- und respektlos geworden ist und meistens nur das Eigene sucht.

Jesus bestätigt noch einmal: Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.Es gibt keine Zweifel an Jesu Auferstehung; Er lebt! Er hat die Schlüssel der Hölle und des Todes: der daraus befreien, aber auch darein (alte Sprache, Anm.) verschließen kann. (Erklärung der Jubiläums-Bibel). Der Apostel Paulus schrieb an seinen Schüler und engsten Mitarbeiter Timotheus: Er hat uns gerettet und berufen mit seinem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart durch die Erscheinung unsers Heilandes Jesus Christus, welcher hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium, für welches ich gesetzt bin als Prediger und Apostel und Lehrer. (2. Tim. 1, 9-11).

Niemand anderes hat diesen Schlüssel, der die Hölle aufschließen und zuschließen kann, als allein Jesus. Wir können deshalb sicher sein, daß er zur gegebenen Zeit dafür sorgt, daß keiner für immer im Tode bleiben wird. Selbst der beharrlichste Atheist oder Gottesleugner wird einmal auferstehen, dann allerdings zum Gericht. Es ist also unbedingt erforderlich, vorher die angebotene Gnade Gottes zu ergreifen. Dadurch wird auch das Wort Jesu an seinen Jünger Thomas bestätigt: Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6).

Jesus gibt nun einen klaren und bestimmten Auftrag an Johannes: Schreibe, was du gesehen hast, und was ist, und was geschehen soll danach. Die zuerst gegebene Anweisung (Offb. 1, 11), was er sieht, in ein Buch zu schreiben und an die sieben Gemeinden zu senden, wird hier durch Jesus ergänzt und bestätigt. Dieser neue Auftrag kann in gewisser Hinsicht als wesentlicher Schlüssel zum Verständnis der Offenbarung gesehen werden. Es ergibt sich somit folgende Einteilung: - Schreibe: a) was du gesehen hast, die majestätische Gestalt im Himmel, dieser erhöhte Herr, das ist die Erscheinung Jesu Christi;
b) und was ist, das sind die sieben Gemeinden, die damals zur Zeit des Johannes alle bestanden;
c) und was geschehen soll danach, also nach Ablauf der verschiedenen Zeitabschnitte der einzelnen sieben Gemeinden, die insgesamt das Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi bilden.

Wir dürfen demnach, um es nochmals genauer zu wiederholen, gestützt auf diesen Schlüsselvers (Offb. 1, 19), das letzte Buch der Bibel in diese drei Teile gliedern:
a) Offenbarung 1: Die Schau von Jesus, dem Ersten und Letzten, der tot war und nun lebendig ist - die Schau von Jesus als dem Erretter und Erlöser durch sein Blut - die Schau von Jesus als dem Wiederkommenden, der als König aller Könige kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.
b) Offenbarung 2 und 3: Die Schau von der Gemeinde oder Kirche Jesu Christi in den sieben Gemeinden damals, sowie in ihrer Vollzahl heute, in der Zeit des großen Abfalls. Hierbei ist zu beachten, daß diese sieben Sendschreiben ein prophetisches Bild der Kirchengeschichte von ihrem Anfang bis zum Ende geben. Interessanterweise hat sich alles genau nach diesem Schema ereignet, was wiederum ein Beweis der Zuverlässigkeit der Weissagungen in diesem Buche ist.
c) Offenbarung 4 ff.: Die Schau von den Ereignissen nach Ablauf des gesamten Zeitalters der Gemeinde oder Kirche Jesu Christi, bzw. am Ende dieses Zeitalters, da der Übergang ja fließend ist. Wir können jedoch schon feststellen, daß große Ereignisse ihre Schatten vorauswerfen. Wenn auch die Kirchengeschichte noch nicht ganz abgeschlossen ist, so haben wir doch schon durch die beiden Weltkriege in unserem Jahrhundert einen bitteren Vorgeschmack von dem bekommen, was uns in naher Zukunft an Gerichten Gottes bevorsteht. Wer jedoch die Gewißheit hat, daß er ein Kind Gottes ist, der hat auch dann nichts zu befürchten. Der geneigte Leser mag jetzt einwenden: Wie kann man das eigentlich so genau wissen, ob man ein Kind Gottes ist? Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, daß wir Gottes Kinder sind. (Röm. 8, 16). ... Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. (Röm. 8, 9).

Der letzte Vers von Kapitel 1 ist sehr aufschlußreich, deshalb sei er hier nochmals angeführt:

Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast in meiner rechten Hand, und die sieben goldenen Leuchter: die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter sind die sieben Gemeinden. (Offb. 1, 20).

Hier wird von Jesus selbst die Bedeutung von dem erklärt, was Johannes in Offb. 1, 12 und 16 gesehen hat. Weil nun Johannes als Mensch keinen Brief an himmlische Wesen schreiben kann, ist damit wohl eindeutig der Gemeindevorsteher gemeint, der sicherlich auch einen dienstbaren Geist im Himmel hat (Hebr. 1, 14). Dazu sei noch diese Erklärung eingefügt: Das hebräische "malak" und das griechische "angelos" (= angeloV, Anm.) bedeuten beide "Bote, Gesandter". Beide Worte werden in der HS (= Heilige Schrift, Anm.) für den gewöhnlichen menschlichen Boten (1. Mose 32, 4 [3]; Jak. 2, 25), den Menschen (Prophet, Priester) als Boten Gottes (Haggai 1, 13; Mal. 2,7; Matth. 11, 10) und hauptsächlich für den himmlischen Gottesboten gebraucht. Aus: Lexikon zur Bibel (R. Brockhaus Verlag, Wuppertal).

Diese Bibelstellen lauten wie folgt: Jakob aber schickte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau ins Land Seïr, in das Gebiet von Edom. (1. Mose 32, 4, andere Verszählung in anderen Bibelausgaben). Ist nicht desgleichen die Hure Rahab durch Werke gerecht geworden, da sie die Boten aufnahm und ließ sie auf einem andern Weg hinaus? (Jak. 2, 25). Da sprach Haggai, der Bote des Herrn, der beauftragt war mit der Botschaft des Herrn an das Volk: Ich bin mit euch, spricht der Herr. (Haggai 1, 13) Denn des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, daß man aus seinem Munde Weisung suche; denn er ist ein Bote des Herrn Zebaoth. (Maleachi 2, 7). Dieser ist's, von dem geschrieben steht (Mal. 3, 1): "Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll." (Matth. 11, 10). Außerdem ist zu bedenken, was im Hebräer-Brief über die Engel gesagt wird: Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen? (Hebr. 1, 14).

Daniel schreibt im Zusammenhang mit der Auferstehung der Toten: Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. (Dan. 12, 2-3). Wie die Sterne werden demnach diejenigen leuchten, die viele zur Gerechtigkeit weisen. Die sieben Engel der Gemeinden werden als sieben Sterne bezeichnet, die sieben Gemeinden als sieben Leuchter.

Wenn wir uns jetzt in den nächsten beiden Kapiteln den sieben Sendschreiben an die damaligen Gemeinden in Kleinasien zuwenden, möchte ich dabei den wichtigen Hinweis beachten, den Pastor John Theobald in seinem Buch: "Mitternacht ist's auf der Weltenuhr", Vertrieb: STIVA Druck und Verlag GmbH, Urbach, auf Seite 17 gibt:
Die Betrachtung der sieben Sendschreiben erweist sich als dermaßen interessant und erbaulich, daß ihr bei einem ausführlichen Studium der gesamten Offenbarung weit mehr Beachtung geschenkt werden müßte.

Pastor John Theobald beschäftigte sich jedoch nicht so sehr mit der seelsorgerlichen Botschaft als mit dem prophetischen Wort der Bibel betreffs unserer Zeit. Aus diesem Grunde habe ich allerdings sehr viel wert darauf gelegt, gleichermaßen die geschichtliche Entwicklung jeder der sieben Gemeinden eingehend zu betrachten, auch wenn es für den einen oder anderen Leser zunächst nicht so interessant erscheint. Wer sich jedoch früher nie gerne mit Geschichte befaßt hat, der wird jetzt vielleicht manchmal erstaunt sein, wenn er diese Dinge im Zusammenhang mit dem prophetischen Wort der Bibel ließt. Er wird dann sicherlich nicht selten sehr überrascht sein, wenn er feststellt, wie der Herr Jesus Christus oft gerade kaum bekannte Kleinigkeiten in den einzelnen Gemeinden aufgreift, um äußerst treffend zu einer bestimmten Situation seine prophetische Stellungnahme zu geben.
 

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